Kategorie-Archiv: Regionalliga West

„Denk immer daran: Ein Verein, der Freunde hat, ist nie ein Versager!“

So (oder so ähnlich) sprach Clarence, seines Zeichens Engel Zweiter Klasse in Frank Capras Klassiker „Ist das Leben nicht schön!“ zu dem verzweifelten George Bailey, der seinen Aufstiegsmut nach Köln verloren hatte und sich schon in die renaturierte Berne zu stürzen drohte. Natürlich wissen wir, dass dieser Klassiker aus dem Jahre 1946 ein gutes Ende nahm und der junge James Stewart auch nur zufällig und ganz entfernt dem nicht mehr ganz so jungem Marcus Uhlig ähnelte.

Was hat das nun mit dem heutigen letzten Spieltag zu tun? Ganz viel! Außerdem muss man ja einmal mehr an eine Überschrift kommen und deren Ursprung dann wenigstens kurz erklären. George Bailey also hat in diesem wundervollen Film als Prototyp „kleiner Mann“ gearbeitet und gehofft! Zwischendurch nicht mehr an sich geglaubt und wurde dadurch quasi an die Hand genommen. So konnte er am Ende erfahren, dass es die Freunde sind, die das Leben nicht nur lebenswert machen, sondern auch niemals verzagen lassen.

Rot-Weiss Essen hat viele Freunde. Und alle hoffen mit unserer Mannschaft, dass wir den so lang ersehnten Sprung in die Drittklassigkeit am finalen Spieltag dieser so surrealen Saison schaffen werden. Dass es dazu ausgerechnet der Schützenhilfe aus Wuppertal bedarf, ist einfach der Tatsache Spielplanung geschuldet. Daran hat weder „Clarence“ noch sonst wer gedreht. Und man sollte die Rivalität manchmal auch nicht überbewerten. So ziemlich alle anderen Vereine wollen unsere Rivalen sein. Derbygegner, Traditionsduellist, oder was auch immer! Und so ziemlich jeder wurde mittlerweile dazu befragt. Ich warte jetzt noch auf ein Interview mit dem Grotifanten, ob er sich von Anbetracht der gleichen Vereinsfarben in die Wuppertaler Gefühlswelt hineinversetzen kann. Übrigens: Willi Lippens und Otto Rehhagel wurden noch nicht befragt. Das kann eigentlich auch nur ein Versehen sein. Aber vielleicht kommt das noch in Verbindung mit der Echtzeit-Homestory über Kevin Großkreutz vor dem Livestream von Sporttotal.

Es ist mittlerweile auf Essener Seite ein kollektives Kribbeln zu spüren, welches in jüngerer Vergangenheit dass letzte Mal vor dem Aufstiegsspiel in Siegen zu erleben war. Und das, obwohl sich die sportliche Konstellation damals um einiges einfacher für unseren RWE gestaltet hat. Das heutige Kribbeln ist jetzt aber keine Überheblichkeit oder Phantasterei: Es ist eher dem Wissen um die Stärke unserer Mannschaft in Verbindung mit dem Wahnsinn Pandemie unter Hinzunahme eines guten Schusses Fußballgott geschuldet. Wird das Ganze dann mit einer gehörigen Portion Sehnsucht angereichert, bekommt man halt diesen (mittlerweile wieder) unerschütterlichen Glauben an das Wunder von (der) Bern(e).

In einigen Stunden nun fährt der komplette Tross RWE Richtung abgeriegeltes Wegberg-Beeck los. Allen Anschein nach gebührend verabschiedet. Der Aufruf dazu ein optisches Lehrstück, wie man aktuelle Vorgaben einfordert, ohne den Kern der (Fan-)Sache aus den Augen zu verlieren. Also schreit den Bus Richtung Autobahn, aber haltet Euch bitte an die drei Vorgaben auf dem Aufruf.

Und wie startet man sonst in diesen so entscheidenden Tag? ich befürchte, die Frage lässt sich in vielen RWE-nahen Haushalten gar nicht so leicht beantworten. In nicht wenigen Fällen dürfte es schließlich kaum eine erholsame Nacht gegeben haben, die diese Bezeichnung auch nur annähernd verdient. Wir alle malen uns doch schon seit Tagen aus, was diese finalen Spiele mit uns veranstalten werden. Da fällt ziemlich sicher das ein oder andere gesunde Frühstück aus, um direkt mit der Gerstenkaltschale zu starten. Weitere Optionen: Der Appetit fällt vor lauter Anspannung komplett in sich zusammen und macht sich erst nach Schlusspfiff bemerkbar. Oder man nimmt vor lauter Stress alles zu sich, was der Kühlschrank irgendwie hergibt. Bluthochdruck Patienten sollten unbedingt ihre Tablette nicht vergessen und das WLAN Kabel sollte angeschlossen sein. Das Umfeld zudem darüber informiert werden, dass man zwischen 14:00 und 15:55 Uhr nicht gestört werden darf. Wir sind schließlich in der wichtigsten Mission seit 2008 unterwegs.

Schon jetzt wird diese Saison ein Klassiker in den rot-weissen Annalen werden. Alles anders als sonst. Träumen bis zum Schluss! Hoffnung und der RWE: Haben wir uns sonst Jahr für Jahr schon im Spätherbst beständig voneinander getrennt, spielen wir diese Saison nun schon so lange zusammen, so dass man fast von einer richtigen Beziehung sprechen kann. Das macht Spaß, hat uns endlich wieder den Kopf oben tragen lassen. Und normalerweise würde es auch gerade aus Richtung Dortmund sicher jede Menge Zuspruch in unsere Richtung geben. Wenn man nicht gerade selbst seine „Zwote“ von der Kette gelassen hätte, damit um jeden Preis die Drittklassigkeit gestürmt wird. Braucht man ja auch unbedingt, wenn man selbst mit der Ersten nicht so ganz schlecht in der Bundesliga unterwegs ist. Alles sportlich platt machen, was der eigenen AG im Wege steht.

Aber egal wie es nun heute ausgehen wird: Rot-Weiss Essen wird niemals ein Versager sein, dass Wort möchte ich im Anschluss nirgendwo in Zusammenhang mit unserer Mannschaft lesen! Dafür haben wir zu viele Freunde und geben uns gegenseitig Halt. Zwischen himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt oder fassungslos ob des tatsächlich nötigen Entscheidungsspiels wird es ab ca. 15:55 Uhr kaum mehr andere Facetten geben. Wir sollten daher vorab dieser Dortmunder Mannschaft Respekt zollen für eine ebenfalls bärenstarke Saison. Rein sportlich beurteilt natürlich, denn es gilt weiterhin folgende Prämisse: Ist reglementarisch etwas nicht sauber gelaufen, so wird es an den Tag kommen und anschließend beurteilt werden!

So, und nun? Trikot an, sich von Tommy Jockschies Zeilen auf das Spiel einschwören lassen und darauf hoffen, dass es heute Abend nur zu positiven Schlagzeilen rund um die Hafenstraße kommen wird und alle eine positive Bilanz ziehen können. Und dann schlafen wir nach Wochen endlich mal wieder durch.

Don’t Stop Believin’

Das Gericht zieht sich zur Beratung zurück!

Hajo Sommer fragt sich: „Wo ist hier die Fairness“ geblieben? Ich sach ja immer schon, der Kleeblatt-Hajo ist ein guter Typ! Schließlich fragen wir uns schon seit geraumer Zeit, wo rund um das Gewese der Dortmunder Zweitvertretung die sportliche Fairness und die Chancengleichheit für alle geblieben ist. Wahrscheinlich war jetzt aber weniger der BVB über die gesamte Saison hinweg, als der aktuelle Einspruch unseres RWE gemeint. Die Frage seinerseits trotzdem ein schöner rhetorischer Aufhänger, um einmal mehr auf den aktuellen Grund der Einsprüche gegen diverse Spielwertungen hinzuweisen.

Für die Fans anderer Vereine an dieser Stelle noch einmal der Hinweis darauf, dass wir um unseren eigenen Punkte- und Tabellenstand wissen. Diese Einsprüche sind nicht das Hintertürchen für den Fall, dass es sportlich kommenden Samstag nicht reichen könnte! Diese Einsprüche basieren auf der Erkenntnis, dass etwas nicht rechtmäßig gelaufen sein könnte. Und da ist es nicht mehr aber vor allem auch nicht weniger die Pflicht des Vereins, dieses „anzuzeigen“. Geradezu fahrlässig wäre es, dieses nicht zu tun. Aber natürlich macht es ja auch sportliche Rivalität aus, sich nun darüber zu kabbeln.

Unser aktuell zuständiger Verband lässt uns alle nun wissen, dass der Meister direkt im Anschluss des letzten Spieltages nicht gekürt werden kann. Bedauert es geradezu. Ich würde an Verbandsstelle eher bedauern, dass es möglicherweise zu Unregelmäßigkeiten im Spielbetrieb gekommen ist und eher diesen Umstand in den Fokus rücken mit der glasklaren Absicht, Aufklärung zu leisten. Aber nein, eine gerade Linie pssst einfach nicht in die Statuten des WDFV. Vielleicht muss man aber auch erst einmal intern klären, welche Auswirkung Ermittlungen gegen die Zwote des BVB auf die zukünftige Akzeptanz durch Aki & Co. haben könnte. So als Funktionär hat man es auch wirklich schwer.

Der ganze Spannungsbogen rund um diesen letzten Spieltag wurde also um mehr als eine weitere Drehung angezogen. So richtig schlafen kann von uns doch schon seit Wochen keiner mehr. Die nahende EM wird gefühlt nicht einmal aus den Augenwinkeln wahrgenommen: Ob es bei Jogi „müllert“ oder in Gelsenkirchen gerade ein Sack Königsblau umfällt, alles egal. Es zählt einzig und alleine der RWE! Wir erleben gerade diese eine Saison, die scheinbar niemals zu enden droht. Eine Saison, die mittlerweile auch in einem finalen Duell am berühmten O.K. Corral in Tombstone, Arizona münden könnte. Oder als Wrestling Storyboard durchchoreografiert wird.

Irgendwo zwischen all den, sich ständig erneuernden, Nachrichten stecken auch mindestens die Spieler aus Essen, Dortmund, Wuppertal und Wegberg-Beeck. Und es wird sie alle sicher nicht kalt lassen, was da alles so geschrieben steht. Es wird also in unserem Fall einmal mehr auf das bisher so gute Gespür des Trainerteams rund um Christian Neidhart ankommen, die Köpfe für das letzte Auswärtsspiel der Saison freizubekommen. Einmal mehr müssen wir gewinnen. Aber diesen Druck kennen unsere Spiele ja schon zur Genüge, dass dürfte jetzt auch kein Problem für Samstag darstellen.

Ich glaube fest daran, dass wir die aufregendste Titelhatz seit Liverpool & Man City schon Samstag sportlich für uns entscheiden werden. Rot-Weiss Essen hat in dieser Saison so viele Unwägbarkeiten erlebt und bewältigt, schwimmt ständig gegen den Strom und hat sich die ein- oder andere Beule abgeholt. Immer im Fokus gearbeitet. Deshalb:

Diesmal sind wir einfach dran!

„Am Ende wird alles gut. Leider befinden wir uns erst am Anfang vom Ende“ ©ERnst Ferstl

Diese Saison verlangt nicht nur den Spielern und Vereinsvertretern unglaublich viel ab. Auch als Fan ist man arg strapaziert und würde seine Nerven gerne mal auf der Massagebank durchkneten lassen. Es hat Kraft gekostet, so lange an den Aufstieg zu glauben und dass ohne Wenn und Aber auch ständig zu kommunizieren. Sogar ungefragt. Es gab so viele tolle Spiele unserer Roten, nach denen wir gar nicht abwarten konnten, dass uns schon der nächste Stream dem gelobten Land ein Stück weit näher bringen wird. Seit Pfingstsonntag wissen wir mit höchster Wahrscheinlichkeit, dass das gelobte Land einmal mehr eine weitere Saison auf Rot-Weiss Essen und uns verzichten muss. Sehr unwahrscheinlich, dass die Zweitvertretung jetzt noch die nötigen Punkte abgibt um uns auch nur annähernd wieder in Position zu bringen. Nach dem Spiel in Köln besteht zudem kein Anlass zu spürbarem Optimismus, die eigenen letzten beiden Spiele betreffend, so schlecht der Auftritt dort. Speziell die erste Halbzeit war eine ungewollt und ungewohnt kollektive Absage an jegliche Aufstiegshoffnungen. Das war noch schlechter als der Auftritt in Ahlen. Der zweiten Halbzeit war dann wenigstens das „stets bemüht“ nicht abzusprechen. Unseren vielen Indianern auf dem Feld fehlt gefühlt der Häuptling, der in solchen Spielen vorangeht, aufrüttelt und notfalls auch mal anschreit. Wen auch immer. Viele scheinen irgendwie nur mit sich selbst und der eigenen Zukunft beschäftigt zu sein. Die Niederlage und das Ende fast aller Aufstiegshoffnungen somit verdient. Der hohe Aufwand des BVB inklusive Pippi Langstrumpf Lebensmotto, sich die (Liga-)Welt so zu machen, wie es ihm gefällt, hat sich am Ende der Saison ausgezahlt.

Sich nun schon vor Monaten ein Trikot mit „Aufstieg 21“ beflocken lassen, wirkt im Nachgang sicher komplett arrogant. Ebenso wie die Aufstiegstorte in der Kühltruhe mit selbiger Aufschrift. Aber es sah doch alles auch danach aus. Selbst die Kommentare einer Sportzeitung mussten immer mal wieder durch neue Kommentare revidiert werden, kam doch der Abgesang zu früh (Zu früh sollte man übrigens auch nicht mit einem Endergebnis und erstem Text online gehen, während das Spiel noch läuft. Das ging gegen Straelen so richtig nach hinten los). Es gab also Phasen in dieser langen Saison, da schipperten wir auf ruhiger See dem Sonnenuntergang entgegen und träumten zu Recht von dem finalen Pfiff, welcher uns endlich auf den aufsteigenden Ast bringen würde.

Es kam nun leider doch alles anders und nicht der Sonne entgegen: Trotz der vielen erfolgreichen Schichten bleibt Rot-Weiss Essen einmal mehr unter Tage stecken. Die Grubenlampe im finsteren Stollen Regionalliga hatte zum Schluß nicht mehr genug Saft, um den Weg zum Förderkorb Richtung gelobtes Land dritte Bundesliga zu weisen. Die Gefühle direkt nach Abpfiff im Kölner Südstadion zwiegespalten: Auf der einen Seite der Sturz in komplett vollumfängliche Enttäuschung und Traurigkeit. Auf der anderen Seite aber auch die rationale Erkenntnis und Dankbarkeit, dass es aufgrund der Punktausbeute eine der wohl besten Spielzeiten seit so vielen Jahren ist. In manch anderen Jahren wäre man zudem schon längst aufgestiegen. Das macht es ja auch um so vieles frustrierender: Ein prallvolles Punktekonto und am Ende doch nichts in den Händen! Und doch macht sich mit zunehmenden Abstand zum Spiel noch eine weitere, eher ungewöhnliche, Empfindung bemerkbar: Das Gefühl der Erleichterung. Bei aller Traurigkeit erleichtert es ungemein, sich nicht mehr andauernd der Tabelle und den Rechenspielen widmen zu müssen wollen. Endlich mal (wenn auch gezwungenermaßen) den eigenen rot-weissen Kompressor ausschalten können, der seit dem 05. September 2020 geistige Schwerstarbeit zu verrichten hatte.

Die Erkenntnis des abermaligen Nichtaufstiegs zeitgleich an einem Wochenende zu erlangen, an dem die Jubelbilder der Aufsteiger aus dritter und zweiter Bundesliga die Runde machen, ist jetzt nicht wirklich einer besseren Stimmung zuträglich. Sie zeigen aber einfach auch nur, wie begehrenswert ein solcher Moment sein kann. Aktuell hat es das, nach Rot-Weiss Essen, sportlich Sympathischste, was das Ruhrgebiet zu bieten hat, nach vielen Jahren mal wieder in die Bundesliga geschafft. Glückauf und herzlichen Glückwunsch, lieber VfL! Auch wenn die Bundesliga langsam aber sicher zur unattraktivsten Spielklasse mutiert. Und endlich haben sich auch Fans und Polizei wieder. Wobei es sich mir komplett entzieht, warum man sich jetzt auch schon bei freudigen Ereignissen kabbeln muss.

Mittwoch endlich sind auch an der Hafenstraße wieder Fans zugegen. Frisch getestet und leider genau so frisch desillusioniert. Die ersten aus dem Lostopf der Dauerkarteninhaber/-innen gezogenen bieten ihre Karten aus dem Frust des Köln Erlebnisses direkt wieder an und verzichten freiwillig. Andere wiederum freuen sich einfach nur darauf, endlich mal wieder das eigene Wohnzimmer betreten zu dürfen. Außerdem kann man sich gebührend von „Platzo“ verabschieden. Oder mal wieder Timo Brauer zuhause begrüßen. Es muss ja irgendwie immer weitergehen.

Mit dem letzten Heimspiel kommenden Mittwoch gegen die Sportfreunde aus Lotte verabschiedet sich vorerst wohl auch „Hafenstraße Live“ in die verdiente Sommerpause. Noch ist nicht absehbar, wie sich die nächste Saison zuschauertechnisch gestalten wird. Dürfen wir rein, ist der Stream vielleicht raus und umgekehrt. Daher der beste Zeitpunkt, um allen Beteiligten einmal ein großes Dankeschön zu übermitteln, uns die Heimspiele auf den heimischen Monitor gebracht zu haben. So zwischen Wäsche falten und Hunderunde.

Ach, was waren wir nah dran. Hoffentlich kommt das nochmal wieder. Und ganz vielleicht kommt auch dem DFB mal langsam aber sicher die Erkenntnis, dass das mit den Zweitvertretungen nicht so ganz im Sinne aller sein kann. Aber, der DFB muss wohl selbst erst einmal zu Sinnen kommen.

Das Bier gewinnt!

Ab heute ist Schluss mit lustig. Die ungestörten Überholmanöver auf dem Tabellenhighway to Hell sind Geschichte: Borussia Dortmund startet wieder in den Trainings- und Ligabetrieb. Mit sicherlich exakt ausgewogener Anzahl an Spielern, um allen Auflagen gerecht zu werden. Fünf Spiele gegen drei Spiele bei zwei Punkten im Voraus: Die Karten liegen weitestgehend auf dem Tisch. Vielleicht sollten wir spätestens Sonntag vor dem zeitgleichen Anpfiff beider relevanten Spiele in Köln und Straelen eine Runde Diazepam für alle schmeißen, um die mittlerweile doch arg strapazierten Nerven in den Griff zu bekommen.

Vorher aber haben unsere Roten noch eine andere Aufgabe zu bewältigen: Heute Abend geht es ab 19:00 Uhr gegen den Sportverein 1919 Straelen e. V im „Europapokal Vier“ (früher mal als Niederrheinpokal bekannt) um den Einzug in das Finale. Das zweite Halbfinale bestreiten zudem der Wuppertaler SV und der MSV Duisburg. Immer öfter nun stellt sich die Frage der Belastungssteuerung unser arg strapazierten Fußballer. Oder der einer möglichen Rotation. Ordnet man das Halbfinale dem Ligaspiel am Sonntag unter oder doch nicht? Und warum hatten wir keinen Frühling?

