Rheinische Momente.

Es drohen zwei ekelhafte Auswärtsspiele für Stauder verwöhnte Essener Gourmet-Kehlen zu werden: Erst das komische Kölsch und dann auch noch das abstruse Alt. Und obendrauf werden diese rheinischen Momente auch noch bei den Zweitvertretungen des 1.FC Köln und Fortuna Düsseldorf verköstigt. Also wir müssen da jetzt echt mal raus aus der Liga, ist wirklich gut gewesen. Bei Magenta TV bricht man mittlerweile immer öfter in Tränen aus, wenn die Zuschauerzahlen vonne Hafenstraße bekannt werden, um dann seinerseits das ganze Equipment beispielsweise an einem herbstlichen Montag in Lotte für das Spiel des SC Verl gegen den TSV Havelse aufzubauen. Verfolgt von lediglich 576 Zuschauern im Ausweichstadion am Lotter Kreuz. Ein Spiel als Blaupause für den ganzen DFB Wahnsinn! Warum muss ein solches Spiel in einem Stadion stattfinden, welches zwingend vorgeschrieben 10.001 Zuschauern Platz bietet?

Der eigentliche Wahnsinn rund um den Fußball aber hat aktuell und ausnahmsweise einmal nicht in den DFB-Stuben oder im Büro von Olli Bierhoff stattgefunden, sondern im Norden von England: Die Fans von Newcastle United drehen völlig frei, seitdem bekannt wurde, dass die heimischen „Magpies“ von einem Konsortium aus Saudi-Arabien übernommen werden. Wer nun kritische oder mahnende Stimmen erwartet hätte, das zukünftig „Blutgeld“ von einem bisweilen menschenverachtenden Regime an den St.James Park wandern wird, der sah sich getäuscht. Während in Liverpool, bei ManUnited und sogar bei Chelsea gegen die bekloppte „Super League“ auf die Straße gegangen wurde, regierten vergangenes Wochenende  in Newcastle um den Kopf gebundene Bettlaken und die Flagge Saudi-Arabiens als Verkaufsschlager. Das kann ja heiter werden. Soweit so schlecht.

Ganz so schlecht, wie es sich vielleicht anfühlt, war der vergangene  Wochenendausflug in unsere Liga des Vertrauens nach einigen Tagen Abstand dann doch wieder nicht. Unsere Roten sahen sich schlicht der Problematik ausgesetzt, dass der Gast aus Wiedenbrück sich fest vorgenommen hatte, ein Fußballspiel im eigentlichen Sinne komplett zu verweigern. Und für solch eine destruktive Spielweise muss man erst einmal ein Gegenmittel erfinden. Zumal, wenn der Schnapper aus Wiedenbrück ausgerechnet gegen uns einmal mehr seinen Sahnetag erwischt. Es hatte also was von einem Handballspiel auf ein Tor, allein der erlösende Treffer blieb versagt. Chancen gab es einmal mehr als genug, und wenn es nach dem „Hafenstraßen-Roar“ gegangen wäre, hätte der Abschluss einfach und öfter aus der zweiten Reihe erfolgen sollen: Einfach mal auf das Tor schießen, anstatt bis in den Fünfer zu kombinieren.

Akustisch hat das echt was, wenn das ganze Stadion bei eigenem Ballgewinn aufschreit, dann in einem langgezogenen „Schiiiiießßßß“ verweilt um sich dann in einem lauten Stöhnen der vergebenen Torchance hinzugeben. Leider kann nun kein 0:11 und 0:0 in ein 0:10 und 1:0 umgewandelt werden. Schließlich ist auch die Regionalliga kein „Wünsch Dir was“, sondern immer noch ein „So isses“! Was aber Bestand hat, ist unsere Tabellenführung. Das wird bei einem torlosen Unentschieden und der damit oft geäußerten Enttäuschung gerne mal vergessen. Zudem haben sich die nachfolgenden Mannschaften glücklicherweise der Möglichkeit verweigert, sich unserem Kuschelverein punktuell anzunähern. Daher ist doch weiter alles gut. Außerdem werden die Zweitvertretungen aus Köln und Düsseldorf definitiv nicht unterschätzt. Kopf hoch und nach vorne schauen. Nicht immer nur das Schlechte im Heuhaufen Hafenstraße sehen und sich daran festbeißen. Das gilt auch für die Diskussion in Sachen Stimmung. Wem es zu leise ist: Mund auf. Das ist die einfachste aller Lösungen.

Ganz wichtig: Daniel Heber, dem wir alles alles Gute und rasche Genesung wünschen, ebenso wie Kevin Holzweiler und allen anderen im rot-weissen Lazarett natürlich auch, fällt bekanntermaßen aus. Das ist vor für Daniel Heber bitter, da sicher sehr schmerzhaft. Aber nicht für unseren RWE. Denn wir haben glücklicherweise Grillmeister „Herze“, nun wird er halt den Gegner abkochen. Und genau daraus nehme ich den Optimismus für diese Saison: Unser Kader passt. In der Tiefe, in seiner Spitze und vor allem in der Breite, womit nun alle Floskeln benannt wurden. Die kommenden rheinischen Momente sind allesamt Wundertüten, da Zweitvertretungen. Man weiß irgendwie nie, wen man als Gegner bekommt. Aber Manschetten? Um Himmels Willen, wir sind der amtierende Tabellenführer. Da ist die Brust mindestens so breit, wie die von Alexander Dolls. Also stimmen wir lauthals an: „Auswärtssiege, Auswärtssiege….“

„There Is A Light That Never Goes Out“ (The Smiths)

Während die meisten von uns im Stadion waren, wurden die vielen anderen RWE-Fans durch Hafenstraße-Live, Radio Hafenstrasse oder auch diverse Liveticker auf dem Laufenden gehalten. Oder durch WhattsApp und seinem Anverwandten namens Messenger. Damals also, als die Dienste noch funktionierten und nicht das Ende der Welt bedeuteten. Moderne Medien, die uns unseren RWE (nicht immer) frei Haus liefern.

Etliche Jahre zuvor wurden wir, also die Älteren unter uns, wohl auch durch die legendäre Bundesliga-Schaltkonferenz auf WDR 2 für den Fußball sozialisiert, sofern wir nicht schon längst dem runden Leder nachjagten. Vorzugsweise gehört, während das Familiengefährt am Samstagnachmittag mit Schwamm und ordentlich Schaum vom Dreck der vergangenen Woche befreit wurde. Oder wenn es in die Badewanne ging. Mit Haare waschen natürlich. Jochen Hageleit und Kurt Brumme immer dabei. Da seinerzeit noch alle Spiele einer Liga zur selben Uhrzeit angepfiffen wurden, gab es keine Zeit für einen unterklassigen „Sidekick“. Heutzutage gibt es die ARD Bundesliga-Konferenz auf WDR 2 immer noch. Unterhaltsam und informativ zugleich geleitet durch Sven Pistor.

Und nun wird es spannend: Durch die zerstückelten Spieltage beschränkt man sich aktuell nicht mehr nur auf eine Liga, sondern kann innerhalb einer Sendung schon mal die Ligenpyramide rauf und runter von den Plätzen berichten. Vergangenes Wochenende (nach einer halben Ewigkeit) somit auch mal wieder von der Essener Hafenstraße im Spiel gegen Rot-Weiß Oberhausen, wie mir im Nachhinein von Freunden berichtet wurde. Selbst keine Stadiongänger, aber immer noch ziemlich treue „Liga live“ Hörer. Rot-Weiss Essen war also tatsächlich nach unglaublich vielen Jahren endlich wieder Bestandteil der Samstagnachmittag  Bundesliga-Konferenz. Das kann den Stadionbesuch natürlich nicht ersetzen, aber schön wäre es trotzdem gewesen, diesen Moment am Äther mitzuverfolgen.

Der Spezi von Sven Pistor, Burkhard Hupe, hat das Spiel RWE – RWO für den WDR am Mikrofon begleitet und soll sich in seinen Sprechzeiten immer wieder begeistert über das ganze Ambiente Hafenstraße geäußert haben, so dass er seinen Kommentatorenplatz eigentlich gar nicht mehr verlassen und direkt dableiben wollte. Sinngemäß die Antwort von Sven Pistor: Es würde ihm in diesem Fall wohl irgendein Essener Schnittchen vorbeibringen, weil die Essener halt so sind. Unserem Kuschelverein wurde also relativ unverhofft und doch einmal mehr bundesweite Aufmerksamkeit zuteil. Zudem diesmal durchweg positiv. Fein!

Durchweg positiv wären natürlich drei Punkte aus dem Spiel gegen die Nachbarkleeblätter gewesen. Aber die Punkteteilung entsprach ziemlich authentisch dem Spielverlauf: Halbzeit Eins RWE plus Halbzeit Zwei RWO gleich Unentschieden. Trotzdem bleiben wir an der Tabellenspitze und sollten darauf nicht nur stolz sein, sondern weiter aufbauen. Klar, es gibt von außen immer etwas zu bemängeln, irgendwo müssen wir ja auch hin mit unserem Fußballwissen als unbezahlte RWE-Trainer auf freiwilliger Basis. Nach dem deftigen Schlag ins Kontor gegen Straelen ging es zumeist gegen Mannschaften aus dem oberen Regal der Liga und das ziemlich erfolgreich. Es sieht gut aus, die Mängelliste ist der Mannschaft selbst bekannt und die Saison noch lang. Kommenden Samstag nun steht ein ganz schweres Spiel auf dem Programm und alle glücklichen Ticketgewinner dürfen für sich einen neuen Stadionpunkt verbuchen: Die Fußballnomaden des KFC Uerdingen haben aktuell ihre Zelte im neuen Velberter Stadion aufgeschlagen.

KFC Uerdingen, da geht man natürlich von einem hohen Sieg aus. Aber die Mannschaft hat sich gefunden und ist leider nicht mehr die Truppe, die unserem Nachbarn RWO (Seit wann ist Hajo Sommers eigentlich so dünnhäutig geworden?) einen mehr als guten Start in ein positives Torverhältnis beschert hat. Das wird beileibe kein Selbstgänger, denn wir wissen ja auch um die Motivation, wenn es gegen RWE geht. Diesmal wird das Spiel wohl nicht öffentlich-rechtlich begleitet, schließlich ist ja mal wieder Länderspielpause. Kann auch weg. Keiner will nach Katar. Platzt der Torknoten oder wird es langes Geduldspiel in Velbert? Wird also ein spannendes Spiel werden, an dessen Ende hoffentlich weiterhin die Tabellenführung steht. Das sieht einfach zu verlockend aus, unser wundervolles Emblem ganz oben auf dem Tableau. Ich finde, wir sollten auch mal aufsteigen, bevor die attraktiven Vereine ihrerseits endgültig die 3.Liga nach oben oder unten verlassen.

Verlassen hat mich auch Christian Kohlund. Fairerweise hat er mich natürlich nicht verlassen: Sein Management hat erst gar nicht auf meine Anfrage reagiert, ob Herr Kohlund mit seiner unglaublich markanten Stimme zum fünfzehnten Geburtstag von „Im Schatten der Tribüne“ einen älteren Blogtext einlesen könnte. Man liegt dort wahrscheinlich immer noch vor Lachen auf dem Tisch bei solch einer Anfrage. Auf meiner Liste standen auch noch Bastian Pastewka, Max Giermann oder Ulrike Stürzbecher. Ich habe dann Vernunft walten lassen und keine weiteren Anfragen gestartet, so dass Im Schatten der Tribüne auch weiterhin zuallererst als Lesestoff erscheint. Morgen also Geburtstag: Fünfzehn Jahre Blog. Mehr Abstiege denn Aufstiege. Insolvenzen. Keimzelle für mittlerweile drei Bücher und die wöchentliche Kolumne in der WAZ: „There Is a Light That Never Goes Out“! Wenigstes bis zum ersehnten Aufstieg.

Zum Schluss noch eine Bitte an die örtliche „Leitzentrale An- und Abreise“: Wir hatten oftmals schon mehr Zuschauer als vergangenen Samstag im Stadion. Wir hatten Jahrzehnte nicht einmal den Parkplatz, den wir jetzt haben. Aber irgendwie war das alles nicht so schlecht organisiert wie vergangenen Samstag. Manchmal ist weniger mehr. Und wenn schon Hafenrundfahrt, dann wenigstens mit dem Typen aus der Hornbach Werbung.

Offenherzigkeit ist die Seele der Eintracht.

Rot-Weiss Essen spielt diesmal nicht am Freitag Abend, sondern gönnt sich den Samstag Nachmittag in Lippstadt. Eine schöne Gelegenheit, um einmal mehr den Heideweg in Nordhorn zu besuchen, da mein lokaler Hero SV Eintracht eben diesen milden Herbstabend ausgesucht hat, um den Ligakonkurrenten Olympia Laxten aus Lingen unter Flutlicht zu empfangen. Die ehemalige Bernhard-Niehues Kampfbahn, lange Jahre als Eintracht Stadion am Heideweg bekannt, dient ja mittlerweile als Sportpark-Blanke einigen Vereinen als Zuhause. Das hat ein wenig was von den ganzen Umbenennungen der großen Stadien nach Sponsoren Gusto. Für die verbliebenen Weinroten der Stadt ist es trotzdem weiterhin die Heimat des SV Eintracht. Früher hat man es sich übrigens noch einfacher gemacht, da hieß es schlicht: „Und, Sonntag auch am Platz?“

Am Platz unter TV-tauglichem Flutlicht im wunderschönen Herbstambiente mit Anpfiff die knapp über dreistellige Zahl derer, die es weiterhin mit dem SV Eintracht als Erst- oder auch Zweitverein halten. Die einzige Zaunfahne hängt am Wellenbrecher und auch dahinter gestaltet es sich eher entspannt. Ein Fanclubmitglied der Rot-Weißen Treue ist im Urlaub. Das macht optisch gleich was aus, aber die Lücke wird geschlossen. Manchmal kommt man halt etwas später an den Platz, die Bezirksliga hat dafür Verständnis. Dafür waren die Pommes heute nicht so lecker, wie man von den später hinzugekommenen zu vernehmen wusste.

Zu einem Eintracht Spiel zu fahren, hat auch durchaus etwas therapeutisches, auch wenn eigentlich kaum einer etwas mit RWE am Hut hat. Obwohl: “ Was war denn da in Münster los, war doch lange Zeit ruhig um RWE?“ Man beschäftigt sich also mit Rot-Weiss Essen, und hätte diesen, unseren Verein, endlich auch gerne eine Klasse höher verortet. Früher war die aktive Eintracht-Szene in etwa gleich aufgeteilt in Anhänger der Mönchengladbacher Borussia und denen aus Gelsenkirchen. Hinzu kamen wir Essener als Splittergruppe sowie der obligatorische Anteil der BVB & FCB Fraktion. Während sich die Fraktion Königsblau weitestgehend in den Ruhestand verabschiedet hat, sind es vor allem die Fans der Fohlen, die ihrem Heimatverein die Treue halten. Und da hat der RWE durchaus einen guten Stand. Mag aber auch an meinem Charme liegen.

Nach einigen Jahren hat es unsere Eintracht mal wieder in die Spitzengruppe der Bezirksliga verschlagen. Und auch hier ist eine Zeitvertretung wohl der unerreichbare Konkurrent um den Aufstieg. Dummerweise auch noch denjenigen aus Meppen. Tja, dieses Phänomen ist also nicht nur ein höherklassiges, sondern zieht sich durch bis ganz unten. Das 1:0 zur Pause gestaltete sich relativ verdient, schließlich war auch die Fahne des Linienrichters nicht ganz auf unserer Seite.

In der Pause selbst Smalltalk, wie sich jener halt immer wieder auf den Stehtraversen gestaltet. Man reflektiert die erste Halbzeit, sinniert über die fettige Bratwurst und darüber, wann die Bäume rund um den Platz endlich die fotogenen Farben des Herbstes tragen. Und wir reden über die anderen Mitbewerber der Stadt. Sind uns darüber einig, das wohl erst ein Spiel gegen Sparta 09 ein wirkliches Nordhorner Derby bedeuten würde. Historisch betrachtet. Aber dafür müsste die Spartaner Jungs endlich einmal die Kreisliga verlassen und aufsteigen. Während die Spiele gegen Vorwärts und VfL WE leider keinen mehr hinter dem Ofen hervorlockt, könnte ein Spiel SV Eintracht – NS Sparta 09 durchaus noch Emotionen hervorrufen.

Das heutige Spiel gewann der SV Eintracht Nordhorn gegen den SV Olympia Laxten mit 3:1. Maßgeblich einmal mehr daran beteiligt, die Nordhorner Antwort auf Simon Engelmann, Kamalljit Singh. Um Strom zu sparen, wurde das Flutlicht fast mit dem Abpfiff abgeschaltet, so dass sich der anschließende Smalltalk stetig zu verdunkeln wusste. Der SV Eintracht seinerseits hat ziemlich dunkle Zeiten durchlebt, um einmal im Bilde zu bleiben. Das er wieder in seiner ursprünglichen Form existiert, ist eine Sache, die auch Ernst Fuhry gefallen dürfte.

Der Traum von einem Freundschaftsspiel zwischen dem SV Eintracht Nordhorn und Rot-Weiss Essen um den Peter Simons Pokal im Stadion am Heideweg, er lebt weiterhin für mich. Schön war es mal wieder, daheim zuhause.

Nach wie vor, Eintracht empor.

Es hätte alles nur schön sein können.

