Kategorie-Archiv: Roadmovie

Geht wieder los.

Ein Fan des VfL Bochum hat mal festgestellt, dass die Phase vor Saisonbeginn durchaus mit Hoffnung verbunden ist. Wenigstens für die ersten drei Minuten des ersten Spiels. Danach könnten die Ziele eines Fans nachverhandelt werden. Nach dem Auftakt bei der Dortmunder Zweitvertretung bleibt festzuhalten: Wir haben nicht nur die ersten drei Minuten überstanden, sondern halten die Hoffnung worauf auch immer im Hinterkopf. Und wir halten auch nicht alle Plakate hoch. Ganz wichtig in Zeiten von Verallgemeinerungen. Wir helfen aber manchmal schon Stunden vor dem Spiel einem älteren Fan wieder auf die Füße, der über selbige gestolpert ist. Kurz nach Mittag. Aus Gründen, was dessen Begleitung zu der Frage veranlasste, ob er wirklich noch ein weiteres Bier vor dem Spiel trinken wolle.

Wir wissen nun nicht, ob erwähnter Fan überhaupt noch etwas von dem darauf folgenden und sehr spannenden Fußballspiel mitbekommen hat; es geht uns auch nichts an. Vielleicht aber stehen kommenden Sonntag wenigstens vor Spielbeginn andere Getränke auf der Karte.

Exkurs:

Wenn man einem Stadion etwas wünschen könnte, dann würde ich der Kampfbahn Rote Erde in Dortmund einen Standort wünschen, wo es nicht vom direkt angrenzenden Koloss Westfalenstadion erdrückt wird. Die Rote Erde an sich ist schon (immer noch) ein wunderschönes Stadion. Man denkt sich beim Spielbesuch einfach die moderne Tartanbahn nebst Diskuskäfig und mit Flatterband/Zäunen abgesperrten Bereiche weg und ist für neunzig Minuten wieder in einer Zeit angekommen, wo vorrangig entscheidend auf`m Platz war. Auch, wenn man dafür doch etwas weiter weg vom Spielfeld sitzt/steht. Die Tribüne mit ihren Aufgängen und Treppen rechts und links, inklusive sanitär bedingter Geschlechtertrennung (Die bei gestriger Fantrennung natürlich nicht einzuhalten war. Der männliche Rot-Weisse musste also bei den Frauen müssen); die Bänke und die Räumlichkeiten im Tribünenbauch: Einfach schön und gepflegt.

Ebenso alt wie die Tribüne dürften dort auf der Gästeseite die angebotenen Frikadellen im möglicherweise noch älteren Brötchen gewesen sein. Das aber nur nebenbei.

Der schönste Bereich in der Kampfbahn Rote Erde ist für mich jedoch der Eingangsbereich mit seinem schönen Stein, dem Biergarten und der Heimkurve. Wie schön kann doch der Fußball sein, betrachtest Du jenen aus einer Kurve wie dieser unter prächtigen Bäumen. Die nicht nur Schatten spenden, sondern gelegentlich auch das Lied des Windes singen. Ein harmonischer Dreiklang, der dem Fan nicht nur einen schönen Einlass beschert, sondern auch Gelegenheit, um noch lange nach den Spielen unter Gleichgesinnten über das gerade Gesehene zu fachsimpeln. Jedes Stadion sollte einen solchen Biergarten besitzen und über Dächer aus Bäumen verfügen, die im Herbst ein noch schöneres Farbenspiel bieten. Und auch hier: Natürlich ist das Spielfeld weit entfernt. Aber, hier darf man sein. Ich hoffe, der BVB erhält diesen Stadionbereich mindestens so lange, bis das Geld endgültig den Fußball zerstört hat und keine Fans mehr benötigt werden.

Während der neunzig Minuten gestern blieb aber keine Zeit mehr, sich weiter in düsteren Gedanken rund um den Fußball abseits des Rasens zu verlieren. Von Beginn an gingen beide Mannschaften trotz der schwülwarmen Witterung ein sehr hohes Tempo. Von Beginn an legte unser RWE eine Leidenschaft zu Tage, die man vielleicht etwas länger nicht mehr gesehen hatte. Manche munkelten sogar, auch sehr viel länger schon nicht mehr. Von Beginn an sorgten zudem beide Fanlager für eine nimmermüde Unterstützung. Es machte Spaß zuzuschauen. Sorgen bereiteten anfangs noch die Standards, lag hier doch unsere Schwachstelle. Aber, Trainer und Mannschaft schienen ihre Lehren aus dem Steinbach Spiel gezogen zu haben: Alles gut, alles schick. Die Roten gingen also durchaus verdient in Führung, um durch einen Elfmeter den Ausgleich zu kassieren. Da keine große Reklamation unsererseits folgte, gehe ich mal von einem berechtigten Pfiff aus. Allerdings hatte der Unparteiische definitiv seine ureigenen Schwachstellen, sorgte er doch auch für manch unerklärlichen Pfiff. Oder pfiff erst gar nicht, obwohl die ein oder andere Dortmunder Hand im Spiel war. Aber, als Gegner des Videobeweises rege ich mich nicht mehr lange darüber auf und habe somit die Tatsachenentscheidung zu akzeptieren. Wenn auch nur lautstark fluchend. Aber, auch das ist ja Fußball. Noch darf man fluchen.

