Kategorie-Archiv: RWE

Totgesagte leben länger

Moooooment: Zu den Gefühlen der letzten Tage komme ich noch später im Text und bediene mich dazu in Auszügen der letzten Kolumne. Was ich mich aber gerade komplett irritiert, sind die Abgesänge der 11Freunde und von Liga3-Online auf unseren RWE. Unter der Überschrift lesen sich beide Artikel durchaus zugewandt, lassen bisweilen Bedauern erkennen und beziehen sich auch auf auf das kranke Ligensystem hierzulande, soweit, so gut.

Aber scheinbar wurde sich hier auch der Glaskugel bedient. Zumindest im Hause unser aller 11Freunde! Während man RWE bei Liga3 wenigstens noch auf dem bestem Wege dahin wähnt, einmal mehr am Aufstieg zu scheitern, wird man im Hause der gehobenen Fußballkultur nach dem späten Ausgleich der Kleeblätter direkt beerdigt. In Sachen Aufstiegshoffnungen natürlich nur. Des Artikels erster Satz: Rot-Weiss Essen wird auch nächste Saison nicht in der 3.Liga spielen. Werden wir doch, antworte ich mal ganz patzig darauf!  

Es sind gute und wichtige Artikel, und ich denke, dass sich beide Redaktionen weniger über eine weitere Zweitvertretung in der dritten Liga freuen, als über einen Verein der „Kategorie E“ (Gleiches dürfte für alle anderen Staffeln gelten) zum Beispiel. Das was mich also wirklich ärgert, ist der frühe Zeitpunkt der Trauerreden. Es sind noch zehn Spieltage zu spielen. Da kann man noch bis zu dreißig Punkte sammeln. Das ist ja viel aufregender als Ostern. Und wenn es ganz dramatisch kommt, mischen sich auch noch die schwertlosen aus Münster ein, könnten am Ende allen eine lange Nase zeigen und ihrerseits aufsteigen.

Wenn beide Artikel aber vielleicht nur so eröffnet wurden, um unsere Mannschaft noch einmal richtig zu motivieren, dann ist das in der Tat wahrlich gelungen. Ich würde die ersten Abschnitte vergrößern, kopieren und in der Kabine auslegen. Zehn Spieltage vor Saisonende ist die Messe in dieser Liga noch lange nicht gelesen. Den Deckel drauf machen wir erst, wenn rechnerisch nichts mehr geht! 

Ahlen:

Nach dem Auftritt auf seifigem Untergrund im schummerigen Licht von Ahlen war man natürlich in der Tat mehr als bedient. Der eigene Kompass nach Abpfiff ziemlich gestört. In etwa so wie die Kamera unter dem Dach der Tribüne des Wersestadions, die auch nicht immer auf Ballhöhe war sondern oftmals sinnlos umherfokussierte.

Den Abpfiff in Ahlen habe ich nicht mehr mitbekommen, da kurz vor Schluss aus dem Stream ausgestiegen. Wenn man so lange dabei ist, kann man durchaus schon mal ein Spiel „lesen“ und weiss, was noch passiert. Und so war dann auch der späte Siegtreffer für den Tabellenletzten die logische Konsequenz eines Spiels, welches man nie und nimmer hätte verlieren dürfen. Zu verlieren ist grundsätzlich überhaupt kein Problem, allein die Art und Weise hat mich aber in eine Art Schockzustand versetzt, in dem ich reflexartig und direkt alle eigenen sozialen Kanäle deaktiviert habe. Schließlich weiß man, was nach Niederlagen bei Twitter, Facebook & Co. Mannschaft und Umfeld an ungefilterter Wut ins Gesicht getippt wird. Derlei will ich nicht mehr lesen.

Kolumne

Sinnlos einmal mehr die Anfeindungen im Nachgang eines nicht gewonnenen Spiels. Versuche, unsere Spieler auf ihren persönlichen Accounts in direkten Nachrichten anzugehen sind spätestens ein „No Go“. Da wird eine rot-weisse Linie überschritten. Es ist ja schon unfassbar, was nach einem Spiel wie das in Ahlen in den Kommentarspalten gewütet wird. Vielleicht ist es eines Tages technisch machbar, eine Beleidigung vor dem Absenden noch einmal zu hinterfragen. Drei Sekunden Bedenkzeit können manchmal eine Menge bewirken. Fakt aber: Es sind nur wenige. Leider sind diese, wie im wahren Leben auch, immer so laut, so dass man die weiter an die Mannschaft glaubende Mehrheit nicht direkt wahrnimmt. 

Oberhausen:

Bis zum Spiel in Oberhausen wurde die eigene Krone wieder gerichtet und in Trotz umgewandelt. Dass das Trikot dann trotzdem nach dem Elfmeter ebenfalls frustriert in den Schrank gepfeffert wurde, lag in der punktuellen Natur der Sache. Dort traf es dann auf das noch zerknülltere Gegenstück aus dem Ahlen Spiel. Der abergäubige Fußallfan in mir stellte sich in Anbetracht der weißen Trikots nun die Frage, ob man vielleicht selbst schuld an den ausgelassenen Punkten dieser Woche gewesen sei. Schließlich hätte ich Auswärts ja auch das „Mauertrikot“ tragen können. Hätte ich nicht, da ich es gar nicht besitze. Das Design irgendwie nicht meins. Dafür quillt der Schrank über in den Farben Rot und Weiß. Der Auftritt in Oberhausen trotzdem couragiert und eine Wiedergutmachung für Ahlen. Auch die optische Aufbereitung des Spiels eine ganz andere als noch Tage zuvor. 

Ach Mensch, es ist schon schade, dass die Euphorie der letzten Wochen und Monate temporär  verflogen ist und viele wieder den Hafenstraßen Blues singen. Man wähnte sich auf Gefühlsebene ja fast auf den Spuren der Frankfurter Eintracht bei ihrer Sause im Europapokal. Nun müssen wir wieder für zehn Spiele in den regionalen „Recall“, und dort so vorspielen, so dass es die Konkurrenz nervös macht und ihrerseits zu Patzern zwingt. Dass es am Ende dann doch noch für den bundesweiten „Liga Drei Contest“ reichen kann, ergibt sich eigentlich schon aus unserer eigenen DNA: Wir können nicht einfach mal so mit einer geilen Saison aufsteigen. Wir sind nicht wie die Bayern und halten schon am siebten Spieltag gelangweilt die Schale hoch. Rot-Weiss Essen braucht stets das ganz große Drama, um zu scheitern oder Erfolge zu erzielen. Am letzten Spieltag, in der letzten Minute oder noch lange darüber hinaus am grünen Tisch. Und genau daher beziehe ich meinen Optimismus, dass wir noch lange nicht beerdigt werden sollten. 

Ein Stelldichein überregionaler Presse mit vielen wunderbaren, teils romantisch verklärten, Artikeln folgte Runde um Runde und Dreier auf Dreier. Wir waren zeitweise das moderne Woodstock des Fußballs, brachten Virtuosität und Leidenschaft eines Jimi Hendrix oder Joe Cocker auf und neben den Platz und Liebe in die Herzen der Fans.

Kolumne

Der nächste Gegner nun das Beste, was der designierte Zweitligist aus der Nachbarstadt aktuell zu bieten hat, nämlich seine Zweitvertretung! Die Roten gegen die Blauen. Ein schwerer Gang mit personellen Veränderungen, der fünften Gelben und einer positiven Testung geschuldet. Der Blick auf die Aufstellung also wieder ein sehr spannender. Möge diesmal die Macht wieder mit uns sein. Das Trikot passt ja auf jeden Fall wieder. Diesmal wird es das frisch gewaschene Heimtrikot mit der Nummer einundzwanzig und Spielernamen Aufstieg sein. Nomen est omen!

Diesen Beitrag nun (aktuell) nicht auf eigenen sozialen Kanälen zu teilen, ist ein bisschen wie Fußball früher, als man nach den Spielen eben im Auto oder an der Theke darüber philosophierte oder das Gesehene runterspülen musste. Fünfzehn Jahre „Im Schatten der Tribüne“, da ist man vielleicht auch ein wenig zu alt geworden, um noch im Haifischbecken der sozialen Medien mitzuschwimmen.

Nur der RWE!

PS: Es gab eine vorherige Version dieses Textes, den ich aus Versehen hier gelöscht habe. Der mir aber sprachlich viel besser gefallen hat, da mit mehr Esprit und einem Stauder getippt. Dies also nur der Versuch, den Text sinngemäß wiederzugeben. 

Der Optimist hat nicht weniger oft unrecht als der Pessimist, aber er lebt froher (Charlie Rivel)

Das war eine ziemlich aufregende Sause über 95 Minuten am Mittwochabend im Stadion an der Hafenstraße. Und ich war heilfroh, als der Schlusspfiff ertönte. Realistisch betrachtet hätte es bei andauernder Spielzeit sonst womöglich noch das zweite Tor für die Borussen gegeben oder der Unparteiische hätte irgendeinen Dummsinn gegen uns gepfiffen. Grund zu dieser Annahme bot die unglaublich beeindruckende Physis der Dortmunder. Da waren zum Schluss Duracell-Hasen unterwegs, denen man gefühlt auch noch Flügel verliehen hatte. Da konnten unsere Roten kaum noch mithalten. Aber, wir sind ja auch keine U23 mehr, sondern schon was älter. Und auch der Unparteiische fiel zu oft oft die Dortmunder Theatralik rein. Lass da dann noch mal kurz vor Feierabend einen im Strafraum den Kieler machen, und wir gucken dumm aus der Wäsche..

Ok, es kam glücklicherweise nicht zu meinen schlimmsten Phantasien, weshalb wir auch von den üblichen Verdächtigen nur Unentschieden-Frust zu lesen bekommen und nicht den noch etwas schlimmer ausgearteten Niederlagen-Frust. Also, wenn man es denn liest. Gottseidank ist dieses Spiel nun endlich gespielt. Nach der Pokalsause war es der nächste Akt, auf den sich alles konzentrierte. Zu sehr für meinen Geschmack. Die mahnenden Stimmen, dass die Saison nach diesem Spiel noch lange nicht vorbei ist, verhallten irgendwo zwischen Berne und Tankstelle. Sie ist es aber nicht, und sie geht weiter. Noch lange weiter. Vielleicht ist es das Gefühl des „Nicht mehr in der eigenen Hand zu haben“, was reflexartig immer für großen Kummer sorgt. In der Tat sind wir, stand heute, auf die Schützenhilfe anderer Mannschaften angewiesen. Aber, dass kann sich mit einem Spiel schon wieder ändern. Und dieses Wechselspiel wird uns noch einige Zeit viele Nerven kosten.

Gefühlt spielen wir gerade die Saison 2018/19 der Premier League nach (von der Dramatik her), als Manchester City und die Reds aus Liverpool eine Saison der Superlative spielten und beide den Meistertitel mehr als verdient gehabt hätten. Wieder runtergebrochen auf unsere Regionalliga bin ich aber mehr als optimistisch, dass diesmal der Titel an die richtige Mannschaft gehen wird, und zwar an unsere Roten! Wir müssen einfach nur weiter optimistisch sein und auch dran glauben, nicht jedesmal in Zweifel ausbrechen. Das ist kaum zielführend. Die Probleme, die auch Mittwoch wieder gut zu sehen waren, sehen die Verantwortlichen doch auch, und wohl auch ziemlich kompetenter. Aber wir können uns auf die Schnelle keinen zweiten Engelmann backen, der das Torverhältnis mal eben optimiert.

Rot-Weiss Essen muss nun als Kollektiv in Lauerstellung liegen und immer bereit ein, jeden Dortmunder Stolperer mit eigenen drei Punkten zu kontern. Dass dabei der jeweilige Gegner nicht nach Tabellenplatz bewertet werden darf, das hat die Elf vom Borsigplatz selbst noch vor kurzem in Ahlen erfahren.

Einwurf:

Fühlt sich dieses Kopf an Kopf Rennen vielleicht auch nochmal nerviger an, weil es sich bei dem größten Konkurrenten um eine Zweitvertretung handelt? Möglicherweise, aber eigentlich haben wir uns ja mittlerweile an die vielen Zweitvertretungen gewöhnt, der langen Verweildauer in der Regionalliga geschuldet. Und manchmal stellen die Zwoten durchaus einen sympathischen Fußabdruck ihres Gesamtvereins dar. Auswärts bei Zweitvertretungen Fußball zu gucken hat immer noch ein wenig von Fußball aus einer anderen Zeit, dafür sorgen oft schon die Austragungsstätten wie in Rheydt oder die „Rote Erde“ (Sofern Ordnungskräfte und Sicherheitsbestimmungen nicht wieder alles vermiesen).

Bei der Zwoten aus Dortmund hat sich das Bild mittlerweile kräftig gewandelt. Mit einem Markwert versehen, der ziemlich exakt im Mittelfeld der dritten Bundesliga liegt, verfügt die Mannschaft zudem über die gewaltige Infrastruktur der Fußballmacht Borussia Dortmund. So gepusht und flexibel in der Frage des jeweiligen Spielfeldes hat man es fast mit einem eigenen Verein im Verein zu tun. Trainiert von einem Trainer, der ohne Frage „Meister“ kann, aber mit seinem Auftreten am Spielfeldrand durchaus einen Platz in der „Kreischgau-Combo“ eines Julian Nagelsmann finden dürfte. Allein für solche Auftritte wünscht man sich sehnlichst die Kulisse auf den Rängen zurück. Dieses hysterische Gekreische, kundgetan durch manch Mannschaftsvertreter auf der Bank oder in der Coaching Zone, treibt jedem E-Jugend Vater am Seitenrand die Schamröte ins Gesicht. Und wie wir alle wissen, wird gerade dort oft über Gebühr sinnlos rumgebölkt. Das hat mit Fußballemotionen nicht mehr viel gemein.

Die Dortmunder Zweitvertretung also gefühlt eine Erstvertretung, denen auf schwarz-gelber Fanebene ziemlich viel echte Liebe entgegengebracht wird. Auch das ein Unterschied zu den anderen „Zwoten“. Natürlich wird vor so einem „Kracher“ auch noch die Chefetage aller Dortmunder Borussen hinzugezogen und zu den Ambitionen mit dem Nachwuchs gefragt. Und ebenso natürlich wird von dort bekräftigt, wie wichtig ein Aufstieg für den Gesamtverein ist, um Talente an die Bundesliga heranzuführen und so weiter und so weiter. Das übliche halt. Keiner würde sich doch in München oder Dortmund vor das Mikrofon stellen und sagen, dass es für den Fußball viel besser wäre, wenn die Zweitvertretungen in einer eigenen Nachwuchsrunde spielen um sich zu entwickeln. Entwickelt haben diese jungen Dortmunder hingegen schon die ganze Palette am Habitus der Profikollegen, lassen sich gerne schon mal bedarfsorientiert fallen, wenn es der Situation zuträglich ist. 

Einwurf Ende.

Es ist nun gespielt, und am Status Quo hat sich durch das Unentschieden im Vergleich zu vor dem Spiel nichts verändert. Aber vielleicht können wir uns alle nun wieder in etwas ruhigeres Fahrwasser bewegen und von Spiel zu Spiel denken. Nicht mehr von Kracher zu Showdown und den vielen anderen Superlativen der vergangenen Wochen. Da wird man ja auch ganz wuschig im Kopf. Die Mannschaft muss malochen was das Zeug hält, und wir sollten optimistisch bleiben. Es geht wie immer nur gemeinsam. Isso!

Niemals aufgeben!

Wer zusammen gewinnt, der auch gemeinsam verliert.

Das sollte unter Sportlern und Fans eigentlich von Haus aus gemeinsamer Konsens sein. Wie wissen aber natürlich alle, dass es leider nicht so ist. Schmerzhaft festzustellen aktuell in den Kommentarspalten nach der ersten Pflichtspielniederlage unserer Mannschaft seit dem 2. Februar 2020. Wenn ich mich in meiner Emotion gerade nicht verrechnet habe, wurde mit dem heutigen Spiel am Flinger Broich seit 389 Tagen wieder das Spielfeld als Verlierer verlassen. Nach dreihundertneunundachtzig Tagen! Soll ich es nochmal schreiben? Bitte: Nach dreihundertneunundachtzig Tagen hat Rot-Weiss Essen mal wieder ein Pflichtspiel verloren.

Und was muss man lesen? Stellvertretend für manch Kommentar darf ich für mich in Auszügen die Krönung der Absurdität vortragen, die ich zu lesen bekam:

„Ihr verspielt uns noch den Aufstieg mit Eurer Rückrunde, dass ist schon vereinsschädigend was Ihr macht. 4 Punkte aus 3 Spielen wie ein Abstiegskandidat. Wenn nicht jetzt was passiert, muss das Konsequenzen haben“.

Facebook

Hier möchte man fragen: Was genau ist daran vereinsschädigend (Ich habe mir erlaubt, die Interpunktion hinzuzufügen)? Und macht ein Abstiegskandidat immer vier Punkte aus drei Spielen? Die Blauen nebenan würden für solch eine Punkteausbeute einiges geben. Und vor allem: Was ist daran vereinsschädigend, wenn man nach, ich schreibe es noch einmal: dreihundertneunundachtzig Tagen ein Pflichtspiel verliert? Das ist aller Ehren wert, aber definitiv nicht vereinsschädigend. Dem Verein schaden kann höchstens eine solche, offen zu Tage gelegte Erwartungshaltung, die keine Niederlage akzeptiert. Und wem verspielt die Mannschaft den Aufstieg? Den, der erst im Mai endgültig entschieden wird? Und uns? Natürlich sind wir alle Rot-Weiss Essen, auch wenn nach solchen Spielen diese Kommentarkultur Zweifel daran gestatten. Aber zuallererst hat sich die Mannschaft an diesem Freitag Abend mit einem Negativerlebnis aus Düsseldorf verabschiedet.

Und sie hat es gar nicht schlecht gemacht, war spielbestimmend. Es gab gute Ballpassagen und der Einsatz hat wie immer gestimmt. Es gab halt dummerweise auch noch einen Gegner, der sich auf das Trefflichste darauf verstanden hat, blitzschnell durch unsere Reihen zu stoßen und daraus drei Tore zu machen. So what? Passiert, nennt sich Sport!

Und Mittwoch bekommen wir vielleicht schon die nächste Klatsche. Ich sach`s ja nur, denn dann könnte man die höhnischen Kommentare schon vorher vorbereiten. Gibt nur ein Problem, wenn wir gewinnen sollten. Dann aber bitte nicht versehentlich die falschen Kommentare abschicken. Sicher ist es dann ja wieder die geilste Mannschaft der Welt, die uns nach Berlin bringen wird, und so weiter und so fort.

Ich bin fast froh, dass unsere großartige Serie gerissen ist. Denn die Mannschaft wurde fast nur noch damit verknüpft. Es bedarf aber auch Rückschläge, um daran wieder zu wachsen und erneut eine Serie zu starten. Man sieht das ja in Gelsenkirchen: Eine großartige Serie wurde durch einen Erfolg zerstört. Dann haben sich alle mal wieder den Mund abgewischt, es wurde einmal durchgeschüttelt und weiter ging es mit der Niederlagenserie. Und so machen das Christian Neidhart und seine Mannschaft nun auch. Natürlich andersherum!

Im Ernst: es ist gut, sich der Last des Unbesiegbaren entledigt zu haben, sich wieder neu konzentrieren und aufstellen zu können. Zudem spielen wir die Saison der Unwägbarkeiten in einer Zeit, die gerade allen so viel abverlangt. Vielleicht, ganz vielleicht, kann man sich dann auch manches Mal einen solchen Kommentar sparen (der hier wirklich nur stellvertretend steht, und keinen an den Pranger stellen will), und der Mannschaft stattdessen für diese dreihundertneunundachtzig Tage danken und ihr die vorbehaltlose Unterstützung weiterhin zuzusichern.

Welche Konsequenzen kann diese Niederlage denn nun haben? Was schwebt dem- oder derjenigen vor? Die einzige Konsequenz kann doch nur lauten, noch lauter „Nur der RWE!“ zu rufen.

Es geht nur gemeinsam!

