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Quartalsbesprechung.

Wochenlang bestimmten ungute Ahnung nebst Voruntersuchung; weitere Untersuchungen inklusive Hoffen und Bangen die eigene Gefühlslage. Alles nur, um auf den Tag zuzusteuern, der die Wahrheit bringen sollte. Unweigerlich kam dieser Tag „X“ und mit ihm der Termin beim hiesigen Urologen. Bei Betreten des Sprechzimmers wusste ich eigentlich schon Bescheid, umgab meinen Kopf daher sicherheitshalber mit einem imaginären riesigen „Wattebausch“, welcher Stimme und Nachricht des Arztes nur noch gedämpft an mein Inneres heranlassen sollte. Da saßen wir nun zu Dritt. Der Arzt mit meiner Krankenakte in der Hand, Gattin und ich Hand in Hand gegenüber. Traurig blickte er aus seinem Kittel, der Herr Doktor; schüttelte langsam den Kopf und setzte an uns mitzuteilen, dass bei mir ein Prostatakrebs diagnostiziert wurde, den zu behandeln es sich konventionell nicht mehr lohnt, da zu bösartig. Mein Wattebausch funktionierte, ich bekam die Aussage gefühlt gar nicht mit. Doch mein sich umdrehender Magen und die plötzliche Weichheit in den Beinen schienen nicht zu trügen. Ebenso nicht der Blick nach links und die Tränen, die meine Frau verzweifelt versuchte zu vermeiden. In dem Moment war dieser Anblick schlimmer als der Fakt, denn ich wollte, aber konnte ihr nicht helfen. Gut, der Arzt hat mich mit einer Faktenlage konfrontiert, die ich aber doch noch lange nicht akzeptieren muss, so mein Gedanke und versuchte Optionen zu verhandeln.

Es gab also keine Option. Beziehungsweise, es gab sie doch: Wir lassen alles so wie es ist, so der Arzt und machen keine Operation. Ok, da konnte ich doch mit leben in Anbetracht der Folgen, die eine Totaloperation (Entfernung) der Prostata mit sich bringen wird. Ja sagte der Arzt, da können sie mit leben. Aber nur noch vier Jahre. Vielleicht fünf. Und das werden keine tollen Jahr bis zum Schluss, wenn erst einmal die Schmerzen kommen. Chemo und Bestrahlung standen nur ganz kurz zur Disposition, hatte die Biopsie doch eben jenen klaren Fakt erbracht. Eine Biopsie übrigens, die ich ziemlich tapfer über mich ergehen ließ, und in deren Anschluss ich wie weiland John Wayne nach drei Wochen Dauerritt nach Hause gelaufen gehumpelt bin. Meine Idee, die Operation zu verweigern stiess also grundsätzlich auf wenig Gegenliebe bei den beiden anderen und so wurde das weitere Vorgehen besprochen, die Überweisung in das empfohlene Krankenhaus ausgestellt. Immer noch den Kopf in Watte gepackt, Gattin mit auch noch tränenfeuchten Augen fest an der Hand haltend, ging es wie in Trance nach draußen. Nicht ohne zuvor noch beiderseits kräftig vom Arzt gedrückt zu werden. Eine Reaktion seinerseits, die uns auch heute noch immer wieder erfreut. Hat man nicht alle Tage, einen solch emphatischen Arzt.

