Rettig, Meerrettich, Kommtnich. Doch Scheisse ist der, der kommt.Weil, muss ja! Oder auch nicht!

Prolog:

RWO sagt, wir waren das nicht, das war der RWE. Der RWE sagt, wir waren das aber auch nicht. Gut, es ist wie es ist und es gab scheinbar ein Leck. Dieses Informationsleck kam der Revier Sport natürlich nicht wirklich ungelegen und direkt gab es sie, die Breaking News aller Breaking News, welche vom neuen Sportdirektor bei Rot-Weiss Essen zu berichten wusste. Endlich einmal gab es mehr als den Fußpilz von Spieler XY oder Neuverpflichtungen, die so gar nicht existierten, sondern einfach so und der Klicks halber in den Ring geworfen wurden. Der sportliche Leiter von Rot Weiß Oberhausen, Jörn Nowak, wird Sportdirektor beim Nachbarn und (noch?) Ligakonkurrenten Rot-Weiss Essen.

So what?

Direkt nach Bekanntgabe der eigentlich noch nicht zu bekanntgebenden Personalie gab unser aller RWE dann die entsprechende Pressemitteilung heraus, und bei RWO wurde wütend in das Kissen gebissen. Das Netz reagierte auch wie zu erwarten und haute beiderseits alles raus, was es an Optionen so gab, um einen jungen Menschen in seiner Profession zu diffamieren. Abgesehen davon gab es glücklicherweise auch viele, die die bisherige Arbeit von Jörn Nowak zu schätzen wussten, und ihn an der Hafenstraße willkommen hießen. So sollte es auch sein. Egal, wo jemand  herkommt, und egal, wie er nun für die einen als Verräter und für die anderen als zu jung und  namenlos dasteht: Gucken wir uns einfach an, wo RWO steht und gehen dann einfach mal in uns. Ich glaube, der hat was drauf!

Mal ehrlich: Was haben wir denn erwartet? Sammer? Klopp? Neururer? Effenberg, Basler und Blitzbirnen? Nee, zum Glück nicht! Es kommt ein Mann, der bei einem uns nicht wirklich sympathischen Verein eine Mannschaft mitgeformt hat, wie wir sie doch gerne bei uns sehen würden: Nämlich eine, die bis zum Schluss um den Aufstieg mitspielt. Ein Denkmal würden wir ihm hier bauen! Aber nur, weil er von diesem, einem von uns seit jeher belächelten Verein kommt, kann er auf einmal nix; ist zu jung und überhaupt: Kleeblätter sind eh kacke. Mag sein, aber es ist wie es ist und Jörn Nowak ist nun unser. Also wäre hier und jetzt die Gelegenheit um aufzuhören mit dieser Stimmungsmache, dieser ewigen Hetze gegen alles und jeden. Wir wollen aufsteigen und dazu bedarf es Personal, welches diesen Traum in die Realität umsetzen kann. Heute haben wir einen unter Vertrag genommen, der es umsetzen will. Mir ist egal, woher Sie kommen, Hauptsache ab dem 1.7.2019 sind sie mit ganzer Kraft bei uns. Tach Jörn Nowak. Punkt.

Anbei noch einmal die zwei Teile einer saisonalen Phase, in welcher Namen gehandelt, gewünscht und verteufelt werden:

Teil 1, die Spekulation:

Es gibt neben den neunzig Minuten auf dem Feld (die eigentlich für uns Fans die allerheiligsten der Woche sein sollten) noch etwas ganz anderes; viel intensiveres, was uns mit unserem Verein verbindet. Etwas, was nicht in neunzig Minuten plus/-minus sechzig Minuten davor und danach abgehandelt ist. Etwas, was uns rund um die Uhr beschäftigt und in der eigenen Wahrnehmung doch stets viel zu kurz kommt. Daher wollen wir sie an dieser Stelle einmal gebührend würdigen: Die Rede ist von der Spekulation! Der Duden sagt als Definition zur Begrifflichkeit Spekulation unter anderem: „Auf bloßen Annahmen, Mutmaßungen beruhende Erwartung, Behauptung, dass etwas eintrifft“. Oder auch: „Hypothetische, über die erfahrbare Wirklichkeit hinausgehende Gedankenführung“. 

Ohne Spekulation wäre unser Fandasein ein wohl noch tristeres. Ohne Spekulation würden wir vielleicht Stunden und Tage, möglicherweise ein halbes Rot-Weisses Leben verbal auf das Nötigste reduziert nebeneinander her leben. Man stelle sich einmal vor, man tauscht mit Gleichgesinnten verbal oder in den Foren nur noch das Ergebnis und die Spielbewertung aus; berichtet jenen, die nicht zum Spiel vor Ort waren. Das würde sich dann in etwa so lesen: „Und?“ „Gewonnen!“ „Waren die Roten viel besser?“ „Ging so!“. „War Hotte auch da?“ „ Ja, muss ja, hatte aber Rücken!“. Mit Spekulation allerdings blühen wir auf; reden uns den Mund fusselig, tippen uns die Finger wund und können nicht schlafen vor lauter Gedankenkarussell. Das Spielergebnis und das Spiel als solches wird fast zur Nebensache, zieht einer der Beteiligten auf der Tribüne, an der Theke oder vor der Trinkhalle die Karte Spekulation. Am Rechner natürlich auch. Gerade dort. Da wird Spekulation bisweilen zur Passion.

Jetzt kommen die Dinge ins Rollen, wollen Meinungen über Gehörtes an den anderen Fan gebracht werden. Mit Nachdruck, der besten Quelle und natürlich stets dem oder der einen, der/die von einem gehört hat, der/die/das/wieso/weshalb/warum aus todsicherer Quelle weiss, was eigentlich noch keiner weiss. Aber natürlich schon alle wissen… weil: Spekulationen behält natürlich keiner für sich, das wäre ja langweilig. Die werden wie in der Mathematik stets ordentlich geteilt. Wir wissen also: Spekuliert wird immer. Aber, auch hier gibt es Extremsituationen. Und in einer solchen befinden wir Hobbyspekulanten uns aktuell: 

Unser Verein hat nicht nicht nur das Geheimnis kommender Finanzquellen in den Raum gestellt, sondern fahndet auch nach einem neuen sportlichen Leiter. Und dann, sozusagen als Sahnehäuptchen auf der Spekulationstorte, kommt plötzlich und unerwartet aus dem Nichts eine Personalie in Form des bekennenden RWE Fan und Mitglied Andreas Rettig um die Ecke. Jemand, den man allein schon aufgrund seiner gesunden Einstellung zum Thema Fußball, Fans & Finanzen wohlwollend begleitet. Aber, könnte er für die nötigen Tore sorgen oder im Mittelfeld spielerische Glanzpunkte setzen?

Ach, wie schön sind sie, die wilden Gerüchte und uferlosen Spekulationen. Aber, ist auch wohl schön, wenn dann endlich die Fakten folgen. Weil, dann kann endlich wieder darüber gemeckert werden. Mit dem Thema „meckern“ befassen wir uns dann aber in einer weiteren Folge…

Teil 2, ein Neuer (also nicht der) wird unter Vertrag genommen:

Schon Forrest Gump wusste um die Problematik der Bekanntgabe neuer Spieler für die kommende Saison und sprach auf seiner Bank sitzend diese (leicht auf den RWE abgeänderten) berühmten Worte „Die Neuverpflichtung ist wie eine Schachtel Pralinen – man weiß nie, was man kriegt“. Hätte Forrest Gump sich tatsächlich auf unseren Verein bezogen, so hätte er natürlich Recht: Was ein Spieler bislang in seiner sportlichen Vita vorweisen kann zählt ab jenem Moment nicht mehr, in dem er sich das rote Trikot mit dem schönsten aller Embleme überstreift. Jetzt muss geliefert werden, nichts weniger als der unendlich herbeigesehnte Aufstieg muss her. 

So  weit so gut, da bin ich völlig dabei! Wo ich nicht mehr dabei bin ist der Moment, in welchem direkt nach Bekanntgabe einer Neuverpflichtung damit begonnen wird, diese in Frage zu stellen. Aber, was heißt denn schon, in Frage zu stellen? Das wäre ja noch einigermaßen zu verstehen, gibt es auf seiner Position vielleicht schon den ein oder anderen guten Spieler im Kader. Diese Diskussionen gab es ja auch schon immer. In Zeiten vor den (bisweilen un-)sozialen Medien halt an der Theke, auf der Tribüne oder im Plausch mit den Nachbarn. Heute jedoch wird  fast jede Neuverpflichtung bei Rot-Weiss Essen direkt vor seinem ersten Training multimedial auseinandergenommen. Wird akribisch seine sportliche Vergangenheit durchleuchtet; die Verletzungsanfälligkeit begutachtet und dann auch noch das Alter: Boh Alter ey, das darf schon mal gar nicht jenseits der dreißig liegen. Das Ganze oftmals im mittlerweile leider üblichen, respektlosen Sprech geschrieben und das Urteil ist gefällt: Der Neue kann nix! Die Saison ist gelaufen, noch bevor sie begonnen hat. 

So kommt es mir vor, und so erlebe ich es. Was der Sache aber leider überhaupt nicht dienlich ist. Bei uns werden mittlerweile viele neue Spieler direkt verbal weggejagt, noch bevor sie überhaupt angekommen sind. Für mich eine „Lose-Lose-Situation“, die unserem Traum nicht dienlich ist. Leider jedoch, und jetzt kommt das „Aber“, leider jedoch kann die Enttäuschung und Skepsis zu großen Teilen auch nachvollzogen werden! Es gab in den letzten Jahren zu viele Neuverpflichtungen, von denen man sich viel versprochen hatte, die das Vertrauen aber nicht in gute Leistungen umwandeln konnten. Es gab das Pech mit den Verletzungen und auch Vorerkrankungen. Und auch sie gab es sehr häufig: Die Spieler, die vor und nach der Hafenstraße zu großartigen Leistungen fähig waren. Wie gesagt: Vor und nach ihrer Zeit an der Hafenstraße. Vielleicht ein Phänomen, welchem wir nur durch die psychologische Brille betrachtet auf die Spur kommen.

Der Frust somit verständlich, die verbale Umsetzung leider zu oft nicht mehr angemessen und respektvoll. Schade eigentlich, denn: Sobald ein Spieler hier unterschreibt, ist er ein Rot-Weisser und hat alles zu geben für unseren Verein. Aber ich kann doch erst nach einigen Spielen wirklich und fair beurteilen, ob es passt oder (leider mal wieder) nicht. Übrigens kann ein neuer Spieler auch nur so viel ausrichten, wie die Etablierten neben ihm auf dem Feld abliefern. Abliefern wollen oder können. Manchmal liegt es auch daran. Also Ihr Neuen: Herzlich willkommen anne Hafenstraße. Haut alles raus und verletzt Euch bitte nicht! 

Epilog:

Ich habe einfach ein Problem damit, Menschen vorab zu diffamieren, zu beleidigen oder ihre Qualitäten direkt in Frage zu stellen. Ich will das nicht. Können wir uns vielleicht einfach auf Unentschieden einigen und denjenigen, die bei uns einen Vertrag unterschreiben, eine Chance geben? Hören wir damit auf und gehen nur nach Leistung. Gucken immer auch danach, ob wir selbst auch über uns lesen möchten, das wir nichts können, noch bevor wir den neuen Job überhaupt angetreten haben.

Sicher nicht.

Gemeinsam voran. Gemeinsam ans Ziel. Nur der RWE!

Zäsur

Damals, wir hatten ja nichts anderes, waren wir höchstwahrscheinlich kein aktives Mitglied  einer Gruppe. Gruppen standen schließlich auf der Bühne und gaben Konzerte. Bands also. Wir guckten nach oben auf Menschen und hatten kaum Nacken. Heute, die Zeiten ändern sich, gucken wir ständig nach unten auf ein Display, haben Nacken und sind höchstwahrscheinlich alle Mitglied von mehr als einer Gruppe. Ohne eine Band zu sein.

Neben den üblichen Gruppen eines hinlänglich bekannten Nachrichtendienstes wie zum Beispiel „Klassentreffen“, „Familie“, Stammtischfahrt“ „Schlakke wieder kein Meister“ usw. gibt es selbstredend auch die eine, in welcher es um den eigenen Verein geht. Wir zum Beispiel haben unsere RWE Gruppe schlicht und bescheiden „Vorstandstreffen“ genannt.Ich liebe diese Gruppe! Zum einen ist sie der direkte Draht nach Essen, und zum anderen beschränken wir uns nicht nur auf den RWE, sondern haben natürlich auch noch uns, unsere Hunde und ziemlich viel Blödsinn auf dem Programm. Aber, wir passen auch auf uns auf und kümmern uns umeinander. Spekulieren ständig auf das Herrlichste rund um unseren Verein, sind wir doch zudem allesamt auch außerhalb unserer Gruppe in den Farben Rot-und Weiss gut vernetzt.

In letzter Zeit jedoch gab es eine tiefgreifende Zäsur, die mir erst jetzt so wirklich bewusst wird: Es gibt Spieltage, an denen schreiben wir einander gar nicht mehr über die Spiele unserer doch so geliebten Roten. Es gibt keine atmosphärischen Statusmeldungen, keine ergebnistechnische Wasserstandsmeldung mehr. Es wird nicht einmal mehr über was auch immer gelästert. Und dabei waren diese neunzig Minuten die Fixpunkte unserer Gruppe. Wir nehmen das Gebotene auf dem Feld einfach nur noch hin und diskutieren über bessere Zeiten. Wissen natürlich um die Maloche, die der Verein aktuell Tag für Tag abseits des Feldes leistet, um die Weichen zu stellen für eine bessere sportliche Zukunft. 

Doch dann kam diese Nachricht, die mich in der Tat zunächst einmal mehr als geschockt hat: 

„Ich muss jetzt mal was gestehen; Ich bin im Moment, was den geliebten RWE angeht, total emotionslos. Befinde mich quasi mitten in der Fastenzeit und bewusst auf Entzug. Mich zieht nichts mehr ins Stadion, bin einfach „leer und lustlos“. Habe noch nicht einmal mehr die Vorverkaufsoption für das Pokalspiel genutzt. Ich hoffe sehr, dass die Beziehung zwischen dem geliebten RWE und mir zur neuen Saison wieder eine neue Chance bekommt. Aktueller Beziehungsstatus: Es ist mehr als kompliziert“

Es ist also passiert: Sie, die als einzige von uns den RWE sogar auf der Haut trägt, ist aus selbiger gefahren und hat sich nicht nur von den neunzig Minuten abgewandt, sondern benötigt direkt eine komplette Pause von unserem Verein. Eine Folge der bisweilen unerklärlichen Darbietungen auf dem grünen Rasen. Eine Folge sicher auch von einer Dekade Sehnsucht nach was Besserem. 

Dummerweise gehört „Sie“ zu meinem Stadionerlebnis Hafenstraße zwingend dazu, sind wir doch oft in letzter Zeit nur noch der Gruppe wegen nach Essen gefahren. Ich brauche die Gespräche mit ihr und ihrem Papa, dem ehemaligen Bergmann. Was machen wir denn jetzt? Wie bekommen wir diese treue Seele zurück in die Rot-Weisse Spur? 

Ich glaube, diese Antwort kann nur die Mannschaft geben. Mit gutem und erfolgreichen Fußball. Dann stehen wir alle wieder zusammen und schreiben auch über Spiele. Weil:

Nur der RWE!

Viva la Zwote!

Rational ist das eigentlich nicht zu erklären, dass unsere „Zwote“ in vielerlei Dingen so sehr in den Herzen der Rot-Weissen Fangemeinde verankert war. Schließlich stehen Zweitvertretungen bei uns und grundsätzlich überhaupt nicht wirklich hoch im Kurs eines jeden Fußballfans, der es mit einer „Ersten“ hält: Sie rauben uns zwischen letztem Nerv, Sozialromantik und Aufstiegsplatz so ziemlich alles, was das eigene Fußballherz begehrt. Es sei denn, man ist Fan zum Beispiel eines Dauerabonnementen auf die Deutsche Fußballmeisterschaft. Da kann die Unterstützung der eigenen Zweiten eine Rückkehr zur einstmals geliebten und gelebten Fußballkultur werden. Stadion statt Arena, Flutlicht statt Lightshow. Proleten statt Moneten. Sind wir natürlich weit von entfernt.

2014 also hat Rot-Weiss Essen seine so innig geliebte Zwote auf Anweisung von niemals uns Uwe abgemeldet. Ein Aufstöhnen ging nicht nur zum Beispiel durch die Reihen der Stadionverbotler, die das höherklassige Fußballverbot so durchaus mehr als zu kompensieren wussten. Oftmals sogar mehr Spaß bei den Spielen der Zwoten hatten, als bei jenen im GMS, ging es doch weniger um die Existenz. Bei einer Ersten, da steht doch immer gleich alles auf dem Spiel: Blutdruck, Vereinswohl und das Große und Ganze. Bei der Zwoten hingegen geht es um das Spiel als solches, die Kumpels und das kalte Stauder. Um den neunzigminütigen Zeitvertreib am Tag danach. 

