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Wenn du den Regenbogen willst, musst du mit dem Regen klar kommen.

Es hat am Sonntag viel geregnet. Bisweilen sogar vertikal und somit auch auf die eigentlich überdachten Sitzplätze verschiedener Bereiche in unserem Stadion. Es werden schon sehr viele Fans nass, die für einen überdachten Tribünenplatz bezahlt haben. Das muss man einfach auch mal so kommunizieren, denn es hält bei ähnlichem Wetter zukünftig Fans ab. Und das kann keiner wollen. Ich hoffe trotzdem, dass die beiden Fans, die eher mit dem Wetter als mit dem Spielergebnis haderten, trotzdem wiederkommen. Ich kann ihren Ärger verstehen, aber wir sind nun mal keine Turnhalle. In einer solchen will kein Mensch Fußball schauen.

Warum startet man ausgerechnet zu einem Spiel gegen den SC Verl euphorisch? Das vermag ich jetzt auch nicht mehr zu schreiben; heute morgen jedoch erschien es mir irgendwie recht logisch: Heute verliert Verl. Gegen uns! Vielleicht war das der Denkfehler. Egal! In der aktuellen Euphorie befindlich, musste sogar mal wieder ein Schal außerhalb des Fensters vom Ziel der Fahrt zeugen. Das ging soweit auch ganz gut, doch leider war es der schwere Strickschal, der von außen und von Regen getränkt, bei Tempo 140 dermaßen gegen den Lack knallte, als wollte er diesen vom Chassis lösen. Nee, da fing das also schon mal an mit den schlechten Omen. Ein Parkplatz musste her und wurde gefunden. Gut, wenn man stets ein Arsenal an RWE Fanschals mit sich führt: Der klatschnasse Strickschal wurde gegen ein leichteres Modell ausgetauscht.  Schlechtes Omen abgewehrt.

Doch das Nächste tat sich auf, denn 450 Meter vor der Ausfahrt Essen/Gladbeck verhinderte eine Vollsperrung nach Unfall die nun wieder euphorische Weiterfahrt. Da knallte gar nichts mehr gegen den Lack, alle Räder standen still. Vorbildlich wurde übrigens die Rettungsgasse eingehalten. Es geht also! Und es ging alsbald auch weiter. Proppenvoll mittlerweile der Parkplatz an der Hafenstraße, die selbst nicht so voll war, wie vielleicht erhofft und/oder erwartet. Was allerdings ein Luxusproblem darstellt, war es doch trotzdem wieder fünfstellig. Möglicherweise hielten Wetter und Kuchen manch weitere potentielle Besucher an diesem usseligen Sonntag ab. Unsere Mannschaft dürfte jedenfalls keinen Hinderungsgrund mehr darstellen, die Konstellation der Begegnung schon mal gar nicht.

Die erstaunlich vielen Verler an Deck hatten Fahnen im Gepäck; auf dem Feld schwor die Unseren ein der Ruthenbeck. Grundstimmung immer noch leicht euphorisch, das Ganze leicht durchnässt. Die Fahne hing. Was sich jedoch schnell wandelte, also das mit der Euphorie, wurde unsere Abwehr doch schon nach fünf Minuten ihrerseits nass gemacht. Das ging eindeutig zu leicht für die Verler Sportskameraden und wurde zunächst noch durch einen verwandelten Elfmeter korrigiert. Gefühlt die Stimmung auf den Rängen noch bei „Uns kann keiner“ und auf dem Feld ein wenig Laissez-faire. Vielleicht würden wir hier auch das Wort pomadig in Erwähnung ziehen. Auf jedem Falle herrschte alles andere als Unsicherheit auf dem Feld. Bei den selbsternannten Bauernlümmel schon mal gar nicht, und auch bei den Unseren herrschte noch relative Ruhe. Unser Trainer hingegen, der ging schon das ein oder andere mal aus dem Sattel und beorderte das nicht mehr ganz so geheime Geheimrezept Ersatzbank mit Auftrag „warm machen“ in den Regen. Ran an die Schüppe also für alle.

