Schlagwort-Archiv: Rödinghausen

Love Will Keep Us Alive!

Während meiner kurzen Karriere als Jugendkicker war ich definitiv ein Unterschiedsspieler: Es machte überhaupt keinen Unterschied, ob ich mitspielte, oder eben nicht. Vielleicht auch das ein Grund für mein recht kurzes Leben als aktiver Fußballer.

Oguzhan Kefkir indes scheint aktuell einer dieser Unterschiedsspieler zu sein, für den diese relativ neue Fußballbegrifflichkeit erfunden wurde. Eingewechselt zur zweiten Halbzeit im Spiel beim SV Rödinghausen, gelang ihm direkt eine Minute später das so wichtige Tor zum Ausgleich und anschließendem Endstand. Der in der ersten Halbzeit noch fehlende Zug zum Tor war spürbar geworden, sorgte auch im weiteren Verlauf des Spiels noch für Torchancen, die in der ersten Hälfte noch Mangelware waren. Das natürlich ein Verdienst aller auf dem Feld befindlichen Rot-Weissen, ohne Frage. Es ist schön, dass wir eine richtige Mannschaft haben!

Zwar hatte unser aller RWE auch in der ersten Hälfte spielbestimmende Phasen, diese beschränkten sich aber ungefähr auf die ersten Minuten nach Anpfiff und die letzten vor dem Pausenpfiff. In der Zwischenzeit machte der SV Rödinghausen unseren Spielern das Leben auf dem Feld vermehrt richtig schwer und ungemütlich. Versäumte es glücklicherweise seinerseits jedoch, dem Führungstreffer in der 25. Minute ein weiteres Tor folgen zu lassen. Und dann war da ja auch noch ein Unparteiischer, welcher unseren Farben das Spielen bisweilen schwer machte. Gingen die Küchenjungs auf dem Feld doch recht robust zur Sache. Wir können froh sein, dass das Verletzungspech der letzten Jahre nicht direkt wieder zuschlug. Nee, das war schon recht aufreibend und untermauert die These der vergangenen Woche, dass der RWE keinesfalls die alles beherrschende Mannschaft der Liga sein wird.

Aber der RWE unterscheidet sich in dieser Saison trotzdem von dem der Vorjahre: Ein Rückstand ist keine Katastrophe mehr, sondern ein temporärer Zustand, der sich mit Ruhe und Vertrauen im Verlaufe des Spiels noch umwandeln lässt. Das alleine schon ein Mehrwert im Vergleich zu den vergangenen Jahren. Und doch wäre es natürlich erstrebenswert, seinerseits vermehrt in Führung zu gehen, diese auszubauen und gewinnbringend über die Zeit zu bringen. Ich könnte mir vorstellen, dass steht auch ganz oben auf der Agenda von Mannschaft und Trainerstab. Das Unentschieden unter dem Strich ein gerechtes Ergebnis.

Was nun auf der Agenda einer Zeitung stand, die vermehrt über den SV Rödinghausen berichtet, bleibt zumindest bezüglich der Vorberichterstattung ihr Geheimnis. Schlagzeilenträchtig wurde dort von Ausschreitungen geschrieben, die zu befürchten stünden, da möglicherweise der ein oder andere Fan des RWE ohne Karte anzureisen gedenkt. Die Verbindung „ohne Karte gleich Randale“ schon recht abenteuerlich, wurde unser Vereinskürzel wie ein roter Faden mehrfach falsch geschrieben. Ist das dann Nachlässigkeit? Provokation? Man weiss es nicht, aber der Anhang des „EWE“ hat sich allen Vorhersagen zum Trotze auf jeden Fall als guter Gast erwiesen. Im unsäglichen „Gästeblock“ wurde tapfer ausgeharrt und gesungen, auf der Tribüne bunt gemischt gefachsimpelt.

Dass der Sportplatz nun bei weitem nicht ausverkauft war, wurde wohl gerne in Kauf genommen. Schade eigentlich, denn wie sagte doch der Kommentator von Sporttotal: „Essen is everywhere“. Wer kann dem schon Wiedersprechen?