An der Hafenstraße hegte man aber spätestens seit der letzten und hoffentlich auch allerletzten Insolvenz 2010 diese ganz besonderen Gefühle in Richtung ebenjener Zwoten: Schließlich waren es hauptsächlich Trainerstab und Spieler der bis dato Zwoten, die nun als Erste dem insolventen und somit zwangsabgestiegenen Verein den Arsch retten und den Spielbetrieb aufrechterhalten sollten. Und wie sie das taten. Man könnte auch sagen: Mit Bravour! Diese Mannschaft, man könnte sie auch „Zwerste“ nennen, wurde eins mit den Fans der Ersten und legte einen Parforceritt durch die fünftklassige NRW Liga hin, der seinesgleichen suchte und sucht. Mit etwas Abstand betrachtet: Eines der schönsten Jahre überhaupt an der Seite von Rot-Weiss Essen. Was waren wir eine Einheit. Was hatten wir Erfolg. 

Das mag vielleicht eine Erklärung dafür sein, warum eben diese Abmeldung aus Kostengründen nicht nur ein Schock für das Vereinsgebilde, sondern auch für die Fanseele war. Das ging viel tiefer als nur der Verlust des entspannten Spiels am Tage danach. Vielleicht ebenso unterschätzt wie der Verlust der Vereinskneipe innerhalb des Stadions. 

Die dann 2013 gegründete Dritte konnte das Vakuum der Zwoten nicht kompensieren, war auch gar nicht zu diesem Zwecke ins Leben gerufen worden. Die Dritte ist eine eigene, ganz ehrenvolle Mannschaft an der Hafenstraße, die allein aufgrund der vielfältigen Schicksale Unterstützung verdient und sicher auch bekommt. Sich möglicherweise nun sogar die Liga mit der neuen Zwoten teilt. Teilen darf. 

Wir wissen jetzt nicht genau, wie und wann es mit der Zwoten nun konkret losgeht und was „Curtis“ so alles plant. Aber, wir wissen nun: Wir haben bald wieder eine „Viva la Zwote“. Und das ist gut zu wissen. 

Mein Traum: Sie macht den Spielern der Ersten schon bald wieder aber sowas von richtig Beine. Damit auch die endlich mal wieder im Sinne des Vereins laufen und kicken.

Strategisches.

Das Internet sagt auf Anfrage: „Eine strategische Partnerschaft ist die strukturierte Zusammenarbeit zweier Unternehmen, um gemeinsam Vorteil aus den Marktgegebenheiten zu ziehen oder um effektiver auf Kunden reagieren zu können, als dies im Alleingang möglich wäre“. Soweit das Internet. Soweit die Gegebenheiten in der freien Wirtschaft.

Nun sind wir ein Sportverein und somit alles andere als freie Wirtschaft. Wir sind gebundene Fans und wirtschaften schon seit einer Dekade gefühlt im Minusbereich der Emotionen. Sportlich läuft es nach bekanntermaßen gutem Start ja auch schon länger eher suboptimal. Irgendwie mögen unsere Spieler einfach nicht so spielen, wie wir es gerne hätten. Unsere Strategie auf den Rängen lautet schlicht und ergreifend: Alles geben, drei Punkte erwirtschaften; so malochen wie wir unter der Woche. Danach dann dürft Ihr dann auch gerne trinken wie wir am Wochenende. Kommt aber irgendwie nicht an in den Köpfen unserer Jungs; diese Botschaft. Da kann auch der Trainer machen was er will. Und er macht schon viel und will noch mehr. Aber, was soll er denn machen, wenn das auf dem Feld scheinbar keiner umsetzen will? Somit werden wir einmal mehr nicht in die weiterführende Liga Drei versetzt, sondern bleiben wieder sitzen. Herkenrath war schon schwere Kost, aber spätestens in Bonn war es dann gelaufen.

Die Zukunftsaussichten also mal wieder eher trübe denn klar. Hoch3 verspielt, diesen guten Ansatz sportlich vergeigt. Den Versuch war es trotzdem allemal wert. Wirklich! Das Ende von Hoch3 bewirkte aber auch in einigen Köpfen, dass nun anderweitig Geld akquiriert werden muss, um endlich einen erfolgreichen Kader zusammenstellen zu können. Eigentlich schaudert es mich immer noch bei dem Gedanken, dass scheinbar nur Geld zählt, um damit eine Mannschaft zu bilden, die um den Aufstieg mitspielt. Ich entstamme noch einer Generation und einer Idee, die da hieß: „Elf Freunde müsst Ihr sein“. Wo einer für den anderen grätscht und der Punktestand wichtiger ist als der eigene Kontostand. Ich Schussel, alternder Pädagoge und Sozialromantiker! Es geht also nicht mehr über das Miteinander, es geht über Qualität. Und die kostet! Geld haben wir aber nicht im Überfluss, auch wenn wir jeden Tag aufs Neue darauf stolz sein sollten, keine Schulden zu haben. Es bedarf also externer Quellen.

Ein Gedanke, der einige Fans dermaßen erschaudern ließ, so dass sie via Initiative und Banner unseren geliebten RWE für unverkäuflich erklärten. Da war ich direkt bei ihnen, denn unseren RWE verkaufen, ihn zu einem Spielzeug machen, wie bei den Münchener Löwen oder in der Grotenburg geschehen? Nein! Das kann keiner wollen. Lieber Kreisligist als Schalker! Aber, und das aber wird hier wirklich mit Nachdruck und Vertrauen getippt: Unser Verein hat sich zwar das OK der Mitglieder eingeholt, sich mit einer Ausgliederung zu beschäftigen (So ganz verstehe ich das Thema tatswahrhaftig immer noch nicht), aber immer auch wieder betont, diesen wundervollen Verein Rot-Weiss Essen von 1907 nicht verkaufen zu wollen. Also vertraue ich meinem Verein und bitte auch die Mitglieder dieser neuen Initiative ebenso um Vertrauen: Die Hafenstraße in Essen wird unsere schmuddelige Heimat bleiben. Aber niemals zur Spielwiese für fußballferne Investoren oder renditegeile Schmierlappen.

Daher haben mich die heutigen Schlagzeilen rund um den RWE zunächst einmal mehr als erfreut: Nach langen Wochen, gar Monaten, ist es scheinbar gelungen, in vielen Verhandlungen und Gesprächen einen strategischen Partner für unser aller RWE zu gewinnen, der nicht an Namensrechten und chirurgischen Eingriffen in das Vereinsrecht interessiert ist. Der zudem noch eine Essener Lösung darstellt. Somit aus Essen kommt und auf Konzernebene unterwegs sein dürfte. Das Hafenstübchen ist zwar schon seit Ewigkeiten strategischer Partner der Fans ihrer Leber, aber ob es finanziell für den Verein reichen könnte? Man weiß es nicht. Auf jeden Fall ein guter Tag für unseren Vorsitzenden, der lieber hart hinter den Kulissen werkelt, was natürlich auch wieder nicht jedem gefällt. Aber, wann gefällt es an der Hafenstraße schon mal allen? Richtig: Wohl nur nach einem 7:0 gegen den Verein, dessen Vertretungskapitän seine Binde an Bedürftige abgegeben hat.

Also: es ist toll, wohl bald einen Partner an seiner Seite zu wissen, der es noch einmal, oder vielleicht auch ganz, neu mit dem RWE versuchen möchte. Aber, es gibt da einen gemeinsamen Nenner, der uns alle verbindet und den hoffentlich ein jeder dann auch in Zukunft verinnerlicht: Wichtig ist auf dem Platz! Ja Mannschaft, isso! Also macht mal hinne da!

„Trübtauber RWE am Musenginst!“ (Frei nach dem wundervollen Loriot)

Im Hinspiel gegen Kaan-Marienborn lagen wir erst hinten und dann vorn.

Im Rückspiel war sie weitestgehend leer, die West. Unsere Kurve, die da ist eine Gerade. Schade.

Das Rückspiel 1:0 gewonnen. Ein Dreier gegen den Frust. Kein großes Fest, keine wirkliche Lust.

Zu Saisonbeginn die Tribünen voll und auch die Fans. Es wird leer und leerer, nicht mehr heiter. Der Fan trinkt trotzdem. Weiter.

Pro Kopf in unserem Lande den höchsten Verbrauch. Man sieht es manchen an. Und ist es nur am Bauch.

Das aber nur am Rande, geht es doch um das Runde. Dieser blöde Ball, der da sollte in des Gegners Tor. Was kaum noch gelang, so die tragische Kunde. Es endete zumeist irgendwo. Oft schon weit davor.

Wir stürzten von der Spitze, die wir hatten inne zu Zeiten der Hitze. Gerne wären wir geblieben doch die Mannschaft hielt nicht Schritt, kam aus dem Tritt. Stolperte und rumpelte. Noch machten wir Witze.

Der Abstand nach oben weiter machbar, diesmal sollte es doch klappen. Auch den anderen gelang nicht alles. Verloren Punkte, die wir auch nicht holten, sind doch Lappen. Wir reisten weiter hinterher, waren oft viel mehr. Als die, die wir besuchten. In dieser Liga auch nicht schwer.

Zum Glück haben wir den Pokal, diesen treuen Gefährten, der uns wieder Runde um Runde beschert, ein Ausscheiden noch verwehrt. Die Spiele gingen so gerade eben und gut aus. Vielleicht holen wir den Pott wieder nach Haus.

Gäbe ja auch Geld, welches wir dringend brauchen, Hoch3 doch abgelaufen. Keine Kohle mehr im Revier. Unter Tage. Aber auch an der Hafenstraße wird´s zunächst eng. Keine Frage.

Die Lage insgesamt schlecht wie diese Reime; Saison weitestgehend gelaufen. Sportlich suboptimal, dies durchaus unbegreiflich. Angst vor der eigenen Courage? Ich überlege oft und reiflich. Komme doch zu keinem Ziel: Wer wollte was und wer nicht ganz so viel? Das die Frage.

Um das hier endlich zu beenden: Wir können die Saison nicht mehr wenden.

Wir werden unseren Verein; werden Rot-Weiss Essen trotzdem immer weiter lieben und leben. Wir können nicht anders. Bleiben an ihm kleben.

FFantastische Klebewesen!

Ich wollte diesen Text schon längst fertig gestellt haben, aber ich war so begeistert von meiner Überschrift, so das ich aus dem Feiern gar nicht mehr herauskam! Ich bitte dies zu entschuldigen. Vor lauter Freude habe ich zudem den Text vergessen. Ich improvisiere also einfach:

Rot-Weiss Essen hat aktuell sportlich leider wieder keinen besonderen Erfolg; aber wir waren wer, sind wer und kleben immer mehr. Denn: Wir haben jetzt ein eigenes Sammelalbum vonne Hafenstraße.  Und das ist richtig gut geworden. Hält man es in den Händen, fällt nicht nur die robuste Haptik, sondern direkt viel optisches Futter für die Rot-Weisse Seele auf. So wird schnell klar: Dieses Sammelalbum hält länger als die Vertragsdauer manch moderner Profifußballer.

Hinter den Organisatoren der Fan- und Förderabteilung müssen bis zur Vorstellung am 23. Oktober 2018 um natürlich 19:07 Uhr anne Hafenstraße aufregende Jahre und Monate gelegen haben. Hat man seinen eigenen Anteil an dem Album in Form von Fotos und Text, so ist das natürlich toll, aber bedeutet kaum Arbeit. Die wurde jedoch umso mehr innerhalb der FFA und all den anderen Beteiligten geleistet. Es wurden nicht nur hunderte von Fotos gesichtet und katalogisiert, sondern auch dazugehörige Texte geschrieben; galt es überhaupt erst einmal, dem Sammelalbum seine ureigene Rot-Weisse Struktur zu verpassen.

Mit diesem Album können wir uns nun relativ viele der 111 Jahre Rot-Weiss Essen nach Hause holen und uns einen darauf kleben. Natürlich ist es kein Schnäppchen, hat man das Album in Gänze gefüllt. Umgerechnet zwei Trikots dürfte es schon kosten. Aber zum einen ist es ein steter Quell der Erinnerungen und Sentimentalitäten, und zum anderen kommt ein Teil der Erlöse der Essener Elterninitiative zur Unterstützung krebskranker Kinder e.V. zu Gute. Spätestens damit hat mich die FFA dann endgültig.

Als ich lange im Vorfeld auf das Album angesprochen wurde, konnte ich überhaupt nicht erahnen, welch Interesse es auslösen, und wie emotional damit umgegangen wird.  Mag auch sein, dass ich nicht gut genug zugehört hatte, denn es war kurz vor Anpfiff in Uerdingen und ich war wohl in diesem Tunneldingens. Ich wusste anfangs ehrlicherweise nicht einmal, wovon wir überhaupt reden. Jetzt weiss ich es und bin begeistert; habe notgedrungen den Online Verkauf genutzt, welcher auch prächtig funktioniert. Würde doch auch auf dem Feld endlich wieder so gut um Punkte geschabbelt werden.  So wie zu Saisonbeginn. Dieses Sammelalbum zeigt einmal mehr, wie sehr unser Verein lebt.

Heute also beginnt um 19:00 Uhr (Mooooment: Warum nicht um 19:07 Uhr?) im Fanprojekt aller Fanprojekte  die erste Tauschbörse. So gehet hin und bringt Eure Doppelten mit. Sticker, nicht Korn.

Dank dem Sammelalbum habe ich zudem das alljährliche „Problem“ gelöst, welches den  Inhalt für den Adventskalender meiner (ebenfalls sammelnden) Frau betrifft: Der Kalender wird in diesem Jahr schlicht und ergreifend aus 24 Tütchen bestehen. Nur mal so als Tipp, was man mit Tütchen Gutes bewirken kann. Bewusstseinserweiternd sind sie auch allemal. Nur vollkommen legal und gesund!

Danke dafür, liebe FFA!

 

Befindlichkeitsrunde.

Gut, ich fange dann mal an, nehme mein Herz in die Hand und beginne diese fiktive Befindlichkeitsrunde, zu der ich gerade selbst und ziemlich spontan nach Abschluss der Hinrunde eingeladen habe. So spontan, so dass natürlich kein Vertreter des Vereins oder der Mannschaft; keine anderen Fans, Sportjournalisten oder sonst irgendjemand aus dem Umfeld der Hafenstraße auch nur den Hauch einer Chance hat, daran jetzt auch teilzunehmen. Gerne kann das aber im Nachhinein geschehen, denn ich glaube, wir haben nach der Hin- eine Befindlichkeitsrunde mehr als nötig. Ja ich weiß, das kann man auch als pädagogischen Müll abtun, den keiner braucht. Aber, liest man diese Beschreibung, so ist es gar nicht so abwegig, sich einmal (wieder einmal) hinzusetzen und zu reden:

In Befindlichkeitsrunden werden keine Fragen gestellt, keine Diskussionen geführt oder Lösungen gesucht – die strikte Struktur kann entlastend wirken: Man kann Probleme artikulieren ohne dass sofort Lösungen gefunden werden müssen. Sollten Fragen oder Diskussionen aufkommen ist es die Aufgabe der Leitung, auf die Spielregeln (Der/ die den Redegegenstand hat spricht von sich, die anderen hören mit voller Aufmerksamkeit zu, es werden keine Fragen gestellt oder Diskussionen begonnen.) hinzuweisen.

Also: Die Hinrunde der Saison 2018/19 ist seit Samstag Geschichte und mir geht es auf unseren RWE bezogen schlecht und ich bin hilflos wie seit Jahren nicht mehr. Es war ein suboptimaler Start in diese Saison;  zuzüglich einer mehr als unglücklichen Verletzung durch einen neuen Hoffnungsträger. Auf dem Feld hatte Kevin Freiberger nach Rödinghausen direkt lange frei, Welch Ärger. Der Rot-Weisse Tross ließ sich aber davon nicht beirren, feierte die Mannschaft, machte ihr Mut. Und sich selbst ein wenig auch. Es folgten Festwochen des kleinen Mannes; datiert ziemlich genau zwischen dem 5. August 2018 und dem 5.September 2018. Spitzenreiter waren wir. Eine Einheit, Hoch4 auf und neben dem Rasen. Da konnte Hoch3 einpacken, hatten wir das doch gar nicht mehr auf dem Schirm, gab es doch nichts zu bemängeln und (noch) keine Sau verbal durch das Dorf zu treiben.

Doch dann kam der 8.September 2018 und es kam der SV Lippstadt. Wir verloren. Aber hielten zusammen. Fuhren nach Verl, erkämpften ein Unentschieden. Hielten anschließend weiter zusammen. Ebenso gab es kein Murren nach den sieglosen Spielen gegen Straelen, Mönchengladbach 2 und der Heimniederlage gegen die Aachener Alemannia. Im Pokal mühsam eine Runde weiter folgte die nächste Niederlage gegen den finanzoptimierten Verein aus Köln, den auch dort eigentlich keiner so wirklich mag. Aber, das nur am Rande, uns mögen ja auch nicht wirklich viele.

Die nachfolgenden Spiele brachten noch einmal sieben Punkte aus drei Spielen: Dem Sieg in der nahen Lohrheide folgte ein Unentschieden gegen die Kleeblätter von nebenan. Zuzüglich dem fast schon gewohnten Erfolg in Wiedenbrück keimte noch einmal wieder etwas Hoffnung auf, der schon enteilten Viktoria hinterher hecheln zu können und einen Angriff auf Tabellenplatz drei zu starten.

