Quarterback.

Das Spiel war gerade einmal drei Minuten jung, da dröhnte es lautstark aus einer der dreihundert Rot-Weissen Fanseelen heraus: „Das Schwert ham wir immer noch“. Nicht das die Spieler dort unten sich großartig für diesen Sachverhalt interessiert hätten, aber es ist einfach faszinierend, wie die Legende aus 2002 immer weiter Bestandteil unserer Fanfolklore ist und wohl auch sein wird. Das Richtschwert ist weg, dabei bleibt es. Und Punkte für die Preußen gab es im ersten Aufeinandertreffen nach zehn Jahren auch nicht als Wiedergutmachung . Verabschiedet wurden die eigenen Spieler in Münster übrigens, als ob es gegen Bielefeld oder Osnabrück gehen würde. Rot-Weiss Essen einmal mehr Everybody’s Darling Rivale.

Rückblende:

Wir schreiben den 24.Oktober 2009. Das Georg-Melches Stadion liegt in seinen letzten Zügen. Aus den Dächern bröckelt der Putz und an der Nord knabbert schon der Bagger. Preußen Münster ist zu Gast und 10.022 Fans beider Lager wollen in der alten Kabachel GMS dabei sein. Die zwei Gruppen der aktiven Szene bei den Preußen zu jener Zeit innig in „Freundschaft“ vereint. Etwa so wie Trump & Biden, Daum & Hoeneß oder auch Celtic & Rangers. Anreiz genug für die Essener Fanszene, ihrerseits mittels Spruchband dazu aufzufordern, die Dinge doch einmal „sportlich“ zu klären. Der Spielverlauf auf unserer Seite, ein gewisser Sascha Mölders zeichnete für das 1:0 verantwortlich.

Man ahnt nicht nur, sondern weiß natürlich, dass das Spiel im Gegensatz zu Samstag nicht erfolgreich über die Bühne gebracht werden konnte. In der Nachspielzeit kamen die Preußen zu ihrem Ausgleich, im Gästeblock purzelte alles durcheinander. Man munkelt sogar, auch eigentlich unsympathische Preußen stolperten einander in die Arme. Nach dem Spiel gab es nicht nur Nettigkeiten für die Mannschaft am Zaun, sondern auch Verspätungen in der Abreise, da erst die Abreise der Fans aus Münster sichergestellt werden musste. Die Atmosphäre geladen.

Soweit der kleine Ausflug in die letzte gemeinsame Saison mit den Adlerträgern. Die hatten nun ihren Ab- und wir immer noch keinen Aufstieg, was erneut für gemeinsame Zeit in ein und derselben Liga sorgt. In einer Zeit vor oder nach viraler Belastung hätte das Spiel sicher locker für eine fünfstellige Kulisse gesorgt. Aber, da wir nicht bei „wünsch Dir was“, sondern bei „So isses“ sind, sollten wir darüber aktuell nicht nachdenken.

Ich hätte es jedoch schön gefunden, wenn ein funktionierendes Hygienekonzept weiter angewandt werden darf. Die Nachverfolgung ist gewährleistet, der prinzipiell notorisch unbeugsame RWE Fan hat sich gegen Düsseldorf absolut vorbildlich an alle Auflagen gehalten. Letztendlich wohl eine wesentlich geschütztere „Baustelle“ als stellvertretend zum Beispiel der Planwagen, der mir auf dem Rückweg in Bottrop an einer Ampel begegnete: Das Zugpferd hatte noch den größten Abstand. Auf dem Wagen feiernde Menschen im direkten Gegenüber. Vielleicht aktuell nicht die beste Idee. Meine Fresse, als Verein legst Du Dich rund um die Uhr krumm, um die Sicherheit der Fans zu gewährleisten, hoffst und bekommst deren Mithilfe, aber darauf hat man natürlich keinen Einfluss. Mögen sich die Zahlen bis Oberhausen stabilisieren.

Somit also die berühmten dreihundert im Stadion. Nicht die aus Sparte, sondern deren aus Essen. Freudlos das Ambiente vor dem Stadion, aber auch hier absolute Disziplin und Einhaltung der wirklich wichtigen Vorgaben wie NMS und Abstand. Unser Verein hat von Spiel zu Spiel dazugelernt und löst eine Herkulesaufgabe nach der anderen.

Vermutlich hat Joe Cocker nichts von der Existenz von Rot-Weiss Essen gewusst. Und somit ist wohl gesichert, dass seine Darbietung von „You Are So Beautiful“ nicht der aktuellen Mannschaft des RWE gewidmet ist. Allerdings stellte sich bei mir direkt eine Verbindung zu dem Spiel gegen die Preußen aus Münster her, als das Lied auf dem Heimweg im Autoradio dudelte. Der bisweilen gequälte Ausdruck in Cockers Stimme hatte jetzt aber nichts mit der Chancenverwertung der Rot-Weissen zu tun, dass ist schlicht sein Markenzeichen gewesen. Auch wenn es das knappste aller knappen Erfolgsergebnisse vielleicht nicht so aussagen mag: Vergangenen Samstag war die Mannschaft aber mal so richtig beautiful zu uns. Und da auch die Preußen aus Münster ihren Teil zu einem schönen Spiel beitragen wollten, bekamen die wenigen im Stadion und die vielen vor den Monitoren ein ziemlich hochwertiges Fußballspiel geboten.

Das war absolut professioneller Fußball mit allem was das Herz begehrt. Und es war eine Heimmannschaft, die in punkto Ballbesitz und Ballbehandlung Maßstäbe zu setzen wusste. Man weiß gar nicht, welchen Spieler man herausheben könnte, so gut waren die Spieler von Christian Neidhart an diesem Samstag insgesamt auf dem Platz unterwegs. Alexander Hahn und Daniel Heber vereitelten was zu vereiteln war. Marco Kehl-Gomez auf dem Platz einmal mehr unglaublich präsent, ließ dem Gegner keine Ruhe, um am Ball zur Entfaltung zu kommen. Löste immer wieder enge Spielsituationen auf und gab zur Not auf die Socken. Cedric Harenbrock, dessen Karriere schon in jungen Jahren vor dem Aus stand: Der Verein hat immer an ihn und sein Talent geglaubt, ihn weiter an sich gebunden und in Ruhe wieder „aufgebaut“. Samstag dürften allen Beteiligten daran vor Freude die Augen geleuchtet haben, als es Cedric in die Anfangsformation geschafft hatte und  diese mit bravouröser Leistung zu rechtfertigen wusste.

Und dann erst Dennis Grote: Man stelle sich ihn im Football typischen Spieleroutfit vor, und wir haben den perfekten Quaterback vor uns. Wie er den Angriff zur Führung einzuleiten wusste, da würden Joe Montana oder Tom Brady anerkennend den Helm ziehen und durch die Beißschiene pfeifen. Schon faszinierend zu beobachten, wie Spielertypen unter einer Trainerphilosophie schon mal in ein Abseits gestellt werden, oder auch aufblühen. Ebenfalls neu in der Anfangself Isaiah Young. Welch ein An- und Auftritt. Der „Youngster“ wuselte so ziemlich überall herum und brachte immer wieder ein Durcheinander über die Preußen Abwehr. Vielleicht war der Wunsch, sein erstes Tor für den RWE zu erzielen zu ausgeprägt, so dass er bisweilen zu ungestüm sein Ziel erreichen wollte. Und auch alle hier Nichtgenannten reihten sich nahtlos ein in ein Ensemble, welches das relativ ruhige Auditorium zu begeistern wusste. Man kann diesbezüglich den dreihundert im Stadion keinen Vorwurf machen, ist gesundheitlich vielleicht sogar von Vorteil. Dafür wurden sich die Hände wund geklatscht, denn es gab oft Grund dazu. Auch von Kevin selbst.

Feine Ballstafetten oder die Grätsche von hinten in Perfektion umgesetzt ließen das Fußballerherz jauchzen. In der langen Nachspielzeit kam noch mal kurz der 24.Oktober 2009 in Erinnerung, als die Preußen seinerzeit ausgleichen konnten und der Auswärtsblock kollektiv auszurasten wusste. Kollektiv ausrasten geht grad nicht, aber kollektive Erleichterung darüber, dass Daniel Davari im Schlussakt einen erneuten Ausgleich nicht zulassen konnte, sehr wohl. Die Null blieb stehen. Und drei Punkte auch.

Ausblick:

Nun warten die Jungfohlen und der strauchelnde Nachbar aus Oberhausen. Atmosphärisch wohl leider auch relativ unbedeutend die beiden beide Spiele, und doch so wichtig. Spätestens seit Samstag wissen wir, dass unsere Mannschaft bereit für den heißen Ligatanz ist. Nur der RWE!

Alphatiere

Der Name Jean Löring dürfte den meisten, die es mit dem Fußball halten, ein Begriff sein. Jean Löring war zu Lebzeiten Fortuna Köln, wie Georg Melches zu Lebzeiten Rot-Weiss Essen war. Jean Löring war Mäzen; langjähriger Präsident seiner Südstadt Fortuna und ließ sich sein „Vereinche“ somit auch einiges aus privater Schatulle kosten. Was solche Macher stets vereint, ist dass Niederlagen so gut wie nie akzeptiert werden. Dann rollt umgangssprachlich schon mal ein Kopf. 

Jean Löring seinerseits ließ am 15. Dezember 1999 einen ziemlich stadtbekannten Lockenkopf rollen, und zwar zu einer höchst ungewöhnlichen Zeit: Der sechzehnte Spieltag der zweiten Bundesliga wurde ausgetragen und der von FC Ikone Toni Schumacher trainierte SC Fortuna Köln lag bereits nach achtundzwanzig Minuten mit 0:2 gegen den SV Waldhof Mannheim zurück, als es in Jean Löring zu brodeln begann. Es brodelte von Spielminute zu Spielminute mehr und spätestens in der Halbzeitpause stand der gelernte Elektriker unter Starkstrom. So begab er sich zur Halbzeit ebenfalls in die Kabine und stellte Toni Schumacher vor seinen Spielern nicht nur zur Rede, sondern entließ ihn kurzerhand. 

Dieses bekannte Szenario ist nun Teil seiner Biografie und wurde noch lange danach immer wieder als Kuriosum erzählt und verbreitet. Pikant auch seine Erklärung, die in einem Satz sein Selbstverständnis ausdrückte: „Als Verein musste ich reagieren“. Das lassen wir einfach mal so stehen. Nicht die feine Art, so eine Entlassung zur Halbzeit und doch fehlen dem heutigen Fußball Typen wie zum Beispiel Jean Löring. 

Und was hat das alles jetzt mit Georg Melches zu tun? 

Nun, es gibt die Legende dass auch Georg Melches seinen damaligen Trainer Elek Schwartz im Juni 1957 während einer Halbzeitpause kurzerhand entließ. Georg Melches ließ es sich ja fast nie nehmen, dem Pausentee in der Kabine beizuwohnen. Und so trug es sich dieses Mal wohl so zu, wie nun von Generation zu Generation weitererzählt wird: Trainer Elek Schwartz forderte Ruhe in der Kabine zur Pause. Nun wissen wir nicht genau, ob jene Forderung den aufgeregten Spielern oder vielleicht sogar Georg Melches höchstselbst gegolten haben mag. Verbürgt ist aber in jedem Falle die direkte Reaktion von Direktor Melches: „Wie bitte? Ruhe wollen Sie? Kriegen Sie ab sofort. Sie sind entlassen“

Das war mal eine klare Ansage, obwohl Georg Melches formaljuristisch ja niemals eine offizielle Funktion im Verein innehatte. Aber vielleicht dachte er sich in diesem Moment auch, dass er als Verein zu reagieren hatte. Wir werden es in Gänze wohl nie mehr erfahren. Und so bliebt diese beschrieben Halbzeitentlassung bei Rot-Weiss Essen weiter das, was sie ist: Eine weitestgehend unbeachtete Anekdote.

„Ich kann gar nicht alt genug werden, um alle Überraschungen, die der Fußball so parat hat, verkraften zu können“ (Hans Meyer)

Düsseldorf:

Zwischendurch wäre ein Anruf beim Ordnungsamt angezeigt gewesen. Aus Gründen schwer beschäftigt in diesen Tagen hätte es ein weiteres Mal eingreifen müssen, um die Zwote Mannschaft von Fortuna Düsseldorf dicht zu machen. Und den Unparteiischen gleich mit. Immer wieder überschritten beide die Grenze zur Peinlichkeit und sahen Dinge, von denen die überwiegende Mehrheit im Stadion nicht wusste, dass es sie gibt. Und so lagen sie und wanden sich in ihrem Schmerz, die jungen Fortunen. Wir werden wohl auf ewig rätseln, woher dieser kam. Also der Schmerz. Oder die Karten. Da möchte man nur fragen: „Warum?“ Vielleicht war es ein Stück weit der seit Monaten nicht mehr gekannten Begleiterscheinung namens Atmosphäre geschuldet, die zu dieser sehr interessanten Auslegung der Regeln und Fairness geführt haben.

Sei’s drum, die Mannen um Christian Neidhart haben sich dadurch nicht von ihrem Ziel abbringen lassen, diesen Abend zu zelebrieren und mit drei Punkten erfolgreich zu gestalten. Der Abend an der Hafenstraße hatte aber noch weitere Akte zu bieten, die allesamt auf der ziemlich emotionalen Klaviatur gespielt wurden. Kurz vor dem Stadion wähnte man sich eher wie vor einem Rockkonzert, denn vor einem Fußballspiel. Der ansonsten so belebte Vorplatz wurde blickdicht gemacht, um an dieser Rot-Weissen Kulturmeile Ansammlungen zu vermeiden. Unser Boss durfte sich also fühlen wie Mick Jagger, Bono oder René Pascal, denen so vor allzu neugierigen Blicken Sichtschutz gewährt wird. Auch Fancontainer und Stauder Wagen waren somit betroffen und vermittelten so schon bei der Ankunft dieses Gefühl, dass gerade alles anders ist. Der Einlass weitläufig, klar strukturiert und trotz der gebotenen Vorsicht entspannt.

Die Mitarbeiter in den langen Hosen haben Tag und Nacht vorgelegt, damit ihre Kollegen in den kurzen Hosen endlich wieder eine etwas größere Bühne für ihre Fußballkünste betreten konnten. Chapeau und Danke dafür! Im Stadioninneren galt es einen Moment zu überlegen, und dann war der Kontext hergestellt: Boavista Porto mit seinem Estádio do Bessa Século. XXI stand hier Pate, schließlich hat der portugiesische Verein in Reminiszenz an seine Schachabteilung auch alles in selbigem Muster ausgekleidet. Schade, dass es keine roten Müllsäcke gibt, welches Bild hätte das gegeben. Da die gängigen Farben jedoch Blau und Schwarz sind, war Schwarz natürlich alternativlos. Die Sitze dazwischen füllten sich nun langsam mit Fans und bekamen die ersehnten roten Farbtupfer.

Das die Mannschaft mittlerweile schon auf dem Platz war, ging fast ein wenig unter. Als dann aber das Aufwärmen beendet wurde, ging urplötzlich ein Ruck durch das Stadion: Die Mannschaft begrüßte spontan die Fans und diese sprangen direkt auf, klatschten sich die Finger wund. Fast so, als hätten wir justament den Aufstieg geschafft. Der Einlauf ebenfalls ein emotionaler Festakt. Irgendwie überlagerten sich Stadionregie, Gesänge und die drei Tribünen, so dass unter dem Strich Gemengelage und Lautstärke ein leichtes Schaudern zu erzeugen wusste. Im Spielverlauf stimmten immer wieder verschiedene Gruppen Gesänge an, wurde extrem situativ reagiert. Altersunabhängig übernahmen nun auch viele ältere Fans den Part der „West“. Die Stimme konnte sich ja auch Monate auf diesen Moment vorbereiten. Für den Moment des 2:0 hat sich auch Cedric Harenbrock nach vielen Verletzungen immer wieder herangekämpft. Das erste Mal im Kader, eingewechselt und direkt an einem solchen Abend das Tor: Das war die Kirsche auf der Torte.

Bonn

Erste Halbzeit:

Paul Breitner sagte einmal (leicht abgewandelt): „Da kam dann der Livestream. Wir hatten alle die Hosen voll, aber bei mir lief’s ganz flüssig“. In der Tat war der Livestream aus dem Bonner Sportpark die Überraschung des Abends. Kaum Aussetzer in Halbzeit Eins. Im Gegenteil, er lief so stabil wie der RWE auf dem Feld. Das Ambiente am Monitor aufgrund der dunklen Zuschauerränge und des schummerigen Flutlichts in Verbindung mit der Bildqualität ähnlich wie bei der Fernsehübertragung aus dem Jahre 1981 zwischen dem FC Politehnica Timisoara und dem 1.FC Lokomotive Leipzig . Aber egal, man war einmal mehr mit dabei. Spaßig bei Sporttotal ab und an die Kommentatoren: In Lippstadt sah man Simon Engelmann häufig kritisiert in Fankreisen und heute gab es die These, dass Christian Neidhart nach den beiden Unentschieden schon gewackelt hatte. Man sollte vielleicht weniger sozial mediale Kommentare als Grundlage für eine Vorabrecherche nehmen. Das eventuell als ernstgemeinte Bitte. Auf jeden Fall: Danke für entspanntes Zusehen. Unserer Mannschaft gilt dieser bisherige Dank übrigens auch, denn relativ unaufgeregt gestalteten sich diese ersten fünfundvierzig Minuten.

Zweite Halbzeit:

Wer jetzt geglaubt hat, es würde so weitergehen mit der Entspannung, dem wussten die die Bonner nach etwas über fünfzig Minuten auf die Sprünge zu helfen: Die Heimmannschaft verfehlte den Ausgleich nur um Millimeter, und so saß man als Gästefan plötzlich wieder steil und hellwach im Sessel. Das nächste Mal dann erst wieder in der dreiundneunzigsten Minute bei dem finalen Freistoß des Bonner SC. Da dieser aber ähnlich in den Abendhimmel ging wie weiland des Steuersünders Elfmeter in Belgrad, durfte endgültig und erleichtert in sich zusammengesackt werden. Ach so: Dazwischen unterhielt ein munteres Spiel mit bisweilen schönen Ballstafetten und Balleroberungen auf unserer Seite, welches aber trotzdem nicht die großen Emotionen hervorrufen konnte. Grundsolide drei Punkte also auswärts geholt, den Weg nach oben aus dem (für einige) tiefen Tal der Unentschieden Tränen geebnet. Somit gilt die alte Fußballer These 19.07: Hauptsache gewonnen!

Samstag wartet mit Fortuna Köln ein alter Bekannter im allseits bekanntem Südstadion auf unsere Rot-Weissen. Exakt selben Spiel- und Streamverlauf würde ich direkt unterschreiben. Komplett emotionslos.

Spitzengruppe, Spitzengruppe, hey hey……

„Früher war alles gut, heute ist alles besser. Es wäre besser, wenn wieder alles gut wär“ (Heinz erhardt)

Eines ist klar: In einigen Wochen wird keiner mehr über das vergangene Spiel gegen den einzig wirklichen Namensvettern aus Ahlen reden. Es steht dann als schlichtes 3:2 in den Weiten der Spieltagsschemata gängiger Sportportale oder auf der eigenen Homepage. Ebenso wie auch das 1:0 gegen Arminia Bielefeld irgendwann nur noch ein Ergebnis aus der ersten DFB Pokalhauptrunde sein wird. Aktuell aber beschäftigt uns das Spiel vom Mittwochabend wohl mehr, als es uns lieb sein dürfte. Das zudem auf mehreren Ebenen.

Unter dem Strich bedeuten drei Punkte im Fußball zuallererst, alles richtig gemacht zu haben! Schließlich hat man doch die maximale Ausbeute aus den neunzig Minuten herausgeholt. So weit, so gut. Aber der Weg dorthin an diesem Abend gegen Rot-Weiss Ahlen war ein besonders holperiger. Bisweilen unerklärlicher! Sowohl auf dem Platz, als auch vor den Empfangsgeräten. Ein defekter Router, soviel mittlerweile bekannt, der Grund dafür, dass weite Teile des Spiels nicht wie gewohnt zu sehen waren. Das kann passieren und fühlt sich im Nachgang natürlich bei weitem nicht mehr so schlimm an, wie am Abend selbst, wenn man für Übernachtungsgäste aus der Schweiz alles für einen schönen Fußballabend vorbereitet. Der Onkel als leidenschaftlicher FC Zürich und sein Sohn als Grasshoppers Fan sind sportlichen Kummer gewohnt, daher wollte ich ihnen endlich einmal tollen Fußball zeigen. Das die beiden entgegen meiner Planung erst nach Abpfiff von einer weiteren familiären Verabredung zurück waren, war also unter dem Strich so schlecht nicht. Sämtliche emotionale Handlungen meinerseits dem Standbild und zwischenzeitlichen Ergebnissen gegenüber blieben den beiden somit glücklicherweise verborgen.

Man geht heutzutage wohl nur noch davon aus, dass Technik immer zu funktionieren hat. Zumal die Erstausstrahlung gegen den SC Wiedenbrück von „B“ wie Bild bis „K“ wie Kommentierung eine ziemlich runde Sache und jeden Euro wert war. Es war diesmal leider eine frustrierende Angelegenheit, Punkt! Galgenhumor oder der Verweis auf Preis/Leistung in den sozialen Medien nach sich ziehend. Beleidigungen Soccerwatch gegenüber jedoch genau so unangebracht wie Beleidigungen der Mannschaft oder Verantwortlichen des Vereins ob der gezeigten sportlichen Leistung gegenüber. Nur weil es (einmal mehr wohl) in der Liga nicht direkt so läuft, wie erwartet. Wem hilft das außer keinem? Natürlich hat sich der Verein in Anbetracht seines Kaders und dem natürlichen Anspruch weit aus dem Fenster gelehnt und diesmal das Ziel in Großbuchstaben ausformuliert. Kein kleingedrucktes mehr. Und natürlich hat das die Ligakonkurrenz auch dankend angenommen und RWE schon mal vorab zum Meister gekürt ( Wohlwissend warum). Blöderweise führt das jetzt gelegentlich dazu, dass unser heimischer Viertligist mit einem notorischen Dauermeister aus München verglichen wird. Unter 8:0 alles eine Enttäuschung also. Da packste Dich doch an den Kopp, das kann in unserer Realität einfach nicht funktionieren. Auch die ersten Forderungen zur Trainerentlassung können schlicht nicht ernst gemeint sein. Klar, wir haben natürlich schon Herbstanfang, aber man sollte einem Trainer trotzdem erst einmal zehn Spiele Zeit geben, bevor wir seinen Kopf auf das Schafott legen. Die Saison hat doch auch erst später begonnen. Aber klasse, das wir wenigsten wieder einen Torwart wie die berühmte Sau durch das Dorf treiben wollen. Man hatte es ja fast schon vermisst. Applaus, Applaus.

Man kann doch einfach auch mal so enttäuscht sein über die Leistung. Sogar entsetzt über das leichtfertige Entstehen zum Beispiel des ersten Gegentores. Von dem Ding da kurz vor Spielende ganz zu schweigen. Man kann auch sein Unverständnis darüber äußern, warum gegen Bielefeld eine solch knorke Mannschaft auf dem Feld steht, gegen Wiedenbrück und Ahlen dann aber eher ein Arbeitskreis, der noch erarbeiten muss, wer für welche Aufgaben auf dem Feld zuständig ist. Aber das ist doch ganz einfach: Alle für alle natürlich. Hafenstraße Essen ey, da wird malocht und schon mal einer umgehauen, wenn es dem eigenen Erfolg dienlich ist. Nette Abendbegleitungen für den Gegner bedarf es da nicht. Nee, das hat einmal mehr Nerven gekostet. Und doch ist es ganz am Ende ein Dreier für uns geworden. Kein flotter natürlich, denn normalerweise verlieren wir solch ein Spiel. Und wahrscheinlich hätten wir es vor vollen Tribünen sogar wirklich verloren, denn wir alle wissen, welche (verständliche) Unruhe bei solch Spielverlauf auf den Rängen geherrscht hätte. So aber bleibt unter dem Strich doch noch eine kleine Erfolgsgeschichte zu verbuchen. Eine Erfolgsgeschichte, die uns einmal mehr hat altern lassen.

