Das Foto.

Die Berufsbekleidung des Fußballers ist sein Trikot. Natürlich gehören auch noch die anderen Dinge wie passende Hose, das Paar Stutzen und jede Menge atmungsaktives Zeugs in lang oder kurz, je nach Witterung, dazu. Nicht zu vergessen natürlich die Fußballschuhe. Das Trikot jedoch ist das Stück Stoff (Polyester), welches die so ziemlich emotionalste Verbindung zwischen Fan und Verein darstellt. Genaugenommen erst, seit es die Möglichkeit gibt, Trikots auch käuflich zu erwerben. Ganz früher, wir hatten ja nichts anderes, war die selbstgenähte Fahne und der selbst gestrickte Strickschal in den Vereinsfarben das Nonplusultra. Den passenden Wimpel dazu konnte man oft auf der Kirmes, am Schießstand treffend, bekommen.

Das Trikot heutiger Tage kommt im Stadion auf den Rängen vorzugsweise in den warmen Monaten des Jahres zur Geltung. Interessante Details inklusive: Manchmal stellt es eine spannende Beziehung zwischen Textil und Bauch dar. Zudem unterscheidet der Schnitt nicht zwischen den Geschlechtern: Ein Trikot kleidet den Fan jeden Geschlechts stets mit Stolz und Hingabe. Egal wie es dann sitzt! Oftmals ist die Frage des neuen Trikots für die kommende Saison wichtiger als die eines weiteren Spielers. Die Präsentation der neuen Spielkleidung hat schon so manch Vorfreude getrübt.

Solch ein Trikot hat also mittlerweile einen unschätzbaren emotionalen Wert für uns Fans. Und es gibt nicht wenige, die sie sammeln. Es gibt Bücher über Trikots. Der Fußball hat legendäre Trikots; hat schöne Trikots. Leider auch königsblaue Trikots. Die sind weder schön, noch legendär!

Im Job getragen (also während der neunzig plus x Minuten) ist es für uns auf den Rängen durchaus wichtig, dieses emotionale Kleidungsstück frei von Senfflecken oder Bierduschen zu halten, schließlich schadet zu häufiges Waschen dem Flock. Auf dem Platz hingegen schadet ein sauberes Trikot nach Abpfiff dem Ansehen seines Trägers. Die einfache Gleichung: Sauberes Trikot: Kein Einsatz! Dreckiges Trikot: Sauber, was ein Einsatz!

Unser aller RWE hat nach dem erfolgreichen Spiel in der Kampfbahn Rote Erde ein Foto online gestellt, welches unseren Zeugwart eventuell vor Probleme, und Freunde von sogenannten „Matchworn“ Trikots schlaflose Nächte bereiten dürfte: Fein aufgereiht hängen dort die pottendreckigen Trikots unserer Spieler, zeugen von einem großartigen Einsatz. Belegen einen nimmermüden Kampf für die so wichtigen drei Punkte. Natürlich waren die Platzverhältnisse in Dortmund auch optimal für ein solch emotionales Kleiderständerfoto. Auf Kunstrasen bekommt man derlei nach Abpfiff nicht geboten, egal wie sich die Spieler auch wund grätschen mögen. Vielleicht waren die hellen Heimtrikots auch nur deshalb gewollt, um möglichst dreckige Trikots präsentieren zu können.

Dem ist natürlich nicht so, und wenn, dann wäre es natürlich auch völlig wumpe! Denn dieses Foto ist eines der schönsten, Rot-Weiss Essen betreffend, der letzten Dekade. Ein einfaches Foto nur, aber doch eine Botschaft: Hier wird malocht für den Verein, bis der Abpfiff ertönt. Hier sind aktuell Kumpels am Werk, die sich für den anderen dreckig machen.

Dieses Foto ist mehr Mannschaft, als es das offizielle Mannschaftsfoto vor einer Saison jemals sein könnte. Dieses Foto ist ein Teil von uns. Dieses Foto zeigt den Charakter von Rot-Weiss Essen dieser Tage. Die Legende besagt, dass Rot-Weiss Essen ein Arbeiterverein ist. Ich würde, stand heute, sagen: Die Legende lebt! Hier wird für den Erfolg gearbeitet. Freitag nun kommt der VfB Homberg. Unter Flutlicht. Welch ein Omen…

Es gibt eine Zeit für die Arbeit. Und es gibt eine Zeit für Rot-Weiss Essen. Mehr Zeit hat man nicht (Frei nach Coco Chanel).

Prolog:

Erinnert sich noch jemand an die Stadioneröffnung? Also an die unserer jetzigen Spielstätte? In den letzten Jahren hab ich mir oft das Foto angeschaut, welches ich an jenem Tage von der Titelseite einer in Essen beheimateten Sportgazette knipste: „RWE: Mit breiter Brust ins neue Heim“ stand in weiß auf schwarz geschrieben. Und darunter, wesentlich größer, in weiss auf Rot: „Wir sind auf lange Sicht nicht aufzuhalten“. An jenem Tag konnten wir alle noch nicht ahnen, dass die Brust oftmals schmal, die lange Sicht eine sehr lange Sicht, und wir uns Saison für Saison selbst aufhalten würden

Einer allein kann kein Dach tragen:

Sieben Jahre später, zweiter Advent: Es ist nass. Nicht unbedingt kalt. Kälter jedoch das Zwischenmenschliche. Alles so laut und schrill geworden. Man hört einander nicht mehr zu, will seine Meinung durchbringen. Die Waagschale hat so viel zu tun, so dass sie gar nicht mehr weiß, wie sie denn überhaupt noch annähernd gerecht wiegen soll. Alles wird drauf geworfen. Jedes Wort, jede Geste im Alltag; jede Abseitsposition und unnatürliche Armbewegung im Fußball. Dazu dieses unsägliche Bedrängen der Unparteiischen durch hochgezahlte Profikicker; dieses verbale Angehen der Spielleiter. Es bricht sich runter bis in die untersten Klassen, wo jene direkt umgehauen werden, pfeifen sie nicht zugunsten der eigenen Mannschaft. Es hat sich also vieles zum Negativen verändert. Und was unseren regionalen Verband und den allmächtigen DFB eine Etage darüber angeht: Nicht gut. Völlig am Fußball vorbei! Merken die leider nur nicht. Wollen die auch nicht.

Alles also schlecht gerade? Nein, nicht alles. Noch lange nicht alles! 

Denn ausgerechnet Rot-Weiss Essen, dieser unser aller RWE, beschert uns seit einiger Zeit die schöneren Momente. Lässt uns tatsächlich auch kurz vor dem nominellen Rückrundenstart noch auf den unseligen Relegationsplatz hoffen und macht gerade ganz viel richtig. Die Regionalliga West der Saison 19/20: Im oberen Bereich eine sehr ausgeglichene Liga und selbst unten darf sich eigentlich noch keine Mannschaft so wirklich aufgeben. Es sei denn, man wird aufgegeben. Da wollen wir mal hoffen, dass im Tal und am Lotter Kreuz über die Feiertage Lichter auch feierlich leuchten, anstatt sportlich auszugehen. Wäre ja erneut unser sportlicher Schaden. Aber Hauptsache, die Karten aus annullierten Spielen werden trotzdem gewertet. Das muss mir einer vom Westdeutschen Fußballverband mal erklären, wie das zu erklären ist. Da nützt aber auch keine Waagschale mehr. Das ist albern!

Es hat allgemein den Anschein, als ob dem Westdeutschen Fußballverband der sportliche Erfolg von RWE Fluch und Segen zugleich ist: Spielt der RWE oben mit, ziehen auch die Fans nach und bescheren den Spielern zum Dank einen Zuschauerschnitt von aktuell 11.088 Fans pro Heimspiel. Schöne Sache für den WDFV, ist er doch an 5% der Spieltagseinnahmen abgabetechnisch beteiligt. Dumm nur, sollte unser aller RWE (oder auch die Alemannia zum Beispiel ) endlich den ersehnten Sprung in die 3. Bundesliga schaffen: Da brechen Abgaben weg, so viel können die anderen Vereine gar nicht spielen. In zehn Jahren nicht. Da ist es kein Wunder, dass wir als Rot-Weiss Essen sowohl im Verein als auch auf den Rängen ab und an das Gefühl haben, gerne mal den ein- oder anderen Stein in den sportlichen Weg gelegt zu bekommen. Und das, obwohl wir den ganzen „Bumms“ Verband fast allein aus eigener Tasche Einnahme mitfinanzieren. Unverständlich auch: Der Verein hätte selbst alles dafür getan, dass ein zweites Mal in Haltern gespielt wird…..jegliche Hilfe wurde abgelehnt. 

Aber vielleicht ist genau das der Antrieb, der diese Saison diese eine werden lässt, von der wir noch unseren, wem auch immer, erzählen werden. Vielleicht brauchen wir diese Ecken und Kanten, diese Widrigkeiten. Schon dieser Auftakterfolg gegen eben jenen  aktuellen Gegner aus Dortmund hat Emotionen geweckt und Erinnerungen an den letzten Aufstieg aus der NRW Liga hervorgekramt, die so manch einer längst in der geistigen Aservatenkammer verstauben ließ. Rot-Weiss Essen kann wohl alles, aber eben nicht einfach! Wir brauchen die Dramatik, die letzten Minuten. Den Gegenwind der anderen und die Hoffnung der eigenen. Einhergehend also mit dieser sportlich so hoffnungsfrohen (und doch etwas chaotischen, nicht beendeten) Hinrunde hat die Mannschaft des RWE nicht nur Punkte gewonnen: Sie hat auch uns, die Fans, wieder erreicht. Etwas, was vielleicht noch höher zu bewerten ist, als manch Sieg. 

Der Spott ist verstummt, der Gang wieder aufrechter und das Rot-Weisse Herz ein wenig erwärmter. Die Fußballöffentlichkeit nimmt uns wieder mit Respekt und nicht als Vorzeigeverein für Misserfolg wahr. Zudem haben wir, wenn mein Bauchgefühl nicht trügt, eine wirkliche Mannschaft beisammen, die sich auch selbst als eine solche versteht. Tolle Typen sind da in unseren schönen Trikots unterwegs. Mit Witz und Herz bei der Sache, nicht nur auf dem Feld. Einhergehend mit immer noch großem Erstaunen und fast unbändiger Freude darüber, was sie als aktive Fußballer auf den Rängen für ein Spektakel miterleben dürfen. Das hat so viel mehr als Regionalliga; dass ist gefühlt so viel mehr als vielleicht manch Euro am Monatsende auf dem Gehaltskonto mehr bei einem potenten Verein ohne Zulauf. Rot-Weiss Essen dieser Tage ist der Fußball, wie ihn sich so manche von ganz oben und auch von ganz unten wünschen. Da ist alleine schon unser Umfeld, welches keinem Hochglanzmagazin entsprungen ist. An der Hafenstraße….RWE!

Epilog:

Das Spiel in der Roten Erde zu Dortmund könnte auf ähnlichem Geläuf stattfinden wie dass gegen Zweitgelsenkirchener in Wanne. Kommt dem technischen Können unserer Spieler also nicht wirklich zugute. Aber, die Unseren können nicht nur „Hacke – Spitze“, sondern auch ganz vorzüglich ihr Trikot dreckig machen und den Acker umpflügen. Dabei (und hoffentlich) auch so zielstrebig das Runde in das Eckige befördern, wie noch unter der Woche im Pokal gegen Burgaltendorf. Ohne dass dabei auch nur annähernd die Anzahl an Treffern erwartet wird. Ein Tor mehr schießen als der BVB, dass reicht schon! Dann sind wir weiterhin allesamt frohen Mutes und dürfen den aktuell gelebten, bisweilen unerschütterlichen Optimismus beibehalten. Mehr Wünsche zu Weihnachten kann eigentlich keiner haben.  

Der Herbst ist der Frühling des Winters. (Henri de Toulouse-Lautrec)

Eine gute Nachricht für alle „Herbstverzweifler“ rund um die Hafenstraße vorweg: Ein Maler wie de Toulouse-Lautrec sah mit ganz anderen Augen auf die Dinge und seiner These nach zu urteilen, können wir nicht erneut schon im Herbst die Saison aufgeben, da wir keinen Herbst haben. Wir haben Frühling und es kann immer noch ein goldener Oktober werden. Für den goldenen Oktober bedarf es aber dann mehrerer Halbzeiten wie jene Erste Hälfte vergangenen Donnerstag im Grenzlandstadion zu Rheydt. Inklusive mehr Torgefahr. Die zweite Halbzeit wird als genau das in Erinnerung bleiben, was Christian Titz sicher nicht von ungefähr stets gerne zu Protokoll gegeben hat: Der RWE dieser Saison steht immer noch am Anfang einer länger dauernden Findungsphase. Mal gibt es gute Phasen, wie in den ersten Spielen; gelegentlich finden sie sich leider nicht so richtig zurecht. So wie gegen Verl und nun auch gegen die Zweitprofis der Fohlen. Beide Spiele wurden als Mannschaft verloren, gewinnt und verliert man doch zusammen. Und, so doof sich das auch lesen mag: Genau diese letzten beiden Spiele haben aufgezeigt, wie viel Arbeit noch vor unseren Spielern und dem Trainerteam liegt. Erfolg vermag auch Schwachstellen zu kaschieren. Diese liegen nun auf dem Tisch des Hauses und können besprochen werden. Das Ergebnis der intensiven Aufarbeitung sollten wir dann spätestens unter Flutlicht gegen die Kölner Fortuna zu sehen bekommen.

Vielleicht wieder vor einer fünfstelligen Kulisse an der Hafenstraße. Sofern der Kredit weiterhin besteht und die letzten beiden Spiele die Kreditlinie nicht beeinträchtigt haben. Wenn jemand nun aussetzen möchte, da ergebnisorientiert denkend, ist das sein gutes Recht und gilt es sie/ihn über Erfolge wieder zurückzuholen. So funktioniert Fußball, so regulieren sich Zuschauerzahlen. Apropos Zuschauer: „Wann ist ein Fan ein Fan“, möchte man in bester Grönemeyerscher  Abwandlung fragen? Jetzt stellt sich mir persönlich die Frage nicht, denn es steht mir nicht zu, darüber zu urteilen, ob jemand RWE Fan ist, oder eben nicht. Aber es hat mich schon irritiert, warum denjenigen, die nach dem vierten Gegentor gegangen sind, ein lautstarkes Absprechen der Fanidentität hinterhergerufen wird.

Der Fan als solches bezahlt bei Eintritt und schließt keinen Vertrag bis zum Schlusspfiff ab. Er handelt selten rational und wird angetrieben durch seine Emotionen. Daraus entstehen bisweilen Übersprungshandlungen, die sich bei negativem Spielverlauf in fluchtartigem Verlassen des Stadions äußern oder auch in wüsten Beschimpfungen der eigenen Mannschaft. Mir persönlich ist in dem Fall lieber, dass jemand gesenktem Hauptes das Stadion verlässt. Dabei fluchend gegen die erstbeste, am Boden liegende, Stauderflasche tretend verkündet, nie wieder kommen zu kommen (um dann nächstes Heimspiel doch wieder da zu sein). Dagegen den Schlusspfiff abzuwarten, um den Zaun zu entern und mal so richtig loszupöbeln, ist jetzt nicht so meine Wunschvorstellung vom Umgang mit Niederlagen. Wir (Nein, nicht wir, sondern unsere Spieler) haben diesbezüglich in den letzten Jahren viel schlimmes erlebt. Ich empfinde es somit nicht als zielführend, sich nun in eine vermeintliche Diskussion „Gute Fans, schlechte Fans“ zu verstricken. Bei einer solchen Diskussion kann es keinen Gewinner geben. Vor nicht allzu langer Zeit noch sind ganze Fangruppen in den (verständlichen ) Boykott getreten, nachdem sie, in Vorleistung getreten, gespürt haben, dass die Mannschaft sie nicht mehr erreicht. Oder umgekehrt. Kaum einer ist damals auf die Idee gekommen, ihnen abzusprechen, RWE Fans zu sein. Der Konsens war ob der schlechten sportlichen Leistung gegeben.

Diese Zeiten sind glücklicherweise vorbei, wir haben eine ganz neue Mannschaft. Aber glücklicherweise immer noch die alten Fans mit ihren uralten Träumen. Gestehen wir einem jeden davon den eigenen Umgang mit den Dingen an der Hafenstraße zu. Es gibt auch Fans, die zahlen Eintritt und sehen nichts vom Spiel, da am Bierstand versackend. Dem Moment und der Situation geschuldet. Es gibt auch Fans wie mich, die sich bisweilen dem Spielgeschehen aus gesundheitlichen Gründen entziehen. Dann tut es mir nicht gut, muss ich mal kurz weg. Oder schnell raus und bis zum Ende von außen zugucken. Auch das kann ich nicht beeinflussen. Die Alternative wäre, gar nicht mehr zu fahren. Aber, dann würde mir fehlen, was ich so sehr liebe. Ich denke also, wir sollten uns auf den Rängen nicht in die möglicherweise nächste Baustelle stürzen. Denken? Ich bitte vielmehr darum! Ein jeder hat so seine Dinge, die ihn heutzutage in einem Stadion stören: Handy statt Spielfeld; auswärts eingepfercht statt Platz satt; Staatsfeind Nummer Eins statt Fußballfan; Spielstandabhängiger statt Spielstandunabhängiger Support usw. usw. Es gäbe eine nicht enden wollende Liste. Aber unter dem Strich bleibt wohl, dass kein Rot-Weisser dass Recht hat, einem anderen Rot-Weissen zu sagen, was er zu tun hat und was eben nicht. Wir sind doch Familie.

Und als Familie sollten wir uns schon auf das nächste Familientreffen freuen. Geht es doch gegen die ollen Kamellen der Südstadt Fortunen. Ewige Weggefährten. Endlich wieder Südstadion im kommenden Frühjahr. Gut, dass war jetzt ein Scherz!

Lassen wir unseren RWE jetzt nicht hängen und kommen Freitag trotzdem. Machen die Hütte voll. Schließlich brennt das Flutlicht. Aber dabei sollte jeder nach seiner eigenen Rot-Weissen Fasson selig werden (dürfen).

 

Wenn du den Regenbogen willst, musst du mit dem Regen klar kommen.

Es hat am Sonntag viel geregnet. Bisweilen sogar vertikal und somit auch auf die eigentlich überdachten Sitzplätze verschiedener Bereiche in unserem Stadion. Es werden schon sehr viele Fans nass, die für einen überdachten Tribünenplatz bezahlt haben. Das muss man einfach auch mal so kommunizieren, denn es hält bei ähnlichem Wetter zukünftig Fans ab. Und das kann keiner wollen. Ich hoffe trotzdem, dass die beiden Fans, die eher mit dem Wetter als mit dem Spielergebnis haderten, trotzdem wiederkommen. Ich kann ihren Ärger verstehen, aber wir sind nun mal keine Turnhalle. In einer solchen will kein Mensch Fußball schauen.

Warum startet man ausgerechnet zu einem Spiel gegen den SC Verl euphorisch? Das vermag ich jetzt auch nicht mehr zu schreiben; heute morgen jedoch erschien es mir irgendwie recht logisch: Heute verliert Verl. Gegen uns! Vielleicht war das der Denkfehler. Egal! In der aktuellen Euphorie befindlich, musste sogar mal wieder ein Schal außerhalb des Fensters vom Ziel der Fahrt zeugen. Das ging soweit auch ganz gut, doch leider war es der schwere Strickschal, der von außen und von Regen getränkt, bei Tempo 140 dermaßen gegen den Lack knallte, als wollte er diesen vom Chassis lösen. Nee, da fing das also schon mal an mit den schlechten Omen. Ein Parkplatz musste her und wurde gefunden. Gut, wenn man stets ein Arsenal an RWE Fanschals mit sich führt: Der klatschnasse Strickschal wurde gegen ein leichteres Modell ausgetauscht.  Schlechtes Omen abgewehrt.