Das die Bemühungen in roter Erde erstickten und nicht nur an der Kaderaufstockung des BVB lagen ist mittlerweile hinlänglich bekannt. Zu guter Letzt erfolgte mit der Heimpleite gegen Fortunas Zwote ohne mit welche aus der Ersten dann endgültig der spielerische Offenbarungseid. Gepaart mit atmosphärischen Störungen, die bei Auswechselungen beobachtet werden konnten oder auch in den Gesichtern der nur noch knapp 5.300 Fans an diesem tristen Novembertag.

Der Zug im Kampf um die vorderen Plätze somit einmal mehr frühzeitig abgefahren, die Torquote tendiert seit langer Zeit gegen mau. Die Anzahl der Verletzten und Gesperrten gingen einmal mehr wieder über das Normalmaß hinaus. Die sportliche Leitung blieb ruhig, es wurde dem übergebliebenem Kader vertraut. Somit gab es keine weiteren Verpflichtungen. Vielleicht dem schmalen Portemonnaie geschuldet, vielleicht wirklich sportlicher Natur. Aus heutiger Sicht betrachtet ein Fehler. Aber finde auch mal den einen Spieler, der sofort weiterhilft….

Zwischendurch traten immer mehr atmosphärische Störungen zutage, unter anderem einer Kolumne geschuldet, die scheinbar bis zum heutigen Tage nicht aufgearbeitet erscheint. Und die doch eigentlich so belanglos ist. Niedergeschriebene Gedanken aus einem Herzen, welches vor Hafenstraße überquillt, das muss man offiziell einfach aushalten und vielleicht auch mal hinterfragen. Auf jeden Fall sollte man miteinander reden. Wir haben doch vor der Saison auch zusammengesessen und kontrovers diskutiert.

Mir geht es auch schlecht, weil mir die Vater/Sohn Debatte zu einseitig geführt wird. Ich sehe das auch kritisch, aber einen Spieler der eigenen (!) Mannschaft schon vor dem Spiel auszupfeifen…sagt mal, geht`s noch?  Wir haben stets elf Spieler auf dem Platz und schon länger ruft nicht mehr ein jeder die Leistung ab, die er abzurufen imstande ist. Manchmal wirkt das Spiel sogar gehemmt. Ein anderer wiederum arbeitet sich gerne am Unparteiischen ab oder quittiert seine Auswechselung  eher ungebührlich. Auch ein Faktor, der mich hilflos stimmt. Unser Trainer auf den Rängen endlich einmal nicht in der „Verlosung“, doch stimmt intern alles? Solltet Ihr in der Kabine vielleicht auch einmal eine dringend notwendige Befindlichkeitsrunde durchführen?

Vielleicht verdeutlicht obiger Tweet die Befindlichkeit, die in dieser Saison gefühlt noch viel schlimmer ist, als all die langen erfolglosen Jahr zuvor. Wir waren endlich einmal dran. Wir standen vorne. Ganz oben auf dem Weg direkt nach oben. Ohne Relegation. Meister müssen aufsteigen. Der Meister wird diese Saison aufsteigen. Ohne Wenn und Relegation. Doch wir werden es einmal mehr nicht sein. Und nun beginnt die richtig problematische Befindlichkeit, denn sie versteht es nicht. Normalerweise bekommt ein Tabellenführer, ein Spitzenreiter eine solch breite Brust, so dass er kaum noch durch die Kabinentür passt. Und was macht unser aller RWE? Er schaltet auf dem Feld vom sechsten in den zweiten Gang zurück und stottert ab sofort über selbiges, anstatt weiter Gas zu geben, das Stadion nebst Punktekonto voll zu spielen.

Nun ist es wieder leer. Das Stadion. Tristesse, die Fahnen werden eingerollt.

?

Geht der Blick auf die kommende Saison, so wird dieser aktuell eher trübsinnig. Verträge laufen manchmal leider aus, Verträge bleiben manchmal leider bestehen. So ist das halt.  Hoch3 war trotzdem eine gute Sache, ein ehrbarer Versuch. Keiner wurde gezwungen mitzumachen. Wir sollten uns nun aber trotz allem niemals von dem abwenden, was wir alle im Herzen tragen: Wir sollten uns niemals von Rot-Weiss Essen abwenden. So schwer es gerade auch mal wieder fällt.

Soweit meine Befindlichkeit. Wer mag als nächstes?

Willi Lippens.

Willi Lippens. Eigentlich könnte dieses Kapitel nun beendet sein, denn Willi Lippens ist Entertainer in eigener Sache und somit trifft Inhalt Überschrift. Aber Willi Lippens gebührt einfach ein eigenes Kapitel, auch wenn seine Vita jedem Rot-Weiss Fan mit in die Wiege gelegt wurde und immer noch wird. Dreiundsiebzig Jahre jung wird Willi Lippens  heute am 10. November 2018 und strahlt noch immer dieses spitzbübische aus, was ihn neben seinen fußballerischen Qualitäten auch menschlich so wertvoll macht.  Es ist schon ein wenig her, aber mir immer noch gut in Erinnerung: Die Fußballplaudertasche und Fließbandtastaturbetreiber Ben Redelings holte Willi Lippens am 16. Oktober 2008 im Riff Bochum auf die Bühne. Ein Scudetto Abend war angesagt. Nun ist ja Ben Redelings von Haus aus nicht auf den Mund gefallen, irgendwie muss man ja auch sein Dasein als VfL Bochum Fan kompensieren. Als aber Willi Lippens sich auf die Bühne begab und das Mikrofon zu packen bekam, da war es um und Zuhörer geschehen und konnte sich der gute Ben entspannt zurücklehnen.

Willi Lippens plauderte aus seiner aktiven Fußballzeit, so dass es eine wahre Wonne war. Natürlich inklusive der allseits bekannten Anekdoten. Garniert mit vielen, vielen kleinen Geschichten am Rande. Untermalt mit viel Gestik, so dass es ihn kaum auf seinem Hocker hielt und das Auditorium nicht wirklich auf den Sitzen. Immer den Schalk im Nacken und ein Blitzen in den Augen. Hier erzählte einer von sich, der sein Leben als Fußballer mit Witz und gutem Verhandlungsgeschick erfolgreich gemeistert hat. Das war Entertainment vom Feinsten. Das Buch von Dietmar Schott signierte mir Willi Lippens natürlich auch noch mit einer persönlichen Note und der nötigen Zeit. Spätestens nach diesem Abend stellte sich Willi Lippens auf eine Stufe mit Helmut Rahn, geht es um den persönlichen Lieblingsspieler aller Zeiten. Und irgendwie lief man sich in den Folgejahren immer mal wieder über den Weg. Also er mir, denn da er mich nicht kennt, konnte es umgekehrt ja nicht der Fall sein. Und immer waren es Schlüsselerlebnisse auch für den Verein: Insolvenz und Richtfest Stadion Essen zum Beispiel. Einmal, es war gegen Preußen Münster, hat es sogar mal zu einem Foto gereicht. Willi Lippens hat mich so höflich gefragt, da konnte ich nicht nein sagen. Vielleicht war es aber auch andersherum.

Unter dem Strich sagt es aber aus, dass Willi Lippens sich im und um das Stadion Essen ohne einen Hauch von Starallüren bewegt. Er ist einfach immer mittendrin im Geschehen, frei von eigener Entourage. Und auch das nach ihm benannte Maskottchen hat keinen bleibenden Schaden hinterlassen. Sicher mag auch ihm ein wenig das Herz geblutet haben, als die letzten Mauern der Haupttribüne fielen, war diese ja bekanntermaßen einige Zeit sein zuhause. Man munkelte ja sogar, dass er es war, der von Georg Melches in flagranti da oben erwischt wurde. Sein erstes Zuhause und Geburtsort war allerdings das zu Kleve gehörende Städtchen Hau. Direkt an der niederländischen Grenze gelegen. Eine Konstellation wie hier in Nordhorn auch. Der kleine Grenzverkehr in Friedenszeiten brachte viele Paare und Beziehungen zusammen. So war auch Wilhelm Lippens Niederländer. Obwohl diesseits der Grenze lebend und ein eigenes Geschäft betreibend, hegte der Vater von Willi Lippens berechtigten Groll gegen die Deutschen, da er sich während des Krieges Repressalien durch dieses unmenschliche Regime ausgesetzt sah. Ein Groll, der erhebliche Auswirkungen auf die Länderspielkarriere von Willi Lippens haben sollte. Das DFB Angebot wirkte auf Wilhelm Lippens wie ein rotes Tuch, und er drohte seinem Sohn, nicht mehr nach Hause kommen zu dürfen, sollte er mit dem Adler auf der Brust auflaufen. Der Anruf des KNVB kam da schon eher gelegen.

Und so sollte Willi Lippens ein Länderspiel für die Elftaal bestreiten. Das es nur bei einem Spiel im Jahre 1971 für diesen so begnadeten Spieler bleiben sollte, hatte leider auch wieder mit der Geschichte zu tun. Hatte sich das Grenzgeschehen wieder schnell normalisiert, hielten viele Niederländer mit ihrem Hass auf alles Deutsche weiter nicht hinter dem Berg. So auch die Kollegen aus der Nationalmannschaft. Für sie war Willi Lippens der Deutsche. Und damit nicht gewollt. Es muss den jungen Willi Lippens als Mensch und ehrgeizigen Sportler innerlich zerrissen haben: Für die einen durfte er nicht, und die anderen wollten ihn nicht. Bevor er aber dieses für ihn so traurige Kapitel erleben musste, drehen wir das Rad wieder zurück in das Jahr 1965. Das Jahr, in welchem dieser wundervolle Verein aus der wundervollen Großstadt, die Rede ist von Rot-Weiss Essen, ihn unter Vertrag nahm. Der Bauer aus Kleve an der Hafenstraße.

Elf Jahre nun dauerte seine erste Zeit bei RWE. Elf Jahr Dribblings, Sprüche und sicher auch schlechte Spiele. Elf Jahre aber vor allem auch Tore und knallharte Vertragsverhandlungen. Denn ein Schelm er auch war, aber die Monatsabrechnung hatte zu stimmen. Auch hier bekamen wir an jenem Abend im Riff Bochum einige Einblicke in sein Verhandlungsgeschick. Da wurde man allein vom Zuhören manches Mal Rot im Gesicht. Willi Lippens sollte jedem Haus- oder Autokäufer zur Seite stehen. Einen Manager hatte er nicht nötig. Außerdem, so sparsam wie er war: Der kostet ja auch nur Geld. Geld also definitiv auch ein Antrieb. Und vielleicht auch der Grund seiner Kündigung, die Willi Lippens am 28.März 1976 erreichte. Nichts genaues weiß man nicht: Der Verein sprach von überzogenen Forderungen und Willi Lippens selbst von wenigen Mitspielern, die ihn nicht mehr in der Mannschaft sehen wollten. Die Westkurve weinte und auch der Spieler selbst hatte mehr als nur eine Träne im Rot-Weissen Knopfloch. Wenigstens aber blieb er noch zwei weitere Jahre dem Ruhrgebiet erhalten und unterschrieb bei Borussia Dortmund.

Dann allerdings lockte der schnöde Mammon und die recht frische Operettenliga in den Vereinigten Staaten. Das Jahr 1979 verbrachte Willi Lippens zeitweise in Dallas bei den dortigen Tornados. Ich bekomme seine Erzählungen im Zuge dieser Verhandlungen nicht mehr geordnet, aber ich weiss noch, dass wir da die meisten Lachtränen vergossen haben. Jedenfalls trägt er nicht die Schuld daran, dass dieses Franchise im Jahre 1981 aufgelöst wurde. Gruselige Sitten für hiesige Fußballfans. Da lohnte sich nicht einmal der Kauf von Fanartikel. Das Jahr 1979 verbrachte Willi Lippens ab Ende Oktober aber auch noch bei einem ganz anderen Verein und man mag es erahnen: Geld war dann doch nicht alles, und Willi Lippens plagte das Heimweh. Ein Gefühl, welches ihn noch sympathischer macht. Geld ist immer nur eine Währung. Heimat dagegen ist von unschätzbarem Wert. Es ging zurück an die Hafenstraße, zurück zu seiner Herzensangelegenheit Rot-Weiss Essen. Sportlich konnten leider weder Willi Lippens noch der RWE wieder an alte Glanzzeiten anknüpfen. Der Spieler merkte den Verschleiß und im Verein machte die Führungsetage mal wieder Scheiß.

Es war also der 17. Mai 1981, als die Kultfigur Willi Ente Lippens das allerletzte Mal an der Hafenstraße die Fußballschuhe schnürte. Nur knapp fünftausend Fans wohnten diesem 4:0 gegen Alemannia Aachen bei. Das war es dann. In der Folgezeit gab es noch Engagements bei Vereinen in unteren Ligen; die Monate in Oberhausen übergehen wir hier einfach dezent und landen wie weiland Marty McFly im Jahre 1998. Unserem Verein ging es mal wieder wie üblich schlecht. Der Abstieg in die Amateuroberliga Nordrhein drohte, als sich die Vereinsoberen an Willi Lippens erinnerten und ihn kurzerhand und unentgeltlich als Trainer installierten. Willi Lippens wollte dem Verein etwas zurückgeben und hatte dafür sechs Spiele Zeit. Aber es langte nicht mehr, der Abstieg konnte nicht verhindert werden und somit war auch der Trainer Willi Lippens schnell wieder Geschichte. Und doch konnten weder Verein noch Willi Lippens bis zum heutigen Tag voneinander lassen, zu groß die emotionale Bindung. Und so kommt es, das er auch heute noch regelmäßig an die Hafenstraße pilgert, oder in seinem Restaurant bei günstigem Wind lauscht, ob er einen Torjubel inklusive „Adiole“ hören kann. Willi Lippens, wir Danken Sie für so viel.

„Die haben welche von der Ersten dabei…“

Oder auch: „Drei von denen haben schon mal höher gespielt“. Sätze, wie sie Woche für Woche ganz unten an der Basis des Fußballs zu hören sind. Also irgendwo zwischen Kreisklasse C und Kreisliga A. Wo das auch in Ordnung ist, wenn der Starspieler aus der Kreisliga B für ein Spiel der Zwoten in der Kreisklasse C aushilft. Was gestern jedoch in der Roten Erde zu Dortmund passiert ist, ist meines Erachtens nicht mehr in Ordnung, sondern entspricht schlicht dem Tatbestand der Wettbewerbsverzerrung.

Im Werte von 18.5 Millionen Euro verstärkte der BVB seine U23 im Spiel gegen unseren RWE durch die Spieler Kagawa, Rode und Isak. Der Gesamtwert des RWE Kaders  beläuft sich hingegen auf 2,50 Millionen Euro.

Natürlich darf diese monetäre Diskrepanz kein Grund für die gestrige schlechte Abwehrleistung sein; auch sind die drei genannten Borussen aktuell nicht am Zenit ihres Könnens, denn sonst wären sie in Madrid und nicht in der Roten Erde gewesen!  Möglicherweise hätten wir an diesem Abend sogar gegen die D2 der Dortmunder Borussen verloren, da es im Fußball eben solche Abende gibt, an denen wirklich alles daneben geht.

Und trotzdem hat dieser Dortmunder Erfolg einen mehr als schalen Beigeschmack. Denn zu einem Zeitpunkt, wo der angestammte Kader der Zwoten zu schwächeln beginnt, wird einfach mal exklusiv aufgefüllt. Weil es die Statuten so erlauben. Einem eigenständigen Verein wie unser aller RWE (oder auch der Alemannia, RWO usw.) nutzen diese Statuten nichts. Denn man ist schließlich die „Erste“ und in der spielen hoffentlich die besten Spieler. Wir haben ja nicht mal mehr eine „Zwote“ (was im übrigen ein ganz anderes Drama darstellt). Und schon spielt nicht mehr ein Regionalligist gegen einen anderen Regionalligisten, sondern ein Regionalligist gegen eine hochklassige Patchwork Truppe.

Diese Zweitvertretungen gehören endlich in eine eigene Staffel, auch wenn es einige Zeit relativ ruhig um sie geworden ist. Doch gestern Abend hat sich das Imperium grausam zurückgemeldet. Leider ausgerechnet gegen uns. Hat uns somit aller letzten Aufstiegsträume beraubt und uns irgendwie auch vorgeführt. Hier der Bundesligist mit all seinen Optionen nach unten; dort der Verein von unten, dem wir mal eben zeigen wo der Hammer hängt. Weil  der DFB es zulässt.

Für viele RWE Fans ist der BVB so etwas wie der große Bruder, oder der beste Freund. Heimliche Zweitliebe und Bruder im Geiste gegen Blau. Gestern jedoch hat uns dieser Freund aber mal so richtig verarscht und sportliche Fairness mit teuren Füßen getreten. Lieber BVB, das war nicht echte Liebe: Das war echt Scheiße!

Und Ihr, die ihr mit 0:5 unterlegen seit: Es war ein gebrauchter Abend; einfach eine schlechte Leistung, wie sie immer mal passieren kann. Es lag nicht wirklich nur an diesen Drei „Gastspielern“, natürlich nicht. Aber wir halten weiter zusammen. Denn das zeichnet den RWE und seine Fans in dieser Saison bislang aus!