Em·pö·rung [Substantiv, feminin /die]

Quasi aus dem Nichts kamen heute die genauen Spielansetzungen und TV Übertragungen für das kommende Viertelfinale im DFB-Pokal auf den Tisch. Und was soll man schreiben, außer: Sie haben es wieder getan! Vier Spiele, davon drei frei zu empfangen. Man ahnt: Das Spiel unseres RWE gegen die Kieler Sportvereinigung Holstein gehört nicht dazu. Unabhängig von allem Quotenwahn und der statistischen Erhebung, dass die drei zwei anderen Paarungen (Borussia Mönchengladbach – Borussia Dortmund ganz klar ausgenommen, das ist de facto der Quotenbringer schlechthin in dieser Runde) schon aufgrund der Ligenzugehörigkeit das meiste Interesse hervorrufen und so auch wesentlich besser zu vermarkten/bewerben sind als unsere Partie.

Man sollte sich aber trotzdem einfach auch mal im Rahmen ordentlicher Wortwahl empören dürfen: Rot-Weiss Essen und Holstein Kiel sind keine Unbekannten im Fußball. Verfügen jeweils über eine außerordentlich große Fangemeinde und speziell im Falle von RWE bröckelt der Putz des jahrzehntelangen Frustes von vielen Altfans ab, die sich wieder zuwenden und mitfiebern. Zuzüglich vieler Neufans, die einfach spüren, was an der Hafenstraße für eine Leidenschaft herrscht. Jahrzehntelang haben wir den Verein durch die zig Krisen getragen, nun wird sich revanchiert und trägt uns Rot-Weiss Essen durch diese tristen Zeiten.

Es gibt also neben einer sicher großen Fangemeinde (Im Vorfeld meiner Buchveröffentlichung 2016 gab es eine These, dass der Verein bundesweit über 1,2 Millionen Fans und Sympathisanten verfügt) auch viele neutrale Fußballfans, die sich alleine schon aus Gründen der sportlichen Anerkennung lieber das Spiel von Rot-Weiss Essen gegen Holstein Kiel angeschaut hätten, als die Begegnung des Leipziger Vertreters gegen den VfL Wolfsburg zum Beispiel. Wohlwissend natürlich, dass sie dort den qualitativ besseren Fußball bekommen hätten. Aber RWE und die KSV stehen in diesem Pokalwettbewerb vor allem auch für Dramatik und Leidenschaft. Für bedingungslosen Kampf und das große Quäntchen Glück, was es braucht um gegen scheinbar übermächtige Gegner weiterzukommen.

Die übertragenden Sender haben hier meines Erachtens eine große Chance verpasst: Sie hätten die sportliche Leistung dieser beiden Vereine mit einem Spiel vor größtmöglicher TV Öffentlichkeit adeln können. Doch stattdessen wurde wieder der zu erwartenden Quote Vorrang gegeben. So wurde einmal mehr die Möglichkeit verpasst, auch den Kleinen eine Bühne zu geben, ihnen zu zeigen, dass sie auch dazu gehören. Und es geht auch gar nicht speziell um RWE oder Holstein: Es geht vielmehr darum, dass unterklassige Vereine eigentlich nur noch geduldet werden.

Man möchte allen jetzt am liebsten ein Finale Rot – Weiss Essen/Holstein Kiel gegen den SSV Jahn Regensburg wünschen. Wahrscheinlich läuft das Spiel dann auch nicht im Free TV. Denn nur die Quote zählt!

Schade.

Die fünfte Kalenderwoche: Mittwoch.

Mit nacktem Oberkörper sitzt Felix Herzenbruch vor einer Traube seiner Mitspieler und greift sich fassungslos vor Freude an den Kopf. Dieser Moment kurz nach Abpfiff ist das Bild des gestrigen Abends, denn es umschreibt die Leistung unserer Mannschaft auf das Trefflichste. Völlig platt, das Trikot den Emotionen geschuldet und dann dieser Blick. Diese Szene gehört von einem großen Künstler auf Leinwand gemalt, gerahmt und in den Katakomben der Hafenstraße aufgehangen. Während der „Freilos“ Held aus der Springer Redaktion mittlerweile wohl seinen Hut nehmen durfte, hagelt es von der nationalen- und internationalen Presse Respekt und Glückwünsche für einen solchen Pokalkampf. Und unsere Pokalhelden? Die sitzen wahrscheinlich immer noch mit dem Poppes in der Eistonne, um überhaupt mal runterzukommen.

Auch nach dem Spiel in den Interviews haben die Rot-Weissen weiter fleissig Sympathiepunkte sammeln können. Keine Phrasen dreschenden Redepartner, sondern stolze und glückliche Fußballer, die das in der Form nicht jeden Tag machen. Man muss aber auch konstatieren, dass der übertragende Sender mit Hansi Küpper, Martin Groß und Kollegen*innen ebenfalls eine gute Mannschaft an die Hafenstraße beordert hat. Hansi Küpper kennt die Befindlichkeiten der Hafenstraße und kommentiert das Spiel als solches. Ließ sich zudem von der Dramatik mitnehmen. Bei seinem Kollegen Buschmann hätte ich persönlich ziemlich sicher abgeschaltet.

Man muss sich das vielleicht noch einmal in aller Ruhe und über die gesamte Distanz anschauen, mit welcher Leidenschaft hier das eigene Tor verteidigt wurde. Alles wurde hier in die Waagschale geworfen. Wirklich alles, unter gütiger Hilfe sämtlicher Hilfsmittel wie Pfosten, Latte und was weiss ich noch. Möglicherweise hätte diese Mannschaft im Februar 1836 selbst Fort Alamo für Texas gegen die mexikanische Übermacht gehalten und Geschichte hätte umgeschrieben werden müssen. Zudem hat auch der Angriffsmodus immer wieder aufblitzen können. Allein den Pass von Cedric Harenbrock auf Simon Engelmann hätte auch MacGyver nicht besser basteln können, um sich aus einer ummisslichen Situation zu befreien. Unter dem Strich also ein verdienter Erfolg. Einer für die Ewigkeit.

Diese fünfte Kalenderwoche also bisher ein einziger Erfolg. Die komplette Klaviatur Rot-Weisser Emotionen wurde mehr als einmal rauf und runtergespielt. Wir sind ganz, ganz nahe dran an dieser Seelenverwandtschaft, wie wir sie zum Beispiel mit der 94er Mannschaft um Jürgen Röber empfunden haben.

Das einzige, was uns aktuell aufhalten kann, ist wohl der gepeinigte Rasen. Das wird eine enge Kiste bis Samstag.

Die fünfte Kalenderwoche: Dienstag (Danach).

Man mag sich gerade lebhaft vorstellen, wie Günter Barchfeld und all die anderen Rot-Weissen Seelen dort oben auf Wolke neunzehnhundertsieben stehen und dieser Mannschaft applaudieren. Diese Mannschaft zu begreifen ist nicht mehr in normale Worte zu fassen. Das ist der Inbegriff von „einer für alle und alle für einen“. Bisweilen in bester Handballmanier vor dem Tor festgenagelt, war immer irgendwie ein Bein, ein Kopf, das Aluminium oder auch ganz, ganz viel Glück dabei und konnte die frühe Führung der Werkself verhindert werden. Und dann unser Schnapper: Was für ein Davari, der Daniel. Das Trikot eher Eddingmarker als schön, war es doch der Fixpunkt in diesen packenden hundertzwanzig Minuten. Und wenn der Ball nicht mit seinen Händen zu bekommen war, halfen eben sämtliche anderen Gliedmaßen dabei, das Tor zu verhindern. Lohn der Mühe: Mann des Spiels!

Manches klappte zu Beginn gar nicht, selbst der Regulator irgendwie ohne richtige Bindung zum Spiel. Nur um dann am Ende doch wieder aus unmöglichem Winkel einzunetzen. Man könnte sich jetzt noch weiter darüber auslassen, wie unglaublich passgenau unsere Trainer Personalveränderungen vorgenommen haben und wie genervt sich die Leverkusener immer wieder in der berühmten Körpersprache dargestellt haben. Aber das interessiert morgen keinen mehr.

Was hier und heute bleibt ist das Rot-Weiss Essen, in welches wir uns verliebt haben. Eine Mannschaft, die arbeitet bis zum Umfallen, um auch unser Leben ein wenig glücklicher zu gestalten. Heute gehen wir garantiert alle mit einem Lächeln zu Bett. Liegen bei dem Wetter zwar nicht träumend im Gras, aber haben so unsere Planungen für das Viertelfinale. Für einen Tag ist die Hafenstraße 97a wieder Mythos. Dieser Mythos, der wir so viele Jahre nicht mehr sein konnten, weil immer irgendwas dazwischen kam. Es wird sicher auch jetzt immer mal wieder etwas dazwischen kommen auf unserem Weg. Vielleicht schon Samstag. Aber, das ist heute Abend komplett egal. Wir brauchen endlich nicht mehr von vergangenem Ruhm zu zehren. Diese Mannschaft baut neuen Ruhm für uns und unsere Farben auf.

Man möchte jeden einzelnen Spieler knuddeln. Wenigstens auf Abstand. Das Spiel heute Abend, diese wahnsinnige Mannschaftsleistung, kann die Initialzündung sein für den endgültigen Startschuss Richtung Aufstieg. Das sind natürlich alles Kollegen auf dem Feld. Sicher nicht alles Freunde. Aber Kumpels. Das spürt man. Und sie malochen füreinander im besten Sinne, wie einst auch die Kumpels dieser Stadt füreinander malocht und gegenseitig auf sich aufgepasst haben.

Glückauf Rot-Weiss Essen. Danke für einen weiteren unfassbaren Abend!

Die Fünfte Kalenderwoche: Dienstag (Davor).

Spieltag. Kurze Nacht gehabt, die Gedanken rund um das Runde wollten nicht aufhören. Pyro blitzte vor dem geistigen Auge über der alten Westkurve auf. Selbst der alte Haudegen Rolf Töpperwien lag gefühlt mitsamt des allseits bekannten Kommentars zu seinen bisherigen dreiundzwanzig Berufsjahren mit im Bett. Heute Abend im 18:30 Uhr MESZ ertönt also der Anpfiff zu einer weiteren Episode von David gegen Goliath im DFB Pokal. Gerne nehmen wir die Rolle des Goliath nicht an, aber was sollen wir denn machen, wenn Bayer 04 andauernd verliert, und wir nicht? Wir werden sie aber bestimmt nicht auf die leichte Schulter nehmen. In Christian we Trust! Spieltag unter der Woche zu dieser frühen Anstosszeit bedeutet natürlich auch, seine komplette Logistik zu überdenken: Das Home-Office gilt es pünktlich zu verlassen, um das Fan-Office entsprechend vorzubereiten. Schlechte Zeiten übrigens für das allseits beliebte Wegbier. Wo kein Weg, da auch kein Bier!

Das Stauder sollte also schon im Vorfeld organisiert und gut gekühlt auf Terrasse und Balkon warten, die Zaunfahne genau so drapiert werden wie im Spiel gegen Bielefeld und Düsseldorf. Der Fußballfan also solches lebt ja im Erfolgsfall gerne autistische Züge aus und wiederholt mit Leidenschaft Rituale, die letztes Mal augenscheinlich Glück gebracht haben. Dass das unter dem Strich natürlich kompletter Kokolores ist, wissen wir alle. Aber was wäre das Fandasein ohne diese sich ständig wiederholende Folklore? Dafür leben wir. Das lieben wir! Bleibt somit die Frage der Kleidung. Gerne hätte man natürlich heute auch schon auf der Arbeit Farbe bekannt, aber es ist grad alles kein Wunschkonzert. Somit könnte sich theoretisch schon im Trikot aus dem Bett geschält werden, um nach der Dusche direkt wieder in das Trikot zu schlüpfen. Es sei denn, eine Zoom Konferenz mit Kleiderordnung wartet noch im Laufe des Tages.

Das Trikot der Wahl heute das aktuelle Heimtrikot. Auf der Welle des Erfolges sieht das aktuelle Trikot übrigens von Spieltag zu Spieltag hübscher aus. Das Pokaltrikot selbst wird ja vom Verein zeitnah nachgereicht. Natürlich wäre es schöner gewesen, die heimische Couchkurve in dem selbem Outfit zu entern, wie unsere Jungs das Spielfeld, aber alles gut. Es hat mich ja keiner zum Kauf genötigt. Ich freue mich wie Bolle drauf, das Trikot dann eben im Viertelfinale gegen die Blauen zu tragen (Dann bitte auf Spieltagsschals verzichten. Dies als Notiz an den Verein. Keiner würde so einen Schal jemals wollen). Gestickte Spielpaarung oder Badges, das mag ich einfach sehr.

Schlaf war nicht dolle, Anfahrt fällt flach, Kleidung geklärt! Bleibt die Ernährung: Normalerweise ist heutige Anstosszeit ziemlich exakt die Zeit, um sich familiär bei Tisch zu versammeln. Es muss also eine Lösung wie im Stadion her. Etwas schnelles auf die Hand als Grundlage für das Stauder. Und überhaupt: Nichts kompliziertes mehr, man ist komplett im Tunnel: Der Fokus auf Rot-Weiss Essen ist einmal mehr gestellt. Vielleicht wird heute nicht nur das Achtelfinale zelebriert, sondern auch angegrillt. Und jemand muss noch mit dem Hund raus. Ich kann heute nicht.

Die fünfte Kalenderwoche: Montag.

Die wohl interessanteste Kalenderwoche seit ewigen Kalenderwochen beginnt direkt mit dem hundertvierzehnten Geburtstag des wohl weltbesten Fußballvereins. Unser aller RWE hat also schon zu Wochenstart allen Grund, sich hochleben zu lassen. Vielleicht kommen Dienstag und Samstag noch schöne Geschenke hinzu. Herzlichen Glückwunsch Rot-Weiss Essen!

Womit wir eigentlich auch schon bei dem sportlichen Ausblick auf die aktuelle Woche wären. Eigentlich. Denn zuvor sollte man durchaus kurz ein Wort zur zweiten Halbzeit im Spiel der vergangenen Woche zwischen den beiden Nachwuchsmannschaften aus Dortmund und Mönchengladbach verlieren: Verhaltenskreativ! Damit dürfte alles beschrieben sein. Diese Woche also nun DFB-Pokal gegen Bayer 04 Leverkusen und Ligaspiel gegen die jungen Borussen. Eine Spielkombination, die in ihrer Intensität sehr viel von unserer Mannschaft abverlangen wird. Vor allem auch im Kopf. Aber, und gerade auch hier, habe ich vollstes Vertrauen in Trainer Neidhart und Mitstreiter, dass diese Aufgaben inhaltlich komplett separiert angegangen werden. Im Eiskunstlauf würde man vielleicht von Kür (Pokal) und Pflicht (Liga) schreiben. Sicher werden auch Worte wie „Woche der Wahrheit“, „Vorentscheidung“ und was weiß ich noch alles niedergeschrieben, um der augenscheinlichen sportlichen Bedeutung dieser Woche für Rot-Weiss Essen gerecht zu werden.

Besonders unter dem Aspekt, dass man nach dem erneuten Sieg der Dortmunder die Tabellenführung temporär vonne Hafenstraße Richtung Borsigplatz abtreten muss. Fakt aber, und da müssen wir uns möglicherweise einfach alle an die Hand nehmen und mantramäßig immer und immer wieder wiederholen: Gewinnen wir beide Spiele, sind wir unter anderem überraschenderweise im Viertelfinale des DFB-Pokals. Aber noch lange nicht aufgestiegen! Verlieren wir beide Spiele, haben wir im DFB-Pokal Großes geleistet und den Aufstieg noch lange, lange nicht verloren! Auch nach Leverkusen und Dortmund geht die Liga weiter, wird Rot-Weiss Essen erfolgreich Fußball spielen (Wenn es das allgegenwärtige Damoklesschwert Pandemie zulässt). Diese fünfte Kalenderwoche des noch jungen Jahres ist seit Monaten der erste wirkliche Stresstest für uns RWE-Fans!

An die Bitternis Abwesenheit notwendigerweise gewohnt, könnte nun auch noch das ungewohnte Gefühl der Niederlage hinzukommen. Dann liegt es an uns, nicht direkt wieder den Weltuntergang auszurufen, sondern Optimismus und Geduld auszustrahlen. Oder eben auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben, wenn beide Gegner nach großartiger Leistung bezwungen wurden.

Das rot-weisse Placebo.

Herzlich willkommen im neuen Jahr. Ich wünsche allen, dass es ein frohes und gesundes Jahr wird. Ein Jahreswechsel der besonderen Art, natürlich in vielfacher Hinsicht. Viele Hoffnungen ruhen in diesem Jahr darauf, dass die virale Depression des vergangenen Jahres in ein vorsichtig optimistisches Jahr gewandelt werden kann. Mit all der gebotenen Geduld und Aufmerksamkeit.

Wer konnte nun ahnen, auf unseren kleinen Mikrokosmos RWE heruntergebrochen, dass ausgerechnet die Kicker vonne Hafenstraße mit für unsere schönen Momente des vergangenen Jahres zuständig waren. Und vor allem dafür, dass wir überhaupt sportlich mehr als optimistisch in ein neues Jahr starten dürfen. Das kennen wir doch gar nicht mehr. Meistens war im Oktober die Sache schon gelaufen, und wurde die Weihnachtszeit mit dem Queen Klassiker „Thank God It’s Winterpause“ herbeigesehnt. Dieses Jahr aber war das Essener Lichtspieltheater an der Hafenstraße unser Adventskalender und die vielen erspielten Punkte ein gern genommener Glühweinersatz. Diese machen auch ohne Alkohol glückselig, bringen warme Wangen und manchmal kommt man vor lauter Freude auch schon mal in den Bereich der verwaschenen Aussprache.

Es läuft also auf vielen Ebenen rund bei Rot-Weiss Essen. Wir sollten jetzt aber aufpassen, dass wir auch hier mit Geduld, Solidarität und Empathie das neue Jahr beginnen. Noch ist ja nichts gewonnen. Der größte Fehler wäre somit zu glauben, dass der Aufstiegsdrops schon gelutscht ist. So einer ist noch nicht einmal produziert, da mischt in der Herstellung mindestens noch ein anderer Verein mit. Mindestens! Was diese Mannschaft aber schon gewonnen hat, ist das Gefühl der unglaublichen Vorfreude auf die Fortsetzung der bisher so erfolgreichen Saison. Das Geschehen auf dem Rasen der rot-weisse Placebo für das Vermissen auf den Tribünen.

Und weil wir gerade alle so viel Freude an und mit unserem Verein haben, waren wir vergangenes Wochenende einmal mehr in der guten alten Sportschau vertreten (bis vor einiger Zeit noch wurden wir doch nur aus der Mottenkiste geholt, wenn es wieder mal an der Zeit war, eine Dokumentation über gefallene Vereine auszustrahlen). Es stand bekanntlich die Auslosung zum Achtelfinale im DFB Pokal an. Ganz selten gibt es übrigens auch klitzekleine Momente, in denen man den aktuellen Umständen durchaus etwas Positives abgewinnen kann. Einer davon: Die Auslosung wird fast wieder so nüchtern durchgeführt wie zu Zeiten des seligen Walter Baresel. Das kann „danach“ ruhig so bleiben! Ebenso kann ich nicht nachvollziehen, warum immer nur der FC Bayern als das Los der Lose gehypt wird. Als unterklassiger Verein ist die sportliche „Klatsche“ so gut wie vorprogrammiert, Erfolgsfans en Masse geben auf einmal vor, immer schon Fan gewesen zu sein, um an eine Karte zu kommen und so weiter und so fort.

Also einmal davon abgesehen, dass wir unsererseits das Traumlos vieler Fans anderer Vereine sind, ist es doch der viel spannendere Weg, einen Gegner in der „Tradition“ von Arminia Bielefeld oder Fortuna Düsseldorf zugelost zu bekommen. Der VfL Bochum oder die Darmstädter Lilien waren somit meine Wunschgegner. Wie wir nun alle wissen: Sie wurde es leider nicht: Rot-Weiss Essen spielt in der dritten Runde gegen „Entweder-oder“. Entweder gegen Bayer 04 Leverkusen oder gegen die Frankfurter Eintracht. Hoffentlich wird es dann wenigstens der Vertreter aus Frankfurt, denn sollte die Diva einen schlechten Tag erwischt haben, vielleicht geht dann sogar was. Andererseits: Wir haben doch eigentlich eh keine Chance. Also nutzen wir die einfach. Obwohl: Dortmund Zwo einige Tage später ist wichtiger.

