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Schöpfungsgeschichte

Wenn Vereine gegründet werden, treffen sich Gründer um zu beschließen, dass gegründet wird. Wird jedoch Rot-Weiss Essen gegründet, kommt das fast einer Schöpfungsgeschichte gleich, so viele Personen sind schon von Beginn an involviert. Und außerdem ist auch Vatter Heinrich Melches nicht ganz unschuldig an dieser Vogelheimer Schöpfungsgeschichte: Was legt er auch seinen Söhnen Georg und Hermann 1906 einen Ball unter den Weihnachtsbaum? Wie es nach diesem Weihnachtsfest weitergeht, ist ja mittlerweile mehr als bekannt: Fußlümmel Georg Melches führte mit seinen Freunden die bestehenden Vereine SC Preußen und Deutsche Eiche zum SV Vogelheim zusammen. Deutsche Eiche, ein an sich schon recht merkwürdiger Vereinsname und sicher eine Herausforderung für Fangesänge. Aber das nur nebenbei.

Den heutigen Namen Rot-Weiss Essen bekam der Verein übrigens erst fünf Jahre nach dem ersten Weltkrieg mit auf seinem weiteren Vereinsweg. Anteil daran hatte eine weitere Fusion, diesmal jene mit dem Turnerbund Bergeborbeck. Man sieht also: Gründung geht einfach, oder eben Rot-Weiss. Vielleicht ist auch jene Vielfältigkeit in jungen Jahren der Grundstein für die immer noch höchst lebendige Meckerei in der heutigen Zeit. Man war sich halt nach Georg Melches nie mehr wirklich so ganz einig. Man weiß es nicht.

Ist ja auch wurscht, denn wir könnten in der Bundesliga mit weitem Abstand an der Spitze stehen; den Europapokal der Landesmeister aufmischen und den Leipziger Dosen im Pokal so richtig einen eingeschenkt haben: Es würde trotzdem über irgendetwas gemeckert werden. Der Pups an der Hafenstraße sitzt eben traditionell quer, anstatt dass er einfach mal geradeaus das Weite sucht. Natürlich sind die sportlichen Szenarien in diesem Absatz reines Wunschdenken, quält uns doch weiter der triste Alltag in Klasse Vier. Das zermürbt den Fan und heizt die Debatten an. Es wird wie üblich in alle Richtungen debattiert.

Der Verein selbst macht im neuen Jahr und dieser Tage das, was sich wohl ziemlich viele Menschen nach Neujahr auf die Fahne geschrieben haben und speckt ab. Abspecken im Sinne von Vertragsauflösungen. Achtzehn Feldspieler und drei Torhüter stand heute somit im Kader. Neuverpflichtungen momentan Fehlanzeige. Fast hätte es eine solche zu vermelden gegeben! Aber jener Spieler, welcher sich an der Hafenstraße und innerhalb der Mannschaft im Testspielmodus laut eigener Aussage wohl gefühlt hatte, wechselte dann doch plötzlich und unerwartet zum Ligakonkurrenten nach Rödinghausen.

Man kann es ihm nicht verdenken, wird doch das Angebot aus Ostwestfalen höher gewesen sein, als das unsere. Das rote Trikot mit den drei wunderbaren Buchstaben allein ist auch kein Anreiz mehr für die jungen Kicker von heute. Die wollen mit ihrem Talent Kohle verdienen und pellen sich einen ob unserer verkrusteten Vereinstraditionen. Man sollte also jetzt nicht schon über einen Spieler „herfallen“, der lediglich zur Probe an der Hafenstraße weilte und darüber stehen. Sonst kommt bald gar keiner mehr zu uns. Nicht mal mehr zur Probe.

Alt sind wir also geworden. Sehr alt. Das sportliche Haar noch etwas mehr lichter als früher schon, den sportlichen Erfolg immer noch weitestgehend meidend. Aber wir halten uns immer noch irgendwie aufrecht, machen uns dann und wann noch einmal so richtig hübsch. Vorzugsweise in der ersten DFB Pokalhauptrunde. Manchmal rufen wir auch trotzig den jungen Fans von heute hinterher, dass wir stolz darauf sind, weit vor 2009 gegründet zu sein. Und das früher eben alles besser war. Blöde Erfolgsfans, blöde!

Wir hingegen sind alles, aber keine Erfolgsfans! Wir sind Kategorie A bis Z. Wir sind Rot und Weiss. Wir sind RWE. Vielleicht aber sind wir in zunehmendem Alter auch mal etwas mehr „0815“ und schenken uns zum Geburtstag etwas mehr Geduld und Gelassenheit.

„Oh RWE, wir lieben Dich, weil es für uns nichts schöneres gibt!“

Gestern. Heute. Morgen.

Gestern gab es Rot-Weiss Essen. Heute gibt es Rot-Weiss Essen und auch morgen wird es den RWE geben. So hoffe ich jedenfalls, denn ansonsten wäre ich um einen großen Prozentsatz meines Lebens ärmer. Rasenballsport Leipzig zum Beispiel gibt es erst seit 2009. Das ist lange nach gestern. Ganz ganz lange! Und doch beschleicht sich aktuell das Gefühl im hiesigen Fußball, man müsste sich bisweilen eher dafür entschuldigen, Fan eines vor 2009 gegründeten Vereins zu sein, als sich zu eben einem solchen Verein zu bekennen. Nicht ganz unschuldig daran der unzweifelhaft erfolgreiche Fußball, den die „Leipziger“ da spielen. Diese sportliche Leistung sollten wir im Gegensatz zu allem anderen, was das Konstrukt ausmacht, auch anerkennen. Das gebietet die sportliche Fairness.

Nun gibt es ja zwei Optionen: Entweder man wechselt mit fliegenden Fahnen in das Lager der Dosen, befreit sich von allem Ballast der Tradition; geht steil ob der sportlichen Höhenflüge und feiert dann alsbald den Meistertitel mit den ganzen neuen Erfolgsfans in diversen sozialen Medien. Oder man bekennt sich weiterhin zur Erfolglosigkeit der eigenen Mannschaft, des eigenen Vereins und seiner Historie. Als Bayern Fan ist die Entscheidung nicht schwer, in Dortmund natürlich auch nicht; stimmt dort doch auch der sportliche Ertrag. Selbst in Köln und Frankfurt ist man dieser Tage höchsterfreut über den Tabellenplatz und hat keine Zeit für sonst dort gern gesehene Emotionen ausschließlich in den Farben schwarz  oder weiß.

Wir haben diesbezüglich mal wieder die Arschkarte gezogen. Eine tolle Tradition können wir temporär durchaus vorweisen, aber das war es dann leider auch schon. Wir Fans von Rot-Weiss Essen können uns zwar zur Tradition bekennen; können diese aber nicht mit aktuellen sportlichen Erfolgen kompensieren. Wir folgen einem dieser Vereine, der von seiner Historie lebt. Meisterschaft und Pokalsieg stets wie eine Monstranz vor sich her tragend. Zum Glück haben wir an der Hafenstraße etwas, was viele dieser gestern erfolgreichen Vereine nicht mehr haben: Rot-Weiss Essen kann sich wenigstens der unerschütterlichen Treue seiner Fans erfreuen, auch wenn das Verhältnis aktuell vielleicht nicht das Beste zu sein scheint. Viertklassig seit 2008, da bröckelt schon mal so manch Fangeneration schlichtweg weg. Daß wir dennoch in so großer Zahl und in solch verschiedenen Generationen immer wieder zur Hafenstraße pilgern, ist nicht normal und wohl eben dieser Tradition zu verdanken. Daher sollten wir dankbar für diese sein.

Der Verein sollte ganz ganz sensibel und  vorsichtig mit seinem höchsten Gut, den Fans, umgehen, denn ohne Fans wäre Rot-Weiss Essen auch nur noch Staub in der Wüste der gescheiterten ehemaligen hochklassigen Ruhrpott Vereine. So jedoch sind wir auch in der Dürre der Viertklassigkeit immer noch eine Oase an Vereinstreue. Darauf könnte man aufbauen, sofern es denn endlich mal eine Mannschaft geben würde, die Stein um Stein so platziert, ein sportliches Fundament legt, auf dem wir Fans uns sicher fühlen und den Aufbau beständig begleiten können.

Der benachbarte Verein Westfalia Herne hat aktuell auf seiner Homepage einen Slogan, um den ich den Verein fast beneide: „Aus Tradition wird Zukunft….“ steht dort geschrieben. Ein Slogan, der eigentlich alles aussagt und zugleich beinhaltet, dass Tradition nicht zwingend Ballast sein muss, sondern auch jede Menge Chancen beinhaltet. Ein Konstrukt namens Rasenballsport hat vielleicht Zukunft, aber noch lange keine Tradition. Rot-Weiss Essen jedoch hat Tradition und Zukunft. Wenn wir es schaffen, all das Wunderbare, was unseren Verein ausmacht zu bündeln mit dem gewissen Hauch an (schwerer) Geduld. Verbunden mit der Gewissheit, dass es uns auch dann noch geben wird, wenn der Dosenverkäufer eines Tages keine Lust mehr hat und vielleicht gen China abwandert, wo die Perversion des Geldes gerade einen neuen Höhepunkt zu finden scheint.

Wir können natürlich jederzeit gehen. Oder wir bleiben treu und üben uns in Geduld, was nicht wirklich immer einfach ist. So einfach ist das! Ich für meinen Teil bin lieber ehrlich unterklassig als hochklassig Dose.

Der offene Blog an den DFB

Lieber DFB, natürlich kannst Du nicht jedes Deiner einzelnen Fußballschäfchen kennen. Dafür sind wir doch viel zu viele und zählen Millionen. Also versuche ich einfach mal so, Dir einen Wunsch zukommen zu lassen, der mich schon seit längerer Zeit beschäftigt:

Vielleicht ist es Dir ja noch gar nicht aufgefallen vor lauter strategischen Planungen die Zukunft betreffend. Zudem will muss auch das Sommermärchen aufgearbeitet werden und nimmt viel Zeit in Anspruch. Der eigene Fanclub will koordiniert werden, denn natürlich bedarf ein jedes noch so unwichtige Spiel seine eigene Choreo; die Amateure als Basis unseres so geliebten Sports wollen beruhigt und eigentlich doch nur abgezogen werden. Der TV Fußball soll nun über allem stehen. Die DFL natürlich auch sehr wichtig. Neue Schlagwörter wie Setzlisten und angestrebte weltweite Präsenz der führenden Vereine bestimmen aktuell das Geschehen. Und noch so viel mehr ist zu tun. Da ist es also, um darauf zurückzukommen, kein Wunder, dass Dir noch nicht aufgefallen ist, was uns (ältere) Fans immer mehr beschäftigt:

Es gibt zu viel Fußball am heimischen Empfangsgerät. Natürlich gibt es diejenigen die gar nicht genug Fußball gucken können und auf diversen Internet Plattformen auch noch das Derby Lions Gibraltar FC gegen Gibraltar United FC anschauen würden. Zum Beispiel jetzt. Bestenfalls noch mit der geöffneten App der Wettanbieters der Wahl um noch schnell eine Wette zu platzieren. Der Rubel muss schließlich rollen. Oft genug erscheint es heutzutage so, als ob eben jener rollende Rubel wichtiger ist als die rollende Kugel. Ich jedoch, als Kind von 1966 und durch Uwe Seeler zu seinem Vornamen gekommen; endgültig fußballerisch sozialisiert mit der WM 1974 im eigenen Land, möchte den Fußball noch als etwas besonderes erleben und mich darauf freuen. Oft genug habe ich in kalten und zugigen Stadien der 80er Jahre gestanden. Und es war auch toll! Nach der Schule die Hausaufgaben vernachlässigt, weil sich Eberhard Stanjek via schlechter Telefonleitung aus dem nebeligen Sofia gemeldet hat, um ein Europapokalspiel der Landesmeister in der ARD zu kommentieren. Nachmittags wohlgemerkt. Das Rückspiel im UEFA Pokal 1980 zwischen der Frankfurter Eintracht und der Borussia aus Mönchengladbach habe ich abends im Radio verfolgt obwohl kein Fan eines der beiden Finalisten. Fußball im Radio, bisweilen und auch immer noch, eine packende Art, Fußball zu verfolgen. Weisst Du noch, die legendäre Schlusskonferenz 1999? Das war Fußball pur. Heute verkommt Fußball bald zu einer Art Ramschware: Alles muss raus, alles muss gezeigt werden. Fußballübertragungen fluten den Fernseher wie Castingshows.

Heutzutage blicke ich oftmals gar nicht mehr durch, welcher Wettbewerb gerade mal wieder am Fernseher gezeigt wird, oder um welchen Spieltag es sich überhaupt handelt. Es muss ja alles auseinander gezerrt werden, um möglichst viele Spiele live zu zeigen. Auf die Fans im Stadion nimmst Du dabei schon lange keine Rücksicht mehr. Willst Du überhaupt noch Fans im Stadion? Man kann doch technisch sicher schon Stimmung simulieren. Schließ uns doch komplett aus, dann kannst Du endlich Spiele ansetzen, wie Du lustig bist. Aber jetzt mal im Ernst: Vielleicht ist das Angebot für Fans jeden Alters, die kaum über Stadionerfahrung verfügen und diese wohl auch nicht mehr bekommen werden, durchaus ein gutes. Aber wir, die wir wissen, dass kein TV Spiel jemals den Stadionbesuch ersetzen kann, wir brauchen das nicht immer! Der FC Bayern und der BVB zum Beispiel erfreuen sich einer stets immer größer werdenden Fanschar, aber eben aufgrund der medialen Präsenz in Einklang mit den vielen sportlichen Erfolgen. Es wird dabei fast vergessen, dass auch diese beiden Vereine über Jahrzehnte schon von Fans begleitet wurden, die auch schlechte Zeiten und nicht immer gefüllte Stadien mitgemacht haben. Für sie tut es mir manchmal leid, dass sie sich heute ihren Verein mit dem modernen (TV) Fan teilen dürfen. Aber auch das nur nebenbei, ich schweife ab. Die Emotionen.

Gestern Abend also, das Testspiel in Mailand gegen Italien zum Beispiel: Ich kenne die TV Quoten nicht und mache mir jetzt auch nicht die Mühe, diese zu recherchieren. Denn ich weiss von so vielen Fußballfans, die sich dieses oder ähnlich gelagerte Spiele nicht angeschaut haben und in Zukunft auch nicht anschauen werden. Das geht nicht gegen den Fußball oder Deine Mannschaft, die ja auch die unsere ist. Nur es ist für alle außerhalb Deines Trainerstabs ein Spiel ohne sportlichen Wert und daher nicht sonderlich von Interesse. Und wenn Du ehrlich bist, weisst Du das auch. Daher frage ich Dich einfach mal ganz frech: Warum muss das letzte Spiel des Jahres auch erst um 20:45 Uhr beginnen? Die Vorweihnachtszeit beginnt gerade und somit wäre doch auch schon jetzt mal die Zeit für ein Geschenk gewesen: Millionen junge Kicker und Kickerinnen schnüren ab der G- Jugend (Bambini) die Fußballschuhe und versuchen oftmals noch im Rudel das Runde in das Eckige zu bekommen. Gleichwohl müssen sie aber früh zu Bett, denn schon am nächsten morgen klingelt früh der Wecker, da Schule. Warum also machst Du nicht mal Deiner Zukunft in Stutzen ein Geschenk und überträgst ein solches Testspiel nicht schon um 17:00 oder 18:00 Uhr?

So bekommst Du sicher auch Deine erhoffte TV Quote und Millionen Nachwuchsfußballer hätten vielleicht das Gefühl, dass ihre Nationalmannschaft, von der sie doch insgeheim alle träumen, ausschließlich nur für sie spielt. Ja, das wollte ich Dir eigentlich nur schreiben. Denk doch bitte einmal darüber nach.

Und wenn Du schon mal nachdenkst, dann vergiss auch bitte nicht die unselige Aufstiegsregelung aus den Regionalligen. Da besteht dringend Handlungsbedarf. Aber das ist natürlich nur ein rein egoistisches Anliegen meinerseits. Mir jedoch ganz wichtig ist: Verliere einfach nicht den Bezug zu uns, den wir den Fußball lieben. Denn lieber DFB: Wer meint etwas zu sein, hat aufgehört, etwas zu werden.

Herzlichst,

Uwe

Scherenschnitt

Hans-Joachim Watzke möchte nicht so enden wie unser aller RWE, und muss daher mit dem BVB immer den Sprung auf monetäre und globale Züge schaffen. Egal in welche Richtung diese auch fahren; Thomas Müller beklagt sich zurecht über aufgeblähte Qualifikationsrunden zu immer mehr aufgeblähten Turnieren bei Gegnern, die immer öfter nur noch sportliche „Opfer“ sind. San Marino jedoch kontert mindestens und wohl noch mehr zurecht, dass auch die Großen die Kleinen brauchen. Um geerdet zu werden und da sich im kleinen eben jene Seele des Spiels wiederfindet, die die Großen vor lauter Geldgier gegen ein Fußballherz aus Beton eingetauscht haben. Und wenn die Großen nicht mehr gegen die Kleinen antreten wollen, woher bekommen wir dann in Zukunft noch den Stoff für jene Fußballgeschichten, über die noch in zig Jahren geredet wird und die wir so lieben? Das sind doch die Begegnungen Groß gegen Klein, aber wohl kaum ein Spiel aus einer wie auch immer gearteten Setzlisten Liga.