Nur der RWE! Nur ohne DFB!

Das Limbische System.

Laut Wikipedia ist das limbische System „eine Funktionseinheit des Gehirns, die der Verarbeitung von Emotionen und der Entstehung von Triebverhalten dient. Dem limbischen System werden auch intellektuelle Leistungen zugesprochen“.

Somit wissen wir: Der Rot-Weiss Essen Fan als solcher hat ein ausgeprägtes limbisches System! Schließlich gilt es andauernd, Emotionen rund um unseren stets dramatisch scheiternden und doch ebenso stets bemühten Herzensverein zu verarbeiten. Durch ihn entsteht in unseren Köpfen zudem ein bisweilen triebhaftes Verhalten, folgen wir ihm doch Jahr für Jahr ziemlich triebgesteuert. Bisweilen gar blind. Und, auch wenn es unserem Image nicht gerade entspricht, so pflegen wir fast alle einen bisweilen durchaus intellektuellen Blick auf die Hafenstraße.

Das wäre also geklärt und einmal mehr eine Überschrift gefunden. Glück gehabt!

Glück hatte die Mannschaft unseres RWE gegen die Nachbarn von RWO das ein oder andere Mal, ohne jedoch selbst das eigene Glück nach neunzig Minuten zu finden. Obwohl dieses in Form von drei Punkten aufgrund der zweiten Halbzeit durchaus verdient gewesen wäre. Die erste Hälfte wirkte irgendwie wie gehemmt. Auf dem Platz, wie auch auf den Tribünen. Der flotte Dreier aus Wattenscheid, er wollte gerne wiederholt werden, und doch spielte die Angst vor einer weiteren Nullnummer mit.

Auch der „Opa“ und seine Schwester im Geiste namens „Adiole“ nicht mehr so leidenschaftlich vorgetragen und unterstützt wie noch in den ersten Heimspielen. Wenigstens die Choreo zum zehnjährigen Jubiläum der Rude Fans  konnte die drohende Tristesse abwenden und für ein optisch stolzes Erlebnis sorgen. Ich bin immer wieder fasziniert über den Aufwand, den solche Choreos mit sich bringen und mit welcher Leidenschaft sie angefertigt werden. Nein, Fußballfans sind zumeist keine Verbrecher. Natürlich bringt der zwölfte Geburtstag von „ISDT“ keine derlei gewaltige Choreo mit sich, wohl aber eine Zaunfahne, die wir nun ebenfalls stolz bei Wind und Wetter aufhängen: Sie symbolisiert unseren Verein, unsere Herkunft; das Lieblingsland und die Erinnerung an einen verlorenen Freund, dem ich persönlich diesen wunderbaren Verein Rot-Weiss Essen ein Stück weit mit zu verdanken habe.

Realistisch betrachtet ist der Platz an der Sonne natürlich nicht mehr zu erreichen. Was ziemlich bitter ist, nach den ersten eigenen Erfolgen und dem Schwächeln der Konkurrenz. Mittlerweile hat sich der ungeliebte Verein aus Köln einmal mehr etabliert und auch andere Vereine sind mal wieder an uns vorbei gezogen. Meine Güte, was wäre das für ein Ding gewesen, einfach mal so kackendreist durch eine Saison zu marschieren, in welcher die Liga endlich einmal relegationsfrei hat. War wohl wieder zu einfach für uns! Aufgeben ist trotzdem nicht, rein rechnerisch ist immer noch alles drin. Und solange wird auf den Tribünen weiter Dreck gefressen und auf dem Feld geackert. ich denke, wir haben nun den richtigen Trainer dafür. Ob es dann auch der richtige Kader ist? An dieser Antwort scheiden sich sicher die Geister. Die selbsternannten Experten allemal.

Nach dem Spiel gab es trotzdem „Wir halten zusammen“ Gesänge und das Lied davon, dass wir niemals untergehen werden. Dinge, die optimistisch stimmen. Solange die Chemie zwischen Mannschaft und Fan stimmt, ist die Liga eigentlich Latte. Ihr für uns und wir für Euch.  Zudem während dieser neunzig Minuten all die Menschen vor Ort sind, die den Verein seit Jahrzehnten für mich ausmachen. Eigentlich ist die Liga doch egal, geben mir doch die Stunden an der Hafenstraße ein erstklassig warmes Gefühl.

Wir sollten weiterhin nicht aufhören, an unseren RWE zu glauben. Wir sollten die Liga beiseite schieben und uns auf uns selbst konzentrieren. Drauf, dass wir ein Verein mit einem Umfeld sind, welches manchem Erstligisten gut zu Gesicht stehen würde.  Mit Fans, denen Rasenball egal, aber Leidenschaft wichtig ist. Ich weiß, eigentlich alles nur „Bla bla bla!“. Aber so isses doch! Außer man gehört zu der Kategorie RWE Fans, die den Verein lediglich in der ersten Bundesliga verorten. Denen ist dann aber wirklich nicht mehr zu helfen, so realitätsfremd deren Ansinnen.

RWE – RWO also 1:1

Und der RWE spätestens im Dezember nun auch eine Legende,  waren doch die Macher vom Zeitspiel Magazin vor Ort, um unser aller Verein  zu porträtieren.

Nur der RWE!

 

The answer, my friend, is blowin‘ in the wind (Bob Dylan)

Wer konnte auch schon ahnen, dass das erste Lied nach dem abermals verlorenen Spiel ausgerechnet dieser Klassiker von Bob Dylan sein wird? Nicht das ich den Song besonders mag, denn der Dylan Bob nölt mir eigentlich zu oft und zu sehr am Mikrofon herum, anstatt zu singen. Aber dieses Lied passte nach Abpfiff einfach in das Szenario zweier schweigender, in Rot und Weiss gekleideter Fans; unterwegs in einem Auto auf der Autobahn gen Norden.

Die Antwort weht also im Wind. Eine Erkenntnis, die den Freunden ewiger Nachbesprechungen, Taktiknerds und der „Fraktion Konjunktiv“ die Haare zu Berge stehen lassen dürfte, da ja eigentlich zu profan. Aber, was soll man auch zu lange im Nachgang über ein Spiel herumeiern? Es würde ja doch nichts am Ergebnis ändern. Also hilft es uns einmal mehr nichts, dass das Kölner Tor vielleicht Abseits war, und unser Tor vielleicht nicht. Die Tatsache tat zur Sache, dass es tatsächlich eine weitere 0:1 Niederlage im eigenen Stadion gab. Scheissendreck!

Das Essener Fanlager wie immer nach solchen Spielen irgendwo zwischen gespalten und unterschiedlicher Meinung. Innig vereint aber im Schmerz der letzten Spiele und dem humorbefreiten Absturz in der Tabelle. Man grüßt nicht mehr stolz von oben, sondern strampelt verzweifelt gegen den Abgrund. Unerklärlich!

Wieder kann man der Mannschaft in weiten Teilen nicht absprechen, gekämpft zu haben. Da es unter anderem das ist, was wir definitiv auch an der Hafenstraße sehen wollen, zollten die meisten Fans dafür Anerkennung, denn es wurde gegrätscht, und es wurden viele Bälle zurückerobert. Dummerweise wurden sie zu schnell auch wieder verloren oder kam der einfache Pass nicht an. Da war es wieder, dieses „einfach“ im Fußball; diese Leichtigkeit, die wir gerade nicht mehr beherrschen. „Angst essen Seele auf“; ein Melodram von 1974 erneut aufgelegt.

Warum?

Die Atmosphäre einmal mehr beeindruckend und ebenso einmal mehr wollten die Fans den Ball in das Tor tragen, bekommt es doch die Mannschaft auf dem Feld aktuell nicht hin. Dieses verflixte Runde muss doch einfach mal wieder in des Gegners Eckige. Chancen waren da. Überlegenheit auf dem Feld zudem. Mal ehrlich, was hat denn Viktoria schon groß veranstaltet nach dem Führungstreffer zu unchristlich früher Zeit? Deren Schnapper glänzte mehr als einmal durch gelbwürdiges Zeitspiel und die zehn vor ihm durch (natürlich hochprofessionelles) Verschieben der Mannschaftsteile, was unsere Räume sehr eng gestaltete. Ach, und man fiel natürlich ruckzuck hin, verspürte man nur den Hauch eines Esseners in seiner Nähe. (Obwohl, das können wir ja leider auch. Und dann immer dieses überflüssiges Gezeter Richtung Unparteiische…)

Zwischen der 45.und 70. Minute hatten wir auf der Tribüne tatsächlich das Gefühl, dass doch noch was gehen könnte, kam unser aller RWE  doch zu guten Abschlüssen. Leider blieben die Boni in Form von Toren verwehrt. „Wir halten zusammen“, so der Tenor nach Abpfiff. Das ist etwas, was aufbaut und Mut macht; den nimmermüden Einsatz der Mannschaft respektiert und honoriert. Dass natürlich in den (a-) sozialen Medien hinterher trotzdem Gift und Galle gespuckt wird, das ist dann leider einfach mal so. Es tippt sich leider schneller Verachtung, als das es sich „Kopf hoch“ schreibt. Mein Tipp an dieser Stelle: Einfach nicht mehr lesen. Verbunden mit der Bitte an die Kommentatoren/-innen, ob sie derlei nach einem eigenen schlechten Tag im Job auch über sich lesen möchten?

Es ist alles mal wieder wie es ist, und es tut aktuell wirklich weh. Aber, es ist noch nicht vorbei. Wir können uns nicht nur neben dem Platz wieder zusammenraufen, sondern auch auf dem Platz zu großer Form auflaufen. Vielleicht schon in Wattenscheid!

Auf jeden Fall in Wattenscheid!

Alle nach Wattenscheid.

 

 

Alles, was du bist, alles was ich für dich aufbringe, rechtfertigt meine Liebe und nichts, nicht einmal du selbst, könnte mich davon abhalten dich anzubeten. Marquis de Lafayette

Der Marquis ist schon ein helles Köpfchen gewesen, ahnte er doch bereits irgendwann um 1800 herum die Bedeutung eines Fußballvereines aus Bergeborbeck für seine Fans und umgekehrt. Natürlich wurde um diese Zeit noch kein Fußball gespielt, aber die Überschrift ist allemal Rot-Weiss und somit unschlagbar.

Dieses Zitat von jenem Marquis ist aber auch aktuell so was von RWE; mehr RWE geht einfach nicht: Du bist alles; wir bringen alles für Dich auf und nicht einmal Du selbst kannst uns davon abhalten Dir zu folgen. Leider folgen wir Dir aktuell mal wieder unter schlechten Bedingungen. Nach glanzvollem Beginn wurden wir unsanft und in fünf Akten auf den harten Boden der schlechten Ligalaune zurückbefördert. Scheissendreck, die Euphorie ist weg.

Happo auch. Das ist nicht gut, hier bedarf es der Diplomatie der Hafenstraße. Es kann doch nicht sein, dass wir uns voneinander abwenden, nur weil ein Satz vielleicht nicht in das Große Ganze passt. Wir, die wir privat aus dem Herzen heraus über unseren RWE schreiben: Wir alle haben doch eigentlich ein gemeinsames Ziel: Wir wollen nur das Beste für unseren Verein. Wir sind kein Reviersport und auf Klicks aus. Wir leben unseren Verein und schütten unser Herz aus.

Darf ich nicht mehr das schreiben was ich denke? Und muss der Verein vielleicht alles schönreden was nicht immer schön ist? Ich dachte immer, wir (ihr seid) sind das Ruhrgebiet. Dieses Fleckchen Erde, auf dem man herzlich, ehrlich und manchmal auch rau miteinander umgeht. Sich im Nachgang die Hand reicht, anne Bude geht, gemeinsam ein Bier trinkt und über gewesenes lachen kann.

Ist nur eine Empfehlung. Internas kenne ich nicht, aber traurig bin ich allemal.

Samstag nun das Spiel gegen Viktoria Wernze, welches vor Wochen noch das Spiel der Spiele hätte sein können. Mit Chancen auf drei Punkte. Nun haben sich leider in den letzten Wochen die Verhältnisse wieder relativiert: Gewonnen wird oben und wir sind frustriert. Also alles wie immer eigentlich.

Doch genau darin sehe ich unsere Chance: Samstag pilgern nicht mehr so viele Fans an die Hafenstraße. Samstag kommen die, die immer kommen. Und sie kommen mit schlechter Laune voreingenommen. Hängen ihre Lappen auf, lassen den Dingen erst einmal ihren Lauf. Aber, ganz vielleicht kreiert die eigenen Mannschaft in den ersten Minuten einige Chancen. Steht hinten sicher. Kämpft um jeden Ball; verliert vielleicht auch mal nicht so viele im Mittelfeld. Ja dann könnte trotzdem diese einzigartige Wechselwirkung zwischen Mannschaft und Tribüne entstehen, welche die abgebrühten Viktorianer vielleicht zu Fehlern zwingt.

Vielleicht ein eigenes Tor zulässt und uns diesen sportlichen Rausch ermöglicht, in welchem man sich ab und an hineinspielen kann.

Vielleicht, ganz vielleicht also, können wir alle zusammen gegen Viktoria Wernze gewinnen. Und dann, genau dann sieht für den Moment doch alles wieder etwas besser aus. Nicht optimal, aber eben doch etwas besser.

Gehen wir es an. Zusammen. Uralt und Ultra. Brigade und Gegengerade. Haupt und überhaupt! Sind wir vielleicht weniger als sonst in dieser Saison. Aber lauter als jemals zuvor. Für unsere Farben, für unseren Verein! Und vorher bitte gegenüber dem Fanprojekt einfinden, um Wurst und Stauder zu frühstücken.

Nur der RWE!

Alles nimmt ein gutes Ende für den, der warten kann. (Leo Tolstoi)

Wer kann schon warten? Wir gefühlt nicht mehr, aber wir werden es wohl müssen! Gleich zwei Wochen, um dann ausgerechnet gegen die allseits beliebte Viktoria von Wernzes Gnaden den nächsten Versuch zu starten, wieder zurück in diese ach so schöne Erfolgsspur zu kommen. Der strahlende Sommer und die Tabellenführung, welche uns so fröhlich aus dem Allerwertesten schienen, sind aktuell dem beginnenden Herbst gewichen, der uns nun mit seiner (tabellarischen) Mittelmäßigkeit (trotz weiter strahlendem Sonnenschein) kalt und trübe um die Nase weht.

Der Bonus ist nach der sonntäglichen Niederlage gegen die Aachener Alemannia scheinbar aufgebraucht, die Ursachenforschung in vollem Gange. Sozial medial wie üblich zumeist fair und sachdienlich (Das war jetzt ein Scherz) intern hoffentlich konstruktiv. Den Einsatz, den kann man erneut nicht bemängeln, die Mannschaft hat nicht im Ansatz die Köpfe hängen lassen und bis zum Schluss versucht, den Ausgleich zu erzielen. Ebenso bis zum Schluss leidenschaftlich von den Rängen unterstützt. Bisweilen schien es so, als wollten die drei Heimtribünen selbst den Ball in das Tor tragen, wenn es doch der stürmerlosen Mannschaft einfach nicht gelingen will.

An den Neuzugängen liegt es nicht, sie spielen (fast) alle durch und sie spielen (zumeist) gut. Die meisten von ihnen sogar richtig gut. Selten einer mit Luft nach oben. Die Verletzungen gehen irgendwie auf das Konto von Kollege „Schicksal“. Dieser Typ, mit dem wir schon viel zu lange hadern und uns herumärgern. Soll wegbleiben, der nervt! Dann die Etablierten und diejenigen, die bei voller Kaderstärke den zweiten Anzug hätten tragen sollen: Vielleicht benötigt der ein oder andere von Ihnen mal eine kreative Pause. Aber, das muß warten. Eben aus Gründen. Bleibt also die Frage aller Fragen: Hätten wir personell nachlegen sollen, gar müssen? Ach, dieser verfluchte Konjunktiv im Fußball: Gäbe es den Knipser, der auf freier Wildbahn für schmales Geld zu haben wäre….ja dann wäre er natürlich nicht zu haben.

Kein Kicker von Klasse mit hundertprozentiger Fitness und gehobenem Regionalliganiveau rennt noch vertragslos durch die Gegend. Und einen wie Zlatan kannste Dir weder backen, noch finanzieren. Also um es auf den Punkt zu bringen: Ja, wir hätten nachlegen müssen, aber nein, es hätte den idealen Spieler mit eingebauter Direkthilfe einfach nicht zu sofort gegeben! Und somit blieb unserem Trainer schlicht nichts anders übrig, als in Sachen (verbliebender) Mannschaft von „klein, aber fein“ zu reden und sie zu stärken.

Was nun gegen Aachen nicht gelingen wollte, waren die vermeintlich leichten Sachen im Fußball. Bisweilen wurde für mich zu kompliziert der Weg Richtung Strafraum gesucht, wo dann schlicht und einfach der Zielspieler fehlte, um richtig für Alarm zu sorgen. Und kommt dann in der eigenen Abwehr auch noch ein individueller Fehler hinzu,  kassiert man halt das alles entscheidende Gegentor. Aber, wie schon erwähnt: Aufgegeben haben sich unsere Roten mit dem Text aller Texte auf dem Trikot nie. Zu keiner Minute. Und das macht trotz temporärem Sturz in das Niemandsland der Tabelle weiter Mut. Da lässt offensichtlich noch keiner die Köpfe hängen. Im Mai 2019 wird abgerechnet. Nicht Ende September/Anfang Oktober 2018.

