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Zwischen Szenenapplaus und Sonntagsschuß spielt sich ganz viel Leben ab.

Gibt es eigentlich wissenschaftliche Untersuchungen darüber, wie sich Erfolg und Misserfolg einer Lieblingsmannschaft auf das Wohlbefinden der eigenen Fans auswirken? Gäbe es eine solche, dann könnte diese dem RWE Fan attestieren, aktuell genug gelitten zu haben und unter sportlichem Burnout zu leiden. Entweder man lässt sich also eine AU ausstellen und bleibt der Gesundheit zuliebe Zuhause, oder es wird ein Trainerwechsel verschrieben, der wenigstens kurzfristig für Linderung sorgen könnte. Manchmal hilft diese Therapie sogar langfristig. Aber dafür gibt es zumindest in Essen noch keine gesicherten Erkenntnisse.

An der Hafenstraße wurde also wie bekannt, die gängige Therapie Trainerwechsel verordnet, welche leider stets mit hohen Zuzahlungen an den Ex-Trainer die Krankenkasse verbunden ist. Aber, sie verschaffte diesmal wirklich schnelle Linderung der körperlichen Symptome bei sportlichem Misserfolg: Wurden die Schmerzen gegen den ETB zunächst etwas gemildert, trat nach dem unerwarteten Erfolg in Aachen schon spürbar Erleichterung der verspannten Gedanken rund um den RWE ein.

Und so kam es, dass man vor dem Oberhausen Spiel fast schmerzbefreit aus dem Bett hüpfte und ein lange nicht mehr gekanntes Gefühl erleben durfte: Vorfreude auf ein Spiel der Roten. Danke Trainerwechsel mochte man rufen, ohne den aktuellen Trainer nun über den grünen Klee loben zu wollen; schließlich wirkt er ja noch nicht wirklich lange. Hier also ist man auf die therapeutische Langzeitwirkung gespannt. Auch Viagra wollte erst lange getestet werden, bis es dann eines Tages als Mittel der Wahl feststand und es bei manchem fest stand.

Zur eigenen Verblüffung wollte sogar die ganze Familie mit. Durchaus doch schon infiziert mit dem Rot-Weissen Virus, wohl aber noch nicht zu sehr damit belastet um ihrerseits daran zu erkranken. Somit überwiegt stets die Freude auf ein sportliches Ereignis vor vielen Menschen inklusive Stadionerlebnis. Ich wünschte mir auch einmal wieder eine so unbelastete Herangehensweise an ein Spiel meines RWE. Aber, es war ja heute mit zwei Siegen im Nacken eigentlich nichts, was in jenem sitzen und Schmerzen bereiten könnte.

Auf der Autobahn erst einmal hupend den Bus des Schalke Fanclubs Nordhorn überholt. Wir haben kurz überlegt, sie am nächsten Rastplatz aufzumischen, aber zum einen wissen sie einfach nicht, was sie tun, und zum anderen kennt man den einen oder die andere natürlich auch vom Eintracht Stadion am Heideweg. Warum fährt man nur nach Gelsenkirchen, wenn man als Ziel Essen haben kann? Unbegreiflich!

Rund um das Stadion war verkehrstechnisch weniger los als erwartet. Es haben sich also doch viele Fans eine AU ausstellen lassen. Krank ist krank, das ist dann einfach mal so. Trotzdem waren letztendlich gut 8.200 Fans beider Mannschaften im Stadion. Und wir reden weiterhin vom Krankheitsgrad Liga Vier. Gute Quote also.

Im Stadion selbst standen sich bei diesem Spiel nicht wie gewohnt „Heimkurve“ und Gästeblock gegenüber, sondern wurde temporär ein weiterer Heimblock in der Nähe des Gästeblocks geschaffen. Warum das so war, geht mich nichts an, aber ich hoffe, eine Kritik darf angebracht sein, dass es im Sinne einer besseren Unterstützung der Mannschaft eher suboptimal war. Die Heimkurve, die ja eine Gerade ist, ließ trotzdem gelegentlich aufblitzen, wozu sie an Lautstärke in der Lage ist. Besonders in den Schlussminuten. Ansonsten geht der Stimmungspunkt leider dieses Mal nach Oberhausen. Auch unbegreiflich. Wir sind alle Rot-Weiss. Wir kriegen das hin.

So wie es auch die Mannschaft dieses Mal endlich hinbekam. Die viel in Anspruch genommene Körpersprache eine ganz andere als noch in den Wochen zuvor. Die Raumaufteilung ebenfalls eine ganz andere; die gefürchteten Lücken taten sich einfach nicht auf. Es wurde Gras gefressen. Am Gegner festgebissen, um jeden Millimeter Hafenstraßengras gekämpft. So gehört sich das, so wollen wir das sehen. Folglich gab es in der dreizehnten Minute die verdiente Führung. Es gab nicht nur das: Es gab sogar zur Halbzeit Applaus von den Rängen für die Leistung der eigenen Mannschaft.

Ich wiederhole das hier gerne noch einmal: Es gab sogar zur Halbzeit Applaus von den Rängen für die Leistung der eigenen Mannschaft. Das Spiel der eigenen Mannschaft tat wirklich gut, war eine Wohltat für die geschundene Seele.

In der zweiten Halbzeit gab es dann sogar noch zwei bis drei spielerische Leckerbissen, die den Fan auf den Tribünen zwischen Verzückung und Fassungslosigkeit zurückließ. Warum geht erst jetzt, was all die Spiele zuvor nicht ging? Es gab tatsächlich und verdient somit Szenenapplaus. Sogar aufgestanden wurde auf der „Haupt“, als Marcel Platzek aus dem Spiel genommen wurde.

Es sah also alles gut aus auf dem Feld.  Rot-Weiss Essen wollte unbedingt die Entscheidung. Keine Rede davon, das Spiel zu zerstören, wie anschließend ein Oberhausener Spieler befand. Aber, der hat auch keine Ahnung vom Fußball.

Es sah wirklich gut aus. Vor einigen Wochen noch, da lägen wir schon 1:3 in Rückstand.

Und dann kam der Sonntagsschuß.

RWO glich in der 89. Minute aus dem Nichts aus. Der vielzitierte „Sonntagsschuß“ wurde schneller in den Kasten gezimmert, als Heller reagieren konnte.

RWE versuchte es weiterhin in den Restminuten, aber ohne Erfolg. Der verdiente Dreier blieb somit leider aus, und doch blieb unter dem Strich Applaus für eine engagierte und in vielen Punkten verbesserte Mannschaftsleistung.

Ich war nicht traurig, da eine wirklich gute Leistung der eigenen Mannschaft gesehen. Ich war eher geknickt für die eigene Mannschaft, die sich die drei Punkte wirklich verdient gehabt hätte.

Nun muss weiter gearbeitet werden an der Hafenstraße. In so vielen Bereichen, damit wir wieder eine Einheit werden.

„Schluss mit Gelaber und Vereinsmeierei, wenn ihr heut gewinnt ist das einerlei. Jubeln, Jammern, Spielen oder Stehen wir sind der Verein…
Wir (ALLE) sind RWE“

Die Hoffnung ist der Regenbogen über den herabstürzenden Fußball des Lebens. (Frei nach Nietzsche)

Rückblende: Alle gegen alle. Hoffnungen und Miteinander mal wieder am Boden zerstört. Totale Verunsicherung auf dem Feld. Trainerwechsel.

Mittwoch, 18. Oktober. Essen, Stadtwald: Die Mannschaft muss zum Verbandspokal ausgerechnet an den Uhlenkrug im Süden der Stadt reisen, wo sich heimische Lackschuhe gerade in einem unerwarteten Aufschwung sportlicher Natur üben. Das erste Pflichtspiel des neuen Trainers Argirios Giannikis. Vielleicht der richtige Rahmen für einen Neuanfang. Die Erwartungshaltung der knapp dreitausend Fans eher gering, außer bei den ungefähr vierzehn Anhängern der Schwatten.

Deren Stadion (trotz Rückbau der imposanten Gegengerade) bei schönstem Herbstwetter immer noch ein wundervolles Fußballstadion alter Prägung, welches dem Fan keinen Komfort, aber Stehen unter Baumkronen; zudem auf einer Stehgegengerade bietet. Auch kommen Flutlichter zum Einsatz, welche in ihrer Helligkeit eher an Taschenlampen kurz vor Batterieausfall erinnern. Wenigstens wurde der Platz trotzdem einigermaßen beleuchtet. Auf den Stehrängen war es so dunkel wie früher in einem Partykotten, um gemütlicher schwofen und fummeln zu können. Alles in allem also ein stimmiges Fußballambiente.

Rot-Weiss Essen gewann dieses Pokalspiel gegen den klassentieferen Stadtrivalen letztendlich mit 2:0 und ist eine Runde weiter. Es war kein gutes Spiel unserer Jungs und zudem enttäuschten die Schwatten. Da hatte man mehr befürchtet. Auf den Rängen hatte es den Anschein, der Mannschaft nun eine zweite Chance zu gewähren, so erstaunlich gelassen die Gemütslage. Keine Anfeindungen. Argirios Giannikis hatte (natürlich) taktische und personelle Veränderungen vorgenommen, welche zur bestehenden Unsicherheit als Lern- und Umsetzfaktor auf dem Feld hinzukamen. Dass da der monatelang rumpelnde (Mannschafts-)Motor nicht direkt wieder flüssig laufen konnte, war einfach zu offensichtlich.

Aber sie haben es gemeistert und zeigten sich nach dem Spiel sichtlich erleichtert. Kaum auszudenken, was bei einem Ausscheiden zusätzlich auf Mannschaft und Verantwortliche eingeprasselt wäre. Ebenfalls erleichtert ging es wieder gen Heimat.

Sonntag, 22. Oktober. Aachen, Tivoli: Keine Herbstsonne; keine gute Bilanz auf dem Tivoli; kein Derby! Der RWE zu Gast bei jener Alemannia, die uns auf dem Tivoli (egal ob neu oder alt) irgendwie immer gut im Griff hat. 1995 der bislang letzte Erfolg bei den Kartoffelkäfern. Viel schlauer war man nach Mittwoch jetzt nicht wirklich, außer dass Mannschaft und Trainer ihr erstes gemeinsames Spiel gewinnen konnten. Schon nach zwei Minuten war das kleine Fünkchen Hoffnung zunächst einmal wieder dahin, da die Alemannia nach einem Abstimmungsfehler unserer Hintermannschaft in Führung gehen konnte. Eigene Gefühlslage in diesem Moment: „Die gleiche Scheiße also wie immer und die schießen uns nun gnadenlos ab“.

Das Tor haben übrigens nur die 9.600 Stadionbesucher gesehen! Der übertragende Werbesender Sport1 war noch mit seiner Haupteinnahmequelle beschäftigt und konnte dem Tor erst mit einer Kameraführung wie auf Energydrink hinterherhecheln. Ein peinlicher Einstieg in eine Übertragung, welche an Peinlichkeiten noch überboten werden sollte.

Fußball pur gibt es also weiterhin nur im Stadion oder auf dem Sportplatz. 

Nach ungefähr fünfzehn Minuten konnten unsere Roten das spielerische Heft in die Hand nehmen, hatten auch die anfangs auftretenden Probleme der „Standfestigkeit“ auf rutschigem Rasen weitestgehend im Griff. Die Aachener wurden zu Fehlern gezwungen, bisweilen hinten reingedrängt. Ein Torabschluss wurde gesucht, Chancen taten sich auf. Diese berühmte Körpersprache schien eine andere zu sein als noch in den Spielen zuvor. Die Panik aus dem Gesicht wich zugunsten einer leichten Zuversicht, hier noch den Ausgleich zu markieren. Die Zuversicht wurde schon in der 32. Minute durch Timo Becker belohnt: Ausgleich. Geil! Schon zur Pause hätte der RWE eigentlich die Führung verdient gehabt. Ein für Viertligaverhältnisse aufregendes Fußballspiel, sofern man das bei den temporären- und dauerhaften Einblendungen auf dem Bildschirm überhaupt noch erkennen konnte.

In der zweiten Hälfte ging das muntere Treiben auf dem Feld weiter, die Pause brachte nicht den befürchteten Bruch im RWE Spiel. Man ist (leider) halt zunächst immer (und aus Erfahrung) erst negativ konditioniert. Isso! Und dann trat tatsächlich das unerwartete und doch so erhoffte ein. Es war dem Spielverlauf nach sogar mehr als verdient: Unsere Roten gingen nach einem wunderbar vorgetragenen Angriff, abgeschlossen durch Kai Pröger, mit 2:1 in Führung. Wie geil war das denn? Echt jetzt? Die Gesichter der Spieler auf dem Feld sprachen Bände, die Gesten zudem. Wie schon im ersten Spiel in Dortmund wurde sich oft abgeklatscht oder aufgemuntert. Ganz wichtig auch: Der auch von mir kritisierte Käpt`n (und Lieblingsspieler) Baier war mit einer ganz anderen Präsenz als noch in den Vorwochen auf dem Platz. Man steckt einfach nicht drin in der Psychologie einer Mannschaft.

Einige Male galt es noch zu zittern, als die Aachener zu Eckbällen oder der ein- oder anderen Chance kamen. Aber gleichermaßen ging es auch direkt wieder Richtung Aachener Tor. Zudem wurde mit geschickter Wechseltaktik Zeit von der Uhr genommen. Auch damit hatten wir ja schon mal unsere Probleme vor noch gar nicht langer Zeit. Ist aber auch auch wurstegal, denn am Ende blieb es bei dem ersten Erfolg von RWE bei Alemannia seit zweiundzwanzig Jahren. Auswärtssieg der etwas unerwarteten Art. Luft im Abstiegskampf, verbunden mit Hoffnung auf sportlich bessere Zeiten (Auch unser Brustsponsor dürfte sich sicher nicht nur über galoppierende Wettquoten sondern auch mal über den positiven Eindruck des eigenen Partners gefreut haben).

Nun gut, die Hoffnung hatten wir bei schon einigen Trainern zuvor auch und wurden doch nur bitter enttäuscht. Aber für den Moment durfte man sich an diesem Sonntag einfach nur freuen. Jeder so wie er wollte. Und mit der Freude kam die Erleichterung. Man freute sich für die Fans, die Spieler, die Verantwortlichen…. ach einfach für alle. Die Freude sollte zudem genossen werden, denn schon kommenden Samstag könnte es ja wieder vorbei sein mit der Freude. Da kommt der Nachbar aus Oberhausen zu Besuch. Wieder kein Derby. Aber hoffentlich ein Dreier.

Und dann war da noch: Die TV Übertragung direkt aus der TV Übertragungshölle. Was den mitfiebernden Fans beider Vereine inklusive vieler neutraler TV Fußballfans da am heimischen Empfangsgerät geboten wurde, war meines Erachtens schlicht frech. Nein, es war peinlich! Die Vierte Liga ist gemeinhin kein Profifußball, aber deswegen muss man sie noch lange nicht dermaßen amateurhaft übertragen wie an diesem Sonntag.

Den Einstieg durch die Bildregie aufgrund der vorherrschenden Werbung schlicht grandios vermasselt, schaffte der Kommentator ebensowenig den Einstieg in das stattfindende Spiel, sondern drosch die üblichen Phrasen zur Vergangenheit beider Vereine. Mittlerweile geschenkt, wir kennen die Fakten in und auswendig. Aber, die aktuellen Namen der Spieler zu kennen, hätte ja Vorbereitung bedurft.

Die Bildregie hatte mittlerweile Spaß daran gefunden, dass TV Bild mit unwichtigen anderen Dingen zuzukleistern. Was interessiert uns ein Bundesligaspiel, wenn Rot-Weiss Essen spielt? Was interessieren uns die groß eingeblendeten Fakten eines anderen Spiels über Ballbesitz, Schüsse etc.? Die, die das interessiert haben Sky oder den Eurosport Player. Aber die gucken wohl kaum Alemannia Aachen gegen Rot-Weiss Essen! Ich hatte wirklich Angst, es könnte noch der Newsflash über Sarah & Pietro kommen. Oder eingeblendete (un)sexy Sport Clips. Sowas halt.

Und dann diese Sprüche. Da denkt man, man hat Jörg Dahlmann auf diesem Sender überlebt, doch dann kommt es noch schlimmer. Den Aachener Torwart als „Nicht die hellste Kerze in der Strafraumbeherrschung“ zu bezeichnen, das geht meines Erachtens gar nicht.  Sätze wie „Seine Frau die Lisa, mit der ist er ja verheiratet“ und viele andere Stilblüten der Kommentatorenkunst vervollständigten das Bild .

Wenigstens hat Glockenhorst die „Senderkompetenz“ erkannt und das Interview des Feldreporters für knackige Eigenwerbung zur Teilnahme am Filmprojekt Pottoriginale genutzt. In Grund und Boden hat er ihn geredet und für einen weiteren Essener Erfolg an diesem Nachmittag gesorgt. Man informiert sich doch vorher, warum Glockenhorst Glockenhorst heißt.

Nein, es war im Gegensatz zum Auftritt der Roten auf dem Feld kein guter Auftritt eines TV Senders und seiner Protagonisten. Wenn Ihr Fußball zeigen wollt, dann zeigt einfach auch nur Fußball. Wenigstens dann, wenn das Spiel läuft. Setzen, Sechs! Nächstes Mal dann doch wieder Stadion.

Gegen Oberhausen wünsche ich mir nun ohne wenn und aber eine Abkehr der Kultur des Gegeneinander. Miteinander, das hat uns immer ausgezeichnet. Von 0 – 100, von A – C. Diese kleine Pflanze Hoffnung mal wieder.

Nur der RWE!

 

Quo vadis RWE?, Episode 1907!

Für den heutigen Dauerregen kann Rot-Weiss Essen nichts. Der ist wohl automatisch mit an Bord, wenn es gegen den langjährigen Dauerbegleiter SC Verl geht. Rot-Weiss Essen kann auch nichts dafür, dass der Familientag nicht unbedingt nur positiven Anklang findet. Eine Tatsache, die sich mir persönlich nicht wirklich erschließt, denn den Familientag gibt es bereits im sechsten Jahr und wurde definitiv nicht dafür erfunden, um aktuell schlechte sportliche Leistungen zu kaschieren, sondern um der sozialen Bedeutung als Verein der Stadt gerecht zu werden; neue Fans für unsere gemeinsame Sache RWE zu begeistern (Falls sich in den letzten fünf Jahren nun mal ein Kind in Königsblau an die Hafenstraße verirrt hat: Einzelschicksale wird es nun mal immer und überall geben)!

