Everyday is like Sunday

Undankbar! Ich bin einfach undankbar. So kommt es mir jedenfalls vor, lese ich mit einigen Stunden Abstand die Berichte, Kommentare und Beiträge über das gestrige Spiel des RWE gegen Germania Windeck. Ich weiß aber wenigstens, warum ich mir so vorkomme: Nie genau wissend, wann sich der nächste Spielbesuch realisieren lässt, sollte gefälligst gestern der „99,9% Aufstieg“ vollbracht und bejubelt werden. Von mir höchstpersönlich im Stadion. Schließlich war ich ja auch bei den letzten Abstiegen stets live im Stadion dabei. Das Spiel endete nun aber 1:1 und, sofern die Kölner Fortuna das Heimspiel gegen den VfB Hüls Morgen nicht verliert, muß der Aufstieg nun doch auf dem grünen Rasen errungen werden. Darf zudem in „Echtzeit“ von zigtausend Fans bejubelt werden. Und das ist gut so! Ehrlich!
Das Spiel also: Der RWE erwischte Germania auf dem berühmten kalten Fuß und ging schon in der 7. Minute mit 1:0 in Führung. Es gelang aber trotz dieser Führung nicht, Ruhe in das Spiel zu bringen. Germania setzte den rot weissen kräftig zu und drückte in Richtung Ausgleich, der dann auch prompt nach einem Freistoßtreffer fiel. Da indirekt nicht gleich direkt ist, wurde dem Treffer aber die Anerkennung verwehrt. Glück gehabt. Windeck ließ sich dadurch aber nicht irritieren ,und so war es ausgerechnet der Ex RWE`ler Markus Kurth, der den logischen Ausgleich und zugleich das letzte gültige Tor in diesem Spiel erzielte. Den Rest der ersten Halbzeit neutralisierten sich beide Mannschaften. Und auch das Publikum konnte in diesem Zeitraum keine großen Akzente setzen. Zwar bemühte sich der Stimmungskern nach (Sanges-)Kräften, aber leider zu diesem Zeitpunkt mit Liedern, die (noch) nicht von der Masse getragen werden. Ein „Gassenhauer“ wäre vielleicht effektiver gewesen (Ich hoffe, das konstruktive Kritik genauso angenommen wird, wie positive). Halbzeitstand also 1:1.
Spielerisch bis dahin keine große Offenbarung. Spannend sehr wohl und nun doch nicht mehr so ernüchternd, wie ich es mit Halbzeitpfiff empfunden habe. Auffällig im Spiel des RWE neben dem nimmermüden Einsatz einmal mehr die unglaubliche Laufbereitschaft. Eine Stärke des RWE, die sich durch die ganze Saison zieht. Halbzeit zwei begann ohne Veränderungen, außer das ich nun zwei neue Sitznachbarn hatte, aber dazu später mehr. Vorab: In den Kabinen gab es wohl klare Anweisungen, denn das Spiel nahm nun an Fahrt auf und die Zuschauer setzten das in Lautstärke um: Wie fast immer ab der 55. Minute wurde es angestimmt, dieses unvermeidliche, alles auf den Punkt bringende: „Von der Ruhr bis an die Elbe“! Die Windecker Fans, kollektiv mit neuen Schals ausgestattet, erstarrten nun ob der Beschallung. So laut und so intensiv ging es dann fast durchgehend weiter bis zum Schlußpfiff. Was Germania Windeck nun mit der besseren Physis an Feldvorteilen erspielte, glich der RWE durch Kampf und die schon erwähnte Laufarbeit aus. Es gab sogar noch ein Tor für den RWE, welches aber wegen einer Abseitsposition nicht gegeben wurde. Hin und her, manchmal auch quer und oft auf die „Socken“, derart intensiv wurde nun das Spiel bis zu seinem Schlußpfiff weitergeführt.
Nach diesem brauchte es ein paar Minuten, bis sich Mannschaft und Fans wieder gesammelt hatten. Vielleicht auch in der Erkenntnis, die ich oben schon beschrieb: Aufgestiegen wird nun auf dem Platz! Die Fans intonierten „Auswärtssieg“, blieben in imponierender Zahl im Stadion und bedankten sich für den ehrlichen Kampf bei den Spielern, die ja Dank Facebook nun auch unsere Freunde sind. Die Spieler von Germania Windeck haben vielleicht ihrerseits eine historische Chance verpasst: Anstatt sich bei den mitgereisten Fans zu bedanken um so vielleicht eine Bindung zum Verein zu erzeugen, verschwanden die Individualisten grußlos in den Katakomben. Sportlich stehen die Windecker aber auf jeden Fall zurecht auf einem Aufstiegsplatz und besitzen in der Summe vielleicht sogar die besseren Einzelspieler.
Ach ja, meine Sitznachbarn: Eine Fahrt nach Essen bedeutet immer, vor dem Spiel eine elektrisierende Melange an Menschen an sich vorbeiziehen sehen. Sehr schnell kommt man auch mit ihnen in`s Gespräch oder auch nicht: Und zwar wenn man, so wie ich gestern, ein fest geplantes Treffen versemmelt. Wie dem auch sei: Mit wirklich jedem gibt es Gesprächsstoff, natürlich ausschließlich rund um den RWE. Aber mit folgenden Fragen, dazu in einer spannenden Phase des Spiels, gestellt in österreichischem Dialekt hatte ich aber nicht gerechnet und von daher kamen meine Antworten kurz und knapp daher. Es war aber wirklich nicht böse gemeint, eher dem Spiel und einem Stück weit auch Fassungslosigkeit geschuldet: „In welcher Klasse spielt Rot Weiss Essen ?“….“In der fünften“; „Ist Rot Weiss Essen beliebt?“….“Nein“; „Wann wurde das da hinten abgerissen?“….“Von 1993 bis gestern“; „Wieviel Zuschauer hat Schwarz Weiss?“….“Wer? Ach so,äh 500“; und so weiter und so weiter. Die Frage, wie das neue Stadion gebaut wird, konnte ich mit Hilfe des hinter mir sitzenden Fans beantworten: Ich lieh mir seine Stadionzeitung aus und drückte sie den interessierten Nachbarn mit der entsprechenden Seite in die Hand. Wie schon gesagt: Ich hoffe nicht, das ich zu unhöflich war, aber das konnte ich nicht mehr klären. Leider versanken beide nach dem Spiel in der abwandernden Menge. Es hätte mich schon interessiert, wie man sich in ein Stadion begibt, ohne quasi zu wissen, wo man sich gerade befindet.
Nachdenklich gestimmt hat mich im übrigen auch die Kurvennews der Ultras Essen. Dort wurde einmal mehr dazu aufgerufen, während des Spiels auf das Handy zu verzichten, sondern diesem zu folgen. Stimmt, in smarten Zeiten habe auch ich mich bemüßigt gefühlt, jede Besonderheit im Spiel mitzuteilen, auch wenn es keinen interessiert. Die Folge: Viel von einem Spiel verpasst. Gerne leiste ich also diesem Aufruf Folge, auch wenn er etwas anders gemeint war und habe ausschließlich das Spiel verfolgt, und nur zur Pause und danach ein Statement abgegeben. Es war wieder ein schöner Ausflug an die Hafenstrasse. Und ich bin nun dankbar. Für diesen Verein.

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