Samstag geht es für unsere Mannschaft nach Lippstadt. Schon in der vergangenen Saison kein leichter Gegner, wird es auch diesmal sicher kein leichter Gang. Jeder will doch dem RWE ein Bein stellen auf dem Weg in die Drittklassigkeit. Für die Mannschaft wird es nun wichtig sein, der vorhandenen Qualität auch die nötige breite Brust und Drecksackmentalität folgen zu lassen, die es als Favorit auf den Titel braucht. Nochmal: Wer uns aus dieser Liga führt, der baut sich sein eigenes kleines Denkmal an der Hafenstraße. Allein dafür lohnt es sich zu rennen und zu kämpfen, bis der Abpfiff ertönt und der Sieg unser ist. Und wir alle da draußen, vielleicht atmen wir einfach noch einmal etwas lockerer durch den Rot-Weissen Schlüpper, bevor wir schon wieder alles in Sack und Asche kommentieren. Der Fairness halber: Das war aber auch wirklich schwere Kost gegen den Aufsteiger aus Ahlen ( Allein schon für deren wildes herumgeschreie hätte es doch mal auf die Socken geben müssen…).

Alles wird gut! Nur der RWE!

Frau Holle

Irgendwann zur siebzigsten Spielminute hat sich Gattin den Hund geschnappt und unser Feriendomizil bis kurz vor Abpfiff verlassen. Der Hund als Spiegelbild meiner Seele wurde auch immer nervöser, meinen ganzen Reaktionen vor dem Monitor geschuldet und bedurfte dringend Ablenkung. Die konnte ich mir noch nicht gönnen, zu spannend und aufregend das Spiel der Rot-Weissen gegen die Arminia. 

Eine bärenstarke erste Hälfte legte den Grundstein dafür, den Sturmlauf der Ostwestfalen in der zweiten Hälfte schadlos zu überstehen. Die Renaissance der guten alten Grätsche hatte daran ihren maßgeblichen Anteil. So wie die Essener den Gegnern von Beginn an klarmachten, wer Herr im Hause Hafenstraße ist, wähnte man sich kurz in den Begegnungen der achtziger Jahre, wo noch die Ärmel auf- und die Stutzen runtergekrempelt wurden. Gut, dass ein Felix Backszat nun für uns ackert. Da gibt es auf die Socken. Die Herren Engelmann und Plechaty haben ebenfalls dafür gesorgt, dass sich ihre Verpflichtungen schon frühzeitig zu amortisieren beginnen. Ein Simon Engelmann ist im hohen Fußballalter ja dermaßen eiskalt vor dem Tor unterwegs, da fangen sogar Eiswürfel an zu zittern. Beide waren übrigens nicht nur maßgeblich am Tor des Abends beteiligt, sondern ebenso prominent in beiden Szenen, in denen ein Elfmeter gegen uns nicht allzu abwegig erschien. Aber warum dürfen wir nicht einfach auch mal Glück mit den Unparteiischen haben? Das Glück zudem hart erarbeitet und somit verdient. Punkt! 

Außerdem hatten wir nicht nur Glück, wir hatten auch Atmosphäre. Auch hier sorgte eine weitere Renaissance für wohlige Schauer: Das gute alte „R – R – RWE (listen & repeat)“ kam verstärkt zum Einsatz. Das wäre mal ein Wunsch bei voller Hütte, diesen klassischen und beeindruckend prägnanten Schlachtruf wieder öfter zu hören. Von der Ruhr bis an die Elbe ging es dann in die Pause, in der die Wände der Bielefelder Kabine ordentlich gewackelt haben dürften. Wackelig auch der gute Mann am Kommentatorenplatz des übertragenen Senders. Das schon mal ein „Erfurt“ rausrutscht, kann immer mal passieren, wenn von Rot-Weiss die Rede und im Eifer des Gefechts kommentiert wird. Wird aber zum Beispiel die längste vergangene Hoch3 Aktion als aktuelle Maßnahme erzählt, ist das einfach schlecht recherchiert. Das ist schade, aber leider immer wieder Alltag, wenn kleinere Vereine gegen Bundesligisten ran dürfen. Historie bekannt, der Rest wird schnell überflogen. Am Ende eines solchen Spiels ist das jedoch nicht mehr wichtig. Da zählen nur Freude und Glück über den unerwarteten Erfolg über einen frischgebackenen Bundesligisten. 

Die zweite Pokalhauptrunde ist erreicht und wird für einen Verein wie RWE zur monetären Frau Holle. Statt Kissen wird nun bald unerwartetes TV Geld ausgeschüttet. Welch ein Segen in Zeiten ohne das Tagesgeschäft Eintrittsgelder. RWE hat mit dem heutigen Spiel ein Zeichen gesetzt, wozu er wirklich imstande ist. Gegen Kleve und Wiedenbrück eher das eitle Pferd, welches nur so hoch springt, wie es muss, haben wir heute den edlen Ackergaul vonne Hafenstraße gesehen, der bis zum Abpfiff richtig gut malochen kann. Den ständigen Neuerungen als sozialromantischer Fußballfan eher skeptisch bis ablehnend gegenüber eingestellt, war ein Puzzleteil zum Erfolg vielleicht auch die Option, fünf Einwechselungen vornehmen zu können. Das brachte frische Beine für ausgelaugte Kämpfer und zum Schluss sogar noch etwas Zeit. Nichtsdestotrotz kann es natürlich auch hier zur alten Regel zurück. Toller Abend. Danke RWE!

Das die heutige Kolumne ausnahmsweise auch mal wieder zeitgleich im Blog vertreten ist, hat nichts mit Faulheit an der Tastatur zu tun, sondern ist schlicht der Tatsache geschuldet, dass man einen solchen Abend nur einmal authentisch in seinen Emotionen festhalten kann. Ich wünsche mir nun, dass Sonntag in der Roten Erde zu Dortmund der Rote (drei Punkte) Faden auch in der Liga aufgenommen werden kann, damit wir nicht direkt zu Beginn der sportlichen Musik hinterherhecheln müssen. Die Auslosung zur zweiten Pokalhauptrunde lässt ja noch etwas auf sich warten, bietet aber direkt Zeit und Raum für die herrlichsten Spekulationen. Schön wäre ja eine Loskugel aus der Gattung „machbarer Gegner“. Die aus Gelsenkirchen kann man sich nicht wünschen, da in der ersten Runde einfach ausgesetzt. Ich persönlich hätte somit aus unerklärlichen Gründen Lust auf ein Spiel gegen die Lilien aus Darmstadt.

Neusten Informationen zur Folge dürfen vielleicht schon gegen den Namensvettern aus Ahlen mehr als die bisherigen 300 in unser Zuhause. Kein „Alle“, aber ein wichtiger Schritt in diese so wichtige Richtung weg von „Keiner“. Umso wichtiger, dass wir alle unser Bestes dafür geben, dass dem nächsten Schritt weitere folgen können. Vielleicht sollten wir zusätzlich an der Geschäftsstelle mal eine „Merci“ abgeben. Nervennahrung ist zwar grundsätzlich gut, aber ich kann mich nur wiederholen: Was eine kleine Schar Rot-Weisser Mitarbeiter 24/7 für die große RWE Familie leistet, Tag für Tag umdenken muss, das ist wirklich aller Ehren wert. Georg Melches würde anerkennend seinen Hut vor Euch ziehen. Danke!

Die Erinnerung überstandener Schmerzen ist Vergnügen (Johann Wolfgang von Goethe)

Die Spiele gegen den 1.FC Kleve und den SC Wiedenbrück haben unseren RWE in die Nähe des berühmten Pferdes gerückt, welches nicht höher zu springen gedenkt, als es unbedingt muss. Konnte die Hürde Kleve noch übersprungen werden, wurde der Balken gegen den SC Wiedenbrück in letzter Sekunde noch gerissen und gab es somit den fälligen (und wohl auch verdienten) Strafpunkt. Schwamm drüber, denn zum einen dürfen wir durch das erste Spiel einmal mehr im DFB Pokal antreten, und zum andern ist in der Liga der Aufstieg rein rechnerisch noch möglich. Ebenso wie der Abstieg natürlich. Vielleicht also ein Unentschieden zur rechten Zeit, hat uns die Vorbereitung möglicherweise schon zu viel der Aufstiegsträume beschert. Zwischen uns und unserem gemeinsamen Ziel stehen immer noch eine Liga mit motivierten Gegnern und ziemlich viele Spieltage. Sollte man ab und zu nicht vergessen. Unsere Spieler ihrerseits sollten ebenfalls nicht glauben, dass man allein durch Expertentips und Qualität im Kader schon so gut wie aufgestiegen ist. Das schafft man nur durch viel Maloche, Willen und Enthusiasmus für Rot-Weiss Essen. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass daran Tag für Tag gearbeitet wird.

Soweit also der Blick zurück auf die Kombination aus Wettbewerbsende und Saisonstart. Alles anders dieses Jahr. Der Blick nach vorne beschert uns kommenden Montag in der ersten Runde des DFB Pokals erneut die Arminia aus Bielefeld. Dem Chef sein ehemaliger Arbeitgeber, den Uralt Ultras eine sympathische Note und uns allen ein frisch gebackener Erstligist. Ganz persönlich aber auch ein Los, welches aufwühlt, Narben aufreisst und für eine schwierige Zeit steht. Mit dem Los „DSC Arminia Bielefeld“ war sie wieder da, die Erinnerung an die Tage, die mehr im Fieberwahn, denn in der Realität erlebt wurden. Der 20. August 2016 brachte die Angst vor dem Tumor zurück, der doch erst fünf Wochen zuvor erfolgreich entfernt wurde. Der Tag war zugleich der Beginn eines ziemlich langen Weges zurück in das sogenannte normale Leben. Ich dachte noch im Juli, ich könnte schon wieder zu diesem Spiel an die Hafenstraße. Wie naiv gedacht! Es wurde der Februar 2017! Nichts, wirklich gar nichts habe ich also in Echtzeit von diesem engagierten Auftritt unserer Rot-Weissen mitbekommen. Irgendwann mal das Endergebnis. Aber das war es dann auch. Jetzt also erneut gegen die Arminia. Diesmal auch nicht im Stadion, sondern irgendwo an der Küste in einem kleinen Örtchen vor dem Laptop. Aufnahmefähig für eine Überraschung im positiven Sinne. Das Trikot liegt bereits im Koffer.

Jetzt, wo ich das getippt habe, wandelt sich das Aufgewühlte wieder in Dankbarkeit. Kommt etwas zur Ruhe. Bielefeld, wer kann schon von sich behaupten, dass Bielefeld solch Emotionen in einem auslösen. Also außerhalb Bielefeld und dem Arminen Umfeld selbst natürlich. Wo 2016 noch die Fahnen in beiden Fanlagern im Wind flatterten, weht zu diesem Spiel höchstens ein laues Lüftchen durch das grundsätzlich zugige Stadion Essen. Aber, es sind auch Fans zugegen. Einhundert Fans dürfen per Losverfahren dem Spiel im Stadion beiwohnen. Auch weil andere dafür verzichtet haben, die eigentlich nichts mit Rot-Weiss am Hut haben. Finde ich gut, ist einen Dank wert. Ebenso gut auch das Losverfahren durch den RWE. Man kann aktuell eh keinem gerecht werden, da muss man mal die Glücksfee entscheiden lassen. Kleiner Tipp am Rande: Vielleicht sollten die Einhundert zudem noch Lotto an diesem Wochenende spielen. Man weiß ja nie.

Sportlich betrachtet ist RWE natürlich krasser Aussenseiter. Das kann man jetzt drehen und wenden wie man will. Als unterklassiger Verein im Pokal ist das einfach so, es sei denn, Du spielst gegen Hertha BSC. Da bist Du auch als Viertligist noch Favorit. Es geht also wieder über dieses „Wir haben keine Chance, also nutzen wir sie“. Was allerdings vermieden werden sollte , ist ein großartiger Auftritt im Pokal mit Folgeschäden in der Liga. Dann lieber im Pokal raus und in der Liga wahre Stärke zeigen. Ich glaube, und das ist meine laienhafte Prognose, in besagtem kleinen Ort an der Küste einen lange ausgeglichenen Pokalkampf zu sehen, der erst kurz vor Schluß entschieden wird. Mit dem hoffentlich besseren Ende für uns. Bielefeld bekommt TV Gelder, wir gerade nicht viel. Da sei es uns vergönnt.

In der aktuellen DFB Pokalrunde wurde übrigens aufgrund einer gerichtlichen Entscheidung das Spiel der Schnüdel aus Schweinfurt gegen den designierten Absteiger aus Gelsenkirchen abgesetzt. Will denn keiner mehr die Blauen verlieren sehen? Gut, dass entspricht natürlich nicht den Tatsachen, sondern ist wohl auch dem bayerischen Weg im Umgang mit der eigenen Regionalliga geschuldet. Auf jeden Fall bemerkenswert, dass ein Fußballspiel aufgrund einer juristischen Entscheidung zunächst ausgesetzt wird, weil scheinbar nicht klar definiert ist, wer gegen die Blauen gewinnen darf. Der Fußball dieser Tage wird auf administrativer Ebene immer mehr undurchsichtiger.

Undurchsichtig ebenfalls unser allmächtiger DFB. Dort nutzt man Corona auf seine ganz eigene Art und schiebt Dinge an, um uns lästige Fans endlich und endgültig aus den Stadien zu befördern. Peinliche eigene Beförderungen inklusive. Von Stuttgart nach Basel muss natürlich geflogen werden, ansonsten leidet das teure Spielermaterial. Herrgott von Bentheim, ist das alles abgehoben und mindestens genau so weit weg von der Basis, wie Rot-Weiss Essen von der Bundesliga. Der neueste Coup nun sieht vor, Gelder für Fanprojekte zu kürzen. Leidtragende natürlich, und wie gewohnt, einmal mehr die Vereine unterhalb der ersten beiden Ligen. Dort zahlt die DFL! Gerade in den Ligen ab der dritten Liga sind aber genau die Gelder dringend nötig, um gezielt und konstruktiv Fanarbeit leisten zu können. Was wäre gerade ein Verein wie Rot-Weiss Essen ohne sein Fanprojekt? Wieviel Prävention und konstruktive Arbeit für den Fan wurde dort in den langen Jahren schon geleistet? Das ist kein Projekt, das ist Heimat. Eigentlich unbezahlbar! Kürzt in den beiden ersten Ligen die TV Gelder, aber nehmt der Basis nicht die Basis weg. Mein Güte DFB, was ist aus Dir nur geworden? Warst Du schon immer so weit weg von uns und wir haben es nur nie bemerkt? Ich möchte wetten, der nächste große Deal wird die Versitzplatzung nach Corona werden. Man gönnt sich ja sonst nichts.

Aber Montag ist erstmal wieder wichtich auf`m Platz: Also Jungs, zeigt der Welt, dass Ihr besser seid als Bielefeld!

 

„Was hilft das Glück, wenn’s niemand mit uns teilt? Ein einsam‘ Glück ist eine schwere Last.“ (Christian Dietrich Grabbe)

Es war insgesamt für alle Beteiligten im Stadion Essen an diesem finalen Tag der Amateure eine schwere Last. Ein Wettbewerb sollte sein Ende finden, der wie so vieles andere auch, zunächst hinter den besonderen Begebenheiten zurückstecken musste. Der zugleich aber auch die Qualifikation für die kommende DFB Pokalhauptrunde beinhaltet. Zuzüglich des (zumeist einmaligen) Taschengeldes der dann übertragenden TV Anstalten. Es ging also in Zeiten ohne Einnahmen um eine Einnahme, die mindestens eine Art finanzielles Trostpflaster bedeuten dürfte. Aber ging es wirklich nur um Geld?

Es ging um so viel mehr. Es ging um ein Heimspiel an der Hafenstraße 97a. Und mindestens darum, dass unser eigenes Wohnzimmer seiner Seele beraubt wurde. Denn die Seele von Rot-Weiss Essen waren, sind und werden immer seine Fans sein. Diejenigen, die an diesem Finaltag nicht ihre gewohnten Plätze einnehmen durften. Die Zahlen steigen leider wieder, es ist wie es ist. Und wir alle müssen aufpassen. Dieser „Drops“ ist noch lange nicht gelutscht, begegnen wir ihm allzu lässig.

Dreihundert waren also im Stadion. Und im persönlichen Gespräch ist mir keiner begegnet, der nicht mit dem ersten Satz seinen Kummer darüber kundtat, dass es sich nicht gut anfühlt. Dort wo Happo ansonsten seine Kumpels am Bierstand zu begrüßen pflegt, stellte er nun sein Fahrrad ab und wirkte irgendwie verloren. Schön, dachte ich so bei mir, bin ich mit dieser Empfindung dann doch nicht alleine. Nee, war ich somit glücklicherweise nicht, denn die Traurigkeit pflanzte sich über das Gespräch mit Happo bis in das Stadion hinein fort.

Einmal abgesehen von der Entourage des 1.FC Kleve herrschte auf Essener Seite das Gefühl von „Muss ja“. Angenehm reduziert in seiner Lautstärke die Musik, dem Umstand angemessen. Angenehm lecker dann doch die erste Stadionfrikadelle seit März. So viel Ehrlichkeit muss sein. Dreihundert können nicht die Einnahmen von Elftausend bringen, aber es war ein ganz kleiner Schritt in die Richtung, dass der gemeine Fußballfan seine Lebensmittelgrundlage mit Bier und Wurst wieder als ausgeglichen in die App des Vertrauens eintragen kann.

Im Stadion selbst hat unser RWE vorgelegt und eine unaufgeregte Situation geschaffen, die der aktuellen Situation zu gefallen wusste. Das war auf den Punkt gebrachte Umsetzung des Maßnahmenkataloges. Und die Leute waren zudem verdammt diszipliniert. Der Ellenbogen nun das Körperteil der Begrüßung, das Augenzwinkern als Lächeln der Pandemie. Gefühlt gar nicht einmal so viel der Einschränkungen, aber eben doch nicht das, was eines Tages unter dem Begriff  Fußballkultur zu finden sein wird.

Somit kann ich die Argumentation der aktiven Fans (sind wir nicht alle aktive Fans?) absolut nachvollziehen. Das Statement zur Thematik „Alle oder keiner“ durchdacht und emphatisch dem Verein und der Mannschaft gegenüber. Es wird leider in absehbarere Zukunft  keinen Fußball geben, der eine freie Entfaltung zum Beispiel auf einer großen Stehtribüne oder allgemein im Stadion zulassen wird. Der kollektive Gesang und der ekstatische Torjubel; die Bierdusche und das gemeinsame „Aaaaah“ und „Oooooh“. Das gelebte Opa Luscheskowski und herbeigesehnte „Adiole“…alles vertagt auf die Zeit danach. Die Fanbasis wird sich somit auf unbestimmte Zeit ungewollt teilen: In diejenigen, die trotz der Einschränkungen ihren Verein spielen sehen möchten und somit auch für wichtige Einnahmen sorgen. Und in diejenigen, die ihren Fußball nicht so leben dürfen, wie es das eigene Fanleben gerne hat, die sich all ihrer Emotionen dadurch beraubt sehen. Das Verständnis füreinander ist trotzdem gegeben, so nehme ich es wahr.

Rot-Weiss Essen seinerseits muss natürlich gewappnet sein für viele nächste Schritte. Offen sein für jeden Fan, der mit einer kommenden Stufe endlich wieder seine Roten im Stadion spielen sehen darf. Und der RWE ist gewappnet! Ist seiner Zeit zwar nicht voraus, wer kann das aktuell schon, aber immer „just in time“.

Unser RWE hat mit dem 3:1 gegen den 1.FC Kleve bereits zum zehnten Mal den Niederrheinpokal gewonnen. Und es gestaltete sich zwischendurch nicht ganz einfach, diesen Pokal einmal mehr an die Hafenstraße zu holen. Zwar hätte man nach den ersten zwanzig Minuten schon einige Tore zu null Tore führen können, aber das Runde wollte einfach nicht in das Eckige. Was zur Folge hatte, dass Kleve Hoffnung schöpfen durfte. Wenigsten so lange, bis der Engelmann das tat, wofür er verpflichtet wurde. Ein Engelmann trifft also doch nicht nur nur im Land der Küchen und seiner Erbauer, sondern auch mitten im Pott. Da auf beide Halbzeiten verteilt, gilt es keinen lupenreinen Hattrick zu vermelden, aber es war schon cool, mal wieder einen klassischen Goalgetter in den eigenen Reihen zu sehen.

Zwischen der fünfzigsten und siebzigsten Minute ungefähr gönnte sich der RWE dann eine kreative Spielpause, ließ die berühmten Zügel fast ein wenig zu locker. So wurde der 1.FC Kleve aufgrund der eigenen Nachlässigkeit fast ein wenig aufmüpfig und suchte seinerseits das gegnerische Tor. Was hatte das zur Folge? Richtig: Die Hafenstraße begann ganz zart zu murren ob der minutiösen Rot-Weissen Lethargie. Manche Dinge ändern sich dann doch nie. So muss das! Letztendlich haben unsere Jungs das Finale dann aber doch verdient gewonnen, was dem Nervenkostüm unter anderem von Marcus Uhlig sicher gut getan haben dürfte. In seinem Gesicht war nach Abpfiff keine bloße Freude zu erkennen, eher in sich gekehrte Gedankenwelt. Auch hielt sich der Jubel auf dem Feld in Grenzen. Man kann die Spieler verstehen: In solchen Momenten getragen von dem Jubel der Tribünen, muss man sich diesbezüglich momentan selbst bespaßen. Irgendwann aber fanden sich Mannschaft und alle, die dazugehören doch zueinander und besprachen im großen Kreis das Erlebte. Vielleicht wurden von Trainer Neidhart aber auch schon Bestellungen für den Pizzaboten aufgenommen. Man weiss es nicht. Wenigstens wurde das verdiente Stauder direkt schon auf dem Feld kredenzt.

So unspektakulär wie das eigentliche Finale auch die Siegerehrungen danach. Das war solide Pokalübereichung mit angezogener Handbremsenfeier im Anschluss. Die Situation bedingt das einfach. Für den Moment nach dem Spiel sorgten dann wieder die RWE Spieler, indem sie Spalier standen für die Mannschaft aus Kleve, als diese ihre Medaillen in Empfang nehmen durften. Eine sehr schöne Geste.

Nun also Arminia Bielefeld. In den kommenden Wochen kann viel passieren, eine fundierte Planung rund um das Spiel einmal mehr kaum machbar. Das Spiel gegen Kleve hat aber gezeigt, wozu man in Essen fähig ist. Auf und neben dem Rasen. Danke, Dir RWE!

Wo Rot-Weiss Essen anfängt, hört der Verstand auf (Frei nach Marie von Ebner-Eschenbach).

Nach exakt einhundertvierzig Tagen trifft unser allseits geliebter RWE an diesem Samstag wieder auf einen Gegner. Und zwar auf dem grünen Rasen. Nix Konsole, nichts mit Geistern. Realer Fußball. Der Bezirksligist VfB Bottrop ist wie so oft erster Gastgeber in der Vorbereitung auf eine diesmal ganz besondere Saison. Es ist eigentlich auch total egal, wer der erste Gegner nach einer solch langen Zeit und unter diesen aktuellen Bedingungen ist. Gefühlt ist um 16:00 Uhr Anpfiff der wichtigsten Begegnung seit was weiß ich. Hundertvierzig Tage ohne Aufregung rund um ein Spielergebnis mit Rot-Weisser Beteiligung. Balsam für den Blutdruck möchte man meinen. Weit gefehlt, kümmert sich um den doch seit Monaten ausgiebig ein Virus. Treibt ihn hoch, wenn die Zahlen hochgehen und Menschen meinen, sich darüber stellen zu müssen. Wie aktuell geschehen.