In der zweiten Halbzeit wurde das Spiel noch intensiver als es eh schon war. Den Einsatz nun hauptsächlich an unserer neuen Nummer 10 mit Namen Pröger festzumachen täte den anderen Spielern natürlich unrecht, aber was er alleine für ein Lauf- und Grätschpensum abgeliefert hat: Chapeau! Ich wäre tot umgefallen, jede Sauerstoffmaske käme zu spät.

Ach, Herr Siewert: Das war übrigens Hafenstraßenfußball, wie wir ihn verstehen und meinen!

Kein Ball wurde verloren gegeben. Der Pröger also kein „Dröger“ sondern vielleicht der so erhoffte Gute. Alle liefen weiter und auch der schnelle Rückstand nach der Pause tat dem Einsatz und Willen keinen Abbruch. Das war aber auch ein schönes Gegentor. Die Weitschüsse, sie gehören noch lange nicht auf das Abstellgleis. Abgezogen und einmal oben in den Winkel gedonnert. Fußball, Du kannst so herrlich sein, selbst bei einem Gegentor. Das Spiel also weiter gallig und voller Spannung; gelegentlich bildeten sich gar Rudel, nur um sich dann wieder das Wasser zu teilen.

Dazu diese kleinen zwischenmenschlichen Szenen, die zeigen ob man eine Mannschaft auf dem Platz sieht oder nur Angestellte: Die Art, wie ein Spieler nach einer guten Situation gefeiert wurde; die Geste von Benni Baier nach seinem Ausgleichstor in Richtung Daniel Engelbrecht. All das tat gut und führte letztendlich zu einem mehr als verdienten 2:2 Endstand. Drei Punkte wären aber unter dem Strich trotzdem verdient gewesen. Hier darf ein gewisser Anteil dem Unparteiischen zugesprochen werden. An der Leistung von Rot-Weiss Essen hier und heute gab es jedenfalls nichts zu mäkeln.

Das sahen auch die anwesenden Fans so und verabschiedeten ihre Mannschaft mit langanhaltendem Applaus. Natürlich: Es ist erst der erste Spieltag und nichts darf überbewertet werden. Aber vielleicht ist jetzt erst der Schaden inflationärer Zu- und Abgänge behoben und kann es endlich wieder die Mannschaft des RWE auf dem Feld schaffen, den Verein zu vereinen.

Das gestern war ein guter Anfang. Und wir alle brauchen so dringend auch mal ein gutes Ende. Auf und neben dem Platz.

Nur der RWE!

Draußen nur Kännchen

Rot Weiß Oberhausen – Rot Weiss Essen 2:0. Der Rest ein Roadmovie, welches mit dem geplanten Spielbesuch nichts mehr gemein hatte. Oberhausen wurde heute nicht erreicht! Arnd Zeigler hat sein „Kacktor des Monats“. ISDT ab sofort die Rubrik „Kacktag des Monats“. Erster Anwärter in Ausführung und Spielergebnis: 1/9/13Kacktag des Monats

"Roadmovie Zürcher Südkurve"….der Text

Es wäre schlicht gelogen zu behaupten, den Urlaubsort nicht automatisch auf ein Fußballspiel hin zu „überprüfen“. Für den Zeitraum des Aufenthaltes natürlich. Zürich bot da gleich zwei Möglichkeiten, ein Spiel der höchsten Schweizer Liga zu besuchen. Die Grashoppers gegen Lausanne Sports, oder den FC Zürich gegen den Aufsteiger Servette Genf. Der FCZ und seine weit über die Grenzen hinaus bekannte Zürcher Südkurve bekam den Zuschlag. Zudem ist auch der zur EM 2008 komplett umgebaute Letzigrund das traditionelle Heimstadion des Stadtclubs, während GC sich seit Abriss des eigenen Hardturm nur als Gast wähnt. Und bei einem Verein, dem der Ruf des Arbeiterclubs vorauseilt, bin ich sicher auch besser aufgehoben.