Den Platz an der Sonne hat man zwei Tage später trotzdem an eben jenen SV Rödinghausen abgeben müssen, der die (aufgrund der Teilnahme am DFB Pokal) verlegte Begegnung bei den Bergischen Gladbachern mal eben mit 4:0 für sich entscheiden konnte. Und dann wäre ja auch noch der Wuppertaler SV, der sich bislang komplett schadlos halten und sowohl uns als auch die Küchenjungs überholen könnte. Sofern im vierten Spiel der vierte Sieg gelingt. Also mit Familie Häcker und ihren Angestellten in Stutzen hatte ich definitiv gerechnet. Oberhausen und Aachen werden kommen, die Tante Lotte vielleicht auch noch. Aber dem WSV habe ich einen solch Start nicht zugetraut, nach all den finanziellen und personellen Turbulenzen. Da war doch alles ebenso im Tal, wie die geographische Lage. Die nächstens Wochen werden dermaßen spannend, man sollte ins Stadion gehen.

Leider nicht mehr in das Stadion gehen können diejenigen, die schon von uns gegangen sind. Aber sie können ab sofort unter Gleichgesinnten weiterleben. Das könnten sie sicher auch auf jedem Friedhof dieser Stadt; auf dem evangelischen Matthäusfriedhof in Essen-Borbeck jedoch können sie dies nun als Art postmortaler Fanclub. Im Schatten der Grabstätte der Familie Melches können zunächst bis zu achtzig Rot-Weisse ihre letzte Ruhe im Kreise von Gleichgesinnten finden. Unter Tage in Urnen und Särgen. Über Tage sorgen Devotionalien aus dem Georg Melches Stadion weiter für das  Gefühl, welches die Hinterbliebenen bestenfalls weiterleben. Vielleicht mag es für Außenstehende ein wenig befremdlich wirken. Aber, ich finde es eine wunderschöne Geste der Verquickung zwischen Leben und Tod. Rot-Weiss Essen gehört zu unserem Leben. Also gehört Rot-Weiss Essen auch nach diesem Leben weiter zu den Menschen, die sich für diesen Bereich auf dem Matthäusfriedhof als Ort für das Leben danach entscheiden. Mögen sie sich aufgrund der sportlichen Ergebnisse nicht zu oft im Grabe umdrehen.

Am morgigen Freitag nun das erste Flutlichtspiel in der Liga, zudem noch gegen einen Nachbarn und Sammelbecken ehemaliger Essener Spieler. Die irgendwie doch sympathische SG Wattenscheid stellt sich einmal mehr an der Hafenstraße vor. Die Berichterstattung über die Lohrheidekicker teilt sich in zehn Fällen aktuell wie folgt auf: Eine Prise Sportliches wird umgeben  von acht Anteilen Finanznot mit einem Hauch von Peter. Dennoch sollte man diese Mannschaft niemals unterschätzen. Gerade mit den vielen Ehemaligen. Und selbst nicht bei einer komfortablen Führung in der Schlussphase…..

Aber, auch wir haben morgen unseren aktuellen Spielern etwas besonders zu bieten: Die Hafenstraße unter Flutlicht! „Fußball Hafenstraße Flutlicht“, das ist das FHF für die ganz besonderen Momente. Für das Flair, welches mittels Beleuchtung alles auf das Spielfeld fokussiert. Alles den Tacken intensiver und lauter erscheinen lässt.  Die neunzig Minuten für das schöne Wochenende. Unsere Spieler werden hoffentlich ein Spiel und eine Atmosphäre erleben, welches ihr Gefühl, sich für den richtigen Verein entschieden zu haben, noch einmal bestärken wird. Vielleicht sogar wieder vor fünfstelliger Kulisse, neigen sich die Ferien dem Ende entgegen und gilt doch für die Allermeisten: Hebt die Hände, hisst die Fahnen…Wochenende (Na ja, so ähnlich halt).

Freitag, 23.08.2019, 19:30 Uhr: Rot-Weiss Essen – SG Wattenscheid 09. Hafenstraße! 

 

New York – Rio – Tokyo ? Köln – Rödinghausen!

