Kategorie-Archiv: Flimmerkiste

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Als ich am 7.Juli 1977 zum Lagermeister im Zeltlager der Jugend des SV Vorwärts Nordhorn gekürt wurde, konnte ich einerseits noch nicht ahnen, dass es bis zum heutigen Tage meine einzige persönliche Auszeichnung bleiben würde; und andererseits konnte sich auch kein Verantwortlicher erklären, wie es zu diesem Erfolg kommen konnte. Ungefähr also die gleiche Situation, wie wir sie aktuell mit Wales und der Europameisterschaft erleben. Vier Jahre später, am 28.Juni 1981 gab es wieder so ein Erlebnis, mit dem keiner gerechnet hat: Horst Schimanski betrat um 20:15 Uhr die Tatort Bühne in der ARD. Und der mittlerweile 15jährige Ex-Lagermeister fand direkt Gefallen an diesem doch eher ungehobelten Charakter. Drei Jahre später gab es dann in „Zweierlei Blut“ auch endlich die Verquickung zwischen Tatort und Fußball. Götz George hatte seine Rolle gefunden, mit welcher er bis zu seinem Tode am 19.Juni 2016 am ehesten definiert wird.

Götz George ritt früh schon gelegentlich an der Seite von Winnetou und seinen diversen Kumpels; brillierte in vielen Charakterrollen. Zeigte in Interviews Ecken und Kanten. Und war doch „Schimi“. Die raufende, trinkende und „Scheiße“ brüllende Nervensäge aus Duisburg. Relativ unfähig zu Teamwork und rationalen Gedankengängen. Immer aus dem Bauch heraus. Sehr zum Leidwesen von Kollege „Korinthenkacker“ Thanner und sicher auch Kollege Hänschen. Die Jacke….wie sehr hatte ich mir eine solche gewünscht, leider nie bekommen. Das Warten auf den neuen Schimanski Tatort bisweilen quälend lang.

Die Nachricht vom plötzlichen Tode Götz Georges hat mich in diesem wahrlich an Toten nicht armen 2016 sehr getroffen. Ich kann das gar nicht wirklich beschreiben. Seine Vitalität und physische Präsenz..so jemand kann doch nicht plötzlich sterben. Einfach so. Doch! Leider konnte Götz George uns still und heimlich verlassen. Horst Schimanski hingegen hätte das nicht gekonnt. Schimi verlässt einen nur, wenn die Bude zu Bruch gegangen ist und die Bierflaschen über den Boden kullern.

Scheiße!

Acherontia atropos

Was waren das gestern für neunzig Minuten: Ein [Schau-] Spiel für die Ewigkeit. Die Kugel flog den [Schau-] Spielern nur so um die Ohren. Steilpässe verbaler Natur, welche den Mitspieler stets erreichten, elegant verwandelt oder für einen weiteren Traumpass aufgelegt wurden.

Ein spielerisches Niveau, welches „Tschick Niller“ zu einer Kick´n´Rush Knallcharge degradiert. Bildgewaltig unterstützt von außen, wie Fans auf einer Mottofahrt: „Tarantino Tour 12/10/14. Alle in überzeichnet“. Elfmeterschießen vor der Spiel[er]bank. Die Tragödie gegen Ende des Spiels, der finale Schuss. Gewinner und Verlierer lagen sich in den Armen.

Wer hätte gedacht, dass uns das betagte kriminale Flaggschiff Tatort aus dem Nichts heraus einen solchen Höhepunkt beschweren wird. Ein wenig erinnert das gestrige Tatort Spiel an das epische Pokalhalbfinale vergangener Saison gegen den MSV Duisburg: Eine Saison, in Lethargie und Gewohnheit gewickelt, entledigt sich plötzlich ihrer Ketten, bietet ein grandioses Schauspiel. Bildgewaltig, opulent ausgestattet, mit Showdown zu Ende gespielt.

Wir wissen nun nicht, ob uns der nächste Tatort direkt wieder entsetzt, gelangweilt oder fragend zurücklässt: Was wir aber wissen ist, dass der RWE es momentan einfach nicht schafft, sich aus seiner derzeitigen spielerischen Lethargie zu befreien! Verl und Ratingen ließen die erfolgreichen Sendezeiten gegen Viktoria und aus Rödinghausen schon wieder verblassen. Es reicht derzeit einfach nicht für neunzig Minuten großes Kino, wir sind fünfundvierzig Minuten Vorabendserie. Was sicher zur Folge haben wird, dass auf Dauer die Einschaltquoten sinken werden.

Und nun habe ich auch noch in einem Forum gelesen, dass die Spieler sich nicht mehr den Zuschauern zuwenden, da schlechte Kritiken und schlechter Umgangston drohen. Nun, die Spieler sollten sich einmal verinnerlichen, was die da draußen bisweilen auf sich nehmen! In der Hoffnung, tolle neunzig Minuten zu erleben. Und wir da draußen müssen uns immer wieder in Erinnerung rufen, dass der Kauf einer Eintrittskarte oder der GEZ Gebühren kein gutes Spiel und keinen guten Tatort garantiert.

Ausgang stets ungewiss! Zudem [Die Truppe gegen den VfB Lübeck einmal ausgeklammert] glaube ich weiterhin fest daran, dass weder Spieler noch Schauspieler bewusst ein schlechtes Spiel abliefern wollen. Manchmal liegt es am Drehbuch oder am Set. All das aber keine Berechtigung dafür, schon vor dem Spiel die eigenen Spieler wüst zu beschimpfen, Häme auszuschütten oder anderweitig niveaulos seinen Unwillen zu zeigen.

Vielleicht erspielt sich der Fußball von heute keine Verehrung mehr, so wie wir früher unsere Helden verehrt haben, wenn sie nach neunzig Minuten dreck- bisweilen blutverschmiert, aber erfolgreich vom Platz gehumpelt sind. Respekt sollte allemal mit von der Partie sein. Von beiden Seiten. Als Grundvoraussetzung. Aber wer weiss: Vielleicht erleben wir schon in der nächsten Folge ein Spiel, welches den Knoten platzen lässt, den Bock vom Eis holt,die Kuh hemmungslos umstösst.

Übrigens: Den gestrigen Tatort, den gilt es unbedingt noch anzuschauen und zu bejubeln.

