Sonntagsschuss

Ewig grüßt das Kölner Südstadion. So auch am 5. Februar 2011. Gastgeber zum ersten (Nachhol-)Spiel des Jahres war der Ankermieter dieser Immobilie, der SC Fortuna Köln. Ebenso wie der RWE ein Urgestein der zweiten Liga. Jüngeren Fans auch als „Dein Fußballclub“ bekannt. Eine Begegnung, die auch medial entsprechend aufbereitet werden sollte. Über 2000 RWE Fans bildeten eine würdige Unterstützung für die Mannschaft unter den 2427 Besuchern und durften ein spätes, in seiner Entstehung recht glückliches 1:0 durch Suad Tokat feiern. Da dieses Tor auch den Endstand markierte, gelang der Auftakt nach langer Pause und bedeutete zudem die erneute Tabellenführung. Zwar reicht auch der zweite Tabellenplatz zum Aufstieg (Ich nehme dieses Wort so langsam aber sicher in meinen sprachlichen RWE Wortschatz wieder auf), hat aber keine so „peitschende“ „Spitzenreiter,Spitzenreiter“ Anfeuerung zur Folge. Der RWE selbst hat das Spiel wie folgt gesehen:

Rot-Weiss Essen hat sich eindrucksvoll aus der Winterpause zurückgemeldet. Beim selbsternannten Aufstiegsaspiranten Fortuna Köln hat das Team von Waldemar Wrobel durch ein Treffer des eingewechselten Suat Tokat (84.) mit 1:0 (0:0) gewonnen und gleichzeitig die Tabellenspitze zurückerobert.

Auch wenn Tokat die Gäste am Samstagmittag mit einem Sonntagsschuss auf die Siegerstraße brachte, hatte der erste Pflichtspielsieg im Jahr 2011 mit Glück wenig zu tun. Vielmehr machte Rot-Weiss den Fortunen in puncto Laufbereitschaft, Einsatz und mannschaftliche Geschlossenheit etwas vor und hätte schon früher die Führung markieren können. Holger Lemke (26.) scheiterte jedoch zunächst freistehend am Kölner Keeper Jonas Sela, Leon Enzmann (37.) verfehlte das Tor genauso wie Alexander Thamm (55.).

Und die Fortuna? Bis auf einen direkten Freistoß von Alexander Ende, bei dem es einer Glanzparade von RWE-Torwart Dennis Lamczyk bedurfte, um einen Gegentreffer zu verhindern, ließ das Team von Waldemar Wrobel die Rheinländer einfach nicht zum Zug kommen. Vielmehr hatte der für Lukas Lenz eingewechelte Winterzugang Benedikt Koep gleich zwei Mal allein vor Sela sogar die Möglichkeit, mit dem 2:0 alles klar zu machen (84., 88.). Schließlich reichte es aber auch so für RWE, weil Tokat in Kooperation mit Lemke Moussa Ouattara des Balls beraubte und mit einer genialen Bogenlampe Sela zum 1:0 überwand.

„Wir haben einen hochverdienten Sieg errungen. Natürlich ist es etwas Besonderes, wenn das Tor so spät fällt, aber das ändert nichts daran, dass dieses Resultat in Ordnung geht. Wir hatten deutlich mehr Torchancen als Köln und haben die eine eben auch genutzt“, resümierte Wrobel.

Essen, drei Tage später: Viertelfinale im Diebels Niederrhein Pokal. Vor einer Dekade noch belächelt, heuer einmal mehr die Chance in den lukrativen DFB Pokal einzuziehen. Gegner in diesem Wettbewerb war wie so oft, der Wuppertaler SV. Also einer der Vereine, welcher in der langen Liste der traditionellen Rivalen ziemlich weit vorne zu finden ist. Das bürgt auch für einen gut gefüllten Gästeblock nebst üblichen „Verpeilten“, die sich gerne mal blamieren. Insgesamt 7201 Fans waren es schließlich, die voll und ganz auf ihre Kosten kommen sollten, sofern sie dem rot weissen Lager zugehörig waren. Viermal schepperte es „Ene mene miste“ aus den alten Boxen und viermal wurde die Zeit besungen, als man sich gefunden hatte. Frohe Stunden also auch an diesem Abend mündeten sie doch in einem 4:1 Erfolg. Zweimal Lukas Lenz (Einmal mehr ein Traumtor!) sowie zweimal der Neuzugang des 1.FC Kleve, Benedikt Koep stellten diesen Erfolg her. Das sagt der RWE dazu:
Was für ein Abend! Rot-Weiss Essen hat den Regionalligisten Wuppertaler SV mit 4:1 (2:0) geschlagen und zieht damit ins Halbfinale des Niederrheinpokals ein. Vor 7201 Zuschauern kamen die Gäste zunächst besser in die Partie und hatten durch einen Freistoß von Tom Moosmayer (7.) die erste Chance des Spiels, Björn Weikl (11.) verfehlte erneut mit einem ruhenden Ball das Tor von Dennis Lamczyk knapp.