Bei dem ersten Entwurf für diesen Artikel sollte dieser noch flapsig „Stirb langsam. Die Küsters Chroniken“ heißen. Der tagelange Versuch des RevierSport, dass Spiel Preußen Münster – Rot-Weiss Essen ausschließlich als Remake des Skandalspiels von 2002 zu bewerben musste schließlich irgendwie kanalisiert werden. Wie dreist kann man eigentlich sein, ein Spiel von solch sportlicher Tagesaktualität fast ausschließlich auf den damaligen Platzsturm zu reduzieren? Das leidvolle Ding hat ja nicht einmal zwanzigjähriges Jubiläum. Es musste also ein anderer, uns allen unbekannter Redaktionsauftrag existieren, der diese befremdliche Art von Vorberichtserstattung an den Start gebracht hat. Selten zuvor habe ich einen solch massiven Versuch erlebt, längst vergessene schwarze Stunden wieder in Erinnerung zu rufen und gleichzeitig die so erfreuliche Gegenwart auszublenden.

Es dürfte somit ja fast redaktionelle Hochstimmung geherrscht haben, als das Nachspiel im Preußen Stadion begann und die Laufduelle sich vom Rasen auf die Tribünen verlagerten. Das Remake von 2002, es fand tatsächlich statt. In kleinerem Rahmen zwar, aber immer noch viel zu groß, um die anschließenden, bundesweiten, Negativschlagzeilen für unseren RWE zu verhindern. Ein hart erarbeiteter sportlicher Erfolg wurde in wenigen Minuten nach Abpfiff zu einer gefühlten Niederlage gewandelt. Menschlich betrachtet. Die Frage nach dem „Warum“ wird wohl niemals eine zufriedenstellende Antwort bekommen, denn es gab ja nicht einmal einen irrationalen Grund für diesen Gewaltausbruch. Wir hatten doch gewonnen. Einen deutlichen Rückstand in einen knappen Sieg umgewandelt. Der erste Sieg in Münster seit was weiß ich.

Es ist nun passiert und lässt sich leider nicht mehr ändern. Der Imageverlust für RWE enorm, schließlich werden nun vielerorts ziemlich unreflektiert die vielen RWE-Fans komplett über einen Kamm geschert. Allein auf Twitter hat sich so ein Preußen Account endlich und vollumfänglich in seiner Abneigung gegen unseren Verein bestätigt gesehen und diese eigentlich auch nur als komplette Beleidigung formuliert. Für ihn sind wir alle so wie diejenigen, die vergangenen Dienstag keinen guten Auftritt hingelegt haben. Es gibt nun auf vielen Ebenen ganz viel aufzuarbeiten, was sich rund um dieses Spiel zugetragen hat. Und das ist definitiv nicht nur Sache von Rot-Weiss Essen. Das fängt beim RevierSport an und hört bei der Polizei auf. Mindestens! Und wenn jetzt irgendeiner der Beteiligten doch noch mal anfängt, über die Geschehnisse zu grübeln, dann legt einfach zusammen und schickt dem älteren Herrn einen dicken Blumenstrauß als Entschuldigung. Er wollte einfach nur Fußball schauen.

Fußball schauen wollten auch viele, die keine Karten für das Stadion bekommen konnten. Leider klappte dass dann online nicht so, wie im Vorfeld angepriesen. Wir „Onliner“ bekamen Standfußball, gar keinen Fußball oder bisweilen nicht einmal eine Verbindung geboten. Das lief nicht mal ansatzweise so flüssig wie das Spiel des RWE in der zweiten Halbzeit. Was hier einfach sauer aufstösst ist die Vorankündigung, dass mit drölf Kameras, bester Qualität und was weiß ich gestreamt wird und wir ein TV Erlebnis nahe an „Anpfiff“ oder „Ran“ zu erwarten haben. Und dann kommt Gelsenkirchen bei raus. Eine realistischere Einschätzung der gegebenen (Leitungs-) Möglichkeiten hätte hier einfach für mehr Klarheit gesorgt. Eine Kamera in SD Qualität, die dafür das ganze Spiel über stabil läuft, hätte es dann auch getan. Wir waren durch Corona doch auch ganz andere Übertragungsmöglichkeiten gewohnt. Dann einen Fünfer verlangen, und alles ist gut.

Ach, das Spiel. Nach dem 0:2 aus unserer Sicht musste wieder der Hund herhalten, um an frischer Luft einen klaren Kopf zu bekommen. Nein, ich war kein sogenannter Vogel, der gleich die komplette Saison in die Tonne gekloppt hat, aber das Spiel habe ich zu dem Zeitpunkt einmal mehr als Münster-Verschwörung zu den Akten gelegt. Bei 0:2 in Münster durchaus legitim, diese Enttäuschung. Ich konnte doch nicht ahnen, dass in der Halbzeitpause die Erkenntnis der bisher falschen Taktik direkt eine Korrektur zur Folge hatte. Diese Selbstkritik bei Christian Neidhart und seinem Trainerteam gefällt mir extrem. Und die Reaktion der Mannschaft auf diese taktische Erkenntnis noch mehr. Unglaublich, welche Wucht da bisweilen Richtung gegnerisches Tor auf den Weg gebracht wird. Das ist „Isi-living“ vom Feinsten.

Es hätte alles einfach nur schön sein können.

Eine Tüte Drei Punkte!

Aus irgendeinem unerklärlichen Grunde fand ich Fortuna Köln eigentlich immer relativ sympathisch. Sei es den Eagles als älteste Vertreter ihrer Zunft hierzulande geschuldet, oder der Alleinherrschaft eines „Schäng“ Löring, die durchaus gewisse Parallelen zu unserem geliebten Georg Melches aufweist. Oder einfach auch als Gegenentwurf zum allmächtigen „Effzeh“ oder zur neureichen Viktoria mit einer gelebten, eigenen, Identität in der Kölner Südstadt. Mit dem Südstadion hingegen konnte ich nie warm werden, da hat ja sogar das Franz-Kremer-Stadion mehr Flair zu bieten.

Egal, spätestens seit gestern hat sich die B-Movie Truppe aus Köln, inklusive Gewinner der goldene Himbeere als schlechtester Schauspieler Kategorie Agent Provocateur, Jannik Löhden, endgültig aus dem Kreise der mir sympathischen Fußballvereine verabschiedet. Einen Nachrücker kann ich zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht benennen.

Das war mal wieder so ein Spiel, welches unsere Nerven bis auf das Äußerste zu strapazieren wusste. Mit gutem Ausgang für unsere Roten. Humba vor der „West“ statt niedergeschlagen in die Katakomben. Und das, obwohl man schon zur Pause wieder Weltuntergangsstimmung geschoben hat. Ich muss einfach wieder entspannter werden im Umgang mit den Spielen unseres RWE! Die Saison ist noch so lang, und die Liga eine ganz andere, als noch vergangene Saison. Da ist eine Niederlage noch kein Versagen und ein gewonnenes Spiel nicht die Meisterschaft. Aber es ist spannend. Zu diesem frühen Zeitpunkt schon. Spannender als die Bundesliga, die uns mittlerweile in ihrer Berechenbarkeit am Allerwertesten vorbeigehen dürfte. Trotzdem gilt es auch in der Regionalliga West, Nerven und vor allem Blutdruck zu schonen.

Ging gut los gegen völlig überraschte Südstädter: Zweimal Pfosten in kürzester Zeit sorgte direkt nach Anpfiff für eine Betriebstemperatur, die den Kölnern wohl etwas zu heiß wurde. Ergo wurde auf der Trainerbank der Kölner rasch die Anleitung „Spielverzögerung für Dummies“ rausgekramt und an die Spieler weitergeleitet. Und wie sie fielen und litten, man hätte fast Mitleid haben können, stand nicht oftmals eine Schmierenkomödie dahinter Pate.

Und dann führt diese Schauspielertruppe von Schiris Gnaden auch noch zur Halbzeit. Gefühlt kam das einem Schlag in der Magengrube gleich, hatten wir doch das Spiel im Griff. Und die Fortunen gleich mit. Das Ganze nennt sich aber dann doch Fußball und ist halt nicht planbar.

Das wir trotzdem nicht planlos in die zweite Hälfte gestartet sind, sondern unbeirrt die Arbeit der ersten aufgenommen haben, lag mit Sicherheit auch an der Ansprache in der Halbzeitpause. Ohne diese nun zu kennen, zeigte sich die Mannschaft nicht geschockt, sondern eher ermutigt, uns allen zu zeigen, was sie zu leisten imstande ist. Und das hat sie. Und mit jeder gespielten Minute bekam sie das Publikum zurück auf ihre Seite. Spielstandabhängige Unterstützung müssen wir erst wieder lernen und somit auch mal mit kompletter Stille im Stadion umgehen können, obwohl Fans anwesend sind.

Es spitzte sich also zu im Spiel Rot-Weiss Essen gegen Fortuna Köln. Und eigentlich haben wir die Südstädter in Grund und Boden gespielt. Schade, dass unser Spiel bei der Düsseldorfer Zweitfortuna in den Oktober verlegt wurde und uns somit aus dem Spielrhythmus bringt, in den wir gerade so schön reingefunden haben. Liegt es an der Empfehlung der ZIS oder, wie bei anderen Zweitvertretungen auch, an einigen Abstellungen für die U21 Nationalmannschaft? Nichts genaues weiß man irgendwie nicht, aber da auch in den anderen Regionalligen Spielverlegungen stattfinden, weil Zweitvertretungen Spieler abtreten müssen/können/wollen/dürfen, haben wir auch wohl in diesen sauren Apfel zu beißen. Es gilt umso mehr: Zweitvertretungen sollten ihren eigenen Wettbewerb spielen!

Zurück zu Sonntag: Diese zweite Halbzeit, das war spätestens dann purer, wie sagt man immer so schön, Hafenstraßen-Fußball. Die Melange aus spielerischer Überlegenheit, den vielen Torchancen, der Galligkeit zwischen den beiden Mannschaften in einer Atmosphäre von draußen, die immer auf den Moment temperiert war und zum Schluss überkochte: Das war Faszination Fußball und Faszination Rot-Weiss Essen im Gleichklang. Der Elfmeter, man mochte ja gar nicht hinschauen. Aber Luca Dürholtz hat sich den Ball so selbstverständlich geschnappt, um ihn anschließend noch selbstverständlicher zu versenken. Am liebsten hätte ich ihn in der Luca App unter „Mein Luca“ hinzugefügt. Die Reaktionen seiner Mitspieler, egal ob auf dem Feld oder von daneben kommend, hatten zur Folge, dass Luca Dürholtz erst einmal wieder freigeschaufelt werden musste, so groß die Traube über ihm.

Das war eine unglaublich toll anzusehende Mannschaftsleistung mit vielen Momenten zum Haare raufen. Auch anerkennendes Nicken oder mit der Zunge vor Freude über gelungene Balleroberungen schnalzen, das war RWE einmal mit alles dabei. Die gute alte Grätsche, immer wieder herrlich anzuschauen. Sollte man nun für das kommende Wochenende einen adäquaten Testspielgegner benötigen: Man könnte mal in Düsseldorf anklingeln, deren Zwote hat zufällig Zeit….

obstupefacere.

Ich habe mit allem gerechnet: Einem zähen Spielverlauf und vielleicht daraus resultierend reingeeumelten Siegtreffer kurz vor Abpfiff. Auch ein Unentschieden hatte ich auf dem Schirm. Schließlich ist auch der SV Straelen gut in die Saison gestartet und die Kabinenpsychologie ist in manchen Köpfen vielleicht doch noch dabei, mit dem SV Straelen die Legende eines Angstgegners aufzubauen. Ein lässiges 5:0 kam mir also überhaupt nicht in den Sinn! Wir waren somit nicht nur gewappnet, sondern hatten weit vor Anpfiff auch noch unverhofften und zugleich netten Parkplatzsmalltalk mit einem ehemaligen RWE-Profi, der weitgereist nicht nur für RWE, sondern auch für Bayer 04, die Huftiere und den kommenden Gegner aktiv war. Inklusive Fazit, dass die Zeit bei RWE alles andere atmosphärisch zu toppen wusste. Auf den Tribünen und so. Als ob wir das bezweifelt hätten.

Derart gebrieft ging es dann Richtung temporärer Aufenthaltsstätte Rahn-Tribüne. Oder kurzzeitig auch nicht, denn eine neues Handy ist nicht nur wie ein neues Leben, sondern auch ohne die alten Inhalte. Und somit war nichts mehr zu lesen von der eigenen Impfung. Glücklicherweise gab es noch eine andere App, die den Nachweis dann erbringen konnte. Die eigene Vorbereitung auf das Spiel also schon eher ungenügend. Aber wer konnte zu dem Zeitpunkt schon ahnen, dass unsere Mannschaft nahtlos nachlegen würde? Die Einlasssituation ansonsten gestaltete sich relativ entspannt. Das wurde von RWE akribisch und nachhaltig so dezent vorbereitet, so dass man bisweilen fast vergessen konnte, was die Umstände gerade so mit sich bringen.

Die Vorfreude war den Fans in den Gesichtern abzulesen. Die Rückkehr der Fans zugleich auch „The Return of Einkaufswagen“. Irgendwo muss der endlich wieder einzusammelnde Flaschenpfand ja gesammelt werden. Ein schneller Blick auf die gelagerte Pfandware ließ folgende Schätzung zu: 99% Stauder, 1% Fremdartikel. Damit kann man arbeiten. 

Entweder zu viel in der Sonne, oder gar nicht gearbeitet hatte ein Fan, bei dessen Verhalten man im weiteren Spielverlauf direkt aufgezeigt bekam, was in den letzten Monaten definitiv nicht gefehlt hat: Ein Vertreter der Spezies lattenstrammer RWE Fan, der sich über 90 Minuten einfach nur weiter betrinkt, die gegnerischen Fans permanent homophob beleidigt, Bierbecher und Feuerzeuge auf das Feld wirft, um fast selber von der Tribüne zu fallen, seinen Sitzplatz und Umgebung in einem See verschütteten Stauder hinterlässt und sich natürlich auch nicht zu blöd ist, alles und jeden als „Uhrensohn“ zu deklarieren.

Aber, leider war dieses Verhalten immer noch nicht das wirkliche Drama im ersten Heimspiel der neuen Saison.  Dafür sorgte plötzlich und unerwartet tatsächlich unsere eigene Mannschaft mit einer verdienten 1:4 Klatsche gegen den SV Straelen. Die möglicherweise extra für dieses Spiel ins Leben gerufenen Vereinigung der „Hardcore – Bauern“ konnte ihr Glück kaum fassen und spulte via Megafon sämtliches Liedgut der „Best-of-Ultras“ CD ab.

Unsere Mannschaft spulte außer einigen Kilometern auf dem Feld ihrerseits leider nichts nahrhaftes ab. Die Resonanz zur Halbzeit irgendwo zwischen „Wie soll ich denn die nächsten 45 Minuten überstehen“ und „Scheiße, ich habe eine Dauerkarte“. Die fröhliche und geduldige Vorfreude machte Platz für das Entsetzen, was uns schon bald darauf bevorstehen sollte. 

Da passte auf dem Feld an diesem historischen Abend so gut wie nichts. Stürmer, die sich im Weg standen. Bälle, die nicht kontrolliert werden konnten und immer dieses hintenherum. Das kann und wird immer wieder passieren, und ist grundsätzlich ja auch nicht tragisch, wenn unter dem Strich die Ergebnisse stimmen.

Aber an diesem Freitag-Abend war dieses Spiel mehr als tragisch. Es war der ungewollt gefühlt sportliche Schlag ins Gesicht alle derer, die nach langen Monaten endlich wieder ihre Mannschaft im Stadion sehen durften. Sich dafür im neuen Trikot schick gemacht hatten, das Grinsen vor lauter Vorfreude bisweilen gar nicht mehr aus dem Gesicht bekommend.

Und dann das Unerklärliche auf dem Feld….

Es gibt viel zu tun bis Wuppertal. Sehr viel. Auf der langen Rückfahrt wurde vor allem eines: Geschwiegen. Nicht mal mehr mit sich selbst wurde geredet. Vielleicht verstehe ich diese Niederlage erst in einigen Monaten. Glückwunsch an die Mannschaft des SV Straelen, so viel Fairness muss drinsitzen. Und „Feuer frei“ für die chronischen Dauernörgler. In der Szene herrscht heute sicher schon Partystimmung.

AUSWÄRTSSIEG!

Lieferhelden

Die Aussicht, endlich wieder das eigene Wohnzimmer Hafenstraße betreten zu dürfen, versetzt uns alle in kollektive Vorfreude und Aufregung. Dieser eine, kurze Moment, wenn die Mannschaft morgen das Feld betritt, um sich aufzuwärmen, dürfte wieder ein legendärer und zugleich sehr lauter werden. Wie auch schon im Spiel der vergangenen Saison gegen Fortuna Düsseldorf. Sofern die meisten Fans dann schon ihre Plätze im Stadion gefunden und eingenommen haben. 

Man kann sich denken, dass das eine Herkulesaufgabe der Mannschaft hinter der Mannschaft war und weiterhin sein wird, die Hafenstraße erneut den (sich zudem täglich verändernden) aktuellen Gegebenheiten entsprechend vorzubereiten. Allein um das Schachbrettmuster auf die Tribünen zu bekommen, wurde vergangene Saison nicht nur über Tage gearbeitet, sondern auch in Nachtschicht malocht. Und erst die aktuelle Logistik rund um die Dauerkarten: Da konnte ja nicht einfach nur verlängert werden, sondern es musste bei der Platzwahl ganz genau hingeschaut werden, um allen Auflagen gerecht zu werden. Ein wahres Puzzlespiel. Für Damian Jamro als Hauptverantwortlicher Ticketing und ihn unterstützende Kollegen bedeutete das aufgrund der der hohen Nachfrage und weiteren Lockerungen nichts anderes, als vergangenes Wochenende rund um die Uhr zu drucken. Im wahrsten Sinne des Wortes: Rund um die Uhr! Und dann gingen die Karten auch schon in die Post. Da kann man doch nicht meckern, das sind wahre Lieferhelden.

