Monatsarchive: Januar 2011

Ulli, Bernd, Mirko und Matthias. Christian, Ruud, Demba und …..Fußball ?

Das neue Jahr hat uns doch noch gar nicht viel (gespielten) Fußball gebracht. Aber es beschleicht mich ein Gefühl, als ob sich Adi Preißler momentan im Grabe umdrehen dürfte. Sein oft zitierter Ausspruch „Grau ist alle Theorie – entscheidend is auf`m Platz“ hat zur Zeit mächtig an Bedeutung verloren. Natürlich ist es nichts besonderes, wenn es hinter den Kulissen hoch her geht, Personalwechsel anstehen respektive Trainerköpfe rollen. Nur momentan erleben wir den Fußball in einer vierten Dimension: Es brodelt an vielen Stellen und, das ist ganz neu: Oftmals weiß keiner mehr warum, so kommt es mir jedenfalls vor.

Umdenken ist angesagt bei Fans und Journalisten: Das Spiel, dieses wunderschöne.. oftmals nur noch die Randerscheinung im Fadenkreuz der Offiziellen und Verantwortlichen. Beispiel FC Bayern: Im Spielbericht sind die „Außenstehenden“ Louis van Gaal und Uli Hoeneß öfter im Bild als manch Spieler. Das geht dann so: Spielszene – Schwenk van Gaal – Schwenk Hoeneß – Gestik und Mimik wird kommentiert – Schwenk zurück…kurz wenigstens… Aber kann noch irgendwer rekonstruieren, worum es nun im Detail geht? Sicher auch um einen Torwartwechsel, der augenscheinlich ohne sportliche Not vorgenommen wurde. Vorrangig aber doch nur um Macht. Und ich ertappe mich dabei, wie ich als Außenstehender abrücke von einem Uli Hoeneß, trotz meiner Sympathie für seine soziale Ader. Der Verein hat einen Top Trainer, der stur seinen Weg geht und endlich einmal die Stirn hat, den Granden in München selbige zu bieten. Das macht sogar Herrn Beckenbauer sprachlos, denn jener hat bis dato noch keinen flotten Spruch zur Situation riskiert (und auch Lothar M. hat sich noch nicht zu Wort gemeldet). Ende offen.

Oder Hannover, was wird da den Journalisten als Diktat auferlegt ? Kollektiver Jubel in allen Gazetten ist doch angezeigt ob einer Saison, wie sie Fußball Hannover noch nicht erlebt hat. Das die Beziehung zwischen Trainer, Manager und Präsident eher einem Trio Infernale denn einem flotten Dreier gleicht, ist ja hinlänglich bekannt. Nur heilt doch oft der sportliche Erfolg die zwischenmenschlichen Vertragswunden. Nein, in Hannover dieser Tage eben nicht. So wurde auch hier, scheinbar ohne Not, der Torwart ausgewechselt. Gerade an dieser Stelle hebe ich den moralischen Zeigefinger: Wenn es die sportliche Situation nicht zwingend erfordert, hätte ich nicht jenen Torwart gewechselt, der unter einem emotionalen Druck stand, wie ihn vorher noch kein zweiter Torhüter erlebt hat. Florian Fromlowitz hat diesem Druck standgehalten und wenn der Trainer nicht mehr weiß, wie groß dieser war, dann sollte sich Herr Slomka einmal die Bilder der letzten Saison aus Bochum anschauen. Direkt nach Abpfiff. Natürlich aber können Gründe vorliegen, die sich dem Außenstehenden verschließen.