Unglaubliche 9.462 Fans bislang im Schnitt an den sechs Heimspielen im Georg-Melches Stadion an der Hafenstraße. Diese Zahl werden wir im kommenden Heimspiel gegen Viktoria Köln wohl, und sicher auch zurecht, nicht erreichen. Kommt aus Köln ja auch nur der übliche Neunsitzer. Aber vielleicht haben wir dann wieder Alternativen. Im Feld und auf der Bank. Natürlich soll jetzt bitte keiner glauben, dass P (röger) & P (latzek) mal eben alles im Alleingang wegballern, was ihnen im Wege steht. So einfach ist Fußball dann leider doch nicht. Was mir aber vorschwebt ist eine Gemeinschaftsproduktion zwischen Mannschaft und Tribünen, um gemeinsam zurückzufinden in die vielzitierte Erfolgsspur, die uns so viel Freude bereitet hat.

Erst irgendwie das Pokalspiel in Velbert überstehen (sollen ja schon Pokalsieger dagegen verloren haben), dann Kräfte sammeln und bündeln.

Und vielleicht….ganz vielleicht, schaffen wir ja ausgerechnet gegen diese angebliche Übertruppe alle zusammen den Turnaround. Es ist noch nichts verloren. Und schon gar nicht vorbei.

Alles nimmt ein gutes Ende für den, der warten kann!

Nur der RWE!

 

Aufgeben ist keine Option.

Schreiben wir nicht lange um den heißen Brei herum: Es war alles vorbereitet, heute nach Mönchengladbach – Rheydt zu fahren, um unsere Roten zu unterstützen. Ich hatte Urlaub, das Auto war betankt und selbst die langersehnte Zaunfahne kam pünktlich aus England an. Man ahnt: Ich bin nicht gefahren. Ich konnte es nicht. Mir ging es schlecht, ich fühlte mich krank. Hatte Angst davor, dass genau das eintreten wird, was nun passiert ist: Unser RWE hat bei den kleinen Fohlen mit 0:1  und somit auch den Anschluss an die Tabellenspitze verloren.

Meine Frau hat mich ermutigt, doch zu fahren, aber ich habe mich wie ein Häufchen Elend hinter mir selbst verkrochen und allerlei Ausreden erfunden. Es ging mir erst besser, als ich es rein zeitlich absolut nicht mehr bis zum Anpfiff in das Grenzlandstadion geschafft hätte. Viel Zeit wollte ich mitbringen, denn nebenan galt es auch noch, das weitaus schönere Jahnstadion des Rheydter SV fotografisch zu erkunden. Auch das also heute keine Option, die mir ansonsten viel Entspannung bereitet. Die Fotografie, nicht der Fußball. Es ist nicht schön, so im eigenen „Ich“ gefangen zu sein, will man doch eigentlich dabei sein.

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Die Zeit, in der die psychosomatischen Beschwerden etwas nachließen ging mit Anpfiff der Partie auch schnell wieder vorbei. Der quirlige Hund, die Fußballkonferenzen am TV und all das andere traten nun hinter dem kleinen Handydisplay zurück, welches mir via mehrer Liveticker und persönlicher Nachrichten aus dem Stadion nun den Spielverlauf aus dem mager besuchten Grenzlandstadion zu berichten hatte. Dummerweise hatte ich mich in Form eines Tweets auch noch selbst sehr weit aus dem Fenster gelehnt und unbedingt die drei Punkte eingefordert:

War es dieser Tweet, der mich vor Sorge hat krank werden lassen, oder wirklich nur die Furcht davor, dieser schöne Saisonbeginn könnte schon bald wieder Geschichte sein? Ich weiss es genau nicht. Sicher steckt auch ein ernsthafter eigener Prozess dahinter, der weit über die Sorge um den RWE hinausgeht, aber eine professionelle Distanz, wie ich sie zum Beispiel im Beruf wahren muss, gelingt mir bei meinem Verein einfach nicht mehr. Ich war so froh, als wir dermaßen gut aus den Startlöchern der Saison kamen, so dass Boykott und andauernde Häme in den (a-)sozialen Medien Geschichte waren. Rot und Weiss wuchsen nach Jahren wieder zusammen, auch nach den ersten Punktverlusten gab es nur Aufmunterung, keinen kaputten Hass. Es war so schön, anzureisen und noch schöner, fröhlich pfeifend wieder nach Hause zu fahren. Und selbst die Ergebnisse der Etablierten und Gesponserten Mitkonkurrenten passten endlich.

Bis heute Abend in Mönchengladbach – Rheydt. Aber, selbst nach diesem Spiel kann es eigentlich keinen Vorwurf an die Mannschaft geben, wurde doch alles versucht und hat der Trainer im Nachgang ziemlich ehrlich und gut die Situation beschrieben. Das Netz also solches schwankt noch zwischen Aufmunterung und ersten „Luschen“ Kommentaren. Ich kann es nicht ändern. Ich kann nur versuchen, diese Dinge auszublenden und auf das nächste Spiel zu hoffen, damit endlich wieder die Kuh umgestoßen und der Bock vom Eis geholt werden kann.  Oder umgekehrt. Vielleicht kommt ja mit der aktuell aufstrebenden Aachener Alemannia genau der richtige Gegner, um dann wieder in die Erfolgsspur zurückzufinden.

Ich versuche einen Weg zu finden, wie ich mit der Situation umzugehen habe und vielleicht helfen mir diese ehrlichen Zeilen dabei. Aber, eines ist klar: Aufgeben ist keine Option. Und somit läuft der RWE am Sonntag wieder in der Hoffnung und mit festem Willen auf, das Spiel zu gewinnen. Lassen wir ihn genau jetzt nicht hängen. Wir sehen uns Sonntag im Stadion. Diesmal wirklich!

Nur der RWE!

Der RWE ist und bleibt die wichtigste Entdeckungsreise, die der Mensch unternehmen kann. (So oder so ähnlich von Sören Kierkegaard)

Was gab es in der bewegten Weltgeschichte nicht alles für mittlerweile weltberühmte Entdecker: Von Marco Polo  bis Roald Amundsen wurde entdeckt, was das Zeug hält und unsere bunte Welt somit jedesmal ein Stückchen bunter. Braun war auch damals schon eine eher unterbelichtete Farbe. Keiner der wichtigen Entdecker konnte jemals aber zu seiner Zeit erahnen, dass die Reise mit Rot-Weiss Essen die abenteuerlichste und zugleich wichtigste Entdeckungsreise sein würde, die der Mensch Fan  jemals unternehmen kann und unternehmen wird.

So betrachtet sind wir Rot-Weißen allesamt Entdecker: Wir entdecken nach einer langen, langen Zeit endlich mal wieder ein neues Land: Das Land der drei Punkte; das Land der Gemeinsamkeit und des Miteinanders. Das Land der strahlenden Gesichter und das Land der Vorfreude auf das nächste Spiel. Die Humba hingegen noch eingerostet. Das üben wir natürlich noch und bekommen diese bald schon besser hin. Wir sind halt im Erfolg noch etwas ungelenk. Aber, überhaupt dies- und jenseits des Zauns in Harmonie zu verweilen…wurde das schon entdeckt? Natürlich wurde es das und die heutige Mannschaft hat durchaus viel von der Truppe, die sich nach der Insolvenz aufgemacht hatte, um die NRW Liga zu rocken.

Wuppertal hatte was von Hamborn,  ging es doch auch danach ab auf die gemeinsame Reise Richtung Aufstieg. Natürlich gab es in der NRW-Liga keine Übermannschaft wie die  ewige Sponsorentruppe aus Köln. Allerdings ist diese (Kölner) Mannschaft nun endlich reif. Nicht für den Aufstieg. Sondern dafür, um auch mal an der Hafenstraße  zu unterliegen. Mithilfe von 15.000 Fans Minimum. Das ist aber alles Zukunftsmusik und gilt es noch zu entdecken.

Wie unerfahren wir RWE Fans mittlerweile im Erfolg sind, äußerst sich in vielen persönlichen Momenten: Alle freuen sich, sind aktuell euphorisiert. Haben zugleich jedoch auch das „Aber“ im Gepäck. Warum auch nicht? Wir stehen am Anfang einer langen Saison sehr gut da. Das war es aber auch schon. Natürlich kann auch da noch ganz, ganz viel schief gehen. Der Aufstieg wäre eine riesige Überraschung. Auch wenn uns der allmächtige Verband sicher nicht gern in seine Reihen sehen wird. Der RWE in der Dritten Liga, da stehen womöglich den Sicherheitsbeauftragten die Haare zu Berge. Natürlich spielt man nicht mit Essen; wir jedoch wollen einfach nur Fußball spielen. Und gucken natürlich. Und wir sind reif.

Diese Woche gilt es also nun den FSV Vohwinkel im Pokal und den SV Lippstadt 08 in der Meisterschaft zu entdecken. Laut „Kann- Muss“ Regel kann es eine erfolgreiche Woche für unsere Roten werden. Muss aber nicht. Das sollten wir immer bedenken. Geht es im Pokal weiter und verbleiben die drei Punkte anne Hafenstraße, so könnte Euphorie langsam weichen und in allgemeines Vertrauen übergehen. Vertrauen in die Mannschaft, den Trainer und unseren Verein. Welch Entdeckung!

 

 

Der Hundertfünfundzwanzigste Geburtstag.

Spricht man von Rot-Weiss Essen, landet man unweigerlich nach kurzer Zeit auch bei Georg Melches. Sieht man Fotos aus aus der erfolgreichen Zeit rund um Meisterschaft und Pokalsieg, kommt man auch nicht an Georg Melches vorbei. Unweit der Spieler ist immer irgendwo auch der Patron mit im Bilde. Optisch erinnert der Georg Melches dieser Zeit an eine Mischung aus Heinz Erhardt und meinem Opa. Nun kennen Sie natürlich meinen Opa nicht, aber stellen Sie sich ihn optisch in etwa so wie Georg Melches oder Heinz Erhardt vor. Und mit Zigarre. Allen drei gleich aber ihre sympathische, ein wenig listige Ausstrahlung.

Zurück aber zu Georg Melches: Geboren am 24. August im Essener Norden als Sohn eines Betriebsführers, der auf der Zeche Emil – Emscher in Lohn und Brot stand. Die schulische Laufbahn des jungen Georg Melches fand eigentlich auch schon im Dunstkreis der Hafenstraße statt: Volksschule Vogelheim; Gymnasium Borbeck und Realgymnasium Altenessen. Der nächste Schritt war dann sicher kein leichter und definitiv kein schöner, denn Georg Melches zog in den ersten Weltkrieg. Dies übrigens freiwillig. Und es dauerte vier lange Jahre, bis er wieder unversehrt nach Hause kam. Vier lange Jahre in den Kriegswirren unterwegs, seine Familie zurücklassend.

Und auch die Familie, die er mit anderen bereits am ersten Februar 1907 in Essen Vogelheim gründete: Georg Melches war bereits in jungen Jahren ein begeisterter Liebhaber der Fußlümmelei, wie der Fußball seinerzeit oftmals despektierlich genannt wurde. Und weil er so begeistert war, gründete Georg Melches mit seinen Freunden einen Fusionsverein. Denn sie führten die bestehenden Vereine SC Preußen und Deutsche Eiche zum SV Vogelheim zusammen. Deutsche Eiche, ein an sich schon recht merkwürdiger Vereinsname und sicher eine Herausforderung für Fangesänge. Aber das nur am Rande erwähnt. Den heutigen Namen Rot-Weiss Essen bekam der Verein dann fünf Jahre nach dem ersten Weltkrieg mit auf seinem weiteren Vereinsweg. Anteil daran hatte eine weitere Fusion, diesmal mit dem Turnerbund Bergeborbeck.

Drei Jahre zuvor, also 1920, begann neben dem Hobby Fußball auch der berufliche Ernst des Lebens: Nach zwei Praktika in Schacht und Kokerei öffnete der Betrieb „Koksofen und Gasverwertung AG“ Essen seine Tore für den ehrgeizigen Georg Melches. Dort brachte er es innerhalb acht Jahren auf den Stuhl des Direktors, den er die nächsten zehn Jahre nicht verließ. Also im übertragenen Sinne jetzt. 1938 schien auch beruflich eine Fusion den Firmennamen zu verändern: Aus „Didier – Kogag“ wurde Didier – Kogag – Hinselmann. Der Direktor fusionierte nicht, nahm höchstens zu und hieß bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1959 weiter Georg Melches. Insgesamt also einunddreißig Jahre als Direktor bedeuteten auch einunddreißig Jahre Kontakte in die Spitzen von Wirtschaft und Politik. Heute würde man Netzwerk dazu sagen.

Georg Melches konnte seinen Spielern Arbeitsplätze verschaffen, an denen nicht viel geschafft werden musste, sondern sich auf das Kicken konzentriert werden konnte. Auch die legendäre Südamerikareise wurde nur durch die weltumspannenden Kontakte von Direktor und Firma ermöglicht. Der Macher der er war, zeigte sich auch in seinem Verein stets in der Pflicht. Georg Macher. Im Verein, für den zu Beginn fast nur Schüler, Bergleute und Zechenangestellte gegen die handgenähte Kugel traten, besetzte er die Positionen des Mittelstürmers und mit nachlassender Kondition die eines Verteidigers. 1927 hing er seine Fußballschuhe an den Nagel. Was nicht bedeutete, dass er sich nun aus dem Vereinsleben verabschiedete. Mitnichten und gänzlich ohne Neffen, denn administrativ war Georg Melches natürlich auch schon länger in seinem Verein tätig: Schriftführer, Geschäftsführer, Fußballobmann, Finanzobmann.

Nahezu die ganze Palette dessen, was ein Verein an Ehrenamt zu bieten hat, wurde von ihm parallel oder nacheinander ausgeführt. Rot-Weiss Essen war Georg Melches und Georg Melches war Rot-Weiss Essen. Das wirklich interessante aber ist die Tatsache, dass er nicht einen Tag als Vereinsvorsitzender fungierte. Vielleicht benötigte er den Vereinsvorsitz auf dem Papier auch deshalb nicht, da er wusste, stets auch so dem Verein vorzustehen. Um aber seine Leistung schon recht früh zu würdigen, ernannte der Verein seinen „Patron“ bereits 1950 zum Ehrenvorsitzenden auf Lebenszeit mit Sitz und Stimme im Vorstand. Und dieser Ehrenvorsitzende sollte ja bekanntlich noch mit tollen Erfolgen für seine Pionierarbeit und Engagement im Essener Norden belohnt werden.

„Lächeln ist das Kleingeld des Glücks“ (Heinz Rühmann)

Es ist allen RWE Fans schnurzpiepegal, dass wir nur aufgrund eines mehr gespielten Spiels gegen die kleinen Geißböcke gerade den Platz an der Sonne erobert haben. Wir haben ihn. Sind Spitzenreiter. Erster!

Und deshalb scheint uns gerade ( und endlich wieder) mal so richtig die Sonne aus dem Arsch Flutlicht.

Lichtendetunnel

Der fünfzehnte Todestag.

Wer den Fußball liebt, der kennt auch dieses wunderbare Jugendbuch „Elf Freunde müsst Ihr sein“ von Sammy Drechsel aus dem Jahre 1955. Die Erzählsprache jener Zeit eine zugewandte, freundliche. Immer darauf bedacht, den Fußball als Mannschaftsport zu beschreiben, in dem Kameradschaft und Treue das wichtigste Gut darstellen. Was aber hat das jetzt mit Helmut Rahn zu tun? Gerade erst dreissig Jahre jung geworden, hat Helmut Rahn 1959 eine Autobiografie mit dem Titel „Mein Hobby: Tore schießen“ geschrieben. Obwohl sich die beiden Bücher in Inhalt und Form gänzlich unterscheiden, so ist die Erzählweise gar nicht weit voneinander entfernt: Auch Helmut Rahn benutzt eine bilderreiche Sprache, schildert bis ins Detail das damalige Leben und erzählt davon, dass Freundschaft und Mannschaft zählen und nicht der einzelne Spieler. Ganz wunderbar jene Passagen, in denen er die Leser an seinen verschiedenen Missgeschicken teilhaben lässt und zu seinen Schwächen steht. Etwas, was in unserer heutigen Welt überhaupt nicht mehr zur Sprache kommen würde. Schwächen einzugestehen, dazu noch als Weltmeister und Sportler auf allerhöchstem Niveau würde einen Shitstorm und Blitzlichtgewitter nach sich ziehen.