Film ab

Es besteht ja eigentlich kaum ein Zweifel darüber, welches das schönste Fußballbuch aller Zeiten ist…[…] Nun aber gerade über das DVD Archiv gestolpert und bei den Filmen und Dokumentationen rund um das runde Leder hängengeblieben, stellt sich auch hier die Frage: Wie heißt der schönste Fußballfilm aller Zeiten, oder was gibt es sonst noch Sehenswertes. Subjektiv betrachtet natürlich.
Somit geht die Schale unangefochten an „Das Wunder von Bern“. Man glaubt sich mittendrin zu wähnen in diesem Sommer 1954. Kann den Kohlenstaub riechen oder die gesunde Luft der Alpen. Fühlt mit den Heimkehrern, aber auch mit den Daheimgebliebenen. Lernt, daß Twitter früher Tauben waren und der RWE auch noch wer.
Ganz groß aber die Leistungen der Darsteller/innen. Es fällt schwer, jemanden herauszuheben. Und doch waren meine Favoriten die Figur der Christa, verkörpert durch die wunderbare Johanna Gastdorf und speziell die des Paul Ackermann, gespielt von Lucas Gregorowicz. Von Ackermann stammt auch der Satz des Filmes: „Noch ein Kaltgetränk ?“
Vizemeister und somit direkt für die Champions League qualifiziert ist „Maradona by Kusturica“ Kein Spielfilm und eigentlich auch keine Dokumentation um einen gewissen Zeitraum abzudecken. Wie würde auch sonst ein Hugo Chavez in den Karriereverlauf eines Fußballers passen? Aber ein Diego Armando Maradona ist nun mal kein gewöhnlicher Fußballer. In Neapel munkelt man ja heute noch, er sei der Messias.
Maradona hat in seinem Leben nichts ausgelassen und mehr Kleidergrößen getragen als Joschka Fischer. Kusturica hat Maradona zu den Orten begleitet, die Meilensteine in seinem Leben und seiner Karriere waren. Wir Zuseher durften auch mit und ich hatte nicht das Gefühl, groß zu stören. Es sind sehr intensive Momente, sehr ehrliche Einblicke in die Seele eines Menschen, der irgendwo zwischen Genie und Wahnsinn pendelt. Und sicher auch noch auf der Suche nach dem Ort ist, wo diese Seele mal zur Ruhe kommt. Neben diesem einen Tor werden natürlich noch viele weitere Tore dieses Ausnahmefußballers gezeigt. Ein toller Film!
Knapp dahinter, aber sowas von, findet sich ein Film, der von seiner Machart stark an „Das Wunder von Bern erinnert“. „The Damned United“ heißt er und hat mich dermaßen beeindruckt, so daß ich auf diesen Eintrag verweisen darf. Starke Bilder, ganz starker Michael Sheen.
Punktgleich auf Platz Vier finden sich dann zwei Filme wieder, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Hier der als Mozart gepriesene Thomas und dort der als Schläger verrufene Tommy. „Tom Meets Zizou“ ist recht neu im Archiv, und hat es auf Anhieb in die vorderen Ränge geschafft.
Aljoscha Pause hat Thomas Broich über viele Jahre hinweg begleitet und Höhen und Tiefen eines Fußballers dokumentiert. Thomas Broich ist ein interessanter Typ und durch sein Image und dessen Pflege auch bestens geeignet, um mit dem Vorurteil aufzuräumen, daß Fußballprofis stets auf der Sonnenseite daheim sind. Sind sie natürlich nicht, denn manche spielen auch bei Schalke.
Das spannende an dem Film sind nicht nur die einzelnen Stationen einer Karriere oder die Selbstreflexionen von Thomas Broich dazu. Vielmehr beschäftigte mich die Frage, ob mir Thomas Broich nun sympathisch ist, oder nicht. Was bedeutet, daß Thomas Broich de facto ein interessanter Mensch ist. Unser gemeinsamer Nenner ist auf jeden Fall Christoph Daum und die ganze Dokumentation höchst sehenswert!
Tommy Johnson hat derlei Probleme nicht zu bewältigen, ist er doch eine fiktive Figur und nicht ein mit Intellekt gesegneter Fußballer. Selbstzweifel kennt die Figur Tommy auch keine und ist zudem gut strukturiert: Etwas Arbeit, viel Drogen und noch mehr Gewalt. Der Film dazu heisst „The Football Factory“ und muß sich den Platz Vier neuerdings mit Tom Meets Zizou teilen. Es ist die Milieustudie, die mich so an diesem Film fasziniert.
Dieser so intensive Einblick in die britische Gesellschaft, Die Darstellung der verschiedenen gesellschaftlichen Schichten, die eines eint: Der Verein (manchmal nur als Alibi dienend) und die Lust auf Gewalt. Ein treibender Soundtrack unterstützt die Ruhelosigkeit der Protagonisten, stets auf der Suche nach dem nächsten Kick. Der Ball rollt in diesem Film keine Sekunde, selbst ein Stadion ist nicht zu sehen und doch funktioniert so ein Film nur mit dem Fußball im Bunde. Und das schönste: Man muß keine Gewalt mögen, um von diesem Film fasziniert zu sein. – Teil 2 folgt –

Auch Du, mein Sohn Staudus!

Seit heute wissen wir, was wir schon immer wussten: In den Reihen des RWE befinden sich nicht nur begnadete Fußballer, sondern auch schauspielerisches Talent, welches grob zwischen Oliver Pocher und Peter Ustinov angesiedelt werden darf. Das alte Rom nun verweist in diesem Jahr auf das kommende Spiel zwischen Rot Weiss Essen und der „Auf Asche“ Elf. Nebenbei wurde mal eben die Frage nach der Herkunft der Adilette geklärt. Nach dem Dreh ist nun aber vor dem Dreh und laut geheimen Storyboard können wir uns schon auf die nächsten Jahre und Höhepunkte auf Zelluloid freuen:

„Vom Stauder verweht“

Das ist die Geschichte von Scarlett O`Paß und Doc Rett; Die Geschichte von Tara, aufgebaut durch Thomas Mitchell Melches; Die Geschichte von Pacht und Liebe unter Rot Weisser Sonne und der Einnahme Stauder`s durch die Armee der Auf Asche Staaten.

„Die vier Stauder der Katie Elder“

Nach dem Ableben von Katie Elder kehren ihre vier Stauder Michael Elder, Waldemar Elder, Damian Elder und Vinzent Elder zurück nach Clearwater, um auf der Georg Melches Farm Abschied zu nehmen. Anschließend sollte mit dem Insolvenzverwalter das Erbe geklärt werden. Leider gestaltet sich dieses Unterfangen nicht so einfach, haben doch mittlerweile Morgan Hastings und seine „Auf Asche“ Auftragsfußballer die Stadt fest im Griff. Diese Amateure bereiten den vier Stauder`s einen heißen Empfang.

„Der Schatz vom Staudersee“

Colonel Brinkley und seine „Auf Asche“ Bande sind durch einen hinterhältigen Überfall an eine Taktikkarte aus der Rot – Weissen Kabine gekommen. Es ist nun an Häuptling Wellingtou, seinem Vertragsbruder Old Wrobelhand und den tapferen Rotweisshäuten, dieses und weiteres Ungemach zu verhindern. Der Film dauert wie üblich 90 Minuten plus Nachspielzeit und am Ende gewinnt immer das Gute.

Bis es aber soweit ist, blicken wir weiter auf das alte Rom. Seine Senatoren und Feldherren: 

Mikroorganismen (Pornobalken reloaded)

Abpfiff. Das Spiel des Lebens gerade gewonnen oder verloren. Von Emotionen gezeichnet. Sieger oder Verlierer! Aber, wir haben doch keine Zeit. Hektisch stürmen mobile Kameras mitsamt Träger das Spielfeld; Begleitet von Mikrofonen, deren Träger nur einen Auftrag haben: Erste Stimmen einzufangen.

Im Hintergrund sieht der Zuschauer am Empfangsgerät wichtige Menschen, mindestens mit Headset, meistens mit fliegendem Jackett durch das Bild huschen. Mitunter einen der Sieger oder Verlierer (nachfolgend Sportler genannt) sanft in Richtung Kamera und Mikrofon drängend. Blitzschnell tauchen aus dem Nichts ganze Raumteiler mit Sponsorenlogos auf. Hintergrund für Vordergründiges. Bei den ganz großen Finalspielen werden gar ganze Triumphbögen für das Siegerfoto erschaffen.

Und dann ist er da, der unausweichliche Moment für den ausgepumpten Sportler: Die erste Frage! Erinnert zumeist an qualitativ hochwertige Reflektionen in Folge einer pädagogischen Übung: „Wie fühlen Sie sich ?“ oder: „Was geht (Alternativ: ging) in Ihnen vor ?“. „Möchten Sie noch jemanden grüßen ?“, oder: „Wann geben Sie Ihren Wechsel bekannt ?“ Die Frage nach dem „Was haben Sie sich dabei gedacht ?“ geht dabei schon etwas mehr ins Detail. Wird dem Sportler doch vorab das Prädikat verliehen, zu denken.

Aber was denkt denn nun ein Sportler, wenn er in Bruchteilen einer Sekunde zum Eigentorschützen oder Schützen des goldenen Tores wurde ? Und, möchte ich das sofort wissen ? Möchte ich überhaupt direkt nach Abpfiff als Fan mit dieser Methodik konfrontiert werden ? Oder möchte ich mich auch als Fan zunächst einmal sammeln, sowie sich auch Sportler und Fans im Stadion sammeln sollten. Stumm oder laut vor Freude, mit Tränen in den Augen oder schluchzend vor Trauer.

Ich möchte das nicht! Möchte ein paar Minuten nur eine Kamera, die mir die Emotionen von Sportlern, Verantwortlichen und Fans wiedergibt. Ohne diese und mich zu nötigen. Wenn es geht, ohne Kommentar für den Moment. Bei allem Verständnis für die Synergieeffekte zwischen Sport, Medien und Wirtschaft: Weniger ist manchmal mehr. Zum Glück haben scheinbar die Verantwortlichen der Vereine aus dem DFB Fauxpas von 2008 gelernt und kommen nicht sofort mit „Danke für Eure Unterstützung“ Planen auf das Feld gerannt. Sieger T -Shirts und Bierduschen sind schon schlimm genug.

Aber wenn zudem noch bei der Ankunft am Flughafen fast exakt die selben Fragen wie Stunden zuvor warten, da gefriert auch schon einmal die mediale Eloquenz eines Jürgen Klopp zwischen den Bartstoppeln ein. Das Finale verloren und eine Frage doppelt gestellt bekommen: Matthias Sammer hätte den Reporter wohl aufgegessen. Manchmal möchte man doch einfach nur nach Hause.

