The answer, my friend, is blowin‘ in the wind (Bob Dylan)

Wer konnte auch schon ahnen, dass das erste Lied nach dem abermals verlorenen Spiel ausgerechnet dieser Klassiker von Bob Dylan sein wird? Nicht das ich den Song besonders mag, denn der Dylan Bob nölt mir eigentlich zu oft und zu sehr am Mikrofon herum, anstatt zu singen. Aber dieses Lied passte nach Abpfiff einfach in das Szenario zweier schweigender, in Rot und Weiss gekleideter Fans; unterwegs in einem Auto auf der Autobahn gen Norden.

Die Antwort weht also im Wind. Eine Erkenntnis, die den Freunden ewiger Nachbesprechungen, Taktiknerds und der „Fraktion Konjunktiv“ die Haare zu Berge stehen lassen dürfte, da ja eigentlich zu profan. Aber, was soll man auch zu lange im Nachgang über ein Spiel herumeiern? Es würde ja doch nichts am Ergebnis ändern. Also hilft es uns einmal mehr nichts, dass das Kölner Tor vielleicht Abseits war, und unser Tor vielleicht nicht. Die Tatsache tat zur Sache, dass es tatsächlich eine weitere 0:1 Niederlage im eigenen Stadion gab. Scheissendreck!

Das Essener Fanlager wie immer nach solchen Spielen irgendwo zwischen gespalten und unterschiedlicher Meinung. Innig vereint aber im Schmerz der letzten Spiele und dem humorbefreiten Absturz in der Tabelle. Man grüßt nicht mehr stolz von oben, sondern strampelt verzweifelt gegen den Abgrund. Unerklärlich!

Wieder kann man der Mannschaft in weiten Teilen nicht absprechen, gekämpft zu haben. Da es unter anderem das ist, was wir definitiv auch an der Hafenstraße sehen wollen, zollten die meisten Fans dafür Anerkennung, denn es wurde gegrätscht, und es wurden viele Bälle zurückerobert. Dummerweise wurden sie zu schnell auch wieder verloren oder kam der einfache Pass nicht an. Da war es wieder, dieses „einfach“ im Fußball; diese Leichtigkeit, die wir gerade nicht mehr beherrschen. „Angst essen Seele auf“; ein Melodram von 1974 erneut aufgelegt.

Warum?

Die Atmosphäre einmal mehr beeindruckend und ebenso einmal mehr wollten die Fans den Ball in das Tor tragen, bekommt es doch die Mannschaft auf dem Feld aktuell nicht hin. Dieses verflixte Runde muss doch einfach mal wieder in des Gegners Eckige. Chancen waren da. Überlegenheit auf dem Feld zudem. Mal ehrlich, was hat denn Viktoria schon groß veranstaltet nach dem Führungstreffer zu unchristlich früher Zeit? Deren Schnapper glänzte mehr als einmal durch gelbwürdiges Zeitspiel und die zehn vor ihm durch (natürlich hochprofessionelles) Verschieben der Mannschaftsteile, was unsere Räume sehr eng gestaltete. Ach, und man fiel natürlich ruckzuck hin, verspürte man nur den Hauch eines Esseners in seiner Nähe. (Obwohl, das können wir ja leider auch. Und dann immer dieses überflüssiges Gezeter Richtung Unparteiische…)

Zwischen der 45.und 70. Minute hatten wir auf der Tribüne tatsächlich das Gefühl, dass doch noch was gehen könnte, kam unser aller RWE  doch zu guten Abschlüssen. Leider blieben die Boni in Form von Toren verwehrt. „Wir halten zusammen“, so der Tenor nach Abpfiff. Das ist etwas, was aufbaut und Mut macht; den nimmermüden Einsatz der Mannschaft respektiert und honoriert. Dass natürlich in den (a-) sozialen Medien hinterher trotzdem Gift und Galle gespuckt wird, das ist dann leider einfach mal so. Es tippt sich leider schneller Verachtung, als das es sich „Kopf hoch“ schreibt. Mein Tipp an dieser Stelle: Einfach nicht mehr lesen. Verbunden mit der Bitte an die Kommentatoren/-innen, ob sie derlei nach einem eigenen schlechten Tag im Job auch über sich lesen möchten?

Es ist alles mal wieder wie es ist, und es tut aktuell wirklich weh. Aber, es ist noch nicht vorbei. Wir können uns nicht nur neben dem Platz wieder zusammenraufen, sondern auch auf dem Platz zu großer Form auflaufen. Vielleicht schon in Wattenscheid!

Auf jeden Fall in Wattenscheid!

Alle nach Wattenscheid.

 

 

Alles, was du bist, alles was ich für dich aufbringe, rechtfertigt meine Liebe und nichts, nicht einmal du selbst, könnte mich davon abhalten dich anzubeten. Marquis de Lafayette

Der Marquis ist schon ein helles Köpfchen gewesen, ahnte er doch bereits irgendwann um 1800 herum die Bedeutung eines Fußballvereines aus Bergeborbeck für seine Fans und umgekehrt. Natürlich wurde um diese Zeit noch kein Fußball gespielt, aber die Überschrift ist allemal Rot-Weiss und somit unschlagbar.

Dieses Zitat von jenem Marquis ist aber auch aktuell so was von RWE; mehr RWE geht einfach nicht: Du bist alles; wir bringen alles für Dich auf und nicht einmal Du selbst kannst uns davon abhalten Dir zu folgen. Leider folgen wir Dir aktuell mal wieder unter schlechten Bedingungen. Nach glanzvollem Beginn wurden wir unsanft und in fünf Akten auf den harten Boden der schlechten Ligalaune zurückbefördert. Scheissendreck, die Euphorie ist weg.

Happo auch. Das ist nicht gut, hier bedarf es der Diplomatie der Hafenstraße. Es kann doch nicht sein, dass wir uns voneinander abwenden, nur weil ein Satz vielleicht nicht in das Große Ganze passt. Wir, die wir privat aus dem Herzen heraus über unseren RWE schreiben: Wir alle haben doch eigentlich ein gemeinsames Ziel: Wir wollen nur das Beste für unseren Verein. Wir sind kein Reviersport und auf Klicks aus. Wir leben unseren Verein und schütten unser Herz aus.

Darf ich nicht mehr das schreiben was ich denke? Und muss der Verein vielleicht alles schönreden was nicht immer schön ist? Ich dachte immer, wir (ihr seid) sind das Ruhrgebiet. Dieses Fleckchen Erde, auf dem man herzlich, ehrlich und manchmal auch rau miteinander umgeht. Sich im Nachgang die Hand reicht, anne Bude geht, gemeinsam ein Bier trinkt und über gewesenes lachen kann.

Ist nur eine Empfehlung. Internas kenne ich nicht, aber traurig bin ich allemal.

Samstag nun das Spiel gegen Viktoria Wernze, welches vor Wochen noch das Spiel der Spiele hätte sein können. Mit Chancen auf drei Punkte. Nun haben sich leider in den letzten Wochen die Verhältnisse wieder relativiert: Gewonnen wird oben und wir sind frustriert. Also alles wie immer eigentlich.

Doch genau darin sehe ich unsere Chance: Samstag pilgern nicht mehr so viele Fans an die Hafenstraße. Samstag kommen die, die immer kommen. Und sie kommen mit schlechter Laune voreingenommen. Hängen ihre Lappen auf, lassen den Dingen erst einmal ihren Lauf. Aber, ganz vielleicht kreiert die eigenen Mannschaft in den ersten Minuten einige Chancen. Steht hinten sicher. Kämpft um jeden Ball; verliert vielleicht auch mal nicht so viele im Mittelfeld. Ja dann könnte trotzdem diese einzigartige Wechselwirkung zwischen Mannschaft und Tribüne entstehen, welche die abgebrühten Viktorianer vielleicht zu Fehlern zwingt.

Vielleicht ein eigenes Tor zulässt und uns diesen sportlichen Rausch ermöglicht, in welchem man sich ab und an hineinspielen kann.

Vielleicht, ganz vielleicht also, können wir alle zusammen gegen Viktoria Wernze gewinnen. Und dann, genau dann sieht für den Moment doch alles wieder etwas besser aus. Nicht optimal, aber eben doch etwas besser.

Gehen wir es an. Zusammen. Uralt und Ultra. Brigade und Gegengerade. Haupt und überhaupt! Sind wir vielleicht weniger als sonst in dieser Saison. Aber lauter als jemals zuvor. Für unsere Farben, für unseren Verein! Und vorher bitte gegenüber dem Fanprojekt einfinden, um Wurst und Stauder zu frühstücken.

Nur der RWE!

Alles nimmt ein gutes Ende für den, der warten kann. (Leo Tolstoi)

Wer kann schon warten? Wir gefühlt nicht mehr, aber wir werden es wohl müssen! Gleich zwei Wochen, um dann ausgerechnet gegen die allseits beliebte Viktoria von Wernzes Gnaden den nächsten Versuch zu starten, wieder zurück in diese ach so schöne Erfolgsspur zu kommen. Der strahlende Sommer und die Tabellenführung, welche uns so fröhlich aus dem Allerwertesten schienen, sind aktuell dem beginnenden Herbst gewichen, der uns nun mit seiner (tabellarischen) Mittelmäßigkeit (trotz weiter strahlendem Sonnenschein) kalt und trübe um die Nase weht.

Der Bonus ist nach der sonntäglichen Niederlage gegen die Aachener Alemannia scheinbar aufgebraucht, die Ursachenforschung in vollem Gange. Sozial medial wie üblich zumeist fair und sachdienlich (Das war jetzt ein Scherz) intern hoffentlich konstruktiv. Den Einsatz, den kann man erneut nicht bemängeln, die Mannschaft hat nicht im Ansatz die Köpfe hängen lassen und bis zum Schluss versucht, den Ausgleich zu erzielen. Ebenso bis zum Schluss leidenschaftlich von den Rängen unterstützt. Bisweilen schien es so, als wollten die drei Heimtribünen selbst den Ball in das Tor tragen, wenn es doch der stürmerlosen Mannschaft einfach nicht gelingen will.

An den Neuzugängen liegt es nicht, sie spielen (fast) alle durch und sie spielen (zumeist) gut. Die meisten von ihnen sogar richtig gut. Selten einer mit Luft nach oben. Die Verletzungen gehen irgendwie auf das Konto von Kollege „Schicksal“. Dieser Typ, mit dem wir schon viel zu lange hadern und uns herumärgern. Soll wegbleiben, der nervt! Dann die Etablierten und diejenigen, die bei voller Kaderstärke den zweiten Anzug hätten tragen sollen: Vielleicht benötigt der ein oder andere von Ihnen mal eine kreative Pause. Aber, das muß warten. Eben aus Gründen. Bleibt also die Frage aller Fragen: Hätten wir personell nachlegen sollen, gar müssen? Ach, dieser verfluchte Konjunktiv im Fußball: Gäbe es den Knipser, der auf freier Wildbahn für schmales Geld zu haben wäre….ja dann wäre er natürlich nicht zu haben.

Kein Kicker von Klasse mit hundertprozentiger Fitness und gehobenem Regionalliganiveau rennt noch vertragslos durch die Gegend. Und einen wie Zlatan kannste Dir weder backen, noch finanzieren. Also um es auf den Punkt zu bringen: Ja, wir hätten nachlegen müssen, aber nein, es hätte den idealen Spieler mit eingebauter Direkthilfe einfach nicht zu sofort gegeben! Und somit blieb unserem Trainer schlicht nichts anders übrig, als in Sachen (verbliebender) Mannschaft von „klein, aber fein“ zu reden und sie zu stärken.

Was nun gegen Aachen nicht gelingen wollte, waren die vermeintlich leichten Sachen im Fußball. Bisweilen wurde für mich zu kompliziert der Weg Richtung Strafraum gesucht, wo dann schlicht und einfach der Zielspieler fehlte, um richtig für Alarm zu sorgen. Und kommt dann in der eigenen Abwehr auch noch ein individueller Fehler hinzu,  kassiert man halt das alles entscheidende Gegentor. Aber, wie schon erwähnt: Aufgegeben haben sich unsere Roten mit dem Text aller Texte auf dem Trikot nie. Zu keiner Minute. Und das macht trotz temporärem Sturz in das Niemandsland der Tabelle weiter Mut. Da lässt offensichtlich noch keiner die Köpfe hängen. Im Mai 2019 wird abgerechnet. Nicht Ende September/Anfang Oktober 2018.

Unglaubliche 9.462 Fans bislang im Schnitt an den sechs Heimspielen im Georg-Melches Stadion an der Hafenstraße. Diese Zahl werden wir im kommenden Heimspiel gegen Viktoria Köln wohl, und sicher auch zurecht, nicht erreichen. Kommt aus Köln ja auch nur der übliche Neunsitzer. Aber vielleicht haben wir dann wieder Alternativen. Im Feld und auf der Bank. Natürlich soll jetzt bitte keiner glauben, dass P (röger) & P (latzek) mal eben alles im Alleingang wegballern, was ihnen im Wege steht. So einfach ist Fußball dann leider doch nicht. Was mir aber vorschwebt ist eine Gemeinschaftsproduktion zwischen Mannschaft und Tribünen, um gemeinsam zurückzufinden in die vielzitierte Erfolgsspur, die uns so viel Freude bereitet hat.

Erst irgendwie das Pokalspiel in Velbert überstehen (sollen ja schon Pokalsieger dagegen verloren haben), dann Kräfte sammeln und bündeln.

Und vielleicht….ganz vielleicht, schaffen wir ja ausgerechnet gegen diese angebliche Übertruppe alle zusammen den Turnaround. Es ist noch nichts verloren. Und schon gar nicht vorbei.

Alles nimmt ein gutes Ende für den, der warten kann!

Nur der RWE!

 

Aufgeben ist keine Option.

Schreiben wir nicht lange um den heißen Brei herum: Es war alles vorbereitet, heute nach Mönchengladbach – Rheydt zu fahren, um unsere Roten zu unterstützen. Ich hatte Urlaub, das Auto war betankt und selbst die langersehnte Zaunfahne kam pünktlich aus England an. Man ahnt: Ich bin nicht gefahren. Ich konnte es nicht. Mir ging es schlecht, ich fühlte mich krank. Hatte Angst davor, dass genau das eintreten wird, was nun passiert ist: Unser RWE hat bei den kleinen Fohlen mit 0:1  und somit auch den Anschluss an die Tabellenspitze verloren.

Meine Frau hat mich ermutigt, doch zu fahren, aber ich habe mich wie ein Häufchen Elend hinter mir selbst verkrochen und allerlei Ausreden erfunden. Es ging mir erst besser, als ich es rein zeitlich absolut nicht mehr bis zum Anpfiff in das Grenzlandstadion geschafft hätte. Viel Zeit wollte ich mitbringen, denn nebenan galt es auch noch, das weitaus schönere Jahnstadion des Rheydter SV fotografisch zu erkunden. Auch das also heute keine Option, die mir ansonsten viel Entspannung bereitet. Die Fotografie, nicht der Fußball. Es ist nicht schön, so im eigenen „Ich“ gefangen zu sein, will man doch eigentlich dabei sein.

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Die Zeit, in der die psychosomatischen Beschwerden etwas nachließen ging mit Anpfiff der Partie auch schnell wieder vorbei. Der quirlige Hund, die Fußballkonferenzen am TV und all das andere traten nun hinter dem kleinen Handydisplay zurück, welches mir via mehrer Liveticker und persönlicher Nachrichten aus dem Stadion nun den Spielverlauf aus dem mager besuchten Grenzlandstadion zu berichten hatte. Dummerweise hatte ich mich in Form eines Tweets auch noch selbst sehr weit aus dem Fenster gelehnt und unbedingt die drei Punkte eingefordert:

War es dieser Tweet, der mich vor Sorge hat krank werden lassen, oder wirklich nur die Furcht davor, dieser schöne Saisonbeginn könnte schon bald wieder Geschichte sein? Ich weiss es genau nicht. Sicher steckt auch ein ernsthafter eigener Prozess dahinter, der weit über die Sorge um den RWE hinausgeht, aber eine professionelle Distanz, wie ich sie zum Beispiel im Beruf wahren muss, gelingt mir bei meinem Verein einfach nicht mehr. Ich war so froh, als wir dermaßen gut aus den Startlöchern der Saison kamen, so dass Boykott und andauernde Häme in den (a-)sozialen Medien Geschichte waren. Rot und Weiss wuchsen nach Jahren wieder zusammen, auch nach den ersten Punktverlusten gab es nur Aufmunterung, keinen kaputten Hass. Es war so schön, anzureisen und noch schöner, fröhlich pfeifend wieder nach Hause zu fahren. Und selbst die Ergebnisse der Etablierten und Gesponserten Mitkonkurrenten passten endlich.

Bis heute Abend in Mönchengladbach – Rheydt. Aber, selbst nach diesem Spiel kann es eigentlich keinen Vorwurf an die Mannschaft geben, wurde doch alles versucht und hat der Trainer im Nachgang ziemlich ehrlich und gut die Situation beschrieben. Das Netz also solches schwankt noch zwischen Aufmunterung und ersten „Luschen“ Kommentaren. Ich kann es nicht ändern. Ich kann nur versuchen, diese Dinge auszublenden und auf das nächste Spiel zu hoffen, damit endlich wieder die Kuh umgestoßen und der Bock vom Eis geholt werden kann.  Oder umgekehrt. Vielleicht kommt ja mit der aktuell aufstrebenden Aachener Alemannia genau der richtige Gegner, um dann wieder in die Erfolgsspur zurückzufinden.

