Kategorie-Archiv: Regionalliga West

Scherenschnitt

Hans-Joachim Watzke möchte nicht so enden wie unser aller RWE, und muss daher mit dem BVB immer den Sprung auf monetäre und globale Züge schaffen. Egal in welche Richtung diese auch fahren; Thomas Müller beklagt sich zurecht über aufgeblähte Qualifikationsrunden zu immer mehr aufgeblähten Turnieren bei Gegnern, die immer öfter nur noch sportliche „Opfer“ sind. San Marino jedoch kontert mindestens und wohl noch mehr zurecht, dass auch die Großen die Kleinen brauchen. Um geerdet zu werden und da sich im kleinen eben jene Seele des Spiels wiederfindet, die die Großen vor lauter Geldgier gegen ein Fußballherz aus Beton eingetauscht haben. Und wenn die Großen nicht mehr gegen die Kleinen antreten wollen, woher bekommen wir dann in Zukunft noch den Stoff für jene Fußballgeschichten, über die noch in zig Jahren geredet wird und die wir so lieben? Das sind doch die Begegnungen Groß gegen Klein, aber wohl kaum ein Spiel aus einer wie auch immer gearteten Setzlisten Liga.

Das klassische Derby Chemie gegen Lok weckt selbst im unterklassigen Pokalwettbewerb mehr Emotionen, als es der erste Titel des kommenden Meisters aus der selben Stadt jemals schaffen wird. In England wird ein klassischer Underdog Meister und ein Fanverein (AFC Wimbledon) überholt nach vielen Jahren in der Tabelle eben jenen Verein, (Milton Keynes Dons) für den der angestammte, insolvente und geliebte Verein (FC Wimbledon) einst in die Tonne gekloppt und „outgesourct“ wurde. Der Fußball aktuell mal wieder am Scheideweg. Also eigentlich wie immer. Allmählich jedoch verhält es sich im Fußball wie mit der Erderwärmung: Die Auswirkungen sind langsam aber sicher immer spürbarer. Ein schleichender Prozess, der da stattfindet und uns immer mehr die Luft zum Fußballatmen nimmt, passen wir nicht endlich auf unseren so geliebten Sport auf. Die WM mit dutzenden Teilnehmern will doch keiner wirklich am TV sehen, gleichwohl man aber auch eben jenem San Marino zum Beispiel nicht das Spiel des Lebens und die ehrliche Freude am Fußball verwehren möchte. Schwierig, da allen gerecht zu werden.

Bestimmt nicht mehr sehen möchte man die mittlerweile immer häufiger stattfindenden „Treibjagden“ auf gegnerische Spieler oder Unparteiische, wie sie bisweilen im Unterbau des Fußballs stattfinden. Ihr Schläger auf Asche habt im Fußball genau so wenig verloren wie Korruption und Setzlisten von denen da ganz oben. Fußball ist immer noch ein Spiel und das soll es auch bleiben. Aber auch der DFB benimmt sich immer mehr wie ein Trumpeltier und möchte die Spieltage der ersten Bundesliga noch weiter auseinander zerren. Ingolstadt gegen Wolfsburg jetzt auch noch zur besten und traditionellen Anstoßzeit der Amateure Sonntag Nachmittag auf Sky. Da möchte doch kaum noch einer Rot-Weiss Essen gegen Alemannia Aachen vor Ort im Stadion sehen. Obwohl, also da kann man sich in seiner Prognose schon mal vertun….

Jetzt aber zum eigentlichen Anliegen: Ich habe letztens unter einem Artikel den Kommentar eines RWE Fans gelesen, welcher für sich und besonders Rot-Weiss Essen den Anspruch 1. Bundesliga proklamiert und somit weder eine Dauerkarte gekauft hat, noch auf Hoch3 reingefallen ist (eigene Definition).  Da musste ich erst einmal kräftig durchatmen, denn dieser Fan wird zeitlebens an seinen eigenen Ansprüchen scheitern und ein ewig unzufriedener bleiben. Und somit ja in gewisser Art und Weise auch andauernd negative Stimmung verbreiten, denn wer seine Ansprüche nie erreicht, wird nicht gerade frohlocken. Wie kann ich überhaupt einen solchen Anspruch formulieren, war doch mein Verein vor mittlerweile geschlagenen vierzig Jahren das letzte Mal erstklassig? Da kann ich doch als Fan Saison für Saison ständig nur scheitern und immer verbitterter im meinem rot-weissen Dasein werden. Keine Dauerkarte zu kaufen ist nicht schlimm, und auch den Weg Hoch3 mitzugehen kann keiner verlangen. Zumal sich jetzt herausstellt, was ich vor der Saison angemahnt habe: Ein Timo Brauer kann eben nicht über Wasser gehen und einen Aufstieg garantieren. Er ist Teil einer Mannschaft, die es nur gemeinsam richten kann. Eines Tages.

Den eigenen Anspruch gilt es somit mit Blick auf die traurige momentane Realität ein wenig zu reduzieren. Könnte auch der eigenen Gesundheit zuträglich sein. Keiner ist an der Hafenstraße gerne viertklassig. Aber sportlich gehören wir nun schon so lange dazu: Wir sind Inventar und leider schon lange kein Ausrutscher mehr. Mein eigener sportlicher Anspruch an den RWE ist die dritte Liga. Der Zuschauerzuspruch ist zweite Liga und das Stadion sogar bereit für die erste Liga. Die Vergangenheit für eine Dekade legendär erfolgreich und mit Mythen behaftet. Unter dem Strich also: Der Scherenschnitt Rot-Weiss Essen vs Anspruch Fans ist mindestens genau ein so schwieriger wie der zwischen den Großen und Kleinen überhaupt im Fußball dieser Tage.  Es bleibt spannend.

Die glorreichen Sieben.

„Alle Neune“, das wäre der Alternativtitel für diesen Artikel gewesen. Man muß ja immer einen Plan B in der Tastatur haben. Was wiederum bedeutet, dass ein Erfolg beim Wuppertaler SV gestern Abend durchaus in Betracht gezogen wurde. Eigentlich ja auch logisch, nachdem schon die ersten beiden Spiele siegreich gestaltet werden konnten. Wie wir aber nun wissen, brachte der RWE einen torlosen Punkt aus dem Tal mit nach Hause. Wobei torlos so ja nicht ganz richtig ist: Fast mit dem Abpfiff war es Marcel Platzek, der den Ball nach einer Ecke über die Torlinie beförderte. Fast zeitgleich jedoch ging auch schon der Linienrichter in Protesthaltung und bewertete das Tor abseitig. Last Minute Tor für den RWE, derlei kennen wir eigentlich immer nur andersherum. Zu schön wäre es gewesen. Der Treffer wurde nicht gegeben, das gilt es nun zu akzeptieren. Und mit einem Punkt können wir sehr gut leben in dieser noch so frühen Saisonphase. Zumal auch die anderen Ergebnisse mit der ein- oder anderen Überraschung aufwarten konnten.

Somit stelle ich einfach mal die freche Behauptung in den freien Raum, dass für Mannschaft, Fans und Verein dieser eine Punkt zum jetzigen Zeitpunkt viel besser und wichtiger ist, als deren glückliche drei in der Nachspielzeit. Und stecke meine Argumente direkt durch: Ich gehe davon aus, dass „alle Neune“ die Euphorie und Erwartungshaltung dermaßen gesteigert hätte, so dass schnell in Vergessenheit geraten kann, dass unsere Mannschaft noch ganz am Anfang steht und nicht mal im Vorbeigehen jeden Gegner besiegen kann. Dann könnte es wieder ungemütlich werden an der Hafenstraße, wo wir außer rot und weiß nur noch schwarz und weiß kennen. Dazwischen gibt es einfach nichts anderes für uns. So betrachtet also ist es durchaus von Vorteil, wenn recht früh erkannt wird, dass der RWE dieser Tage hinten ziemlich stabil steht, vorne aber ohne Frank Löning temporär ein ziemliches Vakuum entstand. Der liebevoll als „alter Mann“ bezeichnete Frank Löning also momentan unverzichtbar, geht es um die Ballverteilung allgemein oder den Torerfolg als solchen. Es braucht also noch einen Spieler im Kader, der zusätzlich Räume schaffen kann um die anderen in Szene zu setzen. Löning 2 also, fällt Löning 1 aus. Spieler klonen und backen geht leider zum Glück nicht, aber ich bin mir sicher, der Verein „ist da schon was am planen dran“.

Weiterhin wird durch so einen eher schlechteren Auftritt klar, dass auch ein Timo Brauer allein definitiv kein Garant für einen Relegationsplatz ist. Da kann er sich noch so sehr bemühen, es geht nur im Verbund miteinander. Was sich noch als die ganz große Stärke des RWE in dieser Saison erweisen wird. Da bin ich mir ganz sicher. Somit also das 0:0 gestern eher Chance, harte Arbeit und Auftrag denn Punktverlust und Frust. Die Sonne scheint immer noch über der Hafenstraße. Der düstere Himmel breitet sich aktuell eher an der Landwehr aus. Trotz Sommer(s). Vielleicht aber auch tut die aktuelle Social Media Offensive mit den Großen der Zunft der eigenen Mannschaft keinen Gefallen. Aber, das soll uns nicht tangieren.

Was wir seit gestern definitiv aber wissen ist, dass tief drunten im Tal die Dinge schon mal ganz verhaltenskreativ gehandhabt werden: Man stelle sich mal vor, in Essen an der Hafenstraße würden Sitzplätze durch den Verein doppelt belegt! Der Kunde mit der Tageskarte hat zudem Vorrang auf den besagten Sitzplatz vor dem Fan mit seiner Dauerkarte vielleicht schon von Geburt an: Auf der Geschäftsstelle würden heute viele betroffene Dauerkarten gegen Rückgeld wieder abgegeben werden. Deftige Kommentare inklusive. Auf diesem ominösen DIN-A4 Zettel gab es jedoch nicht einmal die Optionen, dass der schwerere den leichteren doch auf den Schoß nehmen kann; oder dass man sich in Halbzeit eins und zwei aufteilen könne. Zum Beispiel! Nö, der Alteingesessene hatte sich zu melden zwecks Umplatzierung. Fehler sind normal und werden überall gemacht, aber diese Schote hat jetzt schon Kultstatus…

Samstag schon geht es weiter und erwarten wir weiblichen Besuch: Nachdem uns die zickige Lotte ja verlassen hat, verbleibt mit der neureichen Vicki ja noch die andere, die wir nicht mögen. Da wartet erneut ein hartes Stück Arbeit auf unsere Mannschaft, obwohl Vicki eher wunderlich stöckelnd in die Saison gestartet ist. Der Kader wieder einmal in der Breite spitz und in der Spitze breit. Somit natürlicher Favorit auf den Relegationsplatz. Aber der schreckliche Sven wird wissen, was in dieser Woche zu tun ist und die Hafenstraße wird während des Spiel wieder schrecklich laut! Überragend einmal mehr, wieviel tausende RWE Fans sich noch nach Feierabend auf den Weg gemacht haben, um ihren Verein zu unterstützen. Da wächst wieder zusammen, was zusammen gehört!

Bon(n)mot

Die zwölfte Frau und ausgewiesene Fußballkennerin war das erste Mal zu Gast an der Hafenstraße. Ihre Sympathien gehören (vielleicht gehörten) dem Bonner SC. Ihre Tweets zu dem Gastspiel hielten sich in Grenzen, was bedeutet, dass sie das Spiel und nicht ihr Smartphone verfolgte. Löblich! Nach Mitternacht aber kam folgender Tweet über den Äther, welcher mich immer noch gefangen hält. Das erste Mal bei Rot-Weiss Essen zu Gast und doch mit einem Satz alles gesagt! Genauer gesagt, sogar exakt das beschrieben, was die Hafenstraße in guten Tagen so ausmachen kann. In schlechten Tagen, das wissen wir ja leider alle auch, spuckt sie schon mal Gift und Galle. Zwar nicht im Chor und auch nicht alle, aber doch unüberhörbar und leider auch im wahrsten Sinne der Worte.

Auch Freitag hat es nach dem Rückstand auf den Tribünen durchaus schon wieder unterschwellig gegrummelt. Dieser so schön beschriebene Moment aber, wenn Fans zum Chor werden; wenn ein irgendwo (zumeist auf der „West“) angestimmter Gesang sich stimmlich vermehrt und immer intensiver gesungen wird; wenn sich sogar auf den Sitzplätzen erhoben und zum Beispiel gemeinsam in das langgezogene „immer wiiiiieder RWE…“ eingestimmt wird; ja dann gilt immer noch und vielleicht endlich wieder: „wo sind wir Zuhause, wo wird man uns immer hören..an der Hafenstraße RWE“.

Der Bonner SC seinerseits war der erwartet schwere Gegner und es war gut, einen Gegner zu haben, den es niederzukämpfen statt an die Wand zu spielen galt. So waren direkt Tugenden gefragt, die der RWE in der jüngeren Vergangenheit einfach nicht aufrufen konnte. Es ging nur über den berühmten Kampf zum Sieg, mit Einsatz und dem unbedingten Siegeswillen. Und es hat erneut zu den drei Punkten der Glückseligkeit gereicht, die in Anbetracht der herausgearbeiteten Chancen auch mehr als verdient waren. Dienstag schon gehts weiter. In das Tal an den Zoo. Nach dem Spiel für eine Mannschaft das Tal der Tränen und die andere froh. Heimspiel in Wuppertal. Nur der RWE!

Es sind 34 Spieltage bis Saisonende, wir haben einen vollen Tank, ein halbes Päckchen Zigaretten, es ist dunkel und wir tragen Sonnenbrillen.

Nun meinten Elwood und Jake Blues seinerzeit sicher nicht den langen Weg durch die diesjährige Regionalliga, sondern ihren Weg nach Chicago. Aber in etwa so könnte es sich doch zugetragen haben, die letzte Ansprache des Trainers vor dem gestrigen Spiel in Wiedenbrück. Vielleicht, oder sogar ziemlich sicher, war nicht die Rede von Zigaretten, Dunkelheit und Sonnenbrillen. Aber der RWE Tank, der war definitiv voll! Mannschaft und Fans mehr als breit. Bereit natürlich.

Obwohl noch lange nicht bereit für einen Stadionbesuch hat man durch Freunde und digitale Medien doch das Gefühl, so gut wie live vor Ort zu sein. So kribbelte es wie üblich schon Stunden vor Anpfiff, wusste man doch die ersten auf der Autobahn. Litt man mit denen, dessen Reifen platzte und freute sich über den Verein, der seinerseits sofort via besagte Medien einen Aufruf pro Ersatzbus startete. Der Bus kam und auch die Fans irgendwann somit an. Rund um das beschauliche Stadion in Wiedenbrück herrschte ein rot-weißes Gewusel. Gästeblock mit Stahl davor, so dick wie seinerzeit in Cloppenburg nebst entsprechend schlechter Sicht; Dixi Klos mit Szene Kleber und erste Bilder der Berichterstatter auf Twitter und im Liveticker.