Doch das Nächste tat sich auf, denn 450 Meter vor der Ausfahrt Essen/Gladbeck verhinderte eine Vollsperrung nach Unfall die nun wieder euphorische Weiterfahrt. Da knallte gar nichts mehr gegen den Lack, alle Räder standen still. Vorbildlich wurde übrigens die Rettungsgasse eingehalten. Es geht also! Und es ging alsbald auch weiter. Proppenvoll mittlerweile der Parkplatz an der Hafenstraße, die selbst nicht so voll war, wie vielleicht erhofft und/oder erwartet. Was allerdings ein Luxusproblem darstellt, war es doch trotzdem wieder fünfstellig. Möglicherweise hielten Wetter und Kuchen manch weitere potentielle Besucher an diesem usseligen Sonntag ab. Unsere Mannschaft dürfte jedenfalls keinen Hinderungsgrund mehr darstellen, die Konstellation der Begegnung schon mal gar nicht.

Die erstaunlich vielen Verler an Deck hatten Fahnen im Gepäck; auf dem Feld schwor die Unseren ein der Ruthenbeck. Grundstimmung immer noch leicht euphorisch, das Ganze leicht durchnässt. Die Fahne hing. Was sich jedoch schnell wandelte, also das mit der Euphorie, wurde unsere Abwehr doch schon nach fünf Minuten ihrerseits nass gemacht. Das ging eindeutig zu leicht für die Verler Sportskameraden und wurde zunächst noch durch einen verwandelten Elfmeter korrigiert. Gefühlt die Stimmung auf den Rängen noch bei „Uns kann keiner“ und auf dem Feld ein wenig Laissez-faire. Vielleicht würden wir hier auch das Wort pomadig in Erwähnung ziehen. Auf jedem Falle herrschte alles andere als Unsicherheit auf dem Feld. Bei den selbsternannten Bauernlümmel schon mal gar nicht, und auch bei den Unseren herrschte noch relative Ruhe. Unser Trainer hingegen, der ging schon das ein oder andere mal aus dem Sattel und beorderte das nicht mehr ganz so geheime Geheimrezept Ersatzbank mit Auftrag „warm machen“ in den Regen. Ran an die Schüppe also für alle.

Das Signal kam an bei den Ostwestfalen (Kommen mittlerweile eigentlich alle Vereine aus Ostwestfalen?), so dass sie nach einer guten halben Stunde erneut in Führung gingen. Eine Rot-Weisse Drangperiode folgte, der Lautstärkepegel war bisweilen eng an die Pfiffe des Unparteiischen gekoppelt. Wäre die Begegnung eine höherklassige gewesen, so hätte sich möglicherweise das ein oder andere Mal die Kölner Unterwelt eingeschaltet. Glücklicherweise zählt bei uns noch der Tatsachenentscheid. Und das ist auch gut so, selbst wenn es dann gegen uns ausgelegt wird. Fußball passiert in Echt- und nicht nach Wartezeit. Applaus zur Halbzeit. Etwas gemäßigt, aber aufmunternd. Das ist der erspielte Kredit.

Die zweite Halbzeit hatte nicht nur fünfundvierzig plus X Minuten parat, sondern durchaus auch eine Drangperiode unserer Rot-Weissen. In jener auch die Kulisse ohne wenn und aber wieder zu 1907% bei der Sache. Aber irgendwie fehlte das letzte Quäntchen Glück; die entscheidende Idee. Außerdem  waren die Verler Bauernlümmel einfach zu abgewichst. Die hatten ihren Fuß ständig im Weg und wussten einen Weg heraus aus dem eigenen Sechzehner. Und nicht nur das: Sie fanden auch noch zweimal recht einfach den Weg in den unseren. Inklusive Abschluss. 1:4 somit nach 82. Minuten. Trübsal in den Gesichtern rundherum, alle irgendwie ein wenig nass gemacht. Von oben und von Verl. Auf der West wurde derweil für Fans ohne Eintrittskarte und gegen einen Verein aus der Nachbarstadt gesungen. Auch wenn heute nix ging, zum Ende ging es doch raus mit Applaus.

Dass ist möglicherweise die wichtigste Erkenntnis des gebrauchten Spiels gegen den SC Verl: Es war nur eine Frage der Zeit, wann auch uns die erste Niederlage ereilen wird. Aus unserer Regionalliga kommt diese Saison keine Mannschaft, ohne mal aufs Auge zu bekommen, oder sich eine Beule einzufangen. Die Beule heute tat natürlich nicht nur weh, sondern verletzte sich mit David Sauerland (Gute Besserung!) auch noch ein Abwehrspieler von Format. Ein gebrauchter Tag also. Kennen wir. Glücklicherweise können wir uns direkt Donnerstag schon wieder gen Mönchengladbach aufmachen, den Regenbogen in Form von drei Punkten zu suchen. Und wir werden ihn finden!

Nur der RWE!

 

Familie Kasuppke. Prolog: Saison 18/19.

Seufzend legte Ursula Kasuppke die Montagsausgabe der Tageszeitung beiseite und nahm einen großen Schluck Kaffee aus dem Kaffeepott. Rot-Weiss Essen hatte verloren. Diesmal jedoch nicht in irgend so einem relativ unbekannten „Dorf“, sondern mal wieder in Aachen, bei der dortigen Alemannia. Ihr längst verstorbener Mann Willi würde sich im Grabe umdrehen, dachte Ursula so bei sich und überlegte schon, was sie ihrem Willi denn sagen könnte, um die Niederlage so gut wie möglich zu verkaufen. Bei mittlerweile zwölf Niederlagen kann man da unten ja auch schon mal Drehschwindel bekommen! Andererseits kann sich Willi darüber ja eigentlich nicht mehr groß aufregen, sinnierte sie bei einem weiteren Schluck Kaffee und einem tiefen Zug aus der Zigarette: Schließlich ist Willi ja tot!

So hatte sie aktuell nicht nur ganz alleine die Sorgen um den geliebten RWE auf ihren mittlerweile schmalen Schultern zu tragen, sondern musste sich zudem ständig ausdenken, wie sie ihrem Willi im montäglichen Zwiegespräch auf dem Margareten Friedhof das Wochenendspiel schönreden konnte. Im Falle einer Niederlage natürlich. Denn wenn ihre Jungs das Spiel gewinnen konnten, da sprudelte es nur so aus ihr heraus. Manchmal kam es ihr dann auch so vor, als könnte sie spüren, wie Willi mit ihr leidet oder sich freut. Was sie Willi seit seinem Tod verschwiegen hat, und was sie seitdem belastet, ist dieser Relegationsquatsch aus der Regionalliga. Selbst dieses Wort hat sie Willi niemals gegenüber erwähnt. Und bei „Vierte Liga“ täuscht Ursula am Grabe sitzend jedesmal einen Hustenanfall vor. „Der Willi da unten denkt doch noch, wir spielen in der zweiten Liga“, so entschuldigt sich Ursula jedesmal bei ihren Grabstättischen Nachbarn über Tage und am Grabe, wird dort bei ihren Ausführungen die Stirn gerunzelt. Weil inhaltlich ja nicht so ganz korrekt.

Ach der Willi….An diesem Punkt hielt Ursula stets kurz inne, denn manchmal ist es nach so vielen Jahren wirklich nicht mehr leicht, sich daran zu erinnern, ob erst die Liebe zu Willi oder die zu RWE ihr Leben bestimmte. Oder ergab das eine dann auf einmal auch das andere? Wenigstens, so sinnierte Ursula weiter, wenigstens lebt der Verein immer weiter. Nicht so wie Willi und die vielen anderen Rot-Weissen Fanseelen, die schon gegangen sind. Wie gerne würde sie noch einmal Hand in Hand mit Willi die Hafenstraße Richtung Stadion hinaufgehen. Wie viele ältere und ganz alte Fans gibt es wohl, die nicht mehr in das Stadion gehen, weil es den Partner nicht mehr gibt. Oder weil es alles zu aufregend geworden ist und manchmal auch nicht mehr schön wegen der vielen Polizei und der Knallerei. Sie wusste darauf keine Antwort. Und eigentlich kannte sie „ihre Jungs“ ja auch schon lange nicht mehr beim Namen, so oft wie Spieler kamen und gingen.

Also reicht ihr mittlerweile das Endergebnis und der Spielbericht. Den Rest konnte sie sich aus so vielen Jahren und Spielen an der Hafenstraße denken, hat die Geräuschkulisse noch in den Ohren, den Stadiongeruch in der Nase und die wehenden Fahnen vor Augen. Wie auch immer: Willi bekam das Spiel auf jeden Fall immer mit Leidenschaft nacherzählt.

Fortsetzung über das Leben der fiktiven Familie Kasuppke folgt (möglicherweise)…..

Ja! Ich will!

Haben wir schon diesen Lauf, dieses gewisse Etwas, welches im Laufe einer Fußballmannschaft vielleicht nur alle zehn Jahre einmal vorkommt? Haben wir diese Mannschaft, die es schaffen könnte, uns allen einen langgehegten Traum zu erfüllen? Haben wir eine Mannschaft, die uns aufsteigen lassen könnte? Man könnte versucht sein, mit „JA“ zu antworten, so schön ist es gerade rund um die Hafenstraße. Und wir sollten jede Sekunde mit dieser, unser aller, Mannschaft genießen. Denn natürlich werden auch Rückschläge kommen. Nicht, dass ich mich darauf freue, aber ich finde es schlicht nur fair uns allen gegenüber, daran zu erinnern.

Es droht kommendes Frühjahr sogar der Supergau aller Rückschläge, nämlich die Meisterschaft in der Liga und die darauf folgende Niederlage in der größtmöglichen Perversion des DFB, der Relegation. Man frage hierzu gern auf dem Waldhof nach. Nun kickt der Waldhof endlich ebenso wieder in der dritten Liga wie auch die geldgeführte Viktoria aus Köln. Beide mischen mittlerweile erstaunlich gut in der dritten Bundesliga mit. Es gilt also irgendwie diesen schmalen Flaschenhals zwischen Regionalliga und dritter Liga zu überwinden, und es lässt es sich wesentlich befreiter aufspielen. Margarine wäre eine Möglichkeit, dann flutscht es besser. Gleitgel, immer gut. Hat aber den Touch des Verruchten.

Hilft also alles nichts, der eigene sportliche Erfolg muss es richten. Nebst einer gehörigen Portion Glück und den passenden Ergebnissen der Konkurrenz. Betrachtet man nun den bisherigen Saisonverlauf und das Auftreten der eigenen Mannschaft, so kommt man nicht umhin zu sagen: „Ja, ich will!“. Ach quatsch, ich sage es nicht, sondern ich rufe es, so laut ich kann heraus: „ Ja, ich will diese beiden Relegationsspiele (diese Perversion) erreichen“. Gegen wen und wann auch immer. Und warum sage, beziehungsweise rufe ich das? Weil ich mittlerweile davon überzeugt bin, dass es diese eine Saison sein wird, wie sie eben nur alle zehn Jahre nur einmal vorkommt, und bei einem Verein wie RWE auch wohl  nur vorkommen kann.

Wir haben aktuell enorme Qualität auf dem Platz und an der Seitenlinie. Wir haben eine Mannschaft. Wie haben Spieler, die es genießen, die Hafenstraße zum Leben zu erwecken und Teil dieses schlafenden was auch immer sein wollen. Unsere aktuellen Vertragsspieler haben nicht nur Blut, sondern auch Rot-Weiss geleckt! Wollen hier endlich, wieder oder immer noch gemeinsam durchstarten. Und wer auch immer diese Mannschaft gescoutet hat, dem gebührt ein ganz großes Lob: Selten wurden alle Positionen bei RWE qualitativ so gleichwertig und hochwertig besetzt. Da wurde mit großem Fachwissen gepuzzelt.

Und da das geneigte Publikum an der Hafenstraße über ein ebenso großes Fachwissen auf sportlicher und emotionaler Ebene verfügt, honoriert es den Auftritt der eigenen Mannschaft endlich wieder und belohnt es mit ständig fünfstelligen Kulissen. Für Spieler, die zum Beispiel in Wolfsburg bei der dortigen Zwoten vor fünf Zuschauern gespielt haben, ein emotionaler Quantensprung. So wie die Hafenstraße in schlechten Zeiten die Beine lähmen kann, so sehr beflügelt sie diese auch in guten Zeiten. Nun haben wir gute Zeiten. Endich haben wir sie wieder. Und wir sollten alle gemeinsam daran arbeiten, dass es auch noch länger sportlich gute Zeiten bleiben.

Das nächste Spiel ist wieder zuhause; Ist wieder an der Hafenstraße. Gegner im wirklichen Spitzenspiel dann der SC Verl. Ein unangenehmer Vertreter seiner Zunft. Kategorie Angstgegner. Aber keine Angst, diesmal machen wir dem Angstgegner Angst: Weil wir ihn von Anpfiff an verbal in Grund und Boden „stampfen“, indem wir unsere Mannschaft ohne Unterlass anfeuern und zum Erfolg tragen werden. Dies wird unsere Saison!

Warau kado niwa fuku kitaru

Für eine gute Überschrift ist uns kein Weg zu weit, deshalb hat es uns diesmal sogar bis in das ferne Japan verschlagen: „Das Glück tritt gern in ein Haus ein, in dem Frohsinn herrscht“, so die Übersetzung dieser japanischen Weisheit. Nähert man sich der Überschrift auf den RWE bezogen inhaltlich an, so liegt in ihr, wie in so vielen asiatischen Weisheiten auch, mehr als nur ein Quentchen Wahrheit. Runtergebrochen auf den schnöden niederklassigen Fußball hierzulande reden wir also davon, dass es uns gerade verdammt gut geht, da unser Verein uns momentan sehr fröhlich stimmt. Frohsinn Hafenstraße.

Wir haben die Grauzone verlassen und finden uns auf einer kleinen Welle der Euphorie wieder. Nicht, dass wir zu Beginn der letzten Saison auch schon mal darauf herumgeritten sind, aber dann kam Lippstadt. Diesmal kamen wir nach Lippstadt, und es ging noch einmal gut aus. Kleine Welle und euphorische Ansätze bestehen weiter, tragen einander von Spiel zu Spiel. Viel zu lange aktuell die Zeiten zwischen Abpfiff und Anpfiff. Man möchte sofort wieder mitfiebern und anfeuern; kann es gar nicht abwarten, bis es wieder losgeht. Welch ein Kontrast zu den letzten Jahren. Unglaublich, wie sportlicher Erfolg der eigenen Mannschaft zugleich Seelenheil und eben auch Frohsinn bedeutet.

Ich denke und hoffe, das man sich auch anderswo über den momentanen Erfolg des RWE freut und ein  bisschen Frohsinn verspürt. In Mainz und Aschaffenburg zum Beispiel. in Lotte und Aalen. Oder wo auch immer ehemalige Rot-Weisse vergangener Jahre nun verstreut sind. Denn sie alle wollten auch nur das Beste für unseren Verein, haben für den Erfolg geschuftet. Ok, bei einem Herrn Harttgen weiss ich nicht ganz genau, was auf seiner Agenda stand, aber bei allen anderen gehe ich davon aus. Und sicher wären einige auch weiterhin gerne ein Teil unseres Vereins. Ihr seid es!

Vielleicht bedeutet es in Essen einfach auch diesen einen Tick mehr Frohsinn/Verzweiflung/Leidenschaft als an anderen Fußballstandorten. Vielleicht sind wir hier mehr verwurzelt mit unserem Verein als anderswo. Haben und wollen manchmal auch nichts anderes als unseren RWE. Sind an Spieltagen mit Bier und Wurst zufrieden, vergessen die Ernährungspyramide für den Moment. Brause macht schließlich auch nichts anderes als fieses Sodbrennen. Sogar sportlicher Natur.

Wie wir nun aktuell unsere eigene sportliche Natur mögen, spiegelt sich natürlich auch in den  Zuschauerzahlen wieder: Sowohl an der Hafenstraße, als auch in der Fremde, sorgt der RWE momentan für Zahlen, die manch Dritt- und gar Zweitligisten vor Neid blass werden lassen. Fünfstellig Hafenstraße. Gut, dass wir das Stadion haben, was wir haben. Dorthinein können noch viele weitere Fans zurückgeholt werden, ohne dass irgendjemand um seinen angestammten Platz fürchten muss. Die Familie Rot-Weiss kommt endlich wieder zusammen.

Wie fragil unser Gebilde natürlich noch ist, auch dem modernen Zirkus Fußball geschuldet, zeigen erste kleine Bedenken, die darin bestehen, dass doch andere Vereine  nun auf unseren guten Lauf aufmerksam werden und Personal abwerben könnten. Kann passieren, muss aber nicht. Keine Panik diesbezüglich. Alle haben Vertrag und wissen, was sie an der Hafenstraße einmaliges bewirken können. Wenn Du hier Erfolg hast, dann bist Du wer. Für ziemlich lange Zeit. Manchmal sogar für immer!

Freitag Abend nun betritt einmal mehr der Bonner SC unser Haus und wird nicht nur mit vollen Tribünen und Flutlicht konfrontiert, sondern auch mit jenem herrschenden Frohsinn. Und sogar mit Geduld. Geduld, das war das immer so ein Ding in den letzten Jahren: Lief es in den ersten drei Minuten nicht direkt wie erhofft, wurde Geduld stante pede in die Tonne gekloppt und zum Gegenangriff auf die eigenen Mannschaft gepfiffen. Diese spielte sich in die Verunsicherung und das Drama nahm seinen Lauf. Kannste aktuell vergessen, denn die Mannschaft hat sich einen Kredit erspielt, der regelmäßig bedient wird. Sonderzahlungen wie dieses Dingen mit den Toren durch Einwechselspieler inklusive. Der Fan würde momentan ohne zu zögern gerne auch den Kredit erhöhen, den Dispo der Saison 19/20 ausweiten oder was auch immer nötig ist, um dieses kleine Glück im eigenen Haus zu belassen.

Seit wir zwei uns gefunden…..

 

Kulinarische Körperintelligenz.

Der Niederrheinpokal und seine zweite Runde: Aus Rot-Weissem Selbstverständnis wohl eher eine Mischung aus Testspiel und Zahnwurzelbehandlung. Schließlich bedeutet die automatische Teilnahme am unterklassigen Pokal stets auch, nicht hochklassig zu spielen. Was ja an sich schon ein Affront ist. Leider jedoch wurde der Niederrheinpokal in der letzten Dekade zu unser täglich Brot. Potentielle Testspiel- oder früher eher belächelte Gegner wurden zu Pflichtspielgegner. Namenhafte Fußballstädte wurden bespielt, statt auf den VfL oder den MSV traf man dort leider „nur“ auf den 1.FC oder den HSC.

Bisweilen hatte man Gefühl, die Auslosungen erfolgten bestimmten Regularien, wie zum Beispiel dem Prinzip, dass sich erst alle Essener Vereine eliminieren, bevor es auswärts geht. Die Zuschauerzahlen hielten sich dabei stets in Grenzen; der „Szene“ war ein aktiver Besuch höchstens ab Halbfinale nebst namenhafter Gegner einen lautstarken Besuch wert. Manchmal aber,  ja manchmal bescherte uns dieser eher ungeliebte Wettbewerb auch epische Spiele. Epische Halbfinals wie gegen den MSV Duisburg und erfolgreiche Finalspiele gegen RWO und den WSV zum Beispiel. Somit auch ab und an ein Ticket für den wirklich wichtigen Pokalwettbewerb, für den wir uns eigentlich und von Haus aus gerne ständig qualifiziert wissen wollen.