So viel wichtiger.

Drüber hinweg.

Die mediale Vorbereitung auf die zweite DFB Pokalhauptrunde ist schon was feines. Alles ist eine Spur intensiver als vor einem normalen Ligaspiel und die Reichweite unweit größer. Und so geschah es am Tage der Wintersonnenwende im Jahre des Fußballs Zwanzigzwanzig, dass der RWE nach vielen Jahren der Knechtschaft RevierSport wieder auf der Titelseite des altehrwürdigen Kicker zu finden war. Fast zeitgleich wurde auf der offiziellen DFB Seite eines sozialen Netzwerkes ein Bericht eingestellt, welcher sich in wenigen Minuten mit unserem aktuellen Lauf, der Pokalhistorie und überhaupt befasst (Das Marcel Platzek nun schon seit Jahren neben dem Boss vorm Stadion sitzen muss, dass wusste ich nicht. Der Arme!). Nach dem Durcharbeiten beider Berichte manifestierte sich ein kleines Wunder, welches einen möglichen Einzug in Runde drei noch nicht einmal annähernd zum Inhalt hat. Schließlich wäre es kein Wunder, wenn Rot-Weiss Essen gegen Fortuna Düsseldorf gewinnt, sondern das Ergebnis des mindestens einen Treffers mehr.

Das kleine Wunder, wenn man es denn so nennen mag, spielte sich im Kopf ab: Die Schmerzen sind urplötzlich weg. Die erdrückende Last. Dieses ständige Gefühl zu scheitern. Lübeck ist wieder Holstentor und Marzipan statt Gegentor und was auch immer sich negatives darauf reimt. Wenn ich jetzt den Artikel lese und die Vorschau ansehe, dann bin ich stolz auf das bisher erreichte in dieser Saison und erfreue mich an der Traube herumhüpfender Männer in unseren Trikots und an all denen, die sich nach Spielende im ritualisierten Kreis einfinden. Zur Mannschaft gehören doch so viel mehr als die Elf auf dem Rasen. Und schon gar nicht sollten wir nun zulassen, dass sich ewig Unzufriedene mindestens wieder eine „arme Sau“ aussuchen, die es durch das Dorf zu treiben gilt. Das sollte tunlichst unterlassen werden. Es hat sich noch nie gehört, diese Unsitte, aber es gehört sich schon mal gar nicht einer Mannschaft gegenüber, die mit knackigen fünfzig Punkten ungeschlagen an der Tabellenspitze steht! Mein Weihnachtswunsch daher: Jegliche Ambitionen diesbezüglich am besten direkt wieder unter die Tatstatur kehren.

Rot-Weiss Essen hat den Turnaround geschafft, auch wenn mit der inoffiziellen Herbstmeisterschaft natürlich erst ein Etappensieg errungen wurde.  Aber für unser Wohlbefinden ist ist so viel mehr passiert, als nur dieser inoffizielle Titel. Marcus Uhlig hat sich tatsächlich nicht umsonst jahrelang den Mund fusselig geredet, dass alles besser wird, während wir noch und immer wieder abgewunken haben. Die Fusseln lassen sich hinter der Maske ja gerade richtig schön verstecken, so dass das Opfer wenigstens nicht optisch auffällt. Und dann Jörn Nowak: Argwöhnisch beäugt zu Beginn möchte man heute gerne mal einen Blick in seine Telefonkontakte werfen. Bob der Baumeister wäre stolz auf das bisherige Bauwerk Rot-Weiss Essen. Wir haben eine Mannschaft und Jörn Nowak hat daran maßgeblich gewerkelt. Danke dafür! Warum man im Emsland Christian Neidhart bittere Tränen hinterher geweint hat, scheint nun auch von Woche zu Woche klarer zu werden. Die absolut überraschendste Personalie eigentlich, hatten wir doch erst mit seinem Vorgänger den erhofften Hochkaräter und Aufstiegsgaranten an die Hafenstraße gelockt. Aus Gründen musste dieser gehen und so kam eben jener Christian Neidhart, der direkt das Ziel Aufstieg vorgab. Kein herumeiern, sondern klare Kante. Das hat scheinbar weitere Kräfte freigesetzt.

Neben dem genannten Führungstrio sind natürlich so viele andere Rot-Weisse rund um die Uhr für den Erfolg der Mannschaft beschäftigt. Auch ihnen allen herzlichen Dank für diese aktuelle Momentaufnahme und erstem großen Titel seit dem Zwiebelpokal 2015. Wenn diese Erfolgsstory dann tatsächlich bis zum Sommer andauern sollte, dann hat der gleichnamige Peter seinen mehr als großen Anteil daran. Schließlich ist man als Zeugwart und Betreuer immer die Seele einer Mannschaft. Vergangenen Samstag gegen den FC Wegberg-Beeck konnte man zwischendurch den Eindruck bekommen, dass es diesmal die erste Saisonniederlage geben könnte, so aufmüpfig waren die Wegberger auf dem Feld unterwegs. Glücklicherweise schwanden die Kräfte der Wegberger zum Ende des Spiels doch deutlich, auch wenn sie für Schalke 04 wohl noch locker gereicht hätten. Die Generalprobe für das Fortuna Spiel somit ergebnistechnisch geglückt, auch wenn es darstellerisch an diesem Samstag durchaus gehapert hat. Aber genau das macht dann ja wieder den Optimismus für das Pokalspiel aus. Schließlich sind wir drüber hinweg, schauen nach vorne und nicht mehr zurück. Alles auf Sieg! 

Fermentierter Rosenkohl Weihnachtsbaum

Als sich an einem Freitag, den 15. August 2008, eine lange Rot-Weisse Blechkarawane aus aller Herren Bundes- und anderen Ländern auf den Weg gen Lotter Kreuz machte, waren die Tränen des unnötigen Abstiegs getrocknet. Der Verein stand wieder über allem, die Verachtung über einige Spieler und deren (Wechsel-)Mentalität jedoch als tiefe Falte in die stets markanten Gesichter der Hafenstraße eingegraben. An jenem Sommertag waren wir der festen Überzeugung, das es das erste und zugleich letzte Mal sein würde, dass wir auf dem Acker von Bauer Ewald parken müssen. Dort, wo die Polizeiwagen eher schüchtern hinter angrenzende Scheunen hervorlugten. Das Spiel der neuformierten Mannschaft befeuerte diesen leichten Anflug von Arroganz auf das Trefflichste, wusste sie doch mit Vier zu Eins zu gewinnen. Der Wiederaufstieg somit nur noch Formsache. Es war ein wunderbarer Abend mit der damals äußerst sympathischen, frisch aufgestiegenen, Lotte. 

Gut, dass damals noch keiner ahnen konnte, dass es bis zum 12. Dezember 2020 dauern wird, ehe die Kicker von der Hafenstraße mal wieder bei denen vom Lotter Kreuz gewinnen. Eine lange Zeit also, die uns zudem eine ziemlich wechselhafte Beziehung zur Lotte beschert hat. Das einstmals schüchterne Ding wurde zwischendurch eine ziemlich arrogante Zicke. Der einsetzende Erfolg tat ihr nicht immer gut. Uns natürlich auch nicht! Ziemlich fassungslos mussten wir leider ansehen, wie die mittlerweile „Tante Lotte“ getaufte Olle uns und unsere Ambitionen kalt lächelnd zu überholen wusste. Aufstieg in die Dritte Liga mit den paar Fans, während die Tausendschaften rund um die Hafenstraße weiter in der Regionalliga Frust schieben. Dazwischen gab es in gemeinsamen Ligazeiten immer mal wieder Unstimmigkeiten, geniale Mottofahrten und die ständigen Versuche, alle Rot-Weissen in heimischen Gefilden der Haupttribüne zu verweisen. Es war also immer was gebacken in der Beziehung zweier (Spiel-)Partner, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Zwischenzeitlich hatte man sich so lieb wie fermentierten Rosenkohl Weihnachtsbaum. Nach dem Abstieg aus der Dritten Liga stand es dann einige Zeit gar nicht gut um die Lotte, interne Familienstreitigkeiten hatten Existenzängste zur Folge. Vielleicht war das aber auch der Starschuss dafür, allmählich wieder etwas sympathischer rüberzukommen. Und als dann auch noch mit Timo der zweitliebste Essener Brauer nach Stauder bei Tante Lotte anheuerte, da mochte man sie fast schon wieder knuddeln. Schließlich kann man sich ja auch nicht ewig streiten. Zudem ist das schon eine ziemlich feine und knuffige Bude, die sie da ihr eigenes Stadion nennt (Es ist jetzt aber nicht so, dass wir da kommende Saison gleich wieder hin wollen, iss klar). 

Es war also eine lange Reise bis zum aktuellen Auswärtserfolg. Und kein Essener musste diesmal damit rechnen, hinauskomplimentiert zu werden. Die Rituale rund um aktuelle „Spielbesuche“ haben sich ja temporär etwas verschoben. Da kann bis kurz vor Anpfiff noch mit dem Hund um den Block gegangen, oder in der Halbzeitpause Wäsche aufgehangen werden. Die Bierdusche nach einem Tor muss man sich schon selbst verpassen und natürlich wird zuhause auch im Sitzen gepinkelt. Wenigstens das Ritual der morgendlichen Spielvorbereitung durch Tommy Jockschies ist geblieben. Das Spiel zu Beginn ein ziemlich wildes Gebolze, wohl auch dadurch bedingt, dass Lotte ziemlich heiss war. Also im übertragenen Sinne jetzt.

Gab es im Spiel gegen Straelen unter der Woche den ersten Eckball erst nach einer Viertelstunde, dauerte es Samstag keine zwei Minuten. Und so ging es auch ziemlich ansehnlich weiter. Mit zunehmender Spieldauer kam aber einmal mehr die unglaubliche Qualität von RWE zum Tragen. Wenn der Gegner nicht durch Überzahlspiel zum Ballverlust gezwungen wird, hilft der absolute Einsatz im Eins gegen Eins, den Ball zu erobern. Gepaart mit einer hohen Ballsicherheit gelingt es dann, diesen ziemlich lange in den eigenen Reihen zu behalten. Das ist solide Handwerkskunst, die die Jungs von Christian Neidhart da aktuell abliefern. Und alle haben das Zeug, noch in dieser Saison den Meisterbrief zu machen. Fast schon erfrischend bei dieser hochwertigen Spielweise die Momente, in denen „Isi“ Young mit dem Kopf durch die Wand und an Freund und Feind vorbei auf das Tor zustürmen will. Möglicherweise nicht zur Freude des Trainers oder des besser postierten Mitspielers. Auf jeden Fall aber immer emotionale Momente für den Fan am Monitor. 

Tja, jetzt sitz ich hier, bin Tabellenführer und schreib auf teurer Tastatur ein Lied über Lottes Vergangenheit, damit ich keine Lust verlier. Ha, geniale Adaption von Westernhagens „Mit 18“. Aber es ist doch so: Wir sind Tabellenführer, eilen von Spiel zu Spiel und müssen trotzdem aufpassen, gerade nicht die Lust zu verlieren. Schließlich sind wir trotz unglaublicher Erfolgsserie immer noch kein alleiniger Tabellenführer im eigentlichen Sinne, sondern haben weiterhin die Zwote der Dortmunder im Nacken. Oder die mittlerweile uns! Auf jeden Fall hat uns das zeitgleiche Unentschieden der Borussen beim VfB Homberg ziemlich in die Karten gespielt. Selbst wenn die Jungs vom Borsigplatz nun all ihre Nachholspiele gewinnen würden, wären sie nur noch einen Punkt vor uns. Und den knackt man dann im Heimspiel. Fertig ist die Laube. Dass das Spiel gegen die Kleeblätter nicht weitergeführt werden konnte, steht übrigens außer Frage. Dass dann aber wieder bei Null zu Null begonnen wird, sollte man durchaus hinterfragen. Aber, wir sind auch hier nicht bei wünsch Dir was, sondern bei bestehenden Statuten. Die Homberger haben ja eine ziemliche Abwehrschlacht abgeliefert, wie man so liest. Vielleicht war dort die Aussicht auf das erste Duisburger Lokalderby seit Schimanski Gedenken die Motivation. 

Wir Fans von Rot-Weiss Essen sind aktuell endlich einmal auf der Sonnenseite angekommen. Es sieht sportlich mehr als gut aus. Aber wahrscheinlich wird das nächste Unentschieden schon wieder Weltuntergangsstimmung bei einigen hervorrufen. Oder die erste Niederlage erst. Aber, soweit sind wir noch lange nicht, so wie die Jungs gerade die Liga rocken. Diese Mannschaft, wir würden sie im Stadion verbal auf Händen tragen, sie zeitgleich mit Verein mit Inbrunst besingen. Da wir damit aber noch warten müssen, können wir vielleicht allen Beteiligten über Marcus Uhlig als aktuellem Chef und somit Rot-Weisser Rampensau ausrichten lassen, wie stolz wir auf sie sind. Denn das, was da gerade auf dem Platz passiert, ist Hafenstraßenfußball pur. Und sogar erfolgreicher! Also, lass auch mal Aufsteiger werden.

Kammerspiel & Tragödie

25.11.2020 21:15 Uhr: Abpfiff an der Hafenstraße:

RWE hat den alten Rivalen aus Wuppertal mit sechs zu eins bezwungen. Das klingt nach dem deutlichen Sieg, der es in der Tat auch wahr. Obwohl der WSV dem Spiel durchaus eine eigene Note beizubringen wusste. Speziell in der noch fünften Minute, als Beyhan Ametov nach feiner Vorarbeit zur Talführung einnetzen konnte. Da hätte es bei voller Hütte für einen Moment den Trommeln die Sprache verschlagen und wäre das Aufstöhnen groß gewesen. Doch in diesem Jahr ist leider so vieles anders. Somit nahm unsere Mannschaft das Gegentor still hin, schüttelte sich einmal und machte weiter, als sei nichts geschehen. Dem Gegner wurde einmal mehr das Spiel aufgezwungen. Das Spiel, welches wir spielen und unbedingt gewinnen wollen. Somit dauerte es lediglich schlappe fünf Minuten, bis der Engelmann mal wieder seinen Schlappen am Ball hatte und es klingeln ließ. Was er dann noch drei weitere Male tat. Dennis Grote dachte sich nun ebenfalls, dass dies der Abend der „alten Männer“ werden sollte, und köpfte mal wieder einen rein. Den Sechserpack vervollständigte Marcel Platzek nach gütiger Mithilfe eines Wuppertalers (Dem auch wohl der Treffer zugeschrieben wird). Das Tor der Wuppertaler also eine astreine 30er Zone.

Man steht dem Ganzen fast ehrfürchtig gegenüber und kann es kaum glauben: Wenn uns jetzt nicht einmal mehr Rückstände aus der Bahn werfen, ja was denn dann? Dazu gesellt sich auch noch folgende Anomalität: Selbst Unparteiische sind gefühlt gar nicht mehr so parteiisch gegen uns, sondern hätten gestern Abend durchaus die ein oder andere Entscheidung zugunsten der Wuppertaler treffen können. Rot-Weiss Essen also „Coronavistas“, die dem Virus nicht nur administrativ ständig gegenübertreten, sondern diesen auch spielerisch manchmal vergessen lassen?

Vergessen kann man „ihn“ aber schon deshalb nicht, da unser Schnapper Daniel Davari positiv auf Corona getestet wurde. Ihm Gute Besserung und einen komplikationslosen Verlauf. Ein mulmiges Gefühl sicher auf vielen Ebenen. Überhaupt nicht mulmig machte hingegen die Tatsache, dass er durch Jakob Golz vertreten wurde. Auch so ein Plus in dieser Saison.

Zwei Komponenten aber die mich nach längerer Überlegung zu folgender Fragestellung in unserer kleinen, aber feinen RWE WA Gruppe veranlasste:

Ich: „Was mich bei aller Freude viel beschäftigt ist, dass ich glaube, dass dieser Tabellenplatz auch erst durch ein leeres Stadion möglich wurde. Im wahrsten Sinne in aller Ruhe können die Jungs spielen. Ohne Druck auf dem Stadionkessel, ohne Unruhe und ungeduldige Erwartung. Das macht mich bei aller Freude fast traurig.“

Er: „Einspruch: Spekulation“

Ich: „Einspruch stattgegeben.“

Sie: „Ihr seid bekloppt“

Ich: „Ich formuliere es anders: Könnte es sein, dass nach dem dritten Spiel im Stadion Unruhe geherrscht hätte?

Sie: „Nein!“

Ich: „Wohl!“

Er: „Ich stelle einen Antrag auf Befangenheit und fordere den Austausch des Richters Strootmann.“

Wir: „Stattgegeben!“

Anhand dieser (verkürzten und ohne Gifs`s etc. wiedergegebenen) Unterhaltung zeigt sich also, dass die Ruhe im Stadion nicht zwingend als förderlich für den Reifeprozess dieser großartigen Mannschaft empfunden wird. Vielleicht war es mal wichtig, dieses zu reflektieren. Diese Truppe wird sich auch von einem lärmenden Viereck nicht aus dem Konzept bringen lassen, sondern endlich wieder genießen. Auch bei Rückstand!

Die Heimspiele somit aktuell wie ein Kammerspiel: Ein Stück mit kleinem und festen Ensemble wird für uns aufgeführt und hat stets den selben Ablauf: Die „Reporterlenden“ Andreas und Christian (Reporterlegenden werden sie hoffentlich nicht bei uns, so gerne wir sie auch sehen und hören, würde das ja bedeuten, dass sie noch Jahre ohne uns kommentieren würden..) bringen uns im „Warm Up“ auf den neuesten Stand der Dinge. Dann wird stets der Chef befragt und meistens sieht man auch schon die beiden Glücksenten von Markus platziert. Die Minimalbesetzung an (Fan-)Radiokommentatoren und schreibenden Berichterstatter frieren sich ebenfalls den Allerwertesten ab, und ganz oben erledigen Michael und Walter den aktuell einsamsten Job ihrer langen Sprecherkabinenkarriere.

Das war es eigentlich fast schon an Personen außerhalb des Spielfeldes im Stadion. Vorhang auf also für die Mannschaft, die ihr Stück bei jeder Aufführung so gut interpretiert, so dass sie nun schon unglaubliche fünfundzwanzig Spiele am Stück ungeschlagen ist. Das ist wie Schalke. Nur andersherum!

25.11.2020 19:15 Uhr: Abpfiff bei der Begegnung Borussia Dortmund gegen den SV Rödinghausen.

Der SV Rödinghausen hat seiner selbstbewussten Ankündigung Taten folgen lassen und bei der Zwoten des BVB gewonnen. Die Dortmunder sind also zu knacken. Das Adrenalin bei allen Rot-Weissen vor dem eigenen Spiel direkt etwas höher. „Wenn wir hier heute gewinnen, ist wieder alles aus eigener Kraft möglich“. Und auch für dieses sportliche Unwort Quotientenregel ist das sicher nicht von Nachteil. Auch wenn ich mich weigere, dahingehend nachzurechnen. Die Tabelle ist mein Gebot Fußball. Sicherlich haben aber auch viele in Anbetracht der Dortmunder Niederlage reflexartig gedacht: „Na toll, dann verkacken wir heute“. Vor Jahren wäre das in Angesicht einer großen sportlichen Chance auch wohl noch so gekommen. Aber, nicht mal mehr das schafft unsere Mannschaft!

25.11.2020 18:00 Uhr: Die Tagesschau meldet den Tod von Diego Armando Maradona.