Alles war also angerichtet für eine neue Saison, die uns einige Jahre vergessen machen möchte. In den letzten Wochen und Monaten haben wir immer wieder durch kurze Statements gehört, warum der RWE binnen drei Jahren aufzusteigen hat. Nicht, dass wir das nicht selbst wissen, schließlich ist unser Verein für uns schon immer erstklassig mindestens drittklassig. Aber es wurde jetzt wirklich langsam an der Zeit, dass die Spieler den Ball laufen und das Spiel für sich sprechen lassen. Um 14.00 Uhr gestern war es dann endlich soweit: der Anpfiff erfolgte und mit ihm begann eine ununterbrochene Unterstützung aus dem Lager der RWE Fans. So gut wie alle im Trikot; Fahnen, Luftballons, Konfetti und dergleichen in Vereinsfarben….ein herrlich friedliches „Chaos“, welches einen Hauch von Lateinamerikanischer Anarchie und (Fußball-) Leidenschaft vermittelte. Die Fotos sprechen für sich.

Was nun das Spiel anbelangt, so kann es dann doch nur in Bruchstücken verfolgt werden, die zudem aus kurzen, subjektiven Sätzen bestehen. Vielleicht trotzdem noch mit besserer „Sicht“ auf das Spiel, als bisweilen aus dem Gästeblock heraus.  Der RWE hinten stabil und mit guter Vorwärtsbewegung, ohne die traditionell kampfstarken Wiedenbrücker in Grund und Boden zu spielen. Wer das erwartet hatte, sollte seine Beziehung zum Fußball grundsätzlich einmal überdenken. All das gelesene trug aber zur Beruhigung bei, denn hier schien endlich wieder eine Mannschaft mit System (und in dem Bewusstsein der eigenen Stärke) für den weltbesten Verein auf dem Feld der Hoffnung zu stehen. In der 41. Minute war es dann Frank Löning, der zum 1:0 für den RWE traf. Der Gästeblock explodierte förmlich vor Freude.

Eines wurde jetzt auch schon am Ticker, Radio & Handy deutlich: In den letzten Jahren nahm die Angst mit jeder Spielminute zu, dass der Gegner irgendwann doch zum Ausgleich oder gar Siegestreffer kommen konnte, da unsere Mannschaft hinten in alle Einzelteile zerbrach und unsere Torhüter oftmals im Stich ließ. Das Gefühl mochte sich gestern einfach nicht einstellen, so sehr ich es auch schlicht aus Gewohnheit erwartete. Das Gegenteil war der Fall: Rot-Weiss Essen zauberte auch in Halbzeit zwei nicht den Schwanensee auf das grüne Geläuf, aber agierte konzentriert und als Mannschaft. Als dann noch Timo Brauer seinen Mitspieler Marcel Platzek mit den Worten „Mach Meter, mach Meter!“ anstachelt, so musste man unweigerlich an das legendäre „Quäl dich, du Sau!“ von Udo Bölts Richtung Jan EPO Ullrich denken. Marcel Platzek nahm sich der Worte an und rannte fortan wieder wie weiland Forrest Gump ohne Pause über das Feld. In der 66. Minute war es dann besagter Timo Brauer, welcher zur 2:0 Führung und Endstand traf. Der daraufhin folgende Jubelsturm war bis Nordhorn (der Wind stand günstig) zu hören und der Torschütze selbst wollte vor Freude fast durch den Gitterzaun rennen. Wahrscheinlich sind die Stäbe daher so dick.

Abpfiff! Die erste von 34 Etappen siegreich gestaltet. Und egal auf welches Foto und in welche rot-weiße Seele man auch im Anschluss schaute und immer noch schaut: Eine Mischung aus kaum mehr gekannter Freude und riesengroßer Erleichterung war überall zu sehen. Noch lange keine uneingeschränkte Glückseligkeit oder Euphorie; aber grundehrliche Freude über eine geschlossene Mannschaftsleistung. Rot-Weiss Essen und seine Fans haben sich einmal mehr wieder die Hände gereicht. Vielleicht lassen sie sich diese Saison endlich mal nicht mehr los, sondern marschieren Hand in Hand von Spiel zu Spiel. Und wenn es dann Rückschläge geben wird, dann hilft man sich halt gegenseitig aus dem Dreck. Eines haben Mannschaft, Trainerteam und Verein jetzt schon geschafft: Vorfreude auf das nächste Spiel zu schüren. Vorfreude und der RWE. Klingt noch zu gut um wahr zu sein.

Der schreckliche Sven

Aus dem Blickwinkel der Testspielgegner und deren Verantwortlichen betrachtet könnte der Verdacht naheliegen, als sei der schreckliche Sven über sie hergefallen. Zumindest suggeriert das Torverhältnis dieser Begegnungen überfallartigen Fußball. Nun wissen wir natürlich, dass Ergebnisse aus Testspielen in etwa einen ähnlichen Wert besitzen, wie die Punktevergabe beim Eurovision Song Contest oder diversen Werbeversprechen. Für den RWE und seine Angestellten in den kurzen Hosen dürften diese Erfolge trotzdem durchaus einen kleinen Hormonschub Richtung Selbstvertrauen gegeben haben (Der vergangenen Saison geschuldet).

Der Fokus solcher Spiele liegt auf den ganz speziellen Dingen und Erkenntnissen, die ein Trainerteam sich erhofft, erwartet und einstudiert sehen will. Aber wir wären nicht Rot-Weiss Essen, wenn auch Erfolge in Vorbereitungsspielen direkt  wieder die Nörgler auf den Plan rufen würde. Bisweilen wurden die Gegner für zu leicht befunden oder fehlte der ganz große Name. Vielleicht hätte uns ein Bundesligist die Tribünen voll gemacht, möglicherweise aber auch viele Tore zur Saisoneröffnung eingeschenkt; es wäre auch wieder der falsche Ansatz gewesen! Eigentlich jedoch war in jedem dieser Vorbereitungsspiele der große Name immer mit am Start: Rot-Weiss Essen, so lautet der große Name. Wir ziehen die Dinge jetzt einfach mal ganz anders auf, betrachten die Saison nicht mehr von allen Seiten, sondern lediglich aus rot weißer Sicht. Wir sind RWE!

Und so konnten sich die oft gescholtenen der letzten Jahre; die wohlwollend begrüßten Neuzugänge und ein herzlich empfangener Rückkehrer im positiven Sinne von Spiel zu Spiel kennenlernen. Die richtigen Laufwege bedarf es schließlich auch gegen eine Thekenmannschaft. Und wenn dann sogar noch gegen einen Zweitligaaufsteiger ein Erfolg nach beeindruckender Mannschaftsleistung herausspringt: Ja dann sind wir immer noch nicht direkt in der Relegation! Aber haben allesamt ein Stück Selbstwertgefühl zurückgewonnen, welches uns in den letzten Jahren sportlich Stück für Stück abhanden gekommen ist.

Da wir uns schon im Titel mit einer Figur aus „Wickie und die starken Männer“bedient haben, so mutet auch alles um die Mannschaft herum wie ein genialer Gedankenblitz des jungen Wickie an: Schon seit vergangenem Herbst wurde sich ständig unter die Nase gerieben, um schnell DIE Idee zu finden, wie man auch Essen wieder für den RWE begeistern kann und umgekehrt. Je mehr Hoch3 aktuell, desto größer auch Ahnung und Gewissheit, wie sehr vergangene Saison der drohende Abstieg als Zentnerlast auf den Schultern aller daran Beteiligten gelegen hat.

Eine Marketingleistung sondergleichen. Hier wurde leidenschaftliche Überzeugungsarbeit geleistet und umgesetzt. Und das Erstaunliche daran: Fans, Stadt, Mannschaft….alle scheinen die Marketingoffensive im Gleichschritt mit Leben zu füllen. Schon unglaublich, wie unsere große Liebe uns immer wieder auf das Neue enttäuschen kann. Sobald sie aber wieder das kleine Rote anzieht und mit ihren Reizen winkt, sind wir doch fast alle direkt wieder hin und weg von ihr. Es steht zu befürchten, dass diese Truppe hinter der Mannschaft selbst das goldene Blatt zu einem Lifestyle Magazin mit hoher Auflage unter Jugendlichen pushen könnte. Aber das ist ja zum Glück nicht unsere Baustelle.

Die nächste Baustelle aus sportlicher Sicht hingegen ist immer der nächste Spieltag. In diesem Falle der Erste! Saisonstart der Saison 2016/17 in Wiedenbrück beim dortigen Sportclub. Das Gästekontingent ist komplett ausverkauft, so dass sich am Sonntag die Rote Reisegruppe in großer Zahl gen Ostwestfalen auf den Weg macht. Allen gemeinsam der Wunsch, dass das kleine Pflänzchen Hoffnung nicht schon im ersten Spiel einen Dämpfer erleidet. Richtig geil wäre ja ein dreckiges 0:1 in der Nachspielzeit. Alles kegelt im Block durcheinander, die Mannschaft auf dem Zaun. Man darf ja mal träumen. Aber selbst, wenn es ganz anders kommen sollte: Bitte nicht gleich wieder alles verdammen.

Zuvor aber morgen noch die Vorstellung des neuen Brustsponsors, welcher uns dann optisch auf den Trikots durch die Saison begleiten, und demnächst sicher auch in vielen Kleiderschränken zu finden sein wird. Eine ziemlich spannende Angelegenheit also, die im Zuge von Hoch3 immer wieder zu interessanten Diskussionen im kleinen Kreis geführt hat. Zwischen einem „Big Player“ der Region oder Stauder für die Seele….so ziemlich alles ist in den Vorschlägen vertreten. Schön wäre ja durchaus auch ein Engagement der Zeitschrift 11Freunde. Man stelle sich einmal vor, Elf Spieler laufen mit 11Freunde auf der Brust auf. Welch eine Ansage für den Gegner. Natürlich gibt es die vielzitierten „Elf Freunde müsst ihr sein“ der Ära Sammy Drechsel nicht mehr. Eine Mannschaft umfasst natürlich mehr Spieler. Und es würde reichen, wenn sie alle zusammen endlich wieder eine richtige Mannschaft an der Hafenstraße bilden würden. Freunde, die zusammensteh`n, die finden sich dann schon zu Tausenden schnell wieder auf den Tribünen ein.

Die Saison kann beginnen und endlich kann dieses bisher so suboptimal gelaufene  Jahr 2016 zeigen, dass es auch gutes zu bieten hat. In Essen. An der Hafenstraße. Nur der RWE!

 

 

 

Blog3/2

Es war der zweite Test; aber der erste vor heimischen Publikum. Gehen wir einmal wohlwollend davon aus, dass fast alle Besucher des wie immer vorzüglich organisierten „Auf Asche“ Tages auch Fans oder wenigstens Interessierte des und am RWE sind.

Heimpremiere der Mannschaft für die Saison 2016/17 also. Die ersten Minuten nach einer Saison, welche in die Geschichtsbücher als „Saison der langen Gesichter“ eingehen wird. Als diese endlich abgepfiffen wurde, hatte eigentlich keiner mehr wirklich Lust auf seine Liebe RWE. Kein Paartherapeut schien das wieder einigermaßen auf die Reihe zu bekommen. An Sex war schon lange nicht mehr zu denken; gekuschelt wurde auch nicht mehr und zu sagen hatte man sich (leider) auch nichts. Der Sandsack schien der einzig gangbare Weg, seine Emotionen in halbwegs geordnete Bahnen lenken zu können.

Der Sandsack der digitalen Welt nennt sich Forum und entsprechend ging es auch dort zur Sache. Wir waren alle so auf, und konnten es folglich fast gar nicht glauben, was sich in den letzten Tagen und Wochen rund um die Hafenstraße dann so alles tat. Da steht ein Verein am Abgrund, eigentlich sind wir alle bereit, ihn aus Enttäuschung in selbigen zu stürzen. Doch was macht der RWE? Er dreht sich um und sagt: Wir wollen aufsteigen! Im ersten Moment denkst Du bei dieser Botschaft, zu diesem Zeitpunkt zudem, doch: „Egal was Du (mein RWE) genommen hast, ich will das nicht“! Kurz nachgedacht aber stellen sich die Nackenhaare steil, kommt das Blut in Wallung und will man dass auch, was der RWE genommen hat. Man reicht also dem am Abgrund stehenden RWE die Hand und hört sich wenigstens erst einmal an, was er zu sagen hat.

Das wurde also ausgiebig getan, denn die Haltung vieler Fans war geprägt davon, trotz berechtigter Skepsis die klare Aussage von Verein und neuerdings auch Stadt wohlwollend zu honorieren. Viele taten das sogar Hoch3 und gaben mehr, damit der Verein auch mehr kann. Und sicherten sich so eine Gegenleistung für den Fall der Fälle. Dann kam das nächste Signalfeuer von der Hafenstraße in Person von Timo Brauer. Allen bekannt als Essener, der gut kicken kann. Lange hat der RWE in Person seines Vorsitzenden um Timo Brauer geworben. Und wie wir alle wissen, kam es zu der von vielen so ersehnten Vertragsunterzeichnung. Eine Per­so­na­lie, die fast für eine Welle der Euphorie sorgte, und sicher auch Hoch3 weiter untermauert. Nun kann aber Timo Brauer weder über Wasser gehen, noch das Meer teilen. Sondern ist er ein Spieler unter vielen. Belasten wir ihn und sein Spiel also nicht mit zu hohen Erwartungen. Ich glaube, er möchte sich auch gar nicht in den Mittelpunkt gestellt wissen.

Es gilt nun für Sven Demandt und sein Team, aus verbliebenen und den neu hinzugekommenen Spielern eine Mannschaft zu formen, die diesen Namen auch verdient. Hier zählen nicht mehr nur Taktik, Tore und Triumphe, sondern auch das Miteinander. Auch wenn der rational denkende Fußballfan jetzt die Hände über den Kopf zusammenschlagen mag ob der Phrasendrescherei: Es geht nun mal nur gemeinsam. Die EM hat einige positive Beispiele geliefert. Übrigens auch auf den Tribünen! Fans tragen die Mannschaft und die Mannschaft trägt die Fans. Ich weiss: Nicht planbar und manch zerbrochenes Porzellan muss noch zusammengekehrt und gekittet werden. Aber wir haben wenigstens unseren gemeinsamen Nenner wiedergefunden. Zumindest bis zur ersten Niederlage. Und die bisherigen Testspiele lassen sich doch gut an.

