Kategorie-Archiv: Regionalliga West

Das Limbische System.

Laut Wikipedia ist das limbische System „eine Funktionseinheit des Gehirns, die der Verarbeitung von Emotionen und der Entstehung von Triebverhalten dient. Dem limbischen System werden auch intellektuelle Leistungen zugesprochen“.

Somit wissen wir: Der Rot-Weiss Essen Fan als solcher hat ein ausgeprägtes limbisches System! Schließlich gilt es andauernd, Emotionen rund um unseren stets dramatisch scheiternden und doch ebenso stets bemühten Herzensverein zu verarbeiten. Durch ihn entsteht in unseren Köpfen zudem ein bisweilen triebhaftes Verhalten, folgen wir ihm doch Jahr für Jahr ziemlich triebgesteuert. Bisweilen gar blind. Und, auch wenn es unserem Image nicht gerade entspricht, so pflegen wir fast alle einen bisweilen durchaus intellektuellen Blick auf die Hafenstraße.

Das wäre also geklärt und einmal mehr eine Überschrift gefunden. Glück gehabt!

Glück hatte die Mannschaft unseres RWE gegen die Nachbarn von RWO das ein oder andere Mal, ohne jedoch selbst das eigene Glück nach neunzig Minuten zu finden. Obwohl dieses in Form von drei Punkten aufgrund der zweiten Halbzeit durchaus verdient gewesen wäre. Die erste Hälfte wirkte irgendwie wie gehemmt. Auf dem Platz, wie auch auf den Tribünen. Der flotte Dreier aus Wattenscheid, er wollte gerne wiederholt werden, und doch spielte die Angst vor einer weiteren Nullnummer mit.

Auch der „Opa“ und seine Schwester im Geiste namens „Adiole“ nicht mehr so leidenschaftlich vorgetragen und unterstützt wie noch in den ersten Heimspielen. Wenigstens die Choreo zum zehnjährigen Jubiläum der Rude Fans  konnte die drohende Tristesse abwenden und für ein optisch stolzes Erlebnis sorgen. Ich bin immer wieder fasziniert über den Aufwand, den solche Choreos mit sich bringen und mit welcher Leidenschaft sie angefertigt werden. Nein, Fußballfans sind zumeist keine Verbrecher. Natürlich bringt der zwölfte Geburtstag von „ISDT“ keine derlei gewaltige Choreo mit sich, wohl aber eine Zaunfahne, die wir nun ebenfalls stolz bei Wind und Wetter aufhängen: Sie symbolisiert unseren Verein, unsere Herkunft; das Lieblingsland und die Erinnerung an einen verlorenen Freund, dem ich persönlich diesen wunderbaren Verein Rot-Weiss Essen ein Stück weit mit zu verdanken habe.

Realistisch betrachtet ist der Platz an der Sonne natürlich nicht mehr zu erreichen. Was ziemlich bitter ist, nach den ersten eigenen Erfolgen und dem Schwächeln der Konkurrenz. Mittlerweile hat sich der ungeliebte Verein aus Köln einmal mehr etabliert und auch andere Vereine sind mal wieder an uns vorbei gezogen. Meine Güte, was wäre das für ein Ding gewesen, einfach mal so kackendreist durch eine Saison zu marschieren, in welcher die Liga endlich einmal relegationsfrei hat. War wohl wieder zu einfach für uns! Aufgeben ist trotzdem nicht, rein rechnerisch ist immer noch alles drin. Und solange wird auf den Tribünen weiter Dreck gefressen und auf dem Feld geackert. ich denke, wir haben nun den richtigen Trainer dafür. Ob es dann auch der richtige Kader ist? An dieser Antwort scheiden sich sicher die Geister. Die selbsternannten Experten allemal.

Nach dem Spiel gab es trotzdem „Wir halten zusammen“ Gesänge und das Lied davon, dass wir niemals untergehen werden. Dinge, die optimistisch stimmen. Solange die Chemie zwischen Mannschaft und Fan stimmt, ist die Liga eigentlich Latte. Ihr für uns und wir für Euch.  Zudem während dieser neunzig Minuten all die Menschen vor Ort sind, die den Verein seit Jahrzehnten für mich ausmachen. Eigentlich ist die Liga doch egal, geben mir doch die Stunden an der Hafenstraße ein erstklassig warmes Gefühl.

Wir sollten weiterhin nicht aufhören, an unseren RWE zu glauben. Wir sollten die Liga beiseite schieben und uns auf uns selbst konzentrieren. Drauf, dass wir ein Verein mit einem Umfeld sind, welches manchem Erstligisten gut zu Gesicht stehen würde.  Mit Fans, denen Rasenball egal, aber Leidenschaft wichtig ist. Ich weiß, eigentlich alles nur „Bla bla bla!“. Aber so isses doch! Außer man gehört zu der Kategorie RWE Fans, die den Verein lediglich in der ersten Bundesliga verorten. Denen ist dann aber wirklich nicht mehr zu helfen, so realitätsfremd deren Ansinnen.

RWE – RWO also 1:1

Und der RWE spätestens im Dezember nun auch eine Legende,  waren doch die Macher vom Zeitspiel Magazin vor Ort, um unser aller Verein  zu porträtieren.

Nur der RWE!

 

The answer, my friend, is blowin‘ in the wind (Bob Dylan)

Wer konnte auch schon ahnen, dass das erste Lied nach dem abermals verlorenen Spiel ausgerechnet dieser Klassiker von Bob Dylan sein wird? Nicht das ich den Song besonders mag, denn der Dylan Bob nölt mir eigentlich zu oft und zu sehr am Mikrofon herum, anstatt zu singen. Aber dieses Lied passte nach Abpfiff einfach in das Szenario zweier schweigender, in Rot und Weiss gekleideter Fans; unterwegs in einem Auto auf der Autobahn gen Norden.

Die Antwort weht also im Wind. Eine Erkenntnis, die den Freunden ewiger Nachbesprechungen, Taktiknerds und der „Fraktion Konjunktiv“ die Haare zu Berge stehen lassen dürfte, da ja eigentlich zu profan. Aber, was soll man auch zu lange im Nachgang über ein Spiel herumeiern? Es würde ja doch nichts am Ergebnis ändern. Also hilft es uns einmal mehr nichts, dass das Kölner Tor vielleicht Abseits war, und unser Tor vielleicht nicht. Die Tatsache tat zur Sache, dass es tatsächlich eine weitere 0:1 Niederlage im eigenen Stadion gab. Scheissendreck!

Das Essener Fanlager wie immer nach solchen Spielen irgendwo zwischen gespalten und unterschiedlicher Meinung. Innig vereint aber im Schmerz der letzten Spiele und dem humorbefreiten Absturz in der Tabelle. Man grüßt nicht mehr stolz von oben, sondern strampelt verzweifelt gegen den Abgrund. Unerklärlich!

Wieder kann man der Mannschaft in weiten Teilen nicht absprechen, gekämpft zu haben. Da es unter anderem das ist, was wir definitiv auch an der Hafenstraße sehen wollen, zollten die meisten Fans dafür Anerkennung, denn es wurde gegrätscht, und es wurden viele Bälle zurückerobert. Dummerweise wurden sie zu schnell auch wieder verloren oder kam der einfache Pass nicht an. Da war es wieder, dieses „einfach“ im Fußball; diese Leichtigkeit, die wir gerade nicht mehr beherrschen. „Angst essen Seele auf“; ein Melodram von 1974 erneut aufgelegt.

Warum?

Die Atmosphäre einmal mehr beeindruckend und ebenso einmal mehr wollten die Fans den Ball in das Tor tragen, bekommt es doch die Mannschaft auf dem Feld aktuell nicht hin. Dieses verflixte Runde muss doch einfach mal wieder in des Gegners Eckige. Chancen waren da. Überlegenheit auf dem Feld zudem. Mal ehrlich, was hat denn Viktoria schon groß veranstaltet nach dem Führungstreffer zu unchristlich früher Zeit? Deren Schnapper glänzte mehr als einmal durch gelbwürdiges Zeitspiel und die zehn vor ihm durch (natürlich hochprofessionelles) Verschieben der Mannschaftsteile, was unsere Räume sehr eng gestaltete. Ach, und man fiel natürlich ruckzuck hin, verspürte man nur den Hauch eines Esseners in seiner Nähe. (Obwohl, das können wir ja leider auch. Und dann immer dieses überflüssiges Gezeter Richtung Unparteiische…)

Zwischen der 45.und 70. Minute hatten wir auf der Tribüne tatsächlich das Gefühl, dass doch noch was gehen könnte, kam unser aller RWE  doch zu guten Abschlüssen. Leider blieben die Boni in Form von Toren verwehrt. „Wir halten zusammen“, so der Tenor nach Abpfiff. Das ist etwas, was aufbaut und Mut macht; den nimmermüden Einsatz der Mannschaft respektiert und honoriert. Dass natürlich in den (a-) sozialen Medien hinterher trotzdem Gift und Galle gespuckt wird, das ist dann leider einfach mal so. Es tippt sich leider schneller Verachtung, als das es sich „Kopf hoch“ schreibt. Mein Tipp an dieser Stelle: Einfach nicht mehr lesen. Verbunden mit der Bitte an die Kommentatoren/-innen, ob sie derlei nach einem eigenen schlechten Tag im Job auch über sich lesen möchten?

Es ist alles mal wieder wie es ist, und es tut aktuell wirklich weh. Aber, es ist noch nicht vorbei. Wir können uns nicht nur neben dem Platz wieder zusammenraufen, sondern auch auf dem Platz zu großer Form auflaufen. Vielleicht schon in Wattenscheid!

Auf jeden Fall in Wattenscheid!

Alle nach Wattenscheid.

 

 

Aufgeben ist keine Option.

Schreiben wir nicht lange um den heißen Brei herum: Es war alles vorbereitet, heute nach Mönchengladbach – Rheydt zu fahren, um unsere Roten zu unterstützen. Ich hatte Urlaub, das Auto war betankt und selbst die langersehnte Zaunfahne kam pünktlich aus England an. Man ahnt: Ich bin nicht gefahren. Ich konnte es nicht. Mir ging es schlecht, ich fühlte mich krank. Hatte Angst davor, dass genau das eintreten wird, was nun passiert ist: Unser RWE hat bei den kleinen Fohlen mit 0:1  und somit auch den Anschluss an die Tabellenspitze verloren.

Meine Frau hat mich ermutigt, doch zu fahren, aber ich habe mich wie ein Häufchen Elend hinter mir selbst verkrochen und allerlei Ausreden erfunden. Es ging mir erst besser, als ich es rein zeitlich absolut nicht mehr bis zum Anpfiff in das Grenzlandstadion geschafft hätte. Viel Zeit wollte ich mitbringen, denn nebenan galt es auch noch, das weitaus schönere Jahnstadion des Rheydter SV fotografisch zu erkunden. Auch das also heute keine Option, die mir ansonsten viel Entspannung bereitet. Die Fotografie, nicht der Fußball. Es ist nicht schön, so im eigenen „Ich“ gefangen zu sein, will man doch eigentlich dabei sein.

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Die Zeit, in der die psychosomatischen Beschwerden etwas nachließen ging mit Anpfiff der Partie auch schnell wieder vorbei. Der quirlige Hund, die Fußballkonferenzen am TV und all das andere traten nun hinter dem kleinen Handydisplay zurück, welches mir via mehrer Liveticker und persönlicher Nachrichten aus dem Stadion nun den Spielverlauf aus dem mager besuchten Grenzlandstadion zu berichten hatte. Dummerweise hatte ich mich in Form eines Tweets auch noch selbst sehr weit aus dem Fenster gelehnt und unbedingt die drei Punkte eingefordert:

War es dieser Tweet, der mich vor Sorge hat krank werden lassen, oder wirklich nur die Furcht davor, dieser schöne Saisonbeginn könnte schon bald wieder Geschichte sein? Ich weiss es genau nicht. Sicher steckt auch ein ernsthafter eigener Prozess dahinter, der weit über die Sorge um den RWE hinausgeht, aber eine professionelle Distanz, wie ich sie zum Beispiel im Beruf wahren muss, gelingt mir bei meinem Verein einfach nicht mehr. Ich war so froh, als wir dermaßen gut aus den Startlöchern der Saison kamen, so dass Boykott und andauernde Häme in den (a-)sozialen Medien Geschichte waren. Rot und Weiss wuchsen nach Jahren wieder zusammen, auch nach den ersten Punktverlusten gab es nur Aufmunterung, keinen kaputten Hass. Es war so schön, anzureisen und noch schöner, fröhlich pfeifend wieder nach Hause zu fahren. Und selbst die Ergebnisse der Etablierten und Gesponserten Mitkonkurrenten passten endlich.

Bis heute Abend in Mönchengladbach – Rheydt. Aber, selbst nach diesem Spiel kann es eigentlich keinen Vorwurf an die Mannschaft geben, wurde doch alles versucht und hat der Trainer im Nachgang ziemlich ehrlich und gut die Situation beschrieben. Das Netz also solches schwankt noch zwischen Aufmunterung und ersten „Luschen“ Kommentaren. Ich kann es nicht ändern. Ich kann nur versuchen, diese Dinge auszublenden und auf das nächste Spiel zu hoffen, damit endlich wieder die Kuh umgestoßen und der Bock vom Eis geholt werden kann.  Oder umgekehrt. Vielleicht kommt ja mit der aktuell aufstrebenden Aachener Alemannia genau der richtige Gegner, um dann wieder in die Erfolgsspur zurückzufinden.

Ich versuche einen Weg zu finden, wie ich mit der Situation umzugehen habe und vielleicht helfen mir diese ehrlichen Zeilen dabei. Aber, eines ist klar: Aufgeben ist keine Option. Und somit läuft der RWE am Sonntag wieder in der Hoffnung und mit festem Willen auf, das Spiel zu gewinnen. Lassen wir ihn genau jetzt nicht hängen. Wir sehen uns Sonntag im Stadion. Diesmal wirklich!

Nur der RWE!

„Lächeln ist das Kleingeld des Glücks“ (Heinz Rühmann)

Es ist allen RWE Fans schnurzpiepegal, dass wir nur aufgrund eines mehr gespielten Spiels gegen die kleinen Geißböcke gerade den Platz an der Sonne erobert haben. Wir haben ihn. Sind Spitzenreiter. Erster!

Und deshalb scheint uns gerade ( und endlich wieder) mal so richtig die Sonne aus dem Arsch Flutlicht.

Lichtendetunnel

Fanherzen…und die ganz, ganz große Liebe.

Es stand seit der elften Minute 1:0 für den 1.FC Kaan-Marienborn, als sich rund um die zweiunddreißigste Minute mehrere Dinge fast zeitgleich zutrugen: Ein junger Fan auf der Tribüne mit Salzbrezel in der Hand rief laut nach seinem Vater. Ein Essener Spieler wurde ungeahndet im Mittelfeld gefoult und blieb liegen. Daraus entwickelte sich direkt eine Torchance für die Kaan-Marienborner, die grandios durch Lukas Raeder vereitelt wurde. Vielleicht waren diese rasch aufeinanderfolgenden Ereignisse auf dem Feld der Wendepunkt im bis dahin sehr behäbigen Spiel des RWE. Und auch der junge RWE Fan fand seinen Vater auf der sehr gut besuchten Tribüne schnell wieder.

Bis zu dieser Minute hatte der RWE eigentlich nur einen sehr langsamen Spielaufbau zu bieten; das konsequente Vernachlässigen der linken Seite inbegriffen und mehr Rückpässe zum eigenen Torwart zu verzeichnen, als der Gastgeber Nackenkoteletts auf dem Grill hatte. Waren diese doch sehr schnell ausverkauft, so machte es gerüchteweise die Runde. Aber, wer wollte zu dieser Phase des Spiels noch genüßlich ein Kotelett im Brötchen verzehren, lag doch das aktuell Gesehene schon schwer genug im Magen. Es machte sich auf der Tribüne leichtes Murren breit. Unterschwellig (noch) bei den meisten, aber dieses Gefühl der Angst, hier und heute zu verlieren war nahezu greifbar. Es war für den Moment so, als ob Wuppertal niemals existiert hatte. Doch dann kam die siebenunddreißigste Minute und mit ihr der Ausgleich. Über die linke Seite! Welch eine Erleichterung, hier wenigstens egalisieren zu können.

Was jedoch nicht zur Folge hatte, dass Blatt direkt wenden zu können. Zuvor gab es in der vierundvierzigsten Minute eine mehr als brenzlige Situation zu überstehen, als Daniel Heber für seinen Torwart in letzter Sekunde klären konnte. Heber klärt den Lupfer. Danach war endlich Pause.