Das Signal kam an bei den Ostwestfalen (Kommen mittlerweile eigentlich alle Vereine aus Ostwestfalen?), so dass sie nach einer guten halben Stunde erneut in Führung gingen. Eine Rot-Weisse Drangperiode folgte, der Lautstärkepegel war bisweilen eng an die Pfiffe des Unparteiischen gekoppelt. Wäre die Begegnung eine höherklassige gewesen, so hätte sich möglicherweise das ein oder andere Mal die Kölner Unterwelt eingeschaltet. Glücklicherweise zählt bei uns noch der Tatsachenentscheid. Und das ist auch gut so, selbst wenn es dann gegen uns ausgelegt wird. Fußball passiert in Echt- und nicht nach Wartezeit. Applaus zur Halbzeit. Etwas gemäßigt, aber aufmunternd. Das ist der erspielte Kredit.

Die zweite Halbzeit hatte nicht nur fünfundvierzig plus X Minuten parat, sondern durchaus auch eine Drangperiode unserer Rot-Weissen. In jener auch die Kulisse ohne wenn und aber wieder zu 1907% bei der Sache. Aber irgendwie fehlte das letzte Quäntchen Glück; die entscheidende Idee. Außerdem  waren die Verler Bauernlümmel einfach zu abgewichst. Die hatten ihren Fuß ständig im Weg und wussten einen Weg heraus aus dem eigenen Sechzehner. Und nicht nur das: Sie fanden auch noch zweimal recht einfach den Weg in den unseren. Inklusive Abschluss. 1:4 somit nach 82. Minuten. Trübsal in den Gesichtern rundherum, alle irgendwie ein wenig nass gemacht. Von oben und von Verl. Auf der West wurde derweil für Fans ohne Eintrittskarte und gegen einen Verein aus der Nachbarstadt gesungen. Auch wenn heute nix ging, zum Ende ging es doch raus mit Applaus.

Dass ist möglicherweise die wichtigste Erkenntnis des gebrauchten Spiels gegen den SC Verl: Es war nur eine Frage der Zeit, wann auch uns die erste Niederlage ereilen wird. Aus unserer Regionalliga kommt diese Saison keine Mannschaft, ohne mal aufs Auge zu bekommen, oder sich eine Beule einzufangen. Die Beule heute tat natürlich nicht nur weh, sondern verletzte sich mit David Sauerland (Gute Besserung!) auch noch ein Abwehrspieler von Format. Ein gebrauchter Tag also. Kennen wir. Glücklicherweise können wir uns direkt Donnerstag schon wieder gen Mönchengladbach aufmachen, den Regenbogen in Form von drei Punkten zu suchen. Und wir werden ihn finden!

Nur der RWE!

 

Ja! Ich will!

Haben wir schon diesen Lauf, dieses gewisse Etwas, welches im Laufe einer Fußballmannschaft vielleicht nur alle zehn Jahre einmal vorkommt? Haben wir diese Mannschaft, die es schaffen könnte, uns allen einen langgehegten Traum zu erfüllen? Haben wir eine Mannschaft, die uns aufsteigen lassen könnte? Man könnte versucht sein, mit „JA“ zu antworten, so schön ist es gerade rund um die Hafenstraße. Und wir sollten jede Sekunde mit dieser, unser aller, Mannschaft genießen. Denn natürlich werden auch Rückschläge kommen. Nicht, dass ich mich darauf freue, aber ich finde es schlicht nur fair uns allen gegenüber, daran zu erinnern.

Es droht kommendes Frühjahr sogar der Supergau aller Rückschläge, nämlich die Meisterschaft in der Liga und die darauf folgende Niederlage in der größtmöglichen Perversion des DFB, der Relegation. Man frage hierzu gern auf dem Waldhof nach. Nun kickt der Waldhof endlich ebenso wieder in der dritten Liga wie auch die geldgeführte Viktoria aus Köln. Beide mischen mittlerweile erstaunlich gut in der dritten Bundesliga mit. Es gilt also irgendwie diesen schmalen Flaschenhals zwischen Regionalliga und dritter Liga zu überwinden, und es lässt es sich wesentlich befreiter aufspielen. Margarine wäre eine Möglichkeit, dann flutscht es besser. Gleitgel, immer gut. Hat aber den Touch des Verruchten.