Hallo 2016/17…

…“Please don’t take me home, I just don’t wanna go to work, I wanna stay here and drink all your beer“

Das Gesetz der Trägheit

Ungekannte Gefühle machten sich vor diesem Spiel breit: So etwas wie Vorfreude schlich sich ein. Tatsächlich: Ich freute mich auf das Spiel des RWE gegen den Nachbarn aus Oberhausen. Aber warum eigentlich? Vielleicht weil es bis auf weiteres der letzte Besuch sein dürfte, oder weil sich die sportliche Situation etwas entspannt hatte? Auf die Freunde vor Ort oder auch darauf, Fritz Herkenrath zu Ehren applaudieren zu dürfen? Zwei Tage danach gibt es keine Antwort mehr auf diese Frage, denn die eigenen Mannschaft hat einmal mehr und diesmal so richtig ohne Ansage enttäuscht. Vor dem Spiel jedoch ging es nach Monaten mal wieder mit der „RWE Hit Mix CD“ an Bord auf die Reise gen Glutofen Essen. Lautstark mitgesungen wurden etliche Fanbusse eines benachbarten Bundesligisten  überholt. Denn sie wissen nicht was sie tun!

Warum nun schon um 13:00 Uhr angepfiffen werden musste, konnte nicht so richtig in Erfahrung gebracht werden; der guten Laune rund um das Stadion tat es aber scheinbar keinen Abbruch, sollte doch der endgültige Klassenerhalt ( Für temporäre Leser: tatsächlich Klassenerhalt, nicht Relegationsplatz oder dergleichen!) hier und heute gesichert werden. Nur unsere Mannschaft jedoch, die hat davon leider nicht viel mitbekommen! Würde man von Stehgeigern oder von Sommerfußball sprechen, so würde man jeden Stehgeiger und jeden Sommerfußballer prinzipiell beleidigen. Welch blutleere und fast pomadige Vorstellung in der ersten Halbzeit. Zugegebenermaßen von beiden Mannschaften! Vielleicht hatte ja doch die ungewohnte Anstoßzeit inklusive ebenso ungewohnt hoher Temperaturen seine Finger mit im Spiel. Das war bei allen schlechten Spielen in dieser schlechten Saison definitiv die schlechteste Halbzeit. Paradox wirkte im Verhältnis dazu die nimmermüde und durchgängige Anfeuerung von der „West“.

Mit dem Ende der torlosen ersten Halbzeit rissen die schlechten Nachrichten allerdings noch lange nicht ab: Denn es folgte ja tatsächlich noch eine zweite Halbzeit, die es zu überstehen galt. Hätte man abstimmen lassen, ob weitergespielt oder das Spiel zur Halbzeit als beendet gewertet werden dürfte, so hätten sich die allermeisten der geduldigen  Zuschauer sicher für das sofortige Ende entschieden. Natürlich wurde die zweite Halbzeit gespielt; lag der Fokus zudem immer noch auf die Beruhigung der Seele durch die möglichen drei Punkte auf dem Platz. Wenn die erste Halbzeit nun überhaupt eine sportlich verwertbare Erkenntnis brachte, dann die, wie wichtig ein Benjamin Baier aktuell für unser Spiel ist. Jemand der wenigstens einmal aus der zweiten Reihe den unverhofften Schuss ansetzt, und auch mal die eigenen Mitspieler wachrütteln kann. Dem neuen Trainer jedoch wurde endgültig und deutlich deutlich vor Augen geführt, auf welches Abenteuer er sich mit der aktuellen Mannschaft eingelassen hat.

Der Nachbar aus Oberhausen, selbst auch in dieser ersten Halbzeit nicht die hellste Kerze auf der Spieltorte konnte in der zweiten Halbzeit gar nicht mehr anders, als die Essener Trägheit mit Toren zu bestrafen. Endlich wurde das Betteln erhört, in Rückstand zu geraten. Blitzsauber wurde zweimal die Abwehr ausgehebelt und an Heimann vorbei eingeschoben beziehungsweise reingestochert. Man lacht an der Emscher wahrscheinlich noch immer darüber, wie simpel das an diesem Samstag möglich wahr. Vielleicht war es Galgenhumor, oder die Freude an einem wirklich gelungenen, neuem Lied auf der Tribüne: Die „West“ sang unverdrossen weiter, es kamen keine Schmähungen gegen die eigene Mannschaft, die es ansonsten schon bei wesentlich  besseren Leistungen und Rückstand gegeben hätte. Das Werfen von Gegenständen sollte trotzdem und überhaupt endlich einmal unterlassen werden! Wir sind nur noch auf Bewährung auf den Tribünen! Eine Atmosphäre also , die in der Beziehung zwischen den Geschehnissen auf Rasen und Tribünen einem Verwirrspiel glich.

Es wurde also nichts mit dem vorzeitigen Klassenerhalt. Wie dumm auch von uns Fans, das von der aktuellen Mannschaft zu erwarten. Wie dummdreist aber auch von nicht einmal einer Handvoll trunkener und scheinbar von Sonnenstich  geplagten Besuchern die Aktion, die Würde eines gegnerischen Spielers anzutasten. Das geht in keinster Weise und wurde entsprechend im Spielverlauf von Leon Binder kommentiert und geregelt. Eine bedauernswerte Randnotiz, die im Spielverlauf außer den Beteiligten selbst wirklich kaum einer mitbekommen hat. Ich denke, dann hätte es einen größeren Aufschrei gegeben. So jedenfalls war der Weg frei für den Berichterstatter der RevierSport, den RWE einmal mehr unter Generalverdacht zu stellen.

Rot-Weiss Essen benötigt in der kommenden Saison nicht nur endlich wieder eine Mannschaft, die diesen Namen und unser Trikot auch verdient; sondern auch eine Berichterstattung, die sich mit Fakten und Fußball beschäftigt, anstatt in Boulevard Manier Geschehnisse oder Gesagtes aus dem Zusammenhang zu reißen und auf mögliches Fehlverhalten einiger weniger zu warten. Wir sind nicht doof, wir Fans wissen doch, dass der RWE nicht sonderlich gut gelitten ist im Hause RevierSport. Wir wollen keine Hofberichterstattung, denn das ist auch keinem zuträglich! Aber ich glaube, Verein, Fans und natürlich auch auch Medien ihrerseits haben ein Recht auf eine gegenseitig faire Behandlung. Auf gut recherchierte Beiträge, deren Inhalte den Sachverhalt erzählen und nicht auf eine reisserische Überschrift, der kaum  wirkliche Fakten folgen, dafür aber Klicks generieren . Wenn in längst vergangenen Tagen vielleicht mal Fehler auf beiden Seiten gemacht wurden, dann ist es an der Zeit, nun einen Punkt zu setzen. In Münster zum Beispiel hat diese Form der Berichterstattung leider auch Überhand genommen, was die Preußen gar zu einem offenen Brief veranlasste. Weniger ist manchmal mehr! Die WAZ Essen kann es doch auch, berichtet sportjournalistisch und den Tatsachen geschuldet. Und das sicher nicht nur, weil die West ihren Namen trägt.

Diesen finalen Punkt können wir alle ja bald auch endlich unter die aktuelle Saison setzen. Gottseidank. Nie zuvor habe ich so viele Fans so müde erlebt. Veteranen in Rot und Weiß, der ständigen Enttäuschungen überdrüssig. Vielleicht kann ja  kommenden Samstag endlich der Klassenerhalt geschafft werden und dann das Endspiel im Europapokal der Landesmeister gegen den Wuppertaler SV die Saison wenigstens auf Papier und Konto halbwegs noch retten. Nur der RWE!

Srivaddhanaprabha

Weit nach Mitternacht noch Udo Lindenberg zu hören, dass geht nur mit einem Pils dabei und hört sich allein von seinen Texten schon nach Kneipe an. Melancholie macht sich breit. Melancholie kann ich gut. Pils habe ich auch noch. Zeit und Muße also, die Dinge der letzten Tage einmal zu sortieren. Gestern haben wir die traurige Nachricht bekommen, dass Fritz Herkenrath bereits am 18. April dieses Jahres im Alter von 87 Jahren verstorben ist. Geboren in Köln, feierte Fritz Herkenrath seine größten sportlichen Erfolge hier an der Hafenstraße in Essen. Ein tadelloser Sportsmann alter Schule; Schultätigkeit nach der Karriere. Die Meistermannschaft von 1955 nun vollzählig versammelt im Himmel; hier unten auf Erden kann jetzt keiner mehr davon erzählen. Wir zehren nunmehr endgültig von den Erinnerungen an längst vergangene, sportlich so erfolgreiche Tage. Niemals jedoch werden wir diese Fußballer vergessen, die unserem Verein so viel Gutes beschert haben. Auf ewig werden wir hoffentlich ihr Andenken bewahren und ihnen Samstag gedenken.

An der Hafenstraße dieser Tage ist es momentan relativ ruhig geworden. Die Kommentarspalten schwappen nicht mehr über vor Verzweiflung, Wut und dem Strafbestand der Beleidigung. Sieben Punkte aus den letzten drei Spielen sorgten für eine kaum mehr gekannte Entspannung des rot-weißen Herzmuskel. Wir alle hatten den Rubikon Richtung Abstiegspanik gefühlt längst überschritten; normal war doch keiner in den letzten Wochen und Monaten unterwegs. Wir wussten und wissen alle: Ein Abstieg diese Saison und den Mythos können wir uns definitiv von der Backe putzen. Sieben Tage, vierundzwanzig Stunden Angst. Das zehrt an den Nerven. Das kostet Kraft. Unbezahlter Bluthochdruck vom Feinsten. Fan eines aktuell mäßig begabten Viertligisten zu sein geht an die Substanz, und ist unter dem Strich doch so viel mehr wert, als ein Ausscheiden im Halbfinale der Champions League. Ich möchte nicht tauschen. Nie mehr!

Ziemlich zeitgleich bejubelt gefühlt die ganze Fußballwelt die erste Meisterschaft des bis dato relativ unbekannten Vereins Leicester City aus England. Diese leider nicht auf dem grünen Rasen, sondern erst einen Tag später auf dem Sofa errungen. Chelsea sei Dank. Warum aber dreht die ganze Fußballwelt nun frei und mutiert zu Füchsen, obwohl aus Tradition eher den Reds zugetan? Auch Leicester City ist kein Verein mehr alter Prägung und hat mit Vichai Srivaddhanaprabha einen Milliardär als Eigentümer. Formal also nicht wirklich viel anderes als in den Akten Hopp,Mateschitz oder Abramowitsch zum Beispiel. Im diesjährigen Ranking, die finanzielle Kaderschwere betreffend, rangieren die „Foxes“ in England auf Platz 12 und 127 Millionen Euro in den Beinen. Was übrigens und interessanterweise in Deutschland den monetären Platz 7 einbringen würde. Insgesamt wird der Kader momentan auf 300 Millionen britische Pfund taxiert. In etwa also dem Börsenwert von ISDT.

Ich glaube, die Freude mit und am „Meister Leicester City“ liegt einem ganz anderem Faszinosum zugrunde: Nämlich dem der Meisterschaft und dem Wettkampf, der zur selbigen führen kann. Oder eben auch nicht. Auch in Leicester wird nicht mit Peanuts bezahlt, aber hier hat sich eine Mannschaft gefunden, die fast abgestiegen, ein Miteinander entwickelt hat, welches finanzielle Schwergewichte auszuhebeln verstand und der Basis endlich wieder die Hoffnung zurückgeben konnte, dass Fußball Wettbewerb und nicht nur Scheckheft ist. Der britische Fan war es leid, immer nur die selben Vereine um die Meisterschaft spielen zu sehen. Und man kann es auch nachvollziehen. Was wäre hierzulande wohl los, würden der 1.FC Köln, die SG Eintracht Frankfurt oder unser aller Rot-Weiss Essen in einem Par­force­ritt sondergleichen die Meisterschale holen?  Die Sympathien aller wären für ein Jahr gesichert.

Vielleicht geht es auch noch ein Stück weiter: Karl-Heinz Rummenigge zum Beispiel will Setzlisten und somit die altbewährten Wettbewerbe quasi am Nasenring durch die imaginäre Arena ziehen. Nee, er kann sich seine Setzlisten sonstwo hinstecken! Gewinner wird nur, wer die Wettbewerbe annimmt,  übersteht und nicht plant. Leicester City hat den Wettbewerb angenommen und diesen gewonnen. Das wohl die einmalige Faszination aktuell um einen Meistertitel in England. Rot-Weiss Essen muss noch viel trainieren um eines Tages überhaupt in den Wettbewerb um die deutsche Meisterschaft einsteigen zu können. Aber wir würden dann keine Setzlisten, sondern Gegner wollen.

Samstag nun aber erst einmal Oberhausen der Gegner. RWE gegen RWO. Bis auf weiteres das letzte Spiel in einem Stadion, gilt es ja alsbald den eigenen Wettbewerb anzutreten und natürlich zu gewinnen.

Es kommt im Leben nicht darauf an wie viel Du austeilst, sondern darauf, wie viel Du einstecken kannst!

Welch kollektive Erleichterung nach dem Schlusspfiff. Welch Freude allerseits, außer natürlich im Gästeblock und vielleicht auch bei denjenigen auf der „Rahn“, die noch erhöhten Diskussionsbedarf mit einigen unserer Spieler hatten. Glückwünsche sehen anders aus! Rot-Weiss Essen hat Alemannia Aachen in einem bisweilen vogelwilden Spiel mit 3:2 bezwungen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Leon Binder kurz vor Schluß einen Ball regelkonform vor der Linie erreichen und somit den Ausgleich für die Alemannia verhindern konnte. Bis zu diesem so erlösenden Moment des abschließenden Pfiffes hat der RWE in den letzten Wochen verdammt viel eingesteckt, um das Zitat aus „Rocky“ einmal mit in den Text einzupflegen.

Das Stadion Essen gut gesichert an diesem Sonntag! Selbst auf der Anfahrt über Gladbeck hockten schon lange vor Spielbeginn Einsatzkräfte in ihren Fahrzeugen und starrten eher gelangweilt auf ihre Handys. Es ging schließlich nicht nur gegen einen alten Westrivalen, sondern auch gegen den Abstieg. Und da es in den letzten Wochen immer weniger gelang, die Emotionen regelkonform unter Kontrolle zu halten, galt das Augenmerk wohl mehreren möglichen Brennpunkten. Aber neben dem Endergebnis gab es eine weitere schöne Nachricht: Es gab im Spiel und auch danach keine Brennpunkte im und um das Stadion herum. Im Gegenteil: Auf den Rängen wurde genau so aufopferungsvoll unterstützt, wie auf dem Spielfeld um den Ball und das Spiel gekämpft. Danke dafür!