Zeit durchzuatmen und dabei wieder feststellen dürfen, welch schönes Stadion doch dieses Leimbachstadion ist. Wie entspannt es hier in und um das Stadion herum zugeht. Man darf sich auf der Tribüne frei entfalten und wird nicht in kleine Blöcke gezwängt. Ist Fan anstatt Vieh. Mann pinkelt noch in die Rinne und überall bröckelt die Farbe. Manchmal auch ab. Die Stühle der Presseplätze wurden wohl eines Nachts aus einer Lokalität der fünfziger Jahre entwendet und über den Zweck der Markise unter dem Dach werde ich weiter nachdenken. Alles schön also, da durfte das kleine Pflänzchen (Fußball-) Euphorie aus Rot-Weisser Sicht nicht direkt wieder im Keime ersticken.

Dachte sich Karsten Neitzel wohl auch in der Pause und fand scheinbar die richtigen Worte für die zweite Halbzeit. Auch wenn es der Gastgeber war, der in der fünfzigsten Minute noch einmal zu einer sehr guten Chance kam, so begann unser aller RWE den zweiten Durchgang nicht mehr allzu lethargisch und übernahm langsam aber sicher die Kontrolle auf dem Feld. Nutzte zudem endlich das ganze Feld. Was ja so richtig Freude macht ist die Tatsache, dass Kai Pröger in Florian Bichler einen Klon in Sachen Schnelligkeit und Dribbling bekommen hat. Werden sie nun auf ihren Seiten effizient eingesetzt und nach hinten hin aufmerksam abgesichert, so stellen beide jede gegnerische Abwehr noch vor manch große Herausforderung. Das aber nur nebenbei, ging doch der nötige Ruck durch die ganze Mannschaft.

Jener Kai Pröger war es dann, der mal eben volley den Ball zur Führung in das Netz des Siegener Stadtteilvereines drosch. Der Mann kann scheinbar nur die schwierigen Tore. Mit der Führung entledigte sich der RWE dann auch sämtlicher Altlasten aus Halbzeit eins und kam fast wieder in den „Wuppertal Flow“ der vergangenen Woche. Schon drei Minuten später war es der Neuzugang Enzo Wirtz, der sich dachte, so wird´s was und ebenfalls einfach mal richtig stehend das Tor traf. 1:3 aus Kaan-Marienborner Sicht nun für unseren Altmeister aus Bergeborbeck. Die Kurve sang munter weiter und die Tribüne stand. Die Brust wieder breiter. Die Klappe natürlich groß wie eh und je schon. Es machte plötzlich wieder richtig Freude, irgendetwas ist passiert mit unserer Mannschaft.

Nicht nachlassend fiel ein weiteres Tor: Torschütze Philipp Zeiger. Jener Philipp, der mir in der ersten Halbzeit ein wenig mit seinen permanenten Rückpässen auf den Zeiger ging. Aber, so ist Fußball, das hat er sicher geplant: Fünfzehn Rückpässe = ein eigenes Tor. Die über zweitausend RWE Fans besangen ihren Verein, der wieder da ist und bejubelten ihre Mannschaft, die sie nach dreißig Minuten noch in die Tonne kloppen wollten. Ker noch eins, ein ganz klein bißchen sind wir wirklich wieder da, nur müssen wir uns noch daran gewöhnen. In den vergangenen Jahren hätten wir dieses Spiel nach Rückstand verloren. Die Mannschaft hätte einen internen Krampf bekommen.

Hier jedoch hat sie sich selbst aus einem spielerischen Krampf befreit. Diesen in Spiel umgewandelt und Gegner und Ball laufen lassen. Es ist noch lange nicht alles Gold was glänzt. Aber es wird langsam etwas Rot und Weißer.

Über zweitausend fahren der Mannschaft hinterher. Das nächste Mal sind es vielleicht noch mehr. Auf dem Heimweg hat mich heute ein Auto mit flatterndem RWE Schal überholt. Das Kennzeichen? B wie Berlin! Ich habe mich grinsend im Fahrersitz zurückgelehnt, die RWE CD eingeworfen und Gas gegeben. Wie meine Mannschaft in der zweiten Halbzeit. Wir sind wirklich wieder da.

Genießen wir den Augenblick.

 

Ode an den Optimismus.

Es war das fünfte Testspiel vor der bald beginnenden Saison 2018/19: Auf neutralem Boden irgendwo im nirgendwo wurde gegen die Sportvereinigung 07 Elversberg mit 0:1 verloren. Zuvor gab es ein torloses Remis gegen Kölner Südstädter; eine 0:1 Niederlage gegen den TuS Jeddeloh im Trainingslager und ein anschließendes Torfestival gegen die Helene. TuS nicht Fischer. Auch die Lackschuhe konnten mit mehr Toren bezwungen werden, als es dieser Kumpel und Dingsbumsverein gestern zu tun vermochte. Unter dem Strich also viele Tore gegen unterklassigere Vereine, während die Spiele gegen Teams auf gleicher oder höherer Ebene durchgehend torlos gestaltet wurden. Bei zwei Gegentoren.

Für manch Freunde der Kommentarspalten waren diese Ergebnisse schon wieder Anlass genug, um wütend auf die Tastatur oder in das Handy zu hacken, dass das doch wieder nichts werden wird. Die nächste arme (Spieler-)Sau, die durch das mediale Dorf getrieben werden könnte, ward auch schon gefunden. Was haben auch Vater und Sohn zusammen in und rund um eine Mannschaft verloren? Es war jetzt nicht der große Sturm der Entrüstung, welcher sonst nach Niederlagen über das Social Media Team und auf die Spieler unseres Vereins hereinprasselt, aber es war doch ein Signal: Es geht heutzutage leider nicht mehr ohne negatives Denken und Handeln. Manch einer erwartet eine andauernde Siegesserie mit mindestens 1907 Toren Unterschied und findet trotzdem noch etwas zu motzen, sollte es eines Tages tatsächlich dazu kommen.

Das Problem: Wie geschrieben: Diese andauernde negative Denke! Diese perfide Lust darin, bei Nichtgefallen sofort und ohne Rücksicht auf Wortwahl und Respekt vor Spielern und Verein verbal draufzuhauen.

Dumm nur, dass dieses Problem ein neues Problem schafft: Es motiviert einfach nicht, andauernd bepöbelt zu werden. Sondern es schafft Barrieren. Im Kopf und im Miteinander. Hindert junge Sportler darin, besser zu werden und hindert den Pöbler als solchen daran, sich auch einmal mit Niederlagen abzufinden und trotzdem zum nächsten Spiel wieder optimistisch gestimmt an die Hafenstraße zu pilgern. Es muss doch auch unzufrieden machen, wenn man immer nur negativ geprägt in ein Stadion geht. Egal ob nun Essen oder Mailand. Hauptsache Madrid.

Wir machen das nun schon eine Dekade durch und der Trend geht ja leider immer weiter in Richtung soziale Eiseskälte. Wir sollten also damit aufhören.

Wir alle haben ein gemeinsames Ziel: Fans, Verantwortliche, Mannschaft, Mitarbeiter und Sponsoren. Wir alle wollen endlich wieder aufsteigen. Das geht aber nur, wie wir langsam aber sicher festgestellt haben dürfen, gemeinsam. Dazu bedarf es natürlich keinen lächerlichen DFB Hashtag, sondern es braucht nur eine Sache:

OPTIMISMUS!

Ja echt jetzt! In der Tat. Wir müssen endlich aufhören, negativ zu denken. Haben wir lange Jahre bis zum Exzess ausgiebig gemacht. Hat natürlich auch keinen Aufstieg eingebracht, sondern uns nur immer tiefer in die Abwärtsspirale reingeritten. „Alle gegen Alle „war schicker als ein positives Wort. Schuldige wurden gesucht und durch die Plattformen getrieben. Auch hier: Aufstieg Fehlanzeige. Natürlich sind gelegentliche Negativgedanken nicht verkehrt, schützen sie doch vor Enttäuschungen oder helfen dabei, einen „Plan B“ immer parat zu haben. Nur im Sport, da nützt es meines Erachtens nicht viel.

OPTIMISMUS: zuversichtliche, durch positive Erwartung bestimmte Haltung angesichts einer Sache, hinsichtlich der Zukunft

Was stimmt mich also nun zuversichtlich für die kommende Saison? Ich glaube zum einen, dass dieser lange Prozess der Spielerinflation nun langsam aber sicher abgeschlossen ist und ich glaube zum anderen, dass wir mit Karsten Neitzel einen guten Trainer bekommen haben, der in seiner Art sehr gut an die Hafenstraße passt. Vielleicht kann uns somit der „Agi-Quicki“ noch zum Vorteil gereichen, indem uns sein unerwarteter Abgang einen sehr guten Nachfolger beschert hat. Auch die Neuverpflichtungen wirken mit Sinn und Verstand ausgewählt und scheinen Lust auf die Hafenstraße zu haben. Im positiven Sinne natürlich.

Machen wir uns nichts vor: Die Sache wird für Rot-Weiss Essen nicht einen Millimeter einfacher, nur weil es endlich den direkten Aufsteiger geben wird. Im Normalfall werden wir den Platz an der Sonne nicht belegen. Wir kommen von Platz Zehn und sollten erst einmal kleine Brötchen backen. Schließlich hat der Viktorianische Gönner leider immer noch nicht die Lust an seinem Spielzeug verloren und will mit seinen wunderlichen Typen endlich den direkten Weg in Liga Drei schaffen. Scheissegal, ob dass in Köln weder Geißbock, Hai noch Fortune interessiert. Aber optimistisch betrachtet: Warum eigentlich mal nicht wieder ganz oben angreifen? Was spricht dagegen?

Wird dieser schäbige Gästeblock aka Verschlag in Rödinghausen ohne Niederlage verlassen und gelingt vielleicht die Revanche gegen die aus dem Tal: Das wäre nicht fatal. Könnte uns alle auf eine gemeinsame Reise mitnehmen und den Hauch von Euphorie versprühen.

Gut, dem gegenüber steht der Konjunktiv. Aber, ich denke es ist klar geworden, worum ich hier mit vielen Worten bitte: Lasst das pöbeln. Es bringt auch keinen Aufstieg. Hat es noch nie!

Einen Titel haben wir seit Samstag definitiv schon sicher: Werder in einer Halbzeit zu besiegen, das war natürlich ganz nett. Ohne wenn und aber sind wir jedoch direkt und ansatzlos Sieger des „Trikot Award am goldenen Kleiderbügel 2018“ geworden.

Was eine Hommage an den Verein, seine Farben und seine Lieder. Dieses Trikot verkörpert so viel von dem, was unseren RWE ausmacht. 

Das in diesem Trikot und seiner Gestaltung auch noch geistiges Input von Michael Welling steckt ist eine gute Sache, denn es bedeutet, dass es Vorgänger und Nachfolger zuallererst um den Verein ging und geht. Dass Gutes weiter umgesetzt wird und neue Wege beschritten werden.

Für den Verein.

Nur der Optimismus und nur der RWE!

Nur nach vorne gehen!

Ich weiss, man kann das heutige Datum ignorieren oder immer wieder erzählen. Da ich mir nicht schlüssig war, wie ich persönlich damit umgehe, mache ich einfach beides. Ich habe den Tag vor zehn Jahren einfach noch mal in Erinnerung gerufen, und nehme hier zugleich Abschied davon. Wer also auf diese Erinnerung keine Lust mehr hat, ignoriert den entsprechenden Artikel „Ballast der Republik“. Also wie sonst auch. Wer, wie ich ebenfalls davon überzeugt ist, dass dieser Tag kein Ballast, sondern immer noch Ansporn sein sollte, ihn wieder gut zu machen, der darf gerne noch einmal in Erinnerungen…(nicht schwelgen, dass klingt eher positiv besetzt)…leiden und dieses Kapitel aus dem Buch lesen.

Natürlich haben alle Recht, die in den letzten Wochen und Monaten immer wieder auf die negative Grundstimmung rund um unseren RWE hingewiesen haben. Es ist ja auch wirklich nicht mehr feierlich gewesen. Diese Häme, dieser ganze Mist. Wer mal etwas nettes über den Verein sagte, oder immer noch positiv dachte…, der wurde ja direkt als Knalltütenjongleur abgestempelt.

Darum können wir nur eines tun: Das sportliche Schmerzprotokoll der letzten Dekade löschen und gemeinsam nach vorne gehen. Den sportlichen „Boykott“ und den stimmungstechnischen Boykott auf den Rängen beenden. Das Glück erzwingen und diese eine Saison spielen, in der alles passt. Ich glaube sogar, und da wird dem Finanzvorstand jetzt mal der Blutdruck steigen, dass die verpasste Qualifikation für den alljährlichen DFB Pokal gar nicht so schlecht für uns ist. Manchmal wurde rund um das Spiel des Jahres der wesentlich wichtigere Ligaauftakt schlicht in den Sand gesetzt. Diese Pokaleuphorie fällt weg, der Fokus kann ganz auf die Liga gelegt werden. Wohlwissend, dass alle anderen Vereine auch wissen, dass der Meister endlich mal direkt aufsteigen wird.

Viktoria Wernze wird sich vielleicht schon sicher wähnen, diesen Platz zu ergattern, da ja der KFC Uerdingen aufgestiegen ist. Möglicherweise aufgestiegen ist, wie wir seit heute wissen. Mal gucken, was also alles noch so Wunderlich(es) in den nächsten Tagen und Wochen passieren wird. An der und rund um die Hafenstraße darf man sich hingegen einfach nicht mehr verrückt machen. In einer Relegation wären wir doch eh tragisch gescheitert, dass liegt in unseren Genen. „Meister müssen aufsteigen“, so unser aller berechtigte Forderung. Meister wird aber in unseren Kreisen dann doch noch nicht immer der mit der meisten Kohle. Meister wird der Verein, der es meisterlich versteht, seine Kräfte zu bündeln und alle gemeinsam mit auf einen erfolgreichen Weg nimmt. Ein Weg, an dessen Ende das Licht des Tunnels einer ganzen Dekade wartet.

Wir alle haben diesen einen Traum. Wir sollten ihn leben. Wann der Traum in Erfüllung geht, dass kann natürlich keiner vorhersagen. Aber eines ist klar: Dieser Traum geht nur gemeinsam in Erfüllung. Also: Schmerzprotokoll und schlechte Stimmung löschen. Hoffnung und Leidenschaft leben.

Nur der RWE!

Take It Easy!

Ein kluger Kopf sagte vor nicht allzu langer Zeit in gemütlicher Atmosphäre zu mir, dass unserem RWE und seinem Umfeld komplett das positive Denken abhanden gekommen sei. Der Optimismus mehr in Trümmern als noch vor einiger Zeit unser seliges Georg-Melches Stadion. Egal was da komme und wolle: Alles doof!

Na ja, die letzte Dekade gibt ja sportlich auch nicht wirklich Anlass dazu, Konfetti und gute Laune zu verbreiten. Im aktuellen Fußballgeschehen halte ich es persönlich natürlich für eine unglaubliche Leistung, dass unser aller Verein auf Eigenkapitalbasis agieren kann und der chronischen Verschuldung ade gesagt hat. Das finden sicher auch die Spieler toll, deren Gehalt so gesichert war und ist. Dummerweise kamen sie ihrem Auftrag jedoch nicht in gleichem Maße nach und verwalteten unseren Verein weiterhin zuverlässig in der Regionalliga West. Die Sorgen gingen tabellarisch eher nach unten, denn euphorisch nach oben. Den Sorgen folgte die schlechte Stimmung und so ging alles den Bach hinunter.

Letztendlich haben wir es aber auch in dieser Saison mal wieder geschafft, die vierte Klasse zu halten und parallel erneut in das hiesige Pokalendspiel einzuziehen. Alles wie immer also. Und doch ist auch hier in Nuancen einiges anders als in den Vorjahren. Dieses aber nur am Rande. Am Rande hat sich übrigens auch die Option ergeben, die letzte Dekade unseres Vereins in Nuancen über eine unwesentlich erfolgreichere Band abzuwickeln:  Die Eagles haben, so glaube ich, nicht wirklich Lieder über Liebe und den ganzen anderen Kram gesungen, über den man so singt. Das ganze ist viel spektakulärer: Sie haben schon damals Lieder über Rot-Weiss Essen geschrieben. Glaubt Ihr nicht? Dann lest selbst:

Wasted Time

Wasted Time ist natürlich ein ziemlich harter Einstieg in diese musikalische Mutmaßung, bedeutet es doch übersetzt „verschwendete Zeit“. Denjenigen RWE Fans unter uns, die lediglich die erste Liga als Lebensraum für unseren Verein zulassen, mag es natürlich ein willkommener Opener sein. Zuallererst haben die Eagles diesen Song jedoch für all diejenigen unter uns geschrieben, die nach zehn Jahren Regionalliga zermürbt den rot-weissen Schal an den berühmten Nagel gehängt haben. Don Henley erklärte in einem Interview zu diesem Song, dass er nicht die Treue der RWE Fans in Frage stellen wollte, aber doch  festgestellt hat, dass diese Dekade alle an der Hafenstraße zermürbt hat, so dass es für manch einen verschwendet Zeit darstellt. Künstler und ihre Sicht auf die Dinge halt.