Augenscheinlich sind aber immer mehr vertraglichen Abgründe, in die sich der Fußball hineinmanövriert hat. Oder siegt die Gier über die Gabe, auch einmal zufrieden zu sein, mit dem was man hat? Wie viele Fußnoten muß beispielsweise jener Vertrag haben, den Mirko Slomka in Hannover unterschreiben würde? Geraten Jahre im Abseits durch eine gute Saison direkt in Vergessenheit, um auf scheinbar attraktivere Trainerstationen zu hoffen? Der Schuß kann ganz schnell nach hinten losgehen, und anstatt in Hamburg oder Wolfsburg auf der Bank wird gestempelt. Der Gang zur Arbeitsagentur bleibt Ruud van Nistelrooy wohl erspart, allein auch ihn drückt der Torschuh, dem Armen. Möchte er doch zu dem Verein, der um ihn wirbt. Ich glaube, das ist exakt jener Verein, der ihn vor einigen Monaten quasi abgeschoben hat. Um gegen nun mögliche Vorgehensweisen des wechselwilligen Spielers gewappnet zu sein, sollte der HSV bei Demba Ba nachfragen. HSV ? Genau, die Perle aus Hamburg, Dino der Liga und doch zur Zeit eher ein Schwank aus dem Ohnsorg Theater. Matthias Sammer war es, der den Hamburgern erst seine Bereitschaft und dann die lange Nase zeigte.

Es wird Zeit, das der Fußball wieder in den Mittelpunkt rückt. Und in diesem Sinne: Der RWE hat am Wochenende zwei Testspiele gegen höherklassige Teams verloren und der SV Eintracht sein erstes Ligaspiel im neuen Jahr gewonnen. Ohne Nebengeräusche.

Warum ich Schalke auch nicht mag.

Es war 1996, vielleicht auch 1997. Es war zudem eine junge Liebe, die Zuneigung zum Ruhrgebiet und ein grüner VW Polo mit Faltschiebedach. Soweit die Protagonisten eines unvergesslichen Bundesligaspieles. Eines, welches auf der Heimfahrt nach einem Wochenende im „Pott“ quasi gleich neben der Autobahn angepfiffen werden sollte, so das Autoradio. Ort des Geschehens, genau: Das Parkstadion in Gelsenkirchen. Man kann ja mal eine Ausnahme machen, Bundesliga halt. Gegner seinerzeit war der VfB Stuttgart.
Viel wichtiger aber war nun ein Parkplatz, wir waren ja spät. Das zu erwähnen ist wichtig, denn sonst wäre es ja nicht spontan gewesen. Machte aber nichts, denn ein Arbeitskollege erzählte immer von einem Geheimtipp. Natürlich kannte ich den Straßennamen nicht wirklich. Ich wußte ja auch keinen besonderen Grund, mir diesen zu merken. Bildete mir einfach ein, genau da, wo ich das Fahrzeug abgestellt hatte, war der Geheimtipp. Da stand nämlich sonst kein Auto und recht nah am Stadion war es auch noch. Stutzig machte mich das aber nicht. Geheimtipps sind eben deshalb Geheimtipps, weil sie kaum einer kennt. Das Spiel war dann doch nicht so unvergesslich. Gegengerade, ziemlich weit unten und auch weit weg.
Das Parkstadion konnte getrost vor Abpfiff verlassen werden, genug der Spontanität. Man mag es vielleicht schon erahnen, denn es ging spontaner weiter als geplant: Dort wo unser kleines Auto stand, befand sich nun eine Lücke. Es war weg. Ohne uns gefahren. Oder worden. Und ob dieser Umstand nicht allein schon schlimm genug war, befanden wir uns ja noch drei Jahre vor der Jahrtausendwende. Will sagen: Wir hatten doch nichts, und schon gar kein mobiles Telefon. Einzig eine Telefonzelle in der Nähe versprach Hoffnung. Das Kleingeld bekamen wir von abwandernden Schalkern zuzüglich entsprechender Kommentare. Trotzdem vielen Dank. Die Polizei ließ sich viel Zeit, rein vom subjektiven Empfinden her, und konnte erst nach langen Minuten das Ergebnis der Recherche bekanntgeben: Meine Vision von einem Geheimparkplatz war der Radweg und da hat ein Auto, wenn auch noch so klein, nichts zu suchen.
Viele Münzen später hatten wir endlich die Adresse des abschleppenden Unternehmens. War ja klar, ein Hinterhof in Gelsenkirchen. Zu erreichen nur mit einem Taxi. Der Fahrer hatte seine helle Freude an unserer Misere und fuhr natürlich extra langsam. Aber auch das konnte vielleicht wieder nur das subjektive Empfinden sein. Müßig zu erwähnen, das auch das Abschleppunternehmen noch für seine Dienste ausgelöst werden wollte. Es war so gegen 23.00 Uhr, als wir endgültig diese, für uns ungastliche Stadt verlassen konnten. Spielende war natürlich wie damals fast immer um 17.15 Uhr. Ich war seit dieser Zeit genau dreimal in Gelsenkirchen im Stadion (Arena): Mit U2, dem RWE und zur WM 2006. Und jedes Mal denke ich an den geheimen Geheimparkplatz. Mittlerweile natürlich mit einem lachenden Auge. Damals definitiv ein weiterer Grund (nach dem Bundesligaskandal von 1971), den FC Schalke nicht zu mögen.
(„…………Dem Verein Rot-Weiss Essen, der 1971 wegen der Manipulationen anderer abgestiegen war, wurde keine Wiedergutmachung gewährt……….“)