Der RWE erwischte einen Start, wie er besser wohl nicht sein könnte, ging plötzlich und unerwartet mit 2:0 in Führung. Und doch gelang es unserer Mannschaft nicht, nun die Kontrolle über das Spiel zu erlangen. Zu „gallig“ die Aachener und zu verunsichert die Essener, was das eigene Spiel betrifft. Aber nach all den vergangenen Wochen auch nicht verwunderlich, hat der RWE doch permanent eingesteckt, anstatt auch nur ansatzweise austeilen können. Und so ist es unter dem Strich eigentlich egal, wie der Erfolg zustande kam, hält er uns alle doch über jenem ominösen Strich und lässt einen etwas normaleren Puls für den Moment wieder zu. Zurück aber zur Unterstützung des Publikums: Beide Vereine haben ihre große Anhängerschaft sicher mehr als enttäuscht und verbleiben definitiv weiter im Kellergewölbe des Fußballs moderner Prägung. Und doch war das im Stadion einmal mehr als nur vierte Liga. Es war Fußball! Es war Atmosphäre und es war spannend. Die Fans auf der West und alle anderen im Stadion haben den gerade wohl einzig gangbaren Weg gewählt: Es ist „Playoff“ Zeit an der Hafenstraße, und in der fiktiven Serie „Best of Six“ geht es eben nur gemeinsam. Und gemeinsam wurde auch die Alemannia bezwungen. Vielleicht setzt das nun für die verbleibenden fünf Partien jene Kräfte frei, die wir bisher alle so vermisst haben. Auf und neben dem Platz.

Apropos neben dem Platz: Bisweilen nehmen wir Fans schon eine ziemlich egoistische Grundhaltung ein und denken stets nur an unser eigenes Wohl; hacken auf der Mannschaft herum, die einmal mehr unser aller Erwartungen nicht erfüllt hat. Aber vergessen wir nicht diejenigen, die nicht auf dem Platz stehen, und doch so viel für unseren Verein leisten, zudem genauso leiden? Deren Arbeitsplätze durch die Leistung auf den Plätzen mehr als gefährdet sind, und die doch immer wieder dafür sorgen müssen, dass der Vereinsalltag weiter geht; die sozialen Netzwerke weiter gefüttert werden und die  Journaille zu ihren Auskünften kommt. Die Geschäftsstelle von Rot-Weiss Essen dieser Tage gleicht emotional dem Spiegelbild der Mannschaft auf dem Platz! Und doch können die administrativen Mitarbeiter am wenigsten für die aktuelle Situation, legen sie doch ihr berufliches Schicksal in die Füße der eigenen Mannschaft. Vielleicht denken wir in den kommenden Wochen auch einmal an sie: Unsere guten Seelen im Hintergrund, welche das Gefühl Hafenstraße nicht nur leben, sondern auch arbeiten. Fakt ist, und das hat der vergangene Sonntag einmal mehr gezeigt: Es geht sicher ohne Sport1, aber niemals gegeneinander! Spiel zwei der „Best of Six“ Serie beschert dem RWE nun kommenden Samstag wieder ein Heimspiel, wenn auch auswärts in der Mondpalast Arena zu Wanne-Eickel. Der Gegner ist machbar, kommt er doch aus Gelsenkirchen.

Zu guter Letzt noch etwas in eigener Sache: Zur Buchveröffentlichung am 1. Mai wird auch der Blog in den nächsten Tagen renoviert und hübsch gemacht. Die Schrift eine andere, das Erscheinungsbild auch ein wenig anders, die Texte nun komplett einsehbar. Ich hoffe es gefällt. Über konstruktive Kritik würde ich mich sehr freuen. Und doch könnte und wird es sowohl in Blog und Facebook Auftritt von „ISDT“ in den kommenden Wochen und Monaten etwas ruhiger werden. Der Grund ist dieses Arschloch von Krebs, welches sich bösartig eingenistet hat. Ich bin zwar  überzeugt davon, den Kampf genau so erfolgreich zu gestalten, wie der RWE den seinen gegen den Abstieg. Aber ich habe eine Bitte: Geht zur Vorsorge! Scheißegal wie unverwundbar Ihr Euch auch halten mögt. Es geht um Euer Leben. Und wir alle wollen doch eines Tages gemeinsam Aufstiege feiern. Nur der RWE!

Was sind wir alle schon gegen den Verein?

Nichts! Und ohne den Verein wären wir auch alle gar nicht hier. Wir würden uns nicht kennen, sofern wir uns denn überhaupt kennen. Wir hätten nichts, worüber es sich aufzuregen lohnt, oder worüber wir uns gemeinsam freuen könnten. Auch das soll ja vorkommen! Es kommt vielleicht seltener vor als ersteres. Aber diese Momente, freudetrunken in den Armen eines anderen zu liegen, den man weder kennt, noch zuvor gesehen hat, die vergisst man nie. Und warum liegen wir in den Armen eines oder einer anderen? Die Antwort liegt auf der Hand, sicher aber auch am Schal selber Farbe um den Hals des oder der anderen. Wir teilen also Freude und Leid miteinander. Nun galt es in den letzten Monaten eher Leid miteinander zu teilen, war die Zeit auch noch so schwer. Für uns aber warst Du immer wer; auch wenn es mitunter den Anschein hatte, als hätten wir den Glauben an unseren Verein verloren.

Handelnde im Fokus, Kommentare bisweilen für den Lokus. Kritik für Kritisierende und Unverständnis untereinander. Wenn ein Verein wie Rot-Weiss Essen scheinbar unaufhaltsam dem Abgrund entgegentrudelt, so liegen die Nerven bei allen, die es mit dem RWE halten, mindestens so blank wie das Konto von Schalke 04. Da ist dann nichts mehr, was Zuversicht und Halt vermitteln könnte. Alles leer. Der emotionale Dispo ist ausgeschöpft, seine horrenden Zinsen zerren zusätzlich an den Nerven. Alles scheiße! Es gibt rational keine Antwort mehr auf all die Fragen, die einem tagtäglich rund um den RWE gestellt werden, oder auf die, die man selber hat. Die Netzwerke in Rot und Weiß werden angezapft; es wird sich gegenseitig Mut gemacht oder sich in Galgenhumor geübt. Momente in denen Du, ja auch Du! Merkst, was eigentlich wirklich nur zählt! Denn unter dem Strich landen wir immer wieder bei unserem Verein. Wir kommen immer wieder auf den gemeinsamen Nenner Rot-Weiss Essen. DU bist unser ABC, unser großes Einmaleins.
Wie ein Magnet ziehst du uns an!

Wie gerne würden wir alle doch den ganzen Dreck vergessen, steht doch der Verein grad in Flammen. Aber der Verein hat gehandelt. Es wird gelöscht und die Mannschaft wahrlich nicht in Watte gepackt; sondern in Ansprache eher an die Ehre und sportliches Vermögen erinnert. Hier und jetzt zählen keine Einzelschicksale mehr. Hier und jetzt geht es einzig um unseren Verein. Hier und jetzt geht es um Rot-Weiss Essen. Eigentlich das Größte, was wir alle jemals besessen haben und besitzen werden.  Okay, ein toller Job nebst gutem Kontostand bieten vielleicht gute Perspektiven, und doch niemals die Intensität einer Saison mit unserem RWE. Freitag geht es nach Ahlen. Darauf reimt sich jetzt nichts großes, aber vielleicht ist dieser Freitag endlich die Kehrtwende für unseren Verein in dieser doch so aufreibenden Saison. Und vielleicht nehmen wir einfach auch mal wahr, wie sehr viele Menschen gerade mit Rot-Weiss Essen hoffen und bangen. Sie tun das nicht für uns Fans des RWE; sie haben zudem ihre eigenen Vereine. Aber sie tun es, weil der RWE einfach etwas ganz Besonderes ist. In guten wie in schlechten Zeiten. Alle nach Ahlen. Nur der RWE!

Es rappelt in der Kiste…

Spätestens nach der samstäglichen Niederlage gegen Tante Lotte war klar, was eigentlich schon seit Wochen klar war: Mit unserer aktuellen Mannschaft werden wir in dieser Saison keinen Blumenpott mehr gewinnen, sondern nach langen Jahren eher den so sehnlichen Wunsch erfüllt bekommen, diese Liga endlich zu verlassen. Allerdings in andere Richtung als gedacht. In den letzten Wochen hat sich der Druck auf Trainer Jan Siewert und somit auch auf Mannschaft und Verein  von schlechter Leistung zu schlechter Leistung verständlicherweise, und von Tag zu Tag erhöht.

Leider begnügt sich der frustrierte Fan in Zeiten (a-)sozialer Medien nicht mehr mit der schlichten Forderung nach der Entlassung des sportlichen Verantwortlichen. Da wird gelegentlich beleidigt, was die Tastatur hergibt; wird scheinbar wie von Sinnen und in blinder Wut gelegentlich unter jeglicher Gürtellinie der Mensch hinter der Funktion und der Funktionär auf das Übelste angegangen. Nun ist das kein Phänomen der Hafenstraße, lässt der gegenseitige Respekt und das Miteinander leider immer mehr zu wünschen übrig; aber es gibt zu denken. Das muss nicht sein! Heisst es nicht:“Die Familie Rot Weiss..hält zusammen“? Auf dem Feld hält momentan wohl auch kaum einer der fast dreißig Vertragsspieler von Rot-Weiss Essen zusammen.

Mit jedem Spiel mehr wurde und wird deutlich, dass dort keine Mannschaft mehr agiert, sondern die Grüppchenbildung regiert. Es gibt aber natürlich auch diejenigen, die man von dieser Kritik ausnehmen möchte, wie unter anderem einen Baier, Platzek, Binder, oder beispielhaft gerade auch einen Patrick Huckle. Nicht der filigransten Einer; aber ein Kämpfer vor dem Herrn, dem anzumerken ist, ein Mannschaftssportler zu sein. Der leidet, genauso wie wir da draußen. Diesen Spielertyp brauchen wir nun besonders.

Es gab also keine Alternative mehr dazu, Jan Siewert seines Postens zu entheben. Der Protest so laut, da hätte sogar ein Marc Fascher in blau- weiß gehüllt, begleitet von Uwe Harttgen als Sancho Panza und auf Esel, die Hafenstraße hinunter galoppieren können: Sie wären freudig begrüßt worden! Der Schmerz so groß, die Angst immer mehr. Gestern dann trug der Verein dem anhaltenden Sinkflug in Tabelle nebst Sturzflug in der Leistung Rechnung und entband Jan Siewert von seinen Aufgaben als Cheftrainer von Rot-Weiss Essen. Wer einigermaßen gut vernetzt ist, wusste innerhalb von Minuten Bescheid.

Prompt wandelte sich Hass und Häme in spürbare Erleichterung darüber, dass endlich gehandelt wurde. Namen zählen dieser Tage einfach nicht, es geht um das große Ganze, welches da Rot-Weiss Essen heisst. Erstaunlich allerdings, dass die Demission des Trainers von Andreas Winkler kommentiert wurde, der verantwortlich dafür steht, dass kaum einer mehr weiß, wer aktuell überhaupt so alles bei RWE unter Vertrag steht. So viele Spieler sind es, die kamen und gingen. Oder noch nie spielen konnten, da verletzt verpflichtet. Oder einfach auch nicht regionalligatauglich waren. Jan Siewert hat sicher nicht nicht immer die beste Figur abgegeben, obwohl sportlich durchtrainiert, aber er hatte auch damit klarzukommen, was ihm der sportliche Direktor Andreas Winkler so alles auf den Trainingsplatz bestellt hat.

Und so kann meines Erachtens nach ein Klassenerhalt inklusive Neuanfang nur dann gelingen, wenn auch Andreas Winkler seines aktuellen Postens entbunden wird. Bei allen Verdiensten um den Verein. Aber diese Saison trägt, unter Einbezug der Fascher/Harttgen Ära, nun mal seine Handschrift. Und ich glaube, auch das Tischtuch zwischen sportlichem Direktor und Mannschaft ist zerschnitten. Man schaue sich nur die Fotos an. Bilder sagen mehr als Worte!

Aber was kommt jetzt? Wer kann uns alle vor dem Abstieg retten? Wir sind dann nicht mehr froh, dass es den RWE überhaupt noch gibt! Haben wir doch keine finanziellen Probleme mehr (Übrigens immer noch der Verdienst von Michael Welling, welcher natürlich als Verantwortlicher gerade auch ziemliche unter Beschuss steht wie seine sportlich leitenden Angestellten und ebensowenig zimperlich behandelt wird). Otto Rehhagel war gegen Lotte auf der Tribüne. Willi Lippens sicher selbstredend auch.  Otto Rehhagel hatte noch auf der Jahreshauptversammlung Jan Siewert seine Hilfe angeboten. Vielleicht sollte der Verein sie jetzt annehmen und ihn um Hilfe bitten. Vielleicht nur für eine Kabinenansprache. Mit Unterstützung von Willi Lippens. Denn, was haben wir denn noch zu verlieren außer unsere Existenz?

Die Spieler haben nicht auf ihren Trainer gehört, haben zumeist keine Ahnung, wie es uns Fans überhaupt geht, und was uns der RWE bedeutet. Somit brauchen wir nun dringend ein- oder zwei Legenden, die ihnen bis Saisonende aber genau das vermitteln: Der RWE ist unser Leben! Ihr geht, aber wir bleiben. Wir haben unbefristete Verträge auf Lebenszeit. Und wollen endlich wieder lachen. Am liebsten mit Euch. Auch wenn wir nicht mal mehr Eure Namen kennen, da einfach zu viele.

Lieber Jan Siewert, ich wünsche Ihnen alles Gute für die Zukunft und möchte mich dafür bedanken, dass Sie sich auf das Abenteuer Rot-Weiss Essen eingelassen haben. Ich hätte mir manches Mal etwas mehr Gelassenheit bei Ihnen gewünscht. Einen lockeren Spruch. Was auch immer. Aber vor allem sportlichen Erfolg. Der blieb leider aus und somit griff erst jetzt, und hoffentlich nicht zu spät, das was immer passiert, wenn eine Mannschaft vor dem Abstieg steht.

Die Spieler sind nun auch ihres Alibis Trainer entbunden und müssen kommenden Freitag in Ahlen beweisen, dass sie ebenfalls nicht absteigen wollen.

Wir sind alle abhängig und hadern mit dem Schicksal.