Das St. Antonius Krankenhaus in Gronau wurde dringend empfohlen. Also die Urologie dort und seine Roboter assistierten Methoden frei nach dem Da-Vinci-Operationssystem. Von nah und fern reisten sie an, die Prostatae dieser Welt. Egal ob Scheich nebst Gefolge oder der Kassenpatient aus der Nachbarschaft. Sehr hoch auch der Anteil Niederländischer Patienten. Gut, das alles konnte jetzt nicht beruhigen, denn der Alltag galt weiterhin bewältigt zu werden, was unter der Last einer frisch erhaltenen Krebsdiagnose nicht ganz einfach war. Scheinbar gelang es mir aber doch ganz gut, denn es setzte eine Haltung irgendwo zwischen „Scheissegal und Du kriegst mich nicht“ ein. Außerdem habe ich schon ganz andere Dinge überlebt. Lübeck 2008 mit dem RWE zum Beispiel und noch einiges mehr. Und es gab (und gibt) meine Frau, mit der das Leben endlich so schön ist, so dass ich es ungern verlieren wollte. Und es gab (und gibt) zwei Töchter, die ich aufwachsen und nicht von unten betrachtet sehen möchte. Es gab (und gibt) den Verein. Diesen einen Verein, der einen so viel leiden lässt; mir aber in der Folgezeit durch ihn selbst und seine Fans so unvergleichlich das Gefühl gab, lebenswert zu sein, so dass ich ihn ein Leben lang lieben werde. Egal in welcher Liga und egal wie lange ich nun letztendlich leben werde! Auch wenn ich aktuell nach der Operation erst einmal ungewollt Abstand von ihm gewonnen habe.

Das Problem war nun, erst einmal einen Termin zu finden, denn wie schon erwähnt erfreut sich die Klinik urologisch betrachtet einer hohen Wertschätzung und somit auch hoher Nachfrage. Der 11. Juli sollte es werden. Bis dahin (wir befanden uns im Mai) galt es nun zu warten. Ein normales Leben zu leben. Verbunden mit der Angst, dass der Tumor bis dahin nicht streut und sein krankes Wirken weiter Stück für Stück fortsetzt. Die „Chance“ dafür lag im unteren zweistelligen Bereich. Zu hoch, um damit entspannt umzugehen, aber zu niedrig, um sich nun einen jeden Tag verderben zu lassen. Die Arbeit aber strengte gefühlt mehr an als sonst auch schon. Diese zwölf Tage am Stück, die wir in unserer Einrichtung Dienst an und für unsere Klienten tun, gingen immer schon an die Substanz; durch körperliche und psychische Belastung eigentlich nicht ewig durchzuhalten. Zudem nun auch noch zusätzlich belastet. Aber da muss man halt durch, denn vor langer Zeit wollten wir ja einen Job, um anderen zu helfen (Würde ich so nie wieder machen übrigens. Bittere Erkenntnis für zwischendurch). Also immer heiter weiter. Düstere Gedanken in stillen Momenten inklusive. Dankbar angenommen die Tage Urlaub bevor es dann endgültig in das Krankenhaus ging. Und eigentlich auch immer noch den Fakt als solchen verdrängend.

Endlich dann der Tag vor dem Tag, dessen Folgen ich bis heute gnadenlos unterschätzt, und die mir in seiner Konsequenz so auch im Vorfeld keiner mitgeteilt hat. Da gab es nur positive Äußerungen und Beispiele. Was auch gut war, denn alles andere wäre nicht wirklich förderlich gewesen. So also Zimmer bezogen, von der Schwester mal so richtig den Bart und andere Haarteile abbekommen: Das war es dann für den ersten Tag. Ach ja, das EM Endspiel war ja auch noch, Ergebnis sicher noch bekannt. Eine „Henkersmahlzeit“ gab es natürlich auch. So richtig langweilig klassisches Abendbrot in einer Klinik halt. Die Operation war am nächsten Tag erst nach Mittag angesetzt, so blieb mir dieses lukullische Erlebnis also morgens am Tag der Tage erspart. Gab ein Glas Wasser morgens und zu Mittag die übliche angstlösende Tablette. Die jedoch gefühlt etwas zu früh, denn als es hoch in die OP ging, war ich hellwach. Die letzten Worte vor der Schleuse waren: „Deutscher Meister wird nur der RWE“. Warum auch immer. Hätte „Deutscher Meister ist nur der RWE“ rufen sollen. Ich schieb`s mal auf die Tablette. Vielleicht hatte ich einfach nur Angst, der Anästhesist ist ein Schalker. Jener stellte sich aber später als Fan des HSV heraus. Er hat es schwer im (Fan-)Leben!