Nach unsicherer Anfangsviertelstunde kam das Team von Waldemar Wrobel besser ins Spiel, ohne sich dabei zunächst jedoch klare Torchancen herauszuspielen. Doch Lukas Lenz nutzte gleich die erste große Möglichkeit und knallte aus der Drehung den Ball zum verdienten 1:0 unter die Latte (37.). Wenig später tauchte Lenz erneut frei vor WSV-Schlussmann Sascha Samulewicz auf. Der konnte den Schuss des starken Essener Goalgetters zwar noch abfälschen, aber nicht mehr parieren (43.).

Der WSV kam aber erneut besser aus der Kabine und durch Jerome Assauer (54.) noch einmal auf 1:2 heran. Davon ließ sich unsere Mannschaft aber nicht aus dem Konzept bringen und konterte die anrennenden Wuppertaler phasenweise im Minutentakt aus. Die Entscheidung kam dann – wie schon am Samstag in Köln – von der Bank. Benedikt Koep kam herein (82.), traf zum 3:1 (85.) und 4:1 (92.).

„Ein sehr angenehmer Abend war das“, sagte Wrobel. “ Wir waren über 90 Minuten ebenbürtig und kein Klassenunterschied zu erkennen. Vielleicht ist das Ergebnis um ein oder zwei Tore zu hoch ausgefallen, aber ich denke, es geht in Ordnung, dass der Sieger Rot-Weiss Essen heißt.“

WSV-Trainer Michael Dämgen gestand: „Die Enttäuschung ist riesengroß. Wir haben nach einem Eckball das 0:1 bekommen, dann nach einem Konter das 0:2. Danach war es natürlich schwer. Als dann das 1:3 gefallen ist, war die Partie praktisch entschieden.“

Für RWE geht es nun im Halbfinale des Niederrheinpokals gegen die Niederrheinligamannschaft von TuRU Düsseldorf, die sich parallel mit 3:1 bei Union Nettetal für die Vorschlussrunde qualifiziert hat.
Nach dem Spiel trafen sich dann Spieler und Fans diesseits und jenseits des Zaunes, um den Erfolg zu feiern. Und beide Seiten werden nicht müde, immer weiter zu hüpfen. So langsam drängt sich mir die Frage auf, was da gerade passiert an der Hafenstraße 97a zwischen Borbeck und Vogelheim im Essener Norden: Hat diese Mannschaft den Verein gerettet, oder wiederbelebt? Oder haben die Fans diesen erst am Leben erhalten und nun zu neuen Erfolgen getrieben? Vielleicht schulden wir doch dem Oberbürgermeister Dank, der den Verein quasi gezwungen hat, sich neu zu besinnen. Liegt alles am Trainer, der nur Dank der Insolvenz in den Fokus gerückt ist. Welchen Anteil hat der neue Mann am Ruder ? Sind Erneuerungen und Innovationen in der Außendarstellung ihm zu verdanken? Hat gar der neue „Schreck vom Niederrhein“ dazu beigetragen, die gegnerische Mannschaft in Angst und Schrecken zu versetzen? Es ist wohl ein glücklicher Mix aus allem, der diese Saison mit dem RWE zu einer solch schönen werden lässt. Und eines sollte stolz machen: Die Medien schenken diesem Verein, dieser Mannschaft mittlerweile wieder eine positive Aufmerksamkeit, die so manchen Verantwortlichen bis hin in Liga 2 vor Neid erblassen lässt. Wenn dieser Weg nun konsequent weiterverfolgt wird, dann werden sich die langen Jahre der Wut und Enttäuschung bald umkehren in ein Gefühl der Freude und der Gewissheit, ein Teil dieses unbeschreiblichen Vereines zu sein. „Du mein RWE…….

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