Leicht abgewandelt eine Aussage von Bayerns KHR (nicht zu verwechseln mit KMH aus dem ASS) als Titel. Nur gut, das wir uns aktuell nicht mit dieser dreisten Forderung nach einer finalen Wild Card auseinandersetzen müssen, um auf ewig für ein Finale gegen den FC Barcelona gesetzt zu sein. KHR tritt jeglichen Wettbewerbsgedanken im Fußball mit den Füßen.

Den Fußball mit den Füßen traten die Kicker von der Hafenstraße auch. Jedoch in letzter Zeit so schlecht, so dass sich die Situation rund um die Hafenstraße 97a immer mehr zuspitzte und nach der Niederlage vergangener Woche in Düsseldorf in wütendes Aufheulen der Anhängerschaft gipfelte. Unter dem Strich stand nach dem Spiel unter dem Strich. Man ist geneigt zu schreiben: Endlich!

Wochenlang schon pfiffen es die Spatzen von den Dächern: Abstiegskampf, Ihr seid im Abstiegskampf! Schien aber so wirklich keinen zu interessieren, denn verloren wurde ja auch nicht wirklich. Und so ging es stark kritisiert immer weiter. Unterbrochen gar von einem Halbfinalerfolg im Pokalwettbewerb des kleinen Mannes gegen den Angstgegner FC Kray. Wer glaubte da schon ernsthaft an einen Abstieg? Scheinbar keiner der Aktiven auf dem Feld, denn ansonsten ist die Leistung gegen Düsseldorfer Zweitfortunen nicht zu erklären. Oder ging es doch gegen den Trainer? gegen den Mitspieler? Gegen den Fan? Wir werden es wohl nie erfahren.

Jedenfalls brachte uns Düsseldorf nun definitiv die Erkenntnis, in höchste Abstiegsgefahr geraten zu sein. Wir, der Meister von 1955, welcher unterklassig höchstens durch Lizenzentzug absteigt, steht auf einem Abstiegsplatz der Regionalliga West. „Caramba, mir kocht der Blut“, um es mal mit Marika Rökk zu schreiben! Das war und ist zu viel für den leidgeprüften Fan. Die Kommentarzeilen kochten über; oftmals auch mit ungesundem Hass und blanker Gewaltandrohung. Das geht leider noch weniger, als eine unterirdische Leistung auf dem Feld! Isso! Die Tage nach Düsseldorf also Tage, die verwirrten; sprachlos machten und zugleich unfähig, auch nur annähernd etwas zu Papier zu bringen, was der Situation entsprechen könnte. Als außenstehender Blogger jedenfalls.

Die Argumente wogten hin und her; die Zuordnungen wurden im Minutentakt neu verteilt, ebenso die Schuldfrage. Jan Siewert schien schon entlassen, als Suspendierungen zweier Spieler ausgesprochen wurden und der suspendierende Trainer überraschenderweise bleiben konnte. Es ist ja nicht so, als ob ich mir nicht gewünscht hätte, dass der Trainer zum Verein gepasst hätte oder immer noch passen könnte. Ich würde mir aber wünschen, dass Jan Siewert wenigsten einmal auch menschelt. In einer Pressekonferenz zum Beispiel. Er agiert bisweilen so trocken und unnahbar wie die britischen Kronjuwelen hinter Panzerglas. Herrgott von Bentheim, da ist es doch kein Wunder, dass wir Unwissenden von schlechtem Betriebsklima zwischen Mannschaft und Trainer schwadronieren. Wir haben doch bald mehr Abgänge und Suspendierte als aktive Spieler im Kader. Zuzüglich Drölftausend Neuzugängen.

So viele Spieler, so viele Namen. Aber für uns nur ein Verein: Rot-Weiss Essen! Ok, wir atmen einmal kurz durch und sammeln die Fakten bis zum heutigen Spielbeginn: Trainer und sportlicher Leiter weiter im Amt; Mannschaft dezimiert; Vorstand in der Kritik; Abstiegsplatz; Boykott vieler Fans; Boykott des Boykottes durch ebenso viele Fans….na das konnte ja was werden. Und es wurden, um das Ganze ein wenig abzukürzen, drei Punkte! Der SC Verl erwies sich gestern Abend als der endlich richtige Gegner, den es verunsichert galt, verunsichert zu bezwingen. Wir alle im Stadion haben kein richtig gutes Fußballspiel gesehen. Und nur der Verler Harmlosigkeit in diesen neunzig Minuten war es zu verdanken, das stets kämpfenden und vollsten Einsatz zeigenden Essener zu einem 1:0 Kantersieg kamen. Dem ersten Dreier seit langer, langer Zeit. Die Verunsicherung und der Willen gaben sich bei den Spielern des RWE die berühmte Klinke in die Hand. Erst das einzige Tor des Abends offenbarte einen kleinen Einblick in die Seele des rot-weißen Vertragsspielers: Die Auswechsel- und somit nicht suspendierten, Spieler rannten wie von Sinnen auf das Feld nach jenem Treffer, während es andere Spieler sogar Richtung Trainerbank zog. Der Trainer also doch nicht derjenige welche?

„Siewert raus“ Rufe gab es übrigens nur dezent zweimal. „Abgefeuert“ auf der Haupttribüne von einem älteren Fan in Zivil. Der Boykott übrigens sollte nicht unerwähnt bleiben, denn meines Erachtens hat er funktioniert! Funktioniert deshalb, weil er beiderseitig respektiert wurde. Von denen die trotzdem gucken und jenen, die wegschauen wollten. Beide bekamen ihre Bühne Westtribüne. Und das war gut so! Gewaltandrohungen weniger, denn die helfen einfach keinem. Was auch nicht hilft, ist der Auftrag der RevierSport, alles und jedes in dermaßen überzogener Art zu martialisieren. Flatterbänder sind de facto keine Barrikaden. Warum muss immer alles so überzogen dargestellt werden? Warum diese Gier nach reisserischen Überschriften und Artikeln? Kommt mal runter und schreibt wieder über Fußball. Ein frommer Wunsch, ich weiß. Aber wünschen darf man sich alles, hat meine Mutti früher immer gesagt. Tja, wir alle haben also endlich einmal wieder drei Punkte mit auf den Heimweg bekommen. Drei Punkte für die Seele, aber noch nicht zur Beruhigung. Und sicher nicht annähernd dafür geeignet, um etwas Ruhe an die Hafenstraße zu bekommen. Das schaffen nur weitere Punkte. Und vielleicht mal klare Worte, was wirklich los war, im Frühjahr 2016.

STOPP!

Wenn zwei zerstrittene Parteien etwas miteinander zu klären haben, kann mitunter eine professionelle Mediation helfen. Diese ist kostenlos und bedarf der Bereitschaft beider Parteien, etwas an der aktuell verfahrenen Situation zu ändern. Ein ganz wichtiges Merkmal einer Mediation ist, das im Vorfeld ein Signal vereinbart wird, mit dem eine mögliche Hasstirade, Negationen oder einfach auch zu belastende Momente sofort unterbrochen werden. Hält sich eine der beteiligten Parteien nicht daran, ist die Mediation sofort für gescheitert erklärt und übernehmen die Gerichte. Oder die Fünftklassigkeit!

Nun haben weder die Mannschaft noch die Fans prinzipiell ein gescheitertes Verhältnis zu klären, reden wir angeblich ja immer noch von Fanliebe einerseits und dem Fußballerstolz, an der Hafenstraße spielen zu dürfen, andererseits. Und doch ist es vielleicht an der Zeit, den Reklamierarm zu heben und lautstark „STOPP!“ zu rufen. Nehmen wir doch einfach mal an, es wären nach der Winterpause Vereinbarungen getroffen und Ziele vereinbart worden; denn auch das ist Bestandteil einer Mediation. Und tun wir weiterhin einfach mal so, als säßen der RWE und manch Fan in einer Mediation: Dann müssten die Mediatoren nun langsam, aber eindringlich und bestimmt mal darauf hinweisen, dass wir uns alle nicht an die Vereinbarungen halten.

Wir tun also einfach weiter so als ob: Die Mannschaft hatte das Ziel, einen Dreier einzufahren und personell aufpoliert, diese Vereinbarung mindestens beim abgeschlagenen Tabellenletzten FC Wegberg-Beeck  in die Tat umzusetzen. Zumal nach dem couragierten Auftritt gegen Wattenscheid 09. Die Mannschaft hat sich jedoch nicht an die fiktive Vereinbarung gehalten und einen besorgniserregend schwachen Auftritt im Morast von Wegberg hingelegt. Es war ja klar; und das ist jetzt Fakt, dass dieses Spiel eines der schwersten der Saison sein wird: Es galt in Anbetracht der eigenen, insbesondere aber der Tabellensituation der Wegberger, nichts anderes als ein Dreier inklusive vieler eigenen Tore. Brutaler Druck.

„Angst essen Seele auf“. Mich an diesen Filmtitel erinnernd, vermochte ich mich der allgemeinen Sicherheit vor dem Spiel nicht anschließen und habe vor Zeugen 1:1 getippt. In der Hoffnung, dass dieses Ergebnis niemals so kommen wird. Es kam so und nun musste kommen was fast zu erwarten war: Auch manch Fan fühlte sich direkt mit Abpfiff nicht mehr an die fiktive Zielvereinbarung gebunden und aus allen Rohren wurde wieder unter jedem möglichen Post zu dem Spiel Hohn und Spott bis hin zu blankem Hass in die Kommentarspalten geledert.

STOPP!

So geht das nicht mehr weiter. So steigen wir ab. Liebe Mannschaft, was können wir tun, was braucht Ihr? Was können wir (fiktiv) neu vereinbaren, damit der so ersehnte Erfolgsfall eintritt und wir die Tabelle wieder etwas entspannter betrachten können? Ihr seid gute Fußballer. Aber vielleicht nehmt Ihr nach dem Training mal zwei Kisten Stauder unter die Arme und setzt Euch alle zusammen in die Zeche Hafenstraße und spielt gemeinsam am dortigen Kickertisch einen aus. Guckt Euch an den Wänden um und erkennt, warum uns Fans das alles so viel bedeutet. Stellt Euch vor, Ihr steht eines Tages in den Geschichtsbüchern, hängt da überdimensional in Jubelpose an der Wand. Und vergesst nicht den Willi mitzunehmen, ist schließlich Euer Mannschaftskamerad. Der hat Euch einiges zu erzählen. Meinetwegen geigt Euch die Meinung. Aber betretet Samstag mit erhobenem Kopf den Platz und nicht mit ängstlicher Seele.

Und wir, die Fans, was könnte uns als neue (fiktive) Zielvereinbarung auferlegt werden? Respekt fällt mir da als erstes ein. Respekt auch den Spielern, die in Wegberg leider Gottes nicht gewonnen haben, aber keiner versagt extra! Solche spielen jetzt woanders für mehr Geld. Dieses Internet ist Fluch und Segen zugleich: Segen, wenn sich auch der RWE Fan in Australien ein Bild von der aktuellen Lage machen kann. Fluch, da die Hemmschwelle gegen den Spieler und Vertreter des eigenen Vereins mitunter unter Teppichbodenhöhe gesunken ist. Alle gegen alle. Aber es ging doch auch früher kreativer, seinen Unmut zu äußern: Fan könnte das Stadion erst gar nicht betreten. Fan könnte schweigen und die Mannschaft erst einmal machen lassen. Fan könnte so vieles. Aber nicht mehr blindwütig agieren. Droht der Fan sogar, so steigt auch er ab. Moralisch und tatsächlich dann am Saisonende.

Keiner will einen Abstieg. Wir wollten ursprünglich etwas ganz anders. Aber darüber schweigen wir uns besser aktuell aus. Jetzt gilt es etwas zu verhindern. Danach wird sicher zu Tisch gebeten und muß Tacheles geredet werden. Es geht um Rot-Weiss Essen. Und wir alle sind doch auch Rot-Weiss Essen. Der Fan ein Leben lang, der Spieler bis Vertragsende. Das neue Ziel lautet nun Velbert. Das Spiel wird sicher kein Ball werden, denn der Ball sollte gut rollen. Aber vielleicht ist dieses Zitat aus dem Film „The Rock“ aktuell ganz angebracht:

  • Mason: „Schaffen Sie das auch wirklich?“Goodspeed: „Ich werd‘ mein Bestes tun.“Mason: „Ihr Bestes? Versager jammern immer von wegen ihr Bestes, aber Sieger gehen nach Hause und vögeln die Ballkönigin!“Goodspeed: „Carla war die Ballkönigin.“Mason: „Wirklich?“Goodspeed: „Ja!“

Holt Euch die Ballkönigin!

Bitter Sweet Symphony

Könige für einen Spieltag. Erntedank gegen Erndtebrück. Wattenscheid in den ersten zwanzig Minuten vor knapp Dreitausend im Stadion und offiziell gemessenen Vierhundertfünfzigtausend Zusehern vor den heimischen Empfangsgeräten an die Wand gespielt. In der fünfundzwanzigsten Minute aus dem Nichts dann das Gegentor. Eins zu Null für Wattenscheid 09. Ein Tor mit einer Wirkung, die einem Börsencrash gleichkam. Die zuvor hochgelobte Aktie RWE rauschte von jetzt auf gleich den Bach hinunter wie nix Gutes. Das Überfallkommando stellte prompt seine Überfälle Richtung Wattenscheider Tor ein, ohne dafür das Kommando bekommen zu haben.

Das erste Spiel seit 2008 vor dem Fernseher, die Familie zudem mit Rot-Weissen Devotionalien ausgerüstet, sich selber derweil mit einem Bier. Ebenfalls das erste bei einem Spiel des RWE seit 2008. Ganz entspannt also wurde das vierte Spiel der noch jungen und doch schon wechselhaften Saison angegangen. Wer Fußball Regionalliga auf Sport 1 anschaut, der weiss mittlerweile, was ihn erwartet: Moderator Jörg Dahlmann schwafelt sich durch mehr oder meistens weniger erfolgreiche Vereinshistorien, kommentiert gelegentlich sogar Spielszenen und findet irgendeine arme Sau auf der Tribüne, deren Mimik und Gestik ab sofort dauerhaft kommentiert wird. An diesem Abend waren es aber durchaus viele kommentierte Spielszenen. Muss man ja auch mal erwähnen.

Laura Wontorra, die durchaus aparte Tochter von und zu Doppelpass Jörg, nutzt das Stadion immer mehr als Laufsteg in eigener Sache, spielt gekonnt Social Media und interviewt, wann immer Kollege Jörg das von ihr erwartet. Alles wie gehabt also. Die einzige positive Überraschung des Abends stellte dann Hannes Bongartz dar. Eigentlich doch aus dem Lager Wattenscheid stammend, wurde man das Gefühl nicht los, dass seine Sympathie und der Wunsch nach einem Tor eher den Rot-Weissen aus Essen galt. Das mag aber auch täuschen, vielleicht konnte sein Trainer Ego einfach nur nicht akzeptieren, was er da von Seiten der Essener gerade geboten bekam.