Die ersten Worte nach der OP waren die nach meiner Brille und meiner Frau. Ich muss zugeben, in der Reihenfolge. Menschen mit hoher Dioptrien werden das verstehen können.

Tag eins nach einem solchen Eingriff, der laut einem Arzt einem Massaker im Körper gleichkommt, kann man ja bekanntlich vergessen. Die folgenden Tage verbrachte ich lesend über George Best und sehend mit Schimi & Thanner, den alten Haudegen aus der Jugend. Zudem einem Katheter, den ich verfluchte und natürlich immer zeitnah entleerte. Leidensgenossen erkannte man ebenfalls an dem lässig um den Knöchel gebundenen Katheter. In den Farben getrennt, im Katheter vereint. Alles aber nicht wirklich wichtig, denn es zählte der Freitag, an dem es die Ergebnisse aus der Pathologie geben sollte, ob der Tumor schon gestreut hatte oder nicht. Dafür wurde etliche Lymphknoten drumherum entfernt, die ich mir aktuell manches mal zurückwünsche, denn sie stellen eine Art Weiche für Flüssigkeiten im Körper dar. Zu dem Zeitpunkt aber unwichtig, denn es galt eben jene Knoten zu untersuchen. Hat der Tumor gestreut, so liegt die Lebenserwartung trotz Totaloperation auch nur noch bei ca. 10 – 12 Jahren. Hat er nicht, könnte ich einem normalen Abgang in weiter Ferne entgegenstreben und noch ganz viele Jahre mit Gattin glücklich sein. Es sei denn, der RWE sorgt noch für Herzklabaster erster Güte.

Donnerstag kam ein Assistenzarzt um mir etwas mitzuteilen, was ich schon wieder vergessen habe. Vielleicht aus dem Grunde, da er mir beinah beiläufig mitteilte, dass die Ergebnisse aus der Pathologie da seien und der Tumor nicht gestreut habe. Diese Worte, seinerseits lässig ausgesprochen, sorgten meinerseits für einen der eher seltenen emotionalen Ausbrüche. „Assi“ ging von dannen und ließ mich in einem Meer von Schluchzen und Tränen zurück. Es hat einige Zeit gedauert, bis ich mich in Gänze sammeln und anrufen konnte. Das blöde Arschloch war nicht schnell genug, der Operateur war schneller. Und das „Näschen“ meines Urologen. Denn er war es, der die Vorsorgeuntersuchung vorschlug. Zwei Tage später schon sollte die Freude allerdings erst einmal wieder in jähes Entsetzen umschlagen: Der Katheter wurde gezogen. Einerseits ein Gefühl der Freude, denn das Dingen tut einiges, und vor allem weh. Andererseits stieg ich aus dem Bett um meiner Freude Ausdruck zu verleihen und merkte plötzlich und unerwartet, dass ich mich ziemlich fürchterlich einnässte. Welch Schock! Mit der Prostata ging auch der bisherige innere Schließmuskel den Weg in die ewigen Jagdgründe und ließ die Harnröhre daher einfach mal laufen. Es stoppte sie keiner. Noch nicht! Abends erfuhr ich dann, das dieser erste Tag danach in Krankenhauskreisen auch „Tag der Tränen“ genannt wird. Ein Swagger sieht somit definitiv anders aus.