Es gab in den vergangenen Wochen Momente, da war Ich sehr positiv gestimmt, dass wir uns bald alle im Stadion wiedersehen werden. Doch dann begannen die Sommerferien und die Urlauber schwärmten aus. Die Mitbringsel in diesem Jahr allerdings alles anderes als willkommen und folglich steigen Infektionszahlen und Sorge im Gleichschritt wieder an. Wir sollten uns also darauf gefasst machen, dass die neue Saison uns erst einmal außen vor lassen wird. Für einen Verein wie Rot-Weiss Essen ein weiteres Horrorszenario zu all denen der letzten Monate. Ich glaube, dass wir nicht einmal ansatzweise wissen, wie sehr im Verein um das Überleben unser aller Heimat gekämpft wurde. Doch, eigentlich wissen wir es alle. Und deshalb an dieser Stelle ein ganz ganz fettes Dankeschön an diejenigen, die Rot-Weiss Essen über Wasser gehalten haben. Die im coronaren Alltag weiter an der Mannschaft gebastelt haben. Die uns medial in den Fokus bringen konnten und die, die auf eine Rückforderung in Sachen Dauerkarte verzichteten.

Hätte Rot-Weiss Essen einen Balkon, wir würden drauf stehen und klatschen. Und der Applaus wäre ehrlicher gemeint als die Verarsche in Richtung Pflegeberufe. Die Saison der Unwägbarkeiten geht also irgendwann los, und unser Ziel ist klar formuliert: Endlich raus aus der Regionalliga. Rein in das Stiefkind dritte Bundesliga. Für uns aktuell der Sehnsuchtsort schlechthin, für den FC Bayern und seine Zweitvertretung auch schon wieder nicht gut genug. Corona hat nicht nur unsere Leidenschaft zum Erliegen gebracht, sondern auch viele charakterliche Eigenschaften zu Tage gefördert. Der Award einer Boulevard Sportzeitung ziemlich dümmlich, die Allüren der Bayern bezüglich ihrer Zweitvertretung schlichtweg anmaßend. Man wollte sich bisweilen übergeben ob all der Peinlichkeiten. Getoppt wurde das Ganze dann noch von der Ankündigung, dass im Konstrukt eine Rückennummer ob der Verdienste selbiger nicht mehr vergeben würde. Ihr habt doch echt nicht mehr alle Latten am Zaun an der Säbener Straße oder in Fuschl am See. Der Fußball kann wirklich ohne Euch. Auch wenn Ihr das genau anders herum seht.

Wir können aber nicht ohne Rot-Weiss Essen, und deshalb wurde für das Testspiel in Bottrop tatswahrhaftig ein kostenpflichtiger Stream geordert. ich hoffe, der funktioniert dann auch. Aus Bottrop vom VfB selbst habe ich leider keine Antwort auf die Anfrage bezüglich Spielbesuch bekommen. Es ist also nicht mehr allzu lang bis zum ersten Spieltag. Zur Erinnerung: Ein Verein wie Rot-Weiss Essen lebt fast ausschließlich von den Tageseinnahmen und dem Verzehr. Vom Merchandising und natürlich von Emotionen. Auch wenn die die Kasse nicht klingeln lassen. Wir kommen also zur Frage aller Fragen: Wie kann es der RWE gestalten, dass Zuschauer anne Hafenstraße dabei sind, ohne ein Hygienekonzept zu sprengen? Bei einigen Fanszenen der Bundesliga ist die Haltung diesbezüglich eindeutig: „Alle oder keiner“. Die Formulierung lässt sich fast leicht aussprechen bei bestehenden TV Verträgen in üppiger Höhe. Hilft uns aber gar nichts.

Rot-Weiss Essen braucht Zuschauer. Ansonsten gehen wir doch noch über den Jordan. Ich glaube, die Fans von RWE müssen ein weiteres Hilfspaket in nie gekanntem Ausmaß schnüren um der Reihe nach auf Heimspiele zu verzichten, damit andere dabei sein können. Wir können nicht einfach auf Plakate schreiben „Alle oder keiner“. So gerne wir es auch würden. Wir müssen uns verständigen auf einen Akt des Miteinanders, der Absprache und des Ausloten auf allen Tribünen, was gerade geht und was nicht. Lieber wechselweise 3.000 Fans auf vier Tribünen verteilt als gar keine Einnahmen. Lieber nur jedes vierte Heimspiel sehen, anstatt gar keins.

Ich habe so eine Sehnsucht nach meinem Verein, nach den Menschen dort. Den Gesängen. Nach Melli, Andreas, Olli, Nikki und all den anderen, die mein Leben so bereichern. Aber ich weiß auch, dass der unsichtbare Feind noch nicht bezwungen ist. Noch lange nicht. Und das ich vielleicht abwägen sollte, was mir lieber ist: RWE oder nicht RWE. Die Antwort liegt auf der Hand: ich vermisse RWE so sehr, so dass es schon schmerzt. Aber ich kann es weiter verschmerzen, ihn nicht zu sehen, wenn ich damit die Chancen erhöhe, dass wir uns eines Tage alle Wiedersehen und mit Inbrunst unsere Lieder singen werden. Harren wir also dem Konzept, welches dem RWE vorschwebt. Und nun freue ich mich sehr auf das Spiel VfB Bottrop – Rot- Weiss Essen. Inklusive kaltem Stauder vor lauwarmen Monitor. Machste nix dran. Geht endlich wieder los!

Durch Regen und Wind, durch Sturm und Entrüstung.

Sie kam wie aus heiterem Himmel. Augenscheinlich. Und doch hatte das eigene Bauchgefühl schon länger auf diese Meldung gewartet: Christian Titz wird die Hafenstraße verlassen müssen. Und das, nachdem wir unsere Mannschaft monatelang nicht mehr gesehen haben. Nachdem wir und unser RWE monatelang zuallererst um das Überleben als Verein gekämpft und gelöhnt haben. Im Verein hat man sich den Allerwertesten aufgerissen, wurde zum Gesicht der ansonsten Namenlosen in der großen Blase Fußball. Und auch wir haben mehr als nur einen Beitrag geleistet, den Verein auch ohne Spielerlebnis monetär zu unterstützen. Da rutschte die Mannschaft und der Trainer als solches durchaus schon einmal in den Hintergrund, ist doch nichts wichtiger als unser Verein. Rot-Weiss Essen steht über allem. Auch wenn wir gemeinsam nie auf den grünen Zweig kommen: RWE ist trotzdem der Ast, der uns trägt und verbindet.  Dornen inklusive.

Das es aber (glücklicherweise) eine Saison nach dieser so absurden geben wird, brachten die ersten Veränderungen im Kader an den Tag. Irgendwie fehlte mir in dieser ganzen Gemengelage immer der Trainer. Christian Titz fand während Corona gefühlt kaum bis gar nicht statt. Daher wurde sich auch mit seiner Funktion gar nicht weiter beschäftigt. Die Meldungen interner Misstöne aber stets genau so im Hinterkopf wie sein eloquentes Auftreten im Zwiegespräch. Zuzüglich der besten Punktequote seit langer Zeit plus Einwechselglück abzüglich Heimschwäche und Rotationsevolution. Der Mann saß nach außen so fest auf seinem Trainerstuhl wie Helmut Rahn auf seinem Betonsockel.

Intern hingegen gab es möglicherweise einen zweiten Christian Titz. Vielleicht auch sogar ziemlich sicher. Und somit beschloss der Verein, sich von ihm zu trennen und gab dieses am 17. Juni 2020 bekannt. Beiderseits war als Grund für die Trennung die Rede von unterschiedlichen Auffassungen genannt worden. In den Kommentarspalten gaben von nun an die „Titzianer“ den Ton an und brachten ihre Enttäuschung zum Ausdruck. Völlig legitim, so lange annehmbar formuliert. Das Verständnis für die Entscheidung des Vereins hielt sich in hingegen in Grenzen. Na klar, Christian Titz hat uns auf eine Reise mitgenommen, die anfangs eine gar wunderbare werden sollte. Wir haben voll des Lobes geschrieben, Bildchen gebastelt und Hoffnungsschimmer vor Augen gehabt. Auch hier.

Aber irgendetwas unerklärliches war immer mit dabei. Dieses eine Gefühl, dass nicht alles so ist, wie es sein sollte. Dieses untrügliche Gefühl aus so vielen Jahren beruflicher Erfahrung im pädagogischen Bereich. War es die ständige Rotation oder die unaufhörliche Forderung nach neuen Spielern? Es ist schade, wenn nun ausschließlich den Spielern der schwarze Peter zugeschoben wird, ihnen Unprofessionalität und „Mimimi Mentalität“ vorgeworfen wird, nur weil vielleicht Dinge und Abläufe hinterfragt wurden.  Letztendlich waren es immer die Spieler, die auf dem Platz alles gegeben haben und manch Spiel erst in der Nachspielzeit gedreht haben. Die Fotos der pottendreckigen Trikots dürften wir alle noch vor Augen haben. Das macht nicht nur der Trainer. Das macht auch die Wechselwirkung von Charakteren auf dem Platz und auf den Tribünen. Alles zusammen war Rot-Weiss Essen und war der gute Weg, auf dem wir uns befunden haben. Keiner kann sagen, wie die Saison ohne virale Grätsche weiter verlaufen wäre. Daher helfen auch keine Spekulationen. Fakt hingegen, dass wir uns endlich von diesem bekloppten Verband trennen müssen, den nicht erteilte Lizenzen und dergleichen einen Dreck interessieren.

Christian Titz wirkt wie ein Lehrer, der im Elterngespräch und auf Klassenabenden zu begeistern weiß, von seinen Schülern jedoch unmögliches fordert und sie auch immer wieder spüren lässt, dass sie seinen Ansprüchen niemals gerecht werden. Wie soll man so das Selbstvertrauen aufbauen, was es braucht, um eine Saison knallhart durchzuziehen? Wie soll ich mich stark fühlen, wenn ständig Verbesserungen auf meiner Position gefordert werden? In Anbetracht der ständigen Spielerforderungen durch Christian Titz hat die Mannschaft einen respektablen Job gemacht. Ohne sich wirklich bestärkt zu fühlen, haben die Jungs für das Emblem auf der Brust alles rausgehauen. Das sollte nicht vergessen und honoriert werden. Wenigstens mit der gebotenen Fairness.

Lieber Herr Titz, vielen Dank für Ihre Zeit anne Hafenstraße.  Für Ihren Anteil an der aufkeimenden Hoffnung. Für manch schönen Fußballabend. Bleiben Sie gesund!

Während auf sozialen Medien immer noch im bisweilen bissigen Mit(gegen)einander Argumente ausgetauscht wurden, hat zum einen jawattdenn eine ausgewogenen Einordnung der Causa Titz und zum anderen unser aller Verein einen neuen Trainer präsentiert. Das ging dann ja mal wieder richtig fix. Christian Neidhart heißt er. Und arbeitete bis kurzem im Emsland beim Drittligisten SV Meppen. Das Schalke der Grafschafter. Neuer Trainer bei RWE? Nur kein Neid. Hart genug wird es werden, die Titzianer der Kommentarspalten eines Tages auf den Tribünen wieder hinter die Mannschaft zu bringen. Ich bin wirklich gespannt, welche Auswirkungen der Trainerwechsel nun haben wird. Und vor allem, wann wir das Ergebnis dann auch endlich wieder im Stadion erleben dürfen.

Fakt aber: Es war nicht alles Titz was glänzte. Die Aufbruchstimmung im Verein basierte auf vielen Säulen. Und diese Säulen sind noch da. Auf wenn es aufgrund der (ist die jetzt eigentlich schon beendet?) vergangenen Saison wirklich und verständlicherweise schwerfallen mag: Es geht den eingeschlagenen Weg weiter. Mit einer guten Mannschaft. Mindestens!

Und dann gab es ja noch dieses wunderprächtige Sondertrikot: Hier hingegen gehört mal so richtig Kritik geäußert, wurden doch die Emotionen, die ein solches Trikot hervorruft, arg unterschätzt. Und auch der Begriff „Limitiert“ war irgendwie fehl am Platz. Limitierte Trikots in diesem Fall hätte es vielleicht 100 Stück geben dürfen. Zum Preise von 1907€, übergeben von Willi Lippens am Rahn Denkmal mit Knutscha von Frau Rehhagel usw. Ich kann verstehen, dass sich die stolzen Besitzer der ersten Rutsche nun vielleicht ihrer Exklusivität beraubt sehen. Aber, ich hätte auch gerne eines dieser Trikots und freue mich nun über eine zweite oder gar dritte Chance. Ein gelungenes Trikot ist immer mehr als nur ein Stück Stoff. Es ist Geldausgabe und Gefühl zugleich, wobei letzteres überwiegt. Es sollte für alle machbar sein.

Es ist also nun wie es ist. Rot-Weiss Essen hat einen neue Trainer. Mal wieder. Herzlich willkommen Christian Neidhart. Wir werden sehen.

Einhundert! (Anteilig aus`m Buch)

Wir haben so viel zu feiern und zu gedenken, da kommt man manchmal gar nicht mehr hinterher: Deutscher Meister, Deutscher Pokalsieger, erster Teilnehmer am Pokal der Landesmeister, Todestage, Erinnerungen und so weiter und so RWE. Aktuell kommt noch die Erinnerung an das großartige Agieren eines Verbandes hinzu, welcher seine Daseinsberechtigung zum Großteil aus den Abgaben von Rot-Weiss Essen finanziert.

Lästert ruhig über uns. Am Ende werden wir Euch doch verlassen. Und dann ist erst einmal Schicht im Schacht mit Abgaben aus fünfstelligen Einnahmen pro Heimspiel. Dann winken höchstens noch 50€ aus dem Spiel zweier Zweitvertretungen gegeneinander.

Aber das auch nur am Rande, wir haben es ja alle geahnt. Nun also Relegation SC Verl gegen Lokomotive Leipzig. Oder auch: Treffen der Lizenzlosen. Das ist schon ziemlich schräg: Da werden zwei Vereine bestimmt, die beiderseits noch keine Lizenz für die Liga erhalten haben, um die es zu spielen gilt. Das ist so bescheuert, dass es fasst schon wieder normaler Verbandswahnsinn ist. Macht Ihr Euer Ding, wir machen das andere. Nämlich das mit den Emotionen und den Erinnerungen.

Und als solche überkam uns dieser Tage diese jene welche, dass Rot-Weiss Essen seit mittlerweile einhundert Jahre an der Hafenstraße 97a beheimatet ist. Dreistellig in Zeiten, wo Stadien ausgelagert werden oder Konstrukte ihren elften Geburtstag feiern. Natürlich gibt es auch in Essen genug Zeitzeugen, die ihre Leidenschaft mit dem Georg-Melches Stadion 2012 begraben haben. Oder mindestens immer noch darunter leiden, dass es abgerissen wurde. Darunter leide ich auch. Aber bin glücklich darüber, weiterhin an die Hafenstraße pilgern zu dürfen. Die selbe Adresse zu nutzen.

Georg Melches: Spieler, Funktionär, Bergwerksdirektor und Mädchen für alles. Kein Wunder also, dass er auch bei der Platzwahl seine Kontakte spielen ließ. Zunächst auf dem Gelände der Zeche Emscher gebolzt, folgte schon Anfang der zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts der Umzug an die Hafenstraße. Also ziemlich genau dort, wo auch heute noch mehr oder weniger erfolgreich Heimspiele ausgetragen werden. Als das Georg Melches Stadion noch nicht in Georg Melches Stadion hieß, da der Namensgeber noch jung an Jahren und sich bester Gesundheit erfreuend, hieß die neue Heimat seinerzeit schlicht „Stadion Rot-Weiss“. 

Schlicht, aber genial! Und meines Erachtens immer noch besser als das inflationäre „XY Arena“ der heutigen Zeit. Die neue Spielstätte bot Im Mittelwert Platz für 11.000 Besucher; für Fußball Essen in den dreißiger Jahresdefinitiv ausreichend. Mit dem Erreichen der Aufstiegsrunde zur Gauliga Niederrhein und dem Aufstieg in selbige jedoch erreichte das Interesse an Rot-Weiss Essen einen ersten Höhepunkt und die Grenzen der Kapazitäten wurden erreicht. Ein Ausbau musste her, und wieder stand Georg-Melches als Netzwerker der digitalen Vorzeit im Fokus und ließ seine Kontakte spielen: Die Baufirma Hochtief hatte tonnenweise Bauschutt zu entsorgen und Georg Melches hatte die passende Ablagemöglichkeit dafür: Das Stadion Rot-Weiss diente ab sofort als Halde. Idealerweise rund um das Spielfeld angehäuft, verdichteten Vereinsmitglieder und Bergarbeiter diesen Schutt zu Stehrängen. Das Stadion Rot-Weiss quasi weiterentwickelt auf Ruinen. Eröffnet wurde das ausgebaute Stadion am 13. August 1939 in keinem Freundschaftsspiel gegen den amtierenden deutschen Meister und Nachbarn aus Gelsenkirchen. Über Dreißigtausend Fans hatten nun Platz im Stadion, denn so viele waren bei der 1:5 Niederlage zugegen. Schutt quasi als Extensions für Stadien. 

Die Apokalypse des zweiten Weltkriegs, angezettelt durch faschistischen Wahnsinn legte nicht viele Jahre später das Stadion Rot-Weiss leider in Schutt & Asche. Fast eine Ironie des Schicksals: Aus Schutt errichtet, zu Schutt gebombt. Georg Melches wäre aber nicht Georg Melches, hätte er nicht schon kurz nach Kriegsende die Rot-Weisse Familie zur Hafenstraße eingeladen und davon überzeugt, dass Stadion wieder aufzubauen. Dieses Mal also auferstanden aus Ruinen. Nun war Georg Melches somit auch noch Bauleiter und Organisator vieler Materialien. Wer um die Knappheit an allen Dingen im Nachkriegsdeutschland und speziell im Ruhrpott weiss, der vermag zu ahnen, wieviel Verhandlungsgeschick hier an den Tag gelegt werden musste um die Dinge zu organisieren. Vielleicht der größte Verdienst in der langen Kette seiner Verdienste rund um Rot-Weiss Essen. Das Stadion wuchs, und selbst an eine Grünanlage in Anlehnung an die Gruga (Große Ruhrländische Gartenbau-Ausstellung) wurde gedacht. Passenderweise kleine Gruga genannt. Stadion Rot-Weiss, mehr als nur ein Lebenswerk. Und so war es nur konsequent, dass Stadion ein Jahr nach dem Tode seines Erbauers und Vereinspatron auch nach ihm zu benennen: Georg Melches Stadion von nun an der Name. Unsere Heimat für lange Jahre!

Heimat somit bis in das Jahr 2012, als in einem tränenreichen Spiel gegen Fortuna Köln Abschied genommen wurde von der alten Kabachel. Der Weg zum Stadion Essen geebnet. Für viele auch acht Jahr später immer noch kein legitimer Nachfolger des GMS. Aber, es hätte wirklich viel schlimmer kommen können, ist doch die Hafenstraße weiter unsere Heimat. Auch das sollte man sich immer wieder vor Auge führen. Rot-Weiss Essen ist nunmehr seit hundert Jahren an der Hafenstraße Essen beheimatet. Und wird es mindestens weitere hundert Jahre sein. Das ist einfach töfte!

Und was den Verband angeht: Fangt schon mal an zu sparen.

HAFENSTRAßE ESSEN. MEIN PLATZ. MEINE HEIMAT.

Vatertag. Pfingsten. WDFV. Ole Ole.

Es war am sogenannten Vatertag. Tagsüber verbracht nicht nur mit der Liebsten, sondern abends auch mit Fans des SV Werder, des FC St. Pauli und von Borussia Mönchengladbach. Allesamt langjährige Freunde und Väter. Daher trafen wir uns mit gebotenem Abstand zueinander. Wir haben kaum über Fußball geredet. Eigentlich gar nicht. Schließlich sind die drei Freunde keine „aktiven“ Fans (Sprich Stadiongänger) wie ich es einer bin. Sondern eher TV Konsumenten. 

Aber selbst der vergangene Geisterspieltag war jetzt nicht so wirklich von Interesse, viel zu unwirklich das Ganze. Somit war ich wohl der einzig wirklich leidende Fan von uns Vieren. Schließlich ist für mich Fußball weiterhin Rot-Weiss Essen. Ist Frikadelle und Freunde. Findet im Stadion statt statt nur anderweitig dabei. Geht bis ins Mark anstatt auf der Mattscheibe dahin zu vegetieren. 

Unser diesjähriger Urlaub war geplant rund um die Relegationstermine zwischen dem Vertreter aus dem Westen und dem Nordosten. Grundsätzlich eine aberwitzige Ansetzung, denn Meister müssen aufgrund der gebotenen Saisonleistung zwingend aufsteigen. Nun wollte unser designierter Meister jetzt nicht wirklich, was kurzfristig die Hoffnung nährte, dass unser aller RWE für die Küchenjungs aus Rödinghausen einspringt. Hätten wir natürlich auch sehr gerne gemacht.

Ich glaube übrigens weiterhin fest daran, dass sich der weitere Saisonverlauf insofern positiv für uns entwickelt hätte, so dass wir spätestens Mittwoch vor Vattertach eine Rot-Weisse Karawane auf der Autobahn Richtung Leipzig, Cottbus oder Berlin hätten erleben dürfen.

Man darf ja gar nicht daran denken, was ein erstes Pflichtspiel außerhalb der eigenen Landesgrenzen für Euphorie rund um die Hafenstraße ausgelöst hätte. Von Kategorie A bis Z wäre so ziemlich alles auf der Bahn, was jemals die Buchstaben RWE aufsagen konnte oder irgendwie damit sozialisiert wurde. Mit im Reisegepäck die Euphorie der Stunde, aber auch die Angst des Scheiterns. 

Naturgemäß und allseits bekannt wurde nichts aus diesen erträumten Sternstunden Rot-Weisser Fußballkultur.  Zwischen uns und unseren Plänen steht immer noch ein Westdeutscher Fußballverband. Ja gut, und die Tabelle. Wattenscheid hin oder her. 

Im Norden und Südwesten der Regionalligarepublik wurden mittlerweile Entscheidungen getroffen: Aus dem Südwesten hat es der 1.FC Saarbrücken in die dritte Bundesliga geschafft. Aktuell ohne eigenes Stadion und in Völklingen zu Gast. Herzlichen Glückwunsch an die Saar. Der Parforceritt durch den DFB Pokal hat gezeigt, das da eine gute Truppe am Start ist. Aus dem Norden hat es via Anordnung der VfB Lübeck zurück geschafft. VfB Lübeck…da dreht sich mir als Erstes der Magen um und macht es mehr als nur „Örks“. Der VfB kann nichts für unseren charakterlosen Haufen vom 31.5.08. Aber er wird stets damit in Verbindung gebracht werden. Die Lohmühle ein schöner Fußballort. Alles Gute zum Aufstieg.

Bleiben unter anderem wir. Also die Regionalliga hier. In unserem Revier. Liga Vier. Mit dem Angebot einer sportlichen Auseinandersetzung ist der RWE wie erwartet beim WDFV gescheitert. Das muss man verstehen, denn sportliche Entscheidungen sind nicht so das Ding da im Verband. Das wäre ja auch alles zu einfach. Nee, wir warten einfach ab, bis der SC Verl eine entsprechende Spielstätte präsentiert und bekommen die Geschichte dann wie folgt abgenickt: „Aufgrund der aktuellen tabellarischen Aktualität unter Berücksichtigung aller punktuellen Punkte nebst temporärer Tabellensituation unter Missachtung der Wattenscheid Tragödie und unter vollkommener Vernachlässigung weiterer Spiele haben wir vor, wie folgt zu entscheiden: Mit sofortiger Wirkung werden wir spätestens am 20. Juni den SC Verl zum Relegationsteilnehmer bestimmen. Sollen die Verler dort machen, was sie wollen, aber wir benötigen weiter den RWE in der Regionalliga, um mit den Abgaben unsere Rechnungen zu bezahlen“. 