Definitiv die Frage „Was haben Sie sich dabei gedacht“, gehört den Organisatoren des Schlachtengebildes vor dem Finale am Samstag gestellt. Wie viele Fans jeglicher Kategorie wurden nicht mit Stadionverbot belegt, als sie ähnliche Szenarien auf das Spielfeld gebracht haben. Vielleicht etwas zu unorganisiert und gegen die Anweisung der Regie, was dann den Tadel und die vergebliche Akzeptanz für das Schauspiel zur Folge hatte. Zwei Deutsche Armeen in London in die Schlacht ziehen zu lassen, ist grundsätzlich eine mutige Entscheidung.

Gehen wir aber davon aus, dass diese Idee grundsätzlich schon weit im Vorfeld für das Endspiel geplant war. Es hätten also auch Schotten gegen Engländer in die Schlacht ziehen können, Spanier gegen Katalanen, Heineken gegen Budweiser. Wie dem auch sei: Paul Breitner konnte seine ganze schauspielerische Erfahrung dank „Potato Fritz“ in die Waagschale werfen, während bei Lars Ricken Talent alleine ausreichte.

Das Finale aber, das ließ das Vorspiel schnell vergessen. Welch ein Fußball, was für ein Spiel. Es hätte einige Minuten des Innehaltens für alle bedurft, statt der sofortigen ersten Frage. Ohne Frage.

Ansaugatmung

Kommenden Samstag, 25. Mai 2013,  ist es endlich soweit! Millionen Fußballfans freuen sich auf die beiden Höhepunkte des diesjährigen europäischen Fußballkalenders: Zunächst trifft Rot Weiss Essen auf die Sportfreunde Siegen und im Anschluss dann der FC Bayern München auf Borussia Dortmund. Es ist mit Einschaltquoten zu rechnen, die alles bisher Erlebte in den Schatten stellen dürften. Ja, auch Nick Tschiller oder Florian Silbereisen.

Wer an diesem Tage das ZDF einschaltet, darf sich umfassend informiert fühlen. Besondere Aufmerksamkeit gilt dann wieder der Ansaugatmung von Oliver Kahn. Dieses leicht zischende Geräusch als Vorbereitung auf einen längeren Exkurs, welcher zumeist in der eigenen Erfahrung als Profi mündet. So etwas musst Du eben aushalten, wenn Du auf diesem hohen Niveau Fußball guckst. Das ist der Druck für den die Eier erfunden wurden. Aber, eines wird in diesen Tagen schlichtweg vergessen: Diejenigen unter uns, die mit dem Fußball nichts am Hut haben!

Wir Fans können uns ja noch bis Samstag durch die Woche schleppen: Donnerstag promoviert der 1. FC Kaiserslautern, Freitag relegieren der VfL Osnabrück und Dynamo Dresden, Samstag Nachmittag geht es noch schnell an die Hafenstraße. Das Leben ist rund. Was aber bietet nun der Samstag ab ca. 20.00 Uhr für ein Leben ohne Finale ? Wir haben uns einmal in der Fernsehlandschaft sowie der näheren kulturellen Umgebung umgesehen und einige Tipps herausgesucht:

Fernsehen:

N24 verzichtet an diesem Abend auf die sonst üblichen Panzerdokumentationen und strahlt ab 20.15 Uhr eine Naturdokumentation aus: „Unser blauer Planet – An der Küste“ Wir unterstellen dem Sender einmal, damit bei den Schalker Fans punkten zu wollen.

VIVA steigt um 20.30 Uhr mit einer Show namens „World`s Sexiest Bodies“ in den Quotenring. Das zu dieser Sendung keine weiteren Informationen vorliegen dürfte nicht verwundern, selbst Oliver Pocher und Matze Knoop haben für diesen Abend abgesagt. Lothar Matthäus fühlte sich nicht in Form.

Bibel TV hat an diesem Abend extra seinen gewohnten Weg der Predigt verlassen und setzt sich auf einen Blockbuster: Mit der Erstverfilmung des Bühnenstückes von Carl Zuckmayer „Der Hauptmann von Köpenick“ hofft man, die Fans des 1.FC Union vom ZDF fernhalten zu können.

Das Erste: Die ARD fährt ganz brutale Geschütze auf, um den Hausfrieden vor den Empfangsgeräten zu stören: Die Schmonzette „Stürme in Afrika“ dürfte die Fußballfremden zu Tränen rühren.

KIKA: Das Kind in uns kann den Abend ohne Fußball mit einer Comedyserie gestalten und wird doch nur veräppelt: „Bernd das Brot mit den besten Witzen aller Zeiten“. Bernd das Brot hat noch nie Witze gemacht und ist alles, aber keine Comedy. Womit wir wieder bei Oliver Pocher wären.

Kultur:

GOP Varietè Theater Essen: „La fète – ein französisches Varietè Spektakel. Das hier versucht wird, auch ahnungslose Fußballfans anzulocken, auf Glanzstücke eines Franck Ribèry hoffend, dürfte auf der Hand liegen.

Aalto Theater: Hier werden Fußballfremde Kulturfreunde mit dem Stück „Tristan und Isolde“ beglückt. Ein Zitat dieses Dramas dürfte aber so oder ähnlich durchaus im Hause Lahm vor dem Abflug gefallen sein: „Wenn Du heimkommst, ohne Deiner Mutter etwas mitzubringen, wird die Hölle los sein“

Alter Bahnhof Essen – Kettwig: „Seitensprung für Zwei“. Etwas plumpe Anregung, den Fußball guckenden Partner sich selbst und seinem Schicksal zu überlassen, um zur Tat zu schreiten.

Ruller Haus, Wallenhorst: Ab 20.00 Uhr findet eine Lesung statt. „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“. Hier ist sicher nicht von Franz Beckenbauer die Rede, welcher keine Lust mehr auf das nächtliche Bankett hat. Genauere Informationen können wir zu dieser Veranstaltung nicht bieten.

1. Burgtor Bad Bentheim: Dieser Nachtwächterrundgang dürfte ausnehmend interessant werden, sind doch viele feiernde oder trauernde Spezies in Fußballkostümen nächtlich im Anschluss an das Finale unterwegs. Nicht zu empfehlen, will man sich dem Fußball komplett entziehen.

ZAK: Der Abend hier steht unter dem Motto „Models & Bottles“. Und irritiert zudem: Sind jetzt Models Flaschen ? Ist das Motto des Abends eine Hommage an George Best, hat sich Ansgar Brinkmann angekündigt ? Wir wissen es nicht.

Es gibt sie also durchaus, die Alternativen für einen fußballfreien Abend. Wer sich aber dem Partner zuliebe doch für das Endspiel, die Ansaugatmung und menschliche Dramen entscheidet: Sie oder ihn an diesem Abend einfach so nehmen, wie es das Spiel entscheidet.

Gegebenenfalls stumm in den Arm nehmen oder laut kreischend um den Hals fallen. Gucken, ob das Bier sich dem Ende neigt und gegebenenfalls ein Neues öffnen. Nicht fragen, was Abseits bedeutet oder warum gestandene Männer in neonfarbenen Fußballschuhen über den Platz laufen. Fußball ist schließlich Kultur.