Am nächsten Tag ging es auch schon wieder nach Hause. Und eigentlich begann erst dann der Kampf um die Rückkehr in das sogenannte normale Leben. In welchem ich auch heute noch immer nicht wieder angekommen bin. Die „Arbeit“ am verbliebenen äußeren Schließmuskel bestimmte nun den Tagesablauf und der vorsichtige Umgang mit dem frisch operierten Körper und seinen Anomalien diesbezüglich. Drei Wochen später, ich wähnte mich auf einem guten Weg (wollte eigentlich nach sechs Wochen wieder arbeiten und somit dem Krankengeld in meiner Vita entgehen), kam jedoch wieder alles ganz anders: Eine Zyste hatte sich gebildet und entzündet. Was für uns nach einer normalen Grippe aussah, hatte weitreichende Folgen bis zum heutigen Tage. An jenem Tag, als die Zyste „Hallo“ sagte, brachte sie 40 Grad Fieber mit und mir bis dato nie gekannte Schmerzen in den Beinen. Der Notarzt am Telefon sagte: Intensivstation, sofort. Ich fieberte dem negativ entgegen, da ich nicht in das hiesige Krankenhaus in Nordhorn will und bat meine Frau, dass wir das irgendwie so schaffen. Sie schaffte es und wickelte mich auf erträgliche Temperaturen herunter. Was folgte waren drei Wochen, wie sie unwirklicher kaum sein konnten. Sieben durchgeschwitzte Shirts am Tag waren manchmal Standard, nach jeder Nacht mussten Bettwäsche und Kissen komplett durchgenässt gewechselt und gewaschen werden. Es war so surreal, ich habe sogar mal in „Rote Rosen“ und „Sturm der Liebe“ reingezappt. Das sagt doch alles über meinen Zustand aus! Der Körper geschwächt in nie gekannter Form und hat sich doch dagegen gesträubt und gewehrt.

Viele Besuche mit noch mehr Stunden vor Ort folgten von nun an im St. Antonius Krankenhaus in Gronau, wo wir schon zu geduldigen Stammkunden wurden. Mit fast immer dem selben Ergebnis: Zu hohe Entzündungswerte. Und der Bitte um Geduld! Einzig positiv in jenen Tagen: Die dicke der Vorlagen wurde dünner. Zu Bett ging es immer noch recht früh, zu geschwächt der Körper. Die Zyste wusste was sie tat. Zudem meldete sich jemand, der bislang ausschließlich damit beschäftigt war, den Krebs ohne Pause zu bekämpfen: Der Kopf machte sich bemerkbar in Form von Geist und Seele; knickte zusammen unter der bisherigen Last des Stark-Seins. Erst jetzt und ganz langsam wurde die tödliche Krankheit bewusst. Kam Dankbarkeit hoch gepaart mit Unzufriedenheit über den „Ist – Zustand“. Und noch etwas anderes kam hinzu: Die Flüssigkeit. Die innerhalb des Körpers jetzt. Aufgrund der vielen entfernten Lymphknoten gilt es scheinbar neue Wege zu finden, was auch wieder Tage, Wochen und Monate dauert und den Alltag im wahrsten Sinne des Wortes erschwert. Ungesunde Ansammlung von Flüssigkeiten nun die legitime Nachfolgerin der Zyste. Vorzugsweise links. Die beiden Beine stellen sich nun dar, als würden Gerd und Thomas Müller jeweils ein Bein zur Verfügung stellen. Die Fußballkenner wissen somit Bescheid, wie es um die Dicke der Beine jeweils bestellt ist. Die nächste Komplikation, die es zu überwinden gilt. Wenn ich eines nicht mehr hören kann, so ist das der Begriff „Geduld“.

All dieses hat natürlich zur Folge, dass ich den RWE noch nicht einmal habe spielen sehen in seiner ersten Hoch3 Saison. Ich habe auch sonst nicht viel vom Leben gesehen seit jenem Tag im Juli. Nun habe ich zwar kein solch turbulentes Leben, als das ich groß was verpassen würde, aber dieses gefangen sein ist bisweilen unerträglich. Was vielleicht aber mal ganz gut tat, ist wohl doch der Abstand zum geliebten Verein. Ich kann diese Saison wesentlich gelassener verfolgen, als all die Jahre zuvor im Stadion. Was allerdings so richtig weh tut ist die Tatsache, aufgrund des derzeitigen Status keine Wochenenddienste zu leisten. Ich könnte also prinzipiell jedes Spiel sehen. Ohne den Planungsstress der ganzen letzten Jahre. Könnte! Geht aber noch nicht. Und wenn es geht, dann gehe ich auch wieder arbeiten. Und dann beginnen sie wieder, die Zeitprobleme. Ich bin aber trotzdem nicht ganz unzufrieden mit der Saison und habe das Gefühl, dass sich eine Aufstiegsmannschaft langsam entwickeln könnte, geben wir Fans ihr die Zeit dazu.