Recherchiert man die letzte Dekade an Zweitrundengegnern, so kommt man einerseits zu der Erkenntnis, dass unser aller RWE stets weiterkommen konnte. Andererseits waren die Spiele auch von scheinbar so untergeordneter Bedeutung, so dass lediglich dass Spiel vom 09.10.2009 beim Hamminkelner SV insoweit aktenkundig ist, so dass neben dem Ergebnis von 4:0 für den RWE auch eine Zuschauerzahl von knapp 2.000 Fans ermittelt werden konnte.

Für die weiteren neun Zweitrundenspiele jener Dekade, egal ob in Rellinghausen, Twisteden, Kleve oder am Uhlenkrug zum Beispiel, ließen sich Zuschauerzahlen kaum ermitteln. Dafür bekommt man bei Eingabe der Partien Perlen der Internetrecherche zu lesen, wie zum Beispiel „Bürgerverein spendiert freies Planschen im Freibad Mirke“, „Bundeswahlleiter will Skandalseite stoppen“, „Bestes Schmerzmittel gegen Arthrose“ oder eben auch „Kulinarische Körperintelligenz“. Man ahnt: Suchmaschinen interessieren sich nicht wirklich für einen unterklassigen Pokalwettbewerb.

Heute Abend jedoch, da wird mal wieder alles anders. Da bekommt ein Zweitrundenspiel eines unterklassigen Pokalwettbewerbs eine Aufmerksamkeit, wie sie nicht einmal manch Zweitligaspiel vergönnt ist. Medial vielleicht, aber auf den Rängen sicher nicht. Es wird also doch richtig gelost und nicht zugeordnet, hätte es die Partie RWE – KFC Uerdingen ansonsten kaum zu diesem frühen Zeitpunkt gegeben.

Der Vorverkauf, er ist gut angelaufen und lässt auf eine gute Kulisse hoffen. Ob es wirklich fünfstellig werden wird, dass vermag, kurz nach Mitternacht, noch keiner zu sagen; definitiv jedoch wird es die größte Kulisse sein, die jemals einem Zweitrundenspiel im Niederrheinpokal beiwohnen wird. Und ebenso definitiv bewahrheitet sich aktuell, dass der RWE ein schlafender Zweitrundenriese ist. Aktuell könnte der RWE selbst gegen Eintracht Nordhorn spielen, und die Hafenstraße wäre gut gefüllt. Man hat wieder Lust auf den RWE! Mir doch egal, wer da kommt, aber ich will die Mannschaft sehen. Und heute kommt nicht einmal irgendwer, heute kommt mit dem KFC Uerdingen ein Drittligist.

Numerisch und auf dem Papier daher Außenseiter, kann man im Gegenzug aber mannschaftliche Geschlossenheit, Flutlicht, Hafenstraße und gewiTITZte Einwechselungen in die Pokalwaagschale werfen. Es wird ein spannender Abend anne Hafenstraße 97a. Es kribbelt grad so schön, wir sollten daher jede Minute mit unseren Rot-Weissen genießen.

Leserbrief, die Frühstückslektüre.

Es gibt ja schon erste Stimmen, denen der aktuelle Zuschauerschnitt an der Hafenstraße Kummer bereitet, da man sich möglicherweise von Erfolgsfans umgeben sieht. Ich denke, es ist noch verfrüht, um von Erfolgsfans zu sprechen. Und wenn doch….ja warum soll sich denn keiner ganz frisch und unverdorben von unserem RWE angezogen fühlen? So viele Jahre wurden die alten Fans aus dem Stadion gespielt, da wäre es doch schön, wenn sich überhaupt noch jemand angespielt fühlt, anstatt reflexartig zur Bayern oder Dortmund Bettwäsche zu greifen. Und bevor die nächste Stufe die ist, dass sich auch noch Rasendosendoof in heimischen Schlafzimmern breit macht, dann doch bitte lieber ehrliches Bier statt ekeliger Brause.

Aber, um direkt wieder zu deeskalieren: Der aktuelle Zuschauerschnitt beinhaltet meiner Meinung nach nicht einen einzigen Erfolgsfan! Die aktuelle Mannschaft hat sich lediglich langjährige Fans zurückerspielt und gibt sie hoffentlich nicht so schnell wieder auf. Erst wenn an der Hafenstraße die Lücken bebaut werden, dann hält auch der Erfolgsfan Einzug in die Selbsthilfegruppe 97a. Und dann sollten wir alle sie sozialisieren. Darauf vorbereiten, dass Erfolg und Freude bei Rot-Weiss Essen im Anschluss auch eine lange Leidensphase bedeuten kann. Und wer dass dann mitträgt, ja Mensch, da freut sich sicher auch der olle Melches einen Pin in die Wolke.

Es gibt aber auch diejenigen, die mit Rot-Weissen ganz alter Schule das Leben teilen und nun endlich aufgehört haben, sich zu wehren. Sind mit an die Hafenstraße und haben einen schönen Abend gehabt, wie diese Mail im Anschluss belegt. Und da diese auch noch so herrlich geschrieben ist, darf ich sie mit Erlaubnis der Verfasserin hier veröffentlichen. Zeit zu schmunzeln. Auch das relativ neu rund um unseren RWE!

Hallo Herr,

heute habe ich in der NRZ ihren Kommentar „Mythos Hafenstraße 97a“ gelesen und was soll ich sagen?

Nur der RWE! Was sonst?

Das muss „Frau“ nur erst mal verstehen.

Vor Jahren hätte mir das mal einer erzählen sollen, dass ich als Essen-Stadtwälderin mal in Borbeck wohne und nen Rot-Weissen heirate. Das ist das eine.

Das andere, dass ich damals auch nie geglaubt hätte, mal mit einer Flasche Stauder in der Hand vor dem Hafenstübchen zu stehen und die Massen zu sehen, die sich Richtung Stadion bewegen. Selbstverständlich auch mit lecker Stauder in der Rechten. Wie der Gang zur heiligen Messe, nur besser besucht.

Vor dem Stadion noch schnell eine kurze fuffzehn ergattern. Der Rentner vor mir sagt lautstark: „Ey Nobby gib ma eine, ich muss noch kacken“. Nee is klar. Hier wird das wichtigste auf den Punkt gebracht. Daran muss ich mich erst noch gewöhnen.

Gegen Wattenscheid am letzten Freitag „musste“ ich mit. Jahrelang habe ich mich widersetzt. Aber jetzt: Unser Sohn im Feriencamp und mein Ehemann hat schon Wochen vorher kleine Stiche gesetzt mich zu überzeugen mitzugehen. Gibt es eigentlich einen größeren Liebesbeweis einer Frau an ihren Angetrauten? Ich habe mich natürlich breitschlagen lassen. Nicht zuletzt, weil auch meine Berufskollegen auf mich eingeredet haben wie auf einen sturen Esel. Das darfst du dir nicht entgehen lassen und wenn du erst mal Stadionluft geschnuppert hast … So könnte ich es jetzt endlos weiterführen.

Und was soll ich sagen? Tolles Spiel, großartige Stimmung, eine grandiose Familie! Alles findet sich da harmonisch zusammen. Der Vater mit den Kindegartenknirpsen vor uns, denen ich eine Fanta mitgebracht habe und er es irgendwie nicht verstanden hat, dass die kids was trinken wollen und ich ihnen das Getränk einfach so mitbringe. Sagt der Mittvierziger neben uns: „Musse nich kapiern, so is dat halt bei Rot Weiss, nimmet einfach“.

Und ich komme natürlich wieder, keine Frage. Nicht ständig aber dann und wann. Die Jungs müssen ja auch etwas eigenes haben. Meine größte Sorge vorher, der Seuchenvogel zu sein, hat sich zum Glück nicht bestätigt.

Auf ein Neues

Nur der RWE

Mit besten Grüßen

SAABine aus Borbeck

(das ist natürlich mein „Künstlername“)

Möge nun unser RWE Ihr in Zukunft ein ebenso treuer Begleiter sein, wie der geliebte Saab in der Garage.

Heute, also gleich, geht es für viele einmal mehr in das nahegelegene Niederrheinstadion. Die letzten Jahre sportlich und atmosphärisch eher als Nullnummer verbucht, könnte es vielleicht doch mal wieder etwas werden mit dem ersten Dreier seit sieben Jahren. Ganz sicher sollte es etwas mehr werden an Gastfreundschaft und definitiv wenig an Pfeffer. Gesprüht natürlich nur. Das Spiel als solches darf ruhig mit ganz viel Pfeffer aufwarten. Am Ende zusätzlich mit einem richtigen Sahnehäubchen für unsere Rot-Weissen. Alles geben RWE!

„Denn es reist sich besser mit leichtem Gepäck“!

Es sind nicht immer die spannenden und toll anzuschauenden Fotos während der neunzig Minuten, um die aktuelle Gesamtgemengelage einer Mannschaft darzustellen. Hochwertige Einblicke in die Dynamik unseres so geliebten Fußballs allemal; aber sie zeigen das Spiel an sich und nicht das Zwischenmenschliche innerhalb einer Mannschaft. Wie sollten sie das auch können. Dafür gibt es die Fotos zwischen den Zeilen.

Die Fotos, wenn der Ball ruht; das Spiel kurz bevorsteht oder die Minuten danach. Schöne Minuten des gemeinsamen Jubels oder traurige Minuten nach einer Niederlage. Diese Fotos zwischen den Zeilen: Auch sie einer der vielen Kernkompetenzen der Fotografen, die für „Jawattdenn“ Spieltag für Spieltag einfangen. Seit dieser Saison dürften diese ihren ehrenamtlichen und unermüdlichen Einsatz am Auslöser so richtig mit Freude ausüben, durften sie bislang doch nur strahlende Rot-Weisse ablichten. Die Sonne scheint uns direkt aus dem Allerwertesten mitten in das Objektiv und öffnet geradezu das Herz der Hafenstraße.

Dieses „raue Pflaster“, welches nicht wirklich zimperlich mit seinen Helden umzugehen vermag, verrichten diese ihren Job nicht hart und erfolgreich zugleich. Dieses „raue Pflaster“ wird gerade fast zu einem Ort der Gemeinsamkeit, des Miteinanders und aktuell gelebter Herzlichkeit! Kehrt zurück zu den Wurzeln, zu diesem „Ihr für uns und wir für Euch“. Unter den Fans, gerade älteren Datums, platzen gerade reihenweise Knoten, werden Böcke umgestoßen und Kühe vom Eis geholt. Da wird auf den Rängen mindestens genau so malocht wie auf dem Rasen. Die Fußballunterschicht macht sich momentan mal wieder schick und begibt sich auf eine gemeinsame Reise, die in punkto Hoffnung auf was Besseres vielleicht länger anzuhalten vermag als noch vergangene Saison.

Genießen wir also den Augenblick und bleiben optimistisch, auch wenn mal ein Rückschlag kommt. Denn erst dann wird sich der wahre Wert des neuen Miteinanders zeigen. Aber, zurück zu den Fotos zwischen den Zeilen: Mein Lieblingsfoto der aktuellen „Jawattdenn“ Strecke ist jenes, wo ein versonnen dreinblickender Trainer auf dem Rasen inmitten einiger Kinder und Jugendlicher sitzt und lächelnd dem Treiben auf der „West“ zuschaut. Vielleicht auch darüber schmunzelt, wie sich ein Marcel Platzek so auf dem Vorsängerpodest macht. Ein feines Gespür der dort ihren Job verrichtenden übrigens, „Platzo“ hochzubitten. Schöne Geste für einen Spieler, dem aktuell etwas das Fortune fehlt.

Andere tolle Fotos zeigen, dass dort schon eine Mannschaft inmitten vieler Kindern auf dem Rasen sitzt als lediglich eine Belegschaft, die erst vor kurzem gemeinsam die Arbeit aufgenommen hat. Es scheint zu stimmen. Es wirkt entspannt. Spannend dann aber vor einem Spiel die jeweilige Aufstellung. Christian Titz hatte bislang noch in jedem Spiel eine Überraschung parat und rotiert bisweilen mit einer Verve, so dass man ihn fast für einen Vertreter der Rotarier halten könnte. Aber, der Erfolg gibt ihm Recht und da die frischen Spieler auch noch in schöner Regelmäßigkeit treffen: Das riecht nach Geheimrezept.

Kein Geheimrezept dagegen gab es auf der „West“, als der verdiente Glückwunsch an 15 Jahre „Jawattdenn“ präsentiert wurde. Keiner konnte doch ahnen, dass justament ein Tor für den RWE fiel und die Glückwünsche somit schwer zu halten waren, da alles durcheinander purzelte. Und doch war es das beste Geschenk, was diesem Fanzine zuteil werden konnte: Glückwunsch plus Tor! Danke „Jawattdenn“ für die vielen Jahre! Es gibt wohl kaum einen anderen Verein, der eine solch Konstante als Fanzine vorzuweisen hat. Und wenn man mal ganz ehrlich ist: Ein Erfolgsdingens ist Jawattdenn bei weitem nicht, gab es vorzugsweise schmerzhaftes zu berichten. Dies also auch ein Geburtstag, der Anlass dazu gibt, dass unser aller RWE endlich wieder auf die positive Seite des runden Leders zu kommen scheint. Dass sich aktuell etwas anbahnen könnte, was momentan ja auch diejenigen mitbekommen, die professionell über den Fußball berichten und sich auch den unterklassigen Fußball gerne als eigene Nische auf die Fahne schreiben.

So gab sich am vergangenen Freitag gegen den Nachbarn aus Wattenscheid ein Team von Zeiglers wunderbarer Welt des Fußballs an der Hafenstraße die Ehre. Der Kontakt gestaltete sich sehr nett, das Bekenntnis auch zur Liga 4 wirkte sehr ehrlich. Bleibt allein die Tatsache, dass sich „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ nach diesem Abend in „Zeiglers waren in der wunderbaren Welt des Fußballs“ umbenennen möchte.

Es ist halt aktuell alles ein wenig verklärt, so rund um die Hafenstraße. Man mag es noch nicht richtig glauben, dass uns eine wirklich gute Saison bevorstehen könnte. Denn trotz aller momentaner Euphorie gilt es noch viele, viele enttäuschte Fans zurückzugewinnen. Eine ganze Dekade lang wurden Fans verloren. Gewinnt man diese nun sukzessive zurück, dann könnte dauerhaftes „fünfstellig“ auf den Tribünen bei anhaltendem sportlichem Erfolg keine Utopie bleiben. Holt der Verein jemals alle zurück und begeistert zudem neue Fans für dieses wundervolle Emblem, das kannste Dir nicht ausdenken. Aber noch ist es lange nicht soweit! Zuvor wartet kommenden Sonntag ein weiterer Nachbar: Einmal mehr geht es nach Oberhausen, in dieses für Gäste eher leider ungastliche Stadion. Was helfen könnte, wären mal wieder wieder drei Punkte dort.

Das wird ein weiteres, spannendes Wochenende. Ein Wochenende, an welchem man sogar Tupperwal die Daumen drückt. Was soll man sagen: Nur der RWE!

Love Will Keep Us Alive!

Während meiner kurzen Karriere als Jugendkicker war ich definitiv ein Unterschiedsspieler: Es machte überhaupt keinen Unterschied, ob ich mitspielte, oder eben nicht. Vielleicht auch das ein Grund für mein recht kurzes Leben als aktiver Fußballer.

Oguzhan Kefkir indes scheint aktuell einer dieser Unterschiedsspieler zu sein, für den diese relativ neue Fußballbegrifflichkeit erfunden wurde. Eingewechselt zur zweiten Halbzeit im Spiel beim SV Rödinghausen, gelang ihm direkt eine Minute später das so wichtige Tor zum Ausgleich und anschließendem Endstand. Der in der ersten Halbzeit noch fehlende Zug zum Tor war spürbar geworden, sorgte auch im weiteren Verlauf des Spiels noch für Torchancen, die in der ersten Hälfte noch Mangelware waren. Das natürlich ein Verdienst aller auf dem Feld befindlichen Rot-Weissen, ohne Frage. Es ist schön, dass wir eine richtige Mannschaft haben!

Zwar hatte unser aller RWE auch in der ersten Hälfte spielbestimmende Phasen, diese beschränkten sich aber ungefähr auf die ersten Minuten nach Anpfiff und die letzten vor dem Pausenpfiff. In der Zwischenzeit machte der SV Rödinghausen unseren Spielern das Leben auf dem Feld vermehrt richtig schwer und ungemütlich. Versäumte es glücklicherweise seinerseits jedoch, dem Führungstreffer in der 25. Minute ein weiteres Tor folgen zu lassen. Und dann war da ja auch noch ein Unparteiischer, welcher unseren Farben das Spielen bisweilen schwer machte. Gingen die Küchenjungs auf dem Feld doch recht robust zur Sache. Wir können froh sein, dass das Verletzungspech der letzten Jahre nicht direkt wieder zuschlug. Nee, das war schon recht aufreibend und untermauert die These der vergangenen Woche, dass der RWE keinesfalls die alles beherrschende Mannschaft der Liga sein wird.

Aber der RWE unterscheidet sich in dieser Saison trotzdem von dem der Vorjahre: Ein Rückstand ist keine Katastrophe mehr, sondern ein temporärer Zustand, der sich mit Ruhe und Vertrauen im Verlaufe des Spiels noch umwandeln lässt. Das alleine schon ein Mehrwert im Vergleich zu den vergangenen Jahren. Und doch wäre es natürlich erstrebenswert, seinerseits vermehrt in Führung zu gehen, diese auszubauen und gewinnbringend über die Zeit zu bringen. Ich könnte mir vorstellen, dass steht auch ganz oben auf der Agenda von Mannschaft und Trainerstab. Das Unentschieden unter dem Strich ein gerechtes Ergebnis.

Was nun auf der Agenda einer Zeitung stand, die vermehrt über den SV Rödinghausen berichtet, bleibt zumindest bezüglich der Vorberichterstattung ihr Geheimnis. Schlagzeilenträchtig wurde dort von Ausschreitungen geschrieben, die zu befürchten stünden, da möglicherweise der ein oder andere Fan des RWE ohne Karte anzureisen gedenkt. Die Verbindung „ohne Karte gleich Randale“ schon recht abenteuerlich, wurde unser Vereinskürzel wie ein roter Faden mehrfach falsch geschrieben. Ist das dann Nachlässigkeit? Provokation? Man weiss es nicht, aber der Anhang des „EWE“ hat sich allen Vorhersagen zum Trotze auf jeden Fall als guter Gast erwiesen. Im unsäglichen „Gästeblock“ wurde tapfer ausgeharrt und gesungen, auf der Tribüne bunt gemischt gefachsimpelt.

Dass der Sportplatz nun bei weitem nicht ausverkauft war, wurde wohl gerne in Kauf genommen. Schade eigentlich, denn wie sagte doch der Kommentator von Sporttotal: „Essen is everywhere“. Wer kann dem schon Wiedersprechen?

Den Platz an der Sonne hat man zwei Tage später trotzdem an eben jenen SV Rödinghausen abgeben müssen, der die (aufgrund der Teilnahme am DFB Pokal) verlegte Begegnung bei den Bergischen Gladbachern mal eben mit 4:0 für sich entscheiden konnte. Und dann wäre ja auch noch der Wuppertaler SV, der sich bislang komplett schadlos halten und sowohl uns als auch die Küchenjungs überholen könnte. Sofern im vierten Spiel der vierte Sieg gelingt. Also mit Familie Häcker und ihren Angestellten in Stutzen hatte ich definitiv gerechnet. Oberhausen und Aachen werden kommen, die Tante Lotte vielleicht auch noch. Aber dem WSV habe ich einen solch Start nicht zugetraut, nach all den finanziellen und personellen Turbulenzen. Da war doch alles ebenso im Tal, wie die geographische Lage. Die nächstens Wochen werden dermaßen spannend, man sollte ins Stadion gehen.