Trudi

Die Trudi aus Köln, da in ihrem Viertel. Die Trudi, die mal der Arno war. Die Trudi, die ihre Mietwohnung im zweiten Stock als ihr Refugium bezeichnet (Welches dann auch so aussah). Diese mitfühlende Frau, die für jeden ein offenes Ohr hat und deren Alter Ego Arno sich zudem noch rührend um seine ehemalige Frau Gerda kümmert. Auch wenn sich die Kommunikation zwischen beiden zumeist auf einseitige Vorwürfe reduziert. Trudi kümmert sich halt nach eigener Aussage und steht immer irgendwo dazwischen.
Und doch ging auch Trudi einen Schritt zu weit: „Kümmern mit Todesfolge“, so könnte das Delikt bezeichnet werden, mit welchem Trudi zusammen mit der Exfrau ihre langjährige Vermieterin ihres Amtes quasi entbunden hat. Mit ziemlicher Sicherheit wird Trudi eine der wenigen Mittäter(innen) in der Tatort Historie sein, zu der man in den 90 Minuten eine ungeahnte Sympathie aufgebaut hat. Denn, natürlich war ja auch die Vermieterin eine gar fürchterliche Person. Intolerant und gar ihren eigenen Sohn verhöhnend. Soweit erst einmal zur Trudi.
Und damit direkt zu Edgar Selge, denn er verkörperte die Trudi. Das in einer Art und Weise, die den Zuseher mehr und mehr in seinen Bann zog. Sparsam in den Gesten, leise in der Aussprache, aber von beeindruckender körperlicher Präsenz. Damit meine ich nicht nur die Männerwaden in Stöckelschuhen, die sicheren Fußes unterwegs waren. Das Bild war Trudi und Trudi war das Bild. Edgar Selges Spiel brachte eine Figur stets in den Mittelpunkt, die sich selbst nie in diesen gedrängt hätte, um doch zu jeder Zeit die Handlung zu dominieren. Und so drängte Edgars Trudi die sonstigen Hauptprotagonisten auf angenehme Weise in den Hintergrund.
Wohltuend, bot sich der Figur Max Ballauf endlich Zeit, sich seinem vernachlässigtem Liebesleben zu widmen. Geradezu enttäuscht sackte der Ballauf Sympathisant in sich zusammen, als sich auf der anderen Seite der Rosen nicht die erhoffte Adressatin befand. Aber hier besteht ja noch Hoffnung. Und in diesem ganzen Geflecht der leisen Gefühle durfte natürlich auch Kollege Schenk nicht zu kurz kommen. Ungewohnt einfühlsam in der Milieustudie mit Trudi beim gemeinsamen Spaziergang, verstand Freddy zwischendurch immer nur den berühmten Bahnhof, die Liebe und Wiesbaden betreffend. Auch das große Auto konnte da nicht über die kleinen, gut gespielten, Unsicherheiten hinwegtäuschen. Der Freddy mag den Max halt und muß ihn seinerseits nicht mehr in jeder Folge machen.
Zu diesem wunderbaren Krimi trugen natürlich auch die anderen Protagonisten und Verdächtige bei. Stamm, Roeder und Sophie, stimmige Figuren mit eigener Problematik, die alle ein Motiv hatten, ohne jedoch pauschal den Täter zu geben. Ein leiser Krimi also, und doch spannend ob seiner Figuren. Edgar Selge darf zurecht stolz auf seine grandiose Leistung sein. Bleibt nur noch eine Frage: Wann endlich dürfen wir Frau Schenk kennenlernen?

Das Leben des Brian

Die Rede ist hier nicht von demjenigen Brian, der in seiner frühchristlichen Jugend einer Sandale hinterherlief, sondern von Brian Clough, dem langjährigen Erfolgstrainer von Nottingham Forrest.

Das aber der oft benutzte Zusatz „Erfolgs…..“ einen Menschen nur zu Unrecht charakterisiert, beweist der wundervolle Film „The Damned United“. Die hochtrabend anmutende Eigenwerbung „Der Fußballfilm des Jahrzehnts“ darf ruhigen Gewissens und kommentarlos so stehen gelassen werden: Wer sich in dem Film „Das Wunder von Bern“ von Sönke Wortmann nicht sattsehen konnte an der Kulisse, und sich mittendrin fühlte in dem Lebensgefühl der 50ziger Jahre, der ist in „The Damned United“ bestens aufgehoben.

Genauso liebevoll und Bildgewaltig zeigt uns der Regisseur Tom Hooper das England Mitte der 60ziger bis Mitte der 70ziger Jahre. Die Stadien noch eingebettet in Wohnviertel, die Katakomben in „Racing Green“, die Tribünen aus Holz und die Direktoren in Mantel und Hut. Diese Optik bedarf eigentlich keiner Story mehr.

Hat sie aber natürlich und so sind wir wieder bei Brian Clough: Als recht junger Trainer beim Kellerkind der zweiten Division, Derby County in Lohn und Brot, kommt im FA Cup das damalige Nonplusultra im englischen Fußball, nämlich Leeds United nebst Erfolgscoach Don Revie in den Baseball Ground. Aus einem, wie sich später herausstellt, Versehen heraus begrüßt Don Revie aber nicht Brian Clough, der für sein Trainervorbild in liebevoller Kleinarbeit diesen Tag vorbereitet hat. Der Egozentriker Brian Clough (famose Darstellung eines bisweilen an manischer Selbstüberschätzung leidenden Trainers durch Michael Sheen)leidet und baut ab diesem Tage ein Feindbild auf, welches es zu besiegen gilt! (Auch wenn der eigene sportliche Erfolg es nicht mehr nötig hätte).

Und ausgerechnet das sportliche Schicksal will es, dass Brian Clough an der Elland Road bei Leeds United Trainer wird,und zwar als Nachfolger von Don Revie. Gerade einmal 44 Tage dauert sein Engagement bei United und seine Zerissenheit zwischen Talent, Können auf der einen und andauernder Provokation auf der anderen Seite wird noch zusätzlich erschwert durch eine Mannschaft, die zurecht als die wohl härteste Mannschaft apostrophiert wird, die je in einer Liga gespielt hat. Billy Bremner mag hier stellvertretend für all die anderen Raubeine stehen.

Ergo: Es hat nicht sollen sein und ein Auftritt in einem TV Studio rückt ein wenig die Selbstherrlichkeit von Brian Clough gerade. Seine weniger rühmliche Karriere als Alkoholiker wird übrigens recht dezent in Randbemerkungen angedeutet. Ich könnte noch Stunden weiter über diesen Film referieren, seine starken und ausdrucksvollen Bilder und die Menschen in diesem Film wie zum Beispiel der treuen Seele Peter Taylor. Seinen besonderen Reiz bezieht der Film eben dadurch, dass es sich zum einen um eine reale Geschichte handelt und zum anderen durch die Zeitsprünge, in der die Geschichte erzählt wird. Fazit: Einer für das eigene Archiv!

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…und dann gab es noch…

…..“Ultra-Blutiger Sonntag“ Ein italienischer Film, gedreht Anfang der 90ziger Jahre. Schwerpunktmäßig handelt der Film von der Auswärtsfahrt einer Gruppe Ultras der Roma (AS Rom) Richtung Turin zum Spiel bei Juventus.

Nebenbei geht es noch um eine klassische Liebesgeschichte in Form einer Dreiecksbeziehung und um die Frage, wer Fabio zur Toilette begleiten muss. Grundsätzlich vermag die Bezeichnung „Ultra“ als Titel dieses Films verwirren, steht hier doch nicht nur die Unterstützung der eigenen Mannschaft im Vordergrund, sondern fast ausschließlich die Gewalt und deren “Legendenbildung” während der Zugfahrt. Trotzdem bietet der Film einen guten Eindruck darüber, was Auswärtsfahrten gemeinhin für Strapazen bedeuten und wie Umgangsformen bisweilen außer Kraft gesetzt werden. Die schwülstige Atmosphäre der überfüllten Zugabteile; Die Rauchschwaden von Zigaretten und anderen bewusstseinserweiternden Substanzen; Die Kombination Nahaufnahme mit einer Musik, die jedem Derrick zur Ehre gereicht hätte, ergeben dieses stimmige Szenario. Ein Film, der heute aber einer genauen Beschreibung bedarf, bestünde doch sonst die Gefahr, den Begriff „Ultra“ direkt in die negative Schublade abzulegen, such wenn sich die Ultra Szene heute manche Fragen gefallen lassen muß. Auf soziale Hintergründe verzichtet „Ultra“ komplett. Kein großer Hinweis darauf, warum „Principe“ für zwei Jahre in Haft war, oder auf das soziale Umfeld der anderen Protagonisten. Vielleicht hätte es dem Film aber auch in seiner Konsequenz nicht gut getan. Konsequent auch das offene Ende des Films. Fazit hier: Kein Kuschelfilm, keine schönen Bilder. Keine Figuren, die besondere Sympathien hervorrufen. Ein Film aber, der die Bedeutung des Fußballs als Lebensinhalt darstellt und die Möglichkeit, dadurch sein mangelndes Selbstwertgefühl aufzubauen. Das wird in den seltenen Konfliktfreien Dialogen deutlich.

Sunday, Bloody Sunday

„Ultra-Blutiger Sonntag“ Ein italienischer Film, gedreht Anfang der 90ziger Jahre. Schwerpunktmäßig handelt der Film von der Auswärtsfahrt einer Gruppe Ultras der Roma (AS Rom) Richtung Turin zum Spiel bei Juventus.