Und somit harren wir also nun der Dinge, um endlich Klarheit zu bekommen. Die wir ja eigentlich schon haben. Seien wir ehrlich: Wir werden auch kommende Saison Viertklassig erstklassig unsere Lieder singen. Und in Anbetracht der Tatsache, wie sich der DFB und seine Dritte Bundesliga gerade präsentieren, vielleicht nicht einmal die schlechteste Idee. Das dortige „Alle gegen Alle“ ist nicht mehr so unsere Sache. Bei uns ist gerade und einmal mehr Zusammenhalt gefragt. Die Mitgliederzahl tendiert Richtung „Allzeithoch“ und ganz nebenbei wurde auch noch der Engelmann aus Rödinghausen verpflichtet. Auch nicht schlecht, cooler Move!

Meine Güte, was vermisse ich die Hafenstraße. Diesen Moment, wenn die Mannschaft aus den Katakomben kommt, um sich vorzubereiten. Die ersten Gesänge angestimmt und unsere Fahnen geschwenkt werden. Wenn sich Vorfreude auf das Spiel mit wohliger Aufgeregtheit abwechselt. Der letzte Blick vor dem Anpfiff über die Tribünen. Der gewunkene Gruß Richtung „R4“. Das sind die Momente, in denen Rot-Weiss Essen völlig losgekoppelt von jeder Liga agiert. Momente, in denen RWE stets erstklassig ist. Neunzig Minuten nur der RWE!

Alles wird gut! 

 

 

 

 

Nichts genaues weiß man nicht.

Eins vorneweg: Ich habe die Wiederaufnahme des Spielbetriebs in der Ersten und Zweiten Bundesliga am Empfangsgerät nicht verfolgt. Es macht für mich so keinen Sinn: Fans gehören zum Fußball wie keine Meisterschaft zu Schalke oder die herrliche Blume auf dem frisch gezapften Pils. Meinetwegen kann der Ball aber trotzdem dort rollen, was habe ich von den Ligen der anderen?

Im Autoradio hörten sich die kurzen Einblendungen fast wie immer an. Lediglich die Geräuschkulisse im Hintergrund hatte etwas von Kreisklasse C inklusive lautstarken Eingebungen. Doch brach es mir auch da kurz das Fußballer- und Fanherz: „Fußball kann auch ohne Fans Spaß machen“, sprach der Radiokommentator aus Köln-Müngersdorf.

Er tat dies sicher ohne jedweden Hintergedanken, sondern einfach aus der Freude darüber, wohl ein schönes Spiel gesehen zu haben. Trotzdem war dieser Satz schmerzhaft zu verkraften. Fußball muss ja nicht einmal Spaß machen. Schließlich ist Fußball unser Leben, so wie unser Verein die Luft zum Atmen ist. Und da ist eben auch nicht immer alles heile Welt. Wir sind ja nicht auf dem Ponyhof.

Einen kleinen Vorteil übrigens haben Fans von Vereinen, die der DFL zugehörig sind, trotzdem. Auch ohne aktiven Stadionbesuch: Sie wissen wenigstens um die Liga, können sich wieder an Spieltagen orientieren und sehen die Zukunft ihres Vereins zunächst einmal gesichert. Die so wichtigen „Aki“Millionen „Kalle“-Gelder, nachfolgend schlicht TV-Gelder genannt, fließen wieder. Schön, denken sich nun die Vereine ab Liga Drei: Und was ist mal wieder mit uns?

Irgendwie fühlt sich der DFB mittlerweile an wie seinerzeit die Titanic: Mit überteuertem Luxusdampfer sehenden Auges auf den Eisberg namens Kollaps zu. Rettungsboote lediglich für die Passagiere der oberen 36 an Bord. Die Passagiere der unterklassigen Holzklasse stören eigentlich eh schon und würden bei Bedarf gerne über Bord geworfen. Keine Zeit für Rettungsaktionen, Solidarität? Fehlanzeige.

Somit weiß also auch Rot-Weiss Essen (Holzklasse) immer noch nicht, wie es weitergeht. Ob es mit der aktuellen Saison überhaupt weitergehen wird. Da nun der Westdeutsche Fußballverband aus seinem Hauptquartier immer noch keinen weißen Rauch in Form einer Entscheidungsfindung hat aufsteigen lassen, ist man mit Nachbar RWO nach gemeinsamem Brainstorming überein gekommen, einen Vorschlag zur sportlichen Lösung im Rennen um den Relegationsplatz zu unterbreiten.

Dem temporären Tabellenplatz des SC Verl Rechnung tragend, würde laut Vorschlag Rot-Weiss Essen gegen Rot Weiß Oberhausen ein geisterhaftes Halbfinale austragen. Der Sieger daraus ist wie von Geisterhand für das gespenstische Finale gegen den SC Verl qualifiziert. Und der Gewinner dieser Begegnung dann, darf in der verhexten Relegation gegen den Nordostvertreter antreten, um dem Spuk Regionalliga endgültig ein Ende zu bereiten. Bislang habe ich weder von Verbandsseite noch aus Verl eine Reaktion auf den Vorschlag mitbekommen.

Auf Fanebene diverser Vereine wird der Vorschlag wie zu erwarten kontrovers diskutiert. Meines Erachtens wird es niemals eine Lösung geben, mit der alle Vereine auch nur annähernd zufrieden sein werden und können. Keiner hat es sich so ausgesucht. Was man aber nun den beiden Kontrahenten aus dem Pott hoch anrechnen sollte, ist die Bereitschaft, mit einem Halbfinale ein großes sportliches Risiko einzugehen. Da wird wenigstens mal Mumm gezeigt, sich überhaupt in Richtung einer zielorientierten Lösung zu bewegen. Das verdient Respekt!

 

Soweit die Kolumne für die WAZ vom vergangenen Dienstag. Einen Tag später erfolgte dann die mittlerweile schon obligatorische Telefonkonferenz zwischen Verband und Vereinen. Das Resultat dieser „TelKo“ entnervt und irritiert einmal mehr: Erst am 20. Juni   2020 will der Verband seine endgültige Entscheidung bekanntgeben. Vorher soll aber schon der Teilnehmer zur Relegation gegen den Nordostvertreter feststehen. Und der SC Verl seinerseits hat noch bis Ende Juni (faktisch also bis zum 30.Juni 2020) Zeit, in der Stadionfrage nachzubessern, so dass die Lizenz erteilt werden könnte.

Also eigentlich haben wir einen Termin, der aber egal ist, weil möglicherweise schon vorher etwas ganz relevantes verkündet wird, und sich auch nachher noch alles verschieben kann, weil dann eventuell doch noch eine Lizenz vergeben wird. Ja hömma, bin ich jetzt zu doof, dass alles noch auf die Kette zu bekommen, oder ist es wirklich so verwirrend?

Warum gibt es vielerorts schon Beschlüsse und Entscheidungen, so tragisch und unsportlich sie auch immer sein mögen, nur der Westdeutsche Fußballverband dehnt seine Entscheidung weiter und weiter hinaus. Man kann nicht ewig hinauszögern, bis es  alles so auf dem Tisch liegt, wie es dem Verband genehm ist.

Und nein! Definitiv nein: Es ist aus meiner Sicht kein Versuch von Rot-Weiss Essen, sich einen Aufstieg am grünen Tisch als Corona Günstling zu erschleichen. Wattenscheid darf und kann hier nicht außer Acht gelassen werden, und sollte den RWE Gegnern noch einmal vor Augen geführt werden: Hätte Wattenscheid sein Konto im Griff gehabt, wäre RWE aktuell vor dem SC Verl und es gäbe keine Diskussion diesbezüglich. Zudem: Kann jemand garantieren, dass der SC Verl die Nachholspiele allesamt gewonnen hätte? Oder das Heimspiel gegen den RWE, welches definitiv ein Auswärtsspiel für den Gastgeber geworden wäre…. also alles legitim, was an der Hafenstraße gerade probiert wird. Und sicher weiß man nicht nur hier, sondern auch an der Verler Poststraße und bei RWO, dass alle drei sportlich natürlich nur die Kronprinzen hinter den Küchenjungs sind.

Eine Entscheidung nun aber um weitere vier Wochen hinauszuzögern bekommt den Makel des Zugeständnisses Richtung SC Verl, um notwendige Zeit in Sachen Lizenzfrage zu gewinnen. Für alle anderen Vereine jedoch bedeutet es wertvolle Wochen des Verlustes, um seriös die kommende Saison zu planen. Wie willst Du mit den Spielern verhandeln, wenn Du als Verein gar nicht weißt, wo es möglicherweise im September anzutreten gilt? Natürlich kann auch der Verband nichts für dieses verfluchte Virus. Aber bitte: kommt endlich mal in die Pötte (Und außerdem: Eigentlich ist es mir mittlerweile auch fast egal, wo unser RWE in der kommenden Saison auflaufen wird: Hauptsache, wir sehen ihn überhaupt endlich wieder auflaufen)!

Ansonsten fordere ich auch einfach mal „Gerechtigkeit für Rot-Weiss Essen“! Eben so, wie es eine Abordnung Essener Fans schon 1972 am Rande des Endspiels um die Deutsche Amateurmeisterschaft in Neuwied zwischen dem FSV Frankfurt und dem TSV Marl-Hüls tat.

Finale Deutsche Amateurmeisterschaft 1972 in Neuwied zwischen TSV Marl H¸ls und FSV Frankfurt am Ra

(Eine Bitte: Ich habe die Lizenz an diesem Bild ausschließlich für diesen Beitrag erworben. Eventuelles Teilen könnte strafrechtliche Folgen durch Imago  Images als Rechteinhaber zur Folge haben. Leider.)

 

„Feuerwalze“

Ich habe selbst auch mal Fußball gespielt. Nicht allzu lange zwar, aber dazu später mehr. In Nordhorn spielt man als Kind zumeist in dem Verein, welcher der eigenen Straße am nächsten ist (Ganz früher wohl in vielen Fällen mit dem heimlichen Wunsch, irgendwann bei Eintracht zu landen. Was natürlich zunächst keiner zugeben mochte). Der für mich in erreichbarer Nähe gelegene Verein war der SV Vorwärts Nordhorn aus dem Stadtteil Stadtflur. Was eigentlich cool war, denn nicht nur der große Bruder spielte schon für die Grün-Weiß-Blauen, sondern auch Nachbar „Onkel Jupp“ hatte dereinst für den SV Vorwärts gekickt. Noch im alten Stadion am Immenweg; gegen den SV Wietmarschen gerne auch mal vor 1.000 Zuschauern. Wie er gebetsmühlenartig immer und immer wieder zu erzählen wusste.

Das kurze Abenteuer Fußball startete also in der E-Jugend um 1975 herum auf einem Kleinfeld am Immenweg, welches wohl immer noch existiert. Heute bin ich überzeugt davon, dass einer großen Fußballkarriere lediglich meine Kurzsichtigkeit im Wege stand. Schließlich war es als Brillenträger fast von Kindesbeinen an nicht einfach, sich einen Platz in der Startelf zu ergattern. Außerdem schleppte man zu damaligen Zeiten gerne mal einige Kilos mehr auf der Nase mit über das Feld. Brillen waren alles andere als filigran. Überhaupt: Ich war wohl nicht zwingend für das Laufen gemacht. Und doch hat mir der aktive Fußball fünf kleine Erinnerungen auferlegt, die ich auch über vierundvierzig Jahre später schmunzelnd nicht vergessen kann:

Ein Heimspiel am Immenweg bescherte mir die wohl einzige rote Karte meiner Karriere. Zumeist als rechter Verteidiger aufgestellt, entwischte mir der stürmende Gegenspieler ausgerechnet auf Höhe des zuschauenden Vaters. Und was ein zusehender Spielervater gerne mal macht ist, verbal in das Spielgeschehen einzugreifen. Somit bekam ich direkt die Anweisung, dass ich mir den Ball zurückholen sollte. Der Junge mit der Brille hatte einen Auftrag, den es aber spielerisch leider nicht zu lösen galt. Also „senste“ ich den gegnerischen Stürmer einfach um und wurde dafür direkt vom Platz gestellt…

Gleicher Platz, anderes Heimspiel. Es war kalt und wir hatten Abschlag. Und während unser Torwart zu seinem Abschlag anlief, dachte ich mir, dass es eine gute Idee sei, sich zu ihm umzudrehen. Ballkontrolle und so. Als die Drehung vollzogen war, wurde mir auch schon schwarz vor Augen, schlug doch der Ball genau dort ein, wo ein heranwachsender Fußballer es am allerwenigsten haben konnte. Ich fiel wie ein Baum. Konnte aber weiterspielen.

Irgendwo in der Niedergrafschaft. Auswärts also. Immer noch rechter Verteidiger. Was mich in der Erinnerung irritiert, denn laut dieser stürmte ich wie entfesselt über die linke Seite auf das gegnerische Tor zu und traf dieses tatsächlich. Ich hatte ein Tor geschossen. Davon zehre ich noch heute…

Auswärts bei Eintracht. Auf Asche hinter der Stehgeraden, auf der man sonst selbst stand. Und wir hatten Angst: Denn bei Eintracht spielte einer im Mittelfeld, der wurde in der „Szene“ nur Feuerwalze genannt. Nach dem Spiel hatten wir alle unsere Schrammen an den Beinen. Und haben Feuerwalze auf dem Platz Platz gemacht. Wir waren zwar jung, aber nicht lebensmüde.

Der absolute Höhepunkt meiner Fußballerlaufbahn ereignete sich aber 1977! Man ahnt fast, dass dieser Höhepunkt nicht auf dem Spielfeld stattgefunden hat. Woanders natürlich auch nicht, dafür war ich noch zu jung! Am 7.7.1977 bekam ich im Sommerzeltlager des SV Vorwärts als Sieger der dortigen Lagerolympiade einen offiziellen Wimpel des DFB überreicht. Keiner hatte diesen Erfolg kommen sehen. Ein Erfolg, so überraschend wie die Europameisterschaft Griechenlands oder die jährliche Lizenz für Schalke 04. Lange Jahre habe ich diesen Wimpel aufbewahrt.

Doch dann, mich im Zenit meines Fußballerlebens wähnend, kam das Sichtungstraining für die kommende Saison in der D- Jugend. Auf dem Platz im alten Vorwärts Stadion stand die Disziplin Weitschuss an. Falsches Schuhwerk, schlechte Platzverhältnisse. Keine Ausrede konnte mich retten: Die kommende Saison hätte höchstens einen Platz in der D4 bedeutet, so weit hinkte ich hinter den Erwartungen hinterher.

Für den rechten Verteidiger der bisherigen D2 konnte dieses nur eines bedeuten: ich mach rüber zum Volleyball. Der relativ kurzen Karriere im Lieblingssport folgten nun viele Jahre am Netz beim TVN. Aber vergessen werde ich diese Zeit auf dem grünen Rasen wohl nie. Sinnbildlich in der Erinnerung auch die vielen Trikots auf der Wäscheleine im heimischen Garten, wenn einer  von uns beiden mal wieder mit der Trikottasche „dran“ war. Fußball ist schon toll. Hoffentlich merkt das auch eines Tages der DFB wieder.

Geduld ist das Trostpflaster der Sehnsucht (T.W Keßler)! MAZ ab…

Es dürfte überraschen, wenn ein Fan einer Mannschaft sagt, dass er auch andere Vereine vermisst. Aber es ist in der Tat so. Schließlich sind wir zwar in den Farben (oder den Buchstaben) getrennt, aber gegen Corona vereint. Und vermissen selbst diese bescheidene Liga. Unseren Fußball! Die Sticheleien gegen andere Vereine und dessen Fans. Die Emotionen, wenn unsere Mannschaften auflaufen und die Fahnen wehen. Wir vermissen das Bier davor, währenddessen und danach. Wir können nicht mehr vergnügt nach einem Spiel nach Hause fahren. Wir können ja nicht einmal mehr nach einer Niederlage frustriert den Heimweg antreten. Nein, momentan müssen wir im wahrsten Sinne des Wortes den Ball flach halten. Und da das Spiel gegen Corona ein Gemeinschaftsdingen erster Güte ist, frage ich mich nicht nur ständig, wie es unserem RWE geht, sondern auch, wie es wohl den anderen gehen mag. Daher einfach mal angefragt bei uns im Hause. In Aachen, bei RWO und am Zoo. 

Kleine Anmerkung am Rande: Die Fragen gingen vor jener Telefonkonferenz raus, bei jener viele Vereine einer Meinung waren. Unser RWE diese nicht vertreten kann und die kleinen Fohlen sich nicht entscheiden wollten. Die Reise ins sportlich Ungewisse bei bleibender wirtschaftlicher Problemantik geht also weiter. Dabei wissen wir alle eines doch schon jetzt: Es wird keine gerechte Lösung geben!  Die Antworten aus Essen und Aachen trudelten vor der „TelKo“ ein, die aus Oberhausen danach und entsprechend der Situation angepasst. Danke, Danke, Danke Euch!

Aus Wuppertal kam leider keine Rückmeldung. Irgendwie verständlich, hat doch der WSV wie immer am meisten von uns allen zu kämpfen. Muss sich einmal mehr neu sortieren. Daher beste Grüße an den Zoo: Für uns kommt das Spiel gegen W(uppertal) immer noch vor dem Spiel gegen V(erl). Auch wenn es das Alphabet anders sehen mag.

Aus Aachen berichtet nun Klaus Schwarze; aus Oberhausen Ernst Huberty und aus Essen Kurt Brumme. MAZ ab:

Wie geht es Euch? Haltet Ihr Euch und vor allen Dingen, haltet Ihr durch, so ohne das Tagesgeschäft Heimspiel?

Martin vom Hofe (Geschäftsführer Alemannia Aachen): Natürlich ging es uns schon besser aber wir halten uns über Wasser – wir sind gespannt was uns morgen der Verband in der Telefonkonferenz sagen wird.

Marcus Uhlig (Dem RWE sein Vorsteher): Gesundheitlich sind wir bisher glücklicherweise alle vom Corona Virus verschont geblieben. Trotzdem fehlt es uns, auf die Heimspiele hinzuarbeiten, im Stadion zu stehen und mit unserem RWE mitzufiebern. Was uns beunruhigt ist jedoch vor allem die Ungewissheit, wie und wann es weitergeht und wie wir sicherstellen, dass unser Verein diese Krise übersteht.

Thorsten Sterna (Leiter Medien & Kommunikation RWO): Erstmal sind wir tatsächlich überrascht, dass diese Anfrage ins Haus geflattert kam. Aber das allein zeigt uns doch, dass wir letztendlich alle in einem Boot sitzen. Irgendwie kann der eine ohne den anderen nicht. Aber wenn man Corona etwas Positives abgewinnen kann, dann die Tatsache, dass sich alle wieder auf die Basics besinnen und auch mal an der Nachbar-Tür anklopfen. Das freut uns auch in Oberhausen. Aber zurück zur Frage: Uns geht es den Umständen entsprechend. Was ist ein Fußballverein ohne Fußball? Ein Verein. Ein Team, das eng zusammenrückt und versucht, das Beste aus der Situation zu machen. Am Ende fehlt uns aber einfach unser Kerngeschäft – der Fußball. Genau wie Euch in Essen auch.

Geistertickets, virtuelle Biere und kalorienfreie Bratwurst…nicht nur bei RWE aktuell im Angebot. Was passiert diesbezüglich bei Euch und wie ist die Resonanz der Fans? 

Martin vom Hofe: Wir verkaufen auch schon länger unser goldenes Ticket. Für 10 Euro gibt es einen Gutschein für eine Wurst oder ein Getränk. Es haben sogar Rot-Weisse bei uns gekauft – absoluter Rahnsinn! ☺ Darüber hinaus gibt es immer mal wieder Versteigerungen von Alemannia-Artikeln wie Trikots, Bilder etc.

Marcus Uhlig: Bei dieser Frage erübrigt sich ja die Antwort von der Hafenstraße. Eines wollen wir aber noch loswerden: Wir sind tief beeindruckt von unseren Fans und auch ein Stück weit stolz darauf, wie solidarisch sich unsere Anhänger in Krisenzeiten zeigen. „Rot-Weiss Essen, wir halten zusammen“ ist nicht nur eine Liedzeile, sondern wird an der Hafenstraße gelebt.

Thorsten Sterna: Wir waren mit den Geisterspiel-Tickets ja sehr früh dran. Die Idee keimte intern schon, bevor sie der VfL Bochum als erster Revierverein umgesetzt hat. Aber da waren die Techniker in Sachen Umsetzung eben einen Tag schneller. Daraus entstehen dann Folge-Aktionen, weil eben jeder von uns seinen Stadionbesuch vor Augen abspult und sich hinterfragt: Was gehört noch dazu? Darum ähneln sich die Aktionen der Vereine auch so. Das hat nichts mit Abschreiben oder so zu tun. Das sind einfach grundlegende Artikel, mit denen ein Verein Geld verdient. Wir gönnen es jedem, wenn er dadurch sein Corona-Loch stopfen kann. Unsere Fans haben das quasi per Social Media mit angestoßen. Darum konnten wir auch problemlos behaupten, dass uns der Wunsch der Fans Befehl sei. Über die Solidaritätsschiene konnten wir einige Fans und Freunde mobilisieren. Das ist eine tolle Erkenntnis. Ich hoffe, sie hält an, bis wir wieder richtige Spieltagskarten verkaufen können, denn dann können wir auch im Stadion ordentlich Eigenwerbung betreiben. Aber bis hierhin muss man unseren Unterstützern – die es der Bestellerliste nach zu urteilen von Sylt bis Bad Tölz gibt – ein großes Kompliment machen.

Es wird viel spekuliert, wie mit der coronistisch unterbrochenen Saison nun weiter zu verfahren ist. Es muss ja irgendwie weitergehen, auch ohne Eierlikörchen. Von Saisonabbruch bis hin zur Verlängerung vor leeren Tribünen ist fast alles dabei. Was ist Euer Wunsch für die restliche Saison?

Martin vom Hofe: Ich glaube wir sind leider weit entfernt von Wünsch Dir was. Aber wenn Ihr mich so fragt: Saisonabbruch und Alemannia und RWE in Liga 3!

Marcus Uhlig: Leere Tribünen stellen uns wirtschaftlich vor eine fast unlösbare Aufgabe, weil wir unsere Kosten wieder hochfahren müssten, gleichzeitig aber keine Einnahmen über unsere Heimspiele generieren könnten und uns mit Rückforderungen von Dauerkarteninhabern und Sponsoren konfrontiert werden. Da sprechen wir dann mal eben über 2,5 Millionen Euro. Daher würden wir uns wünschen, dass die Saison zu einem späteren Zeitpunkt zu Ende gespielt werden kann oder abgebrochen wird, wobei in einem solchen Fall das bisherige sportliche Abschneiden sowie die Chance auf sportlichen Erfolg zwingend mitgedacht werden müsste. 

Thorsten Sterna: Da ein Großteil unserer Saisonplanung auf den Zuschauerzahlen basiert, wäre es genauso fatal wie für RWE, wenn wir zu Geisterspielen gezwungen werden. Erst kürzlich hat die Regierung das Kontaktverbot verlängert und dem Verband die Entscheidung quasi aufdiktiert. Alles andere als eine Bestätigung des Votums seitens des Verbandspräsidiums würde uns nur schwer wundern. Eine „künstliche“ Verlängerung bis ins nächste Jahr sehen wir aus diversen Gründen für undenkbar – und auch rechtlich angreifbar.