So ist das mit dem Arschloch Krebs und mit mir bis heute. Es dauert länger als erwartet und es wird noch weiterhin dauern. Aber, die erste relevante Blutuntersuchung nach einem Quartal hat ergeben, dass der Tumorwert aktuell nicht mehr messbar ist. Das die beste Nachricht der letzten Wochen. Alles andere dauert und erfordert Geduld. Irgendwie so, wie der RWE auch. Den ersten Spielbesuch peile ich jetzt erst für 2017 an.

Und doch habe ich Glück gehabt, denn es hätte alles viel schlimmer kommen können, gibt es doch so viele Varianten dieser widerlichen und unerklärlichen Krankheit, die kaum mehr Chancen lassen um zu überleben. Geht zur Vorsorge und vielleicht bleibt Euch dadurch viel erspart. Nur der RWE!

Sunshine on Leith. Absatz Eins.

„Oh, wie ist das schön, oh, wie ist das schön. So was hat man lange nicht erlebt, so schön, soooooo schön!“

Ja es muss doch endlich einmal gewürdigt werden, was uns Funktionäre diverser Fußballverbände zur Zeit an aberwitzigen Ideen und Wünschen in die Gazetten diktieren. Natürlich ist das obige Liedchen nicht wirklich ernst gemeint! Nur lassen Vielzahl dieser aktuellen Gedanken, durchgesteckt und die Seele des Spiels tunnelnd, nur noch ironische Gesänge zu. Die Ideen der Herren Infantino und Ceferin, aber auch Rummenigge und Watzke und wie sie alle heißen, dienen nur der einen guten Sache: Dem Fußball.

Natürlich nicht, so blöd sind wir Fußballfans auch wieder nicht! Sie dienen nur den monetären Interessen und drängen auf lange Sicht den, der sich auch schon in den 80ern in einem zugigen Stadion bei Wind und Wetter den Arsch abgefroren und den Hals heiser geschrien hat, langsam aber sicher aus den Stadien. Der Fußball alter Prägung soll in Teilen „outgesourct“, die alten Ligen, Wettbewerbe und Strukturen zerschlagen werden. Natürlich nur, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Egal eigentlich, was jetzt noch an abstrusen Ideen und Umsetzungen kommt; egal ob die DFB Elf in ferner Zukunft eine EM Qualifikation gegen die Auswahl der Grafschaft Bentheim oder das Königreich Beisen zu bestreiten hat. Egal ob Willi Lippens Markenbotschafter des RWE in China wird, der HSV endlich einmal absteigt oder Tönnies Schalke löscht wie seine Firmen, um Steuernachzahlungen zu umgehen:

Der Fußball, wie wir ihn lieben gelernt haben, existiert schon lange nicht mehr. Der Drops ist gelutscht, die Blase schon lange aufgeblasen. Nur eben noch nicht geplatzt. 

Dafür könnten dann langfristig eben jene Bestrebungen sorgen wie beispielsweise die, gefühlt direkt die ganze Welt an der WM teilhaben teilnehmen zu lassen. Oder auch die angedachte Landflucht, wie sie führende Vereine in Nordeuropäischen Ländern wünschen, da ihnen die eigene Liga nicht mehr die Erfüllung zu geben scheint, die sie sich erhofft haben. Interessant auch die Idee, das Finale der Champions League außerhalb Europas stattfinden zu lassen. Warum muss das sein? Obwohl, der Wettbewerb ist doch auch schon kein Pokal der Landesmeister mehr und somit an sich schon verwässert. Dann ist es doch eigentlich Latte, wo das Finale stattfindet. An die Fans wird doch von Haus aus nicht mehr gedacht, können doch am heimischen Empfangsgerät gucken.