Nebenbei geht es noch um eine klassische Liebesgeschichte in Form einer Dreiecksbeziehung und um die Frage, wer Fabio zur Toilette begleiten muss. Grundsätzlich vermag die Bezeichnung „Ultra“ als Titel dieses Films verwirren, steht hier doch nicht nur die Unterstützung der eigenen Mannschaft im Vordergrund, sondern fast ausschließlich die Gewalt und deren “Legendenbildung” während der Zugfahrt.

Trotzdem bietet der Film einen guten Eindruck darüber, was Auswärtsfahrten gemeinhin für Strapazen bedeuten und wie Umgangsformen bisweilen außer Kraft gesetzt werden. Die schwülstige Atmosphäre der überfüllten Zugabteile; Die Rauchschwaden von Zigaretten und anderen bewusstseinserweiternden Substanzen; Die Kombination Nahaufnahme mit einer Musik, die jedem Derrick zur Ehre gereicht hätte, ergeben dieses stimmige Szenario.

Ein Film, der heute aber einer genauen Beschreibung bedarf, bestünde doch sonst die Gefahr, den Begriff „Ultra“ direkt in die negative Schublade abzulegen, auch wenn sich die Ultra Szene gelegentlich hinterfragen sollte. Auf soziale Hintergründe verzichtet „Ultra“ komplett. Kein großer Hinweis darauf, warum „Principe“ für zwei Jahre in Haft war, oder auf das soziale Umfeld der anderen Protagonisten. Vielleicht hätte es dem Film aber auch in seiner Konsequenz nicht gut getan. Konsequent auch das offene Ende des Films.

Fazit hier: Kein Kuschelfilm, keine schönen Bilder. Keine Figuren, die besondere Sympathien hervorrufen. Ein Film aber, der die Bedeutung des Fußballs als Lebensinhalt darstellt und die Möglichkeit, dadurch sein mangelndes Selbstwertgefühl aufzubauen. Das wird in den seltenen Konfliktfreien Dialogen deutlich. Ein Film aber auch, der zeigt, wie wenig Gewalt zur Problemlösung taugt.

Stuttgart

Stuttgart ist zwar stets angedacht, kommt als Tatort aber noch nicht so selbstverständlich daher, wie zum Beispiel die Kollegen aus Köln, Münster oder München. Im März hatte ich zuletzt einige Gedanken niedergeschrieben, das schwäbische Ermittler-Duo “Thorsten Lannert” und “Sebastian Bootz” betreffend. Gestern nun die 750. Tatort Folge: “Altlasten” so der Arbeitstitel, wird sicherlich niemals als ein solcher in die Tatort Geschichte eingehen. Für mich hat es dieser Krimi, nein: Dieses wunderbar gefühlvolle Stück Leben, auf Anhieb auf das Treppchen geschafft. Mögen auch professionelle Rezensionen schwanken zwischen Langeweile und schwerer Kost, so gibt es für mich nur ein Prädikat: Einer für das eigene Archiv. Für den- oder diejenige, die sich den Krimi noch in dieser Woche via Mediathek anschauen möchte, verzichte ich auf eine inhaltliche Darstellung, die Spannung so vielleicht noch ein wenig aufrechterhaltend. Wichtiger allemal sind die Charaktere und die vielen zwischenmenschlichen Untertöne, die uns das Drehbuch von Katrin Bühlig da beschert hat: Der Hausarzt, den eine Budgetierung vielleicht an den Rand des hippokratischen Eides und in die Nähe einer Straftat bringt, ein schwarzes Schaf in der Familie, der Schwiegersohn, welcher mit anderen Moralvorstellungen arbeitet, die gestresste Frau und Mutter, die trotz behindertem Kind und pflegebedürftigem Vater Karriere machen will….eigentlich Zutaten aus der kriminellen Klassikerkiste. Hier war aber das schwarze Schaf nicht ganz schwarz, der Karrierist nicht ganz ohne Moral usw. Und dann war da noch eine wunderbare Bibiana Zeller ,die ihrer Filmfigur der demenzkranken Witwe Brise Schubert eine Würde und Stil verlieh, die ich so in dieser Form noch nicht erlebt habe. Eine beeindruckender Wechsel zwischen der Anwaltsgattin mit gehobenen Umgangsformen, den Momenten der Demenz und denen der Todessehnsucht. Ein im Grundton stiller Tatort, die Dienstwaffe am schlanken Gürtel des Sebastian Bootz blieb diesmal nur Staffage. Zudem bekamen auch die beiden Hauptprotagonisten Zeit und Raum, ihre Figuren weiter auszubauen und diesen ein wenig mehr dessen zu verleihen, was anderen “Kollegen” vielleicht vorbehalten bleibt: Eine private Seite mit allen Facetten. Exemplarisch dafür stehen die Sequenzen im Treppenhaus des Thorsten Lannert und vor allem das genial eingestreute “Mensch ärgere Dich nicht” Duell zwischen Bootz und Schwiegermutter inklusive passender Musik. Verschweigen möchte ich auch nicht das Mitwirken der Staatsanwältin Emilia Alvarez a`la Carolina Vera. Und ebensowenig verschweigen möchte ich, dass da Frau Alvarez und ihr Kleidungsstil eher meine Begeisterung hervorrufen als die schauspielerische Leistung. Ergo: Ein wunderbarer Film, eigentlich voller Klischees behaftet, aber Dank der Regie und der schauspielerischen Leistung niemals in dessen Nähe abdriftend. Gucken!

Zelluloid

Der November bringt nicht nur neue Folgen über das Wirken des Egomanen Pastewka oder des notorischen Widerlings Stromberg mit sich, sondern auch Filme mit Bezug zum runden Leder auf die Leinwand:

Stolpern

Es sind diese gewissen Abende, an denen man nicht ins Bett findet. Meistens in Verbindung mit aufwühlenden Ereignissen, Abschnitten oder einem gewissen Maß an Reizüberflutung. Im heutigen Fall schlägt ein Mix aus allem zu Buche. Grundsätzlich habe ich schon mal besser geschlafen, ab Montag bestimmt der Wecker wieder zu einer unchristlichen Zeit den Lebensrhythmus und ich bin mir noch nicht sicher, ob das 0:0 Unentschieden des RWE bei den Jungpharmazeuten aus Leverkusen nun einen gewonnenen oder zwei verlorene Punkte zur Folge hat. Dem Vernehmen nach wurde dem RWE ein Elfmeter vergönnt und ein blitzsauberes Tor aberkannt. Wenn dem so ist, sind es zwei verlorene Punkte. Andererseits bin ich zunächst froh, dass nicht verloren wurde. so können die nächsten beiden Spiele gegen die momentanen Top Teams aus Münster und Lotte als “Underdog” angegangen werden. Da der RWE aber nicht irgendein Verein ist, war er für anderthalb Stunden auch im ZDF zu sehen. Wenn auch nur in Form von Devotionalien, die geschickt im heutigen “Lutter” Krimi platziert wurden. Ein spannender Krimi, in dem Jochen Krol mit der gewohnten Nonchalance ermittelte. Ja und im Zuge dieser Schlaflosigkeit ermittelt man dann Musik, die seinerzeit in Dauerschleife gehört wurde. Auf ein solches Lied bin ich gerade gestoßen: Sophie B. Hawkins ist die Auserwählte, die mich für einen gewissen Zeitraum mit zerrissenen Jeans, unkonventionellen Bewegungsabläufen und Lockenpracht der Aussage ihres Liedes recht nahe brachte.