Hallenfußball ist doof.

Das letzte Saisonspiel des RWE datiert vom 26. November 2010 . Der 1. FC Kleve wurde mit 4:0 bezwungen, und live vor Ort beschlich mich manchmal das Gefühl, Mannschaft und Zuschauer haben sich an den Umstand gewöhnt, in der Tabelle von oben zu grüßen. Nun bot die Klever Mannschaft aber auch wirklich nicht die Gegenwehr, um größere Emotionen aufkommen zu lassen. Das es bis Dato nun das letzte Saisonspiel sein sollte, damit konnte so abrupt nicht gerechnet werden. Ironie des Schicksals: Es hat nicht einmal stattgefunden! Der 1.FC Kleve hat seine Mannschaft mit sofortiger Wirkung aus demlaufenden Spielbetrieb zurückgezogen, die Spiele wurden annuliert und jene drei Punkte und vier Tore des RWE somit für den….also nicht mehr in die Tabelle eingerechnet.
Keine Spiele mehr im Jahr 2010, aber noch eine Mitgliederversammlung. Anfang Dezember, schon in adventlicher Stimmung, wurden den anwesenden Mitgliedern Fakten präsentiert, die manch Mitglied glücklicher gemacht haben dürften, als ein Geschenk unter dem berühmten Baum. Einen Insolvenzverwalter geradezu euphorisch und dankbar an das Rednerpult zu begleiten, davon träumt Peter Zwegat nachts. Kein grundloser, gar hämischer Applaus. Ehrliche Freude und Dank für ebenso ehrliche Arbeit war es, die Herrn Kebekus dort entgegenschlug. Schließlich stehen die Zeichen mehr als gut, daß das Planinsolvenzverfahren im April/Mai dieses Jahres abgeschlossen werden kann.Der RWE wäre dann komplett schuldenfrei, vielleicht das erste Mal seit 1907. (Wie das bei den Summen funktionieren kann, bleibt mir allerdings ein Rätsel).
Richtig interessant fand ich die Zahlen zur bisherigen Saison im Vergleich zur Vorsaison (Das Zahlenwerk habe ich mir bei Reviersport abgeguckt): Jeweils 20 und 49% mehr aus Spielbetrieb und Handel (Fanartikel?) finde ich beachtlich, wird doch eine Liga niedriger gespielt. Die Reisekosten halten sich natürlich in Grenzen (Homberg oderHomburg, das macht schon einen Unterschied und tragen zu den 73% geringeren Aufwandskosten an Spieltagen bei) und auch wir Fans haben sicher mehr investiert, um unseren Verein zu unterstützen. 9% weniger Lohn/Gehalt für die Verwaltung tun mir weh, haben alle dort arbeitenden sicher mehr für den RWE gegeben, als viele Spieler und Präsidenten zusammen. 54% geringere Werbeeinnahmen stehen dann in Wechselwirkung zu der regionalen Spielklasse. So richtig gestaunt habe ich dann aber bei der Zahl, die den finanziellen Aufwand für die erste Mannschaft umschreibt. 77% weniger Lohn und Gehalt als in der Regionalliga, in Worten: Siebenundsiebzig! Alles Mölders oder was? Ich gehe doch hoffentlich davon aus, daß auch die Spieler der derzeitigen Mannschaft nicht nur für das stolze Wappen auf der Brust spielen, denn dann sind alle bekloppt. Positiv natürlich. Ja aber was hat der RWE dann im letzten Jahr und all die Jahre davor diesen Legionären auf Stollen nur bezahlt? Das konnte doch nicht gut gehen. Die Verantwortlichen für dieses Gebaren sollten sich in Grund und Boden schämen. Da gilt es in Zukunft besonders gut aufzupassen. Dieser „Low Budget“ Truppe kann gar nicht genug Respekt gezollt werden.
