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Das Bier gewinnt!

Ab heute ist Schluss mit lustig. Die ungestörten Überholmanöver auf dem Tabellenhighway to Hell sind Geschichte: Borussia Dortmund startet wieder in den Trainings- und Ligabetrieb. Mit sicherlich exakt ausgewogener Anzahl an Spielern, um allen Auflagen gerecht zu werden. Fünf Spiele gegen drei Spiele bei zwei Punkten im Voraus: Die Karten liegen weitestgehend auf dem Tisch. Vielleicht sollten wir spätestens Sonntag vor dem zeitgleichen Anpfiff beider relevanten Spiele in Köln und Straelen eine Runde Diazepam für alle schmeißen, um die mittlerweile doch arg strapazierten Nerven in den Griff zu bekommen.

Vorher aber haben unsere Roten noch eine andere Aufgabe zu bewältigen: Heute Abend geht es ab 19:00 Uhr gegen den Sportverein 1919 Straelen e. V im „Europapokal Vier“ (früher mal als Niederrheinpokal bekannt) um den Einzug in das Finale. Das zweite Halbfinale bestreiten zudem der Wuppertaler SV und der MSV Duisburg. Immer öfter nun stellt sich die Frage der Belastungssteuerung unser arg strapazierten Fußballer. Oder der einer möglichen Rotation. Ordnet man das Halbfinale dem Ligaspiel am Sonntag unter oder doch nicht? Und warum hatten wir keinen Frühling?

Wir können sicher darauf vertrauen, dass unser Trainerteam natürlich auch heute auf Sieg stellt, um ins Finale durchstecken zu können. Daher sollten die Körner einmal mehr reichen, um mit den Spielerpässen in die Schnittstelle zu kommen. Im Ernst und abseits der Phrasendrescherei: Heute ist Pokal und der hat seine eigenen Gesetze…

Die Spiele als Freilos im DFB Pokal haben uns allen nicht nur unvergessene sportliche Momente beschert, sondern natürlich auch Bares für rare Zeiten in die Kassen gespielt. In Zeiten der Pandemie ein unverhoffter Baustein, der Rücklagen schafft und Möglichkeiten bietet. Alles in allem ein gern durchlebtes Szenario, welches man auch für die kommende Saison gerne wieder mitnehmen möchte. Somit auch hier: Niemals aufgeben!

Der heutige Gegner aus Straelen übrigens Sonntag der Erste der „glorreichen Fünf“ gegen den BVB und somit auch ein Zünglein an der Waage Aufstieg. Das dachte sich wohl auch das stets rührige Team von jawattdenn und hat sich intern überlegt, wie man Fußballer immer noch am Besten dafür motivieren kann, ein Spiel zu gewinnen. Hier kommt als Ergebnis nach vielen Zoom-Meetings die alte Kreisliga Wahrheit „Das Bier gewinnt“ ins Spiel: Was hat Rot-Weiss Essen, was andere nicht haben? Außer „Alles natürlich“ kommt direkt danach unser gutes Stauder als unschlagbares Argument! Weder in Straelen, Wuppertal, Rödinghausen oder Bergisch-Gladbach gibt es meines Wissens eine eigene Brauerei. Und Homberg als Stadtteil von Duisburg dürfte unter KöPi genug leiden.

Die Motivation war also schnell gefunden, beschlossen und verkündet: Derjenigen Mannschaft, die es schafft, gegen Borussia Dortmund einen Punkt zu holen, winken 50 Liter Stauder. Sorgt der Anreiz Stauder gar für richtig flüssige Beine und solch perlende Kombinationen, so dass es zu einem Sieg gereicht, werden sogar 100 Liter Stauder ausgelobt. Das ist natürlich kein unlauterer Wettbewerb, aber allemal eine Hommage an Fußballligen, in welchen sportliche Dinge im Nachgang stets bei einer Kiste Bier geklärt wurden und hoffentlich bald wieder werden. Die Stutzen dabei schon auf Halbmast, aber noch so hoch, so dass die Schachtel Kippen darin Halt finden kann.

Liest man nun quer durch alle Rot-Weissen Kanäle, so findet sich eine solch breite Unterstützung für die Idee der jawattdenns, so dass die Mannschaften mit Punktgewinnen gegen den BVB ihre Saisonabschlussfeier fast in trockenen Tüchern haben dürften. Von Grillwürstchen über weitere Stauderspenden bis hin zu Zwiebeln ist alles dabei. Da dürfte sich das Engagement auf dem Feld endlich einmal so richtig lohnen. Was ist schon eine Siegprämie allein, wenn man dazu noch die kleine Persönlichkeit bekommen kann? Und natürlich plündert auch „ISDT“ als „Hangaround“ von jawattdenn seine Vereinskasse, und ist mit einer Kiste Stauder im Falle von Unentschieden oder Sieg dabei.

Viel mehr können wir aktuell leider nicht tun, um unsere Mannschaft auf unsere Weise zu unterstützen. Den Fußballgott allein anzubeten bringt gerade auch nicht wirklich viel. Zum einen ist der eh nie da, wenn man ihn braucht, und zum anderen dürfte er schon unter einem unheilbaren Burnout leiden, was seinen Auftrag DFB angeht. Aber, wir sollten nicht nur kritisch sein: Das mit Schalke hat er endlich mal hinbekommen. Wurde ja auch Zeit!

Jetzt geht es in die finale Phase, die allen noch einmal so richtig alles abverlangen dürfte. Auf dem Rasen und vor den Monitoren. Hoffnung im Mai, ein lange nicht mehr gekanntes Gefühl.

Vor Alemannia.