Leider kam es gelegentlich eher semi an, das langjährige „Sofa“ (aka Sitzschale) im eigenen Wohnzimmer nicht mehr in der gewohnten „Hood“ mit der angestammten WG zu teilen, sondern zunächst bei neuen Nachbarn unterzukommen. Das ist eben dem Fakt Schachbrett geschuldet und gilt ja auch nur noch für einige Spiele. Eigentlich ein klassisches Luxusproblem, denn überhaupt wieder dabei zu sein, dass allein sollte doch Freude pur hervorrufen. Die temporäre Versetzung kann man daher doch eigentlich gelassen und emphatisch hinnehmen. Außerdem dachte ich immer, wir sind alle Familie. Da kann man doch locker auch mal andere Verwandte kennenlernen. 

Ich habe ja schon desöfteren dieses so gut wie nie ausgehende Licht in unserem Stadion erwähnt. Aber zu keiner Zeit war ein fettes Dankeschön mehr angebracht, als in diesen Tagen. Die Mannschaft hinter der Mannschaft sorgt schließlich erst dafür, dass die Jungs auf dem Feld fast unbesorgt ihrem Job nachgehen können und im Optimalfall unsere Ovationen dafür entgegennehmen dürfen. Aber die dahinter nimmt man leider viel zu wenig als ebenso wichtig wahr. Mit unserem RWE meinen wir oft nur die Mannschaft. Weil sie hauptsächlich für die Umsetzung unserer sportlichen Sehnsüchte zuständig ist. Sportliche Sehnsüchte kennt man aber genauso auf der Geschäftsstelle und in allen anderen Funktionsbereichen bei Rot-Weiss Essen. Sie deckt sich komplett mit unseren, der Aufstieg ist das Ziel. Zudem ist Rot-Weiss Essen für fast alle mehr als nur ein Job. Das ist oftmals ebenfalls eine absolute Herzensangelegenheit.

Wenn jetzt mal eine Karte nicht sofort den gewünschten Platz ausweist, oder auch gefühlt zu lange auf sich warten ließ. Der Parkplatz noch nicht reserviert werden konnte, oder das Paket aus dem Fanshop noch nicht da ist…usw. usw.: Es gibt fast kein Problem, welches sich bei Rot-Weiss Essen nicht lösen lässt. Mit der gebotenen Geduld natürlich. Außer, es läuft auf dem Feld nicht wie gewünscht. Das können wirklich nur die Trainer und Spieler selbst regeln. 

Apropos Geduld: Wir werden sicherlich morgen beim Einlass ganz viel Geduld aufbringen müssen. Aber das wird schon klappen, und dann läuft es von Mal zu Mal geschmeidiger. Geben wir uns allen einfach die Zeit, uns auch außerhalb des Rasens wieder gut einzuspielen. Außerdem ist Stress auch nicht gut für den Blutdruck. Hafenstraße Essen, wir sind wieder hier. In unserem Revier! 

So schön sind die Reisen niemals gewesen, wie sie in den Augenblicken des Heimkommens sind (Erich Kästner).

Kommenden Freitag dürfte für viele der erste Stadionbesuch seit langen Monaten anstehen. Und möglicherweise stellt sich dem einen oder der anderen die Frage, wie das noch geht, so mit dem Stadiongang. Also ganz langsam und der Reihe nach:

Das Spiel beginnt um 19:30 Uhr. Eine angenehme Zeit, um nach dem Frühstück mal raus zu kommen. 

Man darf natürlich im Jogger kommen. Wenn die Buxe dann auch noch im Fanshop bestellt wurde, reden wir hier von einer klassischen Win-win Situation. Wichtig ist nur, dass man untenherum überhaupt etwas trägt. Was bei Zoom Konferenzen noch durch die Arbeitsplatte gerettet werden kann, kommt im Stadion leider nicht zum Tragen. Daher sollte man also komplett angekleidet erscheinen.

Der Herbst kommt mit aller Macht und es wird abends schon mal frisch. Daher vielleicht lieber den Seidenschal zuhause lassen und schon den Übergangsschal in Balkenoptik umwickeln. Empfehlenswert auch noch der kurze Blick nach unten, bevor die Wohnung verlassen wird: Pantoffel oder Adiletten sind nicht strafbar, könnten aber für frische Füße sorgen.

Die geliebte Fernbedienung muss nicht mitgenommen werden. Der neue Bildschirm ist nicht für Netflix oder Disney+ gedacht, sondern dient als neue Informationsquelle und stellt zugleich ein neues optisches Highlight der Hafenstraße dar. Man kann sich dort also nicht einloggen.

Unbedingt Hartgeld in die Bauchtasche packen. Hartgeld könnte an den Verzehrständen wichtig sein, denn die erste Stadionwurst seit viel zu langer Zeit mit Karte zu bezahlen hat fast was von Frevel und ist wahrscheinlich auch gar nicht möglich. Und vielleicht esst Ihr einfach eine Wurst mehr und gönnt Euch den Extrabecher Stauder. Wir sind beileibe nicht die einzigen, die magere Zeiten durchlebt haben.

Tiefkühl-Pizzen können nirgendwo aufgebacken werden. 

Toilettenpapier hängt wie immer auf den dafür vorgesehenen Toilettenpapierhalterungen. Wer nur noch heimische Feuchttücher gewohnt ist, muss diese selbst mitbringen. Gibt es aber auch in Reisegröße.

Es könnte nach den Monaten der Stille ungewohnt laut werden. Daher empfiehlt der Verband zugelassener HNO`s die Mitnahme von Ohropax, um sich und seine Ohren im Bedarfsfalle zu schützen. 

Wenn sich jemand einen Senflecken einfängt: Senfflecken haben ihren Schrecken verloren. Sie können uns nichts mehr anhaben und gelten ab sofort als Beleg dafür, seinen Verein wieder im Stadion anzufeuern. Übrigens: Wer ungeduscht zum Spiel erscheint, hat in Anbetracht unserer Stürmerqualitäten gute Chancen, frisch (Bier-)geduscht nach Hause zu fahren.

(Und mal ernsthaft: Wir werden uns sicher wieder recht schnell an den „Umstand Stadion“ gewöhnen, der aber in der aktuell abgespeckten Form für viele verständlicherweise nicht die gewohnte Umsetzung der Eigeninterpretation Stadionerlebnis bedeutet. Das gilt es definitiv zu respektieren. Vielleicht können wir es einfach kompensieren, indem wir für alle mitschreien, die mit der Rückkehr noch warten wollen oder schlicht noch keine Karte bekommen konnten)

Supercalifragilisticexpialigetisch

Samstag geht es endlich wieder für uns los. Keine neue Liga ist eben auch wie ein neues Leben. Dort wo einstmals der große Helmut Schmidt mit seiner Loki eine nach der anderen durchgezogen hat, beginnt für Christian Neidhart und seine Mannen der abermalige Versuch, dieser Regionalliga zu entfliehen. Es wird auch wirklich an der Zeit, diesen Schritt zu gehen, denn wenn seriöses Finanzgebaren Hand in Hand mit Uerdingen funktionieren soll, dann fragt man sich manchmal schon, was dass alles eigentlich noch für einen Sinn hat. Aber dem Hören nach bekommt man in Krefeld doch noch kurz vor knapp eine Mannschaft auf die Beine gestellt. Hat halt nicht jeder Verein mal eben siebenundfünfzig Spieler auf dem Deckel. Ist ja auch alles wumpe, denn wir schauen einmal mehr nur auf uns.

Am Samstag im Sportpark Nord zu Bonn schauen wir nicht mehr alle in die Glotze, sondern dürfen tatsächlich auswärts wieder unser Unwesen treiben. Bier trinken, Bratwurst essen und den Duft der Stehtraversen einatmen. Je mehr Pieks, desto besser. Der Bonner SC ja immer eher der Kandidat für die unteren Regionen, aber durchaus daheim auch unangenehm zu spielen. Das wird also nicht einfach für unsere Roten, die auswärts nun eher in Weiss auflaufen dürften. Dem Vernehmen nach gilt ja der RWE einmal mehr zu den Topfavoriten auf den Aufstieg. Das hat man ja ganz selbstbewusst und insbesondere nach der famosen letzten Saison auch so kommuniziert. Wir haben mit dem Aufstieg halt einfach kein Problem. Das Problem liegt eher darin begründet, dass er einfach nicht gelingen will. Der diesjährige Preis des „In die Suppe spucken“ Pokals soll laut Expertenmeinung nach Münster zu den dortigen Adlerträgern gehen.

Gerne geben wir die Favoritenrolle an die Hammer Straße ab und gönnen dem SC Preußen noch weitere Runden im DFB-Pokal. Natürlich nur zum Zwecke, dass die Konzentration auf die Liga darunter leidet. Das war aber schon ein beeindruckendes Spiel gegen die Radkappen aus Wolfsburg und wahrscheinlich wird die Niederlage ja noch gewandelt, da es der VfL an der Seitenlinie ja irgendwie verbommelt hat.

Unsereins konnte sich parallel zur ersten Runde im DFB-Pokal an einem erfrischenden Offensivauftritt gegen den SC Verl erfreuen (Die Älteren mögen sich erinnern: Der SC Verl hat mal ziemlich lange mit uns in einer Liga gespielt.). Acht Tore in dem Premierenspiel für die neue LED Anzeige über der noch mehr geteilten Gottschalk-Tribüne. Das war doch geplant, um der Stadionregie mit dem ersten Spiel so richtig an den LED-Reglern einzuheizen. Das Teil ist schon beeindruckend. Möge es oft für unsere Farben aufleuchten. Und nur für unsere Farben! Ich glaube, dass wir in dieser Saison noch schneller unterwegs sind als in der vergangenen. Dass sich einige Spieler individuell verbessert haben und wir weniger Rückpässe erleben werden. Gut, dass ich nicht die Aufstellung vornehmen muss. Aber egal, wer da in unseren neuen Trikots auch aufläuft: Sie alle freuen sich, dieses endlich wieder vor Fans tun zu dürfen.

Wenn ich das Gebaren von PSG und einigen anderen Vereinen (?!) auch heute wieder so anschaue, dann ist unsere Liga doch gar nicht so schlecht und um einiges realistischer. Leider eben viel zu schlecht wahrgenommen und vergütet. Wenn, wie in der vergangenen Woche geschehen, in der 3.Liga Viktoria Berlin auf Viktoria Köln und der SC Verl auf Türkgücü München trifft, dann kann man emotional um einiges entspannter sein, als wenn zeitgleich in der Regionalliga West der Wuppertaler SV auf Preußen Münster und Rot-Weiss Essen auf Alemannia Aachen treffen würde. Dummerweise sind wir nicht in der 3.Liga, sondern eine darunter und haben kein Magenta oder ähnlich an der Seite. Im Stadion selbst und zu normalen Zeiten, da würden die letztgenannten Partien natürlich einiges mehr an Fans im Stadion begrüßen dürfen.

Fans und Stadion. Es war ja sehr entspannend, die erste Runde im DFB-Pokal am heimischen Empfangsgerät zu verfolgen. Das ist schon interessant: Ein RWE Spiel auch ohne Zuschauer vor Ort lässt mich völlig entnervt und mit allen Emotionen zurück, während ein Spiel vor Fans und mit Atmosphäre bei anderen Vereinen doch eher gelassen verfolgt werden kann. Das hat aber allein schon deshalb Spaß gemacht, weil eben Fans in den Stadien waren. Man spürte förmlich den Duft der Bratwurst und sah wie Hanswurst seinen Bierbecher durch die Gegend schmiss. Welch eine Verschwendung.

Wir sind also auf dem Weg zur Normalität, auch wenn dieser noch ein beschwerlicher sein wird. Mit Rückschlägen versehen und mit viel Solidarität durchgeführt. Das würde ich mir auf jeden Fall wünschen. Und ich wünsche mir nicht nur einen gelungenen Saisonauftakt beim Bonner SC, sondern viel mehr auch ein Umdenken in den Kommentarspalten. Dies ist unser Verein. So ziemlich das Größte, was es für uns gibt. Und wir wollen alle zusammen hoch.

Der Sonntagsanzug

Taufkleid und Kommunionanzug. Brautkleid und Hochzeitsanzug. Die Kleidung für den Abschlussball oder auch die würdevollen Textilien für den allerletzten Gang. Die Frage nach dem „Was ziehe ich an“ ist wohl eine der bedeutendsten in der Geschichte der Menschheit. Außer, man (oder Frau) ist Fußballfan. Dann stellt sich mittlerweile vor jeder Saison eine noch viel bedeutendere Frage: Und zwar die nach dem Heimtrikot der kommenden Saison.

Als einzig (wenn überhaupt) das Vereinsemblem die guten alten Baumwolltrikots schmückte, da war diese Frage noch nicht ganz so so wichtig. Es variierte lediglich der Kragen oder das Bündchen am Ärmel. Die Frisuren der Fußballer im Rückblick damals das viel spannendere optische Element. Heutzutage dagegen werden die modernen Kunstfasern bis zur Präsentation unter Verschluss gehalten, wie sonst wohl nur die Kronjuwelen der Queen oder Schuldscheine auf Schalke. Es gibt auch keine Erlkönige, wie in der Autoindustrie, die zu Vermutungen animieren könnten. Schließlich muss ein Trikot ja nicht Probe gefahren werden. Die Belastungen beginnen erst ab XL, darunter hängt es sich einfach aus.

Dem legendären Kicker-Sonderheft blieb es in vielen Jahren vorbehalten, als Erstes alle neuen „Kollektionen“ auf einen Blick vorzustellen. Und es hat gewirkt, wurden doch zuerst die Mannschaftsfotos hektisch durchgeblättert und auf das Aussehen hin kommentiert. Wie anmaßend eigentlich, war man doch selbst auch nur das Spiegelbild der jeweiligen modischen Epoche und mit Koteletten und dicker Hornbrille gestraft. Und doch war es natürlich auch eine sportlich schöne Zeit, gab es doch noch keine Trikots aus Fuschl am See zum Beispiel. Ein dortiger Trikotsammler hat aber auch Vorteile: Aufgrund der riesigen Tradition seines Vereins reichen wenige Kleiderbügel für die bisherige Trikothistorie aus.

Eine Trikotpräsentation der heutigen Generation läuft in kleinen Appetithäppchen ab mit dem Ziel, uns den Mund wässrig zu machen. Sozial-Medial wird da alles rausgehauen was geht und selbst der Testspielpartner wird im entscheidenen Vorhang-auf-Spiel dem Trikot untergeordnet. Daher ja auch der SC Verl. Und da wir eben in diesen in modernen Zeiten leben, wird das erste Foto eines Spielers im neuen Sonntagsanzug vonne Hafenstraße zeitnah eine wahre Eruption der Bewertungen auslösen.

Zwischen „Kacke“ und „Edel“ ist dann meistens alles dabei. Die Zustimmung wird oftmals in weniger Worte gekleidet als die Enttäuschung. Wie im wahren Leben halt. Es freut sich immer ein wenig leiser, als dass es sich laut pöbelt. Interessanterweise kann sich die Ansicht über die Optik im Laufe einer Saison ja auch durchaus schon mal verändern. Das Trikot der vergangenen Saison hat mir von Spieltag zu Spieltag immer besser gefallen, denn es war ja auch auf der Erfolgsspur unterwegs. Punkte machen Kleider. Während ich vom geplanten Kauf des schwarzen Mauertrikots Abstand genommen hatte, da ich es irgendwie mit unglücklichen Spielergebnissen verknüpfte. Obwohl durchaus auch mit optischen Reizen behaftet.

Nun, ich bin sehr gespannt, die Latte scheint mal wieder sehr hoch zu hängen und wie jedes Jahr bleibt uns mindestens die Erkenntnis: „Danke lieber Gott, dass ich kein Königsblau tragen muss“. Aber auch die Angst davor, wie das Trikot letztendlich geschnitten ist. RWE allein ist doch schon spannend genug. Da möchte ich meinen Sonntagsanzug gerne etwas fluffiger tragen.

Endlich wieder Senfflecken auf dem Trikot.

Herzlake:

Erstaunen lag in seinem Gesicht, als Roland Sauskat neunzig Minuten vor Spielbeginn aus dem Hasetal-Stadion kam. War es doch kein Problem, einfach dort hinein zu spazieren. Das Tor sperrangelweit geöffnet, so dass auch die komplette Mannschaft des RWE nebst Entourage über den eigentlichen Gästeeingang Zugang fand, um mit Sack und Pack über den Platz zu den Kabinen zu latschen. Vielleicht war es aber auch so gewollt, denn die beiden großen Busse aus Emmen parkten fein aneinandergereiht vor dem Haupteingang. Wie dem auch sei: Der Gästeeingang blieb geöffnet und jeder zufällig vorbeikommende Fußballfreund hätte so das Stadion betreten können. Was dann tatsächlich doch irgendwann auch einem Verantwortlichen des sehr netten Gastgebers VfL Herzlake auffiel. Und so war genau dann Schicht im Schacht, als eine kleine Essener Reisegruppe Einlass begehrte. Die Handys wurden gezückt wie weiland die Colts in einem beliebigen Western. Und eine Lösung gefunden, die aus Zaun- Tribünengäste werden ließ. Für so dröge Emsköppe war das ein richtig schneller Move. Unter Zuhilfenahme des RWE natürlich, das sollte an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben.