Das klassische Derby Chemie gegen Lok weckt selbst im unterklassigen Pokalwettbewerb mehr Emotionen, als es der erste Titel des kommenden Meisters aus der selben Stadt jemals schaffen wird. In England wird ein klassischer Underdog Meister und ein Fanverein (AFC Wimbledon) überholt nach vielen Jahren in der Tabelle eben jenen Verein, (Milton Keynes Dons) für den der angestammte, insolvente und geliebte Verein (FC Wimbledon) einst in die Tonne gekloppt und „outgesourct“ wurde. Der Fußball aktuell mal wieder am Scheideweg. Also eigentlich wie immer. Allmählich jedoch verhält es sich im Fußball wie mit der Erderwärmung: Die Auswirkungen sind langsam aber sicher immer spürbarer. Ein schleichender Prozess, der da stattfindet und uns immer mehr die Luft zum Fußballatmen nimmt, passen wir nicht endlich auf unseren so geliebten Sport auf. Die WM mit dutzenden Teilnehmern will doch keiner wirklich am TV sehen, gleichwohl man aber auch eben jenem San Marino zum Beispiel nicht das Spiel des Lebens und die ehrliche Freude am Fußball verwehren möchte. Schwierig, da allen gerecht zu werden.

Bestimmt nicht mehr sehen möchte man die mittlerweile immer häufiger stattfindenden „Treibjagden“ auf gegnerische Spieler oder Unparteiische, wie sie bisweilen im Unterbau des Fußballs stattfinden. Ihr Schläger auf Asche habt im Fußball genau so wenig verloren wie Korruption und Setzlisten von denen da ganz oben. Fußball ist immer noch ein Spiel und das soll es auch bleiben. Aber auch der DFB benimmt sich immer mehr wie ein Trumpeltier und möchte die Spieltage der ersten Bundesliga noch weiter auseinander zerren. Ingolstadt gegen Wolfsburg jetzt auch noch zur besten und traditionellen Anstoßzeit der Amateure Sonntag Nachmittag auf Sky. Da möchte doch kaum noch einer Rot-Weiss Essen gegen Alemannia Aachen vor Ort im Stadion sehen. Obwohl, also da kann man sich in seiner Prognose schon mal vertun….

Jetzt aber zum eigentlichen Anliegen: Ich habe letztens unter einem Artikel den Kommentar eines RWE Fans gelesen, welcher für sich und besonders Rot-Weiss Essen den Anspruch 1. Bundesliga proklamiert und somit weder eine Dauerkarte gekauft hat, noch auf Hoch3 reingefallen ist (eigene Definition).  Da musste ich erst einmal kräftig durchatmen, denn dieser Fan wird zeitlebens an seinen eigenen Ansprüchen scheitern und ein ewig unzufriedener bleiben. Und somit ja in gewisser Art und Weise auch andauernd negative Stimmung verbreiten, denn wer seine Ansprüche nie erreicht, wird nicht gerade frohlocken. Wie kann ich überhaupt einen solchen Anspruch formulieren, war doch mein Verein vor mittlerweile geschlagenen vierzig Jahren das letzte Mal erstklassig? Da kann ich doch als Fan Saison für Saison ständig nur scheitern und immer verbitterter im meinem rot-weissen Dasein werden. Keine Dauerkarte zu kaufen ist nicht schlimm, und auch den Weg Hoch3 mitzugehen kann keiner verlangen. Zumal sich jetzt herausstellt, was ich vor der Saison angemahnt habe: Ein Timo Brauer kann eben nicht über Wasser gehen und einen Aufstieg garantieren. Er ist Teil einer Mannschaft, die es nur gemeinsam richten kann. Eines Tages.

Den eigenen Anspruch gilt es somit mit Blick auf die traurige momentane Realität ein wenig zu reduzieren. Könnte auch der eigenen Gesundheit zuträglich sein. Keiner ist an der Hafenstraße gerne viertklassig. Aber sportlich gehören wir nun schon so lange dazu: Wir sind Inventar und leider schon lange kein Ausrutscher mehr. Mein eigener sportlicher Anspruch an den RWE ist die dritte Liga. Der Zuschauerzuspruch ist zweite Liga und das Stadion sogar bereit für die erste Liga. Die Vergangenheit für eine Dekade legendär erfolgreich und mit Mythen behaftet. Unter dem Strich also: Der Scherenschnitt Rot-Weiss Essen vs Anspruch Fans ist mindestens genau ein so schwieriger wie der zwischen den Großen und Kleinen überhaupt im Fußball dieser Tage.  Es bleibt spannend.

SUNSHINE ON LEITH. ABSATZ Zwei.

Eigentlich war ich mit Absatz eins ja noch nicht wirklich fertig. Die Idee war, dass, wenn nun alle Vereine ihre Ligen verlassen und „rübermachen“ wollen, auch der RWE einfach eines Tages die Regionalliga West verlässt. Lass die einen ihre Superliga für Sofafans und wieder andere eine  Liga Nordish by Nature schaffen usw. Wir gehen nach Schottland und versuchen in der dortigen Championship Fuß zu fassen. Der Vorteil: Wir wären numerisch wieder zweitklassig und könnten endlich auch die Spiele gegen Rot Weiß Oberhausen zu den Akten legen. Das Derby in der Championship würden wir dann gegen den alten und bisher einzigen Europapokalgegner Hibernian Edinburgh spielen. Natürlich spielen die Hibs ihre Derbys eigentlich und ausschließlich gegen die Hearts, aber die Medien brauchen ja immer was um „hochzusterilisieren“  und trennen doch beide Hauptstadtvereine aktuell eine Liga. Da würden wir einfach die entstandene Lücke füllen. Gut, die Auswärtsspiele wären für uns Fans etwas beschwerlicher, was Zeit- und monetären Aufwand beträfe, aber was täte man nicht alles für den Verein. Und Schottland ist immer eine Reise wert.

Ok, das Konjunktiv mal beiseite gepackt, steht in der Realität tatsächlich mal wieder ein Besuch in Oberhausen bei RWO an. Da wo es meistens regnet. Von oben, nicht Punkte für uns. Das gilt es mal wieder zu ändern, schließlich waren die letzten Ligaspiele gegen die Kleeblätter ernüchternd genug. Wie immer würden drei Punkte auch Argument dagegen sein, die Saison schon frühzeitig als Wettbewerb um die goldenen Ananas abzuhaken. Wir sind zwar immer noch im Jahr1 von Hoch3, aber größtmögliche tabellarische Spannung täte natürlich allen Vereinen im Flaschenhals Regionalliga gut. Es sei denn, man ist eine Zweitvertretung und nicht wirklich auf Zuschauereinnahmen angewiesen. Ananas will ich nur auf Toast Hawai, aber nicht im Saisonverlauf.

Sonntag also die nächste Gelegenheit für die wahren rot-weissen, sich weiter zu stabilisieren und endlich den ersten Dreier seit dem 3.8.2012 bei den Kleeblättern einzufahren. Überhaupt sind ja die bis dato gewonnenen Spiele bei RWO deutlich in der Minderheit (Das natürlich die jeweilige Ligenzugehörigkeit im Zeitfaktor eine Rolle spielt, schenken wir uns mal in der Betrachtung). Vor 2012 war es 1995, als unsere Roten mit dem knappsten aller Ergebnisse dort gewinnen konnten und davor sorgte Frank Mill 1979 mit seinen zwei Treffern für einen 2:1 Erfolg. Also erst 16 Jahre und dann 17 Jahre auf einen Erfolg gewartet. Das würde bedeuten: Auf Basis dieser Grundlage müssten wir nun 18 weitere Jahre auf den nächsten Dreier im Niederrheinstadion warten. Um Himmels Willen, das wäre dann ja 2030. Geht gar nicht. Und vielleicht gibt es den Fußball dann überhaupt nicht mehr, da die Blase doch mal geplatzt ist. Also: Wir können nicht warten. Sonntag wird gewonnen und gut ist. Punkt! Also unter dieser Aussage, sonst natürlich deren drei.

In Oberhausen sind in der Regel um die 10.000 Fans vor Ort, treffen RWO und RWE aufeinander. „Seismographische Ausschläge“ inklusive: So waren es am 11.4.1970 28.000 Fans, die eng an eng stehend die gute Kanalluft erleben wollten. Zehn Jahre später, am 21.12.1980 waren es hingegen nur 3.500 Fans, die den Weg in das Niederrheinstadion gefunden hatten. Auch wenn es Sonntag wohl nicht fünfstellig werden wird, die 5.600 Fans der vergangenen Saison sollten doch übertroffen werden. Obwohl das Wetter Sonntag mal wieder pünktlich den Novemberblues zu beinhalten scheint. Frieren für den RWE vor und während des Spiels. Nach Abpfiff jedoch scheint uns hoffentlich die Sonne aus dem Allerwertesten und wärmt die Fanseele somit wieder auf. Für Rechenexempel an der Tabelle taugt aber auch ein möglicher Dreier noch nicht. Aktuell ist es wohl am Besten, einfach von Spieltag zu Spieltag zu denken, sich eher an einer eintretenden Konstanz im Spiel und gesunden Spielern auf dem Rasen zu erfreuen. Alles andere macht nur kirre.

Kirre machen bisweilen auch folgende Gedanken: Ist eigentlich unsere Tradition an diesem nicht enden wollenden Dilemma der Viertklassigkeit mit schuld? Oder anders gefragt: Hindern uns vergangene Erfolge und die Erinnerung daran, endlich eine Mannschaft in Ruhe wachsen zu lassen, um uns aus diesem sportlichen Tal der Tränen zu führen?  Fakt ist, wir können an der Tradition von Rot-Weiss Essen nichts ändern. Wir werden immer weiter mit Attributen wie Deutscher Meister; schlafender Riese; Zuschauerkrösus; Helmut Rahn und Willi Lippens; Bundesliga etc. in Verbindung gebracht werden. Und das ist auch gut so, weil es gut war. Selbst wenn wir rund um das Stadion alles abbauen und verbuddeln würden, was an bessere sportliche Zeiten erinnert: Man würde uns wieder daran erinnern. Aus der Nummer kommen wir einfach nicht mehr raus. Also sollten wir die Tradition bewahren; stolz darauf sein aber nur nicht vergessen, dass wir im Hier und Heute spielen und nach vorne gucken müssen. Nur vorne wartet ein Aufstieg. Hinten lediglich schöne Gedanken an früher! Wer nun nicht mehr auf unsere Tradition Wert legen möchte, oder auf unser mitunter kompliziertes und hochemotionales Umfeld: Wer also ausschließlich sportlichen Erfolg will; ja für den wurde extra der zukünftige Deutsche Meister  Rasendose Leipzig erfunden.

Um nun als Fan des RWE aber durchzuhalten gehört wohl auch, nicht wie so oft über Gegner zu jammern, die manch Fan als zu unwürdig für unsere einstmals glorreichen Kicker betrachtet. Das bringt rein gar nichts. Wir spielen immer gegen genau die Gegner, die sich in der gleichen Liga oder im selben Pokalwettbewerb befinden wie wir auch. Dem Namen nach klangvollere Vereine muss man sich erarbeiten. Außerdem gehe ich ja wegen Rot-Weiss Essen in`s Stadion und nicht des Gegners wegen. OK, und für Bratwurst und Stauder. Nur der RWE!

Quartalsbesprechung.

Wochenlang bestimmten ungute Ahnung nebst Voruntersuchung; weitere Untersuchungen inklusive Hoffen und Bangen die eigene Gefühlslage. Alles nur, um auf den Tag zuzusteuern, der die Wahrheit bringen sollte. Unweigerlich kam dieser Tag „X“ und mit ihm der Termin beim hiesigen Urologen. Bei Betreten des Sprechzimmers wusste ich eigentlich schon Bescheid, umgab meinen Kopf daher sicherheitshalber mit einem imaginären riesigen „Wattebausch“, welcher Stimme und Nachricht des Arztes nur noch gedämpft an mein Inneres heranlassen sollte. Da saßen wir nun zu Dritt. Der Arzt mit meiner Krankenakte in der Hand, Gattin und ich Hand in Hand gegenüber. Traurig blickte er aus seinem Kittel, der Herr Doktor; schüttelte langsam den Kopf und setzte an uns mitzuteilen, dass bei mir ein Prostatakrebs diagnostiziert wurde, den zu behandeln es sich konventionell nicht mehr lohnt, da zu bösartig. Mein Wattebausch funktionierte, ich bekam die Aussage gefühlt gar nicht mit. Doch mein sich umdrehender Magen und die plötzliche Weichheit in den Beinen schienen nicht zu trügen. Ebenso nicht der Blick nach links und die Tränen, die meine Frau verzweifelt versuchte zu vermeiden. In dem Moment war dieser Anblick schlimmer als der Fakt, denn ich wollte, aber konnte ihr nicht helfen. Gut, der Arzt hat mich mit einer Faktenlage konfrontiert, die ich aber doch noch lange nicht akzeptieren muss, so mein Gedanke und versuchte Optionen zu verhandeln.

Es gab also keine Option. Beziehungsweise, es gab sie doch: Wir lassen alles so wie es ist, so der Arzt und machen keine Operation. Ok, da konnte ich doch mit leben in Anbetracht der Folgen, die eine Totaloperation (Entfernung) der Prostata mit sich bringen wird. Ja sagte der Arzt, da können sie mit leben. Aber nur noch vier Jahre. Vielleicht fünf. Und das werden keine tollen Jahr bis zum Schluss, wenn erst einmal die Schmerzen kommen. Chemo und Bestrahlung standen nur ganz kurz zur Disposition, hatte die Biopsie doch eben jenen klaren Fakt erbracht. Eine Biopsie übrigens, die ich ziemlich tapfer über mich ergehen ließ, und in deren Anschluss ich wie weiland John Wayne nach drei Wochen Dauerritt nach Hause gelaufen gehumpelt bin. Meine Idee, die Operation zu verweigern stiess also grundsätzlich auf wenig Gegenliebe bei den beiden anderen und so wurde das weitere Vorgehen besprochen, die Überweisung in das empfohlene Krankenhaus ausgestellt. Immer noch den Kopf in Watte gepackt, Gattin mit auch noch tränenfeuchten Augen fest an der Hand haltend, ging es wie in Trance nach draußen. Nicht ohne zuvor noch beiderseits kräftig vom Arzt gedrückt zu werden. Eine Reaktion seinerseits, die uns auch heute noch immer wieder erfreut. Hat man nicht alle Tage, einen solch emphatischen Arzt.

Das St. Antonius Krankenhaus in Gronau wurde dringend empfohlen. Also die Urologie dort und seine Roboter assistierten Methoden frei nach dem Da-Vinci-Operationssystem. Von nah und fern reisten sie an, die Prostatae dieser Welt. Egal ob Scheich nebst Gefolge oder der Kassenpatient aus der Nachbarschaft. Sehr hoch auch der Anteil Niederländischer Patienten. Gut, das alles konnte jetzt nicht beruhigen, denn der Alltag galt weiterhin bewältigt zu werden, was unter der Last einer frisch erhaltenen Krebsdiagnose nicht ganz einfach war. Scheinbar gelang es mir aber doch ganz gut, denn es setzte eine Haltung irgendwo zwischen „Scheissegal und Du kriegst mich nicht“ ein. Außerdem habe ich schon ganz andere Dinge überlebt. Lübeck 2008 mit dem RWE zum Beispiel und noch einiges mehr. Und es gab (und gibt) meine Frau, mit der das Leben endlich so schön ist, so dass ich es ungern verlieren wollte. Und es gab (und gibt) zwei Töchter, die ich aufwachsen und nicht von unten betrachtet sehen möchte. Es gab (und gibt) den Verein. Diesen einen Verein, der einen so viel leiden lässt; mir aber in der Folgezeit durch ihn selbst und seine Fans so unvergleichlich das Gefühl gab, lebenswert zu sein, so dass ich ihn ein Leben lang lieben werde. Egal in welcher Liga und egal wie lange ich nun letztendlich leben werde! Auch wenn ich aktuell nach der Operation erst einmal ungewollt Abstand von ihm gewonnen habe.

Das Problem war nun, erst einmal einen Termin zu finden, denn wie schon erwähnt erfreut sich die Klinik urologisch betrachtet einer hohen Wertschätzung und somit auch hoher Nachfrage. Der 11. Juli sollte es werden. Bis dahin (wir befanden uns im Mai) galt es nun zu warten. Ein normales Leben zu leben. Verbunden mit der Angst, dass der Tumor bis dahin nicht streut und sein krankes Wirken weiter Stück für Stück fortsetzt. Die „Chance“ dafür lag im unteren zweistelligen Bereich. Zu hoch, um damit entspannt umzugehen, aber zu niedrig, um sich nun einen jeden Tag verderben zu lassen. Die Arbeit aber strengte gefühlt mehr an als sonst auch schon. Diese zwölf Tage am Stück, die wir in unserer Einrichtung Dienst an und für unsere Klienten tun, gingen immer schon an die Substanz; durch körperliche und psychische Belastung eigentlich nicht ewig durchzuhalten. Zudem nun auch noch zusätzlich belastet. Aber da muss man halt durch, denn vor langer Zeit wollten wir ja einen Job, um anderen zu helfen (Würde ich so nie wieder machen übrigens. Bittere Erkenntnis für zwischendurch). Also immer heiter weiter. Düstere Gedanken in stillen Momenten inklusive. Dankbar angenommen die Tage Urlaub bevor es dann endgültig in das Krankenhaus ging. Und eigentlich auch immer noch den Fakt als solchen verdrängend.

Endlich dann der Tag vor dem Tag, dessen Folgen ich bis heute gnadenlos unterschätzt, und die mir in seiner Konsequenz so auch im Vorfeld keiner mitgeteilt hat. Da gab es nur positive Äußerungen und Beispiele. Was auch gut war, denn alles andere wäre nicht wirklich förderlich gewesen. So also Zimmer bezogen, von der Schwester mal so richtig den Bart und andere Haarteile abbekommen: Das war es dann für den ersten Tag. Ach ja, das EM Endspiel war ja auch noch, Ergebnis sicher noch bekannt. Eine „Henkersmahlzeit“ gab es natürlich auch. So richtig langweilig klassisches Abendbrot in einer Klinik halt. Die Operation war am nächsten Tag erst nach Mittag angesetzt, so blieb mir dieses lukullische Erlebnis also morgens am Tag der Tage erspart. Gab ein Glas Wasser morgens und zu Mittag die übliche angstlösende Tablette. Die jedoch gefühlt etwas zu früh, denn als es hoch in die OP ging, war ich hellwach. Die letzten Worte vor der Schleuse waren: „Deutscher Meister wird nur der RWE“. Warum auch immer. Hätte „Deutscher Meister ist nur der RWE“ rufen sollen. Ich schieb`s mal auf die Tablette. Vielleicht hatte ich einfach nur Angst, der Anästhesist ist ein Schalker. Jener stellte sich aber später als Fan des HSV heraus. Er hat es schwer im (Fan-)Leben!