Hilft also alles nichts, der eigene sportliche Erfolg muss es richten. Nebst einer gehörigen Portion Glück und den passenden Ergebnissen der Konkurrenz. Betrachtet man nun den bisherigen Saisonverlauf und das Auftreten der eigenen Mannschaft, so kommt man nicht umhin zu sagen: „Ja, ich will!“. Ach quatsch, ich sage es nicht, sondern ich rufe es, so laut ich kann heraus: „ Ja, ich will diese beiden Relegationsspiele (diese Perversion) erreichen“. Gegen wen und wann auch immer. Und warum sage, beziehungsweise rufe ich das? Weil ich mittlerweile davon überzeugt bin, dass es diese eine Saison sein wird, wie sie eben nur alle zehn Jahre nur einmal vorkommt, und bei einem Verein wie RWE auch wohl  nur vorkommen kann.

Wir haben aktuell enorme Qualität auf dem Platz und an der Seitenlinie. Wir haben eine Mannschaft. Wie haben Spieler, die es genießen, die Hafenstraße zum Leben zu erwecken und Teil dieses schlafenden was auch immer sein wollen. Unsere aktuellen Vertragsspieler haben nicht nur Blut, sondern auch Rot-Weiss geleckt! Wollen hier endlich, wieder oder immer noch gemeinsam durchstarten. Und wer auch immer diese Mannschaft gescoutet hat, dem gebührt ein ganz großes Lob: Selten wurden alle Positionen bei RWE qualitativ so gleichwertig und hochwertig besetzt. Da wurde mit großem Fachwissen gepuzzelt.

Und da das geneigte Publikum an der Hafenstraße über ein ebenso großes Fachwissen auf sportlicher und emotionaler Ebene verfügt, honoriert es den Auftritt der eigenen Mannschaft endlich wieder und belohnt es mit ständig fünfstelligen Kulissen. Für Spieler, die zum Beispiel in Wolfsburg bei der dortigen Zwoten vor fünf Zuschauern gespielt haben, ein emotionaler Quantensprung. So wie die Hafenstraße in schlechten Zeiten die Beine lähmen kann, so sehr beflügelt sie diese auch in guten Zeiten. Nun haben wir gute Zeiten. Endich haben wir sie wieder. Und wir sollten alle gemeinsam daran arbeiten, dass es auch noch länger sportlich gute Zeiten bleiben.

Das nächste Spiel ist wieder zuhause; Ist wieder an der Hafenstraße. Gegner im wirklichen Spitzenspiel dann der SC Verl. Ein unangenehmer Vertreter seiner Zunft. Kategorie Angstgegner. Aber keine Angst, diesmal machen wir dem Angstgegner Angst: Weil wir ihn von Anpfiff an verbal in Grund und Boden „stampfen“, indem wir unsere Mannschaft ohne Unterlass anfeuern und zum Erfolg tragen werden. Dies wird unsere Saison!

Quo vadis RWE?, Episode 1907!

Für den heutigen Dauerregen kann Rot-Weiss Essen nichts. Der ist wohl automatisch mit an Bord, wenn es gegen den langjährigen Dauerbegleiter SC Verl geht. Rot-Weiss Essen kann auch nichts dafür, dass der Familientag nicht unbedingt nur positiven Anklang findet. Eine Tatsache, die sich mir persönlich nicht wirklich erschließt, denn den Familientag gibt es bereits im sechsten Jahr und wurde definitiv nicht dafür erfunden, um aktuell schlechte sportliche Leistungen zu kaschieren, sondern um der sozialen Bedeutung als Verein der Stadt gerecht zu werden; neue Fans für unsere gemeinsame Sache RWE zu begeistern (Falls sich in den letzten fünf Jahren nun mal ein Kind in Königsblau an die Hafenstraße verirrt hat: Einzelschicksale wird es nun mal immer und überall geben)!

Wofür Rot-Weiss Essen jedoch (hier und heute konkret und ausnahmslos seine sportlichen Angestellten) etwas kann ist, den heute anwesenden Zuschauern, egal ob jung oder alt, einmal mehr den Tag versaut zu haben. Aber gründlich!

Die eigene Messlatte wird ja in bester Limbo Tradition schon von Spiel zu Spiel niedriger gelegt, aber heute hat die Mannschaft ihr eigenes Niveau so tief angesetzt: Das war beim besten (Fan-)Willen nicht mehr zu schaffen, ohne daran zu scheitern. Heute hat unsere Mannschaft nicht einen einzigen jungen Fan dazugewonnen, sondern wieder etliche Veteranen vergrault. Sie scheint tatsächlich das Stadion leer zu spielen. Ich weiß, dass die Mannschaft das nicht will, und sie lieber mit uns feiern möchte. Aber umgesetzt bekommt sie es nicht mehr. Hier wird mit dem sportlichen Arsch eingerissen, was an anderer Stelle mühsam Woche für Woche wieder aufgebaut wird. Hier wird kaum noch der gute Ball, aber die Geduld der Fans und den immer noch vielen Sponsoren mit den Füßen getreten.