Alle Achtung. Oder besser: Alle Neune! Unser aller RWE hat aus den ersten drei Saisonspielen das Optimum an Punkten herausgespielt und war in jedem dieser Spiele jeweils um ein Tor besser als der Gegner. Das klingt zunächst erst einmal sehr effizient. Zum anderen aber auch nach richtig harter, schwerer Arbeit, die es tatsächlich auch war. Der RWE dieser Saison vermag aufgrund der personellen Neuausrichtung aktuell sicher zum Favoritenkreis auf den Relegationsplatz (Meister müssen aufsteigen!) gehören, aber er wird definitiv nicht die Liga in Grund und Boden spielen.

Geduld ist angesagt. Geduld und fortwährende Unterstützung, gepaart mit nimmermüden Glauben daran, dass es nach vielen Jahren sportlicher Tristesse wirklich einmal eine Saison werden kann, die das lange vermisste Miteinander zwischen Verein, Fans und Mannschaft wieder aufleben lässt; als Fundament für sportliche Zukunft dienen kann. Von dem bekannten Kinderbuchautor Janosch stammt wohl jener Satz, der vielleicht das Leben der RWE Fans in der letzten Dekade recht trefflich beschreibt: „Das Glück liegt in der Ferne“ sagte der Esel, „und die Ferne ist immer dort, wo man gerade nicht ist“. Wir waren vergangene Saison schon mal kurz davor, uns aufzumachen. Wollten die Ferne heranzoomen. Doch dann wurde aus dem Zoomobjektiv schnell wieder eine Festbrennweite. Wir kamen nicht näher heran!

Gegen die hochgehandelten Kölner Zweitprofis gab es wie schon gegen den BVB das entscheidende Tor erst in der Schlussminute. Tore für den RWE in den letzten Zügen eines Fußballspiels….das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen und genießen: Welch ein süßer Abgang. Ganz anders als der bittere Stoff der Gegentore in selbem Zeitraum. Siegtore fast mit dem Abpfiff, das sorgt für turbulente Szenen auf den Tribünen, für Stauderdusche, dem temporären Verlust der angestammten Stehtraverse und manch fremden Fan in den Armen. Das sorgt für Glücksgefühle und ein „Adiole“, welches in punkto Lautstärke das Ordnungsamt auf den Plan hätte rufen müssen.

Auf den Plan gerufen hat de facto unsere Mannschaft auch ihren Trainer. Und zwar in seiner Aufgabe als „Ordnungsamt“ dieser. In der ersten Halbzeit wurde nicht so wirklich die Ordnung eingehalten, jene welche von Trainerseite vorgegeben wurde. Zudem waren die kleinen Geißböcke extrem bockig. Wie dem auch sei: Das Trainerteam hat erkannt, dass da etwas nicht rund lief in der eigenen Mannschaft und hat, wie branchenüblich, nicht bis ca. zur fünfundsiebzigsten Minuten gewartet, um die erste Auswechslung vorzunehmen, sondern tat dieses unter dem Raunen des Publikums bereits nach zweiunddreißig und sechsunddreißig Minuten.

Dass es sogar den Kapitän der Hafenstraße traf (mit Gelb vorbelastet), sollte nicht überbewertet werden, auch wenn es in mancher Mannschaft der Fußballgeschichte sicher einer Majestätsbeleidigung gleichen würde, müsste der Mann mit der Binde noch in der ersten Halbzeit vom Feld. Es zeigt unter dem Strich nichts anderes, als dass Christian Titz als Hauptverantwortlicher im Sinne der Mannschaft/des Erfolgs handelt. Und zu dieser Mannschaft zählen eben mehr als die ersten Elf der Anfangsminute. Es zählt jeder dazu. Jeder! Schöner Gedanke eigentlich, ein Fußballspiel recht früh neu zu gestalten, anstatt erst gegen Ende mit Umstellungen zu beginnen. Spitzenreiter. Ist das schön!

Heute dann wieder nach Rödinghausen. Des Essener weiteste Auswärtsfahrt, welche das Fußballspiel zudem nur unter erschwerten Bedingungen betrachten und erleben lässt. Als wäre der Gegner aus Rödinghausen an sich nicht schon auf dem Feld ein gar Unangenehmer und uns in den direkten Duellen um einige Punkte voraus, so wird zudem von Seiten des Gastgebers auch richtig viel unternommen, um möglichst wenig Fans des RWE an heimischer Stätte zu empfangen. So fühlt es sich auf jeden Fall an.

