Trudi

Die Trudi aus Köln, da in ihrem Viertel. Die Trudi, die mal der Arno war. Die Trudi, die ihre Mietwohnung im zweiten Stock als ihr Refugium bezeichnet (Welches dann auch so aussah). Diese mitfühlende Frau, die für jeden ein offenes Ohr hat und deren Alter Ego Arno sich zudem noch rührend um seine ehemalige Frau Gerda kümmert. Auch wenn sich die Kommunikation zwischen beiden zumeist auf einseitige Vorwürfe reduziert. Trudi kümmert sich halt nach eigener Aussage und steht immer irgendwo dazwischen.
Und doch ging auch Trudi einen Schritt zu weit: „Kümmern mit Todesfolge“, so könnte das Delikt bezeichnet werden, mit welchem Trudi zusammen mit der Exfrau ihre langjährige Vermieterin ihres Amtes quasi entbunden hat. Mit ziemlicher Sicherheit wird Trudi eine der wenigen Mittäter(innen) in der Tatort Historie sein, zu der man in den 90 Minuten eine ungeahnte Sympathie aufgebaut hat. Denn, natürlich war ja auch die Vermieterin eine gar fürchterliche Person. Intolerant und gar ihren eigenen Sohn verhöhnend. Soweit erst einmal zur Trudi.
Und damit direkt zu Edgar Selge, denn er verkörperte die Trudi. Das in einer Art und Weise, die den Zuseher mehr und mehr in seinen Bann zog. Sparsam in den Gesten, leise in der Aussprache, aber von beeindruckender körperlicher Präsenz. Damit meine ich nicht nur die Männerwaden in Stöckelschuhen, die sicheren Fußes unterwegs waren. Das Bild war Trudi und Trudi war das Bild. Edgar Selges Spiel brachte eine Figur stets in den Mittelpunkt, die sich selbst nie in diesen gedrängt hätte, um doch zu jeder Zeit die Handlung zu dominieren. Und so drängte Edgars Trudi die sonstigen Hauptprotagonisten auf angenehme Weise in den Hintergrund.
Wohltuend, bot sich der Figur Max Ballauf endlich Zeit, sich seinem vernachlässigtem Liebesleben zu widmen. Geradezu enttäuscht sackte der Ballauf Sympathisant in sich zusammen, als sich auf der anderen Seite der Rosen nicht die erhoffte Adressatin befand. Aber hier besteht ja noch Hoffnung. Und in diesem ganzen Geflecht der leisen Gefühle durfte natürlich auch Kollege Schenk nicht zu kurz kommen. Ungewohnt einfühlsam in der Milieustudie mit Trudi beim gemeinsamen Spaziergang, verstand Freddy zwischendurch immer nur den berühmten Bahnhof, die Liebe und Wiesbaden betreffend. Auch das große Auto konnte da nicht über die kleinen, gut gespielten, Unsicherheiten hinwegtäuschen. Der Freddy mag den Max halt und muß ihn seinerseits nicht mehr in jeder Folge machen.
Zu diesem wunderbaren Krimi trugen natürlich auch die anderen Protagonisten und Verdächtige bei. Stamm, Roeder und Sophie, stimmige Figuren mit eigener Problematik, die alle ein Motiv hatten, ohne jedoch pauschal den Täter zu geben. Ein leiser Krimi also, und doch spannend ob seiner Figuren. Edgar Selge darf zurecht stolz auf seine grandiose Leistung sein. Bleibt nur noch eine Frage: Wann endlich dürfen wir Frau Schenk kennenlernen?

2 Kommentare

  • Ich fand den Tatort auch sehr gelungen, bin mal gespannt ob die Liebelei von Ballauf im nächsten Kölner Tatort wieder aufgegriffen wird, oder ob es sich um eine einmalige Episode handelt…freue mich schon auf den nächsten Polizeiruf mit Matthias Brandt als Kommissar > Freitag, 23.09.11 ab 22 Uhr in der ARD.
    Grüße Bernd

  • Bernd, ich freue mich….. Und was den nächsten Polizeiruf betrifft: Eine zweite Chance gebe ich ihm noch 😉 Übrigens habe ich den Text gerade noch um einen wichtigen Fakt korrigiert, war Trudi doch eher Mittäterin und Mitwisserin. (Meiner „Lektorin“ sei Dank)

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