Das Spiel unseres RWE (auch der SC Verl hatte keinen guten Tag, was aber für uns gut war, denn sonst wären wir unter die Räder gekommen!) war von Beginn an geprägt von kompliziertem und langsamen Aufbau Richtung Verler Tor. Bevor mal ein überraschender Pass in die Tiefe kam, wurde lieber noch einmal hintenrum gespielt. Es hatte bisweilen den Anschein, als ob bestimmte Mannschaftsteile (Spieler?) lieber das Tempo herausnehmen wollten, anstatt das Spiel zu beschleunigen. Es hatte den Anschein, als ob bestimmte Spieler lieber nicht laufen wollten und bestimmte Spieler, die laufen wollten, nicht angespielt wurden.

Dafür, wie lange dieses lethargische Etwas namens Fußballspiel andauerte, war das Publikum zur Pause noch gnädig und gab es nur Pfiffe. Die Stimmung war eh schon Scheisse, da bedurfte es nicht direkt einer weiteren negativen Aufwertung. Die Körpersprache unserer Mannschaft so undefiniert, diese könnte aktuell kein noch so versierter Übersetzer entziffern.  Es wäre ja alles halb so wild, wenn wir nicht alle wüssten, dass die Jungs es können und wir gute Fußballer in unseren Reihen haben. Ich sag nur Mönchengladbach.  Aber genau das ist unser Problem da draußen auf den Rängen: Wir wissen, Ihr könnt einen emotionalen Stiefel spielen und lauft aktuell in Ackerpömps über das Feld. Wie sollen wir denn damit klar kommen?

Man möchte auf das Feld hüpfen und die Jungs fragen: „Wie kann ich Euch helfen?“. Man leidet doch mit ihnen; möchte mit ihnen feiern und zufrieden nach Hause gehen. Stolz auf seinen Verein sein. Auch in Liga Vier. Man möchte den Ball in das Tor beten, damit dem Verein der, heutzutage leider üblich, anschließende und respektlose „Shitstorm“ in den (a-)sozialen Medien erspart bleibt. Man weiss, wie direkt wieder die Verantwortlichen angegangen werden, ohne ihrerseits selbst auf dem Feld zu stehen. Das alles tut weh, trägt man die drei Buchstaben im Herzen und Respekt als eigene „zwischenmenschliche Fahne“ vorneweg. Wir zerfleischen uns doch mittlerweile schon selbst untereinander in den Kommentarspalten ob solch gezeigter Leistungen. Das darf nicht sein. Es geht doch nur um Fußball. Aber, leider geht es auch um unseren Verein.

Dummerweise gibt es nach einem Spiel wie dem heute gesehenen kein Argument mehr, sich auch als gemäßigter Fan vor Mannschaft und Trainerteam zu stellen (Und trotzdem wird unsererseits nicht blind gepöbelt, denn das hilft wirklich niemanden). Die Ergebnisse der anderen Vereine noch immer beständig so, so dass man dem Ziel „Oben mitspielen“ mit zwei gewonnene Spielen nacheinander ruckzuck hätte näher kommen können. „Wäre, wäre Fahrradkette“ um in Lothar Matthäus zu schreiben. Das frustriert umso mehr: Keine andere Mannschaft marschiert uneinholbar vorneweg!

Nein, spätestens nach heute hat man das Gefühl, dass ganz andere Kräfte innerhalb und/oder rund um die Mannschaft wirken, welche eine gute Leistung kopfmäßig verhindern. Das Fleisch ist willig, der Geist ist schwach. So vielleicht, ein bekanntes Zitat umgekehrt? Ist es das, was unsere Spieler ausbremst? Ist der Trainer das „R“, die Mannschaft das „W“ und vielleicht jemand dazwischen, der stört, das „E“? Wir wissen es nicht. Das Problem aber dabei: Wir sind alle drei Buchstaben zusammen. Wir sind RWE! Und das macht uns gerade komplett fertig. Lässt uns fassungslos und, was viel schlimmer ist, bisweilen lethargisch nach Hause gehen. Gut, manch einer wankt auch nach Hause. Aber dann hat sich wenigstens das gelohnt.

