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Zwischen Szenenapplaus und Sonntagsschuß spielt sich ganz viel Leben ab.

Gibt es eigentlich wissenschaftliche Untersuchungen darüber, wie sich Erfolg und Misserfolg einer Lieblingsmannschaft auf das Wohlbefinden der eigenen Fans auswirken? Gäbe es eine solche, dann könnte diese dem RWE Fan attestieren, aktuell genug gelitten zu haben und unter sportlichem Burnout zu leiden. Entweder man lässt sich also eine AU ausstellen und bleibt der Gesundheit zuliebe Zuhause, oder es wird ein Trainerwechsel verschrieben, der wenigstens kurzfristig für Linderung sorgen könnte. Manchmal hilft diese Therapie sogar langfristig. Aber dafür gibt es zumindest in Essen noch keine gesicherten Erkenntnisse.

An der Hafenstraße wurde also wie bekannt, die gängige Therapie Trainerwechsel verordnet, welche leider stets mit hohen Zuzahlungen an den Ex-Trainer die Krankenkasse verbunden ist. Aber, sie verschaffte diesmal wirklich schnelle Linderung der körperlichen Symptome bei sportlichem Misserfolg: Wurden die Schmerzen gegen den ETB zunächst etwas gemildert, trat nach dem unerwarteten Erfolg in Aachen schon spürbar Erleichterung der verspannten Gedanken rund um den RWE ein.

Und so kam es, dass man vor dem Oberhausen Spiel fast schmerzbefreit aus dem Bett hüpfte und ein lange nicht mehr gekanntes Gefühl erleben durfte: Vorfreude auf ein Spiel der Roten. Danke Trainerwechsel mochte man rufen, ohne den aktuellen Trainer nun über den grünen Klee loben zu wollen; schließlich wirkt er ja noch nicht wirklich lange. Hier also ist man auf die therapeutische Langzeitwirkung gespannt. Auch Viagra wollte erst lange getestet werden, bis es dann eines Tages als Mittel der Wahl feststand und es bei manchem fest stand.

Zur eigenen Verblüffung wollte sogar die ganze Familie mit. Durchaus doch schon infiziert mit dem Rot-Weissen Virus, wohl aber noch nicht zu sehr damit belastet um ihrerseits daran zu erkranken. Somit überwiegt stets die Freude auf ein sportliches Ereignis vor vielen Menschen inklusive Stadionerlebnis. Ich wünschte mir auch einmal wieder eine so unbelastete Herangehensweise an ein Spiel meines RWE. Aber, es war ja heute mit zwei Siegen im Nacken eigentlich nichts, was in jenem sitzen und Schmerzen bereiten könnte.

Auf der Autobahn erst einmal hupend den Bus des Schalke Fanclubs Nordhorn überholt. Wir haben kurz überlegt, sie am nächsten Rastplatz aufzumischen, aber zum einen wissen sie einfach nicht, was sie tun, und zum anderen kennt man den einen oder die andere natürlich auch vom Eintracht Stadion am Heideweg. Warum fährt man nur nach Gelsenkirchen, wenn man als Ziel Essen haben kann? Unbegreiflich!

Rund um das Stadion war verkehrstechnisch weniger los als erwartet. Es haben sich also doch viele Fans eine AU ausstellen lassen. Krank ist krank, das ist dann einfach mal so. Trotzdem waren letztendlich gut 8.200 Fans beider Mannschaften im Stadion. Und wir reden weiterhin vom Krankheitsgrad Liga Vier. Gute Quote also.

Im Stadion selbst standen sich bei diesem Spiel nicht wie gewohnt „Heimkurve“ und Gästeblock gegenüber, sondern wurde temporär ein weiterer Heimblock in der Nähe des Gästeblocks geschaffen. Warum das so war, geht mich nichts an, aber ich hoffe, eine Kritik darf angebracht sein, dass es im Sinne einer besseren Unterstützung der Mannschaft eher suboptimal war. Die Heimkurve, die ja eine Gerade ist, ließ trotzdem gelegentlich aufblitzen, wozu sie an Lautstärke in der Lage ist. Besonders in den Schlussminuten. Ansonsten geht der Stimmungspunkt leider dieses Mal nach Oberhausen. Auch unbegreiflich. Wir sind alle Rot-Weiss. Wir kriegen das hin.

So wie es auch die Mannschaft dieses Mal endlich hinbekam. Die viel in Anspruch genommene Körpersprache eine ganz andere als noch in den Wochen zuvor. Die Raumaufteilung ebenfalls eine ganz andere; die gefürchteten Lücken taten sich einfach nicht auf. Es wurde Gras gefressen. Am Gegner festgebissen, um jeden Millimeter Hafenstraßengras gekämpft. So gehört sich das, so wollen wir das sehen. Folglich gab es in der dreizehnten Minute die verdiente Führung. Es gab nicht nur das: Es gab sogar zur Halbzeit Applaus von den Rängen für die Leistung der eigenen Mannschaft.