Was ein Schock. Welch ein fassungsloser Blick auf sämtliche Nachrichtenkanäle in der Hoffnung auf eine Falschmeldung. Werden doch Fakten heutzutage gerne verdreht, geleugnet oder einfach erfunden, um Schaden anzurichten. Doch es ließ sich nicht ändern: Diego Armando Maradona verstarb am Mittag Ortszeit des 25.11.2020 an den Folgen eines Herzinfarktes. Rational nicht zu erklären, warum das plötzliche Ableben dieses doch eigentlich Unsterblichen emotional zu zugelangt hat, wie es vielleicht wohl nur noch bei schlechten Nachrichten über Elisabeth II. der Fall sein dürfte. Zumal keiner seiner Vereine für das eigene Ich wichtig war. Der Versuch einer Annäherung an diese plötzliche Traurigkeit ergab, dass Diego Maradona vielleicht die Verkörperung all dessen war, was Ich selbst mit Fußball verbinde: Das Spiel als solches. Die Emotionen und Leidenschaft. Das völlige Eintauchen in den Sog der neunzig Minuten und besonders den Stunden davor und danach. Nun gut, seine Interpretation von Privatleben muss man nun nicht haben. Ein Chaot vor dem Herrn, vor dem er nun getreten ist, um die Hand wieder abzutreten.

Diego Armando Maradona war ein begnadeter Spieler und ein ziemlich desaströser Mensch. Das aber mit Leib und Seele. Seinem „Leib“ hat er durch seine exzessive Lebensweise sicher nicht viel Gutes im Anschluss an seine Karriere getan und auch die Seele in ihm und um ihn herum bekam zu wenig der Pflege, die ein einigermaßen ausgewogenes Leben ermöglicht. Nun ist er gegangen und hinterlässt eine Lücke, die kaum einer wirklich zu beschreiben weiss, die aber sicherlich nicht zu füllen ist. Lass die Wolken tanzen. Und auf ein Pilsken mit dem Boss.

Quarterback.

Das Spiel war gerade einmal drei Minuten jung, da dröhnte es lautstark aus einer der dreihundert Rot-Weissen Fanseelen heraus: „Das Schwert ham wir immer noch“. Nicht das die Spieler dort unten sich großartig für diesen Sachverhalt interessiert hätten, aber es ist einfach faszinierend, wie die Legende aus 2002 immer weiter Bestandteil unserer Fanfolklore ist und wohl auch sein wird. Das Richtschwert ist weg, dabei bleibt es. Und Punkte für die Preußen gab es im ersten Aufeinandertreffen nach zehn Jahren auch nicht als Wiedergutmachung . Verabschiedet wurden die eigenen Spieler in Münster übrigens, als ob es gegen Bielefeld oder Osnabrück gehen würde. Rot-Weiss Essen einmal mehr Everybody’s Darling Rivale.

Rückblende:

Wir schreiben den 24.Oktober 2009. Das Georg-Melches Stadion liegt in seinen letzten Zügen. Aus den Dächern bröckelt der Putz und an der Nord knabbert schon der Bagger. Preußen Münster ist zu Gast und 10.022 Fans beider Lager wollen in der alten Kabachel GMS dabei sein. Die zwei Gruppen der aktiven Szene bei den Preußen zu jener Zeit innig in „Freundschaft“ vereint. Etwa so wie Trump & Biden, Daum & Hoeneß oder auch Celtic & Rangers. Anreiz genug für die Essener Fanszene, ihrerseits mittels Spruchband dazu aufzufordern, die Dinge doch einmal „sportlich“ zu klären. Der Spielverlauf auf unserer Seite, ein gewisser Sascha Mölders zeichnete für das 1:0 verantwortlich.

Man ahnt nicht nur, sondern weiß natürlich, dass das Spiel im Gegensatz zu Samstag nicht erfolgreich über die Bühne gebracht werden konnte. In der Nachspielzeit kamen die Preußen zu ihrem Ausgleich, im Gästeblock purzelte alles durcheinander. Man munkelt sogar, auch eigentlich unsympathische Preußen stolperten einander in die Arme. Nach dem Spiel gab es nicht nur Nettigkeiten für die Mannschaft am Zaun, sondern auch Verspätungen in der Abreise, da erst die Abreise der Fans aus Münster sichergestellt werden musste. Die Atmosphäre geladen.

Soweit der kleine Ausflug in die letzte gemeinsame Saison mit den Adlerträgern. Die hatten nun ihren Ab- und wir immer noch keinen Aufstieg, was erneut für gemeinsame Zeit in ein und derselben Liga sorgt. In einer Zeit vor oder nach viraler Belastung hätte das Spiel sicher locker für eine fünfstellige Kulisse gesorgt. Aber, da wir nicht bei „wünsch Dir was“, sondern bei „So isses“ sind, sollten wir darüber aktuell nicht nachdenken.

Ich hätte es jedoch schön gefunden, wenn ein funktionierendes Hygienekonzept weiter angewandt werden darf. Die Nachverfolgung ist gewährleistet, der prinzipiell notorisch unbeugsame RWE Fan hat sich gegen Düsseldorf absolut vorbildlich an alle Auflagen gehalten. Letztendlich wohl eine wesentlich geschütztere „Baustelle“ als stellvertretend zum Beispiel der Planwagen, der mir auf dem Rückweg in Bottrop an einer Ampel begegnete: Das Zugpferd hatte noch den größten Abstand. Auf dem Wagen feiernde Menschen im direkten Gegenüber. Vielleicht aktuell nicht die beste Idee. Meine Fresse, als Verein legst Du Dich rund um die Uhr krumm, um die Sicherheit der Fans zu gewährleisten, hoffst und bekommst deren Mithilfe, aber darauf hat man natürlich keinen Einfluss. Mögen sich die Zahlen bis Oberhausen stabilisieren.

Somit also die berühmten dreihundert im Stadion. Nicht die aus Sparte, sondern deren aus Essen. Freudlos das Ambiente vor dem Stadion, aber auch hier absolute Disziplin und Einhaltung der wirklich wichtigen Vorgaben wie NMS und Abstand. Unser Verein hat von Spiel zu Spiel dazugelernt und löst eine Herkulesaufgabe nach der anderen.

Vermutlich hat Joe Cocker nichts von der Existenz von Rot-Weiss Essen gewusst. Und somit ist wohl gesichert, dass seine Darbietung von „You Are So Beautiful“ nicht der aktuellen Mannschaft des RWE gewidmet ist. Allerdings stellte sich bei mir direkt eine Verbindung zu dem Spiel gegen die Preußen aus Münster her, als das Lied auf dem Heimweg im Autoradio dudelte. Der bisweilen gequälte Ausdruck in Cockers Stimme hatte jetzt aber nichts mit der Chancenverwertung der Rot-Weissen zu tun, dass ist schlicht sein Markenzeichen gewesen. Auch wenn es das knappste aller knappen Erfolgsergebnisse vielleicht nicht so aussagen mag: Vergangenen Samstag war die Mannschaft aber mal so richtig beautiful zu uns. Und da auch die Preußen aus Münster ihren Teil zu einem schönen Spiel beitragen wollten, bekamen die wenigen im Stadion und die vielen vor den Monitoren ein ziemlich hochwertiges Fußballspiel geboten.

Das war absolut professioneller Fußball mit allem was das Herz begehrt. Und es war eine Heimmannschaft, die in punkto Ballbesitz und Ballbehandlung Maßstäbe zu setzen wusste. Man weiß gar nicht, welchen Spieler man herausheben könnte, so gut waren die Spieler von Christian Neidhart an diesem Samstag insgesamt auf dem Platz unterwegs. Alexander Hahn und Daniel Heber vereitelten was zu vereiteln war. Marco Kehl-Gomez auf dem Platz einmal mehr unglaublich präsent, ließ dem Gegner keine Ruhe, um am Ball zur Entfaltung zu kommen. Löste immer wieder enge Spielsituationen auf und gab zur Not auf die Socken. Cedric Harenbrock, dessen Karriere schon in jungen Jahren vor dem Aus stand: Der Verein hat immer an ihn und sein Talent geglaubt, ihn weiter an sich gebunden und in Ruhe wieder „aufgebaut“. Samstag dürften allen Beteiligten daran vor Freude die Augen geleuchtet haben, als es Cedric in die Anfangsformation geschafft hatte und  diese mit bravouröser Leistung zu rechtfertigen wusste.

Und dann erst Dennis Grote: Man stelle sich ihn im Football typischen Spieleroutfit vor, und wir haben den perfekten Quaterback vor uns. Wie er den Angriff zur Führung einzuleiten wusste, da würden Joe Montana oder Tom Brady anerkennend den Helm ziehen und durch die Beißschiene pfeifen. Schon faszinierend zu beobachten, wie Spielertypen unter einer Trainerphilosophie schon mal in ein Abseits gestellt werden, oder auch aufblühen. Ebenfalls neu in der Anfangself Isaiah Young. Welch ein An- und Auftritt. Der „Youngster“ wuselte so ziemlich überall herum und brachte immer wieder ein Durcheinander über die Preußen Abwehr. Vielleicht war der Wunsch, sein erstes Tor für den RWE zu erzielen zu ausgeprägt, so dass er bisweilen zu ungestüm sein Ziel erreichen wollte. Und auch alle hier Nichtgenannten reihten sich nahtlos ein in ein Ensemble, welches das relativ ruhige Auditorium zu begeistern wusste. Man kann diesbezüglich den dreihundert im Stadion keinen Vorwurf machen, ist gesundheitlich vielleicht sogar von Vorteil. Dafür wurden sich die Hände wund geklatscht, denn es gab oft Grund dazu. Auch von Kevin selbst.

Feine Ballstafetten oder die Grätsche von hinten in Perfektion umgesetzt ließen das Fußballerherz jauchzen. In der langen Nachspielzeit kam noch mal kurz der 24.Oktober 2009 in Erinnerung, als die Preußen seinerzeit ausgleichen konnten und der Auswärtsblock kollektiv auszurasten wusste. Kollektiv ausrasten geht grad nicht, aber kollektive Erleichterung darüber, dass Daniel Davari im Schlussakt einen erneuten Ausgleich nicht zulassen konnte, sehr wohl. Die Null blieb stehen. Und drei Punkte auch.

Ausblick:

Nun warten die Jungfohlen und der strauchelnde Nachbar aus Oberhausen. Atmosphärisch wohl leider auch relativ unbedeutend die beiden beide Spiele, und doch so wichtig. Spätestens seit Samstag wissen wir, dass unsere Mannschaft bereit für den heißen Ligatanz ist. Nur der RWE!

Alphatiere

Der Name Jean Löring dürfte den meisten, die es mit dem Fußball halten, ein Begriff sein. Jean Löring war zu Lebzeiten Fortuna Köln, wie Georg Melches zu Lebzeiten Rot-Weiss Essen war. Jean Löring war Mäzen; langjähriger Präsident seiner Südstadt Fortuna und ließ sich sein „Vereinche“ somit auch einiges aus privater Schatulle kosten. Was solche Macher stets vereint, ist dass Niederlagen so gut wie nie akzeptiert werden. Dann rollt umgangssprachlich schon mal ein Kopf. 

Jean Löring seinerseits ließ am 15. Dezember 1999 einen ziemlich stadtbekannten Lockenkopf rollen, und zwar zu einer höchst ungewöhnlichen Zeit: Der sechzehnte Spieltag der zweiten Bundesliga wurde ausgetragen und der von FC Ikone Toni Schumacher trainierte SC Fortuna Köln lag bereits nach achtundzwanzig Minuten mit 0:2 gegen den SV Waldhof Mannheim zurück, als es in Jean Löring zu brodeln begann. Es brodelte von Spielminute zu Spielminute mehr und spätestens in der Halbzeitpause stand der gelernte Elektriker unter Starkstrom. So begab er sich zur Halbzeit ebenfalls in die Kabine und stellte Toni Schumacher vor seinen Spielern nicht nur zur Rede, sondern entließ ihn kurzerhand. 

Dieses bekannte Szenario ist nun Teil seiner Biografie und wurde noch lange danach immer wieder als Kuriosum erzählt und verbreitet. Pikant auch seine Erklärung, die in einem Satz sein Selbstverständnis ausdrückte: „Als Verein musste ich reagieren“. Das lassen wir einfach mal so stehen. Nicht die feine Art, so eine Entlassung zur Halbzeit und doch fehlen dem heutigen Fußball Typen wie zum Beispiel Jean Löring. 

Und was hat das alles jetzt mit Georg Melches zu tun? 

Nun, es gibt die Legende dass auch Georg Melches seinen damaligen Trainer Elek Schwartz im Juni 1957 während einer Halbzeitpause kurzerhand entließ. Georg Melches ließ es sich ja fast nie nehmen, dem Pausentee in der Kabine beizuwohnen. Und so trug es sich dieses Mal wohl so zu, wie nun von Generation zu Generation weitererzählt wird: Trainer Elek Schwartz forderte Ruhe in der Kabine zur Pause. Nun wissen wir nicht genau, ob jene Forderung den aufgeregten Spielern oder vielleicht sogar Georg Melches höchstselbst gegolten haben mag. Verbürgt ist aber in jedem Falle die direkte Reaktion von Direktor Melches: „Wie bitte? Ruhe wollen Sie? Kriegen Sie ab sofort. Sie sind entlassen“

Das war mal eine klare Ansage, obwohl Georg Melches formaljuristisch ja niemals eine offizielle Funktion im Verein innehatte. Aber vielleicht dachte er sich in diesem Moment auch, dass er als Verein zu reagieren hatte. Wir werden es in Gänze wohl nie mehr erfahren. Und so bliebt diese beschrieben Halbzeitentlassung bei Rot-Weiss Essen weiter das, was sie ist: Eine weitestgehend unbeachtete Anekdote.

„Ich kann gar nicht alt genug werden, um alle Überraschungen, die der Fußball so parat hat, verkraften zu können“ (Hans Meyer)

Düsseldorf:

Zwischendurch wäre ein Anruf beim Ordnungsamt angezeigt gewesen. Aus Gründen schwer beschäftigt in diesen Tagen hätte es ein weiteres Mal eingreifen müssen, um die Zwote Mannschaft von Fortuna Düsseldorf dicht zu machen. Und den Unparteiischen gleich mit. Immer wieder überschritten beide die Grenze zur Peinlichkeit und sahen Dinge, von denen die überwiegende Mehrheit im Stadion nicht wusste, dass es sie gibt. Und so lagen sie und wanden sich in ihrem Schmerz, die jungen Fortunen. Wir werden wohl auf ewig rätseln, woher dieser kam. Also der Schmerz. Oder die Karten. Da möchte man nur fragen: „Warum?“ Vielleicht war es ein Stück weit der seit Monaten nicht mehr gekannten Begleiterscheinung namens Atmosphäre geschuldet, die zu dieser sehr interessanten Auslegung der Regeln und Fairness geführt haben.

Sei’s drum, die Mannen um Christian Neidhart haben sich dadurch nicht von ihrem Ziel abbringen lassen, diesen Abend zu zelebrieren und mit drei Punkten erfolgreich zu gestalten. Der Abend an der Hafenstraße hatte aber noch weitere Akte zu bieten, die allesamt auf der ziemlich emotionalen Klaviatur gespielt wurden. Kurz vor dem Stadion wähnte man sich eher wie vor einem Rockkonzert, denn vor einem Fußballspiel. Der ansonsten so belebte Vorplatz wurde blickdicht gemacht, um an dieser Rot-Weissen Kulturmeile Ansammlungen zu vermeiden. Unser Boss durfte sich also fühlen wie Mick Jagger, Bono oder René Pascal, denen so vor allzu neugierigen Blicken Sichtschutz gewährt wird. Auch Fancontainer und Stauder Wagen waren somit betroffen und vermittelten so schon bei der Ankunft dieses Gefühl, dass gerade alles anders ist. Der Einlass weitläufig, klar strukturiert und trotz der gebotenen Vorsicht entspannt.

Die Mitarbeiter in den langen Hosen haben Tag und Nacht vorgelegt, damit ihre Kollegen in den kurzen Hosen endlich wieder eine etwas größere Bühne für ihre Fußballkünste betreten konnten. Chapeau und Danke dafür! Im Stadioninneren galt es einen Moment zu überlegen, und dann war der Kontext hergestellt: Boavista Porto mit seinem Estádio do Bessa Século. XXI stand hier Pate, schließlich hat der portugiesische Verein in Reminiszenz an seine Schachabteilung auch alles in selbigem Muster ausgekleidet. Schade, dass es keine roten Müllsäcke gibt, welches Bild hätte das gegeben. Da die gängigen Farben jedoch Blau und Schwarz sind, war Schwarz natürlich alternativlos. Die Sitze dazwischen füllten sich nun langsam mit Fans und bekamen die ersehnten roten Farbtupfer.

Das die Mannschaft mittlerweile schon auf dem Platz war, ging fast ein wenig unter. Als dann aber das Aufwärmen beendet wurde, ging urplötzlich ein Ruck durch das Stadion: Die Mannschaft begrüßte spontan die Fans und diese sprangen direkt auf, klatschten sich die Finger wund. Fast so, als hätten wir justament den Aufstieg geschafft. Der Einlauf ebenfalls ein emotionaler Festakt. Irgendwie überlagerten sich Stadionregie, Gesänge und die drei Tribünen, so dass unter dem Strich Gemengelage und Lautstärke ein leichtes Schaudern zu erzeugen wusste. Im Spielverlauf stimmten immer wieder verschiedene Gruppen Gesänge an, wurde extrem situativ reagiert. Altersunabhängig übernahmen nun auch viele ältere Fans den Part der „West“. Die Stimme konnte sich ja auch Monate auf diesen Moment vorbereiten. Für den Moment des 2:0 hat sich auch Cedric Harenbrock nach vielen Verletzungen immer wieder herangekämpft. Das erste Mal im Kader, eingewechselt und direkt an einem solchen Abend das Tor: Das war die Kirsche auf der Torte.

Bonn

Erste Halbzeit:

Paul Breitner sagte einmal (leicht abgewandelt): „Da kam dann der Livestream. Wir hatten alle die Hosen voll, aber bei mir lief’s ganz flüssig“. In der Tat war der Livestream aus dem Bonner Sportpark die Überraschung des Abends. Kaum Aussetzer in Halbzeit Eins. Im Gegenteil, er lief so stabil wie der RWE auf dem Feld. Das Ambiente am Monitor aufgrund der dunklen Zuschauerränge und des schummerigen Flutlichts in Verbindung mit der Bildqualität ähnlich wie bei der Fernsehübertragung aus dem Jahre 1981 zwischen dem FC Politehnica Timisoara und dem 1.FC Lokomotive Leipzig . Aber egal, man war einmal mehr mit dabei. Spaßig bei Sporttotal ab und an die Kommentatoren: In Lippstadt sah man Simon Engelmann häufig kritisiert in Fankreisen und heute gab es die These, dass Christian Neidhart nach den beiden Unentschieden schon gewackelt hatte. Man sollte vielleicht weniger sozial mediale Kommentare als Grundlage für eine Vorabrecherche nehmen. Das eventuell als ernstgemeinte Bitte. Auf jeden Fall: Danke für entspanntes Zusehen. Unserer Mannschaft gilt dieser bisherige Dank übrigens auch, denn relativ unaufgeregt gestalteten sich diese ersten fünfundvierzig Minuten.

Zweite Halbzeit:

Wer jetzt geglaubt hat, es würde so weitergehen mit der Entspannung, dem wussten die die Bonner nach etwas über fünfzig Minuten auf die Sprünge zu helfen: Die Heimmannschaft verfehlte den Ausgleich nur um Millimeter, und so saß man als Gästefan plötzlich wieder steil und hellwach im Sessel. Das nächste Mal dann erst wieder in der dreiundneunzigsten Minute bei dem finalen Freistoß des Bonner SC. Da dieser aber ähnlich in den Abendhimmel ging wie weiland des Steuersünders Elfmeter in Belgrad, durfte endgültig und erleichtert in sich zusammengesackt werden. Ach so: Dazwischen unterhielt ein munteres Spiel mit bisweilen schönen Ballstafetten und Balleroberungen auf unserer Seite, welches aber trotzdem nicht die großen Emotionen hervorrufen konnte. Grundsolide drei Punkte also auswärts geholt, den Weg nach oben aus dem (für einige) tiefen Tal der Unentschieden Tränen geebnet. Somit gilt die alte Fußballer These 19.07: Hauptsache gewonnen!