Wir können sicher darauf vertrauen, dass unser Trainerteam natürlich auch heute auf Sieg stellt, um ins Finale durchstecken zu können. Daher sollten die Körner einmal mehr reichen, um mit den Spielerpässen in die Schnittstelle zu kommen. Im Ernst und abseits der Phrasendrescherei: Heute ist Pokal und der hat seine eigenen Gesetze…

Die Spiele als Freilos im DFB Pokal haben uns allen nicht nur unvergessene sportliche Momente beschert, sondern natürlich auch Bares für rare Zeiten in die Kassen gespielt. In Zeiten der Pandemie ein unverhoffter Baustein, der Rücklagen schafft und Möglichkeiten bietet. Alles in allem ein gern durchlebtes Szenario, welches man auch für die kommende Saison gerne wieder mitnehmen möchte. Somit auch hier: Niemals aufgeben!

Der heutige Gegner aus Straelen übrigens Sonntag der Erste der „glorreichen Fünf“ gegen den BVB und somit auch ein Zünglein an der Waage Aufstieg. Das dachte sich wohl auch das stets rührige Team von jawattdenn und hat sich intern überlegt, wie man Fußballer immer noch am Besten dafür motivieren kann, ein Spiel zu gewinnen. Hier kommt als Ergebnis nach vielen Zoom-Meetings die alte Kreisliga Wahrheit „Das Bier gewinnt“ ins Spiel: Was hat Rot-Weiss Essen, was andere nicht haben? Außer „Alles natürlich“ kommt direkt danach unser gutes Stauder als unschlagbares Argument! Weder in Straelen, Wuppertal, Rödinghausen oder Bergisch-Gladbach gibt es meines Wissens eine eigene Brauerei. Und Homberg als Stadtteil von Duisburg dürfte unter KöPi genug leiden.

Die Motivation war also schnell gefunden, beschlossen und verkündet: Derjenigen Mannschaft, die es schafft, gegen Borussia Dortmund einen Punkt zu holen, winken 50 Liter Stauder. Sorgt der Anreiz Stauder gar für richtig flüssige Beine und solch perlende Kombinationen, so dass es zu einem Sieg gereicht, werden sogar 100 Liter Stauder ausgelobt. Das ist natürlich kein unlauterer Wettbewerb, aber allemal eine Hommage an Fußballligen, in welchen sportliche Dinge im Nachgang stets bei einer Kiste Bier geklärt wurden und hoffentlich bald wieder werden. Die Stutzen dabei schon auf Halbmast, aber noch so hoch, so dass die Schachtel Kippen darin Halt finden kann.

Liest man nun quer durch alle Rot-Weissen Kanäle, so findet sich eine solch breite Unterstützung für die Idee der jawattdenns, so dass die Mannschaften mit Punktgewinnen gegen den BVB ihre Saisonabschlussfeier fast in trockenen Tüchern haben dürften. Von Grillwürstchen über weitere Stauderspenden bis hin zu Zwiebeln ist alles dabei. Da dürfte sich das Engagement auf dem Feld endlich einmal so richtig lohnen. Was ist schon eine Siegprämie allein, wenn man dazu noch die kleine Persönlichkeit bekommen kann? Und natürlich plündert auch „ISDT“ als „Hangaround“ von jawattdenn seine Vereinskasse, und ist mit einer Kiste Stauder im Falle von Unentschieden oder Sieg dabei.

Viel mehr können wir aktuell leider nicht tun, um unsere Mannschaft auf unsere Weise zu unterstützen. Den Fußballgott allein anzubeten bringt gerade auch nicht wirklich viel. Zum einen ist der eh nie da, wenn man ihn braucht, und zum anderen dürfte er schon unter einem unheilbaren Burnout leiden, was seinen Auftrag DFB angeht. Aber, wir sollten nicht nur kritisch sein: Das mit Schalke hat er endlich mal hinbekommen. Wurde ja auch Zeit!

Jetzt geht es in die finale Phase, die allen noch einmal so richtig alles abverlangen dürfte. Auf dem Rasen und vor den Monitoren. Hoffnung im Mai, ein lange nicht mehr gekanntes Gefühl.

Relight „Mai“ Fire

Auch im Wonnemonat Mai ist immer noch nicht alles vorbei. Das kann man fast gar nicht fassen, dass es immer noch weiter geht mit unser aller Hoffnung, der Regionalliga endlich den Rücken zu kehren. Unverzüglich würde man das am liebsten tun. Das „Unverzüglich“ in der Regionalliga West unter seinem aktuellen Staffelleiter Wolfgang Jades jedoch anders zu bewerten ist als vielleicht noch 1989 durch Günter Schabowski, dass haben wir in den vergangenen Tagen lernen dürfen. „Gemach, gemach“ hier das Gebot der Stunde durch Wolfgang Jades. Wie dehnbar der Begriff „Unverzüglich“ nun tatsächlich umzusetzen ist, erlaubt er sich selbst zu definieren. Gut, dass Günter Schabowski dass nicht mehr miterleben muss. Zu gerne hätte er seine eigene Ratlosigkeit auf der legendären Pressekonferenz ebenfalls in selbstherrliche Chuzpe umgewandelt und den Mauerfall anderweitig terminiert.

In der Causa Dortmund und Corona blickt man ja so wirklich als Außenstehender nicht mehr durch. Und genau so soll es aus Sicht der dortigen Verantwortlichen wohl scheinbar auch sein. Aber auch hier, und noch einmal ganz deutlich für den missgelaunten Manager Ingo Preuß: Gute Besserung den erkrankten Spielern! Das steht über allem! Macht es in der Sache aber nicht besser, da man das Gefühl hat, in der Dortmunder Kommandozentrale werden einige Spieler zwischen den beiden Mannschaften hin- und hergeschoben, so dass es für kommende Zeitschienen passend gemacht wird. Ich glaube nicht, dass man freiwillig die Spielausfälle mit eingeplant hat, denn bei einem Erfolg in Rödinghausen und zeitgleicher Niederlage unserer Roten am Zoo wären sie dem Aufstieg dann doch ein gutes Stück näher gekommen. Man hat aber nun den Umstand genutzt, sich möglicherweise hintenraus einen (Kader-)Vorteil zu verschaffen. Es bleibt spannend und wir schauen mal, wie als Nächstes nun der Begriff „Saisonende“ durch Herrn Jades definiert wird.

Somit blieb es aus Essener Sicht bei einem relevanten Spiel an diesem Spieltag. Was sicher für die mittlerweile mehr als strapazierten Nerven nicht von Nachteil war. Zwei Spielen zeitgleich zu folgen, wenn schon das eigene von Woche zu Woche immer mehr überfordert, je näher es dem finalen Spieltag entgegengeht: Das kann doch keiner wollen. Der Hausarzt schon mal gar nicht.

Übrigens: In Zeiten von glattgebügelten Stadien ist das Stadion am Zoo zu Wuppertal trotz einiger Umbauten speziell auf der Gegengeraden immer noch ein herrliches Relikt aus vergangenen Zeiten und gehört auch dort eigentlich unter Denkmalschutz gestellt. Das fällt besonders auf, sind keine Zuschauer vor Ort. Die Anordnung der Blöcke, die nachträglich und schief angebrachten Sitzreihen unten. Die verwitterten und unbenutzten Stehränge über den noch nicht ganz verwitterten und benutzten Stehrängen. Diese Menge an unnützen Gittern….das alles hat durchaus Charme, muss ich zugeben. Den Blick darauf ermöglichte eine ziemlich interessante Kameraperspektive, die diesmal das Spielfeld raumgreifend zu erfassen wusste. Wähnte man sich in Straelen noch auf Höhe Grasnarbe, wurde man diesmal Teil der platzbeherrschenden Mannschaft aus Essen. Unbedingt in der ersten Halbzeit. In der zweiten Halbzeit hat sich dann der WSV daran erinnert, dass es für sie immer das Spiel des Jahres ist und entsprechend Druck gemacht.

Die Gefühlslage vor dem Monitor entsprechend: Vorher arg nervös wandelte sich die Gefühlslage in den ersten fünfundvierzig Minuten fast in Überheblichkeit ob der spielerischen Überlegenheit unserer Mannschaft. Und so ging man die zweite Halbzeit dann relativ entspannt an, um kurz darauf wieder hektisch mit dem Stuhl hin- und her zu rollen, unruhig auf den Schreibtisch zu klopfen und gelegentlich nicht mehr hinschauen zu können. Der Hund hatte sich schon zu Frauchen nach nebenan verzogen, das war ihm zuviel der Unruhe. Irgendwann fingen sich unsere Jungs wieder, machten es aber bis kurz vor Schluss spannend, ehe endlich das erlösende 2:0 fiel. Begleitet durch einen Freudenschrei, der nebenan fast Gattin vor Schreck vom Sofa plumpsen ließ. Blöd nur, dass zeitnah im Gegenzug der Tupperwaler Anschlusstreffer fiel. Atemlose Stille übernahm wieder bis zum erlösenden Abpfiff.

Also mal ganz ehrlich: Ich hatte heute eine Niederlage befürchtet und mich auf die genußvolle Aufarbeitung all derer gefreut, die uns nicht das Schwarze unter den Fingernägeln gönnen. Geschweige denn den Aufstieg. Die Mannschaft hat mich/uns einmal mehr des Besseren belehrt.

Das sind schon mentale „Monster“, die diese Saison in unseren Farben auflaufen. Es ist ja nicht nur das Theater aus Dortmund, was aktuell auf der Bühne Regionalliga gespielt wird. Es dürfte auch das Thema Kaderplanung kommende Saison sein, was die Spieler beschäftigt. Es geht schließlich um nichts anderes als ihre berufliche Zukunft. Dann diese immer gern zur Unzeit gestreuten Spitzen aus dem Hause RS. Vor allem aber die Erwartungshaltung von uns vielen zigtausenden RWE-Fans, dass jedes, aber wirklich jedes Spiel gewonnen werden muss! Am liebsten mit 8:0. Daran sind schon viele gute Mannschaften zerbrochen. Unsere hingegen macht unverdrossen weiter. Und nach so einer Woche unter Hinzunahme unserer absolut bescheidenen Bilanz in Wuppertal ist ein 2:1 Erfolg dort allererste Sahne. Was da spielerisch auf den Platz gebracht wurde, vor allem in der ersten Halbzeit, dass war beeindruckend. Genauso aber auch der leidenschaftliche und vereinte Abwehrkampf, als man zwischenzeitlich, und wie erwähnt, unter Druck geriet.

Da ist der gelegentliche Verweis in den Kommentaren auf das Verpassen eines höheren Sieges fast schon anmaßend, auch wenn die Chancen dafür natürlich da waren. Scheinbar sind wir von den Heimspielen schon zu sehr verwöhnt und erwarten mittlerweile immer mindestens eine „quattro stagioni“. Außerdem könnte man so langsam damit aufhören, immer auf das Doppelpack Ahlen & Oberhausen zu verweisen. Man kann es nicht mehr ändern. Das Ahlen Spiel war der nicht erklärbare Auftritt einer Mannschaft, wie ihn wohl jede Sportmannschaft einmal in einer Saison erlebt. Außer man kommt aus Gelsenkirchen, da haste diese Grütze Woche für Woche.

Ahlen war schlecht, aber die Lehren aus Ahlen waren dafür umso besser. Da hat sich eine Mannschaft selbst aus dem vielzitierten Sumpf gezogen und direkt wieder zu dieser Mannschaft „geschüttelt“, die uns auch in Wuppertal einen weiteren Auswärtssieg beschert hat. Last uns nicht mehr auf diesem Spiel herumreiten. Wir erleben die beste Mannschaft seit vielen Jahren, den besten Fußball seit noch viel mehr Jahren. Und wir werden aufsteigen.

Der Optimist hat nicht weniger oft unrecht als der Pessimist, aber er lebt froher (Charlie Rivel)

Das war eine ziemlich aufregende Sause über 95 Minuten am Mittwochabend im Stadion an der Hafenstraße. Und ich war heilfroh, als der Schlusspfiff ertönte. Realistisch betrachtet hätte es bei andauernder Spielzeit sonst womöglich noch das zweite Tor für die Borussen gegeben oder der Unparteiische hätte irgendeinen Dummsinn gegen uns gepfiffen. Grund zu dieser Annahme bot die unglaublich beeindruckende Physis der Dortmunder. Da waren zum Schluss Duracell-Hasen unterwegs, denen man gefühlt auch noch Flügel verliehen hatte. Da konnten unsere Roten kaum noch mithalten. Aber, wir sind ja auch keine U23 mehr, sondern schon was älter. Und auch der Unparteiische fiel zu oft oft die Dortmunder Theatralik rein. Lass da dann noch mal kurz vor Feierabend einen im Strafraum den Kieler machen, und wir gucken dumm aus der Wäsche..

Ok, es kam glücklicherweise nicht zu meinen schlimmsten Phantasien, weshalb wir auch von den üblichen Verdächtigen nur Unentschieden-Frust zu lesen bekommen und nicht den noch etwas schlimmer ausgearteten Niederlagen-Frust. Also, wenn man es denn liest. Gottseidank ist dieses Spiel nun endlich gespielt. Nach der Pokalsause war es der nächste Akt, auf den sich alles konzentrierte. Zu sehr für meinen Geschmack. Die mahnenden Stimmen, dass die Saison nach diesem Spiel noch lange nicht vorbei ist, verhallten irgendwo zwischen Berne und Tankstelle. Sie ist es aber nicht, und sie geht weiter. Noch lange weiter. Vielleicht ist es das Gefühl des „Nicht mehr in der eigenen Hand zu haben“, was reflexartig immer für großen Kummer sorgt. In der Tat sind wir, stand heute, auf die Schützenhilfe anderer Mannschaften angewiesen. Aber, dass kann sich mit einem Spiel schon wieder ändern. Und dieses Wechselspiel wird uns noch einige Zeit viele Nerven kosten.

Gefühlt spielen wir gerade die Saison 2018/19 der Premier League nach (von der Dramatik her), als Manchester City und die Reds aus Liverpool eine Saison der Superlative spielten und beide den Meistertitel mehr als verdient gehabt hätten. Wieder runtergebrochen auf unsere Regionalliga bin ich aber mehr als optimistisch, dass diesmal der Titel an die richtige Mannschaft gehen wird, und zwar an unsere Roten! Wir müssen einfach nur weiter optimistisch sein und auch dran glauben, nicht jedesmal in Zweifel ausbrechen. Das ist kaum zielführend. Die Probleme, die auch Mittwoch wieder gut zu sehen waren, sehen die Verantwortlichen doch auch, und wohl auch ziemlich kompetenter. Aber wir können uns auf die Schnelle keinen zweiten Engelmann backen, der das Torverhältnis mal eben optimiert.

Rot-Weiss Essen muss nun als Kollektiv in Lauerstellung liegen und immer bereit ein, jeden Dortmunder Stolperer mit eigenen drei Punkten zu kontern. Dass dabei der jeweilige Gegner nicht nach Tabellenplatz bewertet werden darf, das hat die Elf vom Borsigplatz selbst noch vor kurzem in Ahlen erfahren.

Einwurf:

Fühlt sich dieses Kopf an Kopf Rennen vielleicht auch nochmal nerviger an, weil es sich bei dem größten Konkurrenten um eine Zweitvertretung handelt? Möglicherweise, aber eigentlich haben wir uns ja mittlerweile an die vielen Zweitvertretungen gewöhnt, der langen Verweildauer in der Regionalliga geschuldet. Und manchmal stellen die Zwoten durchaus einen sympathischen Fußabdruck ihres Gesamtvereins dar. Auswärts bei Zweitvertretungen Fußball zu gucken hat immer noch ein wenig von Fußball aus einer anderen Zeit, dafür sorgen oft schon die Austragungsstätten wie in Rheydt oder die „Rote Erde“ (Sofern Ordnungskräfte und Sicherheitsbestimmungen nicht wieder alles vermiesen).

Bei der Zwoten aus Dortmund hat sich das Bild mittlerweile kräftig gewandelt. Mit einem Markwert versehen, der ziemlich exakt im Mittelfeld der dritten Bundesliga liegt, verfügt die Mannschaft zudem über die gewaltige Infrastruktur der Fußballmacht Borussia Dortmund. So gepusht und flexibel in der Frage des jeweiligen Spielfeldes hat man es fast mit einem eigenen Verein im Verein zu tun. Trainiert von einem Trainer, der ohne Frage „Meister“ kann, aber mit seinem Auftreten am Spielfeldrand durchaus einen Platz in der „Kreischgau-Combo“ eines Julian Nagelsmann finden dürfte. Allein für solche Auftritte wünscht man sich sehnlichst die Kulisse auf den Rängen zurück. Dieses hysterische Gekreische, kundgetan durch manch Mannschaftsvertreter auf der Bank oder in der Coaching Zone, treibt jedem E-Jugend Vater am Seitenrand die Schamröte ins Gesicht. Und wie wir alle wissen, wird gerade dort oft über Gebühr sinnlos rumgebölkt. Das hat mit Fußballemotionen nicht mehr viel gemein.

Die Dortmunder Zweitvertretung also gefühlt eine Erstvertretung, denen auf schwarz-gelber Fanebene ziemlich viel echte Liebe entgegengebracht wird. Auch das ein Unterschied zu den anderen „Zwoten“. Natürlich wird vor so einem „Kracher“ auch noch die Chefetage aller Dortmunder Borussen hinzugezogen und zu den Ambitionen mit dem Nachwuchs gefragt. Und ebenso natürlich wird von dort bekräftigt, wie wichtig ein Aufstieg für den Gesamtverein ist, um Talente an die Bundesliga heranzuführen und so weiter und so weiter. Das übliche halt. Keiner würde sich doch in München oder Dortmund vor das Mikrofon stellen und sagen, dass es für den Fußball viel besser wäre, wenn die Zweitvertretungen in einer eigenen Nachwuchsrunde spielen um sich zu entwickeln. Entwickelt haben diese jungen Dortmunder hingegen schon die ganze Palette am Habitus der Profikollegen, lassen sich gerne schon mal bedarfsorientiert fallen, wenn es der Situation zuträglich ist. 

Einwurf Ende.

Es ist nun gespielt, und am Status Quo hat sich durch das Unentschieden im Vergleich zu vor dem Spiel nichts verändert. Aber vielleicht können wir uns alle nun wieder in etwas ruhigeres Fahrwasser bewegen und von Spiel zu Spiel denken. Nicht mehr von Kracher zu Showdown und den vielen anderen Superlativen der vergangenen Wochen. Da wird man ja auch ganz wuschig im Kopf. Die Mannschaft muss malochen was das Zeug hält, und wir sollten optimistisch bleiben. Es geht wie immer nur gemeinsam. Isso!

Niemals aufgeben!

Das rot-weisse Placebo.