Leider nicht mehr in das Stadion gehen können diejenigen, die schon von uns gegangen sind. Aber sie können ab sofort unter Gleichgesinnten weiterleben. Das könnten sie sicher auch auf jedem Friedhof dieser Stadt; auf dem evangelischen Matthäusfriedhof in Essen-Borbeck jedoch können sie dies nun als Art postmortaler Fanclub. Im Schatten der Grabstätte der Familie Melches können zunächst bis zu achtzig Rot-Weisse ihre letzte Ruhe im Kreise von Gleichgesinnten finden. Unter Tage in Urnen und Särgen. Über Tage sorgen Devotionalien aus dem Georg Melches Stadion weiter für das  Gefühl, welches die Hinterbliebenen bestenfalls weiterleben. Vielleicht mag es für Außenstehende ein wenig befremdlich wirken. Aber, ich finde es eine wunderschöne Geste der Verquickung zwischen Leben und Tod. Rot-Weiss Essen gehört zu unserem Leben. Also gehört Rot-Weiss Essen auch nach diesem Leben weiter zu den Menschen, die sich für diesen Bereich auf dem Matthäusfriedhof als Ort für das Leben danach entscheiden. Mögen sie sich aufgrund der sportlichen Ergebnisse nicht zu oft im Grabe umdrehen.

Am morgigen Freitag nun das erste Flutlichtspiel in der Liga, zudem noch gegen einen Nachbarn und Sammelbecken ehemaliger Essener Spieler. Die irgendwie doch sympathische SG Wattenscheid stellt sich einmal mehr an der Hafenstraße vor. Die Berichterstattung über die Lohrheidekicker teilt sich in zehn Fällen aktuell wie folgt auf: Eine Prise Sportliches wird umgeben  von acht Anteilen Finanznot mit einem Hauch von Peter. Dennoch sollte man diese Mannschaft niemals unterschätzen. Gerade mit den vielen Ehemaligen. Und selbst nicht bei einer komfortablen Führung in der Schlussphase…..

Aber, auch wir haben morgen unseren aktuellen Spielern etwas besonders zu bieten: Die Hafenstraße unter Flutlicht! „Fußball Hafenstraße Flutlicht“, das ist das FHF für die ganz besonderen Momente. Für das Flair, welches mittels Beleuchtung alles auf das Spielfeld fokussiert. Alles den Tacken intensiver und lauter erscheinen lässt.  Die neunzig Minuten für das schöne Wochenende. Unsere Spieler werden hoffentlich ein Spiel und eine Atmosphäre erleben, welches ihr Gefühl, sich für den richtigen Verein entschieden zu haben, noch einmal bestärken wird. Vielleicht sogar wieder vor fünfstelliger Kulisse, neigen sich die Ferien dem Ende entgegen und gilt doch für die Allermeisten: Hebt die Hände, hisst die Fahnen…Wochenende (Na ja, so ähnlich halt).

Freitag, 23.08.2019, 19:30 Uhr: Rot-Weiss Essen – SG Wattenscheid 09. Hafenstraße! 

 

New York – Rio – Tokyo ? Köln – Rödinghausen!

Alle Achtung. Oder besser: Alle Neune! Unser aller RWE hat aus den ersten drei Saisonspielen das Optimum an Punkten herausgespielt und war in jedem dieser Spiele jeweils um ein Tor besser als der Gegner. Das klingt zunächst erst einmal sehr effizient. Zum anderen aber auch nach richtig harter, schwerer Arbeit, die es tatsächlich auch war. Der RWE dieser Saison vermag aufgrund der personellen Neuausrichtung aktuell sicher zum Favoritenkreis auf den Relegationsplatz (Meister müssen aufsteigen!) gehören, aber er wird definitiv nicht die Liga in Grund und Boden spielen.

Geduld ist angesagt. Geduld und fortwährende Unterstützung, gepaart mit nimmermüden Glauben daran, dass es nach vielen Jahren sportlicher Tristesse wirklich einmal eine Saison werden kann, die das lange vermisste Miteinander zwischen Verein, Fans und Mannschaft wieder aufleben lässt; als Fundament für sportliche Zukunft dienen kann. Von dem bekannten Kinderbuchautor Janosch stammt wohl jener Satz, der vielleicht das Leben der RWE Fans in der letzten Dekade recht trefflich beschreibt: „Das Glück liegt in der Ferne“ sagte der Esel, „und die Ferne ist immer dort, wo man gerade nicht ist“. Wir waren vergangene Saison schon mal kurz davor, uns aufzumachen. Wollten die Ferne heranzoomen. Doch dann wurde aus dem Zoomobjektiv schnell wieder eine Festbrennweite. Wir kamen nicht näher heran!

Gegen die hochgehandelten Kölner Zweitprofis gab es wie schon gegen den BVB das entscheidende Tor erst in der Schlussminute. Tore für den RWE in den letzten Zügen eines Fußballspiels….das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen und genießen: Welch ein süßer Abgang. Ganz anders als der bittere Stoff der Gegentore in selbem Zeitraum. Siegtore fast mit dem Abpfiff, das sorgt für turbulente Szenen auf den Tribünen, für Stauderdusche, dem temporären Verlust der angestammten Stehtraverse und manch fremden Fan in den Armen. Das sorgt für Glücksgefühle und ein „Adiole“, welches in punkto Lautstärke das Ordnungsamt auf den Plan hätte rufen müssen.

Auf den Plan gerufen hat de facto unsere Mannschaft auch ihren Trainer. Und zwar in seiner Aufgabe als „Ordnungsamt“ dieser. In der ersten Halbzeit wurde nicht so wirklich die Ordnung eingehalten, jene welche von Trainerseite vorgegeben wurde. Zudem waren die kleinen Geißböcke extrem bockig. Wie dem auch sei: Das Trainerteam hat erkannt, dass da etwas nicht rund lief in der eigenen Mannschaft und hat, wie branchenüblich, nicht bis ca. zur fünfundsiebzigsten Minuten gewartet, um die erste Auswechslung vorzunehmen, sondern tat dieses unter dem Raunen des Publikums bereits nach zweiunddreißig und sechsunddreißig Minuten.

Dass es sogar den Kapitän der Hafenstraße traf (mit Gelb vorbelastet), sollte nicht überbewertet werden, auch wenn es in mancher Mannschaft der Fußballgeschichte sicher einer Majestätsbeleidigung gleichen würde, müsste der Mann mit der Binde noch in der ersten Halbzeit vom Feld. Es zeigt unter dem Strich nichts anderes, als dass Christian Titz als Hauptverantwortlicher im Sinne der Mannschaft/des Erfolgs handelt. Und zu dieser Mannschaft zählen eben mehr als die ersten Elf der Anfangsminute. Es zählt jeder dazu. Jeder! Schöner Gedanke eigentlich, ein Fußballspiel recht früh neu zu gestalten, anstatt erst gegen Ende mit Umstellungen zu beginnen. Spitzenreiter. Ist das schön!

Heute dann wieder nach Rödinghausen. Des Essener weiteste Auswärtsfahrt, welche das Fußballspiel zudem nur unter erschwerten Bedingungen betrachten und erleben lässt. Als wäre der Gegner aus Rödinghausen an sich nicht schon auf dem Feld ein gar Unangenehmer und uns in den direkten Duellen um einige Punkte voraus, so wird zudem von Seiten des Gastgebers auch richtig viel unternommen, um möglichst wenig Fans des RWE an heimischer Stätte zu empfangen. So fühlt es sich auf jeden Fall an.

Der längsseitige Gästebereich für den stehenden Rot-Weissen, welcher es sich auf ca. 100 Metern Länge auf bis zu drei Stufen und hinter armdicken Gitterstäben gemütlich machen darf, ist ausverkauft, so dass es dort vor Ort keine Karten mehr geben wird. Unglaublich, was heutzutage alles von den Verbänden als Zuschauerbereich durchgewunken wird, passt es nur annähernd ins Schema. Auf jeder Eintrittskarte für diesen Verschlag müsste der Vermerk „Sichtbehinderung“ stehen und entsprechenden Nachlass nach sich ziehen.

Dass wir auf der Tribüne nicht erwünscht sind, hat man uns ja zudem online recht perfide spüren lassen: Die Essener Postleitzahlen wurden direkt mal geblockt (Ist das eigentlich rechtens, da es an Diskriminierung grenzt?) und im Nachgang weitere Bereiche mit der Vier vorneweg, als es Bestellungen gab, die der SV Rödinghausen wohl nicht mehr seinen Amigos zuordnen konnte. Als es den Küchenplanern dann wohl zu bunt, beziehungsweise zu Rot-Weiss wurde, stampfte man den Onlineverkauf kurzerhand ein. So geht das heute.

Gestern dann entsprechend zum Thema ein Online Artikel der Neuen Westfälischen. Hier werden ohne Karte anreisende Fans direkt mit Randale und Ausschreitungen in Verbindung gebracht. Auf die Idee, dass man vielleicht auch noch guter Hoffnung ist, eine Karte für das Spiel seines RWE zu ergattern, kommt man erst gar nicht. Verkauft sich ja als Schlagzeile auch nicht wirklich gut. Randale macht Quote, man muss sich ja langsam aber sicher den Kommentarspalten anpassen. Wie dem auch sei, jener Artikel  steigert sich in in seiner Dummsinnspirale gegen Ende geradezu ekstatisch, wenn aus unser aller RWE ein uns unbekannter EWE wird. Und das nicht nur einmal. Gnadenlos ziehen die beiden Lokalreporter dieses EWE Dingen durch. Ein Hoch auf das Lektorat!

Das schönste Zitat jener knallharten Recherche: „Die Polizei Herford rechnet am Samstag mit einem hohen Ausschreitungs-Potential auf Seiten der Essener Fans“. Ist das die Begründung, um direkt eine Hundertschaft einzusetzen, oder fusst diese Vermutung auf inhaltlich knallharten Fakten? Gegen wen sollte sich die latent durchaus vorhandene Gewaltbereitschaft des Essener Anhangs heute richten? Herrgott von Bentheim, schafft ordentliche Bedingungen für Auswärtsfans, und solche reisserischen Artikel können uns in Zukunft erspart bleiben. Ich sehe es doch schon kommen: Einem Essener sitzt ein Pups quer, und direkt wird dann ein Böller raus gemacht. Was am besten hilft: Einfach locker durch den Schlüpper atmen. Auf allen Seiten.

Ach klar, gespielt wird ja auch noch. Es wird ein gutes Spiel werden und 1:2 für unseren RWE ausgehen. Wir sind nach dem letzten Gewinn des Zwiebelpokals einfach mal wieder dran. Das entscheidende Tor für unseren RWE in der Nachspielzeit fällt in jener und durch einen unserer Spieler. Da lege ich mich mal fest. Der Rest wird Jubel sein.

 

 

 

 

 

DENN SIE WISSEN, WAS SIE TUN!

Was unterscheidet die aktuelle Mannschaft des RWE von James Dean und Natalie Wood im fast gleichnamigen Hollywood Klassiker von 1955? Dean & Wood wussten als Filmfiguren Jim & Judy laut Drehbuch nicht genau was sie taten, weshalb der großartige Film auch DENN SIE WISSEN NICHT, WAS SIE TUN (Im Original: „Rebel without a Cause“) heißt. Für Liebhaber der Leinwand sicher ein Frevel, eine Legende wie James Dean als Vergleich für unseren notorisch erfolglosen Verein zu benutzen. Aber, das kann wird sich ändern, das mit der sportlichen Erfolglosigkeit. Zumal wir ja durchaus auch schon mal als Legende bezeichnet werden.

Es sind erst zwei Saisonspiele gespielt, die Arbeit zwischen Trainerteam und neuformierter Mannschaft somit immer noch ganz am Anfang einer hoffentlich langen, gemeinsamen Reise. Die Ergebnisse von jeweils 2:1 für unsere Farben lassen auf harte Arbeit und weniger auf Überflieger schließen. Harte Arbeit wird immer gerne genommen an der Hafenstraße, dieser selbsternannten Fußballunterschicht. Somit sind die ersten sechs Punkte schon mal ein anerkennendes Nicken wert. Das sollte als Euphorie erst einmal ausreichen. Was aber zur allgemeinen Zufriedenheit beiträgt ist das Gefühl, dass die da auf dem Platz wirklich wissen, was sie tun. Das sieht alles schon sehr gut aus. Das sieht nach Fußball aus. Wohltuend die Ballsicherheit unserer Spieler, interessant der Spielaufbau. So ganz kommen wir damit noch nicht klar, aber großer Herzklabaster konnte bislang vermieden werden. Auch, weil die Hintermannschaft sehr aufmerksam agiert und die Gefahr für den Schnapper somit weitestgehend minimieren konnte. Man merkt, dass nicht nur der Trainer seine Philosophie konsequent auf die Mannschaft überträgt, sondern dass diese jene welche auch auf den Platz bringt.

Sonntag kamen sie selbst aus Aurich, um der neuen Mannschaft die Daumen zu drücken und um diese zu unterstützen. Ostfriesen wissen was sie tun und was gut ist. RWE weltweit!  Gut gefüllt dann doch zu Spielbeginn der Bereich der Rot-Weissen Fans. Weniger gut wohl die Tatsache, dass man vom Parkplatz aus gefühlt erst halb Duisburg zu Fuß durchqueren musste, um Einlass zu finden. Das hätte geschickter gelöst werden können. Wie dem auch sei: Es war optisch und stimmungstechnisch das zweite Heimspiel der Saison, hielten es doch knapp Dreieinhalbtausend der Fünftausendzweihundert Fans im Stadion mit dem RWE. Und nicht wenige von ihnen sangen die neunzig Minuten komplett durch. Eine Leistung, die durchaus auch mal gewürdigt werden sollte. Da bedarf es schon eine Menge Schmackes in der Stimme, um das durchzustehen.

Der VfB Homberg seinerseits ein durchaus charmanter Gastgeber, bedenkt man, dass er den Gast nicht in seinem eigenen Wohnzimmer empfangen durfte. Da ist man dann einfach nicht so ungezwungen wie sonst vielleicht zuhause und hapert es dann schon mal organisatorisch an der einen oder anderen Stelle. Die Mannschaft des VfB jedenfalls wird noch manch anderen Gegner vor eine harte Probe stellen und weiter Punkte sammeln. Schön, dass auch ihr bisweilen lautstarke Anfeuerung zuteil wurde.

Auch (fast) schön, dass unsere Mannschaft in den letzten Minuten noch in jenen Schlendrian verfiel, der tragischerweise wie festgetackert in der rot-weissen DNA sein Dasein fristet. Der vielfache Verweis im Anschluss an das Spiel, dass vorherige Mannschaften des RWE das Dingen dann noch verloren hätten, vermag nicht zu beruhigen. Es beruhigt eher, und das ist dann das Schöne daran, dass es dem Trainer missfiel. Wie sicher auch vielen seiner Vorgänger, ohne Zweifel. Aber möglicherweise gelingt es jetzt endlich einmal, den Kollegen Schlendrian aus dem Mannschaftsbus zu werfen. Soll er die letzten Minuten woanders verbringen, aber nicht mehr bei uns.

Ach, und wenn ich mir noch etwas wünschen dürfte: Bei uns könnte die Torgefahr noch etwas gesteigert werden. Es ist schön, wenn die Balldominanz ein gefälliges Spiel Richtung gegnerisches Tor zulässt, ohne dass der Gegner groß mitspielen darf, der finale Schmerz für den Gegner dabei aber ausbleibt. So blieb es zur Halbzeit beim torlosen Unentschieden, trotz eben jener Dominanz unsererseits. Ohne Frage, es war schon schick anzuschauen. Zur Halbzeit also trotzdem zufrieden und der Welt einen Wunsch kundgetan:

Ich konnte in der Halbzeit ja nicht ahnen, dass mein Wunsch in der 55. Minute tatsächlich in Erfüllung gehen würde. Gepaart mit meinem vor Spielbeginn geäußerten Endergebnis von 2:1 für unser aller RWE auf einen Wettschein gebracht, und ich hätte nie mehr bloggen müssen. Mein Fahrer hätte mich in Zukunft zu den Spielen abgeholt. Ich tippe aber nicht, daher nichts mit Quote und Traumgewinn. Scheissendreck! Trotzdem ist ein Tor in einer 55. Minute für Rot-Weiss Essen immer noch ein besonderes Tor und viel wichtiger als alles andere. Besonders auch durch die Art und Weise wie Oguzhan Kefkir dieses Ding gemacht hat. Das 2:0 in der 72. Minute durch erneut Kefkir ebenfalls nicht schlecht, sondern sogar auch wieder richtig gut: Sich selbst per Fuß vorlegen um dann mit dem Kopf zu vollenden, kann man mal machen!

Danach folgte noch jener schon thematisierte Schlendrian und eine weitere, verdiente, Feier mit den eigenen Fans. Diese Mannschaft macht Lust auf das nächste Spiel. Und die Tabellensituation aktuell steigert die Vorfreude durchaus noch ein wenig mehr. Macht  Sonntag  die Hütte voll!

Wenn Wolken die Sonne verbergen, gibt es immer irgendwo einen Silberstreifen, der mich ermahnt, nicht aufzugeben.

Gut, vorab zwei Dinge: Aktuell gibt es leider keine Wolke, die auch nur ansatzweise die Sonne verbergen könnte. Also müssen wir uns den Silberstreif am Horizont denken. Und, wir haben das Buch zu diesem Zitat auch nicht gelesen, wissen aber, dass es um zwei Menschen geht, die fest an ein Happy End glauben. Soooo, und damit haben wir endlich die Brücke zum heutigen Saisonauftakt unserer Rot-Weissen geschlagen! Wir wissen natürlich nicht, ob uns diese Saison endlich einmal ein sportliches Happy End im Sinne einer bis zum letzten Spieltag spannenden Saison bescheren wird. Aber, der RWE hat in den letzten Wochen und Monaten etwas fast unmögliches geschafft und die sportliche Lethargie der letzten Jahre in nicht mehr zu erwartende Vorfreude umgewandelt. Kaum zu glauben und fast auch schon ein Happy End an sich! Man ist im Verein felsenfest davon überzeugt, dass es besser wird. Dass es klappt mit der neuen Mannschaft. Auch wenn der Felsen noch nicht so fest stehen könnte, wie wir es vielleicht direkt von Anbeginn gerne hätten. Der wird noch manches Mal wackeln.

Die Saison 2019/20, sie kann so starten wie eine Autofahrt durch eine Niederländische Kleinstadt nahe Gronau/Westfalen: Alle zweihundert Meter gilt es irgendwelche Drempel zu umfahren oder irgendwie drüber hinweg zu kommen. Andauernd wird abgebremst, geschaltet, geflucht und wieder Gas gegeben. „Let op! Drempels“. Irgendwann kommt man dann trotzdem ans Ziel. Sie kann natürlich auch furios, elegant oder gar gruselig beginnen. Das sehen wir dann heute Abend nach Abpfiff. Aber dieses lange nicht mehr gekannte kribbeln, diese Lust darauf, dass es endlich losgeht. Dieser Widerspruch zu den letzten Jahren, wo es leider nur kribbelte, wenn es aufhörte! Das ist rational eigentlich gar nicht zu greifen. Schließlich wurden dermaßen viele handelnde Personen ausgetauscht, so dass wir ja noch gar nicht wirklich wissen, wen wir nachher anzufeuern gedenken. Und doch ist da dieses irrationale Gefühl, dass dieses Jahr eine Mannschaft aufläuft, die richtig Bock auf uns und die Hafenstraße hat. Zudem schon ohne Pflichtspiel etwas ausstrahlt und sich wohl nicht mehr einfach den Senf  von der Frikadelle nehmen lassen will. Das wird richtig spannend nachher, denn auch die Jungborussen wollen ja noch was werden.