Ich versuche einen Weg zu finden, wie ich mit der Situation umzugehen habe und vielleicht helfen mir diese ehrlichen Zeilen dabei. Aber, eines ist klar: Aufgeben ist keine Option. Und somit läuft der RWE am Sonntag wieder in der Hoffnung und mit festem Willen auf, das Spiel zu gewinnen. Lassen wir ihn genau jetzt nicht hängen. Wir sehen uns Sonntag im Stadion. Diesmal wirklich!

Nur der RWE!

Der RWE ist und bleibt die wichtigste Entdeckungsreise, die der Mensch unternehmen kann. (So oder so ähnlich von Sören Kierkegaard)

Was gab es in der bewegten Weltgeschichte nicht alles für mittlerweile weltberühmte Entdecker: Von Marco Polo  bis Roald Amundsen wurde entdeckt, was das Zeug hält und unsere bunte Welt somit jedesmal ein Stückchen bunter. Braun war auch damals schon eine eher unterbelichtete Farbe. Keiner der wichtigen Entdecker konnte jemals aber zu seiner Zeit erahnen, dass die Reise mit Rot-Weiss Essen die abenteuerlichste und zugleich wichtigste Entdeckungsreise sein würde, die der Mensch Fan  jemals unternehmen kann und unternehmen wird.

So betrachtet sind wir Rot-Weißen allesamt Entdecker: Wir entdecken nach einer langen, langen Zeit endlich mal wieder ein neues Land: Das Land der drei Punkte; das Land der Gemeinsamkeit und des Miteinanders. Das Land der strahlenden Gesichter und das Land der Vorfreude auf das nächste Spiel. Die Humba hingegen noch eingerostet. Das üben wir natürlich noch und bekommen diese bald schon besser hin. Wir sind halt im Erfolg noch etwas ungelenk. Aber, überhaupt dies- und jenseits des Zauns in Harmonie zu verweilen…wurde das schon entdeckt? Natürlich wurde es das und die heutige Mannschaft hat durchaus viel von der Truppe, die sich nach der Insolvenz aufgemacht hatte, um die NRW Liga zu rocken.

Wuppertal hatte was von Hamborn,  ging es doch auch danach ab auf die gemeinsame Reise Richtung Aufstieg. Natürlich gab es in der NRW-Liga keine Übermannschaft wie die  ewige Sponsorentruppe aus Köln. Allerdings ist diese (Kölner) Mannschaft nun endlich reif. Nicht für den Aufstieg. Sondern dafür, um auch mal an der Hafenstraße  zu unterliegen. Mithilfe von 15.000 Fans Minimum. Das ist aber alles Zukunftsmusik und gilt es noch zu entdecken.

Wie unerfahren wir RWE Fans mittlerweile im Erfolg sind, äußerst sich in vielen persönlichen Momenten: Alle freuen sich, sind aktuell euphorisiert. Haben zugleich jedoch auch das „Aber“ im Gepäck. Warum auch nicht? Wir stehen am Anfang einer langen Saison sehr gut da. Das war es aber auch schon. Natürlich kann auch da noch ganz, ganz viel schief gehen. Der Aufstieg wäre eine riesige Überraschung. Auch wenn uns der allmächtige Verband sicher nicht gern in seine Reihen sehen wird. Der RWE in der Dritten Liga, da stehen womöglich den Sicherheitsbeauftragten die Haare zu Berge. Natürlich spielt man nicht mit Essen; wir jedoch wollen einfach nur Fußball spielen. Und gucken natürlich. Und wir sind reif.

Diese Woche gilt es also nun den FSV Vohwinkel im Pokal und den SV Lippstadt 08 in der Meisterschaft zu entdecken. Laut „Kann- Muss“ Regel kann es eine erfolgreiche Woche für unsere Roten werden. Muss aber nicht. Das sollten wir immer bedenken. Geht es im Pokal weiter und verbleiben die drei Punkte anne Hafenstraße, so könnte Euphorie langsam weichen und in allgemeines Vertrauen übergehen. Vertrauen in die Mannschaft, den Trainer und unseren Verein. Welch Entdeckung!

 

 

Der Hundertfünfundzwanzigste Geburtstag.

Spricht man von Rot-Weiss Essen, landet man unweigerlich nach kurzer Zeit auch bei Georg Melches. Sieht man Fotos aus aus der erfolgreichen Zeit rund um Meisterschaft und Pokalsieg, kommt man auch nicht an Georg Melches vorbei. Unweit der Spieler ist immer irgendwo auch der Patron mit im Bilde. Optisch erinnert der Georg Melches dieser Zeit an eine Mischung aus Heinz Erhardt und meinem Opa. Nun kennen Sie natürlich meinen Opa nicht, aber stellen Sie sich ihn optisch in etwa so wie Georg Melches oder Heinz Erhardt vor. Und mit Zigarre. Allen drei gleich aber ihre sympathische, ein wenig listige Ausstrahlung.

Zurück aber zu Georg Melches: Geboren am 24. August im Essener Norden als Sohn eines Betriebsführers, der auf der Zeche Emil – Emscher in Lohn und Brot stand. Die schulische Laufbahn des jungen Georg Melches fand eigentlich auch schon im Dunstkreis der Hafenstraße statt: Volksschule Vogelheim; Gymnasium Borbeck und Realgymnasium Altenessen. Der nächste Schritt war dann sicher kein leichter und definitiv kein schöner, denn Georg Melches zog in den ersten Weltkrieg. Dies übrigens freiwillig. Und es dauerte vier lange Jahre, bis er wieder unversehrt nach Hause kam. Vier lange Jahre in den Kriegswirren unterwegs, seine Familie zurücklassend.

Und auch die Familie, die er mit anderen bereits am ersten Februar 1907 in Essen Vogelheim gründete: Georg Melches war bereits in jungen Jahren ein begeisterter Liebhaber der Fußlümmelei, wie der Fußball seinerzeit oftmals despektierlich genannt wurde. Und weil er so begeistert war, gründete Georg Melches mit seinen Freunden einen Fusionsverein. Denn sie führten die bestehenden Vereine SC Preußen und Deutsche Eiche zum SV Vogelheim zusammen. Deutsche Eiche, ein an sich schon recht merkwürdiger Vereinsname und sicher eine Herausforderung für Fangesänge. Aber das nur am Rande erwähnt. Den heutigen Namen Rot-Weiss Essen bekam der Verein dann fünf Jahre nach dem ersten Weltkrieg mit auf seinem weiteren Vereinsweg. Anteil daran hatte eine weitere Fusion, diesmal mit dem Turnerbund Bergeborbeck.

Drei Jahre zuvor, also 1920, begann neben dem Hobby Fußball auch der berufliche Ernst des Lebens: Nach zwei Praktika in Schacht und Kokerei öffnete der Betrieb „Koksofen und Gasverwertung AG“ Essen seine Tore für den ehrgeizigen Georg Melches. Dort brachte er es innerhalb acht Jahren auf den Stuhl des Direktors, den er die nächsten zehn Jahre nicht verließ. Also im übertragenen Sinne jetzt. 1938 schien auch beruflich eine Fusion den Firmennamen zu verändern: Aus „Didier – Kogag“ wurde Didier – Kogag – Hinselmann. Der Direktor fusionierte nicht, nahm höchstens zu und hieß bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1959 weiter Georg Melches. Insgesamt also einunddreißig Jahre als Direktor bedeuteten auch einunddreißig Jahre Kontakte in die Spitzen von Wirtschaft und Politik. Heute würde man Netzwerk dazu sagen.

Georg Melches konnte seinen Spielern Arbeitsplätze verschaffen, an denen nicht viel geschafft werden musste, sondern sich auf das Kicken konzentriert werden konnte. Auch die legendäre Südamerikareise wurde nur durch die weltumspannenden Kontakte von Direktor und Firma ermöglicht. Der Macher der er war, zeigte sich auch in seinem Verein stets in der Pflicht. Georg Macher. Im Verein, für den zu Beginn fast nur Schüler, Bergleute und Zechenangestellte gegen die handgenähte Kugel traten, besetzte er die Positionen des Mittelstürmers und mit nachlassender Kondition die eines Verteidigers. 1927 hing er seine Fußballschuhe an den Nagel. Was nicht bedeutete, dass er sich nun aus dem Vereinsleben verabschiedete. Mitnichten und gänzlich ohne Neffen, denn administrativ war Georg Melches natürlich auch schon länger in seinem Verein tätig: Schriftführer, Geschäftsführer, Fußballobmann, Finanzobmann.

Nahezu die ganze Palette dessen, was ein Verein an Ehrenamt zu bieten hat, wurde von ihm parallel oder nacheinander ausgeführt. Rot-Weiss Essen war Georg Melches und Georg Melches war Rot-Weiss Essen. Das wirklich interessante aber ist die Tatsache, dass er nicht einen Tag als Vereinsvorsitzender fungierte. Vielleicht benötigte er den Vereinsvorsitz auf dem Papier auch deshalb nicht, da er wusste, stets auch so dem Verein vorzustehen. Um aber seine Leistung schon recht früh zu würdigen, ernannte der Verein seinen „Patron“ bereits 1950 zum Ehrenvorsitzenden auf Lebenszeit mit Sitz und Stimme im Vorstand. Und dieser Ehrenvorsitzende sollte ja bekanntlich noch mit tollen Erfolgen für seine Pionierarbeit und Engagement im Essener Norden belohnt werden.

„Lächeln ist das Kleingeld des Glücks“ (Heinz Rühmann)

Es ist allen RWE Fans schnurzpiepegal, dass wir nur aufgrund eines mehr gespielten Spiels gegen die kleinen Geißböcke gerade den Platz an der Sonne erobert haben. Wir haben ihn. Sind Spitzenreiter. Erster!

Und deshalb scheint uns gerade ( und endlich wieder) mal so richtig die Sonne aus dem Arsch Flutlicht.

Lichtendetunnel

Der fünfzehnte Todestag.

Wer den Fußball liebt, der kennt auch dieses wunderbare Jugendbuch „Elf Freunde müsst Ihr sein“ von Sammy Drechsel aus dem Jahre 1955. Die Erzählsprache jener Zeit eine zugewandte, freundliche. Immer darauf bedacht, den Fußball als Mannschaftsport zu beschreiben, in dem Kameradschaft und Treue das wichtigste Gut darstellen. Was aber hat das jetzt mit Helmut Rahn zu tun? Gerade erst dreissig Jahre jung geworden, hat Helmut Rahn 1959 eine Autobiografie mit dem Titel „Mein Hobby: Tore schießen“ geschrieben. Obwohl sich die beiden Bücher in Inhalt und Form gänzlich unterscheiden, so ist die Erzählweise gar nicht weit voneinander entfernt: Auch Helmut Rahn benutzt eine bilderreiche Sprache, schildert bis ins Detail das damalige Leben und erzählt davon, dass Freundschaft und Mannschaft zählen und nicht der einzelne Spieler. Ganz wunderbar jene Passagen, in denen er die Leser an seinen verschiedenen Missgeschicken teilhaben lässt und zu seinen Schwächen steht. Etwas, was in unserer heutigen Welt überhaupt nicht mehr zur Sprache kommen würde. Schwächen einzugestehen, dazu noch als Weltmeister und Sportler auf allerhöchstem Niveau würde einen Shitstorm und Blitzlichtgewitter nach sich ziehen.

Aber so wenig Helmut Rahn nach seiner Karriere noch öffentlich gesprochen hat, so herrlich offen schreibt er sich all das von der Seele, was einen Fußballer, Ehemann, jungen Vater und Genussmensch in jener Zeit zu beschäftigen hatte. Immer wieder ist auch von Georg Melches als Mensch und Direktor die Rede, der seine schützende Hand über ihn hielt; von Sepp Herberger, der in ihm einen wunderbaren Fußballer sah, sich aber auch um seinen Lebenswandel sorgte. Und dann ist da noch Fritz Walter, den Helmut Rahn als seinen besten Freund beschreibt und das in immer wieder herzlichen Worten, bei denen man sich automatisch fragt: Habe ich auch so einen besten Freund? Wir erfahren, dass auch Profifußballer der 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts schon mehr unterwegs als zuhause waren und wurden Teil der Südamerikareise. Allein die Details seiner Schilderungen sind so viel mehr wert als nüchterne Daten und Fakten. Die Wochen in Südamerika waren eine Strapaze für Körper und Seele und doch voller unvergesslicher schöner Eindrücke. Über die ersten Europapokalspiele gegen die Hibernians aus Edinburgh schreibt Helmut Rahn leider nicht.

Köstlich all seine Schilderungen, die davon handeln, dass Helmut Rahn entweder selbst am Steuer eines Fahrzeuges sitzt, oder gefahren wird. Auch wenn es sich nicht immer nur um kleine humorige Erlebnisse handelt, sondern auch um Fahrten unter Alkoholeinfluss. Doch auch hier schildert Helmut Rahn in einer ihm eigenen Erzählsprache die Erlebnisse und versucht erst gar nicht, sich in ein besseres Licht zu rücken oder die Verfehlungen zu entschuldigen. Wie bereits angemerkt würden heute Dutzende Berater oder Anwälte solch ehrliche Worte zu verhindern wissen. Das in „Ich Form“ geschrieben Buch schafft eine unglaubliche Nähe zu einem Fußballer, den ich auch aufgrund seines Lebens außerhalb des Platzes schlicht als meinen Lieblingsfußballer bezeichnen darf. Ein Mensch wie Du und ich mit all seinen Stärken und vielleicht doch mehr Schwächen. Dem ständigen Kampf um das leidige Gewicht und der komplexen, um Anerkennung bemühten, Seele hinter der heiteren Fassade.

Eine dieser Verfehlungen, nämlich die 2,6 Promille am Steuer des Jahres 1957 mit unsanfter Landung in einer Baugrube schildert Helmut Rahn ausführlich und lässt auch hier nichts aus. Und er erzählt weiterhin etwas, was das Buch für mich noch wertvoller werden lässt! Ich darf mal zitieren: „Drei Tage später sollte ein Flutlichtspiel gegen Eintracht Nordhorn stattfinden“ Ja wie wunderbar ist das denn? Keiner kennt mehr Eintracht Nordhorn, aber der Boss schreibt schon 1959 davon in seinem Buch. Wieder eine kleine Verbindung zwischen Lieblings- und Heimatverein. Es ging ihm jetzt nicht im speziellen um dieses Spiel (Von dem wir ja nun wissen, dass es sich um das Ablösespiel für Lambert Rondhuis gehandelt hat und am 1.8. 1957 ausgetragen wurde. Endstand an der Essener Hafenstraße: 6:1 für den RWE), sondern eher darum, wie die Fans des RWE ihren Helmut Rahn nach dieser Eskapade empfangen würden. Auch hier werden wieder seine Selbstzweifel überaus deutlich. Es wurde alles gut: 20.000 Fans pfiffen ihren Boss nicht aus, sondern trieben ihn auf einer Welle der Zuneigung zu insgesamt drei Treffern. 20.000 Fans in einem Spiel gegen den SV Eintracht Nordhorn, das muss man auch erst einmal dreimal nachlesen um es zu glauben. Nicht ganz so gut wurde das juristische Nachspiel für Helmut Rahn, denn er musste tatsächlich für zwölf Tage „einsitzen“. Zwischendurch bekam er aber Freigang für ein Länderspiel. Der Mann hat in jungen Jahren schon so einiges erlebt, und das als Pokalsieger, Deutscher Meister und Weltmeister.

Seine Autobiografie endet auf Vereinsebene damit, dass er Georg Melches darüber in Kenntnis setzte, seinen Vertrag bei RWE zur Saison 159/60 nicht mehr zu erneuern. Fand Georg Melches anfangs lustig, glaubte er an einen Scherz. War es aber nicht, denn laut eigener Schilderung fühlte sich Helmut Rahn an der Hafenstraße nicht mehr so wohl wie früher; vermisste Kameradschaft und Zuspruch. Und auch das zweite Standbein Alltagsberuf wackelte stets latent. Das Leben und die Karriere von Helmut Rahn, beschrieben in diesem Buch bis 1959 ist alles andere als ein langer, ruhiger Fluß. Aber lesenswert und ein ganz starkes Stück Rot-Weiss Essen.

Darauf ein Stauder in der Friesenstube.

Fanherzen…und die ganz, ganz große Liebe.

Es stand seit der elften Minute 1:0 für den 1.FC Kaan-Marienborn, als sich rund um die zweiunddreißigste Minute mehrere Dinge fast zeitgleich zutrugen: Ein junger Fan auf der Tribüne mit Salzbrezel in der Hand rief laut nach seinem Vater. Ein Essener Spieler wurde ungeahndet im Mittelfeld gefoult und blieb liegen. Daraus entwickelte sich direkt eine Torchance für die Kaan-Marienborner, die grandios durch Lukas Raeder vereitelt wurde. Vielleicht waren diese rasch aufeinanderfolgenden Ereignisse auf dem Feld der Wendepunkt im bis dahin sehr behäbigen Spiel des RWE. Und auch der junge RWE Fan fand seinen Vater auf der sehr gut besuchten Tribüne schnell wieder.