Der längsseitige Gästebereich für den stehenden Rot-Weissen, welcher es sich auf ca. 100 Metern Länge auf bis zu drei Stufen und hinter armdicken Gitterstäben gemütlich machen darf, ist ausverkauft, so dass es dort vor Ort keine Karten mehr geben wird. Unglaublich, was heutzutage alles von den Verbänden als Zuschauerbereich durchgewunken wird, passt es nur annähernd ins Schema. Auf jeder Eintrittskarte für diesen Verschlag müsste der Vermerk „Sichtbehinderung“ stehen und entsprechenden Nachlass nach sich ziehen.

Dass wir auf der Tribüne nicht erwünscht sind, hat man uns ja zudem online recht perfide spüren lassen: Die Essener Postleitzahlen wurden direkt mal geblockt (Ist das eigentlich rechtens, da es an Diskriminierung grenzt?) und im Nachgang weitere Bereiche mit der Vier vorneweg, als es Bestellungen gab, die der SV Rödinghausen wohl nicht mehr seinen Amigos zuordnen konnte. Als es den Küchenplanern dann wohl zu bunt, beziehungsweise zu Rot-Weiss wurde, stampfte man den Onlineverkauf kurzerhand ein. So geht das heute.

Gestern dann entsprechend zum Thema ein Online Artikel der Neuen Westfälischen. Hier werden ohne Karte anreisende Fans direkt mit Randale und Ausschreitungen in Verbindung gebracht. Auf die Idee, dass man vielleicht auch noch guter Hoffnung ist, eine Karte für das Spiel seines RWE zu ergattern, kommt man erst gar nicht. Verkauft sich ja als Schlagzeile auch nicht wirklich gut. Randale macht Quote, man muss sich ja langsam aber sicher den Kommentarspalten anpassen. Wie dem auch sei, jener Artikel  steigert sich in in seiner Dummsinnspirale gegen Ende geradezu ekstatisch, wenn aus unser aller RWE ein uns unbekannter EWE wird. Und das nicht nur einmal. Gnadenlos ziehen die beiden Lokalreporter dieses EWE Dingen durch. Ein Hoch auf das Lektorat!

Das schönste Zitat jener knallharten Recherche: „Die Polizei Herford rechnet am Samstag mit einem hohen Ausschreitungs-Potential auf Seiten der Essener Fans“. Ist das die Begründung, um direkt eine Hundertschaft einzusetzen, oder fusst diese Vermutung auf inhaltlich knallharten Fakten? Gegen wen sollte sich die latent durchaus vorhandene Gewaltbereitschaft des Essener Anhangs heute richten? Herrgott von Bentheim, schafft ordentliche Bedingungen für Auswärtsfans, und solche reisserischen Artikel können uns in Zukunft erspart bleiben. Ich sehe es doch schon kommen: Einem Essener sitzt ein Pups quer, und direkt wird dann ein Böller raus gemacht. Was am besten hilft: Einfach locker durch den Schlüpper atmen. Auf allen Seiten.

Ach klar, gespielt wird ja auch noch. Es wird ein gutes Spiel werden und 1:2 für unseren RWE ausgehen. Wir sind nach dem letzten Gewinn des Zwiebelpokals einfach mal wieder dran. Das entscheidende Tor für unseren RWE in der Nachspielzeit fällt in jener und durch einen unserer Spieler. Da lege ich mich mal fest. Der Rest wird Jubel sein.

 

 

 

 

 

Die Hitze der Nacht.

Ich weiss gerade gar nicht, warum ich so fröhlich gestimmt bin: Es fehlt an Regen und es fehlt an Miteinander. So im Umgang. Alles viel zu erhitzt. Chefredakteure jeglicher Couleur drehen in den sozialen Medien am Rad; wollen mit aller Macht ihre Meinung  durchpeitschen. Ein Land stöhnt in der Hitze unter sozialer Kälte und bekommt die Klimaanlage diesbezüglich irgendwie nicht mehr auf Normaltemperatur geregelt. Und doch pfeife ich ganz ungewohnt vor Saisonbeginn gar fröhlich vor mich hin. Nicht, dass mich das Große und Ganze nicht bewegt, verärgert und einfach nur noch nervt. Aber, ich breche es einfach mal herunter auf Fußball und auf Rot-Weiss Essen. Das ist wenigstens meine konstante Größe, an der ich mich abarbeiten kann.