One Of These Nights

Es war der 29. Juli 2011. Glenn Frey war auf Promotion Tour in Essen und kam nur durch Zufall an eine Karte für das Erstrundenspiel des RWE im DFB Pokal gegen die Eisernen aus Berlin-Köpenick. Zunächst durchaus verwundert darüber, warum ein Fußballspiel in einem halb verfallenem Stadion stattfindet, zeigte sich der in Detroit, Michigan geborene Musiker von Minute zu Minute mehr begeistert über das, was er da auf dem grünen Rasen geboten bekam. Aus Essener Sicht natürlich. Es war ein Freitag für die Geschichtsbücher. Gerade noch Insolvent und in die fünfte Liga versenkt, tauchte der Deutsche Meister von 1955 wieder als Meister auf. Einige Etagen tiefer halt, aber mit einem Schwung, der einfach zu begeistern wusste. All das entlud sich an diesem Abend im altehrwürdigen Georg-Melches Stadion. Das war definitiv einer dieser Nächte. Zu schade, dass sie nicht konserviert werden konnte. Wenigstens konnte Glenn Frey seinen Bandkumpels davon erzählen und dieses Lied darüber schreiben.

Already Gone 

Gerade noch euphorisiert durch ein Pokalspiel verfolgte Glenn Frey die Geschicke des RWE auch in den fernen Staaten weiter. Hoffte Jahr für Jahr auf eine sportliche Erfolgsmeldung, sah Spieler und Trainer kommen und gehen. Manchmal so schnell, so dass man auch als treuester der Treuen den Überblick verlieren konnte. Spieler und Trainer kamen und gingen, die vierte Liga blieb. Glenn Frey griff in die Tasten und schrieb sich somit musikalisch von der Seele, dass der Profifußball für den einstmals so stolzen Verein Rot-Weiss Essen bereits gegangen sein könnte. In Anbetracht dieser langen Zeit in der Fußballunterschicht liegt der Verdacht natürlich nahe. Aber, die Hoffnung…..

Love Will Keep Us Alive

Seufzend legte Ursula Kasuppke die Montagsausgabe der Tageszeitung beiseite und nahm einen großen Schluck Kaffee aus dem Kaffeepott. Rot-Weiss Essen hatte verloren. In irgend so einem relativ unbekannten Dorf mal wieder. Ihr längst verstorbener Mann Willi würde sich im Grabe umdrehen, dachte Ursula so bei sich und überlegte schon, was sie ihrem Willi denn sagen könnte, um die Niederlage so gut wie möglich zu verkaufen. Andererseits kann sich Willi ja auch nicht mehr groß darüber aufregen, sinnierte sie bei einem weiteren Schluck Kaffee und einem tiefen Zug aus der Zigarette, schließlich ist Willi ja tot. So hatte sie aktuell nicht nur ganz alleine die Sorgen um den geliebten RWE auf ihren mittlerweile schmalen Schultern zu tragen, sondern musste sich zudem ständig ausdenken, wie sie ihrem Willi im montäglichen Zwiegespräch auf dem Margareten Friedhof das Wochenendspiel schönreden konnte. Im Falle einer Niederlage natürlich. Denn wenn ihre Jungs das Spiel gewinnen konnten, da sprudelte es nur so aus ihr heraus. Manchmal kam es ihr dann auch so vor, als könnte sie spüren, wie Willi mit ihr leidet oder sich freut.

An diesem Punkt hielt Ursula stets kurz inne, denn manchmal ist es nach so vielen Jahren nicht mehr wirklich leicht, sich daran zu erinnern ob erst die Liebe zu Willi oder zu RWE ihr Leben bestimmte. Oder ergab das eine dann auf einmal auch das andere? Wenigstens, so sinnierte Ursula weiter, wenigstens lebt der Verein immer weiter. Wie gerne würde sie noch einmal Hand in Hand mit Willi die Hafenstraße Richtung Stadion hinaufgehen. Wie viele ältere und ganz alte Fans gibt es wohl, die nicht mehr in das Stadion gehen, weil es den Partner nicht mehr gibt. Oder weil es alles zu aufregend geworden ist oder manchmal auch nicht nicht mehr schön wegen der vielen Polizei und der Knallerei. Sie wusste darauf keine Antwort. Und eigentlich kannte sie „ihre Jungs“ ja auch schon lange nicht mehr beim Namen, so oft wie die Spieler kamen und gingen. So reicht ihr mittlerweile das Endergebnis und der Spielbericht. Den Rest konnte sie sich aus so vielen Jahren und Spielen an der Hafenstraße denken. Willi bekam das Spiel auf jeden Fall immer mit Leidenschaft nacherzählt. 

Ursula und Willi Kasuppke….diesem Paar konnten sich die Eagles einfach nicht entziehen und widmeten ihnen somit diesen Song.

After The Thrill Is Gone

Was hat Glenn Frey nicht alles versucht, um seinen alten Kumpel und Bandkollegen Don Henley zu einem Besuch an der Hafenstraße zu bewegen.  Der Stimmung wegen und so. Der Henley Don lässt sich also überreden und kommt im Frühjahr 2018 das erste Mal an die Hafenstraße zu einem Spiel von Rot-Weiss Essen. Und was iss? Nix iss! Lösungen werden gesucht, die Mannschaft kickt für sich und ein Großteil der Fans verweigert bisweilen und bis auf weiteres die eigene Unterstützung. Leicht irritiert greift Don Henley zum Notenblock und skizziert einen Song, in welchem es darum geht, dass die ganz große Euphorie, der sogenannte „Thrill“, um den RWE aktuell mehr als vorbei ist. Man schleppt sich so durch. Recht hat er. Und doch würde ich persönlich ihm nun sagen wollen, dass diese Phase vielleicht mal Not tat und helfen konnte, die Negativspirale zu durchbrechen. Manchmal hilft eine Auszeit beiden Parteien auf Mannschaft/Fan Ebene. Eines sei der Mannschaft aber versichert: Das Einstellen sämtlicher Aktivitäten bedeutet nicht das Ende der Vereinsliebe. Es ging halt bei einigen aktuell nicht mehr und das ist zu respektieren. Diesbezüglich jedoch ist das kommende Pokalfinale natürlich von Interesse: Gilt hier die Ausnahme der Regel oder wird weiter konsequent nach Lösungen gesucht?

The Long Run

Natürlich haben die Eagles nicht einen Gedanken, beziehungsweise eine Note an unseren RWE verschwendet und ist alles in diesem Beitrag auf sie bezogen fiktiv. Und doch kommen sie in ihren Songs dem RWE ziemlich nahe: „Good Day In Hell“, „Take It To The Limit“, „The Sad Cafe“. „The Best Of My Love“, „How Long“ oder gerade auch „Life In The Fast Lane“…. alles Titel, die so oder so ähnlich wirklich auf den RWE hätten geschneidert werden können.  Und somit ist natürlich hier und heute alles nur fiktiv aufgeschrieben; zudem würde ich dem RWE nur annähernd eine ähnliche Virtuosität am Ball wünschen wie den Musikern der Eagles an ihren Instrumenten.

Glenn Frey verstarb am 18. Januar 2016 in New York.

Take It Easy, RWE!

 

Zwischen Szenenapplaus und Sonntagsschuß spielt sich ganz viel Leben ab.

Gibt es eigentlich wissenschaftliche Untersuchungen darüber, wie sich Erfolg und Misserfolg einer Lieblingsmannschaft auf das Wohlbefinden der eigenen Fans auswirken? Gäbe es eine solche, dann könnte diese dem RWE Fan attestieren, aktuell genug gelitten zu haben und unter sportlichem Burnout zu leiden. Entweder man lässt sich also eine AU ausstellen und bleibt der Gesundheit zuliebe Zuhause, oder es wird ein Trainerwechsel verschrieben, der wenigstens kurzfristig für Linderung sorgen könnte. Manchmal hilft diese Therapie sogar langfristig. Aber dafür gibt es zumindest in Essen noch keine gesicherten Erkenntnisse.

An der Hafenstraße wurde also wie bekannt, die gängige Therapie Trainerwechsel verordnet, welche leider stets mit hohen Zuzahlungen an den Ex-Trainer die Krankenkasse verbunden ist. Aber, sie verschaffte diesmal wirklich schnelle Linderung der körperlichen Symptome bei sportlichem Misserfolg: Wurden die Schmerzen gegen den ETB zunächst etwas gemildert, trat nach dem unerwarteten Erfolg in Aachen schon spürbar Erleichterung der verspannten Gedanken rund um den RWE ein.

Und so kam es, dass man vor dem Oberhausen Spiel fast schmerzbefreit aus dem Bett hüpfte und ein lange nicht mehr gekanntes Gefühl erleben durfte: Vorfreude auf ein Spiel der Roten. Danke Trainerwechsel mochte man rufen, ohne den aktuellen Trainer nun über den grünen Klee loben zu wollen; schließlich wirkt er ja noch nicht wirklich lange. Hier also ist man auf die therapeutische Langzeitwirkung gespannt. Auch Viagra wollte erst lange getestet werden, bis es dann eines Tages als Mittel der Wahl feststand und es bei manchem fest stand.

Zur eigenen Verblüffung wollte sogar die ganze Familie mit. Durchaus doch schon infiziert mit dem Rot-Weissen Virus, wohl aber noch nicht zu sehr damit belastet um ihrerseits daran zu erkranken. Somit überwiegt stets die Freude auf ein sportliches Ereignis vor vielen Menschen inklusive Stadionerlebnis. Ich wünschte mir auch einmal wieder eine so unbelastete Herangehensweise an ein Spiel meines RWE. Aber, es war ja heute mit zwei Siegen im Nacken eigentlich nichts, was in jenem sitzen und Schmerzen bereiten könnte.

Auf der Autobahn erst einmal hupend den Bus des Schalke Fanclubs Nordhorn überholt. Wir haben kurz überlegt, sie am nächsten Rastplatz aufzumischen, aber zum einen wissen sie einfach nicht, was sie tun, und zum anderen kennt man den einen oder die andere natürlich auch vom Eintracht Stadion am Heideweg. Warum fährt man nur nach Gelsenkirchen, wenn man als Ziel Essen haben kann? Unbegreiflich!

Rund um das Stadion war verkehrstechnisch weniger los als erwartet. Es haben sich also doch viele Fans eine AU ausstellen lassen. Krank ist krank, das ist dann einfach mal so. Trotzdem waren letztendlich gut 8.200 Fans beider Mannschaften im Stadion. Und wir reden weiterhin vom Krankheitsgrad Liga Vier. Gute Quote also.

Im Stadion selbst standen sich bei diesem Spiel nicht wie gewohnt „Heimkurve“ und Gästeblock gegenüber, sondern wurde temporär ein weiterer Heimblock in der Nähe des Gästeblocks geschaffen. Warum das so war, geht mich nichts an, aber ich hoffe, eine Kritik darf angebracht sein, dass es im Sinne einer besseren Unterstützung der Mannschaft eher suboptimal war. Die Heimkurve, die ja eine Gerade ist, ließ trotzdem gelegentlich aufblitzen, wozu sie an Lautstärke in der Lage ist. Besonders in den Schlussminuten. Ansonsten geht der Stimmungspunkt leider dieses Mal nach Oberhausen. Auch unbegreiflich. Wir sind alle Rot-Weiss. Wir kriegen das hin.

So wie es auch die Mannschaft dieses Mal endlich hinbekam. Die viel in Anspruch genommene Körpersprache eine ganz andere als noch in den Wochen zuvor. Die Raumaufteilung ebenfalls eine ganz andere; die gefürchteten Lücken taten sich einfach nicht auf. Es wurde Gras gefressen. Am Gegner festgebissen, um jeden Millimeter Hafenstraßengras gekämpft. So gehört sich das, so wollen wir das sehen. Folglich gab es in der dreizehnten Minute die verdiente Führung. Es gab nicht nur das: Es gab sogar zur Halbzeit Applaus von den Rängen für die Leistung der eigenen Mannschaft.

Ich wiederhole das hier gerne noch einmal: Es gab sogar zur Halbzeit Applaus von den Rängen für die Leistung der eigenen Mannschaft. Das Spiel der eigenen Mannschaft tat wirklich gut, war eine Wohltat für die geschundene Seele.

In der zweiten Halbzeit gab es dann sogar noch zwei bis drei spielerische Leckerbissen, die den Fan auf den Tribünen zwischen Verzückung und Fassungslosigkeit zurückließ. Warum geht erst jetzt, was all die Spiele zuvor nicht ging? Es gab tatsächlich und verdient somit Szenenapplaus. Sogar aufgestanden wurde auf der „Haupt“, als Marcel Platzek aus dem Spiel genommen wurde.

Es sah also alles gut aus auf dem Feld.  Rot-Weiss Essen wollte unbedingt die Entscheidung. Keine Rede davon, das Spiel zu zerstören, wie anschließend ein Oberhausener Spieler befand. Aber, der hat auch keine Ahnung vom Fußball.

Es sah wirklich gut aus. Vor einigen Wochen noch, da lägen wir schon 1:3 in Rückstand.

Und dann kam der Sonntagsschuß.

RWO glich in der 89. Minute aus dem Nichts aus. Der vielzitierte „Sonntagsschuß“ wurde schneller in den Kasten gezimmert, als Heller reagieren konnte.

RWE versuchte es weiterhin in den Restminuten, aber ohne Erfolg. Der verdiente Dreier blieb somit leider aus, und doch blieb unter dem Strich Applaus für eine engagierte und in vielen Punkten verbesserte Mannschaftsleistung.

Ich war nicht traurig, da eine wirklich gute Leistung der eigenen Mannschaft gesehen. Ich war eher geknickt für die eigene Mannschaft, die sich die drei Punkte wirklich verdient gehabt hätte.

Nun muss weiter gearbeitet werden an der Hafenstraße. In so vielen Bereichen, damit wir wieder eine Einheit werden.

„Schluss mit Gelaber und Vereinsmeierei, wenn ihr heut gewinnt ist das einerlei. Jubeln, Jammern, Spielen oder Stehen wir sind der Verein…
Wir (ALLE) sind RWE“

Geht wieder los.

Ein Fan des VfL Bochum hat mal festgestellt, dass die Phase vor Saisonbeginn durchaus mit Hoffnung verbunden ist. Wenigstens für die ersten drei Minuten des ersten Spiels. Danach könnten die Ziele eines Fans nachverhandelt werden. Nach dem Auftakt bei der Dortmunder Zweitvertretung bleibt festzuhalten: Wir haben nicht nur die ersten drei Minuten überstanden, sondern halten die Hoffnung worauf auch immer im Hinterkopf. Und wir halten auch nicht alle Plakate hoch. Ganz wichtig in Zeiten von Verallgemeinerungen. Wir helfen aber manchmal schon Stunden vor dem Spiel einem älteren Fan wieder auf die Füße, der über selbige gestolpert ist. Kurz nach Mittag. Aus Gründen, was dessen Begleitung zu der Frage veranlasste, ob er wirklich noch ein weiteres Bier vor dem Spiel trinken wolle.

Wir wissen nun nicht, ob erwähnter Fan überhaupt noch etwas von dem darauf folgenden und sehr spannenden Fußballspiel mitbekommen hat; es geht uns auch nichts an. Vielleicht aber stehen kommenden Sonntag wenigstens vor Spielbeginn andere Getränke auf der Karte.

Exkurs:

Wenn man einem Stadion etwas wünschen könnte, dann würde ich der Kampfbahn Rote Erde in Dortmund einen Standort wünschen, wo es nicht vom direkt angrenzenden Koloss Westfalenstadion erdrückt wird. Die Rote Erde an sich ist schon (immer noch) ein wunderschönes Stadion. Man denkt sich beim Spielbesuch einfach die moderne Tartanbahn nebst Diskuskäfig und mit Flatterband/Zäunen abgesperrten Bereiche weg und ist für neunzig Minuten wieder in einer Zeit angekommen, wo vorrangig entscheidend auf`m Platz war. Auch, wenn man dafür doch etwas weiter weg vom Spielfeld sitzt/steht. Die Tribüne mit ihren Aufgängen und Treppen rechts und links, inklusive sanitär bedingter Geschlechtertrennung (Die bei gestriger Fantrennung natürlich nicht einzuhalten war. Der männliche Rot-Weisse musste also bei den Frauen müssen); die Bänke und die Räumlichkeiten im Tribünenbauch: Einfach schön und gepflegt.