Aber so wenig Helmut Rahn nach seiner Karriere noch öffentlich gesprochen hat, so herrlich offen schreibt er sich all das von der Seele, was einen Fußballer, Ehemann, jungen Vater und Genussmensch in jener Zeit zu beschäftigen hatte. Immer wieder ist auch von Georg Melches als Mensch und Direktor die Rede, der seine schützende Hand über ihn hielt; von Sepp Herberger, der in ihm einen wunderbaren Fußballer sah, sich aber auch um seinen Lebenswandel sorgte. Und dann ist da noch Fritz Walter, den Helmut Rahn als seinen besten Freund beschreibt und das in immer wieder herzlichen Worten, bei denen man sich automatisch fragt: Habe ich auch so einen besten Freund? Wir erfahren, dass auch Profifußballer der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts schon mehr unterwegs als zuhause waren und wurden Teil der Südamerikareise. Allein die Details seiner Schilderungen sind so viel mehr wert als nüchterne Daten und Fakten. Die Wochen in Südamerika waren eine Strapaze für Körper und Seele und doch voller unvergesslicher schöner Eindrücke. Über die ersten Europapokalspiele gegen die Hibernians aus Edinburgh schreibt Helmut Rahn leider nicht.

Köstlich all seine Schilderungen, die davon handeln, dass Helmut Rahn entweder selbst am Steuer eines Fahrzeuges sitzt, oder gefahren wird. Auch wenn es sich nicht immer nur um kleine humorige Erlebnisse handelt, sondern auch um Fahrten unter Alkoholeinfluss. Doch auch hier schildert Helmut Rahn in einer ihm eigenen Erzählsprache die Erlebnisse und versucht erst gar nicht, sich in ein besseres Licht zu rücken oder die Verfehlungen zu entschuldigen. Wie bereits angemerkt würden heute Dutzende Berater oder Anwälte solch ehrliche Worte zu verhindern wissen. Das in „Ich Form“ geschrieben Buch schafft eine unglaubliche Nähe zu einem Fußballer, den ich auch aufgrund seines Lebens außerhalb des Platzes schlicht als meinen Lieblingsfußballer bezeichnen darf. Ein Mensch wie Du und ich mit all seinen Stärken und vielleicht doch mehr Schwächen. Dem ständigen Kampf um das leidige Gewicht und der komplexen, um Anerkennung bemühten, Seele hinter der heiteren Fassade.

Eine dieser Verfehlungen, nämlich die 2,6 Promille am Steuer des Jahres 1957 mit unsanfter Landung in einer Baugrube schildert Helmut Rahn ausführlich und lässt auch hier nichts aus. Und er erzählt weiterhin etwas, was das Buch für mich noch wertvoller werden lässt! Ich darf mal zitieren: „Drei Tage später sollte ein Flutlichtspiel gegen Eintracht Nordhorn stattfinden“ Ja wie wunderbar ist das denn? Keiner kennt mehr Eintracht Nordhorn, aber der Boss schreibt schon 1959 davon in seinem Buch. Wieder eine kleine Verbindung zwischen Lieblings- und Heimatverein. Es ging ihm jetzt nicht im speziellen um dieses Spiel (Von dem wir ja nun wissen, dass es sich um das Ablösespiel für Lambert Rondhuis gehandelt hat und am 1.8. 1957 ausgetragen wurde. Endstand an der Essener Hafenstraße: 6:1 für den RWE), sondern eher darum, wie die Fans des RWE ihren Helmut Rahn nach dieser Eskapade empfangen würden. Auch hier werden wieder seine Selbstzweifel überaus deutlich. Es wurde alles gut: 20.000 Fans pfiffen ihren Boss nicht aus, sondern trieben ihn auf einer Welle der Zuneigung zu insgesamt drei Treffern. 20.000 Fans in einem Spiel gegen den SV Eintracht Nordhorn, das muss man auch erst einmal dreimal nachlesen um es zu glauben. Nicht ganz so gut wurde das juristische Nachspiel für Helmut Rahn, denn er musste tatsächlich für zwölf Tage „einsitzen“. Zwischendurch bekam er aber Freigang für ein Länderspiel. Der Mann hat in jungen Jahren schon so einiges erlebt, und das als Pokalsieger, Deutscher Meister und Weltmeister.

Seine Autobiografie endet auf Vereinsebene damit, dass er Georg Melches darüber in Kenntnis setzte, seinen Vertrag bei RWE zur Saison 159/60 nicht mehr zu erneuern. Fand Georg Melches anfangs lustig, glaubte er an einen Scherz. War es aber nicht, denn laut eigener Schilderung fühlte sich Helmut Rahn an der Hafenstraße nicht mehr so wohl wie früher; vermisste Kameradschaft und Zuspruch. Und auch das zweite Standbein Alltagsberuf wackelte stets latent. Das Leben und die Karriere von Helmut Rahn, beschrieben in diesem Buch bis 1959 ist alles andere als ein langer, ruhiger Fluß. Aber lesenswert und ein ganz starkes Stück Rot-Weiss Essen.

Darauf ein Stauder in der Friesenstube.

Fanherzen…und die ganz, ganz große Liebe.

Es stand seit der elften Minute 1:0 für den 1.FC Kaan-Marienborn, als sich rund um die zweiunddreißigste Minute mehrere Dinge fast zeitgleich zutrugen: Ein junger Fan auf der Tribüne mit Salzbrezel in der Hand rief laut nach seinem Vater. Ein Essener Spieler wurde ungeahndet im Mittelfeld gefoult und blieb liegen. Daraus entwickelte sich direkt eine Torchance für die Kaan-Marienborner, die grandios durch Lukas Raeder vereitelt wurde. Vielleicht waren diese rasch aufeinanderfolgenden Ereignisse auf dem Feld der Wendepunkt im bis dahin sehr behäbigen Spiel des RWE. Und auch der junge RWE Fan fand seinen Vater auf der sehr gut besuchten Tribüne schnell wieder.

Bis zu dieser Minute hatte der RWE eigentlich nur einen sehr langsamen Spielaufbau zu bieten; das konsequente Vernachlässigen der linken Seite inbegriffen und mehr Rückpässe zum eigenen Torwart zu verzeichnen, als der Gastgeber Nackenkoteletts auf dem Grill hatte. Waren diese doch sehr schnell ausverkauft, so machte es gerüchteweise die Runde. Aber, wer wollte zu dieser Phase des Spiels noch genüßlich ein Kotelett im Brötchen verzehren, lag doch das aktuell Gesehene schon schwer genug im Magen. Es machte sich auf der Tribüne leichtes Murren breit. Unterschwellig (noch) bei den meisten, aber dieses Gefühl der Angst, hier und heute zu verlieren war nahezu greifbar. Es war für den Moment so, als ob Wuppertal niemals existiert hatte. Doch dann kam die siebenunddreißigste Minute und mit ihr der Ausgleich. Über die linke Seite! Welch eine Erleichterung, hier wenigstens egalisieren zu können.

Was jedoch nicht zur Folge hatte, dass Blatt direkt wenden zu können. Zuvor gab es in der vierundvierzigsten Minute eine mehr als brenzlige Situation zu überstehen, als Daniel Heber für seinen Torwart in letzter Sekunde klären konnte. Heber klärt den Lupfer. Danach war endlich Pause.

Zeit durchzuatmen und dabei wieder feststellen dürfen, welch schönes Stadion doch dieses Leimbachstadion ist. Wie entspannt es hier in und um das Stadion herum zugeht. Man darf sich auf der Tribüne frei entfalten und wird nicht in kleine Blöcke gezwängt. Ist Fan anstatt Vieh. Mann pinkelt noch in die Rinne und überall bröckelt die Farbe. Manchmal auch ab. Die Stühle der Presseplätze wurden wohl eines Nachts aus einer Lokalität der fünfziger Jahre entwendet und über den Zweck der Markise unter dem Dach werde ich weiter nachdenken. Alles schön also, da durfte das kleine Pflänzchen (Fußball-) Euphorie aus Rot-Weisser Sicht nicht direkt wieder im Keime ersticken.

Dachte sich Karsten Neitzel wohl auch in der Pause und fand scheinbar die richtigen Worte für die zweite Halbzeit. Auch wenn es der Gastgeber war, der in der fünfzigsten Minute noch einmal zu einer sehr guten Chance kam, so begann unser aller RWE den zweiten Durchgang nicht mehr allzu lethargisch und übernahm langsam aber sicher die Kontrolle auf dem Feld. Nutzte zudem endlich das ganze Feld. Was ja so richtig Freude macht ist die Tatsache, dass Kai Pröger in Florian Bichler einen Klon in Sachen Schnelligkeit und Dribbling bekommen hat. Werden sie nun auf ihren Seiten effizient eingesetzt und nach hinten hin aufmerksam abgesichert, so stellen beide jede gegnerische Abwehr noch vor manch große Herausforderung. Das aber nur nebenbei, ging doch der nötige Ruck durch die ganze Mannschaft.

Jener Kai Pröger war es dann, der mal eben volley den Ball zur Führung in das Netz des Siegener Stadtteilvereines drosch. Der Mann kann scheinbar nur die schwierigen Tore. Mit der Führung entledigte sich der RWE dann auch sämtlicher Altlasten aus Halbzeit eins und kam fast wieder in den „Wuppertal Flow“ der vergangenen Woche. Schon drei Minuten später war es der Neuzugang Enzo Wirtz, der sich dachte, so wird´s was und ebenfalls einfach mal richtig stehend das Tor traf. 1:3 aus Kaan-Marienborner Sicht nun für unseren Altmeister aus Bergeborbeck. Die Kurve sang munter weiter und die Tribüne stand. Die Brust wieder breiter. Die Klappe natürlich groß wie eh und je schon. Es machte plötzlich wieder richtig Freude, irgendetwas ist passiert mit unserer Mannschaft.

Nicht nachlassend fiel ein weiteres Tor: Torschütze Philipp Zeiger. Jener Philipp, der mir in der ersten Halbzeit ein wenig mit seinen permanenten Rückpässen auf den Zeiger ging. Aber, so ist Fußball, das hat er sicher geplant: Fünfzehn Rückpässe = ein eigenes Tor. Die über zweitausend RWE Fans besangen ihren Verein, der wieder da ist und bejubelten ihre Mannschaft, die sie nach dreißig Minuten noch in die Tonne kloppen wollten. Ker noch eins, ein ganz klein bißchen sind wir wirklich wieder da, nur müssen wir uns noch daran gewöhnen. In den vergangenen Jahren hätten wir dieses Spiel nach Rückstand verloren. Die Mannschaft hätte einen internen Krampf bekommen.

Hier jedoch hat sie sich selbst aus einem spielerischen Krampf befreit. Diesen in Spiel umgewandelt und Gegner und Ball laufen lassen. Es ist noch lange nicht alles Gold was glänzt. Aber es wird langsam etwas Rot und Weißer.

Über zweitausend fahren der Mannschaft hinterher. Das nächste Mal sind es vielleicht noch mehr. Auf dem Heimweg hat mich heute ein Auto mit flatterndem RWE Schal überholt. Das Kennzeichen? B wie Berlin! Ich habe mich grinsend im Fahrersitz zurückgelehnt, die RWE CD eingeworfen und Gas gegeben. Wie meine Mannschaft in der zweiten Halbzeit. Wir sind wirklich wieder da.

Genießen wir den Augenblick.

 

Das Beste kommt zum Schuss.

Weit nach dem Spiel, auf dem Parkplatz eines Schnellrestaurants am Rande der A31, den Burger noch zwischen den Zähnen und das Glück des gerade gesehenen noch vor den Augen, kam er ganz spontan, der eher laut gedachte Satz: „Fußball kann so schön sein“. Schon der Auftritt in Rödinghausen war unter dem Strich abseits des Ergebnisses ein Guter, da war Struktur zu erkennen. Auf- und neben dem Platz. Leider holte uns das Verletzungspech dann doch recht schnell ein und war auch der Unparteiische wieder mit in der Verlosung. Die üblichen Verdächtigen tackerten ihre Kommentare in die entsprechenden Spalten und zunächst einmal war direkt wieder Schluss mit lustig.

Heute nach dem Spiel gegen die aus dem Tal las sich dann alles ganz anders. Wenn es einem aufgrund der Temperaturen nicht allein schon heiß genug war, so wurde es mir nach dem Spiel dann noch zusätzlich so richtig warm ums Herz, hat doch einer der wundervollen Fanbetreuer sozial Medial seine Freude über dieses Spiel kundgetan. Wenn also selbst ein Urgestein der Hafenstraße so fühlt, dann waren wir heute wirklich Zeuge ganz besonderer neunzig Minuten an der Hafenstraße. Lauschen wir also Roland und freuen uns mit ihm:

Zweites Spiel und ich möchte nicht einen aus der Mannschaft hervorheben!
Wetter Top! 11.077 Zuschauer, Top! Spiel Top! Stimmung Top!
Ergebniss Top! FULLHOUSE
Aber eine Sache möchte ich doch ansprechen, dass dritte Tor zum 3 zu 0 von Pröger. Wenn ich jetzt sagen würde, bei mir ist die Milch eingeschossen, beschreibt es ungefähr das Gefühl. Lange, sehr lange hatte ich nicht mehr diese Emotion bei einem Spiel unserer Mannschaft. Danke an die „Westtribüne“ für den Fahnentag, immer ein Highlight für mich und Erinnerungen an „die Westkurve“ kommen immer sofort hoch. Danke an die Mannschaft und allen sonst noch Beteiligten.
IHR HABT MIR EINEN WUNDERSCHÖNEN SONNTAG BEREITET.

Ich hätte ja nie und nimmer mit über 11.000 Zuschauern gerechnet. Umso mehr hat es mich gefreut, dazu selbst mit Frau und Töchtern beitragen zu können. Sie haben nun den Status von Glücksbringern und müssen so oft es geht wiederkommen. Schon weit vor dem Spiel hatte ich mich aber zuallererst auf den aufgerufenen Fahnentag gefreut, denn ich mag es sehr, wenn vor dem Spiel die Fahnen wehen. Je mehr, desto besser.  Eine Reminiszenz an vergangene Zeiten. Allgemein war trotz der unglücklichen Niederlage in Rödinghausen mehr Vorfreude rund um das eckige (Stadion) zu spüren. Für viele begann sie also erst heute, die neue Saison 2018/19.

Und sie begann so schnell, so dass Walter Ruege nicht ansatzweise die Chance hatte, vom Rasen pünktlich zurück in die Sprecherkabine zu kommen. Während der Walter also noch die Stufen hochjagte, musste der Michael aka „Stadion DJ“ improvisieren und den Torschützen verkünden. Irgendwie sinnbildlich für den heutigen Auftritt des RWE: Es war immer einer da, der zur Stelle war, wenn es darauf ankam. Egal ob auf oder neben dem Platz. Und so bot auch die Westtribüne heute eine mehr als geschlossene Unterstützung. Sie war Rot-Weiss; es gab Geburtstage zu feiern und sie war laut. Abzüge in der B-Note würde ich vielleicht nur in der Häufigkeit der „Uhrensöhne“ Gesänge geben. Aber, wir sind hier letztendlich nicht bei „Let’s Dance“, sondern an der Hafenstraße.

Der „Ex Essener SV“ wusste bisweilen gar nicht, wie ihm und seinem vielköpfigen Anhang geschah, denn unser RWE ging weiterhin so zielstrebig und vor allem so schnell zu Werke, so dass die weiteren Tore bis zum 4:0 Pausenstand fast logische Konsequenz waren. Und es hätten  durchaus noch ein oder zwei mehr Tore für die Guten sein können. Das Passspiel sicher, die Balleroberung absolut vorbildlich und nach hinten jederzeit alles im Blick. Man vermochte das alles gar nicht zu glauben. Das war doch nicht mehr unser RWE. Stehende Ovationen zur Halbzeit. Man lebte für diesen Moment der Freude. Was war das schön, was tat das gut!

Das es jedoch unser aller RWE ist, und dass er uns immer wieder so einiges zumutet, erfährt man dann so nach und nach von Freunden und Bekannten im Stadion: Die einen waren sich (erst) nach dem 3:0 sicher. Viele jedoch erst nach dem 4:0. Und manch einer (unter anderem ich) gar erst nach dem 5:0. Viele jedoch zuckten unwillkürlich nach dem 1:5 zusammen, guckten reflexartig auf die Uhr und beteten den Abpfiff herbei. Es ist also noch ein weiter Weg dahin, eine Führung als solche auch genießen zu können. Aber es war heute ein so schöner Schritt in die richtige Richtung, so dass man es noch kaum zu glauben vermag, dass eine fünf Tore Führung verspielt werden kann.

Stellvertretend für die Leistung der ganzen Mannschaft steht für mich eine kleine Begebenheit am Rande des Spielfeldrandes mit Kai Pröger: Da rennt also der eh schon schnelle Pröger bei dreißig Grad und gefühltem Tempo 30 gefühlte 300 Meter rauf und runter, um auf den letzten Metern noch Luft dafür zu haben, dem Linienrichter lautstark und gefühlt dreißigmal seine Meinung kundzutun. Während seines Laufes! Ich wäre im Sauerstoffzelt gelandet. Auch bei so vielen anderen Spielern war eine wesentlich bessere Fitness zu beobachten. Das alles lässt doch hoffen. Wohlwissend, dass bei einer Niederlage kommenden Samstag beim Aufsteiger 1. FC Kaan-Marienborn alles wieder in die Tonne gekloppt werden kann.