Und was soll ich sagen: Ich war lange Jahre nicht mehr so voller Vorfreude. Vielleicht auch nur Folge des Entsetzens über das aktuelle Hauen und Stechen auf höherer Ebene. Führt es einen doch noch viel mehr zu seinem Verein und möchte diesen in den Arm nehmen. Und von ihm in den Arm genommen werden. Scheinbar passiert unbewusst aktuell genau das: Aufbruchstimmung an der Hafenstraße. Die Ruhrpottbanausen im Schlabberlook auf dem Weg nach Rödinghausen. Der Stimmungsboykott somit Geschichte; Stimmung kann nun wieder Geschichten schreiben. Leider ist dieser Gatterverschlag in Rödinghausen nicht wirklich dazu geeignet. Ein „Fanblock“, der jegliche Fanrechte mit Füßen tritt und homogene Stimmung bereits im Keime zu ersticken vermag. Aber, wir können uns die Stadien der Ligagegner nicht aussuchen und sehen wir auch dieses positiv: Ab dem zweiten Spieltag gestalten sich die Bedingungen bisweilen auswärts etwas besser.

Jetzt weiss ich aber immer noch nicht, warum dieser Optimismus andauernd aufkeimt und eigentlich am liebsten wieder verdrängt werden möchte. So viel hat sich ja nun auch wieder nicht verändert; was auch gut so ist. Aber, vielleicht ist es einfach mal wieder Zeit für diese eine geile Saison, die man als Mannschaft nur alle zehn Jahre spielt. In welcher alles passt. Und wer hätte diese eine Saison nicht mehr verdient als wir? Wir, die wir von so vielen höherklassig gewünscht werden. Außer, wir kommen dann wirklich zu Besuch. Danach will man uns dann doch nicht mehr. Nur weil wir Schmuddelkinder sind. Ach, wir sind so vieles. Aber zuallererst sind wir Rot-Weiss Essen. Und wir versuchen es einmal mehr. Vielleicht aber diesmal gegen den bundesweiten Trend: Wir versuchen es Miteinander. Gegeneinander hatten wir schon zu oft.

Samstag also Auswärts in Rödinghausen. Und das Angebot des dortigen SVR, die Wasserpreise erheblich zu senken, sollte man dankbar annehmen. Wasser für einen Euro! Eine schöne Aktion wie ich finde. So könnte man auch gut in das Spiel hineinfinden: Ein Stauder im Bus, ein Wasser hinterm Zaun, ein Stauder zur Halbzeit, ein Wasser hinterm Zaun usw…. Listen and repeat. Die Mannschaft des SV Rödinghausen wurde auch schon mal höher eingeschätzt, als es zu dieser Saison der Fall ist. Die örtlichen Küchenbauer investieren zwar weiter fleißig in den Verein, ohne aber in viktorianische Gefilde vorzustoßen. Das macht die Sache für das Spiel am Samstag natürlich nicht einfacher. Zwiebelpokalsieger wird man auch nicht einfach so; also muss sich unser RWE gehörig anstrengen und immer auch die Sonne im Blick haben. Denn am Ende entscheiden bei Tropenkicks möglicherweise eher die Kräfte anstatt die Qualität.

Wie dem auch sei: Wir werden gewinnen. Ich weiss das. Und auch gegen Wuppertal werden wir gewinnen. Und wir werden dort endlich mal wieder eine Hafenstraße erleben, wie sie im Buche steht.

Nur der RWE.  Auf eine tolle Saison. Auf ein gutes Miteinander.

Hyper Hyper

Welch gruseliger Song. Aber die Kernaussage dieses ansonsten nichts aussagenden Stückes dürfen wir gerne teilen. Zwei gewonnene Spiele nacheinander sorgen für ein hormonelles „Hyper Hyper“ in der großen Fangemeinde. Sechs Punkte, welche den Sprung auf Platz Vier zur Folge hatten. Zudem zu Null gespielt, einem wirklich starken „Schnapper“ sei Dank.