Der größte nationale Sport-Fachverband der Welt offenbarte nach dem DFB Pokalfinale seinen aktuellen Beziehungsstatus auf das Trefflichste bei der Pokalübergabe schon alleine dadurch, dass einfach mal kein Pokal übergeben wurde. Vielleicht aber wollte man schlicht auch nur Abstand zur Jubeltraube halten. Man weiß es nicht! Peinlich allemal, was sich da gerade auf den Fluren der DFB Zentrale abspielt. Die Laune im Keller und kaum schmackhaftes durch den Koch. Selten hat sich ein Verband so intensiv und nachhaltig selbst filetiert. Vielleicht hätte einfach der Landamtsrat von Traunstein den Pokal übergeben sollen, ist er doch mein Held der Stunde.

Einige Spieler nun stemmten jubeltrunken den Pokal in die Höhe, nennen sich DFB Pokalsieger 2021 und treten schon bald wieder in der Regionalliga gegen den Ball. Möge ihnen dieser Titel dermaßen zu Kopfe gestiegen sein, so dass sie den Kick in der Viertklassigkeit als unwürdig betrachten und auch so spielen werden. Dann wäre allen geholfen. Dem Fußball und Rot-Weiss Essen.

Heute nun das Spiel gegen Alemannia Aachen. In normalen Zeiten eines der wenigen Spiele, welches für einen gut gefüllten Gästeblock sorgt. Rot-Weiss Essen gegen Alemannia Aachen. Das hat immer noch den besonderen Klang des Fußballs. Das ist Hafenstraße gegen Tivoli. Das ist Dreck fressen, sind Geldsorgen und bedeutet große Leidensfähigkeit auf den steilen Rängen. Wenn es jemals ein Synonym für die zweite Bundesliga bedarf, dann ist es Rot-Weiss Essen gegen Alemannia Aachen. Eine Begegnung TSG Hoffenheim gegen VfL Wolfsburg zum Beispiel kann emotional nicht annähernd unserer Begegnung standhalten. Wir sind der Dreck unter den Fingernägeln des Fußballs anstatt dessen sterile Hochglanzoptik in Ultra HD.

Für den Fall, dass wir heute unsere zweite Erfolgsserie auch gegen die Alemannia fortsetzen können, dürfen wir uns „Temporärer Tabellenführer von Quarantänes Gnaden“ schimpfen. Da könnten wir uns natürlich nichts von kaufen, aber es wäre neben dem optischen Genuss auch ein kurzer Moment des Stolzes darauf, was unsere Mannschaft in dieser Saison so alles auf den Platz bringt. Das Wasserballett in Oberhausen erneut eine eindrucksvolle Demonstration dessen, was unsere Mannschaft zu leisten imstande ist. Die Kleeblätter sind nicht an ihrer eigenen großen Klappe gescheitert, sondern schlicht an der besseren Fußballmannschaft an diesem nassen Pokalabend. Also wenn es in Oberhausen regnet, dann auch richtig: Unvergessen zum Beispiel das Spiel anno 2008, als uns das Wasser nach Abpfiff aus den Schuhen lief und im Auto notdürftig die klatschnassen Klamotten ausgezogen wurden. Erst kurz vor Gronau hatte die Klimaanlage wieder für einigermaßen klare Sicht im Auto gesorgt.

Es dauert nun nicht mehr lange, bis diese auf vielen Ebenen so besondere Saison ihr Ende findet. Man hat nicht nur das Gefühl, dass sich so langsam aber sicher alles zuspitzt, sondern es ist in der Tat so. Der fünfte Juni ist greifbar. Aber greifen wir ins Leere, oder in das pralle Glück? Meine Meinung ist hinlänglich bekannt, ich glaube weiter fest an Letzteres! Das werden noch anstrengende Momente am Monitor. Momente, auf die man sich weiter hochgradig freut, die aber extrem nervenaufreibend sind. Gesund ist das alles gerade nicht.

Mein Tipp heute lautet 3:1 für RWE. Und wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann würde Marcel Platzek das entscheidende dritte Tor nach feinem Zuspiel von Kevin Grund erzielen. Aber das geht verletzungsbedingt ja leider nicht grad.

Fish & Chips

Es geht auf Mitternacht zu. Aus den angeschlossenen PC Boxen dudelt „Marillion“ und gibt mit ihrem (für mich) einzig wahren Sänger „Fish“ gerade „Heart of Lothian“ zum Besten. Wir sind aus Gründen natürlich alle mehr „Hibs“ als „Hearts“ und ebenso natürlich macht Marillion auch mit Steve Hogarth am Mikrofon seit Urzeiten weiter grandiose Musik. Sollte man sich unbedingt mal in Ruhe gönnen, das Schaffenswerk dieser Band mit ihren zwei Kapiteln.

Es umtreibt mich gerade der Fakt, dass ich in den beiden letzten Beiträgen unbewusst fast dasselbe geschrieben habe um zu umschreiben, was die Mannschaft hier an Heldenstatus erreichen kann, fängt sie die Zweitvertretung des BVB auf der Ziellinie noch ab. Wenn es irgendetwas bewirken könnte, würde ich es auch noch ein drittes und viertes Mal schreiben. Ach komm….ich würde es sogar eintausendneunhundertundsieben Mal wiederholen, wenn es nur irgendetwas nützen würde.