Das CL Finale also dann in New York, während zeitgleich das Eröffnungsspiel der Major League Soccer zwischen Dosen New York und Chicago Fire in Leipzig stattfinden wird. Noch ziemlich zeitgleicher treten Ajax Amsterdam und der FC Kopenhagen in der Weststaffel der Nordliga im Südstadion von Köln an. Die für das Spiel vorgesehene Starke Arvid Arena in Ljungskile stand unerwartet durch das Wiederholungsspiel um die asiatische Meisterschaft zwischen RW Oberhausen und Shandong Luneng Taishan nicht mehr zur Verfügung. Die Europa League kommt zunächst einmal ziemlich bescheidener daher, so als Pokal der Verlierer. Daher ist es auch nur konsequent, dass Finale ab dem Jahre 2022 immer im Stadion am Heideweg zu Nordhorn austragen zu lassen. Da wurde schließlich schon oft verloren.

Wie sich die Europa League dann letztendlich zusammensetzt, steht allerdings noch in den Sternen. Die Bestrebungen der Funktionäre gehen in die Richtung, alle Vereine jeder nationalen Liga Europas daran teilnehmen zu lassen. Um Gelder zu generieren natürlich. Ausgeschlossen nur der HSV, da ständig in irgendeine Relegation eingebunden.

Was das Ganze nun mit Rot-Weiss Essen zu tun hat? Bis hierhin noch gar nichts, aber das kann sich schon in Absatz Zwei von „Sunshine on Leith“ ändern.

Fortsetzung folgt.

Wir sind alle abhängig und hadern mit dem Schicksal.

Leicht abgewandelt eine Aussage von Bayerns KHR (nicht zu verwechseln mit KMH aus dem ASS) als Titel. Nur gut, das wir uns aktuell nicht mit dieser dreisten Forderung nach einer finalen Wild Card auseinandersetzen müssen, um auf ewig für ein Finale gegen den FC Barcelona gesetzt zu sein. KHR tritt jeglichen Wettbewerbsgedanken im Fußball mit den Füßen.

Den Fußball mit den Füßen traten die Kicker von der Hafenstraße auch. Jedoch in letzter Zeit so schlecht, so dass sich die Situation rund um die Hafenstraße 97a immer mehr zuspitzte und nach der Niederlage vergangener Woche in Düsseldorf in wütendes Aufheulen der Anhängerschaft gipfelte. Unter dem Strich stand nach dem Spiel unter dem Strich. Man ist geneigt zu schreiben: Endlich!

Wochenlang schon pfiffen es die Spatzen von den Dächern: Abstiegskampf, Ihr seid im Abstiegskampf! Schien aber so wirklich keinen zu interessieren, denn verloren wurde ja auch nicht wirklich. Und so ging es stark kritisiert immer weiter. Unterbrochen gar von einem Halbfinalerfolg im Pokalwettbewerb des kleinen Mannes gegen den Angstgegner FC Kray. Wer glaubte da schon ernsthaft an einen Abstieg? Scheinbar keiner der Aktiven auf dem Feld, denn ansonsten ist die Leistung gegen Düsseldorfer Zweitfortunen nicht zu erklären. Oder ging es doch gegen den Trainer? gegen den Mitspieler? Gegen den Fan? Wir werden es wohl nie erfahren.

Jedenfalls brachte uns Düsseldorf nun definitiv die Erkenntnis, in höchste Abstiegsgefahr geraten zu sein. Wir, der Meister von 1955, welcher unterklassig höchstens durch Lizenzentzug absteigt, steht auf einem Abstiegsplatz der Regionalliga West. „Caramba, mir kocht der Blut“, um es mal mit Marika Rökk zu schreiben! Das war und ist zu viel für den leidgeprüften Fan. Die Kommentarzeilen kochten über; oftmals auch mit ungesundem Hass und blanker Gewaltandrohung. Das geht leider noch weniger, als eine unterirdische Leistung auf dem Feld! Isso! Die Tage nach Düsseldorf also Tage, die verwirrten; sprachlos machten und zugleich unfähig, auch nur annähernd etwas zu Papier zu bringen, was der Situation entsprechen könnte. Als außenstehender Blogger jedenfalls.