Die obere Hälfte der dritten Liga wünscht keine Zweigleisigkeit; befürchtet sportliche Verwässerung und finanzielle Verluste magenta-ler Art. Die untere Hälfte der Drittligisten würde für einen „Saisonus interruptus“ plädieren. Ohne Absteiger natürlich (Diese Schlingel). Und ambitionierte Regionalligisten könnten sich bisweilen sehr für eine zweigleisige Dritte Bundesliga erwärmen. Wie sieht der Wunsch für die Zukunft aus?

Martin vom Hofe: Allgemeiner Wunsch nach einer richtigen Reform ist ja schon seit längerem da. Nun hätte man da ja ggf. mal die Chance es coronabedingt aufzugleisen. Das „Wie“ ist und bleibt aber doch die Gretchenfrage.

Marcus Uhlig: Wir sollten uns in der aktuellen Situation zumindest keine Denkverbote auferlegen. Der Übergang von Liga 4 in Liga 3 ist längst als Fehler im System erkannt. Eine zweigleisige 3. Liga würde den Flaschenhals weiten und würde dazu führen, wirtschaftliche Folgen für einige Vereinen zumindest abzuschwächen.    

Thorsten Sterna: Ist doch klar. Wer einmal etwas hat, gibt es auch ungern wieder. Aber das muss ja nicht zwingend so eintreffen. Die zweigleisige 3. Liga ist aus mehreren Gründen spannend. Sie lässt die Vereine ihre bisherigen Ausgaben durch kürzere Reisewege und weniger Hotelkosten reduzieren. Auf der Habenseite könnten die vielen Derbys, die dadurch generiert werden, zu Buche schlagen. Es wäre auf jeden Fall eine großartige Sache für alle Freunde des Traditionsfußballs. Als Schlingel würde ich die aktuelle untere Drittliga-Hälfte nicht unbedingt bezeichnen. Durch Corona sind alle Vereine mehr als genug gestraft. Jetzt wäre es das richtige Zeichen der Verbände, in diesem für alle Beteiligten schwierigen Jahr nur Gewinner zu produzieren. Das schafft man ganz leicht mit der einmaligen Aussetzung der Abstiegsregel. Wenn die Verbände sich dafür öffnen und dann auch noch die 3. Liga anpassen, könnten auch die Verbände als Gewinner der Coronakrise vom Platz gehen.

Wir wissen ja aus Essen, dass „Geisterspiele“ in der Regionalliga möglicherweise Punkte bringen können, ohne TV Vertrag aber keine rentable Veranstaltung darstellen. Im Gegenteil, die Kosten  für das „Drumherum“ dürften ein weiteres Verlustgeschäft bedeuten. Grundsätzlich und losgelöst von unserer gemeinsamen Liga die Frage an den Fußballfan: Geisterspiele im TV, guckt man sich die wirklich gerne an? Und hat Dieter Karten mit seiner steilen These Recht, dass Bundesliga Fußball ohne Zuschauer/Emotionen qualitativ profitieren kann?

Martin  vom Hofe: Ich habe mir auch das Spiel Gladbach gegen Köln angeguckt. Es war schon gruselig aber aktuell ist halt nichts und ich würde es so werten für mich, dass es der Übergang zur neuen Saison ist, in der hoffentlich wieder alles beim Alten ist.

Marcus Uhlig: Nein, das sehe ich anders. Fans und Emotionen sind ein extrem wichtiger Teil dieses Sports. Was Geisterspiele angeht, ist unsere Position ja bekannt. 

Thorsten Sterna: Machen wir uns nichts vor: Zum Fußball gehören Emotionen. Das gegenseitige Befeuern der Fanblöcke, der Jubel beim entscheidenden 1:0 in der Nachspielzeit und so weiter. Aber über allem steht nun mal die Gesundheit der Menschen. Die muss immer gewährleistet sein. Wenn das nicht der Fall ist, muss man Kompromisse eingehen. Wenn es den 36 Klubs da oben weiterhilft, dann kann dieser Kompromiss das Geisterspiel sein. Davon, dass es die Klubs da oben gibt, profitieren wir ja auch. Sei es bei Zuschauereinnahmen durch Testspiele oder Transfers von Talenten unter den Nachwuchsleistungszentren (NLZ). Andersrum brauchen die Top-Klubs uns natürlich auch. Wenn wir wegbrechen würden – und mit „wir“ meine ich sämtliche Viertligisten, die freiwillig ein NLZ unterhalten – DAS würden die da oben auch merken. Dann kommen die Felix Passlacks, Gideon Jungs, Max Meyers und Co. nicht mehr so zielstrebig oben an. Deshalb: Leben und leben lassen. Am Ende sitzen wir auch hier wieder in einem Boot.

Kommt die Stadt Euch als Verein entgegen? Bis September ist noch lange hin. Alles will weiter gepflegt werden für den ersehnten (Ball-)Tag X. Und auch das macht sich ja nicht von alleine.

Martin vom Hofe: Hier befindet man sich noch in Gesprächen.

Marcus Uhlig: Die Stadt hält hier alles gut in Schuss, der Platz sieht so gut aus, wie seit vielen Monaten nicht mehr. Was jetzt noch fehlt, ist der Fußball.

Thorsten Sterna: Glücklicherweise ja. Das Oberhausener Gebäudemanagement, die OGM, hat uns zunächst bis Mitte des Jahres auf sämtliche Räumlichkeiten die Miete erlassen. Das ist ein großes Pfund und da sind wir der OGM sehr dankbar. In den letzten Spielen vor der Pandemie sah unser Trainingsplatz, gelinde gesagt, nicht schön aus. Auch das Spielfeld im Stadion Niederrhein war teilweise in einem desolaten Zustand, sodass sich sogar unser Cheftrainer Mike Terranova zu der Aussage hinreißen ließ, dass er den Rasen in seiner siebenjährigen RWO-Zeit so nie gesehen hat. Aber mittlerweile muss man unsere Grünflächen als die großen Gewinner der Auszeit erwähnen. Beide Plätze sind auch dank der Bearbeitung der unermüdlichen Pflegekräfte der OGM wieder in einem erstklassigen Zustand. Wenn es allein danach ginge, könnte es gerne bald wieder losgehen (lacht).

Wie geht es Eurer Mannschaft? Den Spielern? Wird wieder trainiert und was macht Corona mit der Psyche eines Sportlers, der an die Kette gelegt ist? Klar, ein jeder kann sich individuell fit halten. Aber die Abläufe auf dem Feld und all das, was den Mannschaftssport ausmacht: All das darf momentan nicht stattfinden. Kann das auf lange Zeit kompensiert werden? 

Martin vom Hofe: Das ist eine gute Frage die wohl kaum einer beantworten kann. Es wird Ihnen so gehen wie vielen anderen Arbeitern aktuell die in Kurzarbeit sind. Wir haben uns das alles bestimmt nicht so vorgestellt. Für die Jungs wünsche ich mir natürlich, dass sie bald aus dem öden individuellen Trainingsalltag rauskommen und wieder auf den grünen Rasen dürfen – aber das steht leider noch in den Sternen wann dies sein wird.

Marcus Uhlig: Das kann es ganz und gar nicht. Fußball ist ein Mannschaftssport, daher müssen Spieler zusammen funktionieren. Man kann noch so fit sein: Individuelles Training kann nie ein Ersatz für Mannschaftstraining sein.

Thorsten Sterna: Momentan befinden sich alle Spieler im Standby-Modus und halten sich individuell fit. Jeder Spieler hat einen eigenen Trainingsplan von unserem Trainerstab mitbekommen. Aber irgendwann kennt man dann auch jeden Baum im Park und hat die Zeiten der anderen Jogger auch auswendig drauf. Die Jungs wollen Fußball spielen! Sie wollen mit dem Ball arbeiten, Spielzüge einstudieren und Wettkämpfe bestreiten. Aber all das darf momentan nicht stattfinden. Wie würden Sie sich fühlen, wenn man Ihnen Ihr Spielzeug wegnehmen würde? Natürlich arbeitet der eine oder andere auch an seinem zweiten Standbein und büffelt grad Stoff für die Uni weg. Aber letztendlich sehnen sich alle wieder nach dem guten alten Fußballspiel.

Das erste Spiel nach dem „Hustensohn“: Wird der Fußball ein anderer sein? Gibt es den Zweikampf, wie wir ihn kennen? Oder die Jubeltraube nach einem Tor? Oder ist das Stadion voller denn je und wird inbrünstiger als jemals zuvor gesungen? 

Martin vom Hofe: Ich denke schon, dass alles ein wenig anderes sein wird denn es ist aktuell nicht gerade vorstellbar, dass alles wie gehabt weitergeht zumal ja erst mal (zumindest in den oberen Ligen) Geisterspiele drohen. Ich hatte mich eigentlich schon auf den ausverkauften Tivoli gegen Rot-Weiss gefreut da alle endlich wieder im Mai ins Stadion dürfen aber…..

Marcus Uhlig: Die  Hafenstraße ist nicht ohne RWE-Fans zu denken, die sich in den Armen liegen. Ich glaube, die Sehnsucht nach Fußball wird nach überstandener Coronakrise so groß sein, dass wir noch stimmungsvollere und noch ausgelassenere Spiele an der Hafenstraße erleben. Darauf freue ich mich jetzt schon. 

Thorsten Sterna: Ich weiß, es ist unhöflich, aber dennoch gestatten Sie mir diese Gegenfrage: Bis Oktober sollen Großveranstaltungen nicht möglich sein. Was heißt das für den Fußball? Was sind Großveranstaltungen? Werden die Stadionkapazitäten zunächst auf 100, 200 oder 500 Zuschauer runtergeschraubt oder gehen wir sofort wieder „All in“? Der Fußball wird sich definitiv verändern. Natürlich hoffen alle auf ausverkaufte Stadien, wenn das Kontaktverbot wieder aufgehoben ist, aber so vorsichtig, wie unsere Politiker sich an die ganze Thematik begeben – was nicht zwingend falsch sein muss – denke ich einfach, dass wir uns auch im Fußball langsam wieder herantasten. Hoffen wir einfach mal, dass der neue Spielplan es gut mit uns meint und das nächste Derby weit weg von allen Krisen vorsieht. Sicher ist sicher (lacht).

Ich wünsche Euch und Euren Vereinen, dass wir uns alle spätestens irgendwann eines Tages wieder gesund und in alter Rivalität im Stadion wiedersehen. Egal ob Tivoli, Niederrhein Stadion, anne Hafenstraße oder am Zoo…Corona ist hart, aber wir sind härter! Und natürlich (dass wird man mir weder in Aachen noch in Oberhausen verübeln): Nur der RWE! Wir geben zurück ins Studio* zu Addi Furler. 

*Zunächst noch einmal kurz die Schalte zu Thorsten Sterna mit dem Schlusswort: Das wünschen wir uns auch. Vielen Dank für die Kontaktaufnahme. Wir drücken Euch auch die Daumen, dass die ganze Nummer möglichst schadlos an Euch und uns vorbeigeht. Haltet durch und bleibt alle gesund!

Gerade meldete sich noch Werner Hansch mit einer aktuellen Meldung: Corona trägt tatsächlich zur „Konsoledisierung“ bei und sorgt so für Duelle der etwas anderen Art im Klassiker am 9.Mai zwischen der Alemannia & RWE. Wir können für 2€ Tickets dafür erwerben und den Tivoli noch voller als 2015 machen. Da geteiltes Leid halbes Leid ist, kommen die Erlöse aus dem Ticketing beiden Vereinen zu gleichen Teilen zu. Der Gewinner an der Konsole bekommt zudem ein handsigniertes 111 Gründe RWE Buch. Wenn das mal kein Anreiz ist…

Doch wir horchen allein dem Gerücht und wissen durchaus nichts (Homer).

Und wie wir heute so vor uns hin horchten und eigentlich mit ganz anderen Inhalten in Sachen Blog beschäftigt waren, verdichtete sich ein Gerücht, welches  von einer baldigen Telefonkonferenz aller Regionalligisten kündigte. Erstaunlicherweise wusste das Gerücht aber auch schon von dem Ergebnis einer Konferenz zu berichten, die noch nicht nicht einmal stattgefunden hat.

Was also besagt die Gerüchteküche? Die Gerüchteküche im, seit kurzem, Land der Küchenbauer hat ein Menü gezaubert, von dem mir eher schlecht wird, als dass ich es wohlschmeckend finden kann: Corona wird die Regionalliga beenden. Soweit, so gut! Und es wird keine Absteiger geben. Meinetwegen! Aber einen Aufsteiger sollen sich angeblich sechzehn der achtzehn Vereine wünschen: Und zwar den SC Verl. Seines Zeichens aktueller Tabellenzweiter. Anstelle des SV Rödinghausen also. Dem Küchenbauerverein ohne Umfeld.

So, und jetzt noch einmal der Reihe nach: Ein Verein, dessen Teilnahme an der Relegation laut Punktestand noch nicht einmal annähernd feststeht, soll also aufsteigen. Ohne Relegation! Diese wird also komplett ausgehebelt? Oder wie darf ich Unwissender das verstehen? Man kann nicht einfach einen Aufsteiger bestimmen, weiß die Liga darüber noch nicht einmal annähernd, wo der eigene Saisonfrosch die endgültige Locken hängen hat! Und man kann nicht einfach einen Aufsteiger bestimmen, hat auch die konkurrierende Relegationsliga noch nicht annähernd Kenntnis davon, dass die Relegation scheinbar ausgesetzt werden wird.

Ganz wichtig: Es geht hier nicht gegen den SC Verl als Verein! Es geht hier gegen den Planungswahnsinn, der gerüchteweise scheinbar schon auf den Weg gebracht wurde… Die Verler Mannschaft hat bis Corona eine tolle Saison gespielt. Zu unserem Leidwesen!

Wenn es also heute wirklich dazu kommen sollte, dass die Saison für beendet erklärt wird, und der SC Verl aufsteigen darf….ja dann ist das nicht nur eine weitere Kerbe in dem Gürtel der Unwägbarkeiten bei Rot-Weiss Essen. Es wäre vor allem eine der absurdesten sportliche Entscheidungen seit dem Bundesliga Skandal von 1971.

Ey, wenn jetzt der SC Verl den gefühlt 375 Punkte Vorsprung  der Reds aus Liverpool auf den Rest der Liga hätte, dann wäre eine solche Entscheidung nachvollziehbar und würde keiner etwas dagegen haben. Im Gegenteil. Aber so…….

Ne ne! Zunächst einmal ein ernst gemeinter Mittelfinger in Richtung derer, die gezielt diese Indiskretion vorab jeder Zusammenkunft verbreitet haben. Und auch in Richtung derer, die glauben, nun nach Gutsherrenart den Fußball stets in die gewünschte Richtung lenken zu wollen, wie es gerade beliebt. So einfach geht das nicht.

Macht einfach! Freut Euch! Aber seit Euch sicher: Rot-Weiss Essen wir niemals untergehen!

Man muß die Zukunft abwarten und die Gegenwart genießen oder ertragen (Alexander von Humboldt).

Ach könnten wir doch in die Zukunft schauen, ist doch die Gegenwart gerade schwer zu ertragen und kaum zu genießen. Aber, wir alle müssen und kommen da durch. Gemeinsam! Und wir haben nun auch verstanden, dass wir unsere geliebte Hafenstraße wohl erst im September wieder aus Anlass eines RWE Spiels betreten werden. Zusammen! Wer dann der Gegner sein wird; in welcher Liga das Spiel gespielt wird und überhaupt….dass kann stand heute keiner sagen.

Allerorten ruht auch der Sport und wird nie wieder derjenige sein, der er einmal war. Vielleicht aber ist Corona wirklich nicht nur tödlich, sondern auch diese eine letzte Chance, unsere Sicht auf viele Dinge zu verändern. Zu erden und zu relativieren. So auch den Fußball. Als Rot-Weiss Essen sind wir dieser Tage sehr gefragt, scheint unser Überlebenskampf in Anbetracht der hohen Leidenschaft aller Rot-Weissen etwas ganz besonderes zu sein. Und ja, wir sind auch etwas ganz besonderes. Wir sind weit unten und doch immer auch ganz oben. Wir sind RWE!

Mangels Berichterstattung über den rollenden Ball rauchen nun die Köpfe, wie man nach Corona wieder starten kann. Sucht nach einer Neuausrichtung in Sachen Ligenstruktur. Es muss ja irgendwie weiter gehen.  Dahingehend habe selbst ich mir so meine Gedanken gemacht. Gut, wir wissen alle, die spinnen die Briten. Und das schreibe ich, obwohl sie meine große Zuneigung und Liebe genießen. Zudem kommen immer mehr Fans von der Insel rüber in unser Land, um ein intensives Fußballwochenende zu genießen. Die Dinge in Sachen Leidenschaft haben sich diesbezüglich umgekehrt. Aber, die Engländer haben etwas, was mich weiterhin auf ewig faszinieren wird, und zwar ist das deren Ligenpyramide. Neben Lisbeth der Zwoten natürlich.

Wäre unser Fußball einfacher zu verwalten, würden wir diese eins zu eins auf den Deutschen Fußball übertragen? Könnten wir nach dem Lockdown einfacher starten mit jener klaren Struktur in England? Ich habe mir mal die Mühe gemacht, und nach englischem Vorbild die ersten sechs Ligen (nach aktuellem Tabellenstand) eingeteilt. Und würde mich zur Belohnung über eine Diskussion darüber freuen. Die Zweitvertretungen habe ich außen vor gelassen. In meiner Welt spielen die dann in einer eigenen, separaten Runde. Wie in England halt.

Aber was wären das für Ligen? Der BFC Dynamo Berlin könnte endlich auf den TSV Buchbach treffen. Die Ein Mann Fanfraktion aus Illertissen könnte sich am Meckerhügel bei Altona 93 so richtig austoben und der Old School Anhang des SV Atlas aus Delmenhorst am Schetters Busch in Essen mal so richtig pöbeln. Und natürlich würde auch der Auftritt von Lokomotive Leipzig anne Hafenstraße einiges an Althauern hervorzaubern. Ich sach mal so: Ich wollte schon immer mal mit dem RWE nach Rödinghausen!

Erste Bundesliga ( 20 Vereine3 Absteiger)

FC Bayern München,

Borussia Dortmund,

SSV Markranstädt/FaS,

VfL Borussia Mönchengladbach,

Bayer 04 Leverkusen,

Gelsenkirchen,

VfL Wolfsburg,

SC Freiburg,

TSG Hoffenheim,

1.FC Köln,

1.FC Union Berlin,

SG Eintracht Frankfurt,

Hertha BSC,

FC Augsburg,

1.FSV Mainz 05,

Fortuna Düsseldorf,

SV Werder Bremen,

SC Paderborn,

DSC Arminia Bielefeld,

VfB Stuttgart,

Zweite Bundesliga (24 Vereine – 3 Aufsteiger, 3 Absteiger)

Hamburger SV,

1.FC Heidenheim,

SpVgg Greuther Fürth,

SV Darmstadt 98,

Holstein Kiel,

Erzgebirge Aue,

Hannover 96,

SSV Jahn Regensburg,

FC St. Pauli,

VfL Osnabrück,

SV Sandhausen,

1.FC Nürnberg,

VfL Bochum,

SV Wehen Wiesbaden,

Karlsruher SC,

Dynamo Dresden,

MSV Duisburg,

SV Waldhof Mannheim, 

SpVgg Unterhaching,

SV Meppen,

FC Ingolstadt,

TSV 1860 München,

FC Hansa Rostock,

Eintracht Braunschweig,

Dritte Bundesliga (24 Vereine – 3 Aufsteiger, 4 Absteiger)

Würzburger Kickers,

KFC Uerdingen 05,

FC Viktoria Köln,

Chemnitzer FC,

1.FC Kaiserslautern,

1.FC Magdeburg,

Hallescher FC,

FSV Zwickau,

SC Preußen Münster,

SG Sonnenhof Großaspach,

FC Carl-Zeiss Jena,

VfB Lübeck,

SC Weiche Flensburg 08,

VSG Altglienicke,

1.FC Lokomotive Leipzig,

Energie Cottbus,

SV Rödinghausen,

SC Verl,

Rot-Weiss Essen,

1.FC Saarbrücken,

SV Elversberg,

TSV Steinbach Haiger,

Türkgücü München,

1.FC Schweinfurt 05,

Vierte Bundesliga (24 Vereine – 4 Aufsteiger, 2 Absteiger)

SV Drochtersen/Assel,

Eintracht Norderstedt,

BSV SV Rehden,

VfB Oldenburg,

TSV Havelse,

Union Fürstenwalde,

BFC Dynamo Berlin,

Berliner AK 07,

FC Viktoria 1889 Berlin,

VfB Auerbach,

Rot-Weiß Oberhausen,

TSV Alemannia Aachen,

Sportfreunde Lotte,

Bonner SC ,

Wuppertaler SV,

FC 08 Homburg,

FC Astoria Walldorf,

SSV Ulm 1846,

Kickers Offenbach,

FSV Frankfurt,

SpVgg Bayreuth,

Viktoria Aschaffenburg,

VfB Eichstätt,

TSV Buchbach,

Erste Amateurliga (24 Vereine – 2 Aufsteiger, 4 Absteiger)  (Level 5)

Lüneburger SK Hansa,

SSV Jeddeloh,

Altona 93,

Heider SV,

HSC Hannover,

ZFC Meuselwitz,

SV Lichtenberg 47,

BSG Chemie Leipzig,

Optik Rathenow,

Wacker Nordhausen,

TuS Haltern,

SV Lippstadt 08,

VfB  Homberg,

SV Bergisch-Gladbach,

VfR Aalen,

FC Gießen,

FK Pirmasens,

TSG Balingen,

TuS RW Koblenz,

TSV Aubstadt,

Wacker Burghausen,

FV Illertissen,

TSV Rain,

SV Heimstetten,

Zweite Amateurliga Nord (22 Vereine – 2 Aufsteiger, 3 Absteiger) (Level 6)

1.FC Phönix Lübeck,

SV Todesfelde,

TSB Flensburg,

TuS Dassendorf,

FC Teutonia Ottensen,

Tennis Borussia Berlin,

Greifswalder FC,

FC Hertha 03 Zehlendorf,

TSG Neustrelitz,

MSV Pampow,

Borussia Hildesheim,

SV Atlas Delmenhorst,

VfL Oldenburg,

Egestorf-Langreder,

FC Oberneuland,

TuS Schwachhausen,

SV Straelen,

1.FC Monheim,

SpVg Schonnebeck,

SC Wiedenbrück,

RSV Meinerzhagen,

SG Wattenscheid 09,

Zweite Amateurliga Süd (22 Vereine – 2 Aufsteiger, 3 Absteiger) (Level 6)

TSV Schott Mainz,

TuS Koblenz,

SV Eintracht Trier,

Eintracht Stadtallendorf,

KSV Hessen Kassel,

FC Eddersheim,

FSV 63 Luckenwalde,

FC Einheit Rudolstadt,

FC Eilenburg,

FC International Leipzig,

VFC Plauen,

1.FC Merseburg,

Göppinger SV,

Stuttgarter Kickers,

FV Ravensburg,

SV Oberachern,

DJK Vilzing,

SC Eltersdorf,

SV Seligporten,

FC Pipinsried,

TSV Wasserburg/Inn,

FC Deisenhofen,

 

„Winnetous Mund spricht leise, aber laut spricht sein Herz.“ „Und was sagt sein Herz ?“ „Fußball“. (Möglicherweise ein Zitat aus Winnetou II)

Weihnachten kommt meistens John McClane und legt sich Jahr um Jahr mit den selben Bösewichten an. Zu Ostern jedoch reiten Winnetou und Old Shatterhand zuverlässig durch den Bildschirm. Gut, manchmal nimmt Winnetou auch den anderen Kumpel Shurehand mit. Und weil das eben jährlich geschieht, TV Zeitschriften aus der Mode kommen und man an den Feiertagen natürlich Zeit für die Familie haben möchte, ist das auch nicht mehr so von Bedeutung. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Unser gewohntes, „normales“, Leben wurde geradewegs viral storniert. Der Urlaub fällt flach; Kaffee & Kuchen bei Omma und Oppa auch. Brunchen mit den Freunden? Kannste auch vergessen! Wer Weihnachten wieder mit der Familie feiern will, der muss Ostern 2020 allein oder im engsten Familienverbund und in den heimischen vier Wänden auf Eiersuche gehen. 