Die ersten Worte nach der OP waren die nach meiner Brille und meiner Frau. Ich muss zugeben, in der Reihenfolge. Menschen mit hoher Dioptrien werden das verstehen können.

Tag eins nach einem solchen Eingriff, der laut einem Arzt einem Massaker im Körper gleichkommt, kann man ja bekanntlich vergessen. Die folgenden Tage verbrachte ich lesend über George Best und sehend mit Schimi & Thanner, den alten Haudegen aus der Jugend. Zudem einem Katheter, den ich verfluchte und natürlich immer zeitnah entleerte. Leidensgenossen erkannte man ebenfalls an dem lässig um den Knöchel gebundenen Katheter. In den Farben getrennt, im Katheter vereint. Alles aber nicht wirklich wichtig, denn es zählte der Freitag, an dem es die Ergebnisse aus der Pathologie geben sollte, ob der Tumor schon gestreut hatte oder nicht. Dafür wurde etliche Lymphknoten drumherum entfernt, die ich mir aktuell manches mal zurückwünsche, denn sie stellen eine Art Weiche für Flüssigkeiten im Körper dar. Zu dem Zeitpunkt aber unwichtig, denn es galt eben jene Knoten zu untersuchen. Hat der Tumor gestreut, so liegt die Lebenserwartung trotz Totaloperation auch nur noch bei ca. 10 – 12 Jahren. Hat er nicht, könnte ich einem normalen Abgang in weiter Ferne entgegenstreben und noch ganz viele Jahre mit Gattin glücklich sein. Es sei denn, der RWE sorgt noch für Herzklabaster erster Güte.

Donnerstag kam ein Assistenzarzt um mir etwas mitzuteilen, was ich schon wieder vergessen habe. Vielleicht aus dem Grunde, da er mir beinah beiläufig mitteilte, dass die Ergebnisse aus der Pathologie da seien und der Tumor nicht gestreut habe. Diese Worte, seinerseits lässig ausgesprochen, sorgten meinerseits für einen der eher seltenen emotionalen Ausbrüche. „Assi“ ging von dannen und ließ mich in einem Meer von Schluchzen und Tränen zurück. Es hat einige Zeit gedauert, bis ich mich in Gänze sammeln und anrufen konnte. Das blöde Arschloch war nicht schnell genug, der Operateur war schneller. Und das „Näschen“ meines Urologen. Denn er war es, der die Vorsorgeuntersuchung vorschlug. Zwei Tage später schon sollte die Freude allerdings erst einmal wieder in jähes Entsetzen umschlagen: Der Katheter wurde gezogen. Einerseits ein Gefühl der Freude, denn das Dingen tut einiges, und vor allem weh. Andererseits stieg ich aus dem Bett um meiner Freude Ausdruck zu verleihen und merkte plötzlich und unerwartet, dass ich mich ziemlich fürchterlich einnässte. Welch Schock! Mit der Prostata ging auch der bisherige innere Schließmuskel den Weg in die ewigen Jagdgründe und ließ die Harnröhre daher einfach mal laufen. Es stoppte sie keiner. Noch nicht! Abends erfuhr ich dann, das dieser erste Tag danach in Krankenhauskreisen auch „Tag der Tränen“ genannt wird. Ein Swagger sieht somit definitiv anders aus.

Am nächsten Tag ging es auch schon wieder nach Hause. Und eigentlich begann erst dann der Kampf um die Rückkehr in das sogenannte normale Leben. In welchem ich auch heute noch immer nicht wieder angekommen bin. Die „Arbeit“ am verbliebenen äußeren Schließmuskel bestimmte nun den Tagesablauf und der vorsichtige Umgang mit dem frisch operierten Körper und seinen Anomalien diesbezüglich. Drei Wochen später, ich wähnte mich auf einem guten Weg (wollte eigentlich nach sechs Wochen wieder arbeiten und somit dem Krankengeld in meiner Vita entgehen), kam jedoch wieder alles ganz anders: Eine Zyste hatte sich gebildet und entzündet. Was für uns nach einer normalen Grippe aussah, hatte weitreichende Folgen bis zum heutigen Tage. An jenem Tag, als die Zyste „Hallo“ sagte, brachte sie 40 Grad Fieber mit und mir bis dato nie gekannte Schmerzen in den Beinen. Der Notarzt am Telefon sagte: Intensivstation, sofort. Ich fieberte dem negativ entgegen, da ich nicht in das hiesige Krankenhaus in Nordhorn will und bat meine Frau, dass wir das irgendwie so schaffen. Sie schaffte es und wickelte mich auf erträgliche Temperaturen herunter. Was folgte waren drei Wochen, wie sie unwirklicher kaum sein konnten. Sieben durchgeschwitzte Shirts am Tag waren manchmal Standard, nach jeder Nacht mussten Bettwäsche und Kissen komplett durchgenässt gewechselt und gewaschen werden. Es war so surreal, ich habe sogar mal in „Rote Rosen“ und „Sturm der Liebe“ reingezappt. Das sagt doch alles über meinen Zustand aus! Der Körper geschwächt in nie gekannter Form und hat sich doch dagegen gesträubt und gewehrt.

Viele Besuche mit noch mehr Stunden vor Ort folgten von nun an im St. Antonius Krankenhaus in Gronau, wo wir schon zu geduldigen Stammkunden wurden. Mit fast immer dem selben Ergebnis: Zu hohe Entzündungswerte. Und der Bitte um Geduld! Einzig positiv in jenen Tagen: Die dicke der Vorlagen wurde dünner. Zu Bett ging es immer noch recht früh, zu geschwächt der Körper. Die Zyste wusste was sie tat. Zudem meldete sich jemand, der bislang ausschließlich damit beschäftigt war, den Krebs ohne Pause zu bekämpfen: Der Kopf machte sich bemerkbar in Form von Geist und Seele; knickte zusammen unter der bisherigen Last des Stark-Seins. Erst jetzt und ganz langsam wurde die tödliche Krankheit bewusst. Kam Dankbarkeit hoch gepaart mit Unzufriedenheit über den „Ist – Zustand“. Und noch etwas anderes kam hinzu: Die Flüssigkeit. Die innerhalb des Körpers jetzt. Aufgrund der vielen entfernten Lymphknoten gilt es scheinbar neue Wege zu finden, was auch wieder Tage, Wochen und Monate dauert und den Alltag im wahrsten Sinne des Wortes erschwert. Ungesunde Ansammlung von Flüssigkeiten nun die legitime Nachfolgerin der Zyste. Vorzugsweise links. Die beiden Beine stellen sich nun dar, als würden Gerd und Thomas Müller jeweils ein Bein zur Verfügung stellen. Die Fußballkenner wissen somit Bescheid, wie es um die Dicke der Beine jeweils bestellt ist. Die nächste Komplikation, die es zu überwinden gilt. Wenn ich eines nicht mehr hören kann, so ist das der Begriff „Geduld“.

All dieses hat natürlich zur Folge, dass ich den RWE noch nicht einmal habe spielen sehen in seiner ersten Hoch3 Saison. Ich habe auch sonst nicht viel vom Leben gesehen seit jenem Tag im Juli. Nun habe ich zwar kein solch turbulentes Leben, als das ich groß was verpassen würde, aber dieses gefangen sein ist bisweilen unerträglich. Was vielleicht aber mal ganz gut tat, ist wohl doch der Abstand zum geliebten Verein. Ich kann diese Saison wesentlich gelassener verfolgen, als all die Jahre zuvor im Stadion. Was allerdings so richtig weh tut ist die Tatsache, aufgrund des derzeitigen Status keine Wochenenddienste zu leisten. Ich könnte also prinzipiell jedes Spiel sehen. Ohne den Planungsstress der ganzen letzten Jahre. Könnte! Geht aber noch nicht. Und wenn es geht, dann gehe ich auch wieder arbeiten. Und dann beginnen sie wieder, die Zeitprobleme. Ich bin aber trotzdem nicht ganz unzufrieden mit der Saison und habe das Gefühl, dass sich eine Aufstiegsmannschaft langsam entwickeln könnte, geben wir Fans ihr die Zeit dazu.

So ist das mit dem Arschloch Krebs und mit mir bis heute. Es dauert länger als erwartet und es wird noch weiterhin dauern. Aber, die erste relevante Blutuntersuchung nach einem Quartal hat ergeben, dass der Tumorwert aktuell nicht mehr messbar ist. Das die beste Nachricht der letzten Wochen. Alles andere dauert und erfordert Geduld. Irgendwie so, wie der RWE auch. Den ersten Spielbesuch peile ich jetzt erst für 2017 an.

Und doch habe ich Glück gehabt, denn es hätte alles viel schlimmer kommen können, gibt es doch so viele Varianten dieser widerlichen und unerklärlichen Krankheit, die kaum mehr Chancen lassen um zu überleben. Geht zur Vorsorge und vielleicht bleibt Euch dadurch viel erspart. Nur der RWE!

Sunshine on Leith. Absatz Eins.

„Oh, wie ist das schön, oh, wie ist das schön. So was hat man lange nicht erlebt, so schön, soooooo schön!“

Ja es muss doch endlich einmal gewürdigt werden, was uns Funktionäre diverser Fußballverbände zur Zeit an aberwitzigen Ideen und Wünschen in die Gazetten diktieren. Natürlich ist das obige Liedchen nicht wirklich ernst gemeint! Nur lassen Vielzahl dieser aktuellen Gedanken, durchgesteckt und die Seele des Spiels tunnelnd, nur noch ironische Gesänge zu. Die Ideen der Herren Infantino und Ceferin, aber auch Rummenigge und Watzke und wie sie alle heißen, dienen nur der einen guten Sache: Dem Fußball.

Natürlich nicht, so blöd sind wir Fußballfans auch wieder nicht! Sie dienen nur den monetären Interessen und drängen auf lange Sicht den, der sich auch schon in den 80ern in einem zugigen Stadion bei Wind und Wetter den Arsch abgefroren und den Hals heiser geschrien hat, langsam aber sicher aus den Stadien. Der Fußball alter Prägung soll in Teilen „outgesourct“, die alten Ligen, Wettbewerbe und Strukturen zerschlagen werden. Natürlich nur, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Egal eigentlich, was jetzt noch an abstrusen Ideen und Umsetzungen kommt; egal ob die DFB Elf in ferner Zukunft eine EM Qualifikation gegen die Auswahl der Grafschaft Bentheim oder das Königreich Beisen zu bestreiten hat. Egal ob Willi Lippens Markenbotschafter des RWE in China wird, der HSV endlich einmal absteigt oder Tönnies Schalke löscht wie seine Firmen, um Steuernachzahlungen zu umgehen:

Der Fußball, wie wir ihn lieben gelernt haben, existiert schon lange nicht mehr. Der Drops ist gelutscht, die Blase schon lange aufgeblasen. Nur eben noch nicht geplatzt. 

Dafür könnten dann langfristig eben jene Bestrebungen sorgen wie beispielsweise die, gefühlt direkt die ganze Welt an der WM teilhaben teilnehmen zu lassen. Oder auch die angedachte Landflucht, wie sie führende Vereine in Nordeuropäischen Ländern wünschen, da ihnen die eigene Liga nicht mehr die Erfüllung zu geben scheint, die sie sich erhofft haben. Interessant auch die Idee, das Finale der Champions League außerhalb Europas stattfinden zu lassen. Warum muss das sein? Obwohl, der Wettbewerb ist doch auch schon kein Pokal der Landesmeister mehr und somit an sich schon verwässert. Dann ist es doch eigentlich Latte, wo das Finale stattfindet. An die Fans wird doch von Haus aus nicht mehr gedacht, können doch am heimischen Empfangsgerät gucken.

Das CL Finale also dann in New York, während zeitgleich das Eröffnungsspiel der Major League Soccer zwischen Dosen New York und Chicago Fire in Leipzig stattfinden wird. Noch ziemlich zeitgleicher treten Ajax Amsterdam und der FC Kopenhagen in der Weststaffel der Nordliga im Südstadion von Köln an. Die für das Spiel vorgesehene Starke Arvid Arena in Ljungskile stand unerwartet durch das Wiederholungsspiel um die asiatische Meisterschaft zwischen RW Oberhausen und Shandong Luneng Taishan nicht mehr zur Verfügung. Die Europa League kommt zunächst einmal ziemlich bescheidener daher, so als Pokal der Verlierer. Daher ist es auch nur konsequent, dass Finale ab dem Jahre 2022 immer im Stadion am Heideweg zu Nordhorn austragen zu lassen. Da wurde schließlich schon oft verloren.

Wie sich die Europa League dann letztendlich zusammensetzt, steht allerdings noch in den Sternen. Die Bestrebungen der Funktionäre gehen in die Richtung, alle Vereine jeder nationalen Liga Europas daran teilnehmen zu lassen. Um Gelder zu generieren natürlich. Ausgeschlossen nur der HSV, da ständig in irgendeine Relegation eingebunden.

Was das Ganze nun mit Rot-Weiss Essen zu tun hat? Bis hierhin noch gar nichts, aber das kann sich schon in Absatz Zwei von „Sunshine on Leith“ ändern.

Fortsetzung folgt.

Die glorreichen Sieben.

„Alle Neune“, das wäre der Alternativtitel für diesen Artikel gewesen. Man muß ja immer einen Plan B in der Tastatur haben. Was wiederum bedeutet, dass ein Erfolg beim Wuppertaler SV gestern Abend durchaus in Betracht gezogen wurde. Eigentlich ja auch logisch, nachdem schon die ersten beiden Spiele siegreich gestaltet werden konnten. Wie wir aber nun wissen, brachte der RWE einen torlosen Punkt aus dem Tal mit nach Hause. Wobei torlos so ja nicht ganz richtig ist: Fast mit dem Abpfiff war es Marcel Platzek, der den Ball nach einer Ecke über die Torlinie beförderte. Fast zeitgleich jedoch ging auch schon der Linienrichter in Protesthaltung und bewertete das Tor abseitig. Last Minute Tor für den RWE, derlei kennen wir eigentlich immer nur andersherum. Zu schön wäre es gewesen. Der Treffer wurde nicht gegeben, das gilt es nun zu akzeptieren. Und mit einem Punkt können wir sehr gut leben in dieser noch so frühen Saisonphase. Zumal auch die anderen Ergebnisse mit der ein- oder anderen Überraschung aufwarten konnten.

Somit stelle ich einfach mal die freche Behauptung in den freien Raum, dass für Mannschaft, Fans und Verein dieser eine Punkt zum jetzigen Zeitpunkt viel besser und wichtiger ist, als deren glückliche drei in der Nachspielzeit. Und stecke meine Argumente direkt durch: Ich gehe davon aus, dass „alle Neune“ die Euphorie und Erwartungshaltung dermaßen gesteigert hätte, so dass schnell in Vergessenheit geraten kann, dass unsere Mannschaft noch ganz am Anfang steht und nicht mal im Vorbeigehen jeden Gegner besiegen kann. Dann könnte es wieder ungemütlich werden an der Hafenstraße, wo wir außer rot und weiß nur noch schwarz und weiß kennen. Dazwischen gibt es einfach nichts anderes für uns. So betrachtet also ist es durchaus von Vorteil, wenn recht früh erkannt wird, dass der RWE dieser Tage hinten ziemlich stabil steht, vorne aber ohne Frank Löning temporär ein ziemliches Vakuum entstand. Der liebevoll als „alter Mann“ bezeichnete Frank Löning also momentan unverzichtbar, geht es um die Ballverteilung allgemein oder den Torerfolg als solchen. Es braucht also noch einen Spieler im Kader, der zusätzlich Räume schaffen kann um die anderen in Szene zu setzen. Löning 2 also, fällt Löning 1 aus. Spieler klonen und backen geht leider zum Glück nicht, aber ich bin mir sicher, der Verein „ist da schon was am planen dran“.

Weiterhin wird durch so einen eher schlechteren Auftritt klar, dass auch ein Timo Brauer allein definitiv kein Garant für einen Relegationsplatz ist. Da kann er sich noch so sehr bemühen, es geht nur im Verbund miteinander. Was sich noch als die ganz große Stärke des RWE in dieser Saison erweisen wird. Da bin ich mir ganz sicher. Somit also das 0:0 gestern eher Chance, harte Arbeit und Auftrag denn Punktverlust und Frust. Die Sonne scheint immer noch über der Hafenstraße. Der düstere Himmel breitet sich aktuell eher an der Landwehr aus. Trotz Sommer(s). Vielleicht aber auch tut die aktuelle Social Media Offensive mit den Großen der Zunft der eigenen Mannschaft keinen Gefallen. Aber, das soll uns nicht tangieren.