Die Argumente wogten hin und her; die Zuordnungen wurden im Minutentakt neu verteilt, ebenso die Schuldfrage. Jan Siewert schien schon entlassen, als Suspendierungen zweier Spieler ausgesprochen wurden und der suspendierende Trainer überraschenderweise bleiben konnte. Es ist ja nicht so, als ob ich mir nicht gewünscht hätte, dass der Trainer zum Verein gepasst hätte oder immer noch passen könnte. Ich würde mir aber wünschen, dass Jan Siewert wenigsten einmal auch menschelt. In einer Pressekonferenz zum Beispiel. Er agiert bisweilen so trocken und unnahbar wie die britischen Kronjuwelen hinter Panzerglas. Herrgott von Bentheim, da ist es doch kein Wunder, dass wir Unwissenden von schlechtem Betriebsklima zwischen Mannschaft und Trainer schwadronieren. Wir haben doch bald mehr Abgänge und Suspendierte als aktive Spieler im Kader. Zuzüglich Drölftausend Neuzugängen.

So viele Spieler, so viele Namen. Aber für uns nur ein Verein: Rot-Weiss Essen! Ok, wir atmen einmal kurz durch und sammeln die Fakten bis zum heutigen Spielbeginn: Trainer und sportlicher Leiter weiter im Amt; Mannschaft dezimiert; Vorstand in der Kritik; Abstiegsplatz; Boykott vieler Fans; Boykott des Boykottes durch ebenso viele Fans….na das konnte ja was werden. Und es wurden, um das Ganze ein wenig abzukürzen, drei Punkte! Der SC Verl erwies sich gestern Abend als der endlich richtige Gegner, den es verunsichert galt, verunsichert zu bezwingen. Wir alle im Stadion haben kein richtig gutes Fußballspiel gesehen. Und nur der Verler Harmlosigkeit in diesen neunzig Minuten war es zu verdanken, das stets kämpfenden und vollsten Einsatz zeigenden Essener zu einem 1:0 Kantersieg kamen. Dem ersten Dreier seit langer, langer Zeit. Die Verunsicherung und der Willen gaben sich bei den Spielern des RWE die berühmte Klinke in die Hand. Erst das einzige Tor des Abends offenbarte einen kleinen Einblick in die Seele des rot-weißen Vertragsspielers: Die Auswechsel- und somit nicht suspendierten, Spieler rannten wie von Sinnen auf das Feld nach jenem Treffer, während es andere Spieler sogar Richtung Trainerbank zog. Der Trainer also doch nicht derjenige welche?

„Siewert raus“ Rufe gab es übrigens nur dezent zweimal. „Abgefeuert“ auf der Haupttribüne von einem älteren Fan in Zivil. Der Boykott übrigens sollte nicht unerwähnt bleiben, denn meines Erachtens hat er funktioniert! Funktioniert deshalb, weil er beiderseitig respektiert wurde. Von denen die trotzdem gucken und jenen, die wegschauen wollten. Beide bekamen ihre Bühne Westtribüne. Und das war gut so! Gewaltandrohungen weniger, denn die helfen einfach keinem. Was auch nicht hilft, ist der Auftrag der RevierSport, alles und jedes in dermaßen überzogener Art zu martialisieren. Flatterbänder sind de facto keine Barrikaden. Warum muss immer alles so überzogen dargestellt werden? Warum diese Gier nach reisserischen Überschriften und Artikeln? Kommt mal runter und schreibt wieder über Fußball. Ein frommer Wunsch, ich weiß. Aber wünschen darf man sich alles, hat meine Mutti früher immer gesagt. Tja, wir alle haben also endlich einmal wieder drei Punkte mit auf den Heimweg bekommen. Drei Punkte für die Seele, aber noch nicht zur Beruhigung. Und sicher nicht annähernd dafür geeignet, um etwas Ruhe an die Hafenstraße zu bekommen. Das schaffen nur weitere Punkte. Und vielleicht mal klare Worte, was wirklich los war, im Frühjahr 2016.