Bis zu dieser Minute hatte der RWE eigentlich nur einen sehr langsamen Spielaufbau zu bieten; das konsequente Vernachlässigen der linken Seite inbegriffen und mehr Rückpässe zum eigenen Torwart zu verzeichnen, als der Gastgeber Nackenkoteletts auf dem Grill hatte. Waren diese doch sehr schnell ausverkauft, so machte es gerüchteweise die Runde. Aber, wer wollte zu dieser Phase des Spiels noch genüßlich ein Kotelett im Brötchen verzehren, lag doch das aktuell Gesehene schon schwer genug im Magen. Es machte sich auf der Tribüne leichtes Murren breit. Unterschwellig (noch) bei den meisten, aber dieses Gefühl der Angst, hier und heute zu verlieren war nahezu greifbar. Es war für den Moment so, als ob Wuppertal niemals existiert hatte. Doch dann kam die siebenunddreißigste Minute und mit ihr der Ausgleich. Über die linke Seite! Welch eine Erleichterung, hier wenigstens egalisieren zu können.

Was jedoch nicht zur Folge hatte, dass Blatt direkt wenden zu können. Zuvor gab es in der vierundvierzigsten Minute eine mehr als brenzlige Situation zu überstehen, als Daniel Heber für seinen Torwart in letzter Sekunde klären konnte. Heber klärt den Lupfer. Danach war endlich Pause.

Zeit durchzuatmen und dabei wieder feststellen dürfen, welch schönes Stadion doch dieses Leimbachstadion ist. Wie entspannt es hier in und um das Stadion herum zugeht. Man darf sich auf der Tribüne frei entfalten und wird nicht in kleine Blöcke gezwängt. Ist Fan anstatt Vieh. Mann pinkelt noch in die Rinne und überall bröckelt die Farbe. Manchmal auch ab. Die Stühle der Presseplätze wurden wohl eines Nachts aus einer Lokalität der fünfziger Jahre entwendet und über den Zweck der Markise unter dem Dach werde ich weiter nachdenken. Alles schön also, da durfte das kleine Pflänzchen (Fußball-) Euphorie aus Rot-Weisser Sicht nicht direkt wieder im Keime ersticken.

Dachte sich Karsten Neitzel wohl auch in der Pause und fand scheinbar die richtigen Worte für die zweite Halbzeit. Auch wenn es der Gastgeber war, der in der fünfzigsten Minute noch einmal zu einer sehr guten Chance kam, so begann unser aller RWE den zweiten Durchgang nicht mehr allzu lethargisch und übernahm langsam aber sicher die Kontrolle auf dem Feld. Nutzte zudem endlich das ganze Feld. Was ja so richtig Freude macht ist die Tatsache, dass Kai Pröger in Florian Bichler einen Klon in Sachen Schnelligkeit und Dribbling bekommen hat. Werden sie nun auf ihren Seiten effizient eingesetzt und nach hinten hin aufmerksam abgesichert, so stellen beide jede gegnerische Abwehr noch vor manch große Herausforderung. Das aber nur nebenbei, ging doch der nötige Ruck durch die ganze Mannschaft.

Jener Kai Pröger war es dann, der mal eben volley den Ball zur Führung in das Netz des Siegener Stadtteilvereines drosch. Der Mann kann scheinbar nur die schwierigen Tore. Mit der Führung entledigte sich der RWE dann auch sämtlicher Altlasten aus Halbzeit eins und kam fast wieder in den „Wuppertal Flow“ der vergangenen Woche. Schon drei Minuten später war es der Neuzugang Enzo Wirtz, der sich dachte, so wird´s was und ebenfalls einfach mal richtig stehend das Tor traf. 1:3 aus Kaan-Marienborner Sicht nun für unseren Altmeister aus Bergeborbeck. Die Kurve sang munter weiter und die Tribüne stand. Die Brust wieder breiter. Die Klappe natürlich groß wie eh und je schon. Es machte plötzlich wieder richtig Freude, irgendetwas ist passiert mit unserer Mannschaft.

Nicht nachlassend fiel ein weiteres Tor: Torschütze Philipp Zeiger. Jener Philipp, der mir in der ersten Halbzeit ein wenig mit seinen permanenten Rückpässen auf den Zeiger ging. Aber, so ist Fußball, das hat er sicher geplant: Fünfzehn Rückpässe = ein eigenes Tor. Die über zweitausend RWE Fans besangen ihren Verein, der wieder da ist und bejubelten ihre Mannschaft, die sie nach dreißig Minuten noch in die Tonne kloppen wollten. Ker noch eins, ein ganz klein bißchen sind wir wirklich wieder da, nur müssen wir uns noch daran gewöhnen. In den vergangenen Jahren hätten wir dieses Spiel nach Rückstand verloren. Die Mannschaft hätte einen internen Krampf bekommen.

Hier jedoch hat sie sich selbst aus einem spielerischen Krampf befreit. Diesen in Spiel umgewandelt und Gegner und Ball laufen lassen. Es ist noch lange nicht alles Gold was glänzt. Aber es wird langsam etwas Rot und Weißer.

Über zweitausend fahren der Mannschaft hinterher. Das nächste Mal sind es vielleicht noch mehr. Auf dem Heimweg hat mich heute ein Auto mit flatterndem RWE Schal überholt. Das Kennzeichen? B wie Berlin! Ich habe mich grinsend im Fahrersitz zurückgelehnt, die RWE CD eingeworfen und Gas gegeben. Wie meine Mannschaft in der zweiten Halbzeit. Wir sind wirklich wieder da.

Genießen wir den Augenblick.

 

Das Beste kommt zum Schuss.

Weit nach dem Spiel, auf dem Parkplatz eines Schnellrestaurants am Rande der A31, den Burger noch zwischen den Zähnen und das Glück des gerade gesehenen noch vor den Augen, kam er ganz spontan, der eher laut gedachte Satz: „Fußball kann so schön sein“. Schon der Auftritt in Rödinghausen war unter dem Strich abseits des Ergebnisses ein Guter, da war Struktur zu erkennen. Auf- und neben dem Platz. Leider holte uns das Verletzungspech dann doch recht schnell ein und war auch der Unparteiische wieder mit in der Verlosung. Die üblichen Verdächtigen tackerten ihre Kommentare in die entsprechenden Spalten und zunächst einmal war direkt wieder Schluss mit lustig.

Heute nach dem Spiel gegen die aus dem Tal las sich dann alles ganz anders. Wenn es einem aufgrund der Temperaturen nicht allein schon heiß genug war, so wurde es mir nach dem Spiel dann noch zusätzlich so richtig warm ums Herz, hat doch einer der wundervollen Fanbetreuer sozial Medial seine Freude über dieses Spiel kundgetan. Wenn also selbst ein Urgestein der Hafenstraße so fühlt, dann waren wir heute wirklich Zeuge ganz besonderer neunzig Minuten an der Hafenstraße. Lauschen wir also Roland und freuen uns mit ihm:

Zweites Spiel und ich möchte nicht einen aus der Mannschaft hervorheben!
Wetter Top! 11.077 Zuschauer, Top! Spiel Top! Stimmung Top!
Ergebniss Top! FULLHOUSE
Aber eine Sache möchte ich doch ansprechen, dass dritte Tor zum 3 zu 0 von Pröger. Wenn ich jetzt sagen würde, bei mir ist die Milch eingeschossen, beschreibt es ungefähr das Gefühl. Lange, sehr lange hatte ich nicht mehr diese Emotion bei einem Spiel unserer Mannschaft. Danke an die „Westtribüne“ für den Fahnentag, immer ein Highlight für mich und Erinnerungen an „die Westkurve“ kommen immer sofort hoch. Danke an die Mannschaft und allen sonst noch Beteiligten.
IHR HABT MIR EINEN WUNDERSCHÖNEN SONNTAG BEREITET.

Ich hätte ja nie und nimmer mit über 11.000 Zuschauern gerechnet. Umso mehr hat es mich gefreut, dazu selbst mit Frau und Töchtern beitragen zu können. Sie haben nun den Status von Glücksbringern und müssen so oft es geht wiederkommen. Schon weit vor dem Spiel hatte ich mich aber zuallererst auf den aufgerufenen Fahnentag gefreut, denn ich mag es sehr, wenn vor dem Spiel die Fahnen wehen. Je mehr, desto besser.  Eine Reminiszenz an vergangene Zeiten. Allgemein war trotz der unglücklichen Niederlage in Rödinghausen mehr Vorfreude rund um das eckige (Stadion) zu spüren. Für viele begann sie also erst heute, die neue Saison 2018/19.

Und sie begann so schnell, so dass Walter Ruege nicht ansatzweise die Chance hatte, vom Rasen pünktlich zurück in die Sprecherkabine zu kommen. Während der Walter also noch die Stufen hochjagte, musste der Michael aka „Stadion DJ“ improvisieren und den Torschützen verkünden. Irgendwie sinnbildlich für den heutigen Auftritt des RWE: Es war immer einer da, der zur Stelle war, wenn es darauf ankam. Egal ob auf oder neben dem Platz. Und so bot auch die Westtribüne heute eine mehr als geschlossene Unterstützung. Sie war Rot-Weiss; es gab Geburtstage zu feiern und sie war laut. Abzüge in der B-Note würde ich vielleicht nur in der Häufigkeit der „Uhrensöhne“ Gesänge geben. Aber, wir sind hier letztendlich nicht bei „Let’s Dance“, sondern an der Hafenstraße.

Der „Ex Essener SV“ wusste bisweilen gar nicht, wie ihm und seinem vielköpfigen Anhang geschah, denn unser RWE ging weiterhin so zielstrebig und vor allem so schnell zu Werke, so dass die weiteren Tore bis zum 4:0 Pausenstand fast logische Konsequenz waren. Und es hätten  durchaus noch ein oder zwei mehr Tore für die Guten sein können. Das Passspiel sicher, die Balleroberung absolut vorbildlich und nach hinten jederzeit alles im Blick. Man vermochte das alles gar nicht zu glauben. Das war doch nicht mehr unser RWE. Stehende Ovationen zur Halbzeit. Man lebte für diesen Moment der Freude. Was war das schön, was tat das gut!

Das es jedoch unser aller RWE ist, und dass er uns immer wieder so einiges zumutet, erfährt man dann so nach und nach von Freunden und Bekannten im Stadion: Die einen waren sich (erst) nach dem 3:0 sicher. Viele jedoch erst nach dem 4:0. Und manch einer (unter anderem ich) gar erst nach dem 5:0. Viele jedoch zuckten unwillkürlich nach dem 1:5 zusammen, guckten reflexartig auf die Uhr und beteten den Abpfiff herbei. Es ist also noch ein weiter Weg dahin, eine Führung als solche auch genießen zu können. Aber es war heute ein so schöner Schritt in die richtige Richtung, so dass man es noch kaum zu glauben vermag, dass eine fünf Tore Führung verspielt werden kann.

Stellvertretend für die Leistung der ganzen Mannschaft steht für mich eine kleine Begebenheit am Rande des Spielfeldrandes mit Kai Pröger: Da rennt also der eh schon schnelle Pröger bei dreißig Grad und gefühltem Tempo 30 gefühlte 300 Meter rauf und runter, um auf den letzten Metern noch Luft dafür zu haben, dem Linienrichter lautstark und gefühlt dreißigmal seine Meinung kundzutun. Während seines Laufes! Ich wäre im Sauerstoffzelt gelandet. Auch bei so vielen anderen Spielern war eine wesentlich bessere Fitness zu beobachten. Das alles lässt doch hoffen. Wohlwissend, dass bei einer Niederlage kommenden Samstag beim Aufsteiger 1. FC Kaan-Marienborn alles wieder in die Tonne gekloppt werden kann.

Aber heute und morgen (und übermorgen vielleicht auch noch) genießen wir ein Spiel und eine Atmosphäre, wie sie uns aktuell nicht mehr allzu oft zuteil wird. Es war ein wunderschöner Nachmittag an der Hafenstraße. Es war ein wunderbares Spiel unserer Roten. Es war dieses eine Spiel. Danke dafür.

Was weiterhin auffiel war, das nicht nur die Rude Fans ihren 10., sondern die „Crazy Boys“ gar ihren 40. Geburtstag feiern durften. Meine Güte, vierzig Jahre RWE als Fan Club…das ist schon Crazy! Ihr seit doch bekloppt. Herzlichen Glückwunsch.

So, und wie verbleiben wir jetzt nach diesem Spiel? Ich würde sagen: Optimistisch. Wir sehen uns in Siegen.

Was ein schöner Tag. Nur der RWE!

 

Die Hitze der Nacht.

Ich weiss gerade gar nicht, warum ich so fröhlich gestimmt bin: Es fehlt an Regen und es fehlt an Miteinander. So im Umgang. Alles viel zu erhitzt. Chefredakteure jeglicher Couleur drehen in den sozialen Medien am Rad; wollen mit aller Macht ihre Meinung  durchpeitschen. Ein Land stöhnt in der Hitze unter sozialer Kälte und bekommt die Klimaanlage diesbezüglich irgendwie nicht mehr auf Normaltemperatur geregelt. Und doch pfeife ich ganz ungewohnt vor Saisonbeginn gar fröhlich vor mich hin. Nicht, dass mich das Große und Ganze nicht bewegt, verärgert und einfach nur noch nervt. Aber, ich breche es einfach mal herunter auf Fußball und auf Rot-Weiss Essen. Das ist wenigstens meine konstante Größe, an der ich mich abarbeiten kann.

Und was soll ich sagen: Ich war lange Jahre nicht mehr so voller Vorfreude. Vielleicht auch nur Folge des Entsetzens über das aktuelle Hauen und Stechen auf höherer Ebene. Führt es einen doch noch viel mehr zu seinem Verein und möchte diesen in den Arm nehmen. Und von ihm in den Arm genommen werden. Scheinbar passiert unbewusst aktuell genau das: Aufbruchstimmung an der Hafenstraße. Die Ruhrpottbanausen im Schlabberlook auf dem Weg nach Rödinghausen. Der Stimmungsboykott somit Geschichte; Stimmung kann nun wieder Geschichten schreiben. Leider ist dieser Gatterverschlag in Rödinghausen nicht wirklich dazu geeignet. Ein „Fanblock“, der jegliche Fanrechte mit Füßen tritt und homogene Stimmung bereits im Keime zu ersticken vermag. Aber, wir können uns die Stadien der Ligagegner nicht aussuchen und sehen wir auch dieses positiv: Ab dem zweiten Spieltag gestalten sich die Bedingungen bisweilen auswärts etwas besser.

Jetzt weiss ich aber immer noch nicht, warum dieser Optimismus andauernd aufkeimt und eigentlich am liebsten wieder verdrängt werden möchte. So viel hat sich ja nun auch wieder nicht verändert; was auch gut so ist. Aber, vielleicht ist es einfach mal wieder Zeit für diese eine geile Saison, die man als Mannschaft nur alle zehn Jahre spielt. In welcher alles passt. Und wer hätte diese eine Saison nicht mehr verdient als wir? Wir, die wir von so vielen höherklassig gewünscht werden. Außer, wir kommen dann wirklich zu Besuch. Danach will man uns dann doch nicht mehr. Nur weil wir Schmuddelkinder sind. Ach, wir sind so vieles. Aber zuallererst sind wir Rot-Weiss Essen. Und wir versuchen es einmal mehr. Vielleicht aber diesmal gegen den bundesweiten Trend: Wir versuchen es Miteinander. Gegeneinander hatten wir schon zu oft.

Samstag also Auswärts in Rödinghausen. Und das Angebot des dortigen SVR, die Wasserpreise erheblich zu senken, sollte man dankbar annehmen. Wasser für einen Euro! Eine schöne Aktion wie ich finde. So könnte man auch gut in das Spiel hineinfinden: Ein Stauder im Bus, ein Wasser hinterm Zaun, ein Stauder zur Halbzeit, ein Wasser hinterm Zaun usw…. Listen and repeat. Die Mannschaft des SV Rödinghausen wurde auch schon mal höher eingeschätzt, als es zu dieser Saison der Fall ist. Die örtlichen Küchenbauer investieren zwar weiter fleißig in den Verein, ohne aber in viktorianische Gefilde vorzustoßen. Das macht die Sache für das Spiel am Samstag natürlich nicht einfacher. Zwiebelpokalsieger wird man auch nicht einfach so; also muss sich unser RWE gehörig anstrengen und immer auch die Sonne im Blick haben. Denn am Ende entscheiden bei Tropenkicks möglicherweise eher die Kräfte anstatt die Qualität.

Wie dem auch sei: Wir werden gewinnen. Ich weiss das. Und auch gegen Wuppertal werden wir gewinnen. Und wir werden dort endlich mal wieder eine Hafenstraße erleben, wie sie im Buche steht.

Nur der RWE.  Auf eine tolle Saison. Auf ein gutes Miteinander.

Ode an den Optimismus.

Es war das fünfte Testspiel vor der bald beginnenden Saison 2018/19: Auf neutralem Boden irgendwo im nirgendwo wurde gegen die Sportvereinigung 07 Elversberg mit 0:1 verloren. Zuvor gab es ein torloses Remis gegen Kölner Südstädter; eine 0:1 Niederlage gegen den TuS Jeddeloh im Trainingslager und ein anschließendes Torfestival gegen die Helene. TuS nicht Fischer. Auch die Lackschuhe konnten mit mehr Toren bezwungen werden, als es dieser Kumpel und Dingsbumsverein gestern zu tun vermochte. Unter dem Strich also viele Tore gegen unterklassigere Vereine, während die Spiele gegen Teams auf gleicher oder höherer Ebene durchgehend torlos gestaltet wurden. Bei zwei Gegentoren.