Ebenso alt wie die Tribüne dürften dort auf der Gästeseite die angebotenen Frikadellen im möglicherweise noch älteren Brötchen gewesen sein. Das aber nur nebenbei.

Der schönste Bereich in der Kampfbahn Rote Erde ist für mich jedoch der Eingangsbereich mit seinem schönen Stein, dem Biergarten und der Heimkurve. Wie schön kann doch der Fußball sein, betrachtest Du jenen aus einer Kurve wie dieser unter prächtigen Bäumen. Die nicht nur Schatten spenden, sondern gelegentlich auch das Lied des Windes singen. Ein harmonischer Dreiklang, der dem Fan nicht nur einen schönen Einlass beschert, sondern auch Gelegenheit, um noch lange nach den Spielen unter Gleichgesinnten über das gerade Gesehene zu fachsimpeln. Jedes Stadion sollte einen solchen Biergarten besitzen und über Dächer aus Bäumen verfügen, die im Herbst ein noch schöneres Farbenspiel bieten. Und auch hier: Natürlich ist das Spielfeld weit entfernt. Aber, hier darf man sein. Ich hoffe, der BVB erhält diesen Stadionbereich mindestens so lange, bis das Geld endgültig den Fußball zerstört hat und keine Fans mehr benötigt werden.

Während der neunzig Minuten gestern blieb aber keine Zeit mehr, sich weiter in düsteren Gedanken rund um den Fußball abseits des Rasens zu verlieren. Von Beginn an gingen beide Mannschaften trotz der schwülwarmen Witterung ein sehr hohes Tempo. Von Beginn an legte unser RWE eine Leidenschaft zu Tage, die man vielleicht etwas länger nicht mehr gesehen hatte. Manche munkelten sogar, auch sehr viel länger schon nicht mehr. Von Beginn an sorgten zudem beide Fanlager für eine nimmermüde Unterstützung. Es machte Spaß zuzuschauen. Sorgen bereiteten anfangs noch die Standards, lag hier doch unsere Schwachstelle. Aber, Trainer und Mannschaft schienen ihre Lehren aus dem Steinbach Spiel gezogen zu haben: Alles gut, alles schick. Die Roten gingen also durchaus verdient in Führung, um durch einen Elfmeter den Ausgleich zu kassieren. Da keine große Reklamation unsererseits folgte, gehe ich mal von einem berechtigten Pfiff aus. Allerdings hatte der Unparteiische definitiv seine ureigenen Schwachstellen, sorgte er doch auch für manch unerklärlichen Pfiff. Oder pfiff erst gar nicht, obwohl die ein oder andere Dortmunder Hand im Spiel war. Aber, als Gegner des Videobeweises rege ich mich nicht mehr lange darüber auf und habe somit die Tatsachenentscheidung zu akzeptieren. Wenn auch nur lautstark fluchend. Aber, auch das ist ja Fußball. Noch darf man fluchen.

In der zweiten Halbzeit wurde das Spiel noch intensiver als es eh schon war. Den Einsatz nun hauptsächlich an unserer neuen Nummer 10 mit Namen Pröger festzumachen täte den anderen Spielern natürlich unrecht, aber was er alleine für ein Lauf- und Grätschpensum abgeliefert hat: Chapeau! Ich wäre tot umgefallen, jede Sauerstoffmaske käme zu spät.

Ach, Herr Siewert: Das war übrigens Hafenstraßenfußball, wie wir ihn verstehen und meinen!

Kein Ball wurde verloren gegeben. Der Pröger also kein „Dröger“ sondern vielleicht der so erhoffte Gute. Alle liefen weiter und auch der schnelle Rückstand nach der Pause tat dem Einsatz und Willen keinen Abbruch. Das war aber auch ein schönes Gegentor. Die Weitschüsse, sie gehören noch lange nicht auf das Abstellgleis. Abgezogen und einmal oben in den Winkel gedonnert. Fußball, Du kannst so herrlich sein, selbst bei einem Gegentor. Das Spiel also weiter gallig und voller Spannung; gelegentlich bildeten sich gar Rudel, nur um sich dann wieder das Wasser zu teilen.

Dazu diese kleinen zwischenmenschlichen Szenen, die zeigen ob man eine Mannschaft auf dem Platz sieht oder nur Angestellte: Die Art, wie ein Spieler nach einer guten Situation gefeiert wurde; die Geste von Benni Baier nach seinem Ausgleichstor in Richtung Daniel Engelbrecht. All das tat gut und führte letztendlich zu einem mehr als verdienten 2:2 Endstand. Drei Punkte wären aber unter dem Strich trotzdem verdient gewesen. Hier darf ein gewisser Anteil dem Unparteiischen zugesprochen werden. An der Leistung von Rot-Weiss Essen hier und heute gab es jedenfalls nichts zu mäkeln.

Das sahen auch die anwesenden Fans so und verabschiedeten ihre Mannschaft mit langanhaltendem Applaus. Natürlich: Es ist erst der erste Spieltag und nichts darf überbewertet werden. Aber vielleicht ist jetzt erst der Schaden inflationärer Zu- und Abgänge behoben und kann es endlich wieder die Mannschaft des RWE auf dem Feld schaffen, den Verein zu vereinen.

Das gestern war ein guter Anfang. Und wir alle brauchen so dringend auch mal ein gutes Ende. Auf und neben dem Platz.

Nur der RWE!

Scherenschnitt

Hans-Joachim Watzke möchte nicht so enden wie unser aller RWE, und muss daher mit dem BVB immer den Sprung auf monetäre und globale Züge schaffen. Egal in welche Richtung diese auch fahren; Thomas Müller beklagt sich zurecht über aufgeblähte Qualifikationsrunden zu immer mehr aufgeblähten Turnieren bei Gegnern, die immer öfter nur noch sportliche „Opfer“ sind. San Marino jedoch kontert mindestens und wohl noch mehr zurecht, dass auch die Großen die Kleinen brauchen. Um geerdet zu werden und da sich im kleinen eben jene Seele des Spiels wiederfindet, die die Großen vor lauter Geldgier gegen ein Fußballherz aus Beton eingetauscht haben. Und wenn die Großen nicht mehr gegen die Kleinen antreten wollen, woher bekommen wir dann in Zukunft noch den Stoff für jene Fußballgeschichten, über die noch in zig Jahren geredet wird und die wir so lieben? Das sind doch die Begegnungen Groß gegen Klein, aber wohl kaum ein Spiel aus einer wie auch immer gearteten Setzlisten Liga.

Das klassische Derby Chemie gegen Lok weckt selbst im unterklassigen Pokalwettbewerb mehr Emotionen, als es der erste Titel des kommenden Meisters aus der selben Stadt jemals schaffen wird. In England wird ein klassischer Underdog Meister und ein Fanverein (AFC Wimbledon) überholt nach vielen Jahren in der Tabelle eben jenen Verein, (Milton Keynes Dons) für den der angestammte, insolvente und geliebte Verein (FC Wimbledon) einst in die Tonne gekloppt und „outgesourct“ wurde. Der Fußball aktuell mal wieder am Scheideweg. Also eigentlich wie immer. Allmählich jedoch verhält es sich im Fußball wie mit der Erderwärmung: Die Auswirkungen sind langsam aber sicher immer spürbarer. Ein schleichender Prozess, der da stattfindet und uns immer mehr die Luft zum Fußballatmen nimmt, passen wir nicht endlich auf unseren so geliebten Sport auf. Die WM mit dutzenden Teilnehmern will doch keiner wirklich am TV sehen, gleichwohl man aber auch eben jenem San Marino zum Beispiel nicht das Spiel des Lebens und die ehrliche Freude am Fußball verwehren möchte. Schwierig, da allen gerecht zu werden.

Bestimmt nicht mehr sehen möchte man die mittlerweile immer häufiger stattfindenden „Treibjagden“ auf gegnerische Spieler oder Unparteiische, wie sie bisweilen im Unterbau des Fußballs stattfinden. Ihr Schläger auf Asche habt im Fußball genau so wenig verloren wie Korruption und Setzlisten von denen da ganz oben. Fußball ist immer noch ein Spiel und das soll es auch bleiben. Aber auch der DFB benimmt sich immer mehr wie ein Trumpeltier und möchte die Spieltage der ersten Bundesliga noch weiter auseinander zerren. Ingolstadt gegen Wolfsburg jetzt auch noch zur besten und traditionellen Anstoßzeit der Amateure Sonntag Nachmittag auf Sky. Da möchte doch kaum noch einer Rot-Weiss Essen gegen Alemannia Aachen vor Ort im Stadion sehen. Obwohl, also da kann man sich in seiner Prognose schon mal vertun….

Jetzt aber zum eigentlichen Anliegen: Ich habe letztens unter einem Artikel den Kommentar eines RWE Fans gelesen, welcher für sich und besonders Rot-Weiss Essen den Anspruch 1. Bundesliga proklamiert und somit weder eine Dauerkarte gekauft hat, noch auf Hoch3 reingefallen ist (eigene Definition).  Da musste ich erst einmal kräftig durchatmen, denn dieser Fan wird zeitlebens an seinen eigenen Ansprüchen scheitern und ein ewig unzufriedener bleiben. Und somit ja in gewisser Art und Weise auch andauernd negative Stimmung verbreiten, denn wer seine Ansprüche nie erreicht, wird nicht gerade frohlocken. Wie kann ich überhaupt einen solchen Anspruch formulieren, war doch mein Verein vor mittlerweile geschlagenen vierzig Jahren das letzte Mal erstklassig? Da kann ich doch als Fan Saison für Saison ständig nur scheitern und immer verbitterter im meinem rot-weissen Dasein werden. Keine Dauerkarte zu kaufen ist nicht schlimm, und auch den Weg Hoch3 mitzugehen kann keiner verlangen. Zumal sich jetzt herausstellt, was ich vor der Saison angemahnt habe: Ein Timo Brauer kann eben nicht über Wasser gehen und einen Aufstieg garantieren. Er ist Teil einer Mannschaft, die es nur gemeinsam richten kann. Eines Tages.

Den eigenen Anspruch gilt es somit mit Blick auf die traurige momentane Realität ein wenig zu reduzieren. Könnte auch der eigenen Gesundheit zuträglich sein. Keiner ist an der Hafenstraße gerne viertklassig. Aber sportlich gehören wir nun schon so lange dazu: Wir sind Inventar und leider schon lange kein Ausrutscher mehr. Mein eigener sportlicher Anspruch an den RWE ist die dritte Liga. Der Zuschauerzuspruch ist zweite Liga und das Stadion sogar bereit für die erste Liga. Die Vergangenheit für eine Dekade legendär erfolgreich und mit Mythen behaftet. Unter dem Strich also: Der Scherenschnitt Rot-Weiss Essen vs Anspruch Fans ist mindestens genau ein so schwieriger wie der zwischen den Großen und Kleinen überhaupt im Fußball dieser Tage.  Es bleibt spannend.

Die glorreichen Sieben.

„Alle Neune“, das wäre der Alternativtitel für diesen Artikel gewesen. Man muß ja immer einen Plan B in der Tastatur haben. Was wiederum bedeutet, dass ein Erfolg beim Wuppertaler SV gestern Abend durchaus in Betracht gezogen wurde. Eigentlich ja auch logisch, nachdem schon die ersten beiden Spiele siegreich gestaltet werden konnten. Wie wir aber nun wissen, brachte der RWE einen torlosen Punkt aus dem Tal mit nach Hause. Wobei torlos so ja nicht ganz richtig ist: Fast mit dem Abpfiff war es Marcel Platzek, der den Ball nach einer Ecke über die Torlinie beförderte. Fast zeitgleich jedoch ging auch schon der Linienrichter in Protesthaltung und bewertete das Tor abseitig. Last Minute Tor für den RWE, derlei kennen wir eigentlich immer nur andersherum. Zu schön wäre es gewesen. Der Treffer wurde nicht gegeben, das gilt es nun zu akzeptieren. Und mit einem Punkt können wir sehr gut leben in dieser noch so frühen Saisonphase. Zumal auch die anderen Ergebnisse mit der ein- oder anderen Überraschung aufwarten konnten.

Somit stelle ich einfach mal die freche Behauptung in den freien Raum, dass für Mannschaft, Fans und Verein dieser eine Punkt zum jetzigen Zeitpunkt viel besser und wichtiger ist, als deren glückliche drei in der Nachspielzeit. Und stecke meine Argumente direkt durch: Ich gehe davon aus, dass „alle Neune“ die Euphorie und Erwartungshaltung dermaßen gesteigert hätte, so dass schnell in Vergessenheit geraten kann, dass unsere Mannschaft noch ganz am Anfang steht und nicht mal im Vorbeigehen jeden Gegner besiegen kann. Dann könnte es wieder ungemütlich werden an der Hafenstraße, wo wir außer rot und weiß nur noch schwarz und weiß kennen. Dazwischen gibt es einfach nichts anderes für uns. So betrachtet also ist es durchaus von Vorteil, wenn recht früh erkannt wird, dass der RWE dieser Tage hinten ziemlich stabil steht, vorne aber ohne Frank Löning temporär ein ziemliches Vakuum entstand. Der liebevoll als „alter Mann“ bezeichnete Frank Löning also momentan unverzichtbar, geht es um die Ballverteilung allgemein oder den Torerfolg als solchen. Es braucht also noch einen Spieler im Kader, der zusätzlich Räume schaffen kann um die anderen in Szene zu setzen. Löning 2 also, fällt Löning 1 aus. Spieler klonen und backen geht leider zum Glück nicht, aber ich bin mir sicher, der Verein „ist da schon was am planen dran“.

Weiterhin wird durch so einen eher schlechteren Auftritt klar, dass auch ein Timo Brauer allein definitiv kein Garant für einen Relegationsplatz ist. Da kann er sich noch so sehr bemühen, es geht nur im Verbund miteinander. Was sich noch als die ganz große Stärke des RWE in dieser Saison erweisen wird. Da bin ich mir ganz sicher. Somit also das 0:0 gestern eher Chance, harte Arbeit und Auftrag denn Punktverlust und Frust. Die Sonne scheint immer noch über der Hafenstraße. Der düstere Himmel breitet sich aktuell eher an der Landwehr aus. Trotz Sommer(s). Vielleicht aber auch tut die aktuelle Social Media Offensive mit den Großen der Zunft der eigenen Mannschaft keinen Gefallen. Aber, das soll uns nicht tangieren.

Was wir seit gestern definitiv aber wissen ist, dass tief drunten im Tal die Dinge schon mal ganz verhaltenskreativ gehandhabt werden: Man stelle sich mal vor, in Essen an der Hafenstraße würden Sitzplätze durch den Verein doppelt belegt! Der Kunde mit der Tageskarte hat zudem Vorrang auf den besagten Sitzplatz vor dem Fan mit seiner Dauerkarte vielleicht schon von Geburt an: Auf der Geschäftsstelle würden heute viele betroffene Dauerkarten gegen Rückgeld wieder abgegeben werden. Deftige Kommentare inklusive. Auf diesem ominösen DIN-A4 Zettel gab es jedoch nicht einmal die Optionen, dass der schwerere den leichteren doch auf den Schoß nehmen kann; oder dass man sich in Halbzeit eins und zwei aufteilen könne. Zum Beispiel! Nö, der Alteingesessene hatte sich zu melden zwecks Umplatzierung. Fehler sind normal und werden überall gemacht, aber diese Schote hat jetzt schon Kultstatus…

Samstag schon geht es weiter und erwarten wir weiblichen Besuch: Nachdem uns die zickige Lotte ja verlassen hat, verbleibt mit der neureichen Vicki ja noch die andere, die wir nicht mögen. Da wartet erneut ein hartes Stück Arbeit auf unsere Mannschaft, obwohl Vicki eher wunderlich stöckelnd in die Saison gestartet ist. Der Kader wieder einmal in der Breite spitz und in der Spitze breit. Somit natürlicher Favorit auf den Relegationsplatz. Aber der schreckliche Sven wird wissen, was in dieser Woche zu tun ist und die Hafenstraße wird während des Spiel wieder schrecklich laut! Überragend einmal mehr, wieviel tausende RWE Fans sich noch nach Feierabend auf den Weg gemacht haben, um ihren Verein zu unterstützen. Da wächst wieder zusammen, was zusammen gehört!