Nach der Saison ist vor der Saison, mal frei nach Herbergers Sepp. Für manch einen war es aber trotzdem die letzte Saison, hat man doch einfach den Papp auf, glaubt nicht an sportliche Besserung. Das ist absolut zu respektieren und nachzuvollziehen. Vielleicht kann man diese enttäuschten Fans sukzessive durch entsprechende Leistungen und ansprechendem Einsatz auf dem Feld zurückgewinnen. Wenigstens ein klein wenig wieder neugierig machen. Denn eigentlich warten doch alle nur darauf, dass ihr Verein sie endlich wieder an die Hafenstraße zurückholt.

Die vergangene Saison war auch die letzte für einen von uns, der sich auch die neue niemals im Leben entgehen lassen hätte. Am 19.07. ist Günter Barchfeld verstorben. Ich war sehr traurig, als ich davon erfahren habe; aber mittlerweile ist es so, dass ich hier mit einem Lächeln sitze, wenn ich an ihn denke. Es ist nicht nur ein Lächeln, sondern zugleich auch ein warmes Gefühl, welches sich auftut, denkt man an diesen wunderbaren Menschen. Schon optisch ein Sympath vor dem Herrn, bestach Günter Barchfeld stets durch seinen Witz und die unvergleichliche Art, seine Anekdoten zu erzählen. Er wird uns fehlen, ebenso wie auch der fast zeitgleich verstorbene Reinhard Rudnick. Ich glaube aber, dass es sich wie in einem bekannten Trauerspruch verhält: „Wenn ein Mensch stirbt, dann ist das so, als verschwände ein Schiff hinter dem Horizont. Es ist immer noch da, wir sehen es nur nicht mehr“. Günter und Reinhard, sie sind wie alle anderen von uns gegangenen noch da;  bekommen nun auf eine andere, uns noch unbekannte Art, die kommende Saison mit. Jubeln und leiden mit uns. Singen den Oppa und Adiole.

Zwischen Oppa und Adiole ist ja immer auch die Zeit für einen weiteren, ebenfalls ganz besonderen Menschen, uns mit Mikrofon in der einen und Zettel in der anderen Hand, einiges anzusagen. Manchmal auch die Wacht, läuft es auf den Tribünen nicht ganz rund im Eckigen. Davor und danach natürlich auch. Stadionsprecher sein (ehrenamtlicher) Job und Walter Ruege sein Name. Und dieses mit dem heutigen Spiel seit nunmehr vierzig Jahren. Meine Güte, vierzig Jahre Stadionsprecher bei Rot-Weiss Essen: Viele Regierungssprecher werden wohl weniger schicksalhaftes erlebt haben, als Walter Ruege in seiner langen Karriere. Die Sprecherkabine sein Zuhause, seine angenehme Stimme unsere Heimat. Herzlichen Glückwunsch zu diesem Jubiläum der ganz besonderen Art.

Es gibt also auch ohne Spiel schon viele emotionale Momente rund um den heutigen Saisonauftakt an der Hafenstraße. Und wenn es nur das erste Würstchen am Hafenstübchen oder das Wiedersehen mit länger nicht gesehenen Tribünennachbarn ist. Emotional alleine schon die Wucht der Zahl an Fans, welche wohl heute dem Spiel beiwohnen werden. Fünfstellig wird es werden, trotz Urlaub. Unfassbar. Alle bekloppt!

Ich bin aufgeregt. Rot-Weiss Essen: Mehr als alles andere! Es geht wieder los. Wie es immer wieder losgehen wird. Aufgeben gilt nicht.

 

The Things We Do for Love!

Man neigt ja dazu, die britische Rockband „10cc“ auf den Schmachtfetzen „I’m Not in Love“ zu reduzieren. Weit gefehlt, gab es doch mindestens noch „Dreadlock Holiday“. Dann verließen uns leider weitestgehend die Erinnerungen an diese Band aus den 1970er Jahren. Bis wir auf den Song „The Things We Do for Love“ stiessen. Mag nun „I’m Not in Love“ eher dem benachbarten Bundesligisten und der Beziehung zu seinen Fans gewidmet sein, so ist „The Things We Do For Love“ aktuell der ultimative Soundtrack für den RWE und seine Fans. Die Fans in Rot, sie tun weiter so viel Dinge aus Liebe, so dass man fast schon von einer einseitigen Beziehung sprechen könnte.

Schließlich hat unser aller RWE auf dem Feld schon lange nicht mehr für eine stabile Beziehung, oder wenigstens für ein Gleichgewicht in der Partnerschaft gesorgt. Macht aber auch nichts: Fans denken selten rational, handeln zumeist nach kurzer Phase intensiver Enttäuschung wieder voller Inbrunst und Zuneigung. Handeln ihren eigenen Vertrag für die kommende Saison mit sich und der eigenen Fanseele aus. Ist der Vertrag dann erst einmal ausgehandelt, steht unter dem Strich der Vereinbarungen nicht selten erneut doch wieder die Dauerkarte. Und das, obwohl man sich noch vor wenigen Wochen (und alle Jahre wieder) kaum vorstellen konnte, sich erneut auf einen längerfristigen Kontrakt mit dem eigenen Verein einzulassen. Rein monetär betrachtet, spart eine Dauerkarte unter dem Strich natürlich viel Geld. Kostet aber unendlich viel Nerven. Umgekehrt gilt aber auch: Hast Du keine Dauerkarte gekauft, sparst Du natürlich unendlich viele Nerven, aber nicht wirklich viel Geld!

Man stelle sich nun einmal vor, die Saison läuft tatswahrhaftig auch nach dem sechsten Spieltag noch gut für uns, es kribbelt ohne Ende und man muss fast zwanghaft nun doch alle zwei Wochen zur Hafenstraße rennen….ja, dann zahlst halt drauf! Aber, was soll all der Stress um den schnöden Mammon, schließlich ist ein jeder sein eigener „Dauerkartens Schmied“! Für den Verein bedeuten Dauerkarten natürlich immer auch ein Stück Planungssicherheit, weswegen man an der Hafenstraße (recht laut) davon träumt, gleich derer fünftausend noch vor Saisonbeginn an den Fan jeglichen Geschlechts zu bringen. Ein ziemlich feuchter Traum, lässt man noch einmal die vergangenen Jahre Revue passieren. Aber, den Mutigen gehört die Welt, warum also nicht ein solch ambitioniertes Ziel formulieren und den Dauerkartenzähler jeden Tag aktualisieren? Es lässt sich doch sportlich recht gut an gerade, und schlechte Laune können wir irgendwann immer noch früh genug bekommen.

Es ist schön zu verfolgen, wie sich die Fans beinahe gegenseitig doch immer wieder ermuntern, eine Dauerkarte zu kaufen, um erneut zu signalisieren: „Scheiss auf Liga 4, wir stehen zu Dir“. Ich kann mir gut vorstellen, dass der RWE durchaus weiss, diese Treue eigentlich gar nicht mehr verdient zu haben. Aber umso dankbarer dafür ist! Und es wieder und immer weiter versuchen wird. Nicht nur für sich, sondern vor allem auch für uns, für seine Fans. Denn wir sind es doch in letzter Konsequenz  Jahr für Jahr, weswegen anne Hafenstraße überhaupt aufgelaufen wird. Übrigens: Es gibt nicht nur Dauerkarten zu kaufen, sondern auch etwas zu gewinnen: Wer möchte nicht einen rot-weissen Blechfrosch aus den Händen des wunderbaren Happos überreicht bekommen, wird die alljährliche Dauerkartenwette gewonnen? Ein Traum! Also, tippt mit! Der Wünschewagen freut sich!

Rucksack? Tonne!

Schon vor der letzten Saison hatte Marcus Uhlig im Rahmen eines kleineren Zusammentreffens seine Meinung kundgetan, dass es, sinngemäß, endlich an der Zeit sei, „Lübeck“ zu vergessen. Dass es sich nicht mehr lohnt, sich daran abzuarbeiten! Sondern nur der Blick nach vorne zählt, um unser aller RWE auch sportlich wieder nach vorne zu bringen. Zugegebenermaßen war ich fast pikiert ob dieser Einstellung, denn es lässt sich weiterhin doch so trefflich leiden, geht es um diese verdammten letzten 90 Minuten an diesem verdammt heißen Tag jener verdammten Saison. Verdammt nochmal, ich bin damit einfach nie fertig geworden. Weil dieser Tag sportlich bis heute nie wieder repariert wurde. Die wundervolle NRW Saison einmal ausgenommen. Aber, irgendwie zählt die nicht im Kontext Lübeck. Wie dem auch sei: Es gab nun scheinbar wenigstens einen Verantwortlichen im Verein, für den Lübeck abgehakt ist; der ausschließlich nach vorne schaut.

Sicher auch ein Muss für ihn, denn er ist nun der Boss. Also nicht der natürlich, der bleibt einmalig, aber eben unser aktueller Chef. Und als solcher musste er natürlich auch durch die letzte Saison. Gemeinsam mit uns allen. Fand diese sportlich wohl genau so suboptimal wie wir alle, konnte trotzdem aber im Hintergrund Sponsoren davon überzeugen, hier und jetzt nicht abzuspringen. Neue gewinnen. Also da sach ich mal: Chapeau Herr Uhlig! Sollte ja auch mal erwähnt werden. Von nix kommt schließlich nix! So, das also der eine „Entscheider“ mit dem Schuss Optimismus, welcher uns schon lange abhanden gekommen ist. Und nun haben wir tatsächlich einen Zweiten hinzubekommen: Den auf sportlicher Ebene. Und auch Christian Titz macht aktuell ganz viel richtig in seiner noch so jungen Amtszeit. Und das, obwohl noch nicht ein Pflichtspiel stattgefunden hat. Gemeinhin werden Trainer ja zuallererst und völlig zurecht an Ergebnissen gemessen.

Bei Christian Titz stellt sich das aktuell ein wenig anders dar. Er überzeugte bisweilen besonders durch seine Interviews. Natürlich muss er sich nicht mehr dem Mediengewitter stellen, wie es in seiner Zeit beim HSV noch der Fall war. Aber, vielleicht ist dieser kleinere Rahmen das Geheimnis, welches die Einstellung des Trainer und Menschen Titz offenbart, die uns gerade erstaunt und für unbekannte (Vor-) Freude sorgt. In angenehmen Sprech erzählt Christian Titz u.a., dass nicht Trainer und Spieler einen Verein ausmachen, sondern all die Menschen, die diesen Verein leben. Nicht, dass wir das nicht wüssten, aber diese Demut vor dem Verein als Institution von einem zu hören, der auch mal wieder gehen wird, während wir immer bleiben: Das tut gut und zeigt das Bestreben, für den RWE und seine Menschen zu arbeiten, nicht nur für den eigenen Lebenslauf.

Dann, ja tatsächlich dann kam ein Statement, welches nun gänzlich überraschte: Aufkeimende Euphorie begrüßt der Titz, kein Witz! Und ich dachte noch hier, lass uns mal nicht euphorisch werden, dass geht wieder nach hinten los. Euphorie sieht Christian Titz also als Motor, nicht als Hemmschuh. Er will den Rucksack abschnallen, von dem gefühlt alle Vorgänger erzählten, lief es auf dem Platz nicht rund. OK, im Pott ist die Bauchtasche eh mehr gefragt als ein sperriger Rucksack. Packen wir also Lübeck in den Rucksack, schnallen diesen endlich ab und kloppen ihn in die Tonne…..

Schickimicki.

Ja nee, geht gar nicht hier. Stand ja auch so vergangenen Sonntag in der „Welt am Sonntag“. RWE goes WamS. Eine solch große Seite als Verein & Viertligist in einer überregionalen Sonntagszeitung zu bekommen ist schon eine schöne Sache. Nennen wir es aktuell den Titzeffekt. Inklusive einiger leider falsch recherchierten Fakten: Natürlich gab es kein 2003er Pokalfinale gegen Bayer Leverkusen. Und das man von der „Rahn“ die Turnhalle des nördlichen Nachbarn sehen soll, also ich weiss nicht. Selbst wenn es so wäre….das interessiert hier definitiv nichts und niemanden.

Was aber interessiert ist die Tatsache, dass nach diversen Leistungstests im Vorfeld heute das richtige Training für die kommende Saison aufgenommen wurde. Von über zweihundert Fans beobachtet übrigens. Das Interesse also schon wieder auf Pegel 97a. Der Kader mittlerweile  fast komplett; einem einem wilden Vorstellungsritt der letzten zwei Tage geschuldet. Somit umfasst der Kader aktuell vierundzwanzig Spieler. Oder auch: Achtundvierzig Beine für ein Halleluja. Möglicherweise können aber noch zwei bis drei Spieler hinzustoßen, so der Trainer an seinem ersten Hüttenabend im so sehr geschätzten Fanprojekt.

Bei so viel neuen Namen doch noch einmal der kurze Blick zurück: Der Baier Benni mittlerweile in seiner Heimat Aschaffenburg bei der dortigen Viktoria unter Vertrag genommen; sehr schön! Ich würde mich ja beispielsweise auch sehr freuen, wüsste ich, dass Timo Brauer gut unterkommt. Ich hoffe, alle Ehemaligen finden ihr sportliches Glück. Woanders ist auch Fußball.

Es fällt nun schwer, eine kompetente Meinung zur neuformierten Mannschaft abzugeben. Dafür habe ich auch zu wenig Ahnung vom Fußball, um hier ein „Urteil“ zu fällen. Also Ahnung im Sinne von Spielerbeurteilungen. Das steht mir nicht zu. Das Gefühl sagt mir aber, dass trotz Trainerwechsel inmitten der Spielerakquise eine Mischung aus jungen und erfahrenen Spieler gefunden wurde, die zusammen passen könnte. Auch wurden die einzelnen Mannschaftsteile auf dem Papier sinnvoll verstärkt und wurde sich um die U23 Regel gekümmert. So stellt es sich mir da, so lesen sich die Kommentare und so drückt es sich in dem zarten Pflänzchen Hoffnung aus, welches aktuell überall zu spüren ist. Sich auch in dem bisherigen Stand der verkauften Dauerkarten widerspiegelt. Manchmal ist schon Euphorie zu spüren. Gut, dass sind dann erfahrungsgemäß aber auch die ersten, die nach zwei Spieltagen schon wieder alles schwarz sehen. So geht Hafenstraße nun mal.

Das wird sicher auch noch der Trainer erfahren, der immer noch die Verpflichtung mit der aktuell größten Aufmerksamkeit ist und wohl auch  bleiben wird. Möglicherweise ein Pluspunkt für die Spieler, nicht so sehr im Fokus zu stehen. Ich bin nun sehr gespannt auf den Fußball, den wir zukünftig zu sehen bekommen. Mit Spieltitz zum Spititzenreiter? Oder doch die selbe Prozedur wie jedes Jahr? Wir werden es sehen.

Wann kommt der Spielplan raus?

Cappeln-Hagelage Ost

Es ist 23:30 Uhr auf dem Rastplatz Cappeln-Hagelage Ost auf der A1, halbe Strecke zwischen Essen und Hamburg gelegen. Sanfte Nebelschwaden ziehen über die angrenzenden Felder, die Trucker sich ihr Schlafshirt an. Die letzte Zigarette ist geraucht, der letzte Smalltalk gehalten. Es gilt die Ruhezeiten einzuhalten, bevor es wieder auf die Bahn gehen darf. Keine außergewöhnlichen Vorkommnisse also. Somit bekommt auch keiner mit, dass ein Wagen mit Essener Kennzeichen leise auf den Rastplatz rollt und die Lichthupe zweimal betätigt (Gut, dass man sich vorher auf zweimal geeinigt hat, denn eintausendneunhundertundsiebenmal wäre für ein Geheimtreffen dann doch des Guten zu viel gewesen). Aus dem Dunkeln heraus blinkt nun ebenfalls zweimal die Lichthupe, und wie von Geisterhand gesteuert rollt aus dem Unterholz ein Fahrzeug der gehobeneren Klasse mit Kennzeichen HH dem Wagen mit Essener Kennzeichen entgegen.

Ein Fenster öffnet sich langsam und ein leises „Marcus?“ ist zu hören. Gegenüber geht eine Autotür. Ein Mann steigt aus, schüttelt sich vom langen Sitzen vergeblich die vierte Liga aus den Beinen und antwortet ebenso leise „Christian?“….

Natürlich hat sich die erste Kontaktaufnahme zwischen unserem neuen Trainer Christian Titz und Marcus Uhlig so nicht zugetragen. Und nein, es stand auch nicht schon seit fast dreizehn Tagen fest, dass Karsten Neitzel seines Amtes enthoben werden würde. Man schätzte Karsten Neitzel und seine Arbeit an der Hafenstraße, wusste um einen Trainer, der fachlich wie menschlich durchaus zu den besseren der letzten Dekade an der Hafenstraße gehört hat. Dummerweise konnten die Ergebnisse dieses nicht belegen und  rutschte ihm auch der ein oder andere etwas unglückliche Satz heraus. Das emotionale Umfeld an der Hafenstraße leicht verärgernd. Die Punkte, diese untrügliche Kennziffer erfolgreichen Arbeitens, sie stimmten einfach nicht mehr mit den Ansprüchen überein. Zu wenig davon wurden unter Karsten Neitzel erreicht. Und das nach dem so erfolgreichen Saisonbeginn.

Trotzdem hatte man weder einen neuen Trainer auf dem Schirm, noch die Absicht, den alten von seinen Pflichten zu entbinden. Gleichfalls aber sah man schon die Stimmung der letzten Saison; sah die Unzufriedenheit auf den Rängen, die sich immer öfter auch in dem einfachen Reflex „Trainer raus“ Gehör verschaffte. Eine verfahrene Situation für alle im Verein, dreht man doch gerade im Kader alles auf Links, hört dazu die Wünsche und Vorstellungen des Trainers. Und kein Witz: Auf keiner Rechnung stand bislang der Titz!

Es werden schwere Stunden gewesen sein, in welchem die Erkenntnis gereift ist, dass der „Rucksack“ auf Karsten Neitzels Rücken für 2019/20 vielleicht ein doch zu schwerer sein könnte (Wir alle schleppen dieses unförmige Teil seit „Lübeck“ mit uns herum, wissen wie schwer es wiegt).  Wer auch immer jetzt den Namen Christian Titz in das Rot-Weisse Spiel gebracht hat….ich weiss es nicht. Was ich weiss ist, dass es eine Option war, die sich ziemlich plötzlich und unerwartet ergeben hat. Es gab keine Verhandlungen im Vorfeld mit Christian Titz, während fröhlich weiter mit Karsten Neitzel geplant wurde. Es hat sich alles auf eine Schnittstelle zugespitzt, an welcher fast zeitgleich eben jene zwei Entscheidungen getroffen wurden. Manchmal ist das halt so, und hoffentlich endlich zum Wohle von Rot-Weiss Essen (und somit von uns allen, denn wir sind der RWE!)!

Lieber Karsten Neitzel, es hat auch bei Ihnen nicht sein sollen. Wer weiss, bei wem es überhaupt eines Tages passieren wird. Auf jeden Fall danken wir Ihnen für die Zeit an der Hafenstraße.

Christian Titz also nun der amtierende Trainer an der Hafenstraße. Ja, was soll man dazu sagen? Medial als Königstransfer; als Kracher, Transferhammer und Lösung für fast alle Probleme gehandelt, die ein viertklassiger Verein eben so haben kann. Ich musste ihn erst googeln…. fand ihn aber sehr sympathisch in der Pressekonferenz und auch seine berufliche Vita gibt durchaus Anlass zur Hoffnung, mal etwas längerfristig auf der Trainerposition denken zu dürfen. Lieber Herr Titz, herzlich willkommen anne Hafenstraße. Machen Sie sich unsterblich. Keiner kann vorher erahnen, was sportlicher Erfolg mit Rot-Weiss Essen bedeutet. Glauben Sie mir, etwas vergleichbares würden Sie nie wieder erleben. Diese Leidenschaft für diesen Verein. Diese Sehnsucht nach was besseres. Helfen Sie uns dabei und Sie werden erleben, wie wir Fans Ihnen und unserer Mannschaft helfen können und werden. Nur der RWE!