Für manch Freunde der Kommentarspalten waren diese Ergebnisse schon wieder Anlass genug, um wütend auf die Tastatur oder in das Handy zu hacken, dass das doch wieder nichts werden wird. Die nächste arme (Spieler-)Sau, die durch das mediale Dorf getrieben werden könnte, ward auch schon gefunden. Was haben auch Vater und Sohn zusammen in und rund um eine Mannschaft verloren? Es war jetzt nicht der große Sturm der Entrüstung, welcher sonst nach Niederlagen über das Social Media Team und auf die Spieler unseres Vereins hereinprasselt, aber es war doch ein Signal: Es geht heutzutage leider nicht mehr ohne negatives Denken und Handeln. Manch einer erwartet eine andauernde Siegesserie mit mindestens 1907 Toren Unterschied und findet trotzdem noch etwas zu motzen, sollte es eines Tages tatsächlich dazu kommen.

Das Problem: Wie geschrieben: Diese andauernde negative Denke! Diese perfide Lust darin, bei Nichtgefallen sofort und ohne Rücksicht auf Wortwahl und Respekt vor Spielern und Verein verbal draufzuhauen.

Dumm nur, dass dieses Problem ein neues Problem schafft: Es motiviert einfach nicht, andauernd bepöbelt zu werden. Sondern es schafft Barrieren. Im Kopf und im Miteinander. Hindert junge Sportler darin, besser zu werden und hindert den Pöbler als solchen daran, sich auch einmal mit Niederlagen abzufinden und trotzdem zum nächsten Spiel wieder optimistisch gestimmt an die Hafenstraße zu pilgern. Es muss doch auch unzufrieden machen, wenn man immer nur negativ geprägt in ein Stadion geht. Egal ob nun Essen oder Mailand. Hauptsache Madrid.

Wir machen das nun schon eine Dekade durch und der Trend geht ja leider immer weiter in Richtung soziale Eiseskälte. Wir sollten also damit aufhören.

Wir alle haben ein gemeinsames Ziel: Fans, Verantwortliche, Mannschaft, Mitarbeiter und Sponsoren. Wir alle wollen endlich wieder aufsteigen. Das geht aber nur, wie wir langsam aber sicher festgestellt haben dürfen, gemeinsam. Dazu bedarf es natürlich keinen lächerlichen DFB Hashtag, sondern es braucht nur eine Sache:

OPTIMISMUS!

Ja echt jetzt! In der Tat. Wir müssen endlich aufhören, negativ zu denken. Haben wir lange Jahre bis zum Exzess ausgiebig gemacht. Hat natürlich auch keinen Aufstieg eingebracht, sondern uns nur immer tiefer in die Abwärtsspirale reingeritten. „Alle gegen Alle „war schicker als ein positives Wort. Schuldige wurden gesucht und durch die Plattformen getrieben. Auch hier: Aufstieg Fehlanzeige. Natürlich sind gelegentliche Negativgedanken nicht verkehrt, schützen sie doch vor Enttäuschungen oder helfen dabei, einen „Plan B“ immer parat zu haben. Nur im Sport, da nützt es meines Erachtens nicht viel.

OPTIMISMUS: zuversichtliche, durch positive Erwartung bestimmte Haltung angesichts einer Sache, hinsichtlich der Zukunft

Was stimmt mich also nun zuversichtlich für die kommende Saison? Ich glaube zum einen, dass dieser lange Prozess der Spielerinflation nun langsam aber sicher abgeschlossen ist und ich glaube zum anderen, dass wir mit Karsten Neitzel einen guten Trainer bekommen haben, der in seiner Art sehr gut an die Hafenstraße passt. Vielleicht kann uns somit der „Agi-Quicki“ noch zum Vorteil gereichen, indem uns sein unerwarteter Abgang einen sehr guten Nachfolger beschert hat. Auch die Neuverpflichtungen wirken mit Sinn und Verstand ausgewählt und scheinen Lust auf die Hafenstraße zu haben. Im positiven Sinne natürlich.

Machen wir uns nichts vor: Die Sache wird für Rot-Weiss Essen nicht einen Millimeter einfacher, nur weil es endlich den direkten Aufsteiger geben wird. Im Normalfall werden wir den Platz an der Sonne nicht belegen. Wir kommen von Platz Zehn und sollten erst einmal kleine Brötchen backen. Schließlich hat der Viktorianische Gönner leider immer noch nicht die Lust an seinem Spielzeug verloren und will mit seinen wunderlichen Typen endlich den direkten Weg in Liga Drei schaffen. Scheissegal, ob dass in Köln weder Geißbock, Hai noch Fortune interessiert. Aber optimistisch betrachtet: Warum eigentlich mal nicht wieder ganz oben angreifen? Was spricht dagegen?

Wird dieser schäbige Gästeblock aka Verschlag in Rödinghausen ohne Niederlage verlassen und gelingt vielleicht die Revanche gegen die aus dem Tal: Das wäre nicht fatal. Könnte uns alle auf eine gemeinsame Reise mitnehmen und den Hauch von Euphorie versprühen.

Gut, dem gegenüber steht der Konjunktiv. Aber, ich denke es ist klar geworden, worum ich hier mit vielen Worten bitte: Lasst das pöbeln. Es bringt auch keinen Aufstieg. Hat es noch nie!

Einen Titel haben wir seit Samstag definitiv schon sicher: Werder in einer Halbzeit zu besiegen, das war natürlich ganz nett. Ohne wenn und aber sind wir jedoch direkt und ansatzlos Sieger des „Trikot Award am goldenen Kleiderbügel 2018“ geworden.

Was eine Hommage an den Verein, seine Farben und seine Lieder. Dieses Trikot verkörpert so viel von dem, was unseren RWE ausmacht. 

Das in diesem Trikot und seiner Gestaltung auch noch geistiges Input von Michael Welling steckt ist eine gute Sache, denn es bedeutet, dass es Vorgänger und Nachfolger zuallererst um den Verein ging und geht. Dass Gutes weiter umgesetzt wird und neue Wege beschritten werden.

Für den Verein.

Nur der Optimismus und nur der RWE!

Nur nach vorne gehen!

Ich weiss, man kann das heutige Datum ignorieren oder immer wieder erzählen. Da ich mir nicht schlüssig war, wie ich persönlich damit umgehe, mache ich einfach beides. Ich habe den Tag vor zehn Jahren einfach noch mal in Erinnerung gerufen, und nehme hier zugleich Abschied davon. Wer also auf diese Erinnerung keine Lust mehr hat, ignoriert den entsprechenden Artikel „Ballast der Republik“. Also wie sonst auch. Wer, wie ich ebenfalls davon überzeugt ist, dass dieser Tag kein Ballast, sondern immer noch Ansporn sein sollte, ihn wieder gut zu machen, der darf gerne noch einmal in Erinnerungen…(nicht schwelgen, dass klingt eher positiv besetzt)…leiden und dieses Kapitel aus dem Buch lesen.

Natürlich haben alle Recht, die in den letzten Wochen und Monaten immer wieder auf die negative Grundstimmung rund um unseren RWE hingewiesen haben. Es ist ja auch wirklich nicht mehr feierlich gewesen. Diese Häme, dieser ganze Mist. Wer mal etwas nettes über den Verein sagte, oder immer noch positiv dachte…, der wurde ja direkt als Knalltütenjongleur abgestempelt.

Darum können wir nur eines tun: Das sportliche Schmerzprotokoll der letzten Dekade löschen und gemeinsam nach vorne gehen. Den sportlichen „Boykott“ und den stimmungstechnischen Boykott auf den Rängen beenden. Das Glück erzwingen und diese eine Saison spielen, in der alles passt. Ich glaube sogar, und da wird dem Finanzvorstand jetzt mal der Blutdruck steigen, dass die verpasste Qualifikation für den alljährlichen DFB Pokal gar nicht so schlecht für uns ist. Manchmal wurde rund um das Spiel des Jahres der wesentlich wichtigere Ligaauftakt schlicht in den Sand gesetzt. Diese Pokaleuphorie fällt weg, der Fokus kann ganz auf die Liga gelegt werden. Wohlwissend, dass alle anderen Vereine auch wissen, dass der Meister endlich mal direkt aufsteigen wird.

Viktoria Wernze wird sich vielleicht schon sicher wähnen, diesen Platz zu ergattern, da ja der KFC Uerdingen aufgestiegen ist. Möglicherweise aufgestiegen ist, wie wir seit heute wissen. Mal gucken, was also alles noch so Wunderlich(es) in den nächsten Tagen und Wochen passieren wird. An der und rund um die Hafenstraße darf man sich hingegen einfach nicht mehr verrückt machen. In einer Relegation wären wir doch eh tragisch gescheitert, dass liegt in unseren Genen. „Meister müssen aufsteigen“, so unser aller berechtigte Forderung. Meister wird aber in unseren Kreisen dann doch noch nicht immer der mit der meisten Kohle. Meister wird der Verein, der es meisterlich versteht, seine Kräfte zu bündeln und alle gemeinsam mit auf einen erfolgreichen Weg nimmt. Ein Weg, an dessen Ende das Licht des Tunnels einer ganzen Dekade wartet.

Wir alle haben diesen einen Traum. Wir sollten ihn leben. Wann der Traum in Erfüllung geht, dass kann natürlich keiner vorhersagen. Aber eines ist klar: Dieser Traum geht nur gemeinsam in Erfüllung. Also: Schmerzprotokoll und schlechte Stimmung löschen. Hoffnung und Leidenschaft leben.

Nur der RWE!

Ballast der Republik.

Weil es auch nach der Stunde Null weiterging.

„Wenn ich schon da gewusst hätte, bald zu sterben; ich hätte mich nach Abpfiff von der Tribüne gestürzt“ Diese tragischen Worte erreichten mich einige Wochen nach dem Lübeck Spiel. Mein Freund Peter hatte gerade erfahren, unheilbar an Krebs erkrankt zu sein. Während er diese Worte relativ gelassen in unserer Küche sprach, um direkt wieder auf sein Lieblingsthema Rot-Weiss Essen zu kommen, zog es mir den Boden unter den Füßen weg. Um dann zu reagieren, wie ich es einige Wochen zuvor nicht konnte: „Laber nicht, wir kriegen das hin“.

Eine blödere Reaktion gibt es wohl kaum auf solche tragischen Worte, aber ich meinte tatsächlich ihn. Den RWE konnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht mehr meinen. Was also war passiert? Was meinen wir heute mit dem „Lübeck Spiel“? Es war schwülwarm diesem Samstag, den 31. Mai 2008. Eine Woche zuvor hatte der RWE in Magdeburg gewonnen. Unerwartet, zudem von Tausenden Fans ohne Unterlass unterstützt. Die Qualifikation für das neue Baby des DFB namens Dritte Bundesliga war wieder möglich, der zweite Abstieg hintereinander schien noch vermeidbar. Ein lächerlicher Punkt, es musste nun nur noch ein lächerlicher Punkt her, dazu noch gegen den schon abgestiegenen VfB Lübeck. „Läuft“, so der Tenor rund um die Hafenstraße.

Gronau, Westfalen: Nach dem Frühdienst, diesmal zu zweit, wurden wir direkt von Peter aufgegabelt, der seinerseits bei der Arbeit hat alles stehen und liegen gelassen, nur um schnell an die Hafenstraße zu gelangen. Die gemeinsamen Fahrten gestalteten sich meistens so, dass Peter immer ziemlich viel loswerden musste und erst kurz vor Bottrop fragte: „Und, bei Dir/ Euch?“ Das Thema Karten blieb zumeist außen vor. Hatten wir diese meistens schon im Vorfeld organisiert und ausverkauft war auch schon lange nicht mehr. Der die Karten zahlt, zahlt keinen Sprit und umgekehrt.

Es kam nun kurz hinter Bottrop zu einem weiteren, fast schon legendären Dialog: „Hast Du die Karten?“ „Nein, Du?“ „Oh, dann haben wir ein Problem, ich auch nicht“ „Ja, ich glaube das haben wir“. Schuldzuweisungen waren jetzt fehl am Platz, der Weg war das Ziel, es sollte schließlich voll werden im Georg- Melches Stadion. Spätestens zu erkennen daran, wie viele Fahrzeuge schon auf der geheimen und natürlich allen bekannten Parkmöglichkeit „Welkerhude“ abgestellt wurden. Viele, es waren viele! Das anschließende Anstehen in der Mittagssonne vermittelte ein Gefühl, wie es sich im sogenannten Glutofen anfühlen könnte.

Zu zweit standen nun mein anderer Freund und ich an jeweils einem anderen Kassenhäuschen an, während Peter auf dem Vorplatz der Osttribüne wie ein Tiger im Käfig hin und herlief; uns via Handy zu koordinieren versuchte. Endlich, nach gefühlten, ebenfalls endlos dauernden Minuten wurden noch Karten an eines der Kassenhäuschen geliefert. Der RWE Countdown näherte sich dem Ende. Bereit, dem nahenden Anpfiff Platz zu machen. Die Luft surrte; alles und alle war und waren zum Zerreissen angespannt. Eine unwirkliche Atmosphäre hier und heute, ein Gemisch aus Anspannung, Schweiss und Alkohol auf den Tribünen. Die Lockerheit und der Optimismus nach Magdeburg hat es nicht unter die Hitzeglocke Georg-Melches Stadion geschafft.

Geschafft aber hatten wir wenigstens das Existenzielle an diesem Tag: Dreimal Stehplatz „Nord“. Das diese schon prall gefüllt war, als wir endlich in unser Wohnzimmer konnten, dürfte klar sein. Zum einen lief das Spiel schon und zum anderen waren 18.027 Fans im GMS zugegen. Der RWE begann eigentlich recht furios und rannte immer wieder an, darum nicht! Aber, rückblickend betrachtet wussten wir schon nach einigen Minuten im Stadion: Das Ding hier und heute, das geht in die Hose.

Inwieweit vertragliche Gründe einiger Spieler dazu beitrugen, im Kopf und Trikot schon bald woanders aufzulaufen, vermag ich nicht zu beweisen. Aber die Spielerwechsel nach dem Super GAU Abstieg sprachen allesamt für sich. Der Klassenerhalt und somit eine weitere Saison an der Hafenstraße war von einigen Helden in Stutzen nicht erwünscht. Je länger das Spiel andauerte, umso klarer wurde das allen die es nicht mit den Gästen von der Lohmühle hielten. Und das waren prinzipiell fast alle im Stadion. Schon ein Jahr zuvor bettelte der RWE im letzten Heimspiel der Saison (Wacker Burghausen, 1:1), förmlich um das Gegentor. Und doch war seinerzeit fast alles anders. Wurde in der zweiten Halbzeit gegen Wacker auch zu tief gestanden, anstatt mutig offensiv zu agieren, stimmte trotzdem der Kampf; die Leidenschaft. Für den Verein und den Klassenerhalt.

Das gab es an diesem Samstag nicht. Die locker aufspielenden Lübecker hatten ja nichts mehr zu verlieren und fanden somit immer mehr in das Spiel hinein, kontrollierten es, bekamen Chancen. Hatten Spaß. Es war die 88. Spielminute; die tausende von Fans trotz der Hitze eiskalt erwischte: Der VfB Lübeck ging mit 1:0 in Führung. Das Ende ist bekannt, kein Ausgleich mehr. Abstieg! Die Sicherungen brannten nun gleich reihenweise durch. Die Kombination aus Trauer, Wut, Alkohol und Temperatur liess Zäune überwinden. Sinnlose Jagdszenen auf dem Rasen. Es dauerte lange Minuten, bis die Polizei die Situation unter Kontrolle hatte. Fassungslos diejenigen, die auf den Tribünen stehen und mit ihrem Abstiegsschicksal alleine gelassen wurden.

Gestandene Männer lagen sich in den Armen, weinten hemmungslos. Suchten Trost bei ihren Frauen. Leere Blicke. Wüste Beschimpfungen. Nichts und niemand konnte in diesen Stunden nach Abpfiff an der Hafenstraße Trost spenden. Die Fans litten, während der Söldner seinen Spind räumte und klammheimlich von dannen fuhr. Richtung nächster Verein. Wir waren zu apathisch, das Stadion zu verlassen. Erst als wir dazu aufgefordert wurden, verliessen wir die „Nord“, über die teilweise verwüstete „Ost“ Richtung Stadionkneipe. Umgeknickte Zäune, Reste der Choreographie, auch hier weinende Fans. Wer noch eine Woche zuvor in Magdeburg war, der wusste schlicht nicht, wie ihm hier und heute geschah. Viertklassig, und das bis zum heutigen Tage.

Die Stadionkneipe übrigens, integriert in die wohl schönste Haupttribüne der Republik, war von außen nicht zu erreichen, ohne an Helmut Rahn vorbeizukommen. Seine Statue zeugte von besseren Tagen. Und von einem Menschen, dem ich mich sehr verbunden fühle. Warum auch immer. Er gab uns jedenfalls einen Moment der Ruhe und Zeit für ein Foto. Betrachte ich es heute, sehe ich Peter, Helmut und mich. Eine Statue, zwei Fans mit traurigen Blicken; unwissend, dass in einem von ihnen schon der Krebs wütet. Die Stadionkneipe, dieser rauchgeschwängerte VIP Raum des kleinen Mannes, war an diesem Tag natürlich auch nicht dazu angetan, die Stimmung aufzuhellen. Zudem trauerten Mitglieder der „Crazy Boys“ noch um einen der ihren. Es war einfach alles nur noch zum heulen.