Wofür Rot-Weiss Essen jedoch (hier und heute konkret und ausnahmslos seine sportlichen Angestellten) etwas kann ist, den heute anwesenden Zuschauern, egal ob jung oder alt, einmal mehr den Tag versaut zu haben. Aber gründlich!

Die eigene Messlatte wird ja in bester Limbo Tradition schon von Spiel zu Spiel niedriger gelegt, aber heute hat die Mannschaft ihr eigenes Niveau so tief angesetzt: Das war beim besten (Fan-)Willen nicht mehr zu schaffen, ohne daran zu scheitern. Heute hat unsere Mannschaft nicht einen einzigen jungen Fan dazugewonnen, sondern wieder etliche Veteranen vergrault. Sie scheint tatsächlich das Stadion leer zu spielen. Ich weiß, dass die Mannschaft das nicht will, und sie lieber mit uns feiern möchte. Aber umgesetzt bekommt sie es nicht mehr. Hier wird mit dem sportlichen Arsch eingerissen, was an anderer Stelle mühsam Woche für Woche wieder aufgebaut wird. Hier wird kaum noch der gute Ball, aber die Geduld der Fans und den immer noch vielen Sponsoren mit den Füßen getreten.

Das Spiel unseres RWE (auch der SC Verl hatte keinen guten Tag, was aber für uns gut war, denn sonst wären wir unter die Räder gekommen!) war von Beginn an geprägt von kompliziertem und langsamen Aufbau Richtung Verler Tor. Bevor mal ein überraschender Pass in die Tiefe kam, wurde lieber noch einmal hintenrum gespielt. Es hatte bisweilen den Anschein, als ob bestimmte Mannschaftsteile (Spieler?) lieber das Tempo herausnehmen wollten, anstatt das Spiel zu beschleunigen. Es hatte den Anschein, als ob bestimmte Spieler lieber nicht laufen wollten und bestimmte Spieler, die laufen wollten, nicht angespielt wurden.

Dafür, wie lange dieses lethargische Etwas namens Fußballspiel andauerte, war das Publikum zur Pause noch gnädig und gab es nur Pfiffe. Die Stimmung war eh schon Scheisse, da bedurfte es nicht direkt einer weiteren negativen Aufwertung. Die Körpersprache unserer Mannschaft so undefiniert, diese könnte aktuell kein noch so versierter Übersetzer entziffern.  Es wäre ja alles halb so wild, wenn wir nicht alle wüssten, dass die Jungs es können und wir gute Fußballer in unseren Reihen haben. Ich sag nur Mönchengladbach.  Aber genau das ist unser Problem da draußen auf den Rängen: Wir wissen, Ihr könnt einen emotionalen Stiefel spielen und lauft aktuell in Ackerpömps über das Feld. Wie sollen wir denn damit klar kommen?

Man möchte auf das Feld hüpfen und die Jungs fragen: „Wie kann ich Euch helfen?“. Man leidet doch mit ihnen; möchte mit ihnen feiern und zufrieden nach Hause gehen. Stolz auf seinen Verein sein. Auch in Liga Vier. Man möchte den Ball in das Tor beten, damit dem Verein der, heutzutage leider üblich, anschließende und respektlose „Shitstorm“ in den (a-)sozialen Medien erspart bleibt. Man weiss, wie direkt wieder die Verantwortlichen angegangen werden, ohne ihrerseits selbst auf dem Feld zu stehen. Das alles tut weh, trägt man die drei Buchstaben im Herzen und Respekt als eigene „zwischenmenschliche Fahne“ vorneweg. Wir zerfleischen uns doch mittlerweile schon selbst untereinander in den Kommentarspalten ob solch gezeigter Leistungen. Das darf nicht sein. Es geht doch nur um Fußball. Aber, leider geht es auch um unseren Verein.

Dummerweise gibt es nach einem Spiel wie dem heute gesehenen kein Argument mehr, sich auch als gemäßigter Fan vor Mannschaft und Trainerteam zu stellen (Und trotzdem wird unsererseits nicht blind gepöbelt, denn das hilft wirklich niemanden). Die Ergebnisse der anderen Vereine noch immer beständig so, so dass man dem Ziel „Oben mitspielen“ mit zwei gewonnene Spielen nacheinander ruckzuck hätte näher kommen können. „Wäre, wäre Fahrradkette“ um in Lothar Matthäus zu schreiben. Das frustriert umso mehr: Keine andere Mannschaft marschiert uneinholbar vorneweg!

Nein, spätestens nach heute hat man das Gefühl, dass ganz andere Kräfte innerhalb und/oder rund um die Mannschaft wirken, welche eine gute Leistung kopfmäßig verhindern. Das Fleisch ist willig, der Geist ist schwach. So vielleicht, ein bekanntes Zitat umgekehrt? Ist es das, was unsere Spieler ausbremst? Ist der Trainer das „R“, die Mannschaft das „W“ und vielleicht jemand dazwischen, der stört, das „E“? Wir wissen es nicht. Das Problem aber dabei: Wir sind alle drei Buchstaben zusammen. Wir sind RWE! Und das macht uns gerade komplett fertig. Lässt uns fassungslos und, was viel schlimmer ist, bisweilen lethargisch nach Hause gehen. Gut, manch einer wankt auch nach Hause. Aber dann hat sich wenigstens das gelohnt.

Es muss sich dringend etwas ändern. Am besten sofort. Klärt das. Seid Männer! Wollt Ihr, oder wollt Ihr nicht? Und wir außerhalb: Bitte lasst uns ohne Beleidigungen auskommen. Wir reden immer noch über das, was wir bis an unser Lebensende doch lieben. Manchmal und meistens von Geburt an. Ich bitte daher auch hier auf „ISDT“ um eine weiterhin so gute und sachliche Auseinandersetzung mit dem „Ist Zustand“ wie bisher hier.

Du unser RWE, wohin gehst Du? Liegt es an uns? An der Geschichte? was ist los mit Dir?

Sein oder Nichtsein.

Samstag: Das Spiel in Bonn brachte einen Punkt mit nach Essen, der aber verdreifacht mit zurück an die Hafenstraße gehört hätte: Die Vielzahl an Chancen; der eine Spieler mehr auf dem Feld ab Minute 65: All das reichte nicht aus, um die Führung über die Runden zu bringen. Aus 2:3 wurde also in der 86. Minute 3:3. Ärgerlich!

Dienstag: Unter der Woche, zudem eine relativ ungünstige Anstoßzeit. Brütende Hitze! Und doch machten sich über den Daumen gepeilt rund an­dert­halb­tau­send Fans des RWE auf den Weg nach Uerdingen in die dortige Grotenburg. Ein Stadion alter Schule zum Niederknien übrigens. So viele Rot-Weisse also, die einmal mehr doch wieder hinterherfahren. Welcher Viertligakicker kommt sonst unter der Woche zur besten Feierabendzeit aus den Katakomben auf das Spielfeld gelaufen und wird mit viel Applaus von einer solch großen Anzahl eigener Fans empfangen? Nicht wirklich viele!

Unser RWE war nicht der Favorit an diesem heißen August Abend in der Grotenburg! Auch dessen sollte man sich ab und an bewusst werden. Der KFC hat seinerseits und bekannterweise mal wieder einen Neuen. Wieder einen, der richtig Kohle raushaut. Und so wurden vor der Saison (und aktuell auch wieder) mehrere sogenannte „gestandene“ Spieler verpflichtet, die auch schon höherklassig unterwegs waren. Der KFC somit neben Relegationslusche Viktoria und Küche Rödinghausen direkt in der Verlosung um Tabellenplatz Eins.

Unsere Roten hielten gut dagegen in diesem von Beginn an intensivem Spiel. Die Anfeuerung auf Gästeseite wuchs bisweilen zu einem Chor der Leidenschaft für diesen Verein. Diese Stimmgewalt von acht bis achtzig bemerkenswert. Jeder hier auf Seiten der Gästefans wollte mithelfen.

Die fünfundzwanzigste Minute: Führung RWE! Die Stimmgewalt wurde noch gewaltiger. Nur um zehn Minuten später geschockt zu schweigen: Ausgleich KFC Uerdingen. Leider kommentiert in der Nachbereitung fast keiner mehr, dass dem Tor ein glasklares Foul an einem Rot-Weißen vorausging. Wie auch? Ich muss ja direkt in den Kommentarspalten meinen ungefilterten Frust hinterlassen. Da ist für Differenzierung kein Platz mehr.

Dem somit eigentlich ungerechtfertigten Ausgleich folgte in der zweiundvierzigsten Minute erneut die Führung für den RWE. Kurz vor der Halbzeit ist ja meistens auch der perfekte psychologische Zeitpunkt, um den Gegner aus dem Konzept zu bringen. Sagt man jedenfalls so. Konzeptlos hingegen einmal mehr an der Grotenburg die Planung an den Kassenhäuschen. Wenn ich weiß, dass ein Verein mit traditionell großer Anhängerschaft zu Gast ist, dann muss ich mehr Kassenhäuschen besetzen, um einen zügigen Einlass zu gewährleisten. Unter der Woche ist nun mal nicht immer eine frühzeitige Anreise möglich; gehen doch sogar RWE Fans einer geregelten Arbeit nach. Entgegen dem allgemeinem Klischee.

Richtig schön allerdings nicht nur die Lage der Grotenburg Kampfbahn, sondern auch der kostenlose Gästeparkplatz direkt davor. Danke für diesen Service. Das dann aber alle Gästefans durch nur einen Tribünenaufgang müssen, gefühlt nicht breiter als ein PAX Kleiderschrank, ist wiederum richtig unschön. Es staut sich. Im Stadion selbst entschädigt dann aber einmal mehr der Rundblick. Vier charmant marode Tribünen und vier massive Flutlichter sorgen für ein wohliges Gefühl bei all denen, für die Fußball noch im Stadion und nicht in einer Arena gespielt wird. Selbst beim Austreten hält man(n) kurz inne beim Anblick der Pinkelrinne. Akustisch kann die Grotenburg dann auch noch einiges. Natürlich nur unter dem Dach.

Die Geschichte der zweiten Halbzeit ist relativ schnell erzählt: Unsere Roten überließen weitestgehend dem KFC die Initiative und versuchten sich immer öfter mit „Langholz“ aus der Umklammerung zu befreien. Ab und zu gelang das auch noch ganz gut, ging aber deutlich an die Substanz derer, die vorne allein auf sich gestellt versuchten, ihrerseits mal wieder Richtung Uerdinger Tor zu kommen.

Der RWE Fan auf der Tribüne spürte so langsam, dass es so nicht mehr allzu lange dauert, bis es das zweite Mal im eigenen Tor klingelt. Mimik und Gestik rund um einen herum verrieten es. Gesichtsfarben wechselten in rascher Abfolge. Es wurde unruhiger. Die Auswechselungen brachten optisch keine Erleichterung, eher den berühmten Bruch im Spiel. Einigen unserer Spieler waren die Strapazen der Kombination Wetter plus Spiel deutlicher anzumerken als den Kollegen aus Uerdingen. Und so kam es dann letztendlich auch wie es kommen musste:

War es in Bonn noch die 86. Minute, geschah das Elend diesmal in der 84. Minute.

Der Ausgleich zum 2:2 stellte zugleich auch den Endstand dar.

In Bonn musste ohne Frage gewonnen werden in Anbetracht des Spielverlaufs. Legt man den Spielverlauf an diesem Dienstag zugrunde, kann man unter dem Strich noch dankbar sein, dass es nicht eine Niederlage wurde. Trotzdem hätte man auch diese Führung nach Hause bringen können. Vielleicht auch mal müssen.

Das dann aber direkt mit Abpfiff gleich wieder der „Shitstorm“ begann, ist für mich nicht mehr nachvollziehbar. Oft gab es doch Szenenapplaus, weil unsere Spieler sich in Bälle warfen oder die gute alte Grätsche erfolgreich auspackten. Tadelloser Einsatz. Auf dem Platz und der Tribüne.

Was wirklich der bislang einzige unentschuldbare Auftritt war, ist und bleibt Wuppertal zuhause. Dortmund, Bonn und Uerdingen: Alle hochgehandelt vor der Saison. Da fährt man nicht einfach hin und nagelt die mit 4:0 an deren eigene Stadionwand. Wir haben dreimal hintereinander auswärts nicht verloren. Auch eine Sichtweise. Und selbst wenn wir direkt nach einem solchen Spiel Trainer, Vorstand und was weiss ich wen noch, rauswerfen…die Relegation erreichen wir dann trotzdem nicht direkt automatisch.

Wir hätten mehr Punkte haben können. Aber ich bin sicher, die holen wir uns im Laufe der Saison noch zurück. Bei den drei bisherigen Auswärtsgegnern werden außerdem auch noch ganz andere Mannschaften Punkte liegen lassen.

Noch ist mein RWE Glas eher halbvoll denn halbleer.

Vorausgesetzt, wir gewinnen das heutige Spiel gegen den SC Wiedenbrück.  

Schwiegervater.

Auf dem langen Rückweg sagte Schwiegervater, dass er sich sehr über sein Geburtstagsgeschenk „Ein Pokalabend an der Hafenstraße“ gefreut habe und dass man ob dieser gezeigten Leistung ja glatt Rot-Weiss Essen Fan werden könnte. Alles richtig gemacht, dachte ich so bei mir, denn was wäre nur passiert, hätten wir ihm den Besuch des Wuppertal Spiels geschenkt? Damit aber genug des dezenten Hinweises darauf, dass das vergangene Spiel gegen die Schalproduzenten aus dem Tal weiterhin unwirklich erscheint und daher immer noch am Fan nagt. Genau wie das aktuell erlebte Pokalspiel am gestrigen Abend gegen Borussia Mönchengladbach. Nur in umgekehrte Richtung.

Zum Komplettpaket Hafenstraße gehörte natürlich eine kleine Führung rund um das Stadion an der Hafenstraße inklusive einer Wurst vom Grill am Hafenstübchen. Das Hafenstübchen ist kein auf Hochglanz polierter Ort des Fußballs. Das muss es auch nicht, ist es doch schlicht die Seele des Fußballs an der Hafenstraße. Das VIP Zelt der Fußballunterschicht. Inklusive der wohl leckersten Bratwurst, die man derzeit an der Hafenstraße bekommen kann. Da ist man ja schon vor dem Anpfiff glücklich! Was manchmal gar nicht schaden kann, ist man es nach Abpfiff doch nicht immer unbedingt.

Schwiegervater genoss also jene vorzügliche Wurst und wunderte sich dann darüber, wieviel Bier hier doch scheinbar schon vor dem Spiel mit im Spiel war. Ich klärte ihn darüber auf, dass das so sein müsse, schließlich hätten wir wenigstens dort einmal bundesweit die Nase vorn.

Rein aber in ein Spiel, welches uns einmal mehr im Pokalrahmen auf eine Achterbahnfahrt der rot-weissen Gefühle mitnehmen sollte. Irgendwie können wir emotional scheinbar nur Pokalspiele. Es ist schön, wenn um einen herum die Menschen eskalieren und aus Liebe zum Verein zu verbalen Höchstleistungen auflaufen. Das zeigt, wie wichtig dieser Verein für uns ist und wie sehr wir uns alle nach einem kleinen Stück vom sportlichen Glück sehnen. Auf allen Vier Tribünen war also richtig „was gebacken“, abzüglich der üblichen „Eventfans“. Sie gehören mittlerweile auch zum modernen Stadionerlebnis dazu. Das Sitzkissen immer dabei.

Der RWE ging nach überstandener Anfangsoffensive der Gladbacher durch Benjamin Baier in Führung und 3/4 des Stadions tobten (Abzüglich jener Gladbach Fans, welche sich der Fantrennung erfolgreich widersetzen konnten. Ebay und Kontakte halt) . ADIOLE! Stehende Ovationen gar, als der Schiedsrichter zur Halbzeit bat. Könnte ein solch Unparteiischer bitte auch mal in der Regionalliga pfeifen? Unaufgeregt verrichtete der Mann an der Pfeife seinen Job, ohne eine dieser Pfeifen zu sein, die man leider zu oft in der Regionalliga vorfindet und dem RWE scheinbar Schaden zufügen wollen (So wirkt es manchmal). Das hatte Qualität.

Von feinster Qualität auch, und das darf ruhig einmal Erwähnung finden, der Job des Mannes an der taktgebenden Trommel auf der West. Ohne Unterlass wird Spiel für Spiel der Takt geschlagen. Das ist richtiggehender Sport. Danke dafür. Überhaupt sollte auch erwähnt werden, dass die Unterstützung von der „West“ sowohl gegen Wuppertal als auch gegen Mönchengladbach vorbildlich war. Die Medien stürzen sich so schnell und „klickgierig“ auf jede noch so kleine Kleinigkeit, die man als Skandal verkaufen könnte. Für Klicks wird selbst eine E- Zigarette zur Rauchfackel (Überspitzt formuliert)! Wenn es einfach mal nur gut, laut, friedlich  und homogen zur Sache geht, dann ist das leider keine Erwähnung wert. Das möchte ich hiermit nachholen! Schwiegervater war begeistert ob der Stimmung!

1:0 für den Deutschen Pokalsieger von 1953 und amtierenden Viertligisten von „ganz lange“ zur Halbzeit gegen den Erstligisten Borussia Mönchengladbach und amtierenden Zurückliegenden. Gattin machte sich Sorgen um meine Gesundheit, sah mich ziemlich blass. Alles gut. Sagte ich so auch einem anderen Fan. Und dass wir gewinnen würden. „Hast Du auch gesoffen?“ So seine Antwort. Nee, hatte ich nicht, musste ja noch fahren. Aber bis dato bot das Spiel unseres RWE definitiv noch alle Hoffnungen; lebte der Traum von Runde Zwei und Schalke weiter. Fünfundzwanzig Jahre danach.

Und der Traum lebte sich auch in Halbzeit Zwei ziemlich real. Immer war ein Essener Bein im Weg, konnten Konter eingeleitet werden, oder war der Heller im eigenen Tor ein Heller und oft schneller. Meine Güte, warum nicht immer so? Man verzweifelt an seinem Verein. Rot-Weiss Essen, hier gehst Du kaputt!

„Oh Immer wieder, oh  immer wieder, oh immer wiiiiieder RWE…..“ so klingt es fast dreißig Minuten oft mehr und manchmal weniger laut am Stück von drei Tribünen, um endgültig zum großen Chor anzuschwellen, wenn wieder ein Rot-Weisser Fuß in bunten Fußballschlappen dem Bundesligisten im Wege stand. „Steht auf, wenn Ihr Essener seit“. Der RWE kann sich immer öfter befreien, bekommt Gelegenheit zum Kontern. Und bekommt leider doch in der 79. Minute den Ausgleich. Gefolgt von der Führung für Borussia Mönchengladbach in der 82. Minute.