So viele neue Gesichter im Kader unseres Herzensvereins. da ist man froh, wenn man direkt einen „Herze“ entdeckt. Oder einen der anderen aus der vergangenen Saison. Die Saisonvorbereitung und seine Testspiele sind immer auch aus der Kategorie „Namen lernen und Gesichter dazu merken“. Vielleicht ist auf dem kommenden Ausweichtrikot daher der Spielername wesentlich größer geschrieben als der unseres Vereins. Ein Trikot welches den Spielern auf den sportlichen Leib geschneidert ist, und sowohl in seiner Schlichtheit als auch der kernigen „Typo“ zu überzeugen weiß. Aber, der Verein steht immer über dem Spieler. Diese kommen und gehen. Der Verein jedoch bleibt. Deshalb wäre meine einzige Kritik an dieser Stelle das minimalistische Rot-Weiss Essen im Verhältnis zum Spielernamen. Ich hoffe da stark auf ein Umdenken im Heimtrikot, welches nach Aussage von Marcus Uhlig das Schönste sein wird, was wir je hatten. Um direkt im Anschluss augenzwinkernd hinzuzufügen, dass er dass ja vor jeder Saison sagt, es diesmal aber wirklich stimmt! Es wird also stofftechnisch spannend bleiben bis zu dem Vorbereitungsspiel gegen den langjährigen Rivalen mit ohne passendem Stadion aus Verl.

Das ist ja schon fast ein Treppenwitz, der uns da aus Verl erreichte: Warum ist man plötzlich geschockt über die (fragwürdigen) DFB-Richtlinien in Sachen Stadionkapazität? An der Zahl von 10.001 hat sich auch durch Corona nichts geändert. Das war also bekannt, und man hätte an der Poststraße reagieren können, oder wie geschehen, eben nicht. Daher wundert man sich eher darüber, dass man sich in Verl darüber wundert. Aber, um auch für den SC Verl zu schreiben: Man hat sich dort ein zweckdienliches und den eigenen Ansprüchen komplett ausreichendes Stadion geschaffen. Designtechnisch gar nicht mal unterste Schublade. Der Zuschauerschnitt passt dazu und überhaupt: Womit ist diese Zahl von 10.001 für die 3.Liga begründet? Nun treten mittlerweile fast alle in Lotte den dortigen Sportfreunden den Rasen kaputt und zu den Hochsicherheitsrisikospielen gegen den TSV Havelse, Türkgücü München oder Viktoria Berlin zum Beispiel muss man wohl auf die Bielefelder Alm ausweichen. Das ist alles teuer und fern jeglicher Realität. Verbandswesen halt.

Aber zurück zu unserem Spiel in Herzlake gegen den Eredivisie Absteiger des FC Emmen. Das war eine gute erste Halbzeit, die unsere Mannschaft gegen die ebenfalls neuformierte Mannschaft aus Emmen gespielt hat. Man hat es geschafft, sich aus anfänglicher Umklammerung zu lösen um seinerseits immer wieder Torchancen zu kreieren. Was die Emmener Mannschaft geritten hat, zwischenzeitlich aus unserer Mannschaft Hackfleisch machen zu wollen, wusste im Stadion kein Mensch. Weder stand ein Derby an, noch musste die Deutsch-Holländische Fußballrivalität belebt werden. Das waren keine Emmentaler, dass waren Emmener Heißsporne. Aber, auch so kann man als Mannschaft lernen, dagegenzuhalten. Was in der zweiten Halbzeit dann nicht mehr so wirklich gelang. Einem Freistoßtor der Marke „Unhaltbar“ folgten zwei eher unglückliche Gegentore.

Das Endergebnis von 0:3 ging somit aufgrund der zweiten Halbzeit in Ordnung. Grundsätzlich und überhaupt sollte man den Testspielergebnissen keine zu große Beachtung schenken. Hier gibt es keine Tabelle, sondern nur Erkenntnisse. Und nur, weil wir im vergangenen Jahr noch gegen denselben Gegner gewonnen haben (damals sogar noch Erstligist), bedeutet dass im direkten Umkehrschluss keineswegs, dass unsere Mannschaft aktuell schwächer ist. Aber wir wissen ja: Selbst Vorbereitungsspiele sind im Ergebnis Wasser auf den Mühlen der Dauernögler.

Wielen:

Die Fünfhundertfünf Köpfe zählende Gemeinde Wielen mit seinem ASC GW 49 Gastgeber und Gegner zugleich für das zweite Vorbereitungsspiel im Rahmen des diesjährigen Trainingslager. Morgens noch trainiert, im Mittag die Koffer gepackt und am Nachmittag raus aus dem Emsland in die schöne Grafschaft. Als der Mannschaftsbus ca. eine Stunde vor Spielbeginn den Sportplatz am Heideschlösschen erreichte, wirkte er in Relation zu dem ländlichen Umfeld viel größer als sonst an der Hafenstraße. Der erste Schock für die Medienbeauftragten des RWE direkt nach dem Aussteigen: In der Niedergrafschaft und besonders in Wielen sind die Tornetze oftmals stabiler als das Funknetz. Ganze Spiele im „offline“ sind hier keine Seltenheit. Vielleicht wirken die Menschen hier daher um einiges entschleunigter. Komplette Entspannung also vor dem Eingang, Smalltalk und nette Begrüßung inklusive. Die aktuell geltenden Einlassmodalitäten wurden mit Grafschafter Bierruhe und Essener Lässigkeit flott erledigt.

Endlich wieder Bratwurst in der Hand und Senfflecken auf dem Trikot. Nirgendwo findet man übrigens lässiger Menschen an einer Spielfeldbande stehen, wie rund um einen Fußballplatz. Meistens ein Bein vorgestellt, den Poppes etwas nach hinten gekippt und eine Bierflasche in der Hand. Bier und Bratwurst, die Essenz des Fußballs umrahmten dieses Testspiel somit ebenso wie die etwa vierhundertfünfzig Zuschauer aus nah und fern. Die aus der Ferne bekamen durch den Stadionsprecher zusätzlich noch neunmal eine Kostprobe für das „rollende R“ der Niedergrafschaft auf die Ohren. Es passte einfach alles.

Damit es auch am Ende einer intensiven Woche für alle Spieler passt, hat Trainer Christian Neidhart gleich zwei Mannschaften aufgeboten. Wenn ich richtig liege, haben bis auf Keeper Daniel Davari und die Rekonvaleszenten alle Spieler in Wielen Einsatzzeit bekommen. Und präsentierten sich überaus spielfreudig und ehrgeizig zugleich. Sowohl die Mannschaft der ersten Hälfte, als auch die Truppe in der Zwoten. Der Kampf um die Plätze in vollem Gange. Da auch die Mannschaft des ASC GW 49 richtig Lust auf das Spiel hatte, war das Geschehen auf dem Platz durchaus interessanter, als es das Endergebnis von neun zu null für unseren RWE vielleicht auf den ersten Blick vermuten lässt.

Der erste Auftritt von Rot-Weiss Essen in der Grafschaft Bentheim überhaupt ein ziemlich gelungener. Und spätestens nach einigen Kilometern auf der Heimfahrt gen Pott (Oder gen Nordhorn) war auch das Netz wieder stabil, was zu Erleichterung bei vielen geführt haben dürfte.

Den Verantwortlichen des ASC GW 49 und den vielen Ehrenamtlichen Helfern und Helferinnen gebührt der Dank für einen rundum gelungenen und schönen Fußballabend. Und wie wir ja aus der Historie wissen: Immer, wenn der RWE in der Grafschaft zu Gast war, gelang am Ende der Saison der Aufstieg…

Das war`s und ab dafür.

Das Endspiel ist gespielt, mein absolutes Lieblingsland hat daheim leider in seiner Königsdisziplin Elfmeterschießen nicht oft genug eingenetzt. Die Queen ihrerseits war sicher not amused. Ich hätte es den „Three Lions“ nach fünfundfünfzig Jahren durchaus gegönnt, mal wieder etwas in die Höhe stemmen zu können. Auch wenn ich mit dem Wunsch spätestens dann so ziemlich allein auf weiter Flur stand, als der Kurs durch den Sterling doch arg gefallen war. Egal, dann eben in Katar. Wobei: Das dann wirklich ohne mich, denn spätestens dann schaffe ich es auf jeden Fall, ein Turnier komplett zu boykottieren. Die England Trikots gehen also nun in die Wäsche und werden im Anschluss daran wieder fein säuberlich unter den RWE Stapel einsortiert. Was bleibt, ist einmal mehr das Entsetzen darüber, wie Menschen ungefiltert ihren Hass gegenüber Mitmenschen freien Lauf lassen, die sie bei positivem Spielausgang als Helden hätten hochleben lassen. Es ist immer noch ein Spiel. Mehr nicht!

Rein sportlich betrachtet hat es es sich tatsächlich gelohnt, irgendwann im Verlauf der Vorrunde den geplanten TV-Boykott aufzugeben. Abseits des ganzen UEFA-Irrsinns wurde einfach toller Fußball geboten. Das darf man dann auch mal so konstatieren, dafür sind wir alle Fans. Der Gewinner dieser letzten Wochen ist also nicht nur Italien, sondern auch der Fußball als solches. Eigentlich eine schöne Erkenntnis, dass der Fußball auf dem Feld noch immer nicht durch die Gier der Verbände und ihrer Protagonisten kaputt zu bekommen ist. Es hatte fast den Eindruck, als ob sich das Spiel auf dem Feld dagegen auflehnen möchte. Dumm nur, dass das in den Kommandozentralen auch wieder falsch verstanden wird: Je begeisterter wir über unser Spiel sind, desto mehr wird versucht, daraus noch mehr Kapital zu schlagen. Zum kotzen!

Nebenbei darf man auch den heimlichen Gewinner der EM bekanntgeben, der für mich weiter Sandro Wagner heißt und am Mikrofon als sogenannter Co-Kommentator tätig war. Sein Schnorres heißer als es jemals ein Spiel sein könnte, seine verbalen Eingaben intuitiv und oft auf den Punkt gebracht. Vielleicht, oder wahrscheinlich sogar auf jeden Fall, war das Duo der ARD mit der aparten Jessy Wellmer und dem kampferprobten Bastian Schweinsteiger die optisch bessere Wahl. Verbal kamen die beiden aber auf keinen Fall an Sandro Wagner vorbei. Wenn der Sidekick sogar den etablierten Kommentator in einem besseren Licht erscheinen lässt, dann ist Wagner Zeit.

Seine für mich jetzt schon legendäre Erkenntnis aus dem Finale „Der wollte ihn vier Mal foulen und hat nicht mal das geschafft“ hat definitiv das Potential für langfristige Einlagerung in den Köpfen der Fußball-Zitatfreunde.

Ab sofort zählt also wieder einzig und allein Rot-Weiss. Unsere Mehrgenerationenmannschaft ist seit kurzem wieder im Training, so als Truppe mit Aufstiegsambitionen. Morgen beginnt der Testreigen mit dem Spiel gegen die Schwatten vom Bocholter Hünting. Nebenbei auch als verdientes Abschiedsspiel für Marcel Platzek und Kevin Grund deklariert. Die beiden haben wahrlich einen angemessenen Abschied nach so vielen Jahren verdient, auch wenn sich dieser leider eher durch die Dauer der Vereinszugehörigkeit anstatt über sportliche Erfolge unseres Vereins definiert. Wie gerne wären beide nicht nur als Fans geblieben, sondern auch als Aufsteiger gegangen.

Es ist immer schwierig für einen Fan, wenn die letzten Konstanten einer langen Ära den Verein verlassen. Ganz besonders, wenn sie dann auch noch in einer Dekade unter Vertrag stehen, in der Rot-Weiss Essen mehr Spieler hat kommen und gehen sehen, als manch Essener Stadtteil Einwohner hat. Cedric Harenbrock und Daniel Heber halten nun die Fahne der Spieler hoch, die am längsten den Arbeitsplatz Hafenstraße ansteuern. Beides Akteure, die ihrerseits glücklicherweise nahtlos an die Sympathiewerte von Kevin Grund und Marcel Platzek anknüpfen können und das Zeug zu neuen Identifikationsfiguren haben. Sogar mit Option auf den Aufstieg.

Dieser Aufstieg. Man mag manchmal gar nicht mehr drüber philosophieren. In der vergangenen Saison war ich so darauf fixiert, dass ich so manches Mal gar nicht mehr wirklich den ansehnlichen Fußball unserer Mannschaft verfolgt habe. Die Uhr war viel wichtiger, besonders dann, wenn unsere Mannschaft auch noch in Führung lag: Fertig werden, drei Punkte einsacken, auf die Tabelle gucken und auf das nächste Spiel warten. So ging das von Spieltag zu Spieltag. Die wirklichen Blicke auf das Spiel boten wohl nur die Auftritte als #freilos. Die fanden losgekoppelt von dem Aufstiegsantrieb statt. Ich hätte Lebenszeit für diesen einen Moment gegeben. Total bekloppt eigentlich, denn es ist eben doch nur ein Spiel, wie man bei der EM dann doch wieder feststellen durfte.

Daher gilt für die kommende Saison , dass ich zwar weiter das wie in Stein gemeißelte Ziel habe, was das Saisonende angeht. Aber vorrangig möchte ich wieder und hoffentlich schönen Fußball schauen. Optimalerweise im Stadion. Ich möchte das Spiel unserer Mannschaft wieder über das Ergebnis und die Hatz zum nächsten Spiel stellen. Kein „Don’t Stop Believin’“ von Journey mehr. Eher „Bestes Leben“ von Silbermond. Ein Lied wie ein süffiges Stauder an einem herrlich unbeschwerten Sommerabend im Kreise der Liebsten. Gedreht in warmer Optik, 4:3 Format und unmöglichen 70er Jahre Klamotten.

„Heute ist schön
Heut‘ ist geborgen
Morgen vielleicht schon nicht mehr
Aber es ist mir egal
Heute knallen korken
Und ich schau‘ in meiner Lieblingsgesichter“

Das allein klingt doch auch nach Hafenstübchen, Hafenstraße und unserem Verein. Selbst wenn wir uns gerne immer etwas rauher darstellen möchten und wohl auch sind. Aber, wir sollten nun die Verbissenheit ablegen, mit welcher wir schon so lange versuchen, dass gelobte Land zu erreichen. Die Aufreger kommen schon noch von alleine und früh genug. Der KFC Uerdingen zum Beispiel liegt mir da gerade noch etwas quer im Magen. Der Verein hat unglaublich rührige Fans, die alles versuchen, um wieder Boden unter den Füßen zu bekommen und zeitgleich die so wunderbare Grotenburg auf Vordermann zu bringen. Aber, bis zum heutigen Datum hat der Verein nicht einen Spieler unter Vertrag. Darf aber in der Regionalliga West antreten. „Hallo?“ möchte man da den noch für uns zuständigen Verband fragen. Das macht keinen Sinn und könnte von Saisonbeginn an wieder für Unregelmäßigkeiten im Spielbetrieb sorgen. Wer läuft für die Krefelder auf? Elf Grotifanten? Oder machen sie den Wattenscheid-Move innerhalb der Saison und alle Punkte gehen flöten? Selten hatte man einen so unsicheren Protagonisten in der Liga. Aber, das kommt davon, wenn man sich hemmungslos einem Investor zu Füßen wirft.

Sie geht also bald los. Eine weitere Saison. Wie es immer weiter gehen wird mit Rot-Weiss Essen. Der Kader steht, Herzlake wartet und wir Fans können nun auch Gin erwerben. Warum auch immer. Auf geht’s RWE, auch in 2021/22! Durch Regen und Wind, durch Sturm und Schnee, RWE ole´!

Eine Ode an das Spiel. Und an Sandro Wagner.

Ich habe es wirklich versucht, beziehungsweise war es mir zu Beginn wirklich Wumpe: Das Interesse an dieser gerade laufenden Europameisterschaft war einfach nicht vorhanden. Es passt für mich nicht wirklich in das aktuelle Zeitgeschehen, dass Mannschaften kreuz und quer durch unseren Kontinent jetten um Fußball in Stadien zu spielen, die mal konform, und mal über Gebühr gefüllt sind. Der DFB gerade auch nicht auf der Höhe seiner Integrität anzusiedeln und die ausführende UEFA verpasste gleich relativ zu Beginn der Spiele die große Chance, mal Menschlichkeit statt auf „Teufel komm raus“ durchzuführendes Szenario zu exerzieren.

Es gestaltete sich also ziemlich schleppend. Ich weiss gerade nicht einmal, wo die Trikots meiner sonst so heiß geliebten „Three Lions“ im Schrank zu finden sind. Wahrscheinlich direkt unter dem erdrückenden Stapel der vielen Rot-Weiss Essen Trikots, die mich durch diese so intensive Saison begleitet haben. Es existieren natürlich auch Trikots der DFB Auswahl, was eine Begegnung England – Deutschland immer ein wenig kompliziert macht. Man möge mir verzeihen, dass die Sympathien stets ein wenig mehr den Kickern von der Insel gehören. Der Vollständigkeit halber: Es finden sich in besagtem Schrank auch noch ein Trikot der „Hibs“ aus Edinburgh und mehrere der „Reds“ aus Liverpool.

Hier und dort dann doch mal reingezappt, und sogar das eine oder andere Spiel letztendlich doch in Gänze verfolgt, alles andere gibt es mittlerweile dann doch auf Abruf. Der Bergdoktor kann warten. Auf diesen 28. Juni im Jahre des Fußballgottes 2021 war ich dann aber einfach nicht vorbereitet. Es traf mich ziemlich unerwartet und mit einer Wucht, wie sie wohl nur dieses verdammte Spiel schafft: Der Fußball hat mich zurückgeholt. Kein Marketing oder musikalisches EM-Geplärre, keine Zeitungsartikel oder was auch immer haben das geschafft: Es war der Fußball ganz allein, der in den beiden Begegnungen dieses Achtelfinaltages gespielt wurde. Die Begegnungen Kroatien gegen Spanien und ganz besonders Frankreich gegen die Eidgenossen haben auf den Punkt das abgeliefert, wofür wir Fans eigentlich alle leben! Diese Spiele kannst Du in ihrer Dramaturgie nicht erfinden. Diese Spiele kannst Du nur mit klopfendem Herzen und rasendem Puls verfolgen und schaffst es nicht, Dich davon loszureissen.