Ich wiederhole das hier gerne noch einmal: Es gab sogar zur Halbzeit Applaus von den Rängen für die Leistung der eigenen Mannschaft. Das Spiel der eigenen Mannschaft tat wirklich gut, war eine Wohltat für die geschundene Seele.

In der zweiten Halbzeit gab es dann sogar noch zwei bis drei spielerische Leckerbissen, die den Fan auf den Tribünen zwischen Verzückung und Fassungslosigkeit zurückließ. Warum geht erst jetzt, was all die Spiele zuvor nicht ging? Es gab tatsächlich und verdient somit Szenenapplaus. Sogar aufgestanden wurde auf der „Haupt“, als Marcel Platzek aus dem Spiel genommen wurde.

Es sah also alles gut aus auf dem Feld.  Rot-Weiss Essen wollte unbedingt die Entscheidung. Keine Rede davon, das Spiel zu zerstören, wie anschließend ein Oberhausener Spieler befand. Aber, der hat auch keine Ahnung vom Fußball.

Es sah wirklich gut aus. Vor einigen Wochen noch, da lägen wir schon 1:3 in Rückstand.

Und dann kam der Sonntagsschuß.

RWO glich in der 89. Minute aus dem Nichts aus. Der vielzitierte „Sonntagsschuß“ wurde schneller in den Kasten gezimmert, als Heller reagieren konnte.

RWE versuchte es weiterhin in den Restminuten, aber ohne Erfolg. Der verdiente Dreier blieb somit leider aus, und doch blieb unter dem Strich Applaus für eine engagierte und in vielen Punkten verbesserte Mannschaftsleistung.

Ich war nicht traurig, da eine wirklich gute Leistung der eigenen Mannschaft gesehen. Ich war eher geknickt für die eigene Mannschaft, die sich die drei Punkte wirklich verdient gehabt hätte.

Nun muss weiter gearbeitet werden an der Hafenstraße. In so vielen Bereichen, damit wir wieder eine Einheit werden.

„Schluss mit Gelaber und Vereinsmeierei, wenn ihr heut gewinnt ist das einerlei. Jubeln, Jammern, Spielen oder Stehen wir sind der Verein…
Wir (ALLE) sind RWE“

Rückrufaktion!

Seit vergangenen Sonntag ist das mit dem RWE und den Kommentarspalten mal wieder so wie manchmal in einer ganz normalen Familie kurz vor Weihnachten: Die Vorfreude wurde getrübt, weil einer aus der Familie (Hier: Mannschaft RWE) Mist gebaut hat. Darüber können oder wollen sich andere Familienangehörige, die oft und gerne schlechte Stimmung verbreiten (Hier: Die üblichen Verdächtigen), einfach nicht beruhigen. Und nun soll morgen Abend gemeinsam das Fest (Hier: 1. Runde DFB Pokal) gefeiert werden, so als ob Wuppertal nicht stattgefunden hat. Inklusive Vorfreude. Kaum vorstellbar für so manchen.

Aber warum eigentlich nicht? Zur realen Weihnachtszeit klappt das auch auch jedes Jahr aufs Neue und kommen Unstimmigkeiten (sofern denn vorhanden) erst nach den Geschenken und frühestens am zweiten Feiertag wieder auf. Vielleicht gibt es ja morgen für alle Geschenke (Hier: Aufopferungsvoller Kampf Mannschaft RWE). Auf jeden Fall gibt es volle Hütte, Flutlicht und gutes Bier.

Wuppertal liegt definitiv noch schwer auf der Seele und erst das Heimspiel gegen die Kölner Zweitvertretung wird die daraus gezogenen Lehren zeigen. Wird Wegweiser sein für die nächsten Wochen im viel wichtigeren Alltag Ligabetrieb. Das sollte uns aber trotzdem jetzt nicht daran hindern, dass Pokalduell gegen Borussia Mönchengladbach einfach als willkommenes Fußballspiel anzunehmen und entsprechend zu begehen. Natürlich in dem Wissen: Die Chance auf ein Weiterkommen gegen einen arrivierten Erstligisten ist jetzt wahrlich keine besonders Große. Also komme ich ja eigentlich schon in Erwartung einer Niederlage an die Hafenstraße; so wie die Fans der Borussia ihrerseits von einem deutlichen Sieg ausgehen. Und von nichts anderem.

Und so stellt sich aktuell die Frage aller Fragen: Schon mit schlechter Laune ankommen, weil: Zweiter Spieltag, die Liga ist (angeblich) mal wieder gelaufen, alle raus! Oder trotzdem mit Vorfreude zur Hafenstraße kommen. Wir haben doch eh keine Chance, aber warum sollten wir diese dann nicht wenigstens nutzen? Wer weiss denn schon, was passieren könnte, bleiben die Rot-Weissen so lange wie möglich ohne Gegentor; nehmen die Tribünen mit und starten auf dem Feld eine „Rückrufaktion“ in Sachen Fanunterstützung? Plötzlich trägt man sich gegenseitig durch das Spiel. Auch das könnte passieren.