Wie dem auch sei: Noch vor der Pause gab es dann den zweiten Gegentreffer und auch in der zweiten Halbzeit wurde dem Fußballsachverständigen schnell klar: Bevor der RWE hier und heute ein Tor erzielt, wird eher der Flughafen Berlin eröffnet. Man steckt einfach nicht drin in den Köpfen der Spieler. Wattenscheid 09 hatte keine Lust mehr auf Spielchen nebst möglicherweise aufkeimender Essener Hoffnung und erlegte den Neun-Ender der vergangenen Woche dann recht fix in der 53. Spielminute. Die Richtmikrofone wurden scheinbar vor dem Standort der Essener Fans ab- und vor dem Wattenscheid Lager auf Höhe Mittellinie  gegenüber wieder aufgebaut. So wechselte die Stimmungshoheit. Zwanzig Minuten vor Abpfiff wurden gar auf Essener Seite die Fahnen abgehangen und gegangen. Die, die blieben, ob nun im Stadion oder vor dem Empfangsgerät, pfiffen nach dem Schlusspfiff. Zwar noch nicht aus dem letzten Loch, aber sichtlich und zurecht aus Enttäuschung. Was ein Grottenkick. Im Anschluss rumort und grummelt es natürlich direkt wieder. Aus dem Herzen wird keine Mördergrube gemacht.

War es das schon wieder? Nein, natürlich war es das noch nicht. Wattenscheid 09 war das, was unser RWE gegen den TuS Erndtebrück war: Brutal effektiv. Allerdings hat der TuS durchgespielt, während unsere Mannschaft selbiges von jetzt auf gleich komplett eingestellt hat. Die Psychologie der neunzig Minuten. Nicht nur, dass man sie als Fan nicht nachvollziehen kann, man fährt auch noch damit nach Hause. Hat damit zu leben die nächsten Tage. Dieses Dasein als Fan ist doch schlichtweg nur Betrug an einem selbst: Immer wieder glaubt man daran, und wird doch eines besseren belehrt. Und dann kommt heute auch noch der FC Wegberg-Beeck an die Hafenstraße. Seines Zeichens Aufsteiger und bislang Prügelknabe der Liga. Laut Selbstverständnis also ein Gegner, der natürlich mindestens mit Drölf zu Null aus dem Stadion gewemst wird.

Nee, wird er natürlich nicht. Der FC Wegberg-Beeck wird der bisher schwerste Gegner der Saison. Eben aufgrund unser aller Erwartungshaltung. Eben wegen Wattenscheid. Eben wegen Erndtebrück. Die Dramaturgie der bisherigen Saison ist für uns mal so richtig Scheisse gelaufen, so dass es heute eigentlich nur in die Hose gehen kann. Wenigstens ist uns die Spielplangestaltung hold, denn das Ergebnis unter der Woche und das zeitversetzt stattfinden Länderspiel „unser aller Ersten“ kostet sicher so viel Zuschauer, so dass ein jeder per Handschlag begrüßt werden könnte. Nur gut, dass die verkauften Dauerkarten jedes Spiel mit in die präsentierte Zuschauerzahl einbezogen werden.

Der DFB Pokal hat gezeigt, was Rot-Weiss Essen an Liebe bekommen kann. Die Liga dagegen scheint gerade zu offenbaren, dass die Liebe der Fans auch mal eine Pause einlegen kann. Der Verein reisst sich dermaßen im Stadtbild den Allerwertesten auf, um Flagge zu zeigen, findet immer mehr Anerkennung, nur das Flaggschiff „Erste“ wird dem einfach noch nicht gerecht, braucht Zeit. Aber, bei einem Verein wie Rot-Weiss Essen zählen nun mal in erster Linie die Ergebnisse der Mannschaft. Das nehme ich mit in den nächsten Tag. Das macht mich glücklich und stolz, oder lässt mich ungläubig zurück.

Keiner der Vierhundertfünfzigtausend Zuseher hat Dienstag Abend auch nur ein Argument dafür bekommen, es vielleicht mal in der Zukunft mit dem RWE zu versuchen. Heute gucken vielleicht nur Viertausendfünfhundert Fans zu. Und ich wünsche jedem einzelnen, dass es zu einem dreckigen 1:0 reichen wird. Denn heute erwartet uns der schwerste Gegner der Saison! Aber das erwähnte ich schon.

Erntedank.

Na Toll!. Ich will an anderer Stelle zu Potte kommen, melde mich also erst einmal hier ab. Lasse lediglich das Hintertürchen „Besonderes Ereignis“ offen. Davon ausgehend, dass alles weiter seinen gewohnten, stets etwas unruhigen Gang nehmen wird. Doch dann kam Erndtebrück. Und es wurde ein besonderes Ereignis. Ein Ereignis, von dem zunächst nicht auszugehen war, das es eines werden würde. Der erste Heimerfolg sollte und musste natürlich unbedingt her, um nicht direkt zu Saisonbeginn schon den Anschluss zu verlieren, aber Fußball ist eben nicht planbar.

Um nun nicht auch Gefahr zu laufen, irgendwie höhere Mächte im Nachhinein für ein schlechtes Ergebnis verantwortlich zu sprechen, wurde schon vorher versucht, die Götter des Aberglaubens gnädig zu stimmen. Ergo: Anderes Trikot an. Andere Fahrtroute. Vorher tanken und schon vor dem Spiel das „nach dem Spiel Bier“ für Zuhause kaufen. Aber in Bottrop tanke ich nicht mehr, da wird man andauernd und ungefragt auf sein Gewicht reduziert: „Oh, der ist RWE Fan, der hat es schon schwer genug“.

Die Frikadelle wurde nun an einem anderen Stand erworben und die Tribüne wurde quasi erst mit der Mannschaft betreten. Albern, ich weiss. Nur ist der RWE doch geradezu dazu prädestiniert, gegen eine Mannschaft in den Sack zu hauen, die nicht nur als Außenseiter, sondern überhaupt das erste Mal an der Hafenstraße zu Gast ist. Und dann wäre es direkt und unverzüglich wieder sehr ungemütlich geworden. Die Zuschauer kamen zunächst recht spärlich. Zwar nicht so gekleidet, doch in der Anzahl, Richtung Stadion. Es war Werktag, es waren die bisherigen Heimspiele und es gab auch keine Auswärtsfans. Alles also sehr gediegen. Und doch war der Tenor der kurzen Gespräche eindeutig: Heute muss gewonnen werden. Eine Erwartungshaltung, wie gemacht für eine Niederlage.

Doch dann kam alles anders:

ISDT
1: 0 RWE vor mittlerweile doch 23.456 Fans. Die Erndtebrücker standen noch im Stau. #RWETUS
25.08.15 19:4
ISDT
2:0 RWE nach einer Roncalli würdigen Flugeinlage. Die Erndtebrücker Fans haben enttäuscht das Stadion verlassen. #RWETUS
25.08.15 19:52
ISDT
Eigentor zum 2:1 durch das „Kacktor“ des Jahrhunderts. Unbedrängt köpft der RWE Spieler lässig & elegant neben dem verdutzten Torwart ein.
25.08.15 19:58
ISDT
3:1 in der 30. Spielminuten durch Coca Cola. Präsentiert durch Marvin Studtrucker. Oder andersrum. So, nun wieder Eigentor… #RWETUS
25.08.15 20:04
ISDT
Halbzeit 3:1 RWE. Wir feiern und singen, tanzen und springen. Und haben natürlich noch lange nicht gewonnen… #RWETUS
25.08.15 20:19
ISDT
So selten wie Drillinge auf normalem Wege: Ein Elfmetertor für den RWE: 4:1 #RWETUS
25.08.15 20:39
ISDT
Fünf Baby, gib mir Fünf. 5:1 #RWETUS
25.08.15 20:44
ISDT
6:1
25.08.15 20:49
ISDT
Endlich wieder Sechs an der Hafenstraße. Ist ja nicht mehr auszuhalten.
25.08.15 20:50
ISDT
Die Sieben Tore des RWE. 7:1 #RWETUS
25.08.15 20:59
ISDT
Ach Du grüne Neune: 8:1 #RWETUS
25.08.15 21:07

Viele Tore, viele jubelbedingte Unterbrechungen. Zeit also, zu zwitschern, was die Tore hergeben. Im laufenden Spiel gilt natürlich Handy weg. Für das neunte und letzte Tor fehlten dann allerdings die Worte. Zehn Tore also, die allesamt durch Spieler des RWE erzielt wurden. Inklusive einiger ungenutzter Torchancen. Was aber auch gut so war, denn solch Ergebnis trübt oft die Sinne. Denn es war natürlich ein einseitiges, aber nun nicht unbedingt hochklassiges Spiel. Es war einfach brutal effektiv.

Und Patrick Huckle wird sicher damit rechnen, dass sein Tor unweigerlich das Tor des Abends sein wird. Vielleicht hat er Glück, und es wurde nicht gefilmt; dann bleibt im das „Kacktor der Woche“ auf Arnd Zeiglers wunderbarer Welt des Fußballs erspart. Wenn doch, dann kann er aber für sich in Anspruch nehmen, dass dieser Fauxpas seiner Leistung keinen Abbruch tat und er sich souverän in das Spiel zurückgekämpft hat. Das ist manchmal viel mehr wert. Die Fans hatten ihren Spaß am Spiel, zwischen ungläubig zur Kenntnis nehmend und träumend im Gras liegend. Alte Gassenhauer wurden herausgekramt. Rot-Weiss Essen ole`.

So was hat man lange nicht geseh`n und noch weniger gehört. Es war eine schöne Heimfahrt.

Der Hexenschuss für das Fußballherz.

Vorfreude ist ja die bekanntlich schönste Freude. So liegt es gerade auch im Naturell eines fast jeden Fußball Fans, sich allen Erfahrungen der Vorsaison zum Trotze doch wieder auf die neue Saison zu freuen. Man „betet“ sie förmlich herbei; zudem steigert eine halbwegs gelungene Vorbereitung Erwartung und Ungeduld. „Erwartung und Ungeduld“, eigentlich die optimalen Synonyme für den RWE Fan. Wer allerdings direkt mit Anpfiff der Saison eine perfekt geölte Systemmaschinerie erwartet, die auch noch innerhalb der neunzig Spielminuten variiert werden kann; der wird natürlich wieder schnell enttäuscht werden.

Mit dieser Erwartung ist heute wohl keiner der knapp über Neuntausend Fans an die Hafenstraße gepilgert, behaupte ich einfach mal. Wir haben nun wohl endgültig begriffen, dass erst etwas wachsen muss, bevor geerntet werden kann. Das Basismenü Regionalliga wurde also dieser Tage wirklich sehr wohlwollend bestellt. Das Trüffelschweinchen Fortuna essen wir dann erst nächste Woche. Lass deren Fans ruhig saufen. Essen ist immer noch der wahre Genuss. Wie dem auch sei, der Pokal tat heute kaum etwas zur Sache.

Aus Wiedenbrück kam heute kaum ein Fan mit an die Hafenstraße, der Fanbus wurde aufgrund der Urlaubszeit gecancelt. Irgendwie auch schon wieder sympathisch. Herrlich kommentiert übrigens am Pissoir, wo nicht nur die Dinge in die Hand genommen werden, sondern bisweilen auch der Flachs blüht: „Iss der Gästeblock voll, leck mich anne Socken“. Die Zeit der gemeinsamen Austreterei war übrigens ca. nach dreißig gespielten Minuten. Es stand noch 0:0, der RWE hatte scheinbar das Spiel im Griff, erste Ansätze einer neuen Spielphilosophie waren zu erkennen, wobei die Mannschaftsaufstellung durchaus überraschte. Noch mehr jedoch die Namen derer, die heute nicht einmal dem Kader angehörten. Einem Marc Fascher hätte man dafür noch vor Anpfiff direkt seine Taxofit Kappe verkehrt herum auf den Kopf getackert. Verbal natürlich.

Die Abwehr stand aber solide, der Einsatz war wie eigentlich immer schon nicht zu bemängeln. Bis zur 44. Spielminute schien es also nur eine Frage der Zeit, wann der Führungstreffer fallen würde. Die Fans auf den Tribünen recht launig, und im übrigen auch wieder mit koordinierter Unterstützung. Der Sozialromantiker in mir freute sich sehr, dass es scheinbar auf vielen Ebenen positive Ansätze gegeben hat, die wieder zu einer gemeinsamen Unterstützung für diesen Verein, den wir alle so sehr lieben, geführt haben. Danke dafür! Ganz gelegentlich ist einem Wiedenbrücker Spieler vor Schreck der Ball über den Spann gerutscht, als es plötzlich von allen drei Tribünen schallte.

Die 44. Minute also: Wendepunkt kurz vor der Halbzeit. Jeffrey Obst machte bei seinem Gegenspieler wohl Fruchtfliegen aus und wollte sich dessen erwehren. Jener sank also dahin und eine rote Karte war die Folge. Folgerichtig übrigens, denn schon der Versuch ist strafbar. Eine dumme Aktion, die nachhaltig der Mannschaft geschadet hat, musste sie doch in der Folge eine komplette Halbzeit mit einem Mann weniger auskommen. Glücklicherweise schienen die Wiedenbrücker aber gar nicht mitbekommen zu haben, dass sie einen Mann mehr auf dem Feld waren; machte doch der RWE weiter das Spiel und grätschte sich mitunter in den Szenenapplaus. Es gab auch die ein- oder andere Torchance. Ungenutzt leider.

Dann kamen aber die letzten Minuten, endlich hatten die Ostwestfalen ihre Gegenspieler durchgezählt und festgestellt, dass mit numerischer Überlegenheit auch mal ein blitzsauberer Konter gefahren werden kann. Tenor: Fußball kann so einfach sein. Fußball war dann noch einmal einfach und sogar noch ein drittes Mal. Endstand 0:3 also und es gab das, womit bei aller Bescheidenheit kaum einer in dieser Form gerechnet hatte: Einen Fehlstart! Untermalt von einer überflüssigen roten Karte nebst sicher längerer Sperre. Da hilft auch der neue Hardcore Stehbereich inklusive Flatrate nicht weiter.