Gute Mädchen kommen in den Himmel, Lisbeth überall hin

Der erste Teil der Millennium Trilogie “Verblendung” ist in Deutschland lediglich in kleinerem Rahmen, sprich in ausgewählten Kinos, angelaufen. Eigentlich eine Überraschung in Anbetracht der drei Millionen Leser. 688 Seiten Roman wurden in 153 Minuten Film zusammengefasst und die vergehen wie im so oft zitierten Fluge. Natürlich kann der Film nicht so in die Tiefe gehen, fallen manche Figuren und Affären dem Zeitraster zum Opfer. All das fällt kaum ins Gewicht, überwiegt doch die Faszination, einer Verfilmung beizuwohnen, die das “geistige Auge” beim Lesen 1:1 auf die Leinwand adaptiert hat. Es sind exakt die Gesichter, die Landschaft und die Kälte zu sehen, die der Leser so und nicht anders zu erwarten hatte. Noch mehr als im Buch konzentriert sich das Geschehen auf die beiden Hauptprotagonisten “Mikael Blomkvist” (Michael Nyqvist) und Lisbeth Salander (Noomi Rapace). Und hier wartet der Film auch schon mit seinem grössten Coup auf: Es wurde eine Lisbeth “wie aus dem Buche” gefunden: Noomi Rapace spielt die Lisbeth mit einer zurückhaltenden und doch gleichermaßen alles aussagenden Mimik und entspricht der Optik. In Konfliktsituationen ungemein physisch daherkommend und wahrlich kräftig zupackend, wird gerade während eines Liebesaktes mit “Mikael” all ihre Anspannung und innere Zerrissenheit deutlich. Das, was sich in einem Buch weitaus differenzierter beschreiben lässt,und von Stieg Larsson immer wieder thematisiert wurde, gelingt dem Film in einer eindrucksvollen Sequenz: In Großaufnahme wird hier keine Erotik gezeigt, sondern der Blick auf Lisbeth`s höchst angespannte Muskulatur gelenkt, die sogar das riesige Drachenmotiv auf ihrem Rücken kurz zum Leben erweckt. Das war es dann und mit einem schlichten “Nacht” verlässt Lisbeth einen ratlosen Mikael. Der Film selber ist in eher kühlen, harten Farben gehalten, so dass sich auch die schwarz weiß Fotografien bestens in die Szenerie einfügen. Schauspieler und Bilder ergeben so einen wahrlich stimmigen Film. Die Trilogie zu kennen ist aber von Vorteil, denn nur dann fügen sich die Bilder zusammen.

Män som hatar kvinnor

Dieser vielschichtige, düstere Charakter Lisbeth Salander ist ab heute nicht mehr nur im Kopfkino aktiv, sondern auch auf der Leinwand zu erleben. Ohne viel Getöse und fast wie aus dem Nichts ist er da: Der erste Teil der Millennium Trilogie läuft heute in den Kinos an. Mit meiner Besetzung lag ich völlig daneben, aber ich denke, das tut der Qualität des Filmes keinen Abbruch, eher im Gegenteil. Bei den professionellen Kritikern findet der Film, der übrigens wie das Buch Verblendung heißt, sehr viel Lob und Anerkennung. Bleibt nun abzuwarten, da keine Hollywood Produktion, wann der Film seinen Weg in die relative Provinz hier findet.

Piratensender

Auch der beginnende Herbst bürgt ja nicht automatisch für eine Verbesserung des allgemein gültigen TV Programmes. Zeit also, sich zur dunklen Jahreszeit verstärkt wieder dem Medium DVD zu widmen. Wohl unbewusst noch dem Motto “Piratengeburtstag” bei der Filmauswahl folgend, bescherte uns der britische Film “Radio Rock Revolution” einen kurzweiligen Abend trotz Überlänge. Kurzfassung: Mitte der 60ziger Jahre trotzen die Piratensender dem konservativen Treiben der BBC und treiben es, im wahrsten Sinne des Wortes, recht bunt und laut. Das ganze in diesem Falle auf einem alten Tanker inmitten der britischen See. Das anarchische Treiben wird gestützt von einem spielfreudigen Ensemble in schriller Optik, welche heute schon fast wieder modern und als tragbar gilt. Der Film steht in verwandtschaftlicher Beziehung zu “Vier Hochzeiten und ein Todesfall”, “Notting Hill” und diversen britischen Komödien. Natürlich trägt die Musik ein übriges zu dem Genuss bei, und die große Sause auf das Festland birgt herzhaften Slapstick, den es aber zu entdecken gilt. Eine weitere Entdeckung ist endlich die Bestätigung, dass wir Männer nicht älter, sondern höchstens attraktiver werden. Veranschaulicht durch Rhys Ifans, der sich seit der wunderbaren Verkörperung des Duschnihilisten “Spike” in “Notting Hill” zu einem Moderatoren- und Lifestyleguru entwickelt hat. Interessanterweise laufen solch “Perlen” bisweilen nur kurz im Kino oder stehen nur als Einzelstück in der Videothek, während sich Horrorstreifen in Kompaniestärke in den Regalen stapeln.

Sehen oder nicht gesehen

Die spannendste Bundesliga Saison aller Zeiten hat ihre Pforten geschlossen. Meist ein Signal für den kickenden Rest der Republik, so langsam auch alle Aktivitäten auf dem grünen Rasen einzustellen. Aber, weit gefehlt: Das Transferkarussel dreht sich nicht nur, sondern hebt fast ab: Die 11 Freunde kommen in ihrer aktuellen Ausgabe mit einem Bericht unter die Raute, und die Berichterstattung im Fernsehen übertrifft fast noch das Angebot während einer laufenden Saison. Was also war im „Angebot“ (Ich habe sicher noch einige Übertragungen und Wettbewerbe übersehen) ? : Mittwoch, 27.05. 09: Champions League Finale zwischen dem FC Barcelona und Manchester United. Spielbeginn um 20.45 Uhr. Auf diese Übertragung habe ich mich ganz besonders gefreut, boten doch die beteiligten Akteure eine Option auf Fußball vom Feinsten. Christiano Ronaldo wurde recht schnell entzaubert und zog seinen allseits bekannten “Flunsch”, aber die Katalanen waren an diesem Abend de facto eine Klasse besser. Messi, Etoò und Mareikes Liebling Thierry Henry, danach kann zur Zeit nicht mehr viel kommen. Verfolgt habe ich dieses Spiel mehr durch einen “Schleier”, galt es doch die RWE Pokalpleite zu verdauen. Was mir auffiel ist diese unglaubliche Entfernung der Tribünen des Olympiastadions in Rom zum Spielfeld. Donnerstag, 28.05.09: Relegation, Teil 1: Energie Cottbus – 1.FC Nürnberg. Spielbeginn um 18.00 Uhr. Das klassische Zeitfenster also bis 20.00 Uhr für Abendessen, “Kinder zu Bett bringen”, aufräumen etc. Resultat: Das Spiel wurde nur marginal durch kurze Einblicke verfolgt. Überrascht hat mich der klare 3:0 Auswärtserfolg der Clubberer schon etwas. Die Nachbetrachtung erfolgte online. Freitag, 29.05.09: Freundschaftspiel der DFB Auswahl in China eben gegen China. Spielbeginn 14.00 Uhr MESZ. Worum geht es bei dieser Reise überhaupt? Müssen ausgelaugte Profis, die unter normalen Wettbewerbsbedingungen vielleicht nicht einmal zum erweiterten Kader gehören, noch um die halbe Weltkugel gehetzt werden, nur um Imagewerbung zu betreiben? Zu diesem Zeitpunkt und mit diesem Kader ein Unterfangen, welches nur schiefgehen kann. Das Spiel endete 1:1 . Bewegte Bilder habe ich nicht gesehen, zeitnahe Ergebnisbeschaffung gleich null. Freitag, 29.05.09, Relegation, Teil 2: SC Paderborn – VfL Osnabrück. Spielbeginn 20.30 Uhr. Dieses Spiel habe ich doch recht interessiert verfolgt. Es war kein hochklassiges Spiel, unter dem nervlichen Druck auch nicht zu erwarten. Beteiligt auch drei Akteure des SC Paderborn, die in der letzten Saison noch beim RWE unter Vertrag standen und nur bei Abstieg wechseln konnten. Das erklärt für mich immer noch die Leistung gerade dieser drei Helden beim alles entscheidenden Spiel gegen den VfB Lübeck. Weiterhin in meinem Fokus: Claus-Dieter “Pele” Wollitz, in Personalunion Trainer und agilster Akteur des VfL Osnabrück. Natürlich kann ein Trainer nicht als Erfolgstrainer gelten, spielt er gegen den Abstieg, aber wie fertig der Mann nach jedem Spiel Rede und Antwort steht, das würde der Hafenstrasse gut zu Gesicht stehen. Mein absoluter Wunschtrainer für den RWE! Der SC Paderborn gewann das Spiel mit 1:0. Samstag, 30.05.09, Regionalliga West. Spielbeginn 13.30 Uhr. Der RWE empfängt zum letzten Heimspiel der Saison die Kombinierten des FSV LU/Oggersheim und gewinnt mit 3:0. Dem Spiel wohnen knapp 2.500 Zuschauer bei. Zu einem kompletten Boykott konnte ich mich nicht durchringen und hatte den Liveticker an. Märtyrerhaft. Den ganzen Frust über die Saison konnte ich im Garten abarbeiten. Samstag, 30.05.09, FA Cup Final 2009: FC Everton – Chelsea London. Spielbeginn 16.00 MESZ. Der Garten war fix, also Zeit für den Pokalwettbewerb schlechthin. Alibifunktion und ein guter Tipp: Bügelbrett entsprechend in Fernsehrichtung positionieren. Klappt fast immer. Michael Ballack durfte endlich einmal ein Finale gewinnen, wenngleich auch erst als Ersatzspieler zum Einsatz kommend. Moderiert wurde wie fast immer beim DSF aus dem Studio und New Wembley weckt im Vergleich zum römischen Olympiastadion fast klaustrophobische Gefühle beim Betrachter. Samstag, 30.05.09, DFB Pokalfinale 2009: SV Werder Bremen – SV Bayer Leverkusen. Spielbeginn 20.00 Uhr. Definitiv das Erste Spiel in dieser Woche, welches ich zu 100% verfolgt habe. Trotz Fanfreundschaft RWE/Werder und Werder als Lieblingsmannschaft der eigenen Tochter: Ich habe Bayer die Daumen gedrückt. Zum einen Ulf Kirsten und zum anderen Catenaccio geschuldet. Hat natürlich auch wieder nichts genützt, und der SV Werder hat unter dem Strich verdient gewonnen. Warum aber Steffen Simon weiterhin moderieren und vielen Fans die Lust am schönsten aller Spiele verleiden darf, das wird ein ewiges Rätsel bleiben. Ich weiß nicht, was Herr Simon sehen will, um sich nur ein einziges Mal lobend zu einem Spiel, überhaupt zu einer Spielszene, zu äußern. Sonntag, 31.05. 09, Relegation Teil 3: Club – Energie Cottbus. Die “Glubberer” haben den erwarteten Aufstieg perfekt gemacht, meine Teilnahme daran waren jeweils 5 Minuten in beiden Halbzeiten. Morgen Abend geht es dann nahtlos weiter in Sachen Relegation Teil 4. Der Fußball rollt scheinbar immer weiter, daran kann auch der RWE nichts ändern.