Bon(n)mot

Die zwölfte Frau und ausgewiesene Fußballkennerin war das erste Mal zu Gast an der Hafenstraße. Ihre Sympathien gehören (vielleicht gehörten) dem Bonner SC. Ihre Tweets zu dem Gastspiel hielten sich in Grenzen, was bedeutet, dass sie das Spiel und nicht ihr Smartphone verfolgte. Löblich! Nach Mitternacht aber kam folgender Tweet über den Äther, welcher mich immer noch gefangen hält. Das erste Mal bei Rot-Weiss Essen zu Gast und doch mit einem Satz alles gesagt! Genauer gesagt, sogar exakt das beschrieben, was die Hafenstraße in guten Tagen so ausmachen kann. In schlechten Tagen, das wissen wir ja leider alle auch, spuckt sie schon mal Gift und Galle. Zwar nicht im Chor und auch nicht alle, aber doch unüberhörbar und leider auch im wahrsten Sinne der Worte.

Auch Freitag hat es nach dem Rückstand auf den Tribünen durchaus schon wieder unterschwellig gegrummelt. Dieser so schön beschriebene Moment aber, wenn Fans zum Chor werden; wenn ein irgendwo (zumeist auf der „West“) angestimmter Gesang sich stimmlich vermehrt und immer intensiver gesungen wird; wenn sich sogar auf den Sitzplätzen erhoben und zum Beispiel gemeinsam in das langgezogene „immer wiiiiieder RWE…“ eingestimmt wird; ja dann gilt immer noch und vielleicht endlich wieder: „wo sind wir Zuhause, wo wird man uns immer hören..an der Hafenstraße RWE“.

Der Bonner SC seinerseits war der erwartet schwere Gegner und es war gut, einen Gegner zu haben, den es niederzukämpfen statt an die Wand zu spielen galt. So waren direkt Tugenden gefragt, die der RWE in der jüngeren Vergangenheit einfach nicht aufrufen konnte. Es ging nur über den berühmten Kampf zum Sieg, mit Einsatz und dem unbedingten Siegeswillen. Und es hat erneut zu den drei Punkten der Glückseligkeit gereicht, die in Anbetracht der herausgearbeiteten Chancen auch mehr als verdient waren. Dienstag schon gehts weiter. In das Tal an den Zoo. Nach dem Spiel für eine Mannschaft das Tal der Tränen und die andere froh. Heimspiel in Wuppertal. Nur der RWE!

Es sind 34 Spieltage bis Saisonende, wir haben einen vollen Tank, ein halbes Päckchen Zigaretten, es ist dunkel und wir tragen Sonnenbrillen.

Nun meinten Elwood und Jake Blues seinerzeit sicher nicht den langen Weg durch die diesjährige Regionalliga, sondern ihren Weg nach Chicago. Aber in etwa so könnte es sich doch zugetragen haben, die letzte Ansprache des Trainers vor dem gestrigen Spiel in Wiedenbrück. Vielleicht, oder sogar ziemlich sicher, war nicht die Rede von Zigaretten, Dunkelheit und Sonnenbrillen. Aber der RWE Tank, der war definitiv voll! Mannschaft und Fans mehr als breit. Bereit natürlich.

Obwohl noch lange nicht bereit für einen Stadionbesuch hat man durch Freunde und digitale Medien doch das Gefühl, so gut wie live vor Ort zu sein. So kribbelte es wie üblich schon Stunden vor Anpfiff, wusste man doch die ersten auf der Autobahn. Litt man mit denen, dessen Reifen platzte und freute sich über den Verein, der seinerseits sofort via besagte Medien einen Aufruf pro Ersatzbus startete. Der Bus kam und auch die Fans irgendwann somit an. Rund um das beschauliche Stadion in Wiedenbrück herrschte ein rot-weißes Gewusel. Gästeblock mit Stahl davor, so dick wie seinerzeit in Cloppenburg nebst entsprechend schlechter Sicht; Dixi Klos mit Szene Kleber und erste Bilder der Berichterstatter auf Twitter und im Liveticker.

Alles war also angerichtet für eine neue Saison, die uns einige Jahre vergessen machen möchte. In den letzten Wochen und Monaten haben wir immer wieder durch kurze Statements gehört, warum der RWE binnen drei Jahren aufzusteigen hat. Nicht, dass wir das nicht selbst wissen, schließlich ist unser Verein für uns schon immer erstklassig mindestens drittklassig. Aber es wurde jetzt wirklich langsam an der Zeit, dass die Spieler den Ball laufen und das Spiel für sich sprechen lassen. Um 14.00 Uhr gestern war es dann endlich soweit: der Anpfiff erfolgte und mit ihm begann eine ununterbrochene Unterstützung aus dem Lager der RWE Fans. So gut wie alle im Trikot; Fahnen, Luftballons, Konfetti und dergleichen in Vereinsfarben….ein herrlich friedliches „Chaos“, welches einen Hauch von Lateinamerikanischer Anarchie und (Fußball-) Leidenschaft vermittelte. Die Fotos sprechen für sich.

Was nun das Spiel anbelangt, so kann es dann doch nur in Bruchstücken verfolgt werden, die zudem aus kurzen, subjektiven Sätzen bestehen. Vielleicht trotzdem noch mit besserer „Sicht“ auf das Spiel, als bisweilen aus dem Gästeblock heraus.  Der RWE hinten stabil und mit guter Vorwärtsbewegung, ohne die traditionell kampfstarken Wiedenbrücker in Grund und Boden zu spielen. Wer das erwartet hatte, sollte seine Beziehung zum Fußball grundsätzlich einmal überdenken. All das gelesene trug aber zur Beruhigung bei, denn hier schien endlich wieder eine Mannschaft mit System (und in dem Bewusstsein der eigenen Stärke) für den weltbesten Verein auf dem Feld der Hoffnung zu stehen. In der 41. Minute war es dann Frank Löning, der zum 1:0 für den RWE traf. Der Gästeblock explodierte förmlich vor Freude.

Eines wurde jetzt auch schon am Ticker, Radio & Handy deutlich: In den letzten Jahren nahm die Angst mit jeder Spielminute zu, dass der Gegner irgendwann doch zum Ausgleich oder gar Siegestreffer kommen konnte, da unsere Mannschaft hinten in alle Einzelteile zerbrach und unsere Torhüter oftmals im Stich ließ. Das Gefühl mochte sich gestern einfach nicht einstellen, so sehr ich es auch schlicht aus Gewohnheit erwartete. Das Gegenteil war der Fall: Rot-Weiss Essen zauberte auch in Halbzeit zwei nicht den Schwanensee auf das grüne Geläuf, aber agierte konzentriert und als Mannschaft. Als dann noch Timo Brauer seinen Mitspieler Marcel Platzek mit den Worten „Mach Meter, mach Meter!“ anstachelt, so musste man unweigerlich an das legendäre „Quäl dich, du Sau!“ von Udo Bölts Richtung Jan EPO Ullrich denken. Marcel Platzek nahm sich der Worte an und rannte fortan wieder wie weiland Forrest Gump ohne Pause über das Feld. In der 66. Minute war es dann besagter Timo Brauer, welcher zur 2:0 Führung und Endstand traf. Der daraufhin folgende Jubelsturm war bis Nordhorn (der Wind stand günstig) zu hören und der Torschütze selbst wollte vor Freude fast durch den Gitterzaun rennen. Wahrscheinlich sind die Stäbe daher so dick.

Abpfiff! Die erste von 34 Etappen siegreich gestaltet. Und egal auf welches Foto und in welche rot-weiße Seele man auch im Anschluss schaute und immer noch schaut: Eine Mischung aus kaum mehr gekannter Freude und riesengroßer Erleichterung war überall zu sehen. Noch lange keine uneingeschränkte Glückseligkeit oder Euphorie; aber grundehrliche Freude über eine geschlossene Mannschaftsleistung. Rot-Weiss Essen und seine Fans haben sich einmal mehr wieder die Hände gereicht. Vielleicht lassen sie sich diese Saison endlich mal nicht mehr los, sondern marschieren Hand in Hand von Spiel zu Spiel. Und wenn es dann Rückschläge geben wird, dann hilft man sich halt gegenseitig aus dem Dreck. Eines haben Mannschaft, Trainerteam und Verein jetzt schon geschafft: Vorfreude auf das nächste Spiel zu schüren. Vorfreude und der RWE. Klingt noch zu gut um wahr zu sein.

Der schreckliche Sven

Aus dem Blickwinkel der Testspielgegner und deren Verantwortlichen betrachtet könnte der Verdacht naheliegen, als sei der schreckliche Sven über sie hergefallen. Zumindest suggeriert das Torverhältnis dieser Begegnungen überfallartigen Fußball. Nun wissen wir natürlich, dass Ergebnisse aus Testspielen in etwa einen ähnlichen Wert besitzen, wie die Punktevergabe beim Eurovision Song Contest oder diversen Werbeversprechen. Für den RWE und seine Angestellten in den kurzen Hosen dürften diese Erfolge trotzdem durchaus einen kleinen Hormonschub Richtung Selbstvertrauen gegeben haben (Der vergangenen Saison geschuldet).

Der Fokus solcher Spiele liegt auf den ganz speziellen Dingen und Erkenntnissen, die ein Trainerteam sich erhofft, erwartet und einstudiert sehen will. Aber wir wären nicht Rot-Weiss Essen, wenn auch Erfolge in Vorbereitungsspielen direkt  wieder die Nörgler auf den Plan rufen würde. Bisweilen wurden die Gegner für zu leicht befunden oder fehlte der ganz große Name. Vielleicht hätte uns ein Bundesligist die Tribünen voll gemacht, möglicherweise aber auch viele Tore zur Saisoneröffnung eingeschenkt; es wäre auch wieder der falsche Ansatz gewesen! Eigentlich jedoch war in jedem dieser Vorbereitungsspiele der große Name immer mit am Start: Rot-Weiss Essen, so lautet der große Name. Wir ziehen die Dinge jetzt einfach mal ganz anders auf, betrachten die Saison nicht mehr von allen Seiten, sondern lediglich aus rot weißer Sicht. Wir sind RWE!

Und so konnten sich die oft gescholtenen der letzten Jahre; die wohlwollend begrüßten Neuzugänge und ein herzlich empfangener Rückkehrer im positiven Sinne von Spiel zu Spiel kennenlernen. Die richtigen Laufwege bedarf es schließlich auch gegen eine Thekenmannschaft. Und wenn dann sogar noch gegen einen Zweitligaaufsteiger ein Erfolg nach beeindruckender Mannschaftsleistung herausspringt: Ja dann sind wir immer noch nicht direkt in der Relegation! Aber haben allesamt ein Stück Selbstwertgefühl zurückgewonnen, welches uns in den letzten Jahren sportlich Stück für Stück abhanden gekommen ist.

Da wir uns schon im Titel mit einer Figur aus „Wickie und die starken Männer“bedient haben, so mutet auch alles um die Mannschaft herum wie ein genialer Gedankenblitz des jungen Wickie an: Schon seit vergangenem Herbst wurde sich ständig unter die Nase gerieben, um schnell DIE Idee zu finden, wie man auch Essen wieder für den RWE begeistern kann und umgekehrt. Je mehr Hoch3 aktuell, desto größer auch Ahnung und Gewissheit, wie sehr vergangene Saison der drohende Abstieg als Zentnerlast auf den Schultern aller daran Beteiligten gelegen hat.

Eine Marketingleistung sondergleichen. Hier wurde leidenschaftliche Überzeugungsarbeit geleistet und umgesetzt. Und das Erstaunliche daran: Fans, Stadt, Mannschaft….alle scheinen die Marketingoffensive im Gleichschritt mit Leben zu füllen. Schon unglaublich, wie unsere große Liebe uns immer wieder auf das Neue enttäuschen kann. Sobald sie aber wieder das kleine Rote anzieht und mit ihren Reizen winkt, sind wir doch fast alle direkt wieder hin und weg von ihr. Es steht zu befürchten, dass diese Truppe hinter der Mannschaft selbst das goldene Blatt zu einem Lifestyle Magazin mit hoher Auflage unter Jugendlichen pushen könnte. Aber das ist ja zum Glück nicht unsere Baustelle.

Die nächste Baustelle aus sportlicher Sicht hingegen ist immer der nächste Spieltag. In diesem Falle der Erste! Saisonstart der Saison 2016/17 in Wiedenbrück beim dortigen Sportclub. Das Gästekontingent ist komplett ausverkauft, so dass sich am Sonntag die Rote Reisegruppe in großer Zahl gen Ostwestfalen auf den Weg macht. Allen gemeinsam der Wunsch, dass das kleine Pflänzchen Hoffnung nicht schon im ersten Spiel einen Dämpfer erleidet. Richtig geil wäre ja ein dreckiges 0:1 in der Nachspielzeit. Alles kegelt im Block durcheinander, die Mannschaft auf dem Zaun. Man darf ja mal träumen. Aber selbst, wenn es ganz anders kommen sollte: Bitte nicht gleich wieder alles verdammen.

Zuvor aber morgen noch die Vorstellung des neuen Brustsponsors, welcher uns dann optisch auf den Trikots durch die Saison begleiten, und demnächst sicher auch in vielen Kleiderschränken zu finden sein wird. Eine ziemlich spannende Angelegenheit also, die im Zuge von Hoch3 immer wieder zu interessanten Diskussionen im kleinen Kreis geführt hat. Zwischen einem „Big Player“ der Region oder Stauder für die Seele….so ziemlich alles ist in den Vorschlägen vertreten. Schön wäre ja durchaus auch ein Engagement der Zeitschrift 11Freunde. Man stelle sich einmal vor, Elf Spieler laufen mit 11Freunde auf der Brust auf. Welch eine Ansage für den Gegner. Natürlich gibt es die vielzitierten „Elf Freunde müsst ihr sein“ der Ära Sammy Drechsel nicht mehr. Eine Mannschaft umfasst natürlich mehr Spieler. Und es würde reichen, wenn sie alle zusammen endlich wieder eine richtige Mannschaft an der Hafenstraße bilden würden. Freunde, die zusammensteh`n, die finden sich dann schon zu Tausenden schnell wieder auf den Tribünen ein.

Die Saison kann beginnen und endlich kann dieses bisher so suboptimal gelaufene  Jahr 2016 zeigen, dass es auch gutes zu bieten hat. In Essen. An der Hafenstraße. Nur der RWE!

 

 

 

Blog3/2

Es war der zweite Test; aber der erste vor heimischen Publikum. Gehen wir einmal wohlwollend davon aus, dass fast alle Besucher des wie immer vorzüglich organisierten „Auf Asche“ Tages auch Fans oder wenigstens Interessierte des und am RWE sind.

Heimpremiere der Mannschaft für die Saison 2016/17 also. Die ersten Minuten nach einer Saison, welche in die Geschichtsbücher als „Saison der langen Gesichter“ eingehen wird. Als diese endlich abgepfiffen wurde, hatte eigentlich keiner mehr wirklich Lust auf seine Liebe RWE. Kein Paartherapeut schien das wieder einigermaßen auf die Reihe zu bekommen. An Sex war schon lange nicht mehr zu denken; gekuschelt wurde auch nicht mehr und zu sagen hatte man sich (leider) auch nichts. Der Sandsack schien der einzig gangbare Weg, seine Emotionen in halbwegs geordnete Bahnen lenken zu können.

Der Sandsack der digitalen Welt nennt sich Forum und entsprechend ging es auch dort zur Sache. Wir waren alle so auf, und konnten es folglich fast gar nicht glauben, was sich in den letzten Tagen und Wochen rund um die Hafenstraße dann so alles tat. Da steht ein Verein am Abgrund, eigentlich sind wir alle bereit, ihn aus Enttäuschung in selbigen zu stürzen. Doch was macht der RWE? Er dreht sich um und sagt: Wir wollen aufsteigen! Im ersten Moment denkst Du bei dieser Botschaft, zu diesem Zeitpunkt zudem, doch: „Egal was Du (mein RWE) genommen hast, ich will das nicht“! Kurz nachgedacht aber stellen sich die Nackenhaare steil, kommt das Blut in Wallung und will man dass auch, was der RWE genommen hat. Man reicht also dem am Abgrund stehenden RWE die Hand und hört sich wenigstens erst einmal an, was er zu sagen hat.