Ein wenig Schockstarre machte sich breit. Keine Häme zum Glück, keine vulgären Reflexe. Es gab sogar zaghaften Applaus für eine Niederlage trotz engagierter Vorstellung, die so nicht wirklich zu erklären ist. Die Niederlage jetzt. Und noch weniger zu begreifen. Ist nun mal passiert. Ich glaube, dass des Trainerteam aus diesem Spiel seine richtigen Konsequenzen ziehen wird. Und nein, sicher werden wir nicht, wie nun bisweilen in den sozialen Medien befürchtet, 0:9 gegen Fortuna Düsseldorf untergehen. Sie sollen hart an uns zu knabbern haben. Und dann geht es weiter. Immer weiter. Isso!

Das zarte Pflänzchen Hoffnung.

Nach der Saison ist natürlich vor der Saison. Die nächste Saison in den Untiefen der heimischen Ligenpyramide. Selbst Meisterschaft bedeutet hier noch nichts geschafft. Sollte diese eines Tages erreicht werden natürlich! Es ist tatsächlich schon die achte Saison, die wir unterhalb des „Profitums“ und „profitablen Tuns“ auflaufen. Acht Jahre Liga Vier und Fünf. Dieser Fakt  auf menschliche Beziehungen umgemünzt, und selbige wäre schon längst aufgrund einseitigem Desinteresse gescheitert.

Rot-Weiss Essen und seine Fans bleiben einander einmal mehr, und zum Erstaunen aller, treu. Muss ja, so die eher pragmatische Feststellung über den Gegenpart, den man doch so sehr liebt. Ob man will, oder nicht natürlich! Rot-Weiss Essen hat nach einer Saison voller Extreme dermaßen intensiv an den Stellschrauben gedreht, so dass man fast glauben könnte, es wird nun alles gut. Was auch immer jeder einzelne Fan darunter verstehen mag. Guter Fußball allein reicht da schon. Echt jetzt.

Fakt ist: Der neue Trainer macht bislang einen guten Eindruck; bei unseren Spielern sitzt die Frisur und die Testergebnisse gehen d’ac­cord. Es ist alles fast zu schön um wahr zu sein. Wenigstens bleibt uns das Verletzungspech treu. Worauf wir verzichten könnten, im Gegensatz zu den schon über Viertausend Dauerkarteninhabern. Geht wohl doch nicht ohne. Nicht mal das haben die Protagonisten der vergangenen Saison geschafft. Uns alle zu vergraulen jetzt! Das Faustpfand von Rot-Weiss Essen, also die da auf den Tribünen, hat klar gemacht, dass der Verein nicht alleine dasteht.

Und ich hoffe, dass auch die auf den Tribünen inhaltlich zusammenstehen. Geht es doch definitiv nur gemeinsam. Gibt es also dieser Tage wirklich so etwas wie ein zartes Pflänzchen Hoffnung, so will es gehegt und gepflegt werden. Schließlich sind acht Jahre in den Niederungen bei eigenem Selbstverständnis eine sehr, sehr lange Zeit. Warum also sollte es ausgerechnet in dieser Saison mit dem so ersehnten Aufstieg klappen?

Spätestens auf diese Frage gibt es keine rationale Antwort mehr. Rot-Weiss Essen ist aber auch nicht rational. Vielleicht ist das die Antwort auf die Frage. Heute ist Saisoneröffnung, heute ist #rweinternational. Es wird eine gute Saison. Nur der RWE!

Diametral abkippender Sechser.

Zu Beginn möchte ich dem neuen Ehrenmitglied bei Rot-Weiss Essen, Otto Rehhagel, für die heutige Überschrift danken. Diese Begrifflichkeit erwähnte Herr Rehhagel im Zuge seiner Rede anlässlich besagter Beförderung. Herr Rehhagel ist eine Type im Fußball; und wenn man ihn heutzutage ab und an auf der Tribüne an der Hafenstraße erlebt, so zeigt er dort immer noch mehr Emotionen, als Dr. Uwe Harttgen Gesichtsausdrücke hat. Ein Fußballer durch und durch.

Trotzdem bin ich zugleich auch etwas froh, dass der Fußballlehrer Rehhagel auf der Tribüne und nicht mehr am Spielfeldrand sitzt. Also bei RWE jetzt. Weil, da sitzt ja nun ein neuer Trainer. Der Jungspund Jan Siewert. Gerade erst zum Mann gereift. So der erste Tenor im Plenum Forum. Nun sind einige Tage seit Amtsantritt vergangen und man wird das Gefühl nicht los, als ob an der Hafenstraße einmal kräftig durchgelüftet wurde. Auf der Jahreshauptversammlung herrschte dagegen ein emotional erstaunlich laues Lüftchen. Es gab von den Mitgliedern also keine Generalabrechnung bezüglich der Norddeutschen, ausser vielleicht in punkto Entlastung. Das deren Herkunft übrigens nicht der Grund für die vergangenen Saison war: Eines Tages wird man es verstehen.

Nun also der Rheinland-Pfälzer aus Mayen. Und mit im Gepäck auch der neue Sportdirektor Andreas Winkler. Im Verein jedoch bestens bekannt. Nicht aus Funk und Fernsehen, sondern diversen Funktionen. Und dieses schon seit über zwölf Jahren. Es ist also davon auszugehen, dass Andreas Winkler weiss, wie die Hafenstraße tickt. Sein Geburtsort war leider nicht zu eruieren, so dass wir noch nicht wissen, welchen Teil der Republik wir dann beschimpfen, sollte die Saison nicht erfolgreich verlaufen. Glaubt man aber den Trainingskiebitzen dieser Tage; hat zudem die ersten Auftritte von Jan Siewert und Andreas Winkler mitverfolgt, so kann es in der kommenden Saison etwas werden mit der Vision Hafenstraßenfußball. Was nicht zwingend die Relegation bedeutet.

Der frische Wind bringt nun aber so viel Wirbel mit sich, so dass aus uns aus der Vorstandsetage von jawattdenn.de folgende sms erreichte:

Puh. Erstes Testspiel gewonnen. Die Trainingskiebitze sind begeistert von den Einheiten. Alle scheinen Spaß zu haben. Holt mal jemand den Fascher zurück, damit mal auf die Euphoriebremse getreten wird.

Wir sind scheinbar so negativ konditioniert, so dass wir bei Spaß an alles denken, aber nicht an unseren RWE. Wir wissen nicht mal, ob unser neuer Trainer nun mit oder ohne diametral abkippenden Sechser spielen lässt. Was ist das überhaupt für ein Gedöns?. Vielleicht aber musste die vergangene Saison einfach sein um nun endgültig ganz von vorne anzufangen. So sollten wir es auch angehen. Ganz von vorn, in Fachkreisen auch 1.Spieltag genannt. Sollten gemeinsam Essen, gemeinsam anfeuern und manchmal auch einsam leiden.

Die vergangen Tage haben deutlich gezeigt. dass die einzige Meisterschaft für unseren Verein immer noch die Nabelschnur bedeutet, welche ihn mit der öffentlichen Wahrnehmung verbindet. Doch sie wird schwach und schwächer, je länger wir in den Niederungen der Ligenpyramide  als Smoothie oder Trinkwasser darben, anstatt einige Etagen höher endlich wieder Fleisch und Fisch zu sein. Um einmal die Ernährungspyramide zu zitieren. Saison Acht nach „Lübeck“. Es nützt ja nix, ich freue mich drauf. In diesem Sinne: Nur der RWE!

Front of Stage

Der bajuwarische Verbandsfürst und DFB-Vize in Personalunion hat eine Idee: Er möchte die Regionalliga durch eine weitere Reform nicht reformieren, sondern augenscheinlich verschlimmbessern. Besser nicht weiter darüber nachdenken, ist wirklich schlimm. Daher hier an dieser Stelle auch keine weiteren Ausführungen zu dieser sportlichen Antithese namens Regionalliga. Man stelle sich einmal vor, der FC Schalke wird endlich wieder Meister, also der zweiten Liga…und darf nicht aufsteigen.

Wie dem auch sei: Es drohen also noch mehr Aufstiegsspiele. Noch mehr zerplatzte Träume, inklusive noch mehr negativer Emotionen, die sicher auch manch Stadionzaun nicht gut tun. Und da kontern wir nun mit einer eigenen Idee, um wenigstens auf den Rängen die Schärfe aus dem Spiel zu nehmen: Fans aller, zu den Aufstiegsspielen gezwungenen, Vereine bekommen für die Spiele einen eigenen kleinen „Front of Stage“ Bereich rund um ein Fluchttor der jeweiligen Tribüne eingerichtet.

Platzsturmwillige melden sich dafür im Vorfeld beim Verein ihres Vertrauens, um in diesen besonderen Bereich zu gelangen. Natürlich sind die Karten etwas teurer, aber dafür ist man auch nahe dran am Geschehen. Mit dem Erwerb einer solchen Karte bekommt der Fan nicht nur das Recht auf einen Platzsturm, sondern auch eine Sturmmaske in den Vereinsfarben überreicht. Nach Spielende kann der Platzsturmwillige zusätzlich ein Foto mit mit einer Actionszene seiner Wahl beim Ordnungsdienst abholen. Für nur 20€ mehr können zusätzlich Grüße oder Wünsche benannt werden, die von Steffen Simon während der Übertragung öffentlich vorgelesen werden.

Nun zur Praxis: In der 75. Minute wird der Ordnungsdienst das Fluchttor öffnen, und die Front of Stage Besucher des zurückliegenden Vereins dürfen auf den Platz. Zeitgleich wird das Spiel geordnet und vom DFB genehmigt unterbrochen. Die Platzsturmwilligen können sich nun  vor dem Tor „knubbeln“, oder auf dem Platz Spielerautogramme abholen. Sie dürfen Richtung Fanblock gegnerische Mannschaft rennen, einmal kurz winken oder fangen spielen mit Laiendarstellern in Uniform. Nach exakt 15 Minuten geht es wieder zurück in den Front of Stage Bereich. Das Spiel wird wieder angepfiffen und kann somit völlig geordnet über die Bühne gebracht werden. Eine Win-win-Strategie für alle Beteiligten also. Hysterie fehl am Platz, keine Sach- und Personenschäden, keine negative Presse.

Das nun trotzdem einer der beteiligten Vereine als Verlierer aus dieser Relegation hervorgehen wird: Das ist und bleibt der eigentliche Skandal. Nicht nur die frei drehenden Emotionen derer, die sich ein weiteres Jahr um sämtliche Hoffnungen und Mühen auf und neben dem Feld betrogen sehen! Lieber DFB, natürlich ist diese „Front of Stage“ Idee total bescheuert. Aber dieses Konstrukt namens Regionalliga und deren Aufstiegsmodalität, das ist aktuell noch bescheuerter.

Nachwuchs.

Da alles, was mit Rot-Weiss Essen zu tun hat, weitestgehend nicht entsorgt wird, fiel mir gestern die 11Freunde Ausgabe #159 in die Hand. Es war die Februar Ausgabe: Die Gemeinschaftspraxis RWE unserer Doktoren war ein Thema der Ausgabe. Der Aufmacher lautete „Am Ende kriegen wir doch wieder auf die Fresse“. Wie wahr, wie wahr. Es gab ordentlich davon. Verbaler Natur zum Glück.

Vier Monate später: Die Gemeinschaftspraxis ist Geschichte; es lebe die Professur. Marc Fascher bekam ein „big dislike“, der Hermesbote  zog von dannen und manch anderer Richtung Kanal. Füße scharren war angesagt. Trainerlos unserer Verein. Auch nicht wieder wirklich gut. Den Trainer aus dem Amt schreiben- oder pöbeln ist das Eine. Aber gänzlich ohne dazustehen ist jetzt auch nicht wirklich gut. Es fehlt der Schuldige. Der Zukünftige natürlich.

Doch dann machte es die Runde: Der Verein Rot-Weiss Essen hat einen Übungsleiter, besser bekannt als Trainer. Und seine Bekanntgabe hat etwas von einer Geburt. Kaum ist Name und Geschlecht bekannt, geht das Theater los: Zu jung, zu runzlig, noch Babypuder. Ein Junge, kein Mann. Wer sind seine Eltern? Der DFB? Ach Du Kacke… usw. Liebe Leute, es hätte auch Ernst Middendorp werden können. Und dann? Wir hätten auch Jürgen Mourinho bekommen können, und es gäbe selbst daran etwas auszusetzen.

Neue Spieler werden auch präsentiert. Natürlich nicht ohne deren abgebende Foren zu sezieren. Wir wollen doch wissen, welch Lusche wir bekommen. Cebio ist auch noch da. Mal wieder Neuzugang. Und die Schwester von Sascha Mölders hat auch geheiratet. Es wird also einmal mehr alles gut in Essen. Ob dann konkret auch an der Hafenstraße, das werden wir sehen. Auf dem Rasen als auch in der Westkurve. Denkt bitte daran, unter dem Strich zählt nur unser aller gemeinsamer Nenner: Zählt nur der der RWE. Herzlich willkommen Jan Siewert, bring uns die Freude am Fußball zurück.

Sehnsucht heißt ein altes Lied der Taiga

Das gemeine Saisonende. Herbeigesehnt und doch wieder verflucht. Schließlich ist nach der Saison ja vor der Saison. Nach der Hoffnung ist vor der Hoffnung; nach dem Trainer ist vor dem Trainer. Was ist mit oder kommt nach „UE“ und warum bringt unser neues Trikot rückwärtig betrachtet direkt Ballast in Form eines undefinierbaren Streifens mit sich? Die Intention des Designers hätte ich an dieser Stelle gerne gehört. Vorne annehmbar; in seiner roten Schlichtheit passend zum Spiel, von hinten jedoch untenherum pfurzhässlich.

Und wann wird`s mal wieder richtig Sommer? Das aber alles sekundär, haben doch unsere zukünftigen Erstrundenteilnehmer die aktuelle Saison ziemlich konsequent mit einer 1:2 Niederlage gegen die Kölner Zweitvertretung beendet. Der finale Schulterschluss blieb diesmal somit aus. Allzu viele Schultern waren aber auch nicht mehr zugegen. Eine Saison, die jedem einzelnen von uns mindestens zehn Fanleben gekostet hat. Der RWE als App, und wir hätten unser Datenvolumen schon zur Winterpause aufgebraucht; müssten „In App Käufe“ tätigen, das Datenvolumen aufstocken oder dergleichen. Knackpunkt Aachen inklusive.

Auf und Ab in einer Achterbahn, die ob zweier Protagonisten von Beginn an nicht wirklich TÜV geprüft wirkte. Sportliche Philosophie anders definiert mit dem Kader dieser Saison, und wir stünden morgen in der Relegation. Behaupte ich einfach mal. Aber, was verstehe ich schon von Fußball, würde ich doch auch einen Tim Hermes nicht wirklich abgeben wollen. Ein Mann wie ein Einwurf.