Hart wie Kruppstahl

Welch plakative Überschrift, aber definitiv der Beleg dafür, dass der Dreiteiler über die Familie Krupp keinen Geistesblitz an den Tag brachte. Schon im Vorfeld der Trilogie war mir die harsche Kritik an der Aufarbeitung, auch aus den „eigenen Reihen“, bewusst. Aber die Affinität zur Stadt Essen, der Besuch in der Villa Hügel, auf der Margarethenhöhe und diverser Lektüre über die Familie Krupp ließen einen „Boykott“ nicht zu. Diese Familie in 270 Minuten zu ergründen ist ja an sich schon ein zum Scheitern verurteiltes Vorhaben, und somit blieben manche Charaktere unbenannt oder nur kurz am Rande erwähnt. Diese innere Zerissenheit des Friedrich Alfred (Fritz) Krupp ob seiner Homosexualität, die drei Jahre Haft des letzten Krupp (Alfried), dessen Obsession für seine LP Sammlung, das Verhältnis von Mutter Margarethe zu Tochter Bertha, der Habitus von Arndt von Bohlen und Halbach, all solch spannende Faktoren blieben natürlich auch in ihrer Tiefe unberührt. Zudem war Bertha wohl nicht so kalt und auf Kruppstahl gedrillt, wie es das bisweilen hölzerne Spiel von Iris Berben vermuten ließ. Und zur Krönung durfte nicht einmal an und in der Villa Hügel gedreht werden, sondern musste auf das ebenfalls beeindruckende Schloss Nordkirchen ausgewichen werden. Und trotzdem: Diese Krupps waren sehenswert. Auch in dieser Verfilmung ohne grosse Ecken und Kanten kamen sie rüber: Die Zwänge und Verhaltensweisen daraus, denen sich Alfried Krupp zu unterwerfen hatte. Die Wendehalspolitik und das Befeuern der Kriegsindustrie jenseits der Moral zugunsten des Geschäftsergebnisses. Und irgendwo ja auch der Kruppianer. Das Leben in einem überdimensionalisierten Wohnraum ohne doch Privatsphäre genießen zu dürfen und vieles mehr. Das Buch der Familie Krupp wurde quergelesen, und doch in prächtigen Bildern erzählt, von daher lohnt sich eine dreiteilige Stippvisite durchaus. Ein Besuch in Nordkirchen und dem dortigen Schloss aber auch unabhängig von der Tatsache, einmal dort auf der Treppe zu stehen, wo schon „die“ Berben stand. Zudem mache ich mir wie immer gerne ein eigenes Bild (bzw. Foto).

Masematte

So viel Fußball, da bleibt nicht viel Zeit für TV Erlebnisse der anderen Art. Bei dem Gebotenen aber auch nicht weiter tragisch. So wird halt selektiv zur Fernbedienung gegriffen. Gedrückt wurde diese zuletzt, um den aktuellen Fall des schnüffelnden Antiquars aus Münster zu verfolgen. Wilsbergs neuester Auftrag hieß „Doktorspiele“ und schon die harte Optik verhieß einen anderen Fall. Zwar gibt es bei Wilsberg fast in jeder Folge auch den klassischen Mord, im Anschluß daran wird aber eher kalauernd „drumherum“ ermittelt. Dieses dramatische Ende aber, das war für diese Serie neu: Fast wie weiland bei Winnetou und seinem Kumpel Old Shatterhand in Teil 3. Gar nicht mehr so neu ist der, für mich, heimliche Star der Serie: „Overbeck!“ Ganz den Launen seiner (Film) Chefin ausgeliefert entwickelt Overbeck immer mehr sein eigenes Profil. Fast schon autistische Züge treten zu Tage, wenn Overbeck in einer Szene im Hintergrund am Fahrzeug stehend mit seiner Dienstwaffe spielt und dabei dummerweise den Reifen zerschiesst. Grandios auch sein Spiel mit der Sonnenbrille zur CSI Filmmusik. Dazu noch die „Ödipussi“ Sequenz in Unterhose….diese Filmfigur hebt Humor auf ein sehr hohes Niveau, ohne den ganzen Fall dadurch in irgendeiner Form der Lächerlichkeit preiszugeben. Im Gegenzug wurde die Figur des „Ecki Talkötter“ von seiner Tollpatschigkeit befreit, so daß die Balance wieder stimmt. Noch ist der Film in der ZDF Mediathek zu sehen.

Pars pro toto

Es ist doch immer wieder schön, etwas dazuzulernen. In diesem Falle handelt es sich um obiges lateinisches Zitat. Stattgefunden hat diese kostenlose Schulung im Ersten und dort im Rahmen des heutigen Tatortes. Richy Müller ermittelte als „Thorsten Lannert“ in seinem dritten Fall im schwäbischen Exil und gab sein sorgsam aufgebautes Geheimnis preis. Ein spannender Tatort, der uns da präsentiert wurde. Ungleich spannender als zum Beispiel das Beckersche Geschwafel von gestern abend. Die Filmfigur „Thorsten Lannert“ hat heute im Abspann sein altes Leben als Filmfigur weggeworfen.Nun wird es interessant, wie diese Figur von den Autoren weiterentwickelt wird. Vielleicht aber wird der Fokus auch mehr auf den von Felix Klare verkörperten Assistenten „Sebastian Bootz“ gelegt, wurde doch in einer kurzen Sequenz eine interessante private Begegnung mit seiner Frau eingebaut. Sehr gut gefallen hat mir auch die Darstellung von Filip Peeters als skrupelloser Gegenspieler „Victor de Man“ mit Stil und gehaltvollem Abgang. Ach so, und was haben wir gelernt: „Pars pro toto“ bedeutet übersetzt: „Teil vom Ganzen“ und wird dann benutzt, wenn zum Beispiel bei Aufzählungen nicht alles Erwähnung finden soll. Na ja, mit meinem kleinen Latinum konnte ich das ja auch nicht wissen.