Samstag wartet mit Fortuna Köln ein alter Bekannter im allseits bekanntem Südstadion auf unsere Rot-Weissen. Exakt selben Spiel- und Streamverlauf würde ich direkt unterschreiben. Komplett emotionslos.

Spitzengruppe, Spitzengruppe, hey hey……

Frau Holle

Irgendwann zur siebzigsten Spielminute hat sich Gattin den Hund geschnappt und unser Feriendomizil bis kurz vor Abpfiff verlassen. Der Hund als Spiegelbild meiner Seele wurde auch immer nervöser, meinen ganzen Reaktionen vor dem Monitor geschuldet und bedurfte dringend Ablenkung. Die konnte ich mir noch nicht gönnen, zu spannend und aufregend das Spiel der Rot-Weissen gegen die Arminia. 

Eine bärenstarke erste Hälfte legte den Grundstein dafür, den Sturmlauf der Ostwestfalen in der zweiten Hälfte schadlos zu überstehen. Die Renaissance der guten alten Grätsche hatte daran ihren maßgeblichen Anteil. So wie die Essener den Gegnern von Beginn an klarmachten, wer Herr im Hause Hafenstraße ist, wähnte man sich kurz in den Begegnungen der achtziger Jahre, wo noch die Ärmel auf- und die Stutzen runtergekrempelt wurden. Gut, dass ein Felix Backszat nun für uns ackert. Da gibt es auf die Socken. Die Herren Engelmann und Plechaty haben ebenfalls dafür gesorgt, dass sich ihre Verpflichtungen schon frühzeitig zu amortisieren beginnen. Ein Simon Engelmann ist im hohen Fußballalter ja dermaßen eiskalt vor dem Tor unterwegs, da fangen sogar Eiswürfel an zu zittern. Beide waren übrigens nicht nur maßgeblich am Tor des Abends beteiligt, sondern ebenso prominent in beiden Szenen, in denen ein Elfmeter gegen uns nicht allzu abwegig erschien. Aber warum dürfen wir nicht einfach auch mal Glück mit den Unparteiischen haben? Das Glück zudem hart erarbeitet und somit verdient. Punkt! 

Außerdem hatten wir nicht nur Glück, wir hatten auch Atmosphäre. Auch hier sorgte eine weitere Renaissance für wohlige Schauer: Das gute alte „R – R – RWE (listen & repeat)“ kam verstärkt zum Einsatz. Das wäre mal ein Wunsch bei voller Hütte, diesen klassischen und beeindruckend prägnanten Schlachtruf wieder öfter zu hören. Von der Ruhr bis an die Elbe ging es dann in die Pause, in der die Wände der Bielefelder Kabine ordentlich gewackelt haben dürften. Wackelig auch der gute Mann am Kommentatorenplatz des übertragenen Senders. Das schon mal ein „Erfurt“ rausrutscht, kann immer mal passieren, wenn von Rot-Weiss die Rede und im Eifer des Gefechts kommentiert wird. Wird aber zum Beispiel die längste vergangene Hoch3 Aktion als aktuelle Maßnahme erzählt, ist das einfach schlecht recherchiert. Das ist schade, aber leider immer wieder Alltag, wenn kleinere Vereine gegen Bundesligisten ran dürfen. Historie bekannt, der Rest wird schnell überflogen. Am Ende eines solchen Spiels ist das jedoch nicht mehr wichtig. Da zählen nur Freude und Glück über den unerwarteten Erfolg über einen frischgebackenen Bundesligisten. 

Die zweite Pokalhauptrunde ist erreicht und wird für einen Verein wie RWE zur monetären Frau Holle. Statt Kissen wird nun bald unerwartetes TV Geld ausgeschüttet. Welch ein Segen in Zeiten ohne das Tagesgeschäft Eintrittsgelder. RWE hat mit dem heutigen Spiel ein Zeichen gesetzt, wozu er wirklich imstande ist. Gegen Kleve und Wiedenbrück eher das eitle Pferd, welches nur so hoch springt, wie es muss, haben wir heute den edlen Ackergaul vonne Hafenstraße gesehen, der bis zum Abpfiff richtig gut malochen kann. Den ständigen Neuerungen als sozialromantischer Fußballfan eher skeptisch bis ablehnend gegenüber eingestellt, war ein Puzzleteil zum Erfolg vielleicht auch die Option, fünf Einwechselungen vornehmen zu können. Das brachte frische Beine für ausgelaugte Kämpfer und zum Schluss sogar noch etwas Zeit. Nichtsdestotrotz kann es natürlich auch hier zur alten Regel zurück. Toller Abend. Danke RWE!

Das die heutige Kolumne ausnahmsweise auch mal wieder zeitgleich im Blog vertreten ist, hat nichts mit Faulheit an der Tastatur zu tun, sondern ist schlicht der Tatsache geschuldet, dass man einen solchen Abend nur einmal authentisch in seinen Emotionen festhalten kann. Ich wünsche mir nun, dass Sonntag in der Roten Erde zu Dortmund der Rote (drei Punkte) Faden auch in der Liga aufgenommen werden kann, damit wir nicht direkt zu Beginn der sportlichen Musik hinterherhecheln müssen. Die Auslosung zur zweiten Pokalhauptrunde lässt ja noch etwas auf sich warten, bietet aber direkt Zeit und Raum für die herrlichsten Spekulationen. Schön wäre ja eine Loskugel aus der Gattung „machbarer Gegner“. Die aus Gelsenkirchen kann man sich nicht wünschen, da in der ersten Runde einfach ausgesetzt. Ich persönlich hätte somit aus unerklärlichen Gründen Lust auf ein Spiel gegen die Lilien aus Darmstadt.

Neusten Informationen zur Folge dürfen vielleicht schon gegen den Namensvettern aus Ahlen mehr als die bisherigen 300 in unser Zuhause. Kein „Alle“, aber ein wichtiger Schritt in diese so wichtige Richtung weg von „Keiner“. Umso wichtiger, dass wir alle unser Bestes dafür geben, dass dem nächsten Schritt weitere folgen können. Vielleicht sollten wir zusätzlich an der Geschäftsstelle mal eine „Merci“ abgeben. Nervennahrung ist zwar grundsätzlich gut, aber ich kann mich nur wiederholen: Was eine kleine Schar Rot-Weisser Mitarbeiter 24/7 für die große RWE Familie leistet, Tag für Tag umdenken muss, das ist wirklich aller Ehren wert. Georg Melches würde anerkennend seinen Hut vor Euch ziehen. Danke!

Die Erinnerung überstandener Schmerzen ist Vergnügen (Johann Wolfgang von Goethe)

Die Spiele gegen den 1.FC Kleve und den SC Wiedenbrück haben unseren RWE in die Nähe des berühmten Pferdes gerückt, welches nicht höher zu springen gedenkt, als es unbedingt muss. Konnte die Hürde Kleve noch übersprungen werden, wurde der Balken gegen den SC Wiedenbrück in letzter Sekunde noch gerissen und gab es somit den fälligen (und wohl auch verdienten) Strafpunkt. Schwamm drüber, denn zum einen dürfen wir durch das erste Spiel einmal mehr im DFB Pokal antreten, und zum andern ist in der Liga der Aufstieg rein rechnerisch noch möglich. Ebenso wie der Abstieg natürlich. Vielleicht also ein Unentschieden zur rechten Zeit, hat uns die Vorbereitung möglicherweise schon zu viel der Aufstiegsträume beschert. Zwischen uns und unserem gemeinsamen Ziel stehen immer noch eine Liga mit motivierten Gegnern und ziemlich viele Spieltage. Sollte man ab und zu nicht vergessen. Unsere Spieler ihrerseits sollten ebenfalls nicht glauben, dass man allein durch Expertentips und Qualität im Kader schon so gut wie aufgestiegen ist. Das schafft man nur durch viel Maloche, Willen und Enthusiasmus für Rot-Weiss Essen. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass daran Tag für Tag gearbeitet wird.

Soweit also der Blick zurück auf die Kombination aus Wettbewerbsende und Saisonstart. Alles anders dieses Jahr. Der Blick nach vorne beschert uns kommenden Montag in der ersten Runde des DFB Pokals erneut die Arminia aus Bielefeld. Dem Chef sein ehemaliger Arbeitgeber, den Uralt Ultras eine sympathische Note und uns allen ein frisch gebackener Erstligist. Ganz persönlich aber auch ein Los, welches aufwühlt, Narben aufreisst und für eine schwierige Zeit steht. Mit dem Los „DSC Arminia Bielefeld“ war sie wieder da, die Erinnerung an die Tage, die mehr im Fieberwahn, denn in der Realität erlebt wurden. Der 20. August 2016 brachte die Angst vor dem Tumor zurück, der doch erst fünf Wochen zuvor erfolgreich entfernt wurde. Der Tag war zugleich der Beginn eines ziemlich langen Weges zurück in das sogenannte normale Leben. Ich dachte noch im Juli, ich könnte schon wieder zu diesem Spiel an die Hafenstraße. Wie naiv gedacht! Es wurde der Februar 2017! Nichts, wirklich gar nichts habe ich also in Echtzeit von diesem engagierten Auftritt unserer Rot-Weissen mitbekommen. Irgendwann mal das Endergebnis. Aber das war es dann auch. Jetzt also erneut gegen die Arminia. Diesmal auch nicht im Stadion, sondern irgendwo an der Küste in einem kleinen Örtchen vor dem Laptop. Aufnahmefähig für eine Überraschung im positiven Sinne. Das Trikot liegt bereits im Koffer.

Jetzt, wo ich das getippt habe, wandelt sich das Aufgewühlte wieder in Dankbarkeit. Kommt etwas zur Ruhe. Bielefeld, wer kann schon von sich behaupten, dass Bielefeld solch Emotionen in einem auslösen. Also außerhalb Bielefeld und dem Arminen Umfeld selbst natürlich. Wo 2016 noch die Fahnen in beiden Fanlagern im Wind flatterten, weht zu diesem Spiel höchstens ein laues Lüftchen durch das grundsätzlich zugige Stadion Essen. Aber, es sind auch Fans zugegen. Einhundert Fans dürfen per Losverfahren dem Spiel im Stadion beiwohnen. Auch weil andere dafür verzichtet haben, die eigentlich nichts mit Rot-Weiss am Hut haben. Finde ich gut, ist einen Dank wert. Ebenso gut auch das Losverfahren durch den RWE. Man kann aktuell eh keinem gerecht werden, da muss man mal die Glücksfee entscheiden lassen. Kleiner Tipp am Rande: Vielleicht sollten die Einhundert zudem noch Lotto an diesem Wochenende spielen. Man weiß ja nie.

Sportlich betrachtet ist RWE natürlich krasser Aussenseiter. Das kann man jetzt drehen und wenden wie man will. Als unterklassiger Verein im Pokal ist das einfach so, es sei denn, Du spielst gegen Hertha BSC. Da bist Du auch als Viertligist noch Favorit. Es geht also wieder über dieses „Wir haben keine Chance, also nutzen wir sie“. Was allerdings vermieden werden sollte , ist ein großartiger Auftritt im Pokal mit Folgeschäden in der Liga. Dann lieber im Pokal raus und in der Liga wahre Stärke zeigen. Ich glaube, und das ist meine laienhafte Prognose, in besagtem kleinen Ort an der Küste einen lange ausgeglichenen Pokalkampf zu sehen, der erst kurz vor Schluß entschieden wird. Mit dem hoffentlich besseren Ende für uns. Bielefeld bekommt TV Gelder, wir gerade nicht viel. Da sei es uns vergönnt.

In der aktuellen DFB Pokalrunde wurde übrigens aufgrund einer gerichtlichen Entscheidung das Spiel der Schnüdel aus Schweinfurt gegen den designierten Absteiger aus Gelsenkirchen abgesetzt. Will denn keiner mehr die Blauen verlieren sehen? Gut, dass entspricht natürlich nicht den Tatsachen, sondern ist wohl auch dem bayerischen Weg im Umgang mit der eigenen Regionalliga geschuldet. Auf jeden Fall bemerkenswert, dass ein Fußballspiel aufgrund einer juristischen Entscheidung zunächst ausgesetzt wird, weil scheinbar nicht klar definiert ist, wer gegen die Blauen gewinnen darf. Der Fußball dieser Tage wird auf administrativer Ebene immer mehr undurchsichtiger.

Undurchsichtig ebenfalls unser allmächtiger DFB. Dort nutzt man Corona auf seine ganz eigene Art und schiebt Dinge an, um uns lästige Fans endlich und endgültig aus den Stadien zu befördern. Peinliche eigene Beförderungen inklusive. Von Stuttgart nach Basel muss natürlich geflogen werden, ansonsten leidet das teure Spielermaterial. Herrgott von Bentheim, ist das alles abgehoben und mindestens genau so weit weg von der Basis, wie Rot-Weiss Essen von der Bundesliga. Der neueste Coup nun sieht vor, Gelder für Fanprojekte zu kürzen. Leidtragende natürlich, und wie gewohnt, einmal mehr die Vereine unterhalb der ersten beiden Ligen. Dort zahlt die DFL! Gerade in den Ligen ab der dritten Liga sind aber genau die Gelder dringend nötig, um gezielt und konstruktiv Fanarbeit leisten zu können. Was wäre gerade ein Verein wie Rot-Weiss Essen ohne sein Fanprojekt? Wieviel Prävention und konstruktive Arbeit für den Fan wurde dort in den langen Jahren schon geleistet? Das ist kein Projekt, das ist Heimat. Eigentlich unbezahlbar! Kürzt in den beiden ersten Ligen die TV Gelder, aber nehmt der Basis nicht die Basis weg. Mein Güte DFB, was ist aus Dir nur geworden? Warst Du schon immer so weit weg von uns und wir haben es nur nie bemerkt? Ich möchte wetten, der nächste große Deal wird die Versitzplatzung nach Corona werden. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Aber Montag ist erstmal wieder wichtich auf`m Platz: Also Jungs, zeigt der Welt, dass Ihr besser seid als Bielefeld!

 

Wo Rot-Weiss Essen anfängt, hört der Verstand auf (Frei nach Marie von Ebner-Eschenbach).

Nach exakt einhundertvierzig Tagen trifft unser allseits geliebter RWE an diesem Samstag wieder auf einen Gegner. Und zwar auf dem grünen Rasen. Nix Konsole, nichts mit Geistern. Realer Fußball. Der Bezirksligist VfB Bottrop ist wie so oft erster Gastgeber in der Vorbereitung auf eine diesmal ganz besondere Saison. Es ist eigentlich auch total egal, wer der erste Gegner nach einer solch langen Zeit und unter diesen aktuellen Bedingungen ist. Gefühlt ist um 16:00 Uhr Anpfiff der wichtigsten Begegnung seit was weiß ich. Hundertvierzig Tage ohne Aufregung rund um ein Spielergebnis mit Rot-Weisser Beteiligung. Balsam für den Blutdruck möchte man meinen. Weit gefehlt, kümmert sich um den doch seit Monaten ausgiebig ein Virus. Treibt ihn hoch, wenn die Zahlen hochgehen und Menschen meinen, sich darüber stellen zu müssen. Wie aktuell geschehen.

Es gab in den vergangenen Wochen Momente, da war Ich sehr positiv gestimmt, dass wir uns bald alle im Stadion wiedersehen werden. Doch dann begannen die Sommerferien und die Urlauber schwärmten aus. Die Mitbringsel in diesem Jahr allerdings alles anderes als willkommen und folglich steigen Infektionszahlen und Sorge im Gleichschritt wieder an. Wir sollten uns also darauf gefasst machen, dass die neue Saison uns erst einmal außen vor lassen wird. Für einen Verein wie Rot-Weiss Essen ein weiteres Horrorszenario zu all denen der letzten Monate. Ich glaube, dass wir nicht einmal ansatzweise wissen, wie sehr im Verein um das Überleben unser aller Heimat gekämpft wurde. Doch, eigentlich wissen wir es alle. Und deshalb an dieser Stelle ein ganz ganz fettes Dankeschön an diejenigen, die Rot-Weiss Essen über Wasser gehalten haben. Die im coronaren Alltag weiter an der Mannschaft gebastelt haben. Die uns medial in den Fokus bringen konnten und die, die auf eine Rückforderung in Sachen Dauerkarte verzichteten.

Hätte Rot-Weiss Essen einen Balkon, wir würden drauf stehen und klatschen. Und der Applaus wäre ehrlicher gemeint als die Verarsche in Richtung Pflegeberufe. Die Saison der Unwägbarkeiten geht also irgendwann los, und unser Ziel ist klar formuliert: Endlich raus aus der Regionalliga. Rein in das Stiefkind dritte Bundesliga. Für uns aktuell der Sehnsuchtsort schlechthin, für den FC Bayern und seine Zweitvertretung auch schon wieder nicht gut genug. Corona hat nicht nur unsere Leidenschaft zum Erliegen gebracht, sondern auch viele charakterliche Eigenschaften zu Tage gefördert. Der Award einer Boulevard Sportzeitung ziemlich dümmlich, die Allüren der Bayern bezüglich ihrer Zweitvertretung schlichtweg anmaßend. Man wollte sich bisweilen übergeben ob all der Peinlichkeiten. Getoppt wurde das Ganze dann noch von der Ankündigung, dass im Konstrukt eine Rückennummer ob der Verdienste selbiger nicht mehr vergeben würde. Ihr habt doch echt nicht mehr alle Latten am Zaun an der Säbener Straße oder in Fuschl am See. Der Fußball kann wirklich ohne Euch. Auch wenn Ihr das genau anders herum seht.

Wir können aber nicht ohne Rot-Weiss Essen, und deshalb wurde für das Testspiel in Bottrop tatswahrhaftig ein kostenpflichtiger Stream geordert. ich hoffe, der funktioniert dann auch. Aus Bottrop vom VfB selbst habe ich leider keine Antwort auf die Anfrage bezüglich Spielbesuch bekommen. Es ist also nicht mehr allzu lang bis zum ersten Spieltag. Zur Erinnerung: Ein Verein wie Rot-Weiss Essen lebt fast ausschließlich von den Tageseinnahmen und dem Verzehr. Vom Merchandising und natürlich von Emotionen. Auch wenn die die Kasse nicht klingeln lassen. Wir kommen also zur Frage aller Fragen: Wie kann es der RWE gestalten, dass Zuschauer anne Hafenstraße dabei sind, ohne ein Hygienekonzept zu sprengen? Bei einigen Fanszenen der Bundesliga ist die Haltung diesbezüglich eindeutig: „Alle oder keiner“. Die Formulierung lässt sich fast leicht aussprechen bei bestehenden TV Verträgen in üppiger Höhe. Hilft uns aber gar nichts.

Rot-Weiss Essen braucht Zuschauer. Ansonsten gehen wir doch noch über den Jordan. Ich glaube, die Fans von RWE müssen ein weiteres Hilfspaket in nie gekanntem Ausmaß schnüren um der Reihe nach auf Heimspiele zu verzichten, damit andere dabei sein können. Wir können nicht einfach auf Plakate schreiben „Alle oder keiner“. So gerne wir es auch würden. Wir müssen uns verständigen auf einen Akt des Miteinanders, der Absprache und des Ausloten auf allen Tribünen, was gerade geht und was nicht. Lieber wechselweise 3.000 Fans auf vier Tribünen verteilt als gar keine Einnahmen. Lieber nur jedes vierte Heimspiel sehen, anstatt gar keins.

Ich habe so eine Sehnsucht nach meinem Verein, nach den Menschen dort. Den Gesängen. Nach Melli, Andreas, Olli, Nikki und all den anderen, die mein Leben so bereichern. Aber ich weiß auch, dass der unsichtbare Feind noch nicht bezwungen ist. Noch lange nicht. Und das ich vielleicht abwägen sollte, was mir lieber ist: RWE oder nicht RWE. Die Antwort liegt auf der Hand: ich vermisse RWE so sehr, so dass es schon schmerzt. Aber ich kann es weiter verschmerzen, ihn nicht zu sehen, wenn ich damit die Chancen erhöhe, dass wir uns eines Tage alle Wiedersehen und mit Inbrunst unsere Lieder singen werden. Harren wir also dem Konzept, welches dem RWE vorschwebt. Und nun freue ich mich sehr auf das Spiel VfB Bottrop – Rot- Weiss Essen. Inklusive kaltem Stauder vor lauwarmen Monitor. Machste nix dran. Geht endlich wieder los!