Was wir seit gestern definitiv aber wissen ist, dass tief drunten im Tal die Dinge schon mal ganz verhaltenskreativ gehandhabt werden: Man stelle sich mal vor, in Essen an der Hafenstraße würden Sitzplätze durch den Verein doppelt belegt! Der Kunde mit der Tageskarte hat zudem Vorrang auf den besagten Sitzplatz vor dem Fan mit seiner Dauerkarte vielleicht schon von Geburt an: Auf der Geschäftsstelle würden heute viele betroffene Dauerkarten gegen Rückgeld wieder abgegeben werden. Deftige Kommentare inklusive. Auf diesem ominösen DIN-A4 Zettel gab es jedoch nicht einmal die Optionen, dass der schwerere den leichteren doch auf den Schoß nehmen kann; oder dass man sich in Halbzeit eins und zwei aufteilen könne. Zum Beispiel! Nö, der Alteingesessene hatte sich zu melden zwecks Umplatzierung. Fehler sind normal und werden überall gemacht, aber diese Schote hat jetzt schon Kultstatus…

Samstag schon geht es weiter und erwarten wir weiblichen Besuch: Nachdem uns die zickige Lotte ja verlassen hat, verbleibt mit der neureichen Vicki ja noch die andere, die wir nicht mögen. Da wartet erneut ein hartes Stück Arbeit auf unsere Mannschaft, obwohl Vicki eher wunderlich stöckelnd in die Saison gestartet ist. Der Kader wieder einmal in der Breite spitz und in der Spitze breit. Somit natürlicher Favorit auf den Relegationsplatz. Aber der schreckliche Sven wird wissen, was in dieser Woche zu tun ist und die Hafenstraße wird während des Spiel wieder schrecklich laut! Überragend einmal mehr, wieviel tausende RWE Fans sich noch nach Feierabend auf den Weg gemacht haben, um ihren Verein zu unterstützen. Da wächst wieder zusammen, was zusammen gehört!

Der hat schon Gelb!

Laut übereinstimmenden Berichten beteiligter Personen waren meine letzten Worte, bevor ich der Sedierung zum Opfer fiel: „Rot-Weiss Essen steigt auf“. Zu weiteren Erkenntnissen hat es dann nicht mehr gereicht. Warum ich ausgerechnet noch dieses loswerden musste; man weiß es nicht. Vielleicht war es dem dringenden Bedürfnis geschuldet, dem RWE so mitzuteilen, wie sehr mir neben Familie und Freunden der Verein und vielfältige Zuspruch von der Hafenstraße Kraft und Mut gegeben hat.

Und was soll ich sagen:

„Raus,raus,raus…..der Tumor ist raus“.

Der hatte nämlich schon Gelb. Dunkelgelb sogar. Ein Treter vor dem Herrn. Ein selten blödes und unfaires Arschloch geradezu. Wer verpflichtet so jemanden überhaupt?

Heute morgen, drei Tage danach und doch einen Tag früher als geplant kam dann die alles erlösende Nachricht, welche das Ja-Wort bei Schweinsteigers noch an Freude übertreffen dürfte: Die Pathologie kam um die Ecke und mit ihr der endgültige Befund:

„Der Tumor hat nicht gestreut, herzlichen Glückwunsch, alles TOP“ Die Herrschaften konnten gerade noch das Zimmer verlassen, als der eigene kleine Zusammenbruch der Freude und Erlösung erfolgte. Ich befürchte, meine Mimik war der eines Ronaldos nach einem Foul nicht unähnlich. Hat zum Glück keiner mitbekommen und mein Trikot blieb natürlich auch an.

Nun beginnt der langsame Weg zurück in das sogenannte „normale Leben“ und hoffentlich auch schon bald wieder in das Stadion. Die nächsten Freudentränen möchte ich dann bei einem Aufstieg des RWE vergießen. Egal wann.

Danke! Danke! Danke! Nur der RWE!

Blog3/3

Als ich am 7.Juli 1977 zum Lagermeister im Zeltlager der Jugend des SV Vorwärts Nordhorn gekürt wurde, konnte ich einerseits noch nicht ahnen, dass es bis zum heutigen Tage meine einzige persönliche Auszeichnung bleiben würde; und andererseits konnte sich auch kein Verantwortlicher erklären, wie es zu diesem Erfolg kommen konnte. Ungefähr also die gleiche Situation, wie wir sie aktuell mit Wales und der Europameisterschaft erleben. Vier Jahre später, am 28.Juni 1981 gab es wieder so ein Erlebnis, mit dem keiner gerechnet hat: Horst Schimanski betrat um 20:15 Uhr die Tatort Bühne in der ARD. Und der mittlerweile 15jährige Ex-Lagermeister fand direkt Gefallen an diesem doch eher ungehobelten Charakter. Drei Jahre später gab es dann in „Zweierlei Blut“ auch endlich die Verquickung zwischen Tatort und Fußball. Götz George hatte seine Rolle gefunden, mit welcher er bis zu seinem Tode am 19.Juni 2016 am ehesten definiert wird.

Götz George ritt früh schon gelegentlich an der Seite von Winnetou und seinen diversen Kumpels; brillierte in vielen Charakterrollen. Zeigte in Interviews Ecken und Kanten. Und war doch „Schimi“. Die raufende, trinkende und „Scheiße“ brüllende Nervensäge aus Duisburg. Relativ unfähig zu Teamwork und rationalen Gedankengängen. Immer aus dem Bauch heraus. Sehr zum Leidwesen von Kollege „Korinthenkacker“ Thanner und sicher auch Kollege Hänschen. Die Jacke….wie sehr hatte ich mir eine solche gewünscht, leider nie bekommen. Das Warten auf den neuen Schimanski Tatort bisweilen quälend lang.

Die Nachricht vom plötzlichen Tode Götz Georges hat mich in diesem wahrlich an Toten nicht armen 2016 sehr getroffen. Ich kann das gar nicht wirklich beschreiben. Seine Vitalität und physische Präsenz..so jemand kann doch nicht plötzlich sterben. Einfach so. Doch! Leider konnte Götz George uns still und heimlich verlassen. Horst Schimanski hingegen hätte das nicht gekonnt. Schimi verlässt einen nur, wenn die Bude zu Bruch gegangen ist und die Bierflaschen über den Boden kullern.

Scheiße!

Blog3/1

Dieser Blogpost verfolg ein ehrgeiziges Ziel, nämlich innerhalb drei Abschnitten all das abzuarbeiten, was zur Zeit bewegt. Gelingt das nicht, so ist das kein Beinbruch, dann wird es einen vierten Versuch geben.

Blog1

Normalerweise gebührt die Aufmerksamkeit hier grundsätzlich zuerst dem RWE. Da momentan aber die Europameisterschaft auf unserem zwiegespaltenen Kontinent gastiert, sei ihr einige Zeilen gewidmet: Die Aufstockung brachte der UEFA schon vor dem Turnier viel Kritik ein, sicher auch aus den Niederlanden, die es gefühlt als einzige Nation trotzdem nicht nach Frankreich geschafft haben. Aber die UEFA hielt an den Plänen fest und befeuerte die Aufstockung entsprechend. Wir kennen das ja aus den heimischen Fußballsendungen, wo jede Saison mit einer penetranten Inbrunst als die nun aber wirklich Beste aller Zeiten beworben wird. Das schafft vielleicht sonst nur noch ein Vorwerk Vertreter. Es überwog also außerhalb der Verantwortlichen die Skepsis ob der ganzen vermeintlichen „Zwerge“ und besonders dem Modus Operandi, was das (Nicht-) Weiterkommen betraf. Mehrheitlich sollten die Skeptiker Recht behalten: Viele Spiele waren Langeweiler!

Zudem gab es in den ersten Tagen auch auf Fanebene nicht die gewünschten Bilder. Überzogene Berichterstattung komplett fußballbefreiter Sender inklusive. Hauptsache Quote! Die goldene Himbeere im Stuhlweitwurf ging wohl an wenige Engländer, während sich wenige Russen hingegen den Titel der peinlichsten Kameraführung sichern konnten. Danach beruhigte sich die Szenerie langsam wieder; der Fokus richtete sich wieder auf das Spiel als solches. Ich konnte mich des Gefühls aber nicht erwehren, das die komplette EM 2016 teilweise einen Abgesang auf den Fußball unserer Tage darstellt (und der ist oft schon „drüber“). Unendlich viele Fans aus den teilnehmenden Nationen folgten ihrer Mannschaft nach Frankreich. Trotzten auch der latenten Angst vor dem Wahnsinn einiger weniger. Zumeist in den eigenen Trikots, was am TV stets ein beeindruckendes Bild ergab. Fußballfans sind ja nicht blöde (auch wenn die Verbände dass immer glauben) und wissen, was sie in den nächsten Jahren erwartet: Die Weltmeisterschaften in Russland und Katar; zudem eine total bekloppte EM ohne festen Wohnsitz. Da werden hoffentlich nicht mehr viele Fans Bauernopfer der großen Verbände und bleiben zuhause. Aus vielerlei Gründen. Ich hoffe es sogar, denn scheinbar kann nur der gemeine Fan dem ungemein gierigen Funktionär durch Desinteresse die rote Karte zeigen. Natürlich ist auch die EM in Frankreich keine Schnäppchenbude, sicher aber das vorerst letzte Turnier unter einigermaßen normalen Verhältnissen.

Natürlich gab es sie dann doch, die vielen Momente, die den Fußball so lebens- und liebenswert machen. Die alles vergessen lassen und einen in den Bann ziehen. Nein, damit sind nicht Beckmann`s Sportschule oder das Spielniveau zwischen Wales und Nordirland gemeint. Sicher auch nicht „Unentschieden Portugal“ oder der schwarze Block aus Ungarn. Und leider auch nicht das ständige „Will Griggs on Fire“in den sozialen Medien. Ich hätte es Will Grigg wirklich gegönnt, einmal auf dem Platz stehen zu dürfen. So bekamen wir überbordend wackelige Handyfilmchen als etwas angepriesen, was wir nun aber wirklich, wirklich lieben müssen. Ich hätte mir  zum Beispiel gerade bei 11Freunde etwas mehr Qualität denn Quantität gewünscht. Weniger ist mehr. Ich hoffe, die Kritik ist mir als Fan britischer Fußballgesänge trotzdem vergönnt. Die Melodie gibt es übrigens an der Hafenstraße in Essen schon länger zu hören. Wenn es sich aber dann doch zu entscheiden gilt, dann natürlich lieber zum hundertsten Male den „Will Grigg“ als nur einmal das tumbe „Sieg“.

Die Momente, die ich meine liegen erstaunlicherweise wohl auch in dem begründet, was ständiger Bestandteil der (auch eigenen) Kritik an dem erweiterten Teilnehmerfeld ist: Island, Nordirland und Wales zum Beispiel verdanken ihre Teilnahme sicher auch der Aufstockung. Aber sie machten und machen das Beste daraus und feierten/feiern gemeinsam mit ihren zahlreichen Fans ein Fest. Die einen wollten nicht nach Hause, die anderen „Hu“ten sich einen Wolf und die beiden irischen Fanlager hatten den alten und schon besagten neuen Gassenhauer mit im bierseligen Gepäck. Und ihre Jungs auf dem Feld boten die „11 Freunde, die es sein muss“ und bisweilen richtig guten Fußball. Mindestens für diejenigen, die auf Leidenschaft und dreckige Trikots stehen. Sammy Drechsel wird sich vor Freude im Grabe umgedreht haben. Ebenfalls eine Wohltat: Gareth Bale ist für Wales einer von Elf auf dem Platz, während Zlatan Ibrahimović und Cristiano Ronaldo zehn Wasserträger und Statisten um sich wähnen. „Meine“ Engländer haben natürlich auch zu diesen besonderen Momenten eines Turniers beigetragen. Das war sogar ein selten dämlicher Moment, diese zweite Halbzeit gegen Island.

Nun läuft also alles auf ein Finale Wales gegen Deutschland hinaus. Warum das so sein wird? Nun, wer nicht gewinnt, der hat ein Finale einfach nicht verdient. Und unsere Mannschaft ist nicht nur eine Turniermannschaft, sondern der Druck liegt ganz klar auf Seiten der Franzosen. Außerdem wird Jogi Löw das Ding schon richten und die Ausfälle entsprechend kompensieren. Und dann ist sie bald Geschichte, diese längste EM aller Zeiten. Das Turnier, welches nie wirklich ganz befreit aufspielen konnte. Das Turnier, welches aber vielleicht trotzdem der letzte Mohikaner sein dürfte. Das Englische und Deutsche Trikot werden wieder ordentlich in den Schrank gelegt und dort möglicherweise für lange Jahre verstauben. Wenigstens bis zu jenem Tag, an dem gierige Offizielle begreifen, dass eine ausgepresste Zitrone irgendwann keinen Saft mehr gibt und Fußball Sport anstatt Politik ist!

Die Bielefeld Verschwörung

Es soll ja Zeitgenossen geben, die halten diese Verschwörung für längst abgehakt. Ich persönlich finde es durchaus noch witzig. Witziger allemal als das Geschehen rund um die diesjährige Auslosung der ersten DFB Pokalhauptrunde 2016/17. „Beckmanns Sportschule“ das Format also, in welchem die Auslosung stattfand. Nach 23:30 Uhr wohlgemerkt. Der Deutschen zweitwichtigster Wettbewerb wird also erst kurz vor Geisterstunde gelost, anstatt die Republik schon zu früherer Stunde darüber aufzuklären, wer denn nun auf wen trifft.

Irgendetwas, als Geist von was auch immer verkleidetes Etwas, stolperte dennoch der Kamera entgegen. Ganz wichtig allerdings die Information, dass diese Sendung definitiv von unseren Rundfunkgebühren finanziert wird. Habe ich da nicht auch einen Hauch von Mitspracherecht? Oder kann ich wenigstens etwas von dem bekommen, was die Verantwortlichen für dieses Format genommen haben, um das so knallhart durchzuziehen? Ich will das auch! Denn dann ist es mir ziemlich egal, was ich von mir gebe. Wieviel hat eigentlich Tim Wiese bekommen, um sich nun vollends seiner Würde zu entledigen und warum tut sich ein Uwe Seeler das an? Hat man Euch beiden nicht gewarnt?

Ist ja auch relativ Latte, denn es ging um die Kugel mit Inhalt RWE und der weitaus wichtigeren, die direkt im Anschluss aus dem anderen „Topf“ gezogen wird. Leider ging es nicht so schnell wie erhofft, und so galt es, die psychedelische Gitarre im Hintergrund und Beckmannsche Phrasen im Vordergrund weiterhin zu ertragen. Eine Sendung, wie geschaffen für RTL2.  Walter Baresel vermag sich im Grabe umzudrehen, wie „seine“ Auslosung einmal mehr der Lächerlichkeit preisgegeben wird. Eine Auslosung taugt einfach nicht zur Show. Hier wollen wir keinen hüpfenden Bestatter, sondern nur Begegnungen sehen. Hoffen auf langersehnte Duelle, Derbys und Emotionen. Aber doch nicht auf solch Chaos. Muss es immer schlimmer? Höher und weiter? Reicht es nicht, einfach und zu angemessener Zeit Begegnungen zu ziehen, die im Anschluss wochenlang für Vorfreude oder auch Enttäuschung sorgen? Und warten immer alle auf die Bayern? Im Leben nicht!

Die Auslosung im letzten Jahr war schon schlimm. Dieses Jahr war kaum zu ertragen.Direkt als die Kugel RWE gezogen und der Gegner ermittelt wurde, war Schluß. Aus die Maus und der Fernseher direkt mit. Es ist der DSC Arminia Bielefeld geworden und ich bin sehr zufrieden darüber. Bielefeld lebt und kommt nach Essen. Volle Hütte!

Multidirektional

Neue Modewörter der Fußballgurus eigenen sich ja immer hervorragend als Überschrift. Zumal, wenn sie im Falle von Rot-Weiss Essen dann auch noch Sinn ergeben. Wir haben gelernt, „multidirektional“ bedeutet mehr als nur geradeaus laufen zu können. Somit ist per Definition manch stark alkoholisierter Fan vielleicht nicht mehr Herr seiner Sinne, definitiv aber multidirektional. Geht es doch in einem solchen Zustand nur selten geradeaus, sondern in alle Richtungen.

Essen nun, stets etwas besonderes, hebt dieses Multidirektional direkt auf die Metaebene und kreiert für die kommende Saison Begrifflichkeiten wie den „Direktor Sport Entwicklung“ und seinen großen Bruder „Direktor Sport Senioren“. Sozusagen die diametral abkippenden Doppelsechser auf administrativer Ebene. Im Klartext bedeutet das natürlich nichts anderes, als dass Andreas Winkler sich wieder mehr auf das Nachwuchsleistungszentrum nebst ihren erfolgreichen Mannschaften konzentrieren wird (und muß), und Jürgen Lucas  von nun an für die Kaderplanung und den Kader als solches auch im Alltag verantwortlich zeichnet. Das er dieses nebenberuflich machen wird (darf und kann), zeugt von großem Vertrauen in die Person Jürgen Lucas, dessen großes Herz für den Verein mehr als bekannt ist. Eine äußerst salomonische Lösung, die im Sinne des Vereins zudem die beste und fairste sein dürfte. Dafür nehmen wir die neuen Titel gerne an und fügen diese der Vereinsgeschichte hinzu.

Was den Kader für die kommende Saison angeht, so gestaltet sich die Zusammensetzung im Vergleich zur vergangenen Saison und der Winterpause fast angenehm ruhig. Es galt und gilt sich zunächst einmal zu trennen. Manchmal weiß man als Fan nicht einmal, von wem man sich gerade getrennt hat, aber derjenige soll wohl dem Kader der vergangenen Saison angehört haben. Auf jeden Fall wünsche ich allen Abgängen alles Gute für die Zukunft. Es war halt zur falschen Zeit an der falschen Stelle. Manchmal ist das so. Die Vertragsverlängerungen von Niclas Heimann und Patrick Huckle brachten noch ein wenig Emotionen, und Neuverpflichtungen gibt es natürlich auch. Diese zu beurteilen steht mir aber vor einer Saison nicht zu, daher einfach mal: Herzlich Willkommen.