Echolot

Da habe ich an diesem sowieso schon verkorksten Samstag noch Glück gehabt: Ich hatte vor, bei Ndr 2 Karten zu gewinnen für die Echo Verleihung in Berlin. Einziger Sinn dieser Teilnahme: Die relativ geringe Lebenschance, einmal annähernd in der Nähe von Bono und Co. sein zu dürfen. Aber, ich verschiebe diesen Lebenstraum gerne, habe ich natürlich nicht gewonnen, und überzeugte mich das Moderatorenduo Schöneberger/Pocher sehr schnell davon, daß es besser war, nicht vor Ort gewesen zu sein. Lieblos wurde U2 gleich als erster Liveact angekündigt. Das war dann insofern gut, konnte recht schnell der Fernseher ausgeschaltet werden. Warum bekommt ein Oliver Pocher immer wieder solche Formate zugeteilt ?, scheint doch seine einzige Kunst darin zu liegen, verbal andere zu beleidigen. Gerade in Zeiten, wo das Internet den gesellschaftlichen Aspekt zu verrohen droht, sollte von Moderatorenseite anders agiert werden. Barbara Schöneberger, zu selbstverliebt und überdreht um einen qualitativen Gegenpart zu Pocher zu schaffen. Alle gesehenen Preisträger grüssten Berlin und fragten sich bisweilen zurecht, was sie sagen sollten. Im Falle von Florian Silbereisen und Jeanette Biedermann hätte ich folgenden Tip von Dieter Nuhr parat: „Wenn man keine Ahnung hat,…..“. Die hatte ich heute Abend auch nicht: Ich habe für uns den Film „BURN AFTER READING“ ausgeliehen. Die Besetzungsliste sollte uns endlich das erhoffte TV Event des Wochenendes bringen. Wieder Fehlanzeige: Ein Film wohl nur für Fans der Protagonisten. Weil: Brad Pitt als grenzdebiler Fitnesscouch, George Clooney als paranoider Frauenversteher und der unvergleichliche John Malkovich als geschasster CIA Agent, jeder auf seine Art glänzt hier. Doch der Film als solcher kommt nur schwach poliert daher und läßt einen beim Abspann ratlos fragen: „Und worum ging es jetzt?“.

Der Satz des Pythagoras

Den Satz des Pythagoras habe und werde ich wohl nie als Lieblingssatz bezeichnen können. Allerdings ist er mir wesentlich lieber als der folgende lange Satz des Grauens, den ein Blick in die Fernsehzeitung einer Woche offenbart: „bigbrother, germanysnexttopmodel, deutschlandsuchtdensuperstar, frauentausch, dschungelcamp, bauersuchtfrau, thebiggestloser, gerichtshows, misterperfect usw,usw“. Natürlich gibt es noch qualitativ hochwertiges Fernsehen; Leider verkommt ein solches aber immer mehr zum Nischenprogramm. Somit übernehmen Formate die Prime Time, welche jede normale Ausbildung scheinbar zur Farce verkommen lassen oder talentfreie Menschen der Lächerlichkeit preisgeben usw. Befeuert wird diese Art Unterhaltung noch von der Boulevard Presse, die zum Beispiel die an Verachtung grenzenden Kommentare einer Casting Show genußvoll in dicken Lettern auf Seite 1 bringt. Aber, ich muß es ja zum Glück nicht gucken, und das Medium DVD bietet ja die Möglichkeit, sich ein eigenes Programm zu schaffen. So werden auch weiterhin vermehrt alte Erfolge aus öffentlich rechtlicher Produktion auf Scheibe gepresst. Auf die Serie „Um die 30“ warten zwar noch immer viele Fans, aber den Ruhrpott Proll Horst Schimanski zum Beispiel, den gibt es jetzt in Form seiner beiden Tatort Kinoverfilmungen auch auf DVD und bietet eine gute Alternative zum Trash im TV.

Lippen(s)bekenntnisse

Da saß Willi Lippens nun im Treppenaufgang der alterwürdigen Haupttribüne im Georg Melches Stadion und gab nur das wieder, was seit Jahrzehnten bekannt ist: Die Stadt Essen trägt auch ihr Päckchen, den sportlichen Niedergang der Stadt Essen betreffend. Diese in Form des Stadtdirektors gibt indirekt Versäumnisse zu, und auch Herr Hempelmann bekommt als Bauherr ohne Bau sein „Fett ab“ in dieser kurzren Reportage zum „Ist Stand“ bei RWE. Knackig auf den Punkt gebracht gibt sie das wieder, was alle wissen: Der RWE ist ein Verein mit enormer „Strahlkraft“, der Ligenunabhängig fasziniert, der aber seit Georg Melches nie mehr angemessen geführt wurde. Ein Verein, dem vor allem ein Nachteil durch die ungeklärte Stadionfrage entstanden ist. Und trotzdem keimt in der Person Thomas Strunz ein professioneller Hoffnungsschimmer in Richtung Zukunft. Und den Willi Lippens, den sollte man an der Hafenstrasse endlich wieder zurück ins Boot holen. So wie er über seine Verträge vor einigen Wochen in Bochum erzählt hat, das Stadion würde bald gebaut werden. Die Leistungen der sportlichen Angestellten in den letzten jahren wurden hier einmal bewußt ausgeklammert. Das ist eine weitere Reportage wert…

Zurück ins Funkhaus

So, ich hoffe viele Fußballfans haben gestern die Reportage auf WDR 3 gesehen. Auch der erste Beitrag hatte einen interessantes, wenngleich schmerzhaftes Thema: Manfred Breuckmann geht in Rente. In den Vorruhestand, genaugenommen. Wie man es auch nennt, auf jeden Fall werden wir ihn zwischen 15.30 und 17.15 Uhr nicht mehr aus den Stadien, vorzugsweise im Westen, zu Ohren bekommen. Kurt Brumme, Jochen Hageleit und nun eben Manfred Breuckmann. Gelebte Fußballreportagen. Während die beiden erstgenannten aus dem Studio moderierten, gibt Manfred Breuckmann den Keith Richards der Schlußkonferenz,aber im Hörfunk moderiert es sich auch unrasiert gut. Ja, so langsam beginnt einem das Leben die Dinge zu nehmen, die man mag. Aber, vielleicht kommt es ja noch zu einem Comback, so als freier Mitarbeiter. Und dann bin ich ja ganz gespannt auf seinen vorletzten Satz, denn da hat Manfred Breuckmann angekündigt, dass wir geneigten Hörer ganz besonders aufpassen sollen. Ich glaube, dass er sich dann „offenbart“, welchem Verein sein Dattelner Herz gehört: Und zwar wird Manfred Breuckmann Millionen Hörer mit der Tatsache überraschen , seit Kindesbeinen an RWE Fan zu sein……wirklich wichtigeres fällt mir nicht ein.

Generalabsage

Der Unterschied einer Spielabsage zu einer Generalabsage ist der, dass ein kompletter Spieltag abgesagt wird. So geschehen heute in der Oberliga Niedersachsen West. Also keine Gelegenheit, nach längerer Zeit wieder einem Spiel der heimischen Eintracht beizuwohnen. Schade eigentlich, sind doch gerade die „Small Talks“ ein Grund, überhaupt weiter an den Heideweg zu „pilgern“. Abgesehen vom Spiel natürlich. Aber auch ohne Fußball geht das Leben weiter und somit war heute Winterspaziergang und Co. angesagt. Und Co….., das war unter anderem der Film Horton hört ein Hu. Ein netter Familienspaß, der einige Lacher zu bieten hatte. Insgesamt war der Film aber nicht das große Ereignis, welches die „Trailer“ suggeriert haben. Aber, wir haben ja heute Abend noch die Vorfreude auf einen Tatort. Meine Lieblingskomissare sind wieder auf der Pirsch. Zudem sind noch so großartige Schauspieler wie Joachim Krol und Hanns Zischler mit im Spiel. Übrigens, bei dem Begriff Schauspieler fällt mir auch Michael Mendl ein. Ich hoffe, daß viele am vergangenen Montag den Krimi „Der Tote in der Mauer“ gesehen haben. Ein großartiges Psychodrama als Kammerspiel in tiefster Provinz getarnt. Für solche verpassten TV Perlen bieten sich heutzutage aber immer wieder die sogenannten Mediatheken von ARD und ZDF im Internet an, da können die Filme noch einige Tage später online geschaut werden.

Charlotte

Zeuge sein, dass hat ja etwas mit Polizeiarbeit zu tun. Und somit paßt es, wenn ich schreibe, daß wir gerade Zeuge eines spannenden Tatortes waren. Frau Lindholm agierte gwohnt kühl und mit Charisma, und hatte diesmal auch das Glück eines spannenden Drehbuches auf ihrer Filmfigurseite. Ein Hauch von Bond,Bourne und Co. war zu spüren, anhand der schnellen Schnitte, der Ortswechsel und der Internationalität, in denen der doch provinziell begangene Mord eingebettet wurde. Ein Tatort, der auch ohne große Schußwechsel und kollegiale Kabbeleien zu überzeugen wußte. Also meiner Meinung nach. Und einen stets anwesenden „Babysitter“, den muß man auch erst mal finden. Wir suchen noch.
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