Freud & Leid

Denkt man gerade noch darüber nach, wie nahe Freud und Leid im Fußball beieinander liegen; wie eng Freud und Leid immer auch mit Rot-Weiss Essen verknüpft sind und wie man das hier in Worte fassen könnte, so plötzlich finden diese Gedanken ein jähes Ende. Denn alles tritt ehrfürchtig in den Hintergrund, wenn zeitgleich eine sehr traurige Nachricht des wirklichen Lebens die Runde macht: Am späten Abend des 20. Mai 2019 wurde bekannt, dass der ehemalige Spieler von Rot-Weiss Essen, Manfred „Manni“ Burgsmüller am 19. Mai 2019 im Alter von 69 Jahren in seiner Essener Wohnung verstorben ist.

Manni Burgsmüller wurde 1949 in Essen geboren und folgerichtig lief auch er als Essener Junge eines Tages für den Verein von der Hafenstraße auf. Er, der er immer der Schmächtigste auf der Straße war und für so manch frechen „Tunnel“ auf dem heimischen Straßenpflaster schon mal was an die Ohren bekam. Nach der Hafenstraße ging es weiter auf eine fast zwanzigjährige Reise durch den Deutschen Profifußball, wo sicher die Jahre in Dortmund und in Bremen die bedeutendsten und erfolgreichsten waren. Auch für den RWE wurden ein zweites Mal die Schuhe geschnürt. Sein fast schon legendäres Selbstbewusstsein und die kreative Einsatzwahl zwischen Mittelfeld und Sturm wusste Manni Burgsmüller in 213 Bundesligatore umzumünzen, was ihm bis heute Platz Vier der ewigen Bundesligatorschützenliste eingebracht hat.

Es gibt von Manni Burgsmüller nicht die vielen Zitate, die ansonsten schon mal von manch Fußballer überliefert werden können. Aber, denkt man an Manni Burgsmüller, denkt man automatisch an den Begriff „Schlitzohr“. Dass das Schlitzohr nun schon so jung an Jahren gehen musste, ist wieder eine leidvolle Erkenntnis. Lieber Manni, ruhen Sie in Frieden. Danke für so viele schöne Momente rund um das runde Leder. Allen Angehörigen und Freunden wünschen wir in diesen Tagen viel Kraft.

Freud und Leid. Im Fußball auf so vielen Ebenen allgegenwärtig. Und so würde es vielleicht auch dem Fußballer Manni Burgsmüller gefallen, dass wir nicht nur das Leid seines Verlustes teilen und darüber traurig sind, sondern aktuell auch sehr erstaunt die Freude mitbekommen, die einem Fußballer zuteil wird, der noch diese Saison die Schuhe für unseren RWE geschnürt hat: Kai Pröger verließ, wie fast schon zu erwarten war, in der Winterpause die Hafenstraße um höherklassig anzuheuern. Zwar hatte sich der nimmermüde Flügelflitzer Pröger in den letzten Spielen vor der Winterpause den stetig sinkenden Leistungen seiner Mitspieler sukzessive angepasst; aber unübersehbar sein fußballerisches Potential: Der Antritt, das Dribbling und solch ein Schuss….früher hätte so einer zusammen mit Manni Burgsmüller im eigenen Team sämtliche Nachbarstraßen auf Pflaster oder Asche nass gemacht.

Nur konsequent also sein Wechsel in den Profifußball mit Ziel Paderborn. Nicht gerade der Nabel der Welt, aber seit vergangenem Wochenende erneut Bundesligastandort. ja Mensch, was soll man da noch groß sagen: Von der vierten in nicht nur sechs Monaten zur ersten Liga. Ich glaube, den Pröger muss man ziemlich oft kneifen, bevor er das wirklich begreift. Herzlichen Glückwunsch zu diesem Aufstieg. Ein Werdegang so ganz nach dem Geschmack von Manni Burgsmüller. Freud und Leid: Der Fußball ist immer wieder und so oft ein Stück mitten aus dem Leben. Vielleicht ist er sogar unser Leben!

Europapokalfunktionsteam 1994!

Was wäre eigentlich, wenn es die drei Bremer Tore nicht gegeben hätte? Was wäre also gewesen, wenn in diesem Finale nur Rot-Weiss Essen durch Daouda Bangoura in jener 50. Minute das Tor getroffen hätte? Richtig, dann wäre das Finale mit 1:0 für uns ausgegangen, iss klar. Gleichbedeutend aber auch mit der Qualifikation für den damaligen Europapokal der Pokalsieger. Daran hätte uns nicht einmal der DFB hindern können. Ok, es kam jetzt vor 25 Jahren nicht dazu: Wir verloren ja das Finale, die Lizenz war eh schon weg und der Respekt vor dem DFB latent auch nicht mehr vorhanden. Mindestens seit 1971. Trotzdem waren wir an diesem Abend in Berlin gefühlt doch der Sieger!

Grund genug also, uns fünfundzwanzig Jahre später doch noch für den Europapokal der Pokalsieger 1994/95 zu qualifizieren und ihn als Konjunktiv auszuspielen: 

Der Jubel über den Pokalsieg gegen den SV Werder war gerade erst verklungen, als allen Verantwortlichen im Verein bewusst wurde, dass man sich ab sofort nicht nur mit der drittklassigen Regionalliga West/Südwest, sondern auch mit dem Europapokal und der dafür anstehenden Auslosung zu beschäftigen hatte. Wer aber sollte sich darum kümmern, bei all den Zwistigkeiten unter den Herren Himmelreich und Arnold? Ein harmonierendes Europapokalfunktionsteam musste also her, um unseren Verein bestens zu vertreten: Die Wahl fiel schnell auf Günter Barchfeld (als einer der wenigen mit Europapokal Erfahrung), Lothar Dohr (spezialisiert auf laute Zwischenrufe) und Detlev Jaritz (Der machte das mit den Fähnchen und Wimpeln). Die drei machten sich also am 15. Juni 1994 auf nach Bern, wo im noblen Hotel Savoy alljährlich die Auslosungen für die verschiedenen Europapokalwettbewerbe durchgeführt wurden. Im Falle des RWE die zur Qualifikation für den eigentlichen Europapokalwettbewerb. Für Günter, Lothar und Detlev ein gutes Omen, bei dem Namen „Bern“ klingelten allen direkt dem Horst seine Glocken. Übrigens die letzte, in Bern stattfindende, Auslosung, war für das kommende Jahr 1995 der Umzug der UEFA in das schweizerische Nyon geplant. Ein gutes Omen also.

Es war der späte Vormittag des 16. Juni, als der Ziehungsleiter der UEFA, Cash Moneypenny, zu den Lostöpfen schritt und die Losfee Kevin Keegan bat, zur Tat zu schreiten. Es ging ganz schnell, denn schon die ersten beiden Namen aus dem Topf zur Qualifikation brachten Rot-Weiss Essen und Tiligul Tiraspol aus Moldawien zusammen. Den drei Essener Vertretern stand zunächst das Fragezeichen auf die Stirn geschrieben: „Tiligul Watt?“ Aber, der Erstkontakt mit den Vertretern von Tiligul konnte weitestgehend alle Fragen klären. Tiraspol hat immerhin 148.917 Einwohner und wurde 1792 gegründet. Eine Stadt also, nur unwesentlich älter als unser RWE. Gespielt wird dort im „Stadionul Municipal“. Auf die zwei Spieltermine konnten sich die Delegationen beider Vereine abends an der Theke schnell einigen. Es gab ein Hin- und ein Rückspiel. Fettich! Ruhrpottpragmatismus eben. Erst später fiel den Dreien auf, dass man ja gar nicht über die Termine verhandelt hatte. Das konnte dann aber fernmündlich doch noch geklärt werden.

Und so betrat Rot-Weiss Essen am 11.08.1994 erstmalig nach dem 12.10.1955 in Edinburgh wieder europäischen Fußballboden. Ein geschichtsträchtiges Datum somit. Das Spiel eher weniger für die Geschichtsbücher, konnte das holprige Geläuf im warmen Tiraspol kaum zu einem hinreissenden Spiel verleiten. Und doch konnte der Drittligist Rot-Weiss Essen einen hart erkämpften 1:0 Erfolg mit zurück an die Hafenstraße nehmen. Die 97a mitgereisten RWE Fans feierten stürmisch ihre Mannschaft und gönnten sich noch ein verlängertes Wochenende am Schwarzen Meer. Jürgen Wegmann sagte anschließend im Anpfiff Interview zu Uli Potofski: „Zuerst hatten wir kein Pech, und dann kam auch noch Glück dazu.“ Der Europapokalauftakt also mehr als gelungen. 

Dreizehn Tage später kam es zum Rückspiel an der Essener Hafenstraße. Aus Sicherheitsgründen durfte der RWE nur 1.907 Eintrittskarten verkaufen. Es haperte also ein wenig an europäischem Flair auf den Rängen, dafür aber war das Spielfeld an diesem 24.08.1994 ein Gedicht: Jupp Breitbach hatte Grashalm für Grashalm zu einem wunderschönen Grasteppich wachsen lassen. Reinreden durfte ihm dabei keiner. Wehe wenn…! Das Spiel ein wesentlich besseres als noch im Hinspiel, der 0:1 Rückstand durch Lugilit Lopsarit konnte schnell durch Wolfram Klein egalisiert werden. Adrian Spyrka war es dann, der mit einem Doppelpack zum 3:1 Endstand traf. Welch ein Jubel nach Abpfiff. Helmut Rahn und Willi Lippens lagen sich auf der Tribüne in den Armen und selbst die Kontrahenten Himmelreich und Arnold nickten einander zu. 

Nur unser Europapokalfunktionsteam bekam plötzlich richtig Brassel: Es dämmerte den Herren Barchfeld, Dohr und Jaritz, dass es schon wieder nach Bern gehen würde, stand doch die nächste Auslosung vor der Tür. Wenigstens hatte sich der Verein in seinen Strukturen langsam erholt und brachte die Qualifikationsrunde auch die ein oder andere Mark in die sanierungsbedürftige Vereinskasse. Somit wurde ein nagelneuer Neunsitzer angeschafft, mit dem nun relativ bequem am 30.08.1994 nach Bern gefahren wurde. Durch stetige Fahrerwechsel kam man flott voran und wer nicht gerade am Steuer saß, konnte die Zeit anderweitig nutzen: Günter aktualisierte seine Statistik der Anzahl an Berlinern, die er mittlerweile der Geschäftsstelle vermacht hat. Lothar übte verschiedene Tonlagen, um seinen Schreck noch schreck….äh schöner durch das Stadion schallen zu lassen und Detlev bastelte an Ideen für den Fanshop und verwaltete die Reisekasse. 

Der nächst Vormittag, wieder im noblen Hotel Savoy. Tag der Auslosung. Geschlafen wurde aus Kostengründen im Neunsitzer, drei Zimmer im Savoy saßen finanziell nicht drin. Ritualisiert begann Cash Moneypenny mit der Auslosung, bevor es zu einem Eklat kam: Losfee heute war „Erwin“. Als unsere drei Essener Jungs das Gelsenkirchener Maskottchen an der Lostrommel stehen sahen, machten sie auf der Stelle kehrt und ließen das Gremium und die UEFA wissen, dass der Gegner dieser ersten Runde nur unter Protest angenommen wird.

Ungefähr eine Stunde später sollte der draußen wartenden RWE Delegation der Erstrundengegner des nun wirklich richtigen Europapokal der Pokalsieger mitgeteilt werden: Der Deutsche Austauschschüler und Praktikant der UEFA, Uwe H. wurde angewiesen, die Essener wieder hineinzubitten. Zudem hatte er sich im Namen der UEFA dafür zu entschuldigen, mit der Wahl von „Erwin“ als Losfee die Gefühle der Essener verletzt zu haben. Das empfand Uwe H. als eine solche Erniedrigung, so dass er sich schwor, eines Tages selbst bei RWE zu arbeiten, um den Bergeborbeckern dann als Akt der Rache von innen heraus zu schaden. 

Wie dem auch sei: Der Gegner stand fest, stammt aus Finnland und heißt Helsingin jalkapalloklubi. Kurz: HJK Helsinki. Mehr Europapokal geht nicht, dachte Detlev, während Lothar stumm auf seiner Knifte kaute und dabei sinnierte, was „Schreck vom Niederrhein“ wohl auf finnisch bedeuten könnte. Günter hingegen machte Nägel mit Köpfen, holte die Berliner aus seinem Aktenkoffer und begab sich damit zu der Delegation des HJK. Irgendwann will man ja auch die Dinge geklärt wissen und zurück nach Hause. Schließlich gilt es wie immer dem Training beizuwohnen. Schon nach den ersten Minuten der Unterredung stellte man fest, dass man einander sehr sympathisch fand und es wurde gar euphorisch, als beide Delegationen entdeckten, dass ihre Vereine im Jahre des Fußballgottes 1907 gegründet wurden. Bevor man sich nun in launiger Atmosphäre ganz in den Geschicken seit 1907 verlor, einigte man sich noch auf die Austragungstermine. 

Diesmal hatte der RWE zuerst Heimrecht. Und Recht auf volles Heim. Die UEFA hatte eingesehen, dass an der Hafenstraße nur sympathische Fans unterwegs sind und wollte aus möglichen Problemen nun keinen Löwen machen. Zudem waren aus Helsinki nicht unbedingt viele Fans zu erwarte. Somit war das Georg-Melches Stadion an diesem lauen Herbstabend des 13.09.1994 pickepackevoll, die Stimmung ziemlich toll. Was folgte war ein beinhartes Kampfspiel, welches die Kicker aus Helsinki den Ballzauberern aus Essen auferlegten. Leider ließ sich Jürgen Wegmann davon beeinflussen, so dass er einen gegnerischen Spieler mit dem wilden Ruf „Ich Kobra, Du Lappe“ rücksichtslos von hinten zu Fall brachte. Der RWE danach nur noch zu zehnt auf dem Platz. Dumm gelaufen. Durch die nimmermüde Unterstützung von den Rängen biss sich die dezimierte Mannschaft aber durch die neunzig Minuten und kam mit zwei Toren in der Nachspielzeit noch zu einem nicht erwarteten Heimsieg. RWE Tore in Nachspielzeit, das klingt natürlich unglaubwürdig. Aber so war es: Robert Ratkowski zum 1:0 in der 90.+2, und Dirk Helmig mit einem Distanzschuss zum 2:0 Endstand in der 90.+4. Minute!

Mehr als zwei Wochen später hieß es dann „Alle nach Helsinki“: Es waren fast 2.000 Fans des RWE, die dem Aufruf folgten und auf vielen Wegen am 29.09.1994 die Reise nach Finnland antraten. Die 1550 gegründete Stadt Helsinki mit ihren 635.181 Einwohnern ist natürlich keine reine Fußballstadt wie Essen zum Beispiel. Aber eine an Kultur und Natur reiche Schönheit, die manch Fan verzaubern konnte. Abends ging es dann aber von den Sehenswürdigkeiten weg in das eigentliche Ziel der Reise, das 1915 eröffnete Tölen Pallokenttä Stadion hinein. Recht weitläufiges, nach oben hin offenes Stadion, aber mit viel Charme. Das Spiel als solches weniger charmant, ging das wilde Getrete  aus dem Hinspiel direkt weiter. Man fühlte sich an das siebte Spiel einer Play Off Serie im Eishockey erinnert. Rolf Töpperwien unterlegte seinen Sport-Reportagen Bericht zum Spiel unter anderem mit dem Satz: „Eine unfaire Art der HJK Spieler, wie ich sie in 23 Berufsjahren außer im Parkstadion noch nie erlebt habe“. Sampo Kotiranta war es schließlich, der in der 53. Minute zum doch verdienten 1:0 des HJK traf. Lange Zeit danach sah es so aus, als würde der RWE hier nun untergehen, aber die Rot-Weissen konnten sich mit Mut und einem überragenden Zoran Zeljko im Tor aus dem finnischen Aufguss befreien und (erneut vor Schluß) ausgleichen. Oliver Grein machte ihn aus kurzer Distanz rein. Da griente der Grein. Fein. Abpfiff. Der RWE in Runde Zwei des Europapokal der Pokalsieger. Als Drittligist. Dem DFB war das in seinen Publikationen und Veröffentlichungen immer noch keine Notiz wert. Den RWE Fans in diesem Moment aber egal, sie feierten ihre Mannschaft und purzelten vor Freude in ihrem Block umher. Es wurde eine launige (lange) Rückfahrt und kostete nicht wenige Fans noch in den Folgemonaten Dispo Zinsen, da das Bier in Finnland fast unbezahlbar ist. 

Da unsere Freunde Lothar, Günter und Detlev natürlich auch in Helsinki vor Ort waren, ging es für sie diesmal nur kurz zurück nach Essen. Das „Trio Berniale“: Eben noch Fan, und am nächsten Tag schon wieder kommissarischer Funktionär. Man ahnt es, die Drei mussten wieder nach Bern. Die nächste Auslosung stand an, diesmal sehr zeitnah. Durch den sportlichen Erfolg stiegen auch die Einnahmen aus dem Europapokal und dem Europapokalfunktionsteam wurden weiter Erleichterungen zuteil: Für den Neunsitzer gab es nun eine Kühlbox und endlich durfte auch im Berner Savoy selbst übernachtet werden. Am Vormittag des 2.10.1994 erklärte Cash Moneypenny gewohnt hochnäsig die Auslosung für eröffnet und wies Lottofee Vicky Leandros an, die Mannschaften zu ziehen. Mittlerweile hatte ein jeder so seine Wünsche, wo es in der nächsten Runde hingehen sollte: Detlev wollte gegen die Grasshoppers aus Zürich spielen, schließlich kennt man den Weg in die Schweiz schon in- und auswendig. Günter würde gerne gegen Feyenoord Rotterdam gelost werden, weil nicht so weit weg von Frau und Zuhause. Lothar würde gerne gegen Sampdoria Genua spielen, da man ihm von der einzigartigen Akustik im Stadio Luigi Ferraris berichtet hat. So hingen unsere drei Helden im Auditorium sitzend ihren Zweitrundenträumen nach und bekamen fast nicht mit, als das Zettelchen mit dem Namen Rot-Weiss Essen hochgehalten wurde. Aber nur fast, denn reflexartig war die Aufmerksamkeit wieder da und steigerte sich noch, als dem RWE der Name Association de la Jeunesse Auxerroise zugelost wurde. Halleluja, es geht nach Frankreich in das schöne Burgund. 

Die drei verabschiedeten sich recht schnell von ihren Wunschgegnern und setzten sich mit der Delegation aus Auxerre zusammen. Zuerst jedoch wurde der Punkt mit den Gastgeschenken abgehakt: Der RWE bringt einige Kisten Stauder mit nach Auxerre und der AJ einige Kartons Chablis Grand Cru Les Preuses. So spielen beide nicht nur gegeneinander, sondern lernen auch Spezialitäten aus der Region kennen. dabei beließen es die Delegationen an diesem Abend in Bern aber und einigten sich flott auf die Ansetzungen: Das Hinspiel findet am 20.10.1994 an der Hafenstraße in Essen statt. Das Rückspiel dann am 3.11.1994 im Stade de l’Abbé-Deschamps der 34.000 Einwohner Stadt Auxerre. Recht schweigsam die Rückfahrt nach Essen, denn im Tagesgeschäft, der Regionalliga West/Südwest, lief es nicht so wie gewünscht. Vielleicht ist die Doppelbelastung Europapokal und Liga für die neuformierte Essener Mannschaft etwas zu viel des Guten. Aber, es ist wie es ist und Essener geben niemals auf. Also wurde die Planung Auxerre mittlerweile gewohnt routiniert in Angriff genommen. 