Und dann gab es da noch eine Einladung. Schlicht gestaltet. Oben drauf stand tatsächlich nur „Einladung“. Darunter ein mir bekanntes Foto als Grafik umgestaltet und ein Wortspiel. „Zusammen. Für Essen“. Nun haben wir uns zwar alle in der vergangenen Saison an dem gemeinsamen Essen mehr als nur eine Magenverstimmung eingefangen, aber nach der Saison ist vor der Saison und eine neue strategische Ausrichtung klingt doch immer spannend. Ähnlich der Aufstellung vor dem Spiel.

In Anbetracht der Großwetterlage war man sehr mutig an der Hafenstraße und hat diese Veranstaltung für draußen konzipiert. Geschickt zudem der Zugang zu den Plätzen gewählt, ging es doch durch den Spielerbereich sanft illuminiert an Kabine und „Penny ihm sein Knie“ vorbei auf den Platz, wo bereits Fangesänge ertönten. Aus der Konserve versteht sich. Aber nicht ohne ein klein wenig Gänsehaut! Ich verstehe im übrigen nicht, warum die Mannschaft auch zuhause so oft einschlechtes Bild abgegeben hat: Da hängt ein bandagiertes Knie eines Meisterspielers an der Wand; darunter steht „niemals aufgeben“! Da kann ein Trainer sich den Mund noch so fusselig reden, dass alleine ist doch Botschaft genug. Dieses Knie gehört vor jedem Spiel berührt. Die Spieler von Rot-Weiss Essen sollten die meisterliche und längst vergangene Zeit nicht einfach als gegeben und vorbei hinnehmen, sondern als Ansporn und Kraft für eigene sportliche Erfolge mit ihrem Verein und Arbeitgeber nutzen.

An einer kleinen Bühne vorbei Richtung Platz noch mal kurz auf der Trainerbank Platz genommen. Meine Fresse: Allein die Vorstellung, in solch Stadion vor solch Kulisse für den RWE auflaufen zu dürfen… Und das in Liga Vier. Aber gut, in der heutigen Zeit sind das leider keine Werte mehr, die für junge Spieler und besonders deren Berater zählen. Der Sozialromantiker in mir versteht halt die moderne Fußballwelt nicht mehr wirklich. Ich scheitere ja schon an neonfarbenen Fußballschuhen.  Mit derlei Gedanken beschäftigt habe ich dann endlich die wahre Botschaft dieses Abends erkannt, denn es hing als Banner deutlich sichtbar auf eben jener kleinen Bühne: „Essen will den Aufstieg“. Und das Zusammen hoch 3! Eigentlich ja nichts neues,  wollen wir den Aufstieg doch mindestens schon seit 2008. Aber dies in der Form so klar kommuniziert hat sich bis dahin noch keiner getraut. Große Augen. Respekt. Und das nach der vergangenen Saison!

Das Wort übernahm Christian Keller, der somit durch den Abend führte, dieses zudem in angenehmer Art und Weise tat. Und so langsam dämmerte es auch dem letzten: Hier ist vielleicht der RWE zuhause, aber heute Abend nicht mehr allein federführend. Essen als Stadt ist am Zuge und macht uns gerade klar, dass in dieser großen und spannenden Stadt Viertklassigkeit im Fußball einfach nicht mehr sein darf. Der Verein selbst ließ an diesem Abend weitestgehend andere sprechen. Nicht für sich, sondern für die Stadt. Der RWE blickt nicht nur erschrocken auf die vergangene Saison zurück, sondern auch mit Demut. Um aber mit Demandt trotzdem auch wieder den Blick nach vorne zu richten. Was bleibt Dir sonst als Verein auch übrig? Den Verein auflösen, um den letzten Motzki zufriedenzustellen? Dann würde der doch auch wieder motzen. Hätte er doch dann nichts mehr, worüber er motzen könnte. Es wurde also endlich kommuniziert, was wir alle so sehr wollen: Aufsteigen! Nicht sofort, aber wenn möglich doch innerhalb der nächsten drei Jahre. Klarer Dienstauftrag an alle.

Somit war auch klar: Dieser Abend dient der Akquise. Für alles andere ist dann die Jahreshauptversammlung da. Er diente aber auch dazu, einen ganz anderen Oberbürgermeister kennenzulernen. Einen, der quasi den Startschuss geben wollte, um die Kräfte für Essen zu bündeln. Thomas Kufen tat dies recht schwung- und humorvoll. Während sein Vorgänger noch stocksteif daherkam und zum Lachen sicher in den Keller ging, flachste Thomas Kufen sich durch seine Sprechzeit. Sehr zum Leidwesen seines Dortmunder Kollegen, wie wir heute erfahren mussten. Schade zum einen, dass witzige Worte direkt den Weg in das Dortmunder Rathaus finden und besonders schade zum anderen, dass deswegen dort auch noch ein Fässchen aufgemacht werden muss. Für derlei Dinge wurde der FC Schalke erfunden. Der Oberbürgermeister erklärte sich also, gemeinsam einen Weg mitzugestalten, der Fußball Essen wieder in den Profifußball bringen soll.

Dies taten dann in der Folgezeit auch weitere Gäste aus Politik, Wirtschaft und Sport. Und auch Legenden wie natürlich Willi Lippens (erstaunlich reduziert) und Frank Kurth (sehr emotional). Frank Kurth machte am Beispiel Pokalfinale 1994 noch einmal deutlich, warum gerade RWE und warum Zusammenhalt in einer Mannschaft Berge versetzen kann. Um eines aber ganz klar zu betonen: es war keine Kirmesveranstaltung mit Glamourfaktor. Den Machern dieser Kampagne (Allesamt eingefleischte RWE Fans und auf den Tribünen zu Hause) ging der Arsch auf Grundeis, je tiefer unsere Mannschaft vergangene Saison gen Abstieg zu strudeln drohte. Dieser Abend war kein Lobgesang auf den RWE und die Platzierung eines weiteren Saisonmottos: Dieser Abend war die Erkenntnis, wie verdammt knapp wir alle dem Abstieg entronnen sind und das es nur aufwärts geht, wenn jetzt alle miteinander anpacken.

Leider aber können wir alle die wir da sind, auch zukünftig Geld, Fahnen, Stimme, Leidenschaft und noch so viel mehr in die Waagschale RWE werfen….am Ende kann und muss es einzig die Mannschaft auf dem Feld richten. Sechs Tage Arbeit können am siebten Tag durch neunzig Minuten Fußball zunichte gemacht oder belohnt werden. Sicher aber hilft es einer Mannschaft, wenn sie weiß, dass eine ganze Stadt hinter ihr steht. Und genau dafür steht zusammen hoch 3. Wäre schön, wenn es funktioniert.

Zu guter Letzt muss ich aber direkt den OB der Stadt Essen enttäuschen, denn seine Worte waren nicht die schönsten des Abends: Für mich waren es die Worte aus der kurzen Begegnung mit Günter Barchfeld und die Zeit vor der Veranstaltung in Melches Hütte. Konzepte sind das eine und absolut wichtig. Aber die Seele und Herzen der Menschen, die diesen Verein so sehr lieben und ausmachen, stehen immer noch über allem und sind unbezahlbar. Egal in welcher Liga.

Es war ein guter Abend. Und wir sollten mit der vergangenen Saison abschließen. Auch wenn es wirklich schwer fällt. Nur der RWE!

 

Finales

Die Saison als solche ist ja bereits abgehakt und das Statement dazu an anderer Stelle bereits kundgetan. Wir befinden uns also im Landeanflug auf das Europapokalfinale 2016 gegen den Wuppertaler SV. Ausgetragen wieder in Essen. Essen könnte doch eigentlich direkt als ständiger Austragungsort bestimmt werden. Das Berlin des kleinen Mannes sozusagen. Die Klagen des Finalgegners  über eine Bevorteilung des RWE kann aktuell auch in keinster Weise nachvollzogen werden: Waren doch Fans und Mannschaft des RWE in der vergangenen Saison nicht wirklich eine Einheit und konnte zu kaum einem Zeitpunkt ein wirklicher Heimvorteil generiert werden; irgendetwas war doch immer. Und jammern gilt schon mal gar nicht, wenn man als Wuppertaler SV plötzlich und unerwartet in fast doppelter Anzahl zum heimischen Zuschauerschnitt auswärts anrücken möchte. Dann sollte man eher die vielen unbekannten eigenen Mitreisenden fragen, wo sie denn sonst so stecken. Punkt! Finalort? Nicht unsere Entscheidung, nicht unser Problem. Auch für den abermals letzten Platz beim ESC trägt der RWE keine Verantwortung und selbst der Preisverfall in der Causa Milch kann uns nicht angelastet werden. Das aber nur am Rande.

Rot-Weiss Essen hatte schließlich eine ziemliche Kacksaison und somit seine eigenen Probleme. Der Gewinn im Niederrhein- Europapokal könnte da ein wenig Balsam auf die Wunden bedeuten. Mit den allseits bekannten Folgen DFB Pokal und Erstrundenfestpreis. Wie schon im Finale des letzten Jahres sehe ich beide Endspielgegner auf gleicher Höhe mit Vorteilen sogar auf Wuppertaler Seite. Kommen diese doch mit der Euphorie eines Aufsteigers; sind nunmehr also auf gleicher (Ligen-)Höhe und haben definitiv die aktuell breitere Brust als die tabellarischen Hühnerbrüste der Hafenstraße. Aber vielleicht liegt genau darin der Vorteil des RWE: Wir haben endlich nichts mehr zu verlieren, wurde doch der Abstieg so gerade eben noch verhindert. Der Druck also genommen, es kann Fußball gespielt werden. Zudem möchten sich Abgänge sicher doch als Gewinner verabschieden. Und, dessen kann sich die Mannschaft sicher sein: Auch für uns auf den Rängen stellt der Pokal in seiner Endphase mittlerweile den (leider wohl einzigen) Höhepunkt einer jeden Saison da. Und somit sind wir wie ein gutes Steak auf den Punkt genau fertig, um mit Anpfiff um 17:00 Uhr auch alles dafür zu geben, dass es zur Titelverteidigung kommen wird. „Rot-Weiss Essen Du bist mein Verein, RWE so soll es immer sein“. Die Saison und alles andere gewesene komplett ausblenden für dieses eine letzte Spiel.

Danach hoffentlich zusammen feiern. Und dann miteinander reden. Aber auch mal durchatmen und gut durchlüften. Sehr gut durchlüften. Für die dann kommende Saison benötigen wir richtig frischen Wind in der Bude. Auch wenn das Gemecker spätestens dann wieder losgehen wird, sickern weitere Verpflichtungen durch oder wird das neue Trikot vorgestellt. Da uns diese unselige Relegation zur Dritten Bundesliga ja leider noch länger erhalten bleibt, als uns allen lieb ist, haben wir Fans wohl nur die Möglichkeit, uns in Gelassenheit zu üben. Und damit meine ich nicht nur uns in Essen, sondern wohl so ziemlich alle Fans, die sich einem Verein in der Viertklassigkeit verpflichtet fühlen. Es wurde noch kein Aufstieg erzwungen, sondern dazu gehört eine richtige Mannschaft; ganz viel Glück; Mut und Miteinander. Eine Truppe die Erster wird und genau weiß: Erst nach der Relegation können wir Helden sein, ansonsten sind wir nur die „DFB Deppen“, die nicht mal auf den Meistertitel einen heben können, da irgendwie doch nichts erreicht. Um aber überhaupt „Relegationsberechtigter“ zu werden, bedarf es eben jener Gelassenheit und noch mehr Geduld. Über Jahre. Schließlich wollen einige andere auch durch dieses vermaledeite Nadelöhr. Lotte zum Beispiel einmal mehr, denn ich hoffe ja, dass der SV Waldhof sich aktuell durchsetzen wird.

Vielleicht liegt der Wunsch nach Geduld und Gelassenheit auch ein wenig in der eigenen Krebserkrankung begründet. Eine solche Diagnose verschiebt die Dinge von jetzt auf gleich in einer Intensität, wie sie hoffentlich so vielen wie möglich erspart bleibt. Es ist grad nicht wichtig, in welcher Liga mein Verein spielt. Ich möchte ihn einfach nur spielen sehen, denn dann weiss ich, dass ich noch die Kraft dazu habe, einem Spiel beizuwohnen. Es ist jetzt der alleinige Wunsch, endlich operiert zu werden um genesen zu können. Dies in Ruhe und Gelassenheit. Aber in der Gewissheit, doch niemals alleine zu sein. Und auch Rot-Weiss Essen muss endlich sportlich genesen dürfen; braucht Zeit und Freunde, die zusammenstehen. Ihn nicht alleine lassen. Erst dann können jene Kräfte und Energien entstehen, die es bedarf, dass eine Mannschaft erfolgreich spielt und folgenreich die Sympathien der vielen so sehr enttäuschten rot-weißen zurückerobern kann. Ein beschwerlicher und langer Weg der sportlichen Genesung liegt an; aber wenn wir nicht den ersten Schritt machen und nur meckern, können wir auch gleich aufgeben. Aufgeben jedoch ist einfach nicht das Ding eines RWE Fans, auch wenn es bisweilen den Anschein hatte. Emotionen können wir hingegen sehr gut. Und auch die gilt es wieder wachzurütteln. In der vergangenen Saison waren so viele einfach nur müde ob der gebotenen Leistungen. So viele „Veteranen“, die einfach nicht mehr konnten und wollten. Die Ära Harttgen und Fascher; auch sie steckt noch in den Vereinsknochen, ist nicht so leicht abzuschütteln.

Wo wir aber gerade auch beim Thema Relegation sind und waren: Bis heute habe ich alle Spiele dieses sportlichen Irrsinns am heimischen Empfangsgerät verfolgen können und bin bisweilen entsetzt über die gebotenen Leistungen. Eine Relegation erzeugt einen so unmenschlichen Druck auf Spieler, Verantwortliche und Fans, so dass ein Spiel im eigentlichen Sinne kaum mehr möglich ist. Mit Ausnahme der Kickers aus Würzburg vielleicht, die zur Relegation kamen wie die Jungfrau zum Kinde und entsprechend befreit aufspielen konnten. An diesen zwei Spielen hängen Existenzen, Zugehörigkeiten und sogar Vereinsschicksale; glaubt man den aktuellen Nachrichten aus Nürnberg und Duisburg. Die TV Quoten mögen gestimmt haben, aber auf dem Felde herrschte bisweilen blanke Angst. Ergo: Auf- und Absteiger müssen klar definiert werden und Meister aufsteigen. Nur so kann sportlicher Erfolg oder Misserfolg einer Saison fair quittiert werden.

Übrigens nehmen wir in der kommenden Erstrunde des DFB Pokals nur Gegner und Fans ernst, die wie schon Düsseldorf und nun auch Tupperwal mit eigens kreierten „Anti-RWE“ Shirts anreisen. Wir brauchen das einfach. Sieht ja auch gut aus, so ein einheitlicher Gästeblock. Nur der RWE!

 

 

Das Gesetz der Trägheit

Ungekannte Gefühle machten sich vor diesem Spiel breit: So etwas wie Vorfreude schlich sich ein. Tatsächlich: Ich freute mich auf das Spiel des RWE gegen den Nachbarn aus Oberhausen. Aber warum eigentlich? Vielleicht weil es bis auf weiteres der letzte Besuch sein dürfte, oder weil sich die sportliche Situation etwas entspannt hatte? Auf die Freunde vor Ort oder auch darauf, Fritz Herkenrath zu Ehren applaudieren zu dürfen? Zwei Tage danach gibt es keine Antwort mehr auf diese Frage, denn die eigenen Mannschaft hat einmal mehr und diesmal so richtig ohne Ansage enttäuscht. Vor dem Spiel jedoch ging es nach Monaten mal wieder mit der „RWE Hit Mix CD“ an Bord auf die Reise gen Glutofen Essen. Lautstark mitgesungen wurden etliche Fanbusse eines benachbarten Bundesligisten  überholt. Denn sie wissen nicht was sie tun!

Warum nun schon um 13:00 Uhr angepfiffen werden musste, konnte nicht so richtig in Erfahrung gebracht werden; der guten Laune rund um das Stadion tat es aber scheinbar keinen Abbruch, sollte doch der endgültige Klassenerhalt ( Für temporäre Leser: tatsächlich Klassenerhalt, nicht Relegationsplatz oder dergleichen!) hier und heute gesichert werden. Nur unsere Mannschaft jedoch, die hat davon leider nicht viel mitbekommen! Würde man von Stehgeigern oder von Sommerfußball sprechen, so würde man jeden Stehgeiger und jeden Sommerfußballer prinzipiell beleidigen. Welch blutleere und fast pomadige Vorstellung in der ersten Halbzeit. Zugegebenermaßen von beiden Mannschaften! Vielleicht hatte ja doch die ungewohnte Anstoßzeit inklusive ebenso ungewohnt hoher Temperaturen seine Finger mit im Spiel. Das war bei allen schlechten Spielen in dieser schlechten Saison definitiv die schlechteste Halbzeit. Paradox wirkte im Verhältnis dazu die nimmermüde und durchgängige Anfeuerung von der „West“.

Mit dem Ende der torlosen ersten Halbzeit rissen die schlechten Nachrichten allerdings noch lange nicht ab: Denn es folgte ja tatsächlich noch eine zweite Halbzeit, die es zu überstehen galt. Hätte man abstimmen lassen, ob weitergespielt oder das Spiel zur Halbzeit als beendet gewertet werden dürfte, so hätten sich die allermeisten der geduldigen  Zuschauer sicher für das sofortige Ende entschieden. Natürlich wurde die zweite Halbzeit gespielt; lag der Fokus zudem immer noch auf die Beruhigung der Seele durch die möglichen drei Punkte auf dem Platz. Wenn die erste Halbzeit nun überhaupt eine sportlich verwertbare Erkenntnis brachte, dann die, wie wichtig ein Benjamin Baier aktuell für unser Spiel ist. Jemand der wenigstens einmal aus der zweiten Reihe den unverhofften Schuss ansetzt, und auch mal die eigenen Mitspieler wachrütteln kann. Dem neuen Trainer jedoch wurde endgültig und deutlich deutlich vor Augen geführt, auf welches Abenteuer er sich mit der aktuellen Mannschaft eingelassen hat.