Durch Regen und Wind, durch Sturm und Entrüstung.

Sie kam wie aus heiterem Himmel. Augenscheinlich. Und doch hatte das eigene Bauchgefühl schon länger auf diese Meldung gewartet: Christian Titz wird die Hafenstraße verlassen müssen. Und das, nachdem wir unsere Mannschaft monatelang nicht mehr gesehen haben. Nachdem wir und unser RWE monatelang zuallererst um das Überleben als Verein gekämpft und gelöhnt haben. Im Verein hat man sich den Allerwertesten aufgerissen, wurde zum Gesicht der ansonsten Namenlosen in der großen Blase Fußball. Und auch wir haben mehr als nur einen Beitrag geleistet, den Verein auch ohne Spielerlebnis monetär zu unterstützen. Da rutschte die Mannschaft und der Trainer als solches durchaus schon einmal in den Hintergrund, ist doch nichts wichtiger als unser Verein. Rot-Weiss Essen steht über allem. Auch wenn wir gemeinsam nie auf den grünen Zweig kommen: RWE ist trotzdem der Ast, der uns trägt und verbindet.  Dornen inklusive.

Das es aber (glücklicherweise) eine Saison nach dieser so absurden geben wird, brachten die ersten Veränderungen im Kader an den Tag. Irgendwie fehlte mir in dieser ganzen Gemengelage immer der Trainer. Christian Titz fand während Corona gefühlt kaum bis gar nicht statt. Daher wurde sich auch mit seiner Funktion gar nicht weiter beschäftigt. Die Meldungen interner Misstöne aber stets genau so im Hinterkopf wie sein eloquentes Auftreten im Zwiegespräch. Zuzüglich der besten Punktequote seit langer Zeit plus Einwechselglück abzüglich Heimschwäche und Rotationsevolution. Der Mann saß nach außen so fest auf seinem Trainerstuhl wie Helmut Rahn auf seinem Betonsockel.

Intern hingegen gab es möglicherweise einen zweiten Christian Titz. Vielleicht auch sogar ziemlich sicher. Und somit beschloss der Verein, sich von ihm zu trennen und gab dieses am 17. Juni 2020 bekannt. Beiderseits war als Grund für die Trennung die Rede von unterschiedlichen Auffassungen genannt worden. In den Kommentarspalten gaben von nun an die „Titzianer“ den Ton an und brachten ihre Enttäuschung zum Ausdruck. Völlig legitim, so lange annehmbar formuliert. Das Verständnis für die Entscheidung des Vereins hielt sich in hingegen in Grenzen. Na klar, Christian Titz hat uns auf eine Reise mitgenommen, die anfangs eine gar wunderbare werden sollte. Wir haben voll des Lobes geschrieben, Bildchen gebastelt und Hoffnungsschimmer vor Augen gehabt. Auch hier.

Aber irgendetwas unerklärliches war immer mit dabei. Dieses eine Gefühl, dass nicht alles so ist, wie es sein sollte. Dieses untrügliche Gefühl aus so vielen Jahren beruflicher Erfahrung im pädagogischen Bereich. War es die ständige Rotation oder die unaufhörliche Forderung nach neuen Spielern? Es ist schade, wenn nun ausschließlich den Spielern der schwarze Peter zugeschoben wird, ihnen Unprofessionalität und „Mimimi Mentalität“ vorgeworfen wird, nur weil vielleicht Dinge und Abläufe hinterfragt wurden.  Letztendlich waren es immer die Spieler, die auf dem Platz alles gegeben haben und manch Spiel erst in der Nachspielzeit gedreht haben. Die Fotos der pottendreckigen Trikots dürften wir alle noch vor Augen haben. Das macht nicht nur der Trainer. Das macht auch die Wechselwirkung von Charakteren auf dem Platz und auf den Tribünen. Alles zusammen war Rot-Weiss Essen und war der gute Weg, auf dem wir uns befunden haben. Keiner kann sagen, wie die Saison ohne virale Grätsche weiter verlaufen wäre. Daher helfen auch keine Spekulationen. Fakt hingegen, dass wir uns endlich von diesem bekloppten Verband trennen müssen, den nicht erteilte Lizenzen und dergleichen einen Dreck interessieren.

Christian Titz wirkt wie ein Lehrer, der im Elterngespräch und auf Klassenabenden zu begeistern weiß, von seinen Schülern jedoch unmögliches fordert und sie auch immer wieder spüren lässt, dass sie seinen Ansprüchen niemals gerecht werden. Wie soll man so das Selbstvertrauen aufbauen, was es braucht, um eine Saison knallhart durchzuziehen? Wie soll ich mich stark fühlen, wenn ständig Verbesserungen auf meiner Position gefordert werden? In Anbetracht der ständigen Spielerforderungen durch Christian Titz hat die Mannschaft einen respektablen Job gemacht. Ohne sich wirklich bestärkt zu fühlen, haben die Jungs für das Emblem auf der Brust alles rausgehauen. Das sollte nicht vergessen und honoriert werden. Wenigstens mit der gebotenen Fairness.

Lieber Herr Titz, vielen Dank für Ihre Zeit anne Hafenstraße.  Für Ihren Anteil an der aufkeimenden Hoffnung. Für manch schönen Fußballabend. Bleiben Sie gesund!

Während auf sozialen Medien immer noch im bisweilen bissigen Mit(gegen)einander Argumente ausgetauscht wurden, hat zum einen jawattdenn eine ausgewogenen Einordnung der Causa Titz und zum anderen unser aller Verein einen neuen Trainer präsentiert. Das ging dann ja mal wieder richtig fix. Christian Neidhart heißt er. Und arbeitete bis kurzem im Emsland beim Drittligisten SV Meppen. Das Schalke der Grafschafter. Neuer Trainer bei RWE? Nur kein Neid. Hart genug wird es werden, die Titzianer der Kommentarspalten eines Tages auf den Tribünen wieder hinter die Mannschaft zu bringen. Ich bin wirklich gespannt, welche Auswirkungen der Trainerwechsel nun haben wird. Und vor allem, wann wir das Ergebnis dann auch endlich wieder im Stadion erleben dürfen.

Fakt aber: Es war nicht alles Titz was glänzte. Die Aufbruchstimmung im Verein basierte auf vielen Säulen. Und diese Säulen sind noch da. Auf wenn es aufgrund der (ist die jetzt eigentlich schon beendet?) vergangenen Saison wirklich und verständlicherweise schwerfallen mag: Es geht den eingeschlagenen Weg weiter. Mit einer guten Mannschaft. Mindestens!

Und dann gab es ja noch dieses wunderprächtige Sondertrikot: Hier hingegen gehört mal so richtig Kritik geäußert, wurden doch die Emotionen, die ein solches Trikot hervorruft, arg unterschätzt. Und auch der Begriff „Limitiert“ war irgendwie fehl am Platz. Limitierte Trikots in diesem Fall hätte es vielleicht 100 Stück geben dürfen. Zum Preise von 1907€, übergeben von Willi Lippens am Rahn Denkmal mit Knutscha von Frau Rehhagel usw. Ich kann verstehen, dass sich die stolzen Besitzer der ersten Rutsche nun vielleicht ihrer Exklusivität beraubt sehen. Aber, ich hätte auch gerne eines dieser Trikots und freue mich nun über eine zweite oder gar dritte Chance. Ein gelungenes Trikot ist immer mehr als nur ein Stück Stoff. Es ist Geldausgabe und Gefühl zugleich, wobei letzteres überwiegt. Es sollte für alle machbar sein.

Es ist also nun wie es ist. Rot-Weiss Essen hat einen neue Trainer. Mal wieder. Herzlich willkommen Christian Neidhart. Wir werden sehen.

Einhundert! (Anteilig aus`m Buch)

Wir haben so viel zu feiern und zu gedenken, da kommt man manchmal gar nicht mehr hinterher: Deutscher Meister, Deutscher Pokalsieger, erster Teilnehmer am Pokal der Landesmeister, Todestage, Erinnerungen und so weiter und so RWE. Aktuell kommt noch die Erinnerung an das großartige Agieren eines Verbandes hinzu, welcher seine Daseinsberechtigung zum Großteil aus den Abgaben von Rot-Weiss Essen finanziert.

Lästert ruhig über uns. Am Ende werden wir Euch doch verlassen. Und dann ist erst einmal Schicht im Schacht mit Abgaben aus fünfstelligen Einnahmen pro Heimspiel. Dann winken höchstens noch 50€ aus dem Spiel zweier Zweitvertretungen gegeneinander.

Aber das auch nur am Rande, wir haben es ja alle geahnt. Nun also Relegation SC Verl gegen Lokomotive Leipzig. Oder auch: Treffen der Lizenzlosen. Das ist schon ziemlich schräg: Da werden zwei Vereine bestimmt, die beiderseits noch keine Lizenz für die Liga erhalten haben, um die es zu spielen gilt. Das ist so bescheuert, dass es fasst schon wieder normaler Verbandswahnsinn ist. Macht Ihr Euer Ding, wir machen das andere. Nämlich das mit den Emotionen und den Erinnerungen.

Und als solche überkam uns dieser Tage diese jene welche, dass Rot-Weiss Essen seit mittlerweile einhundert Jahre an der Hafenstraße 97a beheimatet ist. Dreistellig in Zeiten, wo Stadien ausgelagert werden oder Konstrukte ihren elften Geburtstag feiern. Natürlich gibt es auch in Essen genug Zeitzeugen, die ihre Leidenschaft mit dem Georg-Melches Stadion 2012 begraben haben. Oder mindestens immer noch darunter leiden, dass es abgerissen wurde. Darunter leide ich auch. Aber bin glücklich darüber, weiterhin an die Hafenstraße pilgern zu dürfen. Die selbe Adresse zu nutzen.

Georg Melches: Spieler, Funktionär, Bergwerksdirektor und Mädchen für alles. Kein Wunder also, dass er auch bei der Platzwahl seine Kontakte spielen ließ. Zunächst auf dem Gelände der Zeche Emscher gebolzt, folgte schon Anfang der zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts der Umzug an die Hafenstraße. Also ziemlich genau dort, wo auch heute noch mehr oder weniger erfolgreich Heimspiele ausgetragen werden. Als das Georg Melches Stadion noch nicht in Georg Melches Stadion hieß, da der Namensgeber noch jung an Jahren und sich bester Gesundheit erfreuend, hieß die neue Heimat seinerzeit schlicht „Stadion Rot-Weiss“. 

Schlicht, aber genial! Und meines Erachtens immer noch besser als das inflationäre „XY Arena“ der heutigen Zeit. Die neue Spielstätte bot Im Mittelwert Platz für 11.000 Besucher; für Fußball Essen in den dreißiger Jahresdefinitiv ausreichend. Mit dem Erreichen der Aufstiegsrunde zur Gauliga Niederrhein und dem Aufstieg in selbige jedoch erreichte das Interesse an Rot-Weiss Essen einen ersten Höhepunkt und die Grenzen der Kapazitäten wurden erreicht. Ein Ausbau musste her, und wieder stand Georg-Melches als Netzwerker der digitalen Vorzeit im Fokus und ließ seine Kontakte spielen: Die Baufirma Hochtief hatte tonnenweise Bauschutt zu entsorgen und Georg Melches hatte die passende Ablagemöglichkeit dafür: Das Stadion Rot-Weiss diente ab sofort als Halde. Idealerweise rund um das Spielfeld angehäuft, verdichteten Vereinsmitglieder und Bergarbeiter diesen Schutt zu Stehrängen. Das Stadion Rot-Weiss quasi weiterentwickelt auf Ruinen. Eröffnet wurde das ausgebaute Stadion am 13. August 1939 in keinem Freundschaftsspiel gegen den amtierenden deutschen Meister und Nachbarn aus Gelsenkirchen. Über Dreißigtausend Fans hatten nun Platz im Stadion, denn so viele waren bei der 1:5 Niederlage zugegen. Schutt quasi als Extensions für Stadien. 

Die Apokalypse des zweiten Weltkriegs, angezettelt durch faschistischen Wahnsinn legte nicht viele Jahre später das Stadion Rot-Weiss leider in Schutt & Asche. Fast eine Ironie des Schicksals: Aus Schutt errichtet, zu Schutt gebombt. Georg Melches wäre aber nicht Georg Melches, hätte er nicht schon kurz nach Kriegsende die Rot-Weisse Familie zur Hafenstraße eingeladen und davon überzeugt, dass Stadion wieder aufzubauen. Dieses Mal also auferstanden aus Ruinen. Nun war Georg Melches somit auch noch Bauleiter und Organisator vieler Materialien. Wer um die Knappheit an allen Dingen im Nachkriegsdeutschland und speziell im Ruhrpott weiss, der vermag zu ahnen, wieviel Verhandlungsgeschick hier an den Tag gelegt werden musste um die Dinge zu organisieren. Vielleicht der größte Verdienst in der langen Kette seiner Verdienste rund um Rot-Weiss Essen. Das Stadion wuchs, und selbst an eine Grünanlage in Anlehnung an die Gruga (Große Ruhrländische Gartenbau-Ausstellung) wurde gedacht. Passenderweise kleine Gruga genannt. Stadion Rot-Weiss, mehr als nur ein Lebenswerk. Und so war es nur konsequent, dass Stadion ein Jahr nach dem Tode seines Erbauers und Vereinspatron auch nach ihm zu benennen: Georg Melches Stadion von nun an der Name. Unsere Heimat für lange Jahre!

Heimat somit bis in das Jahr 2012, als in einem tränenreichen Spiel gegen Fortuna Köln Abschied genommen wurde von der alten Kabachel. Der Weg zum Stadion Essen geebnet. Für viele auch acht Jahr später immer noch kein legitimer Nachfolger des GMS. Aber, es hätte wirklich viel schlimmer kommen können, ist doch die Hafenstraße weiter unsere Heimat. Auch das sollte man sich immer wieder vor Auge führen. Rot-Weiss Essen ist nunmehr seit hundert Jahren an der Hafenstraße Essen beheimatet. Und wird es mindestens weitere hundert Jahre sein. Das ist einfach töfte!

Und was den Verband angeht: Fangt schon mal an zu sparen.

HAFENSTRAßE ESSEN. MEIN PLATZ. MEINE HEIMAT.

Vatertag. Pfingsten. WDFV. Ole Ole.

Es war am sogenannten Vatertag. Tagsüber verbracht nicht nur mit der Liebsten, sondern abends auch mit Fans des SV Werder, des FC St. Pauli und von Borussia Mönchengladbach. Allesamt langjährige Freunde und Väter. Daher trafen wir uns mit gebotenem Abstand zueinander. Wir haben kaum über Fußball geredet. Eigentlich gar nicht. Schließlich sind die drei Freunde keine „aktiven“ Fans (Sprich Stadiongänger) wie ich es einer bin. Sondern eher TV Konsumenten. 

Aber selbst der vergangene Geisterspieltag war jetzt nicht so wirklich von Interesse, viel zu unwirklich das Ganze. Somit war ich wohl der einzig wirklich leidende Fan von uns Vieren. Schließlich ist für mich Fußball weiterhin Rot-Weiss Essen. Ist Frikadelle und Freunde. Findet im Stadion statt statt nur anderweitig dabei. Geht bis ins Mark anstatt auf der Mattscheibe dahin zu vegetieren. 

Unser diesjähriger Urlaub war geplant rund um die Relegationstermine zwischen dem Vertreter aus dem Westen und dem Nordosten. Grundsätzlich eine aberwitzige Ansetzung, denn Meister müssen aufgrund der gebotenen Saisonleistung zwingend aufsteigen. Nun wollte unser designierter Meister jetzt nicht wirklich, was kurzfristig die Hoffnung nährte, dass unser aller RWE für die Küchenjungs aus Rödinghausen einspringt. Hätten wir natürlich auch sehr gerne gemacht.

Ich glaube übrigens weiterhin fest daran, dass sich der weitere Saisonverlauf insofern positiv für uns entwickelt hätte, so dass wir spätestens Mittwoch vor Vattertach eine Rot-Weisse Karawane auf der Autobahn Richtung Leipzig, Cottbus oder Berlin hätten erleben dürfen.

Man darf ja gar nicht daran denken, was ein erstes Pflichtspiel außerhalb der eigenen Landesgrenzen für Euphorie rund um die Hafenstraße ausgelöst hätte. Von Kategorie A bis Z wäre so ziemlich alles auf der Bahn, was jemals die Buchstaben RWE aufsagen konnte oder irgendwie damit sozialisiert wurde. Mit im Reisegepäck die Euphorie der Stunde, aber auch die Angst des Scheiterns. 

Naturgemäß und allseits bekannt wurde nichts aus diesen erträumten Sternstunden Rot-Weisser Fußballkultur.  Zwischen uns und unseren Plänen steht immer noch ein Westdeutscher Fußballverband. Ja gut, und die Tabelle. Wattenscheid hin oder her. 

Im Norden und Südwesten der Regionalligarepublik wurden mittlerweile Entscheidungen getroffen: Aus dem Südwesten hat es der 1.FC Saarbrücken in die dritte Bundesliga geschafft. Aktuell ohne eigenes Stadion und in Völklingen zu Gast. Herzlichen Glückwunsch an die Saar. Der Parforceritt durch den DFB Pokal hat gezeigt, das da eine gute Truppe am Start ist. Aus dem Norden hat es via Anordnung der VfB Lübeck zurück geschafft. VfB Lübeck…da dreht sich mir als Erstes der Magen um und macht es mehr als nur „Örks“. Der VfB kann nichts für unseren charakterlosen Haufen vom 31.5.08. Aber er wird stets damit in Verbindung gebracht werden. Die Lohmühle ein schöner Fußballort. Alles Gute zum Aufstieg.

Bleiben unter anderem wir. Also die Regionalliga hier. In unserem Revier. Liga Vier. Mit dem Angebot einer sportlichen Auseinandersetzung ist der RWE wie erwartet beim WDFV gescheitert. Das muss man verstehen, denn sportliche Entscheidungen sind nicht so das Ding da im Verband. Das wäre ja auch alles zu einfach. Nee, wir warten einfach ab, bis der SC Verl eine entsprechende Spielstätte präsentiert und bekommen die Geschichte dann wie folgt abgenickt: „Aufgrund der aktuellen tabellarischen Aktualität unter Berücksichtigung aller punktuellen Punkte nebst temporärer Tabellensituation unter Missachtung der Wattenscheid Tragödie und unter vollkommener Vernachlässigung weiterer Spiele haben wir vor, wie folgt zu entscheiden: Mit sofortiger Wirkung werden wir spätestens am 20. Juni den SC Verl zum Relegationsteilnehmer bestimmen. Sollen die Verler dort machen, was sie wollen, aber wir benötigen weiter den RWE in der Regionalliga, um mit den Abgaben unsere Rechnungen zu bezahlen“. 

Und somit harren wir also nun der Dinge, um endlich Klarheit zu bekommen. Die wir ja eigentlich schon haben. Seien wir ehrlich: Wir werden auch kommende Saison Viertklassig erstklassig unsere Lieder singen. Und in Anbetracht der Tatsache, wie sich der DFB und seine Dritte Bundesliga gerade präsentieren, vielleicht nicht einmal die schlechteste Idee. Das dortige „Alle gegen Alle“ ist nicht mehr so unsere Sache. Bei uns ist gerade und einmal mehr Zusammenhalt gefragt. Die Mitgliederzahl tendiert Richtung „Allzeithoch“ und ganz nebenbei wurde auch noch der Engelmann aus Rödinghausen verpflichtet. Auch nicht schlecht, cooler Move!