Fußball kann so weh tun, lebt man ihn als Fan. Fußball kann aber auch so schön sein, ist man selbst in tiefster Enttäuschung doch niemals alleine. Die Hundertdreißig Kilometer Heimfahrt lassen natürlich immer viele Emotionen zu, doch kann ich mich daran erinnern, dass es eine ungewöhnlich ruhige Heimfahrt war. Zuhause angekommen, bat mich Peter noch auf ein „Terrassenbier“ bleiben zu dürfen. Er konnte so einfach nicht weiter nach Hause. Wollte gar in den Arm genommen werden. Ein Mann, der auch schon manch dritte Halbzeit erlebt hat. Dieser Tag war einfach zu viel für den Fan, der es mit Rot-Weiss Essen hielt. Es war die Stunde Null. Aber es ging trotzdem weiter. Leider nur für den RWE. Einige Wochen später bekam Peter seine Diagnose: Speiseröhrenkrebs. Unheilbar. Aber zu Beginn der neuen Saison waren wir trotzdem wieder im Stadion. Es war seine letzte Saison.

Take It Easy!

Ein kluger Kopf sagte vor nicht allzu langer Zeit in gemütlicher Atmosphäre zu mir, dass unserem RWE und seinem Umfeld komplett das positive Denken abhanden gekommen sei. Der Optimismus mehr in Trümmern als noch vor einiger Zeit unser seliges Georg-Melches Stadion. Egal was da komme und wolle: Alles doof!

Na ja, die letzte Dekade gibt ja sportlich auch nicht wirklich Anlass dazu, Konfetti und gute Laune zu verbreiten. Im aktuellen Fußballgeschehen halte ich es persönlich natürlich für eine unglaubliche Leistung, dass unser aller Verein auf Eigenkapitalbasis agieren kann und der chronischen Verschuldung ade gesagt hat. Das finden sicher auch die Spieler toll, deren Gehalt so gesichert war und ist. Dummerweise kamen sie ihrem Auftrag jedoch nicht in gleichem Maße nach und verwalteten unseren Verein weiterhin zuverlässig in der Regionalliga West. Die Sorgen gingen tabellarisch eher nach unten, denn euphorisch nach oben. Den Sorgen folgte die schlechte Stimmung und so ging alles den Bach hinunter.

Letztendlich haben wir es aber auch in dieser Saison mal wieder geschafft, die vierte Klasse zu halten und parallel erneut in das hiesige Pokalendspiel einzuziehen. Alles wie immer also. Und doch ist auch hier in Nuancen einiges anders als in den Vorjahren. Dieses aber nur am Rande. Am Rande hat sich übrigens auch die Option ergeben, die letzte Dekade unseres Vereins in Nuancen über eine unwesentlich erfolgreichere Band abzuwickeln:  Die Eagles haben, so glaube ich, nicht wirklich Lieder über Liebe und den ganzen anderen Kram gesungen, über den man so singt. Das ganze ist viel spektakulärer: Sie haben schon damals Lieder über Rot-Weiss Essen geschrieben. Glaubt Ihr nicht? Dann lest selbst:

Wasted Time

Wasted Time ist natürlich ein ziemlich harter Einstieg in diese musikalische Mutmaßung, bedeutet es doch übersetzt „verschwendete Zeit“. Denjenigen RWE Fans unter uns, die lediglich die erste Liga als Lebensraum für unseren Verein zulassen, mag es natürlich ein willkommener Opener sein. Zuallererst haben die Eagles diesen Song jedoch für all diejenigen unter uns geschrieben, die nach zehn Jahren Regionalliga zermürbt den rot-weissen Schal an den berühmten Nagel gehängt haben. Don Henley erklärte in einem Interview zu diesem Song, dass er nicht die Treue der RWE Fans in Frage stellen wollte, aber doch  festgestellt hat, dass diese Dekade alle an der Hafenstraße zermürbt hat, so dass es für manch einen verschwendet Zeit darstellt. Künstler und ihre Sicht auf die Dinge halt.

One Of These Nights

Es war der 29. Juli 2011. Glenn Frey war auf Promotion Tour in Essen und kam nur durch Zufall an eine Karte für das Erstrundenspiel des RWE im DFB Pokal gegen die Eisernen aus Berlin-Köpenick. Zunächst durchaus verwundert darüber, warum ein Fußballspiel in einem halb verfallenem Stadion stattfindet, zeigte sich der in Detroit, Michigan geborene Musiker von Minute zu Minute mehr begeistert über das, was er da auf dem grünen Rasen geboten bekam. Aus Essener Sicht natürlich. Es war ein Freitag für die Geschichtsbücher. Gerade noch Insolvent und in die fünfte Liga versenkt, tauchte der Deutsche Meister von 1955 wieder als Meister auf. Einige Etagen tiefer halt, aber mit einem Schwung, der einfach zu begeistern wusste. All das entlud sich an diesem Abend im altehrwürdigen Georg-Melches Stadion. Das war definitiv einer dieser Nächte. Zu schade, dass sie nicht konserviert werden konnte. Wenigstens konnte Glenn Frey seinen Bandkumpels davon erzählen und dieses Lied darüber schreiben.

Already Gone 

Gerade noch euphorisiert durch ein Pokalspiel verfolgte Glenn Frey die Geschicke des RWE auch in den fernen Staaten weiter. Hoffte Jahr für Jahr auf eine sportliche Erfolgsmeldung, sah Spieler und Trainer kommen und gehen. Manchmal so schnell, so dass man auch als treuester der Treuen den Überblick verlieren konnte. Spieler und Trainer kamen und gingen, die vierte Liga blieb. Glenn Frey griff in die Tasten und schrieb sich somit musikalisch von der Seele, dass der Profifußball für den einstmals so stolzen Verein Rot-Weiss Essen bereits gegangen sein könnte. In Anbetracht dieser langen Zeit in der Fußballunterschicht liegt der Verdacht natürlich nahe. Aber, die Hoffnung…..

Love Will Keep Us Alive

Seufzend legte Ursula Kasuppke die Montagsausgabe der Tageszeitung beiseite und nahm einen großen Schluck Kaffee aus dem Kaffeepott. Rot-Weiss Essen hatte verloren. In irgend so einem relativ unbekannten Dorf mal wieder. Ihr längst verstorbener Mann Willi würde sich im Grabe umdrehen, dachte Ursula so bei sich und überlegte schon, was sie ihrem Willi denn sagen könnte, um die Niederlage so gut wie möglich zu verkaufen. Andererseits kann sich Willi ja auch nicht mehr groß darüber aufregen, sinnierte sie bei einem weiteren Schluck Kaffee und einem tiefen Zug aus der Zigarette, schließlich ist Willi ja tot. So hatte sie aktuell nicht nur ganz alleine die Sorgen um den geliebten RWE auf ihren mittlerweile schmalen Schultern zu tragen, sondern musste sich zudem ständig ausdenken, wie sie ihrem Willi im montäglichen Zwiegespräch auf dem Margareten Friedhof das Wochenendspiel schönreden konnte. Im Falle einer Niederlage natürlich. Denn wenn ihre Jungs das Spiel gewinnen konnten, da sprudelte es nur so aus ihr heraus. Manchmal kam es ihr dann auch so vor, als könnte sie spüren, wie Willi mit ihr leidet oder sich freut.

An diesem Punkt hielt Ursula stets kurz inne, denn manchmal ist es nach so vielen Jahren nicht mehr wirklich leicht, sich daran zu erinnern ob erst die Liebe zu Willi oder zu RWE ihr Leben bestimmte. Oder ergab das eine dann auf einmal auch das andere? Wenigstens, so sinnierte Ursula weiter, wenigstens lebt der Verein immer weiter. Wie gerne würde sie noch einmal Hand in Hand mit Willi die Hafenstraße Richtung Stadion hinaufgehen. Wie viele ältere und ganz alte Fans gibt es wohl, die nicht mehr in das Stadion gehen, weil es den Partner nicht mehr gibt. Oder weil es alles zu aufregend geworden ist oder manchmal auch nicht nicht mehr schön wegen der vielen Polizei und der Knallerei. Sie wusste darauf keine Antwort. Und eigentlich kannte sie „ihre Jungs“ ja auch schon lange nicht mehr beim Namen, so oft wie die Spieler kamen und gingen. So reicht ihr mittlerweile das Endergebnis und der Spielbericht. Den Rest konnte sie sich aus so vielen Jahren und Spielen an der Hafenstraße denken. Willi bekam das Spiel auf jeden Fall immer mit Leidenschaft nacherzählt. 

Ursula und Willi Kasuppke….diesem Paar konnten sich die Eagles einfach nicht entziehen und widmeten ihnen somit diesen Song.

After The Thrill Is Gone

Was hat Glenn Frey nicht alles versucht, um seinen alten Kumpel und Bandkollegen Don Henley zu einem Besuch an der Hafenstraße zu bewegen.  Der Stimmung wegen und so. Der Henley Don lässt sich also überreden und kommt im Frühjahr 2018 das erste Mal an die Hafenstraße zu einem Spiel von Rot-Weiss Essen. Und was iss? Nix iss! Lösungen werden gesucht, die Mannschaft kickt für sich und ein Großteil der Fans verweigert bisweilen und bis auf weiteres die eigene Unterstützung. Leicht irritiert greift Don Henley zum Notenblock und skizziert einen Song, in welchem es darum geht, dass die ganz große Euphorie, der sogenannte „Thrill“, um den RWE aktuell mehr als vorbei ist. Man schleppt sich so durch. Recht hat er. Und doch würde ich persönlich ihm nun sagen wollen, dass diese Phase vielleicht mal Not tat und helfen konnte, die Negativspirale zu durchbrechen. Manchmal hilft eine Auszeit beiden Parteien auf Mannschaft/Fan Ebene. Eines sei der Mannschaft aber versichert: Das Einstellen sämtlicher Aktivitäten bedeutet nicht das Ende der Vereinsliebe. Es ging halt bei einigen aktuell nicht mehr und das ist zu respektieren. Diesbezüglich jedoch ist das kommende Pokalfinale natürlich von Interesse: Gilt hier die Ausnahme der Regel oder wird weiter konsequent nach Lösungen gesucht?

The Long Run

Natürlich haben die Eagles nicht einen Gedanken, beziehungsweise eine Note an unseren RWE verschwendet und ist alles in diesem Beitrag auf sie bezogen fiktiv. Und doch kommen sie in ihren Songs dem RWE ziemlich nahe: „Good Day In Hell“, „Take It To The Limit“, „The Sad Cafe“. „The Best Of My Love“, „How Long“ oder gerade auch „Life In The Fast Lane“…. alles Titel, die so oder so ähnlich wirklich auf den RWE hätten geschneidert werden können.  Und somit ist natürlich hier und heute alles nur fiktiv aufgeschrieben; zudem würde ich dem RWE nur annähernd eine ähnliche Virtuosität am Ball wünschen wie den Musikern der Eagles an ihren Instrumenten.

Glenn Frey verstarb am 18. Januar 2016 in New York.

Take It Easy, RWE!

 

Nichts genaues weiss man nicht.

Allein die Fakten weisen uns mal wieder den Weg. Wie schon immer. Fakt heute: Der Trainer Giannikis hat sich anderweitig entschieden; die schnelle Sehnsucht nach was Besseres war kurzfristig größer als eine langfristige Beziehung mit dem Besten. Im Nachhinein habe ich kurz mit dem letzten Beitrag gehadert, da möglicherweise ein wenig Richtung sozialromantischer „Vollhorst“ geschrieben. Aber es blieb bei kurz, denn rein faktisch (sportlich) hat es gepasst und außerdem konnte Herr Giannikis so auch noch einmal schwarz auf weiß nachlesen, um welchen Verein es sich überhaupt bei Rot-Weiss Essen handelt und was uns sportlicher Erfolg bedeuten würde. Vielleicht wusste er das nicht.

Wie sich nun alles ganz genau abgespielt hat; wir werden es nie erfahren! Und wenn doch, dann wie immer im Fußball natürlich von allen Beteiligten zu eigenen Gunsten geschildert. Es ist aber auch nicht mehr wichtig, da ein Fakt geschaffen wurde. Doch jetzt bedarf es es einen weiteren, entscheidenden Fakt, denn auch der RWE möchte ja den nächsten Schritt gehen und nicht nur der scheidende Trainer: Es wäre am besten für alle, wenn sich die Wege zu sofort trennen. Zu viel steht für den RWE in der kommenden Saison auf dem Spiel, als das Restsaison und Planung 18/19 (die in Anbetracht der Tabellensituation auch schon eine Vorbereitung auf die kommende sein wird) in die Hände des scheidenden Trainers gelegt wird, der zeitgleich schon für seinen neuen Arbeitgeber plant, planen muss. 50% für Arbeitgeber und 50% für zukünftigen Arbeitgeber sind unter dem Strich 100% Mist. Fakt!

Zudem würde man damit auch jener Gefahr aus dem Wege gehen, dass unsere gerade wieder gestärkten Spieler (Ja, unbenommen ein Verdienst von Herrn Giannikis) wieder verkrampfen, droht dem Trainer nun bei jedem Spiel von den Rängen ein Spießrutenlaufen; geraten wir in Rückstand oder verlieren dieses sogar. Wir sind schließlich nicht die sensibelsten und fairsten im Umgang mit denen, die uns enttäuschen. Fakt also hier: Atmosphärische Störungen lassen sich kaum vermeiden, belasten die Mannschaft, schaden somit einmal mehr dem Verein! Vielleicht hat der VfR Aalen ja den Arsch in der Hose und löst seinen zukünftigen Trainer aus, so dass unserem RWE keine weiteren Kosten entstehen.

(Wer seine Partnerin für eine neue verlässt, kann ja auch nicht erwarten, noch Monate bis zur endgültigen Trennung bei der zukünftigen Ex zu wohnen und von ihr versorgt zu werden. Schon gar nicht, hat man sich heimlich schon mit der Neuen getroffen. Gut, bewusst weit hergeholt, denn schließlich gibt es noch einen gültigen Vertrag zwischen RWE und Herrn Giannikis, den alle Seiten zu beachten haben. Und wie wir ja alle wissen: Verträge im Fußball sind NATÜRLICH von hoher moralischer Instanz und werden NATÜRLICH immer eingehalten…)

All diese Fakten haben nun unter dem Strich ein Ergebnis gebracht, welches wir eigentlich für längere Zeit nicht mehr in Verbindung mit unserem harmonischen Kuschelverein lesen wollten: Rot-Weiss Essen ist einmal mehr auf der Suche nach einem neuen Trainer. Und wie immer bleibt gefühlt nur dieser eine Schuss, der sitzen muss. Außerdem wird die Suche von Mal zu Mal ja nicht leichter und kommt auch kein Übungsleiter mehr der Tradition wegen zu uns. Oder der längst vergangenen Erfolge. Lotte und Aalen können mehr bezahlen. Köln und Rödinghausen, auch für die lässt man uns gerne sausen. Dafür sorgt schon der jeweilige Gönner.

Die Gerüchteküche brodelt mittlerweile direkt bekannt gut, viele Namen wurden schon in den Topf geworfen. Viele mischen mit, manche bringen sich sicher selbst noch ins Spiel. Rot-Weiss Essen schließlich immer auch ein Fegefeuer der Eitelkeiten. Manchmal auch das eher hinderlich als zielführend.

Zielführend sollte nun jedoch die Suche angegangen werden. Hilfeich wäre jetzt ein wahrer Netzwerker, der diesen einen Kontakt hat, der von einem weiss, der einen modernen Fußball spielen lässt. Überhaupt Fußball spielen lässt. Der nicht vom nächsten Schritt in seiner Trainerkarriere faselt, sondern froh ist, die Chance RWE zu bekommen. Zudem sollte er frei sein von unzüchtigen Gedanken und zweideutigen Angeboten anderer (Vereinen) eine eindeutige Absage erteilen können.

Es wird also gesucht: Ein für den Job dankbarer Moralapostel, der den Giannikis Stil aufnimmt und zur Vollendung weiterentwickelt. Ein junger, moderner Trainer, der sukzessive neue Spieler verpflichtet, die ihrerseits allesamt einschlagen und Aufstieg können. Ein Trainer, der ein Training entwickelt, bei dem sich keiner mehr verletzen wird und dem Teambuilding wichtiger ist als seine eigene Beziehung. Ein Trainer, der auf Ausstiegsklausel und teures Gehalt verzichtet und am liebsten seinen Feierabend im Hafenstübchen verbringt um die Rot-Weisse Seele kennenzulernen.

Jemand eine Idee?

Sein oder Nichtsein

Lieber Herr Giannikis,

es ist weit nach Mitternacht und ebenso weit entfernt von Essen sitze ich in meinem RWE Hoodie hier in Nordhorn und versuche irgendwie noch in Worte zu fassen, was Sie zu einem Bleiben an der Hafenstraße bewegen könnte.

Das ist grundsätzlich natürlich sehr anmaßend von mir, zeigt aber letztendlich nur meine Wertschätzung Ihnen und Ihrer Arbeit gegenüber, die Sie sich unbekannterweise in kurzer Zeit erworben haben.

Und das, ohne unser aller RWE direkt zum Überflieger zu machen und jeden Gegner unter Ihrer Leitung mit 5:0 aus dem Stadion zu schießen.

Nein, das ist es nicht, denn wir stehen weiter auf Platz zehn und der Aufstieg wird auch im zehnten Jahr nicht gelingen. Dieser so ersehnte Aufstieg. Dieses kleine (und doch so große) Stück vom Glück für jeden Fan von Rot-Weiss Essen, welches für uns doch nichts anderes als die größte Erfüllung seit der Erfindung von Stauder bedeuten würde.