Borussia Mönchengladbach gewinnt somit das Erstrundenspiel im Vereinspokal unseres abgehobenen Verbandes mit 2:1 an der Hafenstraße. Die Essener Fans zollen ihrer Mannschaft Respekt und feiern sie für diese Leistung an diesem Abend.  „Warum nicht immer so?“ möchte man fast verzweifelt fragen. Sind hier Sportpsychologen anwesend?

Es war ein wunderbarer Abend an der Hafenstraße zu Essen mit wunderbaren Menschen und einer wunderbaren Mannschaftsleistung. Das Gesehene macht einfach Mut für die Zukunft. Wir können nicht immer nur meckern. Ab und zu dürfen wir auch einfach mal dankbar sein.

Gestern war ich dankbar für dieses Spiel und diese Leistung. Diese Emotionen. Diese Fans in den jeweiligen Blöcken, wie sie aufspringen und unsere Rot-Weisse Seele heraufbeschwören. Dankbar für meine Frau, wie sehr sie mitgelitten hat. Und sehr vermissen wir die Fahnengirls.

Nun macht das aber bitte gegen Kray und Köln Zwei nicht gleich wieder kaputt.

 

 

Rückrufaktion!

Seit vergangenen Sonntag ist das mit dem RWE und den Kommentarspalten mal wieder so wie manchmal in einer ganz normalen Familie kurz vor Weihnachten: Die Vorfreude wurde getrübt, weil einer aus der Familie (Hier: Mannschaft RWE) Mist gebaut hat. Darüber können oder wollen sich andere Familienangehörige, die oft und gerne schlechte Stimmung verbreiten (Hier: Die üblichen Verdächtigen), einfach nicht beruhigen. Und nun soll morgen Abend gemeinsam das Fest (Hier: 1. Runde DFB Pokal) gefeiert werden, so als ob Wuppertal nicht stattgefunden hat. Inklusive Vorfreude. Kaum vorstellbar für so manchen.

Aber warum eigentlich nicht? Zur realen Weihnachtszeit klappt das auch auch jedes Jahr aufs Neue und kommen Unstimmigkeiten (sofern denn vorhanden) erst nach den Geschenken und frühestens am zweiten Feiertag wieder auf. Vielleicht gibt es ja morgen für alle Geschenke (Hier: Aufopferungsvoller Kampf Mannschaft RWE). Auf jeden Fall gibt es volle Hütte, Flutlicht und gutes Bier.

Wuppertal liegt definitiv noch schwer auf der Seele und erst das Heimspiel gegen die Kölner Zweitvertretung wird die daraus gezogenen Lehren zeigen. Wird Wegweiser sein für die nächsten Wochen im viel wichtigeren Alltag Ligabetrieb. Das sollte uns aber trotzdem jetzt nicht daran hindern, dass Pokalduell gegen Borussia Mönchengladbach einfach als willkommenes Fußballspiel anzunehmen und entsprechend zu begehen. Natürlich in dem Wissen: Die Chance auf ein Weiterkommen gegen einen arrivierten Erstligisten ist jetzt wahrlich keine besonders Große. Also komme ich ja eigentlich schon in Erwartung einer Niederlage an die Hafenstraße; so wie die Fans der Borussia ihrerseits von einem deutlichen Sieg ausgehen. Und von nichts anderem.

Und so stellt sich aktuell die Frage aller Fragen: Schon mit schlechter Laune ankommen, weil: Zweiter Spieltag, die Liga ist (angeblich) mal wieder gelaufen, alle raus! Oder trotzdem mit Vorfreude zur Hafenstraße kommen. Wir haben doch eh keine Chance, aber warum sollten wir diese dann nicht wenigstens nutzen? Wer weiss denn schon, was passieren könnte, bleiben die Rot-Weissen so lange wie möglich ohne Gegentor; nehmen die Tribünen mit und starten auf dem Feld eine „Rückrufaktion“ in Sachen Fanunterstützung? Plötzlich trägt man sich gegenseitig durch das Spiel. Auch das könnte passieren.

Alles Spekulationen und  Hoffnungen natürlich (Der Fußball ist eben doch meistens „Hätte, hätte, Fahrradkette“). Verbunden aber trotzdem einmal mehr mit dem tiefen Wunsch danach, sich davon zu verabschieden, dass sportliche Leistungen durch Beleidigungen oder Schuldzuweisungen in den Kommentaren gesteigert werden können. Das tun sie definitiv nicht. Und das ist auch gut so.

Fußballer und Verantwortliche in Zeiten vor „Social Media“ machen sicher jeden Tag die berühmten drei Kreuze, weil ihnen nach schlechten Spielen definitiv viel erspart geblieben ist. Sofern sie es denn gelesen hätten. Was natürlich nicht bedeutet, dass an den Stammtischen und auf den Tribünen seinerzeit weniger gemotzt wurde.

Apropos motzen: Ich würde mir ab und an etwas mehr aktives Coaching wünschen. Ich bewundere unseren Trainer für seine Ruhe und hätte gerne selbst ganz viel davon. Auch braucht es sicher keine wild herumhüpfende „Taxofit Kappe“. Vielleicht jedoch helfen einer Mannschaft gelegentliche Korrekturen inklusive Präsenz in Echtzeit. Man weiß es nicht.

Nach reiflicher Überlegung habe ich mich also nun leichten Herzens dazu entschieden, mich auf das DFB Pokalspiel unter Flutlicht gegen Borussia Mönchengladbach zu freuen. Denn, wenn ich mich nicht freue, wird das Spiel trotzdem gespielt. Und, rein spekulativ: Sollte kurz nach Mitternacht der entscheidenden Elfmeter für uns verwandelt werden, dann hätte ich direkt ein super Geburtstagsgeschenk bekommen. Geradezu unbezahlbar wäre das.

Und nach dem Pokal, dann ist wieder (Niederrhein-)Pokal. Aber dann ist wieder Regionalliga. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass wir kein „Wuppertal“ mehr erleben werden. Lasst uns mal optimistisch werden.

Nur der RWE!

Rolle rückwärts.

Wir haben sie lange nicht mehr gesehen, unsere angestammten und so sympathischen Sitznachbarn. Bis heute. Trotz Dauerkarten für die vergangene Saison war es heute ihr erster Spielbesuch an der Hafenstraße im Kalenderjahr 2017. Sie konnten einfach nicht mehr kommen, hatten den sogenannten Papp auf, waren für den (monatelangen) Moment durch mit unserem RWE und seinem dargebotenem Fußball. Wir, die wir in Dortmund waren erzählten den beiden vor dem Spiel freudestrahlend davon und ebenfalls davon, dass nun alles besser werden würde. Dortmund war toller Fußball, dass Ergebnis hatte nur leider nicht ganz gestimmt.

Wir stehen wir denn nun nach diesem Spiel gegen den Wuppertaler SV dar? Die beiden, wie auch die vielen anderen Tausend Fans, die nicht in der Roten Erde waren, müssen sich doch komplett veräppelt fühlen nach dieser Leistung unserer Roten heute.

Von der ersten Sekunde an war klar, dass heute nur die aus dem Tal nicht in das Tal der Tränen stürzen wollten. Nicht einmal der frühe Führungstreffer des RWE, quasi aus dem Nichts erzielt, konnte kaschieren, dass hier und heute eine Mannschaft komplett neben der Spur agieren würde. Der Treffer brachte keine Ruhe in das eigene Spiel; das Mittelfeld fand kaum statt. Ebensowenig wurde die rechte Seite auch nur annähernd mit öffnenden Bällen in das Spiel einbezogen. Wollte zum Beispiel ein Pröger den Ball, so musste er sich ihn von irgendwo herholen.

Und warum betrachtet ein Torwart des RWE heutzutage den Fünf-Meter-Raum nicht mehr als seine eigene Laube und bleibt mehrheitlich auf der Linie „kleben“?  Das Ding ist eigenes Hoheitsgebiet, hier gehört alles aus dem Weg geräumt, was da nicht hingehört. Egal ob „Freund oder Feind“. Ran an den Ball möchte man verzweifelt von der Tribüne aus zurufen. Bist doch sonst ein Guter. Wie bewiesen zum Beispiel bei einem Konter der Wuppertaler irgendwann um die 75. Minute.

Nein, hier und heute ging alles schief, was nur schiefgehen konnte. Wohlgemerkt auf dem Feld. Für manche scheint ja ständig die komplette Geschäftsstelle mit auf dem Feld zu stehen, so wie nach einem solchen Spiel in alle Richtungen ermittelt geschossen wird.

Es fiel also der verdiente Ausgleich, was einen hinter uns sitzenden (und bislang stillen) Fan Zuschauer zu seinem großen Auftritt veranlasste: Mit dem Gegentor erhob er seine Stimme und brachte in einer zehnminütigen und lautstarken Schimpfkanonade einen Querschnitt all dessen dar, was die Foren und Kommentarspalten nach Niederlagen so hergeben. Ein „Best Of“ quasi. Seiner Begleiterin sichtlich peinlich, gefiel er sich in der Rolle des Hetzers über den Verein und wirkte sichtlich zufrieden. Alles Kreisklasse außer ihm. Es war schwerlich auszuhalten. Mit solchen Fans Zuschauern gewinnst Du einfach alles…

Das Spiel als solches war doch schon schwer genug auszuhalten, ein solcher Leistungsabfall gegenüber vergangenem Sonntag kaum zu erklären. Was ist passiert seit Dortmund? Spukte da schon Mönchengladbach im Kopf der Spieler herum? Mönchengladbach ist aber nur Kür, da wäre ich mit einem 1:3 sehr zufrieden. Heute aber war die Pflicht. Und diese haben Spieler und Trainer komplett vergeigt. Und das, obwohl man sich als Fan eine Woche lang wie schon lange nicht mehr auf ein RWE Spiel gefreut hatte.

Das kann man gegen Borussia Mönchengladbach auch nicht gutmachen, da eben nur Kür. Das kann die Mannschaft nur gegen die Zweitvertretung des 1.FC Köln gutmachen. Das ist die verdammte Pflicht.

RWE ist, wenn Du auf dem Hinweg die ganze RWE CD lauthals mitsingst, nur um sie nach dem Spiel direkt genervt aus dem Player zu schmeißen.

Ich hoffe nur, unsere Sitznachbarn kommen trotzdem gegen die Zwote des 1.FC Köln wieder. Und die Fahnengirls. Vielleicht wissen sie es nicht, aber sie fehlen absolut, wenn sie mal nicht da sind.

 

 

Geht wieder los.

Ein Fan des VfL Bochum hat mal festgestellt, dass die Phase vor Saisonbeginn durchaus mit Hoffnung verbunden ist. Wenigstens für die ersten drei Minuten des ersten Spiels. Danach könnten die Ziele eines Fans nachverhandelt werden. Nach dem Auftakt bei der Dortmunder Zweitvertretung bleibt festzuhalten: Wir haben nicht nur die ersten drei Minuten überstanden, sondern halten die Hoffnung worauf auch immer im Hinterkopf. Und wir halten auch nicht alle Plakate hoch. Ganz wichtig in Zeiten von Verallgemeinerungen. Wir helfen aber manchmal schon Stunden vor dem Spiel einem älteren Fan wieder auf die Füße, der über selbige gestolpert ist. Kurz nach Mittag. Aus Gründen, was dessen Begleitung zu der Frage veranlasste, ob er wirklich noch ein weiteres Bier vor dem Spiel trinken wolle.

Wir wissen nun nicht, ob erwähnter Fan überhaupt noch etwas von dem darauf folgenden und sehr spannenden Fußballspiel mitbekommen hat; es geht uns auch nichts an. Vielleicht aber stehen kommenden Sonntag wenigstens vor Spielbeginn andere Getränke auf der Karte.

Exkurs:

Wenn man einem Stadion etwas wünschen könnte, dann würde ich der Kampfbahn Rote Erde in Dortmund einen Standort wünschen, wo es nicht vom direkt angrenzenden Koloss Westfalenstadion erdrückt wird. Die Rote Erde an sich ist schon (immer noch) ein wunderschönes Stadion. Man denkt sich beim Spielbesuch einfach die moderne Tartanbahn nebst Diskuskäfig und mit Flatterband/Zäunen abgesperrten Bereiche weg und ist für neunzig Minuten wieder in einer Zeit angekommen, wo vorrangig entscheidend auf`m Platz war. Auch, wenn man dafür doch etwas weiter weg vom Spielfeld sitzt/steht. Die Tribüne mit ihren Aufgängen und Treppen rechts und links, inklusive sanitär bedingter Geschlechtertrennung (Die bei gestriger Fantrennung natürlich nicht einzuhalten war. Der männliche Rot-Weisse musste also bei den Frauen müssen); die Bänke und die Räumlichkeiten im Tribünenbauch: Einfach schön und gepflegt.

Ebenso alt wie die Tribüne dürften dort auf der Gästeseite die angebotenen Frikadellen im möglicherweise noch älteren Brötchen gewesen sein. Das aber nur nebenbei.

Der schönste Bereich in der Kampfbahn Rote Erde ist für mich jedoch der Eingangsbereich mit seinem schönen Stein, dem Biergarten und der Heimkurve. Wie schön kann doch der Fußball sein, betrachtest Du jenen aus einer Kurve wie dieser unter prächtigen Bäumen. Die nicht nur Schatten spenden, sondern gelegentlich auch das Lied des Windes singen. Ein harmonischer Dreiklang, der dem Fan nicht nur einen schönen Einlass beschert, sondern auch Gelegenheit, um noch lange nach den Spielen unter Gleichgesinnten über das gerade Gesehene zu fachsimpeln. Jedes Stadion sollte einen solchen Biergarten besitzen und über Dächer aus Bäumen verfügen, die im Herbst ein noch schöneres Farbenspiel bieten. Und auch hier: Natürlich ist das Spielfeld weit entfernt. Aber, hier darf man sein. Ich hoffe, der BVB erhält diesen Stadionbereich mindestens so lange, bis das Geld endgültig den Fußball zerstört hat und keine Fans mehr benötigt werden.

Während der neunzig Minuten gestern blieb aber keine Zeit mehr, sich weiter in düsteren Gedanken rund um den Fußball abseits des Rasens zu verlieren. Von Beginn an gingen beide Mannschaften trotz der schwülwarmen Witterung ein sehr hohes Tempo. Von Beginn an legte unser RWE eine Leidenschaft zu Tage, die man vielleicht etwas länger nicht mehr gesehen hatte. Manche munkelten sogar, auch sehr viel länger schon nicht mehr. Von Beginn an sorgten zudem beide Fanlager für eine nimmermüde Unterstützung. Es machte Spaß zuzuschauen. Sorgen bereiteten anfangs noch die Standards, lag hier doch unsere Schwachstelle. Aber, Trainer und Mannschaft schienen ihre Lehren aus dem Steinbach Spiel gezogen zu haben: Alles gut, alles schick. Die Roten gingen also durchaus verdient in Führung, um durch einen Elfmeter den Ausgleich zu kassieren. Da keine große Reklamation unsererseits folgte, gehe ich mal von einem berechtigten Pfiff aus. Allerdings hatte der Unparteiische definitiv seine ureigenen Schwachstellen, sorgte er doch auch für manch unerklärlichen Pfiff. Oder pfiff erst gar nicht, obwohl die ein oder andere Dortmunder Hand im Spiel war. Aber, als Gegner des Videobeweises rege ich mich nicht mehr lange darüber auf und habe somit die Tatsachenentscheidung zu akzeptieren. Wenn auch nur lautstark fluchend. Aber, auch das ist ja Fußball. Noch darf man fluchen.

In der zweiten Halbzeit wurde das Spiel noch intensiver als es eh schon war. Den Einsatz nun hauptsächlich an unserer neuen Nummer 10 mit Namen Pröger festzumachen täte den anderen Spielern natürlich unrecht, aber was er alleine für ein Lauf- und Grätschpensum abgeliefert hat: Chapeau! Ich wäre tot umgefallen, jede Sauerstoffmaske käme zu spät.

Ach, Herr Siewert: Das war übrigens Hafenstraßenfußball, wie wir ihn verstehen und meinen!

Kein Ball wurde verloren gegeben. Der Pröger also kein „Dröger“ sondern vielleicht der so erhoffte Gute. Alle liefen weiter und auch der schnelle Rückstand nach der Pause tat dem Einsatz und Willen keinen Abbruch. Das war aber auch ein schönes Gegentor. Die Weitschüsse, sie gehören noch lange nicht auf das Abstellgleis. Abgezogen und einmal oben in den Winkel gedonnert. Fußball, Du kannst so herrlich sein, selbst bei einem Gegentor. Das Spiel also weiter gallig und voller Spannung; gelegentlich bildeten sich gar Rudel, nur um sich dann wieder das Wasser zu teilen.

Dazu diese kleinen zwischenmenschlichen Szenen, die zeigen ob man eine Mannschaft auf dem Platz sieht oder nur Angestellte: Die Art, wie ein Spieler nach einer guten Situation gefeiert wurde; die Geste von Benni Baier nach seinem Ausgleichstor in Richtung Daniel Engelbrecht. All das tat gut und führte letztendlich zu einem mehr als verdienten 2:2 Endstand. Drei Punkte wären aber unter dem Strich trotzdem verdient gewesen. Hier darf ein gewisser Anteil dem Unparteiischen zugesprochen werden. An der Leistung von Rot-Weiss Essen hier und heute gab es jedenfalls nichts zu mäkeln.

Das sahen auch die anwesenden Fans so und verabschiedeten ihre Mannschaft mit langanhaltendem Applaus. Natürlich: Es ist erst der erste Spieltag und nichts darf überbewertet werden. Aber vielleicht ist jetzt erst der Schaden inflationärer Zu- und Abgänge behoben und kann es endlich wieder die Mannschaft des RWE auf dem Feld schaffen, den Verein zu vereinen.

Das gestern war ein guter Anfang. Und wir alle brauchen so dringend auch mal ein gutes Ende. Auf und neben dem Platz.

Nur der RWE!