Die anderen vor ihm gingen mit solch großer Leidenschaft zu Werke, dass selbst der eigener Mitspieler keine Gnade, sondern Stollen erfuhr. Scheinbar findet der RWE nun über den Kampf zum Spiel. Ein Spiel, welches weiterhin eher von erfolgreichen Einzelaktionen, denn von flüssigem Kombinationsfußball lebt. Aber, es tut sich was. Und aus einer sich stetig stabilisierenden Abwehr heraus lässt es sich vielleicht auch bald schon sicherer kombinieren. Wille und Leidenschaft versetzen zudem manch Bodenwelle.

Ein Dreier als Balsam für die Seele aller und Bestätigung für die vielen Montagsfahrer. Rödinghausen also. Der dortige Sportverein hat einen steilen Aufstieg und die örtliche Finanzprominenz hinter sich. Das „Navi“ hatte auch richtig Freude, lotste rund um Rödinghausen, auf Waldwegen herum, hinein und Richtung Stadion, so dass Walter Röhrl vor Freude gejuchzt hätte. Aber, ist ein Stadion mit nur einer Tribüne überhaupt ein Stadion? Vorab: Die Kontakte mit den Vereinsvertretern vor dem Spiel und am Spieltag selbst, gestalteten sich sehr sympathisch. Alle entspannt, hilfsbereit und mit Freude! Herzlichen Dank dafür.

Nicht ganz so entspannt wirkten dafür diverse Vertreter diverser Sicherheitsdienste mit diversen Kommunikationsmöglichkeiten. Diese operative Hektik fällt immer wieder auf. Ein gut geschulter Sicherheitsmitarbeiter zeigt sich für mich dadurch, indem er sich gar nicht zeigt. Einzumischen galt es spätestens an der Wurstbude: Zwei nette Bedienungen mit großen, verschreckten Augen ließen sich von einem uniformierten Schutzpolizisten eine Räuberpistole unterjubeln: Es würde bestimmt noch Randale geben, so seine Theorie. Die Augen der Damen größer, die Brust des Staatsdiener hörbar breiter. „Mooomentchen Mal“, schlug nun die eigene Stunde in bester Werbemanier: „Wir tun nichts, wir wollen nur gewinnen“.

Aber zurück zum Stadion: Wer sich solch Tribüne baut, der plant definitiv für höhere Aufgaben, daran kann auch der bescheidene Artikel in der NOZ von heute nichts ändern. Nicht die Kapazität deutet darauf hin, sondern die Funktionsräume und Nutzungsmöglichkeiten einer Tribüne; Alles sehr hochwertig und sauber, es gab gar Lasagne. Keine Tribüne also, die den Fußball allein befriedigt. Die Hintertorwerbebande, uns allen aus Lotte bekannt, gleich in doppelter Ausführung. Was jedoch zur Beruhigung der Auflagen als richtiger Affront gegen den gemeinen Fußballfan gedeutet werden kann, ist der sogenannte Gästeblock: Drei Stufen „Brett trifft Stahlrohr“ hinter Gittern so dick, welche die Sicht eher behindern denn zulassen. Gitter für Vieh, nicht für Fans.

Und so standen dann die vielen Essener Fans langgezogen und sichtbehindert. Später auch noch nass bis auf die Haut. Und ja, es gab auch etwas Rauch. Klar, ohne Rauch gehts auch, aber es war nichts wirklich dramatisches, zudem kontrolliert. Daher kam die plötzliche Spielunterbrechung etwas überraschend. Aber wenn die Vorgaben so sind, dann sind die Vorgaben halt so. Und das Spiel hatte endlich seinen Skandal für die Nachberichterstattung. Zum Glück hat sich die eigene Mannschaft dadurch nicht aus dem Rhythmus bringen lassen. Ein 1:0 Erfolg nach Spielabbruch in eine 0:3 Niederlage umgewandelt, ich glaube der Alptraum eines jeden Fans. Für mich bleibt die Unterstützung durch die Fans haften. Emotionen.

So kommt es nach Spielende zu der Erkenntnis, dass uns die Mannschaft vielleicht doch noch mitnimmt auf eine rasante Fahrt durch eine Saison, welche wir schon abstempeln wollten. Und den SV Rödinghausen ? Diesen Verein werden wir in einigen Jahren wohl im Profifußball erleben. Dann hoffentlich auch mit angemessenem Gästeblock.