Die Franzosen brachten wie verabredet den guten Burgunder mit an die abermals ausverkaufte Hafenstraße mit. Leider aber auch einen verdammt guten Abend auf dem Feld, was sich in einer 2:0 Halbzeitführung zeigte. Die Wände der Heimkabine müssen gewackelt haben und der Trainer die Mannschaft definitiv erreicht, denn Christian Schreier und Christian Dondera trafen noch zum glücklichen Ausgleich. Aufgrund der Auswärtstorregel ein klarer Vorteil für die AJ Auxerre. Trotzdem wurden die Rot-Weissen Kicker einmal mehr mit Applaus verabschiedet. Ohne viel Hoffnung fuhr der RWE Tross mit 2.500 Fans im Schlepptau gen Auxerre. Und diese Hoffnungslosigkeit spiegelte sich dann an einem tristen Abend Anfang November auf dem Feld wieder: Unser RWE unterlag der AJ Auxerre mit 0:2. Irgendwie alles Scheisse an diesem Abend: Das Wetter, die eigene Leistung, die Unterstützung. Es hat halt nicht sein sollen. Traurig trottete die Mannschaft in die Kabine; etwas sprachlos blieben die Fans in ihrem burgundischen Block zurück. Doch nach einigen Minuten begriffen Fans und Mannschaft, was sie in den letzten Wochen und Monaten geleistet haben und hatten sich noch einmal am Zaun lieb. Es hallten trotzige Gesänge eines Drittligisten in den französischen Himmel, dann war sie vorbei für Rot-Weiss Essen, die Zeit im Europapokal der Pokalsieger 1994/195. 

Schön war’s in Europa. Nur der RWE!

Pokalfinale 1994! Von Freilos bis Berlin.

Rot-Weiss Essen stand am 15. März 1994 um 13.04 Uhr endgültig als frischgebackener lizenzloser Zwangsabsteiger fest. Dieses teilte das ständige, natürlich neutrale Schiedsgericht des Deutschen Fußballbundes dem Anwalt des RWE, Dr. Reinhard Rauball (Seit April 2019 erneut kommissarischer (Mit-)Präsident des Deutschen Fußballbund) mit. Zwar wurde die Lizenz schon im November 1993 entzogen, aber die Hoffnung und Einspruchsfristen sterben bekanntlich zuletzt. Die verbleibenden Spiele bis Saisonende wurden in Gänze für den jeweiligen Gegner gewertet. Weiterhin wurde Rot-Weiss Essen kompromisslos an das Tabellenende und die ganzen, schon erspielten Punkte auf Null gesetzt. Jeder Verkehrssünder würde weinen vor Freude, an der Hafenstraße aber flossen einmal mehr Tränen der Verzweiflung, der Wut und Trauer. Besonders bitter, hatte doch der RWE in diesen Jahren eine richtig gute Mannschaft zusammen. Ein Team im eigentlichen Sinne zudem!

Als Baumeister kann getrost ihr Trainer Jürgen Röber bezeichnet werden; zudem mein persönlicher Lieblingstrainer bei RWE. Jürgen Röber hat neben Fachkompetenz auch eine ziemlich mitreissende, begeisternde Art; beherrschte scheinbar Teambuilding. Sympathisch obendrein. Leider bat Jürgen Röber einen Monat später am 13. Dezember um seine Vertragsauflösung. Gerüchten zufolge wollte er die Hafenstraße und seine Mannschaft eigentlich nicht im Stich lassen, wohl wissend, welche Truppe er beisammen hatte. Vielmehr erhoffte er sich, so dass Gerücht weiter, durch eine eventuell anfallende Trainerablöse doch noch dem Verein die Lizenz erhalten zu können. Soweit die Gerüchteküche. Ist auch nur ein Fünkchen Wahrheit an diesem Gerücht dran, so bestätigt es den Eindruck, den ich aus der Ferne von Jürgen Röber als Mensch habe. Dass er allerdings schon am 15. Dezember für eine neues Engagement beim VfB Stuttgart unterschrieb, entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie: Der damalige Vorsitzende des DFB-Ligaausschusses Gerhard Mayer-Vorfelder hatte sich in seiner Eigenschaft als Präsident des VfB kurz zuvor von seinem Meistertrainer Christoph Daum (Die Älteren unter uns werden diesen Trainer noch kennen) getrennt und stand ohne Mann an der Seitenlinie da. Zur richtigen Zeit in der richtigen Verhandlung also. 

Zurück aber zu den harten Fakten des endgültigen Aus aus dem März 1994: Netterweise durfte der RWE aber das mittlerweile erreichte DFB Pokalfinale in Berlin gegen den SV Werder Bremen spielen. Im Falle eines Pokalsieges hätte der Verein dann auch als drittklassiger Regionalligist im Europapokal der Pokalsieger antreten dürfen. Man hätte auch die Erlöse aus dem Husarenritt Pokal einbehalten können und damit die Strafe finanziell begleichen können. Hätte, hätte…. Pokalfinale als lizenzloser Zweitligist mit toller Mannschaft also erreicht. Doch wie kam es dazu? 

Zunächst einmal mit einem Freilos. Wie auch für 11 Erstligisten, 12 weitere Zweitligisten und 28 Amateurvereine. Freilose sind eine tolle Sache: Kein Stress, kein Pokalaus, kein anderes Bier. Einfach lässig Weiterkommen. In der zweiten Runde, noch als lizensierter Zweitligist, ging es am Mittwoch, 25. August 1993 nach Bocholt an den Hünting. Der 1.FC Bocholt war ein ziemlich schwerer Brocken bei seiner bis heute vorerst letzten Teilnahme am DFB Pokal und verlangte den Rot-Weissen alles ab: Mit 3:2 konnte sich der RWE in die dritte Hauptrunde retten. Diese bescherte ein Heimspiel gegen den Ligarivalen FC St. Pauli. Ausgetragen wurde das Spiel am 10. September 1993. Und das Flutlicht leuchtete noch so schön bei Abpfiff, denn das Pokalspiel ging über 120 Minuten. Endergebnis wieder 3:2 für den RWE. Erste Euphorie machte sich breit. 

Die nächste Runde war offiziell keine Runde mehr, sondern schon ein Finale: Das Achtelfinale stand an und bescherte einen Gegner aus der direkten Nachbarschaft: Der MSV Duisburg gab sich am Mittwoch, 27. Oktober 1993 um 20.00 Uhr die Ehre und mit ihm eine picke-packe volle Gästetribüne. Das Flutlicht beleuchtete an diesem Tage schon weit vor Anpfiff das herbstliche Georg-Melches Stadion. Wieder fielen viele Tore, wieder traf der Gegner zweimal. Doch der RWE traf an jenem Mittwoch Abend gleich vier Mal in einem packenden Pokalspiel in des Gegners Tor. Faszination und Mythos Hafenstraße lebten dieser Tage so intensiv wie nie. Auch deshalb war der dann bald folgende Lizenzentzug ein Stich in das Herz all derer, die es mit dem Verein hielten. Auch heute noch wird dieser Lizenzentzug als der tragischste erlebt und seine Konsequenz als unverhältnismässig. Sogar Landesvater Johannes Rau hatte eine Bittschrift an den DFB mit unterschrieben.

In der Liga also nunmehr ohne sportlichen Antrieb (höchstens noch mit dem allerletzten Fünkchen Resthoffnung namens Einspruch), fokussierte sich bei RWE nun alles auf das Viertelfinale im Pokal: Die Lizenzlosen hatten am Dienstag, 30.11.1993 um 17:30 Uhr im Schneetreiben bei Carl Zeiss Jena anzutreten. 5240 Fans waren im Wintersportparadies Ernst-Abbe-Sportfeld zu Gast. Trainer auf Seiten der Jenaer der Mann mit der spitzen Zunge, Hans Meyer. Gehen Sie davon aus, dass ihn dieses Spiel viele Nerven gekostet haben dürfte. Nach regulärer Spielzeit stand es Null zu Null, und das Elfmeterschiessen stand an. Aber diese unsere Mannschaft meisterte auch diese Prüfung! Beim Stande von 6:5 für den RWE hielt Frank Kurth den Elfmeter eines später nicht ganz unbekannten Bernd Schneider. Der Rest war Jubel und Halbfinale. Der Rest war aber auch das letzte Pokalspiel für Jürgen Röber als Trainer von Rot-Weiss Essen, da das Halbfinale erst im März 1994 ausgetragen werden sollte. 

Halbfinale. Dienstag 08. März 1994 um 20:15 Uhr. Der Gegner an der Hafenstraße wieder ein Zweitligist. Tennis Borussia Berlin hieß der Kontrahent. Übrigens in der späteren Abschlusstabelle ebenfalls als Absteiger auf Platz 17gelistet. Allerdings sportlich, was sich in diesen Tagen fast noch besser anfühlen durfte. Hier also auch der Pokal das Pflaster für die Seele. Wenige Fans begleitete TeBe an die Hafenstraße, die Osttribüne daher auch fast komplett in heimischer Hand. Auf der Essener Bank der viel zu früh verstorbene Wolfgang Frank anstelle des Neuschwaben Jürgen Röber. Und auch die verlustige Westkurve wurde mittels Stahlrohrtribünen wieder temporär errichtet, um das Fassungsvermögen zu erhöhen. Die Emotionen kochten unter dem Eindruck der letzten Wochen und Monate über, so wurden die eigenen Helden nicht nur angefeuert, sondern immer wieder lautstark die Meinung über den DFB und seine zu harte Entscheidung kundgetan. Hier und heute reichten zwei Tore um das Endergebnis zu ermitteln: Mit 2:0 gestaltete der RWE dieses Halbfinale erfolgreich gegen violette Berliner, um zu einem weiteren und finalen Pokalspiel in deren Stadt fahren zu dürfen. Trotziger Stolz nach Abpfiff. Feiern mit Würde und immer noch Tränen der Wut. 

Einen Tag später konnte Werder Bremen unter Otto Rehhagel auswärts bei Dynamo Dresden ebenfalls mit 2:0 gewinnen und so stand die Finalpaarung fest: Rot-Weiss Lizenzlos Essen traf auf den SV Werder Bremen. Viele Essener machten sich am 14. Mai 1994 auf den Weg gen Berlin. Vielleicht auch schon einen oder mehrere Tage früher. 15.000 Karten gab es wie immer offiziell für jeden Verein. Euphorische sprachen von 35.000 Rot-Weissen, sachliche von 20.000 und nüchterne von 15.000. Und doch gehörten die Sympathien im Stadion zumeist dem RWE. Der neutrale Zuschauer hält halt immer irgendwie zum „Underdog“ und auch die  Bremer Fans zeigten sich solidarisch gegen den DFB, feierte es sich doch so schön zusammen. Der DFB selbst hingegen zeigte sich in seiner Großmut eher wie die SED bei einem Aufmarsch und ließ alle regimekritischen Plakate und Banner entfernen. Die Stimmen waren allerdings gut geölt und so lederte es sich lautstark von den Rängen immer wieder gegen die Granden der Führungsspitze. Auch eine Autobesatzung aus Nordhorn war in Berlin und verbrachte die Nacht nach dem Spiel in selbigem. Keimzelle der kleinen Reisegruppe der Heideweg in Nordhorn, wo am Rande eines Eintracht Spiels die Fahrt beschlossen wurde. Ich zog seinerzeit das heimische Empfangsgerät vor. 

Rot-Weiss Essen bot einen packenden Pokalfight, verlangte Otto Rehhagel und seinen Spielern alles ab. Werder in der ersten Halbzeit 2:0 in Führung gegangen, konnte sich seiner nie sicher sein und musste in der 50. Minute den Anschlusstreffer hinnehmen. Bis zur 88. Minute hofften alle RWE Fans auf den Ausgleich und eine mögliche Sensation, ehe ein Handelfmeter alle Hoffnungen zerstörten. Pokalsieger also der SV Werder Bremen. Moralischer Sieger aber in allen Belangen Rot-Weiss Essen! Sowohl auf dem Platz, wie auch auf den Rängen und tags drauf auf dem Kennedy Platz in Essen. Die Lizenz verloren, aber nie aufgegeben. Den Stolz behalten und Ehre gewonnen. Was eine Mannschaft in dieser Saison.  

Bürgermeister vonne Hafenstraße!

Guckt man sich auf Transfermarkt.de die Zu- und Abgänge der letzten Jahre bei uns aller RWE an, so wird einem leicht schwindelig: Zu viele Namen, zu viele Unbekannte. Keine bleibenden Größen.  Alles ganz tolle Fußballer, aber sie kamen und gingen zu oft. So konnte keine Aufstiegsmannschaft wachsen. Vielleicht sind gerade diese vielen Spieler der Grund dafür, hier einige Zeilen zu einem Spieler zu schreiben, der uns verlassen muss. Auch wenn dieser Fakt schon einige Tage zurückliegt und ich beileibe nicht der einzige bin, der Timo Brauer zum Abschied Zeilen widmet, zeigt umso mehr seine Bedeutung für den Verein. Eben keiner dieser Unbekannten.  Ab dafür:

Er war einfach nicht in der Verlosung, kam wohl auf kaum einem (Fan-)Wunschzettel in punkto Abgänge vor! Wurde bisweilen aufgrund seines Könnens (gepaart mit viel Talent) kritisch beäugt; spielte sich zuletzt leider nicht mehr so oft in den Vordergrund. Die Erwartungshaltung bei ihm wohl höher als bei manch Mannschaftskameraden. Zudem hatte wohl kaum einer die Vertragsdauer so richtig im Kopf, erwischte uns Fans die persönliche Mitteilung von Timo Brauer doch kalt und ungedehnt: Auf seiner privaten Seite eines sozialen Netzwerks teilte Timo Brauer mit, dass sein auslaufender Vertrag nicht verlängert wird und er den RWE somit verlassen muss. Das galt es erst einmal sacken zu lassen, machte spontan genau so traurig, wie sich Timo Brauer auch fühlen musste, seinen Worten nach zu urteilen. Im Anschluss daran habe ich noch nicht viel gelesen, aber was ich las, überraschte mich dann doch: Ja, der kommende Abgang von Timo Brauer stimmt mich sehr traurig, denn er ist für uns Fans als Spieler von Rot-Weiss Essen von ganz emotionaler Bedeutung! Zudem auch (fühlt sich so an, ohne ihn persönlich zu kennen) ein töfter Kerl. Derjenige, der das Gesicht der wilden NRW Truppe war, die Meisterschale in die Luft gestemmt und die Humba mit angestimmt hat. Ein Essener von nebenan. 1907% RWE.

Aber, überraschenderweise traf diese Entscheidung des Vereins auf sportlicher Ebene auch auf Verständnis. Timo Brauer ist 2016 mit viel Vorschusslorbeeren zurück an die Hafenstraße gekommen; ein Coup auch von Michael Welling, dem es scheinbar viele Tassen Kaffee gekostet hatte, bis alles unter Dach und Fach war. Eine klasse Mitteilung seinerzeit, die Hoffnung schürte. Dann der Auftakt am 31.07.2016 in Wiedenbrück mit dem Tor zum 0:2 in der 66. Minute durch den Rückkehrer, welcher direkt weiter in den Rot-Weissen Feierblock springen wollte….wie gemalt! Aber dann zogen Spiele und Saisons in das Land und unsere Roten kamen gefühlt nicht von der Stelle. Zwar blieb Timo Brauer stets ein unumstrittener Spieler der Hafenstraße, doch konnte er vielleicht nicht die Akzente setzen, die sportlich von ihm erwartet wurden. Das hat  für mich weniger mit Hoch3 zu tun, als mit der jeweiligen Mannschaft. Zu viele Indianer, kaum ein Häuptling darunter. Zu viele Übungsleiter, zu wenig was auch immer! Unser Verein hat nun einen schwierigen Spagat zu bewältigen um einerseits endlich dem sportlichen Anspruch gerecht zu werden, andererseits dadurch bedingt aber auch unpopuläre Entscheidungen treffen zu müssen.

Die Entscheidung,  Timo Brauer gehen zu lassen, ist keiner der handelnden Personen leicht gefallen (Ich hätte ganz andere Spieler auf meinem Zettel notiert!) und setzt den Verein umso mehr in Zugzwang, Spieler zu verpflichten, die dann das gewisse Mehr an Qualität mitbringen. Und es werden weitere Personalentscheidungen folgen, die wir Fans als unpopulär erachten. Vielleicht aber auch begrüßen. Das wird sich dann zeigen. Jetzt aber möchte ich mich einfach und von ganzem Herzen bei Timo Brauer für seine Jahre und Verdienste an der Hafenstraße bedanken. „Aufgestiegen aus Ruinen“: Der wohl schönste Titel, den ein Fußballer jemals erreichen kann, Sie haben ihn! Der Fußballer Timo Brauer muss gehen. Der Mensch Timo Brauer aber wird bleiben, hat Vertrag auf Lebenszeit. Glück auf! 

In diesem Sinne (Eine gemischte Tüte Fußball).

Bevor es zu denjenigen Zeilen geht, die sich natürlich um unser aller RWE drehen und heute auch wieder auf Papier zu lesen sind, einige Gedanken, die sich allgemein rund um den Fußball angestaut haben und kurz verarbeitet werden wollen:

Der Fußball ist noch nicht ganz verloren! Diese steile These mag überraschend klingen im Nachgang eines Pokalhalbfinales, in welchem ein Konstrukt endlich den ersehnten Einzug in ein Pokalfinale geschafft hat. Und das 134 Jahre nach Gründung! Ist uns natürlich Brause, kann somit weg. Aber: Es gibt sie aktuell wirklich, diese kleinen Hoffnungsschimmer. Als da wären, ganz subjektiv betrachtet:

Ajax Amsterdam: Sicher ist Ajax eine tolle Mannschaft, würde sie doch sonst nicht in der Champions League an den Start gehen. Aber für dortige Verhältnisse natürlich eine Low Budget Truppe, krasser Außenseiter und für die Großkopferten überhaupt nicht auf dem Schirm. Stört die Mannschaft aber mal so gar nicht, werden doch die gewünschten Machtverhältnisse auf dem Feld einfach und spielerisch ziemlich genial durcheinandergewirbelt. Darauf eine Tüte und „Three Little Birds“.

DAZN: Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet ein Bezahlsender für DAS Fußball TV Erlebnis aktuell gesorgt hat? Aber dass, was DAZN im Spiel der Frankfurter Eintracht gegen Benfica Lissabon in Bild und Ton nach Abpfiff abgeliefert hat, war nichts anderes als Liebe zu unserem Fußball! Keine Werbung störte die verdienten Feierlichkeiten der Frankfurter Homogenität zwischen Mannschaft und Fans. Das waren Bilder, die man gar nicht mehr gewohnt war, die unter die Haut gingen. Auch ohne Fan der Frankfurter zu sein. Das war ganz großes Fußballemotionskino; ein Lehrfilm für alle anderen Sender. Danke dafür!

Eintracht Frankfurt: Siehe DAZN. Tolle Saison. Unsere Sanitäranlagen waren seinerzeit trotzdem nicht soooo begeistert von Euch.

SV Waldhof Mannheim: Der Verband hat ja nun wirklich alles versucht, den Waldhof für das Fehlverhalten einiger auf ewig zu bestrafen und mit absurden Strafen zu belegen. Die Mannschaft hat sich aber trotzdem einmal mehr nicht davon beirren lassen und ist nach drei verlorenen Relegationen und insgesamt sechzehn (und wir jammern herum) schweren Jahren endlich wieder in den Profifußball aufgestiegen. Wir kommen bald nach!

Stauder: Der RWE stagniert auf dem Platz, aber Stauder zollt den Leistungen auf den Rängen Tribut. Bleibt nicht nur treu, sondern erhöht noch sein monetäres Engagement. Eine (Pils-)Blume der Stadt weiter das Bier des Vereins. Grün ist Stauder, grün ist die Hoffnung. Lecker!

Sicher gibt es noch weitere Beispiele für den kleinen Hoffnungsschimmer Fußball abseits der Gier und Statuten. Wer selbst welche in Sachen Fußball erlebt hat, mag sie  sehr gerne hier erzählen.