Nein, der Wunsch, dass Sie der Hafenstraße eine weitere Zusage geben, anstatt Richtung unbekannt Aalen abzuwandern fusst auf dem feinen Gespür der Fußballfans. Wir haben nicht wirklich immer die fachliche Kompetenz eines Trainers, auch wenn wir es natürlich immer und sofort besser als der jeweilige Trainer wissen. Aber wir können direkt nach Anpfiff ein Spiel lesen. Wissen sofort, wohin die neunzig Minuten führen werden.

Und dieses feine Gespür des Fans hat uns gezeigt, dass Sie die Mannschaft erreicht haben. Unsere Mannschaft, die unser geliebtes Emblem auf der Brust trägt. Unseren Verein verkörpert. Unsere Sehnsucht nach was Besserem. Das Gespür besagte weiterhin, dass dort nun ein angenehm zurückhaltender, akribischer Arbeiter an der Seitenlinie das Sagen hat, der  irgendwie passen könnte, irgendwie passt. Genauer kann dieses Gespür meinerseits nicht erklärt werden, aber es war anders als bei Ihren letzten drei Vorgängern. Und, ganz wichtig: Die Spieler spielen anders als bei Ihren Vorgängern. Nämlich die individuellen Stärken aus. Zudem hat die Verbindung „Trainer – Arbeiter“ hier allein schon so einiges bewegt in den Köpfen der Fans. Denn wir kommen von der Maloche und wollen Maloche sehen. Und wenn der Vorarbeiter noch mehr malocht, dann hat er an der Hafenstraße schon mal gute Karten.

Ich habe auch gar nicht damit gerechnet, dass Sie schon im Fokus anderer Vereine stehen. Das war dumm von mir, sollte ich doch den modernen Fußball so langsam verstanden haben, auch wenn ich mich weiterhin zur Gattung Fußballromantiker zählen darf. Von daher habe ich an Ihre Vertragslaufzeit gar keinen weiteren Gedanken verschwendet, sondern dachte, dass das schon fix ist mit einer weiteren Bindung an unser aller RWE.

Bin also etwas sprachlos gewesen, als ich als ich die diversen Meldungen las und setzte folgenden Tweet ab:

Es soll nicht despektierlich gegenüber dem Verein VfR Aalen klingen, schließlich spielt man dort, wo wir hin möchten. Aber, es ist einfach nur ein Verein, der direkt die dritte Bundesliga ermöglicht. Aber mehr auch nicht. Es wäre ein Job, den Sie sicher genau so intensiv erledigen würden. Aber die Intensität wäre trotzdem nicht mehr die selbe wie rund um den Glutofen Hafenstraße. Aalen ist ein Fußballstandort. Die Hafenstraße in Essen jedoch ist Himmel und Hölle zugleich. Vielleicht die letzte Bastion von Flaschenbier und Kutte. Von Ungehorsam und großer Liebe. Von einer Direktheit, die manchmal wehtut. Aber doch nur Liebe zu Rot-Weiss Essen; zu unserem Verein, bedeutet.

Was auch klar ist: Sollte das Gesamtpaket Trainer/Mannschaft/Verein eines Tages nicht mehr stimmen, würden wir natürlich auch Sie vom Hof jagen wollen. So muss das wohl hier. Und das ist nicht schön. Vielleicht kommen wir deshalb nicht wirklich klar damit, dass ein Trainer, den wir endlich einmal für gut befinden, abgeworben wird. Das steht nicht in der Satzung. EinTrainer, der passt, möchte bitte bleiben. Wir müssen doch mal alle zusammen in die Pötte kommen und gemeinsam etwas aufbauen. Die Umkleidekabine der Hafenstraße hat in den letzten zehn Jahren gefühlt mehr Trainer und Spieler gesehen, als der Petersdom in Rom Pilger. Das muss mal ein Ende finden. Wir müssen uns wieder identifizieren.

Lieber Herr Giannikis, auf angenehme Art haben Sie für eine zaghafte Annäherung zwischen Mannschaft und Fans gesorgt. Etwas Ruhe und durchaus auch Vertrauen in unsere sportliche Zukunft geschaffen. Ohne gleich den sportlichen Himmel auf Erden zu versprechen. Vielleicht bleiben Sie doch noch an der Hafenstraße bei RWE. Glauben Sie mir: Diesen Tag, an dem Sie gemeinsam mit uns die dritte Liga erreichen und den RWE dort  dann trainieren dürfen; danach Woche für Woche eine volle Hafenstraße erleben werden….DIESEN Tag werden Sie im Leben nie wieder vergessen! Dieses Gefühl ist nicht nur unbezahlbar, sondern bietet eine Leidenschaft, die in Aalen keiner kennt. Keiner kennen kann. Aalen ist sicher guter Fußball. Aber Essen ist alles . Und viel mehr.

Bitte bleiben Sie bei uns. Versuchen Sie es wenigstens ein weiteres Jahr mit und für uns.

Rot-Weiss Essen. 111 Jahre um geliebt zu werden. Bei aller Enttäuschung.

Zwischen Szenenapplaus und Sonntagsschuß spielt sich ganz viel Leben ab.

Gibt es eigentlich wissenschaftliche Untersuchungen darüber, wie sich Erfolg und Misserfolg einer Lieblingsmannschaft auf das Wohlbefinden der eigenen Fans auswirken? Gäbe es eine solche, dann könnte diese dem RWE Fan attestieren, aktuell genug gelitten zu haben und unter sportlichem Burnout zu leiden. Entweder man lässt sich also eine AU ausstellen und bleibt der Gesundheit zuliebe Zuhause, oder es wird ein Trainerwechsel verschrieben, der wenigstens kurzfristig für Linderung sorgen könnte. Manchmal hilft diese Therapie sogar langfristig. Aber dafür gibt es zumindest in Essen noch keine gesicherten Erkenntnisse.

An der Hafenstraße wurde also wie bekannt, die gängige Therapie Trainerwechsel verordnet, welche leider stets mit hohen Zuzahlungen an den Ex-Trainer die Krankenkasse verbunden ist. Aber, sie verschaffte diesmal wirklich schnelle Linderung der körperlichen Symptome bei sportlichem Misserfolg: Wurden die Schmerzen gegen den ETB zunächst etwas gemildert, trat nach dem unerwarteten Erfolg in Aachen schon spürbar Erleichterung der verspannten Gedanken rund um den RWE ein.

Und so kam es, dass man vor dem Oberhausen Spiel fast schmerzbefreit aus dem Bett hüpfte und ein lange nicht mehr gekanntes Gefühl erleben durfte: Vorfreude auf ein Spiel der Roten. Danke Trainerwechsel mochte man rufen, ohne den aktuellen Trainer nun über den grünen Klee loben zu wollen; schließlich wirkt er ja noch nicht wirklich lange. Hier also ist man auf die therapeutische Langzeitwirkung gespannt. Auch Viagra wollte erst lange getestet werden, bis es dann eines Tages als Mittel der Wahl feststand und es bei manchem fest stand.

Zur eigenen Verblüffung wollte sogar die ganze Familie mit. Durchaus doch schon infiziert mit dem Rot-Weissen Virus, wohl aber noch nicht zu sehr damit belastet um ihrerseits daran zu erkranken. Somit überwiegt stets die Freude auf ein sportliches Ereignis vor vielen Menschen inklusive Stadionerlebnis. Ich wünschte mir auch einmal wieder eine so unbelastete Herangehensweise an ein Spiel meines RWE. Aber, es war ja heute mit zwei Siegen im Nacken eigentlich nichts, was in jenem sitzen und Schmerzen bereiten könnte.

Auf der Autobahn erst einmal hupend den Bus des Schalke Fanclubs Nordhorn überholt. Wir haben kurz überlegt, sie am nächsten Rastplatz aufzumischen, aber zum einen wissen sie einfach nicht, was sie tun, und zum anderen kennt man den einen oder die andere natürlich auch vom Eintracht Stadion am Heideweg. Warum fährt man nur nach Gelsenkirchen, wenn man als Ziel Essen haben kann? Unbegreiflich!

Rund um das Stadion war verkehrstechnisch weniger los als erwartet. Es haben sich also doch viele Fans eine AU ausstellen lassen. Krank ist krank, das ist dann einfach mal so. Trotzdem waren letztendlich gut 8.200 Fans beider Mannschaften im Stadion. Und wir reden weiterhin vom Krankheitsgrad Liga Vier. Gute Quote also.

Im Stadion selbst standen sich bei diesem Spiel nicht wie gewohnt „Heimkurve“ und Gästeblock gegenüber, sondern wurde temporär ein weiterer Heimblock in der Nähe des Gästeblocks geschaffen. Warum das so war, geht mich nichts an, aber ich hoffe, eine Kritik darf angebracht sein, dass es im Sinne einer besseren Unterstützung der Mannschaft eher suboptimal war. Die Heimkurve, die ja eine Gerade ist, ließ trotzdem gelegentlich aufblitzen, wozu sie an Lautstärke in der Lage ist. Besonders in den Schlussminuten. Ansonsten geht der Stimmungspunkt leider dieses Mal nach Oberhausen. Auch unbegreiflich. Wir sind alle Rot-Weiss. Wir kriegen das hin.

So wie es auch die Mannschaft dieses Mal endlich hinbekam. Die viel in Anspruch genommene Körpersprache eine ganz andere als noch in den Wochen zuvor. Die Raumaufteilung ebenfalls eine ganz andere; die gefürchteten Lücken taten sich einfach nicht auf. Es wurde Gras gefressen. Am Gegner festgebissen, um jeden Millimeter Hafenstraßengras gekämpft. So gehört sich das, so wollen wir das sehen. Folglich gab es in der dreizehnten Minute die verdiente Führung. Es gab nicht nur das: Es gab sogar zur Halbzeit Applaus von den Rängen für die Leistung der eigenen Mannschaft.

Ich wiederhole das hier gerne noch einmal: Es gab sogar zur Halbzeit Applaus von den Rängen für die Leistung der eigenen Mannschaft. Das Spiel der eigenen Mannschaft tat wirklich gut, war eine Wohltat für die geschundene Seele.

In der zweiten Halbzeit gab es dann sogar noch zwei bis drei spielerische Leckerbissen, die den Fan auf den Tribünen zwischen Verzückung und Fassungslosigkeit zurückließ. Warum geht erst jetzt, was all die Spiele zuvor nicht ging? Es gab tatsächlich und verdient somit Szenenapplaus. Sogar aufgestanden wurde auf der „Haupt“, als Marcel Platzek aus dem Spiel genommen wurde.

Es sah also alles gut aus auf dem Feld.  Rot-Weiss Essen wollte unbedingt die Entscheidung. Keine Rede davon, das Spiel zu zerstören, wie anschließend ein Oberhausener Spieler befand. Aber, der hat auch keine Ahnung vom Fußball.

Es sah wirklich gut aus. Vor einigen Wochen noch, da lägen wir schon 1:3 in Rückstand.

Und dann kam der Sonntagsschuß.

RWO glich in der 89. Minute aus dem Nichts aus. Der vielzitierte „Sonntagsschuß“ wurde schneller in den Kasten gezimmert, als Heller reagieren konnte.

RWE versuchte es weiterhin in den Restminuten, aber ohne Erfolg. Der verdiente Dreier blieb somit leider aus, und doch blieb unter dem Strich Applaus für eine engagierte und in vielen Punkten verbesserte Mannschaftsleistung.

Ich war nicht traurig, da eine wirklich gute Leistung der eigenen Mannschaft gesehen. Ich war eher geknickt für die eigene Mannschaft, die sich die drei Punkte wirklich verdient gehabt hätte.

Nun muss weiter gearbeitet werden an der Hafenstraße. In so vielen Bereichen, damit wir wieder eine Einheit werden.

„Schluss mit Gelaber und Vereinsmeierei, wenn ihr heut gewinnt ist das einerlei. Jubeln, Jammern, Spielen oder Stehen wir sind der Verein…
Wir (ALLE) sind RWE“

Die Hoffnung ist der Regenbogen über den herabstürzenden Fußball des Lebens. (Frei nach Nietzsche)

Rückblende: Alle gegen alle. Hoffnungen und Miteinander mal wieder am Boden zerstört. Totale Verunsicherung auf dem Feld. Trainerwechsel.

Mittwoch, 18. Oktober. Essen, Stadtwald: Die Mannschaft muss zum Verbandspokal ausgerechnet an den Uhlenkrug im Süden der Stadt reisen, wo sich heimische Lackschuhe gerade in einem unerwarteten Aufschwung sportlicher Natur üben. Das erste Pflichtspiel des neuen Trainers Argirios Giannikis. Vielleicht der richtige Rahmen für einen Neuanfang. Die Erwartungshaltung der knapp dreitausend Fans eher gering, außer bei den ungefähr vierzehn Anhängern der Schwatten.

Deren Stadion (trotz Rückbau der imposanten Gegengerade) bei schönstem Herbstwetter immer noch ein wundervolles Fußballstadion alter Prägung, welches dem Fan keinen Komfort, aber Stehen unter Baumkronen; zudem auf einer Stehgegengerade bietet. Auch kommen Flutlichter zum Einsatz, welche in ihrer Helligkeit eher an Taschenlampen kurz vor Batterieausfall erinnern. Wenigstens wurde der Platz trotzdem einigermaßen beleuchtet. Auf den Stehrängen war es so dunkel wie früher in einem Partykotten, um gemütlicher schwofen und fummeln zu können. Alles in allem also ein stimmiges Fußballambiente.

Rot-Weiss Essen gewann dieses Pokalspiel gegen den klassentieferen Stadtrivalen letztendlich mit 2:0 und ist eine Runde weiter. Es war kein gutes Spiel unserer Jungs und zudem enttäuschten die Schwatten. Da hatte man mehr befürchtet. Auf den Rängen hatte es den Anschein, der Mannschaft nun eine zweite Chance zu gewähren, so erstaunlich gelassen die Gemütslage. Keine Anfeindungen. Argirios Giannikis hatte (natürlich) taktische und personelle Veränderungen vorgenommen, welche zur bestehenden Unsicherheit als Lern- und Umsetzfaktor auf dem Feld hinzukamen. Dass da der monatelang rumpelnde (Mannschafts-)Motor nicht direkt wieder flüssig laufen konnte, war einfach zu offensichtlich.

Aber sie haben es gemeistert und zeigten sich nach dem Spiel sichtlich erleichtert. Kaum auszudenken, was bei einem Ausscheiden zusätzlich auf Mannschaft und Verantwortliche eingeprasselt wäre. Ebenfalls erleichtert ging es wieder gen Heimat.

Sonntag, 22. Oktober. Aachen, Tivoli: Keine Herbstsonne; keine gute Bilanz auf dem Tivoli; kein Derby! Der RWE zu Gast bei jener Alemannia, die uns auf dem Tivoli (egal ob neu oder alt) irgendwie immer gut im Griff hat. 1995 der bislang letzte Erfolg bei den Kartoffelkäfern. Viel schlauer war man nach Mittwoch jetzt nicht wirklich, außer dass Mannschaft und Trainer ihr erstes gemeinsames Spiel gewinnen konnten. Schon nach zwei Minuten war das kleine Fünkchen Hoffnung zunächst einmal wieder dahin, da die Alemannia nach einem Abstimmungsfehler unserer Hintermannschaft in Führung gehen konnte. Eigene Gefühlslage in diesem Moment: „Die gleiche Scheiße also wie immer und die schießen uns nun gnadenlos ab“.

Das Tor haben übrigens nur die 9.600 Stadionbesucher gesehen! Der übertragende Werbesender Sport1 war noch mit seiner Haupteinnahmequelle beschäftigt und konnte dem Tor erst mit einer Kameraführung wie auf Energydrink hinterherhecheln. Ein peinlicher Einstieg in eine Übertragung, welche an Peinlichkeiten noch überboten werden sollte.

Fußball pur gibt es also weiterhin nur im Stadion oder auf dem Sportplatz. 

Nach ungefähr fünfzehn Minuten konnten unsere Roten das spielerische Heft in die Hand nehmen, hatten auch die anfangs auftretenden Probleme der „Standfestigkeit“ auf rutschigem Rasen weitestgehend im Griff. Die Aachener wurden zu Fehlern gezwungen, bisweilen hinten reingedrängt. Ein Torabschluss wurde gesucht, Chancen taten sich auf. Diese berühmte Körpersprache schien eine andere zu sein als noch in den Spielen zuvor. Die Panik aus dem Gesicht wich zugunsten einer leichten Zuversicht, hier noch den Ausgleich zu markieren. Die Zuversicht wurde schon in der 32. Minute durch Timo Becker belohnt: Ausgleich. Geil! Schon zur Pause hätte der RWE eigentlich die Führung verdient gehabt. Ein für Viertligaverhältnisse aufregendes Fußballspiel, sofern man das bei den temporären- und dauerhaften Einblendungen auf dem Bildschirm überhaupt noch erkennen konnte.

In der zweiten Hälfte ging das muntere Treiben auf dem Feld weiter, die Pause brachte nicht den befürchteten Bruch im RWE Spiel. Man ist (leider) halt zunächst immer (und aus Erfahrung) erst negativ konditioniert. Isso! Und dann trat tatsächlich das unerwartete und doch so erhoffte ein. Es war dem Spielverlauf nach sogar mehr als verdient: Unsere Roten gingen nach einem wunderbar vorgetragenen Angriff, abgeschlossen durch Kai Pröger, mit 2:1 in Führung. Wie geil war das denn? Echt jetzt? Die Gesichter der Spieler auf dem Feld sprachen Bände, die Gesten zudem. Wie schon im ersten Spiel in Dortmund wurde sich oft abgeklatscht oder aufgemuntert. Ganz wichtig auch: Der auch von mir kritisierte Käpt`n (und Lieblingsspieler) Baier war mit einer ganz anderen Präsenz als noch in den Vorwochen auf dem Platz. Man steckt einfach nicht drin in der Psychologie einer Mannschaft.