Es fällt schwer, in Worte zu fassen, was mir ein Aufstieg bedeuten würde. Will ich ernsthaft Aachen, Münster, Wuppertal und Oberhausen gegen Wiesbaden, Verl, Viktoria und Freiburg Zwo eintauschen? Aus atmosphärischen Aspekten unter Hinzunahme „normaler“ Zeiten kann das eigentlich keiner wollen. Aber das ist ja nur eine überspitzte Sicht der Dinge. In der 3.Liga warten schließlich auch noch ganz andere Sachen auf uns: Ganz andere Bundesländer zum Beispiel. Nix mehr mit Regio-Ticket! Die Löwen, die roten Teufel, der 1.FC Magdeburg, der Waldhof und selbst die Deppen aus Meppen wären laut aktueller Tabellenlage das bundesweite Ziel langer Fahrzeugkolonnen aus Essen.

Aber selbst das ist es nicht, was diese tiefe Sehnsucht nach dem Aufstieg ausmacht. Es ist eher dieses wohl unbeschreibliche Gefühl, endlich einmal das geschafft zu haben, worauf wir RWE Fans so unendlich lange warten. Ich kann nicht genau sagen, was dieser eine Moment mit mir machen würde, sollte der Abpfiff einer surrealen Saison in Wegberg-Beeck ertönen und uns zeitgleich zum Meister und Aufsteiger küren. Laute Eskalation der Gefühle oder demütiges Schweigen des Dankes? Schwer zu sagen. Es würde auf jeden Fall das Ende einer viel zu langen Reise in den Katakomben des Fußballs bedeuten. Und es ist noch machbar. Vier Punkte im drei Punkte System sind nicht die Welt und Borussia wird nervös.

Ein Aufstieg würde auch bedeuten, dass die vielen, über die traurigen Jahre hinweg, gealterten Fans noch einmal in den Jungbrunnen der Euphorie eintauchen dürften.

Wenn der Aufstieg nun nicht gelingen sollte, was ich nicht glaube, so haben wir doch eine unglaubliche Saisonleistung erlebt, auf die wir gestreamtermaßen stolz sein dürfen. Schließlich war unser RWE auch ohne Gang zur Hafenstraße der wöchentliche Höhepunkt in diesen Monaten der Pandemie. Wir durften unseren privaten Kompass immerhin weiter nach den Spielterminen der Roten ausrichten, was durchaus auch viel Halt gegeben hat. Die Impfkampagne in die Hände der Geschäftsstelle von Rot-Weiss Essen gelegt: Die Quote sähe deutlich besser aus.

Diese Sehnsucht nach dem vermaledeiten Aufstieg ist also eine ziemlich tief sitzende. Endlich einmal am Ende ganz oben zu stehen. Da kann man sich inhaltlich schon mal wiederholen, da gelten ausschließlich mildernde Umstände.

DonDDon`t Stop Believin

Vier!

„Dortmund wird nervös, Dortmund wird nervös…Dortmund, Dortmund, Dortmund wird nervös……“ Soll mir doch keiner erzählen, dass in dem Mehrgenerationen-Spielerhaus an der Strobelallee nicht doch so langsam die Nervosität ausbricht, in Anbetracht der aktuellen rot-weissen Punkteausbeute und zeitgleicher Aufarbeitung der eigenen temporären Torflaute. Unter vier Toren macht man es gerade nicht daheim und das Gegentor der Homburger wurde im Spiel gegen den SV Lippstadt zu einem eigenen umgewandelt, so dass die unzähligen Fans am Stream erneut fünf Tore geboten bekamen. Alle für uns!

Das ist super, denn jetzt wird es sich zeigen, ob die Spieler der Dortmunder „Eins Be“ schon abgewichste Profis sind, die dem Atem des Verfolgers im Nacken kalt lächelnd den Mittelfinger zeigen, oder ob es sich doch um normale Fußballer handelt, die auch schon mal in eine Sinneskrise geraten, befinden sie sich zudem noch teilweise in einem Spannungsfeld zwischen Champions League, Pokalfinale und Regionalliga West. Außerdem ist da ja noch die Isolation aller Profiklubs ab dem zwölften Mai: Gehen Tigges und Companeros mit in die Isolation und dürften demnach nicht mehr unterstützend in der „Eins Be“ wirken, oder wird beschlossen, dass das die Vier komplett für den Aufstieg zur dritten Bundesliga der „Eins Be“ zugeteilt werden?

Wir werden gegen Mitte Mai die Antwort auf diese Frage bekommen und es steht zu befürchten, dass es auch diesmal wieder eine Dortmunder Lösung geben wird. Wie es ja auch schon in der Stadionfrage und in dem Heimrecht regelmäßig Dortmunder Lösungen gab. Grundsätzlich bleibt ja die Frage, wie egoistisch man als Verein sein kann, wenn man auch seine Zweitvertretung auf Teufel komm raus in die dritte Bundesliga befördern will.

Aber, was heißt schon „zu befürchten“, denn aktuell lassen wir mit der Essener Lösung einfach nicht locker und halten kräftig dagegen. So sehr, dass ein Kommentator der RevierSport das Rennen um den Aufstieg wieder als spannend erachtet. Jener Kommentator, der vor Wochen schon dem BVB zum Aufstieg gratulierte. Kann man mal machen, hätte man aber auch lassen können! Denn wenn man ein wenig Ahnung von Fußball und der DNA von Rot-Weiss Essen hat, dann sollte man wissen, dass wir einfach nicht können. Aber einfach auch nicht locker lassen! Niemals holen wir eine Meisterschaft zig Spieltage vor Ende einer Saison. Wir sind die, die am allerletzten Spieltag noch in der Nachspielzeit die Tragödie oder den Triumph erleben.