Herzlich willkommen im neuen Jahr. Ich wünsche allen, dass es ein frohes und gesundes Jahr wird. Ein Jahreswechsel der besonderen Art, natürlich in vielfacher Hinsicht. Viele Hoffnungen ruhen in diesem Jahr darauf, dass die virale Depression des vergangenen Jahres in ein vorsichtig optimistisches Jahr gewandelt werden kann. Mit all der gebotenen Geduld und Aufmerksamkeit.

Wer konnte nun ahnen, auf unseren kleinen Mikrokosmos RWE heruntergebrochen, dass ausgerechnet die Kicker vonne Hafenstraße mit für unsere schönen Momente des vergangenen Jahres zuständig waren. Und vor allem dafür, dass wir überhaupt sportlich mehr als optimistisch in ein neues Jahr starten dürfen. Das kennen wir doch gar nicht mehr. Meistens war im Oktober die Sache schon gelaufen, und wurde die Weihnachtszeit mit dem Queen Klassiker „Thank God It’s Winterpause“ herbeigesehnt. Dieses Jahr aber war das Essener Lichtspieltheater an der Hafenstraße unser Adventskalender und die vielen erspielten Punkte ein gern genommener Glühweinersatz. Diese machen auch ohne Alkohol glückselig, bringen warme Wangen und manchmal kommt man vor lauter Freude auch schon mal in den Bereich der verwaschenen Aussprache.

Es läuft also auf vielen Ebenen rund bei Rot-Weiss Essen. Wir sollten jetzt aber aufpassen, dass wir auch hier mit Geduld, Solidarität und Empathie das neue Jahr beginnen. Noch ist ja nichts gewonnen. Der größte Fehler wäre somit zu glauben, dass der Aufstiegsdrops schon gelutscht ist. So einer ist noch nicht einmal produziert, da mischt in der Herstellung mindestens noch ein anderer Verein mit. Mindestens! Was diese Mannschaft aber schon gewonnen hat, ist das Gefühl der unglaublichen Vorfreude auf die Fortsetzung der bisher so erfolgreichen Saison. Das Geschehen auf dem Rasen der rot-weisse Placebo für das Vermissen auf den Tribünen.

Und weil wir gerade alle so viel Freude an und mit unserem Verein haben, waren wir vergangenes Wochenende einmal mehr in der guten alten Sportschau vertreten (bis vor einiger Zeit noch wurden wir doch nur aus der Mottenkiste geholt, wenn es wieder mal an der Zeit war, eine Dokumentation über gefallene Vereine auszustrahlen). Es stand bekanntlich die Auslosung zum Achtelfinale im DFB Pokal an. Ganz selten gibt es übrigens auch klitzekleine Momente, in denen man den aktuellen Umständen durchaus etwas Positives abgewinnen kann. Einer davon: Die Auslosung wird fast wieder so nüchtern durchgeführt wie zu Zeiten des seligen Walter Baresel. Das kann „danach“ ruhig so bleiben! Ebenso kann ich nicht nachvollziehen, warum immer nur der FC Bayern als das Los der Lose gehypt wird. Als unterklassiger Verein ist die sportliche „Klatsche“ so gut wie vorprogrammiert, Erfolgsfans en Masse geben auf einmal vor, immer schon Fan gewesen zu sein, um an eine Karte zu kommen und so weiter und so fort.

Also einmal davon abgesehen, dass wir unsererseits das Traumlos vieler Fans anderer Vereine sind, ist es doch der viel spannendere Weg, einen Gegner in der „Tradition“ von Arminia Bielefeld oder Fortuna Düsseldorf zugelost zu bekommen. Der VfL Bochum oder die Darmstädter Lilien waren somit meine Wunschgegner. Wie wir nun alle wissen: Sie wurde es leider nicht: Rot-Weiss Essen spielt in der dritten Runde gegen „Entweder-oder“. Entweder gegen Bayer 04 Leverkusen oder gegen die Frankfurter Eintracht. Hoffentlich wird es dann wenigstens der Vertreter aus Frankfurt, denn sollte die Diva einen schlechten Tag erwischt haben, vielleicht geht dann sogar was. Andererseits: Wir haben doch eigentlich eh keine Chance. Also nutzen wir die einfach. Obwohl: Dortmund Zwo einige Tage später ist wichtiger.

So viel wichtiger.

Fermentierter Rosenkohl Weihnachtsbaum

Als sich an einem Freitag, den 15. August 2008, eine lange Rot-Weisse Blechkarawane aus aller Herren Bundes- und anderen Ländern auf den Weg gen Lotter Kreuz machte, waren die Tränen des unnötigen Abstiegs getrocknet. Der Verein stand wieder über allem, die Verachtung über einige Spieler und deren (Wechsel-)Mentalität jedoch als tiefe Falte in die stets markanten Gesichter der Hafenstraße eingegraben. An jenem Sommertag waren wir der festen Überzeugung, das es das erste und zugleich letzte Mal sein würde, dass wir auf dem Acker von Bauer Ewald parken müssen. Dort, wo die Polizeiwagen eher schüchtern hinter angrenzende Scheunen hervorlugten. Das Spiel der neuformierten Mannschaft befeuerte diesen leichten Anflug von Arroganz auf das Trefflichste, wusste sie doch mit Vier zu Eins zu gewinnen. Der Wiederaufstieg somit nur noch Formsache. Es war ein wunderbarer Abend mit der damals äußerst sympathischen, frisch aufgestiegenen, Lotte. 

Gut, dass damals noch keiner ahnen konnte, dass es bis zum 12. Dezember 2020 dauern wird, ehe die Kicker von der Hafenstraße mal wieder bei denen vom Lotter Kreuz gewinnen. Eine lange Zeit also, die uns zudem eine ziemlich wechselhafte Beziehung zur Lotte beschert hat. Das einstmals schüchterne Ding wurde zwischendurch eine ziemlich arrogante Zicke. Der einsetzende Erfolg tat ihr nicht immer gut. Uns natürlich auch nicht! Ziemlich fassungslos mussten wir leider ansehen, wie die mittlerweile „Tante Lotte“ getaufte Olle uns und unsere Ambitionen kalt lächelnd zu überholen wusste. Aufstieg in die Dritte Liga mit den paar Fans, während die Tausendschaften rund um die Hafenstraße weiter in der Regionalliga Frust schieben. Dazwischen gab es in gemeinsamen Ligazeiten immer mal wieder Unstimmigkeiten, geniale Mottofahrten und die ständigen Versuche, alle Rot-Weissen in heimischen Gefilden der Haupttribüne zu verweisen. Es war also immer was gebacken in der Beziehung zweier (Spiel-)Partner, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Zwischenzeitlich hatte man sich so lieb wie fermentierten Rosenkohl Weihnachtsbaum. Nach dem Abstieg aus der Dritten Liga stand es dann einige Zeit gar nicht gut um die Lotte, interne Familienstreitigkeiten hatten Existenzängste zur Folge. Vielleicht war das aber auch der Starschuss dafür, allmählich wieder etwas sympathischer rüberzukommen. Und als dann auch noch mit Timo der zweitliebste Essener Brauer nach Stauder bei Tante Lotte anheuerte, da mochte man sie fast schon wieder knuddeln. Schließlich kann man sich ja auch nicht ewig streiten. Zudem ist das schon eine ziemlich feine und knuffige Bude, die sie da ihr eigenes Stadion nennt (Es ist jetzt aber nicht so, dass wir da kommende Saison gleich wieder hin wollen, iss klar). 

Es war also eine lange Reise bis zum aktuellen Auswärtserfolg. Und kein Essener musste diesmal damit rechnen, hinauskomplimentiert zu werden. Die Rituale rund um aktuelle „Spielbesuche“ haben sich ja temporär etwas verschoben. Da kann bis kurz vor Anpfiff noch mit dem Hund um den Block gegangen, oder in der Halbzeitpause Wäsche aufgehangen werden. Die Bierdusche nach einem Tor muss man sich schon selbst verpassen und natürlich wird zuhause auch im Sitzen gepinkelt. Wenigstens das Ritual der morgendlichen Spielvorbereitung durch Tommy Jockschies ist geblieben. Das Spiel zu Beginn ein ziemlich wildes Gebolze, wohl auch dadurch bedingt, dass Lotte ziemlich heiss war. Also im übertragenen Sinne jetzt.

Gab es im Spiel gegen Straelen unter der Woche den ersten Eckball erst nach einer Viertelstunde, dauerte es Samstag keine zwei Minuten. Und so ging es auch ziemlich ansehnlich weiter. Mit zunehmender Spieldauer kam aber einmal mehr die unglaubliche Qualität von RWE zum Tragen. Wenn der Gegner nicht durch Überzahlspiel zum Ballverlust gezwungen wird, hilft der absolute Einsatz im Eins gegen Eins, den Ball zu erobern. Gepaart mit einer hohen Ballsicherheit gelingt es dann, diesen ziemlich lange in den eigenen Reihen zu behalten. Das ist solide Handwerkskunst, die die Jungs von Christian Neidhart da aktuell abliefern. Und alle haben das Zeug, noch in dieser Saison den Meisterbrief zu machen. Fast schon erfrischend bei dieser hochwertigen Spielweise die Momente, in denen „Isi“ Young mit dem Kopf durch die Wand und an Freund und Feind vorbei auf das Tor zustürmen will. Möglicherweise nicht zur Freude des Trainers oder des besser postierten Mitspielers. Auf jeden Fall aber immer emotionale Momente für den Fan am Monitor. 

Tja, jetzt sitz ich hier, bin Tabellenführer und schreib auf teurer Tastatur ein Lied über Lottes Vergangenheit, damit ich keine Lust verlier. Ha, geniale Adaption von Westernhagens „Mit 18“. Aber es ist doch so: Wir sind Tabellenführer, eilen von Spiel zu Spiel und müssen trotzdem aufpassen, gerade nicht die Lust zu verlieren. Schließlich sind wir trotz unglaublicher Erfolgsserie immer noch kein alleiniger Tabellenführer im eigentlichen Sinne, sondern haben weiterhin die Zwote der Dortmunder im Nacken. Oder die mittlerweile uns! Auf jeden Fall hat uns das zeitgleiche Unentschieden der Borussen beim VfB Homberg ziemlich in die Karten gespielt. Selbst wenn die Jungs vom Borsigplatz nun all ihre Nachholspiele gewinnen würden, wären sie nur noch einen Punkt vor uns. Und den knackt man dann im Heimspiel. Fertig ist die Laube. Dass das Spiel gegen die Kleeblätter nicht weitergeführt werden konnte, steht übrigens außer Frage. Dass dann aber wieder bei Null zu Null begonnen wird, sollte man durchaus hinterfragen. Aber, wir sind auch hier nicht bei wünsch Dir was, sondern bei bestehenden Statuten. Die Homberger haben ja eine ziemliche Abwehrschlacht abgeliefert, wie man so liest. Vielleicht war dort die Aussicht auf das erste Duisburger Lokalderby seit Schimanski Gedenken die Motivation. 

Wir Fans von Rot-Weiss Essen sind aktuell endlich einmal auf der Sonnenseite angekommen. Es sieht sportlich mehr als gut aus. Aber wahrscheinlich wird das nächste Unentschieden schon wieder Weltuntergangsstimmung bei einigen hervorrufen. Oder die erste Niederlage erst. Aber, soweit sind wir noch lange nicht, so wie die Jungs gerade die Liga rocken. Diese Mannschaft, wir würden sie im Stadion verbal auf Händen tragen, sie zeitgleich mit Verein mit Inbrunst besingen. Da wir damit aber noch warten müssen, können wir vielleicht allen Beteiligten über Marcus Uhlig als aktuellem Chef und somit Rot-Weisser Rampensau ausrichten lassen, wie stolz wir auf sie sind. Denn das, was da gerade auf dem Platz passiert, ist Hafenstraßenfußball pur. Und sogar erfolgreicher! Also, lass auch mal Aufsteiger werden.

Kammerspiel & Tragödie

25.11.2020 21:15 Uhr: Abpfiff an der Hafenstraße:

RWE hat den alten Rivalen aus Wuppertal mit sechs zu eins bezwungen. Das klingt nach dem deutlichen Sieg, der es in der Tat auch wahr. Obwohl der WSV dem Spiel durchaus eine eigene Note beizubringen wusste. Speziell in der noch fünften Minute, als Beyhan Ametov nach feiner Vorarbeit zur Talführung einnetzen konnte. Da hätte es bei voller Hütte für einen Moment den Trommeln die Sprache verschlagen und wäre das Aufstöhnen groß gewesen. Doch in diesem Jahr ist leider so vieles anders. Somit nahm unsere Mannschaft das Gegentor still hin, schüttelte sich einmal und machte weiter, als sei nichts geschehen. Dem Gegner wurde einmal mehr das Spiel aufgezwungen. Das Spiel, welches wir spielen und unbedingt gewinnen wollen. Somit dauerte es lediglich schlappe fünf Minuten, bis der Engelmann mal wieder seinen Schlappen am Ball hatte und es klingeln ließ. Was er dann noch drei weitere Male tat. Dennis Grote dachte sich nun ebenfalls, dass dies der Abend der „alten Männer“ werden sollte, und köpfte mal wieder einen rein. Den Sechserpack vervollständigte Marcel Platzek nach gütiger Mithilfe eines Wuppertalers (Dem auch wohl der Treffer zugeschrieben wird). Das Tor der Wuppertaler also eine astreine 30er Zone.

Man steht dem Ganzen fast ehrfürchtig gegenüber und kann es kaum glauben: Wenn uns jetzt nicht einmal mehr Rückstände aus der Bahn werfen, ja was denn dann? Dazu gesellt sich auch noch folgende Anomalität: Selbst Unparteiische sind gefühlt gar nicht mehr so parteiisch gegen uns, sondern hätten gestern Abend durchaus die ein oder andere Entscheidung zugunsten der Wuppertaler treffen können. Rot-Weiss Essen also „Coronavistas“, die dem Virus nicht nur administrativ ständig gegenübertreten, sondern diesen auch spielerisch manchmal vergessen lassen?

Vergessen kann man „ihn“ aber schon deshalb nicht, da unser Schnapper Daniel Davari positiv auf Corona getestet wurde. Ihm Gute Besserung und einen komplikationslosen Verlauf. Ein mulmiges Gefühl sicher auf vielen Ebenen. Überhaupt nicht mulmig machte hingegen die Tatsache, dass er durch Jakob Golz vertreten wurde. Auch so ein Plus in dieser Saison.

Zwei Komponenten aber die mich nach längerer Überlegung zu folgender Fragestellung in unserer kleinen, aber feinen RWE WA Gruppe veranlasste:

Ich: „Was mich bei aller Freude viel beschäftigt ist, dass ich glaube, dass dieser Tabellenplatz auch erst durch ein leeres Stadion möglich wurde. Im wahrsten Sinne in aller Ruhe können die Jungs spielen. Ohne Druck auf dem Stadionkessel, ohne Unruhe und ungeduldige Erwartung. Das macht mich bei aller Freude fast traurig.“

Er: „Einspruch: Spekulation“

Ich: „Einspruch stattgegeben.“

Sie: „Ihr seid bekloppt“

Ich: „Ich formuliere es anders: Könnte es sein, dass nach dem dritten Spiel im Stadion Unruhe geherrscht hätte?

Sie: „Nein!“

Ich: „Wohl!“

Er: „Ich stelle einen Antrag auf Befangenheit und fordere den Austausch des Richters Strootmann.“

Wir: „Stattgegeben!“

Anhand dieser (verkürzten und ohne Gifs`s etc. wiedergegebenen) Unterhaltung zeigt sich also, dass die Ruhe im Stadion nicht zwingend als förderlich für den Reifeprozess dieser großartigen Mannschaft empfunden wird. Vielleicht war es mal wichtig, dieses zu reflektieren. Diese Truppe wird sich auch von einem lärmenden Viereck nicht aus dem Konzept bringen lassen, sondern endlich wieder genießen. Auch bei Rückstand!

Die Heimspiele somit aktuell wie ein Kammerspiel: Ein Stück mit kleinem und festen Ensemble wird für uns aufgeführt und hat stets den selben Ablauf: Die „Reporterlenden“ Andreas und Christian (Reporterlegenden werden sie hoffentlich nicht bei uns, so gerne wir sie auch sehen und hören, würde das ja bedeuten, dass sie noch Jahre ohne uns kommentieren würden..) bringen uns im „Warm Up“ auf den neuesten Stand der Dinge. Dann wird stets der Chef befragt und meistens sieht man auch schon die beiden Glücksenten von Markus platziert. Die Minimalbesetzung an (Fan-)Radiokommentatoren und schreibenden Berichterstatter frieren sich ebenfalls den Allerwertesten ab, und ganz oben erledigen Michael und Walter den aktuell einsamsten Job ihrer langen Sprecherkabinenkarriere.

Das war es eigentlich fast schon an Personen außerhalb des Spielfeldes im Stadion. Vorhang auf also für die Mannschaft, die ihr Stück bei jeder Aufführung so gut interpretiert, so dass sie nun schon unglaubliche fünfundzwanzig Spiele am Stück ungeschlagen ist. Das ist wie Schalke. Nur andersherum!

25.11.2020 19:15 Uhr: Abpfiff bei der Begegnung Borussia Dortmund gegen den SV Rödinghausen.

Der SV Rödinghausen hat seiner selbstbewussten Ankündigung Taten folgen lassen und bei der Zwoten des BVB gewonnen. Die Dortmunder sind also zu knacken. Das Adrenalin bei allen Rot-Weissen vor dem eigenen Spiel direkt etwas höher. „Wenn wir hier heute gewinnen, ist wieder alles aus eigener Kraft möglich“. Und auch für dieses sportliche Unwort Quotientenregel ist das sicher nicht von Nachteil. Auch wenn ich mich weigere, dahingehend nachzurechnen. Die Tabelle ist mein Gebot Fußball. Sicherlich haben aber auch viele in Anbetracht der Dortmunder Niederlage reflexartig gedacht: „Na toll, dann verkacken wir heute“. Vor Jahren wäre das in Angesicht einer großen sportlichen Chance auch wohl noch so gekommen. Aber, nicht mal mehr das schafft unsere Mannschaft!

25.11.2020 18:00 Uhr: Die Tagesschau meldet den Tod von Diego Armando Maradona.

Was ein Schock. Welch ein fassungsloser Blick auf sämtliche Nachrichtenkanäle in der Hoffnung auf eine Falschmeldung. Werden doch Fakten heutzutage gerne verdreht, geleugnet oder einfach erfunden, um Schaden anzurichten. Doch es ließ sich nicht ändern: Diego Armando Maradona verstarb am Mittag Ortszeit des 25.11.2020 an den Folgen eines Herzinfarktes. Rational nicht zu erklären, warum das plötzliche Ableben dieses doch eigentlich Unsterblichen emotional zu zugelangt hat, wie es vielleicht wohl nur noch bei schlechten Nachrichten über Elisabeth II. der Fall sein dürfte. Zumal keiner seiner Vereine für das eigene Ich wichtig war. Der Versuch einer Annäherung an diese plötzliche Traurigkeit ergab, dass Diego Maradona vielleicht die Verkörperung all dessen war, was Ich selbst mit Fußball verbinde: Das Spiel als solches. Die Emotionen und Leidenschaft. Das völlige Eintauchen in den Sog der neunzig Minuten und besonders den Stunden davor und danach. Nun gut, seine Interpretation von Privatleben muss man nun nicht haben. Ein Chaot vor dem Herrn, vor dem er nun getreten ist, um die Hand wieder abzutreten.