Einige Male galt es noch zu zittern, als die Aachener zu Eckbällen oder der ein- oder anderen Chance kamen. Aber gleichermaßen ging es auch direkt wieder Richtung Aachener Tor. Zudem wurde mit geschickter Wechseltaktik Zeit von der Uhr genommen. Auch damit hatten wir ja schon mal unsere Probleme vor noch gar nicht langer Zeit. Ist aber auch auch wurstegal, denn am Ende blieb es bei dem ersten Erfolg von RWE bei Alemannia seit zweiundzwanzig Jahren. Auswärtssieg der etwas unerwarteten Art. Luft im Abstiegskampf, verbunden mit Hoffnung auf sportlich bessere Zeiten (Auch unser Brustsponsor dürfte sich sicher nicht nur über galoppierende Wettquoten sondern auch mal über den positiven Eindruck des eigenen Partners gefreut haben).

Nun gut, die Hoffnung hatten wir bei schon einigen Trainern zuvor auch und wurden doch nur bitter enttäuscht. Aber für den Moment durfte man sich an diesem Sonntag einfach nur freuen. Jeder so wie er wollte. Und mit der Freude kam die Erleichterung. Man freute sich für die Fans, die Spieler, die Verantwortlichen…. ach einfach für alle. Die Freude sollte zudem genossen werden, denn schon kommenden Samstag könnte es ja wieder vorbei sein mit der Freude. Da kommt der Nachbar aus Oberhausen zu Besuch. Wieder kein Derby. Aber hoffentlich ein Dreier.

Und dann war da noch: Die TV Übertragung direkt aus der TV Übertragungshölle. Was den mitfiebernden Fans beider Vereine inklusive vieler neutraler TV Fußballfans da am heimischen Empfangsgerät geboten wurde, war meines Erachtens schlicht frech. Nein, es war peinlich! Die Vierte Liga ist gemeinhin kein Profifußball, aber deswegen muss man sie noch lange nicht dermaßen amateurhaft übertragen wie an diesem Sonntag.

Den Einstieg durch die Bildregie aufgrund der vorherrschenden Werbung schlicht grandios vermasselt, schaffte der Kommentator ebensowenig den Einstieg in das stattfindende Spiel, sondern drosch die üblichen Phrasen zur Vergangenheit beider Vereine. Mittlerweile geschenkt, wir kennen die Fakten in und auswendig. Aber, die aktuellen Namen der Spieler zu kennen, hätte ja Vorbereitung bedurft.

Die Bildregie hatte mittlerweile Spaß daran gefunden, dass TV Bild mit unwichtigen anderen Dingen zuzukleistern. Was interessiert uns ein Bundesligaspiel, wenn Rot-Weiss Essen spielt? Was interessieren uns die groß eingeblendeten Fakten eines anderen Spiels über Ballbesitz, Schüsse etc.? Die, die das interessiert haben Sky oder den Eurosport Player. Aber die gucken wohl kaum Alemannia Aachen gegen Rot-Weiss Essen! Ich hatte wirklich Angst, es könnte noch der Newsflash über Sarah & Pietro kommen. Oder eingeblendete (un)sexy Sport Clips. Sowas halt.

Und dann diese Sprüche. Da denkt man, man hat Jörg Dahlmann auf diesem Sender überlebt, doch dann kommt es noch schlimmer. Den Aachener Torwart als „Nicht die hellste Kerze in der Strafraumbeherrschung“ zu bezeichnen, das geht meines Erachtens gar nicht.  Sätze wie „Seine Frau die Lisa, mit der ist er ja verheiratet“ und viele andere Stilblüten der Kommentatorenkunst vervollständigten das Bild .

Wenigstens hat Glockenhorst die „Senderkompetenz“ erkannt und das Interview des Feldreporters für knackige Eigenwerbung zur Teilnahme am Filmprojekt Pottoriginale genutzt. In Grund und Boden hat er ihn geredet und für einen weiteren Essener Erfolg an diesem Nachmittag gesorgt. Man informiert sich doch vorher, warum Glockenhorst Glockenhorst heißt.

Nein, es war im Gegensatz zum Auftritt der Roten auf dem Feld kein guter Auftritt eines TV Senders und seiner Protagonisten. Wenn Ihr Fußball zeigen wollt, dann zeigt einfach auch nur Fußball. Wenigstens dann, wenn das Spiel läuft. Setzen, Sechs! Nächstes Mal dann doch wieder Stadion.

Gegen Oberhausen wünsche ich mir nun ohne wenn und aber eine Abkehr der Kultur des Gegeneinander. Miteinander, das hat uns immer ausgezeichnet. Von 0 – 100, von A – C. Diese kleine Pflanze Hoffnung mal wieder.

Nur der RWE!

 

Quo vadis RWE?, Episode 1907!

Für den heutigen Dauerregen kann Rot-Weiss Essen nichts. Der ist wohl automatisch mit an Bord, wenn es gegen den langjährigen Dauerbegleiter SC Verl geht. Rot-Weiss Essen kann auch nichts dafür, dass der Familientag nicht unbedingt nur positiven Anklang findet. Eine Tatsache, die sich mir persönlich nicht wirklich erschließt, denn den Familientag gibt es bereits im sechsten Jahr und wurde definitiv nicht dafür erfunden, um aktuell schlechte sportliche Leistungen zu kaschieren, sondern um der sozialen Bedeutung als Verein der Stadt gerecht zu werden; neue Fans für unsere gemeinsame Sache RWE zu begeistern (Falls sich in den letzten fünf Jahren nun mal ein Kind in Königsblau an die Hafenstraße verirrt hat: Einzelschicksale wird es nun mal immer und überall geben)!

Wofür Rot-Weiss Essen jedoch (hier und heute konkret und ausnahmslos seine sportlichen Angestellten) etwas kann ist, den heute anwesenden Zuschauern, egal ob jung oder alt, einmal mehr den Tag versaut zu haben. Aber gründlich!

Die eigene Messlatte wird ja in bester Limbo Tradition schon von Spiel zu Spiel niedriger gelegt, aber heute hat die Mannschaft ihr eigenes Niveau so tief angesetzt: Das war beim besten (Fan-)Willen nicht mehr zu schaffen, ohne daran zu scheitern. Heute hat unsere Mannschaft nicht einen einzigen jungen Fan dazugewonnen, sondern wieder etliche Veteranen vergrault. Sie scheint tatsächlich das Stadion leer zu spielen. Ich weiß, dass die Mannschaft das nicht will, und sie lieber mit uns feiern möchte. Aber umgesetzt bekommt sie es nicht mehr. Hier wird mit dem sportlichen Arsch eingerissen, was an anderer Stelle mühsam Woche für Woche wieder aufgebaut wird. Hier wird kaum noch der gute Ball, aber die Geduld der Fans und den immer noch vielen Sponsoren mit den Füßen getreten.

Das Spiel unseres RWE (auch der SC Verl hatte keinen guten Tag, was aber für uns gut war, denn sonst wären wir unter die Räder gekommen!) war von Beginn an geprägt von kompliziertem und langsamen Aufbau Richtung Verler Tor. Bevor mal ein überraschender Pass in die Tiefe kam, wurde lieber noch einmal hintenrum gespielt. Es hatte bisweilen den Anschein, als ob bestimmte Mannschaftsteile (Spieler?) lieber das Tempo herausnehmen wollten, anstatt das Spiel zu beschleunigen. Es hatte den Anschein, als ob bestimmte Spieler lieber nicht laufen wollten und bestimmte Spieler, die laufen wollten, nicht angespielt wurden.

Dafür, wie lange dieses lethargische Etwas namens Fußballspiel andauerte, war das Publikum zur Pause noch gnädig und gab es nur Pfiffe. Die Stimmung war eh schon Scheisse, da bedurfte es nicht direkt einer weiteren negativen Aufwertung. Die Körpersprache unserer Mannschaft so undefiniert, diese könnte aktuell kein noch so versierter Übersetzer entziffern.  Es wäre ja alles halb so wild, wenn wir nicht alle wüssten, dass die Jungs es können und wir gute Fußballer in unseren Reihen haben. Ich sag nur Mönchengladbach.  Aber genau das ist unser Problem da draußen auf den Rängen: Wir wissen, Ihr könnt einen emotionalen Stiefel spielen und lauft aktuell in Ackerpömps über das Feld. Wie sollen wir denn damit klar kommen?

Man möchte auf das Feld hüpfen und die Jungs fragen: „Wie kann ich Euch helfen?“. Man leidet doch mit ihnen; möchte mit ihnen feiern und zufrieden nach Hause gehen. Stolz auf seinen Verein sein. Auch in Liga Vier. Man möchte den Ball in das Tor beten, damit dem Verein der, heutzutage leider üblich, anschließende und respektlose „Shitstorm“ in den (a-)sozialen Medien erspart bleibt. Man weiss, wie direkt wieder die Verantwortlichen angegangen werden, ohne ihrerseits selbst auf dem Feld zu stehen. Das alles tut weh, trägt man die drei Buchstaben im Herzen und Respekt als eigene „zwischenmenschliche Fahne“ vorneweg. Wir zerfleischen uns doch mittlerweile schon selbst untereinander in den Kommentarspalten ob solch gezeigter Leistungen. Das darf nicht sein. Es geht doch nur um Fußball. Aber, leider geht es auch um unseren Verein.

Dummerweise gibt es nach einem Spiel wie dem heute gesehenen kein Argument mehr, sich auch als gemäßigter Fan vor Mannschaft und Trainerteam zu stellen (Und trotzdem wird unsererseits nicht blind gepöbelt, denn das hilft wirklich niemanden). Die Ergebnisse der anderen Vereine noch immer beständig so, so dass man dem Ziel „Oben mitspielen“ mit zwei gewonnene Spielen nacheinander ruckzuck hätte näher kommen können. „Wäre, wäre Fahrradkette“ um in Lothar Matthäus zu schreiben. Das frustriert umso mehr: Keine andere Mannschaft marschiert uneinholbar vorneweg!

Nein, spätestens nach heute hat man das Gefühl, dass ganz andere Kräfte innerhalb und/oder rund um die Mannschaft wirken, welche eine gute Leistung kopfmäßig verhindern. Das Fleisch ist willig, der Geist ist schwach. So vielleicht, ein bekanntes Zitat umgekehrt? Ist es das, was unsere Spieler ausbremst? Ist der Trainer das „R“, die Mannschaft das „W“ und vielleicht jemand dazwischen, der stört, das „E“? Wir wissen es nicht. Das Problem aber dabei: Wir sind alle drei Buchstaben zusammen. Wir sind RWE! Und das macht uns gerade komplett fertig. Lässt uns fassungslos und, was viel schlimmer ist, bisweilen lethargisch nach Hause gehen. Gut, manch einer wankt auch nach Hause. Aber dann hat sich wenigstens das gelohnt.

Es muss sich dringend etwas ändern. Am besten sofort. Klärt das. Seid Männer! Wollt Ihr, oder wollt Ihr nicht? Und wir außerhalb: Bitte lasst uns ohne Beleidigungen auskommen. Wir reden immer noch über das, was wir bis an unser Lebensende doch lieben. Manchmal und meistens von Geburt an. Ich bitte daher auch hier auf „ISDT“ um eine weiterhin so gute und sachliche Auseinandersetzung mit dem „Ist Zustand“ wie bisher hier.

Du unser RWE, wohin gehst Du? Liegt es an uns? An der Geschichte? was ist los mit Dir?

Sein oder Nichtsein.

Samstag: Das Spiel in Bonn brachte einen Punkt mit nach Essen, der aber verdreifacht mit zurück an die Hafenstraße gehört hätte: Die Vielzahl an Chancen; der eine Spieler mehr auf dem Feld ab Minute 65: All das reichte nicht aus, um die Führung über die Runden zu bringen. Aus 2:3 wurde also in der 86. Minute 3:3. Ärgerlich!

Dienstag: Unter der Woche, zudem eine relativ ungünstige Anstoßzeit. Brütende Hitze! Und doch machten sich über den Daumen gepeilt rund an­dert­halb­tau­send Fans des RWE auf den Weg nach Uerdingen in die dortige Grotenburg. Ein Stadion alter Schule zum Niederknien übrigens. So viele Rot-Weisse also, die einmal mehr doch wieder hinterherfahren. Welcher Viertligakicker kommt sonst unter der Woche zur besten Feierabendzeit aus den Katakomben auf das Spielfeld gelaufen und wird mit viel Applaus von einer solch großen Anzahl eigener Fans empfangen? Nicht wirklich viele!

Unser RWE war nicht der Favorit an diesem heißen August Abend in der Grotenburg! Auch dessen sollte man sich ab und an bewusst werden. Der KFC hat seinerseits und bekannterweise mal wieder einen Neuen. Wieder einen, der richtig Kohle raushaut. Und so wurden vor der Saison (und aktuell auch wieder) mehrere sogenannte „gestandene“ Spieler verpflichtet, die auch schon höherklassig unterwegs waren. Der KFC somit neben Relegationslusche Viktoria und Küche Rödinghausen direkt in der Verlosung um Tabellenplatz Eins.

Unsere Roten hielten gut dagegen in diesem von Beginn an intensivem Spiel. Die Anfeuerung auf Gästeseite wuchs bisweilen zu einem Chor der Leidenschaft für diesen Verein. Diese Stimmgewalt von acht bis achtzig bemerkenswert. Jeder hier auf Seiten der Gästefans wollte mithelfen.

Die fünfundzwanzigste Minute: Führung RWE! Die Stimmgewalt wurde noch gewaltiger. Nur um zehn Minuten später geschockt zu schweigen: Ausgleich KFC Uerdingen. Leider kommentiert in der Nachbereitung fast keiner mehr, dass dem Tor ein glasklares Foul an einem Rot-Weißen vorausging. Wie auch? Ich muss ja direkt in den Kommentarspalten meinen ungefilterten Frust hinterlassen. Da ist für Differenzierung kein Platz mehr.

Dem somit eigentlich ungerechtfertigten Ausgleich folgte in der zweiundvierzigsten Minute erneut die Führung für den RWE. Kurz vor der Halbzeit ist ja meistens auch der perfekte psychologische Zeitpunkt, um den Gegner aus dem Konzept zu bringen. Sagt man jedenfalls so. Konzeptlos hingegen einmal mehr an der Grotenburg die Planung an den Kassenhäuschen. Wenn ich weiß, dass ein Verein mit traditionell großer Anhängerschaft zu Gast ist, dann muss ich mehr Kassenhäuschen besetzen, um einen zügigen Einlass zu gewährleisten. Unter der Woche ist nun mal nicht immer eine frühzeitige Anreise möglich; gehen doch sogar RWE Fans einer geregelten Arbeit nach. Entgegen dem allgemeinem Klischee.

Richtig schön allerdings nicht nur die Lage der Grotenburg Kampfbahn, sondern auch der kostenlose Gästeparkplatz direkt davor. Danke für diesen Service. Das dann aber alle Gästefans durch nur einen Tribünenaufgang müssen, gefühlt nicht breiter als ein PAX Kleiderschrank, ist wiederum richtig unschön. Es staut sich. Im Stadion selbst entschädigt dann aber einmal mehr der Rundblick. Vier charmant marode Tribünen und vier massive Flutlichter sorgen für ein wohliges Gefühl bei all denen, für die Fußball noch im Stadion und nicht in einer Arena gespielt wird. Selbst beim Austreten hält man(n) kurz inne beim Anblick der Pinkelrinne. Akustisch kann die Grotenburg dann auch noch einiges. Natürlich nur unter dem Dach.

Die Geschichte der zweiten Halbzeit ist relativ schnell erzählt: Unsere Roten überließen weitestgehend dem KFC die Initiative und versuchten sich immer öfter mit „Langholz“ aus der Umklammerung zu befreien. Ab und zu gelang das auch noch ganz gut, ging aber deutlich an die Substanz derer, die vorne allein auf sich gestellt versuchten, ihrerseits mal wieder Richtung Uerdinger Tor zu kommen.

Der RWE Fan auf der Tribüne spürte so langsam, dass es so nicht mehr allzu lange dauert, bis es das zweite Mal im eigenen Tor klingelt. Mimik und Gestik rund um einen herum verrieten es. Gesichtsfarben wechselten in rascher Abfolge. Es wurde unruhiger. Die Auswechselungen brachten optisch keine Erleichterung, eher den berühmten Bruch im Spiel. Einigen unserer Spieler waren die Strapazen der Kombination Wetter plus Spiel deutlicher anzumerken als den Kollegen aus Uerdingen. Und so kam es dann letztendlich auch wie es kommen musste:

War es in Bonn noch die 86. Minute, geschah das Elend diesmal in der 84. Minute.

Der Ausgleich zum 2:2 stellte zugleich auch den Endstand dar.

In Bonn musste ohne Frage gewonnen werden in Anbetracht des Spielverlaufs. Legt man den Spielverlauf an diesem Dienstag zugrunde, kann man unter dem Strich noch dankbar sein, dass es nicht eine Niederlage wurde. Trotzdem hätte man auch diese Führung nach Hause bringen können. Vielleicht auch mal müssen.