Simple Daseinserschöpfung

Eigentlich ist Rot-Weiss Essen doch nichts anderes als das „Burn Out“ des kleinen Fußballfans. Schon in der alltäglichen Welt warnen Forscher, Medien und Mediziner stets vor zuviel Stress; überbieten sich einschlägige Zeitschriften und Portale darin, gestressten Menschen die richtigen Verhaltensmuster beizubringen, um dem Alltagsstress lockerer zu begegnen. Es wird gekocht was den Blutdruck und das Cholesterin senkt. In der digitalen Welt sorgen zudem Bildchen mit sanften Sprüchen und möglicherweise gelegentlich als niedlich wahrgenommene Katzenbilder für Kuschel Atmosphäre.

Alles sorgt sich um das Wohl der Menschen. Abgesehen natürlich von den „Besorgten“ höchstselbst. Man könnte also locker den Eindruck gewinnen, mit ein wenig Veränderung sitzt ein dermaßen entspanntes Leben drin, welches selbst Alt 68er und Woodstock Veteranen vor Neid erblassen lassen dürfte. Das Leben also im Fluss, ein Gleichklang von Yin und seinem Kumpel. Sollte man meinen, denn dann kommt er unweigerlich doch: Der Spieltag! Und dann ist alles anders. Nichts mehr mit Beschaulichkeit. Die internen Sirenen dröhnen.

Der Fan von Rot-Weiss Essen wacht an diesen Tagen direkt mit einem Unbehagen auf, wie seinerzeit nur neben der ständig eskalierenden „Ex“. Der Spieltag, normalerweise der höchste Feiertag für Fans, bietet immer wieder ein Stresspotential, wie es besser nicht über den Tag hinweg aufgezeichnet werden sollte. Alles fokussiert sich auf den Anpfiff! Schon die Aufstellung sorgt bisweilen für erhöhten Blutdruck oder Furchen auf der Stirn. Warum denn Spieler X und nicht Spieler Y auf dieser Position? Und was ist mit Baier? Die Gedanken lassen den Puls schneller traben als es diesem alten Gaul und lebenslangen Weggefährten gut tut. Zudem steht ja noch die Koordination des Spiels als solches an: Bin ich im Stadion? Oder daheim am Ticker? Im Dienst oder mit der Familie unterwegs und hält mich das davon ab, mein Handy zu zücken? Und Danke überhaupt dafür, dass der RWE erst in modernen Zeiten so richtig abgestürzt ist. Vor Dreißig Jahren in der Vierten Liga, und die Ergebnisse würden erst drei Wochen später mit der Postkutsche ankommen. Was wiederum noch mehr Stress bedeuten würde.

Ja, so ein Dasein als Fan von Rot-Weiss Essen ist oftmals purer Stress. Und dieser heute erstmalig gehörte Begriff der simplen Daseinserschöpfung trifft es auf den Punkt. Es ist recht simpel, den RWE zu lieben. Und wir tun es halt. Punkt! Aber unser Verein erschöpft uns auch. Das ist einfach so. Ich weiss nicht, ob nun zum Beispiel die Fans des FC Bayern ob der vielen Erfolge ( ich hätte jetzt anstelle der Bayern auch den HSV nehmen können) an dem Zustand der simplen Daseinserschöpfung leiden, aber letztendlich bin ich dann doch lieber mit dem RWE erschöpft, als freudig erregt ob der x-ten errungenen Meisterschaft. Heute um 14. 00 Uhr spielt unser RWE also mal wieder in Verl, und mit Anpfiff steigen alle erwähnten Werte mindestens auf Faktor 1907 an. Da helfen auch keine niedlichen Katzenfotos. Aber natürlich drei Punkte nach Abpfiff.