Diego Armando Maradona war ein begnadeter Spieler und ein ziemlich desaströser Mensch. Das aber mit Leib und Seele. Seinem „Leib“ hat er durch seine exzessive Lebensweise sicher nicht viel Gutes im Anschluss an seine Karriere getan und auch die Seele in ihm und um ihn herum bekam zu wenig der Pflege, die ein einigermaßen ausgewogenes Leben ermöglicht. Nun ist er gegangen und hinterlässt eine Lücke, die kaum einer wirklich zu beschreiben weiss, die aber sicherlich nicht zu füllen ist. Lass die Wolken tanzen. Und auf ein Pilsken mit dem Boss.

Fachmänner für Bodenbeläge

Ker, was geht es uns gut gerade. Also im übertragenen Sinne natürlich. Unsere Mannschaft bereitet uns wirklich Freude. Was lange währt, könnte endlich gut werden. Vielleicht schon kommendes Jahr, wenn so viel anderes auch wieder gut werden könnte. Man muss die Jungs in unseren Trikots jetzt nicht mehr vor jedem Spiel fragen, wie es sich anfühlt, ohne Fans zu spielen: Das fühlt sich Kacke an. Punkt! Und wird vor jedem wichtigen Heimspiel neu gefragt einfach nicht besser. Wir fehlen Ihnen und sie fehlen uns. Aber deshalb sind wir trotzdem immer dabei. Wie heißt es doch in den Gesängen: „Wir ziehen voran, als Euer zwölfter Mann. Durch Regen und Stream. Durch Sturm und Radio…RWE ohoooo“. Also, wir wuppen das trotzdem gemeinsam. Speziell schon Morgen wieder gegen die Wuppis.

Natürlich ist man allein aufgrund der Tabellensituation Favorit gegen den WSV. Wir sind oben, und sie relativ im Tal der Tabelle. Aber noch sind wir nicht bei Mittwoch, sondern bei der Aufarbeitung der vergangenen, erfolgreichen Woche. Und bei einer Schlagzeile, die man ewig lesen könnte: „BVB demontiert Schalke und bleibt RWE auf den Fersen“. Natürlich hat sie zwei kleine Schönheitsfehler: Zum einen hätten sich die Blauen mit ihrer Zwoten nur einmal genau so anstrengen können wie noch gegen uns, und zum anderen bleiben doch eher unsere Roten den Schwarz-Gelben auf den Fersen. Realistisch betrachtet, sollten die jungen Borussen ihre beiden Nachholspiele erfolgreich gestalten. Aktuell sind die Spiele aber nicht gespielt, und somit grüßen eben die Kicker von der Hafenstraße ziemlich fröhlich von der Tabellenspitze. Sechs Punkte und sechs Tore die Bilanz der vergangenen Woche. Man muss das als RWE auch einfach beiseite schieben, und kann den BVB jetzt nicht andauernd als über einem schwebendes Damoklesschwert von Woche zu Woche mitnehmen. Das klärt sich alles im Laufe der Saison.

Das Spiel unter der Woche verblüffte Anwesende durch einen Auftritt der jungen Fohlen, der so gar nicht einer traditionell spielstarken Zweitvertretung ähnlich sah. Man überließ uns ja fast komplett Ball und Raum, so dass sich die Essener über mehr Ballbesitz freuen durften, als manch Kind im Bällebad eines Möbelhauses. Ecken und Abschlüsse ebenfalls en masse vorhanden, es war gar von einem Klassenunterschied die Rede, doch der verdiente Lohn in Form eigener Tore blieb bis weit in die zweite Hälfte verwehrt. Sandro Plechaty war es dann mit seinem ersten Saisontor, welches allen Fans vor den Empfangsgeräten den Blutdruck zu senken vermochte. Man kennt das ja aus früheren Jahren, wo eine hemmungslose spielerische Überlegenheit schon mal in einem eiskalten Gegentor mündete. Doch auch das in diesem Jahr kein Thema: In der Schlussminute traf dann Isaiah Young ebenfalls das erste Mal für die neuen Farben und ein Geduldsspiel nahm ein gutes Ende. Gut zu wissen, dass es auch mal die Kollegen waren, die das mit den Toren geregelt haben.

Wieder einmal drei Punkte gegen den Trübsinn der Aktualität und gegen das Gefühl, nichts dazu beitragen zu können, dass es gerade so gut läuft wie es läuft. Aber, besser es läuft gerade ohne uns, als dass es mit uns nicht laufen würde. Ball flach halten, Pobacken zusammenkneifen und Punkte zählen. Das ist das, womit wir gerade am besten helfen können. Shoppen geht natürlich auch. Die neuen Klamotten noch mehr ansehnlich als die „Linie“ der vergangenen Saison schon. Da wird die schlabberige RWE Jeans ganz gebleicht vor Neid, denn endlich bekommen wir den Traum tragbarer Alltagszugehörigkeiten weiter und immer weiter erfüllt.

Am Samstag ging es dann ja nach Duisburg zur derzeitigen Nummer Eins der Stadt, dem VfB Homberg. Vergangene Saison noch im Wedaustadion des designierten Absteigers ausgetragen, konnte auch diese Begegnung ohne Zuschauer locker auf angestammten Homberger Geläuf gespielt werden. Wobei Geläuf als Begrifflichkeit für das Spielfeld im PCC Stadion der VfB’ler noch sehr charmant umschrieben ist. Trainer Neidhart erwies sich aber als Fachmann für Bodenbeläge und passte diesen einmal mehr Aufstellung und taktische Ausrichtung bestmöglich an. Da auch der VfB Homberg keinesfalls gewillt war, den Essenern den Platz so zu überlassen, wie es noch am Mittwoch in Rheydt der Fall war, entwickelte sich ein munteres Spiel. Mit einer frühen Führung für den RWE! Simon Engelmann war es, der sein Torkonto weiter zu erhöhen wusste. Die kurze Irritation darüber, dass auch andere Rot-Weisse wissen, wo das Tor steht, somit kurzzeitig geklärt.

Anhand der Bewegtbilder wähnte man sich zwischendurch übrigens auf einer Nordseefähre bei Windstärke acht oder neun, so sehr windete es in Rheinnähe und pfiff es aus den Lautsprechern. Die Schleppkähne auf dem Rhein im Hintergrund und die zahlreichen, in ausreichendem Abstand zueinander stehenden Zaungäste vermittelten einmal mehr in dieser Saison ein uriges Gefühl in der Betrachtung. Mitte der ersten Halbzeit knallte dann unser Fußballgott Marcel Platzek den Ball mit einem satten Rechtsschuss in des Gegners Tor und rechtfertigte mindestens damit seinen Platz in der Startaufstellung. Diese Flexibilität aktuell das ganz große Plus bei RWE. Die Aufstellung vor dem Spiel mittlerweile ähnlich spannend wie noch vergangene Saison, aber der Matchplan dahinter irgendwie strukturierter. Da in Rheydt auch Sandro Plechaty Lust am Tore schiessen gefunden hatte, legte er in Homberg zum zwischenzeitlichen 3:0 noch vor der Pause nach. Es ist wichtig, dass immer mehr Spieler treffen und so die Last des Torerfolgs auf mehrere Schultern verteilen. Aber natürlich blieb es doch an Simon Engelmann, die beiden anderen Treffer mit seinem zehnten Tor zu umrahmen, so dass es schlussendlich der erste deutliche Erfolg der Rot-Weissen wurde.

Man könnte sagen, dass die Torkuh vom Eis geholt und der Torbock umgestossen wurde. Man kann es aber auch lassen, weil es sich irgendwie bescheuert liest. Was man aber unglaublich erleichtert zur Kenntnis nehmen kann ist, dass Simon Engelmann bei uns einfach dort weitermacht, wo er in Rödinghausen aufgehört hat. Das ist eine der großen Überraschungen dieser Saison. Bislang war es doch eher so, dass neue Spieler oftmals ihre großen Qualitäten beim abgebenden Verein im Spind haben liegen lassen. Wir haben da so unsere Erfahrungswerte gesammelt. Ein weiteres Indiz also für die (sportliche) Saison der Saisons.

Abseits der Hafenstraße gab es rund um das runde Leder noch zwei bemerkenswerte Meldungen: Der FSV Mainz hat sein erstes Saisonspiel gewonnen und damit Gelsenkirchen den Platz der Plätze überlassen. Und der von mir sehr geschätzte Kicker fragt in einem großen Interview ausgerechnet den Boss der Dosen, wie sich die Zukunft des Fußballs darstellen kann. Ey, dann kannste auch eine Pizza fragen, ob sie sich eine Zukunft nach dem Backblech vorstellen kann. Da bedarf es anderer Stimmen, die gehört werden müssen. Aber definitiv nicht die aus Fuschl am See.

Emotional Rescue (Stones)

Man ist ja mittlerweile soweit, dass man sich vermehrt Sportdokumentationen verschiedenster Mannschaftssportarten aus vergangenen Jahren anschaut, nur um mal wieder ein wenig Flair genießen zu dürfen. In einer dieser Dokumentationen sprach ein Trainer davon, dass seine Mannschaft und die Fans ein enormes emotionales Investment vornehmen müssten, um das Derby zu gewinnen. „Emotionales Investment“, vielleicht genau die Begrifflichkeit, mit der sich umschreiben lässt, was uns allen zur Zeit aus gegebenem Anlass so sehr fehlt.

Spielergebnisse, Tabellen, Neuverpflichtungen, taktische Spielereien und so weiter, dass alles ist die eine Seite des Fußballs. Die Seite, die wir ja auch ohne Probleme (es sei denn, Spiele müssen aufgrund positiver Verdachtsfälle/Erkrankungen abgesagt werden) weiter verfolgen können. Und so konnten wir am Samstag den erneut temporären Sprung unserer Rot-Weissen an die Tabellenspitze der Regionalliga West verfolgen. Also im eigentlichen Sinne. Denn aus Bergisch-Gladbach gab es keine Bewegtbilder zu betrachten. Verwöhnt durch die eigenen, mittlerweile richtig stabil laufenden, Übertragungen aus der Sendeanstalt „97a“ sowie von den bisherigen Auswärtsspielen machte sich fast Verblüffung breit, als es zu realisieren galt, dass wir ausschließlich den alten Tugenden Fanradio und Liveticker die volle Aufmerksamkeit schenken durften.

Beide Medien konnten aber nicht viel Glanz in ihre Berichterstattung bringen, denn die auf einigen Positionen veränderten Rot-Weissen brachten auch gegen den Gastgeber und Kellerkind SV Bergisch-Gladbach wohl eher keine Kür, sondern die Pflicht auf den Rasen. Sich mit Schwung dem Strafraum zu nähern fiel auch diesen Samstag erneut etwas schwerer. Und so können wir froh sein, dass jedes Spielfeld auch Elfmeterpunkte beinhaltet: Letztendlich mussten zwei Elfmeter her, um nach dem Spiel mit Drei Punkten nach Hause zu fahren. Weiter ungeschlagen! Wieder gewonnen und erneut an der Tabellenspitze. Eigentlich könnte uns allen doch die Sonne aus den Knopflöchern strahlen, was sie im tabellarischen Sinne auch durchaus zu tun vermag.

Aber, da ist zum einen diese ungerade Tabelle, die bei einer Mannschaft acht gespielte Spiele aufweist, bei einer anderen wiederum schon deren vierzehn. Doch da ist auch das Gefühl, dass was fehlt. Das irgendwas lähmt. Und da kommt für mich wieder das emotionale Investment ins Spiel. Unsere Spieler machen gerade alle ihren (guten) Job und sind sicher mehr als froh, diesem weiter nachgehen zu dürfen. Aber Fußballer spielen nicht nur für sich selbst. Fußballer stehen selbst in der Kreisklasse auf einer Bühne und leben von der Anfeuerung und den Emotionen von außen. Fußballer bei Rot-Weiss Essen bedeutet sogar die ganz große Bühne. Die große Klaviatur der Emotionen, negativ wie positiv. Vielfach rauf- und runter zwischen Anpfiff und Abpfiff gespielt.

Alles wirkt auf dem Platz gerade langsamer und freudloser ohne Fans. Ohne die verschiedensten Lager vor Ort, die ein Stadion zu bieten hat. Keine aktive Szene, keine Dauernörgler. Keine Kutte und kein Modefan. Wir, die wir die Ergebnisse sonst in Freude vereint rausschreien oder nach schlechtem Ausgang aus Frust verbal vor uns hin rotzen, nehmen die Ergebnisse nur noch wohlwollend hin. Nicken diese ab und halten durch. Dem Gebot der Stunde folgend. Je weniger Kontakte, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass weitergespielt wird. Immer weiter. Und mit jedem positiv gestaltetem Spiel steigen unsere Chance, dass ersehnte Ziel Aufstieg zu erreichen. Man kann nicht mal applaudierend anerkennen, wie lange unsere Jungs nun schon ungeschlagen von Spiel zu Spiel eilen.

Der Funke, der sonst vom Feld auf die Tribünen springt und umgekehrt. Dieser Auslöser jedweder Emotionen im Kulturgut Stadionbesuch, dieser Funke kann aktuell einfach nicht gezündet werden und hockt irgendwo verzweifelt in den Stadionkatakomben. Wartet drauf, wieder ins Spiel eingreifen zu dürfen. Man kann das auch nicht kompensieren, indem zum Beispiel die Stadionregie in höheren (TV-) Ligen trotz verwaister Tribünen das komplette Animationsprogramm abzieht und bei Toren schier eskaliert. Das ist schlicht peinlich. Wir müssen nun irgendwie einen Weg finden, unserer Mannschaft trotz Abwesenheit zu vermitteln, dass es für uns das Größte ist, wenn sie auflaufen und für unser Emblem alles geben. Dass unser Tag trotzdem von diesen neunzig Minuten dominiert wird, in denen Rot-Weiss spielt. Und das wir uns bei ihr genau diese Emotionen wünschen, als wenn wir da wären. So schwer es auch fallen mag. Vielleicht also müssen wir den Spielern noch einmal auf andere Art vermitteln, dass wir auch jetzt den Schub geben wollen, den sonst nur ein volles Stadion zu geben vermag. Aber wie kann solch schwieriges Unterfangen gelingen?

Abseits dieser Gedanken wurde die zweite Runde des DFB Pokals ausgelost. Und was soll man schreiben: Corona hat auch seine guten Seiten! Endlich werden Auslosungen wieder wie Auslosungen durchgeführt und nicht zu einer peinlichen Show verhunzt. Ich muss ja gestehen, mich hat die schiere Angst gepackt, dass wir es ausgerechnet jetzt mit den Blauen zu tun bekommen. Das einzig wahre Derby nach so vielen Jahren, und dann vor leeren Tribünen. Dann hätte 2020 endgültig den Hut nehmen können. So bliebt es weiterhin eher das kalendarische Gelsenkirchen. Die Ziehung nun für uns direkt eine „Auslosung interruptus“, denn schon nach der vierten Kugel war alles vorbei: In der zweiten Runde des DFB Pokals ist erneut die Düsseldorfer Fortuna zu Gast. Ebenso wie gegen Arminia Bielefeld der zweite Anlauf unserer Roten binnen weniger Jahre.

Und nehmen wir Bielefeld als gutes Omen, steht der dritten Runde ja nicht viel im Weg. Außer, dass wir auf den Rängen wohl immer noch nicht in emotionales Investment investieren dürfen. Aber, hoffen darf man immer!  

„Ich kann gar nicht alt genug werden, um alle Überraschungen, die der Fußball so parat hat, verkraften zu können“ (Hans Meyer)

Düsseldorf:

Zwischendurch wäre ein Anruf beim Ordnungsamt angezeigt gewesen. Aus Gründen schwer beschäftigt in diesen Tagen hätte es ein weiteres Mal eingreifen müssen, um die Zwote Mannschaft von Fortuna Düsseldorf dicht zu machen. Und den Unparteiischen gleich mit. Immer wieder überschritten beide die Grenze zur Peinlichkeit und sahen Dinge, von denen die überwiegende Mehrheit im Stadion nicht wusste, dass es sie gibt. Und so lagen sie und wanden sich in ihrem Schmerz, die jungen Fortunen. Wir werden wohl auf ewig rätseln, woher dieser kam. Also der Schmerz. Oder die Karten. Da möchte man nur fragen: „Warum?“ Vielleicht war es ein Stück weit der seit Monaten nicht mehr gekannten Begleiterscheinung namens Atmosphäre geschuldet, die zu dieser sehr interessanten Auslegung der Regeln und Fairness geführt haben.

Sei’s drum, die Mannen um Christian Neidhart haben sich dadurch nicht von ihrem Ziel abbringen lassen, diesen Abend zu zelebrieren und mit drei Punkten erfolgreich zu gestalten. Der Abend an der Hafenstraße hatte aber noch weitere Akte zu bieten, die allesamt auf der ziemlich emotionalen Klaviatur gespielt wurden. Kurz vor dem Stadion wähnte man sich eher wie vor einem Rockkonzert, denn vor einem Fußballspiel. Der ansonsten so belebte Vorplatz wurde blickdicht gemacht, um an dieser Rot-Weissen Kulturmeile Ansammlungen zu vermeiden. Unser Boss durfte sich also fühlen wie Mick Jagger, Bono oder René Pascal, denen so vor allzu neugierigen Blicken Sichtschutz gewährt wird. Auch Fancontainer und Stauder Wagen waren somit betroffen und vermittelten so schon bei der Ankunft dieses Gefühl, dass gerade alles anders ist. Der Einlass weitläufig, klar strukturiert und trotz der gebotenen Vorsicht entspannt.

Die Mitarbeiter in den langen Hosen haben Tag und Nacht vorgelegt, damit ihre Kollegen in den kurzen Hosen endlich wieder eine etwas größere Bühne für ihre Fußballkünste betreten konnten. Chapeau und Danke dafür! Im Stadioninneren galt es einen Moment zu überlegen, und dann war der Kontext hergestellt: Boavista Porto mit seinem Estádio do Bessa Século. XXI stand hier Pate, schließlich hat der portugiesische Verein in Reminiszenz an seine Schachabteilung auch alles in selbigem Muster ausgekleidet. Schade, dass es keine roten Müllsäcke gibt, welches Bild hätte das gegeben. Da die gängigen Farben jedoch Blau und Schwarz sind, war Schwarz natürlich alternativlos. Die Sitze dazwischen füllten sich nun langsam mit Fans und bekamen die ersehnten roten Farbtupfer.