Das (Fußball-)Buch ihres Lebens

Was als erstes auffällt ist die Haptik dieses Buches: Bedingt durch den stabilen Einband aus fester Pappe liegt es wunderbar in der Hand und klappt sich entsprechend zu (und wieder auf). Alle Bücher sollten sich so anfühlen und in der Hand liegen. Ein geradezu erwärmendes Gefühl. Eine der Autorinnen dieses Buches fand dann in einem „Post“ noch viel passendere Worte:

„Bücher soll man nicht nach ihrem Aussehen beurteilen, sagen sie. So´n Quatsch! Illustration vorne drauf, Konturlack auf dem Titel, Tornetz als Vorsatzpapier, der ganze Einband ein Liebeserklärung der Buchgestaltung an den Fußball“

Es bleibt aber nicht nur bei diesen Liebeserklärungen zur Buchgestaltung. Die Texte als solche sind es auch: Eine Liebeserklärung, Leiden inklusive! Vierundzwanzig sehr intelligente und schreibende (Fußball-) Menschen haben diesmal ihren Intellekt Intellekt sein und das (Fußball-) Herz sprechen, beziehungsweise schreiben lassen. Vierundzwanzig Mal ging es um das Spiel ihres Lebens. So erklärt sich auch der Titel des Buches: „Das Spiel meines Lebens“.

Warum das Buch einen so berührt sind bisweilen die Sätze, mit denen das Gefühl Fußball beschrieben wird. Das reine Ergebnis ist eigentlich sekundär, denn fast noch schöner als Fußballgeschichte sind doch Geschichten über den Fußball. Viel interessanter als Statistiken das, was das Spiel an jenem Tag mit den Menschen gemacht hat. Es entspringt diesem Buch das ganz große Gefühl, mit bisweilen ganz viel Hingabe. Der Leser liest von Stellvertreterdramen, Luizidem Vorsterbezustand; wird an Murdo MacLeod und das meinerseits schon vergessene „Silver Goal“ erinnert. Es handelt sogar von Arminia Bielefeld, Holstein Kiel, BFC Dynamo. Von Energie Cottbus, dem FC Carl-Zeiss Jena und nicht von Rot-Weiss Essen. Und von einigen anderen ganz bekannten Vereinen. Aber lest selbst.

Wobei Rot-Weiss Essen tatsächlich einmal erwähnt wird. Auf Seite 263.

Wer aktuell mit vielen Dingen rund um den Fußball dieser Tage hadert, der wird daran erinnert, was den Fußball wirklich ausmacht und warum wir doch immer wieder Tag für Tag auch unseren Verein leben. In diesem Buch dürfen Ball und die Neunzig Minuten endlich wieder glücklich sein. Für einen langjährigen Fan kann dieses Buch möglicherweise zweierlei bedeuten: Es kann einen schönen Abschluss der eigenen Fankarriere bedeuten, indem man sich selbst an die guten Zeiten erinnert und nun den Fußball komplett der Geldgier überlässt. Es kann aber auch einen Neuanfang bedeuten und uns darin ermutigen, dass wir die aktuell eher „kranken“ Entwicklungen im Fußball nicht gewinnen lassen werden.

Abschließend bleibt festzuhalten, dass man diesem Buch unbedingt einen zweiten und dritten Teil wünscht, und dass das schönste Paar von Berlin auch heute noch das schönste Paar von Berlin ist.

Das Licht am wo auch immer.

Nach der Saison ist vor der Saison. Was bedeutet, dass auch der RWE in absehbarer Zeit wieder in den Ligabetrieb einsteigen wird. Vorbei somit die Zeit der relativen Stille und entspannter Testkicks. Es wird Ernst. Und wir alle wissen, dass mittlerweile mit dem RWE nicht mehr zu spaßen ist. Den Grund kennen wir alle, ist er doch tief in fast zehn Jahren relativ sportlicher Bedeutungslosigkeit verwurzelt. Würde Pöbeln, Häme und Beleidigungen einen Aufstieg herbeiführen, so würden wir heute direkt wieder Bundesliga spielen; das ist ja mal klar.  Aber so einfach ist die Geschichte leider nicht, und das ist eben noch viel klarer. Der Verband aller Verbände rückt von dieser sportlichen Perversion namens Regionalliga nicht ab, und somit hat nicht nur der FC Bayern die Arschkarte und darf als Meister nicht direkt aufsteigen, sondern auch einige Vereine tief im Ligenunterholz darunter. Nun gut, der RWE braucht sich um derlei eigentlich auch noch gar nicht groß zu kümmern: Von einer Meisterschaft war man ebenfalls in den letzten Jahren ziemlich weit entfernt.

Aber, es ist auf jeden Fall gut, sich gegen die derzeitige Regelung zu positionieren, denn eines Tages ist man hoffentlich selbst davon betroffen. Und vielleicht leuchtet das Licht am Ende des so ewig langen Tunnels vielleicht schon in der kommenden Saison ein wenig heller als in den vergangenen Jahren. Es ist nicht nur der überraschende Erfolg im Testspiel gegen den scheinbar übermächtigen BVB, welcher die Hoffnung auf bessere Zeiten bestärkt. Es ist auch den vielen Abgängen geschuldet. Natürlich haben wir einen kleinen Kader und natürlich darf das vermaledeite ewige Verletzungspech nicht weiter wirken. Natürlich war auch das Testspiel in Bocholt kein wirklich guter Auftritt. Aber, diese permanente Fluktuation, diese ach so vielen Neuzugänge; diese spielerischen Enttäuschungen in unseren Trikots: Es wurde ein Schnitt vollzogen, der auf den ersten Blick eher etwas von ausbluten hat, aber auf den zweiten Blick einfach auch Sinn macht.

Es sind Spieler gegangen (gegangen worden), die unseren geliebten Verein einfach nicht weitergebracht haben. Geblieben jedoch ist ein eingespielter Stamm, welcher es nun leichter haben dürfte, gezielt verpflichtete Neuzugänge auf dem Feld zu integrieren. Aber wie geschrieben, immer unter der Prämisse, dass das Verletzungspech sich in der kommenden Saison einfach mal von der Hafenstraße fernhält.

Was leider aber auch geblieben ist, ist der gefühlte Fakt, dass alle anderen Vereine die Saison bei Null Punkten beginnen, unserer RWE die seine jedoch bei Minus was auch immer Punkten. Immer mal feste drauf auf das, was man doch eigentlich liebt. Immer kräftig dagegen anstänkern, dessen Fan man doch eigentlich ist. Fairerweise muss man sagen, dass es sich ja immer noch einigermaßen die Waage hält. Geduld ist schwer. Geduld nach nun fast zehn Jahren bisweilen unerträglich schwer. Aber noch einmal die Bitte: Kein Aufstieg wurde jemals durch Beleidigungen erreicht. Einen Aufstieg erreicht man nur zusammen.

Wir alle können dieses so lang ersehnte Ziel nur zusammen erreichen. Und das können wir, auch wenn wir inhaltlich trotzdem nicht immer einer Meinung sind. Das muss auch gar nicht. Der Fan darf seine Meinung haben. Der Verein natürlich auch seine. Der Ultra hat seine Meinung. Der Hool auch und der Meckeropa sowieso. Aber wir haben doch alle zusammen eines gemeinsam. Einen großen gemeinsamen Nenner: Wir alle haben Rot-Weiss Essen und Rot-Weiss Essen hat uns. Vielleicht können wir uns erst einmal auf diesen gemeinsamen Nenner verständigen und gucken mal, was in den ersten Spielen so geht. Das große Ziel können wir eh nur gemeinsam erreichen. Vielleicht aber noch eher zusammen.

Zusammen.

Der Mann mit dem Koffer. Oder auch: Wo war Frank Kontny?

Keine Angst:  In den folgenden Zeilen ist nicht von Rainer Calmund die Rede. Auch wenn ein solch Aktenkoffer inklusive Treffpunkt „Eiscafé La Perla“ durchaus eine Rolle in einem Film über einen sportlichen Seelenfänger der Wendezeit hätte spielen können.

Das besagte Eiscafé befindet sich in Essen Altenessen, existiert also wirklich und die (gute) Seele, um die es hier geht, nimmt einen gefangen. Aber in einer Art und Weise, die nicht nur das eigene Rot-Weisse Herz aufgehen, sondern auch Zeit und Raum vergessen lässt. Es ist gar nicht so einfach, einen Termin mit Günter Barchfeld zu bekommen, denn sein Leben ist nicht nur ein Gleichklang mit seiner Frau, sondern auch ganz eng mit den Terminen der  RWE Kicker verknüpft. Sofern diese denn an der Hafenstraße stattfinden. Doch am vergangenen Samstag machte sich der Tross des RWE auf in das Trainingslager und Günter Barchfeld fast zeitgleich auf den Weg in eben jenes Eiscafé. Er muss frühzeitig vor Ort gewesen sein, denn als wir kamen, war ein Eisbecher ebenso Geschichte wie die einzige Meisterschaft unseres Vereins.

Das Handy zusammengeklappt und folglich ein anderes Gespräch für unser Gespräch beendet, kam Günter Barchfeld sofort zur Sache und stieg ein mit dem Pokalfinale 1994 in Berlin: Im Zuge des Lizenzentzugs gab es wohl auch zwischenmenschliche Probleme innerhalb des Vereins, die darin gipfelten, dass in Berlin in zwei Hotels abgestiegen wurde: Mannschaft und Trainer nebst Verantwortliche auf der einen Seite, und wohl Frank Kontny nebst auch scheinbar Verantwortlichen auf der anderen Seite. Auf jeden Fall: Frank Kontny war weg und zudem in Ungnade beim amtierenden Trainer Wolfgang Frank gefallen. So sagt es die Legende. Nichtsdestotrotz  wollten nun alle anderen Spieler endlich wissen, wie es sich denn so aufläuft am bisher größten Spiel nach 1955. Aber, die Mannschaftsaufstellung gab es erst um halb fünf und zudem war der Kaffee schon kalt. Was einen weiteren Einsatz für Günter Barchfeld bedeutete: Heißer Kaffee musste her!

Während nun draußen im Olympiastadion die Feierlichkeiten vor dem Spiel begannen, die Hymne gespielt und DFB unfreundliche Banner einkassiert wurden, versuchten in den Katakomben die „Physios“ des RWE, Ingo Pickenäcker über anderthalb Stunden für das Spiel fit zu bekommen. Der Erfolg dieser Bemühungen eher suboptimal, denn Ingo Pickenäcker wurde schon in der 39. Minute durch Roman Geschlecht ersetzt. Zudem brachte es Günter Barchfeld um die ersten zwanzig Minuten des Endspiels, denn einer musste das herumliegende Verbandsmaterial in der Kabine ja entsorgen. Erspart bleib ihm dadurch immerhin die Führung der Werderaner. Das Ende des Spiels ist allgemein bekannt, was die Essener Mannschaft aber nicht davon abhielt, nun auf Partymodus umzuschalten. Und womit? Mit Recht! Dumm nur, dass man sich auch noch den Rolf Töpperwien mit in den Bus geholt hatte, machte er doch nun Stress und drängelte auf eine rasche Fahrt zum Hotel. Schließlich war das aktuelle Sportstudio seinerzeit noch wirklich wichtig.

Mit im Bus übrigens auch der verlorene Sohn Frank Kontny. Die Mannschaft hatte dafür gesorgt, quasi gegen den Willen des Trainers. Aber, es ging alles gut in den neunzig Minuten, die der Bus vom Stadion zum Hotel benötigte.  „Haben sich nicht an die Köppe gekriegt“, so Günter Barchfeld. Dass die innerstädtische Fahrt überhaupt an Dauer fast biblische Ausmaße annahm war der Tatsache geschuldet, dass die Mannschaft am „Kuhdamm“ den Bus verließ, um mit den Fans zu feiern und zu tanzen. In Zeiten permanenter Unzufriedenheit und ständiger Motzerei in den (a)sozialen Netzwerken heutzutage ein kaum mehr vorstellbarer Akt des gemeinsamen Miteinanders. Fußball war damals toll. Auch ohne Lizenz. Wir hielten zusammen. Der Rest des Abends war eine einzige große Sause und die „Kobra“ Jürgen Wegmann sorgte dankenswerterweise auf Bitten ständig für frisches Bier. Am nächsten Tag empfingen wieder viele Fans ihren RWE auf dem Kennedy Platz. Essen war Rot-Weiss.

Im darauffolgenden Jahr fiel diese tolle Mannschaft von Rot-Weiss Essen auseinander.

Ein frischer Kaffee wurde gebracht, und wir waren plötzlich in der Kindheit von Günter Barchfeld, aufgewachsen in der Wildstraße 4 in Vogelheim. „Vattern“ war eigentlich schuld daran, dass „Dicken“ (so nannte Vattern Berchfeld seinen Sohnemann Günter) ziemlich früh mit dem RWE konfrontiert wurde, lagerten doch im heimischen Keller die Trikots und Materialien der damaligen Spielergeneration in der Nachkriegszeit. Und so verwundert es nicht, dass der junge Günter schon 1946 im zarten Alter von zwölf Jahren mit seinem RWE das erste Mal zu einem Auswärtsspiel fuhr. Fahren durfte, in der hintersten Reihe sitzend! Was für eine unfassbar lange Zeit in Rot-Weiss.

Günter Barchfeld war an diesem Nachmittag wie ein guter Stürmer, somit kaum zu stoppen. Das ganze Spielfeld der vergangenen siebzig Jahre wurde beackert und so verwundert es nicht, dass wir ohne Vorwarnung in den wilden Siebzigern ankamen. In einer Zeit, in der es schon Abschlussfahrten nach Mallorca gab. Eigentlich hatte Günter Barchfeld Schicht auf seiner Zeche, doch Willi Lippens tat im Mannschaftskreis folgendes kund: „Wir nehmen keinen von der Presse mit, Günter muss mit“. Und so bekam Günter auf dem kurzen Dienstweg einige Tage frei und konnte die Mannschaft in das Hotel Bali auf Mallorca begleiten. Im Gepäck übrigens auch über hundert Fans der Kicker vonne Hafenstraße. Und was soll man schreiben? Es goss scheinbar weniger in Strömen als das es Alkohol floss. Aber wenn es darauf ankam, waren alle RWE Spieler stets wie aus dem Ei gepellt. Oder frisch geföhnt. Als sie dann Freitag Mittag wieder in Essen ankamen, legte sich Günter Barchfeld erschöpft hin und wurde erst Samstag Vormittag wieder von seiner Frau geweckt. Schließlich stand das gemeinsame Frühstück an.

Müßig zu erwähnen, dass Günter Barchfeld auch 1955 in Hannover zugegen war. Anhand des Fotos vom Niedersachsenstadion an jenem Tag konnte er genau zeigen, wo er und seine Freunde („Wir sind immer zu zweit oder dritt gefahren“) im weiten Rund standen. Zurück in Essen war er übrigens erst am Folgetag und somit fast zeitgleich wie die Meistermannschaft. Auf die Frage, wo er denn dann die Nacht vom 26. auf den 27. Juni 1955 verbracht habe, kam lakonisch nur: „Keine Ahnung“.  Dann ist das einfach mal so. Schließlich war man Fan eines Deutschen Meisters! Wen interessiert da schon eine Nacht.

Ach, es machte so viel Spaß, diesem so sympathischen Mann zuzuhören. Wir erfuhren, dass die Familie von Christoph Metzelder von Haus aus RWE Fans waren, und das mit Wolf Dieter Ahlenfelder an der Pfeife selten ein RWE Spiel verloren wurde. Und das es nachher immer in die so sehr vermisste Stadionkneipe ging. Also mit dem Herrn Ahlenfelder jetzt. Von einer Fahrzeugkontrolle in Verbindung mit Dieter Bast war auch noch die Rede, aber bevor ich das hier falsch wiedergebe, lassen wir diese schönen Zeiten einfach mal so stehen.

Dort in Essen, wo Günter Barchfeld nun mit Frau Helma lebt, wohnen in unmittelbarer Nachbarschaft laut seiner eigenen Einschätzung 95,5 % Schalker. Aber, so seine Erfahrung: „Man kann mit ihnen sprechen, es gibt mit den Leuten keine Probleme“. Schon zu seiner Zeit unter Tage kam ihm dieses Schalke in Gestalt eines Kollegen in die Quere. Man wusste sich aber auch da schon zu einigen: „Spielte Schalke zuhause, hatte der Kollege frei. Spielte der RWE anne Hafenstraße, hatte ich frei“.

Eine Fanta muss es nun sein, denn die Herzoperation 2001 inklusive künstlicher Herzklappe erfordert aktive Gegenmaßnahmen. Auch hier spielte der Verein eine große Rolle, denn von allein hätte Günter Barchfeld die seinerzeitige Kurzatmigkeit kaum ernst genommen. Man war halt lange unter Tage. Auch wenn massiv Pyro im Stadion gezündet wird, benötigt Günter Barchfeld seine zusätzliche Fanta, da ihm dann die Luft zu knapp wird. Vielleicht das ein Beleg dafür, dass Pyro bisweilen schön anzuschauen ist, aber doch eine gesundheitliche Gefährdung darstellen kann. Eine Gefährdung also derer, die uns allen sicher ganz viel bedeuten.

Einen Wunsch hat Günter Barchfeld, dessen Lieblingsspieler Penny Islacker, Willi Lippens und Frank Kurth sind (der Trainer seines Herzens übrigens Hans-Werner Moors) dann doch noch an unseren aktuellen Trainer Sven Demandt: Er möchte zuhause bitte mit drei Stürmern spielen. Ist hiermit weitergegeben. Wobei ich mich gerade frage: Haben wir überhaupt drei Stürmer im Kader? Egal, tut hier nichts zur Sache.

Das waren sie im Groben, die neunzig  Minuten mit Günter Barchfeld. Ich hätte diesem wundervollen Menschen ohne Ende weiter zuhören können (Er hatte übrigens nur Augen für meine Frau, erzählte immer nur in ihre Richtung, welch Charmeur). Günter Barchfeld geht es gut, er ist mit sich und seiner Rot-Weissen Welt im Einklang; sorgt sich ansonsten stets um das Wohl seiner lieben Frau. Und er ist optimistisch, was die kommende Saison angeht. Der gestrige Erfolg gegen Borussia Dortmund dürfte ihn darin bestärkt haben. Darauf einen frischen Berliner und nur der RWE!

Günter Barchfeld klappte seinen Klappkoffer zu und machte sich auf den Weg nach Hause. Was für eine schöne Zeit.

 

Dialektischer Humor

„Ich freue mich, wenn es Vierte Liga gibt. Denn wenn ich mich nicht freue, gibt es auch Vierte Liga“.

Etwas abgewandelt hier ein Zitat von Karl Valentin, dem Meister des dialektischen Humors. Handelt im Original übrigens von Regen. Was ich damit sagen will ist: Ich kann mich über den Fakt Regionalliga aufregen wie ich will, er ist leider und faktisch Tatsache. Und das seit nunmehr (viel zu) langen Jahren. Aber ich kann ihn beim besten Willen aktuell nicht ändern. Als Fan nicht. Als Verein leider auch nicht. Da kann ich noch so sehr eine Schneise der verbalen Verwüstung durch sämtliche Kommentarspalten, meinen Verein Rot-Weiss Essen betreffend, ziehen! Poste ich bei jeder Gelegenheit meinen Hass auf die unbefriedigende Gesamtsituation unter jeden noch so profanen Artikel….so steigen wir dennoch nicht automatisch auf. Das ist einfach so. Wirklich!