Klar haben wir aktuell auch mit den personellen Spekulationen für die kommende Saison zu kämpfen. Da wird jeder Name fast im Stundentakt in den Redaktionstopf geworfen, der nicht bei drei auf den Bäumen oder mit einem Langzeitvertrag ausgestattet ist. Rot-Weiss Essen ereilt gerade das Dilemma, zum einen medial immer interessant zu sein, und zum anderen glücklicherweise noch nicht geklärt zu haben, wohin der Weg kommende Saison gehen wird.

Das kennen wir ja schon lange nicht mehr und sollten wir absolut als Luxusproblem betrachten, was es für unsere sportliche Leitung natürlich nicht einfacher macht! Lange Jahre stand bereits im Oktober fest, dass der RWE der Regionalliga sein treuester Verein bleiben wird. Komme, was da wolle! In diesem pandemisch so suboptimalem Jahr ist einfach alles anders. Wir werden aufsteigen. Nur ist das leider noch nicht klar verifiziert und kann noch Wochen dauern. Der Spieler jedoch, dessen Vertrag ausläuft, oder je nach Ligazugehörigkeit ausgerichtet ist, der benötigt Klarheit über seine berufliche Zukunft. Das ist absolut nachvollziehbar und somit wird wohl aktuell ganz viel im Konjunktiv verhandelt.

Eines sollte aber allen klar sein, egal wohin der Weg nach dieser Saison auch führen wird: Ein jeder Spieler des aktuellen Kaders kann zu einer Legende werden, wenn sie diese Saison mit Rot-Weiss Essen aufsteigen. Und mehr gewinnen als nur die Meisterschaft: Steigst Du nach so vielen verdammten Jahren mit Rot-Weiss Essen auf, dann hast Du einen sportlichen Bonus für Dein ganzes weiteres Leben erarbeitet! Du kannst einen Vertrag bei Prollig Pusemuckel oder Barfuß Bethlehem unterzeichnen: Du kommst als Aufsteiger von dem Verein, von dem alle dachten, dass der niemals aufsteigen wird. Die Elf Freunde haben uns mal umschrieben als den Verein, der immer scheitert. Diesmal werden wir nicht scheitern und unser Glück anschließend in Stauder baden.

Geht noch mehr Anreiz? Auch wenn die ganz großen Emotionen aktuell fehlen, da unsere Mannschaft wohl keine Jubeltraubentruppe zu sein scheint, und man nicht in voller Kompaniestärke vor Ort sein kann: Ich glaube weiter fest und unerschütterlich an den Aufstieg, solange dieses Unterfangen rein rechnerisch noch möglich ist.

Nur der RWE!

Straelen

Freitag, 16. April 2021: es gab an diesem Tag nicht nur den feuchten Traum aller Fußballvisionäre in Form von RB Leipzig gegen die TSG Hoffenheim, sondern als Bonus obendrauf auch noch den Aufstieg des FC Viktoria Berlin von 1899 in die dritte Bundesliga. Dort, wo wir so sehnsüchtig hinwollen und uns über eine Qualifikation über zweiundvierzig Runden Qualen müssen, hat der 2013 nach Fusion entstandene und 2018 in eine Kapitalgesellschaft umgewandelte Verein ohne taugliches Stadion die Meisterschaft und den Aufstieg nach elf Spieltagen zugesprochen bekommen (Die absolvierten Spieltage hat die Mannschaft übrigens tatswahrhaftig allesamt gewonnen (Diese Anmerkung gebührt der sportlichen Fairness!).

Dafür gratulieren wir ganz herzlich. Klasse Regelung. Endlich mal jemand, dem Corona in die Karten gespielt hat. Dass der FC Viktoria nicht einmal über ein eigenes Stadion verfügt, welches den (stets zu) hohen Anforderungen des DFB entspricht, hat nur insoweit kurz Wellen geschlagen, als dass der viertplatzierte aus Jena in den Sufstiegstopf geworfen wurde, da das dortige Paradies allen Anforderungen entspricht und zudem einem Umbau zu einer reinen Fußballarena entgegensieht.

Es geht also auch relativ einfach, in den Profifußball aufsteigen, anstatt sich wie wir mit einer lästigen Zweitvertretung herumzukloppen, drei Mittel nicht immer den unseren entsprechen. Klar spielen wir beide stets gegen dieselben Gegner und haben es zuletzt manches Mal selbst verdaddelt, aber die Umstände und Untergründe wurden das ein oder andere Mal schon faszinierend in Richtung BVB gelenkt. man erinnere sich nur an das Hinspiel gegen unseren Nachbarn RWO: Der Nebel hat die Führung der Kleeblätter geschluckt und als torlosen „Re-Start“ wieder ausgeworfen. Faszinierend!

Unter der Woche nun hatte Lippstadt einmal mehr positives zu vermelden, so dass es wieder nicht zum Heimspiel gegen den SVL kam. Für die einen kamen wir so wieder aus dem Rhythmus und konnten uns nicht wie erhofft dem BVB annähern. Für die anderen hingegen wurde der seit einiger Zeit unheilvolle Mittwoch umgangen und bleibt das Spiel als optionales drei Punkte Dingen weiter in der Hinterhand.

Bleibt also von der englischen Woche lediglich das Spiel heute und zwar auswärts beim dortigen Sportverein von 1919. Die Kanarienvögel aus dem Kreis Kleve sind in dieser außergewöhnlichen Saison als Neuling ziemlich gut unterwegs und Habens schon stolze vierundvierzig Punkte gesammelt. Das sind nach Adam Riese übrigens elf Punkte mehr als der stolzeste aller stolzen Aufsteiger in die dritte Bundesliga an seinen elf Spieltagen sammeln konnte.

