„Houston, wir haben ein Problem“

Bemühen wir den Konjunktiv, wären wir Tabellenführer. Dann hätten wir nämlich an der Hafenstraße mehr Punkte eingefahren. Womöglich schien über Rot-Weiss Essen die Sonne, ständen die Spieler nach glanzvollen neunzig Minuten glücklich strahlend auf dem Zaun! Gefordert von uns euphorischen Fans, den „Schreck“ hinter und die Humba noch vor sich.

Natürlich ist der Fußball kein Konjunktiv und so zeigt der RWE gerade einen Fußball, welcher oft nur eine Halbzeit sehenswert ist. immer noch hakt es in der Abstimmung der verschiedenen Mannschaftsteile. Immer noch führen individuelle Fehler zu Gegentoren oder gefährlichen Situationen. Trotzdem reicht es aktuell für Platz drei, Viktoria Köln in Sichtweite. Gestern noch der Sieg in Siegen und auch im Pokal geht es weiter mit der Hoffnung auf die kommende Hauptrunde.

Und doch kann gemeldet werden: „Houston, wir haben ein Problem“! Nun hat Houston hier nichts zu suchen, ein Problem haben wir trotzdem. Und wenn wir uns nicht alle darum kümmern, dieses Problem zu lösen, sind wir spätestens am Ende der Saison ein völlig zerstrittenes rot-weisses etwas. Aber nicht mehr der RWE, welchen wir lieben und leben.

Wem das nun zu dramatisch erscheint: Lieber etwas zu dramatisch und es ändert sich etwas, als es zu verdrängen, und der klimatischen Abwärtsspirale freien Lauf zu lassen. Es wurde oft gemahnt. Wurde oft daran erinnert, dass wir Rot-Weiss Essen sind und nicht der „1.FC Kuscheldecke“ oder „Niemals Meister Gelsenkirchen“. Leider auch mit der bitteren Erkenntnis, dass Respekt für manch Zeitgenossen auf der Tribüne wohl ein Fremdwort ist.

Die Spieler spielen ab und an nicht das, was sie können. Zudem haben Spieler und sportliche Leitung es vielleicht ein wenig vernachlässigt, an der Hafenstraße anzukommen. Natürlich ist es manch einem wirklich egal, wo er sein Geld verdient. Dann aber bitte auch ohne Pathos bei der Verpflichtung. Keiner aber hat in seinem Vertrag stehen, dass er sich für Summe X auf übelste Art und Weise anpöbeln, bespucken oder bewerfen lassen muss und soll. Ebenso müssen  Spieler und Trainer uns Fans nicht lieben. Das steht auch nicht in deren Vertrag!

Sie kommen, weil sie mit Fußball Geld verdienen wollen. Je besser sie spielen, umso mehr Geld und Anerkennung verdienen sie. Spieler und Trainer sollten aber wissen, das wir Fans unseren Verein lieben. Dieses lange vor ihrer Vertragslaufzeit taten und dieses noch lange nach ihrem Abschied tun werden. Egal in welcher Liga, ein Leben lang. Wissen sollen Spieler und Trainer auch, dass sie natürlich verlieren dürfen. Nach großem Kampf und voller Leidenschaft. Dann stehen wir Fans sogar noch Spalier. Eigentlich also sollte einem vernünftigen und respektvollen Miteinander nicht viel im Weg stehen.

Nur scheint es ob der gezeigten Leistung und des sportlichen Strukturwandels im Verein von unserer Seite her aktuell nicht ganz so einfach zu sein. Wir dachten, alle an einem Strang zu ziehen. Und haben erst einmal geschluckt. Es begann ja auch gar nicht schlecht auf dem grünen Rasen. Dann folgte recht schnell spielerische Stagnation bis hin zum absoluten Tiefpunkt der Vereinsgeschichte, bis hin zu Kray. Aber selbst diese Schmach rechtfertigte keinen Run auf die Kabinen. Stadionbesichtigungen sind ganz legal zu buchen.

Ich weiss auch nicht, was einen dazu antreibt, einen Spieler des eigenen Vereins auf das Übelste zu beleidigen, ihm verharmlost geschrieben, die Pest oder einen Schalke Schal an den Hals zu wünschen. Es ist eine verschwindend geringe Minderheit, der aber gerade in Zeiten der Unzufriedenheit zuviel Bedeutung vergönnt ist. Diese Menschen werden wir leider nicht ändern. Aber das soll auch nicht der Ansatz sein, denn diese Spezies gibt es bei jedem Verein! Sollten möglicherweise die Spieler gebrieft worden sein (Achtung: Spekulation!), nicht mehr auf die Fans zuzugehen, dann ist das der falsche Ansatz. Denn auch wir haben keinen Vertrag mit dem Verein. Wir müssen nicht in das Stadion. Wir wollen es, um guten Fußball zu sehen, um unserem Verein zu folgen. Den bekommen wir gerade aber viel zu selten geboten. Und diese Kritik, die muss einfach erlaubt sein. Es ist bisweilen nicht anzuschauen. Wir leiden da draußen!

Wenn die Spieler sich nun intern uneinig sind, wie mit uns Fans umzugehen ist, dann mögen sie das bitte schnell auch intern klären. Wir brauchen eigentlich nicht auf die sportliche Leitung zuzugehen. Entweder Ihr macht das freiwillig, oder lasst es bleiben. Ich schlafe dadurch nicht schlechter als eh schon. Aber wir alle, wir müssen da eine klare Kante hinbekommen. Müssen aufhören mit dem Gegeneinander. Die Siegener Zeitung bescheinigte den RWE Fans gestern eine dauerhafte Unterstützung, wie sie manch Bundesligisten nicht zuteil wird. Wenn aber wieder eine Halbzeit Grütze geboten wird, dann wäre es falsch, eine Mannschaft dafür zu bejubeln. Das ist nicht das Leben. Das ist nicht Hafenstraße. Und denjenigen unterhalb der Gürtellinie, bar jeglichen Respekts: Nüchtern betrachtet, wollt Ihr nach getaner Arbeit, die nicht glorreich gelaufen ist, so von Kunden verabschiedet werden ?  Ist doch für`n selbigen!

Ich kann nur hoffen, dass wir alle zusammen einen gemeinsamen Weg finden werden. Und auf dem Platz und den Tribünen mal so richtig abgehen. Wir haben nämlich ein Ziel! Nur der RWE!

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