Der Verein kann da momentan auch einfach bringen was er will, es wird bisweilen gezielt unreflektiert und am Thema vorbei kommentiert. Manchmal frage ich mich, ob überhaupt noch zur Kenntnis genommen wird, was von Vereinsseite an Informationen kommt, oder ob der hämische Kommentar schon via copy & paste dauerhaft gespeichert und genutzt wird. Neue Spieler sind zu jung oder zu alt. Zu dünn oder zu dick. Legionäre oder Opfer. Zu oft verletzt oder nie im Kader. Haben eine Großtante in Gelsenkirchen oder zu kurze Beine. Das neue Trikot wird eh Scheisse und XY muss sowieso raus, damit es aufwärts geht. Aber so geht es leider nicht aufwärts. Nein, es klappt so einfach nicht.

Wir tragen alle den gleichen Wunsch in uns; diese unstillbare Sehnsucht nach was Besserem. Und ja, wir sind definitiv eine Nummer zu groß für diese DFB gewollte Regionalliga. Wir können noch nicht mal wirklich etwas dafür, dass wir überhaupt hier versauern, denn wir haben speziell in den Spielzeiten 2006 bis 2008 doch wirklich alles dafür gegeben, um den Doppelabstieg zu verhindern. Hatten ihn nach Magdeburg mit Kraft unserer Stimme schon so gut wie verhindert. Doch dann wirkten bisweilen andere Kräfte auf unsere Balltreter. Und nun versauern wir hier schon fast zehn Jahre.  Nein, wir Fans sind unschuldig! Es war der Kader von 2007/08, der uns in das sportliche Abseits manövriert hat.

Doch seit dieser Zeit hat sich nicht nur die Gesellschaft durch die (bisweilen a-)sozialen Medien verändert, sondern auch die Geduld der großen Rot-Weissen Fangemeinde. Aber die Gegner leider auch. Wir streben nicht alleine nach der dritten Liga, sondern es gibt etliche Mitbewerber. Davon einen zum Beispiel, den in der eigenen Stadt eigentlich niemanden so wirklich interessiert; den aber ein reicher Gönner sein eigen Spielzeug nennt. Nee, nicht Schalke. Und so wird der Parforceritt durch die Liga schon seit Jahren zu einem Erlebnis erster Frustrationsgüte für Spieler, Fans und Verantwortliche. Nebengeräusche wie Hoch3, der Ausstieg von Innogy und hohe Strafen befeuern die schlechte Stimmung rund um die Hafenstraße immer weiter. Ein „Alle gegen Alle“ Gefühl macht sich bisweilen breit. Ein unangenehmes Grummeln in der Rot-Weissen Magengegend, ein Stechen in der ebensolchen Brust. Mir tut das weh!

Ich habe heute in einer Talkshow (Kölner Treff) ein schönes Zitat des Bestsellerautors Frank Schätzing gehört, welches mich direkt an unseren RWE erinnerte:

„Du kannst nur kreativ sein, wenn Du von Herzen bereit bist, zu scheitern“

Wir gestehen unseren Spielern nach Jahren des sportlichen Frustes nicht einmal mehr ansatzweise zu, zu scheitern und wundern uns dann, wenn sie nicht mehr kreativ sind. Sich den Ball zu spielen trauen, den man sich vielleicht früher getraut hat zu spielen. Wir haben in der kommenden Saison einen eher kleinen Kader. Aber vielleicht kann es ein kleiner, aber eben auch sehr feiner Kader werden. Einer, der zusammenhält und kreativ werden darf. Weil wir auf den Rängen ihm zugestehen zu scheitern. Um dann zu siegen. Du, unser RWE.

Man kann sich nun in den Kommentarspalten nun gerne über diesen Text auslassen, mich abstrafen, anpöbeln oder was auch immer. Fakt aber ist: Es führt nicht zwingend zu drei Punkten im nächsten Spiel. Was wir aber dringend benötigen ist leider Geduld. Und vielleicht sicher Zusammenhalt. Den Zusammenhalt, für den die Hafenstraße in (längst) vergangenen Jahren immer wieder so gerühmt und gefürchtet wurde. Wir brauchen keine Chorknaben oder Musterschüler. Aber wir brauchen in der kommenden Saison endlich mal wieder ein „Zusammen“. Denn nur zusammen kommen wir da raus. Nur zusammen kann man auch dem aktuell etwas aus der Spur geratenen DFB wieder zurück in die Bahn verhelfen.

Zusammen. Nur der RWE!

Fünf Jahre. (Aus`m Buch)

Weil wir das Georg-Melches Stadion hatten und verabschieden durften. Mussten.

Wenn das Fußballerlebnis des Jahres mit Abstand das traurigste, aber auch das schönste zugleich ist, dann muss es fast zwangsläufig etwas mit Fußball zu tun haben! Denn wo sonst treten Gefühle so gebündelt, so ungefiltert auf? Sind nicht nur einfach gut oder einfach schlecht, sind bisweilen unerklärlich!

Es war der 19. Mai 2012, an welchem das allerletzte Pflichtspiel im Georg Melches Stadion an der Hafenstraße in Essen Borbeck stattfinden sollte. Es war ein warmer Tag, die Sonne schien uns allen gnädig. „Fritz Walter Wetter“ hätte aber auch gepasst. Unser aller “GMS”, diese alte „Kabachel“. Abgewrackt, amputiert und heruntergewirtschaftet. So wie kurz zuvor noch der ganze Verein. Und doch bis dato voller Stolz auch dem modernen Fußball trotzend. Schließlich war man ja mal wer und Vorbild für viele anderen Stadien der 50er Jahre und noch weit darüber hinaus.

Egal auch, in welcher Liga der RWE gerade mal wieder herumwurschtelte, an Spieltagen waren die schon weit entfernt sichtbaren Flutlichter Fixpunkte für all die Fans, welche die Hafenstraße nun in Richtung Hausnummer 97a bevölkerten. Dort angekommen gleich für diese unvergleichliche Geräuschkulisse auf dem Vorplatz der Osttribüne sorgend. Immer auch unter den wachsamen Augen der Staatsmacht.

Essen ist kein einfaches Fußballpflaster: Essen ist rau, kann böse werden. Dich aber auch in den Arm nehmen! Dein Schicksal teilen; ist immer ehrlich und fast mit ganzem Herzen rot-weiss (Die Fahrzeuge mit Essener Kennzeichen und Schalke Aufkleber einmal ausgenommen. Das sind schwere Einzelschicksale). So wurde auch Fußball gespielt an der Hafenstraße; wurde es sogar erwartet. Also ehrlich und mit ganzem Herzen. Wehe dem Spieler, der nur sein Trikot spazieren trägt. So richtig schöne Fußballspiele waren eher selten.

All das war also das Georg Melches Stadion und eben noch viel mehr. Bis zu diesem letzten Spieltag der Regionalliga West, Saison 2011/2012: Rot Weiss Essen gegen SC Fortuna Köln hieß die letzte Paarung an traditionsreicher Stätte. Diesem Mythos, dem Stadion Töpperwien’scher Lobpreisung („Eine Begrüssung, wie ich sie in 23 Berufsjahren, ausser in Mexico City, Atztekenstadion, noch nie erlebt habe“)

Es sollte ein unvergesslicher Abschied werden. Gefühlt viel früher als sonst strömten die Fans aus allen Richtungen herbei, wurden Traditionen längst vergangener Tage wieder zum Leben erweckt („Kokosnüsse jemand hier“) und scheute fast ein jeder den Blick Richtung alte Westkurve, wo die neue Heimat Stadion Essen schon in Lauerstellung lag. Heute galt es, sich noch ein letztes Mal an gewohnter Stelle mit gewohnten Weggefährten zu treffen. Alles mittlerweile ritualisiert.

Im Stadion selbst bereiteten die Ultras Essen und Umfeld eine Choreo vor, um damit dem geliebten Stadion gebührend Tschüss sagen zu können. Und als die schon erwähnte Lobpreisung durch Rolf Töpperwien (Dem TV Publikum seinerzeit begeistert im Rahmen einer DFB Pokalbegegnung gegen Bayer Leverkusen kundgetan) krächzend aus den altersschwachen Boxen ertönte, zeitgleich eine unglaubliche “Choreo” hochgezogen wurde, da flossen erste Tränen!

Zu sehen aber nur von der Haupttribüne aus, denn hier wurde das mit den Fähnchen gemacht. Die Stehtribünen waren auf den Resten der „Nord“ unter einem riesigen Konterfei Georg Melches, sowie auf der „Nord“ unter einer gigantischen Bildergeschichte versteckt. Welch ein Erlebnis an einem Tag zu einer Zeit, in der es sich persönlich nicht nur von einem Stadion zu verabschieden galt. Ein Abschied in eine bessere Zukunft übrigens. Zu viel der Emotionen, zu viel der Tränen um einen herum. „An der Hafenstraße, RWE“ wurde in einer klassischen Version abgespielt, „Adiole“ in Originalfassung; gestandene Männer, welche mehr schluchzten denn sangen. Alles in allem Emotionen, die sich zwangsläufig in Tränen auflösen mussten. Es floss also an allen Ecken munter vor sich hin. Die Ultras Essen und alle an diesen Momenten beteiligten Fans hatten sich selbst ein Erbe gesetzt. Und der Welt gezeigt , dass sie besser sind als Messi.

Mit dem Anpfiff eines überraschend kurzweiligen Spieles in Anbetracht seiner sportlichen Bedeutungslosigkeit begannen dann die letzten 90 Minuten im Erbgut von Georg Melches. Es herrschte einige Minuten fast völlige Ruhe, es galt wohl allerorten, das gerade erlebte zu verarbeiten als aus irgendeiner Ecke der Haupttribüne dieses unvergleichliche “Oh immer wieder” angestimmt wurde.
Was soll ich sagen? Fußballerlebnis halt. So intensiv.

Es spielte sich dann harmlos, aber wie schon erwähnt, kurzweilig weiter. Der Unparteiische pfiff mal an, mal ab und zum Schluss pfiff er den Schlusspfiff. Aus, aus, aus…das Spiel war aus und sechsundachtzig Jahre Georg Melches Stadion waren Geschichte. Fassungslose Gesichter bisweilen, die vielleicht jetzt erst realisiert hatten, dass es wirklich nun Abschied zu nehmen galt. Das Stadion leerte sich dementsprechend langsam. Viele blieben einfach in ihrem Block stehen, kauerten auf ihren Sitzen oder formierten sich noch einmal und sangen ihre Lieder. Auf der Haupttribüne wurde “Mexico” gesungen, einige der Sänger durften vielleicht erst jetzt nach dem allerletzten Abpfiff und Jahren wieder ein Stadion betreten. Aber auch das gehörte zur Fußballkultur im Georg Melches Stadion.

Dieser Tag, definitiv das Fußballerlebnis im Jahre 2012, trotz so unglaublich vieler anderer intensiver Momente rund um das runde Leder. Ein Tag, welcher die Bedeutung dieses Vereins für die Menschen so unfassbar intensiv wiedergegeben hat, der aber noch viel mehr gezeigt hat, dass ein Stadion, richtig gelebt, kein Konstrukt aus Beton ist, sondern eine Seele hat. Tausende sogar. Ein Stück Heimat ist. Das Georg Melches Stadion an der Hafenstraße war Heimat. Aber die Fans von Rot Weiss Essen wären nicht sie selbst, hätten sie die Seele des GMS nicht schon einige Meter weiter mit hinübergenommen in das Stadion Essen an der Hafenstraße. Auch, wenn es Richtung Mythos noch ein ganz, ganz langer Weg sein wird.

„Das Leben ist wie eine Pralinenschachtel, man weiß, dass man nur Pokal bekommt“

Prolog:

Schon die Filmutter der allseits beliebten Filmfigur des Forrest Gump ahnte, dass Rot-Weiss Essen in der letzten Dekade seiner sportlichen Schaffensphase eher dem Niederrheinpokal, als der Liga zugetan ist. Hier nämlich fängt man erst einmal ganz gemütlich an: Auf kleinen Plätzen womöglich und weitestgehend unbeobachtet von der eigenen Anhängerschaft, um sich dann vorzuarbeiten zu emotionalen Halbfinal- und/oder Finalspielen mit großer Kapelle. In den letzten beiden Jahren dann gekrönt vom Pokalgewinn und Bonusprämie Erstrunde DFB Pokal.

Kapitel 1 – 1907:

„Bäääääm“ war auch im Lostopf für die Überschrift zu diesem Text, aber das wird nun einfach aus Gründen das Schlusswort. „Angst“ war eine weitere Option, denn ich muss gestehen, dass ich vor diesem Spiel eine gehörige Portion Anspannung, ja fast Angst verspürte. Und das seit Tagen. Angst um unseren Verein; Angst um die Zeit bis Saisonende, sollte das Spiel im Tal verloren werden. Kannte ich bis dato seit einiger Zeit nicht mehr so. Die Liga wurde zwar meistens frühzeitig abgeschenkt; die Reaktionen darauf schwankten wie immer vielfältig zwischen Meckern und Meckern. Doch es gab wenigstens die kleine Stecknadel Europapokal Niederrheinpokal im saisonalen Heuhaufen. Das Bonusgeschenk für klein gehaltene Regionalligisten; der Treuerabatt für die Fußballunterschicht. Der Pokal des Dorfpolizisten in den ersten, sowie der Pokal für Wasserwerfer, Hubschrauber und Hundertschaft in den letzten Runden.

Im aktuellen Wettbewerb jedoch war die Leichtigkeit auf einmal dahin: Der Pokal wurde unter anderem durch den plötzlich und unerwarteten Rückzug eines großen Sponsors zu einem Wettbewerb von fast existenzieller Bedeutung, um den Spielraum für die kommende Saison zu erweitern, bzw. gar zu halten. Und vielleicht kann auch schon dieses Halbfinale den Einzug in den DFB Pokal bedeuten, sofern der MSV die schwere Hürde RWO überspringt und zudem in der dritten Liga mindestens auf Platz vier einläuft. Alles fokussierte sich also auf das Halbfinale gegen den WSV. Zeitgleich jedoch eilte die Mannschaft in der Liga von Unentschieden zu Unentschieden; wurden Kaderstärke, Torquote und Zuschauerzahlen minimiert. Teure Strafzettel und ein Fanleben auf Bewährung sorgten ebenso für Sorgenfalten. Alles in allem also eine eher suboptimale Situation in den letzten Tagen und Wochen vor dem Pokalhalbfinale.

Blieb also die alles entscheidende Frage, wie die Mannschaft mit diesem Druck umgehen würde. Es heißt ja durchaus in selbsternannten Fachkreisen, dass zum Beispiel der (Aufstiegs-) Druck bei RWE regelmäßig die Beine der Spieler lähmt (um ab und an beim darauffolgenden Verein aufzublühen). Und dann gibt es ja noch diese ominösen letzten Minuten, in welchen der RWE in schöner Regelmäßigkeit noch ein Gegentor kassiert. Massiver Druck kam im Vorfeld natürlich auch aus Wuppertal. Ein Aufruf zum Beispiel von epochaler Qualität, der als peinlichster Aufruf aller Zeiten, seit es peinliche Aufrufe gibt, in die Geschichte eingehen wird. Die Rhetorik Freunde Wuppertal haben alles, aber auch wirklich alles gegeben (Mal ernsthaft: geht es wirklich nur noch mit stumpfer Beleidigung gegen alles und jeden? Hat dieses Internet uns alle so im gegenseitigen Respekt verrohen lassen? Es geht doch auch kreativ und mit Witz).

Wir spulen an dieser Stelle vor und erleben das Spiel auf holprigen Rasen. So empfand ich die Spielfläche. Es hat seine Zeit gedauert, bis nicht nur alle Essener Fans Einlass fanden, sondern auch die Spieler mit dem Untergrund klarkamen. Zu Beginn doch viele „Stockfehler“ auf beiden Seiten. Die erste Halbzeit insgesamt relativ Unentschieden, daher vielleicht auch das Halbzeitergebnis von Null zu Null. Die zweite Halbzeit begann mit dem Anpfiff und war gefühlt für den RWE in der 55. Minute vorbei, als der WSV zum 1:0 traf. Ein Schock, denn bislang waren die Wuppertaler eher so semigefährlich Richtung Essener Tor unterwegs. Gefühlt war da das Ding gegen uns gelaufen. Ich gestand mir diese negativste aller negativen Einstellungen zu. Ich musste mich für meinen Optimismus vor dem Spiel nun kasteien. Doch dann kamen die wilden sechziger zurück: Flowerpower am Zoo: Einundsechzigste der Ausgleich durch Benjamin Baier. Dreiundsechzigste die Führung durch (den vielgescholtenen) Timo Brauer und deren Ausbau in der neunundsechzigsten durch wiederum Benjamin Baier.

Mehr Treffer und Höhepunkte in den Sechzigern hatte wohl nur noch Keith Richards. Eine starke Vorstellung beider Mannschaften in jener zweiten Halbzeit, die sich zu einem echten und so oft vielzitierten „Pokalkrimi“ entwickelte. Ein Bundesligaspiel Wolfsburg gegen Ingolstadt kann nicht im Ansatz diese Emotionen und Atmosphäre auf die Ränge zaubern. Das ist und bleibt das Privileg der Fußballtradition. Wir haben kein Geld und kein Erfolg, aber wir haben uns! Stabil an diesem Abend einmal mehr die Abwehrreihe  um den mittlerweile langhaarigen langen Zeiger und den wiedergenesenen Windmüller. Selbst der Anschlusstreffer und die scheinbar nun in Beton gegossenen vier Minuten Nachspielzeit ließen hinten nichts anbrennen.

Bleibt die eine alles entscheidende Frage: Warum bringt man eine solche Leistung nicht auch in der Liga auf den Platz? Normalerweise gewinnt man in Wuppertal nicht. Seit Jahren nicht mehr.  Und dann auf einmal dieser Abend und diese Leistung. Zudem mit einem Minikader. Überragend übrigens, wie auch die Ersatzspieler am Spielgeschehen teilnahmen und die Tore bejubelten. Das gab ein tolles Gefühl, eine ganze Mannschaft anzufeuern. Einen Verein. Unseren Verein! Und dann wird auch noch der Betreuer zum Rastelli am Ball. Kannste Dir alles nicht ausdenken.