Nun aber wieder RWE, noch einmal kurz RWO und dann ist das einfach mal so:

Unser aller RWE hat Ostersonntag bei Viktoria Köln ein respektables Unentschieden geholt. Torlos das Ganze, was logischerweise bedeutet, selbst nicht getroffen zu haben. Aber, der selbsternannte Meister seiner Klasse; dieser Verein der Massen aus Köln…der hat eben auch kein Tor erzielt. Ein Null zu Null der schlussendlich besseren Sorte, wurde doch hinten clever verteidigt und ging es auch mal ganz gut in Richtung Kölner Strafraum. Dort war dann aber auch schnell Schluss, die echte Torgefahr blieb aus. Trotzdem ein Achtungserfolg einer weiter arg dezimierten Mannschaft. Alle Achtung definitiv auch den mitgereisten Fans, die nicht wie unsereiner den PC Bildschirm als Quelle der Spielverfolgung auserkoren hatten, sondern sich ganz in echt und in Farbe auf den Weg nach Köln machten. Dort nicht nur eine schön anzuschauende Choreo präsentierten, sondern auch für Fußballatmosphäre verbaler Natur sorgten. Hat man bei Viktoria ja alles eher weniger. Darf man auch ruhig mal so schreiben. Als Gratiszugabe bekamen die Mitgereisten auf der Gegengerade natürlich jede Menge österliche Frühlingssonne ab. Auch nicht schlecht, kostet sonst. 

Nicht schlecht auch die Zweitvertretung des 1.FC Köln. In der zweiten Begegnung des Tages unter dem Motto „Ruhrpott vs Domstadt“ wurde mit 6:1 beim Nachbarn RW Oberhausen gewonnen. An dieser Stelle sei einmal erwähnt: Damit haben wir nichts zu tun! Wir, also unser RWE, hatte auch nichts mit der vorzeitigen Verkündung des Wechsels von Jörn Nowak zu RWE zu tun. Auch wenn Ostern die Zeit der Verkündigung ist; man an der Emscher endlich die Zeit gekommen sah, den Nachbarn aus Essen als den bitterbösen Rivalen zu positionieren: Wir pellen uns darauf höchstens ein Ei. Ist doch so, Ostern halt. Rot-Weiß Oberhausen legt eine dermaßen respektable Saison hin, die uns mehr als nur sportlichen Respekt abnötigt, uns bisweilen sogar neidisch macht. Ach was, nicht nur bisweilen: RWO spielt um unseren Traum Aufstieg mit. Wir nicht! Aber, das Umfeld der Kleeblätter spielt nicht um den Aufstieg mit, trägt die Mannschaft nicht und kommt nicht in angemessener Zahl in das Stadion. So versucht man nun im Verein Rot-Weiß Oberhausen auf unsere Kosten Stimmung zu machen. Der Eindruck wird auf jeden Fall erweckt! In einem offenen Brief ist zudem von einem „östlichen Nachbarn“ die Rede. Was jetzt aber der VfB Bottrop als östlicher Nachbar damit zu tun hat, erschließt sich mir überhaupt nicht mehr. Der VfB ist da völlig außen vor.

Was ich sagen will: Es ist jetzt gut gewesen, und in Hinblick auf das bald folgende, sportliche Aufeinandertreffen im Niederrheinstadion sollten auch auf Oberhausener Seite die Emotionen wieder auf das Normalmaß heruntergebrochen werden. Es ist schön, Euer Nummer Eins Rivale zu sein (War das nicht mal der MSV?), aber Ihr seit nun mal einfach nicht der unserige. Isso! Ist auch  nicht böse gemeint. Seit stolz auf das Erreichte und vielleicht langt es ja, dank unserer Schützenhilfe bei Viktoria, doch noch für den Aufstieg. Dann winkt ja möglicherweise wieder der MSV und könnt Ihr endlich loslassen, was uns betrifft. Täte allen gut. In diesem Sinne….

Postskriptum: Meine Güte, was taten mir die beiden Benfica Fans leid, die sich in Frankfurt/Oder wiedergefunden hatten. Sie taten mir auch dann noch leid, als außer mir   schon alle von dem Geniestreich aus dem Hause 11Freunde wussten. Liebe Freunde deren 11 Ihr seid: Da habt Ihr wirklich richtig schön den Finger in die Wunde des sich immer schneller drehenden Online Zirkus gelegt. Da ist dann unter anderem auch DAZN drauf reingefallen, was letztendlich natürlich Abzüge in der B-Note gibt.

Rettig, Meerrettich, Kommtnich. Doch Scheisse ist der, der kommt.Weil, muss ja! Oder auch nicht!

Prolog:

RWO sagt, wir waren das nicht, das war der RWE. Der RWE sagt, wir waren das aber auch nicht. Gut, es ist wie es ist und es gab scheinbar ein Leck. Dieses Informationsleck kam der Revier Sport natürlich nicht wirklich ungelegen und direkt gab es sie, die Breaking News aller Breaking News, welche vom neuen Sportdirektor bei Rot-Weiss Essen zu berichten wusste. Endlich einmal gab es mehr als den Fußpilz von Spieler XY oder Neuverpflichtungen, die so gar nicht existierten, sondern einfach so und der Klicks halber in den Ring geworfen wurden. Der sportliche Leiter von Rot Weiß Oberhausen, Jörn Nowak, wird Sportdirektor beim Nachbarn und (noch?) Ligakonkurrenten Rot-Weiss Essen.

So what?

Direkt nach Bekanntgabe der eigentlich noch nicht zu bekanntgebenden Personalie gab unser aller RWE dann die entsprechende Pressemitteilung heraus, und bei RWO wurde wütend in das Kissen gebissen. Das Netz reagierte auch wie zu erwarten und haute beiderseits alles raus, was es an Optionen so gab, um einen jungen Menschen in seiner Profession zu diffamieren. Abgesehen davon gab es glücklicherweise auch viele, die die bisherige Arbeit von Jörn Nowak zu schätzen wussten, und ihn an der Hafenstraße willkommen hießen. So sollte es auch sein. Egal, wo jemand  herkommt, und egal, wie er nun für die einen als Verräter und für die anderen als zu jung und  namenlos dasteht: Gucken wir uns einfach an, wo RWO steht und gehen dann einfach mal in uns. Ich glaube, der hat was drauf!

Mal ehrlich: Was haben wir denn erwartet? Sammer? Klopp? Neururer? Effenberg, Basler und Blitzbirnen? Nee, zum Glück nicht! Es kommt ein Mann, der bei einem uns nicht wirklich sympathischen Verein eine Mannschaft mitgeformt hat, wie wir sie doch gerne bei uns sehen würden: Nämlich eine, die bis zum Schluss um den Aufstieg mitspielt. Ein Denkmal würden wir ihm hier bauen! Aber nur, weil er von diesem, einem von uns seit jeher belächelten Verein kommt, kann er auf einmal nix; ist zu jung und überhaupt: Kleeblätter sind eh kacke. Mag sein, aber es ist wie es ist und Jörn Nowak ist nun unser. Also wäre hier und jetzt die Gelegenheit um aufzuhören mit dieser Stimmungsmache, dieser ewigen Hetze gegen alles und jeden. Wir wollen aufsteigen und dazu bedarf es Personal, welches diesen Traum in die Realität umsetzen kann. Heute haben wir einen unter Vertrag genommen, der es umsetzen will. Mir ist egal, woher Sie kommen, Hauptsache ab dem 1.7.2019 sind sie mit ganzer Kraft bei uns. Tach Jörn Nowak. Punkt.

Anbei noch einmal die zwei Teile einer saisonalen Phase, in welcher Namen gehandelt, gewünscht und verteufelt werden:

Teil 1, die Spekulation:

Es gibt neben den neunzig Minuten auf dem Feld (die eigentlich für uns Fans die allerheiligsten der Woche sein sollten) noch etwas ganz anderes; viel intensiveres, was uns mit unserem Verein verbindet. Etwas, was nicht in neunzig Minuten plus/-minus sechzig Minuten davor und danach abgehandelt ist. Etwas, was uns rund um die Uhr beschäftigt und in der eigenen Wahrnehmung doch stets viel zu kurz kommt. Daher wollen wir sie an dieser Stelle einmal gebührend würdigen: Die Rede ist von der Spekulation! Der Duden sagt als Definition zur Begrifflichkeit Spekulation unter anderem: „Auf bloßen Annahmen, Mutmaßungen beruhende Erwartung, Behauptung, dass etwas eintrifft“. Oder auch: „Hypothetische, über die erfahrbare Wirklichkeit hinausgehende Gedankenführung“. 

Ohne Spekulation wäre unser Fandasein ein wohl noch tristeres. Ohne Spekulation würden wir vielleicht Stunden und Tage, möglicherweise ein halbes Rot-Weisses Leben verbal auf das Nötigste reduziert nebeneinander her leben. Man stelle sich einmal vor, man tauscht mit Gleichgesinnten verbal oder in den Foren nur noch das Ergebnis und die Spielbewertung aus; berichtet jenen, die nicht zum Spiel vor Ort waren. Das würde sich dann in etwa so lesen: „Und?“ „Gewonnen!“ „Waren die Roten viel besser?“ „Ging so!“. „War Hotte auch da?“ „ Ja, muss ja, hatte aber Rücken!“. Mit Spekulation allerdings blühen wir auf; reden uns den Mund fusselig, tippen uns die Finger wund und können nicht schlafen vor lauter Gedankenkarussell. Das Spielergebnis und das Spiel als solches wird fast zur Nebensache, zieht einer der Beteiligten auf der Tribüne, an der Theke oder vor der Trinkhalle die Karte Spekulation. Am Rechner natürlich auch. Gerade dort. Da wird Spekulation bisweilen zur Passion.

Jetzt kommen die Dinge ins Rollen, wollen Meinungen über Gehörtes an den anderen Fan gebracht werden. Mit Nachdruck, der besten Quelle und natürlich stets dem oder der einen, der/die von einem gehört hat, der/die/das/wieso/weshalb/warum aus todsicherer Quelle weiss, was eigentlich noch keiner weiss. Aber natürlich schon alle wissen… weil: Spekulationen behält natürlich keiner für sich, das wäre ja langweilig. Die werden wie in der Mathematik stets ordentlich geteilt. Wir wissen also: Spekuliert wird immer. Aber, auch hier gibt es Extremsituationen. Und in einer solchen befinden wir Hobbyspekulanten uns aktuell: 

Unser Verein hat nicht nicht nur das Geheimnis kommender Finanzquellen in den Raum gestellt, sondern fahndet auch nach einem neuen sportlichen Leiter. Und dann, sozusagen als Sahnehäuptchen auf der Spekulationstorte, kommt plötzlich und unerwartet aus dem Nichts eine Personalie in Form des bekennenden RWE Fan und Mitglied Andreas Rettig um die Ecke. Jemand, den man allein schon aufgrund seiner gesunden Einstellung zum Thema Fußball, Fans & Finanzen wohlwollend begleitet. Aber, könnte er für die nötigen Tore sorgen oder im Mittelfeld spielerische Glanzpunkte setzen?

Ach, wie schön sind sie, die wilden Gerüchte und uferlosen Spekulationen. Aber, ist auch wohl schön, wenn dann endlich die Fakten folgen. Weil, dann kann endlich wieder darüber gemeckert werden. Mit dem Thema „meckern“ befassen wir uns dann aber in einer weiteren Folge…

Teil 2, ein Neuer (also nicht der) wird unter Vertrag genommen:

Schon Forrest Gump wusste um die Problematik der Bekanntgabe neuer Spieler für die kommende Saison und sprach auf seiner Bank sitzend diese (leicht auf den RWE abgeänderten) berühmten Worte „Die Neuverpflichtung ist wie eine Schachtel Pralinen – man weiß nie, was man kriegt“. Hätte Forrest Gump sich tatsächlich auf unseren Verein bezogen, so hätte er natürlich Recht: Was ein Spieler bislang in seiner sportlichen Vita vorweisen kann zählt ab jenem Moment nicht mehr, in dem er sich das rote Trikot mit dem schönsten aller Embleme überstreift. Jetzt muss geliefert werden, nichts weniger als der unendlich herbeigesehnte Aufstieg muss her. 

So  weit so gut, da bin ich völlig dabei! Wo ich nicht mehr dabei bin ist der Moment, in welchem direkt nach Bekanntgabe einer Neuverpflichtung damit begonnen wird, diese in Frage zu stellen. Aber, was heißt denn schon, in Frage zu stellen? Das wäre ja noch einigermaßen zu verstehen, gibt es auf seiner Position vielleicht schon den ein oder anderen guten Spieler im Kader. Diese Diskussionen gab es ja auch schon immer. In Zeiten vor den (bisweilen un-)sozialen Medien halt an der Theke, auf der Tribüne oder im Plausch mit den Nachbarn. Heute jedoch wird  fast jede Neuverpflichtung bei Rot-Weiss Essen direkt vor seinem ersten Training multimedial auseinandergenommen. Wird akribisch seine sportliche Vergangenheit durchleuchtet; die Verletzungsanfälligkeit begutachtet und dann auch noch das Alter: Boh Alter ey, das darf schon mal gar nicht jenseits der dreißig liegen. Das Ganze oftmals im mittlerweile leider üblichen, respektlosen Sprech geschrieben und das Urteil ist gefällt: Der Neue kann nix! Die Saison ist gelaufen, noch bevor sie begonnen hat. 

So kommt es mir vor, und so erlebe ich es. Was der Sache aber leider überhaupt nicht dienlich ist. Bei uns werden mittlerweile viele neue Spieler direkt verbal weggejagt, noch bevor sie überhaupt angekommen sind. Für mich eine „Lose-Lose-Situation“, die unserem Traum nicht dienlich ist. Leider jedoch, und jetzt kommt das „Aber“, leider jedoch kann die Enttäuschung und Skepsis zu großen Teilen auch nachvollzogen werden! Es gab in den letzten Jahren zu viele Neuverpflichtungen, von denen man sich viel versprochen hatte, die das Vertrauen aber nicht in gute Leistungen umwandeln konnten. Es gab das Pech mit den Verletzungen und auch Vorerkrankungen. Und auch sie gab es sehr häufig: Die Spieler, die vor und nach der Hafenstraße zu großartigen Leistungen fähig waren. Wie gesagt: Vor und nach ihrer Zeit an der Hafenstraße. Vielleicht ein Phänomen, welchem wir nur durch die psychologische Brille betrachtet auf die Spur kommen.

Der Frust somit verständlich, die verbale Umsetzung leider zu oft nicht mehr angemessen und respektvoll. Schade eigentlich, denn: Sobald ein Spieler hier unterschreibt, ist er ein Rot-Weisser und hat alles zu geben für unseren Verein. Aber ich kann doch erst nach einigen Spielen wirklich und fair beurteilen, ob es passt oder (leider mal wieder) nicht. Übrigens kann ein neuer Spieler auch nur so viel ausrichten, wie die Etablierten neben ihm auf dem Feld abliefern. Abliefern wollen oder können. Manchmal liegt es auch daran. Also Ihr Neuen: Herzlich willkommen anne Hafenstraße. Haut alles raus und verletzt Euch bitte nicht! 

Epilog:

Ich habe einfach ein Problem damit, Menschen vorab zu diffamieren, zu beleidigen oder ihre Qualitäten direkt in Frage zu stellen. Ich will das nicht. Können wir uns vielleicht einfach auf Unentschieden einigen und denjenigen, die bei uns einen Vertrag unterschreiben, eine Chance geben? Hören wir damit auf und gehen nur nach Leistung. Gucken immer auch danach, ob wir selbst auch über uns lesen möchten, das wir nichts können, noch bevor wir den neuen Job überhaupt angetreten haben.

Sicher nicht.

Gemeinsam voran. Gemeinsam ans Ziel. Nur der RWE!

Zäsur

Damals, wir hatten ja nichts anderes, waren wir höchstwahrscheinlich kein aktives Mitglied  einer Gruppe. Gruppen standen schließlich auf der Bühne und gaben Konzerte. Bands also. Wir guckten nach oben auf Menschen und hatten kaum Nacken. Heute, die Zeiten ändern sich, gucken wir ständig nach unten auf ein Display, haben Nacken und sind höchstwahrscheinlich alle Mitglied von mehr als einer Gruppe. Ohne eine Band zu sein.

Neben den üblichen Gruppen eines hinlänglich bekannten Nachrichtendienstes wie zum Beispiel „Klassentreffen“, „Familie“, Stammtischfahrt“ „Schlakke wieder kein Meister“ usw. gibt es selbstredend auch die eine, in welcher es um den eigenen Verein geht. Wir zum Beispiel haben unsere RWE Gruppe schlicht und bescheiden „Vorstandstreffen“ genannt.Ich liebe diese Gruppe! Zum einen ist sie der direkte Draht nach Essen, und zum anderen beschränken wir uns nicht nur auf den RWE, sondern haben natürlich auch noch uns, unsere Hunde und ziemlich viel Blödsinn auf dem Programm. Aber, wir passen auch auf uns auf und kümmern uns umeinander. Spekulieren ständig auf das Herrlichste rund um unseren Verein, sind wir doch zudem allesamt auch außerhalb unserer Gruppe in den Farben Rot-und Weiss gut vernetzt.

In letzter Zeit jedoch gab es eine tiefgreifende Zäsur, die mir erst jetzt so wirklich bewusst wird: Es gibt Spieltage, an denen schreiben wir einander gar nicht mehr über die Spiele unserer doch so geliebten Roten. Es gibt keine atmosphärischen Statusmeldungen, keine ergebnistechnische Wasserstandsmeldung mehr. Es wird nicht einmal mehr über was auch immer gelästert. Und dabei waren diese neunzig Minuten die Fixpunkte unserer Gruppe. Wir nehmen das Gebotene auf dem Feld einfach nur noch hin und diskutieren über bessere Zeiten. Wissen natürlich um die Maloche, die der Verein aktuell Tag für Tag abseits des Feldes leistet, um die Weichen zu stellen für eine bessere sportliche Zukunft. 

Doch dann kam diese Nachricht, die mich in der Tat zunächst einmal mehr als geschockt hat: 

„Ich muss jetzt mal was gestehen; Ich bin im Moment, was den geliebten RWE angeht, total emotionslos. Befinde mich quasi mitten in der Fastenzeit und bewusst auf Entzug. Mich zieht nichts mehr ins Stadion, bin einfach „leer und lustlos“. Habe noch nicht einmal mehr die Vorverkaufsoption für das Pokalspiel genutzt. Ich hoffe sehr, dass die Beziehung zwischen dem geliebten RWE und mir zur neuen Saison wieder eine neue Chance bekommt. Aktueller Beziehungsstatus: Es ist mehr als kompliziert“

Es ist also passiert: Sie, die als einzige von uns den RWE sogar auf der Haut trägt, ist aus selbiger gefahren und hat sich nicht nur von den neunzig Minuten abgewandt, sondern benötigt direkt eine komplette Pause von unserem Verein. Eine Folge der bisweilen unerklärlichen Darbietungen auf dem grünen Rasen. Eine Folge sicher auch von einer Dekade Sehnsucht nach was Besserem. 

Dummerweise gehört „Sie“ zu meinem Stadionerlebnis Hafenstraße zwingend dazu, sind wir doch oft in letzter Zeit nur noch der Gruppe wegen nach Essen gefahren. Ich brauche die Gespräche mit ihr und ihrem Papa, dem ehemaligen Bergmann. Was machen wir denn jetzt? Wie bekommen wir diese treue Seele zurück in die Rot-Weisse Spur? 

Ich glaube, diese Antwort kann nur die Mannschaft geben. Mit gutem und erfolgreichen Fußball. Dann stehen wir alle wieder zusammen und schreiben auch über Spiele. Weil:

Nur der RWE!

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