Das wurde also ausgiebig getan, denn die Haltung vieler Fans war geprägt davon, trotz berechtigter Skepsis die klare Aussage von Verein und neuerdings auch Stadt wohlwollend zu honorieren. Viele taten das sogar Hoch3 und gaben mehr, damit der Verein auch mehr kann. Und sicherten sich so eine Gegenleistung für den Fall der Fälle. Dann kam das nächste Signalfeuer von der Hafenstraße in Person von Timo Brauer. Allen bekannt als Essener, der gut kicken kann. Lange hat der RWE in Person seines Vorsitzenden um Timo Brauer geworben. Und wie wir alle wissen, kam es zu der von vielen so ersehnten Vertragsunterzeichnung. Eine Per­so­na­lie, die fast für eine Welle der Euphorie sorgte, und sicher auch Hoch3 weiter untermauert. Nun kann aber Timo Brauer weder über Wasser gehen, noch das Meer teilen. Sondern ist er ein Spieler unter vielen. Belasten wir ihn und sein Spiel also nicht mit zu hohen Erwartungen. Ich glaube, er möchte sich auch gar nicht in den Mittelpunkt gestellt wissen.

Es gilt nun für Sven Demandt und sein Team, aus verbliebenen und den neu hinzugekommenen Spielern eine Mannschaft zu formen, die diesen Namen auch verdient. Hier zählen nicht mehr nur Taktik, Tore und Triumphe, sondern auch das Miteinander. Auch wenn der rational denkende Fußballfan jetzt die Hände über den Kopf zusammenschlagen mag ob der Phrasendrescherei: Es geht nun mal nur gemeinsam. Die EM hat einige positive Beispiele geliefert. Übrigens auch auf den Tribünen! Fans tragen die Mannschaft und die Mannschaft trägt die Fans. Ich weiss: Nicht planbar und manch zerbrochenes Porzellan muss noch zusammengekehrt und gekittet werden. Aber wir haben wenigstens unseren gemeinsamen Nenner wiedergefunden. Zumindest bis zur ersten Niederlage. Und die bisherigen Testspiele lassen sich doch gut an.

Hallo 2016/17…

…“Please don’t take me home, I just don’t wanna go to work, I wanna stay here and drink all your beer“

Das Gesetz der Trägheit

Ungekannte Gefühle machten sich vor diesem Spiel breit: So etwas wie Vorfreude schlich sich ein. Tatsächlich: Ich freute mich auf das Spiel des RWE gegen den Nachbarn aus Oberhausen. Aber warum eigentlich? Vielleicht weil es bis auf weiteres der letzte Besuch sein dürfte, oder weil sich die sportliche Situation etwas entspannt hatte? Auf die Freunde vor Ort oder auch darauf, Fritz Herkenrath zu Ehren applaudieren zu dürfen? Zwei Tage danach gibt es keine Antwort mehr auf diese Frage, denn die eigenen Mannschaft hat einmal mehr und diesmal so richtig ohne Ansage enttäuscht. Vor dem Spiel jedoch ging es nach Monaten mal wieder mit der „RWE Hit Mix CD“ an Bord auf die Reise gen Glutofen Essen. Lautstark mitgesungen wurden etliche Fanbusse eines benachbarten Bundesligisten  überholt. Denn sie wissen nicht was sie tun!

Warum nun schon um 13:00 Uhr angepfiffen werden musste, konnte nicht so richtig in Erfahrung gebracht werden; der guten Laune rund um das Stadion tat es aber scheinbar keinen Abbruch, sollte doch der endgültige Klassenerhalt ( Für temporäre Leser: tatsächlich Klassenerhalt, nicht Relegationsplatz oder dergleichen!) hier und heute gesichert werden. Nur unsere Mannschaft jedoch, die hat davon leider nicht viel mitbekommen! Würde man von Stehgeigern oder von Sommerfußball sprechen, so würde man jeden Stehgeiger und jeden Sommerfußballer prinzipiell beleidigen. Welch blutleere und fast pomadige Vorstellung in der ersten Halbzeit. Zugegebenermaßen von beiden Mannschaften! Vielleicht hatte ja doch die ungewohnte Anstoßzeit inklusive ebenso ungewohnt hoher Temperaturen seine Finger mit im Spiel. Das war bei allen schlechten Spielen in dieser schlechten Saison definitiv die schlechteste Halbzeit. Paradox wirkte im Verhältnis dazu die nimmermüde und durchgängige Anfeuerung von der „West“.

Mit dem Ende der torlosen ersten Halbzeit rissen die schlechten Nachrichten allerdings noch lange nicht ab: Denn es folgte ja tatsächlich noch eine zweite Halbzeit, die es zu überstehen galt. Hätte man abstimmen lassen, ob weitergespielt oder das Spiel zur Halbzeit als beendet gewertet werden dürfte, so hätten sich die allermeisten der geduldigen  Zuschauer sicher für das sofortige Ende entschieden. Natürlich wurde die zweite Halbzeit gespielt; lag der Fokus zudem immer noch auf die Beruhigung der Seele durch die möglichen drei Punkte auf dem Platz. Wenn die erste Halbzeit nun überhaupt eine sportlich verwertbare Erkenntnis brachte, dann die, wie wichtig ein Benjamin Baier aktuell für unser Spiel ist. Jemand der wenigstens einmal aus der zweiten Reihe den unverhofften Schuss ansetzt, und auch mal die eigenen Mitspieler wachrütteln kann. Dem neuen Trainer jedoch wurde endgültig und deutlich deutlich vor Augen geführt, auf welches Abenteuer er sich mit der aktuellen Mannschaft eingelassen hat.

Der Nachbar aus Oberhausen, selbst auch in dieser ersten Halbzeit nicht die hellste Kerze auf der Spieltorte konnte in der zweiten Halbzeit gar nicht mehr anders, als die Essener Trägheit mit Toren zu bestrafen. Endlich wurde das Betteln erhört, in Rückstand zu geraten. Blitzsauber wurde zweimal die Abwehr ausgehebelt und an Heimann vorbei eingeschoben beziehungsweise reingestochert. Man lacht an der Emscher wahrscheinlich noch immer darüber, wie simpel das an diesem Samstag möglich wahr. Vielleicht war es Galgenhumor, oder die Freude an einem wirklich gelungenen, neuem Lied auf der Tribüne: Die „West“ sang unverdrossen weiter, es kamen keine Schmähungen gegen die eigene Mannschaft, die es ansonsten schon bei wesentlich  besseren Leistungen und Rückstand gegeben hätte. Das Werfen von Gegenständen sollte trotzdem und überhaupt endlich einmal unterlassen werden! Wir sind nur noch auf Bewährung auf den Tribünen! Eine Atmosphäre also , die in der Beziehung zwischen den Geschehnissen auf Rasen und Tribünen einem Verwirrspiel glich.

Es wurde also nichts mit dem vorzeitigen Klassenerhalt. Wie dumm auch von uns Fans, das von der aktuellen Mannschaft zu erwarten. Wie dummdreist aber auch von nicht einmal einer Handvoll trunkener und scheinbar von Sonnenstich  geplagten Besuchern die Aktion, die Würde eines gegnerischen Spielers anzutasten. Das geht in keinster Weise und wurde entsprechend im Spielverlauf von Leon Binder kommentiert und geregelt. Eine bedauernswerte Randnotiz, die im Spielverlauf außer den Beteiligten selbst wirklich kaum einer mitbekommen hat. Ich denke, dann hätte es einen größeren Aufschrei gegeben. So jedenfalls war der Weg frei für den Berichterstatter der RevierSport, den RWE einmal mehr unter Generalverdacht zu stellen.

Rot-Weiss Essen benötigt in der kommenden Saison nicht nur endlich wieder eine Mannschaft, die diesen Namen und unser Trikot auch verdient; sondern auch eine Berichterstattung, die sich mit Fakten und Fußball beschäftigt, anstatt in Boulevard Manier Geschehnisse oder Gesagtes aus dem Zusammenhang zu reißen und auf mögliches Fehlverhalten einiger weniger zu warten. Wir sind nicht doof, wir Fans wissen doch, dass der RWE nicht sonderlich gut gelitten ist im Hause RevierSport. Wir wollen keine Hofberichterstattung, denn das ist auch keinem zuträglich! Aber ich glaube, Verein, Fans und natürlich auch auch Medien ihrerseits haben ein Recht auf eine gegenseitig faire Behandlung. Auf gut recherchierte Beiträge, deren Inhalte den Sachverhalt erzählen und nicht auf eine reisserische Überschrift, der kaum  wirkliche Fakten folgen, dafür aber Klicks generieren . Wenn in längst vergangenen Tagen vielleicht mal Fehler auf beiden Seiten gemacht wurden, dann ist es an der Zeit, nun einen Punkt zu setzen. In Münster zum Beispiel hat diese Form der Berichterstattung leider auch Überhand genommen, was die Preußen gar zu einem offenen Brief veranlasste. Weniger ist manchmal mehr! Die WAZ Essen kann es doch auch, berichtet sportjournalistisch und den Tatsachen geschuldet. Und das sicher nicht nur, weil die West ihren Namen trägt.

Diesen finalen Punkt können wir alle ja bald auch endlich unter die aktuelle Saison setzen. Gottseidank. Nie zuvor habe ich so viele Fans so müde erlebt. Veteranen in Rot und Weiß, der ständigen Enttäuschungen überdrüssig. Vielleicht kann ja  kommenden Samstag endlich der Klassenerhalt geschafft werden und dann das Endspiel im Europapokal der Landesmeister gegen den Wuppertaler SV die Saison wenigstens auf Papier und Konto halbwegs noch retten. Nur der RWE!

Srivaddhanaprabha

Weit nach Mitternacht noch Udo Lindenberg zu hören, dass geht nur mit einem Pils dabei und hört sich allein von seinen Texten schon nach Kneipe an. Melancholie macht sich breit. Melancholie kann ich gut. Pils habe ich auch noch. Zeit und Muße also, die Dinge der letzten Tage einmal zu sortieren. Gestern haben wir die traurige Nachricht bekommen, dass Fritz Herkenrath bereits am 18. April dieses Jahres im Alter von 87 Jahren verstorben ist. Geboren in Köln, feierte Fritz Herkenrath seine größten sportlichen Erfolge hier an der Hafenstraße in Essen. Ein tadelloser Sportsmann alter Schule; Schultätigkeit nach der Karriere. Die Meistermannschaft von 1955 nun vollzählig versammelt im Himmel; hier unten auf Erden kann jetzt keiner mehr davon erzählen. Wir zehren nunmehr endgültig von den Erinnerungen an längst vergangene, sportlich so erfolgreiche Tage. Niemals jedoch werden wir diese Fußballer vergessen, die unserem Verein so viel Gutes beschert haben. Auf ewig werden wir hoffentlich ihr Andenken bewahren und ihnen Samstag gedenken.

An der Hafenstraße dieser Tage ist es momentan relativ ruhig geworden. Die Kommentarspalten schwappen nicht mehr über vor Verzweiflung, Wut und dem Strafbestand der Beleidigung. Sieben Punkte aus den letzten drei Spielen sorgten für eine kaum mehr gekannte Entspannung des rot-weißen Herzmuskel. Wir alle hatten den Rubikon Richtung Abstiegspanik gefühlt längst überschritten; normal war doch keiner in den letzten Wochen und Monaten unterwegs. Wir wussten und wissen alle: Ein Abstieg diese Saison und den Mythos können wir uns definitiv von der Backe putzen. Sieben Tage, vierundzwanzig Stunden Angst. Das zehrt an den Nerven. Das kostet Kraft. Unbezahlter Bluthochdruck vom Feinsten. Fan eines aktuell mäßig begabten Viertligisten zu sein geht an die Substanz, und ist unter dem Strich doch so viel mehr wert, als ein Ausscheiden im Halbfinale der Champions League. Ich möchte nicht tauschen. Nie mehr!

Ziemlich zeitgleich bejubelt gefühlt die ganze Fußballwelt die erste Meisterschaft des bis dato relativ unbekannten Vereins Leicester City aus England. Diese leider nicht auf dem grünen Rasen, sondern erst einen Tag später auf dem Sofa errungen. Chelsea sei Dank. Warum aber dreht die ganze Fußballwelt nun frei und mutiert zu Füchsen, obwohl aus Tradition eher den Reds zugetan? Auch Leicester City ist kein Verein mehr alter Prägung und hat mit Vichai Srivaddhanaprabha einen Milliardär als Eigentümer. Formal also nicht wirklich viel anderes als in den Akten Hopp,Mateschitz oder Abramowitsch zum Beispiel. Im diesjährigen Ranking, die finanzielle Kaderschwere betreffend, rangieren die „Foxes“ in England auf Platz 12 und 127 Millionen Euro in den Beinen. Was übrigens und interessanterweise in Deutschland den monetären Platz 7 einbringen würde. Insgesamt wird der Kader momentan auf 300 Millionen britische Pfund taxiert. In etwa also dem Börsenwert von ISDT.

Ich glaube, die Freude mit und am „Meister Leicester City“ liegt einem ganz anderem Faszinosum zugrunde: Nämlich dem der Meisterschaft und dem Wettkampf, der zur selbigen führen kann. Oder eben auch nicht. Auch in Leicester wird nicht mit Peanuts bezahlt, aber hier hat sich eine Mannschaft gefunden, die fast abgestiegen, ein Miteinander entwickelt hat, welches finanzielle Schwergewichte auszuhebeln verstand und der Basis endlich wieder die Hoffnung zurückgeben konnte, dass Fußball Wettbewerb und nicht nur Scheckheft ist. Der britische Fan war es leid, immer nur die selben Vereine um die Meisterschaft spielen zu sehen. Und man kann es auch nachvollziehen. Was wäre hierzulande wohl los, würden der 1.FC Köln, die SG Eintracht Frankfurt oder unser aller Rot-Weiss Essen in einem Par­force­ritt sondergleichen die Meisterschale holen?  Die Sympathien aller wären für ein Jahr gesichert.

Vielleicht geht es auch noch ein Stück weiter: Karl-Heinz Rummenigge zum Beispiel will Setzlisten und somit die altbewährten Wettbewerbe quasi am Nasenring durch die imaginäre Arena ziehen. Nee, er kann sich seine Setzlisten sonstwo hinstecken! Gewinner wird nur, wer die Wettbewerbe annimmt,  übersteht und nicht plant. Leicester City hat den Wettbewerb angenommen und diesen gewonnen. Das wohl die einmalige Faszination aktuell um einen Meistertitel in England. Rot-Weiss Essen muss noch viel trainieren um eines Tages überhaupt in den Wettbewerb um die deutsche Meisterschaft einsteigen zu können. Aber wir würden dann keine Setzlisten, sondern Gegner wollen.

Samstag nun aber erst einmal Oberhausen der Gegner. RWE gegen RWO. Bis auf weiteres das letzte Spiel in einem Stadion, gilt es ja alsbald den eigenen Wettbewerb anzutreten und natürlich zu gewinnen.

Es kommt im Leben nicht darauf an wie viel Du austeilst, sondern darauf, wie viel Du einstecken kannst!

Welch kollektive Erleichterung nach dem Schlusspfiff. Welch Freude allerseits, außer natürlich im Gästeblock und vielleicht auch bei denjenigen auf der „Rahn“, die noch erhöhten Diskussionsbedarf mit einigen unserer Spieler hatten. Glückwünsche sehen anders aus! Rot-Weiss Essen hat Alemannia Aachen in einem bisweilen vogelwilden Spiel mit 3:2 bezwungen. Nicht zuletzt auch deshalb, weil Leon Binder kurz vor Schluß einen Ball regelkonform vor der Linie erreichen und somit den Ausgleich für die Alemannia verhindern konnte. Bis zu diesem so erlösenden Moment des abschließenden Pfiffes hat der RWE in den letzten Wochen verdammt viel eingesteckt, um das Zitat aus „Rocky“ einmal mit in den Text einzupflegen.

Das Stadion Essen gut gesichert an diesem Sonntag! Selbst auf der Anfahrt über Gladbeck hockten schon lange vor Spielbeginn Einsatzkräfte in ihren Fahrzeugen und starrten eher gelangweilt auf ihre Handys. Es ging schließlich nicht nur gegen einen alten Westrivalen, sondern auch gegen den Abstieg. Und da es in den letzten Wochen immer weniger gelang, die Emotionen regelkonform unter Kontrolle zu halten, galt das Augenmerk wohl mehreren möglichen Brennpunkten. Aber neben dem Endergebnis gab es eine weitere schöne Nachricht: Es gab im Spiel und auch danach keine Brennpunkte im und um das Stadion herum. Im Gegenteil: Auf den Rängen wurde genau so aufopferungsvoll unterstützt, wie auf dem Spielfeld um den Ball und das Spiel gekämpft. Danke dafür!