Abpfiff. Finale erreicht, witziges Banner präsentiert und der Mannschaft überreicht. So geht es doch auch. Und doch wird dieses Halbfinale unserem Verein erneut eine empfindliche Strafe bescheren, da gezündet wurde. Ach Mensch, man hätte doch auch mal den Bewährungsauflagen Folge leisten können. Nun hat vielleicht die Leidenschaft weniger zur Folge, dass die Leidenschaft vieler für ein Spiel verwehrt bleibt. Und doch: Warum muß eigentlich ein Verein die Strafe für etwas bezahlen, was er nicht zu verantworten hat? Wenn ich meinen Balkon abfackele, muss doch auch nicht die Stadt bezahlen! Hier muss einmal mehr miteinander gesprochen werden. Müssen Lösungen her. Bundesweit. Verbote stoßen auf taube Ohren, bringen nichts. Warum nicht doch in Maßen legalisieren? Wie auch immer geartet. Aktuell aber gilt: Die Zeche darf einmal mehr der RWE bezahlen, und das ist in Anbetracht der aktuellen Finanzlage bitter. Trotzdem haben alle Fans zusammen ihren RWE unentwegt angefeuert. Ihr für uns und wir für Euch.

Epilog:

Schlichtweg fertig nach Abpfiff, gar nicht mehr zur wirklichen Freude fähig. Sondern nur das ausmalend, was uns zum Glück erspart geblieben ist: Das Szenario der nächsten Tage im Falle einer Niederlage. Es ist nicht dazu gekommen. Hurra wir leben noch. Und nun gucken wir mal ganz entspannt, wer der Gegner im Finale sein wird. Wird es der MSV, kann es ein rauschendes, weil befreites Finale werden. Wird es RWO, bedeutet das ein Existenzendspiel für beide Vereine um den Lostopf DFB Pokal. Es bleibt spannend. Danke Jungs, speziell in der zweiten Halbzeit war es ein klasse Spiel von Euch. Bitte mehr davon.

Bäääääm!

„Die Luft des Meisterschafts Finales atmen die Bergeborbecker zum ersten Male!“

Die heutige Überschrift ist Seite Vier der einen Tag nach dem Endspiel von Hannover erschienenen Sonderausgabe zur Deutschen Fußball-Meisterschaft 1955 entnommen. Sozusagen eine Überschrift auf Leihbasis. Einunddreißig Seiten umfasst diese im Original vor mir liegende Sonderausgabe und will mit Samthandschuhen angefasst werden. Zweiundsechzig Jahre ist eine lange Zeit. Sowohl für vergangene Meisterehren, als auch für eine Zeitschrift. Das Titelbild übrigens erweckt den Eindruck, die Roten Teufel hätten in grasgrüner Kluft versucht, die Meisterschaft in die Pfalz zu holen. Tatsächlich jedoch war die Druckmaschine auf Rot-Weißer Seite, denn:

Fünf Minuten vor Spielbeginn betreten die beiden Endspielteilnehmer, der Vizemeister des Vorjahres, 1.FC Kaiserslautern, in „Schalke Blau“, der erstmalige Finalist Rot-Weiss Essen in seiner Vereinskluft, das mit mehr als 75.000 Zuschauern bis auf den letzten Platz gefüllte „Niedersachsen-Stadion“. Ein Jubelsturm empfängt sie – (Seite 23)

Die Lauterer also in Königsblau. Selbst schuld. Auf exakt einunddreißig Seiten nun lassen Herausgeber Gerhard Bahr und seine Redakteure Vorrunde, Rückrunde und eben jenes für uns so bedeutende Endspiel Revue passieren. Auch der Amateurmeisterschaft wurde eine Doppelseite gewidmet. Auch so ein Wettbewerb, in welchem der RWE sich sehr gut auskennt. Lange Rede, kurzer Sinn: Hinein in das Heft der schönen Erinnerungen; erschienen am 27.Juni 1955…..

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Jetzt tanzen alle Puppen, macht auf der Bühne Licht! Macht Musik bis der Schuppen wackelt und zusammenbricht.

Soweit die Eröffnungsstrophe aus dem Titellied der sicher allseits bekannten und beliebten Muppets Show. Kermit kurz vor der Eskalation. Natürlich muß er sein Ensemble euphorisch präsentieren und die Inhalte der folgenden Show in den höchsten Tönen loben. Aber Kermit darf das, denn er ist zum einen ein Frosch aus Plüsch und zum anderen eine (seinerzeit wundervolle) Erfindung der Unterhaltungsindustrie.

Das Fußballmagazin 11Freunde bereichert mein fußballkulturelles Leben seit Ausgabe 1 nach Gründung und Fußball am TV schaue ich, seit begriffen habe, warum diese vielen Männer in kurzen Hosen auf dem kleinen schwarz/weiß Bildschirm (wir hatten ja damals nichts anderes) einem Ball hinterherlaufen. Die Ausgaben der 11 Freunde waren und sind wie Spiele von Rot-Weiss Essen: Auf drei gute Ausgaben folgt bisweilen eine Ausgabe, die inhaltlich etwas schwächelt (bei RWE ist das Verhältnis ehrlicherweise eher andersherum) und die Fußballreportagen waren geprägt von einer nüchternen Anmoderation und sachlich-fachlichen Kommentatoren. Man könnte auch sagen: Das war bisweilen dröge, aber das Spiel stand im Mittelpunkt.

Heute haben wir Privatfernsehen. Internet. Und scheinbar gingen mit ihnen die Maßstäbe, Vernunft, das ehrliche Miteinander und ein Mindestmaß an Streitkultur und Respekt verloren. Das Leben soll ein buntes Knallbonbon sein. Alles wird aufgebauscht, muss toll sein, nur keine Schwäche zeigen oder Langeweile erzeugen.

Und so kam es dann wohl eines Tages, dass Redakteure sich überlegt haben, wie sich die diversen Ligen noch besser verkaufen können. Fortan spielte nicht mehr die zweite Bundesliga, sondern die beste zweite Liga aller Zeiten. Die erstklassige zweite Liga; die Liga, die zweitklassig besser die erste sein könnte, die tollste Liga ohne den RWE usw. Die Ligen spielen den besten Abstiegskampf aller Zeiten, das spannendste Aufstiegsrennen seit Jesu Christi Geburt und haben den besten Zuspruch ever,ever,ever. Das aber nun schon seit einiger Zeit Saison für Saison.

Wenn aber doch schon die vergangene Saison die beste aller Zeiten war, wie zum Teufel kann denn dann auch die aktuelle Saison wieder die beste aller Zeiten sein? Und wie wird die kommende Saison betitelt?

Ich verstehe das nicht mehr. Aber ich bin ja auch nur der beste Blog aller Zeiten mit dem erstklassigsten Verein aller Zeiten.

Und warum nun sitzen seit einiger Zeit die Online Redakteure der von mir so geschätzten 11Freunde vor dem Rechner und teilen bisweilen kleine Clips in schlechter Qualität oder von nicht wirklich besonders interessantem Inhalt und verkaufen diese als etwas ganz tolles? Man muss doch nicht bei jedem Fundstück gleich wieder so aus dem Sattel gehen, als ob dem RWE endlich mal wieder ein Aufstieg geglückt ist. Es wird gejuchzt und gekreischt vor dem Monitor, als ob auf einer Dessous Party David Beckham aus der Torte springt. Ich weiss nicht, ob es nur mir so geht, aber wenn ich mich doch mal wieder fangen lasse und das Video anklicke, dann sehe ich die Sensation nicht immer sofort. Und manchmal auch gar nicht. Was aber vielleicht auch an der Qualität des Internetfundstücks liegen mag. Na ja, ich muss das ja nicht gucken.

Borussia Mönchengladbach zum Beispiel hat in Florenz beim dortigen AC eine fulminante zweite Halbzeit hingelegt. Ich habe nur diese eine Halbzeit gesehen und war als Fußballfan von dem Spiel der Fohlen sehr angetan. Der Kommentator auf Sky hingegen bekam fast einen verbalen Höhepunkt; stufte das Spiel als eine Legende ein, die gleichzusetzen sei mit der Mutter aller Europapokal-Arithmetik-Spiele Bayer 05 Uerdingen gegen Dynamo Dresden, bekam sich bisweilen gar nicht mehr ein. Mooooment, dachte ich so bei mir: Dieser Vergleich wollte sich mir nicht so richtig erschließen, waren doch Torfolge und Dramatik damals noch eine Spur intensiver als das Spiel in Florenz. Ich kann mich aber auch erstklassig täuschen.

Heutzutage wird alles so schnell hochgejubelt und übertrieben angepriesen. Wollte ich nur mal loswerden, lag mir auf der Fußballseele.

Es ist und bleibt trotzdem nur Fußball. Unser Spiel.

 

Wird die Eintagsfliege gegen Abend traurig?

Schmetterlinge im Bauch und und eine fast juvenile Begeisterung machten sich seit Tagen breit; äußerten sich in einem beherzten Druck auf das Gaspedal. Nach langen Monaten endlich wieder Hafenstraße! Endlich wieder RWE und endlich  wieder viele wunderbare rot-weisse Menschen. Nun gut: Fans sportlich erfolgreicher  Vereine könnten an dieser Stelle zurecht auch auf das anstehende Spiel verweisen, welches doch prinzipiell stets der Hauptgrund eines Spielbesuches sein sollte. Daher ja auch der Name Spielbesuch. Erfolgsfans mögen mir aber verzeihen und auch aktuelle Kunden von RBL würden sicher mit Unverständnis reagieren: Eine Fahrt an die Hafenstraße nach Essen ist aktuell erst „Familienbesuch“ und dann Spielbesuch. Ändert sich auch wieder.

(Natürlich freue ich mich trotzdem und immer wieder auch auf die neunzig Minuten Fußball. Auch um die goldene Ananas können sich bisweilen spannende Spiele ereignen und solange rein rechnerisch noch was geht, hoffe ich auch stets fröhlich vor mich hin)

Vor dem Stadion schwebte eine leichte Brise aus Hanf, welcher die Anwesenheit einiger tiefenentspannter Fans bedeuten dürfte. Ein Geruch, den man in die Wiege gelegt bekommt, wächst man an der Grenze zu den Niederlanden auf.

Vor dem Anpfiff noch schnell Zutaten für den kommenden „Abend der Legenden“ übergeben, ging es raus auf die Tribüne. Gerade noch rechtzeitig für dem Ruhrmichell seine Choreo. Minuten, die unter die Haut gingen. Minuten, die immer auch daran erinnern, selbst einen rot-weissen Freund bis zu seinem letzten Tage begleitet zu haben; mich aber auch sprachlos machen, welches Glück mir beschieden wurde, weiterleben zu dürfen. Dankbarkeit, Trauer und Mitleid in einem. Schwierig zu beschreiben. Oder doch ganz einfach: Rot-Weiss Essen!

Eine weitere innige Umarmung; ein weiterer fester Händedruck. Anpfiff! Der Ball rollte endlich wieder live in einem Stadion. Er rollte so vor sich hin in der ersten Halbzeit, wenn er denn rollte und nicht gedroschen wurde; es geschah nichts wirklich weltbewegendes. Das so oft zitierte spielerische Element fehlte bisweilen völlig, aber dafür stimmte der Einsatz. Fünfundvierzig Minuten, welche somit nicht in die Geschichte des Fußballs eingehen werden.

Die zweite Halbzeit gestaltete sich auf Seiten des RWE definitiv besser und vor allem überlegener. Ohne jedoch weiterhin den öffnenden Pass zu spielen, oder einen feinen Ball durchstecken zu können. Es wurde Fußball gearbeitet und man kam auch zu Chancen. Die leider nicht verwertet wurden. Bis auf die eine, von der ich behaupte, dass es ein regulärer Treffer war. Dafür saß ich zu gut. Ich kann mit dieser Regel nicht konform gehen: Entweder der Torwart hat den Ball, oder er hat ihn nicht. Mit „Hand drauf“ kann ich nicht viel anfangen. Ist mir in der Dynamik des heutigen Spiels zu schwammig.

Mit diesem Tor im Rücken hätte sich der weitere Spielverlauf vielleicht entspannter und erfolgreicher gestaltet und hätte sich ein Stürmer unserer Mannschaft vielleicht auch jene peinliche Schwalbe ersparen können, zu welcher er abhob. Ich mag keine Schwalben im Fußball! Aber natürlich ist der Fußball eben kein Konjunktiv und somit ging es weiter Richtung ziemlich einseitig Richtung Düsseldorfer Tor. Nicht jedoch ohne den einen oder anderen Konter zuzulassen. Da rutschte das Herz direkt immer ziemlich in die Hose. Man kennt das ja: Überlegenes Spiel und der Gegner macht doch noch das 0:1. War an diesem Samstag glücklicherweise nicht der Fall, und so konnte das torlose Unentschieden bis zum Abpfiff gehalten werden.

Während die eine Hälfte der ehemals anwesenden Zuschauer noch der Mannschaft für ihren nimmermüden Einsatz applaudierte, tat die andere, und schon gegangene, Hälfte via Smartphone unverzüglich in diversen sozialen Medien ihren Unmut über das Spiel kund. Leider wie so oft in einem Mischmasch aus Beleidigungen und unproduktiver Wut. Meines Erachtens besteht die größte Aufgabe, die der RWE jemals zu bewältigen hatte, aktuell darin, alle wieder unter die geliebten drei Buchstaben zu bekommen.  Auch im zehnten Jahr nach Lübeck werden wir mit der Viertklassigkeit leben müssen. Ob wir wollen oder nicht. Aber, wir können immer noch keinen Aufstieg erzwingen oder herbeipöbeln. Ob wir wollen oder nicht.

Natürlich, die Transferpolitik der  letzten Dekade erscheint eher desatrös; und zu sehen, wie ehemalige Rot-Weisse in schöner Regelmäßigkeit bei anderen Vereinen aufblühen (den in Aue mal ausgenommen), tut auch weh. Aber, es ändert nichts am Status Quo. Und aufgeben gilt schon mal gar nicht. Wir kommen da raus. Aber, das geht nur gemeinsam. Gemeinsam gesungen wurde übrigens auch: Ein Lied von Jürgen Drews, wie ich mir sagen lassen habe. Das kam richtig gut, vereinte es doch Ironie und Melodie auf schöne Art und Weise. Den beiden Trommlern dürften noch am Sonntag die Arme geschmerzt haben. Das hat Spaß gemacht zuzuhören.

Unter dem Strich also ein schlechtes viertklassiges Fußballspiel ohne Sieger. Und doch für mich das Spiel des Lebens. Im wahrsten Sinne des Wortes. Nur der RWE!

Heute ist nicht alle Tage! Wir kommen wieder, keine Frage!

Warum Fußball. Vielleicht aber auch: Fußball, warum?

Warum machen wir eigentlich all das, was wir für den Fußball tun?  Tut der Fußball eigentlich auch etwas für uns? Eine Spurensuche auf die Antwort nach der Frage aller Fragen: Warum Fußball? Oder doch eher: Fußball warum? Und vielleicht ist die Fragestellung meinerseits auch nicht immer ganz stimmig. Stimmig aber auf jeden Fall die Zwölf, die hier aufgelaufen ist, um als zusammengewürfelte Elf ein klasse Wortspiel abzuliefern. Dafür mein herzlichstes Dankeschön. 

Nedfuller: Du hast dem HSV und der Bundesliga den Rücken zugekehrt. Dem großen Fußball also, zu dem wir unsererseits so gerne gehören würden: Wie geht es Dir damit und: Warum? 

Die Frage muß ich in drei Antworten aufteilen:

Den HSV habe ich nach der Ausgliederung verlassen, weil mir die emotionale Bindung zu dem Konstrukt fehlte. Vorher war ich Teil des HSV e.V.  meine Stimme hatte ein Gewicht, zählte. Nach der Ausgliederung war ich nur noch Konsument, nicht mehr Teil dessen, was da unten auf dem Platz stattfindet. Auch hat mich der Weg zur Ausgliederung immer weiter vom HSV entfernt. Eine konstruktive Diskussion um das Thema war nicht mehr möglich, man musste dafür oder dagegen sein; Argumente wurden nicht ausgetauscht. Erschreckend war auch das Verhalten gegen die Ausgliederungsgegner. Was ich mir alles anhören musste, weil ich nicht blind dem lautestem Schreihals gefolgt bin.

Es war aber auch kein Abschied von heute auf morgen. Es hat ein Jahr gedauert, bis ich dann aus dem HSV e.V. ausgetreten bin.

Die Bundesliga ist großes Entertainment. Jeder Spieltag wird zu etwas „gehyped“, was er nicht ist. Fußball ist Nebensache geworden. Ein langweiliges Null zu Null wird zu etwas hoch gehoben, was niemals da war. Es wird vor Konstrukten wie Bayer Leverkusen, RB Leipzig, VfL Wolfsburg, TSG Hoffenheim eingeknickt, weil es gut für das Geschäft ist. Der HSV kann mittlerweile finanziell am Abgrund stehen und dennoch ein besseres Angebot an Mavraj machen als der besser dastehende 1. FC Köln. Das ist nicht gesund, wird aber geduldet. Alles für die Show.

Wie geht es mir damit, dass ich mir Spiele in der Kreisliga (8. Liga von oben gezählt) und Kreisklasse B (10. Liga) anschaue? Richtig gut. Fußball ist eben ein einfacher Sport, für den es keine Show braucht. Nur ein Ball und 11 Spieler_innen. Mit dem HFC Falke habe ich auch wieder eine emotionale Heimat gefunden. Nur Fußball ist in den meisten Fällen nämlich sehr langweilig. Ich erinnere an das Spiel Mainz gegen Köln. Wenn man aber emotional beteiligt ist, dann ist es immer spannend und aufregend. Also ausser man führt schnell Drei zu Null, da kann man sich dann in Ruhe mit den tollen Menschen auf dem Fußballplatz unterhalten. Vor allem aber zählt meine Stimme beim HFC Falke. Ich bin Teil des Vereins. Darum.

Michael: Du wärest der Inbegriff eines „Mister Eintracht“, würde es einen solchen denn geben. Wie geht es einem wie Dir mit weinrotem Herzen, wenn der eigene Verein fusioniert und warum?

Auch wenn es manchmal schmerzt, ich leide nicht unter der Situation meines Klubs. Es ist einfach schön, wenn man mit den erfolgreichen Zeiten in Verbindung gebracht wird. Ich sage aber auch, ich war auch dabei, als Fehler gemacht wurden. Das darf man nicht verschweigen. Ich bin weit davon entfernt, den heutigen Verantwortlichen die glorreiche Vergangenheit vorzuhalten. Wir sollten sie unterstützen und bestärken ihren eigenen Weg zu gehen. Vergesst die Kohle! Es ist egal, wo letztlich die erste Mannschaft spielt. Ein Neuaufbau fängt immer am Fundament an. Das Fundament ist der Nachwuchs. Macht das gut, dann kommt der Rest von selbst!