Ostern ist zudem die Zeit für uns Fußballfans, welche langsam aber sicher auch die Zielgerade der aktuellen Saison einläutet. Nicht wenige verbinden den Besuch eines Ostergottesdienstes auch mit einem Stoßgebet für den eigenen Verein, auf dass die Saison erfolgreich enden möge. Oder wenigstens glimpflich ausgehen. Nun ist uns nicht einmal das vergönnt. Uns ist, stand aktuell, wohl so ziemlich egal, wie die Saison enden wird. Unsere Gedanken gehen eher in die Richtung, dass wir überhaupt noch mal zu unseren Vereinen dürfen. 

Halten wir also fest: Der Ball rollt nicht und Winnetou lebt auch nach Teil 3 immer weiter. Was also tun, um vielleicht doch ein wenig die Sehnsucht nach dem runden Leder stillen zu können? Da gibt es verschiedene Wege. Und wir können ein wenig dazu beitragen. Als da wären…

Streaming:

Auf Netflix läuft dieser Tage die zweite Staffel der Dokumentation rund um den notorisch erfolglosen Drittligisten AFC Sunderland an. „Sunderland `Til I Die“ heißt sie, und ist in der Tat zum Sterben schön anzuschauen. In der ersten Staffel war der soeben erfolgte Abstieg aus der Premier League in die Championship das Kernthema. Und weil Abstiege in der Arbeiterstadt Sunderland scheinbar besonders gut das Leiden der Fans dort veranschaulichen, ging es direkt noch eine Etage runter. Die zweite Staffel startet also in der Drittklassigkeit der Englischen „League One“. Während Vereinsverantwortliche aus Staffel Eins naturgemäß nicht mehr mit dabei sind, halten die Protagonisten auf Fanebene weiter Verein und Filmteam die Treue. Und weil das Filmteam auch ein gutes Gespür für das Wohl und Wehe der Fans hat; für das Leid und die Freude auf den Tribünen während der Neunzig+ Minuten, bekommen wir Eindrücke, die sich einen selbst wiederfinden lassen. Wie seelenlos kommen Vereinsdokumentationen hiesiger Vereine daher, wenn man sich mit den Sunderland Fans bei einem unterklassigen Pokalfinale gegen Portsmouth in Wembley wiederfindet….ich möchte hier nicht mehr verraten. Aber, wer diese zweite Staffel nicht in einem Rutsch schaut, der hat den Fußball nicht geliebt. Das ist so authentisch, es könnte fast 1:1 auch an der Hafenstraße 97a in Essen spielen. 

Ebenfalls auf Netflix (wieder in England spielend), kommt die Serie „The English Game“ zu uns auf die Empfangsgeräte. Wir reisen zurück in das Jahr 1879 und finden distinguierte Herren vor, die in gefühlt 10 Kilogramm schweren Fußballstiefeln auf holperigem Rasen einer Lederkugel hinterherlaufen. Fast die gesamte Vorstandsriege der noch jungen FA kickt unentgeltlich für die „Old Etonians“. Und gewinnen immer. Sie halten das Spiel für eine elitäre Angelegenheit, da es die Eliten waren, die ihm die teilweise noch heute geltenden Regeln gaben. Zwei Schotten sollten das nun ändern und auch der Arbeiterklasse zu Ruhm und FA Cup verhelfen, indem sie gegen die Regeln verstossen und sich für Geld anheuern lassen. Natürlich ist auch eine wenig „Downtown Abbey“ und anderweitige Dramatik abseits des Spielfelds mit dabei. Aber, es ist auch viel Fußball jener Tage zu sehen, und er wird wirklich authentisch umgesetzt. Es gibt die Anfänge der Hooligan Bewegung und einmal mehr viel über die englische Kultur zu sehen. Jimmy Love, Fergus Suter, Arthur Kinnaird und andere sind real existierende Figuren und haben das Spiel zu ihren Lebzeiten zu dem gemacht, wie wir es schon so lange lieben. Optisch sehr ansprechend umgesetzt. Diese Serie wird uns den Fußball auf Kreisligaebene noch ein wenig mehr vermissen lassen, denn schließlich ging es auch schon 1879 direkt aus der Kneipe auf das Feld.

Netflix zum Dritten: Das aktuell so gebeutelte Italien ist Schauplatz des Films „Ultras, über das Ergebnis hinaus“. Vorab: es gibt keinen rollenden Ball und nicht einmal ein Stadion von innen zu sehen! Die Fahnen der fiktiven SSC Neapel Ultra Gruppierung „Apache“ wehen trotzdem immer wieder im Bild; es geht des weiteren szenetypisch um Banner und Generationskonflikte innerhalb der Ultras. Genau genommen gehören mittlerweile schon drei Generationen den Apaches und deren Umfeld an. Die Gründungsväter, allesamt um die fünfzig, könnten auch an einem x- beliebigen Spieltag von RWE rund um das Hafenstübchen gecastet worden sein. Was hat man da für Charakterköpfe gefunden. Das Problem des Films: Es geht auch um einen kaum angerissenen Mord, um ungeklärte Familiengeschichten und natürlich darf auch die (ebenfalls ungeklärte) Beziehung inklusive Sexfaktor nicht fehlen. Stilecht mit Zigarette danach. Man ahnt schon: Eher Stoff für eine Serie, anstatt für einen neunzig minütigen Film. Hier haben die Macher zu viel gewollt und doch zu wenig erzählt. Man hatte keine Zeit, eine Filmfigur so zu nuancieren, so dass man ihr durch den Film folgen möchte. Und das Ende auch eher so… Aber der Film wird seine Anhänger finden und die Gesänge sind bisweilen wirklich gelungen. Für einen besseren Einblick in die Italienische Ultra Kultur auch vergangener Tage empfehle ich daher eher die DVD des 1990 erschienenen Films „Ultra-blutiger Sonntag“ aus dem Jahre 1990 um Principe und seine Gruppe der AS Rom Fans auf dem Weg zum Gastspiel bei Juve. 

Direkt nun zum etwas älteren Medium der DVD`s und Blue Rays zu kommen, wäre unfair dem gedruckten Wort gegenüber. An Tagen wir diesen ein Buch, eine Zeitschrift oder eine Tageszeitung in die Hand zu nehmen, bedeutet nicht nur haptisches Vergnügen, sondern auch die Rückkehr zu einer einzigen Handlung (Mal angenommen, dass Handy bleibt dabei wirklich außen vor). Natürlich ist jedes Buch rund um Rot-Weiss Essen schon in den heimischen Bücheregalen zuhause (davon gehe ich einmal aus), weshalb Empfehlungen für diese schmerzhafte fußballlose Zeit ein wenig über den Tellerrand hinaus gehen:

Druckwerke:

Zeitspiel“, das Magazin für Fußball Zeitgeschichte hat schon 17 Ausgaben hinter sich, erscheint einmal im Quartal und bietet druckfrisch die Ausgabe #18 an. Auf meistens hundert Seiten wird ziemlich textlastig über den Fußball unterhalb der Profiligen berichtet. Hardy Grüne und Frank Willig als Herausgeber und Autoren berichten in unglaublicher Fleißarbeit über Vereine wie Fichte Bielefeld, die Anfänge des Volkssports Fußball und manchmal auch über Rot-Weiss Essen. Wobei die Texte zu RWE dann schon mal von mir stammen könnten. Das Zeitspiel hat unseren RWE in einer der vorherigen Ausgabe schon mal als „Legende“ geadelt, nicht aber ohne anzudrohen, dass wir im Aufstiegsfalle nicht mehr zu den so geliebten Kleinen im Fußball gehören und dann den Zeitspiel Kosmos verlassen müssen. Wer nun dieser Tage also richtig viel Zeit hat, um sich wirklich mit hintergründigem Fußballwissen zu bereichern, der sollte sich das Fußballmagazin „Zeitspiel“ online (geht nur so) bestellen. Das ist wie Fußball zu lernen. Nur schöner.

Muss man zu „11Freunde“ noch viel schreiben? Eigentlich nicht. Seit zwanzig Jahren hat es sich von einem Fanzine zu einem unverzichtbaren Bestandteil des Fußballs hochgeschrieben. Und uns mit der Ausgabe #179 eines der wohl schönsten Heftcover überhaupt geschenkt. Eine Reise zu den Überlebenskünstlern im Ruhrgebiet das Hauptthema jener Ausgabe. Das Cover jedoch ein Träumchen vonne Hafenstraße, mit dem eigentlich schon alles gesagt wurde. Mittlerweile ist schon die Ausgabe #221 auf dem Markt. Inhaltlich folgt meistens auf drei gute und vielschichtige Ausgaben schon mal eine gefühlt etwas lustlosere. Also wie bei Rot-Weiss Essen zum Beispiel. Sind halt auch alles Fußballer da in der 11Freunde Redaktion. Zum zwanzigsten Geburtstag nun erscheint ein ziemlich dickes Buch mit einer launigen Reise durch zwei Jahrzehnte Heft- und Fußballgeschichte. Ich kann nicht beschreiben, wie es sich liest, da es sich noch unter dem Coronaschleier beim örtlichen Buchhändler des Vertrauens (ohne aktuellen „Zugang“) befindet. Aber ich glaube zu wissen, dass es die Wartezeit auf den rollenden Ball durchaus zu verkürzen weiss. 

Hardy Grüne zum Zweiten und zum Dritten: Hardy Grüne ist nicht nur ein profunder Fußballkenner und -Historiker, sondern auch ziemlich reiselustig dazu. Abseits der Arbeiten am „Zeitspiel“ werden immer wieder Bücher der eigenen Reiseerlebnisse veröffentlicht. Mal mit dem Rad durch England ohne Fußball (Aber im Bristol Rover Trikot) und mal ohne Rad aber mit viel Fußball durch Montevideo und Buenos Aires. Und diesen beiden Besuchen verdanken wir nun jeweils ein Buch über jede (Fußball-) Stadt. Die Fotos der komplett verranzten Stadien ein Traum an sich, die Akribie der Texte mal wieder ein echter Grüne. Hier steht nichts von einzelnen Spielen geschrieben. Hier geht es um die Bedeutung des Vereins für das Viertel und umgekehrt. Jeder einzelne Verein, sein Stadion (falls man es noch so nennen kann) und seine Szene bekommen genug Zeilen eingeräumt, so dass man am Ende der Bücher sicher sein kann: Essen ist ziemlich sicher Rot-Weiss. Aber Buenos Aires definitiv nicht nur Boca oder River Plate und Montevideo nicht nur Penarol.

Und nicht nur, weil so schön ist, Hardy Grüne zum Vierten, sondern auch deshalb, weil einmal mehr der RWE darin vertreten ist: „Fußballwappen“ heißt das Buch und handelt somit unmissverständlich von selbigen. Auf Seite 66 erfahren wir ganz zufällig, dass Rot-Weiss Essen ein echter Glücksgriff in der Fußball-Heraldik gelungen ist. Mensch Hardy, dass wussten wir hier doch schon immer. Dass manch Embleme eher verunglückt sind; sich politischen Vorgaben zu beugen hatten, und so weiter und so fort erfährt der Leser auf einer Reise durch Europas Vereine und seine Wappen. Etwas nicht nur für Freaks und einfach hübsch aufbereitet. 

Aber vielleicht muss es ja nichts neues sein. Vielleicht verstaubt ja noch die wundervolle Klartext Edition im Keller und sollte mal wieder hervorgeholt und gelesen werden: Buchtitel wie zum Beispiel „Höllenglut an Himmelfahrt“, „Bauernköppe, Bergleute und ein Pascha“ oder „Als die Ente Amok lief“ sind schließlich feinster Schaum auf dem Pils und immer mit etwas RWE versehen.

Was aber tun, wenn die Bücher und Zeitschriften gelesen sind, der Nachwuchs wieder dringenst WLAN und Bildschirm benötigt, um in kontaktlosen Zeiten in Kontakt bleiben zu können? Dann gibt es ja immer noch die gute alte DVD nebst Nachfolger Blue Ray. In Zeiten vor Streaming & Co. auch gerne gesammelt und ordentlich archiviert. Daher einige Empfehlungen, wie die Sehnsucht Fußball weiter durch ein gesundes Maß an Fußballkultur etwas gelindert werden kann: 

DVD/BR:

Es bestehen ja eigentlich kaum Zweifel darüber, welches mittlerweile der schönste Fußballfilm aller Zeiten ist: Die Schale geht für mich unangefochten an „Das Wunder von Bern“. Man glaubt sich mittendrin zu wähnen in diesem Sommer 1954. Kann nicht nur den Kohlenstaub in Essen riechen sondern auch die gesunde Luft der Alpen. Man fühlt fühlt mit den Heimkehrern, aber auch mit den Daheimgebliebenen. Lernt, daß Twitter früher Tauben waren und der RWE auch noch wer. Trotz der Niederlage in Aachen! Ganz groß aber die Leistungen der Darsteller/innen. Es fällt schwer, jemanden herauszuheben. Und doch waren meine Favoriten die Figur der Christa, verkörpert durch die wunderbare Johanna Gastdorf und speziell die des Paul Ackermann, gespielt von Lucas Gregorowicz. Von Ackermann, dem leicht schusseligen Fußballreporter stammt auch der Satz des Filmes nach einer amourösen Nacht: „Noch ein Kaltgetränk ?“. Außer Konkurrenz schwebt natürlich unser aller „Boss“. Sascha Göpel hat alles gegeben, wurde seiner würdig. Ein Film, den man immer und immer wieder anschauen kann. 

Vizemeister und somit direkt für die Regionalliga West qualifiziert ist „Maradona by Kusturica“ Kein Spielfilm als solches. Aber auch keine Dokumentation, um einen gewissen Zeitraum abzudecken. Wie würde auch sonst ein Hugo Chavez in den Karriereverlauf eines Fußballers passen? Aber ein Diego Armando Maradona ist nun mal kein gewöhnlicher Fußballer. In Neapel munkelt man ja heute noch, er sei der Messias. Maradona hat in seinem Leben nichts ausgelassen und mehr Kleidergrößen getragen als Joschka Fischer. Kusturica hat Maradona zu den Orten begleitet, die Meilensteine in seinem Leben und seiner Karriere waren. Wir Zuseher durften auch mit, und ich hatte nicht das Gefühl, groß zu stören. Es sind sehr intensive Momente; sehr ehrliche Einblicke in die Seele eines Menschen, der irgendwo zwischen Genie und Wahnsinn pendelt. Und sicher auch noch auf der Suche nach dem Ort ist, wo diese rastlose Seele mal zur Ruhe kommen darf. Neben diesem einen Tor werden natürlich noch viele weitere Tore dieses Ausnahmefußballers gezeigt. Ein toller Film!

Knapp dahinter, aber sowas von knapp, findet sich ein Film, der von seiner Machart stark an „Das Wunder von Bern erinnert“. „The Damned United“ heißt er und hat mich schwer beeindruckt. Starke Bilder, ganz starker Michael Sheen. Und Billy Bremner wirkt auch filmisch umgesetzt wie ein „fiesen Möpp“ (Dazu passend und ziemlich neu auf Scheibe der Film „Trautmann“. Die Geschichte des Keepers und Kriegsgefangenen Bernd Trautmann dürfte bekannt sein. Filmisch umgesetzt in der Historie von „The Damned United“ auch ein echter Hingucker). 

Punktgleich auf Platz Vier finden sich dann zwei Filme wieder, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Hier der als Mozart gepriesene Thomas und dort der als Schläger verrufene Tommy. „Tom Meets Zizou“ ist recht neu im eigenen Archiv, und hat es auf Anhieb in die vorderen Ränge geschafft. Aljoscha Pause hat den Fußballer Thomas Broich über viele Jahre hinweg begleitet und Höhen und Tiefen eines Spielers dokumentiert. Thomas Broich ist ein interessanter Typ und durch sein Image und dessen Pflege auch bestens dazu geeignet, um mit dem Vorurteil aufzuräumen, daß Fußballprofis stets auf der Sonnenseite daheim sind. Sind sie natürlich nicht, denn manche spielen auch bei Schalke. Das Spannende an dem Film sind nicht nur die einzelnen Stationen einer Karriere oder die Selbstreflexionen von Thomas Broich dazu. Vielmehr beschäftigte mich die Frage, ob mir Thomas Broich nun sympathisch ist, oder nicht. Leider bekam ich bislang keine Antwort darauf.

Tommy Johnson hat derlei Probleme nicht zu bewältigen, ist er doch eine fiktive Figur und nicht ein mit Intellekt gesegneter Fußballer. Selbstzweifel kennt die Figur Tommy auch keine und ist zudem gut strukturiert: Etwas Arbeit, viel Drogen und noch mehr Gewalt. Der Film dazu heisst „The Football Factory“. Es ist die Milieustudie, die mich so an diesem Film fasziniert. Dieser so intensive Einblick in die britische Gesellschaft; die Darstellung der verschiedenen gesellschaftlichen Schichten, die eines eint: Der Verein (manchmal nur als Alibi dienend) und die Lust auf Gewalt. Ein treibender Soundtrack unterstützt die Ruhelosigkeit der Protagonisten, stets auf der Suche nach dem nächsten Kick. Der Ball rollt in diesem Film keine Sekunde, selbst ein Stadion ist nicht zu sehen (analog zu „Ultras, über das Ergebnis hinaus“) und doch funktioniert so ein Film nur mit dem Fußball im Bunde. Und das schönste: Man muß keine Gewalt mögen, um von diesem Film fasziniert zu sein.

Ein kleiner Ausschnitt nur, was die Fußballkultur an Vielfalt geschaffen hat. Aber sicher vielfältiger, als sich nun in Dauerschleife vergangene Spiele anzuschauen, deren Ergebnis man schon kennt. Dann doch lieber Winnetou. 

Frohe Ostern. Bleibt gesund.

Wir denken selten an das, was wir haben, aber immer an das, was uns fehlt (Arthur Schopenhauer)

Ich kann nicht für Fans von hochklassigen Vereinen sprechen. Ich kann das nicht einmal für die vielen Fans von Rot-Weiss Essen. Ich kann einfach nur meine viertklassigen Gedanken niederschreiben. Und die drehen gerade emotional so ziemlich am berühmten Rad. Rational betrachtet machen wir gerade alles richtig. Am vergangenen Donnerstag wurden jetzt sogar Reisende aus den benachbarten Niederlanden daran gehindert, in unsere Grafschaft Bentheim einzureisen, sofern sie denn keinen triftigen Grund vorweisen konnten. Zwischen Nordhorn und Denekamp herrscht normalerweise mehr zwischenmenschlicher Verkehr als in jedem Puff der Republik, das zur Erklärung!  Diesen zu unterbinden zeigt einmal mehr den Ernst der Lage und ist auch richtig so. Irrational betrachtet jedoch fehlt uns gerade so ziemlich alles, was unser Leben als Fan ausmacht. Dabei ist übrigens ein schönes Phänomen zu beobachten: Je mehr uns der Alltag momentan im direkten Miteinander an Distanz auch abverlangen mag, umso mehr steigt die emotionale Bindung zu unserem Verein. Also zu Rot-Weiss Essen. Ich denke, dass renommierte Robert Koch-Institut käme zu der selben Erkenntnis, würde sie diesbezüglich Untersuchungen anstellen.   

Auch der allerletzte Fan, der sich in den Kommentarspalten vergangener Tage selbst nach knappen Erfolgen noch hämisch über den Verein ausgelassen hat, dürfte langsam aber sicher verspüren, dass ihm etwas ganz wichtiges im Leben fehlt. Was zuvor im normalen Ligabetrieb so nicht zugegeben werden konnte, galt es doch in erster Linie zu lästern und kundzutun, was für Schwachmaten da Saison für Saison auf dem Feld herumstolpern. Keine Liga, kein pöbeln! Tut uns anderen natürlich auch mal gut. Man kann einen Verein übrigens auch mögen, ohne ihn runterzumachen. Das aber nur so am Rande. 

Unseren stolzen Verein Rot-Weiss Essen besuchen diese Saison bislang durchschnittlich aktuell 10.934 Fans. Unser Verein lebt von diesen Fans. Lebt von den Tageseinnahmen (abzüglich der Dauerkarteninhaber*innen). Lebt davon, was die Fans im Fanshop und an den diversen Tresen an Geld lassen, um sich ihr eigenes Stadionerlebnis zu schaffen. Natürlich lebt ein Verein wie RWE auch von der Unterstützung der Sponsoren, ohne Zweifel! Aber hier an der Hafenstraße zählt und zahlt der Fan noch! Das ist nicht zu vergleichen mit dem Zirkus Bundesliga, wo der Fan oftmals zum Kunden deklariert wird, und ansonsten gerne seinen Mund oder Feindbild zu halten hat. Hier in der Regionalliga lebst Du nicht nur Deinen Verein, sondern dieser lebt auch durch Dich und Deinen Besuch. Das schafft schon mal eine Nähe, die vielen Vereinen speziell der ersten Bundesliga abhanden gekommen ist. 

Zudem bin ich sehr erschrocken darüber, wie schnell das finanzielle Kartenhaus dort im Verbund „Verein und Übertragungsrechte“ zusammenzubrechen droht. Ganz wichtig auch die Botschaft handelnder Personen: Während zum Beispiel bei unserem RWE recht schnell alle Beteiligte Kurzarbeit und Gehaltsverlusten zugestimmt haben, um Verein und Arbeitsplätze zu retten, liest man recht wenig darüber in den oberen Etagen. Im Gegenteil, wird doch eher Rettungsschirm an Rettungsschirm herbeigerufen, um den Bumms am Laufen zu halten. Dumm nur, dass den Bumms wohl kaum einer sehen will, findet dieser zwar am TV, aber in leeren Stadien statt. Hier überschätzt sich der Bundesliga Fußball meines Erachtens gerade gewaltig. Der wirkliche Fußballfan guckt lieber im Stadion Rot-Weiss Essen gegen den „1.FC Wenauchimmer“ als beispielsweise die TSG Hoffenheim gegen den 1.FC Köln als Geisterspiel am Bildschirm. 

Und weil der RWE eine solche Anziehungskraft auf den Fan hat; im hiesigen Fußball immer noch eine gute und emotionale Adresse darstellt, ist er auch ständig mit dabei, wenn in Funk und Fernsehen von den wirtschaftlichen Problemen der Vereine die Rede ist. Marcus Uhlig dürfte sich mittlerweile den Mund fusselig geredet haben, um das Dilemma Corona für den RWE erklärt zu bekommen. Auch dem RWO sein Hajo Sommers in diesen Tagen ein gern gesehener Interviewpartner mit guten Ansichten. Gute Ansichten, die aber immer dann an die Grenzen stoßen, wenn es wirklich um eine Entscheidung geht. Wenn es wirklich um den Tag X geht, an dem die Saison für beendet erklärt wird.