Und wenn Du dann auch noch das Glück hast, dass das Abendspiel von Sandro Wagner an der Seite von Oliver Schmidt im „Zett Dee Eff“ kommentiert wird und dieser mehrfach zwischen trocken und leidenschaftlich konstatiert, was eigentlich gerade Sache ist, dann ist man dem Fußball doch näher dran als aktuell machbar und wünscht sich nichts sehnlicher als die Rückkehr aller in ein Stadion zurück. Was eigentlich auch wieder komplett irrational ist, angesichts der vielen Fans, die ihre Fußballreise gerade mit einer Infizierung bezahlt haben.

Unter dem Strich bleibt aber nach den Achtelfinals des 28. Juni 2021, dass einzig dieses (unser) Spiel in der Lage ist, Emotionen freizusetzen, die nicht annähernd mit irgendwelchen Marketing-Aktionen der Verbände in Verbindung stehen. Dem Fußball sind Slogans egal, der Fußball ist wie Udo Lindenberg und macht sein eigenes Ding. Und wenn er es so macht wie in besagten zwei Begegnungen, dann hast Du einfach keine Chance, ihm zu widerstehen. Zudem in beiden Begegnungen für negative Auswüchse wie das immer mehr in Mode kommende Zeitspiel oder die Spezies der sterbenden Schwäne auch nach nicht stattfindender Berührung einfach kein Platz war. Fußball pur, herrlich!

Frankreich gegen die Schweiz war runtergebrochen auf unseren kleinen Kosmos irgendwie auch die Doublette des Titelkampfes in der Regionalliga West: Eigentlich hätten beide Mannschaften ein Weiterkommen verdient.

Und am Ende wird der TSV Havelse Europameister.

Faszination Fußball!

Sehr respektvoll.

Zuallererst, das gebietet die sportliche Fairness: Glückwunsch der zweiten Profimannschaft von Borussia Dortmund zur Meisterschaft und den damit verbundenen Aufstieg. Viele Vereine und Fans der dritten Bundesliga freuen sich nun schon unbändig darauf, in der Roten Erde antreten zu dürfen. Oder in Brackel. Im Westfalenstadion oder der Glückauf-Kampfbahn. Das entscheidet sich in Dortmund ja schon mal spontan, je nach Windrichtung oder Luftfeuchtigkeit.

Wer mit Abpfiff der Saison drei Punkte mehr auf dem Konto hat als der Zweite, der ist nun mal verdientermaßen Erster. Daran gibt es arithmetisch auch nichts zu rütteln, das ist und bleibt zunächst Fakt. Unsere Mannschaft hat sich in der Saison ihres Lebens leider den einen kleinen Wackler mehr erlaubt als der Konkurrent in diesem unglaublichen Rennen. Man fühlte sich einmal mehr an den spektakulären Titelkampf zwischen Manchester City und den Reds in der Saison 2018/19 erinnert. 

Die Geschehnisse rund um den letzten Spieltag waren gefühlt auch die endgültige Rückkehr der Fans an die Hafenstraße. Die Emotionen ließen sich nicht mehr aufhalten. Viele Fans mussten wenigstens bei Abfahrt unserer Mannschaft mit auf den Weg zu geben, dass wir immer wieder von der Ruhr bis an die Elbe an sie glauben. Ließ es die Pandemie seit Monaten nicht zu, haben die Spieler spätestens da noch mal vor Augen geführt bekommen, was es bedeutet, ein Teil von Rot-Weiss Essen zu sein. Wir sind in unserer Intensität und Anzahl eigentlich komplett losgekoppelt und spielen seit jeher in unserer eigenen Liga. Während des Spiels gab es diesen beeindruckenden Moment am Bildschirm, als plötzlich im Hintergrund viele rot-weisse Fahnen zu sehen waren und ein regelrechter Marsch hinter dem Stadionzaun stattfand. Wohl auch einer klugen und emphatischen Einsatzleitung war es zu verdanken, dass unsere Mannschaft wenigstens aus einer Ecke lautstarke Unterstützung erfahren durfte.

Der aktuelle Beziehungsstatus zwischen Mannschaft und Fans trotz Nichtaufstieg konnte direkt nach Schlusspfiff in Wegberg-Beeck und bei der Ankunft an der Hafenstraße beobachtet werden: Da ist gerade nichts kompliziert, das ist eine harmonische Beziehung. Wir sind stolz auf unsere Mannschaft! Alles blieb friedlich, keine Schlagzeilen für wen auch immer produziert. Die negativen Schlagzeilen an diesem Tag produzierte höchstens die Mannschaft aus Dortmund. Na klar, junge Leute, Meisterschaft, Adrenalin und endlich Party: Aber bekommt irgendjemand aus dem Umfeld dieser Mannschaft überhaupt noch mit, was da läuft? Sonst hätte es doch jemand gegeben, der verhindert hätte, den Konkurrenten auch noch mittels Kabinenparty zu verhöhnen. Und glaubt ein Lars Ricken ernsthaft an das, was er im Anschluss formulierte? Wir sind pro forma eine Profiliga, aber die Mannschaft aus Dortmund holt den Titel ohne Profis. Vielleicht hätte er sich vorher mal auf Transfermarkt informieren sollen, was seine Mannschaft überhaupt wert ist. Die Spieler sind nicht schon als Neunjährige gemeinsam mit dem Rad zum Training gefahren, wie er vielleicht glaubt.

Was den Einspruch angeht, verstehe ich die Aufregung allerorten nicht, dass es nun ein unsportliches Ende nehmen könnte. Wenn der BVB regelwidrig gehandelt hat, dann wurde während der Saison unsportlich gehandelt. Ist das etwas weniger unsportlich? Der Einspruch gehört also maximal untersucht. Ich erwarte nun nichts weniger vom WDFV, als dass dieser einmal die vielzitierten Hühnererzeugnisse zeigt und unverzüglich klare Kante gegen den Mogul von der Strobellallee an den Tag legt, sollte etwas nicht korrekt gelaufen sein. Auch wenn das vielleicht die ein oder andere Einladung in den Kuchenblock der Ersten bei Spielen gegen Leipzig oder Hoffenheim kosten könnte. 

Etwas respektlos.

Was mich nach diesem Wochenende abseits der Traurigkeit dann doch verblüfft zurücklässt, ist die subjektive Wahrnehmung, wie sich der fußballerische Wertekompass bei so vielen immer mehr verschiebt. Ein Verein wie Rot-Weiss Essen hat immer schon viele „Gönner“ gehabt, die dem Verein vonne Hafenstraße von Herzen Misserfolg gönnen und sich mit jedem weiteren Jahr Nichtaufstieg hämisch die nächste Kerbe in den Gürtel schnitzen. Die Vereinszugehörigkeit hier breit gefächert, die gegenseitige Freude bei sportlichem Misserfolg ein gegenseitiges Geben und Nehmen. Auch wir sind immer vorneweg dabei, wenn ein ungeliebter Verein sportlich stolpert. Nennt sich Rivalität, sollte im Rahmen des Normalen ausgetragen werden und macht den Fußball ja auch aus.

Das vergangenen Samstag beendete Titelrennen mit einer Zweitvertretung hingegen hat für mich eine neue Phase der immer mehr um seinen Erhalt fürchtenden Fußballkultur eingeläutet. Je näher die Saison mit ihrem angeregtem Zweikampf zwischen Erstvertretung und Zweitvertretung eines „Global Player“ dem finalen Spieltag entgegensteuerte, umso mehr ergriffen Fans von Borussia Dortmund und erwähnten „Gönnern“ anderer Vereine Partei für die Zweitvertretung.

Der Fairness halber sei erwähnt, das die Zweitvertretung des BVB schon immer von einem festen Kern an aktiven Fans unterstützt wurde. Sofern denn die „Erste“ spielfrei hatte. Man muss ja Prioritäten setzen! Übrigens auch an der Hafenstraße stets gern gesehene Gäste. Zudem waren/sind die aktiven Dortmunder Fans auch bekannt für einen stets kritischen Umgang mit den Auswüchsen im Profifußball. Nur im eigenen Haus, da ist es dann wohl in Ordnung, dass die eigene Zweitvertretung in den Profifußball aufsteigt und sich dazu aller möglichen Ressourcen des „Mutterkonzerns“ bedient.

Die Zwote aus Dortmund hatte plötzlich so viele Befürworter in den Kommentarspalten, von denen die meisten möglicherweise noch nie ein Spiel der Zwoten gesehen haben. Sofern sie überhaupt schon mal im Westfalenstadion zugegen waren. Aber der eigene Verein will unbedingt die eigene Zweitvertretung in die dritte Bundesliga hieven, also bleiben wir in den Kommentarspalten natürlich auf Kurs und ignorieren einfach mal die ganzen Umstände. Der Verein hat immer Recht. Auch viele Fans anderer Rivalen und Traditionsvereine hebeln ihre tatsächlichen Ansichten einfach mal aus. Hauptsache man kann gegen RWE kommentieren. Wen interessiert da schon ein Sachverhalt, der zu Lasten des Fußballs geht. Und Fans der Blauen? Die bekommen in ihrem Abstiegsschmerz nicht mal mehr mit, dass es die schwarz-gelben sind, die den Roten den Aufstieg verbaut haben und bejubeln so quasi eine Dortmunder Zweitvertretung für ihren Erfolg. Was kommt als nächstes? Freundschaftsschals?

Es ist nicht das Problem, dass wir als Rot-Weiss Essen den Aufstieg erneut nicht geschafft haben (OK, irgendwie natürlich schon!). Nennt sich Sport, kann passieren. Manchmal eben auch viele Jahre hintereinander. Das Problem ist der Umgang damit, wie viele Fans eines großen Vereins es einfach hinnehmen und unterstützen, dass ihr Verein unbedingt eine weitere Mannschaft in den (wirklichen) Profibereich etablieren will. Und das auf eine mehrfach fragwürdige Art und Weise. Wo hört denn dann die bisweilen blinde Unterstützung des eigenen Vereins auf? Bei der dritten oder gar vierten Mannschaft? Wird so lange durchgewunken, bis die ersten drei Mannschaften aus Dortmund, München und Leipzig in einer eigenen Neuner-Liga den Meister abspielen? Oder als Elfer-Liga mit den beiden Freiburger Mannschaften als Reminiszenz an die kleineren Vereine?

Übrigens würde ich im umgekehrten Falle nicht wollen, dass der RWE als Bundesligist mit allen Mitteln versuchen würde, seinerseits eine „Zwote“ in die 3.Liga zu hieven. Aber, das ist zum einen natürlich Phantasterei, denn RWE und Bundesliga….. und zum anderen bin ich eh bekennender Anhänger des englischen Ligensystems.

„Denk immer daran: Ein Verein, der Freunde hat, ist nie ein Versager!“

So (oder so ähnlich) sprach Clarence, seines Zeichens Engel Zweiter Klasse in Frank Capras Klassiker „Ist das Leben nicht schön!“ zu dem verzweifelten George Bailey, der seinen Aufstiegsmut nach Köln verloren hatte und sich schon in die renaturierte Berne zu stürzen drohte. Natürlich wissen wir, dass dieser Klassiker aus dem Jahre 1946 ein gutes Ende nahm und der junge James Stewart auch nur zufällig und ganz entfernt dem nicht mehr ganz so jungem Marcus Uhlig ähnelte.

Was hat das nun mit dem heutigen letzten Spieltag zu tun? Ganz viel! Außerdem muss man ja einmal mehr an eine Überschrift kommen und deren Ursprung dann wenigstens kurz erklären. George Bailey also hat in diesem wundervollen Film als Prototyp „kleiner Mann“ gearbeitet und gehofft! Zwischendurch nicht mehr an sich geglaubt und wurde dadurch quasi an die Hand genommen. So konnte er am Ende erfahren, dass es die Freunde sind, die das Leben nicht nur lebenswert machen, sondern auch niemals verzagen lassen.

Rot-Weiss Essen hat viele Freunde. Und alle hoffen mit unserer Mannschaft, dass wir den so lang ersehnten Sprung in die Drittklassigkeit am finalen Spieltag dieser so surrealen Saison schaffen werden. Dass es dazu ausgerechnet der Schützenhilfe aus Wuppertal bedarf, ist einfach der Tatsache Spielplanung geschuldet. Daran hat weder „Clarence“ noch sonst wer gedreht. Und man sollte die Rivalität manchmal auch nicht überbewerten. So ziemlich alle anderen Vereine wollen unsere Rivalen sein. Derbygegner, Traditionsduellist, oder was auch immer! Und so ziemlich jeder wurde mittlerweile dazu befragt. Ich warte jetzt noch auf ein Interview mit dem Grotifanten, ob er sich von Anbetracht der gleichen Vereinsfarben in die Wuppertaler Gefühlswelt hineinversetzen kann. Übrigens: Willi Lippens und Otto Rehhagel wurden noch nicht befragt. Das kann eigentlich auch nur ein Versehen sein. Aber vielleicht kommt das noch in Verbindung mit der Echtzeit-Homestory über Kevin Großkreutz vor dem Livestream von Sporttotal.

Es ist mittlerweile auf Essener Seite ein kollektives Kribbeln zu spüren, welches in jüngerer Vergangenheit dass letzte Mal vor dem Aufstiegsspiel in Siegen zu erleben war. Und das, obwohl sich die sportliche Konstellation damals um einiges einfacher für unseren RWE gestaltet hat. Das heutige Kribbeln ist jetzt aber keine Überheblichkeit oder Phantasterei: Es ist eher dem Wissen um die Stärke unserer Mannschaft in Verbindung mit dem Wahnsinn Pandemie unter Hinzunahme eines guten Schusses Fußballgott geschuldet. Wird das Ganze dann mit einer gehörigen Portion Sehnsucht angereichert, bekommt man halt diesen (mittlerweile wieder) unerschütterlichen Glauben an das Wunder von (der) Bern(e).

In einigen Stunden nun fährt der komplette Tross RWE Richtung abgeriegeltes Wegberg-Beeck los. Allen Anschein nach gebührend verabschiedet. Der Aufruf dazu ein optisches Lehrstück, wie man aktuelle Vorgaben einfordert, ohne den Kern der (Fan-)Sache aus den Augen zu verlieren. Also schreit den Bus Richtung Autobahn, aber haltet Euch bitte an die drei Vorgaben auf dem Aufruf.

Und wie startet man sonst in diesen so entscheidenden Tag? ich befürchte, die Frage lässt sich in vielen RWE-nahen Haushalten gar nicht so leicht beantworten. In nicht wenigen Fällen dürfte es schließlich kaum eine erholsame Nacht gegeben haben, die diese Bezeichnung auch nur annähernd verdient. Wir alle malen uns doch schon seit Tagen aus, was diese finalen Spiele mit uns veranstalten werden. Da fällt ziemlich sicher das ein oder andere gesunde Frühstück aus, um direkt mit der Gerstenkaltschale zu starten. Weitere Optionen: Der Appetit fällt vor lauter Anspannung komplett in sich zusammen und macht sich erst nach Schlusspfiff bemerkbar. Oder man nimmt vor lauter Stress alles zu sich, was der Kühlschrank irgendwie hergibt. Bluthochdruck Patienten sollten unbedingt ihre Tablette nicht vergessen und das WLAN Kabel sollte angeschlossen sein. Das Umfeld zudem darüber informiert werden, dass man zwischen 14:00 und 15:55 Uhr nicht gestört werden darf. Wir sind schließlich in der wichtigsten Mission seit 2008 unterwegs.

Schon jetzt wird diese Saison ein Klassiker in den rot-weissen Annalen werden. Alles anders als sonst. Träumen bis zum Schluss! Hoffnung und der RWE: Haben wir uns sonst Jahr für Jahr schon im Spätherbst beständig voneinander getrennt, spielen wir diese Saison nun schon so lange zusammen, so dass man fast von einer richtigen Beziehung sprechen kann. Das macht Spaß, hat uns endlich wieder den Kopf oben tragen lassen. Und normalerweise würde es auch gerade aus Richtung Dortmund sicher jede Menge Zuspruch in unsere Richtung geben. Wenn man nicht gerade selbst seine „Zwote“ von der Kette gelassen hätte, damit um jeden Preis die Drittklassigkeit gestürmt wird. Braucht man ja auch unbedingt, wenn man selbst mit der Ersten nicht so ganz schlecht in der Bundesliga unterwegs ist. Alles sportlich platt machen, was der eigenen AG im Wege steht.

Aber egal wie es nun heute ausgehen wird: Rot-Weiss Essen wird niemals ein Versager sein, dass Wort möchte ich im Anschluss nirgendwo in Zusammenhang mit unserer Mannschaft lesen! Dafür haben wir zu viele Freunde und geben uns gegenseitig Halt. Zwischen himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt oder fassungslos ob des tatsächlich nötigen Entscheidungsspiels wird es ab ca. 15:55 Uhr kaum mehr andere Facetten geben. Wir sollten daher vorab dieser Dortmunder Mannschaft Respekt zollen für eine ebenfalls bärenstarke Saison. Rein sportlich beurteilt natürlich, denn es gilt weiterhin folgende Prämisse: Ist reglementarisch etwas nicht sauber gelaufen, so wird es an den Tag kommen und anschließend beurteilt werden!

So, und nun? Trikot an, sich von Tommy Jockschies Zeilen auf das Spiel einschwören lassen und darauf hoffen, dass es heute Abend nur zu positiven Schlagzeilen rund um die Hafenstraße kommen wird und alle eine positive Bilanz ziehen können. Und dann schlafen wir nach Wochen endlich mal wieder durch.

Don’t Stop Believin’

Das Gericht zieht sich zur Beratung zurück!