Ich wünsche meiner Eintracht viel Erfolg dabei. Und das der Verein nun SV Eintracht TV heißt? Völlig wurscht. Das wir mit dem Türkischen AV fusioniert haben? Türken waren immer Teil unseres Klubs. Haben ihn bereichert. Ich hätte auch nichts dagegen, wenn der Verein einen völlig neuen Namen tragen würde: SV Nordhorn. Der traditionsreiche Name ist vermutlich mehr Last als Chance. Er kann aber auch Motivation sein, denn der SV 45 Nordhorn war der erste Klub nach dem 2. Weltkrieg in Nordhorn. Aus dem Nichts haben die damaligen Idealisten den erfolgreichsten Fußballverein der Grafschaft gemacht. Wir sind zwar nicht bei Nichts, aber bei Wenig. Also sind wir schon mal einen Schritt weiter, als die Gründungsväter des Klubs 1945.

Anmerkung: Der Text von Michael war viel mehr als diese zwei Absätze, die sich auf die Fragestellung beziehen. Es war ein ganz langer Text als Beleg einer Liebe zum Fußball, zum Verein und zum Leben. Ein Text über Höhepunkte und Scheitern eines einstmals erstklassigen Fußballvereins. Ein Text, der hier den Rahmen gesprengt hätte, aber es verdient hat, als eigenständiger Beitrag die Tage veröffentlicht zu werden. Ein Lehrstück zudem für all diejenigen, die glauben, dass Red Bull Leipzig ein normaler Fußballverein ist.  

Hardy: Kein Fußballfan hierzulande, welcher nicht irgendein Druckwerk von Dir im Regal stehen hat. Kein anderer, der sich so akribisch bis in die hintersten und verstaubten Regale der kleinsten Vereine vorarbeitet. Das zumeist und mit großem Herzblut unterklassig. Warum?

Weil ich das große Glück hatte, mit einem Fußball groß zu werden, der noch lokal und breitgestreut stattfand. Als ich Anfang der 1970er das erste Mal „Sport und Musik“ im WDR hörte, gab es noch die alten Regionalligen unter der Bundesliga. Da ging man zum Verein vor Ort und guckte außerdem die Bundesliga. Diese Vereine waren Anlaufstellen für Stadtteile oder Städte. Als wir 1975 von Dortmund nach Göttingen zogen, war die ganze Stadt schwarzgelb; also 05. Ich war schon immer skeptisch, wenn etwas zum Mainstream wird. Dann verliert es für mich an Reiz. Ob im Fußball oder der Musik.

Selbst machen, selbst mitmachen find ich spannender. Und weil jeder Klub seine Geschichte hat, braucht es Menschen, die sich darum kümmern und sie festhalten. Denn Fußballgeschichte ist Gesellschaftsgeschichte. Dabei geht es nicht um ein „früher war alles besser“ sondern um ein „Gestalten heute“. Das wird zunehmend wichtiger, denn in diesem großen Meer der Massenprodukte à la Bayern oder BVB brauchen wir kleine Häfen, in denen wir sein können und nicht nur Konsumenten sind. Genau das ist übrigens auch der Ansatz unseres neuen Magazins Zeitspiel.

TC Freisenbruch: Ihr spielt auf Asche und zugleich auf der sozial-medialen Klaviatur, lasst über die Aufstellung und noch einiges anders entscheiden. Ist das nicht schon bei Fortuna Köln gescheitert? Aber vor allem: warum handelt Ihr so? 

„Aki“ Watzke sagte vor einiger Zeit, dass Kreisliga nicht sexy sei. Er hat Recht!  Warum? Er und seine Kollegen in der Bundesliga haben mit dem Überangebot die Vereine am Ende der Nahrungskette ins Abseits gedrängt. Jeder Cent wird aus dem Fußballfan „rausgequetscht“. Er kann sich auf fünf Programmen gleichzeitig Fußball anschauen. Wer will dann noch die sympathischen Jungs anschauen, die bei einem vor der Haustür kicken, aber ab und zu einen Ball verstolpern und nach dem Spiel gerne ein Bierchen trinken! In der Kreisliga steht man bei schlechten Wetter im Regen, man wird nass und dreckig. Würstchen muss man mit Kleingeld bezahlen und nicht mit der Knappenkarte. Man muss sich die Rufe der Spieler und Trainer anhören. Man muss den Schweiß der Spieler riechen. Man ist mitten drin, statt nur dabei! Man muss den Fußball leben, statt ihn nur zu konsumieren!

Deshalb müssen sich die kleinen Vereine etwas einfallen lassen. Das klappt in Freisenbruch derzeit sehr gut! Uns laufen derzeit die Zuschauer nicht weg! Es werden immer mehr! Warum? Wir versuchen vieles anders zu machen, als andere Vereine. Wir holen die Zuschauer mit ins Boot und lassen sie unsere Mannschaft aufstellen, und weil wir an die Weisheit der vielen glauben!

Warum Fortuna Köln gescheitert ist? Bei uns werden keine Alibi Entscheidungen gefällt! Bei uns wird die Mannschaft von der Community aufgestellt und gibt keine Empfehlung an den Trainer ab. Der Trainer muss diese Aufstellung umsetzen! Der TC Freisenbruch scheut sich nicht, jede Entscheidung in die Hände der Teammanager zu legen. Selbst der Kopf des Trainers liegt in den Händen der Community! Damit unterscheiden wir uns ganz gewaltig, von allen anderen Vereinen, die so etwas schon einmal umgesetzt haben!

Warum? Weil wir schon als Kinder die Managerspiele wie Anstoß 3 geliebt haben und das mit einem echten Verein machen wollten! Wir wollten den Kreisliga Manager! Und der soll nicht all zulange in der Kreisliga bleiben! Warum? Weil es Spaß macht und immer mehr Leute mitmachen: Fußballfans aus der ganzen Welt von Essen bis Göteborg, Tokio und Florida! Warum? Melde dich einfach an auf http://www.deinclub.tc-freisenbruch.de und führe unsere Mannschaft raus aus der Kreisliga! Und, warum Asche? Echter Fußball wird nun mal auf Asche gespielt! Kunstrasen kann jeder! Und unser Waldstadion hat mehr Charme, als viele andere Sportplätze! Warum? Komm einfach mal vorbei und schau es dir an!

Roland & Claudia: Ihr arbeitet seit gefühlt 1907 für eines der bekanntesten Fanprojekte hierzulande, seit dessen Herz und Seele zugleich. Spieltage sind für Euch nicht Freizeit und Freunde, sondern fast immer Arbeit und manchmal auch Frust. Warum?

In vielen Fanprojekten würdest du mit deiner Frage  richtig liegen, bei uns liegt die Sache doch ein wenig anders. In den ganzen Jahren überwiegt die Freude an der Arbeit, weil es von Anfang an sozusagen uns immer am Herzen lag, der Verein, die Fans, die Jugendlichen. Für Menschen da zu sein war immer unser Antrieb. Frust haben wir in den ganzen Jahren nie geschoben, obwohl es hier und da auch schon Enttäuschungen gab, keine Frage. Aber damit muss, glauben wir, jeder in unserem Bereich tätige Mensch leben. Da kommt man klar mit oder der ein oder andere auch nicht.

Wir glauben, dass der Spaß an der Arbeit sich in den ganzen Jahren zwar geändert hat, aber niemals in Frust oder ähnlichen ausgeartet ist. Hatte aber dann immer auch etwas mit den handelnden Personen im Fußball-Umfeld des Vereins zu tun, niemals mit unserem eigentlichen Klientel.

Zusammenfassend gesagt: Freizeit nein. Freude überwiegend. Arbeit zum Teil, Frust nie!

Ben Redelings: Du sammelst Stilblüten des Fußballs für uns, stehst ebenso wie Hardy in zig Bücherregalen; reist durch die ganze Republik und bist zudem noch mit dem VfL Bochum gebeutelt. Du hast das Lehramt quasi für den Fußball sausen lassen: Warum?

Weil damals – im Jahre 2002 – das weite Feld der ‚Fußballkultur‘ noch als saftig grüne Wiese vor einem lag. Da war fast nichts abgegrast und es tummelten sich nur ganz wenige auf dem Grün. Man hatte damals gerade von zwei Jungs aus Berlin gehört, die jetzt so ein ‚Magazin für Fußballkultur‘ herausbringen würden. Aber warum das nur zwei waren, wo die sich doch ‚11 Freunde‘ nannten, und was die so genau trieben, war mir noch nicht klar. Und dann habe ich das große Glück gehabt, an einem meiner letzten Tage vor dem Examen das allererste Fußball-Seminar an einer deutschen Universität überhaupt besuchen zu dürfen. Wir haben damals zum Abschluss einen Fußballabend mit Texten und Talk organisiert.

Gäste waren Thomas Stickroth und Holger Pfandt. Das war im Jahr 2000. Die Bude beim VfL war gerammelt voll und wir hatten jede Menge Spaß. Genau den Spaß, den ich auch heute noch an meinen Abenden erlebe. Denn egal wie weit ich mich inzwischen emotional vom aktuellen Profifußball entfernt habe – die ursprüngliche Liebe zum Spiel bleibt bestehen. Und so sind die Momente zusammen mit den Jungs in der Kurve oder die Abende gemeinsam mit meinem Publikum immer noch Feste. Das sind die Augenblicke, die mir stets aufs Neue zeigen, warum ich innerlich weiß, dass ich nie vom Fußball werde lassen können. Und das ist auch gut so!

Thomas Stauder: Fußball und Bier gehören irgendwie zusammen Fußball und Bratwurst. Also zwingend. Der Essener an sich verehrt sein Stauder wie sonst wohl nur noch Neapel Diego Maradona. Und doch muss Euer Pils an der Hafenstraße immer wieder herhalten als Trost für zigtausende geschundener RWE Seelen. Warum? 

Weil wir wirklich alle zusammengehören: Der Verein, die RWE-Fans und Stauder. Weil wir selber Fans sind, in guten und in schlechten Zeiten. Weil Fußball und Bier Symbole für unsere Heimat sind. Und weil ja auch mal bessere Zeiten kommen könnten..

Textilvergeher: Ihr guckt nicht nur Union, Ihr schreibt über Union, seit ausgezeichnete (im wahrsten Sinne des Wortes) Botschafter Eures Vereins. Ihr fotografiert Union und Ihr redet über Union. Und das alles in einer Art und Weise, die ziemlich viele Menschen erfreut. Glaubt Ihr, dass Union immer  Euer Eisern Union bleiben kann um in diesem Wahnsinn Profifußball mitzuhalten? Und wenn ja, warum?

Steffi/ Textilvergehen:

Ich kann natürlich nur für mich sprechen. Es kann sein, dass es für die anderen in unserer Runde anders aussieht. Wenn ich darf, würde ich die Frage präzisieren.

Ich bin mir  sicher, dass der 1.FC Union Berlin in naher Zukunft nicht mehr der sein wird, der er jetzt ist. Er ist schon heute vollkommen anders als der, den ich damals kennengelernt habe. Aber er ist auch anders als in den Neunzigern, was ein großes Glück ist. Die Frage wäre also eigentlich, wie ich mit dieser fortwährenden Veränderung umgehe.

Ich sehe, welches Konfliktpotential darin steckt. Der Verein muss wachsen, muss sich sportlich weiterentwickeln, muss Ausbildungsverein werden, muss Geld verdienen. Wer sich dem verweigert, spielt sehr schnell wieder auf´m Dorfacker vor drei meckernden „Schiebermützenopas“. Das will niemand. Aber genauso will niemand Sitzplatzstadien, vom Autohaus präsentierte Ecken oder alljährlich einen neuen Stadionnamen. Die meisten legen außerdem Wert auf auf Mitbestimmung,  auf Nähe zwischen dem Vorstand und den Mitgliedern ihres Fußballvereins.

Solange es mein Verein schafft, diese elementar wichtigen Dinge zu erhalten, bin ich bereit, die notwendigen Veränderungen zu akzeptieren. Solange ich das Gefühl habe, beteiligt zu sein und gestalten zu dürfen, gehe ich zu Union. Gerne und so oft ich kann.

Frank Lussem: So viele Jahre beim Kicker. So viele Spiele. Und mit dem 1.FC Köln und Bayer Leverkusen zwei in ihrer Ausrichtung ganz unterschiedliche Vereine begleitet. Wie hat sich der Fußball für einen verändert, der so lange mit der Tastatur am Ball ist, und wenn ja….genau: Warum?

Der Fußball an sich hat sich eigentlich nicht verändert. Natürlich wird heute schneller und athletischer gespielt. Aber wenn wir davon ausgehen, dass Schnelligkeit und Athletik zu jeder Zeit top waren, dann ist das eben nicht aufgefallen. Ob früher schöner gespielt wurde? Ich denke ja, vor allen Dingen gemessen an diesen Vollgas-Fußball Veranstaltungen. Die gelingen über einen gewissen Zeitraum und hinterlassen meist kaputte Teams. Der BVB zahlte den Preis, eine Stufe tiefer Bayer Leverkusen, wieder eine darunter Mainz und dann Ingolstadt. Alle hatten den gleichen Ansatz, alle zahlten früher oder später Tribut.

Verändert haben sich in jedem Fall die Abläufe. Ich habe früher mit den Masseuren (so hieß das damals) geramscht und mit dem Zeugwart geklammert – in deren Büros. Ob Georg Kessler, Dettmar Cramer, Christoph Daum, Erich Ribbeck, Morten Olsen, Udo Lattek, Klaus Toppmöller oder wie sie hießen – wir gingen bei den Trainern ein und aus, das Vertrauensverhältnis war groß. Ich weiß gar nicht, wie die es damals geschafft haben, ihre Arbeit zu absolvieren – gemessen daran, wie Trainer sich heute vielfach gerieren. Da hat man das Gefühl, die Tage seien kürzer geworden. Oder die Trainer wichtiger. Oder die Aufgaben schwerer. Man weiß es nicht.

Es sind natürlich heute mehr Medien unterwegs, die Anfragen häufen sich. Dennoch ist der Anteil relevanter Journalisten in fast jeder Stadt überschaubar. Mal im Ernst: Wer will etwas vom FC Augsburg, von Bayer Leverkusen, von der TSG Hoffenheim, aus Ingolstadt wissen, wenn nicht gerade etwas Wichtiges ansteht, ein Skandal passiert ist oder eine Trainerentlassung bevorsteht. Selbst in Köln stehen Tag für Tag meist die gleichen fünf Hanseln am Trainingsplatz. In Leverkusen sind es noch weniger, da kommen ja auch höchstens ein paar Dutzend Fans. Die werden noch zusätzlich abgeschreckt, weil der Herr Trainer meist unter Ausschluss der Öffentlichkeit proben lässt. Auf die Ergebnisse der Arbeit muss man dann bis zum Spieltag warten und ist meist verblüfft über das, was angeblich erarbeitet wurde und was tatsächlich gezeigt wird.

Trainer hatten früher eine größere Persönlichkeit, nahmen sich aber selbst nicht so wichtig – zusammenfassend kann ich es so wohl aus meiner Erfahrung sagen.

Andreas: Du bist Bayern Fan ganz alter Schule, kennst auch weniger erfolgreiche Zeiten und das zugige Olympiastadion. Gerd Müller und Manager Schwan sind für Dich noch greifbar. Hat ein Bayern Fan heutzutage eigentlich noch Spaß an einem Dauerabonnement auf die Meisterschaft oder wünscht er sich etwas mehr Leistungsdichte und egal in welchem Falle: Warum?

Der FC Bayern als Dauerabonnement auf den Meistertitel macht mir schon lange keinen Spaß mehr. Ich wünsche mir sehnlich in allen Wettbewerben mehr Konkurrenzkampf auf Augenhöhe. Als alter Bayern-Fan stehe ich halt auf Triumphe, Idole und Klassiker. Nur Siege, die nach Durststrecken als Früchte durchlebter Krisen gediehen sind, werden tatsächlich auch zu Triumphen. Nur Stars, die im Angesicht eigener Zweifel, Makel und Schwächen über sich hinauswachsen, werden wirklich zu Idolen. Und nur Spiele auf des Messers Schneide, mit großem Kampf oder verblüffendem Verlauf werden zu echten Klassikern an die ich gerne zurückdenke, egal ob Sieg oder Niederlage für den FC Bayern.

Andora: Du bist Künstler, wie wir alle wissen und präsentierst Union zumeist plakativ. Ist Fußball noch Kunst oder schon künstlich, und wenn ja warum?

Wenn der Fußball heute ein Spiegelbild der Gesellschaft ist (und das ist er auf sicher), dann kann man ganz sicher auch feststellen das der heutige Fußball außerhalb des Spielfeldes keine Kunst sondern viel künstliches beinhaltet. Was aber durch die Ansichten und Vorgehensweisen der landesüblichen Vermarkter auch sicher nicht bezweifelt wird.

Die Kunst des Spiels erleben wir damals wie heute nur auf den Spielfeldern der Welt und sonst nirgendwo mehr, außer bei eisern Union, wo die eisernen Botschafter und unser Kommunikationsminister für die Künste im Vereinsleben die Tore nach außen und innen geöffnet haben. Das bleibt! Sonst wäre ich schon lange kein Fan von keinem anderen Verein und kein Fan von diesem/unserem Sport mehr. Unser/mein Fußball hat an der neuen/alten Försterei ein Zuhause bekommen, das aller Ehren wert ist und das gesamte Spektrum der Zuseher im Stadion auch neben dem Platz kunstvoll versorgt. Darauf bin ich als alter Unioner echt stolz und demütig eisernst auf ewig dankbar.

Andreas: Du stehst zum VfL Bochum, bist einfach klassischer Fußballfan wie er in der Kurve steht. Wie begehst Du Dein Ritual Spielbesuch und warum?

Früher war nicht nur mehr 1. Bundesliga im Ruhrstadion, früher war auch mehr Ritual. Doch mit jeder Niederlage des VfL Bochum 1848 wurden die Rituale weniger. Während nach Siegen streng darauf geachtet wurde, beim nächsten Spiel auch sicher die gleiche Zugverbindung, die gleichen möglichst ungewaschenen Klamotten (Geruchsbelästigung ist mangels langer VfL-Siegesserie nicht wirklich ein Thema), millimetergenau den gleichen Stehplatz zu besetzen und selbst die farbgleiche Pommes-Gabel für die einzigartige Dönninghaus – Currywurst zu ergattern, starb mit jeder Niederlage auch ein Ritual. Es standen nicht die Fragen im Raum, ob der Trainer die falsche Taktik gewählt hat  und/oder aber die VfL-Helden einfach unfähig sind. Stattdessen begann die hilflose Suche nach Eigenverschulden.

