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Die Hitze der Nacht.

Ich weiss gerade gar nicht, warum ich so fröhlich gestimmt bin: Es fehlt an Regen und es fehlt an Miteinander. So im Umgang. Alles viel zu erhitzt. Chefredakteure jeglicher Couleur drehen in den sozialen Medien am Rad; wollen mit aller Macht ihre Meinung  durchpeitschen. Ein Land stöhnt in der Hitze unter sozialer Kälte und bekommt die Klimaanlage diesbezüglich irgendwie nicht mehr auf Normaltemperatur geregelt. Und doch pfeife ich ganz ungewohnt vor Saisonbeginn gar fröhlich vor mich hin. Nicht, dass mich das Große und Ganze nicht bewegt, verärgert und einfach nur noch nervt. Aber, ich breche es einfach mal herunter auf Fußball und auf Rot-Weiss Essen. Das ist wenigstens meine konstante Größe, an der ich mich abarbeiten kann.

Und was soll ich sagen: Ich war lange Jahre nicht mehr so voller Vorfreude. Vielleicht auch nur Folge des Entsetzens über das aktuelle Hauen und Stechen auf höherer Ebene. Führt es einen doch noch viel mehr zu seinem Verein und möchte diesen in den Arm nehmen. Und von ihm in den Arm genommen werden. Scheinbar passiert unbewusst aktuell genau das: Aufbruchstimmung an der Hafenstraße. Die Ruhrpottbanausen im Schlabberlook auf dem Weg nach Rödinghausen. Der Stimmungsboykott somit Geschichte; Stimmung kann nun wieder Geschichten schreiben. Leider ist dieser Gatterverschlag in Rödinghausen nicht wirklich dazu geeignet. Ein „Fanblock“, der jegliche Fanrechte mit Füßen tritt und homogene Stimmung bereits im Keime zu ersticken vermag. Aber, wir können uns die Stadien der Ligagegner nicht aussuchen und sehen wir auch dieses positiv: Ab dem zweiten Spieltag gestalten sich die Bedingungen bisweilen auswärts etwas besser.

Jetzt weiss ich aber immer noch nicht, warum dieser Optimismus andauernd aufkeimt und eigentlich am liebsten wieder verdrängt werden möchte. So viel hat sich ja nun auch wieder nicht verändert; was auch gut so ist. Aber, vielleicht ist es einfach mal wieder Zeit für diese eine geile Saison, die man als Mannschaft nur alle zehn Jahre spielt. In welcher alles passt. Und wer hätte diese eine Saison nicht mehr verdient als wir? Wir, die wir von so vielen höherklassig gewünscht werden. Außer, wir kommen dann wirklich zu Besuch. Danach will man uns dann doch nicht mehr. Nur weil wir Schmuddelkinder sind. Ach, wir sind so vieles. Aber zuallererst sind wir Rot-Weiss Essen. Und wir versuchen es einmal mehr. Vielleicht aber diesmal gegen den bundesweiten Trend: Wir versuchen es Miteinander. Gegeneinander hatten wir schon zu oft.

Samstag also Auswärts in Rödinghausen. Und das Angebot des dortigen SVR, die Wasserpreise erheblich zu senken, sollte man dankbar annehmen. Wasser für einen Euro! Eine schöne Aktion wie ich finde. So könnte man auch gut in das Spiel hineinfinden: Ein Stauder im Bus, ein Wasser hinterm Zaun, ein Stauder zur Halbzeit, ein Wasser hinterm Zaun usw…. Listen and repeat. Die Mannschaft des SV Rödinghausen wurde auch schon mal höher eingeschätzt, als es zu dieser Saison der Fall ist. Die örtlichen Küchenbauer investieren zwar weiter fleißig in den Verein, ohne aber in viktorianische Gefilde vorzustoßen. Das macht die Sache für das Spiel am Samstag natürlich nicht einfacher. Zwiebelpokalsieger wird man auch nicht einfach so; also muss sich unser RWE gehörig anstrengen und immer auch die Sonne im Blick haben. Denn am Ende entscheiden bei Tropenkicks möglicherweise eher die Kräfte anstatt die Qualität.

Wie dem auch sei: Wir werden gewinnen. Ich weiss das. Und auch gegen Wuppertal werden wir gewinnen. Und wir werden dort endlich mal wieder eine Hafenstraße erleben, wie sie im Buche steht.

Nur der RWE.  Auf eine tolle Saison. Auf ein gutes Miteinander.