Aber heute und morgen (und übermorgen vielleicht auch noch) genießen wir ein Spiel und eine Atmosphäre, wie sie uns aktuell nicht mehr allzu oft zuteil wird. Es war ein wunderschöner Nachmittag an der Hafenstraße. Es war ein wunderbares Spiel unserer Roten. Es war dieses eine Spiel. Danke dafür.

Was weiterhin auffiel war, das nicht nur die Rude Fans ihren 10., sondern die „Crazy Boys“ gar ihren 40. Geburtstag feiern durften. Meine Güte, vierzig Jahre RWE als Fan Club…das ist schon Crazy! Ihr seit doch bekloppt. Herzlichen Glückwunsch.

So, und wie verbleiben wir jetzt nach diesem Spiel? Ich würde sagen: Optimistisch. Wir sehen uns in Siegen.

Was ein schöner Tag. Nur der RWE!

 

Die Hitze der Nacht.

Ich weiss gerade gar nicht, warum ich so fröhlich gestimmt bin: Es fehlt an Regen und es fehlt an Miteinander. So im Umgang. Alles viel zu erhitzt. Chefredakteure jeglicher Couleur drehen in den sozialen Medien am Rad; wollen mit aller Macht ihre Meinung  durchpeitschen. Ein Land stöhnt in der Hitze unter sozialer Kälte und bekommt die Klimaanlage diesbezüglich irgendwie nicht mehr auf Normaltemperatur geregelt. Und doch pfeife ich ganz ungewohnt vor Saisonbeginn gar fröhlich vor mich hin. Nicht, dass mich das Große und Ganze nicht bewegt, verärgert und einfach nur noch nervt. Aber, ich breche es einfach mal herunter auf Fußball und auf Rot-Weiss Essen. Das ist wenigstens meine konstante Größe, an der ich mich abarbeiten kann.

Und was soll ich sagen: Ich war lange Jahre nicht mehr so voller Vorfreude. Vielleicht auch nur Folge des Entsetzens über das aktuelle Hauen und Stechen auf höherer Ebene. Führt es einen doch noch viel mehr zu seinem Verein und möchte diesen in den Arm nehmen. Und von ihm in den Arm genommen werden. Scheinbar passiert unbewusst aktuell genau das: Aufbruchstimmung an der Hafenstraße. Die Ruhrpottbanausen im Schlabberlook auf dem Weg nach Rödinghausen. Der Stimmungsboykott somit Geschichte; Stimmung kann nun wieder Geschichten schreiben. Leider ist dieser Gatterverschlag in Rödinghausen nicht wirklich dazu geeignet. Ein „Fanblock“, der jegliche Fanrechte mit Füßen tritt und homogene Stimmung bereits im Keime zu ersticken vermag. Aber, wir können uns die Stadien der Ligagegner nicht aussuchen und sehen wir auch dieses positiv: Ab dem zweiten Spieltag gestalten sich die Bedingungen bisweilen auswärts etwas besser.

Jetzt weiss ich aber immer noch nicht, warum dieser Optimismus andauernd aufkeimt und eigentlich am liebsten wieder verdrängt werden möchte. So viel hat sich ja nun auch wieder nicht verändert; was auch gut so ist. Aber, vielleicht ist es einfach mal wieder Zeit für diese eine geile Saison, die man als Mannschaft nur alle zehn Jahre spielt. In welcher alles passt. Und wer hätte diese eine Saison nicht mehr verdient als wir? Wir, die wir von so vielen höherklassig gewünscht werden. Außer, wir kommen dann wirklich zu Besuch. Danach will man uns dann doch nicht mehr. Nur weil wir Schmuddelkinder sind. Ach, wir sind so vieles. Aber zuallererst sind wir Rot-Weiss Essen. Und wir versuchen es einmal mehr. Vielleicht aber diesmal gegen den bundesweiten Trend: Wir versuchen es Miteinander. Gegeneinander hatten wir schon zu oft.

Samstag also Auswärts in Rödinghausen. Und das Angebot des dortigen SVR, die Wasserpreise erheblich zu senken, sollte man dankbar annehmen. Wasser für einen Euro! Eine schöne Aktion wie ich finde. So könnte man auch gut in das Spiel hineinfinden: Ein Stauder im Bus, ein Wasser hinterm Zaun, ein Stauder zur Halbzeit, ein Wasser hinterm Zaun usw…. Listen and repeat. Die Mannschaft des SV Rödinghausen wurde auch schon mal höher eingeschätzt, als es zu dieser Saison der Fall ist. Die örtlichen Küchenbauer investieren zwar weiter fleißig in den Verein, ohne aber in viktorianische Gefilde vorzustoßen. Das macht die Sache für das Spiel am Samstag natürlich nicht einfacher. Zwiebelpokalsieger wird man auch nicht einfach so; also muss sich unser RWE gehörig anstrengen und immer auch die Sonne im Blick haben. Denn am Ende entscheiden bei Tropenkicks möglicherweise eher die Kräfte anstatt die Qualität.

Wie dem auch sei: Wir werden gewinnen. Ich weiss das. Und auch gegen Wuppertal werden wir gewinnen. Und wir werden dort endlich mal wieder eine Hafenstraße erleben, wie sie im Buche steht.

Nur der RWE.  Auf eine tolle Saison. Auf ein gutes Miteinander.

Ode an den Optimismus.

Es war das fünfte Testspiel vor der bald beginnenden Saison 2018/19: Auf neutralem Boden irgendwo im nirgendwo wurde gegen die Sportvereinigung 07 Elversberg mit 0:1 verloren. Zuvor gab es ein torloses Remis gegen Kölner Südstädter; eine 0:1 Niederlage gegen den TuS Jeddeloh im Trainingslager und ein anschließendes Torfestival gegen die Helene. TuS nicht Fischer. Auch die Lackschuhe konnten mit mehr Toren bezwungen werden, als es dieser Kumpel und Dingsbumsverein gestern zu tun vermochte. Unter dem Strich also viele Tore gegen unterklassigere Vereine, während die Spiele gegen Teams auf gleicher oder höherer Ebene durchgehend torlos gestaltet wurden. Bei zwei Gegentoren.

Für manch Freunde der Kommentarspalten waren diese Ergebnisse schon wieder Anlass genug, um wütend auf die Tastatur oder in das Handy zu hacken, dass das doch wieder nichts werden wird. Die nächste arme (Spieler-)Sau, die durch das mediale Dorf getrieben werden könnte, ward auch schon gefunden. Was haben auch Vater und Sohn zusammen in und rund um eine Mannschaft verloren? Es war jetzt nicht der große Sturm der Entrüstung, welcher sonst nach Niederlagen über das Social Media Team und auf die Spieler unseres Vereins hereinprasselt, aber es war doch ein Signal: Es geht heutzutage leider nicht mehr ohne negatives Denken und Handeln. Manch einer erwartet eine andauernde Siegesserie mit mindestens 1907 Toren Unterschied und findet trotzdem noch etwas zu motzen, sollte es eines Tages tatsächlich dazu kommen.

Das Problem: Wie geschrieben: Diese andauernde negative Denke! Diese perfide Lust darin, bei Nichtgefallen sofort und ohne Rücksicht auf Wortwahl und Respekt vor Spielern und Verein verbal draufzuhauen.

Dumm nur, dass dieses Problem ein neues Problem schafft: Es motiviert einfach nicht, andauernd bepöbelt zu werden. Sondern es schafft Barrieren. Im Kopf und im Miteinander. Hindert junge Sportler darin, besser zu werden und hindert den Pöbler als solchen daran, sich auch einmal mit Niederlagen abzufinden und trotzdem zum nächsten Spiel wieder optimistisch gestimmt an die Hafenstraße zu pilgern. Es muss doch auch unzufrieden machen, wenn man immer nur negativ geprägt in ein Stadion geht. Egal ob nun Essen oder Mailand. Hauptsache Madrid.

Wir machen das nun schon eine Dekade durch und der Trend geht ja leider immer weiter in Richtung soziale Eiseskälte. Wir sollten also damit aufhören.

Wir alle haben ein gemeinsames Ziel: Fans, Verantwortliche, Mannschaft, Mitarbeiter und Sponsoren. Wir alle wollen endlich wieder aufsteigen. Das geht aber nur, wie wir langsam aber sicher festgestellt haben dürfen, gemeinsam. Dazu bedarf es natürlich keinen lächerlichen DFB Hashtag, sondern es braucht nur eine Sache:

OPTIMISMUS!

Ja echt jetzt! In der Tat. Wir müssen endlich aufhören, negativ zu denken. Haben wir lange Jahre bis zum Exzess ausgiebig gemacht. Hat natürlich auch keinen Aufstieg eingebracht, sondern uns nur immer tiefer in die Abwärtsspirale reingeritten. „Alle gegen Alle „war schicker als ein positives Wort. Schuldige wurden gesucht und durch die Plattformen getrieben. Auch hier: Aufstieg Fehlanzeige. Natürlich sind gelegentliche Negativgedanken nicht verkehrt, schützen sie doch vor Enttäuschungen oder helfen dabei, einen „Plan B“ immer parat zu haben. Nur im Sport, da nützt es meines Erachtens nicht viel.

OPTIMISMUS: zuversichtliche, durch positive Erwartung bestimmte Haltung angesichts einer Sache, hinsichtlich der Zukunft

Was stimmt mich also nun zuversichtlich für die kommende Saison? Ich glaube zum einen, dass dieser lange Prozess der Spielerinflation nun langsam aber sicher abgeschlossen ist und ich glaube zum anderen, dass wir mit Karsten Neitzel einen guten Trainer bekommen haben, der in seiner Art sehr gut an die Hafenstraße passt. Vielleicht kann uns somit der „Agi-Quicki“ noch zum Vorteil gereichen, indem uns sein unerwarteter Abgang einen sehr guten Nachfolger beschert hat. Auch die Neuverpflichtungen wirken mit Sinn und Verstand ausgewählt und scheinen Lust auf die Hafenstraße zu haben. Im positiven Sinne natürlich.

Machen wir uns nichts vor: Die Sache wird für Rot-Weiss Essen nicht einen Millimeter einfacher, nur weil es endlich den direkten Aufsteiger geben wird. Im Normalfall werden wir den Platz an der Sonne nicht belegen. Wir kommen von Platz Zehn und sollten erst einmal kleine Brötchen backen. Schließlich hat der Viktorianische Gönner leider immer noch nicht die Lust an seinem Spielzeug verloren und will mit seinen wunderlichen Typen endlich den direkten Weg in Liga Drei schaffen. Scheissegal, ob dass in Köln weder Geißbock, Hai noch Fortune interessiert. Aber optimistisch betrachtet: Warum eigentlich mal nicht wieder ganz oben angreifen? Was spricht dagegen?

Wird dieser schäbige Gästeblock aka Verschlag in Rödinghausen ohne Niederlage verlassen und gelingt vielleicht die Revanche gegen die aus dem Tal: Das wäre nicht fatal. Könnte uns alle auf eine gemeinsame Reise mitnehmen und den Hauch von Euphorie versprühen.

Gut, dem gegenüber steht der Konjunktiv. Aber, ich denke es ist klar geworden, worum ich hier mit vielen Worten bitte: Lasst das pöbeln. Es bringt auch keinen Aufstieg. Hat es noch nie!

Einen Titel haben wir seit Samstag definitiv schon sicher: Werder in einer Halbzeit zu besiegen, das war natürlich ganz nett. Ohne wenn und aber sind wir jedoch direkt und ansatzlos Sieger des „Trikot Award am goldenen Kleiderbügel 2018“ geworden.

Was eine Hommage an den Verein, seine Farben und seine Lieder. Dieses Trikot verkörpert so viel von dem, was unseren RWE ausmacht. 

Das in diesem Trikot und seiner Gestaltung auch noch geistiges Input von Michael Welling steckt ist eine gute Sache, denn es bedeutet, dass es Vorgänger und Nachfolger zuallererst um den Verein ging und geht. Dass Gutes weiter umgesetzt wird und neue Wege beschritten werden.

Für den Verein.

Nur der Optimismus und nur der RWE!

Nur nach vorne gehen!

Ich weiss, man kann das heutige Datum ignorieren oder immer wieder erzählen. Da ich mir nicht schlüssig war, wie ich persönlich damit umgehe, mache ich einfach beides. Ich habe den Tag vor zehn Jahren einfach noch mal in Erinnerung gerufen, und nehme hier zugleich Abschied davon. Wer also auf diese Erinnerung keine Lust mehr hat, ignoriert den entsprechenden Artikel „Ballast der Republik“. Also wie sonst auch. Wer, wie ich ebenfalls davon überzeugt ist, dass dieser Tag kein Ballast, sondern immer noch Ansporn sein sollte, ihn wieder gut zu machen, der darf gerne noch einmal in Erinnerungen…(nicht schwelgen, dass klingt eher positiv besetzt)…leiden und dieses Kapitel aus dem Buch lesen.

Natürlich haben alle Recht, die in den letzten Wochen und Monaten immer wieder auf die negative Grundstimmung rund um unseren RWE hingewiesen haben. Es ist ja auch wirklich nicht mehr feierlich gewesen. Diese Häme, dieser ganze Mist. Wer mal etwas nettes über den Verein sagte, oder immer noch positiv dachte…, der wurde ja direkt als Knalltütenjongleur abgestempelt.

Darum können wir nur eines tun: Das sportliche Schmerzprotokoll der letzten Dekade löschen und gemeinsam nach vorne gehen. Den sportlichen „Boykott“ und den stimmungstechnischen Boykott auf den Rängen beenden. Das Glück erzwingen und diese eine Saison spielen, in der alles passt. Ich glaube sogar, und da wird dem Finanzvorstand jetzt mal der Blutdruck steigen, dass die verpasste Qualifikation für den alljährlichen DFB Pokal gar nicht so schlecht für uns ist. Manchmal wurde rund um das Spiel des Jahres der wesentlich wichtigere Ligaauftakt schlicht in den Sand gesetzt. Diese Pokaleuphorie fällt weg, der Fokus kann ganz auf die Liga gelegt werden. Wohlwissend, dass alle anderen Vereine auch wissen, dass der Meister endlich mal direkt aufsteigen wird.

Viktoria Wernze wird sich vielleicht schon sicher wähnen, diesen Platz zu ergattern, da ja der KFC Uerdingen aufgestiegen ist. Möglicherweise aufgestiegen ist, wie wir seit heute wissen. Mal gucken, was also alles noch so Wunderlich(es) in den nächsten Tagen und Wochen passieren wird. An der und rund um die Hafenstraße darf man sich hingegen einfach nicht mehr verrückt machen. In einer Relegation wären wir doch eh tragisch gescheitert, dass liegt in unseren Genen. „Meister müssen aufsteigen“, so unser aller berechtigte Forderung. Meister wird aber in unseren Kreisen dann doch noch nicht immer der mit der meisten Kohle. Meister wird der Verein, der es meisterlich versteht, seine Kräfte zu bündeln und alle gemeinsam mit auf einen erfolgreichen Weg nimmt. Ein Weg, an dessen Ende das Licht des Tunnels einer ganzen Dekade wartet.

Wir alle haben diesen einen Traum. Wir sollten ihn leben. Wann der Traum in Erfüllung geht, dass kann natürlich keiner vorhersagen. Aber eines ist klar: Dieser Traum geht nur gemeinsam in Erfüllung. Also: Schmerzprotokoll und schlechte Stimmung löschen. Hoffnung und Leidenschaft leben.

Nur der RWE!

Ballast der Republik.

Weil es auch nach der Stunde Null weiterging.

„Wenn ich schon da gewusst hätte, bald zu sterben; ich hätte mich nach Abpfiff von der Tribüne gestürzt“ Diese tragischen Worte erreichten mich einige Wochen nach dem Lübeck Spiel. Mein Freund Peter hatte gerade erfahren, unheilbar an Krebs erkrankt zu sein. Während er diese Worte relativ gelassen in unserer Küche sprach, um direkt wieder auf sein Lieblingsthema Rot-Weiss Essen zu kommen, zog es mir den Boden unter den Füßen weg. Um dann zu reagieren, wie ich es einige Wochen zuvor nicht konnte: „Laber nicht, wir kriegen das hin“.

Eine blödere Reaktion gibt es wohl kaum auf solche tragischen Worte, aber ich meinte tatsächlich ihn. Den RWE konnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr meinen. Was also war passiert? Was meinen wir heute mit dem „Lübeck Spiel“? Es war schwülwarm diesem Samstag, den 31. Mai 2008. Eine Woche zuvor hatte der RWE in Magdeburg gewonnen. Unerwartet, zudem von Tausenden Fans ohne Unterlass unterstützt. Die Qualifikation für das neue Baby des DFB namens Dritte Bundesliga war wieder möglich, der zweite Abstieg hintereinander schien noch vermeidbar. Ein lächerlicher Punkt, es musste nun nur noch ein lächerlicher Punkt her, dazu noch gegen den schon abgestiegenen VfB Lübeck. „Läuft“, so der Tenor rund um die Hafenstraße.