Meine Güte, was vermisse ich die Hafenstraße. Diesen Moment, wenn die Mannschaft aus den Katakomben kommt, um sich vorzubereiten. Die ersten Gesänge angestimmt und unsere Fahnen geschwenkt werden. Wenn sich Vorfreude auf das Spiel mit wohliger Aufgeregtheit abwechselt. Der letzte Blick vor dem Anpfiff über die Tribünen. Der gewunkene Gruß Richtung „R4“. Das sind die Momente, in denen Rot-Weiss Essen völlig losgekoppelt von jeder Liga agiert. Momente, in denen RWE stets erstklassig ist. Neunzig Minuten nur der RWE!

Alles wird gut! 

 

 

 

 

Nichts genaues weiß man nicht.

Eins vorneweg: Ich habe die Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der Ersten und Zweiten Bundesliga am Empfangsgerät nicht verfolgt. Es macht für mich so keinen Sinn: Fans gehören zum Fußball wie keine Meisterschaft zu Schalke oder die herrliche Blume auf dem frisch gezapften Pils. Meinetwegen kann der Ball aber trotzdem dort rollen, was habe ich von den Ligen der anderen?

Im Autoradio hörten sich die kurzen Einblendungen fast wie immer an. Lediglich die Geräuschkulisse im Hintergrund hatte etwas von Kreisklasse C inklusive lautstarken Eingebungen. Doch brach es mir auch da kurz das Fußballer- und Fanherz: „Fußball kann auch ohne Fans Spaß machen“, sprach der Radiokommentator aus Köln-Müngersdorf.

Er tat dies sicher ohne jedweden Hintergedanken, sondern einfach aus der Freude darüber, wohl ein schönes Spiel gesehen zu haben. Trotzdem war dieser Satz schmerzhaft zu verkraften. Fußball muss ja nicht einmal Spaß machen. Schließlich ist Fußball unser Leben, so wie unser Verein die Luft zum Atmen ist. Und da ist eben auch nicht immer alles heile Welt. Wir sind ja nicht auf dem Ponyhof.

Einen kleinen Vorteil übrigens haben Fans von Vereinen, die der DFL zugehörig sind, trotzdem. Auch ohne aktiven Stadionbesuch: Sie wissen wenigstens um die Liga, können sich wieder an Spieltagen orientieren und sehen die Zukunft ihres Vereins zunächst einmal gesichert. Die so wichtigen „Aki“Millionen „Kalle“-Gelder, nachfolgend schlicht TV-Gelder genannt, fließen wieder. Schön, denken sich nun die Vereine ab Liga Drei: Und was ist mal wieder mit uns?

Irgendwie fühlt sich der DFB mittlerweile an wie seinerzeit die Titanic: Mit überteuertem Luxusdampfer sehenden Auges auf den Eisberg namens Kollaps zu. Rettungsboote lediglich für die Passagiere der oberen 36 an Bord. Die Passagiere der unterklassigen Holzklasse stören eigentlich eh schon und würden bei Bedarf gerne über Bord geworfen. Keine Zeit für Rettungsaktionen, Solidarität? Fehlanzeige.

Somit weiß also auch Rot-Weiss Essen (Holzklasse) immer noch nicht, wie es weitergeht. Ob es mit der aktuellen Saison überhaupt weitergehen wird. Da nun der Westdeutsche Fußballverband aus seinem Hauptquartier immer noch keinen weißen Rauch in Form einer Entscheidungsfindung hat aufsteigen lassen, ist man mit Nachbar RWO nach gemeinsamem Brainstorming überein gekommen, einen Vorschlag zur sportlichen Lösung im Rennen um den Relegationsplatz zu unterbreiten.

Dem temporären Tabellenplatz des SC Verl Rechnung tragend, würde laut Vorschlag Rot-Weiss Essen gegen Rot Weiß Oberhausen ein geisterhaftes Halbfinale austragen. Der Sieger daraus ist wie von Geisterhand für das gespenstische Finale gegen den SC Verl qualifiziert. Und der Gewinner dieser Begegnung dann, darf in der verhexten Relegation gegen den Nordostvertreter antreten, um dem Spuk Regionalliga endgültig ein Ende zu bereiten. Bislang habe ich weder von Verbandsseite noch aus Verl eine Reaktion auf den Vorschlag mitbekommen.

Auf Fanebene diverser Vereine wird der Vorschlag wie zu erwarten kontrovers diskutiert. Meines Erachtens wird es niemals eine Lösung geben, mit der alle Vereine auch nur annähernd zufrieden sein werden und können. Keiner hat es sich so ausgesucht. Was man aber nun den beiden Kontrahenten aus dem Pott hoch anrechnen sollte, ist die Bereitschaft, mit einem Halbfinale ein großes sportliches Risiko einzugehen. Da wird wenigstens mal Mumm gezeigt, sich überhaupt in Richtung einer zielorientierten Lösung zu bewegen. Das verdient Respekt!

 

Soweit die Kolumne für die WAZ vom vergangenen Dienstag. Einen Tag später erfolgte dann die mittlerweile schon obligatorische Telefonkonferenz zwischen Verband und Vereinen. Das Resultat dieser „TelKo“ entnervt und irritiert einmal mehr: Erst am 20. Juni   2020 will der Verband seine endgültige Entscheidung bekanntgeben. Vorher soll aber schon der Teilnehmer zur Relegation gegen den Nordostvertreter feststehen. Und der SC Verl seinerseits hat noch bis Ende Juni (faktisch also bis zum 30.Juni 2020) Zeit, in der Stadionfrage nachzubessern, so dass die Lizenz erteilt werden könnte.

Also eigentlich haben wir einen Termin, der aber egal ist, weil möglicherweise schon vorher etwas ganz relevantes verkündet wird, und sich auch nachher noch alles verschieben kann, weil dann eventuell doch noch eine Lizenz vergeben wird. Ja hömma, bin ich jetzt zu doof, dass alles noch auf die Kette zu bekommen, oder ist es wirklich so verwirrend?

Warum gibt es vielerorts schon Beschlüsse und Entscheidungen, so tragisch und unsportlich sie auch immer sein mögen, nur der Westdeutsche Fußballverband dehnt seine Entscheidung weiter und weiter hinaus. Man kann nicht ewig hinauszögern, bis es  alles so auf dem Tisch liegt, wie es dem Verband genehm ist.

Und nein! Definitiv nein: Es ist aus meiner Sicht kein Versuch von Rot-Weiss Essen, sich einen Aufstieg am grünen Tisch als Corona Günstling zu erschleichen. Wattenscheid darf und kann hier nicht außer Acht gelassen werden, und sollte den RWE Gegnern noch einmal vor Augen geführt werden: Hätte Wattenscheid sein Konto im Griff gehabt, wäre RWE aktuell vor dem SC Verl und es gäbe keine Diskussion diesbezüglich. Zudem: Kann jemand garantieren, dass der SC Verl die Nachholspiele allesamt gewonnen hätte? Oder das Heimspiel gegen den RWE, welches definitiv ein Auswärtsspiel für den Gastgeber geworden wäre…. also alles legitim, was an der Hafenstraße gerade probiert wird. Und sicher weiß man nicht nur hier, sondern auch an der Verler Poststraße und bei RWO, dass alle drei sportlich natürlich nur die Kronprinzen hinter den Küchenjungs sind.

Eine Entscheidung nun aber um weitere vier Wochen hinauszuzögern bekommt den Makel des Zugeständnisses Richtung SC Verl, um notwendige Zeit in Sachen Lizenzfrage zu gewinnen. Für alle anderen Vereine jedoch bedeutet es wertvolle Wochen des Verlustes, um seriös die kommende Saison zu planen. Wie willst Du mit den Spielern verhandeln, wenn Du als Verein gar nicht weißt, wo es möglicherweise im September anzutreten gilt? Natürlich kann auch der Verband nichts für dieses verfluchte Virus. Aber bitte: kommt endlich mal in die Pötte (Und außerdem: Eigentlich ist es mir mittlerweile auch fast egal, wo unser RWE in der kommenden Saison auflaufen wird: Hauptsache, wir sehen ihn überhaupt endlich wieder auflaufen)!

Ansonsten fordere ich auch einfach mal „Gerechtigkeit für Rot-Weiss Essen“! Eben so, wie es eine Abordnung Essener Fans schon 1972 am Rande des Endspiels um die Deutsche Amateurmeisterschaft in Neuwied zwischen dem FSV Frankfurt und dem TSV Marl-Hüls tat.

Finale Deutsche Amateurmeisterschaft 1972 in Neuwied zwischen TSV Marl H¸ls und FSV Frankfurt am Ra

(Eine Bitte: Ich habe die Lizenz an diesem Bild ausschließlich für diesen Beitrag erworben. Eventuelles Teilen könnte strafrechtliche Folgen durch Imago  Images als Rechteinhaber zur Folge haben. Leider.)

 

Geduld ist das Trostpflaster der Sehnsucht (T.W Keßler)! MAZ ab…

Es dürfte überraschen, wenn ein Fan einer Mannschaft sagt, dass er auch andere Vereine vermisst. Aber es ist in der Tat so. Schließlich sind wir zwar in den Farben (oder den Buchstaben) getrennt, aber gegen Corona vereint. Und vermissen selbst diese bescheidene Liga. Unseren Fußball! Die Sticheleien gegen andere Vereine und dessen Fans. Die Emotionen, wenn unsere Mannschaften auflaufen und die Fahnen wehen. Wir vermissen das Bier davor, währenddessen und danach. Wir können nicht mehr vergnügt nach einem Spiel nach Hause fahren. Wir können ja nicht einmal mehr nach einer Niederlage frustriert den Heimweg antreten. Nein, momentan müssen wir im wahrsten Sinne des Wortes den Ball flach halten. Und da das Spiel gegen Corona ein Gemeinschaftsdingen erster Güte ist, frage ich mich nicht nur ständig, wie es unserem RWE geht, sondern auch, wie es wohl den anderen gehen mag. Daher einfach mal angefragt bei uns im Hause. In Aachen, bei RWO und am Zoo. 

Kleine Anmerkung am Rande: Die Fragen gingen vor jener Telefonkonferenz raus, bei jener viele Vereine einer Meinung waren. Unser RWE diese nicht vertreten kann und die kleinen Fohlen sich nicht entscheiden wollten. Die Reise ins sportlich Ungewisse bei bleibender wirtschaftlicher Problemantik geht also weiter. Dabei wissen wir alle eines doch schon jetzt: Es wird keine gerechte Lösung geben!  Die Antworten aus Essen und Aachen trudelten vor der „TelKo“ ein, die aus Oberhausen danach und entsprechend der Situation angepasst. Danke, Danke, Danke Euch!

Aus Wuppertal kam leider keine Rückmeldung. Irgendwie verständlich, hat doch der WSV wie immer am meisten von uns allen zu kämpfen. Muss sich einmal mehr neu sortieren. Daher beste Grüße an den Zoo: Für uns kommt das Spiel gegen W(uppertal) immer noch vor dem Spiel gegen V(erl). Auch wenn es das Alphabet anders sehen mag.

Aus Aachen berichtet nun Klaus Schwarze; aus Oberhausen Ernst Huberty und aus Essen Kurt Brumme. MAZ ab:

Wie geht es Euch? Haltet Ihr Euch und vor allen Dingen, haltet Ihr durch, so ohne das Tagesgeschäft Heimspiel?

Martin vom Hofe (Geschäftsführer Alemannia Aachen): Natürlich ging es uns schon besser aber wir halten uns über Wasser – wir sind gespannt was uns morgen der Verband in der Telefonkonferenz sagen wird.

Marcus Uhlig (Dem RWE sein Vorsteher): Gesundheitlich sind wir bisher glücklicherweise alle vom Corona Virus verschont geblieben. Trotzdem fehlt es uns, auf die Heimspiele hinzuarbeiten, im Stadion zu stehen und mit unserem RWE mitzufiebern. Was uns beunruhigt ist jedoch vor allem die Ungewissheit, wie und wann es weitergeht und wie wir sicherstellen, dass unser Verein diese Krise übersteht.

Thorsten Sterna (Leiter Medien & Kommunikation RWO): Erstmal sind wir tatsächlich überrascht, dass diese Anfrage ins Haus geflattert kam. Aber das allein zeigt uns doch, dass wir letztendlich alle in einem Boot sitzen. Irgendwie kann der eine ohne den anderen nicht. Aber wenn man Corona etwas Positives abgewinnen kann, dann die Tatsache, dass sich alle wieder auf die Basics besinnen und auch mal an der Nachbar-Tür anklopfen. Das freut uns auch in Oberhausen. Aber zurück zur Frage: Uns geht es den Umständen entsprechend. Was ist ein Fußballverein ohne Fußball? Ein Verein. Ein Team, das eng zusammenrückt und versucht, das Beste aus der Situation zu machen. Am Ende fehlt uns aber einfach unser Kerngeschäft – der Fußball. Genau wie Euch in Essen auch.

Geistertickets, virtuelle Biere und kalorienfreie Bratwurst…nicht nur bei RWE aktuell im Angebot. Was passiert diesbezüglich bei Euch und wie ist die Resonanz der Fans? 

Martin vom Hofe: Wir verkaufen auch schon länger unser goldenes Ticket. Für 10 Euro gibt es einen Gutschein für eine Wurst oder ein Getränk. Es haben sogar Rot-Weisse bei uns gekauft – absoluter Rahnsinn! ☺ Darüber hinaus gibt es immer mal wieder Versteigerungen von Alemannia-Artikeln wie Trikots, Bilder etc.

Marcus Uhlig: Bei dieser Frage erübrigt sich ja die Antwort von der Hafenstraße. Eines wollen wir aber noch loswerden: Wir sind tief beeindruckt von unseren Fans und auch ein Stück weit stolz darauf, wie solidarisch sich unsere Anhänger in Krisenzeiten zeigen. „Rot-Weiss Essen, wir halten zusammen“ ist nicht nur eine Liedzeile, sondern wird an der Hafenstraße gelebt.

Thorsten Sterna: Wir waren mit den Geisterspiel-Tickets ja sehr früh dran. Die Idee keimte intern schon, bevor sie der VfL Bochum als erster Revierverein umgesetzt hat. Aber da waren die Techniker in Sachen Umsetzung eben einen Tag schneller. Daraus entstehen dann Folge-Aktionen, weil eben jeder von uns seinen Stadionbesuch vor Augen abspult und sich hinterfragt: Was gehört noch dazu? Darum ähneln sich die Aktionen der Vereine auch so. Das hat nichts mit Abschreiben oder so zu tun. Das sind einfach grundlegende Artikel, mit denen ein Verein Geld verdient. Wir gönnen es jedem, wenn er dadurch sein Corona-Loch stopfen kann. Unsere Fans haben das quasi per Social Media mit angestoßen. Darum konnten wir auch problemlos behaupten, dass uns der Wunsch der Fans Befehl sei. Über die Solidaritätsschiene konnten wir einige Fans und Freunde mobilisieren. Das ist eine tolle Erkenntnis. Ich hoffe, sie hält an, bis wir wieder richtige Spieltagskarten verkaufen können, denn dann können wir auch im Stadion ordentlich Eigenwerbung betreiben. Aber bis hierhin muss man unseren Unterstützern – die es der Bestellerliste nach zu urteilen von Sylt bis Bad Tölz gibt – ein großes Kompliment machen.

Es wird viel spekuliert, wie mit der coronistisch unterbrochenen Saison nun weiter zu verfahren ist. Es muss ja irgendwie weitergehen, auch ohne Eierlikörchen. Von Saisonabbruch bis hin zur Verlängerung vor leeren Tribünen ist fast alles dabei. Was ist Euer Wunsch für die restliche Saison?

Martin vom Hofe: Ich glaube wir sind leider weit entfernt von Wünsch Dir was. Aber wenn Ihr mich so fragt: Saisonabbruch und Alemannia und RWE in Liga 3!

Marcus Uhlig: Leere Tribünen stellen uns wirtschaftlich vor eine fast unlösbare Aufgabe, weil wir unsere Kosten wieder hochfahren müssten, gleichzeitig aber keine Einnahmen über unsere Heimspiele generieren könnten und uns mit Rückforderungen von Dauerkarteninhabern und Sponsoren konfrontiert werden. Da sprechen wir dann mal eben über 2,5 Millionen Euro. Daher würden wir uns wünschen, dass die Saison zu einem späteren Zeitpunkt zu Ende gespielt werden kann oder abgebrochen wird, wobei in einem solchen Fall das bisherige sportliche Abschneiden sowie die Chance auf sportlichen Erfolg zwingend mitgedacht werden müsste. 

Thorsten Sterna: Da ein Großteil unserer Saisonplanung auf den Zuschauerzahlen basiert, wäre es genauso fatal wie für RWE, wenn wir zu Geisterspielen gezwungen werden. Erst kürzlich hat die Regierung das Kontaktverbot verlängert und dem Verband die Entscheidung quasi aufdiktiert. Alles andere als eine Bestätigung des Votums seitens des Verbandspräsidiums würde uns nur schwer wundern. Eine „künstliche“ Verlängerung bis ins nächste Jahr sehen wir aus diversen Gründen für undenkbar – und auch rechtlich angreifbar.

Die obere Hälfte der dritten Liga wünscht keine Zweigleisigkeit; befürchtet sportliche Verwässerung und finanzielle Verluste magenta-ler Art. Die untere Hälfte der Drittligisten würde für einen „Saisonus interruptus“ plädieren. Ohne Absteiger natürlich (Diese Schlingel). Und ambitionierte Regionalligisten könnten sich bisweilen sehr für eine zweigleisige Dritte Bundesliga erwärmen. Wie sieht der Wunsch für die Zukunft aus?

Martin vom Hofe: Allgemeiner Wunsch nach einer richtigen Reform ist ja schon seit längerem da. Nun hätte man da ja ggf. mal die Chance es coronabedingt aufzugleisen. Das „Wie“ ist und bleibt aber doch die Gretchenfrage.

Marcus Uhlig: Wir sollten uns in der aktuellen Situation zumindest keine Denkverbote auferlegen. Der Übergang von Liga 4 in Liga 3 ist längst als Fehler im System erkannt. Eine zweigleisige 3. Liga würde den Flaschenhals weiten und würde dazu führen, wirtschaftliche Folgen für einige Vereinen zumindest abzuschwächen.    

Thorsten Sterna: Ist doch klar. Wer einmal etwas hat, gibt es auch ungern wieder. Aber das muss ja nicht zwingend so eintreffen. Die zweigleisige 3. Liga ist aus mehreren Gründen spannend. Sie lässt die Vereine ihre bisherigen Ausgaben durch kürzere Reisewege und weniger Hotelkosten reduzieren. Auf der Habenseite könnten die vielen Derbys, die dadurch generiert werden, zu Buche schlagen. Es wäre auf jeden Fall eine großartige Sache für alle Freunde des Traditionsfußballs. Als Schlingel würde ich die aktuelle untere Drittliga-Hälfte nicht unbedingt bezeichnen. Durch Corona sind alle Vereine mehr als genug gestraft. Jetzt wäre es das richtige Zeichen der Verbände, in diesem für alle Beteiligten schwierigen Jahr nur Gewinner zu produzieren. Das schafft man ganz leicht mit der einmaligen Aussetzung der Abstiegsregel. Wenn die Verbände sich dafür öffnen und dann auch noch die 3. Liga anpassen, könnten auch die Verbände als Gewinner der Coronakrise vom Platz gehen.

Wir wissen ja aus Essen, dass „Geisterspiele“ in der Regionalliga möglicherweise Punkte bringen können, ohne TV Vertrag aber keine rentable Veranstaltung darstellen. Im Gegenteil, die Kosten  für das „Drumherum“ dürften ein weiteres Verlustgeschäft bedeuten. Grundsätzlich und losgelöst von unserer gemeinsamen Liga die Frage an den Fußballfan: Geisterspiele im TV, guckt man sich die wirklich gerne an? Und hat Dieter Karten mit seiner steilen These Recht, dass Bundesliga Fußball ohne Zuschauer/Emotionen qualitativ profitieren kann?

Martin  vom Hofe: Ich habe mir auch das Spiel Gladbach gegen Köln angeguckt. Es war schon gruselig aber aktuell ist halt nichts und ich würde es so werten für mich, dass es der Übergang zur neuen Saison ist, in der hoffentlich wieder alles beim Alten ist.