Hajo Sommer fragt sich: „Wo ist hier die Fairness“ geblieben? Ich sach ja immer schon, der Kleeblatt-Hajo ist ein guter Typ! Schließlich fragen wir uns schon seit geraumer Zeit, wo rund um das Gewese der Dortmunder Zweitvertretung die sportliche Fairness und die Chancengleichheit für alle geblieben ist. Wahrscheinlich war jetzt aber weniger der BVB über die gesamte Saison hinweg, als der aktuelle Einspruch unseres RWE gemeint. Die Frage seinerseits trotzdem ein schöner rhetorischer Aufhänger, um einmal mehr auf den aktuellen Grund der Einsprüche gegen diverse Spielwertungen hinzuweisen.

Für die Fans anderer Vereine an dieser Stelle noch einmal der Hinweis darauf, dass wir um unseren eigenen Punkte- und Tabellenstand wissen. Diese Einsprüche sind nicht das Hintertürchen für den Fall, dass es sportlich kommenden Samstag nicht reichen könnte! Diese Einsprüche basieren auf der Erkenntnis, dass etwas nicht rechtmäßig gelaufen sein könnte. Und da ist es nicht mehr aber vor allem auch nicht weniger die Pflicht des Vereins, dieses „anzuzeigen“. Geradezu fahrlässig wäre es, dieses nicht zu tun. Aber natürlich macht es ja auch sportliche Rivalität aus, sich nun darüber zu kabbeln.

Unser aktuell zuständiger Verband lässt uns alle nun wissen, dass der Meister direkt im Anschluss des letzten Spieltages nicht gekürt werden kann. Bedauert es geradezu. Ich würde an Verbandsstelle eher bedauern, dass es möglicherweise zu Unregelmäßigkeiten im Spielbetrieb gekommen ist und eher diesen Umstand in den Fokus rücken mit der glasklaren Absicht, Aufklärung zu leisten. Aber nein, eine gerade Linie pssst einfach nicht in die Statuten des WDFV. Vielleicht muss man aber auch erst einmal intern klären, welche Auswirkung Ermittlungen gegen die Zwote des BVB auf die zukünftige Akzeptanz durch Aki & Co. haben könnte. So als Funktionär hat man es auch wirklich schwer.

Der ganze Spannungsbogen rund um diesen letzten Spieltag wurde also um mehr als eine weitere Drehung angezogen. So richtig schlafen kann von uns doch schon seit Wochen keiner mehr. Die nahende EM wird gefühlt nicht einmal aus den Augenwinkeln wahrgenommen: Ob es bei Jogi „müllert“ oder in Gelsenkirchen gerade ein Sack Königsblau umfällt, alles egal. Es zählt einzig und alleine der RWE! Wir erleben gerade diese eine Saison, die scheinbar niemals zu enden droht. Eine Saison, die mittlerweile auch in einem finalen Duell am berühmten O.K. Corral in Tombstone, Arizona münden könnte. Oder als Wrestling Storyboard durchchoreografiert wird.

Irgendwo zwischen all den, sich ständig erneuernden, Nachrichten stecken auch mindestens die Spieler aus Essen, Dortmund, Wuppertal und Wegberg-Beeck. Und es wird sie alle sicher nicht kalt lassen, was da alles so geschrieben steht. Es wird also in unserem Fall einmal mehr auf das bisher so gute Gespür des Trainerteams rund um Christian Neidhart ankommen, die Köpfe für das letzte Auswärtsspiel der Saison freizubekommen. Einmal mehr müssen wir gewinnen. Aber diesen Druck kennen unsere Spiele ja schon zur Genüge, dass dürfte jetzt auch kein Problem für Samstag darstellen.

Ich glaube fest daran, dass wir die aufregendste Titelhatz seit Liverpool & Man City schon Samstag sportlich für uns entscheiden werden. Rot-Weiss Essen hat in dieser Saison so viele Unwägbarkeiten erlebt und bewältigt, schwimmt ständig gegen den Strom und hat sich die ein- oder andere Beule abgeholt. Immer im Fokus gearbeitet. Deshalb:

Diesmal sind wir einfach dran!

Straße des 5.Juni

Wenn Du denkst, es geht nicht mehr, kommen von irgendwo zwei Unentschieden her. Nachdem auch hier im (Jubiläums-)Blog vor einer Woche nach monatelangem Daueroptimismus die Aufstiegssegel gestrichen wurden (um nervlich wieder in ruhigere Fahrwasser zu gelangen), zeigt uns der Fußball, dass nichts unmöglich ist. Und in dieser so extremen Saison der Regionalliga West schon mal gar nicht. Der eigentlich schon designierte Meister aus Dortmund zeigt seinerseits plötzlich Nerven. Das erste Mal vergangenen Mittwoch, als es zeitversetzt zu unserem Heimspiel gegen die Sportfreunde Lotte nach Rödinghausen und somit zur alten Wirkungsstätte von Trainer Maaßen ging. Von den Rödinghauser Amigos überaus freundlich begrüßt, ging die langjährige Verbundenheit dann doch nicht über ein mühsames 0:0-Unentschieden hinaus. Dass die Amigos sich im Spiel immer wieder verbal an unserem RWE abzuarbeiten versuchten, es sei ihnen vergönnt. Sie haben doch sonst nichts!

Heute nun geht es für den, mittlerweile wieder zum Aufstiegskonkurrenten degradierten, BVB im pandemischen Nachholspiel gegen den Tabellenletzten aus Bergisch-Gladbach darum, sich die bestmögliche Ausgangsposition für den kommenden Samstag zu erspielen. Naturgemäß ist unsere Vorstellung von einem optimalen Endergebnis ziemlich weit entfernt von dem, was den Erschöpften, sich kaum noch auf den Beinen halten könnenden, Dortmundern so vorschwebt. Erster gegen Letzter, das ist in den Wettbüros grundsätzlich mit schlechter Quote versehen. Aber wir wissen ja nun zur Genüge, dass in dieser Saison alles möglich ist. Und so ein drittes Unentschieden hintereinander, dass könnte zugleich der Beginn einer wunderbaren Freundschaft sein.

Um der temporären Anbiederung unsererseits noch etwas Tiefe zu verleihen, hier noch ein Textauszug aus dem Vereinslied der Bergischen Gladbacher. Bei dem martialischen Text machen sich die hochgradig verunsicherten Borussen Profis sicher schon beim Auflaufen ihre Gedanken und fangen direkt an zu schlottern:

„Und jetzt alle: „Steht auf, wenn ihr 09er seid.
Ein Teufel ist zum Kampf bereit.
Ist auch der Gegner noch so groß, in Gladbach wird er Punkte los.
Steht auf, wenn ihr 09er seid“

Nun, es wird kommen wie es kommt und die rot-weisse Planung für das letzte Saisonspiel nicht wirklich großartig beeinflussen. Unser RWE ist jetzt im Lindenberg-Modus und macht sein Ding: Man will das letzte Saisonspiel beim FC Wegberg-Beeck gewinnen. Wie schon so viele Spiele zuvor auch. Danach wird man sehen, was die Abschlusstabelle nach Abpfiff so auswirft. Grundsätzlich lässt sich jetzt schon sagen, dass es eine unglaublich emotionale, erfolgreiche, schmerzhafte, freudige und noch so viel mehr Saison war. Eine, die uns im Stadion dabeigewesen sicher noch mehr abverlangt hätte. Tut sie so auch, aber ich denke, man weiß was gemeint ist: Einen Monitor umarmt man eben nicht so einfach und kullert mit ihm Stufen hinunter. „Bufft“ ihm auch nicht andauernd in die Seite und schüttet auch besser kein Bier beim Torjubel über ihn aus. Wer nun in Anbetracht der erreichten Punktzahl und den Auftritten in beiden Pokalwettbewerben immer noch von „Versagern“ fabuliert, dem sei eine Abkehr von Rot-Weiss Essen oder dem Sport insgesamt empfohlen. Wer sich auch weiterhin im ständigen „Aber Ahlen etc.“ ergeht, der läuft Gefahr, sich auf die eigentlich erledigte „Lübeck-Metaebene“ zu begeben. Ständige Unzufriedenheit und Selbstmitleid eingeschlossen.

Viel wichtiger doch: Auch unsere Wirkungsstätte an der Hafenstraße öffnete vergangenen Mittwoch wieder die Stadiontore für Fans. Endlich! Welch ein Gefühl, wieder Zaunfahnen hängen und Menschen auf Tribünen stehen und sitzen zu sehen. Dieser Moment, wenn die ersten Spieler sich nicht mehr gefühlt emotionslos zum Aufwärmen auf den Platz begeben, sondern fast überrascht den Kopf heben, als dieses wieder von Applaus begleitet wird. Eine kleine Zahl an Zuschauern nur, begleitet von den restriktiven Umständen, die es dieser Tage doch noch braucht. Ein großer Schritt aber zurück zu dem, was den Fußball und viele andere Publikumssportarten so besonders macht: Die Seele war zurück. Vielleicht war es ein Stück weit den anwesenden Fans geschuldet, dass sich unser RWE und dem Timo seine Lotte in der Folgezeit ein rassiges Fußballspiel gönnten. Gefühlt frei von taktischen Zwängen und tabellarischem Druck. Vor allem unser RWE spielte Fußball, weil die Mannschaft ganz einfach Fußball spielen kann!

Vor der West prangte ein großes Banner der „Rude Fans“ mit ebenso großem Dank an Marcel Platzek für die vielen Jahre bedingungslosen Einsatz. Leider hat es aufgrund einer Verletzung nicht zu einem letzten Einsatz gereicht, aber wenigstens durfte sich „Platzo“ vor Fans auf den Tribünen verabschieden und wurde von diesen zu Recht gefeiert. Ebenso wie eigentlich die ganze Mannschaft und besonders auch das gesamte Trainerteam noch lange nach Abpfiff endlich und lautstark im Stadion für die bisherige Saisonleistung gewürdigt wurde. Man war also an diesem Mittwoch ein Stück weit mit sich im Reinen, es hatte sich mittlerweile irgendwie auch genug ausgeregnet. Schließlich strahlte direkt über der Hafenstraße ja auch noch die Vertragsverlängerung von Daniel Heber. Es heißt also weiterhin: „Egal wie der Gegner auch verfährt, #heberklärt“. Dieser Kontrakt ist ein starkes Stück rot-weiss und auch eine Zusage an eine baldige, sportlich bessere Zukunft.

Dieser sportlichen Zukunft entgegen blickt nach Tagen der Spekulation das Essener Dreigestirn in unveränderter Besetzung entgegen. Schön, dass der Weltbeste Fußballverein mittlerweile auch bundesweit wieder aufhorchen lässt. Klar, Fußball und Geschäft und so. Da wo ein Vertrag manchmal nicht die Tinte wert ist, mit der er unterzeichnet wurde. Und man kann es Christian Neidhart nicht einmal verdenken, dass ein Werben aus der Heimat zugleich erfreut und nachdenklich macht. Oder die Geschichte mit 96 und Jörn Nowak. Da bekommt man es zwischenzeitlich immer mal mit Verlustängsten zu tun, um dann aber schnell wieder zu entspannen: Alle drei aktuell Essener und somit prinzipiell schon mit den höchsten Weihen versehen, die ein Mensch erreichen kann.

Die Zukunft ist Rot-Weiss. Egal wie das nun Samstag ausgehen mag. Der Anlauf dafür war ja auch lang genug.

Wie begegnet man jetzt diesem kommenden Samstag und letzten Spieltag, von dem man eigentlich gar nicht mehr dachte, ihn noch dermaßen intensiv erleben zu müssen dürfen? Wir werden hier im Fan-Office alles anders machen als noch zum Spiel in Köln. Andere Trikots, anderer Ablauf, noch eine Blutdrucktablette mehr. Alles, was den Fußballgott milde stimmen könnte. In „normalen“ Zeiten würde das Spiel aufgrund der zu erwartenden Fankarawanen aus Essen wohl in den Borussia Park verlegt werden müssen. Diese Zeiten haben wir nicht, die kommen erst langsam aber sicher wieder. Macht es nun trotzdem Sinn, sich auf den Weg gen Wegberg-Beeck zu machen, so wie es vielfach schon kolportiert wird? Ich bin da sehr zwiegespalten und hoffe, dass der Ratgeber Vernunft dass unbändige Gefühl Sehnsucht ein wenig einfangen kann. Als Rot-Weiss Essen stehen wir schließlich immer mehr unter Beobachtung als so viele andere. Man ahnt, wie gerade auch auf Wolke 1907 die Vorbereitungen für Samstag schon in vollem Gange sind und all die von uns Gegangenen dem letzten Spieltag bei Berlinern entgegenfiebern.

Danke alle für diese Saison!

„Am Ende wird alles gut. Leider befinden wir uns erst am Anfang vom Ende“ ©ERnst Ferstl

Diese Saison verlangt nicht nur den Spielern und Vereinsvertretern unglaublich viel ab. Auch als Fan ist man arg strapaziert und würde seine Nerven gerne mal auf der Massagebank durchkneten lassen. Es hat Kraft gekostet, so lange an den Aufstieg zu glauben und dass ohne Wenn und Aber auch ständig zu kommunizieren. Sogar ungefragt. Es gab so viele tolle Spiele unserer Roten, nach denen wir gar nicht abwarten konnten, dass uns schon der nächste Stream dem gelobten Land ein Stück weit näher bringen wird. Seit Pfingstsonntag wissen wir mit höchster Wahrscheinlichkeit, dass das gelobte Land einmal mehr eine weitere Saison auf Rot-Weiss Essen und uns verzichten muss. Sehr unwahrscheinlich, dass die Zweitvertretung jetzt noch die nötigen Punkte abgibt um uns auch nur annähernd wieder in Position zu bringen. Nach dem Spiel in Köln besteht zudem kein Anlass zu spürbarem Optimismus, die eigenen letzten beiden Spiele betreffend, so schlecht der Auftritt dort. Speziell die erste Halbzeit war eine ungewollt und ungewohnt kollektive Absage an jegliche Aufstiegshoffnungen. Das war noch schlechter als der Auftritt in Ahlen. Der zweiten Halbzeit war dann wenigstens das „stets bemüht“ nicht abzusprechen. Unseren vielen Indianern auf dem Feld fehlt gefühlt der Häuptling, der in solchen Spielen vorangeht, aufrüttelt und notfalls auch mal anschreit. Wen auch immer. Viele scheinen irgendwie nur mit sich selbst und der eigenen Zukunft beschäftigt zu sein. Die Niederlage und das Ende fast aller Aufstiegshoffnungen somit verdient. Der hohe Aufwand des BVB inklusive Pippi Langstrumpf Lebensmotto, sich die (Liga-)Welt so zu machen, wie es ihm gefällt, hat sich am Ende der Saison ausgezahlt.

Sich nun schon vor Monaten ein Trikot mit „Aufstieg 21“ beflocken lassen, wirkt im Nachgang sicher komplett arrogant. Ebenso wie die Aufstiegstorte in der Kühltruhe mit selbiger Aufschrift. Aber es sah doch alles auch danach aus. Selbst die Kommentare einer Sportzeitung mussten immer mal wieder durch neue Kommentare revidiert werden, kam doch der Abgesang zu früh (Zu früh sollte man übrigens auch nicht mit einem Endergebnis und erstem Text online gehen, während das Spiel noch läuft. Das ging gegen Straelen so richtig nach hinten los). Es gab also Phasen in dieser langen Saison, da schipperten wir auf ruhiger See dem Sonnenuntergang entgegen und träumten zu Recht von dem finalen Pfiff, welcher uns endlich auf den aufsteigenden Ast bringen würde.

Es kam nun leider doch alles anders und nicht der Sonne entgegen: Trotz der vielen erfolgreichen Schichten bleibt Rot-Weiss Essen einmal mehr unter Tage stecken. Die Grubenlampe im finsteren Stollen Regionalliga hatte zum Schluß nicht mehr genug Saft, um den Weg zum Förderkorb Richtung gelobtes Land dritte Bundesliga zu weisen. Die Gefühle direkt nach Abpfiff im Kölner Südstadion zwiegespalten: Auf der einen Seite der Sturz in komplett vollumfängliche Enttäuschung und Traurigkeit. Auf der anderen Seite aber auch die rationale Erkenntnis und Dankbarkeit, dass es aufgrund der Punktausbeute eine der wohl besten Spielzeiten seit so vielen Jahren ist. In manch anderen Jahren wäre man zudem schon längst aufgestiegen. Das macht es ja auch um so vieles frustrierender: Ein prallvolles Punktekonto und am Ende doch nichts in den Händen! Und doch macht sich mit zunehmenden Abstand zum Spiel noch eine weitere, eher ungewöhnliche, Empfindung bemerkbar: Das Gefühl der Erleichterung. Bei aller Traurigkeit erleichtert es ungemein, sich nicht mehr andauernd der Tabelle und den Rechenspielen widmen zu müssen wollen. Endlich mal (wenn auch gezwungenermaßen) den eigenen rot-weissen Kompressor ausschalten können, der seit dem 05. September 2020 geistige Schwerstarbeit zu verrichten hatte.

Die Erkenntnis des abermaligen Nichtaufstiegs zeitgleich an einem Wochenende zu erlangen, an dem die Jubelbilder der Aufsteiger aus dritter und zweiter Bundesliga die Runde machen, ist jetzt nicht wirklich einer besseren Stimmung zuträglich. Sie zeigen aber einfach auch nur, wie begehrenswert ein solcher Moment sein kann. Aktuell hat es das, nach Rot-Weiss Essen, sportlich Sympathischste, was das Ruhrgebiet zu bieten hat, nach vielen Jahren mal wieder in die Bundesliga geschafft. Glückauf und herzlichen Glückwunsch, lieber VfL! Auch wenn die Bundesliga langsam aber sicher zur unattraktivsten Spielklasse mutiert. Und endlich haben sich auch Fans und Polizei wieder. Wobei es sich mir komplett entzieht, warum man sich jetzt auch schon bei freudigen Ereignissen kabbeln muss.