Das die Mannschaft mittlerweile schon auf dem Platz war, ging fast ein wenig unter. Als dann aber das Aufwärmen beendet wurde, ging urplötzlich ein Ruck durch das Stadion: Die Mannschaft begrüßte spontan die Fans und diese sprangen direkt auf, klatschten sich die Finger wund. Fast so, als hätten wir justament den Aufstieg geschafft. Der Einlauf ebenfalls ein emotionaler Festakt. Irgendwie überlagerten sich Stadionregie, Gesänge und die drei Tribünen, so dass unter dem Strich Gemengelage und Lautstärke ein leichtes Schaudern zu erzeugen wusste. Im Spielverlauf stimmten immer wieder verschiedene Gruppen Gesänge an, wurde extrem situativ reagiert. Altersunabhängig übernahmen nun auch viele ältere Fans den Part der „West“. Die Stimme konnte sich ja auch Monate auf diesen Moment vorbereiten. Für den Moment des 2:0 hat sich auch Cedric Harenbrock nach vielen Verletzungen immer wieder herangekämpft. Das erste Mal im Kader, eingewechselt und direkt an einem solchen Abend das Tor: Das war die Kirsche auf der Torte.

Bonn

Erste Halbzeit:

Paul Breitner sagte einmal (leicht abgewandelt): „Da kam dann der Livestream. Wir hatten alle die Hosen voll, aber bei mir lief’s ganz flüssig“. In der Tat war der Livestream aus dem Bonner Sportpark die Überraschung des Abends. Kaum Aussetzer in Halbzeit Eins. Im Gegenteil, er lief so stabil wie der RWE auf dem Feld. Das Ambiente am Monitor aufgrund der dunklen Zuschauerränge und des schummerigen Flutlichts in Verbindung mit der Bildqualität ähnlich wie bei der Fernsehübertragung aus dem Jahre 1981 zwischen dem FC Politehnica Timisoara und dem 1.FC Lokomotive Leipzig . Aber egal, man war einmal mehr mit dabei. Spaßig bei Sporttotal ab und an die Kommentatoren: In Lippstadt sah man Simon Engelmann häufig kritisiert in Fankreisen und heute gab es die These, dass Christian Neidhart nach den beiden Unentschieden schon gewackelt hatte. Man sollte vielleicht weniger sozial mediale Kommentare als Grundlage für eine Vorabrecherche nehmen. Das eventuell als ernstgemeinte Bitte. Auf jeden Fall: Danke für entspanntes Zusehen. Unserer Mannschaft gilt dieser bisherige Dank übrigens auch, denn relativ unaufgeregt gestalteten sich diese ersten fünfundvierzig Minuten.

Zweite Halbzeit:

Wer jetzt geglaubt hat, es würde so weitergehen mit der Entspannung, dem wussten die die Bonner nach etwas über fünfzig Minuten auf die Sprünge zu helfen: Die Heimmannschaft verfehlte den Ausgleich nur um Millimeter, und so saß man als Gästefan plötzlich wieder steil und hellwach im Sessel. Das nächste Mal dann erst wieder in der dreiundneunzigsten Minute bei dem finalen Freistoß des Bonner SC. Da dieser aber ähnlich in den Abendhimmel ging wie weiland des Steuersünders Elfmeter in Belgrad, durfte endgültig und erleichtert in sich zusammengesackt werden. Ach so: Dazwischen unterhielt ein munteres Spiel mit bisweilen schönen Ballstafetten und Balleroberungen auf unserer Seite, welches aber trotzdem nicht die großen Emotionen hervorrufen konnte. Grundsolide drei Punkte also auswärts geholt, den Weg nach oben aus dem (für einige) tiefen Tal der Unentschieden Tränen geebnet. Somit gilt die alte Fußballer These 19.07: Hauptsache gewonnen!

Samstag wartet mit Fortuna Köln ein alter Bekannter im allseits bekanntem Südstadion auf unsere Rot-Weissen. Exakt selben Spiel- und Streamverlauf würde ich direkt unterschreiben. Komplett emotionslos.

Spitzengruppe, Spitzengruppe, hey hey……

„Früher war alles gut, heute ist alles besser. Es wäre besser, wenn wieder alles gut wär“ (Heinz erhardt)

Eines ist klar: In einigen Wochen wird keiner mehr über das vergangene Spiel gegen den einzig wirklichen Namensvettern aus Ahlen reden. Es steht dann als schlichtes 3:2 in den Weiten der Spieltagsschemata gängiger Sportportale oder auf der eigenen Homepage. Ebenso wie auch das 1:0 gegen Arminia Bielefeld irgendwann nur noch ein Ergebnis aus der ersten DFB Pokalhauptrunde sein wird. Aktuell aber beschäftigt uns das Spiel vom Mittwochabend wohl mehr, als es uns lieb sein dürfte. Das zudem auf mehreren Ebenen.

Unter dem Strich bedeuten drei Punkte im Fußball zuallererst, alles richtig gemacht zu haben! Schließlich hat man doch die maximale Ausbeute aus den neunzig Minuten herausgeholt. So weit, so gut. Aber der Weg dorthin an diesem Abend gegen Rot-Weiss Ahlen war ein besonders holperiger. Bisweilen unerklärlicher! Sowohl auf dem Platz, als auch vor den Empfangsgeräten. Ein defekter Router, soviel mittlerweile bekannt, der Grund dafür, dass weite Teile des Spiels nicht wie gewohnt zu sehen waren. Das kann passieren und fühlt sich im Nachgang natürlich bei weitem nicht mehr so schlimm an, wie am Abend selbst, wenn man für Übernachtungsgäste aus der Schweiz alles für einen schönen Fußballabend vorbereitet. Der Onkel als leidenschaftlicher FC Zürich und sein Sohn als Grasshoppers Fan sind sportlichen Kummer gewohnt, daher wollte ich ihnen endlich einmal tollen Fußball zeigen. Das die beiden entgegen meiner Planung erst nach Abpfiff von einer weiteren familiären Verabredung zurück waren, war also unter dem Strich so schlecht nicht. Sämtliche emotionale Handlungen meinerseits dem Standbild und zwischenzeitlichen Ergebnissen gegenüber blieben den beiden somit glücklicherweise verborgen.

Man geht heutzutage wohl nur noch davon aus, dass Technik immer zu funktionieren hat. Zumal die Erstausstrahlung gegen den SC Wiedenbrück von „B“ wie Bild bis „K“ wie Kommentierung eine ziemlich runde Sache und jeden Euro wert war. Es war diesmal leider eine frustrierende Angelegenheit, Punkt! Galgenhumor oder der Verweis auf Preis/Leistung in den sozialen Medien nach sich ziehend. Beleidigungen Soccerwatch gegenüber jedoch genau so unangebracht wie Beleidigungen der Mannschaft oder Verantwortlichen des Vereins ob der gezeigten sportlichen Leistung gegenüber. Nur weil es (einmal mehr wohl) in der Liga nicht direkt so läuft, wie erwartet. Wem hilft das außer keinem? Natürlich hat sich der Verein in Anbetracht seines Kaders und dem natürlichen Anspruch weit aus dem Fenster gelehnt und diesmal das Ziel in Großbuchstaben ausformuliert. Kein kleingedrucktes mehr. Und natürlich hat das die Ligakonkurrenz auch dankend angenommen und RWE schon mal vorab zum Meister gekürt ( Wohlwissend warum). Blöderweise führt das jetzt gelegentlich dazu, dass unser heimischer Viertligist mit einem notorischen Dauermeister aus München verglichen wird. Unter 8:0 alles eine Enttäuschung also. Da packste Dich doch an den Kopp, das kann in unserer Realität einfach nicht funktionieren. Auch die ersten Forderungen zur Trainerentlassung können schlicht nicht ernst gemeint sein. Klar, wir haben natürlich schon Herbstanfang, aber man sollte einem Trainer trotzdem erst einmal zehn Spiele Zeit geben, bevor wir seinen Kopf auf das Schafott legen. Die Saison hat doch auch erst später begonnen. Aber klasse, das wir wenigsten wieder einen Torwart wie die berühmte Sau durch das Dorf treiben wollen. Man hatte es ja fast schon vermisst. Applaus, Applaus.

Man kann doch einfach auch mal so enttäuscht sein über die Leistung. Sogar entsetzt über das leichtfertige Entstehen zum Beispiel des ersten Gegentores. Von dem Ding da kurz vor Spielende ganz zu schweigen. Man kann auch sein Unverständnis darüber äußern, warum gegen Bielefeld eine solch knorke Mannschaft auf dem Feld steht, gegen Wiedenbrück und Ahlen dann aber eher ein Arbeitskreis, der noch erarbeiten muss, wer für welche Aufgaben auf dem Feld zuständig ist. Aber das ist doch ganz einfach: Alle für alle natürlich. Hafenstraße Essen ey, da wird malocht und schon mal einer umgehauen, wenn es dem eigenen Erfolg dienlich ist. Nette Abendbegleitungen für den Gegner bedarf es da nicht. Nee, das hat einmal mehr Nerven gekostet. Und doch ist es ganz am Ende ein Dreier für uns geworden. Kein flotter natürlich, denn normalerweise verlieren wir solch ein Spiel. Und wahrscheinlich hätten wir es vor vollen Tribünen sogar wirklich verloren, denn wir alle wissen, welche (verständliche) Unruhe bei solch Spielverlauf auf den Rängen geherrscht hätte. So aber bleibt unter dem Strich doch noch eine kleine Erfolgsgeschichte zu verbuchen. Eine Erfolgsgeschichte, die uns einmal mehr hat altern lassen.

Samstag geht es für unsere Mannschaft nach Lippstadt. Schon in der vergangenen Saison kein leichter Gegner, wird es auch diesmal sicher kein leichter Gang. Jeder will doch dem RWE ein Bein stellen auf dem Weg in die Drittklassigkeit. Für die Mannschaft wird es nun wichtig sein, der vorhandenen Qualität auch die nötige breite Brust und Drecksackmentalität folgen zu lassen, die es als Favorit auf den Titel braucht. Nochmal: Wer uns aus dieser Liga führt, der baut sich sein eigenes kleines Denkmal an der Hafenstraße. Allein dafür lohnt es sich zu rennen und zu kämpfen, bis der Abpfiff ertönt und der Sieg unser ist. Und wir alle da draußen, vielleicht atmen wir einfach noch einmal etwas lockerer durch den Rot-Weissen Schlüpper, bevor wir schon wieder alles in Sack und Asche kommentieren. Der Fairness halber: Das war aber auch wirklich schwere Kost gegen den Aufsteiger aus Ahlen ( Allein schon für deren wildes herumgeschreie hätte es doch mal auf die Socken geben müssen…).

Alles wird gut! Nur der RWE!

Vatertag. Pfingsten. WDFV. Ole Ole.

Es war am sogenannten Vatertag. Tagsüber verbracht nicht nur mit der Liebsten, sondern abends auch mit Fans des SV Werder, des FC St. Pauli und von Borussia Mönchengladbach. Allesamt langjährige Freunde und Väter. Daher trafen wir uns mit gebotenem Abstand zueinander. Wir haben kaum über Fußball geredet. Eigentlich gar nicht. Schließlich sind die drei Freunde keine „aktiven“ Fans (Sprich Stadiongänger) wie ich es einer bin. Sondern eher TV Konsumenten. 

Aber selbst der vergangene Geisterspieltag war jetzt nicht so wirklich von Interesse, viel zu unwirklich das Ganze. Somit war ich wohl der einzig wirklich leidende Fan von uns Vieren. Schließlich ist für mich Fußball weiterhin Rot-Weiss Essen. Ist Frikadelle und Freunde. Findet im Stadion statt statt nur anderweitig dabei. Geht bis ins Mark anstatt auf der Mattscheibe dahin zu vegetieren. 

Unser diesjähriger Urlaub war geplant rund um die Relegationstermine zwischen dem Vertreter aus dem Westen und dem Nordosten. Grundsätzlich eine aberwitzige Ansetzung, denn Meister müssen aufgrund der gebotenen Saisonleistung zwingend aufsteigen. Nun wollte unser designierter Meister jetzt nicht wirklich, was kurzfristig die Hoffnung nährte, dass unser aller RWE für die Küchenjungs aus Rödinghausen einspringt. Hätten wir natürlich auch sehr gerne gemacht.

Ich glaube übrigens weiterhin fest daran, dass sich der weitere Saisonverlauf insofern positiv für uns entwickelt hätte, so dass wir spätestens Mittwoch vor Vattertach eine Rot-Weisse Karawane auf der Autobahn Richtung Leipzig, Cottbus oder Berlin hätten erleben dürfen.

Man darf ja gar nicht daran denken, was ein erstes Pflichtspiel außerhalb der eigenen Landesgrenzen für Euphorie rund um die Hafenstraße ausgelöst hätte. Von Kategorie A bis Z wäre so ziemlich alles auf der Bahn, was jemals die Buchstaben RWE aufsagen konnte oder irgendwie damit sozialisiert wurde. Mit im Reisegepäck die Euphorie der Stunde, aber auch die Angst des Scheiterns. 

Naturgemäß und allseits bekannt wurde nichts aus diesen erträumten Sternstunden Rot-Weisser Fußballkultur.  Zwischen uns und unseren Plänen steht immer noch ein Westdeutscher Fußballverband. Ja gut, und die Tabelle. Wattenscheid hin oder her. 

Im Norden und Südwesten der Regionalligarepublik wurden mittlerweile Entscheidungen getroffen: Aus dem Südwesten hat es der 1.FC Saarbrücken in die dritte Bundesliga geschafft. Aktuell ohne eigenes Stadion und in Völklingen zu Gast. Herzlichen Glückwunsch an die Saar. Der Parforceritt durch den DFB Pokal hat gezeigt, das da eine gute Truppe am Start ist. Aus dem Norden hat es via Anordnung der VfB Lübeck zurück geschafft. VfB Lübeck…da dreht sich mir als Erstes der Magen um und macht es mehr als nur „Örks“. Der VfB kann nichts für unseren charakterlosen Haufen vom 31.5.08. Aber er wird stets damit in Verbindung gebracht werden. Die Lohmühle ein schöner Fußballort. Alles Gute zum Aufstieg.

Bleiben unter anderem wir. Also die Regionalliga hier. In unserem Revier. Liga Vier. Mit dem Angebot einer sportlichen Auseinandersetzung ist der RWE wie erwartet beim WDFV gescheitert. Das muss man verstehen, denn sportliche Entscheidungen sind nicht so das Ding da im Verband. Das wäre ja auch alles zu einfach. Nee, wir warten einfach ab, bis der SC Verl eine entsprechende Spielstätte präsentiert und bekommen die Geschichte dann wie folgt abgenickt: „Aufgrund der aktuellen tabellarischen Aktualität unter Berücksichtigung aller punktuellen Punkte nebst temporärer Tabellensituation unter Missachtung der Wattenscheid Tragödie und unter vollkommener Vernachlässigung weiterer Spiele haben wir vor, wie folgt zu entscheiden: Mit sofortiger Wirkung werden wir spätestens am 20. Juni den SC Verl zum Relegationsteilnehmer bestimmen. Sollen die Verler dort machen, was sie wollen, aber wir benötigen weiter den RWE in der Regionalliga, um mit den Abgaben unsere Rechnungen zu bezahlen“. 

Und somit harren wir also nun der Dinge, um endlich Klarheit zu bekommen. Die wir ja eigentlich schon haben. Seien wir ehrlich: Wir werden auch kommende Saison Viertklassig erstklassig unsere Lieder singen. Und in Anbetracht der Tatsache, wie sich der DFB und seine Dritte Bundesliga gerade präsentieren, vielleicht nicht einmal die schlechteste Idee. Das dortige „Alle gegen Alle“ ist nicht mehr so unsere Sache. Bei uns ist gerade und einmal mehr Zusammenhalt gefragt. Die Mitgliederzahl tendiert Richtung „Allzeithoch“ und ganz nebenbei wurde auch noch der Engelmann aus Rödinghausen verpflichtet. Auch nicht schlecht, cooler Move!

Meine Güte, was vermisse ich die Hafenstraße. Diesen Moment, wenn die Mannschaft aus den Katakomben kommt, um sich vorzubereiten. Die ersten Gesänge angestimmt und unsere Fahnen geschwenkt werden. Wenn sich Vorfreude auf das Spiel mit wohliger Aufgeregtheit abwechselt. Der letzte Blick vor dem Anpfiff über die Tribünen. Der gewunkene Gruß Richtung „R4“. Das sind die Momente, in denen Rot-Weiss Essen völlig losgekoppelt von jeder Liga agiert. Momente, in denen RWE stets erstklassig ist. Neunzig Minuten nur der RWE!

Alles wird gut! 

 

 

 

 

Wir alle leben mit einer an unseren Sehnsüchten gestrandeten Seele…(Elmar Kupke)

Zitate sind was schönes, lassen sie doch ab und an sogar auf einen intellektuellen Text hoffen. Um dann doch eher der Vertiefung eigener Gedanken zu dienen. Als Fan von Rot-Weiss Essen leben wir ja schon lange mit unserer gestrandeten Seele. Allerdings war die Sehnsucht bis vor wenigen Wochen noch eine ganz andere. Diese tief in uns verankerte Sehnsucht nach was Besserem. Eine Sehnsucht zudem, die bei zuverlässiger Nichterfüllung der vergangenen Jahre zu oft in zu vielen von uns Verhaltensmuster zu Tage brachte, die einem guten Miteinander nicht förderlich waren. Was haben wir die Mannschaft verbal lang gemacht; uns von ihr und Verein abgewandt. Natürlich gerne verbunden mit dem Satz aller Sätze frustrierter Fußballfans: „Hier komme ich nie wieder hin, nächsten Samstag wird gegrillt…“

Ach, was waren das noch für Sehnsüchte. Wie schön war es doch, den eigenen Verein Scheiße zu finden. Es konnte doch keiner ahnen, dass es mal eine Zeit geben wird, in der  wir uns nicht damit befassen „müssen“, was unser aller RWE Woche für Woche so anstellt. Hans-Christoph Neuert (Wer kennt ihn nicht…) hat irgendwann mal geschrieben:

„Seit Du nicht mehr da bist vermisse ich auch mich“.

Ich denke, dieser Satz trifft es ganz gut, unsere Sehnsucht mit der aktuellen Situation zu verbinden. Der Fußball ruht, die Gesellschaft pausiert und unser RWE (Wie  so viele andere auch) steht somit an einem dramatischen Scheideweg! Sein oder nicht sein ist vielleicht noch nicht die Frage, aber sie kann eines Tages eine werden. Natürlich ist der RWE aktuell noch da, und befeuert unsere Sehnsüchte nach ihm auch ziemlich vortrefflich mit Einspielungen im leeren Stadion, Spielszenen und dergleichen online. Die Medienabteilung zeigt dem Virus den Mittelfinger und uns, was uns fehlt.

Uns fehlt der RWE, den wir besuchen und „anfassen“ können. Er ist gerade nicht da (Den Umständen entsprechend ist das auch mehr als gut so) und somit vermisse ich auch mich. Also mindestens den Teil von mir, der Rot-Weiss Essen lebt. Was ist das denn für ein Leben, wenn man sich nicht mehr auf ein Spiel freuen darf, nur um sich danach doch nur darüber aufzuregen? Was macht man nun mit den Tagen und Stunden, in denen man ständig „Opa Luscheskowski“ oder anderes vor sich hin gesummt hat?