Und wer hätte jemals gedacht, dass wir nicht nur am Samstag alle den Fünfer für den Stream aus Straelen investieren, sonder gleich auch etwas mehr für den sonntäglichen Kick aus Oberhausen hinterher? Ein Wochenende im Zeichen des Kleeblattes sorgt prinzipiell für leichtes Magengrummeln, aber es ist wie es ist: RWO möchte ja eigentlich auch immer nur wie RWE sein, und an diesem Wochenende dürfen sich die Kleeblätter endlich einmal auch so fühlen. Unser Zuspruch ist ihnen gewiss! Was natürlich den Auswärtserfolg der eigenen und wahren rot-weissen voraussetzt. Gewinnen wir das Spiel in Straelen nicht, kann uns das Spiel tags drauf zwischen Emscher und Rhein-Herne Kanal direkt wieder am Allerwertesten vorbei gehen.

Ein Aufstieg nach elf Spieltagen bedeutet natürlich auch, seit ziemlich Anger zeit keine Einnahmen mehr generiert zu haben. Nicht einmal den obligatorischen „Streaming Zehner“. Von unverhofften Einnahmen aus dem DFB Pokal einmal ganz abgesehen. Da wäre einmal eine „Unter dem Strich“ Rechnung der Finanzvorstände aus Essen und Berlin genau interessant: ist def Wunsch und das Füllhorn dritte Liga so groß, so dass elf Spieltage plus monatelanger Flaute besser zu ertragen sind, als zweiundvierzig Spieltage zuzüglich moderater Einnahmen? Aber gut, wir sollten die große Fanbasis des FC Viktoria nicht unterschätzen. Da wurde sicher Millionen im Fanshop umgesetzt.

Leider sind wir aber auch weiterhin nicht bei „Wünsch Dir was“, sondern bei „So Isses“, denn ansonsten hätten die Sympathien im Nordosten natürlich eher einer Mannschaft wie dem FC Carl-Zeiss gegolten denn einer weiteren Vereinigung monetärer Optimierung im Sinne von RBL und Hoppelheim. Deren Spiel endete übrigens mit einem torlosen Unentschieden. Ein passendes Ergebnis, welches sich ziemlich mit dem emotionalen Esprit beider Mannschaften deckt.

Ach RWE, in Anbetracht Deiner fußballerischen DNA kann es trotzdem noch zu einem Aufstieg in dieser Saison reichen. Und wenn es in der sechsten Minute der Nachspielzeit am allerletzten Spieltag ist. Wir können halt nicht einfach. Und somit glaube ich weiter an das Wunder von (der) Bern(e)!

Auswärtssieg!

Totgesagte leben länger

Moooooment: Zu den Gefühlen der letzten Tage komme ich noch später im Text und bediene mich dazu in Auszügen der letzten Kolumne. Was ich mich aber gerade komplett irritiert, sind die Abgesänge der 11Freunde und von Liga3-Online auf unseren RWE. Unter der Überschrift lesen sich beide Artikel durchaus zugewandt, lassen bisweilen Bedauern erkennen und beziehen sich auch auf auf das kranke Ligensystem hierzulande, soweit, so gut.

Aber scheinbar wurde sich hier auch der Glaskugel bedient. Zumindest im Hause unser aller 11Freunde! Während man RWE bei Liga3 wenigstens noch auf dem bestem Wege dahin wähnt, einmal mehr am Aufstieg zu scheitern, wird man im Hause der gehobenen Fußballkultur nach dem späten Ausgleich der Kleeblätter direkt beerdigt. In Sachen Aufstiegshoffnungen natürlich nur. Des Artikels erster Satz: Rot-Weiss Essen wird auch nächste Saison nicht in der 3.Liga spielen. Werden wir doch, antworte ich mal ganz patzig darauf!  

Es sind gute und wichtige Artikel, und ich denke, dass sich beide Redaktionen weniger über eine weitere Zweitvertretung in der dritten Liga freuen, als über einen Verein der „Kategorie E“ (Gleiches dürfte für alle anderen Staffeln gelten) zum Beispiel. Das was mich also wirklich ärgert, ist der frühe Zeitpunkt der Trauerreden. Es sind noch zehn Spieltage zu spielen. Da kann man noch bis zu dreißig Punkte sammeln. Das ist ja viel aufregender als Ostern. Und wenn es ganz dramatisch kommt, mischen sich auch noch die schwertlosen aus Münster ein, könnten am Ende allen eine lange Nase zeigen und ihrerseits aufsteigen.

Wenn beide Artikel aber vielleicht nur so eröffnet wurden, um unsere Mannschaft noch einmal richtig zu motivieren, dann ist das in der Tat wahrlich gelungen. Ich würde die ersten Abschnitte vergrößern, kopieren und in der Kabine auslegen. Zehn Spieltage vor Saisonende ist die Messe in dieser Liga noch lange nicht gelesen. Den Deckel drauf machen wir erst, wenn rechnerisch nichts mehr geht! 

Ahlen:

Nach dem Auftritt auf seifigem Untergrund im schummerigen Licht von Ahlen war man natürlich in der Tat mehr als bedient. Der eigene Kompass nach Abpfiff ziemlich gestört. In etwa so wie die Kamera unter dem Dach der Tribüne des Wersestadions, die auch nicht immer auf Ballhöhe war sondern oftmals sinnlos umherfokussierte.