Hyper Hyper

Welch gruseliger Song. Aber die Kernaussage dieses ansonsten nichts aussagenden Stückes dürfen wir gerne teilen. Zwei gewonnene Spiele nacheinander sorgen für ein hormonelles „Hyper Hyper“ in der großen Fangemeinde. Sechs Punkte, welche den Sprung auf Platz Vier zur Folge hatten. Zudem zu Null gespielt, einem wirklich starken „Schnapper“ sei Dank.

Die anderen vor ihm gingen mit solch großer Leidenschaft zu Werke, dass selbst der eigener Mitspieler keine Gnade, sondern Stollen erfuhr. Scheinbar findet der RWE nun über den Kampf zum Spiel. Ein Spiel, welches weiterhin eher von erfolgreichen Einzelaktionen, denn von flüssigem Kombinationsfußball lebt. Aber, es tut sich was. Und aus einer sich stetig stabilisierenden Abwehr heraus lässt es sich vielleicht auch bald schon sicherer kombinieren. Wille und Leidenschaft versetzen zudem manch Bodenwelle.

Ein Dreier als Balsam für die Seele aller und Bestätigung für die vielen Montagsfahrer. Rödinghausen also. Der dortige Sportverein hat einen steilen Aufstieg und die örtliche Finanzprominenz hinter sich. Das „Navi“ hatte auch richtig Freude, lotste rund um Rödinghausen, auf Waldwegen herum, hinein und Richtung Stadion, so dass Walter Röhrl vor Freude gejuchzt hätte. Aber, ist ein Stadion mit nur einer Tribüne überhaupt ein Stadion? Vorab: Die Kontakte mit den Vereinsvertretern vor dem Spiel und am Spieltag selbst, gestalteten sich sehr sympathisch. Alle entspannt, hilfsbereit und mit Freude! Herzlichen Dank dafür.

Nicht ganz so entspannt wirkten dafür diverse Vertreter diverser Sicherheitsdienste mit diversen Kommunikationsmöglichkeiten. Diese operative Hektik fällt immer wieder auf. Ein gut geschulter Sicherheitsmitarbeiter zeigt sich für mich dadurch, indem er sich gar nicht zeigt. Einzumischen galt es spätestens an der Wurstbude: Zwei nette Bedienungen mit großen, verschreckten Augen ließen sich von einem uniformierten Schutzpolizisten eine Räuberpistole unterjubeln: Es würde bestimmt noch Randale geben, so seine Theorie. Die Augen der Damen größer, die Brust des Staatsdiener hörbar breiter. „Mooomentchen Mal“, schlug nun die eigene Stunde in bester Werbemanier: „Wir tun nichts, wir wollen nur gewinnen“.

Aber zurück zum Stadion: Wer sich solch Tribüne baut, der plant definitiv für höhere Aufgaben, daran kann auch der bescheidene Artikel in der NOZ von heute nichts ändern. Nicht die Kapazität deutet darauf hin, sondern die Funktionsräume und Nutzungsmöglichkeiten einer Tribüne; Alles sehr hochwertig und sauber, es gab gar Lasagne. Keine Tribüne also, die den Fußball allein befriedigt. Die Hintertorwerbebande, uns allen aus Lotte bekannt, gleich in doppelter Ausführung. Was jedoch zur Beruhigung der Auflagen als richtiger Affront gegen den gemeinen Fußballfan gedeutet werden kann, ist der sogenannte Gästeblock: Drei Stufen „Brett trifft Stahlrohr“ hinter Gittern so dick, welche die Sicht eher behindern denn zulassen. Gitter für Vieh, nicht für Fans.

Und so standen dann die vielen Essener Fans langgezogen und sichtbehindert. Später auch noch nass bis auf die Haut. Und ja, es gab auch etwas Rauch. Klar, ohne Rauch gehts auch, aber es war nichts wirklich dramatisches, zudem kontrolliert. Daher kam die plötzliche Spielunterbrechung etwas überraschend. Aber wenn die Vorgaben so sind, dann sind die Vorgaben halt so. Und das Spiel hatte endlich seinen Skandal für die Nachberichterstattung. Zum Glück hat sich die eigene Mannschaft dadurch nicht aus dem Rhythmus bringen lassen. Ein 1:0 Erfolg nach Spielabbruch in eine 0:3 Niederlage umgewandelt, ich glaube der Alptraum eines jeden Fans. Für mich bleibt die Unterstützung durch die Fans haften. Emotionen.

So kommt es nach Spielende zu der Erkenntnis, dass uns die Mannschaft vielleicht doch noch mitnimmt auf eine rasante Fahrt durch eine Saison, welche wir schon abstempeln wollten. Und den SV Rödinghausen ? Diesen Verein werden wir in einigen Jahren wohl im Profifußball erleben. Dann hoffentlich auch mit angemessenem Gästeblock.