Mittwoch endlich sind auch an der Hafenstraße wieder Fans zugegen. Frisch getestet und leider genau so frisch desillusioniert. Die ersten aus dem Lostopf der Dauerkarteninhaber/-innen gezogenen bieten ihre Karten aus dem Frust des Köln Erlebnisses direkt wieder an und verzichten freiwillig. Andere wiederum freuen sich einfach nur darauf, endlich mal wieder das eigene Wohnzimmer betreten zu dürfen. Außerdem kann man sich gebührend von „Platzo“ verabschieden. Oder mal wieder Timo Brauer zuhause begrüßen. Es muss ja irgendwie immer weitergehen.

Mit dem letzten Heimspiel kommenden Mittwoch gegen die Sportfreunde aus Lotte verabschiedet sich vorerst wohl auch „Hafenstraße Live“ in die verdiente Sommerpause. Noch ist nicht absehbar, wie sich die nächste Saison zuschauertechnisch gestalten wird. Dürfen wir rein, ist der Stream vielleicht raus und umgekehrt. Daher der beste Zeitpunkt, um allen Beteiligten einmal ein großes Dankeschön zu übermitteln, uns die Heimspiele auf den heimischen Monitor gebracht zu haben. So zwischen Wäsche falten und Hunderunde.

Ach, was waren wir nah dran. Hoffentlich kommt das nochmal wieder. Und ganz vielleicht kommt auch dem DFB mal langsam aber sicher die Erkenntnis, dass das mit den Zweitvertretungen nicht so ganz im Sinne aller sein kann. Aber, der DFB muss wohl selbst erst einmal zu Sinnen kommen.

The End

Seit 1967 quälte sich Jim Morrison mit seiner Band „The Doors“ zumeist am Ende eines Konzertes fast zwölf Minuten durch die von ihm geschriebene musikalische Klagemauer „The End“. Grund für den fatalistischen Singsang war das Verarbeiten einer Trennung. Dieser Song hätte aus Essener Sicht über weite Strecken durchaus die Titelmelodie für das Halbfinalaus gegen den SV Straelen darstellen können. Die Straelener ihrerseits legten spätestens im Elfmeterschießen den Gassenhauer „Shiny Happy People“ von REM auf. Was bedeutet: Der RWE hat sich mit sofortiger Wirkung vom Pokal getrennt, während der SV Straelen nun das Finale gegen den WSV spielen wird.

Vor dem Spiel war der Tenor in Fankreisen ja stets der, dass ein Ausscheiden im Pokal allemal eher zu verkraften ist, als die kleine Chance auf den Aufstieg in irgendeiner Form zu gefährden. Nach dem wirklich schlechten, bisweilen saft- und kraftlosen Spiel unserer Mannschaft stellt es sich zunächst dann doch wieder wie gewohnt dar: Die Pessimisten und Dauernörgler sind mit Abpfiff zur Stelle und schreiben die Mannschaft in Grund und Boden. Manchmal wirkt das, als ob lediglich Textbausteine eingesetzt werden. Schließlich wurde die eigene negative Einstellung endlich wieder bestätigt. Aber, wie sagte schon Robert Lembke („Was bin ich“) seinerzeit: „Pessimisten haben den Vorteil, daß sie seltener enttäuscht werden“. Somit ist der Pessimist im eigenen Haus unfreiwillig wohl auch ein Gewinner dieses Halbfinalspiels.

Was an dieser vermeidbaren Niederlage wirklich ärgert ist weniger, dass man gegen eine mutige Straelener Mannschaft ausgeschieden ist. Das kann im Pokal passieren, dafür ist der Pokal da! Man frage mal in München, Bielefeld, Düsseldorf oder Leverkusen nach. Was hingegen so richtig ärgert ist schlicht die Tatsache, dass dieses Spiel überflüssig viel an eigener Kraft gekostet hat, und man somit auch den SV Straelen zu Überstunden gezwungen hat. Wir werden kommenden Sonntag sehen, ob der zukünftige Pokalfinalist die Euphorie mit in das Spiel gegen ausgeruhte Dortmunder nimmt und auch dort engagiert Paroli bieten kann, oder sich aufgrund der dann doch zu schweren Beine genüsslich auseinandernehmen lässt. Vielleicht aber hat man in Straelen auch etwas falsch verstanden: Bei einem Sieg gegen uns gibt es kein Faß Stauder mit nach Hause. Der Deal gilt erst gegen Dortmund!

Vor allem aber werden wir Sonntag sehen, ob unser RWE die Lehren aus diesem Spiel gezogen hat. Ein ähnlicher Auftritt im Kölner Südstadion und wir brauchen nicht mehr auf das Ergebnis der anderen Begegnung zu schauen, denn dann hat es sich endgültig von selbst erledigt. Vielleicht aber war es dieser berühmte Schuss vor den Bug zur rechten Zeit. Ein „Hallo-Wach“ der unangenehmen Art. Irgendwie aber auch die logische Konsequenz aus den letzten Spielen, ließ der Elan von Spiel zu Spiel merklich nach. Nachvollziehbar in Anbetracht der Vielzahl an Spielen in dieser Saison. Zudem sind hier keine Maschinen am Werke, auch wenn einige dass vielleicht glauben. Dann lieber gegen Straelen als in Köln verlieren.

Was jetzt auf jeden Fall von der Mannschaft erwartet werden darf ist, dass sie sich noch einmal für die letzten drei Spiele zusammenreisst, sich motiviert und alles dafür geben wird um uns zu zeigen, dass der Aufstieg weiter und bis zur letzten Sekunde das erklärte Ziel aller bleibt. Die Saison war so beeindruckend erfolgreich (ja, trotz Ahlen), dass darf nun nicht einfach alles verspielt werden. Drei Endspiele, die gewonnen werden müssen, ohne es selbst in der Hand zu haben, ob es dann auch für den großen Wurf reichen wird! Das ist keine einfach Aufgabe. Aber so ziemlich alternativlos. Also sollte man es auch so angehen, damit wir Optimisten nicht doch noch enttäuscht werden. Und wenn die Mannschaft noch immer nicht weiß, was uns der Aufstieg bedeutet, so kann man ihr nur mitteilen: Alles. Und noch viel mehr!

Unabhängig davon sollte die eigene Herangehensweise an die Aufarbeitung der Saison noch so lange zurückstehen, bis auch wirklich der letzte Pfiff ertönt ist. Dann jubeln im Aufstiegsfalle der Optimist und der Pessimist gemeinsam und alle haben es gewusst. Oder aber der Optimist bricht bei Nichtaufstieg traurig zusammen während der Pessimist zufrieden konstatiert , es doch gleich gewusst zu haben.

Niemals aufgeben RWE, da geht noch was!



Das Bier gewinnt!

Ab heute ist Schluss mit lustig. Die ungestörten Überholmanöver auf dem Tabellenhighway to Hell sind Geschichte: Borussia Dortmund startet wieder in den Trainings- und Ligabetrieb. Mit sicherlich exakt ausgewogener Anzahl an Spielern, um allen Auflagen gerecht zu werden. Fünf Spiele gegen drei Spiele bei zwei Punkten im Voraus: Die Karten liegen weitestgehend auf dem Tisch. Vielleicht sollten wir spätestens Sonntag vor dem zeitgleichen Anpfiff beider relevanten Spiele in Köln und Straelen eine Runde Diazepam für alle schmeißen, um die mittlerweile doch arg strapazierten Nerven in den Griff zu bekommen.

Vorher aber haben unsere Roten noch eine andere Aufgabe zu bewältigen: Heute Abend geht es ab 19:00 Uhr gegen den Sportverein 1919 Straelen e. V im „Europapokal Vier“ (früher mal als Niederrheinpokal bekannt) um den Einzug in das Finale. Das zweite Halbfinale bestreiten zudem der Wuppertaler SV und der MSV Duisburg. Immer öfter nun stellt sich die Frage der Belastungssteuerung unser arg strapazierten Fußballer. Oder der einer möglichen Rotation. Ordnet man das Halbfinale dem Ligaspiel am Sonntag unter oder doch nicht? Und warum hatten wir keinen Frühling?

Wir können sicher darauf vertrauen, dass unser Trainerteam natürlich auch heute auf Sieg stellt, um ins Finale durchstecken zu können. Daher sollten die Körner einmal mehr reichen, um mit den Spielerpässen in die Schnittstelle zu kommen. Im Ernst und abseits der Phrasendrescherei: Heute ist Pokal und der hat seine eigenen Gesetze…

Die Spiele als Freilos im DFB Pokal haben uns allen nicht nur unvergessene sportliche Momente beschert, sondern natürlich auch Bares für rare Zeiten in die Kassen gespielt. In Zeiten der Pandemie ein unverhoffter Baustein, der Rücklagen schafft und Möglichkeiten bietet. Alles in allem ein gern durchlebtes Szenario, welches man auch für die kommende Saison gerne wieder mitnehmen möchte. Somit auch hier: Niemals aufgeben!

Der heutige Gegner aus Straelen übrigens Sonntag der Erste der „glorreichen Fünf“ gegen den BVB und somit auch ein Zünglein an der Waage Aufstieg. Das dachte sich wohl auch das stets rührige Team von jawattdenn und hat sich intern überlegt, wie man Fußballer immer noch am Besten dafür motivieren kann, ein Spiel zu gewinnen. Hier kommt als Ergebnis nach vielen Zoom-Meetings die alte Kreisliga Wahrheit „Das Bier gewinnt“ ins Spiel: Was hat Rot-Weiss Essen, was andere nicht haben? Außer „Alles natürlich“ kommt direkt danach unser gutes Stauder als unschlagbares Argument! Weder in Straelen, Wuppertal, Rödinghausen oder Bergisch-Gladbach gibt es meines Wissens eine eigene Brauerei. Und Homberg als Stadtteil von Duisburg dürfte unter KöPi genug leiden.

Die Motivation war also schnell gefunden, beschlossen und verkündet: Derjenigen Mannschaft, die es schafft, gegen Borussia Dortmund einen Punkt zu holen, winken 50 Liter Stauder. Sorgt der Anreiz Stauder gar für richtig flüssige Beine und solch perlende Kombinationen, so dass es zu einem Sieg gereicht, werden sogar 100 Liter Stauder ausgelobt. Das ist natürlich kein unlauterer Wettbewerb, aber allemal eine Hommage an Fußballligen, in welchen sportliche Dinge im Nachgang stets bei einer Kiste Bier geklärt wurden und hoffentlich bald wieder werden. Die Stutzen dabei schon auf Halbmast, aber noch so hoch, so dass die Schachtel Kippen darin Halt finden kann.

Liest man nun quer durch alle Rot-Weissen Kanäle, so findet sich eine solch breite Unterstützung für die Idee der jawattdenns, so dass die Mannschaften mit Punktgewinnen gegen den BVB ihre Saisonabschlussfeier fast in trockenen Tüchern haben dürften. Von Grillwürstchen über weitere Stauderspenden bis hin zu Zwiebeln ist alles dabei. Da dürfte sich das Engagement auf dem Feld endlich einmal so richtig lohnen. Was ist schon eine Siegprämie allein, wenn man dazu noch die kleine Persönlichkeit bekommen kann? Und natürlich plündert auch „ISDT“ als „Hangaround“ von jawattdenn seine Vereinskasse, und ist mit einer Kiste Stauder im Falle von Unentschieden oder Sieg dabei.

Viel mehr können wir aktuell leider nicht tun, um unsere Mannschaft auf unsere Weise zu unterstützen. Den Fußballgott allein anzubeten bringt gerade auch nicht wirklich viel. Zum einen ist der eh nie da, wenn man ihn braucht, und zum anderen dürfte er schon unter einem unheilbaren Burnout leiden, was seinen Auftrag DFB angeht. Aber, wir sollten nicht nur kritisch sein: Das mit Schalke hat er endlich mal hinbekommen. Wurde ja auch Zeit!

Jetzt geht es in die finale Phase, die allen noch einmal so richtig alles abverlangen dürfte. Auf dem Rasen und vor den Monitoren. Hoffnung im Mai, ein lange nicht mehr gekanntes Gefühl.

Vor Alemannia.

Der größte nationale Sport-Fachverband der Welt offenbarte nach dem DFB Pokalfinale seinen aktuellen Beziehungsstatus auf das Trefflichste bei der Pokalübergabe schon alleine dadurch, dass einfach mal kein Pokal übergeben wurde. Vielleicht aber wollte man schlicht auch nur Abstand zur Jubeltraube halten. Man weiß es nicht! Peinlich allemal, was sich da gerade auf den Fluren der DFB Zentrale abspielt. Die Laune im Keller und kaum schmackhaftes durch den Koch. Selten hat sich ein Verband so intensiv und nachhaltig selbst filetiert. Vielleicht hätte einfach der Landamtsrat von Traunstein den Pokal übergeben sollen, ist er doch mein Held der Stunde.

Einige Spieler nun stemmten jubeltrunken den Pokal in die Höhe, nennen sich DFB Pokalsieger 2021 und treten schon bald wieder in der Regionalliga gegen den Ball. Möge ihnen dieser Titel dermaßen zu Kopfe gestiegen sein, so dass sie den Kick in der Viertklassigkeit als unwürdig betrachten und auch so spielen werden. Dann wäre allen geholfen. Dem Fußball und Rot-Weiss Essen.

Heute nun das Spiel gegen Alemannia Aachen. In normalen Zeiten eines der wenigen Spiele, welches für einen gut gefüllten Gästeblock sorgt. Rot-Weiss Essen gegen Alemannia Aachen. Das hat immer noch den besonderen Klang des Fußballs. Das ist Hafenstraße gegen Tivoli. Das ist Dreck fressen, sind Geldsorgen und bedeutet große Leidensfähigkeit auf den steilen Rängen. Wenn es jemals ein Synonym für die zweite Bundesliga bedarf, dann ist es Rot-Weiss Essen gegen Alemannia Aachen. Eine Begegnung TSG Hoffenheim gegen VfL Wolfsburg zum Beispiel kann emotional nicht annähernd unserer Begegnung standhalten. Wir sind der Dreck unter den Fingernägeln des Fußballs anstatt dessen sterile Hochglanzoptik in Ultra HD.

Für den Fall, dass wir heute unsere zweite Erfolgsserie auch gegen die Alemannia fortsetzen können, dürfen wir uns „Temporärer Tabellenführer von Quarantänes Gnaden“ schimpfen. Da könnten wir uns natürlich nichts von kaufen, aber es wäre neben dem optischen Genuss auch ein kurzer Moment des Stolzes darauf, was unsere Mannschaft in dieser Saison so alles auf den Platz bringt. Das Wasserballett in Oberhausen erneut eine eindrucksvolle Demonstration dessen, was unsere Mannschaft zu leisten imstande ist. Die Kleeblätter sind nicht an ihrer eigenen großen Klappe gescheitert, sondern schlicht an der besseren Fußballmannschaft an diesem nassen Pokalabend. Also wenn es in Oberhausen regnet, dann auch richtig: Unvergessen zum Beispiel das Spiel anno 2008, als uns das Wasser nach Abpfiff aus den Schuhen lief und im Auto notdürftig die klatschnassen Klamotten ausgezogen wurden. Erst kurz vor Gronau hatte die Klimaanlage wieder für einigermaßen klare Sicht im Auto gesorgt.

Es dauert nun nicht mehr lange, bis diese auf vielen Ebenen so besondere Saison ihr Ende findet. Man hat nicht nur das Gefühl, dass sich so langsam aber sicher alles zuspitzt, sondern es ist in der Tat so. Der fünfte Juni ist greifbar. Aber greifen wir ins Leere, oder in das pralle Glück? Meine Meinung ist hinlänglich bekannt, ich glaube weiter fest an Letzteres! Das werden noch anstrengende Momente am Monitor. Momente, auf die man sich weiter hochgradig freut, die aber extrem nervenaufreibend sind. Gesund ist das alles gerade nicht.

Mein Tipp heute lautet 3:1 für RWE. Und wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann würde Marcel Platzek das entscheidende dritte Tor nach feinem Zuspiel von Kevin Grund erzielen. Aber das geht verletzungsbedingt ja leider nicht grad.

Nach dem Regen scheint die Sonne besonders hell.

Also wenn sie denn mal wieder scheint. Auf jeden Fall hat der Regen in Oberhausen zunächst einmal alle nass gemacht. Besonders die im Vorfeld so vollmundigen Kleeblätter. Zwischenzeitlich hatte er (also der Regen) dann fast etwas von fortwährendem Applaus für unsere Spieler, so ausdauernd, wie er auf sie herunter prasselte. Der guten Leistung eben angemessen.

Das Viertelfinale im Pokalwettbewerb des kleinen Mannes ging überraschend deutlich an unseren RWE. Überraschend deutlich zum einen, da aus Oberhausen im Vorfeld dermaßen überzeugende Kampfansagen getätigt wurden, so dass man es fast mit der Angst bekam (Scherz!) und zum anderen, weil bei uns vielfach die Meinung herrschte, dass Christian Neidhart seine Mannen durchrotieren lassen würde, um einigen Spielern eine Ruhepause vor dem Ligaspiel gegen Alemannia Aachen zu gönnen.

Nix war es mit den Überlegungen im Vorfeld. Das Kleeblatt ging trotz Regen ein wie eine Primel und unsere Mannschaft machte einfach dort weiter, wo sie vergangenen Samstag aufgehört hatte: Kämpfen und siegen halt. Egal in welcher Besetzung. Die spielerische Überlegenheit bisweilen schon fast als brutal zu bezeichnen, könnte vorne ein um das andere Tor gemacht werden, wenn uns nicht ausdauernd das berühmte Konjunktiv so oft im Wege stehen würde. Das ist schlicht der beste Fußball, den wir an der Hafenstraße seit gefühlten Jahrzehnten geboten bekommen. Natürlich inklusive manch „Aaaaber“ Stimmen, dass der Ball zu oft hintenherum gespielt und vorne den Möglichkeiten nach eben zu selten eingenetzt wird.