Der Nachbar aus Oberhausen, selbst auch in dieser ersten Halbzeit nicht die hellste Kerze auf der Spieltorte konnte in der zweiten Halbzeit gar nicht mehr anders, als die Essener Trägheit mit Toren zu bestrafen. Endlich wurde das Betteln erhört, in Rückstand zu geraten. Blitzsauber wurde zweimal die Abwehr ausgehebelt und an Heimann vorbei eingeschoben beziehungsweise reingestochert. Man lacht an der Emscher wahrscheinlich noch immer darüber, wie simpel das an diesem Samstag möglich wahr. Vielleicht war es Galgenhumor, oder die Freude an einem wirklich gelungenen, neuem Lied auf der Tribüne: Die „West“ sang unverdrossen weiter, es kamen keine Schmähungen gegen die eigene Mannschaft, die es ansonsten schon bei wesentlich  besseren Leistungen und Rückstand gegeben hätte. Das Werfen von Gegenständen sollte trotzdem und überhaupt endlich einmal unterlassen werden! Wir sind nur noch auf Bewährung auf den Tribünen! Eine Atmosphäre also , die in der Beziehung zwischen den Geschehnissen auf Rasen und Tribünen einem Verwirrspiel glich.

Es wurde also nichts mit dem vorzeitigen Klassenerhalt. Wie dumm auch von uns Fans, das von der aktuellen Mannschaft zu erwarten. Wie dummdreist aber auch von nicht einmal einer Handvoll trunkener und scheinbar von Sonnenstich  geplagten Besuchern die Aktion, die Würde eines gegnerischen Spielers anzutasten. Das geht in keinster Weise und wurde entsprechend im Spielverlauf von Leon Binder kommentiert und geregelt. Eine bedauernswerte Randnotiz, die im Spielverlauf außer den Beteiligten selbst wirklich kaum einer mitbekommen hat. Ich denke, dann hätte es einen größeren Aufschrei gegeben. So jedenfalls war der Weg frei für den Berichterstatter der RevierSport, den RWE einmal mehr unter Generalverdacht zu stellen.

Rot-Weiss Essen benötigt in der kommenden Saison nicht nur endlich wieder eine Mannschaft, die diesen Namen und unser Trikot auch verdient; sondern auch eine Berichterstattung, die sich mit Fakten und Fußball beschäftigt, anstatt in Boulevard Manier Geschehnisse oder Gesagtes aus dem Zusammenhang zu reißen und auf mögliches Fehlverhalten einiger weniger zu warten. Wir sind nicht doof, wir Fans wissen doch, dass der RWE nicht sonderlich gut gelitten ist im Hause RevierSport. Wir wollen keine Hofberichterstattung, denn das ist auch keinem zuträglich! Aber ich glaube, Verein, Fans und natürlich auch auch Medien ihrerseits haben ein Recht auf eine gegenseitig faire Behandlung. Auf gut recherchierte Beiträge, deren Inhalte den Sachverhalt erzählen und nicht auf eine reisserische Überschrift, der kaum  wirkliche Fakten folgen, dafür aber Klicks generieren . Wenn in längst vergangenen Tagen vielleicht mal Fehler auf beiden Seiten gemacht wurden, dann ist es an der Zeit, nun einen Punkt zu setzen. In Münster zum Beispiel hat diese Form der Berichterstattung leider auch Überhand genommen, was die Preußen gar zu einem offenen Brief veranlasste. Weniger ist manchmal mehr! Die WAZ Essen kann es doch auch, berichtet sportjournalistisch und den Tatsachen geschuldet. Und das sicher nicht nur, weil die West ihren Namen trägt.

Diesen finalen Punkt können wir alle ja bald auch endlich unter die aktuelle Saison setzen. Gottseidank. Nie zuvor habe ich so viele Fans so müde erlebt. Veteranen in Rot und Weiß, der ständigen Enttäuschungen überdrüssig. Vielleicht kann ja  kommenden Samstag endlich der Klassenerhalt geschafft werden und dann das Endspiel im Europapokal der Landesmeister gegen den Wuppertaler SV die Saison wenigstens auf Papier und Konto halbwegs noch retten. Nur der RWE!

Es kommt im Leben nicht darauf an wie viel Du austeilst, sondern darauf, wie viel Du einstecken kannst!

Welch kollektive Erleichterung nach dem Schlusspfiff. Welch Freude allerseits, außer natürlich im Gästeblock und vielleicht auch bei denjenigen auf der „Rahn“, die noch erhöhten Diskussionsbedarf mit einigen unserer Spieler hatten. Glückwünsche sehen anders aus! Rot-Weiss Essen hat Alemannia Aachen in einem bisweilen vogelwilden Spiel mit 3:2 bezwungen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Leon Binder kurz vor Schluß einen Ball regelkonform vor der Linie erreichen und somit den Ausgleich für die Alemannia verhindern konnte. Bis zu diesem so erlösenden Moment des abschließenden Pfiffes hat der RWE in den letzten Wochen verdammt viel eingesteckt, um das Zitat aus „Rocky“ einmal mit in den Text einzupflegen.

Das Stadion Essen gut gesichert an diesem Sonntag! Selbst auf der Anfahrt über Gladbeck hockten schon lange vor Spielbeginn Einsatzkräfte in ihren Fahrzeugen und starrten eher gelangweilt auf ihre Handys. Es ging schließlich nicht nur gegen einen alten Westrivalen, sondern auch gegen den Abstieg. Und da es in den letzten Wochen immer weniger gelang, die Emotionen regelkonform unter Kontrolle zu halten, galt das Augenmerk wohl mehreren möglichen Brennpunkten. Aber neben dem Endergebnis gab es eine weitere schöne Nachricht: Es gab im Spiel und auch danach keine Brennpunkte im und um das Stadion herum. Im Gegenteil: Auf den Rängen wurde genau so aufopferungsvoll unterstützt, wie auf dem Spielfeld um den Ball und das Spiel gekämpft. Danke dafür!

Der RWE erwischte einen Start, wie er besser wohl nicht sein könnte, ging plötzlich und unerwartet mit 2:0 in Führung. Und doch gelang es unserer Mannschaft nicht, nun die Kontrolle über das Spiel zu erlangen. Zu „gallig“ die Aachener und zu verunsichert die Essener, was das eigene Spiel betrifft. Aber nach all den vergangenen Wochen auch nicht verwunderlich, hat der RWE doch permanent eingesteckt, anstatt auch nur ansatzweise austeilen können. Und so ist es unter dem Strich eigentlich egal, wie der Erfolg zustande kam, hält er uns alle doch über jenem ominösen Strich und lässt einen etwas normaleren Puls für den Moment wieder zu. Zurück aber zur Unterstützung des Publikums: Beide Vereine haben ihre große Anhängerschaft sicher mehr als enttäuscht und verbleiben definitiv weiter im Kellergewölbe des Fußballs moderner Prägung. Und doch war das im Stadion einmal mehr als nur vierte Liga. Es war Fußball! Es war Atmosphäre und es war spannend. Die Fans auf der West und alle anderen im Stadion haben den gerade wohl einzig gangbaren Weg gewählt: Es ist „Playoff“ Zeit an der Hafenstraße, und in der fiktiven Serie „Best of Six“ geht es eben nur gemeinsam. Und gemeinsam wurde auch die Alemannia bezwungen. Vielleicht setzt das nun für die verbleibenden fünf Partien jene Kräfte frei, die wir bisher alle so vermisst haben. Auf und neben dem Platz.

Apropos neben dem Platz: Bisweilen nehmen wir Fans schon eine ziemlich egoistische Grundhaltung ein und denken stets nur an unser eigenes Wohl; hacken auf der Mannschaft herum, die einmal mehr unser aller Erwartungen nicht erfüllt hat. Aber vergessen wir nicht diejenigen, die nicht auf dem Platz stehen, und doch so viel für unseren Verein leisten, zudem genauso leiden? Deren Arbeitsplätze durch die Leistung auf den Plätzen mehr als gefährdet sind, und die doch immer wieder dafür sorgen müssen, dass der Vereinsalltag weiter geht; die sozialen Netzwerke weiter gefüttert werden und die  Journaille zu ihren Auskünften kommt. Die Geschäftsstelle von Rot-Weiss Essen dieser Tage gleicht emotional dem Spiegelbild der Mannschaft auf dem Platz! Und doch können die administrativen Mitarbeiter am wenigsten für die aktuelle Situation, legen sie doch ihr berufliches Schicksal in die Füße der eigenen Mannschaft. Vielleicht denken wir in den kommenden Wochen auch einmal an sie: Unsere guten Seelen im Hintergrund, welche das Gefühl Hafenstraße nicht nur leben, sondern auch arbeiten. Fakt ist, und das hat der vergangene Sonntag einmal mehr gezeigt: Es geht sicher ohne Sport1, aber niemals gegeneinander! Spiel zwei der „Best of Six“ Serie beschert dem RWE nun kommenden Samstag wieder ein Heimspiel, wenn auch auswärts in der Mondpalast Arena zu Wanne-Eickel. Der Gegner ist machbar, kommt er doch aus Gelsenkirchen.

Zu guter Letzt noch etwas in eigener Sache: Zur Buchveröffentlichung am 1. Mai wird auch der Blog in den nächsten Tagen renoviert und hübsch gemacht. Die Schrift eine andere, das Erscheinungsbild auch ein wenig anders, die Texte nun komplett einsehbar. Ich hoffe es gefällt. Über konstruktive Kritik würde ich mich sehr freuen. Und doch könnte und wird es sowohl in Blog und Facebook Auftritt von „ISDT“ in den kommenden Wochen und Monaten etwas ruhiger werden. Der Grund ist dieses Arschloch von Krebs, welches sich bösartig eingenistet hat. Ich bin zwar  überzeugt davon, den Kampf genau so erfolgreich zu gestalten, wie der RWE den seinen gegen den Abstieg. Aber ich habe eine Bitte: Geht zur Vorsorge! Scheißegal wie unverwundbar Ihr Euch auch halten mögt. Es geht um Euer Leben. Und wir alle wollen doch eines Tages gemeinsam Aufstiege feiern. Nur der RWE!

Was sind wir alle schon gegen den Verein?

Nichts! Und ohne den Verein wären wir auch alle gar nicht hier. Wir würden uns nicht kennen, sofern wir uns denn überhaupt kennen. Wir hätten nichts, worüber es sich aufzuregen lohnt, oder worüber wir uns gemeinsam freuen könnten. Auch das soll ja vorkommen! Es kommt vielleicht seltener vor als ersteres. Aber diese Momente, freudetrunken in den Armen eines anderen zu liegen, den man weder kennt, noch zuvor gesehen hat, die vergisst man nie. Und warum liegen wir in den Armen eines oder einer anderen? Die Antwort liegt auf der Hand, sicher aber auch am Schal selber Farbe um den Hals des oder der anderen. Wir teilen also Freude und Leid miteinander. Nun galt es in den letzten Monaten eher Leid miteinander zu teilen, war die Zeit auch noch so schwer. Für uns aber warst Du immer wer; auch wenn es mitunter den Anschein hatte, als hätten wir den Glauben an unseren Verein verloren.

Handelnde im Fokus, Kommentare bisweilen für den Lokus. Kritik für Kritisierende und Unverständnis untereinander. Wenn ein Verein wie Rot-Weiss Essen scheinbar unaufhaltsam dem Abgrund entgegentrudelt, so liegen die Nerven bei allen, die es mit dem RWE halten, mindestens so blank wie das Konto von Schalke 04. Da ist dann nichts mehr, was Zuversicht und Halt vermitteln könnte. Alles leer. Der emotionale Dispo ist ausgeschöpft, seine horrenden Zinsen zerren zusätzlich an den Nerven. Alles scheiße! Es gibt rational keine Antwort mehr auf all die Fragen, die einem tagtäglich rund um den RWE gestellt werden, oder auf die, die man selber hat. Die Netzwerke in Rot und Weiß werden angezapft; es wird sich gegenseitig Mut gemacht oder sich in Galgenhumor geübt. Momente in denen Du, ja auch Du! Merkst, was eigentlich wirklich nur zählt! Denn unter dem Strich landen wir immer wieder bei unserem Verein. Wir kommen immer wieder auf den gemeinsamen Nenner Rot-Weiss Essen. DU bist unser ABC, unser großes Einmaleins.
Wie ein Magnet ziehst du uns an!

Wie gerne würden wir alle doch den ganzen Dreck vergessen, steht doch der Verein grad in Flammen. Aber der Verein hat gehandelt. Es wird gelöscht und die Mannschaft wahrlich nicht in Watte gepackt; sondern in Ansprache eher an die Ehre und sportliches Vermögen erinnert. Hier und jetzt zählen keine Einzelschicksale mehr. Hier und jetzt geht es einzig um unseren Verein. Hier und jetzt geht es um Rot-Weiss Essen. Eigentlich das Größte, was wir alle jemals besessen haben und besitzen werden.  Okay, ein toller Job nebst gutem Kontostand bieten vielleicht gute Perspektiven, und doch niemals die Intensität einer Saison mit unserem RWE. Freitag geht es nach Ahlen. Darauf reimt sich jetzt nichts großes, aber vielleicht ist dieser Freitag endlich die Kehrtwende für unseren Verein in dieser doch so aufreibenden Saison. Und vielleicht nehmen wir einfach auch mal wahr, wie sehr viele Menschen gerade mit Rot-Weiss Essen hoffen und bangen. Sie tun das nicht für uns Fans des RWE; sie haben zudem ihre eigenen Vereine. Aber sie tun es, weil der RWE einfach etwas ganz Besonderes ist. In guten wie in schlechten Zeiten. Alle nach Ahlen. Nur der RWE!

Ansichtssache.

Wir alle kennen ja die Weissagung der Cree, die in etwa so lautete: „Erst wenn der letzte Verantwortliche gerodet, der letzte Spieler vergiftet, der letzte Rest an Miteinander gefangen ist, werdet Ihr merken, dass man sportlichen Erfolg nicht durch Gegeneinander erreichen kann.“ Natürlich lautete die Botschaft nicht wirklich so, und jeder ehrliche Aktivist mag mich verfluchen ob dieser Abänderung in rot-weisser Sache. Aber, die Situation rund um die Hafenstraße stellt sich auch zu Beginn des neuen Jahres nicht wirklich entspannter dar. Der Jahreswechsel hat ja an der tabellarischen Situation auch nichts zum Guten ändern können und so bleibt die bittere Erkenntnis, dass auch 2016 ein ziemlich aufstiegsfreies Jahr werden wird.

Gute Güte, waren wir in der letzten Winterpause noch euphorisiert: Platz 1 im Nacken und Aachen vor der Brust. Was dann folgte ist bekannt und Geschichte. Aktuell stellt sich die sportliche Gegenwart so dar, dass wir in jedem Falle also erst 2017 aufsteigen werden. Fragt sich nur aus welcher Liga. Ein magerer Punkt trennt unseren geliebten Verein von den Abstiegsrängen. Aber ist es eigentlich noch unser geliebter Verein? Was sich unterhalb der Berichte in den Kommentarspalten abspielt, erinnert immer mehr an einen Rosenkrieg, denn an Liebe. Die Beziehung zwischen Rot-Weiss Essen und Teilen seinen Fans scheint nachhaltig gestört, bedarf dringend einer Couch. Mindestens aber einer Mediation. Wobei hier aber auch mal eine Lanze für den Verein gebrochen werden darf: Rot-Weiss Essen kann dieser Tage machen was er will: Es ist falsch! Jeder Satz, jedes Wort; jeder Buchstabe und auch jeder Spieler: Alles wird dermaßen seziert, so dass der Pathologe von Welt seine helle Freude daran hätte. Zeugt der RevierSport von einer Testspielniederlage gegen den Drittligisten SV Wehen Wiesbaden wird direkt wieder wutentbrannt in die Tastatur gekloppt. Erstaunlicherweise lesen sich aber dann Beobachtungen der tatsächlich vor Ort in Belek anwesenden Fans ganz anders.

Ein Testspiel eben nach intensiven Trainingseinheiten inklusive komplett veränderter Formation in Halbzeit Zwei. Aber in Zeiten digitaler Medien wird auch schon auf ein solches Spielergebnis eingeprügelt. Testspiele sind ergebnistechnisch ein Muster ohne Wert. Der Mehrwert liegt hoffentlich in der Beobachtungsgabe der sportlich Verantwortlichen. Und den daraus zu ziehenden Erkenntnisse für die kommenden Ligaspiele. Was wir natürlich in dieser Saison erleben ist eine Mannschaft, die leider kein Team ist. Und wir prügeln munter darauf ein, anstatt uns vielleicht zu hinterfragen, was auch die Ära Fascher/Harttgen noch damit zu tun haben könnte. Jan Siewert hat bisweilen unglücklich agiert, das sein ihm zugestanden. Aber, er musste auch Strukturen innerhalb der Mannschaft übernehmen, die andere geschaffen  und den Verein vielleicht um zwei bis drei Jahre gebracht haben. Das, was zum Beispiel die Lilien vollbracht haben, schaffst Du nur mit einer völlig intakten Mannschaft. Unsere Mannschaft hingegen war nicht intakt. Sie war verunsichert, bedarf nun einer völlig neuen Formatierung. Das sich eine solche Formatierung am Rande des Abstiegs abspielt, hätte ich nie für möglich gehalten, macht mir Angst. Aber die Qualität für die Regionalliga ist vorhanden, wir steigen in dieser Saison nicht ab. Wenigstens das nicht.