Gronau, Westfalen: Nach dem Frühdienst, diesmal zu zweit, wurden wir direkt von Peter aufgegabelt, der seinerseits bei der Arbeit hat alles stehen und liegen gelassen, nur um schnell an die Hafenstraße zu gelangen. Die gemeinsamen Fahrten gestalteten sich meistens so, dass Peter immer ziemlich viel loswerden musste und erst kurz vor Bottrop fragte: „Und, bei Dir/ Euch?“ Das Thema Karten blieb zumeist außen vor. Hatten wir diese meistens schon im Vorfeld organisiert und ausverkauft war auch schon lange nicht mehr. Der die Karten zahlt, zahlt keinen Sprit und umgekehrt.

Es kam nun kurz hinter Bottrop zu einem weiteren, fast schon legendären Dialog: „Hast Du die Karten?“ „Nein, Du?“ „Oh, dann haben wir ein Problem, ich auch nicht“ „Ja, ich glaube das haben wir“. Schuldzuweisungen waren jetzt fehl am Platz, der Weg war das Ziel, es sollte schließlich voll werden im Georg- Melches Stadion. Spätestens zu erkennen daran, wie viele Fahrzeuge schon auf der geheimen und natürlich allen bekannten Parkmöglichkeit „Welkerhude“ abgestellt wurden. Viele, es waren viele! Das anschließende Anstehen in der Mittagssonne vermittelte ein Gefühl, wie es sich im sogenannten Glutofen anfühlen könnte.

Zu zweit standen nun mein anderer Freund und ich an jeweils einem anderen Kassenhäuschen an, während Peter auf dem Vorplatz der Osttribüne wie ein Tiger im Käfig hin und herlief; uns via Handy zu koordinieren versuchte. Endlich, nach gefühlten, ebenfalls endlos dauernden Minuten wurden noch Karten an eines der Kassenhäuschen geliefert. Der RWE Countdown näherte sich dem Ende. Bereit, dem nahenden Anpfiff Platz zu machen. Die Luft surrte; alles und alle war und waren zum Zerreissen angespannt. Eine unwirkliche Atmosphäre hier und heute, ein Gemisch aus Anspannung, Schweiss und Alkohol auf den Tribünen. Die Lockerheit und der Optimismus nach Magdeburg hat es nicht unter die Hitzeglocke Georg-Melches Stadion geschafft.

Geschafft aber hatten wir wenigstens das Existenzielle an diesem Tag: Dreimal Stehplatz „Nord“. Das diese schon prall gefüllt war, als wir endlich in unser Wohnzimmer konnten, dürfte klar sein. Zum einen lief das Spiel schon und zum anderen waren 18.027 Fans im GMS zugegen. Der RWE begann eigentlich recht furios und rannte immer wieder an, darum nicht! Aber, rückblickend betrachtet wussten wir schon nach einigen Minuten im Stadion: Das Ding hier und heute, das geht in die Hose.

Inwieweit vertragliche Gründe einiger Spieler dazu beitrugen, im Kopf und Trikot schon bald woanders aufzulaufen, vermag ich nicht zu beweisen. Aber die Spielerwechsel nach dem Super GAU Abstieg sprachen allesamt für sich. Der Klassenerhalt und somit eine weitere Saison an der Hafenstraße war von einigen Helden in Stutzen nicht erwünscht. Je länger das Spiel andauerte, umso klarer wurde das allen die es nicht mit den Gästen von der Lohmühle hielten. Und das waren prinzipiell fast alle im Stadion. Schon ein Jahr zuvor bettelte der RWE im letzten Heimspiel der Saison (Wacker Burghausen, 1:1), förmlich um das Gegentor. Und doch war seinerzeit fast alles anders. Wurde in der zweiten Halbzeit gegen Wacker auch zu tief gestanden, anstatt mutig offensiv zu agieren, stimmte trotzdem der Kampf; die Leidenschaft. Für den Verein und den Klassenerhalt.

Das gab es an diesem Samstag nicht. Die locker aufspielenden Lübecker hatten ja nichts mehr zu verlieren und fanden somit immer mehr in das Spiel hinein, kontrollierten es, bekamen Chancen. Hatten Spaß. Es war die 88. Spielminute; die tausende von Fans trotz der Hitze eiskalt erwischte: Der VfB Lübeck ging mit 1:0 in Führung. Das Ende ist bekannt, kein Ausgleich mehr. Abstieg! Die Sicherungen brannten nun gleich reihenweise durch. Die Kombination aus Trauer, Wut, Alkohol und Temperatur liess Zäune überwinden. Sinnlose Jagdszenen auf dem Rasen. Es dauerte lange Minuten, bis die Polizei die Situation unter Kontrolle hatte. Fassungslos diejenigen, die auf den Tribünen stehen und mit ihrem Abstiegsschicksal alleine gelassen wurden.

Gestandene Männer lagen sich in den Armen, weinten hemmungslos. Suchten Trost bei ihren Frauen. Leere Blicke. Wüste Beschimpfungen. Nichts und niemand konnte in diesen Stunden nach Abpfiff an der Hafenstraße Trost spenden. Die Fans litten, während der Söldner seinen Spind räumte und klammheimlich von dannen fuhr. Richtung nächster Verein. Wir waren zu apathisch, das Stadion zu verlassen. Erst als wir dazu aufgefordert wurden, verliessen wir die „Nord“, über die teilweise verwüstete „Ost“ Richtung Stadionkneipe. Umgeknickte Zäune, Reste der Choreographie, auch hier weinende Fans. Wer noch eine Woche zuvor in Magdeburg war, der wusste schlicht nicht, wie ihm hier und heute geschah. Viertklassig, und das bis zum heutigen Tage.

Die Stadionkneipe übrigens, integriert in die wohl schönste Haupttribüne der Republik, war von außen nicht zu erreichen, ohne an Helmut Rahn vorbeizukommen. Seine Statue zeugte von besseren Tagen. Und von einem Menschen, dem ich mich sehr verbunden fühle. Warum auch immer. Er gab uns jedenfalls einen Moment der Ruhe und Zeit für ein Foto. Betrachte ich es heute, sehe ich Peter, Helmut und mich. Eine Statue, zwei Fans mit traurigen Blicken; unwissend, dass in einem von ihnen schon der Krebs wütet. Die Stadionkneipe, dieser rauchgeschwängerte VIP Raum des kleinen Mannes, war an diesem Tag natürlich auch nicht dazu angetan, die Stimmung aufzuhellen. Zudem trauerten Mitglieder der „Crazy Boys“ noch um einen der ihren. Es war einfach alles nur noch zum heulen.

Fußball kann so weh tun, lebt man ihn als Fan. Fußball kann aber auch so schön sein, ist man selbst in tiefster Enttäuschung doch niemals alleine. Die Hundertdreißig Kilometer Heimfahrt lassen natürlich immer viele Emotionen zu, doch kann ich mich daran erinnern, dass es eine ungewöhnlich ruhige Heimfahrt war. Zuhause angekommen, bat mich Peter noch auf ein „Terrassenbier“ bleiben zu dürfen. Er konnte so einfach nicht weiter nach Hause. Wollte gar in den Arm genommen werden. Ein Mann, der auch schon manch dritte Halbzeit erlebt hat. Dieser Tag war einfach zu viel für den Fan, der es mit Rot-Weiss Essen hielt. Es war die Stunde Null. Aber es ging trotzdem weiter. Leider nur für den RWE. Einige Wochen später bekam Peter seine Diagnose: Speiseröhrenkrebs. Unheilbar. Aber zu Beginn der neuen Saison waren wir trotzdem wieder im Stadion. Es war seine letzte Saison.

Take It Easy!

Ein kluger Kopf sagte vor nicht allzu langer Zeit in gemütlicher Atmosphäre zu mir, dass unserem RWE und seinem Umfeld komplett das positive Denken abhanden gekommen sei. Der Optimismus mehr in Trümmern als noch vor einiger Zeit unser seliges Georg-Melches Stadion. Egal was da komme und wolle: Alles doof!

Na ja, die letzte Dekade gibt ja sportlich auch nicht wirklich Anlass dazu, Konfetti und gute Laune zu verbreiten. Im aktuellen Fußballgeschehen halte ich es persönlich natürlich für eine unglaubliche Leistung, dass unser aller Verein auf Eigenkapitalbasis agieren kann und der chronischen Verschuldung ade gesagt hat. Das finden sicher auch die Spieler toll, deren Gehalt so gesichert war und ist. Dummerweise kamen sie ihrem Auftrag jedoch nicht in gleichem Maße nach und verwalteten unseren Verein weiterhin zuverlässig in der Regionalliga West. Die Sorgen gingen tabellarisch eher nach unten, denn euphorisch nach oben. Den Sorgen folgte die schlechte Stimmung und so ging alles den Bach hinunter.

Letztendlich haben wir es aber auch in dieser Saison mal wieder geschafft, die vierte Klasse zu halten und parallel erneut in das hiesige Pokalendspiel einzuziehen. Alles wie immer also. Und doch ist auch hier in Nuancen einiges anders als in den Vorjahren. Dieses aber nur am Rande. Am Rande hat sich übrigens auch die Option ergeben, die letzte Dekade unseres Vereins in Nuancen über eine unwesentlich erfolgreichere Band abzuwickeln:  Die Eagles haben, so glaube ich, nicht wirklich Lieder über Liebe und den ganzen anderen Kram gesungen, über den man so singt. Das ganze ist viel spektakulärer: Sie haben schon damals Lieder über Rot-Weiss Essen geschrieben. Glaubt Ihr nicht? Dann lest selbst:

Wasted Time

Wasted Time ist natürlich ein ziemlich harter Einstieg in diese musikalische Mutmaßung, bedeutet es doch übersetzt „verschwendete Zeit“. Denjenigen RWE Fans unter uns, die lediglich die erste Liga als Lebensraum für unseren Verein zulassen, mag es natürlich ein willkommener Opener sein. Zuallererst haben die Eagles diesen Song jedoch für all diejenigen unter uns geschrieben, die nach zehn Jahren Regionalliga zermürbt den rot-weissen Schal an den berühmten Nagel gehängt haben. Don Henley erklärte in einem Interview zu diesem Song, dass er nicht die Treue der RWE Fans in Frage stellen wollte, aber doch  festgestellt hat, dass diese Dekade alle an der Hafenstraße zermürbt hat, so dass es für manch einen verschwendet Zeit darstellt. Künstler und ihre Sicht auf die Dinge halt.

One Of These Nights

Es war der 29. Juli 2011. Glenn Frey war auf Promotion Tour in Essen und kam nur durch Zufall an eine Karte für das Erstrundenspiel des RWE im DFB Pokal gegen die Eisernen aus Berlin-Köpenick. Zunächst durchaus verwundert darüber, warum ein Fußballspiel in einem halb verfallenem Stadion stattfindet, zeigte sich der in Detroit, Michigan geborene Musiker von Minute zu Minute mehr begeistert über das, was er da auf dem grünen Rasen geboten bekam. Aus Essener Sicht natürlich. Es war ein Freitag für die Geschichtsbücher. Gerade noch Insolvent und in die fünfte Liga versenkt, tauchte der Deutsche Meister von 1955 wieder als Meister auf. Einige Etagen tiefer halt, aber mit einem Schwung, der einfach zu begeistern wusste. All das entlud sich an diesem Abend im altehrwürdigen Georg-Melches Stadion. Das war definitiv einer dieser Nächte. Zu schade, dass sie nicht konserviert werden konnte. Wenigstens konnte Glenn Frey seinen Bandkumpels davon erzählen und dieses Lied darüber schreiben.

Already Gone 

Gerade noch euphorisiert durch ein Pokalspiel verfolgte Glenn Frey die Geschicke des RWE auch in den fernen Staaten weiter. Hoffte Jahr für Jahr auf eine sportliche Erfolgsmeldung, sah Spieler und Trainer kommen und gehen. Manchmal so schnell, so dass man auch als treuester der Treuen den Überblick verlieren konnte. Spieler und Trainer kamen und gingen, die vierte Liga blieb. Glenn Frey griff in die Tasten und schrieb sich somit musikalisch von der Seele, dass der Profifußball für den einstmals so stolzen Verein Rot-Weiss Essen bereits gegangen sein könnte. In Anbetracht dieser langen Zeit in der Fußballunterschicht liegt der Verdacht natürlich nahe. Aber, die Hoffnung…..

Love Will Keep Us Alive

Seufzend legte Ursula Kasuppke die Montagsausgabe der Tageszeitung beiseite und nahm einen großen Schluck Kaffee aus dem Kaffeepott. Rot-Weiss Essen hatte verloren. In irgend so einem relativ unbekannten Dorf mal wieder. Ihr längst verstorbener Mann Willi würde sich im Grabe umdrehen, dachte Ursula so bei sich und überlegte schon, was sie ihrem Willi denn sagen könnte, um die Niederlage so gut wie möglich zu verkaufen. Andererseits kann sich Willi ja auch nicht mehr groß darüber aufregen, sinnierte sie bei einem weiteren Schluck Kaffee und einem tiefen Zug aus der Zigarette, schließlich ist Willi ja tot. So hatte sie aktuell nicht nur ganz alleine die Sorgen um den geliebten RWE auf ihren mittlerweile schmalen Schultern zu tragen, sondern musste sich zudem ständig ausdenken, wie sie ihrem Willi im montäglichen Zwiegespräch auf dem Margareten Friedhof das Wochenendspiel schönreden konnte. Im Falle einer Niederlage natürlich. Denn wenn ihre Jungs das Spiel gewinnen konnten, da sprudelte es nur so aus ihr heraus. Manchmal kam es ihr dann auch so vor, als könnte sie spüren, wie Willi mit ihr leidet oder sich freut.

An diesem Punkt hielt Ursula stets kurz inne, denn manchmal ist es nach so vielen Jahren nicht mehr wirklich leicht, sich daran zu erinnern ob erst die Liebe zu Willi oder zu RWE ihr Leben bestimmte. Oder ergab das eine dann auf einmal auch das andere? Wenigstens, so sinnierte Ursula weiter, wenigstens lebt der Verein immer weiter. Wie gerne würde sie noch einmal Hand in Hand mit Willi die Hafenstraße Richtung Stadion hinaufgehen. Wie viele ältere und ganz alte Fans gibt es wohl, die nicht mehr in das Stadion gehen, weil es den Partner nicht mehr gibt. Oder weil es alles zu aufregend geworden ist oder manchmal auch nicht nicht mehr schön wegen der vielen Polizei und der Knallerei. Sie wusste darauf keine Antwort. Und eigentlich kannte sie „ihre Jungs“ ja auch schon lange nicht mehr beim Namen, so oft wie die Spieler kamen und gingen. So reicht ihr mittlerweile das Endergebnis und der Spielbericht. Den Rest konnte sie sich aus so vielen Jahren und Spielen an der Hafenstraße denken. Willi bekam das Spiel auf jeden Fall immer mit Leidenschaft nacherzählt. 

Ursula und Willi Kasuppke….diesem Paar konnten sich die Eagles einfach nicht entziehen und widmeten ihnen somit diesen Song.

After The Thrill Is Gone

Was hat Glenn Frey nicht alles versucht, um seinen alten Kumpel und Bandkollegen Don Henley zu einem Besuch an der Hafenstraße zu bewegen.  Der Stimmung wegen und so. Der Henley Don lässt sich also überreden und kommt im Frühjahr 2018 das erste Mal an die Hafenstraße zu einem Spiel von Rot-Weiss Essen. Und was iss? Nix iss! Lösungen werden gesucht, die Mannschaft kickt für sich und ein Großteil der Fans verweigert bisweilen und bis auf weiteres die eigene Unterstützung. Leicht irritiert greift Don Henley zum Notenblock und skizziert einen Song, in welchem es darum geht, dass die ganz große Euphorie, der sogenannte „Thrill“, um den RWE aktuell mehr als vorbei ist. Man schleppt sich so durch. Recht hat er. Und doch würde ich persönlich ihm nun sagen wollen, dass diese Phase vielleicht mal Not tat und helfen konnte, die Negativspirale zu durchbrechen. Manchmal hilft eine Auszeit beiden Parteien auf Mannschaft/Fan Ebene. Eines sei der Mannschaft aber versichert: Das Einstellen sämtlicher Aktivitäten bedeutet nicht das Ende der Vereinsliebe. Es ging halt bei einigen aktuell nicht mehr und das ist zu respektieren. Diesbezüglich jedoch ist das kommende Pokalfinale natürlich von Interesse: Gilt hier die Ausnahme der Regel oder wird weiter konsequent nach Lösungen gesucht?

The Long Run

Natürlich haben die Eagles nicht einen Gedanken, beziehungsweise eine Note an unseren RWE verschwendet und ist alles in diesem Beitrag auf sie bezogen fiktiv. Und doch kommen sie in ihren Songs dem RWE ziemlich nahe: „Good Day In Hell“, „Take It To The Limit“, „The Sad Cafe“. „The Best Of My Love“, „How Long“ oder gerade auch „Life In The Fast Lane“…. alles Titel, die so oder so ähnlich wirklich auf den RWE hätten geschneidert werden können.  Und somit ist natürlich hier und heute alles nur fiktiv aufgeschrieben; zudem würde ich dem RWE nur annähernd eine ähnliche Virtuosität am Ball wünschen wie den Musikern der Eagles an ihren Instrumenten.

Glenn Frey verstarb am 18. Januar 2016 in New York.

Take It Easy, RWE!

 

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