Der Erfolg gibt der Mannschaft aber trotzdem Recht, und wenn es ein Duo geben würde, welches auch nur annähernd der Coolness von Jake & Elwood Blues nahekommt, dann wäre es aktuell das „Daniel Duo“ Davari & Heber. Die beiden zwingen auf ihre Art viele Mannschaften mit fast aufreißender Nonchalance zu einem traurigen Angriffsblues. Manch einer trauert nach diesem aktuellen Auftritt im Niederrheinpokal naturgemäß dem vergangenen Ligaauftritt vor einigen Wochen an gleicher Stelle nach. War ja klar. Da kann man nur schreiben: Vergesst es, es ändert immer noch nichts an der Tatsache Tabellenstand! Passiert ist passiert und kann immer wieder passieren.

Wir sollten bei solch aufkommenden Gedankenspielen auch mal einen Perspektivenwechsel vornehmen und uns überlegen, welche Saison unsere Mannschaft da überhaupt abliefert: Das ist in allen Bereichen überragend. Das kennen wir in dieser Form so nicht mehr. Das einzig Dumme an dieser Saison ist leider, dass es eben eine weitere, sportlich überragende, Mannschaft gibt, dessen Hauptverein zudem noch sämtliche Register zieht, um das scheinbar dringlichst vorgegebene Ziel „dritte für die Zwote“ um jeden Preis zu erreichen.

Da der Begriff schlafender Riese auf uns einfach nicht zutrifft, da wie nicht mehr aber auch nicht weniger einfach Rot-Weiss Essen sind, übertragen wir diesen gerne auf die Kartoffelkäfer aus Aachen. Aktuell etwas schwächelnd unterwegs, was uns vor dem dem samstäglichen Kick nicht wirklich ungelegen kommt. Ein Spiel, welches auch in der Tabelle einen Perspektivenwechsel vornehmen könnte. Gelingt es uns, auch dieses Spiel zu gewinnen, ziehen wir an Punkten am BVB vorbei. Kein Grund für freudig erregtes „Spitzenreiter, Spitzenreiter hey hey….“ Gebrüll, aber definitiv eine kleine psychologische Spitze, die wir setzen könnten.

Das Ding ist noch immer nicht durch. Meine Nerven jedoch schon, wenn sich das weiter so zuspitzt. Ich würde mal empfehlen: Eistonne für alle!

Danke Mannschaft! Um mal in Eurer Kabine zu sprechen: Lebe den Traum!

Der Kicker.

Wenn man in einer Einrichtung für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung arbeitet, ist der Tod ein regelmäßiger Begleiter. Wir begleiten unsere Lieben bis zu ihrem letzten Tag. Dann ziehen wir die weißen Handschuhe an und tragen den Sarg bis zur letzten Ruhestätte. Immer ein bewegender Moment. Manchmal wickelt man ihn relativ emotionslos ab, oftmals ist man sehr traurig und manchmal steht sogar alles für Tage still. Doch wenn einen sechsundzwanzig Jahre geteilte Fußballliebe plötzlich und tatsächlich unerwartet verlassen, dann geht das bis tief in das Herz, auch wenn man aktuell nicht mehr in dem Bereich tätig ist. Heute morgen kam der Anruf einer lieben, ehemaligen, Kollegin, dass „Nobby“ nach kurzem Krankenhausaufenthalt verstorben ist. Und nun sitze ich hier und denke, das man einen Menschen wie „Nobby“ nicht einfach gehen lassen kann, ohne über ihn und seine unglaubliche Liebe zum Fußball zu schreiben. Eigentlich kann man einen wie ihn nicht beschreiben. Man muss ihn einfach erlebt haben. Ich habe ihn über Jahrzehnte erlebt, und ich bin dankbar dafür!

Norbert hatte eine glückliche Kindheit in Oldenburg und so ganz genau haben wir es nie erfahren, woher seine Liebe zum runden Leder eigentlich rührt. Oftmals, und immer mit einem Lachen verbunden, erzählte er von einem kurzen Ausflug als Aktiver auf dem Feld. Ein sehr kurzer Ausflug war das, der mit einem rüden Foul, einer roten Karte und der Verbannung aus der Mannschaft endete. Er wurde also schon in jungen Jahren zum Zuschauer und seine innere Unruhe ließ ihn irgendwann in einer Nacht und Nebelaktion mit dem Fahrrad von Oldenburg nach Meppen fahren. Nur weil er zuvor in der Zeitung von einem dort stattfindenden, interessanten, Spiel gelesen hatte. Nun schließen sich Meppen und interessante Spiele eigentlich aus, und es war auch nicht sein Fahrrad, mit dem er ausbüxte, sondern der väterliche Drahtesel. Man ahnt, dass das für den jungen Norbert einige Standpauken zur Folge hatte, denn schließlich machte man sich ja auch Sorgen um ihn.

Dem einzigen Versuch, auf dem sogenannten ersten Arbeitsmarkt Fuß zu fassen, stand seine ihm eigene Ehrlichkeit im Wege. Unsere Menschen, die wir betreuen, sagen/zeigen immer dass, was sie denken. Kein drumherum, sondern stets geradeaus. Eine schöne Eigenart! Möglicherweise stand seine Ehrlichkeit jedoch einer Ausbildung im Einzelhandel im Wege. Denn Norbert sagte den Kunden nicht nur, wo sie welche Lebensmittel in seinem Geschäft finden, sondern gab ihnen direkt noch mit auf dem Weg, wo sie selbiges Produkt günstiger kaufen können. Man ahnt erneut: Auch das hatte eines Tages Konsequenzen.

Norbert war passionierter Fan des BVB und stand viele Jahre auch bei der SG Gronau quasi als lebendes Maskottchen an der Bande. Er zeigte sehr viel Sympathie für Rot-Weiss Essen, und wusste über jedes Ergebnis Bescheid. Man bekam die Ergebnisse des Wochenendes als erste Botschaft zu Dienstbeginn mitgeteilt. Bei Niederlagen oftmals verbunden mit einem deftigen Kommentar. Und Norbert wusste um jede Lieblingsmannschaft seiner Mitmenschen. Der Postbote wurde mit „Auf die Gladbacher“ begrüßt, der Kollege mit „Auf die Bayern“, ein weiterer mit „Auf die Bielefelder“ und so weiter und so fort. Norbert begrüßte selbst Schalker auf das Herzlichste.

Solange es seine Gesundheit zuließ, ging Norbert auf dem Campus von Haus zu Haus um kurze Smalltaks zu halten. Meistens blieb es nur dabei, dass er langjährige Mitstreiter*innen aufsuchte, ihnen die Ergebnisse vom Wochenende um die Ohren knallte und mit einem „Lot Di watt“ weiterzog. Immer begleitet von einem Stoffbeutel oder einer Plastiktüte, die sein wahres Lebenselixier beinhaltete: Die Tageszeitung und die jeweilige Ausgabe des „Kicker“. Montag und Donnerstag waren seine Festtage. Er kam zur Ruhe, wenn er am Tisch sitzend die aktuellen Ausgaben durchblätterte und jedes Ergebnis aufsaugen konnte. Er kam aber überhaupt nicht zur Ruhe, wenn diese Routine durchbrochen wurde, da der Kicker aufgrund diverser Feiertage erst später erschien oder zu spät geliefert wurde. Da hatten wir dann manch Verbalscharmützel auszuhalten. Mittwoch gab es dann noch eine weitere Sportpublikation und natürlich musste auch jede Sonderausgabe zu großen Turnieren her. Ganz zu schweigen von dem Kicker zur neuen Saison.

Die Zerstückelung der Spieltage für traditionelle Fußballfans ein Ärgernis! Für Norbert und seine Tradition ein wahrer Segen. Denn nun gab es fast täglich Fußballspiele zu sehen, zu hören oder zu kommentieren. Selbst die fünfte Wiederholung eines Tores wurde noch lautstark in seinem Zimmer begleitet. Norbert kennt sie alle: Jeden Spieler aus vielen Epochen. Seine Art der Betrachtung und Erzählung zeitgleich zum sonntäglichen Doppelpass, und keiner würde mehr diese Sendung schauen.

Norbert war bollerig, bisweilen cholerisch. Konnte Menschen oft verbal vor den Kopf stossen. Zugleich sich aber auch grundehrlich dafür entschuldigen und hatte stets ein emphatisches Gespür für die Situation. Er wusste, ob es einem gut geht oder nicht. Er wusste um die fehlende Anerkennung in unserem Job und um die finanzielle Schraube der Eskalation im Fußball.

Sein letztes Spiel im Stadion war Rot-Weiss Essen – Alemannia Aachen. Und wie es seine Art war, hat er fast jeden Fan rund um uns herum persönlich begrüßt. Die anwesenden Frauen zudem mit seinem ihm ureigenen und charmanten Lächeln inklusive Phantasiebegrüßung irgendwo zwischen französisch und spanisch. Hauptsache es wird als Kompliment aufgefasst. Wir sind dann zur Halbzeit gefahren. Seine Art, die Dinge emotional aufzusaugen, hat ihn schon zur Halbzeit dermaßen erschöpft, so dass er auf der Rückfahrt tief und fest geschlafen hat. Aber, er hat noch Wochen von diesem Erlebnis gezehrt und davon berichtet.

Norbert wird fehlen. Er ist diese Art Mensch, welcher eine Lücke hinterlässt, die man eigentlich niemals schließen kann. Eine Lücke aber, die wir in unseren Herzen und in den lebhaften Erinnerungen mit vielen warmen Momenten füllen werden.

Nobby Du alter Haudegen, bring die Wolken mit Deinem niemals endenden Redebedarf auf Trab und denk weiter daran: Montag und Donnerstag kommt der Kicker. Hoffentlich auch als „Wolkenreader“. Und wenn wir am 5. Juni aufsteigen, trinke ich einen für Dich mit.

Es war mir eine große Ehre!

Relight „Mai“ Fire

Auch im Wonnemonat Mai ist immer noch nicht alles vorbei. Das kann man fast gar nicht fassen, dass es immer noch weiter geht mit unser aller Hoffnung, der Regionalliga endlich den Rücken zu kehren. Unverzüglich würde man das am liebsten tun. Das „Unverzüglich“ in der Regionalliga West unter seinem aktuellen Staffelleiter Wolfgang Jades jedoch anders zu bewerten ist als vielleicht noch 1989 durch Günter Schabowski, dass haben wir in den vergangenen Tagen lernen dürfen. „Gemach, gemach“ hier das Gebot der Stunde durch Wolfgang Jades. Wie dehnbar der Begriff „Unverzüglich“ nun tatsächlich umzusetzen ist, erlaubt er sich selbst zu definieren. Gut, dass Günter Schabowski dass nicht mehr miterleben muss. Zu gerne hätte er seine eigene Ratlosigkeit auf der legendären Pressekonferenz ebenfalls in selbstherrliche Chuzpe umgewandelt und den Mauerfall anderweitig terminiert.

In der Causa Dortmund und Corona blickt man ja so wirklich als Außenstehender nicht mehr durch. Und genau so soll es aus Sicht der dortigen Verantwortlichen wohl scheinbar auch sein. Aber auch hier, und noch einmal ganz deutlich für den missgelaunten Manager Ingo Preuß: Gute Besserung den erkrankten Spielern! Das steht über allem! Macht es in der Sache aber nicht besser, da man das Gefühl hat, in der Dortmunder Kommandozentrale werden einige Spieler zwischen den beiden Mannschaften hin- und hergeschoben, so dass es für kommende Zeitschienen passend gemacht wird. Ich glaube nicht, dass man freiwillig die Spielausfälle mit eingeplant hat, denn bei einem Erfolg in Rödinghausen und zeitgleicher Niederlage unserer Roten am Zoo wären sie dem Aufstieg dann doch ein gutes Stück näher gekommen. Man hat aber nun den Umstand genutzt, sich möglicherweise hintenraus einen (Kader-)Vorteil zu verschaffen. Es bleibt spannend und wir schauen mal, wie als Nächstes nun der Begriff „Saisonende“ durch Herrn Jades definiert wird.

Somit blieb es aus Essener Sicht bei einem relevanten Spiel an diesem Spieltag. Was sicher für die mittlerweile mehr als strapazierten Nerven nicht von Nachteil war. Zwei Spielen zeitgleich zu folgen, wenn schon das eigene von Woche zu Woche immer mehr überfordert, je näher es dem finalen Spieltag entgegengeht: Das kann doch keiner wollen. Der Hausarzt schon mal gar nicht.

Übrigens: In Zeiten von glattgebügelten Stadien ist das Stadion am Zoo zu Wuppertal trotz einiger Umbauten speziell auf der Gegengeraden immer noch ein herrliches Relikt aus vergangenen Zeiten und gehört auch dort eigentlich unter Denkmalschutz gestellt. Das fällt besonders auf, sind keine Zuschauer vor Ort. Die Anordnung der Blöcke, die nachträglich und schief angebrachten Sitzreihen unten. Die verwitterten und unbenutzten Stehränge über den noch nicht ganz verwitterten und benutzten Stehrängen. Diese Menge an unnützen Gittern….das alles hat durchaus Charme, muss ich zugeben. Den Blick darauf ermöglichte eine ziemlich interessante Kameraperspektive, die diesmal das Spielfeld raumgreifend zu erfassen wusste. Wähnte man sich in Straelen noch auf Höhe Grasnarbe, wurde man diesmal Teil der platzbeherrschenden Mannschaft aus Essen. Unbedingt in der ersten Halbzeit. In der zweiten Halbzeit hat sich dann der WSV daran erinnert, dass es für sie immer das Spiel des Jahres ist und entsprechend Druck gemacht.

Die Gefühlslage vor dem Monitor entsprechend: Vorher arg nervös wandelte sich die Gefühlslage in den ersten fünfundvierzig Minuten fast in Überheblichkeit ob der spielerischen Überlegenheit unserer Mannschaft. Und so ging man die zweite Halbzeit dann relativ entspannt an, um kurz darauf wieder hektisch mit dem Stuhl hin- und her zu rollen, unruhig auf den Schreibtisch zu klopfen und gelegentlich nicht mehr hinschauen zu können. Der Hund hatte sich schon zu Frauchen nach nebenan verzogen, das war ihm zuviel der Unruhe. Irgendwann fingen sich unsere Jungs wieder, machten es aber bis kurz vor Schluss spannend, ehe endlich das erlösende 2:0 fiel. Begleitet durch einen Freudenschrei, der nebenan fast Gattin vor Schreck vom Sofa plumpsen ließ. Blöd nur, dass zeitnah im Gegenzug der Tupperwaler Anschlusstreffer fiel. Atemlose Stille übernahm wieder bis zum erlösenden Abpfiff.

Also mal ganz ehrlich: Ich hatte heute eine Niederlage befürchtet und mich auf die genußvolle Aufarbeitung all derer gefreut, die uns nicht das Schwarze unter den Fingernägeln gönnen. Geschweige denn den Aufstieg. Die Mannschaft hat mich/uns einmal mehr des Besseren belehrt.

Das sind schon mentale „Monster“, die diese Saison in unseren Farben auflaufen. Es ist ja nicht nur das Theater aus Dortmund, was aktuell auf der Bühne Regionalliga gespielt wird. Es dürfte auch das Thema Kaderplanung kommende Saison sein, was die Spieler beschäftigt. Es geht schließlich um nichts anderes als ihre berufliche Zukunft. Dann diese immer gern zur Unzeit gestreuten Spitzen aus dem Hause RS. Vor allem aber die Erwartungshaltung von uns vielen zigtausenden RWE-Fans, dass jedes, aber wirklich jedes Spiel gewonnen werden muss! Am liebsten mit 8:0. Daran sind schon viele gute Mannschaften zerbrochen. Unsere hingegen macht unverdrossen weiter. Und nach so einer Woche unter Hinzunahme unserer absolut bescheidenen Bilanz in Wuppertal ist ein 2:1 Erfolg dort allererste Sahne. Was da spielerisch auf den Platz gebracht wurde, vor allem in der ersten Halbzeit, dass war beeindruckend. Genauso aber auch der leidenschaftliche und vereinte Abwehrkampf, als man zwischenzeitlich, und wie erwähnt, unter Druck geriet.

Da ist der gelegentliche Verweis in den Kommentaren auf das Verpassen eines höheren Sieges fast schon anmaßend, auch wenn die Chancen dafür natürlich da waren. Scheinbar sind wir von den Heimspielen schon zu sehr verwöhnt und erwarten mittlerweile immer mindestens eine „quattro stagioni“. Außerdem könnte man so langsam damit aufhören, immer auf das Doppelpack Ahlen & Oberhausen zu verweisen. Man kann es nicht mehr ändern. Das Ahlen Spiel war der nicht erklärbare Auftritt einer Mannschaft, wie ihn wohl jede Sportmannschaft einmal in einer Saison erlebt. Außer man kommt aus Gelsenkirchen, da haste diese Grütze Woche für Woche.

Ahlen war schlecht, aber die Lehren aus Ahlen waren dafür umso besser. Da hat sich eine Mannschaft selbst aus dem vielzitierten Sumpf gezogen und direkt wieder zu dieser Mannschaft „geschüttelt“, die uns auch in Wuppertal einen weiteren Auswärtssieg beschert hat. Last uns nicht mehr auf diesem Spiel herumreiten. Wir erleben die beste Mannschaft seit vielen Jahren, den besten Fußball seit noch viel mehr Jahren. Und wir werden aufsteigen.

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