Monatsarchive: April 2011

Aufgestiegen

Eine Überschrift, an der es nichts zu deuteln gibt: Mit dem 2:1 Erfolg gegen die Sportfreunde aus und in Siegen konnte die Schülermannschaft des RWE den vorzeitigen Aufstieg perfekt machen. Unvorstellbar eigentlich, lässt man noch einmal die Rahmenbedingungen zu Beginn dieser Saison Revue passieren. Dank diesem Internet konnte ich das Spiel live am Rechner verfolgen, mehr saß leider nicht drin.

Wer nun eine RWE Mannschaft erwartet hat, die Nerven zeigte ob der Option Aufstieg, der wurde enttäuscht: Früh in Rückstand geraten, verlor die Mannschaft nicht die vorgegebene Linie und schaffte kurz vor der Pause (Achtung, Fußballweisheit: Zu einem psychologisch günstigem Zeitpunkt also) den Ausgleich. Das große Ziel nun direkt vor Augen und mit den lautstarken Fans im Rücken gelang auch die Führung, welche recht souverän bis zum Abpfiff verteidigt werden konnte.

Dieser letzte Pfiff des Schiedsrichters: Genaues weiß man nicht, aber er hat sich wohl etwas dabei gedacht, auf eine durchaus angezeigte Nachspielzeit zu verzichten. Es waren RWE Fans, die den Unparteiischen zu dieser Aktion mit Fingerspitzengefühl quasi genötigt haben: Einige waren schon zu früh in Versuchung geraten, ihrer Freude auf dem Feld Ausdruck zu verleihen. Verließen aber Dank einer recht deutlichen Ansage durch Wademar Wrobel über das Stadionmikrofon den (Fußball)Platz und kehrten fast vollständig wieder hinter die Zäune zurück. Da von den Rängen aber immer mehr Fans zu der Mannschaft wollten, handelte der Schiedsrichter seinem Ermessen nach völlig korrekt und pfiff das Spiel ab. Alarmstufe Rot im Siegerland, denn völlig losgelöst begann nun eine rot weisse Party.

Verschwiegen werden soll natürlich nicht, das es einige wenige verpeilte „Fans“ in eher in Richtung Gegengerade und den Heimfans zog, denn zur eigenen Mannschaft. Was in diesem Augenblick der Freude in jemanden vorgeht, eher auf Krawall und blinder Pöbelei gebürstet zu sein, als sich einfach nur der Freude hinzugeben, wird wohl auf ewig sein Geheimnis bleiben. Leider nahmen einige wenige Medien, unter anderem auch der WDR, diese Szenen zum Anlass, um alle RWE Fans mal wieder über einen Kamm zu scheren. Wenn der Journalismus nur auf Schlagzeilen aus ist, gerät der wahre Inhalt schon einmal recht schnell zur Nebensache. Die Wahrheit sah nämlich so aus: Es wurde gefeiert, und wie!

Faszinierend und ein Beleg für den Schulterschluß an der Hafenstrasse war die Szene direkt nach Abpfiff: Man kennt das ja: Die Fans rennen auf ein Spielfeld, und die Spieler gefühlt um ihr Leben……in die Katakomben. Aber was machen die Spieler des RWE an diesem Freitag: Geradewegs auf die Fans zu und einfach mal mitten hinein. SiegenTV blieb auch nach dem Spiel noch auf Sendung, übertrug die Feierlichkeiten und kommentierte diese recht neutral. Bestimmten zwar die Abfahrtszeiten der Busse das Ende der Party in Siegen, so wurde diese zu späterer Stunde an der Hafenstrasse weiter fortgesetzt. Rot Weiss Essen ist aufgestiegen. Nicht in die Liga, wo dieser Verein hingehört, sondern in die undankbarste Liga überhaupt, die der Fußball hierzulande zu bieten hat. Aber darum kümmert sich Im Schatten der Tribüne erst, wenn es in der neuen Saison losgeht. Bis dahin wird noch die NRW Liga genossen. Kaum zu glauben eigentlich. Natürlich werden jetzt auch noch Spiele verloren, denn das ist einfach so. Fakt aber: Der RWE ist wieder da!

Und hinten hilft der liebe Gott…

Oder aber ein guter Torwart. Es ist ja nicht so, daß wir in den Jahren zuvor keine guten Torhüter hatten, manchmal gar Torsteher. In diesem Jahr aber, unserer permanenten Neubesetzung sei Dank, hatten wir einen wahren Meister seines Faches zwischen den Pfosten. Den bisweilen unkonventionellen Versuchen der gegnerischen Spieler, ein Tor mit „Gewalt“, List und Pike zu erzielen, begegnete unser „Schnapper“ mit völlig angstfreien Methoden. Anleihen bei den Sportarten Handball und Eishockey inklusive.
Auch die Spieler auf dem Feld hatten einen guten Tag erwischt und so ward die Vorrunde ohne Niederlage überstanden: 0:0, 2:0 und 0:0 lauteten die Ergebnisse. Am Ende sprang das Platzierungsspiel um Platz 7 heraus, welches mit 2:3 abgegeben wurde. So wurde unser Torwart dann doch noch zweimal überwunden. Ein toller Platz 8 also am Ende eines Turniers, welches wieder einmal sehr sympathisch und mit Begeisterung durchgeführt wurde.
Seitens der Turnierleitung selber kamen auch nachdenkliche Zwischentöne bei diesem 9. integrativen Fußballturnier der Lebenshilfe Nordhorn (in Zusammenarbeit mit der Jugendabteilung des VfL WE Nordhorn) nicht zu kurz: Von Jahr zu Jahr ist eine Steigerung des Leistungsniveaus zu beobachten. Grundsätzlich spricht dem ja nichts entgegen, spiegelt es doch eigentlich nur das Ergebnis von Training und Spielpraxis wider. Bedeutet im Umkehrschluss leider, daß immer weniger Spieler mit „klassischen“ Behinderungen, wie dem Down Syndrom auflaufen.
So findet schon im Vorfeld eine „Kaderplanung“ statt, bei der wir gerade den Spielern absagen müssen, die stets alle Termine wahrnehmen und sich schon seit Jahren als Teil dieser Mannschaft fühlen. Und doch auch nur zu ihrem Wohle. Es ist nur sehr, sehr schwer zu transportieren. Aber sind wir doch ehrlich: Sobald der Anpfiff ertönte, waren diese Gedanken verdrängt und natürlich wollten auch wir den maximalen Turniererfolg. Alles andere wäre gelogen. Unter dem Strich überwiegt einmal mehr das Positive, und wir freuen schon sehr auf die 10. Auflage dieses stimmungsvollen Turniers. Vielleicht finden wir bis dahin auch eine Möglichkeit, wieder allen Spielern eine Teilnahme zu ermöglichen.