Somit verbleibt also dieser Tage nur die Erinnerung an einst sportlich erfolgreiche Zeiten, in welchen wir verweilen und  die sich mit Stolz auf den RWE jener Tage wärmend über die sportlich aktuell so wunde Seele legt. Um diese Wunde zu heilen, sind natürlich immer wieder auch neue Spieler gefragt. Auch die mögliche Besetzung vakanter Positionen hatte natürlich einen Aufschrei zur Folge, wie er fast zu erwarten war. Spieler aus aller Herren Länder spielten an der Hafenstraße vor. Allerweltsfußballer sozusagen.  Und wir fragten uns, warum kein einziges Talent aus Essen und Umgebung zusammen mit den „Wanderstutzen“ vorspielen durfte. Denn am liebsten ist uns doch ein Essener Junge, geboren an der Hafenstraße und eine Mischung aus Helmut Rahn und nochmals Helmut Rahn auf Drittliganiveau.  Wir wollen Jungs aus dem Pott. Solche, die noch dafür zahlen würden, um für den RWE vor tosender Kulisse aufzulaufen. Problem: Die gibt es nicht mehr! Die gehen überall hin, aber nicht mehr zu RWE. Dumm gelaufen also. Und seien wir doch mal ehrlich: Putsche Helmig und Co. kennen sicher jeden Fußballer im Pott besser als ich meinen Kontostand. Und von allen anderen in Frage kommenden kennt man Position und den Preis, da bedarf es kein weiteres Training mehr. Die Spieler also, die nun zum Probetraining eingeladen werden, sind schon ein begrenzter Kreis derer, die dem Verein angeboten werden. Und dem Verein werden viele Spieler angeboten. Zu viele! Die „Wanderstutzen“ sind bisweilen leidlich gut kickende jungende Männer, die von ihren Beratern von Verein zu Verein gejagt werden, in der Hoffnung auf einen Vertrag und die eigene Provision. Der Verein hingegen hofft auf das Juwel für die vakante Position.

Nun hat der RWE ja doch noch in der eigenen Stadt zuschlagen können, die Gemüter somit etwas besänftigt. Doch wie schon Marius Müller-Westernhagen festellte: Die Garantie, die gibt Dir keiner! Was also, wenn der Spieler aus Essen den Erwartungen nicht gerecht wird und der aus, meinetwegen Grönland, einschlägt wie eine Bombe? Im positiven Sinne natürlich! Solch Spielerverpflichtung ist in diesen Tagen kein leichtes Unterfangen für einen Verein. Wir Fans mischen eben immer mit. Aber ab und an sollten wir den Verein auch einfach mal laufen lassen, anstatt direkt zur verbalen Grätsche anzusetzen. Daher noch einmal die Bitte: Wenn wir eines Tages miteinander aufsteigen wollen, dürfen wir 2016 nicht gegeneinander absteigen.

 

 

Der Spieler der Kokosnuss

Ein wechselwilliger Spieler bestreitet ein Testspiel bei einem höherklassigen Verein und dreht so richtig auf. Ein durchaus gängiges Procedere, schließlich möchte man sich ja für einen Vertrag empfehlen. Durchaus auch verständlich, würde es sich um einen verdienten, langjährigen Spieler handeln, der stets abgeliefert hat und aufgrund der sportlichen Stagnation seines derzeitigen Arbeitgebers die neue Herausforderung sucht.

Im Falle von Cebio Soukou ist die Sachlage aus Fansicht allerdings eine komplett andere: Hier will ein Spieler lieber heute als morgen die Hafenstraße verlassen, der nicht oder nur ganz wenig abgeliefert hat, sondern beliefert wurde. Cebio Soukou hat in seiner Zeit bei Rot-Weiss Essen Pech und Pannen erlebt. Aber der Verein war über Gebühr an seiner Seite, hat an ihn geglaubt. Catenaccio 07 hat #freecebio erfunden, wir haben ein Profilbild mit diesem Slogan gebastelt und online gestellt. Kaum ein Spieler der jüngeren Vergangenheit nach Timo Brauer oder Alexander Thamm hat sich einer solchen Wertschätzung erfreut. Der Mann hätte in einigen Jahren Legende werden können.

Und das, obwohl aktuell kaum auf dem Platz stehend! Irgendwann in dieser Saison zeichnete sich aber ein Trendwende ab, denn unser Hoffnungsträger trug keine Hoffnung mehr sondern höchstens Langeweile zur Schau. Nun gut,  die sportliche Situation mehr als unbefriedigend, es könnte auch daran liegen. Vielleicht aber hat es grundsätzlich nicht so gut in der Mannschaft harmoniert. An Spekulationen möchte ich mich nicht beteiligen. Der Spekulatius aber ist mir definitiv aus dem Mund gefallen, als ich lesen musste, wer nun die Beratertätigkeit ausübt und unserem zukünftigen Ex Spieler Soukou jenes Testspiel vermittelt hat. Ungefiltert und ohne jede Vorwarnung bekam ich „Lübeck“ vor den Kopf geknallt. Die Seele weinte, das Herz schmerzte und wir stiegen wieder ohne Not in diese verdammte vierte Liga ab. Daher meine Bitte: Dann geht, aber geht schnell, damit wir wieder frei sind!

Frei von Abstiegssorgen sind wir natürlich trotzdem nicht; die Nerven liegen blank. Rabatz ist da eher kontraproduktiv. Wir müssen wohl eher diese Saison überstehen. Klar, wir mussten schon so viele davor überstehen, haben stets viel Personal ausgetauscht. Ich behaupte aber, dass, wenn wir diese Saison nicht absteigen und am Trainer festhalten, wir schon kommende Saison andere Ergebnisse erzielen. Und ich glaube, dass spüren noch viele mehr. Viele andere Trainer wären sonst schon vom Hof gejagt worden. Mannschaft, Fans und Verein sind nun gefordert, und so albern es sich anhören mag, so billig vielleicht die Parole klingt: Wir sind zusammen gefordert. gegeneinander geht nichts. Da geht gar nichts. Nicht einmal Null Komma nichts. Wollen wir zusammen aufsteigen dürfen wir  jetzt nicht getrennt voneinander absteigen.

Schwierig bei den gebotenen Leistungen, man fährt ja schon mit Widerwillen von zu Hause los. Wie bloß die Nerven liegen, hat der gestrige Artikel in der RevierSport bezüglich unserer aktuellen Trainingsgäste eindrucksvoll bewiesen: Die Elf Tore in Elf Spielen habe ich komplett überlesen. Die folgende Marke von 29 Spielen und nur drei Toren aber sehr wohl wahrgenommen und direkt in eigene Worte gepackt. Sehen wir nur noch das Schlechte? Oder wird uns da was suggeriert? Wir können nicht mehr abwarten, tragen den geliebten RWE  eher wie eine böse Krankheit in uns, denn als einen Lebensinhalt. Wollen nur noch schnell den Erfolg erleben, bevor uns die Erfolglosigkeit zu Grabe trägt. Ist doch so! Der Verein kann mal wieder machen was er will: Soziale Projekte werden gelegentlich sinngemäß kommentiert, dass erst Punkte wichtig sind, und dann Geschenke. Wir sind eigentlich alle am Ende, können überhaupt nicht mehr differenzieren, denn beides ist doch so wichtig! Bemerken nicht, dass der Verein nicht aufhören kann, Verein und soziale Instanz zu sein, nur weil die erste Mannschaft Grütze abliefert. Sehen gar nicht, dass unsere Verein anerkannt ist wie vielleicht noch nie in der eigenen Stadt!

Ich habe gerade keine Freude am Fußball meiner Mannschaft. Bekomme die Emotionen aus Angst vor dem Abstieg kaum in den Griff. Aber, wir werden zum einen nicht absteigen! Und zum anderen kennt Liebe einfach keine Liga. Wir müssen da jetzt durch. Zusammen. Aber ohne Egoisten. Die treffen wir eines Tages in einem Spiel wieder. Und gewinnen dieses! Nur der RWE!

Die Lösung aller Probleme.

Es knirscht wieder gewaltig im Gebälk des Hauses RWE. Wobei wir in den letzten Tagen einmal mehr erleben, noch immer kein stabiles Haus zu besitzen, in dem wir alle zusammen unter einem Dach leben. Unter welchem wir uns auch fetzen können, unterschiedlicher Meinung sind und sein dürfen; nur um am Ende eines Tages doch wieder gemeinsam „nur der RWE!“ zu sein.

Wir sind sportlich doch schon seit Jahren eher ein Kartenhaus und auf einer Finanzierung Aufstieg gebaut, die so wackelig ist, wie ein uralter Tisch in einer noch älteren Kneipe. Und weil nun das Kartenhaus in sportlicher Sicht aktuell erstaunlich schnell in sich zusammengefallen ist; wo auch noch andere Vereine am Tisch wackeln; zudem die eigenen Mannschaft nur selten einen Stich bekommt, oft durchgemischt wird und vielleicht die Pärchen nicht zueinander passen, herrscht mal wieder dicke Luft.

Und direkt gehen wir alle wieder den eigenen Weg, um mit der Situation fertig zu werden. Annähernd damit klar zu kommen. Leider finden wir einfach, und das schon länger, nicht mehr den richtigen Weg. Ein Spieler, der noch auf dem Feld in Lotte zu den (wenigen) Guten gehörte, beendete seinen Dienst am Verein scheinbar mit Abpfiff und kassiert dafür nun einen Anpfiff. Öffentlich. Beides eigentlich Dinge für die „Interne“. Fast zeitgleich äußerte der Vereinsboss im Interview, ganz entspannt zu sein. Ein gefundenes Fressen und Startsignal für einige, in den Kommentarspalten wieder wüst in die Tasten zu hauen. Lösungsansätze waren natürlich keine darunter.

Vielleicht etwas ungeschickt, dann entspannt zu sein, wenn mal wieder verloren wurde und der Fan selbst höchst angespannt ist. In der ureigenen Kernkompetenz und mit Blick auf den Gesamtverein, dessen kleiner Teil ja nur diese eine, unsere, Mannschaft ist, aber völlig zurecht. Uns geht`s so gut wie noch nie! Gerne aber werden dann natürlich die mehrmaligen Verweise seinerseits im Interview, mit der sportlichen Situation unzufrieden zu sein, überlesen: Verloren! + Entspannt? = Gibt verbal auf die Fresse! Das blöde ist: Es ändert nichts daran.

Es änderte auch nichts daran, Sonntag direkt nach dem dritten Gegentor fluchtartig und wutentbrannt das Stadion in Lotte verlassen zu haben. Zuhause angekommen fragte die eine Tochter, ob ich denn nun kein RWE Fan mehr sei, da wir wieder verloren haben. Welch eine Frage eigentlich. Und noch erstaunlicher eigentlich die eigene Antwort, die da lautete: „Heute nicht mehr, aber morgen…morgen natürlich wieder“. Es gab also für einen kurzen Moment die unbewusste Option, einfach mit dem Verein Schluss zu machen. Was für herrliche Aussichten: Einfach nicht mehr in diesem Kartenhaus Rot-Weiss Essen zu leben. Frei von den Zwängen der fast schon zwanghaften Sehnsucht Aufstieg.

Frei aber auch von dieser verpesteten Aura, die gerade online unseren Verein umgibt. Dort also, wo sportlicher Frust anonym gerne mal in Hassbotschaften umgemünzt wird. Als ob man sich dadurch besser fühlt; ein Spieler schneller läuft oder der sportliche Erfolg auch nur eine Tag früher erreicht wird. Das Gegenteil wird eher der Fall sein. Und genauso wenig wird kein einziger Spieler durch sicher nur lieb gemeinte Mitteilungen am Trainingsplatz motiviert werden. Es führt eher zu noch mehr Druck. Zu noch mehr Blei in den Beinen und somit zu noch schlechteren Leistungen. Ist ein ziemlich beschissener Kreislauf, in welchem wir uns da schon wieder bewegen. „Kenn ich nur frohe Stunden…“ Selbst unser Vereinslied kommt regelmässig wie Hohn und Spott daher. Dem Oppa dagegen, dem geht`s richtig gut: Er hat es schließlich schon „geschafft“ und lässt es sich ohne den Verein da oben so richtig gut gehen.

Gut gehen! Es sollte uns allen gut gehen. Aber, es geht uns nicht gut. Wir leben eine Partnerschaft, die nun schon seit vielen Jahren, rein sportlich betrachtet, eine ziemlich freudlose ist. Normalerweise dauern derlei Beziehungen nicht sehr lange, und erfolgt schnell die notwendige Trennung. Da wir uns aber nicht trennen wollen und können, bleibt nur folgende Lösung, um alle Probleme mit einem Schlag zu beenden: Wir lösen unseren RWE einfach auf. Simsalabim und weg bist Du!

Kein RWE, keine sportliche Frustration. Kein Grund mehr, verbal zu eskalieren; Spieler und Trainer vom Hof zu jagen. Keine Niederlagen mehr gegen Kray, kein Hass mehr auf Schalke, keine Stadionpossen. Keine verlorenen Wochenenden, leere Portmonees oder der ein- oder andere Stress mit Ordnern und anderen Fans. Was für eine wunderschöne Vorstellung. Oder, vielleicht doch nur eine Horrorvision?

Der Verlust des großen, womöglich größten Teil von einem selbst. Das, was bleibt, wenn auch alles andere einen verlässt. Du mein RWE! Seit wir zwei uns gefunden. Es muss ein jeder für sich selbst entscheiden, aber wir können es drehen und wenden wie wir wollen: Einen sportlichen Erfolg mit eingebautem Aufstieg gibt es nicht durch Wut und Beleidigung. Gibt es nicht durch jährliche Trainerwechsel und schon gar nicht durch zusammengekaufte Spielerkader. Den gibt es nur, wenn in dieser einen Saison einfach alles zusammen passt. Doch diese eine Saison…, die kann schlimmstenfalls ewig auf sich warten lassen. Ich kann sie nicht „herbeiprügeln“, im übertragenen Sinne natürlich.

Also, was tun wir? Auflösen?

Den Rubikon überschritten.

Ok, es ist an der Zeit, Klartext zu schreiben und zu riskieren, dass die Meisten diese Wahrheit nicht ertragen und hier abspringen werden.  Aber, ich habe mich dazu entschlossen, weil alles andere so langsam in eine Art Selbstgeißel abdriftet! Also: Unser geliebter Verein ist auf dem, wo wichtig ist, Viertklassig! Und wir können momentan gerade nichts daran ändern, bleiben es vielleicht bis zum jüngsten Tag. Wir spielen aber  nicht die Spiele. Wir verfolgen sie lediglich. Nein, wir leben sie! Und wir leben sie mit einer Erwartungshaltung, die unsere Spieler nicht im Ansatz erfüllen können.

Wir sind das hässliche Entlein Liga Vier in des Königs Kleider Rot-Weiss Essen. Vielleicht sind unsere Finanzen zu gut, das Stadion zu groß, die Angebotspalette Fanshop zu exorbitant; Faninitiativen zu aktiv und tanzen wir auf vielen, manch einem zu vielen, Hochzeiten. Beziehen Stellung außerhalb, anstatt das Stellungsspiel auf dem Platz zu beherrschen. Wir posten Termine anstatt termingerecht zu punkten. Schreiben immer wieder davon, den Mund abzuwischen und weiterzumachen. Den Bock umzustossen. Von der Kuh wage ich ja gar nicht zu schreiben. Sehen wir doch endlich den Tatsachen in die Augen: Wir haben den Rubikon Richtung sportlicher Bedeutungslosigkeit schon lange überschritten. Wir haben so manch einen vom Hof gejagt. Haben wütend aufgejault, wenn es wieder  nicht den erwarteten Dreier gab. Wir sind doch schon lange sportlich untergetaucht.

Was nützt es denn, einmal in drei Jahren von der Sportschau im DFB Pokal als schlafender Riese tituliert zu werden, wenn wir weder schlafen, noch Riese sind. Wir sind klein. Punkt! Amateurverein. Auch! Und nun können wir nicht einmal mehr mit aktiven Fans auswärts punkten oder für Schlagzeilen sorgen. Wir kommen nach Köln zu einer Zweitvertretung in deren Zweitstadion. Wetter doof, Anfahrt doof. Anfeuern doof. Alles doof. Der RWE reiste vielschichtig an. Bis auf die Mannschaft, die im Bus gemeinsam anreiste. Diesen zu entleeren zeigt die Hierarchie einer Mannschaft. Bei uns haben demzufolge Rotsünder und A- Jugendliche zu schleppen. Ein freundliches „Hallo“ kam derweil nur einem einzigen Spieler über die Lippen. Aber, war in Ordnung so, wir standen nur in Busnähe, weil ein Baum Schutz vor dem Regen bot.

Ich nun, und vielleicht stehe ich auch hier ziemlich alleine da, fand die erste Halbzeit gar nicht sooo schlecht. Natürlich: Es ergeben sich keine zwingenden Torchancen. Aber es stimmte wieder der Einsatz, und auch der junge Trainer mit Bartflaumansatz zeigte in Gestik, Mimik und Engagement, dass er eigentlich einen Matchplan hat, den es nur noch umzusetzen gilt. Und das ist doch genau der Punkt: Die Mannschaft kann bis zum Erbrechen gebrieft worden sein, will natürlich gewinnen. Und dann kommt doch alles anders. Eine Unachtsamkeit, ein Gegentor…und schon rennst Du der Musik und den Ansprüchen hinterher…

Was also tun? Ich kann die Mannschaft nicht aufstellen. Ob ich schreibe, dass ich mir permanent einen Baier wünsche, oder ob in China…na, Ihr wisst schon! Der Gala von Erndtebrück folgte eine Achterbahnfahrt, wie sie selbst für hartgesottene Fans einfach zu viel des Guten ist. Wir können damit nicht mehr umgehen. Die Vorwürfe dann in Richtung Verein und sportlicher Leitung reflexartig seit Jahr und Tag dieselben. Stereotype Frustration in Rot und Weiss. Nichtmal pöbeln könnten wir unseren Verein eine Liga höher.