Alles Spekulationen und  Hoffnungen natürlich (Der Fußball ist eben doch meistens „Hätte, hätte, Fahrradkette“). Verbunden aber trotzdem einmal mehr mit dem tiefen Wunsch danach, sich davon zu verabschieden, dass sportliche Leistungen durch Beleidigungen oder Schuldzuweisungen in den Kommentaren gesteigert werden können. Das tun sie definitiv nicht. Und das ist auch gut so.

Fußballer und Verantwortliche in Zeiten vor „Social Media“ machen sicher jeden Tag die berühmten drei Kreuze, weil ihnen nach schlechten Spielen definitiv viel erspart geblieben ist. Sofern sie es denn gelesen hätten. Was natürlich nicht bedeutet, dass an den Stammtischen und auf den Tribünen seinerzeit weniger gemotzt wurde.

Apropos motzen: Ich würde mir ab und an etwas mehr aktives Coaching wünschen. Ich bewundere unseren Trainer für seine Ruhe und hätte gerne selbst ganz viel davon. Auch braucht es sicher keine wild herumhüpfende „Taxofit Kappe“. Vielleicht jedoch helfen einer Mannschaft gelegentliche Korrekturen inklusive Präsenz in Echtzeit. Man weiß es nicht.

Nach reiflicher Überlegung habe ich mich also nun leichten Herzens dazu entschieden, mich auf das DFB Pokalspiel unter Flutlicht gegen Borussia Mönchengladbach zu freuen. Denn, wenn ich mich nicht freue, wird das Spiel trotzdem gespielt. Und, rein spekulativ: Sollte kurz nach Mitternacht der entscheidenden Elfmeter für uns verwandelt werden, dann hätte ich direkt ein super Geburtstagsgeschenk bekommen. Geradezu unbezahlbar wäre das.

Und nach dem Pokal, dann ist wieder (Niederrhein-)Pokal. Aber dann ist wieder Regionalliga. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass wir kein „Wuppertal“ mehr erleben werden. Lasst uns mal optimistisch werden.

Nur der RWE!

House of Coaches

Natürlich habe ich vollstes Vertrauen in unseren Verein, dass frühzeitig vor Saisonbeginn ein Übungsleiter namens Trainer sein Amt antreten wird. Das vorab. Es sei aber dem freischaffenden Blogger gestattet, ein innovatives Konzept vorzustellen, welches nicht den Aufstieg, aber jede Menge Miteinander verspricht!

Rot-Weiss Essen geht mal wieder seinen völlig eigenen Weg und verpflichtet zur kommenden Saison einfach…..keinen Trainer. Bääähm! Eine Nachricht, die einschlagen wird wie eine Bombe. Aber warum eigentlich nicht? Wir beleuchten einmal die Vorteile eines solchen Szenarios:

Die Mannschaft trainiert sich selbst. Also das mindeste, was man von guten Fußballern erwarten kann. Schließlich ist es ein gemeinsames Ziel, welches verfolgt wird: Das eigene Runde muss einmal mehr in das Eckige des Gegners. Bekannt auch als drei Punkte Übung. Das eingesparte Gehalt wird derweil in Einkaufswagen investiert. Wer weiss, wann wir die mal wieder benötigen.

Da der Trainingseindruck ohne Übungsleiter natürlich etwas schwammig daherkommt, sich erwartungsgemäß alle Kaderspieler selbst aufstellen würden, muss also doch zusätzlich ein wahrer Fußballfachmann ran. Hier kommt nun der RWE Fan in`s Spiel.

Naturgemäß wissen wir eh` immer alles besser, jagen den Trainer vom Hof, oder schreiben ihn, wie [leider] auch hier schon geschehen, direkt ab. Vergleichen ihn gar mit Kartoffeln oder dergleichen. Wir haben also Ahnung, glauben wir. Und so werden wir von Woche zu Woche auf der Facebook Seite unserer großen Liebe abstimmen, welche elf Spieler in der Startaufstellung stehen werden.

[An den Lösungen, wie nun die Taktik und mögliche Einwechselungen bestimmt werden, muss natürlich noch gefeilt werden. Wir bitten um Verständnis]

Mit dieser Idee einer freien Fußballwelt ohne Trainer könnte folgendes erreicht werden: Keine weiteren Kosten bei eventuell vorzeitigen Trainerentlassungen. Keine einseitigen Schuldzuweisungen mehr, sondern müssen wir Fans uns an die eigene Nase fassen, da möglicherweise  falsch abgestimmt und aufgestellt. Die diversen Foren werden glühen. Kein Abreagieren mehr im Stadion.

Nein! Völliger Schwachsinn diese Gedanken. Es bedarf eines Trainers und wir werden einen bekommen. Spannend mal wieder das Ganze.