In seinen Antworten auf ausgewählte Fragen zur aktuellen Situation lässt „Zeheoh“ Marcus Uhlig mehr als nur durchblicken, dass die Lage ernst ist. Denn es betrifft nicht nur einen (unseren) Verein als solches. Es betrifft auch Sponsoren, die schlimmstenfalls ihrerseits seit Wochen ohne Einnahmen sind. Wie will man da seinen Verpflichtungen nachkommen, auch wenn das Rot-Weisse Spenderherz noch so gerne sein Füllhorn über den Verein ausschütten würde? Und wie soll der Fan seinen Verein aktuell virtuell oder via Online Shop unterstützen, wenn er ebenfalls in Kurzarbeit geschickt wurde; vielleicht sogar kurz davor steht, seinen/ihren Job zu verlieren? Wir sind Essen, da hat man außer seinem RWE nicht allzu viel auf der Tasche!

Aber, noch ist nicht aller Tage Abend und ich glaube, dass wir eines Tages wieder anne Hafenstraße pilgern werden! Das am Fancontainer frisch erworbene „Rot-Weiss Essen, Corona ficken & vergessen“ Shirt in der einen und das reelle Stauder in der anderen Hand. Vielleicht haben wir Probleme, die üblichen Bekannten zu entdecken, da das Haupthaar eher an Siebziger Jahre Parties erinnert denn an aktuelle Frisuren und manche Matte die Augen trübt. Aber, egal gegen wen das erste Spiel „danach“ auch stattfinden wird, und egal in welcher Liga: Unsere Lieder dürften so intensiv gesungen werden, wie lange nicht mehr.

Geht man dieser Tage mit dem gebotenen Abstand  vor die Tür, so ist festzustellen, dass die Natur einen so freundlich begrüßt, wie schon seit Jahren nicht mehr. So bedrohlich das Szenario auch ist, so beunruhigend zudem…so sehr sehe ich auch eine Chance darin, daraus zu lernen. Zu reduzieren; Wertschätzung zu zeigen. Respekt und Zusammenhalt zu leben. Und dann kann auch Rot-Weiss Essen weiterleben. Als Einheit zwischen Verein, Fans und Finanzen. In der Gewissheit, dass unsere Seele alles verkraften würde: Außer einem Leben ohne Rot-Weiss Essen. Und vielleicht gucken wir einfach noch mal auf unser Konto, ob nicht doch noch ein Besuch im Online Shop drinsitzt. Jeder Cent hilft unserer Perle vonne Hafenstraße.

Bleibt gesund!

 

 

 

An den Scheidewegen des Lebens stehen keine Wegweiser (Charlie Chaplin).

Es sind schwierige Tage für alle. Dieser Virus, der noch vor wenigen Wochen so weit weg war, erreicht nun auch unseren Alltag. Ist spürbar, messbar und verleitet zu Übersprungshandlungen aller Arten. Die Verbreitung muss gestoppt werden, dass gebietet allein der gesunde Menschenverstand. Demzufolge ist es nur richtig, dass auch das angedachte Spiel des RWE gegen den Nullvierten Fußballclub aus Gelsenkirchen abgesagt wurde. Dass es mehr Sinn macht, Spiele gänzlich abzusagen, anstatt sie vor leeren Tribünen auszutragen, haben die Beispiele in Gladbach und Paris gezeigt: Dem rationalen Denken nicht mehr mächtig, sobald es um das Allerheiligste geht, haben sich die Fans eben vor dem Stadion einander angenähert und Fackel gezeigt. Grundsätzlich löblich, aber leider der falsche Ansatz. Verbreitung vermeiden bedeutet viele Menschen auf einem Fleck zu meiden. Und nicht Nudeln kaufen. Warum eigentlich Nudeln? Was ist mit Reis? Der hält auch ewig! Und aus der beruflichen Praxis kommend, darf ich sagen: Wascht Euch die Hände. Desinfektion zu horten hilft da nicht wirklich weiter. Ganz normale Handwäsche mit Seife ist wesentlich effektiver. Ehrlich!

Was aktuell weiterhelfen kann, darüber streiten sich die Gelehrten und wie immer auch die Kommentarspalten. Man sollte letztere übrigens meiden wie aktuell Menschenansammlungen, denn sie könnten auch ansteckend wirken. Es bedarf jetzt einfach die gebotene Gelassenheit der Gemeinschaft; es bedarf Empathie und Ruhe. Ruhe also auch im Stadion Essen vergangenen Samstag. Ein Wochenende ohne Heimspiel für die vielen Fans der Rot-Weissen, und ein Wochenende ohne Einnahmen für alle anderen. Ein Wochenende ohne Punkte zudem. Die Regionalliga 2019/20 gefühlt eine ganz fürchterliche Saison, denn wann läuft ein Spieltag eigentlich noch normal ab? Wattenscheid geht das Geld ganz aus, Wuppertal gefühlt jede Woche. Verl hat ständig Wetter, die beste Mannschaft kein Umfeld. RWE hat Zuschauer ohne Ende, aber auswärts selten spieltaugliches Gelände.

Eigentlich war ja auch vor dem „Hustensohn“ alles schon sehr kompliziert. Nun ist es für viele Vereine nicht mehr nur kompliziert, sondern geradezu existenzbedrohend. Die Bayern und BvB`s dieser Fußballwelt, die werden das durchstehen, möglicherweise mit der Konsequenz, mal auf einen Millionentransfer zu verzichten; Ebenso der Verein aus Gelsenkirchen, der auch bei noch so vielen Schulden Jahr um Jahr durchgewunken wird. Aber was ist mit den kleinen Vereinen, und vor allem: Was ist mit den Menschen, die in und für diese Vereine arbeiten? Die an Spieltagen unsere Frikadelle bruzzeln und das Bier zapfen? Die bei Wind und Wetter die Fahrzeuge einweisen oder mit Ordnerweste vor dem Block stehen. Es geht also nicht nur primär um den Verein als solches. Es geht auch um denjenigen, um diejenige, dessen/deren Lebensunterhalt gefährdet ist, wenn vielleicht 450€ im Monat wegbrechen. Es geht um den Fußballer in unteren Ligen, der auch seine Fixkosten zu zahlen hat. Ach, es geht um so viel. Aber trotzdem und zuallererst geht es um die Eindämmung!

Deshalb wäre es eine gute Sache, wenn der DFB wirklich ein finanzielles Unterstützungsprogramm auf den Weg bringen würde, welches die monetären Folgen für alle Beteiligten etwas abpuffern könnte. Angenehmer Nebeneffekt: Der wirklich kritikwürdige DFB könnte sich inhaltlich auch mal wieder in die richtige Spur bringen. Allerdings dürfte sich Hilfe nicht wie ein Schwall über wenige ausbreiten, sondern sollte nach dem Gießkannenprinzip über alle verteilt werden, die monetärer Hilfe bedürfen. Machen wir uns nichts vor: Die Saison wird wohl nicht zu Ende gespielt werden, und es sollte einen Plan B geben. Was auch immer der bedeuten könnte. Marcus Uhlig hat kürzlich vorgerechnet, welche Konsequenzen es in Summe für unseren Herzensverein haben kann, und jene Summe hat mich ängstlich stocken lassen. So ist das eben, wenn Du als Verein von Zuschauern und nicht (nur) von TV Geldern abhängig bist: Bei Geisterspielen rollt der Rubel trotzdem, weil genug Konsumenten die Glotze einschalten. Bei RWE aber, da musste den Arsch hochbekommen, um den besten Fußball zu sehen. Und mit diesem Arsch finanziert man eben auch diesen wunderbaren Verein. So einfach ist das!

Rot-Weiss Essen lebt in großen Teilen (Danke an alle großen und kleinen Sponsoren)  durch die vielen Fans im Stadion, während die Bundesliga mittlerweile auf diese verzichten kann, um zu überleben. Kurioserweise kann auch der SC Verl ohne Zuschauereinnahmen überleben. Aber, dass ist wieder eine ganz andere Geschichte.

Es wird also nicht mehr gespielt. Der Kampf auf dem Rasen und den Tribünen; manchmal auch der hinter den Kulissen, er ist dem Kampf gegen einen Virus gewichen, für dessen Bekämpfung ein probates Gegenmittel noch nicht erfunden wurde. Wir können aktuell nur atemlos zusehen, was er mit uns anrichtet und den Empfehlungen Folge leisten. Und das sollte man auch tun! Alles andere ist albern, peinlich und fahrlässig. Und noch etwas können wir tun: Wir können der Gesellschaft helfen, indem wir uns um unsere Mitmenschen kümmern, die vielleicht gerade besonderer Aufmerksamkeit bedürfen. Ein Zettel im Hausflur mit dem Angebot, für diejenigen einzukaufen, die nicht so gut zu Fuß sind, wirkt Wunder. Ein „bleiben Sie gesund“ sorgt für ein Lächeln und die Erkenntnis, dass auch ein Buch bei guter Musik etwas herrliches sein kann, für viel Reduktion.

Und trotzdem sind da natürlich auch diese eventuellen Forderungen, die im coronarem Raum stehen: Ein Dauerkarteninhaber hat für eine ganze Saison bezahlt, nicht nur für zwei Drittel. Was also, wenn manch einer der geneigten RWE Dauerkarteninhaber bei abgebrochener Saison Schadensersatz fordert? Keiner kann es ihm verdenken, keiner wäre deshalb böse.. Aber ich würde mir trotzdem wünschen, dass ein solches Szenario wirklich nur so wenig wie möglich eintreten würde. Ein Hoch auf das Konjunktiv! Für den „Hustensohn“ kann selbst der RWE doch nichts! Im Gegenteil: Wir sollten uns  also überlegen, wie wir dem RWE auch ohne Spiel zu Einnahmen verhelfen, um auch in der kommenden Saison noch feste zubeißen zu können: Die Mitgliedschaft ist eine solche Option. Ebenso wie die Sichtbarkeit des eigenen Namens auf der „alte Schule Anzeigentafel“. Natürlich kann man auch online den RWE Fanshop leerkaufen, und ebenso natürlich auch zugleich den Paketboten schützen, indem man einen alternativen Übergabeort vereinbart.

Ach, hätte ich doch einen Bestseller geschrieben, und nicht nur 111 Gründe, den RWE zu lieben….dann könnte ich mit einem signierten Buch bei einer privaten Lesung viel Geld verlangen und dieses dem RWE zugute kommen lassen. Aber vielleicht fällt mir trotzdem noch etwas ein, um meinen Verein im bescheidenen, machbaren Rahmen zu unterstützen. Um daran teilzuhaben, Rot-Weiss Essen fit zu halten. Um keinem Virus dieser Welt zu erlauben, einen großen Teil des eigenen Lebens zu nehmen. Es gibt eine Zeit nach dem Hustensohn. Und dann wird es auch wieder RWE auf dem grünen Rasen geben. Wird es all das geben, was wir mit RWE verbinden, was wir an RWE lieben und was wir RWE zu verdanken haben. Aber, bis es wieder soweit sein wird; bis wir wieder auf der Hafenstraße flanieren und staudern werden….bis dahin müssen wir aus- und durchhalten. Es ist wie es ist!

Bleibt gesund und kauft realistisch ein.

Der Schuh des Manitu

Die Vorfreude steigt, die Aufregung noch viel mehr: Die Küchenjungs aus Rödinghausen kommen an die Hafenstraße und wollen weder Dunstabzugshaube noch Kühlschrank liefern, sondern drei Punkte mit zurück in die ostwestfälische Fußballhochburg nehmen.  Rein statistisch betrachtet steht es ihnen sogar zu, davon auszugehen: Sie liegen doch in der gemeinsamen Historie um vier Mikrowellen vorn. Der „Reviersport“ sieht nun Vorteile beim Gast; die „Welt“ uns wenigstens auf Augenhöhe und ein automatisch generierter  Bericht auf „T-Online“ schwadroniert gar von einem Showdown. Da sieht man mal, wie bescheuert automatisch erstellte Texte sind! Am 23. Spieltag von einem Showdown zu sprechen, ist albern. Egal, wer am Samstag die Show macht oder wer am Ende Down sein wird: Auch dann ist noch lange nichts entschieden. Gibt ja auch noch den SC Verl, die vom Kanal, weitere Spieltage und überhaupt. Kein Showdown also und zu 100% ein Mensch hier hinter der Tastatur.

Um 14:00 Uhr mit Anpfiff ist dann jede Vorberichterstattung endlich Makulatur; interessieren Prognosen keinen mehr im Stadion. Dann heißt es Handy aus und Stimme an. Übrigens wurde (erstaunlicherweise) in fast allen Vergleichen und Vorberichten etwas ganz essenzielles vergessen: Wir alle zusammen haben doch Samstag Geburtstag, und werden 113 Jahre jung. Auf das Spiel bezogen kann das eigentlich nur eines bedeuten: 1 RWE Tor erste Halbzeit + 1 RWE Tor zweite Halbzeit = 3 RWE Punkte als Geburtstagsgeschenk aus Rödinghausen. Kann ja auch gar nicht anders: Denn wer Geburtstag hat, bekommt schließlich Geschenke. Gerne natürlich auch in Form eines Unparteiischen, der der Bedeutung dieses Spieles gewachsen ist und mit seiner Pfeife umzugehen weiss. Und mit seinen Linienrichtern am Spielfeldrand. Da wir also Geburtstag feiern, sind wir selbstredend auch gute Gastgeber und verwöhnen unsere Gästefans (gegen Gebühr) mit allen Köstlichkeiten der Hafenstraße. Als da wären: „Vierzehntausendfache Emotionen mit einem Hauch an Ungeduld und einer Prise an Leidenschaft, angerichtet auf einem Bett voller Gefühle für unseren Verein“. Dazu das Beste was eine Brauerei hierzulande abfüllen kann. Und Wurst. Und Frikadelle. Mit oder ohne Senf. Wir lassen es also richtig krachen.  Welcher Gast würde da so dreist sein, und die Punkte mitnehmen wollen?

Am kommenden Samstag können wir alle aber noch etwas mehr geben. Wir können Hoffnung geben und Glauben schenken. In den Arm nehmen, applaudieren und gut zusprechen: Vergangenen Mittwoch hat unser erster und langjähriger Fanvertreter im Aufsichtsrat, zudem ein oller Platzproll, öffentlich mitgeteilt, dass er an einer speziellen Form von Lymphdrüsen-Krebs, dem sogenannten „Mantelzell- Non Hodgkin Lymphom“ erkrankt ist. Dieses Arschloch von Krebs hat also wieder ein Opfer gefunden. Einen Rot-Weissen durch und durch. Das lassen wir uns nicht gefallen, dem nehmen wir uns an und stehen bei! Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass ein offener Umgang mit einer solch belastenden Krankheit zunächst kein leichter ist. Aber jetzt, drei Jahre danach, kann ich sagen: Es war der beste Weg! Zu unsicher in einem solchen Fall stets das eigene Umfeld, Kollegen und Bekannte. Darf man den Betroffenen darauf ansprechen? Muss ich ihn bemitleiden?

Ach, einen Scheiss muss man! Offenheit ist wichtig. Humor ist lebenswichtig. Verkriechen gilt nicht. Im Gegenteil, hier stehe ich und habe Krebs! Und ich nehme den Kampf an. Das hat uns Ralf geschrieben, so wie er uns auch jahrelang geschrieben hat, wie es um unseren RWE steht. Im Gegensatz zu seinen Berichten aus Trainingslager und AR-Sitzung habe ich den letzten natürlich nicht gerne gelesen. Aber der Humor und der Optimismus dieser Zeilen hat direkt wieder ein Lächeln ins Gesicht des Lesers gezaubert. Ab sofort sind wir nicht nur RWE und kämpfen um den Aufstieg, sondern wir sind auch Ralf und sind alle anderen Erkrankten aus der großen RWE Familie. Wenn die Mannschaft am Samstag aufläuft, applaudieren wir nicht nur ihr, sondern auch Dir und Euch. Ab sofort gilt noch mehr: „Kämpfen und siegen“.

Und deshalb ist es mir momentan undenkbar, dass wir nach dem Spiel die Hafenstraße erfolglos verlassen werden. Auf und neben dem Platz. In der Tabelle und in unseren rot-weissen Herzen. Wir werden feiern: Den Geburtstag, das Leben und die drei Punkte. Rund um den RWE ist immer auch viel Mist passiert, aber letztendlich sind wir Familie. Wie heisst es doch so schön: „Die Familie Rot-Weiss hält zusammen…“. Besonders jetzt, wo der Schuh drückt.

Die Schwierigkeiten scheinen nur da zu sein, um überwunden zu werden (August Heinrich Hoffmann von Fallersleben).

Ich denke, wir sind uns alle einig: Den Stadionbesuch als solches kann nichts ersetzen. Niemals. Kein noch so großer Flachbildschirm zuhause; kein Kneipen- oder Rudelgucken. Das wirkliche Erlebnis Fußball mit allen „Aaaaahs“ und „Oooooohs“ gibt es nur am Platz oder im Stadion. Außer in Gelsenkirchen. da hat man weder Platz noch Stadion. Die Vorfreude auf der Hinfahrt und die Stille oder der Singsang auf dem Heimweg. Die Wurst und das Stauder. Die Sanitäranlagen, die man sich im Gegensatz zur heimischen Kachel mit Hunderten anderer Drangwütigen teilt. Es gibt eigentlich keine Alternative zum Spielbesuch vor Ort. Außer man ist sauer auf den eigenen Verein und benötigt eine Auszeit. Oder, man muss arbeiten.

Also kein Stadion. Doch was dann? Videotext? Klar, geht immer. Also, wenn dieser überhaupt noch existiert. Liveticker und Radio Hafenstraße gehen auch. Der Liveticker des RS hatte bisweilen das Problem, dass es sich zutrug, den letzten Eintrag in der 90. Minute bei 1:0 Führung RWE abzusetzen. Dann kam die Stille. Der hektische Klick auf „aktualisieren“. Nichts. Minuten der Verzweiflung. Was tun? Das Herz bubbert, die Pochen schläfen. Oder andersherum. Dann endlich, nach gefühlten 35 Minuten aktualisiert sich der Liveticker. Doch plötzlich steht da: Abpfiff in der 90. +8 Endstand: 1:2. Der RWE hat in der Nachspielzeit verloren und seine Fans am Ticker sind wahrscheinlich in ein Zeitloch gefallen.

Das Zeitloch bei Radio Hafenstraße gab es nicht, dort gibt  man gefühlt nichts auf Zeiten. Kommentiert wird das, was unten auf dem Rasen geschieht. Mit Leidenschaft. Leider schaffte dieses gelegentlich auch Leiden, nämlich immer dann, wenn die erforderliche Technik nicht bereitgestellt werden konnte. Mit „Edge Technologie“ war man manche Saison vielleicht auf Spielhöhe mit dem RWE, aber für eine flüssige Übertragung aus dem Stadion reichte es in dem Falle dann doch nicht. Trotzdem: Vielleicht auch mal eine Gelegenheit, um einfach nur Danke zu sagen für die ehrenamtliche Leidenschaft, uns alle am Spiel teilhaben zu lassen.