Den Abpfiff in Ahlen habe ich nicht mehr mitbekommen, da kurz vor Schluss aus dem Stream ausgestiegen. Wenn man so lange dabei ist, kann man durchaus schon mal ein Spiel „lesen“ und weiss, was noch passiert. Und so war dann auch der späte Siegtreffer für den Tabellenletzten die logische Konsequenz eines Spiels, welches man nie und nimmer hätte verlieren dürfen. Zu verlieren ist grundsätzlich überhaupt kein Problem, allein die Art und Weise hat mich aber in eine Art Schockzustand versetzt, in dem ich reflexartig und direkt alle eigenen sozialen Kanäle deaktiviert habe. Schließlich weiß man, was nach Niederlagen bei Twitter, Facebook & Co. Mannschaft und Umfeld an ungefilterter Wut ins Gesicht getippt wird. Derlei will ich nicht mehr lesen.

Kolumne

Sinnlos einmal mehr die Anfeindungen im Nachgang eines nicht gewonnenen Spiels. Versuche, unsere Spieler auf ihren persönlichen Accounts in direkten Nachrichten anzugehen sind spätestens ein „No Go“. Da wird eine rot-weisse Linie überschritten. Es ist ja schon unfassbar, was nach einem Spiel wie das in Ahlen in den Kommentarspalten gewütet wird. Vielleicht ist es eines Tages technisch machbar, eine Beleidigung vor dem Absenden noch einmal zu hinterfragen. Drei Sekunden Bedenkzeit können manchmal eine Menge bewirken. Fakt aber: Es sind nur wenige. Leider sind diese, wie im wahren Leben auch, immer so laut, so dass man die weiter an die Mannschaft glaubende Mehrheit nicht direkt wahrnimmt. 

Oberhausen:

Bis zum Spiel in Oberhausen wurde die eigene Krone wieder gerichtet und in Trotz umgewandelt. Dass das Trikot dann trotzdem nach dem Elfmeter ebenfalls frustriert in den Schrank gepfeffert wurde, lag in der punktuellen Natur der Sache. Dort traf es dann auf das noch zerknülltere Gegenstück aus dem Ahlen Spiel. Der abergäubige Fußallfan in mir stellte sich in Anbetracht der weißen Trikots nun die Frage, ob man vielleicht selbst schuld an den ausgelassenen Punkten dieser Woche gewesen sei. Schließlich hätte ich Auswärts ja auch das „Mauertrikot“ tragen können. Hätte ich nicht, da ich es gar nicht besitze. Das Design irgendwie nicht meins. Dafür quillt der Schrank über in den Farben Rot und Weiß. Der Auftritt in Oberhausen trotzdem couragiert und eine Wiedergutmachung für Ahlen. Auch die optische Aufbereitung des Spiels eine ganz andere als noch Tage zuvor. 

Ach Mensch, es ist schon schade, dass die Euphorie der letzten Wochen und Monate temporär  verflogen ist und viele wieder den Hafenstraßen Blues singen. Man wähnte sich auf Gefühlsebene ja fast auf den Spuren der Frankfurter Eintracht bei ihrer Sause im Europapokal. Nun müssen wir wieder für zehn Spiele in den regionalen „Recall“, und dort so vorspielen, so dass es die Konkurrenz nervös macht und ihrerseits zu Patzern zwingt. Dass es am Ende dann doch noch für den bundesweiten „Liga Drei Contest“ reichen kann, ergibt sich eigentlich schon aus unserer eigenen DNA: Wir können nicht einfach mal so mit einer geilen Saison aufsteigen. Wir sind nicht wie die Bayern und halten schon am siebten Spieltag gelangweilt die Schale hoch. Rot-Weiss Essen braucht stets das ganz große Drama, um zu scheitern oder Erfolge zu erzielen. Am letzten Spieltag, in der letzten Minute oder noch lange darüber hinaus am grünen Tisch. Und genau daher beziehe ich meinen Optimismus, dass wir noch lange nicht beerdigt werden sollten. 

Ein Stelldichein überregionaler Presse mit vielen wunderbaren, teils romantisch verklärten, Artikeln folgte Runde um Runde und Dreier auf Dreier. Wir waren zeitweise das moderne Woodstock des Fußballs, brachten Virtuosität und Leidenschaft eines Jimi Hendrix oder Joe Cocker auf und neben den Platz und Liebe in die Herzen der Fans.

Kolumne

Der nächste Gegner nun das Beste, was der designierte Zweitligist aus der Nachbarstadt aktuell zu bieten hat, nämlich seine Zweitvertretung! Die Roten gegen die Blauen. Ein schwerer Gang mit personellen Veränderungen, der fünften Gelben und einer positiven Testung geschuldet. Der Blick auf die Aufstellung also wieder ein sehr spannender. Möge diesmal die Macht wieder mit uns sein. Das Trikot passt ja auf jeden Fall wieder. Diesmal wird es das frisch gewaschene Heimtrikot mit der Nummer einundzwanzig und Spielernamen Aufstieg sein. Nomen est omen!

Diesen Beitrag nun (aktuell) nicht auf eigenen sozialen Kanälen zu teilen, ist ein bisschen wie Fußball früher, als man nach den Spielen eben im Auto oder an der Theke darüber philosophierte oder das Gesehene runterspülen musste. Fünfzehn Jahre „Im Schatten der Tribüne“, da ist man vielleicht auch ein wenig zu alt geworden, um noch im Haifischbecken der sozialen Medien mitzuschwimmen.

Nur der RWE!

PS: Es gab eine vorherige Version dieses Textes, den ich aus Versehen hier gelöscht habe. Der mir aber sprachlich viel besser gefallen hat, da mit mehr Esprit und einem Stauder getippt. Dies also nur der Versuch, den Text sinngemäß wiederzugeben. 