Urban geblieben, also das Umfeld rund um das Stadion. Es ist nicht so, das bei einem Besuch von 9200 Zuschauern die öffentlichen Verkehrsmittel zum Bersten gefüllt sind. Aber das Viertel vor dem Bereich der Südkurve füllte sich stetig. Vor vielen Kneipen, Bratwurst- oder sonstigen Ständen versammelten sich die aktiven Fans. Hafenstrassen- Ambiente machte sich breit. Die Identifikation mit dem FCZ drückt sich auch optisch aus, denn so ziemlich jeder Fan trägt die Farben des Vereines. Entweder die ansehnliche offizielle „Streetwear“ Produktpalette, oder die der eigenen Gruppe. Der Schick der Sonnenbrillen und die Leichtigkeit der Seidenschals zeugen zudem eher von der Nähe zu Italien als zur Kutte. Wobei auch ein niederländischer Einschlag zu inhalieren war. Das ziemlich offen und fast an jeder Ecke. Keine Spur jedoch von aggressiver Stimmung. Polizei oder private Sicherheitsdienste waren kaum zu sehen oder hielten sich bewusst zurück. Und Genf ist nicht Basel.

Im Stadion selbst herrscht optimale Sicht, trotz Tartanbahn. Sanft steigen die Ränge nach oben hin an, edel in den Materialien und Optik der Gesamteindruck, ohne zu mondän zu wirken. Fußball passt so gerade noch hinein, dafür sorgt auch das Wohnquartier drumherum. In etwa zu einem Drittel war der Letzigrund zu Spielbeginn gefüllt, was den Blick oft auf leere Blöcke schweifen lässt, steht man selbst in der gefüllten Heimkurve. Der Bochum- Effekt sozusagen. Um das Spielfeld herum verrichteten handverlesene 12 Pressefotografen ihren Job, auch sonst war der Innenraum im Vergleich zur Bundesliga leer. Sepp Blatter war dankenswerterweise auch nicht da. Angenehm auch das Prozedere vor Spielbeginn, eigentlich kaum vorhanden. Die Fans können sich einsingen und zu Spielbeginn gibt es reichlich Fahnen zu sehen. Aus Genf sind geschätzte 300 Fans vor Ort, kaum zu hören aber ständig in Bewegung.

Über das Spielgeschehen der ersten Halbzeit mache ich von meinem Recht, zu Schweigen Gebrauch! Auf einer eigenen Skala zwischen Champions League im TV und NRW Liga live im Stadion würde ich gefühlt bei Regionalliga stehenbleiben. Die Saison ist aber auch in der Schweiz noch sehr jung, da verzeiht man noch einiges. Die zweite Halbzeit bot dann wesentlich mehr: Fünf Tore, zwei für den FCZ und derer drei für Servette sorgten für den 2:3 Endstand. Einhergehend mit einer spielerischen Steigerung um einige Ligen auf besagter Skala. Übrigens: Die melodischen Gesänge waren leiser als erwartet, aber dafür durchgängig. Zu keinem Zeitpunkt war es komplett ruhig im Stadion. Abseits der Stimmungsblöcke wurde aber so gut wie nie unterstützend eingegriffen. Dafür nach Schlußpfiff bisweilen kräftig gebuht. Es ist also auch hier wie fast überall: Diejenigen, die anfeuern sehen wenigstens den Einsatz und applaudieren dafür. Aber diejenigen, die 90 Minuten schweigen, werden erst nach Spielschluß laut: Gegen die eigene Mannschaft. Fußball als Sinnbild für schwarz/weiß Denken!

Am kommenden Mittwoch spielt „Dä Stadtclub vo Züri“ übrigens in der Qualifikation zur Championsleague bei Standard Lüttich. Mit der Leistung von Samstag wird dort kaum zu bestehen sein. Ich drücke aber der mitfiebernden Verwandtschaft feste die Daumen. Daumen hoch auch bei den Preisen. Die sind nämlich so! Aber die Preisgestaltung der Liga liegt sicher auch dem grundsätzlich hohem Preisgefüge in der Schweiz zugrunde. Nach Spielschluß entlässt der Letzigrund die Besucher durch seine Bauweise recht schnell wieder auf die Straße und auch die öffentlichen Verkehrsmittel stehen schon parat. Ein schöner Abend, verbunden mit der Erkenntnis, das ein neues Stadion auf jeden Fall viele Vorteile bietet, vor allem wenn die Planer es schaffen, einiges an Erinnerungen mit hinüber zu nehmen.