Es muss sich dringend etwas ändern. Am besten sofort. Klärt das. Seid Männer! Wollt Ihr, oder wollt Ihr nicht? Und wir außerhalb: Bitte lasst uns ohne Beleidigungen auskommen. Wir reden immer noch über das, was wir bis an unser Lebensende doch lieben. Manchmal und meistens von Geburt an. Ich bitte daher auch hier auf „ISDT“ um eine weiterhin so gute und sachliche Auseinandersetzung mit dem „Ist Zustand“ wie bisher hier.

Du unser RWE, wohin gehst Du? Liegt es an uns? An der Geschichte? was ist los mit Dir?

Simple Daseinserschöpfung

Eigentlich ist Rot-Weiss Essen doch nichts anderes als das „Burn Out“ des kleinen Fußballfans. Schon in der alltäglichen Welt warnen Forscher, Medien und Mediziner stets vor zuviel Stress; überbieten sich einschlägige Zeitschriften und Portale darin, gestressten Menschen die richtigen Verhaltensmuster beizubringen, um dem Alltagsstress lockerer zu begegnen. Es wird gekocht was den Blutdruck und das Cholesterin senkt. In der digitalen Welt sorgen zudem Bildchen mit sanften Sprüchen und möglicherweise gelegentlich als niedlich wahrgenommene Katzenbilder für Kuschel Atmosphäre.

Alles sorgt sich um das Wohl der Menschen. Abgesehen natürlich von den „Besorgten“ höchstselbst. Man könnte also locker den Eindruck gewinnen, mit ein wenig Veränderung sitzt ein dermaßen entspanntes Leben drin, welches selbst Alt 68er und Woodstock Veteranen vor Neid erblassen lassen dürfte. Das Leben also im Fluss, ein Gleichklang von Yin und seinem Kumpel. Sollte man meinen, denn dann kommt er unweigerlich doch: Der Spieltag! Und dann ist alles anders. Nichts mehr mit Beschaulichkeit. Die internen Sirenen dröhnen.

Der Fan von Rot-Weiss Essen wacht an diesen Tagen direkt mit einem Unbehagen auf, wie seinerzeit nur neben der ständig eskalierenden „Ex“. Der Spieltag, normalerweise der höchste Feiertag für Fans, bietet immer wieder ein Stresspotential, wie es besser nicht über den Tag hinweg aufgezeichnet werden sollte. Alles fokussiert sich auf den Anpfiff! Schon die Aufstellung sorgt bisweilen für erhöhten Blutdruck oder Furchen auf der Stirn. Warum denn Spieler X und nicht Spieler Y auf dieser Position? Und was ist mit Baier? Die Gedanken lassen den Puls schneller traben als es diesem alten Gaul und lebenslangen Weggefährten gut tut. Zudem steht ja noch die Koordination des Spiels als solches an: Bin ich im Stadion? Oder daheim am Ticker? Im Dienst oder mit der Familie unterwegs und hält mich das davon ab, mein Handy zu zücken? Und Danke überhaupt dafür, dass der RWE erst in modernen Zeiten so richtig abgestürzt ist. Vor Dreißig Jahren in der Vierten Liga, und die Ergebnisse würden erst drei Wochen später mit der Postkutsche ankommen. Was wiederum noch mehr Stress bedeuten würde.

Ja, so ein Dasein als Fan von Rot-Weiss Essen ist oftmals purer Stress. Und dieser heute erstmalig gehörte Begriff der simplen Daseinserschöpfung trifft es auf den Punkt. Es ist recht simpel, den RWE zu lieben. Und wir tun es halt. Punkt! Aber unser Verein erschöpft uns auch. Das ist einfach so. Ich weiss nicht, ob nun zum Beispiel die Fans des FC Bayern ob der vielen Erfolge ( ich hätte jetzt anstelle der Bayern auch den HSV nehmen können) an dem Zustand der simplen Daseinserschöpfung leiden, aber letztendlich bin ich dann doch lieber mit dem RWE erschöpft, als freudig erregt ob der x-ten errungenen Meisterschaft. Heute um 14. 00 Uhr spielt unser RWE also mal wieder in Verl, und mit Anpfiff steigen alle erwähnten Werte mindestens auf Faktor 1907 an. Da helfen auch keine niedlichen Katzenfotos. Aber natürlich drei Punkte nach Abpfiff.