Das einzige, was dem Verein und uns nun hilft ist Geduld! Geduld, Geduld und noch mehr Geduld. Wir können uns vielleicht an der Tastatur abreagieren, aber einen Aufstieg forcieren wir dadurch nicht. Es war natürlich keine lustige Heimfahrt aus Köln Richtung Nordhorn. Wir haben halt verloren. Und vielleicht würde ich das Ganze anders aufziehen, würde junge Spieler um etablierte aufbauen und heranziehen; anstatt etablierte auf die Bank zu setzen. Aber ich bin kein Trainer, und somit steht mir Kritik an dieser Stelle nicht zu. Ich stelle den Trainer aber nicht in Frage. Punkt! Ich kenne ihn auch nicht. Nur, ich gehe mit ihm in die Dritte Liga. Aber, ich weiss nicht, wann das der Fall sein wird, denn das erfordert Geduld. Nur will ich mich einfach nicht mehr aufregen, dafür bin ich zu alt. Ab sofort zeige ich Geduld. Ertrage Niederlagen, und freue mich über gewonnene Spiele. Was soll ich denn auch machen? Fan bleibe ich schließlich ein Leben lang.

Der Rubikon in Liga Vier ist also nun schon seit Jahren überschritten. Und das sportlich zu akzeptieren, ist ein erster und guter Schritt in Richtung Zukunft. Nur der RWE!

Es gibt kein Bier auf Hawaii, es gibt kein Bier…

Diese Diskussion der letzten Tage würden wir wohl kaum führen, wäre der Fußball unserer Tage ein Ponyhof. Oder Love, Peace & Harmony. Ist er aber nicht. Fußball ist Emotion und manchmal auch die Plattform für Randale. Leider! Gibt also kein Bier am Sonntag. Eine nicht wirklich nachvollziehbare Tatsachenentscheidung, die oft und gut in den letzten Tagen kommentiert wurde. Mir ist etwas anderes viel wichtiger und das muss ich unbedingt loswerden: Übermorgen ist doch das große Spiel.

Und worüber wird seit Tagen berichtet ? Nicht über das Spiel! An vorderster Front erblödet sich eine Zeitung selbigen Namens, die sich selbst nur anders schreibt, und bietet Frontberichte letzter Güte an. Und genau ab diesem Moment setzt die verbale Gewaltspirale ein und ist kaum noch zu stoppen. Pufferzonen und Betreuungsverbote; Alkoholverbot und Mannschaftsstärke Polizei sind heute. Aufstellung, Mannschaftstaktik, Interviews und Gewinnchancen waren scheinbar gestern. Natürlich gibt es solch Berichterstattung noch.

Aber seriöser Sportjournalismus wird gefühlt immer mehr verdrängt durch die mediale Gier danach, Angst zu schüren und bitte,bitte,bitte Randale auch zu bekommen. Wobei Randale, über die berichtet wird, ja kaum wirkliche Randale ist. Stell mal einen Aschenbecher mit brennender Zigarette darin bei entsprechender Windrichtung neben einem Bild Reporter: Der gute Mann schreibt Dir glatt einen Spielabbruch verursacht durch Nebel aufgrund einer Pyro Randale in seinen Laptop. Zur Not reichen auch Fotos aus dem Archiv. Sicher wird an irgend einer Ecke des Stadions Sonntag gezündelt werden. Machen wir uns doch nichts vor. Die Briten würden wahrscheinlich nur noch auf die Spielminute setzen. Ich muss das unkontrolliert auch wirklich nicht haben oder unterstützen. Aber, es ist mir fast noch lieber als die Panikmache im Vorfeld.

Ich fahre Sonntag zu einem Fußballspiel. Wie ich auch gegen Wiedenbrück zu einem Fußballspiel gefahren bin. Und habe doch das Gefühl, nicht an den gleichen Ort zu reisen. Gegen Wiedenbrück war Woodstock, Sonntag droht Ostblock alter Prägung. Ich liebe Gästefans im eigenen Stadion, sind sie das Salz in der Suppe; die Gruppe, an der man sich verbal herrlich abreagieren kann, liefert die eigene Mannschaft nicht wie gewünscht ab. Das aber nun die eigene Tribüne reduziert wird, dass ist hochgradig skurril. Man wirft ja auch nicht die eigene Oma aus dem Wohnzimmer, wenn der ungeliebte Schwiegersohn mit Familie zu Besuch kommt. Oder so.

Man glaubt es förmlich zu hören, dieses imaginäre „endlich“ auf der Pressetribüne, wenn in den Blöcken etwas unliebsames passiert. Und zack: Kaum einer interessiert sich noch für das Geschehen auf dem Spielfeld; der Liveticker wird mit schweren Ausschreitungen gefüllt, so wie ein Truthahn zu Thanksgiving mit Füllung eben. Die ersten Schlagzeilen sind schon online, und der geneigte Stadionbesucher, der sicher mal den Kopf schüttelt; sich zurecht über Subkultur unter Fußballfans aufregen mag: Ja der fragt sich am nächsten Tag: Bei welchem Spiel waren die eigentlich? Ist doch nichts passiert. Ja genau: Es passiert eigentlich fast nie mehr was im Stadion. Wenigstens nicht das, was im Vorfeld schon sehnlichst herbeigeschrieben wurde. Etwas Ruhe auf allen Seiten würde dem Fußball wirklich gut tun, sonst platzt er eines Tages.

Der Hexenschuss für das Fußballherz.

Vorfreude ist ja die bekanntlich schönste Freude. So liegt es gerade auch im Naturell eines fast jeden Fußball Fans, sich allen Erfahrungen der Vorsaison zum Trotze doch wieder auf die neue Saison zu freuen. Man „betet“ sie förmlich herbei; zudem steigert eine halbwegs gelungene Vorbereitung Erwartung und Ungeduld. „Erwartung und Ungeduld“, eigentlich die optimalen Synonyme für den RWE Fan. Wer allerdings direkt mit Anpfiff der Saison eine perfekt geölte Systemmaschinerie erwartet, die auch noch innerhalb der neunzig Spielminuten variiert werden kann; der wird natürlich wieder schnell enttäuscht werden.

Mit dieser Erwartung ist heute wohl keiner der knapp über Neuntausend Fans an die Hafenstraße gepilgert, behaupte ich einfach mal. Wir haben nun wohl endgültig begriffen, dass erst etwas wachsen muss, bevor geerntet werden kann. Das Basismenü Regionalliga wurde also dieser Tage wirklich sehr wohlwollend bestellt. Das Trüffelschweinchen Fortuna essen wir dann erst nächste Woche. Lass deren Fans ruhig saufen. Essen ist immer noch der wahre Genuss. Wie dem auch sei, der Pokal tat heute kaum etwas zur Sache.

Aus Wiedenbrück kam heute kaum ein Fan mit an die Hafenstraße, der Fanbus wurde aufgrund der Urlaubszeit gecancelt. Irgendwie auch schon wieder sympathisch. Herrlich kommentiert übrigens am Pissoir, wo nicht nur die Dinge in die Hand genommen werden, sondern bisweilen auch der Flachs blüht: „Iss der Gästeblock voll, leck mich anne Socken“. Die Zeit der gemeinsamen Austreterei war übrigens ca. nach dreißig gespielten Minuten. Es stand noch 0:0, der RWE hatte scheinbar das Spiel im Griff, erste Ansätze einer neuen Spielphilosophie waren zu erkennen, wobei die Mannschaftsaufstellung durchaus überraschte. Noch mehr jedoch die Namen derer, die heute nicht einmal dem Kader angehörten. Einem Marc Fascher hätte man dafür noch vor Anpfiff direkt seine Taxofit Kappe verkehrt herum auf den Kopf getackert. Verbal natürlich.

Die Abwehr stand aber solide, der Einsatz war wie eigentlich immer schon nicht zu bemängeln. Bis zur 44. Spielminute schien es also nur eine Frage der Zeit, wann der Führungstreffer fallen würde. Die Fans auf den Tribünen recht launig, und im übrigen auch wieder mit koordinierter Unterstützung. Der Sozialromantiker in mir freute sich sehr, dass es scheinbar auf vielen Ebenen positive Ansätze gegeben hat, die wieder zu einer gemeinsamen Unterstützung für diesen Verein, den wir alle so sehr lieben, geführt haben. Danke dafür! Ganz gelegentlich ist einem Wiedenbrücker Spieler vor Schreck der Ball über den Spann gerutscht, als es plötzlich von allen drei Tribünen schallte.

Die 44. Minute also: Wendepunkt kurz vor der Halbzeit. Jeffrey Obst machte bei seinem Gegenspieler wohl Fruchtfliegen aus und wollte sich dessen erwehren. Jener sank also dahin und eine rote Karte war die Folge. Folgerichtig übrigens, denn schon der Versuch ist strafbar. Eine dumme Aktion, die nachhaltig der Mannschaft geschadet hat, musste sie doch in der Folge eine komplette Halbzeit mit einem Mann weniger auskommen. Glücklicherweise schienen die Wiedenbrücker aber gar nicht mitbekommen zu haben, dass sie einen Mann mehr auf dem Feld waren; machte doch der RWE weiter das Spiel und grätschte sich mitunter in den Szenenapplaus. Es gab auch die ein- oder andere Torchance. Ungenutzt leider.

Dann kamen aber die letzten Minuten, endlich hatten die Ostwestfalen ihre Gegenspieler durchgezählt und festgestellt, dass mit numerischer Überlegenheit auch mal ein blitzsauberer Konter gefahren werden kann. Tenor: Fußball kann so einfach sein. Fußball war dann noch einmal einfach und sogar noch ein drittes Mal. Endstand 0:3 also und es gab das, womit bei aller Bescheidenheit kaum einer in dieser Form gerechnet hatte: Einen Fehlstart! Untermalt von einer überflüssigen roten Karte nebst sicher längerer Sperre. Da hilft auch der neue Hardcore Stehbereich inklusive Flatrate nicht weiter.

Ein wenig Schockstarre machte sich breit. Keine Häme zum Glück, keine vulgären Reflexe. Es gab sogar zaghaften Applaus für eine Niederlage trotz engagierter Vorstellung, die so nicht wirklich zu erklären ist. Die Niederlage jetzt. Und noch weniger zu begreifen. Ist nun mal passiert. Ich glaube, dass des Trainerteam aus diesem Spiel seine richtigen Konsequenzen ziehen wird. Und nein, sicher werden wir nicht, wie nun bisweilen in den sozialen Medien befürchtet, 0:9 gegen Fortuna Düsseldorf untergehen. Sie sollen hart an uns zu knabbern haben. Und dann geht es weiter. Immer weiter. Isso!

Diametral abkippender Sechser.

Zu Beginn möchte ich dem neuen Ehrenmitglied bei Rot-Weiss Essen, Otto Rehhagel, für die heutige Überschrift danken. Diese Begrifflichkeit erwähnte Herr Rehhagel im Zuge seiner Rede anlässlich besagter Beförderung. Herr Rehhagel ist eine Type im Fußball; und wenn man ihn heutzutage ab und an auf der Tribüne an der Hafenstraße erlebt, so zeigt er dort immer noch mehr Emotionen, als Dr. Uwe Harttgen Gesichtsausdrücke hat. Ein Fußballer durch und durch.

Trotzdem bin ich zugleich auch etwas froh, dass der Fußballlehrer Rehhagel auf der Tribüne und nicht mehr am Spielfeldrand sitzt. Also bei RWE jetzt. Weil, da sitzt ja nun ein neuer Trainer. Der Jungspund Jan Siewert. Gerade erst zum Mann gereift. So der erste Tenor im Plenum Forum. Nun sind einige Tage seit Amtsantritt vergangen und man wird das Gefühl nicht los, als ob an der Hafenstraße einmal kräftig durchgelüftet wurde. Auf der Jahreshauptversammlung herrschte dagegen ein emotional erstaunlich laues Lüftchen. Es gab von den Mitgliedern also keine Generalabrechnung bezüglich der Norddeutschen, ausser vielleicht in punkto Entlastung. Das deren Herkunft übrigens nicht der Grund für die vergangenen Saison war: Eines Tages wird man es verstehen.

Nun also der Rheinland-Pfälzer aus Mayen. Und mit im Gepäck auch der neue Sportdirektor Andreas Winkler. Im Verein jedoch bestens bekannt. Nicht aus Funk und Fernsehen, sondern diversen Funktionen. Und dieses schon seit über zwölf Jahren. Es ist also davon auszugehen, dass Andreas Winkler weiss, wie die Hafenstraße tickt. Sein Geburtsort war leider nicht zu eruieren, so dass wir noch nicht wissen, welchen Teil der Republik wir dann beschimpfen, sollte die Saison nicht erfolgreich verlaufen. Glaubt man aber den Trainingskiebitzen dieser Tage; hat zudem die ersten Auftritte von Jan Siewert und Andreas Winkler mitverfolgt, so kann es in der kommenden Saison etwas werden mit der Vision Hafenstraßenfußball. Was nicht zwingend die Relegation bedeutet.

Der frische Wind bringt nun aber so viel Wirbel mit sich, so dass aus uns aus der Vorstandsetage von jawattdenn.de folgende sms erreichte:

Puh. Erstes Testspiel gewonnen. Die Trainingskiebitze sind begeistert von den Einheiten. Alle scheinen Spaß zu haben. Holt mal jemand den Fascher zurück, damit mal auf die Euphoriebremse getreten wird.

Wir sind scheinbar so negativ konditioniert, so dass wir bei Spaß an alles denken, aber nicht an unseren RWE. Wir wissen nicht mal, ob unser neuer Trainer nun mit oder ohne diametral abkippenden Sechser spielen lässt. Was ist das überhaupt für ein Gedöns?. Vielleicht aber musste die vergangene Saison einfach sein um nun endgültig ganz von vorne anzufangen. So sollten wir es auch angehen. Ganz von vorn, in Fachkreisen auch 1.Spieltag genannt. Sollten gemeinsam Essen, gemeinsam anfeuern und manchmal auch einsam leiden.

Die vergangen Tage haben deutlich gezeigt. dass die einzige Meisterschaft für unseren Verein immer noch die Nabelschnur bedeutet, welche ihn mit der öffentlichen Wahrnehmung verbindet. Doch sie wird schwach und schwächer, je länger wir in den Niederungen der Ligenpyramide  als Smoothie oder Trinkwasser darben, anstatt einige Etagen höher endlich wieder Fleisch und Fisch zu sein. Um einmal die Ernährungspyramide zu zitieren. Saison Acht nach „Lübeck“. Es nützt ja nix, ich freue mich drauf. In diesem Sinne: Nur der RWE!

Front of Stage

Der bajuwarische Verbandsfürst und DFB-Vize in Personalunion hat eine Idee: Er möchte die Regionalliga durch eine weitere Reform nicht reformieren, sondern augenscheinlich verschlimmbessern. Besser nicht weiter darüber nachdenken, ist wirklich schlimm. Daher hier an dieser Stelle auch keine weiteren Ausführungen zu dieser sportlichen Antithese namens Regionalliga. Man stelle sich einmal vor, der FC Schalke wird endlich wieder Meister, also der zweiten Liga…und darf nicht aufsteigen.

Wie dem auch sei: Es drohen also noch mehr Aufstiegsspiele. Noch mehr zerplatzte Träume, inklusive noch mehr negativer Emotionen, die sicher auch manch Stadionzaun nicht gut tun. Und da kontern wir nun mit einer eigenen Idee, um wenigstens auf den Rängen die Schärfe aus dem Spiel zu nehmen: Fans aller, zu den Aufstiegsspielen gezwungenen, Vereine bekommen für die Spiele einen eigenen kleinen „Front of Stage“ Bereich rund um ein Fluchttor der jeweiligen Tribüne eingerichtet.

Platzsturmwillige melden sich dafür im Vorfeld beim Verein ihres Vertrauens, um in diesen besonderen Bereich zu gelangen. Natürlich sind die Karten etwas teurer, aber dafür ist man auch nahe dran am Geschehen. Mit dem Erwerb einer solchen Karte bekommt der Fan nicht nur das Recht auf einen Platzsturm, sondern auch eine Sturmmaske in den Vereinsfarben überreicht. Nach Spielende kann der Platzsturmwillige zusätzlich ein Foto mit mit einer Actionszene seiner Wahl beim Ordnungsdienst abholen. Für nur 20€ mehr können zusätzlich Grüße oder Wünsche benannt werden, die von Steffen Simon während der Übertragung öffentlich vorgelesen werden.

Nun zur Praxis: In der 75. Minute wird der Ordnungsdienst das Fluchttor öffnen, und die Front of Stage Besucher des zurückliegenden Vereins dürfen auf den Platz. Zeitgleich wird das Spiel geordnet und vom DFB genehmigt unterbrochen. Die Platzsturmwilligen können sich nun  vor dem Tor „knubbeln“, oder auf dem Platz Spielerautogramme abholen. Sie dürfen Richtung Fanblock gegnerische Mannschaft rennen, einmal kurz winken oder fangen spielen mit Laiendarstellern in Uniform. Nach exakt 15 Minuten geht es wieder zurück in den Front of Stage Bereich. Das Spiel wird wieder angepfiffen und kann somit völlig geordnet über die Bühne gebracht werden. Eine Win-win-Strategie für alle Beteiligten also. Hysterie fehl am Platz, keine Sach- und Personenschäden, keine negative Presse.

Das nun trotzdem einer der beteiligten Vereine als Verlierer aus dieser Relegation hervorgehen wird: Das ist und bleibt der eigentliche Skandal. Nicht nur die frei drehenden Emotionen derer, die sich ein weiteres Jahr um sämtliche Hoffnungen und Mühen auf und neben dem Feld betrogen sehen! Lieber DFB, natürlich ist diese „Front of Stage“ Idee total bescheuert. Aber dieses Konstrukt namens Regionalliga und deren Aufstiegsmodalität, das ist aktuell noch bescheuerter.

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