Und nun sitzen wir hier und schreiben auf teurer Tastatur einen Text über unsere Vergangenheit, damit ich den Frust verlier. Ich möcht wieder singen, nicht schön, sondern geil und laut. Denn RWE find man bekanntlich im Dreck und Heimspiele sind aus Dreck gebaut. 

ja gut, dass war jetzt die Abwandlung von Marius Müller-Westernhagens „Mit 18“. Aber genau so sieht es doch aus. Wir haben Frust ob der Situation, möchten wieder für unseren Verein singen, diesen malochergeprägten und eingetragenen Verein. Aber keiner kann uns sagen, wann wir uns an der Hafenstraße 97a wiedersehen. Ich glaube, dass ist etwas, was am meisten an uns nagt: Es fehlt nicht am Bewusstsein daran, dass alle Maßnahmen aktuell wichtig und richtig sind. Es fehlt an der für uns einzig wirklich wichtigen Entscheidung: Was ist mit der aktuellen Saison? Wer erklärt sie endlich für beendet? Und zu welchen Bedingungen? Wer hat die Lösung parat um allen Vereinen auch nur annähernd gerecht zu werden? 

Gibt es überhaupt eine gerechte Lösung? Oder, ist eine sportliche Lösung überhaupt wichtig, wenn zigtausende Menschen um ihr Leben kämpfen? Ist es vielleicht sogar anmaßend, seinen eigenen Verein über die Belange der Allgemeinheit zu stellen? 

Ich weiss es nicht mehr, zu schwierig eine passende Antwort. Was ich aber in den letzten Wochen gespürt habe ist, einmal mehr zu empfinden, wie sehr ich Rot-Weiss Essen liebe. Der RWE ist Teil meiner Familie. Ich kann nicht ohne, mag mir das auch gar nicht vorstellen. Die Spiele fehlen; die Menschen fehlen. Wir haben aktuell doch nur den Verein als solches. Und den dürfen wir nicht auch noch verlieren.  Ich habe solch eine Sehnsucht nach der Hafenstraße. Aber, ich halte das aus! 

Wenn ein Verein unkaputtbar ist, dann wohl Rot-Weiss Essen. Eher friert die Hölle zu, als das Corona Helmut Rahn vom Sockel holt. Aber wir sollten trotzdem auf unseren Verein aufpassen. So als ob er Teil unserer Familie wäre. Denn eigentlich ist er das ja auch. Seit 1907.

Frohe Ostern. Bleibt gesund. Und bitte bleibt zuhause!

Wir alle leben mit einer an unseren Sehnsüchten gestrandeten Seele…(Elmar Kupke)

Zitate sind was schönes, lassen sie doch ab und an sogar auf einen intellektuellen Text hoffen. Um dann doch eher der Vertiefung eigener Gedanken zu dienen. Als Fan von Rot-Weiss Essen leben wir ja schon lange mit unserer gestrandeten Seele. Allerdings war die Sehnsucht bis vor wenigen Wochen noch eine ganz andere. Diese tief in uns verankerte Sehnsucht nach was Besserem. Eine Sehnsucht zudem, die bei zuverlässiger Nichterfüllung der vergangenen Jahre zu oft in zu vielen von uns Verhaltensmuster zu Tage brachte, die einem guten Miteinander nicht förderlich waren. Was haben wir die Mannschaft verbal lang gemacht; uns von ihr und Verein abgewandt. Natürlich gerne verbunden mit dem Satz aller Sätze frustrierter Fußballfans: „Hier komme ich nie wieder hin, nächsten Samstag wird gegrillt…“

Ach, was waren das noch für Sehnsüchte. Wie schön war es doch, den eigenen Verein Scheiße zu finden. Es konnte doch keiner ahnen, dass es mal eine Zeit geben wird, in der  wir uns nicht damit befassen „müssen“, was unser aller RWE Woche für Woche so anstellt. Hans-Christoph Neuert (Wer kennt ihn nicht…) hat irgendwann mal geschrieben:

„Seit Du nicht mehr da bist vermisse ich auch mich“.

Ich denke, dieser Satz trifft es ganz gut, unsere Sehnsucht mit der aktuellen Situation zu verbinden. Der Fußball ruht, die Gesellschaft pausiert und unser RWE (Wie  so viele andere auch) steht somit an einem dramatischen Scheideweg! Sein oder nicht sein ist vielleicht noch nicht die Frage, aber sie kann eines Tages eine werden. Natürlich ist der RWE aktuell noch da, und befeuert unsere Sehnsüchte nach ihm auch ziemlich vortrefflich mit Einspielungen im leeren Stadion, Spielszenen und dergleichen online. Die Medienabteilung zeigt dem Virus den Mittelfinger und uns, was uns fehlt.

Uns fehlt der RWE, den wir besuchen und „anfassen“ können. Er ist gerade nicht da (Den Umständen entsprechend ist das auch mehr als gut so) und somit vermisse ich auch mich. Also mindestens den Teil von mir, der Rot-Weiss Essen lebt. Was ist das denn für ein Leben, wenn man sich nicht mehr auf ein Spiel freuen darf, nur um sich danach doch nur darüber aufzuregen? Was macht man nun mit den Tagen und Stunden, in denen man ständig „Opa Luscheskowski“ oder anderes vor sich hin gesummt hat?

In seinen Antworten auf ausgewählte Fragen zur aktuellen Situation lässt „Zeheoh“ Marcus Uhlig mehr als nur durchblicken, dass die Lage ernst ist. Denn es betrifft nicht nur einen (unseren) Verein als solches. Es betrifft auch Sponsoren, die schlimmstenfalls ihrerseits seit Wochen ohne Einnahmen sind. Wie will man da seinen Verpflichtungen nachkommen, auch wenn das Rot-Weisse Spenderherz noch so gerne sein Füllhorn über den Verein ausschütten würde? Und wie soll der Fan seinen Verein aktuell virtuell oder via Online Shop unterstützen, wenn er ebenfalls in Kurzarbeit geschickt wurde; vielleicht sogar kurz davor steht, seinen/ihren Job zu verlieren? Wir sind Essen, da hat man außer seinem RWE nicht allzu viel auf der Tasche!

Aber, noch ist nicht aller Tage Abend und ich glaube, dass wir eines Tages wieder anne Hafenstraße pilgern werden! Das am Fancontainer frisch erworbene „Rot-Weiss Essen, Corona ficken & vergessen“ Shirt in der einen und das reelle Stauder in der anderen Hand. Vielleicht haben wir Probleme, die üblichen Bekannten zu entdecken, da das Haupthaar eher an Siebziger Jahre Parties erinnert denn an aktuelle Frisuren und manche Matte die Augen trübt. Aber, egal gegen wen das erste Spiel „danach“ auch stattfinden wird, und egal in welcher Liga: Unsere Lieder dürften so intensiv gesungen werden, wie lange nicht mehr.

Geht man dieser Tage mit dem gebotenen Abstand  vor die Tür, so ist festzustellen, dass die Natur einen so freundlich begrüßt, wie schon seit Jahren nicht mehr. So bedrohlich das Szenario auch ist, so beunruhigend zudem…so sehr sehe ich auch eine Chance darin, daraus zu lernen. Zu reduzieren; Wertschätzung zu zeigen. Respekt und Zusammenhalt zu leben. Und dann kann auch Rot-Weiss Essen weiterleben. Als Einheit zwischen Verein, Fans und Finanzen. In der Gewissheit, dass unsere Seele alles verkraften würde: Außer einem Leben ohne Rot-Weiss Essen. Und vielleicht gucken wir einfach noch mal auf unser Konto, ob nicht doch noch ein Besuch im Online Shop drinsitzt. Jeder Cent hilft unserer Perle vonne Hafenstraße.

Bleibt gesund!

 

 

 

Liebe ist nicht das was man erwartet zu bekommen, sondern das was man bereit ist zu geben (Katharine Hepburn).

Lieber RWE, Du weisst, ich bin Dir ja ziemlich wohlgesonnen. Wahrscheinlich liebe ich Dich auch. Ziemlich sicher sogar; so wie viele andere Dich auch lieben. Und ab und an schreibe ich hier auch über Dich. Ok, es lesen nicht mehr sehr viele, was ich schreibe, aber ich mach das ja auch für mich. Damit ich klarkomme mit unserer Beziehung. Weil, einfach biste ja nicht. Weisste ja selbst am Besten. Hast zu oft verkackt, wenn es darauf ankam. Hattest aber trotzdem unser aller Liebe. Konntest auf das Feuerzeug für die Kerzen bauen, die wir hoffnungsvoll vor den Stadiontoren aufgestellt haben. Wusstest um die Tatsache, dass wir trotzdem immer wieder zu Dir kommen, egal wie schlecht Du uns mal wieder behandelt hast. In dieser Saison bist Du ja bislang ungewohnt gut zu uns. „Läuft“, könnte man punktuell sagen, auch wenn es sicher das eine oder andere Problem gibt. Heute wären wir Dir natürlich auch wieder gefolgt: Richtung Ostwestfalen, zum womöglich „Alles oder Nichts“ Spiel gegen den dortigen SC Verl. Hätten alles  für Dich gegeben.

Doch nun sitzen wir im besten Falle Zuhause, wo man auch sein sollte, hat Mann/Frau/Divers anderweitig gerade nichts zu suchen. Haben anhand der aktuellen Ereignisse fast vergessen, dass es heute eigentlich um so viel gehen würde. Denn, und das dürfte mittlerweile auch dem Letzten klar geworden sein: Es geht aktuell um alles, anstatt um so viel. Und es geht auch um Dich, Du unser RWE! Und deshalb schreibe ich Dir diesen Brief, denn gestern habe ich wieder gespürt, warum ich Dich so sehr liebe:

Lieber RWE, ein Satz hat mich heute sehr berührt, und zwar derjenige, welcher die einstimmige Entscheidung für das bittere Los „Kurzarbeit“ verkündet hat. Ihr alle, die Ihr für unseren RWE arbeitet; egal ob am Ball oder am Rechner: Ihr alle habt einstimmig eine  Entscheidung mitgetragen, die Euch finanzielle Einschnitte bescheren wird. Die vielleicht aber am Ende der Krise bedeuten kann, dass Rot-Weiss Essen einmal mehr weiterleben darf. Ich behaupte einfach, dass es Deine Magie war, die allen Beteiligten zu dieser Entscheidung verholfen hat. Ihr habt in den letzten Wochen und Monaten gespürt, wie wertvoll es ist, für Dich aufzulaufen. Wieviel Liebe und Zuneigung auch gerade Dir entgegenschwappt, wenn es rund um die Hafenstraße 97a sportlich ein wenig heller wird.

Dafür möchte ich mich ganz herzlich bedanken und darf sagen, wie stolz ich darauf bin. Auf Dich und auf Deine Angestellten in kurzen und langen Hosen. Es ist etwas anderes, ob Du als Viertligist um Deine Existenz kämpfst, oder aber als börsennotierter Erstligist derart jammern lässt, als sei bei Durchfall nur noch ein Blatt Papier auf der Rolle. Du mein RWE spielst aktuell leider nicht auf dem selten grünen Rasen der Regionalliga; dafür aber das Spiel Deines Lebens!  Und auch hierzu hast Du, wie auch schon andere Vereine vor Dir, eine Meinung: Du spielst die Saison halt virtuell weiter.

Seit gestern können alle, die es gut mit Dir meinen, den Dreiklang der Hafenstraße kaufen. Ohne baldige Aussicht auf ein wirkliches Spiel wohlgemerkt! Dreiklang? Klar: Spiel, Stauder & Bratwurst (alternativ auch gerne Frikadelle). Was auch sonst? Und weisste was? Wir haben gemerkt, dass es wirklich um die Wurst geht, Dich betreffend. Man stelle sich einmal vor, Du hättest uns vor Corona eine weitere Möglichkeit angedreht, um Geld für die laufende Saison zu bekommen: Das wäre Dir natürlich um die Ohren geflogen. Weisste auch selbst. Aber jetzt ist eine andere Situation. Jetzt ist es kein Spiel mehr, jetzt heisst es: Rot-Weiss oder eventuell nicht mehr Rot-Weiss. Und das ausnahmsweise mal komplett ohne, dass Du etwas dafür kannst. Da wir das aktuell auch so sehen und spüren, fackeln wir natürlich nicht lange:

Wir wollen dieses virtuelle Spiel. Wir wollen Dich bei Bratwurst und Stauder anfeuern, als ob es um Dein Leben ginge.  Dabei geht es vorrangig auch um unser eigenes Leben. Schließlich vermissen wir Dich gerade so sehr, so dass es schon weh tut. Denn Du, unser RWE, Du bist unser Leben. Vielleicht hätten wir Dir das in all den Jahren viel öfter sagen müssen! Wir können nicht ohne Dich, wir vermissen Dich seit Wochen, wie auch Du vielleicht uns vermisst. Vor allem aber wissen wir endgültig, dass Du gerade absolut keinen Mist gebaut hast, sondern tatsächlich unser aller Hilfe brauchst.

Ey Du, weisste was: Wir schaffen das! Weil wir Dich und das Leben lieben. Egal in welcher Liga. Darum kümmern wir uns erst wieder „danach“.

Macht die virtuelle Hütte voll!

Nur der RWE!

 

 

 

An den Scheidewegen des Lebens stehen keine Wegweiser (Charlie Chaplin).

Es sind schwierige Tage für alle. Dieser Virus, der noch vor wenigen Wochen so weit weg war, erreicht nun auch unseren Alltag. Ist spürbar, messbar und verleitet zu Übersprungshandlungen aller Arten. Die Verbreitung muss gestoppt werden, dass gebietet allein der gesunde Menschenverstand. Demzufolge ist es nur richtig, dass auch das angedachte Spiel des RWE gegen den Nullvierten Fußballclub aus Gelsenkirchen abgesagt wurde. Dass es mehr Sinn macht, Spiele gänzlich abzusagen, anstatt sie vor leeren Tribünen auszutragen, haben die Beispiele in Gladbach und Paris gezeigt: Dem rationalen Denken nicht mehr mächtig, sobald es um das Allerheiligste geht, haben sich die Fans eben vor dem Stadion einander angenähert und Fackel gezeigt. Grundsätzlich löblich, aber leider der falsche Ansatz. Verbreitung vermeiden bedeutet viele Menschen auf einem Fleck zu meiden. Und nicht Nudeln kaufen. Warum eigentlich Nudeln? Was ist mit Reis? Der hält auch ewig! Und aus der beruflichen Praxis kommend, darf ich sagen: Wascht Euch die Hände. Desinfektion zu horten hilft da nicht wirklich weiter. Ganz normale Handwäsche mit Seife ist wesentlich effektiver. Ehrlich!

Was aktuell weiterhelfen kann, darüber streiten sich die Gelehrten und wie immer auch die Kommentarspalten. Man sollte letztere übrigens meiden wie aktuell Menschenansammlungen, denn sie könnten auch ansteckend wirken. Es bedarf jetzt einfach die gebotene Gelassenheit der Gemeinschaft; es bedarf Empathie und Ruhe. Ruhe also auch im Stadion Essen vergangenen Samstag. Ein Wochenende ohne Heimspiel für die vielen Fans der Rot-Weissen, und ein Wochenende ohne Einnahmen für alle anderen. Ein Wochenende ohne Punkte zudem. Die Regionalliga 2019/20 gefühlt eine ganz fürchterliche Saison, denn wann läuft ein Spieltag eigentlich noch normal ab? Wattenscheid geht das Geld ganz aus, Wuppertal gefühlt jede Woche. Verl hat ständig Wetter, die beste Mannschaft kein Umfeld. RWE hat Zuschauer ohne Ende, aber auswärts selten spieltaugliches Gelände.

Eigentlich war ja auch vor dem „Hustensohn“ alles schon sehr kompliziert. Nun ist es für viele Vereine nicht mehr nur kompliziert, sondern geradezu existenzbedrohend. Die Bayern und BvB`s dieser Fußballwelt, die werden das durchstehen, möglicherweise mit der Konsequenz, mal auf einen Millionentransfer zu verzichten; Ebenso der Verein aus Gelsenkirchen, der auch bei noch so vielen Schulden Jahr um Jahr durchgewunken wird. Aber was ist mit den kleinen Vereinen, und vor allem: Was ist mit den Menschen, die in und für diese Vereine arbeiten? Die an Spieltagen unsere Frikadelle bruzzeln und das Bier zapfen? Die bei Wind und Wetter die Fahrzeuge einweisen oder mit Ordnerweste vor dem Block stehen. Es geht also nicht nur primär um den Verein als solches. Es geht auch um denjenigen, um diejenige, dessen/deren Lebensunterhalt gefährdet ist, wenn vielleicht 450€ im Monat wegbrechen. Es geht um den Fußballer in unteren Ligen, der auch seine Fixkosten zu zahlen hat. Ach, es geht um so viel. Aber trotzdem und zuallererst geht es um die Eindämmung!

Deshalb wäre es eine gute Sache, wenn der DFB wirklich ein finanzielles Unterstützungsprogramm auf den Weg bringen würde, welches die monetären Folgen für alle Beteiligten etwas abpuffern könnte. Angenehmer Nebeneffekt: Der wirklich kritikwürdige DFB könnte sich inhaltlich auch mal wieder in die richtige Spur bringen. Allerdings dürfte sich Hilfe nicht wie ein Schwall über wenige ausbreiten, sondern sollte nach dem Gießkannenprinzip über alle verteilt werden, die monetärer Hilfe bedürfen. Machen wir uns nichts vor: Die Saison wird wohl nicht zu Ende gespielt werden, und es sollte einen Plan B geben. Was auch immer der bedeuten könnte. Marcus Uhlig hat kürzlich vorgerechnet, welche Konsequenzen es in Summe für unseren Herzensverein haben kann, und jene Summe hat mich ängstlich stocken lassen. So ist das eben, wenn Du als Verein von Zuschauern und nicht (nur) von TV Geldern abhängig bist: Bei Geisterspielen rollt der Rubel trotzdem, weil genug Konsumenten die Glotze einschalten. Bei RWE aber, da musste den Arsch hochbekommen, um den besten Fußball zu sehen. Und mit diesem Arsch finanziert man eben auch diesen wunderbaren Verein. So einfach ist das!

Rot-Weiss Essen lebt in großen Teilen (Danke an alle großen und kleinen Sponsoren)  durch die vielen Fans im Stadion, während die Bundesliga mittlerweile auf diese verzichten kann, um zu überleben. Kurioserweise kann auch der SC Verl ohne Zuschauereinnahmen überleben. Aber, dass ist wieder eine ganz andere Geschichte.

Es wird also nicht mehr gespielt. Der Kampf auf dem Rasen und den Tribünen; manchmal auch der hinter den Kulissen, er ist dem Kampf gegen einen Virus gewichen, für dessen Bekämpfung ein probates Gegenmittel noch nicht erfunden wurde. Wir können aktuell nur atemlos zusehen, was er mit uns anrichtet und den Empfehlungen Folge leisten. Und das sollte man auch tun! Alles andere ist albern, peinlich und fahrlässig. Und noch etwas können wir tun: Wir können der Gesellschaft helfen, indem wir uns um unsere Mitmenschen kümmern, die vielleicht gerade besonderer Aufmerksamkeit bedürfen. Ein Zettel im Hausflur mit dem Angebot, für diejenigen einzukaufen, die nicht so gut zu Fuß sind, wirkt Wunder. Ein „bleiben Sie gesund“ sorgt für ein Lächeln und die Erkenntnis, dass auch ein Buch bei guter Musik etwas herrliches sein kann, für viel Reduktion.

Und trotzdem sind da natürlich auch diese eventuellen Forderungen, die im coronarem Raum stehen: Ein Dauerkarteninhaber hat für eine ganze Saison bezahlt, nicht nur für zwei Drittel. Was also, wenn manch einer der geneigten RWE Dauerkarteninhaber bei abgebrochener Saison Schadensersatz fordert? Keiner kann es ihm verdenken, keiner wäre deshalb böse.. Aber ich würde mir trotzdem wünschen, dass ein solches Szenario wirklich nur so wenig wie möglich eintreten würde. Ein Hoch auf das Konjunktiv! Für den „Hustensohn“ kann selbst der RWE doch nichts! Im Gegenteil: Wir sollten uns  also überlegen, wie wir dem RWE auch ohne Spiel zu Einnahmen verhelfen, um auch in der kommenden Saison noch feste zubeißen zu können: Die Mitgliedschaft ist eine solche Option. Ebenso wie die Sichtbarkeit des eigenen Namens auf der „alte Schule Anzeigentafel“. Natürlich kann man auch online den RWE Fanshop leerkaufen, und ebenso natürlich auch zugleich den Paketboten schützen, indem man einen alternativen Übergabeort vereinbart.

Ach, hätte ich doch einen Bestseller geschrieben, und nicht nur 111 Gründe, den RWE zu lieben….dann könnte ich mit einem signierten Buch bei einer privaten Lesung viel Geld verlangen und dieses dem RWE zugute kommen lassen. Aber vielleicht fällt mir trotzdem noch etwas ein, um meinen Verein im bescheidenen, machbaren Rahmen zu unterstützen. Um daran teilzuhaben, Rot-Weiss Essen fit zu halten. Um keinem Virus dieser Welt zu erlauben, einen großen Teil des eigenen Lebens zu nehmen. Es gibt eine Zeit nach dem Hustensohn. Und dann wird es auch wieder RWE auf dem grünen Rasen geben. Wird es all das geben, was wir mit RWE verbinden, was wir an RWE lieben und was wir RWE zu verdanken haben. Aber, bis es wieder soweit sein wird; bis wir wieder auf der Hafenstraße flanieren und staudern werden….bis dahin müssen wir aus- und durchhalten. Es ist wie es ist!

Bleibt gesund und kauft realistisch ein.

Und jetzt das Wetter…

Der DFB als Weltbester Spaltpilz hat es einmal mehr geschafft, den Fußball unseres Landes effektiver zu teilen, als es jeder Trennschleifer vermag. So stellt es sich mir nach einem Fußballwochenende dar, welches sportpolitisch zu den schwärzeren gehören dürfte. Jetzt ist der DFB  nicht einmal der Auslöser gewesen, waren das aktuell die allseits bekannten Protestplakate. Nun ist seit Samstag sehr viel darüber geschrieben und berichtet worden. Sehr viel einseitiges aus dem Hause Sky, Sport1 und ZDF zum Beispiel. Weiterhin hetzte das Hetzblatt Nummer 1 auch wieder ungefiltert und unreflektiert darauf los usw. Zudem werden gar Inhaftnahme und andere Sanktionen gefordert. Ach, es war bisweilen zum Fremdschämen, wie sich dort aufgeführt wurde.

Zur Einordnung: Ich muss jemanden nicht mögen, aber ein Konterfei hinter einem Fadenkreuz gehört für mich nicht öffentlich ausgestellt. Und die Beleidigung, der Sohn einer rechtschaffenen Mutter im horizontalen Gewerbe zu sein, höre ich im Stadion nur zu oft. Ich mag es einfach nicht mehr hören. Unabhängig von den aktuell handelnden Personen. Man kann auch jemanden kritisieren, indem man witzig und kreativ agiert. Hoppe, Hoppe Reiter, wenn er fällt dann schreit er. Ach so: Gegen Kollektivstrafen!

Beide Banner wurde aber gezeigt und das hatte etwas zur Folge, was ich in dieser Vehemenz nicht erwartet hätte. Einmal abgesehen von den Spielunterbrechungen natürlich. Zum einen die peinlichste TV Darstellung, die ich jemals im Fußball erlebt habe: Während ein Sky Kommentator hyperventilierend die Bannerverantwortlichen im Bayern Block seinerseits „durchbeleidigt“, wird der Beleidigte von jenem Mann auf das Feld geführt, der sich seinerseits schon mal beleidigend gegen den Verein des Beleidigten geäußert hat. Und sich selbst nicht wirklich zur Moralinstanz unseres Landes zählen dürfte. Der Rest dieses Tages ist bekannt.

Wie aus heiterem Himmel schienen intern längst abgesprochene Schritte auf beiden Seiten zu greifen: „Yippie Yah Yei Schweinebacke“, endlich Eskalation! In Folgespielen und unabhängig von der Liga zeigten Fans, bisweilen auch zum Unwillen vieler andere Fans, ebenfalls Transparente und Banner. Der DFB seinerseits reagierte direkt mit dem Griff zum roten Telefon: Der Stufenknopf wurde gedrückt. „Wenn wir schon nicht gegen Rassismus und Diskriminierung vorgehen, dann schützen wir wenigstens einen der Unseren“. So stellt es sich dem verblüfften Betrachter dar, der sich nun auf ständig wechselnde Zeiten einstellen darf, wann ein Spiel beendet wird. Die folgenden Sendungen verschieben sich ab sofort um XY Minuten!