Der RWE erwischte einen Start, wie er besser wohl nicht sein könnte, ging plötzlich und unerwartet mit 2:0 in Führung. Und doch gelang es unserer Mannschaft nicht, nun die Kontrolle über das Spiel zu erlangen. Zu „gallig“ die Aachener und zu verunsichert die Essener, was das eigene Spiel betrifft. Aber nach all den vergangenen Wochen auch nicht verwunderlich, hat der RWE doch permanent eingesteckt, anstatt auch nur ansatzweise austeilen können. Und so ist es unter dem Strich eigentlich egal, wie der Erfolg zustande kam, hält er uns alle doch über jenem ominösen Strich und lässt einen etwas normaleren Puls für den Moment wieder zu. Zurück aber zur Unterstützung des Publikums: Beide Vereine haben ihre große Anhängerschaft sicher mehr als enttäuscht und verbleiben definitiv weiter im Kellergewölbe des Fußballs moderner Prägung. Und doch war das im Stadion einmal mehr als nur vierte Liga. Es war Fußball! Es war Atmosphäre und es war spannend. Die Fans auf der West und alle anderen im Stadion haben den gerade wohl einzig gangbaren Weg gewählt: Es ist „Playoff“ Zeit an der Hafenstraße, und in der fiktiven Serie „Best of Six“ geht es eben nur gemeinsam. Und gemeinsam wurde auch die Alemannia bezwungen. Vielleicht setzt das nun für die verbleibenden fünf Partien jene Kräfte frei, die wir bisher alle so vermisst haben. Auf und neben dem Platz.

Apropos neben dem Platz: Bisweilen nehmen wir Fans schon eine ziemlich egoistische Grundhaltung ein und denken stets nur an unser eigenes Wohl; hacken auf der Mannschaft herum, die einmal mehr unser aller Erwartungen nicht erfüllt hat. Aber vergessen wir nicht diejenigen, die nicht auf dem Platz stehen, und doch so viel für unseren Verein leisten, zudem genauso leiden? Deren Arbeitsplätze durch die Leistung auf den Plätzen mehr als gefährdet sind, und die doch immer wieder dafür sorgen müssen, dass der Vereinsalltag weiter geht; die sozialen Netzwerke weiter gefüttert werden und die  Journaille zu ihren Auskünften kommt. Die Geschäftsstelle von Rot-Weiss Essen dieser Tage gleicht emotional dem Spiegelbild der Mannschaft auf dem Platz! Und doch können die administrativen Mitarbeiter am wenigsten für die aktuelle Situation, legen sie doch ihr berufliches Schicksal in die Füße der eigenen Mannschaft. Vielleicht denken wir in den kommenden Wochen auch einmal an sie: Unsere guten Seelen im Hintergrund, welche das Gefühl Hafenstraße nicht nur leben, sondern auch arbeiten. Fakt ist, und das hat der vergangene Sonntag einmal mehr gezeigt: Es geht sicher ohne Sport1, aber niemals gegeneinander! Spiel zwei der „Best of Six“ Serie beschert dem RWE nun kommenden Samstag wieder ein Heimspiel, wenn auch auswärts in der Mondpalast Arena zu Wanne-Eickel. Der Gegner ist machbar, kommt er doch aus Gelsenkirchen.

Zu guter Letzt noch etwas in eigener Sache: Zur Buchveröffentlichung am 1. Mai wird auch der Blog in den nächsten Tagen renoviert und hübsch gemacht. Die Schrift eine andere, das Erscheinungsbild auch ein wenig anders, die Texte nun komplett einsehbar. Ich hoffe es gefällt. Über konstruktive Kritik würde ich mich sehr freuen. Und doch könnte und wird es sowohl in Blog und Facebook Auftritt von „ISDT“ in den kommenden Wochen und Monaten etwas ruhiger werden. Der Grund ist dieses Arschloch von Krebs, welches sich bösartig eingenistet hat. Ich bin zwar  überzeugt davon, den Kampf genau so erfolgreich zu gestalten, wie der RWE den seinen gegen den Abstieg. Aber ich habe eine Bitte: Geht zur Vorsorge! Scheißegal wie unverwundbar Ihr Euch auch halten mögt. Es geht um Euer Leben. Und wir alle wollen doch eines Tages gemeinsam Aufstiege feiern. Nur der RWE!

Was sind wir alle schon gegen den Verein?

Nichts! Und ohne den Verein wären wir auch alle gar nicht hier. Wir würden uns nicht kennen, sofern wir uns denn überhaupt kennen. Wir hätten nichts, worüber es sich aufzuregen lohnt, oder worüber wir uns gemeinsam freuen könnten. Auch das soll ja vorkommen! Es kommt vielleicht seltener vor als ersteres. Aber diese Momente, freudetrunken in den Armen eines anderen zu liegen, den man weder kennt, noch zuvor gesehen hat, die vergisst man nie. Und warum liegen wir in den Armen eines oder einer anderen? Die Antwort liegt auf der Hand, sicher aber auch am Schal selber Farbe um den Hals des oder der anderen. Wir teilen also Freude und Leid miteinander. Nun galt es in den letzten Monaten eher Leid miteinander zu teilen, war die Zeit auch noch so schwer. Für uns aber warst Du immer wer; auch wenn es mitunter den Anschein hatte, als hätten wir den Glauben an unseren Verein verloren.

Handelnde im Fokus, Kommentare bisweilen für den Lokus. Kritik für Kritisierende und Unverständnis untereinander. Wenn ein Verein wie Rot-Weiss Essen scheinbar unaufhaltsam dem Abgrund entgegentrudelt, so liegen die Nerven bei allen, die es mit dem RWE halten, mindestens so blank wie das Konto von Schalke 04. Da ist dann nichts mehr, was Zuversicht und Halt vermitteln könnte. Alles leer. Der emotionale Dispo ist ausgeschöpft, seine horrenden Zinsen zerren zusätzlich an den Nerven. Alles scheiße! Es gibt rational keine Antwort mehr auf all die Fragen, die einem tagtäglich rund um den RWE gestellt werden, oder auf die, die man selber hat. Die Netzwerke in Rot und Weiß werden angezapft; es wird sich gegenseitig Mut gemacht oder sich in Galgenhumor geübt. Momente in denen Du, ja auch Du! Merkst, was eigentlich wirklich nur zählt! Denn unter dem Strich landen wir immer wieder bei unserem Verein. Wir kommen immer wieder auf den gemeinsamen Nenner Rot-Weiss Essen. DU bist unser ABC, unser großes Einmaleins.
Wie ein Magnet ziehst du uns an!

Wie gerne würden wir alle doch den ganzen Dreck vergessen, steht doch der Verein grad in Flammen. Aber der Verein hat gehandelt. Es wird gelöscht und die Mannschaft wahrlich nicht in Watte gepackt; sondern in Ansprache eher an die Ehre und sportliches Vermögen erinnert. Hier und jetzt zählen keine Einzelschicksale mehr. Hier und jetzt geht es einzig um unseren Verein. Hier und jetzt geht es um Rot-Weiss Essen. Eigentlich das Größte, was wir alle jemals besessen haben und besitzen werden.  Okay, ein toller Job nebst gutem Kontostand bieten vielleicht gute Perspektiven, und doch niemals die Intensität einer Saison mit unserem RWE. Freitag geht es nach Ahlen. Darauf reimt sich jetzt nichts großes, aber vielleicht ist dieser Freitag endlich die Kehrtwende für unseren Verein in dieser doch so aufreibenden Saison. Und vielleicht nehmen wir einfach auch mal wahr, wie sehr viele Menschen gerade mit Rot-Weiss Essen hoffen und bangen. Sie tun das nicht für uns Fans des RWE; sie haben zudem ihre eigenen Vereine. Aber sie tun es, weil der RWE einfach etwas ganz Besonderes ist. In guten wie in schlechten Zeiten. Alle nach Ahlen. Nur der RWE!

Es rappelt in der Kiste…

Spätestens nach der samstäglichen Niederlage gegen Tante Lotte war klar, was eigentlich schon seit Wochen klar war: Mit unserer aktuellen Mannschaft werden wir in dieser Saison keinen Blumenpott mehr gewinnen, sondern nach langen Jahren eher den so sehnlichen Wunsch erfüllt bekommen, diese Liga endlich zu verlassen. Allerdings in andere Richtung als gedacht. In den letzten Wochen hat sich der Druck auf Trainer Jan Siewert und somit auch auf Mannschaft und Verein  von schlechter Leistung zu schlechter Leistung verständlicherweise, und von Tag zu Tag erhöht.

Leider begnügt sich der frustrierte Fan in Zeiten (a-)sozialer Medien nicht mehr mit der schlichten Forderung nach der Entlassung des sportlichen Verantwortlichen. Da wird gelegentlich beleidigt, was die Tastatur hergibt; wird scheinbar wie von Sinnen und in blinder Wut gelegentlich unter jeglicher Gürtellinie der Mensch hinter der Funktion und der Funktionär auf das Übelste angegangen. Nun ist das kein Phänomen der Hafenstraße, lässt der gegenseitige Respekt und das Miteinander leider immer mehr zu wünschen übrig; aber es gibt zu denken. Das muss nicht sein! Heisst es nicht:“Die Familie Rot Weiss..hält zusammen“? Auf dem Feld hält momentan wohl auch kaum einer der fast dreißig Vertragsspieler von Rot-Weiss Essen zusammen.

Mit jedem Spiel mehr wurde und wird deutlich, dass dort keine Mannschaft mehr agiert, sondern die Grüppchenbildung regiert. Es gibt aber natürlich auch diejenigen, die man von dieser Kritik ausnehmen möchte, wie unter anderem einen Baier, Platzek, Binder, oder beispielhaft gerade auch einen Patrick Huckle. Nicht der filigransten Einer; aber ein Kämpfer vor dem Herrn, dem anzumerken ist, ein Mannschaftssportler zu sein. Der leidet, genauso wie wir da draußen. Diesen Spielertyp brauchen wir nun besonders.

Es gab also keine Alternative mehr dazu, Jan Siewert seines Postens zu entheben. Der Protest so laut, da hätte sogar ein Marc Fascher in blau- weiß gehüllt, begleitet von Uwe Harttgen als Sancho Panza und auf Esel, die Hafenstraße hinunter galoppieren können: Sie wären freudig begrüßt worden! Der Schmerz so groß, die Angst immer mehr. Gestern dann trug der Verein dem anhaltenden Sinkflug in Tabelle nebst Sturzflug in der Leistung Rechnung und entband Jan Siewert von seinen Aufgaben als Cheftrainer von Rot-Weiss Essen. Wer einigermaßen gut vernetzt ist, wusste innerhalb von Minuten Bescheid.

Prompt wandelte sich Hass und Häme in spürbare Erleichterung darüber, dass endlich gehandelt wurde. Namen zählen dieser Tage einfach nicht, es geht um das große Ganze, welches da Rot-Weiss Essen heisst. Erstaunlich allerdings, dass die Demission des Trainers von Andreas Winkler kommentiert wurde, der verantwortlich dafür steht, dass kaum einer mehr weiß, wer aktuell überhaupt so alles bei RWE unter Vertrag steht. So viele Spieler sind es, die kamen und gingen. Oder noch nie spielen konnten, da verletzt verpflichtet. Oder einfach auch nicht regionalligatauglich waren. Jan Siewert hat sicher nicht nicht immer die beste Figur abgegeben, obwohl sportlich durchtrainiert, aber er hatte auch damit klarzukommen, was ihm der sportliche Direktor Andreas Winkler so alles auf den Trainingsplatz bestellt hat.

Und so kann meines Erachtens nach ein Klassenerhalt inklusive Neuanfang nur dann gelingen, wenn auch Andreas Winkler seines aktuellen Postens entbunden wird. Bei allen Verdiensten um den Verein. Aber diese Saison trägt, unter Einbezug der Fascher/Harttgen Ära, nun mal seine Handschrift. Und ich glaube, auch das Tischtuch zwischen sportlichem Direktor und Mannschaft ist zerschnitten. Man schaue sich nur die Fotos an. Bilder sagen mehr als Worte!

Aber was kommt jetzt? Wer kann uns alle vor dem Abstieg retten? Wir sind dann nicht mehr froh, dass es den RWE überhaupt noch gibt! Haben wir doch keine finanziellen Probleme mehr (Übrigens immer noch der Verdienst von Michael Welling, welcher natürlich als Verantwortlicher gerade auch ziemliche unter Beschuss steht wie seine sportlich leitenden Angestellten und ebensowenig zimperlich behandelt wird). Otto Rehhagel war gegen Lotte auf der Tribüne. Willi Lippens sicher selbstredend auch.  Otto Rehhagel hatte noch auf der Jahreshauptversammlung Jan Siewert seine Hilfe angeboten. Vielleicht sollte der Verein sie jetzt annehmen und ihn um Hilfe bitten. Vielleicht nur für eine Kabinenansprache. Mit Unterstützung von Willi Lippens. Denn, was haben wir denn noch zu verlieren außer unsere Existenz?

Die Spieler haben nicht auf ihren Trainer gehört, haben zumeist keine Ahnung, wie es uns Fans überhaupt geht, und was uns der RWE bedeutet. Somit brauchen wir nun dringend ein- oder zwei Legenden, die ihnen bis Saisonende aber genau das vermitteln: Der RWE ist unser Leben! Ihr geht, aber wir bleiben. Wir haben unbefristete Verträge auf Lebenszeit. Und wollen endlich wieder lachen. Am liebsten mit Euch. Auch wenn wir nicht mal mehr Eure Namen kennen, da einfach zu viele.

Lieber Jan Siewert, ich wünsche Ihnen alles Gute für die Zukunft und möchte mich dafür bedanken, dass Sie sich auf das Abenteuer Rot-Weiss Essen eingelassen haben. Ich hätte mir manches Mal etwas mehr Gelassenheit bei Ihnen gewünscht. Einen lockeren Spruch. Was auch immer. Aber vor allem sportlichen Erfolg. Der blieb leider aus und somit griff erst jetzt, und hoffentlich nicht zu spät, das was immer passiert, wenn eine Mannschaft vor dem Abstieg steht.

Die Spieler sind nun auch ihres Alibis Trainer entbunden und müssen kommenden Freitag in Ahlen beweisen, dass sie ebenfalls nicht absteigen wollen.

Wir sind alle abhängig und hadern mit dem Schicksal.

Leicht abgewandelt eine Aussage von Bayerns KHR (nicht zu verwechseln mit KMH aus dem ASS) als Titel. Nur gut, das wir uns aktuell nicht mit dieser dreisten Forderung nach einer finalen Wild Card auseinandersetzen müssen, um auf ewig für ein Finale gegen den FC Barcelona gesetzt zu sein. KHR tritt jeglichen Wettbewerbsgedanken im Fußball mit den Füßen.

Den Fußball mit den Füßen traten die Kicker von der Hafenstraße auch. Jedoch in letzter Zeit so schlecht, so dass sich die Situation rund um die Hafenstraße 97a immer mehr zuspitzte und nach der Niederlage vergangener Woche in Düsseldorf in wütendes Aufheulen der Anhängerschaft gipfelte. Unter dem Strich stand nach dem Spiel unter dem Strich. Man ist geneigt zu schreiben: Endlich!

Wochenlang schon pfiffen es die Spatzen von den Dächern: Abstiegskampf, Ihr seid im Abstiegskampf! Schien aber so wirklich keinen zu interessieren, denn verloren wurde ja auch nicht wirklich. Und so ging es stark kritisiert immer weiter. Unterbrochen gar von einem Halbfinalerfolg im Pokalwettbewerb des kleinen Mannes gegen den Angstgegner FC Kray. Wer glaubte da schon ernsthaft an einen Abstieg? Scheinbar keiner der Aktiven auf dem Feld, denn ansonsten ist die Leistung gegen Düsseldorfer Zweitfortunen nicht zu erklären. Oder ging es doch gegen den Trainer? gegen den Mitspieler? Gegen den Fan? Wir werden es wohl nie erfahren.

Jedenfalls brachte uns Düsseldorf nun definitiv die Erkenntnis, in höchste Abstiegsgefahr geraten zu sein. Wir, der Meister von 1955, welcher unterklassig höchstens durch Lizenzentzug absteigt, steht auf einem Abstiegsplatz der Regionalliga West. „Caramba, mir kocht der Blut“, um es mal mit Marika Rökk zu schreiben! Das war und ist zu viel für den leidgeprüften Fan. Die Kommentarzeilen kochten über; oftmals auch mit ungesundem Hass und blanker Gewaltandrohung. Das geht leider noch weniger, als eine unterirdische Leistung auf dem Feld! Isso! Die Tage nach Düsseldorf also Tage, die verwirrten; sprachlos machten und zugleich unfähig, auch nur annähernd etwas zu Papier zu bringen, was der Situation entsprechen könnte. Als außenstehender Blogger jedenfalls.