Seit nicht allzu langer Zeit gibt es nun eine weitere Alternative, nämlich die des Streaming. Unterm Dach hängt eine Kamera, die nicht von Kameramännern oder -Frauen geführt wird, sondern die auf den Ball programmiert ist. Beim Aufwärmen schon eingeschaltet bedeutet das für die Kamera zunächst eine komplette Überforderung in Anbetracht der vielen Bälle zeitgleich auf dem Platz. Man bekommt also keine Totale, oder Schwenks in die Zuschauer, sofern welche  vor Ort sind. Was im Falle der Auswärtsspiele des RWE  ja immer der Fall ist. Man bekommt den Laufweg des Balls. Aber, man ist irgendwie auch dabei, kann mitreden.

Nach der Winterpause nun stand das enorm wichtige Spiel in Köln bei der U23 des Effzeh an. Ebenso wie ein Spätdienst. Daher die komplette Technik eingepackt und den einzigen fußballaffinen Klienten schon seit Tagen auf das Spiel eingeschworen.  Wie üblich an Spieltagen mit irgendwas an RWE Bekleidung zum Dienst und entsprechend nervös. Die Erholung der Winterpause war gänzlich vorbei; zu sehr lastete der Dreiklang  von Effzeh, Röding- und Oberhausen auf meinen schmalen Schultern. Doch die gedankliche Vorbereitung und vermeintlich gute Planung im Dienst wurde durch einen Notruf gestört, den wir zu tätigen hatten. Und so fand ich mich alsbald zur Betreuung im Krankenhaus wieder. Empfang? Keiner! Die wirklich wichtigen Dinge des Lebens erledigt, gab es dann doch noch die Chance, in einem Krankenzimmer kurz vor 19:00 Uhr auf „Sendung zu gehen“. Bei geöffnetem Fenster konnte ich sogar auf LTE zurückgreifen. Der Klient war eingeschlafen und ich war drin. Auf Kleinstbildschirm auch in Köln dabei. Wenn auch nicht mittendrin.  Die 18% Akku bereiteten mir bis dorthin noch keine Sorgen. die 10% nach zwanzig Minuten Spiel hingegen schon.

Der Anfang gestaltete sich für unseren RWE ganz gut; zielstrebig ging es Richtung gegnerisches Tor, welches man seinerseits jedoch nicht zu treffen wusste. Hinten stand man dafür um so sicherer. Die Arbeit im Trainingslager schien sich auszuzahlen.

Derweil waren im Krankenhaus die Modalitäten geklärt und es ging flott zurück zur Einrichtung. In Köln war nun Pause, Zeit also für Übergabe und notwendige Eintragungen. Zeit auch für den Feierabend und einem kurzen Sprint zum Auto. Die zweite Halbzeit begann justament. Bei nur noch 1% Akkuladung. Kaum vom Hof gefahren war klar: Hier und jetzt wird das nichts. Handy tot. Kein Kontakt während der dreißig Minuten Heimfahrt zu irgendjemanden, der mich auf dem Laufenden halten könnte. Eine Mischung aus Panik, Sorge und Befreiung machte sich breit. Was erwartet mich zuhause? Liegen wir hinten und ist alle Vorfreude dahin? Führen wir vielleicht schon und die Rödinghausen Karten gehen weg wie die berühmten warmen Semmeln? Und warum fährt das Auto vor mir so langsam? Das macht der doch extra! Man ey!

Derweil zeigte die Uhr im Auto irgendwas um 20:29 Uhr an, als das Zuhause erreicht wurde. Jetzt galt es den stets freudig erregten Hund zu umgehen, was wunderbar gelöst wurde, als mir zum einen meine Tasche aus der einen Hand genommen und in die andere direkt ein Lekekerli gereicht wurde, welches ich fast Staffelähnlich direkt an die Fellnase weiterzugeben wusste. Hund abgelenkt, der Weg zum Rechner war frei. Dort lief auch schon das Spiel, Gattin sei Dank. Welch Vorbereitung. Und es stand noch 0:0. Riesengroße Freude und minimale Enttäuschung zugleich. Aber ich konnte das Spiel noch 14 Minuten plus Nachspielzeit verfolgen. Dankbarkeit, die sich einige Minuten später in Jubel entlud, als Amara Condé nicht nur zur Führung sondern auch zum Endstand traf. Rot-Weiss Essen mausert sich immer mehr zu einem „Last Minute Anbieter“. Das war man schon mal für einige Jahre, aber dann bekam man das Gegentor. Aktuell erzielt man es selbst, bleibt ruhig und glaubt an seine Chance, auch wenn zu viele Torchancen weiter und leider ungenutzt blieben.

Der Jahresauftakt 2020 ist also geglückt. Das extrem wichtige Spiel in Köln wurde gewonnen, was sicher Auswirkungen auf den Kartenvorverkauf gegen die Küchenjungs auf Rödinghausen haben dürfte. Dann ohne Stream, RH oder Ticker, sondern dort, wo es am Schönsten ist: An der Hafenstraße, RWE!

Warau kado niwa fuku kitaru

Für eine gute Überschrift ist uns kein Weg zu weit, deshalb hat es uns diesmal sogar bis in das ferne Japan verschlagen: „Das Glück tritt gern in ein Haus ein, in dem Frohsinn herrscht“, so die Übersetzung dieser japanischen Weisheit. Nähert man sich der Überschrift auf den RWE bezogen inhaltlich an, so liegt in ihr, wie in so vielen asiatischen Weisheiten auch, mehr als nur ein Quentchen Wahrheit. Runtergebrochen auf den schnöden niederklassigen Fußball hierzulande reden wir also davon, dass es uns gerade verdammt gut geht, da unser Verein uns momentan sehr fröhlich stimmt. Frohsinn Hafenstraße.

Wir haben die Grauzone verlassen und finden uns auf einer kleinen Welle der Euphorie wieder. Nicht, dass wir zu Beginn der letzten Saison auch schon mal darauf herumgeritten sind, aber dann kam Lippstadt. Diesmal kamen wir nach Lippstadt, und es ging noch einmal gut aus. Kleine Welle und euphorische Ansätze bestehen weiter, tragen einander von Spiel zu Spiel. Viel zu lange aktuell die Zeiten zwischen Abpfiff und Anpfiff. Man möchte sofort wieder mitfiebern und anfeuern; kann es gar nicht abwarten, bis es wieder losgeht. Welch ein Kontrast zu den letzten Jahren. Unglaublich, wie sportlicher Erfolg der eigenen Mannschaft zugleich Seelenheil und eben auch Frohsinn bedeutet.

Ich denke und hoffe, das man sich auch anderswo über den momentanen Erfolg des RWE freut und ein  bisschen Frohsinn verspürt. In Mainz und Aschaffenburg zum Beispiel. in Lotte und Aalen. Oder wo auch immer ehemalige Rot-Weisse vergangener Jahre nun verstreut sind. Denn sie alle wollten auch nur das Beste für unseren Verein, haben für den Erfolg geschuftet. Ok, bei einem Herrn Harttgen weiss ich nicht ganz genau, was auf seiner Agenda stand, aber bei allen anderen gehe ich davon aus. Und sicher wären einige auch weiterhin gerne ein Teil unseres Vereins. Ihr seid es!

Vielleicht bedeutet es in Essen einfach auch diesen einen Tick mehr Frohsinn/Verzweiflung/Leidenschaft als an anderen Fußballstandorten. Vielleicht sind wir hier mehr verwurzelt mit unserem Verein als anderswo. Haben und wollen manchmal auch nichts anderes als unseren RWE. Sind an Spieltagen mit Bier und Wurst zufrieden, vergessen die Ernährungspyramide für den Moment. Brause macht schließlich auch nichts anderes als fieses Sodbrennen. Sogar sportlicher Natur.

Wie wir nun aktuell unsere eigene sportliche Natur mögen, spiegelt sich natürlich auch in den  Zuschauerzahlen wieder: Sowohl an der Hafenstraße, als auch in der Fremde, sorgt der RWE momentan für Zahlen, die manch Dritt- und gar Zweitligisten vor Neid blass werden lassen. Fünfstellig Hafenstraße. Gut, dass wir das Stadion haben, was wir haben. Dorthinein können noch viele weitere Fans zurückgeholt werden, ohne dass irgendjemand um seinen angestammten Platz fürchten muss. Die Familie Rot-Weiss kommt endlich wieder zusammen.

Wie fragil unser Gebilde natürlich noch ist, auch dem modernen Zirkus Fußball geschuldet, zeigen erste kleine Bedenken, die darin bestehen, dass doch andere Vereine  nun auf unseren guten Lauf aufmerksam werden und Personal abwerben könnten. Kann passieren, muss aber nicht. Keine Panik diesbezüglich. Alle haben Vertrag und wissen, was sie an der Hafenstraße einmaliges bewirken können. Wenn Du hier Erfolg hast, dann bist Du wer. Für ziemlich lange Zeit. Manchmal sogar für immer!

Freitag Abend nun betritt einmal mehr der Bonner SC unser Haus und wird nicht nur mit vollen Tribünen und Flutlicht konfrontiert, sondern auch mit jenem herrschenden Frohsinn. Und sogar mit Geduld. Geduld, das war das immer so ein Ding in den letzten Jahren: Lief es in den ersten drei Minuten nicht direkt wie erhofft, wurde Geduld stante pede in die Tonne gekloppt und zum Gegenangriff auf die eigenen Mannschaft gepfiffen. Diese spielte sich in die Verunsicherung und das Drama nahm seinen Lauf. Kannste aktuell vergessen, denn die Mannschaft hat sich einen Kredit erspielt, der regelmäßig bedient wird. Sonderzahlungen wie dieses Dingen mit den Toren durch Einwechselspieler inklusive. Der Fan würde momentan ohne zu zögern gerne auch den Kredit erhöhen, den Dispo der Saison 19/20 ausweiten oder was auch immer nötig ist, um dieses kleine Glück im eigenen Haus zu belassen.

Seit wir zwei uns gefunden…..

 

Leserbrief, die Frühstückslektüre.

Es gibt ja schon erste Stimmen, denen der aktuelle Zuschauerschnitt an der Hafenstraße Kummer bereitet, da man sich möglicherweise von Erfolgsfans umgeben sieht. Ich denke, es ist noch verfrüht, um von Erfolgsfans zu sprechen. Und wenn doch….ja warum soll sich denn keiner ganz frisch und unverdorben von unserem RWE angezogen fühlen? So viele Jahre wurden die alten Fans aus dem Stadion gespielt, da wäre es doch schön, wenn sich überhaupt noch jemand angespielt fühlt, anstatt reflexartig zur Bayern oder Dortmund Bettwäsche zu greifen. Und bevor die nächste Stufe die ist, dass sich auch noch Rasendosendoof in heimischen Schlafzimmern breit macht, dann doch bitte lieber ehrliches Bier statt ekeliger Brause.

Aber, um direkt wieder zu deeskalieren: Der aktuelle Zuschauerschnitt beinhaltet meiner Meinung nach nicht einen einzigen Erfolgsfan! Die aktuelle Mannschaft hat sich lediglich langjährige Fans zurückerspielt und gibt sie hoffentlich nicht so schnell wieder auf. Erst wenn an der Hafenstraße die Lücken bebaut werden, dann hält auch der Erfolgsfan Einzug in die Selbsthilfegruppe 97a. Und dann sollten wir alle sie sozialisieren. Darauf vorbereiten, dass Erfolg und Freude bei Rot-Weiss Essen im Anschluss auch eine lange Leidensphase bedeuten kann. Und wer dass dann mitträgt, ja Mensch, da freut sich sicher auch der olle Melches einen Pin in die Wolke.

Es gibt aber auch diejenigen, die mit Rot-Weissen ganz alter Schule das Leben teilen und nun endlich aufgehört haben, sich zu wehren. Sind mit an die Hafenstraße und haben einen schönen Abend gehabt, wie diese Mail im Anschluss belegt. Und da diese auch noch so herrlich geschrieben ist, darf ich sie mit Erlaubnis der Verfasserin hier veröffentlichen. Zeit zu schmunzeln. Auch das relativ neu rund um unseren RWE!

Hallo Herr,

heute habe ich in der NRZ ihren Kommentar „Mythos Hafenstraße 97a“ gelesen und was soll ich sagen?

Nur der RWE! Was sonst?

Das muss „Frau“ nur erst mal verstehen.

Vor Jahren hätte mir das mal einer erzählen sollen, dass ich als Essen-Stadtwälderin mal in Borbeck wohne und nen Rot-Weissen heirate. Das ist das eine.

Das andere, dass ich damals auch nie geglaubt hätte, mal mit einer Flasche Stauder in der Hand vor dem Hafenstübchen zu stehen und die Massen zu sehen, die sich Richtung Stadion bewegen. Selbstverständlich auch mit lecker Stauder in der Rechten. Wie der Gang zur heiligen Messe, nur besser besucht.

Vor dem Stadion noch schnell eine kurze fuffzehn ergattern. Der Rentner vor mir sagt lautstark: „Ey Nobby gib ma eine, ich muss noch kacken“. Nee is klar. Hier wird das wichtigste auf den Punkt gebracht. Daran muss ich mich erst noch gewöhnen.

Gegen Wattenscheid am letzten Freitag „musste“ ich mit. Jahrelang habe ich mich widersetzt. Aber jetzt: Unser Sohn im Feriencamp und mein Ehemann hat schon Wochen vorher kleine Stiche gesetzt mich zu überzeugen mitzugehen. Gibt es eigentlich einen größeren Liebesbeweis einer Frau an ihren Angetrauten? Ich habe mich natürlich breitschlagen lassen. Nicht zuletzt, weil auch meine Berufskollegen auf mich eingeredet haben wie auf einen sturen Esel. Das darfst du dir nicht entgehen lassen und wenn du erst mal Stadionluft geschnuppert hast … So könnte ich es jetzt endlos weiterführen.

Und was soll ich sagen? Tolles Spiel, großartige Stimmung, eine grandiose Familie! Alles findet sich da harmonisch zusammen. Der Vater mit den Kindegartenknirpsen vor uns, denen ich eine Fanta mitgebracht habe und er es irgendwie nicht verstanden hat, dass die kids was trinken wollen und ich ihnen das Getränk einfach so mitbringe. Sagt der Mittvierziger neben uns: „Musse nich kapiern, so is dat halt bei Rot Weiss, nimmet einfach“.

Und ich komme natürlich wieder, keine Frage. Nicht ständig aber dann und wann. Die Jungs müssen ja auch etwas eigenes haben. Meine größte Sorge vorher, der Seuchenvogel zu sein, hat sich zum Glück nicht bestätigt.

Auf ein Neues

Nur der RWE

Mit besten Grüßen

SAABine aus Borbeck

(das ist natürlich mein „Künstlername“)

Möge nun unser RWE Ihr in Zukunft ein ebenso treuer Begleiter sein, wie der geliebte Saab in der Garage.

Heute, also gleich, geht es für viele einmal mehr in das nahegelegene Niederrheinstadion. Die letzten Jahre sportlich und atmosphärisch eher als Nullnummer verbucht, könnte es vielleicht doch mal wieder etwas werden mit dem ersten Dreier seit sieben Jahren. Ganz sicher sollte es etwas mehr werden an Gastfreundschaft und definitiv wenig an Pfeffer. Gesprüht natürlich nur. Das Spiel als solches darf ruhig mit ganz viel Pfeffer aufwarten. Am Ende zusätzlich mit einem richtigen Sahnehäubchen für unsere Rot-Weissen. Alles geben RWE!

DENN SIE WISSEN, WAS SIE TUN!

Was unterscheidet die aktuelle Mannschaft des RWE von James Dean und Natalie Wood im fast gleichnamigen Hollywood Klassiker von 1955? Dean & Wood wussten als Filmfiguren Jim & Judy laut Drehbuch nicht genau was sie taten, weshalb der großartige Film auch DENN SIE WISSEN NICHT, WAS SIE TUN (Im Original: „Rebel without a Cause“) heißt. Für Liebhaber der Leinwand sicher ein Frevel, eine Legende wie James Dean als Vergleich für unseren notorisch erfolglosen Verein zu benutzen. Aber, das kann wird sich ändern, das mit der sportlichen Erfolglosigkeit. Zumal wir ja durchaus auch schon mal als Legende bezeichnet werden.

Es sind erst zwei Saisonspiele gespielt, die Arbeit zwischen Trainerteam und neuformierter Mannschaft somit immer noch ganz am Anfang einer hoffentlich langen, gemeinsamen Reise. Die Ergebnisse von jeweils 2:1 für unsere Farben lassen auf harte Arbeit und weniger auf Überflieger schließen. Harte Arbeit wird immer gerne genommen an der Hafenstraße, dieser selbsternannten Fußballunterschicht. Somit sind die ersten sechs Punkte schon mal ein anerkennendes Nicken wert. Das sollte als Euphorie erst einmal ausreichen. Was aber zur allgemeinen Zufriedenheit beiträgt ist das Gefühl, dass die da auf dem Platz wirklich wissen, was sie tun. Das sieht alles schon sehr gut aus. Das sieht nach Fußball aus. Wohltuend die Ballsicherheit unserer Spieler, interessant der Spielaufbau. So ganz kommen wir damit noch nicht klar, aber großer Herzklabaster konnte bislang vermieden werden. Auch, weil die Hintermannschaft sehr aufmerksam agiert und die Gefahr für den Schnapper somit weitestgehend minimieren konnte. Man merkt, dass nicht nur der Trainer seine Philosophie konsequent auf die Mannschaft überträgt, sondern dass diese jene welche auch auf den Platz bringt.

Sonntag kamen sie selbst aus Aurich, um der neuen Mannschaft die Daumen zu drücken und um diese zu unterstützen. Ostfriesen wissen was sie tun und was gut ist. RWE weltweit!  Gut gefüllt dann doch zu Spielbeginn der Bereich der Rot-Weissen Fans. Weniger gut wohl die Tatsache, dass man vom Parkplatz aus gefühlt erst halb Duisburg zu Fuß durchqueren musste, um Einlass zu finden. Das hätte geschickter gelöst werden können. Wie dem auch sei: Es war optisch und stimmungstechnisch das zweite Heimspiel der Saison, hielten es doch knapp Dreieinhalbtausend der Fünftausendzweihundert Fans im Stadion mit dem RWE. Und nicht wenige von ihnen sangen die neunzig Minuten komplett durch. Eine Leistung, die durchaus auch mal gewürdigt werden sollte. Da bedarf es schon eine Menge Schmackes in der Stimme, um das durchzustehen.

Der VfB Homberg seinerseits ein durchaus charmanter Gastgeber, bedenkt man, dass er den Gast nicht in seinem eigenen Wohnzimmer empfangen durfte. Da ist man dann einfach nicht so ungezwungen wie sonst vielleicht zuhause und hapert es dann schon mal organisatorisch an der einen oder anderen Stelle. Die Mannschaft des VfB jedenfalls wird noch manch anderen Gegner vor eine harte Probe stellen und weiter Punkte sammeln. Schön, dass auch ihr bisweilen lautstarke Anfeuerung zuteil wurde.