Marcus Uhlig: Nein, das sehe ich anders. Fans und Emotionen sind ein extrem wichtiger Teil dieses Sports. Was Geisterspiele angeht, ist unsere Position ja bekannt. 

Thorsten Sterna: Machen wir uns nichts vor: Zum Fußball gehören Emotionen. Das gegenseitige Befeuern der Fanblöcke, der Jubel beim entscheidenden 1:0 in der Nachspielzeit und so weiter. Aber über allem steht nun mal die Gesundheit der Menschen. Die muss immer gewährleistet sein. Wenn das nicht der Fall ist, muss man Kompromisse eingehen. Wenn es den 36 Klubs da oben weiterhilft, dann kann dieser Kompromiss das Geisterspiel sein. Davon, dass es die Klubs da oben gibt, profitieren wir ja auch. Sei es bei Zuschauereinnahmen durch Testspiele oder Transfers von Talenten unter den Nachwuchsleistungszentren (NLZ). Andersrum brauchen die Top-Klubs uns natürlich auch. Wenn wir wegbrechen würden – und mit „wir“ meine ich sämtliche Viertligisten, die freiwillig ein NLZ unterhalten – DAS würden die da oben auch merken. Dann kommen die Felix Passlacks, Gideon Jungs, Max Meyers und Co. nicht mehr so zielstrebig oben an. Deshalb: Leben und leben lassen. Am Ende sitzen wir auch hier wieder in einem Boot.

Kommt die Stadt Euch als Verein entgegen? Bis September ist noch lange hin. Alles will weiter gepflegt werden für den ersehnten (Ball-)Tag X. Und auch das macht sich ja nicht von alleine.

Martin vom Hofe: Hier befindet man sich noch in Gesprächen.

Marcus Uhlig: Die Stadt hält hier alles gut in Schuss, der Platz sieht so gut aus, wie seit vielen Monaten nicht mehr. Was jetzt noch fehlt, ist der Fußball.

Thorsten Sterna: Glücklicherweise ja. Das Oberhausener Gebäudemanagement, die OGM, hat uns zunächst bis Mitte des Jahres auf sämtliche Räumlichkeiten die Miete erlassen. Das ist ein großes Pfund und da sind wir der OGM sehr dankbar. In den letzten Spielen vor der Pandemie sah unser Trainingsplatz, gelinde gesagt, nicht schön aus. Auch das Spielfeld im Stadion Niederrhein war teilweise in einem desolaten Zustand, sodass sich sogar unser Cheftrainer Mike Terranova zu der Aussage hinreißen ließ, dass er den Rasen in seiner siebenjährigen RWO-Zeit so nie gesehen hat. Aber mittlerweile muss man unsere Grünflächen als die großen Gewinner der Auszeit erwähnen. Beide Plätze sind auch dank der Bearbeitung der unermüdlichen Pflegekräfte der OGM wieder in einem erstklassigen Zustand. Wenn es allein danach ginge, könnte es gerne bald wieder losgehen (lacht).

Wie geht es Eurer Mannschaft? Den Spielern? Wird wieder trainiert und was macht Corona mit der Psyche eines Sportlers, der an die Kette gelegt ist? Klar, ein jeder kann sich individuell fit halten. Aber die Abläufe auf dem Feld und all das, was den Mannschaftssport ausmacht: All das darf momentan nicht stattfinden. Kann das auf lange Zeit kompensiert werden? 

Martin vom Hofe: Das ist eine gute Frage die wohl kaum einer beantworten kann. Es wird Ihnen so gehen wie vielen anderen Arbeitern aktuell die in Kurzarbeit sind. Wir haben uns das alles bestimmt nicht so vorgestellt. Für die Jungs wünsche ich mir natürlich, dass sie bald aus dem öden individuellen Trainingsalltag rauskommen und wieder auf den grünen Rasen dürfen – aber das steht leider noch in den Sternen wann dies sein wird.

Marcus Uhlig: Das kann es ganz und gar nicht. Fußball ist ein Mannschaftssport, daher müssen Spieler zusammen funktionieren. Man kann noch so fit sein: Individuelles Training kann nie ein Ersatz für Mannschaftstraining sein.

Thorsten Sterna: Momentan befinden sich alle Spieler im Standby-Modus und halten sich individuell fit. Jeder Spieler hat einen eigenen Trainingsplan von unserem Trainerstab mitbekommen. Aber irgendwann kennt man dann auch jeden Baum im Park und hat die Zeiten der anderen Jogger auch auswendig drauf. Die Jungs wollen Fußball spielen! Sie wollen mit dem Ball arbeiten, Spielzüge einstudieren und Wettkämpfe bestreiten. Aber all das darf momentan nicht stattfinden. Wie würden Sie sich fühlen, wenn man Ihnen Ihr Spielzeug wegnehmen würde? Natürlich arbeitet der eine oder andere auch an seinem zweiten Standbein und büffelt grad Stoff für die Uni weg. Aber letztendlich sehnen sich alle wieder nach dem guten alten Fußballspiel.

Das erste Spiel nach dem „Hustensohn“: Wird der Fußball ein anderer sein? Gibt es den Zweikampf, wie wir ihn kennen? Oder die Jubeltraube nach einem Tor? Oder ist das Stadion voller denn je und wird inbrünstiger als jemals zuvor gesungen? 

Martin vom Hofe: Ich denke schon, dass alles ein wenig anderes sein wird denn es ist aktuell nicht gerade vorstellbar, dass alles wie gehabt weitergeht zumal ja erst mal (zumindest in den oberen Ligen) Geisterspiele drohen. Ich hatte mich eigentlich schon auf den ausverkauften Tivoli gegen Rot-Weiss gefreut da alle endlich wieder im Mai ins Stadion dürfen aber…..

Marcus Uhlig: Die  Hafenstraße ist nicht ohne RWE-Fans zu denken, die sich in den Armen liegen. Ich glaube, die Sehnsucht nach Fußball wird nach überstandener Coronakrise so groß sein, dass wir noch stimmungsvollere und noch ausgelassenere Spiele an der Hafenstraße erleben. Darauf freue ich mich jetzt schon. 

Thorsten Sterna: Ich weiß, es ist unhöflich, aber dennoch gestatten Sie mir diese Gegenfrage: Bis Oktober sollen Großveranstaltungen nicht möglich sein. Was heißt das für den Fußball? Was sind Großveranstaltungen? Werden die Stadionkapazitäten zunächst auf 100, 200 oder 500 Zuschauer runtergeschraubt oder gehen wir sofort wieder „All in“? Der Fußball wird sich definitiv verändern. Natürlich hoffen alle auf ausverkaufte Stadien, wenn das Kontaktverbot wieder aufgehoben ist, aber so vorsichtig, wie unsere Politiker sich an die ganze Thematik begeben – was nicht zwingend falsch sein muss – denke ich einfach, dass wir uns auch im Fußball langsam wieder herantasten. Hoffen wir einfach mal, dass der neue Spielplan es gut mit uns meint und das nächste Derby weit weg von allen Krisen vorsieht. Sicher ist sicher (lacht).

Ich wünsche Euch und Euren Vereinen, dass wir uns alle spätestens irgendwann eines Tages wieder gesund und in alter Rivalität im Stadion wiedersehen. Egal ob Tivoli, Niederrhein Stadion, anne Hafenstraße oder am Zoo…Corona ist hart, aber wir sind härter! Und natürlich (dass wird man mir weder in Aachen noch in Oberhausen verübeln): Nur der RWE! Wir geben zurück ins Studio* zu Addi Furler. 

*Zunächst noch einmal kurz die Schalte zu Thorsten Sterna mit dem Schlusswort: Das wünschen wir uns auch. Vielen Dank für die Kontaktaufnahme. Wir drücken Euch auch die Daumen, dass die ganze Nummer möglichst schadlos an Euch und uns vorbeigeht. Haltet durch und bleibt alle gesund!

Gerade meldete sich noch Werner Hansch mit einer aktuellen Meldung: Corona trägt tatsächlich zur „Konsoledisierung“ bei und sorgt so für Duelle der etwas anderen Art im Klassiker am 9.Mai zwischen der Alemannia & RWE. Wir können für 2€ Tickets dafür erwerben und den Tivoli noch voller als 2015 machen. Da geteiltes Leid halbes Leid ist, kommen die Erlöse aus dem Ticketing beiden Vereinen zu gleichen Teilen zu. Der Gewinner an der Konsole bekommt zudem ein handsigniertes 111 Gründe RWE Buch. Wenn das mal kein Anreiz ist…

Doch wir horchen allein dem Gerücht und wissen durchaus nichts (Homer).

Und wie wir heute so vor uns hin horchten und eigentlich mit ganz anderen Inhalten in Sachen Blog beschäftigt waren, verdichtete sich ein Gerücht, welches  von einer baldigen Telefonkonferenz aller Regionalligisten kündigte. Erstaunlicherweise wusste das Gerücht aber auch schon von dem Ergebnis einer Konferenz zu berichten, die noch nicht nicht einmal stattgefunden hat.

Was also besagt die Gerüchteküche? Die Gerüchteküche im, seit kurzem, Land der Küchenbauer hat ein Menü gezaubert, von dem mir eher schlecht wird, als dass ich es wohlschmeckend finden kann: Corona wird die Regionalliga beenden. Soweit, so gut! Und es wird keine Absteiger geben. Meinetwegen! Aber einen Aufsteiger sollen sich angeblich sechzehn der achtzehn Vereine wünschen: Und zwar den SC Verl. Seines Zeichens aktueller Tabellenzweiter. Anstelle des SV Rödinghausen also. Dem Küchenbauerverein ohne Umfeld.

So, und jetzt noch einmal der Reihe nach: Ein Verein, dessen Teilnahme an der Relegation laut Punktestand noch nicht einmal annähernd feststeht, soll also aufsteigen. Ohne Relegation! Diese wird also komplett ausgehebelt? Oder wie darf ich Unwissender das verstehen? Man kann nicht einfach einen Aufsteiger bestimmen, weiß die Liga darüber noch nicht einmal annähernd, wo der eigene Saisonfrosch die endgültige Locken hängen hat! Und man kann nicht einfach einen Aufsteiger bestimmen, hat auch die konkurrierende Relegationsliga noch nicht annähernd Kenntnis davon, dass die Relegation scheinbar ausgesetzt werden wird.

Ganz wichtig: Es geht hier nicht gegen den SC Verl als Verein! Es geht hier gegen den Planungswahnsinn, der gerüchteweise scheinbar schon auf den Weg gebracht wurde… Die Verler Mannschaft hat bis Corona eine tolle Saison gespielt. Zu unserem Leidwesen!

Wenn es also heute wirklich dazu kommen sollte, dass die Saison für beendet erklärt wird, und der SC Verl aufsteigen darf….ja dann ist das nicht nur eine weitere Kerbe in dem Gürtel der Unwägbarkeiten bei Rot-Weiss Essen. Es wäre vor allem eine der absurdesten sportliche Entscheidungen seit dem Bundesliga Skandal von 1971.

Ey, wenn jetzt der SC Verl den gefühlt 375 Punkte Vorsprung  der Reds aus Liverpool auf den Rest der Liga hätte, dann wäre eine solche Entscheidung nachvollziehbar und würde keiner etwas dagegen haben. Im Gegenteil. Aber so…….

Ne ne! Zunächst einmal ein ernst gemeinter Mittelfinger in Richtung derer, die gezielt diese Indiskretion vorab jeder Zusammenkunft verbreitet haben. Und auch in Richtung derer, die glauben, nun nach Gutsherrenart den Fußball stets in die gewünschte Richtung lenken zu wollen, wie es gerade beliebt. So einfach geht das nicht.

Macht einfach! Freut Euch! Aber seit Euch sicher: Rot-Weiss Essen wir niemals untergehen!

Man muß die Zukunft abwarten und die Gegenwart genießen oder ertragen (Alexander von Humboldt).

Ach könnten wir doch in die Zukunft schauen, ist doch die Gegenwart gerade schwer zu ertragen und kaum zu genießen. Aber, wir alle müssen und kommen da durch. Gemeinsam! Und wir haben nun auch verstanden, dass wir unsere geliebte Hafenstraße wohl erst im September wieder aus Anlass eines RWE Spiels betreten werden. Zusammen! Wer dann der Gegner sein wird; in welcher Liga das Spiel gespielt wird und überhaupt….dass kann stand heute keiner sagen.

Allerorten ruht auch der Sport und wird nie wieder derjenige sein, der er einmal war. Vielleicht aber ist Corona wirklich nicht nur tödlich, sondern auch diese eine letzte Chance, unsere Sicht auf viele Dinge zu verändern. Zu erden und zu relativieren. So auch den Fußball. Als Rot-Weiss Essen sind wir dieser Tage sehr gefragt, scheint unser Überlebenskampf in Anbetracht der hohen Leidenschaft aller Rot-Weissen etwas ganz besonderes zu sein. Und ja, wir sind auch etwas ganz besonderes. Wir sind weit unten und doch immer auch ganz oben. Wir sind RWE!

Mangels Berichterstattung über den rollenden Ball rauchen nun die Köpfe, wie man nach Corona wieder starten kann. Sucht nach einer Neuausrichtung in Sachen Ligenstruktur. Es muss ja irgendwie weiter gehen.  Dahingehend habe selbst ich mir so meine Gedanken gemacht. Gut, wir wissen alle, die spinnen die Briten. Und das schreibe ich, obwohl sie meine große Zuneigung und Liebe genießen. Zudem kommen immer mehr Fans von der Insel rüber in unser Land, um ein intensives Fußballwochenende zu genießen. Die Dinge in Sachen Leidenschaft haben sich diesbezüglich umgekehrt. Aber, die Engländer haben etwas, was mich weiterhin auf ewig faszinieren wird, und zwar ist das deren Ligenpyramide. Neben Lisbeth der Zwoten natürlich.

Wäre unser Fußball einfacher zu verwalten, würden wir diese eins zu eins auf den Deutschen Fußball übertragen? Könnten wir nach dem Lockdown einfacher starten mit jener klaren Struktur in England? Ich habe mir mal die Mühe gemacht, und nach englischem Vorbild die ersten sechs Ligen (nach aktuellem Tabellenstand) eingeteilt. Und würde mich zur Belohnung über eine Diskussion darüber freuen. Die Zweitvertretungen habe ich außen vor gelassen. In meiner Welt spielen die dann in einer eigenen, separaten Runde. Wie in England halt.

Aber was wären das für Ligen? Der BFC Dynamo Berlin könnte endlich auf den TSV Buchbach treffen. Die Ein Mann Fanfraktion aus Illertissen könnte sich am Meckerhügel bei Altona 93 so richtig austoben und der Old School Anhang des SV Atlas aus Delmenhorst am Schetters Busch in Essen mal so richtig pöbeln. Und natürlich würde auch der Auftritt von Lokomotive Leipzig anne Hafenstraße einiges an Althauern hervorzaubern. Ich sach mal so: Ich wollte schon immer mal mit dem RWE nach Rödinghausen!

Erste Bundesliga ( 20 Vereine3 Absteiger)

FC Bayern München,

Borussia Dortmund,

SSV Markranstädt/FaS,

VfL Borussia Mönchengladbach,

Bayer 04 Leverkusen,

Gelsenkirchen,

VfL Wolfsburg,

SC Freiburg,

TSG Hoffenheim,

1.FC Köln,

1.FC Union Berlin,

SG Eintracht Frankfurt,

Hertha BSC,

FC Augsburg,

1.FSV Mainz 05,

Fortuna Düsseldorf,

SV Werder Bremen,

SC Paderborn,

DSC Arminia Bielefeld,

VfB Stuttgart,

Zweite Bundesliga (24 Vereine – 3 Aufsteiger, 3 Absteiger)

Hamburger SV,

1.FC Heidenheim,

SpVgg Greuther Fürth,

SV Darmstadt 98,

Holstein Kiel,

Erzgebirge Aue,

Hannover 96,

SSV Jahn Regensburg,

FC St. Pauli,

VfL Osnabrück,

SV Sandhausen,

1.FC Nürnberg,

VfL Bochum,

SV Wehen Wiesbaden,

Karlsruher SC,

Dynamo Dresden,

MSV Duisburg,

SV Waldhof Mannheim, 

SpVgg Unterhaching,

SV Meppen,

FC Ingolstadt,

TSV 1860 München,

FC Hansa Rostock,

Eintracht Braunschweig,

Dritte Bundesliga (24 Vereine – 3 Aufsteiger, 4 Absteiger)

Würzburger Kickers,

KFC Uerdingen 05,

FC Viktoria Köln,

Chemnitzer FC,

1.FC Kaiserslautern,

1.FC Magdeburg,

Hallescher FC,

FSV Zwickau,

SC Preußen Münster,

SG Sonnenhof Großaspach,

FC Carl-Zeiss Jena,

VfB Lübeck,

SC Weiche Flensburg 08,

VSG Altglienicke,

1.FC Lokomotive Leipzig,

Energie Cottbus,

SV Rödinghausen,

SC Verl,

Rot-Weiss Essen,

1.FC Saarbrücken,

SV Elversberg,

TSV Steinbach Haiger,

Türkgücü München,

1.FC Schweinfurt 05,

Vierte Bundesliga (24 Vereine – 4 Aufsteiger, 2 Absteiger)

SV Drochtersen/Assel,

Eintracht Norderstedt,

BSV SV Rehden,

VfB Oldenburg,

TSV Havelse,

Union Fürstenwalde,

BFC Dynamo Berlin,

Berliner AK 07,

FC Viktoria 1889 Berlin,

VfB Auerbach,

Rot-Weiß Oberhausen,

TSV Alemannia Aachen,

Sportfreunde Lotte,

Bonner SC ,

Wuppertaler SV,

FC 08 Homburg,

FC Astoria Walldorf,

SSV Ulm 1846,

Kickers Offenbach,

FSV Frankfurt,

SpVgg Bayreuth,

Viktoria Aschaffenburg,

VfB Eichstätt,

TSV Buchbach,

Erste Amateurliga (24 Vereine – 2 Aufsteiger, 4 Absteiger)  (Level 5)

Lüneburger SK Hansa,

SSV Jeddeloh,

Altona 93,

Heider SV,

HSC Hannover,

ZFC Meuselwitz,

SV Lichtenberg 47,

BSG Chemie Leipzig,

Optik Rathenow,

Wacker Nordhausen,

TuS Haltern,

SV Lippstadt 08,

VfB  Homberg,

SV Bergisch-Gladbach,

VfR Aalen,

FC Gießen,

FK Pirmasens,

TSG Balingen,

TuS RW Koblenz,

TSV Aubstadt,

Wacker Burghausen,

FV Illertissen,

TSV Rain,

SV Heimstetten,

Zweite Amateurliga Nord (22 Vereine – 2 Aufsteiger, 3 Absteiger) (Level 6)

1.FC Phönix Lübeck,

SV Todesfelde,

TSB Flensburg,

TuS Dassendorf,

FC Teutonia Ottensen,

Tennis Borussia Berlin,

Greifswalder FC,

FC Hertha 03 Zehlendorf,

TSG Neustrelitz,

MSV Pampow,

Borussia Hildesheim,

SV Atlas Delmenhorst,

VfL Oldenburg,

Egestorf-Langreder,

FC Oberneuland,

TuS Schwachhausen,

SV Straelen,

1.FC Monheim,

SpVg Schonnebeck,

SC Wiedenbrück,

RSV Meinerzhagen,

SG Wattenscheid 09,

Zweite Amateurliga Süd (22 Vereine – 2 Aufsteiger, 3 Absteiger) (Level 6)

TSV Schott Mainz,

TuS Koblenz,

SV Eintracht Trier,

Eintracht Stadtallendorf,

KSV Hessen Kassel,

FC Eddersheim,

FSV 63 Luckenwalde,

FC Einheit Rudolstadt,

FC Eilenburg,

FC International Leipzig,

VFC Plauen,

1.FC Merseburg,

Göppinger SV,

Stuttgarter Kickers,

FV Ravensburg,

SV Oberachern,

DJK Vilzing,

SC Eltersdorf,

SV Seligporten,

FC Pipinsried,

TSV Wasserburg/Inn,

FC Deisenhofen,

 

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