Das Jahr 2010, eine Achterbahnfahrt für den RWE, die seinesgleichen sucht. Wieder eine bescheidene Saison, wieder Zerwürfnisse zwischen Fans und Mannschaft, negative Bescheide in Sachen Stadion, Hohn und Spott aus den Nachbarstädten, mediales Prachtexemplar für all die gescheiterten Traditionsvereine…..All das mündete in der Insolvenz und war in der zweiten Jahreshälfte doch eine Wiedergeburt, die seinesgleichen sucht. Ok, bis auf einen natürlich. „Unkaputtbar! war auf einmal das trotzige Kommando, unter dessen Flagge sich regelmäßig mehr Fans an der Hafenstrasse einfinden als nebenan in der zweiten Bundesliga. Und dann kamen sie zurück, all die glücklichen Zufälle, die zu einer Erfolgsstory zwingend dazugehören: Das Tor des Monats von Alexander Thamm brachte direkt nach dem ersten Spieltag den RWE zurück in den bundesweiten Fokus. Mit Dr. Michael Welling betrat ein Vorsitzender die Bühne, der frank und frei behauptete, mit RWE noch nicht viel am Hut gehabt zu haben, aber nun Lust darauf hat und sich auch an verkrusteten Strukturen heranwagte. Die Fans zogen mit und legten Hüls und Co. nicht, wie bisweilen befürchtet, in Schutt und Asche sondern belebten den Mythos neu. Und dann ging etwas, was über 20 Jahre nicht gehen sollte, aus welchen Gründen auch immer und sogar nicht in irgendeiner Form den Schalkern in die Schuhe zu schieben: Das Stadion wird nun doch gebaut und auch aus Düsseldorf kam kein Veto mehr. Man muß das alles nicht verstehen, und jeder RWE Fan glaubt erst an das neue Stadion, wenn dort angepfiffen wird. Aber es passte in das Bild der zweiten Jahreshälfte. Abgerundet wurde der neue Gesamteindruck durch Reportagen im ZDF und,und,und.
Tja, das macht doch Lust auf das Jahr 2011 und birgt genau da auch die Gefahr. Was, wenn dieser Synergieeffekt nun eine Unterbrechung erfährt, die Mannschaft schlecht aus der Pause kommt und zwei bis drei Niederlagen am Stück kassiert? Bleiben die Fans bei der Stange, oder schlägt dann die öffentliche Meinung an diesem emotionalen Hochofen Hafenstrasse in`s Gegenteil um? Ich glaube es nicht, denn der Trainer hat einen Plan. Keinen Matchplan vielleicht, aber er weiß um seine Mannschaft und kennt die Spieler schon etwas länger. Der Aufstieg ist machbar und dann, erst dann beginnen die wirklichen Probleme: Verstärkungen müssten her, aber bezahlbar und in das Kollektiv passend. Die Gegner liegen nicht mehr um die Ecke, und da können die Fans nicht mehr so in Scharen folgen und jedes Spiel zum Heimspiel machen wie bisher in der Saison. Das kann also schnell mal wieder Abstiegskampf bedeuten. Aber, das ist Musik von Morgen und was soll ich mich darum kümmern. Genießen wir den RWE dieser Tage, eine tolle Mannschaftt auf traditionsreichem Boden. Quasi umgeben und auferstanden aus Ruinen, aber ein besserer Botschafter für den Verein als manch anderer. Der Verein hat viele, schwere Fehler gemacht und nun dafür bezahlt. Endlich, vermag ich so zu denken, denn nur so besteht die Möglichkeit, der Tradition endlich neues Leben einzuhauchen. Der RWE, sicher war er wer. Und er wird auch wieder wer. Aber zwischendurch hat er sich verloren. Willkommen zurück.