Tränen sind der Augen edle Sprache Robert Herrick (1591 – 1674), englischer Pfarrer und Dichter

Ja meine Güte, was soll ich auch lange drumherum schreiben: Als Oguzhan Kefkir in der einundachtzigsten Minute das Tor traf; unser aller RWE somit endlich in einem Heimspiel wieder einen Treffer verbuchen konnte, da hob es mich nicht nur aus der eh kaum genutzten Sitzschale, sondern verwässerte fast zeitgleich auch die Augen. Ich habe mir dieses Tor so sehr für unseren Verein und für uns alle gewünscht, so dass ein rationaler Umgang damit kaum mehr möglich war. Ich wollte nach diesem schrecklichen Rödinghausen Spiel  endlich wieder dieses rumpelnde „Ene mene miste, es rappelt in der Kiste“ hören. Wollte spüren und sehen, dass es noch immer nicht vorbei ist mit all unserer Sehnsucht und mit all unseren Träumen. Ich glaube, ich habe auch gar nicht sofort realisiert, dass das Tor auch wirklich gezählt hat, gab es doch vorher den Stolperer mit Rot-Weisser und Rot-Weißer Beteiligung. Vielleicht suchte ich in dem Moment den unseligen VAR, damit mir einer Halt und Sicherheit zu geben vermochte. Glücklicherweise blieb der Blick auf den Monitor fern, der Torschrei von drei Tribünen aber umso intensiver. Das Tor zählte somit tatsächlich, wir führten.

Am Geländer festgehalten, konnte ich endlich schluchzen. Meine Güte wie peinlich, es war doch nur ein profanes Tor in einem ganz normalen Ligaspiel. Es war ja nicht einmal ein Derby oder dergleichen.  Falsch gedacht, es war unter dem Strich definitiv mehr in diesem Moment: Es war das Tor dafür, dass es weitergeht. Weitergeht mit unseren Hoffnungen und Sehnsüchten. Weitergeht mit der Liga und dem unwahrscheinlichen Augenblick, den SC Verl oder auch RWO noch zu überholen, was den unseligen Relegationsplatz anbelangt. Der SV Rödinghausen hat sich seinerseits in den letzten Tagen selbst aus dem Spiel genommen und auf das aufwendige Lizensierungsverfahren zur dritten Bundesliga verzichtet.  Rein sportlich betrachtet ein Katastrophe, denn wenn bescheuerte DFB Regularien über Wohl und Wehe entscheiden, bleibt der Sport leider auf der Strecke. „Meister müssen aufsteigen“, so zeugt ein RWE Transparent Woche für Woche darum, worum es wirklich geht. Nun aber ist die Liga ein weiteres Mal um ihre sportliche Identität beraubt worden. Erst Wattenscheid, nun Rödinghausen. Die beim DFB haben scheinbar wirklich nur noch Watte im Kopf. Ein Verein wie Rödinghausen spielt eine geile Saison. Leider, aber Punkt! Aber er wird niemals ein 10.000 Zuschauer fassendes Stadion benötigen, füllen oder was auch immer. Was seit Ihr nur für ein realitätsfremdes Volk da in den DFB Stuben.

Rödinghausen, das sind aber auch die mit den sterbenden Schwänen zwei Wochen zuvor, also nun raus aus dem Rennen. Bleiben noch die stabilen Verler, die Nachbarn aus Oberhausen und eben wir. Glücklicherweise noch wir, denn die Trefferquote von 1,7 Toren pro Spiel lässt nicht unbedingt auf eine souveräne Offensive schließen. Oftmals reicht das eine Tor aus, um die anwesenden Rot-Weissen in Ekstase zu versetzen. Minimalprinzip at it`s  Best! Gut, zurück zu Kefkir und dem Tor gegen RWO: Endlich realisiert, das es wirklich passiert, waren die nächsten Minuten bis zum Abpfiff wieder einmal die schlimmsten, die es bislang zu überstehen galt. Wie immer natürlich. Aber es hat zum Schluss tatswahrhaftig gereicht, und RWO wurde erneut bezwungen. Herrgott von Bentheim, welche Erleichterung nach Abpfiff.

Aber grundsätzlich und überhaupt: Was ist das eigentlich für eine Saison? Die Tabelle so schief wie der schiefe Turm von Suurhusen/Ostfriesland, unser RWE aktuell scheinbar nur noch im zweiwöchigen Heimrhythmus unterwegs. Klarheit gibt es da keine, außer der Gewissheit, dass prinzipiell der SC Verl durch ist. Selbst wenn wir an deren Poststraße gewinnen, bedarf es noch einiger Ausfälle ostwestfälischer Natur, bevor bei uns oder in Oberhausen die Post abgeht. Und was ist nur mit unseren geklauten drei Punkten aus dem Wattenscheid Spiel? Normal ist das also alles nicht mehr aktuell, und so können auch Reaktionen nicht mehr normal ausfallen. Das hat dann schlicht schon mal ungeplante Tränen zur Folge. Tränen der Erleichterung.

Wo mein Verständnis dann jedesmal aufhört ist unter anderem, wenn Stauder durch die Gegend geworfen wird. Mit Stauder wirft man nicht! Das gehört getrunken. Ohne wenn und aber! In Maßen natürlich und bewusst genossen! Jetzt ist wieder spielfreies Wochenende. Das bedeutet, wir können wieder nur zugucken. Und doch bin ich auf irgendeiner Art optimistisch, was das Erreichen dieses bekloppten Relegationsplatz angeht. Einfach mal so aufsteigen, das können wir nicht. Wir brauchen die kleinen und großen Dramen, die der Fußball in all seiner Güte und Strenge zu bieten hat. Wir brauchen das Komplettprogramm an Schmerz und Leidenschaft.