Irgendein Ritual musste seine Wirkung verloren haben oder war es gar ein Fehler im Ablauf? Ein Fehler im System? Dies führte insbesondere bei Niederlagenserien, die bei #meinVfL nicht selten vorkommen, zu skurrilen Abwandlungen und Streichungen von Ritualen mit dem Ziel, des Rätsels Lösung für den ersehnten Dreier zu finden. Doch irgendwann half alles nichts mehr. #meinVfL verlor weiter vor sich hin und aus lauter Verzweiflung blieb nichts anderes mehr übrig, als  völlig blank – also ohne Rituale – ins Stadion zu gehen und nur noch beim obligatorischen Moritz Fiege zuzusehen, wie #meinVfL entweder abstieg – oder mal wieder nicht aufstieg. Jedoch entstand daraus ein neues Ritual: Mit jeder Niederlage stieg der Konsum des Gerstensaftes stetig an.

Inzwischen – ob aus dem Eingeständnis heraus, dass Rituale doch nichts bringen, oder dem Umstand geschuldet, dass die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Stadionbesuch im durch – kommerzialisierten auf TV-Vermarktung ausgelegten Profifußball nur ungenügend miteinander zu vereinbaren sind – spielen Rituale beim Stadionbesuch nur noch eine untergeordnete, gar völlig vernachlässigte Rolle. Denn anstatt sich Gedanken zu machen, wie das Karma von #meinVfL durch selbst auferlegte Rituale beim Stadionbesuch positiv beeinflusst werden kann, dreht es sich nunmehr um die Frage, ob man es überhaupt noch ins Stadion schafft und wenn ja, wie komme ich nun auf dem schnellsten Weg dahin, um #meinVfL siegen zu sehen.

Denn wenn ich schon mal da bin, sollte #meinVfL auch gewinnen. Womit wir wieder bei Ritualen sind…

1974

Wo wir alle (beziehungsweise der Verein mit Sponsoren und Jens Lehman) dieser Tage einmal mehr den Geburtstag unseres geliebten Vereins feiern durften ( laut DERWESTEN.de sogar zuvor auch mit den Fans. Wovon aber kein Fan etwas mitbekommen hat), verliert der Fußball dieser Tage doch ziemlich viel von seiner Faszination. Die Gründe sind bekannt. Wie wohltuend dann, kommt unverhofft die Vereinschronik von 1907 – 1974 in das Haus geflattert.

Man kann sich in Erinnerungen verlieren und textlich etwas herrliches entdecken. Leider steht der Autor nicht namentlich beschrieben, und somit erfolgt die Abschrift leider ohne Quelle. Aber doch mit einem vergnüglichen Schmunzeln.

Es steht also geschrieben in jener Chronik:

Ort der Handlung: Hafenstraße gegen drei, Staffage: Autoschlangen, Polizei.

Darsteller: Noch nicht erschienen, warten auf den Auftritt in den Kabinen.

Erstes Bild: Strömendes Volk ohne Ende, dazwischen der Duft der Bratwurststände.

Noch mehr Menschen – lebhafte Massen, nehmen gemeinsam den Weg zu den Kassen.

Endlich ein Platz auf einem der Ränge, bläulicher Rauch wogt über der Menge.

„Lippens soll fehlen“, will jemand wissen. Und schon geht ein Raunen durch die Kulissen.

Als man die Namen der Gegner tut kund, erschallt von den Rängen einen höhnend „Na und?“

Auftritt der Helden: begleitete von Tuten und Blasen betreten die Recken den heiligen Rasen.

„Hast Du gehört? Lippens soll fehlen!“ „Mensch, laß dir von dem keine Märchen erzählen“.

„Da ist doch Lippens. In voller Montur! Na, du Experte?“ „Ich meinte ja nur…“

Nach diesem Vorspiel, dem Chor der Fans, kommen Anstoß und Angriff, zum ersten Mal brennt`s.

Steigender Blutdruck, jetzt selbst bei Gesunden, Nervenbammel für anderthalb Stunden.

Und ist man den Weg auch nur einmal gegangen, die Straße am Hafen – sie nimmt dich gefangen.

Unser aller Hafenstraße,  1974 in Reimen beschrieben.

Ruhe in Frieden, Ruhrmichell.

Nur der RWE!

Schöpfungsgeschichte

Wenn Vereine gegründet werden, treffen sich Gründer um zu beschließen, dass gegründet wird. Wird jedoch Rot-Weiss Essen gegründet, kommt das fast einer Schöpfungsgeschichte gleich, so viele Personen sind schon von Beginn an involviert. Und außerdem ist auch Vatter Heinrich Melches nicht ganz unschuldig an dieser Vogelheimer Schöpfungsgeschichte: Was legt er auch seinen Söhnen Georg und Hermann 1906 einen Ball unter den Weihnachtsbaum? Wie es nach diesem Weihnachtsfest weitergeht, ist ja mittlerweile mehr als bekannt: Fußlümmel Georg Melches führte mit seinen Freunden die bestehenden Vereine SC Preußen und Deutsche Eiche zum SV Vogelheim zusammen. Deutsche Eiche, ein an sich schon recht merkwürdiger Vereinsname und sicher eine Herausforderung für Fangesänge. Aber das nur nebenbei.

Den heutigen Namen Rot-Weiss Essen bekam der Verein übrigens erst fünf Jahre nach dem ersten Weltkrieg mit auf seinem weiteren Vereinsweg. Anteil daran hatte eine weitere Fusion, diesmal jene mit dem Turnerbund Bergeborbeck. Man sieht also: Gründung geht einfach, oder eben Rot-Weiss. Vielleicht ist auch jene Vielfältigkeit in jungen Jahren der Grundstein für die immer noch höchst lebendige Meckerei in der heutigen Zeit. Man war sich halt nach Georg Melches nie mehr wirklich so ganz einig. Man weiß es nicht.

Ist ja auch wurscht, denn wir könnten in der Bundesliga mit weitem Abstand an der Spitze stehen; den Europapokal der Landesmeister aufmischen und den Leipziger Dosen im Pokal so richtig einen eingeschenkt haben: Es würde trotzdem über irgendetwas gemeckert werden. Der Pups an der Hafenstraße sitzt eben traditionell quer, anstatt dass er einfach mal geradeaus das Weite sucht. Natürlich sind die sportlichen Szenarien in diesem Absatz reines Wunschdenken, quält uns doch weiter der triste Alltag in Klasse Vier. Das zermürbt den Fan und heizt die Debatten an. Es wird wie üblich in alle Richtungen debattiert.

Der Verein selbst macht im neuen Jahr und dieser Tage das, was sich wohl ziemlich viele Menschen nach Neujahr auf die Fahne geschrieben haben und speckt ab. Abspecken im Sinne von Vertragsauflösungen. Achtzehn Feldspieler und drei Torhüter stand heute somit im Kader. Neuverpflichtungen momentan Fehlanzeige. Fast hätte es eine solche zu vermelden gegeben! Aber jener Spieler, welcher sich an der Hafenstraße und innerhalb der Mannschaft im Testspielmodus laut eigener Aussage wohl gefühlt hatte, wechselte dann doch plötzlich und unerwartet zum Ligakonkurrenten nach Rödinghausen.

Man kann es ihm nicht verdenken, wird doch das Angebot aus Ostwestfalen höher gewesen sein, als das unsere. Das rote Trikot mit den drei wunderbaren Buchstaben allein ist auch kein Anreiz mehr für die jungen Kicker von heute. Die wollen mit ihrem Talent Kohle verdienen und pellen sich einen ob unserer verkrusteten Vereinstraditionen. Man sollte also jetzt nicht schon über einen Spieler „herfallen“, der lediglich zur Probe an der Hafenstraße weilte und darüber stehen. Sonst kommt bald gar keiner mehr zu uns. Nicht mal mehr zur Probe.

Alt sind wir also geworden. Sehr alt. Das sportliche Haar noch etwas mehr lichter als früher schon, den sportlichen Erfolg immer noch weitestgehend meidend. Aber wir halten uns immer noch irgendwie aufrecht, machen uns dann und wann noch einmal so richtig hübsch. Vorzugsweise in der ersten DFB Pokalhauptrunde. Manchmal rufen wir auch trotzig den jungen Fans von heute hinterher, dass wir stolz darauf sind, weit vor 2009 gegründet zu sein. Und das früher eben alles besser war. Blöde Erfolgsfans, blöde!

Wir hingegen sind alles, aber keine Erfolgsfans! Wir sind Kategorie A bis Z. Wir sind Rot und Weiss. Wir sind RWE. Vielleicht aber sind wir in zunehmendem Alter auch mal etwas mehr „0815“ und schenken uns zum Geburtstag etwas mehr Geduld und Gelassenheit.

„Oh RWE, wir lieben Dich, weil es für uns nichts schöneres gibt!“

Hundertzehn (von Melanie Melches)

Alles Gute zum 110. Geburtstag, Du mein RWE.
Du, die größte, längste und intensivste Liebe meines Lebens!

Du machst es mir oft nicht leicht, Dich immer wieder so bedingungslos zu lieben.

Nein, ganz gewiss nicht. Aber auch das, nein, gerade das macht Dich doch aus!

Eine Leidenschaft, die manchmal doch etwas viel Leiden schafft.

Dennoch, ein Leben lang immer wieder nur Du!
Auf die nächsten hundertzehn Jahre!

Deine Melanie

Gestern. Heute. Morgen.

Gestern gab es Rot-Weiss Essen. Heute gibt es Rot-Weiss Essen und auch morgen wird es den RWE geben. So hoffe ich jedenfalls, denn ansonsten wäre ich um einen großen Prozentsatz meines Lebens ärmer. Rasenballsport Leipzig zum Beispiel gibt es erst seit 2009. Das ist lange nach gestern. Ganz ganz lange! Und doch beschleicht sich aktuell das Gefühl im hiesigen Fußball, man müsste sich bisweilen eher dafür entschuldigen, Fan eines vor 2009 gegründeten Vereins zu sein, als sich zu eben einem solchen Verein zu bekennen. Nicht ganz unschuldig daran der unzweifelhaft erfolgreiche Fußball, den die „Leipziger“ da spielen. Diese sportliche Leistung sollten wir im Gegensatz zu allem anderen, was das Konstrukt ausmacht, auch anerkennen. Das gebietet die sportliche Fairness.

Nun gibt es ja zwei Optionen: Entweder man wechselt mit fliegenden Fahnen in das Lager der Dosen, befreit sich von allem Ballast der Tradition; geht steil ob der sportlichen Höhenflüge und feiert dann alsbald den Meistertitel mit den ganzen neuen Erfolgsfans in diversen sozialen Medien. Oder man bekennt sich weiterhin zur Erfolglosigkeit der eigenen Mannschaft, des eigenen Vereins und seiner Historie. Als Bayern Fan ist die Entscheidung nicht schwer, in Dortmund natürlich auch nicht; stimmt dort doch auch der sportliche Ertrag. Selbst in Köln und Frankfurt ist man dieser Tage höchsterfreut über den Tabellenplatz und hat keine Zeit für sonst dort gern gesehene Emotionen ausschließlich in den Farben schwarz  oder weiß.

Wir haben diesbezüglich mal wieder die Arschkarte gezogen. Eine tolle Tradition können wir temporär durchaus vorweisen, aber das war es dann leider auch schon. Wir Fans von Rot-Weiss Essen können uns zwar zur Tradition bekennen; können diese aber nicht mit aktuellen sportlichen Erfolgen kompensieren. Wir folgen einem dieser Vereine, der von seiner Historie lebt. Meisterschaft und Pokalsieg stets wie eine Monstranz vor sich her tragend. Zum Glück haben wir an der Hafenstraße etwas, was viele dieser gestern erfolgreichen Vereine nicht mehr haben: Rot-Weiss Essen kann sich wenigstens der unerschütterlichen Treue seiner Fans erfreuen, auch wenn das Verhältnis aktuell vielleicht nicht das Beste zu sein scheint. Viertklassig seit 2008, da bröckelt schon mal so manch Fangeneration schlichtweg weg. Daß wir dennoch in so großer Zahl und in solch verschiedenen Generationen immer wieder zur Hafenstraße pilgern, ist nicht normal und wohl eben dieser Tradition zu verdanken. Daher sollten wir dankbar für diese sein.

Der Verein sollte ganz ganz sensibel und  vorsichtig mit seinem höchsten Gut, den Fans, umgehen, denn ohne Fans wäre Rot-Weiss Essen auch nur noch Staub in der Wüste der gescheiterten ehemaligen hochklassigen Ruhrpott Vereine. So jedoch sind wir auch in der Dürre der Viertklassigkeit immer noch eine Oase an Vereinstreue. Darauf könnte man aufbauen, sofern es denn endlich mal eine Mannschaft geben würde, die Stein um Stein so platziert, ein sportliches Fundament legt, auf dem wir Fans uns sicher fühlen und den Aufbau beständig begleiten können.

Der benachbarte Verein Westfalia Herne hat aktuell auf seiner Homepage einen Slogan, um den ich den Verein fast beneide: „Aus Tradition wird Zukunft….“ steht dort geschrieben. Ein Slogan, der eigentlich alles aussagt und zugleich beinhaltet, dass Tradition nicht zwingend Ballast sein muss, sondern auch jede Menge Chancen beinhaltet. Ein Konstrukt namens Rasenballsport hat vielleicht Zukunft, aber noch lange keine Tradition. Rot-Weiss Essen jedoch hat Tradition und Zukunft. Wenn wir es schaffen, all das Wunderbare, was unseren Verein ausmacht zu bündeln mit dem gewissen Hauch an (schwerer) Geduld. Verbunden mit der Gewissheit, dass es uns auch dann noch geben wird, wenn der Dosenverkäufer eines Tages keine Lust mehr hat und vielleicht gen China abwandert, wo die Perversion des Geldes gerade einen neuen Höhepunkt zu finden scheint.

Wir können natürlich jederzeit gehen. Oder wir bleiben treu und üben uns in Geduld, was nicht wirklich immer einfach ist. So einfach ist das! Ich für meinen Teil bin lieber ehrlich unterklassig als hochklassig Dose.

Frohe Weihnachten!

Auch in diesem Jahr wieder, und weil er so schön und auch so wahr ist: Der Brief der kleinen Virginia O`Hanlon aus New York an die “Sun” aus dem Jahre 1897 und die Antwort des Redakteurs. Bis 1950 wurde dieser Brief jedes Jahr in der “Sun” gedruckt und seit 1977 führt die “WamS” diese Tradition fort (seit 2007 auch Im Schatten der Tribüne):

„Mit Freude antworten wir sofort und auf die in ihrer Weise herausragende Mitteilung unten und drücken gleichzeitig unsere große Befriedigung aus, dass ihr gewissenhafter Autor zu den Freunden der Sun zählt:

“Lieber Redakteur: Ich bin 8 Jahre alt. Einige meiner kleinen Freunde sagen, dass es keinen Weihnachtsmann gibt. Papa sagt: Wenn du es in der Sun siehst, ist es so. Bitte sagen Sie mir die Wahrheit: Gibt es einen Weihnachtsmann?” Virginia O’Hanlon. 115 West 59 Street

Virginia, deine kleinen Freunde haben unrecht. Sie sind beeinflusst von der Skepsis eines skeptischen Alters. Sie glauben nichts, was sie nicht sehen. Sie denken, dass es nichts geben kann, was für ihren kleinen Geist nicht fassbar ist. Alle Gedanken, Virginia, ob sie nun von Erwachsenen oder Kindern sind, sind klein. In diesem unseren großen Universum ist der Mensch vom Intellekt her ein bloßes Insekt, eine Ameise, verglichen mit der grenzenlosen Welt über ihm, gemessen an der Intelligenz, die zum Begreifen der Gesamtheit von Wahrheit und Wissen fähig ist.

Ja, Virginia, es gibt einen Weihnachtsmann. Er existiert so zweifellos wie Liebe und Großzügigkeit und Zuneigung bestehen, und du weißt, dass sie reichlich vorhanden sind und deinem Leben seine höchste Schönheit und Freude geben. O weh! Wie öde wäre die Welt, wenn es keinen Weihnachtsmann gäbe. Sie würde so öde sein, als wenn es dort keine Virginias gäbe. Es gäbe dann keinen kindlichen Glauben, keine Poesie, keine Romantik, die diese Existenz erträglich machen. Wir hätten keine Freude außer durch Gefühl und Anblick. Das ewige Licht, mit dem die Kindheit die Welt erfüllt, wäre ausgelöscht.

Nicht an den Weihnachtsmann glauben! Du könntest ebenso gut nicht an Elfen glauben! Du könntest deinen Papa veranlassen, Menschen anzustellen, die am Weihnachtsabend auf alle Kamine aufpassen, um den Weihnachtsmann zu fangen; aber selbst wenn sie den Weihnachtsmann nicht herunterkommen sehen würden, was würde das beweisen? Niemand sieht den Weihnachtsmann, aber das ist kein Zeichen, dass es den Weihnachtsmann nicht gibt. Die wirklichsten Dinge in der Welt sind jene, die weder Kinder noch Erwachsene sehen können. Sahst du jemals Elfen auf dem Rasen tanzen? Selbstverständlich nicht, aber das ist kein Beweis, dass sie dort nicht sind.

Niemand kann die ungesehenen und unsichtbaren Wunder der Welt begreifen, oder sie sich vorstellen. Du kannst die Babyrassel auseinander reißen und nachsehen, was darin die Geräusche erzeugt; aber die unsichtbare Welt ist von einem Schleier bedeckt, den nicht der stärkste Mann, noch nicht einmal die gemeinsame Stärke aller stärksten Männer aller Zeiten, auseinander reißen könnte. Nur Glaube, Phantasie, Poesie, Liebe, Romantik können diesen Vorhang beiseite schieben und die himmlische Schönheit und den Glanz dahinter betrachten und beschreiben. Ist das alles wahr?

Ach, Virginia, in der ganzen Welt ist nichts sonst wahrer und beständiger. Kein Weihnachtsmann! Gottseidank!, er lebt, und er lebt auf ewig. Noch in tausend Jahren, Virginia, nein, noch in zehnmal zehntausend Jahren wird er fortfahren, das Herz der Kindheit zu erfreuen.“

FROHE WEIHNACHTEN und ein gutes neues Jahr wünscht Ihnen und Euch “ISDT”

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