Ein Einwurf andere Art sei aber an dieser Stelle gestattet: Wir haben den rot-weissen Kessel von allen Seiten dermassen befeuert, so dass dieser dem Druck kaum mehr standgehalten hat. Wenn diese Saison etwas Gutes hat, dann die Erkenntnis, dass der sportliche Ausweg aus dieser Viertklassigkeit nicht erzwungen werden kann. Etwas Geduld würde uns allen gut zu Gesicht stehen. Wir steh`n zu Dir, auch in Liga Vier. So schwer es auch fallen mag. Diese Saison sollte schnell in Vergessenheit geraten. Jetzt gilt es wieder, sich gegenseitig Respekt zu erarbeiten. Auf dem Rasen und auf den Tribünen. Und im Miteinander!

Anderweitig sind nun auch fast alle Würfel gefallen. Natürlich quält uns der „Dino“ mal wieder über Gebühr, hat es Kaiserslautern einmal mehr nicht geschafft und existiert Bielefeld scheinbar doch. Sport1 kann zum eigenen Leidwesen die zweite Liga noch nicht zur Besten aller, aller, aller, aller usw. Zeiten bewerben, ist doch der FC Ingolstadt dieser entronnen. Aber eben auch der SV Darmstadt 98.

Der einzige Verein neben dem VfL Bochum, der trotz seiner Vereinsfarben sympathische Züge trägt. Die Lilien werden gerade bundesweit gefeiert und steigen auf einer Oldschool Welle auf, wie es sie lange nicht mehr gegeben hat. Die Kabinen am Böllenfalltor werden noch viele, der Realität entrückten Fußballer, erden. Dass die sportliche Leistung der Ingolstädter fast untergeht und wohl mehr über die vier Ringe definiert wird, ist nicht wirklich fair den Spielern gegenüber, aber damit war zu rechnen.

Der Aufstieg der Lilien hingegen wird so oft mit Fußball statt Geld begründet, so dass man sich nichts sehnlicher wünscht, als eines Tages auch dieses sportliche Ziel zu erreichen. Und Fußball Deutschland freut sich dann mit mit Rot-Weiss Essen. Realistisch betrachtet spielen nun der FC Ingolstadt und die Lilien die beiden Direktabsteiger unter sich aus. Höchstens noch bedrängt von Schalke 04. In Paderborn jedoch darf man zurecht stolz auf die abgelaufene Saison sein. Man hielt nicht nur am guten Trainer fest, legte sportlich gute Auftritte hin, sondern brachte auswärts auch jedes Mal die halbe Stadt mit. Chapeau!

Und auch wir gehen nun in die Sommerpause. Vielleicht bis bald. Nur der RWE!

Kein Umschaltspiel. Kein durchgesteckt. Kein getunnelt. Kein Aufstieg. Keine Kompromisse. Kein anderes Bier.

Die etwas andere Fastenzeit. Sie dauert keine vierzig Tage. Die Fastenzeit von der hier die Rede sein wird, dauert etwas länger. Viel länger. Es gibt Saures, nicht Süßes. Es gibt die Erkenntnis, dass man sich bei aller Liebe durchaus auf Zeit trennen kann. Von der Mannschaft natürlich. Niemals vom Verein. Es gibt die Ohnmacht einer Tastatur, die dermaßen Gefühle rausgehauen hat, so dass sie schon despektierlich als „Rosamunde Pilcher der Fußballblogger“ bezeichnet wurde.

Hat alles nichts gebracht. Der Blog hat die Spieler nicht erreicht. Da steckt so der Wurm drin, obwohl die beiden, die uns gewurmt haben, vom Hof sind. Hennef also wohl der Wurmfortsatz. Die Träger des Meisterschaftstrikots von 1955 haben eine Saison hingelegt, welche in allen Belangen nur mit „Scheissendreck“ [Pilcher Freunde mögen verzeihen] in die Vereinshistorie eingehen wird. Auf und neben dem Platz; auf und neben den Rängen.

Wenn das gegen Hennef nun passiert ist, weil fokussiert auf Oberhausen, dann bitte ich noch einmal, alle Pilcher Freunde die Ohren zuzuhalten: Dieses „fokussiert auf XY“ und „XY im Kopf“ ist eine solche Kinderkacke, das hat einfach im Sport nichts mehr zu suchen. War nicht der nächste Gegner immer der schwerste? Dieses Pokalfinale rettet keine Saison. Dieses Pokalfinale könnte aber wenigstens finanziell abfedern, was die Saison an Schaden verursacht hat.

Aber mal besser nicht fokussiert sein auf die erste DFB Hauptrunde gegen den FC Schalke, denn dann wird ja das Finale verloren. Weil XY im Kopf. Vielleicht und hoffentlich gewinnen wir den Niederrhein Pokal. Vielleicht und hoffentlich gewinnt aber auch die „West“, denn da ist Platz für alle. Für alle Rot-Weissen. Das aber nur am Rande der Tribüne. Und dann, das ist kein Witz, würde ich mir eben jene aus Gelsenkirchen nicht als Erstrundengegner der kommenden Saison wünschen. Dann nämlich geht die ganze Kacke wieder los: Hans und Franz wollen auf einmal für den ach so tollen Verein von der Hafenstraße auflaufen. Voll fokussiert auf die erste DFB Pokalhauptrunde. Die Liga wird dafür natürlich einmal mehr gnadenlos versemmelt. Kann mich ja gar nicht konzentrieren.

Nun gut, um sich endgültig vom Pilcher Image zu distanzieren ist es noch zu früh, aber es fällt schon extrem schwer, sich als Fan zu ordnen. Zu verstehen und weiter zu leiden. Selbst das Marketing kann nun keine Kampagnen mehr aus dem Hut zaubern, die auf Vereinserfolgen basieren. Auch das nun Geschichte. Der nächste, historisch zu würdigende Anlass, ist der, an dem Lothar auf die Stange stieg. Mann,Mann,Mann…….es schreibt sich gerade so sperrig wie die Mannschaft sich bisweilen auf dem Feld bewegte. Vielleicht bin ich einfach nur fokussiert auf meinen Aufstiegsartikel.

Wenn die Saison aber doch etwas Gutes hatte, dann die bittere Erkenntnis, dass wir tatsächlich nur einer von vielen Viertligisten sind. Nicht wirklich auf eine DFB Reform hoffen können. Der eingereichte und genehmigte Urlaub für die Relegationsspiele ist wieder abgegeben; sollen sich Kollegen an diesen Tagen schöne Stunden machen. Aber egal wohin die Reise gegangen wäre, ob nach Würzburg, Zwickau, Bremen oder Offenbach, kein Weg wäre zu weit gewesen. Unrasiert und fern der Heimat, alles und alle für den Verein. Na ja, verabschieden wir uns schnell wieder von der Romantik. Die Realität sieht anders aus. Weiter hier, in Liga Vier. Keine Pilcher. Eher Tarantino.

Der Vorstand Sport, der aus dem Fenster stieg und verschwand

Ich mag nicht mehr. Es gibt nichts, aber auch gar nichts, was diese Saison nun noch beschönigen könnte. Und das, obwohl wir gar Tabellenführer waren. In diesen schicken Meistertrikots. Wenn ich nun schreibe, dass ich nicht mehr mag, mag es diesen Blog vielleicht unbeliebt machen, oder auf auf die Liste derer gesetzt, die nun mit einem „big dislike“ leben müssen. Egal! Ich mag aber nicht mehr reflexartig „Fascher raus“ tippen, das ist mir zu einfach.

Freitag griffen nicht die erhofften Mechanismen nach einer wichtigen Entscheidung. Der erwartete Sieg, er konnte nicht eingespielt werden. Viel schlimmer: Es war nach Augenzeugenberichten ein grottiges Spiel unserer Mannschaft. Es war auch nicht der Trainer, der gehen musste, sondern der Vorstand Sport, welcher uns verlassen durfte. Und wenn wir nun zwischen den Zeilen lesen, zudem unseren gesunden Menschenverstand bemühen, einfach mal alles Revue passieren lassen; so bleibt schlicht und ergreifend Verunsicherung.

Und diese Verunsicherung sagt mir gerade, nicht weiter auf denjenigen „einzuprügeln“, welcher sicherlich nicht immer die beste Figur abgegeben hat. Ich kenne Herrn Fascher nicht persönlich und Respekt gegenüber anderen ist eines meiner höchsten Güter. Ergo muss ich einen schwierigen Spagat wählen, den Menschen respektieren und den Trainer kritisieren. Doch bevor ich dieses Spiel verliere, höre ich lieber auf. Wir wissen alle, dass diese Saison Grütze ist. So viel Hoffnung, so viel Frust. Wir wären doch kollektiv bescheuert, würden wir glauben, ein Trainer möchte nicht mit dem RWE aufsteigen.

Es hat aber nicht sollen sein. Somit hat unter dem Strich etwas nicht gepasst, was vielleicht in der Summe als Vorstand Sport benannt werden könnte. Ach ja, unser aller Konjunktiv. Das Elixier aller Fußballfans. Welch Ironie eigentlich: Der Sportpsychologe ist gegangen und benötigt wird wohl dringend ein Psychologe. Oder eine Kiste Stauder in der Kabine. Besser derer zwei. Da musst Du auf dem Platz sowie den Rängen erst einmal klar kommen, mit einer Saison dieser Extreme.

Das ist eigentlich kaum auszuhalten, rechtfertigt Schaum vor dem Mund aber trotzdem nicht. Selbst die Abstiegssaisons 2007 oder 2008 waren schöner. Ist so. Warum? Nun, weil immer noch Hoffnung da war. Es gab spannende Spiele, nicht den Krampf dieser Saison. Wir lebten auf und neben dem Platz. Auch wenn wir auf den Tribünen noch glaubten, dass Verträge und Emblem gleich Einsatz bedeuten. Lübeck 08`, Ihr wisst schon.

Burghausen 07` aber zum Beispiel: Das bislang letzte Heimspiel in der zweiten Liga: Was haben wir um den Ausgleich gebettelt, bis er denn in der 92. Minute endlich fiel. Die „Nord“ sackte kollektiv in ihrem Gemisch aus Schweiß, Tränen und Bier zusammen. Kaum einer vermochte das Stadion ohne eine Träne in den Augen verlassen. Wenn er oder sie es überhaupt zeitnah verließ.

Aber liebe Spieler von heute: Das waren wenigstens noch Emotionen. Wir wurden mitgenommen auf eine Reise, die stetig nach unten ging, aber wir traten diese Reise zusammen an. Mehr wollen wir im Grunde genommen gar nicht. Es ist unser Verein. Wir sind schließlich immer da. Und weil wir immer da sind, sollten wir es irgendwie hinbekommen, diese Saison mit Anstand zu beenden.

So wie es sich gerade darstellt, tut es einfach nur weh. Alle gegen alle? Das ist nicht mehr meine Hafenstraße. Wir haben nicht viele Jahre so viel Dreck gefressen, um nun überhaupt nicht mehr miteinander klarzukommen. Und so möchte ISDT in seiner sportlichen Unzufriedenheit wenigstens das respektvolle Miteinander gewahrt wissen. Ich weiss nicht, was unserem RWE gerade helfen kann. Lasst uns reden. Wenigstens das mit Erfolg. Der Drops ist gelutscht, da hilft weder plumpe Pöbelei noch blinde Wut.

Et geff`n Grummelschuur

Es ist gar nicht mal so schlecht, morgen nicht gen Köln zu fahren: Ich schone die Umwelt, meinen Geldbeutel, die eigenen Nerven und die Geduld der Familie. Und natürlich entscheide ich das alleine, so wie es sicher ein jeder für sich selbst entscheiden sollte. Dass eine Fangruppe wie „UE“ nun komplett den Boykott der kommenden Spiele unter den derzeitigen Voraussetzungen bekanntgegeben hat, ist ebenso legitim.

Es ist das gute Recht eines jeden, ein Zeichen der derzeitigen Unzufriedenheit zu setzen. Egal ob als Einzelfan, oder als große, wohl auch kreativste, Fangruppe rund um unseren geliebten Kuschelverein. Diese Entscheidung wird natürlich, wie alles andere auch in diesen Tagen, erregter diskutiert, als es Dolly Buster jemals am Set war. Behaupte ich einfach mal, denn es gibt derzeit nur noch schwarz oder weiß [Der Trainer und die Mannschaft gehen ja fast unter und können bald unbemerkt ihren Dienst verrichten]. Zwischen Kindergarten und vereinsschädigendem Verhalten auf der einen, und vollster Zustimmung auf der anderen Seite.

Der Verein feat. Aufsichtsrat wird sich in seiner, wie auch immer gearteten, Entscheidung natürlich nicht von uns Fans leiten lassen. Oder erpressen, wie es Hardliner gegen den Boykott formulieren. Wäre es an dem, könnten wir gleich einpacken. Auch wir Fans kämpfen doch schließlich immer wieder gegen auferlegte Auflagen und wollen uns in kein Schema pressen lassen. Vielleicht hätte ich einen anderen Weg gewählt. Nichts ankündigen; kommen und einfach schweigen. Oder den Klassiker der leeren Stehtribüne. Jemand niederbrüllen, den ganzen Frust rauslasen, das geht auch. Sollte aber über der Gürtellinie stattfinden. Und ob der Antagonist der Beschimpfungen dann aus Norddeutschland oder Hintertupfingen kommt, das ist doch völlig egal.

Nun hat also der eine Magen und die anderen Darm. Will sagen: Wir sind alle krank. Der eine organisch, wir alle anderen aber an Seele, Herz und Verstand. Müssen nicht nur mit dem Alleingang klarkommen, sondern auch der möglichen Weiterbeschäftigung eines Trainers ohne Spielverständnis. Man ist also geneigt, die weiße Flagge zu hissen und aufzugeben. Die Spezies Fan wird nämlich weder an Vertragsinhalten, noch an einer Trainerphilosophie etwas ändern. Der Fan wird höchstens zerrissen: Schadet oder nutzt mein Verhalten dem Verein? Schadet oder nutzt aber auch der Verein meinem Verhalten? Rot-Weiss Essen ist unser Verein und sollte demnach über allem stehen.

Rot-Weiss Essen hat sich gerade mal wieder dermaßen in eine Situation begeben, wo die berühmte „Karre vor die Wand“ noch harmlos erscheint. Es hilft wohl nur noch der Rückwärtsgang. Weg von der Wand, gegen die wir alle mit Karacho gerast sind. Und dann schütteln wir uns durch und stehen wieder auf. So wie immer seit 1907. Mit einer Norddeutschen Herkunft hat das alles aber nichts, überhaupt nichts zu tun. Eher mit Charaktereigenschaften. Die nicht die meinen sind, obwohl auch Nordisch by Nature.

Ach so: Hat jemand eine Lösung parat?

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