Die Argumente wogten hin und her; die Zuordnungen wurden im Minutentakt neu verteilt, ebenso die Schuldfrage. Jan Siewert schien schon entlassen, als Suspendierungen zweier Spieler ausgesprochen wurden und der suspendierende Trainer überraschenderweise bleiben konnte. Es ist ja nicht so, als ob ich mir nicht gewünscht hätte, dass der Trainer zum Verein gepasst hätte oder immer noch passen könnte. Ich würde mir aber wünschen, dass Jan Siewert wenigsten einmal auch menschelt. In einer Pressekonferenz zum Beispiel. Er agiert bisweilen so trocken und unnahbar wie die britischen Kronjuwelen hinter Panzerglas. Herrgott von Bentheim, da ist es doch kein Wunder, dass wir Unwissenden von schlechtem Betriebsklima zwischen Mannschaft und Trainer schwadronieren. Wir haben doch bald mehr Abgänge und Suspendierte als aktive Spieler im Kader. Zuzüglich Drölftausend Neuzugängen.

So viele Spieler, so viele Namen. Aber für uns nur ein Verein: Rot-Weiss Essen! Ok, wir atmen einmal kurz durch und sammeln die Fakten bis zum heutigen Spielbeginn: Trainer und sportlicher Leiter weiter im Amt; Mannschaft dezimiert; Vorstand in der Kritik; Abstiegsplatz; Boykott vieler Fans; Boykott des Boykottes durch ebenso viele Fans….na das konnte ja was werden. Und es wurden, um das Ganze ein wenig abzukürzen, drei Punkte! Der SC Verl erwies sich gestern Abend als der endlich richtige Gegner, den es verunsichert galt, verunsichert zu bezwingen. Wir alle im Stadion haben kein richtig gutes Fußballspiel gesehen. Und nur der Verler Harmlosigkeit in diesen neunzig Minuten war es zu verdanken, das stets kämpfenden und vollsten Einsatz zeigenden Essener zu einem 1:0 Kantersieg kamen. Dem ersten Dreier seit langer, langer Zeit. Die Verunsicherung und der Willen gaben sich bei den Spielern des RWE die berühmte Klinke in die Hand. Erst das einzige Tor des Abends offenbarte einen kleinen Einblick in die Seele des rot-weißen Vertragsspielers: Die Auswechsel- und somit nicht suspendierten, Spieler rannten wie von Sinnen auf das Feld nach jenem Treffer, während es andere Spieler sogar Richtung Trainerbank zog. Der Trainer also doch nicht derjenige welche?

„Siewert raus“ Rufe gab es übrigens nur dezent zweimal. „Abgefeuert“ auf der Haupttribüne von einem älteren Fan in Zivil. Der Boykott übrigens sollte nicht unerwähnt bleiben, denn meines Erachtens hat er funktioniert! Funktioniert deshalb, weil er beiderseitig respektiert wurde. Von denen die trotzdem gucken und jenen, die wegschauen wollten. Beide bekamen ihre Bühne Westtribüne. Und das war gut so! Gewaltandrohungen weniger, denn die helfen einfach keinem. Was auch nicht hilft, ist der Auftrag der RevierSport, alles und jedes in dermaßen überzogener Art zu martialisieren. Flatterbänder sind de facto keine Barrikaden. Warum muss immer alles so überzogen dargestellt werden? Warum diese Gier nach reisserischen Überschriften und Artikeln? Kommt mal runter und schreibt wieder über Fußball. Ein frommer Wunsch, ich weiß. Aber wünschen darf man sich alles, hat meine Mutti früher immer gesagt. Tja, wir alle haben also endlich einmal wieder drei Punkte mit auf den Heimweg bekommen. Drei Punkte für die Seele, aber noch nicht zur Beruhigung. Und sicher nicht annähernd dafür geeignet, um etwas Ruhe an die Hafenstraße zu bekommen. Das schaffen nur weitere Punkte. Und vielleicht mal klare Worte, was wirklich los war, im Frühjahr 2016.

STOPP!

Wenn zwei zerstrittene Parteien etwas miteinander zu klären haben, kann mitunter eine professionelle Mediation helfen. Diese ist kostenlos und bedarf der Bereitschaft beider Parteien, etwas an der aktuell verfahrenen Situation zu ändern. Ein ganz wichtiges Merkmal einer Mediation ist, das im Vorfeld ein Signal vereinbart wird, mit dem eine mögliche Hasstirade, Negationen oder einfach auch zu belastende Momente sofort unterbrochen werden. Hält sich eine der beteiligten Parteien nicht daran, ist die Mediation sofort für gescheitert erklärt und übernehmen die Gerichte. Oder die Fünftklassigkeit!

Nun haben weder die Mannschaft noch die Fans prinzipiell ein gescheitertes Verhältnis zu klären, reden wir angeblich ja immer noch von Fanliebe einerseits und dem Fußballerstolz, an der Hafenstraße spielen zu dürfen, andererseits. Und doch ist es vielleicht an der Zeit, den Reklamierarm zu heben und lautstark „STOPP!“ zu rufen. Nehmen wir doch einfach mal an, es wären nach der Winterpause Vereinbarungen getroffen und Ziele vereinbart worden; denn auch das ist Bestandteil einer Mediation. Und tun wir weiterhin einfach mal so, als säßen der RWE und manch Fan in einer Mediation: Dann müssten die Mediatoren nun langsam, aber eindringlich und bestimmt mal darauf hinweisen, dass wir uns alle nicht an die Vereinbarungen halten.

Wir tun also einfach weiter so als ob: Die Mannschaft hatte das Ziel, einen Dreier einzufahren und personell aufpoliert, diese Vereinbarung mindestens beim abgeschlagenen Tabellenletzten FC Wegberg-Beeck  in die Tat umzusetzen. Zumal nach dem couragierten Auftritt gegen Wattenscheid 09. Die Mannschaft hat sich jedoch nicht an die fiktive Vereinbarung gehalten und einen besorgniserregend schwachen Auftritt im Morast von Wegberg hingelegt. Es war ja klar; und das ist jetzt Fakt, dass dieses Spiel eines der schwersten der Saison sein wird: Es galt in Anbetracht der eigenen, insbesondere aber der Tabellensituation der Wegberger, nichts anderes als ein Dreier inklusive vieler eigenen Tore. Brutaler Druck.

„Angst essen Seele auf“. Mich an diesen Filmtitel erinnernd, vermochte ich mich der allgemeinen Sicherheit vor dem Spiel nicht anschließen und habe vor Zeugen 1:1 getippt. In der Hoffnung, dass dieses Ergebnis niemals so kommen wird. Es kam so und nun musste kommen was fast zu erwarten war: Auch manch Fan fühlte sich direkt mit Abpfiff nicht mehr an die fiktive Zielvereinbarung gebunden und aus allen Rohren wurde wieder unter jedem möglichen Post zu dem Spiel Hohn und Spott bis hin zu blankem Hass in die Kommentarspalten geledert.

STOPP!

So geht das nicht mehr weiter. So steigen wir ab. Liebe Mannschaft, was können wir tun, was braucht Ihr? Was können wir (fiktiv) neu vereinbaren, damit der so ersehnte Erfolgsfall eintritt und wir die Tabelle wieder etwas entspannter betrachten können? Ihr seid gute Fußballer. Aber vielleicht nehmt Ihr nach dem Training mal zwei Kisten Stauder unter die Arme und setzt Euch alle zusammen in die Zeche Hafenstraße und spielt gemeinsam am dortigen Kickertisch einen aus. Guckt Euch an den Wänden um und erkennt, warum uns Fans das alles so viel bedeutet. Stellt Euch vor, Ihr steht eines Tages in den Geschichtsbüchern, hängt da überdimensional in Jubelpose an der Wand. Und vergesst nicht den Willi mitzunehmen, ist schließlich Euer Mannschaftskamerad. Der hat Euch einiges zu erzählen. Meinetwegen geigt Euch die Meinung. Aber betretet Samstag mit erhobenem Kopf den Platz und nicht mit ängstlicher Seele.

Und wir, die Fans, was könnte uns als neue (fiktive) Zielvereinbarung auferlegt werden? Respekt fällt mir da als erstes ein. Respekt auch den Spielern, die in Wegberg leider Gottes nicht gewonnen haben, aber keiner versagt extra! Solche spielen jetzt woanders für mehr Geld. Dieses Internet ist Fluch und Segen zugleich: Segen, wenn sich auch der RWE Fan in Australien ein Bild von der aktuellen Lage machen kann. Fluch, da die Hemmschwelle gegen den Spieler und Vertreter des eigenen Vereins mitunter unter Teppichbodenhöhe gesunken ist. Alle gegen alle. Aber es ging doch auch früher kreativer, seinen Unmut zu äußern: Fan könnte das Stadion erst gar nicht betreten. Fan könnte schweigen und die Mannschaft erst einmal machen lassen. Fan könnte so vieles. Aber nicht mehr blindwütig agieren. Droht der Fan sogar, so steigt auch er ab. Moralisch und tatsächlich dann am Saisonende.

Keiner will einen Abstieg. Wir wollten ursprünglich etwas ganz anders. Aber darüber schweigen wir uns besser aktuell aus. Jetzt gilt es etwas zu verhindern. Danach wird sicher zu Tisch gebeten und muß Tacheles geredet werden. Es geht um Rot-Weiss Essen. Und wir alle sind doch auch Rot-Weiss Essen. Der Fan ein Leben lang, der Spieler bis Vertragsende. Das neue Ziel lautet nun Velbert. Das Spiel wird sicher kein Ball werden, denn der Ball sollte gut rollen. Aber vielleicht ist dieses Zitat aus dem Film „The Rock“ aktuell ganz angebracht:

  • Mason: „Schaffen Sie das auch wirklich?“Goodspeed: „Ich werd‘ mein Bestes tun.“Mason: „Ihr Bestes? Versager jammern immer von wegen ihr Bestes, aber Sieger gehen nach Hause und vögeln die Ballkönigin!“Goodspeed: „Carla war die Ballkönigin.“Mason: „Wirklich?“Goodspeed: „Ja!“

Holt Euch die Ballkönigin!

Bitter Sweet Symphony

Könige für einen Spieltag. Erntedank gegen Erndtebrück. Wattenscheid in den ersten zwanzig Minuten vor knapp Dreitausend im Stadion und offiziell gemessenen Vierhundertfünfzigtausend Zusehern vor den heimischen Empfangsgeräten an die Wand gespielt. In der fünfundzwanzigsten Minute aus dem Nichts dann das Gegentor. Eins zu Null für Wattenscheid 09. Ein Tor mit einer Wirkung, die einem Börsencrash gleichkam. Die zuvor hochgelobte Aktie RWE rauschte von jetzt auf gleich den Bach hinunter wie nix Gutes. Das Überfallkommando stellte prompt seine Überfälle Richtung Wattenscheider Tor ein, ohne dafür das Kommando bekommen zu haben.

Das erste Spiel seit 2008 vor dem Fernseher, die Familie zudem mit Rot-Weissen Devotionalien ausgerüstet, sich selber derweil mit einem Bier. Ebenfalls das erste bei einem Spiel des RWE seit 2008. Ganz entspannt also wurde das vierte Spiel der noch jungen und doch schon wechselhaften Saison angegangen. Wer Fußball Regionalliga auf Sport 1 anschaut, der weiss mittlerweile, was ihn erwartet: Moderator Jörg Dahlmann schwafelt sich durch mehr oder meistens weniger erfolgreiche Vereinshistorien, kommentiert gelegentlich sogar Spielszenen und findet irgendeine arme Sau auf der Tribüne, deren Mimik und Gestik ab sofort dauerhaft kommentiert wird. An diesem Abend waren es aber durchaus viele kommentierte Spielszenen. Muss man ja auch mal erwähnen.

Laura Wontorra, die durchaus aparte Tochter von und zu Doppelpass Jörg, nutzt das Stadion immer mehr als Laufsteg in eigener Sache, spielt gekonnt Social Media und interviewt, wann immer Kollege Jörg das von ihr erwartet. Alles wie gehabt also. Die einzige positive Überraschung des Abends stellte dann Hannes Bongartz dar. Eigentlich doch aus dem Lager Wattenscheid stammend, wurde man das Gefühl nicht los, dass seine Sympathie und der Wunsch nach einem Tor eher den Rot-Weissen aus Essen galt. Das mag aber auch täuschen, vielleicht konnte sein Trainer Ego einfach nur nicht akzeptieren, was er da von Seiten der Essener gerade geboten bekam.

Wie dem auch sei: Noch vor der Pause gab es dann den zweiten Gegentreffer und auch in der zweiten Halbzeit wurde dem Fußballsachverständigen schnell klar: Bevor der RWE hier und heute ein Tor erzielt, wird eher der Flughafen Berlin eröffnet. Man steckt einfach nicht drin in den Köpfen der Spieler. Wattenscheid 09 hatte keine Lust mehr auf Spielchen nebst möglicherweise aufkeimender Essener Hoffnung und erlegte den Neun-Ender der vergangenen Woche dann recht fix in der 53. Spielminute. Die Richtmikrofone wurden scheinbar vor dem Standort der Essener Fans ab- und vor dem Wattenscheid Lager auf Höhe Mittellinie  gegenüber wieder aufgebaut. So wechselte die Stimmungshoheit. Zwanzig Minuten vor Abpfiff wurden gar auf Essener Seite die Fahnen abgehangen und gegangen. Die, die blieben, ob nun im Stadion oder vor dem Empfangsgerät, pfiffen nach dem Schlusspfiff. Zwar noch nicht aus dem letzten Loch, aber sichtlich und zurecht aus Enttäuschung. Was ein Grottenkick. Im Anschluss rumort und grummelt es natürlich direkt wieder. Aus dem Herzen wird keine Mördergrube gemacht.

War es das schon wieder? Nein, natürlich war es das noch nicht. Wattenscheid 09 war das, was unser RWE gegen den TuS Erndtebrück war: Brutal effektiv. Allerdings hat der TuS durchgespielt, während unsere Mannschaft selbiges von jetzt auf gleich komplett eingestellt hat. Die Psychologie der neunzig Minuten. Nicht nur, dass man sie als Fan nicht nachvollziehen kann, man fährt auch noch damit nach Hause. Hat damit zu leben die nächsten Tage. Dieses Dasein als Fan ist doch schlichtweg nur Betrug an einem selbst: Immer wieder glaubt man daran, und wird doch eines besseren belehrt. Und dann kommt heute auch noch der FC Wegberg-Beeck an die Hafenstraße. Seines Zeichens Aufsteiger und bislang Prügelknabe der Liga. Laut Selbstverständnis also ein Gegner, der natürlich mindestens mit Drölf zu Null aus dem Stadion gewemst wird.

Nee, wird er natürlich nicht. Der FC Wegberg-Beeck wird der bisher schwerste Gegner der Saison. Eben aufgrund unser aller Erwartungshaltung. Eben wegen Wattenscheid. Eben wegen Erndtebrück. Die Dramaturgie der bisherigen Saison ist für uns mal so richtig Scheisse gelaufen, so dass es heute eigentlich nur in die Hose gehen kann. Wenigstens ist uns die Spielplangestaltung hold, denn das Ergebnis unter der Woche und das zeitversetzt stattfinden Länderspiel „unser aller Ersten“ kostet sicher so viel Zuschauer, so dass ein jeder per Handschlag begrüßt werden könnte. Nur gut, dass die verkauften Dauerkarten jedes Spiel mit in die präsentierte Zuschauerzahl einbezogen werden.

Der DFB Pokal hat gezeigt, was Rot-Weiss Essen an Liebe bekommen kann. Die Liga dagegen scheint gerade zu offenbaren, dass die Liebe der Fans auch mal eine Pause einlegen kann. Der Verein reisst sich dermaßen im Stadtbild den Allerwertesten auf, um Flagge zu zeigen, findet immer mehr Anerkennung, nur das Flaggschiff „Erste“ wird dem einfach noch nicht gerecht, braucht Zeit. Aber, bei einem Verein wie Rot-Weiss Essen zählen nun mal in erster Linie die Ergebnisse der Mannschaft. Das nehme ich mit in den nächsten Tag. Das macht mich glücklich und stolz, oder lässt mich ungläubig zurück.

Keiner der Vierhundertfünfzigtausend Zuseher hat Dienstag Abend auch nur ein Argument dafür bekommen, es vielleicht mal in der Zukunft mit dem RWE zu versuchen. Heute gucken vielleicht nur Viertausendfünfhundert Fans zu. Und ich wünsche jedem einzelnen, dass es zu einem dreckigen 1:0 reichen wird. Denn heute erwartet uns der schwerste Gegner der Saison! Aber das erwähnte ich schon.

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