Auch (fast) schön, dass unsere Mannschaft in den letzten Minuten noch in jenen Schlendrian verfiel, der tragischerweise wie festgetackert in der rot-weissen DNA sein Dasein fristet. Der vielfache Verweis im Anschluss an das Spiel, dass vorherige Mannschaften des RWE das Dingen dann noch verloren hätten, vermag nicht zu beruhigen. Es beruhigt eher, und das ist dann das Schöne daran, dass es dem Trainer missfiel. Wie sicher auch vielen seiner Vorgänger, ohne Zweifel. Aber möglicherweise gelingt es jetzt endlich einmal, den Kollegen Schlendrian aus dem Mannschaftsbus zu werfen. Soll er die letzten Minuten woanders verbringen, aber nicht mehr bei uns.

Ach, und wenn ich mir noch etwas wünschen dürfte: Bei uns könnte die Torgefahr noch etwas gesteigert werden. Es ist schön, wenn die Balldominanz ein gefälliges Spiel Richtung gegnerisches Tor zulässt, ohne dass der Gegner groß mitspielen darf, der finale Schmerz für den Gegner dabei aber ausbleibt. So blieb es zur Halbzeit beim torlosen Unentschieden, trotz eben jener Dominanz unsererseits. Ohne Frage, es war schon schick anzuschauen. Zur Halbzeit also trotzdem zufrieden und der Welt einen Wunsch kundgetan:

Ich konnte in der Halbzeit ja nicht ahnen, dass mein Wunsch in der 55. Minute tatsächlich in Erfüllung gehen würde. Gepaart mit meinem vor Spielbeginn geäußerten Endergebnis von 2:1 für unser aller RWE auf einen Wettschein gebracht, und ich hätte nie mehr bloggen müssen. Mein Fahrer hätte mich in Zukunft zu den Spielen abgeholt. Ich tippe aber nicht, daher nichts mit Quote und Traumgewinn. Scheissendreck! Trotzdem ist ein Tor in einer 55. Minute für Rot-Weiss Essen immer noch ein besonderes Tor und viel wichtiger als alles andere. Besonders auch durch die Art und Weise wie Oguzhan Kefkir dieses Ding gemacht hat. Das 2:0 in der 72. Minute durch erneut Kefkir ebenfalls nicht schlecht, sondern sogar auch wieder richtig gut: Sich selbst per Fuß vorlegen um dann mit dem Kopf zu vollenden, kann man mal machen!

Danach folgte noch jener schon thematisierte Schlendrian und eine weitere, verdiente, Feier mit den eigenen Fans. Diese Mannschaft macht Lust auf das nächste Spiel. Und die Tabellensituation aktuell steigert die Vorfreude durchaus noch ein wenig mehr. Macht  Sonntag  die Hütte voll!

The Things We Do for Love!

Man neigt ja dazu, die britische Rockband „10cc“ auf den Schmachtfetzen „I’m Not in Love“ zu reduzieren. Weit gefehlt, gab es doch mindestens noch „Dreadlock Holiday“. Dann verließen uns leider weitestgehend die Erinnerungen an diese Band aus den 1970er Jahren. Bis wir auf den Song „The Things We Do for Love“ stiessen. Mag nun „I’m Not in Love“ eher dem benachbarten Bundesligisten und der Beziehung zu seinen Fans gewidmet sein, so ist „The Things We Do For Love“ aktuell der ultimative Soundtrack für den RWE und seine Fans. Die Fans in Rot, sie tun weiter so viel Dinge aus Liebe, so dass man fast schon von einer einseitigen Beziehung sprechen könnte.

Schließlich hat unser aller RWE auf dem Feld schon lange nicht mehr für eine stabile Beziehung, oder wenigstens für ein Gleichgewicht in der Partnerschaft gesorgt. Macht aber auch nichts: Fans denken selten rational, handeln zumeist nach kurzer Phase intensiver Enttäuschung wieder voller Inbrunst und Zuneigung. Handeln ihren eigenen Vertrag für die kommende Saison mit sich und der eigenen Fanseele aus. Ist der Vertrag dann erst einmal ausgehandelt, steht unter dem Strich der Vereinbarungen nicht selten erneut doch wieder die Dauerkarte. Und das, obwohl man sich noch vor wenigen Wochen (und alle Jahre wieder) kaum vorstellen konnte, sich erneut auf einen längerfristigen Kontrakt mit dem eigenen Verein einzulassen. Rein monetär betrachtet, spart eine Dauerkarte unter dem Strich natürlich viel Geld. Kostet aber unendlich viel Nerven. Umgekehrt gilt aber auch: Hast Du keine Dauerkarte gekauft, sparst Du natürlich unendlich viele Nerven, aber nicht wirklich viel Geld!

Man stelle sich nun einmal vor, die Saison läuft tatswahrhaftig auch nach dem sechsten Spieltag noch gut für uns, es kribbelt ohne Ende und man muss fast zwanghaft nun doch alle zwei Wochen zur Hafenstraße rennen….ja, dann zahlst halt drauf! Aber, was soll all der Stress um den schnöden Mammon, schließlich ist ein jeder sein eigener „Dauerkartens Schmied“! Für den Verein bedeuten Dauerkarten natürlich immer auch ein Stück Planungssicherheit, weswegen man an der Hafenstraße (recht laut) davon träumt, gleich derer fünftausend noch vor Saisonbeginn an den Fan jeglichen Geschlechts zu bringen. Ein ziemlich feuchter Traum, lässt man noch einmal die vergangenen Jahre Revue passieren. Aber, den Mutigen gehört die Welt, warum also nicht ein solch ambitioniertes Ziel formulieren und den Dauerkartenzähler jeden Tag aktualisieren? Es lässt sich doch sportlich recht gut an gerade, und schlechte Laune können wir irgendwann immer noch früh genug bekommen.

Es ist schön zu verfolgen, wie sich die Fans beinahe gegenseitig doch immer wieder ermuntern, eine Dauerkarte zu kaufen, um erneut zu signalisieren: „Scheiss auf Liga 4, wir stehen zu Dir“. Ich kann mir gut vorstellen, dass der RWE durchaus weiss, diese Treue eigentlich gar nicht mehr verdient zu haben. Aber umso dankbarer dafür ist! Und es wieder und immer weiter versuchen wird. Nicht nur für sich, sondern vor allem auch für uns, für seine Fans. Denn wir sind es doch in letzter Konsequenz  Jahr für Jahr, weswegen anne Hafenstraße überhaupt aufgelaufen wird. Übrigens: Es gibt nicht nur Dauerkarten zu kaufen, sondern auch etwas zu gewinnen: Wer möchte nicht einen rot-weissen Blechfrosch aus den Händen des wunderbaren Happos überreicht bekommen, wird die alljährliche Dauerkartenwette gewonnen? Ein Traum! Also, tippt mit! Der Wünschewagen freut sich!

Rucksack? Tonne!

Schon vor der letzten Saison hatte Marcus Uhlig im Rahmen eines kleineren Zusammentreffens seine Meinung kundgetan, dass es, sinngemäß, endlich an der Zeit sei, „Lübeck“ zu vergessen. Dass es sich nicht mehr lohnt, sich daran abzuarbeiten! Sondern nur der Blick nach vorne zählt, um unser aller RWE auch sportlich wieder nach vorne zu bringen. Zugegebenermaßen war ich fast pikiert ob dieser Einstellung, denn es lässt sich weiterhin doch so trefflich leiden, geht es um diese verdammten letzten 90 Minuten an diesem verdammt heißen Tag jener verdammten Saison. Verdammt nochmal, ich bin damit einfach nie fertig geworden. Weil dieser Tag sportlich bis heute nie wieder repariert wurde. Die wundervolle NRW Saison einmal ausgenommen. Aber, irgendwie zählt die nicht im Kontext Lübeck. Wie dem auch sei: Es gab nun scheinbar wenigstens einen Verantwortlichen im Verein, für den Lübeck abgehakt ist; der ausschließlich nach vorne schaut.

Sicher auch ein Muss für ihn, denn er ist nun der Boss. Also nicht der natürlich, der bleibt einmalig, aber eben unser aktueller Chef. Und als solcher musste er natürlich auch durch die letzte Saison. Gemeinsam mit uns allen. Fand diese sportlich wohl genau so suboptimal wie wir alle, konnte trotzdem aber im Hintergrund Sponsoren davon überzeugen, hier und jetzt nicht abzuspringen. Neue gewinnen. Also da sach ich mal: Chapeau Herr Uhlig! Sollte ja auch mal erwähnt werden. Von nix kommt schließlich nix! So, das also der eine „Entscheider“ mit dem Schuss Optimismus, welcher uns schon lange abhanden gekommen ist. Und nun haben wir tatsächlich einen Zweiten hinzubekommen: Den auf sportlicher Ebene. Und auch Christian Titz macht aktuell ganz viel richtig in seiner noch so jungen Amtszeit. Und das, obwohl noch nicht ein Pflichtspiel stattgefunden hat. Gemeinhin werden Trainer ja zuallererst und völlig zurecht an Ergebnissen gemessen.

Bei Christian Titz stellt sich das aktuell ein wenig anders dar. Er überzeugte bisweilen besonders durch seine Interviews. Natürlich muss er sich nicht mehr dem Mediengewitter stellen, wie es in seiner Zeit beim HSV noch der Fall war. Aber, vielleicht ist dieser kleinere Rahmen das Geheimnis, welches die Einstellung des Trainer und Menschen Titz offenbart, die uns gerade erstaunt und für unbekannte (Vor-) Freude sorgt. In angenehmen Sprech erzählt Christian Titz u.a., dass nicht Trainer und Spieler einen Verein ausmachen, sondern all die Menschen, die diesen Verein leben. Nicht, dass wir das nicht wüssten, aber diese Demut vor dem Verein als Institution von einem zu hören, der auch mal wieder gehen wird, während wir immer bleiben: Das tut gut und zeigt das Bestreben, für den RWE und seine Menschen zu arbeiten, nicht nur für den eigenen Lebenslauf.

Dann, ja tatsächlich dann kam ein Statement, welches nun gänzlich überraschte: Aufkeimende Euphorie begrüßt der Titz, kein Witz! Und ich dachte noch hier, lass uns mal nicht euphorisch werden, dass geht wieder nach hinten los. Euphorie sieht Christian Titz also als Motor, nicht als Hemmschuh. Er will den Rucksack abschnallen, von dem gefühlt alle Vorgänger erzählten, lief es auf dem Platz nicht rund. OK, im Pott ist die Bauchtasche eh mehr gefragt als ein sperriger Rucksack. Packen wir also Lübeck in den Rucksack, schnallen diesen endlich ab und kloppen ihn in die Tonne…..

Schickimicki.

Ja nee, geht gar nicht hier. Stand ja auch so vergangenen Sonntag in der „Welt am Sonntag“. RWE goes WamS. Eine solch große Seite als Verein & Viertligist in einer überregionalen Sonntagszeitung zu bekommen ist schon eine schöne Sache. Nennen wir es aktuell den Titzeffekt. Inklusive einiger leider falsch recherchierten Fakten: Natürlich gab es kein 2003er Pokalfinale gegen Bayer Leverkusen. Und das man von der „Rahn“ die Turnhalle des nördlichen Nachbarn sehen soll, also ich weiss nicht. Selbst wenn es so wäre….das interessiert hier definitiv nichts und niemanden.

Was aber interessiert ist die Tatsache, dass nach diversen Leistungstests im Vorfeld heute das richtige Training für die kommende Saison aufgenommen wurde. Von über zweihundert Fans beobachtet übrigens. Das Interesse also schon wieder auf Pegel 97a. Der Kader mittlerweile  fast komplett; einem einem wilden Vorstellungsritt der letzten zwei Tage geschuldet. Somit umfasst der Kader aktuell vierundzwanzig Spieler. Oder auch: Achtundvierzig Beine für ein Halleluja. Möglicherweise können aber noch zwei bis drei Spieler hinzustoßen, so der Trainer an seinem ersten Hüttenabend im so sehr geschätzten Fanprojekt.

Bei so viel neuen Namen doch noch einmal der kurze Blick zurück: Der Baier Benni mittlerweile in seiner Heimat Aschaffenburg bei der dortigen Viktoria unter Vertrag genommen; sehr schön! Ich würde mich ja beispielsweise auch sehr freuen, wüsste ich, dass Timo Brauer gut unterkommt. Ich hoffe, alle Ehemaligen finden ihr sportliches Glück. Woanders ist auch Fußball.

Es fällt nun schwer, eine kompetente Meinung zur neuformierten Mannschaft abzugeben. Dafür habe ich auch zu wenig Ahnung vom Fußball, um hier ein „Urteil“ zu fällen. Also Ahnung im Sinne von Spielerbeurteilungen. Das steht mir nicht zu. Das Gefühl sagt mir aber, dass trotz Trainerwechsel inmitten der Spielerakquise eine Mischung aus jungen und erfahrenen Spieler gefunden wurde, die zusammen passen könnte. Auch wurden die einzelnen Mannschaftsteile auf dem Papier sinnvoll verstärkt und wurde sich um die U23 Regel gekümmert. So stellt es sich mir da, so lesen sich die Kommentare und so drückt es sich in dem zarten Pflänzchen Hoffnung aus, welches aktuell überall zu spüren ist. Sich auch in dem bisherigen Stand der verkauften Dauerkarten widerspiegelt. Manchmal ist schon Euphorie zu spüren. Gut, dass sind dann erfahrungsgemäß aber auch die ersten, die nach zwei Spieltagen schon wieder alles schwarz sehen. So geht Hafenstraße nun mal.

Das wird sicher auch noch der Trainer erfahren, der immer noch die Verpflichtung mit der aktuell größten Aufmerksamkeit ist und wohl auch  bleiben wird. Möglicherweise ein Pluspunkt für die Spieler, nicht so sehr im Fokus zu stehen. Ich bin nun sehr gespannt auf den Fußball, den wir zukünftig zu sehen bekommen. Mit Spieltitz zum Spititzenreiter? Oder doch die selbe Prozedur wie jedes Jahr? Wir werden es sehen.

Wann kommt der Spielplan raus?

Cappeln-Hagelage Ost

Es ist 23:30 Uhr auf dem Rastplatz Cappeln-Hagelage Ost auf der A1, halbe Strecke zwischen Essen und Hamburg gelegen. Sanfte Nebelschwaden ziehen über die angrenzenden Felder, die Trucker sich ihr Schlafshirt an. Die letzte Zigarette ist geraucht, der letzte Smalltalk gehalten. Es gilt die Ruhezeiten einzuhalten, bevor es wieder auf die Bahn gehen darf. Keine außergewöhnlichen Vorkommnisse also. Somit bekommt auch keiner mit, dass ein Wagen mit Essener Kennzeichen leise auf den Rastplatz rollt und die Lichthupe zweimal betätigt (Gut, dass man sich vorher auf zweimal geeinigt hat, denn eintausendneunhundertundsiebenmal wäre für ein Geheimtreffen dann doch des Guten zu viel gewesen). Aus dem Dunkeln heraus blinkt nun ebenfalls zweimal die Lichthupe, und wie von Geisterhand gesteuert rollt aus dem Unterholz ein Fahrzeug der gehobeneren Klasse mit Kennzeichen HH dem Wagen mit Essener Kennzeichen entgegen.

Ein Fenster öffnet sich langsam und ein leises „Marcus?“ ist zu hören. Gegenüber geht eine Autotür. Ein Mann steigt aus, schüttelt sich vom langen Sitzen vergeblich die vierte Liga aus den Beinen und antwortet ebenso leise „Christian?“….

Natürlich hat sich die erste Kontaktaufnahme zwischen unserem neuen Trainer Christian Titz und Marcus Uhlig so nicht zugetragen. Und nein, es stand auch nicht schon seit fast dreizehn Tagen fest, dass Karsten Neitzel seines Amtes enthoben werden würde. Man schätzte Karsten Neitzel und seine Arbeit an der Hafenstraße, wusste um einen Trainer, der fachlich wie menschlich durchaus zu den besseren der letzten Dekade an der Hafenstraße gehört hat. Dummerweise konnten die Ergebnisse dieses nicht belegen und  rutschte ihm auch der ein oder andere etwas unglückliche Satz heraus. Das emotionale Umfeld an der Hafenstraße leicht verärgernd. Die Punkte, diese untrügliche Kennziffer erfolgreichen Arbeitens, sie stimmten einfach nicht mehr mit den Ansprüchen überein. Zu wenig davon wurden unter Karsten Neitzel erreicht. Und das nach dem so erfolgreichen Saisonbeginn.

Trotzdem hatte man weder einen neuen Trainer auf dem Schirm, noch die Absicht, den alten von seinen Pflichten zu entbinden. Gleichfalls aber sah man schon die Stimmung der letzten Saison; sah die Unzufriedenheit auf den Rängen, die sich immer öfter auch in dem einfachen Reflex „Trainer raus“ Gehör verschaffte. Eine verfahrene Situation für alle im Verein, dreht man doch gerade im Kader alles auf Links, hört dazu die Wünsche und Vorstellungen des Trainers. Und kein Witz: Auf keiner Rechnung stand bislang der Titz!

Es werden schwere Stunden gewesen sein, in welchem die Erkenntnis gereift ist, dass der „Rucksack“ auf Karsten Neitzels Rücken für 2019/20 vielleicht ein doch zu schwerer sein könnte (Wir alle schleppen dieses unförmige Teil seit „Lübeck“ mit uns herum, wissen wie schwer es wiegt).  Wer auch immer jetzt den Namen Christian Titz in das Rot-Weisse Spiel gebracht hat….ich weiss es nicht. Was ich weiss ist, dass es eine Option war, die sich ziemlich plötzlich und unerwartet ergeben hat. Es gab keine Verhandlungen im Vorfeld mit Christian Titz, während fröhlich weiter mit Karsten Neitzel geplant wurde. Es hat sich alles auf eine Schnittstelle zugespitzt, an welcher fast zeitgleich eben jene zwei Entscheidungen getroffen wurden. Manchmal ist das halt so, und hoffentlich endlich zum Wohle von Rot-Weiss Essen (und somit von uns allen, denn wir sind der RWE!)!

Lieber Karsten Neitzel, es hat auch bei Ihnen nicht sein sollen. Wer weiss, bei wem es überhaupt eines Tages passieren wird. Auf jeden Fall danken wir Ihnen für die Zeit an der Hafenstraße.

Christian Titz also nun der amtierende Trainer an der Hafenstraße. Ja, was soll man dazu sagen? Medial als Königstransfer; als Kracher, Transferhammer und Lösung für fast alle Probleme gehandelt, die ein viertklassiger Verein eben so haben kann. Ich musste ihn erst googeln…. fand ihn aber sehr sympathisch in der Pressekonferenz und auch seine berufliche Vita gibt durchaus Anlass zur Hoffnung, mal etwas längerfristig auf der Trainerposition denken zu dürfen. Lieber Herr Titz, herzlich willkommen anne Hafenstraße. Machen Sie sich unsterblich. Keiner kann vorher erahnen, was sportlicher Erfolg mit Rot-Weiss Essen bedeutet. Glauben Sie mir, etwas vergleichbares würden Sie nie wieder erleben. Diese Leidenschaft für diesen Verein. Diese Sehnsucht nach was besseres. Helfen Sie uns dabei und Sie werden erleben, wie wir Fans Ihnen und unserer Mannschaft helfen können und werden. Nur der RWE!

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