Wir brauchen weiter weiter Hoffnung!

Cappeln-Hagelage Ost

Es ist 23:30 Uhr auf dem Rastplatz Cappeln-Hagelage Ost auf der A1, halbe Strecke zwischen Essen und Hamburg gelegen. Sanfte Nebelschwaden ziehen über die angrenzenden Felder, die Trucker sich ihr Schlafshirt an. Die letzte Zigarette ist geraucht, der letzte Smalltalk gehalten. Es gilt die Ruhezeiten einzuhalten, bevor es wieder auf die Bahn gehen darf. Keine außergewöhnlichen Vorkommnisse also. Somit bekommt auch keiner mit, dass ein Wagen mit Essener Kennzeichen leise auf den Rastplatz rollt und die Lichthupe zweimal betätigt (Gut, dass man sich vorher auf zweimal geeinigt hat, denn eintausendneunhundertundsiebenmal wäre für ein Geheimtreffen dann doch des Guten zu viel gewesen). Aus dem Dunkeln heraus blinkt nun ebenfalls zweimal die Lichthupe, und wie von Geisterhand gesteuert rollt aus dem Unterholz ein Fahrzeug der gehobeneren Klasse mit Kennzeichen HH dem Wagen mit Essener Kennzeichen entgegen.

Ein Fenster öffnet sich langsam und ein leises „Marcus?“ ist zu hören. Gegenüber geht eine Autotür. Ein Mann steigt aus, schüttelt sich vom langen Sitzen vergeblich die vierte Liga aus den Beinen und antwortet ebenso leise „Christian?“….

Natürlich hat sich die erste Kontaktaufnahme zwischen unserem neuen Trainer Christian Titz und Marcus Uhlig so nicht zugetragen. Und nein, es stand auch nicht schon seit fast dreizehn Tagen fest, dass Karsten Neitzel seines Amtes enthoben werden würde. Man schätzte Karsten Neitzel und seine Arbeit an der Hafenstraße, wusste um einen Trainer, der fachlich wie menschlich durchaus zu den besseren der letzten Dekade an der Hafenstraße gehört hat. Dummerweise konnten die Ergebnisse dieses nicht belegen und  rutschte ihm auch der ein oder andere etwas unglückliche Satz heraus. Das emotionale Umfeld an der Hafenstraße leicht verärgernd. Die Punkte, diese untrügliche Kennziffer erfolgreichen Arbeitens, sie stimmten einfach nicht mehr mit den Ansprüchen überein. Zu wenig davon wurden unter Karsten Neitzel erreicht. Und das nach dem so erfolgreichen Saisonbeginn.

Trotzdem hatte man weder einen neuen Trainer auf dem Schirm, noch die Absicht, den alten von seinen Pflichten zu entbinden. Gleichfalls aber sah man schon die Stimmung der letzten Saison; sah die Unzufriedenheit auf den Rängen, die sich immer öfter auch in dem einfachen Reflex „Trainer raus“ Gehör verschaffte. Eine verfahrene Situation für alle im Verein, dreht man doch gerade im Kader alles auf Links, hört dazu die Wünsche und Vorstellungen des Trainers. Und kein Witz: Auf keiner Rechnung stand bislang der Titz!

Es werden schwere Stunden gewesen sein, in welchem die Erkenntnis gereift ist, dass der „Rucksack“ auf Karsten Neitzels Rücken für 2019/20 vielleicht ein doch zu schwerer sein könnte (Wir alle schleppen dieses unförmige Teil seit „Lübeck“ mit uns herum, wissen wie schwer es wiegt).  Wer auch immer jetzt den Namen Christian Titz in das Rot-Weisse Spiel gebracht hat….ich weiss es nicht. Was ich weiss ist, dass es eine Option war, die sich ziemlich plötzlich und unerwartet ergeben hat. Es gab keine Verhandlungen im Vorfeld mit Christian Titz, während fröhlich weiter mit Karsten Neitzel geplant wurde. Es hat sich alles auf eine Schnittstelle zugespitzt, an welcher fast zeitgleich eben jene zwei Entscheidungen getroffen wurden. Manchmal ist das halt so, und hoffentlich endlich zum Wohle von Rot-Weiss Essen (und somit von uns allen, denn wir sind der RWE!)!

Lieber Karsten Neitzel, es hat auch bei Ihnen nicht sein sollen. Wer weiss, bei wem es überhaupt eines Tages passieren wird. Auf jeden Fall danken wir Ihnen für die Zeit an der Hafenstraße.

Christian Titz also nun der amtierende Trainer an der Hafenstraße. Ja, was soll man dazu sagen? Medial als Königstransfer; als Kracher, Transferhammer und Lösung für fast alle Probleme gehandelt, die ein viertklassiger Verein eben so haben kann. Ich musste ihn erst googeln…. fand ihn aber sehr sympathisch in der Pressekonferenz und auch seine berufliche Vita gibt durchaus Anlass zur Hoffnung, mal etwas längerfristig auf der Trainerposition denken zu dürfen. Lieber Herr Titz, herzlich willkommen anne Hafenstraße. Machen Sie sich unsterblich. Keiner kann vorher erahnen, was sportlicher Erfolg mit Rot-Weiss Essen bedeutet. Glauben Sie mir, etwas vergleichbares würden Sie nie wieder erleben. Diese Leidenschaft für diesen Verein. Diese Sehnsucht nach was besseres. Helfen Sie uns dabei und Sie werden erleben, wie wir Fans Ihnen und unserer Mannschaft helfen können und werden. Nur der RWE!