Das Dumme dabei: Keiner hat den Unparteiischen nun explizit mitgeteilt, welche Schriftstücke und Bildformate nun eine Unterbrechung nach sich ziehen. So wurde in Meppen beispielsweise für eine „Tapete“ unterbrochen, die von einem durchaus respektablen Reim geziert wurde. Keine einzige Beleidigung, Bedrohung oder dergleichen stand dort geschrieben. Der Pfiff erfolgte trotzdem. Sogar zum Unverständnis mancher Protagonisten auf dem Feld. Der DFB hat mal wieder den zweiten vor dem ersten Schritt gemacht und vergessen, zuerst in Gelsenkirchen einen Keller zu mieten, aus welchem sich zukünftig der #BAR melden wird. Der Banner Assistent Referee wird sich dann noch einmal die strittigen Banner anschauen und dem Unparteiischen zeitnah mitteilen, ob unterbrochen wird, oder eben nicht. Ohne #BAR wird wahrscheinlich in Zukunft bei jedem Banner abgepfiffen; selbst wenn es sich um eine blanko Raufaser oder ein unbemaltes Bettlaken handelt.

Ist Stand also momentan: Sogenannte Szenen gegen den DFB (beziehungsweise stellvertretend dafür gegen eine Person). DFB gegen Mitglieder sogenannter Szenen, die bisweilen gar mit Terrorzellen verglichen werden (Überspitzt formuliert). Fans gegen Szenefans. Viele TV Anstalten, die abhängig von Fußballübertragungen sind gegen Szenefans. Rechtsanwalt gegen Szenefans. Fananwälte gegen Vorverurteilung, vernünftig reflektierende Medien gegen einseitig agierende Medien usw. usw. Und zum allen Überfluss haut man in Leipzig eine Love & Peace Choreo raus, um im selben Spiel Besucher rauszuwerfen, die man via Herkunft als potentielle Virusträger verortet.

STOP! Bitte alle mal schütteln oder tief durchatmen.

So geht das alles nicht mehr weiter. Merkt Ihr selber, woll? Ich weiß, ich kann hier keine Intellektuelle Aufarbeitung der Geschehnisse in einem ausgewogenen Kontext anbieten, wie es einige gestern und heute schon gemacht haben. Schon gar nicht als harmoniesüchtig bekannter „Rosamunde Pilcher der Fußballblogger“. Aber ich kann in meinen Worten darlegen, dass es so kein gutes Ende nehmen wird. Und dann sind wir am Ende alle die Verlierer. Denn einen Gewinner wird es lange nicht mehr geben. Den feuchten Traum des DFB, die Premier League mit all seinen Nachteilen Vorteilen auch in Deutschland zu etablieren, wird der hiesige Fan nicht mitträumen. Keiner will per App den Nachbarn denunzieren, weil er steht. Wir wollen weiter stehen, uns mal Dinge verbaler Natur an den Kopf werfen; ein gepflegtes rektaler Ausgang oder ähnliches zum Beispiel nach Foul oder nicht gegebenem Elfer. (Und nochmals: Ich kann das H****sohn einfach nicht mehr hören), Wir wollen unbequem sein und uns einmischen. Eben, weil man sich beim DFB und seiner Ausrichtung einfach einmischen muss. Der DFB dieser Tage möchte wohl am liebsten eine Dreier Liga mit den Bayern (ohne dessen Ultras), der TSG Hoffenheim und natürlich dem Konstrukt aus Leipzig. Der einfache Fan hingegen wünscht sich aber leider wohl eher Rot-Weiss Essen gegen Chemie Leipzig. Klar, dass man so nicht zusammenkommt.

Der DFB lebt nach dem Motto „Was kümmert mich mein Versprechen von gestern“, und bekommt nun genau das von einigen Tribünen vor die Füße geworfen. Leider schaffen es diese Tribünen nicht, den Protest so zu gestalten, dass er nicht als justiziabel und skandalös erachtet wird. „12:12“, das war zum Beispiel ein Protest, der richtig Wirkung gezeigt hat. Im Stadion und an den TV Bildschirmen. Hier wurde keiner ins Fadenkreuz genommen, sondern gemeinsam ein Weg gefunden, zu protestieren. Diese laute Stille war seinerzeit mehr als beeindruckend! Daher glaube ich, dass wir aus der aktuellen Nummer nur rauskommen, wenn wir Fans zeigen, dass wir die Klügeren sind und mit Witz und Biss malen und protestieren, wenn es etwas zu protestieren gibt.

Und nun zum Wetter!

Prolog:

Reinhold Ertel war von 1972 – 1975 Trainer des damaligen Zweitligisten Barmbek -Uhlenhorst. Auch als „BU“ bekannt. Nach einem Spiel sprach er 1975 folgenden Satz in das Reportermikrofon: „Ich muß noch mal die Dilettanterie in Hinnahme der Gegentore ansprechen“. Wie schön konnte man doch seinerzeit das scheinbare Versagen der eigenen Mannschaft in punkto Abwehrverhalten erklären. Auch ohne jedwede Beleidigung wusste man respektvoll: Das war Mist! Manches war früher durchaus besser.

Tränen sind der Augen edle Sprache Robert Herrick (1591 – 1674), englischer Pfarrer und Dichter

Ja meine Güte, was soll ich auch lange drumherum schreiben: Als Oguzhan Kefkir in der einundachtzigsten Minute das Tor traf; unser aller RWE somit endlich in einem Heimspiel wieder einen Treffer verbuchen konnte, da hob es mich nicht nur aus der eh kaum genutzten Sitzschale, sondern verwässerte fast zeitgleich auch die Augen. Ich habe mir dieses Tor so sehr für unseren Verein und für uns alle gewünscht, so dass ein rationaler Umgang damit kaum mehr möglich war. Ich wollte nach diesem schrecklichen Rödinghausen Spiel  endlich wieder dieses rumpelnde „Ene mene miste, es rappelt in der Kiste“ hören. Wollte spüren und sehen, dass es noch immer nicht vorbei ist mit all unserer Sehnsucht und mit all unseren Träumen. Ich glaube, ich habe auch gar nicht sofort realisiert, dass das Tor auch wirklich gezählt hat, gab es doch vorher den Stolperer mit Rot-Weisser und Rot-Weißer Beteiligung. Vielleicht suchte ich in dem Moment den unseligen VAR, damit mir einer Halt und Sicherheit zu geben vermochte. Glücklicherweise blieb der Blick auf den Monitor fern, der Torschrei von drei Tribünen aber umso intensiver. Das Tor zählte somit tatsächlich, wir führten.

Am Geländer festgehalten, konnte ich endlich schluchzen. Meine Güte wie peinlich, es war doch nur ein profanes Tor in einem ganz normalen Ligaspiel. Es war ja nicht einmal ein Derby oder dergleichen.  Falsch gedacht, es war unter dem Strich definitiv mehr in diesem Moment: Es war das Tor dafür, dass es weitergeht. Weitergeht mit unseren Hoffnungen und Sehnsüchten. Weitergeht mit der Liga und dem unwahrscheinlichen Augenblick, den SC Verl oder auch RWO noch zu überholen, was den unseligen Relegationsplatz anbelangt. Der SV Rödinghausen hat sich seinerseits in den letzten Tagen selbst aus dem Spiel genommen und auf das aufwendige Lizensierungsverfahren zur dritten Bundesliga verzichtet.  Rein sportlich betrachtet ein Katastrophe, denn wenn bescheuerte DFB Regularien über Wohl und Wehe entscheiden, bleibt der Sport leider auf der Strecke. „Meister müssen aufsteigen“, so zeugt ein RWE Transparent Woche für Woche darum, worum es wirklich geht. Nun aber ist die Liga ein weiteres Mal um ihre sportliche Identität beraubt worden. Erst Wattenscheid, nun Rödinghausen. Die beim DFB haben scheinbar wirklich nur noch Watte im Kopf. Ein Verein wie Rödinghausen spielt eine geile Saison. Leider, aber Punkt! Aber er wird niemals ein 10.000 Zuschauer fassendes Stadion benötigen, füllen oder was auch immer. Was seit Ihr nur für ein realitätsfremdes Volk da in den DFB Stuben.

Rödinghausen, das sind aber auch die mit den sterbenden Schwänen zwei Wochen zuvor, also nun raus aus dem Rennen. Bleiben noch die stabilen Verler, die Nachbarn aus Oberhausen und eben wir. Glücklicherweise noch wir, denn die Trefferquote von 1,7 Toren pro Spiel lässt nicht unbedingt auf eine souveräne Offensive schließen. Oftmals reicht das eine Tor aus, um die anwesenden Rot-Weissen in Ekstase zu versetzen. Minimalprinzip at it`s  Best! Gut, zurück zu Kefkir und dem Tor gegen RWO: Endlich realisiert, das es wirklich passiert, waren die nächsten Minuten bis zum Abpfiff wieder einmal die schlimmsten, die es bislang zu überstehen galt. Wie immer natürlich. Aber es hat zum Schluss tatswahrhaftig gereicht, und RWO wurde erneut bezwungen. Herrgott von Bentheim, welche Erleichterung nach Abpfiff.

Aber grundsätzlich und überhaupt: Was ist das eigentlich für eine Saison? Die Tabelle so schief wie der schiefe Turm von Suurhusen/Ostfriesland, unser RWE aktuell scheinbar nur noch im zweiwöchigen Heimrhythmus unterwegs. Klarheit gibt es da keine, außer der Gewissheit, dass prinzipiell der SC Verl durch ist. Selbst wenn wir an deren Poststraße gewinnen, bedarf es noch einiger Ausfälle ostwestfälischer Natur, bevor bei uns oder in Oberhausen die Post abgeht. Und was ist nur mit unseren geklauten drei Punkten aus dem Wattenscheid Spiel? Normal ist das also alles nicht mehr aktuell, und so können auch Reaktionen nicht mehr normal ausfallen. Das hat dann schlicht schon mal ungeplante Tränen zur Folge. Tränen der Erleichterung.

Wo mein Verständnis dann jedesmal aufhört ist unter anderem, wenn Stauder durch die Gegend geworfen wird. Mit Stauder wirft man nicht! Das gehört getrunken. Ohne wenn und aber! In Maßen natürlich und bewusst genossen! Jetzt ist wieder spielfreies Wochenende. Das bedeutet, wir können wieder nur zugucken. Und doch bin ich auf irgendeiner Art optimistisch, was das Erreichen dieses bekloppten Relegationsplatz angeht. Einfach mal so aufsteigen, das können wir nicht. Wir brauchen die kleinen und großen Dramen, die der Fußball in all seiner Güte und Strenge zu bieten hat. Wir brauchen das Komplettprogramm an Schmerz und Leidenschaft.

Wir brauchen weiter weiter Hoffnung!

Der Schuh des Manitu

Die Vorfreude steigt, die Aufregung noch viel mehr: Die Küchenjungs aus Rödinghausen kommen an die Hafenstraße und wollen weder Dunstabzugshaube noch Kühlschrank liefern, sondern drei Punkte mit zurück in die ostwestfälische Fußballhochburg nehmen.  Rein statistisch betrachtet steht es ihnen sogar zu, davon auszugehen: Sie liegen doch in der gemeinsamen Historie um vier Mikrowellen vorn. Der „Reviersport“ sieht nun Vorteile beim Gast; die „Welt“ uns wenigstens auf Augenhöhe und ein automatisch generierter  Bericht auf „T-Online“ schwadroniert gar von einem Showdown. Da sieht man mal, wie bescheuert automatisch erstellte Texte sind! Am 23. Spieltag von einem Showdown zu sprechen, ist albern. Egal, wer am Samstag die Show macht oder wer am Ende Down sein wird: Auch dann ist noch lange nichts entschieden. Gibt ja auch noch den SC Verl, die vom Kanal, weitere Spieltage und überhaupt. Kein Showdown also und zu 100% ein Mensch hier hinter der Tastatur.

Um 14:00 Uhr mit Anpfiff ist dann jede Vorberichterstattung endlich Makulatur; interessieren Prognosen keinen mehr im Stadion. Dann heißt es Handy aus und Stimme an. Übrigens wurde (erstaunlicherweise) in fast allen Vergleichen und Vorberichten etwas ganz essenzielles vergessen: Wir alle zusammen haben doch Samstag Geburtstag, und werden 113 Jahre jung. Auf das Spiel bezogen kann das eigentlich nur eines bedeuten: 1 RWE Tor erste Halbzeit + 1 RWE Tor zweite Halbzeit = 3 RWE Punkte als Geburtstagsgeschenk aus Rödinghausen. Kann ja auch gar nicht anders: Denn wer Geburtstag hat, bekommt schließlich Geschenke. Gerne natürlich auch in Form eines Unparteiischen, der der Bedeutung dieses Spieles gewachsen ist und mit seiner Pfeife umzugehen weiss. Und mit seinen Linienrichtern am Spielfeldrand. Da wir also Geburtstag feiern, sind wir selbstredend auch gute Gastgeber und verwöhnen unsere Gästefans (gegen Gebühr) mit allen Köstlichkeiten der Hafenstraße. Als da wären: „Vierzehntausendfache Emotionen mit einem Hauch an Ungeduld und einer Prise an Leidenschaft, angerichtet auf einem Bett voller Gefühle für unseren Verein“. Dazu das Beste was eine Brauerei hierzulande abfüllen kann. Und Wurst. Und Frikadelle. Mit oder ohne Senf. Wir lassen es also richtig krachen.  Welcher Gast würde da so dreist sein, und die Punkte mitnehmen wollen?

Am kommenden Samstag können wir alle aber noch etwas mehr geben. Wir können Hoffnung geben und Glauben schenken. In den Arm nehmen, applaudieren und gut zusprechen: Vergangenen Mittwoch hat unser erster und langjähriger Fanvertreter im Aufsichtsrat, zudem ein oller Platzproll, öffentlich mitgeteilt, dass er an einer speziellen Form von Lymphdrüsen-Krebs, dem sogenannten „Mantelzell- Non Hodgkin Lymphom“ erkrankt ist. Dieses Arschloch von Krebs hat also wieder ein Opfer gefunden. Einen Rot-Weissen durch und durch. Das lassen wir uns nicht gefallen, dem nehmen wir uns an und stehen bei! Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass ein offener Umgang mit einer solch belastenden Krankheit zunächst kein leichter ist. Aber jetzt, drei Jahre danach, kann ich sagen: Es war der beste Weg! Zu unsicher in einem solchen Fall stets das eigene Umfeld, Kollegen und Bekannte. Darf man den Betroffenen darauf ansprechen? Muss ich ihn bemitleiden?

Ach, einen Scheiss muss man! Offenheit ist wichtig. Humor ist lebenswichtig. Verkriechen gilt nicht. Im Gegenteil, hier stehe ich und habe Krebs! Und ich nehme den Kampf an. Das hat uns Ralf geschrieben, so wie er uns auch jahrelang geschrieben hat, wie es um unseren RWE steht. Im Gegensatz zu seinen Berichten aus Trainingslager und AR-Sitzung habe ich den letzten natürlich nicht gerne gelesen. Aber der Humor und der Optimismus dieser Zeilen hat direkt wieder ein Lächeln ins Gesicht des Lesers gezaubert. Ab sofort sind wir nicht nur RWE und kämpfen um den Aufstieg, sondern wir sind auch Ralf und sind alle anderen Erkrankten aus der großen RWE Familie. Wenn die Mannschaft am Samstag aufläuft, applaudieren wir nicht nur ihr, sondern auch Dir und Euch. Ab sofort gilt noch mehr: „Kämpfen und siegen“.

Und deshalb ist es mir momentan undenkbar, dass wir nach dem Spiel die Hafenstraße erfolglos verlassen werden. Auf und neben dem Platz. In der Tabelle und in unseren rot-weissen Herzen. Wir werden feiern: Den Geburtstag, das Leben und die drei Punkte. Rund um den RWE ist immer auch viel Mist passiert, aber letztendlich sind wir Familie. Wie heisst es doch so schön: „Die Familie Rot-Weiss hält zusammen…“. Besonders jetzt, wo der Schuh drückt.

Die Schwierigkeiten scheinen nur da zu sein, um überwunden zu werden (August Heinrich Hoffmann von Fallersleben).

Ich denke, wir sind uns alle einig: Den Stadionbesuch als solches kann nichts ersetzen. Niemals. Kein noch so großer Flachbildschirm zuhause; kein Kneipen- oder Rudelgucken. Das wirkliche Erlebnis Fußball mit allen „Aaaaahs“ und „Oooooohs“ gibt es nur am Platz oder im Stadion. Außer in Gelsenkirchen. da hat man weder Platz noch Stadion. Die Vorfreude auf der Hinfahrt und die Stille oder der Singsang auf dem Heimweg. Die Wurst und das Stauder. Die Sanitäranlagen, die man sich im Gegensatz zur heimischen Kachel mit Hunderten anderer Drangwütigen teilt. Es gibt eigentlich keine Alternative zum Spielbesuch vor Ort. Außer man ist sauer auf den eigenen Verein und benötigt eine Auszeit. Oder, man muss arbeiten.

Also kein Stadion. Doch was dann? Videotext? Klar, geht immer. Also, wenn dieser überhaupt noch existiert. Liveticker und Radio Hafenstraße gehen auch. Der Liveticker des RS hatte bisweilen das Problem, dass es sich zutrug, den letzten Eintrag in der 90. Minute bei 1:0 Führung RWE abzusetzen. Dann kam die Stille. Der hektische Klick auf „aktualisieren“. Nichts. Minuten der Verzweiflung. Was tun? Das Herz bubbert, die Pochen schläfen. Oder andersherum. Dann endlich, nach gefühlten 35 Minuten aktualisiert sich der Liveticker. Doch plötzlich steht da: Abpfiff in der 90. +8 Endstand: 1:2. Der RWE hat in der Nachspielzeit verloren und seine Fans am Ticker sind wahrscheinlich in ein Zeitloch gefallen.

Das Zeitloch bei Radio Hafenstraße gab es nicht, dort gibt  man gefühlt nichts auf Zeiten. Kommentiert wird das, was unten auf dem Rasen geschieht. Mit Leidenschaft. Leider schaffte dieses gelegentlich auch Leiden, nämlich immer dann, wenn die erforderliche Technik nicht bereitgestellt werden konnte. Mit „Edge Technologie“ war man manche Saison vielleicht auf Spielhöhe mit dem RWE, aber für eine flüssige Übertragung aus dem Stadion reichte es in dem Falle dann doch nicht. Trotzdem: Vielleicht auch mal eine Gelegenheit, um einfach nur Danke zu sagen für die ehrenamtliche Leidenschaft, uns alle am Spiel teilhaben zu lassen.

Seit nicht allzu langer Zeit gibt es nun eine weitere Alternative, nämlich die des Streaming. Unterm Dach hängt eine Kamera, die nicht von Kameramännern oder -Frauen geführt wird, sondern die auf den Ball programmiert ist. Beim Aufwärmen schon eingeschaltet bedeutet das für die Kamera zunächst eine komplette Überforderung in Anbetracht der vielen Bälle zeitgleich auf dem Platz. Man bekommt also keine Totale, oder Schwenks in die Zuschauer, sofern welche  vor Ort sind. Was im Falle der Auswärtsspiele des RWE  ja immer der Fall ist. Man bekommt den Laufweg des Balls. Aber, man ist irgendwie auch dabei, kann mitreden.

Nach der Winterpause nun stand das enorm wichtige Spiel in Köln bei der U23 des Effzeh an. Ebenso wie ein Spätdienst. Daher die komplette Technik eingepackt und den einzigen fußballaffinen Klienten schon seit Tagen auf das Spiel eingeschworen.  Wie üblich an Spieltagen mit irgendwas an RWE Bekleidung zum Dienst und entsprechend nervös. Die Erholung der Winterpause war gänzlich vorbei; zu sehr lastete der Dreiklang  von Effzeh, Röding- und Oberhausen auf meinen schmalen Schultern. Doch die gedankliche Vorbereitung und vermeintlich gute Planung im Dienst wurde durch einen Notruf gestört, den wir zu tätigen hatten. Und so fand ich mich alsbald zur Betreuung im Krankenhaus wieder. Empfang? Keiner! Die wirklich wichtigen Dinge des Lebens erledigt, gab es dann doch noch die Chance, in einem Krankenzimmer kurz vor 19:00 Uhr auf „Sendung zu gehen“. Bei geöffnetem Fenster konnte ich sogar auf LTE zurückgreifen. Der Klient war eingeschlafen und ich war drin. Auf Kleinstbildschirm auch in Köln dabei. Wenn auch nicht mittendrin.  Die 18% Akku bereiteten mir bis dorthin noch keine Sorgen. die 10% nach zwanzig Minuten Spiel hingegen schon.

Der Anfang gestaltete sich für unseren RWE ganz gut; zielstrebig ging es Richtung gegnerisches Tor, welches man seinerseits jedoch nicht zu treffen wusste. Hinten stand man dafür um so sicherer. Die Arbeit im Trainingslager schien sich auszuzahlen.

Derweil waren im Krankenhaus die Modalitäten geklärt und es ging flott zurück zur Einrichtung. In Köln war nun Pause, Zeit also für Übergabe und notwendige Eintragungen. Zeit auch für den Feierabend und einem kurzen Sprint zum Auto. Die zweite Halbzeit begann justament. Bei nur noch 1% Akkuladung. Kaum vom Hof gefahren war klar: Hier und jetzt wird das nichts. Handy tot. Kein Kontakt während der dreißig Minuten Heimfahrt zu irgendjemanden, der mich auf dem Laufenden halten könnte. Eine Mischung aus Panik, Sorge und Befreiung machte sich breit. Was erwartet mich zuhause? Liegen wir hinten und ist alle Vorfreude dahin? Führen wir vielleicht schon und die Rödinghausen Karten gehen weg wie die berühmten warmen Semmeln? Und warum fährt das Auto vor mir so langsam? Das macht der doch extra! Man ey!

Derweil zeigte die Uhr im Auto irgendwas um 20:29 Uhr an, als das Zuhause erreicht wurde. Jetzt galt es den stets freudig erregten Hund zu umgehen, was wunderbar gelöst wurde, als mir zum einen meine Tasche aus der einen Hand genommen und in die andere direkt ein Lekekerli gereicht wurde, welches ich fast Staffelähnlich direkt an die Fellnase weiterzugeben wusste. Hund abgelenkt, der Weg zum Rechner war frei. Dort lief auch schon das Spiel, Gattin sei Dank. Welch Vorbereitung. Und es stand noch 0:0. Riesengroße Freude und minimale Enttäuschung zugleich. Aber ich konnte das Spiel noch 14 Minuten plus Nachspielzeit verfolgen. Dankbarkeit, die sich einige Minuten später in Jubel entlud, als Amara Condé nicht nur zur Führung sondern auch zum Endstand traf. Rot-Weiss Essen mausert sich immer mehr zu einem „Last Minute Anbieter“. Das war man schon mal für einige Jahre, aber dann bekam man das Gegentor. Aktuell erzielt man es selbst, bleibt ruhig und glaubt an seine Chance, auch wenn zu viele Torchancen weiter und leider ungenutzt blieben.

Der Jahresauftakt 2020 ist also geglückt. Das extrem wichtige Spiel in Köln wurde gewonnen, was sicher Auswirkungen auf den Kartenvorverkauf gegen die Küchenjungs auf Rödinghausen haben dürfte. Dann ohne Stream, RH oder Ticker, sondern dort, wo es am Schönsten ist: An der Hafenstraße, RWE!

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