Das dann aber direkt mit Abpfiff gleich wieder der „Shitstorm“ begann, ist für mich nicht mehr nachvollziehbar. Oft gab es doch Szenenapplaus, weil unsere Spieler sich in Bälle warfen oder die gute alte Grätsche erfolgreich auspackten. Tadelloser Einsatz. Auf dem Platz und der Tribüne.

Was wirklich der bislang einzige unentschuldbare Auftritt war, ist und bleibt Wuppertal zuhause. Dortmund, Bonn und Uerdingen: Alle hochgehandelt vor der Saison. Da fährt man nicht einfach hin und nagelt die mit 4:0 an deren eigene Stadionwand. Wir haben dreimal hintereinander auswärts nicht verloren. Auch eine Sichtweise. Und selbst wenn wir direkt nach einem solchen Spiel Trainer, Vorstand und was weiss ich wen noch, rauswerfen…die Relegation erreichen wir dann trotzdem nicht direkt automatisch.

Wir hätten mehr Punkte haben können. Aber ich bin sicher, die holen wir uns im Laufe der Saison noch zurück. Bei den drei bisherigen Auswärtsgegnern werden außerdem auch noch ganz andere Mannschaften Punkte liegen lassen.

Noch ist mein RWE Glas eher halbvoll denn halbleer.

Vorausgesetzt, wir gewinnen das heutige Spiel gegen den SC Wiedenbrück.  

Schwiegervater.

Auf dem langen Rückweg sagte Schwiegervater, dass er sich sehr über sein Geburtstagsgeschenk „Ein Pokalabend an der Hafenstraße“ gefreut habe und dass man ob dieser gezeigten Leistung ja glatt Rot-Weiss Essen Fan werden könnte. Alles richtig gemacht, dachte ich so bei mir, denn was wäre nur passiert, hätten wir ihm den Besuch des Wuppertal Spiels geschenkt? Damit aber genug des dezenten Hinweises darauf, dass das vergangene Spiel gegen die Schalproduzenten aus dem Tal weiterhin unwirklich erscheint und daher immer noch am Fan nagt. Genau wie das aktuell erlebte Pokalspiel am gestrigen Abend gegen Borussia Mönchengladbach. Nur in umgekehrte Richtung.

Zum Komplettpaket Hafenstraße gehörte natürlich eine kleine Führung rund um das Stadion an der Hafenstraße inklusive einer Wurst vom Grill am Hafenstübchen. Das Hafenstübchen ist kein auf Hochglanz polierter Ort des Fußballs. Das muss es auch nicht, ist es doch schlicht die Seele des Fußballs an der Hafenstraße. Das VIP Zelt der Fußballunterschicht. Inklusive der wohl leckersten Bratwurst, die man derzeit an der Hafenstraße bekommen kann. Da ist man ja schon vor dem Anpfiff glücklich! Was manchmal gar nicht schaden kann, ist man es nach Abpfiff doch nicht immer unbedingt.

Schwiegervater genoss also jene vorzügliche Wurst und wunderte sich dann darüber, wieviel Bier hier doch scheinbar schon vor dem Spiel mit im Spiel war. Ich klärte ihn darüber auf, dass das so sein müsse, schließlich hätten wir wenigstens dort einmal bundesweit die Nase vorn.

Rein aber in ein Spiel, welches uns einmal mehr im Pokalrahmen auf eine Achterbahnfahrt der rot-weissen Gefühle mitnehmen sollte. Irgendwie können wir emotional scheinbar nur Pokalspiele. Es ist schön, wenn um einen herum die Menschen eskalieren und aus Liebe zum Verein zu verbalen Höchstleistungen auflaufen. Das zeigt, wie wichtig dieser Verein für uns ist und wie sehr wir uns alle nach einem kleinen Stück vom sportlichen Glück sehnen. Auf allen Vier Tribünen war also richtig „was gebacken“, abzüglich der üblichen „Eventfans“. Sie gehören mittlerweile auch zum modernen Stadionerlebnis dazu. Das Sitzkissen immer dabei.

Der RWE ging nach überstandener Anfangsoffensive der Gladbacher durch Benjamin Baier in Führung und 3/4 des Stadions tobten (Abzüglich jener Gladbach Fans, welche sich der Fantrennung erfolgreich widersetzen konnten. Ebay und Kontakte halt) . ADIOLE! Stehende Ovationen gar, als der Schiedsrichter zur Halbzeit bat. Könnte ein solch Unparteiischer bitte auch mal in der Regionalliga pfeifen? Unaufgeregt verrichtete der Mann an der Pfeife seinen Job, ohne eine dieser Pfeifen zu sein, die man leider zu oft in der Regionalliga vorfindet und dem RWE scheinbar Schaden zufügen wollen (So wirkt es manchmal). Das hatte Qualität.

Von feinster Qualität auch, und das darf ruhig einmal Erwähnung finden, der Job des Mannes an der taktgebenden Trommel auf der West. Ohne Unterlass wird Spiel für Spiel der Takt geschlagen. Das ist richtiggehender Sport. Danke dafür. Überhaupt sollte auch erwähnt werden, dass die Unterstützung von der „West“ sowohl gegen Wuppertal als auch gegen Mönchengladbach vorbildlich war. Die Medien stürzen sich so schnell und „klickgierig“ auf jede noch so kleine Kleinigkeit, die man als Skandal verkaufen könnte. Für Klicks wird selbst eine E- Zigarette zur Rauchfackel (Überspitzt formuliert)! Wenn es einfach mal nur gut, laut, friedlich  und homogen zur Sache geht, dann ist das leider keine Erwähnung wert. Das möchte ich hiermit nachholen! Schwiegervater war begeistert ob der Stimmung!

1:0 für den Deutschen Pokalsieger von 1953 und amtierenden Viertligisten von „ganz lange“ zur Halbzeit gegen den Erstligisten Borussia Mönchengladbach und amtierenden Zurückliegenden. Gattin machte sich Sorgen um meine Gesundheit, sah mich ziemlich blass. Alles gut. Sagte ich so auch einem anderen Fan. Und dass wir gewinnen würden. „Hast Du auch gesoffen?“ So seine Antwort. Nee, hatte ich nicht, musste ja noch fahren. Aber bis dato bot das Spiel unseres RWE definitiv noch alle Hoffnungen; lebte der Traum von Runde Zwei und Schalke weiter. Fünfundzwanzig Jahre danach.

Und der Traum lebte sich auch in Halbzeit Zwei ziemlich real. Immer war ein Essener Bein im Weg, konnten Konter eingeleitet werden, oder war der Heller im eigenen Tor ein Heller und oft schneller. Meine Güte, warum nicht immer so? Man verzweifelt an seinem Verein. Rot-Weiss Essen, hier gehst Du kaputt!

„Oh Immer wieder, oh  immer wieder, oh immer wiiiiieder RWE…..“ so klingt es fast dreißig Minuten oft mehr und manchmal weniger laut am Stück von drei Tribünen, um endgültig zum großen Chor anzuschwellen, wenn wieder ein Rot-Weisser Fuß in bunten Fußballschlappen dem Bundesligisten im Wege stand. „Steht auf, wenn Ihr Essener seit“. Der RWE kann sich immer öfter befreien, bekommt Gelegenheit zum Kontern. Und bekommt leider doch in der 79. Minute den Ausgleich. Gefolgt von der Führung für Borussia Mönchengladbach in der 82. Minute.

Borussia Mönchengladbach gewinnt somit das Erstrundenspiel im Vereinspokal unseres abgehobenen Verbandes mit 2:1 an der Hafenstraße. Die Essener Fans zollen ihrer Mannschaft Respekt und feiern sie für diese Leistung an diesem Abend.  „Warum nicht immer so?“ möchte man fast verzweifelt fragen. Sind hier Sportpsychologen anwesend?

Es war ein wunderbarer Abend an der Hafenstraße zu Essen mit wunderbaren Menschen und einer wunderbaren Mannschaftsleistung. Das Gesehene macht einfach Mut für die Zukunft. Wir können nicht immer nur meckern. Ab und zu dürfen wir auch einfach mal dankbar sein.

Gestern war ich dankbar für dieses Spiel und diese Leistung. Diese Emotionen. Diese Fans in den jeweiligen Blöcken, wie sie aufspringen und unsere Rot-Weisse Seele heraufbeschwören. Dankbar für meine Frau, wie sehr sie mitgelitten hat. Und sehr vermissen wir die Fahnengirls.

Nun macht das aber bitte gegen Kray und Köln Zwei nicht gleich wieder kaputt.

 

 

Rückrufaktion!

Seit vergangenen Sonntag ist das mit dem RWE und den Kommentarspalten mal wieder so wie manchmal in einer ganz normalen Familie kurz vor Weihnachten: Die Vorfreude wurde getrübt, weil einer aus der Familie (Hier: Mannschaft RWE) Mist gebaut hat. Darüber können oder wollen sich andere Familienangehörige, die oft und gerne schlechte Stimmung verbreiten (Hier: Die üblichen Verdächtigen), einfach nicht beruhigen. Und nun soll morgen Abend gemeinsam das Fest (Hier: 1. Runde DFB Pokal) gefeiert werden, so als ob Wuppertal nicht stattgefunden hat. Inklusive Vorfreude. Kaum vorstellbar für so manchen.

Aber warum eigentlich nicht? Zur realen Weihnachtszeit klappt das auch auch jedes Jahr aufs Neue und kommen Unstimmigkeiten (sofern denn vorhanden) erst nach den Geschenken und frühestens am zweiten Feiertag wieder auf. Vielleicht gibt es ja morgen für alle Geschenke (Hier: Aufopferungsvoller Kampf Mannschaft RWE). Auf jeden Fall gibt es volle Hütte, Flutlicht und gutes Bier.

Wuppertal liegt definitiv noch schwer auf der Seele und erst das Heimspiel gegen die Kölner Zweitvertretung wird die daraus gezogenen Lehren zeigen. Wird Wegweiser sein für die nächsten Wochen im viel wichtigeren Alltag Ligabetrieb. Das sollte uns aber trotzdem jetzt nicht daran hindern, dass Pokalduell gegen Borussia Mönchengladbach einfach als willkommenes Fußballspiel anzunehmen und entsprechend zu begehen. Natürlich in dem Wissen: Die Chance auf ein Weiterkommen gegen einen arrivierten Erstligisten ist jetzt wahrlich keine besonders Große. Also komme ich ja eigentlich schon in Erwartung einer Niederlage an die Hafenstraße; so wie die Fans der Borussia ihrerseits von einem deutlichen Sieg ausgehen. Und von nichts anderem.

Und so stellt sich aktuell die Frage aller Fragen: Schon mit schlechter Laune ankommen, weil: Zweiter Spieltag, die Liga ist (angeblich) mal wieder gelaufen, alle raus! Oder trotzdem mit Vorfreude zur Hafenstraße kommen. Wir haben doch eh keine Chance, aber warum sollten wir diese dann nicht wenigstens nutzen? Wer weiss denn schon, was passieren könnte, bleiben die Rot-Weissen so lange wie möglich ohne Gegentor; nehmen die Tribünen mit und starten auf dem Feld eine „Rückrufaktion“ in Sachen Fanunterstützung? Plötzlich trägt man sich gegenseitig durch das Spiel. Auch das könnte passieren.

Alles Spekulationen und  Hoffnungen natürlich (Der Fußball ist eben doch meistens „Hätte, hätte, Fahrradkette“). Verbunden aber trotzdem einmal mehr mit dem tiefen Wunsch danach, sich davon zu verabschieden, dass sportliche Leistungen durch Beleidigungen oder Schuldzuweisungen in den Kommentaren gesteigert werden können. Das tun sie definitiv nicht. Und das ist auch gut so.

Fußballer und Verantwortliche in Zeiten vor „Social Media“ machen sicher jeden Tag die berühmten drei Kreuze, weil ihnen nach schlechten Spielen definitiv viel erspart geblieben ist. Sofern sie es denn gelesen hätten. Was natürlich nicht bedeutet, dass an den Stammtischen und auf den Tribünen seinerzeit weniger gemotzt wurde.

Apropos motzen: Ich würde mir ab und an etwas mehr aktives Coaching wünschen. Ich bewundere unseren Trainer für seine Ruhe und hätte gerne selbst ganz viel davon. Auch braucht es sicher keine wild herumhüpfende „Taxofit Kappe“. Vielleicht jedoch helfen einer Mannschaft gelegentliche Korrekturen inklusive Präsenz in Echtzeit. Man weiß es nicht.

Nach reiflicher Überlegung habe ich mich also nun leichten Herzens dazu entschieden, mich auf das DFB Pokalspiel unter Flutlicht gegen Borussia Mönchengladbach zu freuen. Denn, wenn ich mich nicht freue, wird das Spiel trotzdem gespielt. Und, rein spekulativ: Sollte kurz nach Mitternacht der entscheidenden Elfmeter für uns verwandelt werden, dann hätte ich direkt ein super Geburtstagsgeschenk bekommen. Geradezu unbezahlbar wäre das.

Und nach dem Pokal, dann ist wieder (Niederrhein-)Pokal. Aber dann ist wieder Regionalliga. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass wir kein „Wuppertal“ mehr erleben werden. Lasst uns mal optimistisch werden.

Nur der RWE!

Rolle rückwärts.

Wir haben sie lange nicht mehr gesehen, unsere angestammten und so sympathischen Sitznachbarn. Bis heute. Trotz Dauerkarten für die vergangene Saison war es heute ihr erster Spielbesuch an der Hafenstraße im Kalenderjahr 2017. Sie konnten einfach nicht mehr kommen, hatten den sogenannten Papp auf, waren für den (monatelangen) Moment durch mit unserem RWE und seinem dargebotenem Fußball. Wir, die wir in Dortmund waren erzählten den beiden vor dem Spiel freudestrahlend davon und ebenfalls davon, dass nun alles besser werden würde. Dortmund war toller Fußball, dass Ergebnis hatte nur leider nicht ganz gestimmt.

Wir stehen wir denn nun nach diesem Spiel gegen den Wuppertaler SV dar? Die beiden, wie auch die vielen anderen Tausend Fans, die nicht in der Roten Erde waren, müssen sich doch komplett veräppelt fühlen nach dieser Leistung unserer Roten heute.

Von der ersten Sekunde an war klar, dass heute nur die aus dem Tal nicht in das Tal der Tränen stürzen wollten. Nicht einmal der frühe Führungstreffer des RWE, quasi aus dem Nichts erzielt, konnte kaschieren, dass hier und heute eine Mannschaft komplett neben der Spur agieren würde. Der Treffer brachte keine Ruhe in das eigene Spiel; das Mittelfeld fand kaum statt. Ebensowenig wurde die rechte Seite auch nur annähernd mit öffnenden Bällen in das Spiel einbezogen. Wollte zum Beispiel ein Pröger den Ball, so musste er sich ihn von irgendwo herholen.

Und warum betrachtet ein Torwart des RWE heutzutage den Fünf-Meter-Raum nicht mehr als seine eigene Laube und bleibt mehrheitlich auf der Linie „kleben“?  Das Ding ist eigenes Hoheitsgebiet, hier gehört alles aus dem Weg geräumt, was da nicht hingehört. Egal ob „Freund oder Feind“. Ran an den Ball möchte man verzweifelt von der Tribüne aus zurufen. Bist doch sonst ein Guter. Wie bewiesen zum Beispiel bei einem Konter der Wuppertaler irgendwann um die 75. Minute.

Nein, hier und heute ging alles schief, was nur schiefgehen konnte. Wohlgemerkt auf dem Feld. Für manche scheint ja ständig die komplette Geschäftsstelle mit auf dem Feld zu stehen, so wie nach einem solchen Spiel in alle Richtungen ermittelt geschossen wird.

Es fiel also der verdiente Ausgleich, was einen hinter uns sitzenden (und bislang stillen) Fan Zuschauer zu seinem großen Auftritt veranlasste: Mit dem Gegentor erhob er seine Stimme und brachte in einer zehnminütigen und lautstarken Schimpfkanonade einen Querschnitt all dessen dar, was die Foren und Kommentarspalten nach Niederlagen so hergeben. Ein „Best Of“ quasi. Seiner Begleiterin sichtlich peinlich, gefiel er sich in der Rolle des Hetzers über den Verein und wirkte sichtlich zufrieden. Alles Kreisklasse außer ihm. Es war schwerlich auszuhalten. Mit solchen Fans Zuschauern gewinnst Du einfach alles…

Das Spiel als solches war doch schon schwer genug auszuhalten, ein solcher Leistungsabfall gegenüber vergangenem Sonntag kaum zu erklären. Was ist passiert seit Dortmund? Spukte da schon Mönchengladbach im Kopf der Spieler herum? Mönchengladbach ist aber nur Kür, da wäre ich mit einem 1:3 sehr zufrieden. Heute aber war die Pflicht. Und diese haben Spieler und Trainer komplett vergeigt. Und das, obwohl man sich als Fan eine Woche lang wie schon lange nicht mehr auf ein RWE Spiel gefreut hatte.

Das kann man gegen Borussia Mönchengladbach auch nicht gutmachen, da eben nur Kür. Das kann die Mannschaft nur gegen die Zweitvertretung des 1.FC Köln gutmachen. Das ist die verdammte Pflicht.

RWE ist, wenn Du auf dem Hinweg die ganze RWE CD lauthals mitsingst, nur um sie nach dem Spiel direkt genervt aus dem Player zu schmeißen.

Ich hoffe nur, unsere Sitznachbarn kommen trotzdem gegen die Zwote des 1.FC Köln wieder. Und die Fahnengirls. Vielleicht wissen sie es nicht, aber sie fehlen absolut, wenn sie mal nicht da sind.

 

 

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