Monatsarchive: September 2014

Die größten Erfolge von Spandau Ballet!

Gold: Nein, es war nicht wieder alles Gold an diesem frischen Dienstagabend. 6571 Zuschauer nur. Den Opa mehr gesummt, denn gesungen. Alles irgendwie angemessen. Und doch waren wir da. Manchmal zählt auch einfach nur das. Die eigene Mannschaft begann gut. Überraschend gut sogar. Zudem ließ die Wernze-Wunderlich-Wollitz-Combo den rot-weissen zunächst die nötige Beinfreiheit, um das Publikum nicht direkt gegen sich aufzubringen.

Gold aber einmal mehr der Einsatz auf dem Feld.  Blech hingegen die Pfiffe vorab gegen einen eigenen Spieler sowie dieses hämisches Klatschen bei diversen Aktionen. Früher wurden Spieler durch uns Fans zur Leistung angestachelt, waren wir nicht mit der gezeigten zufrieden. Heute geht der Trend bei wenigen dahin, direkt zu verunsichern. Ich trete doch auch nicht gegen mein Auto, bevor ich losfahre. Konstruktive Kritik sollte hingegen weiter erlaubt sein.

Silber schimmerte wie so oft die Fähigkeiten der einzelnen Spieler durch. Wir haben da gute Jungs am Start. Leider ist dann das Zusammenspiel der einzelnen Mannschaftsteile eher Bronze. Bisweilen hat es den Anschein, als ob für den Bruchteil von Sekunden alle Spieler erstarren und darauf warten, dass nun einer das Heft in die Hand nimmt.

True: Es ist wahr: Der erste Heimerfolg der Saison ist keine Wunschdenken mehr, sondern Fakt. Erarbeitet und erzielt in letzter Minute. Was definitiv auch ein Beleg für eine vorhandene Moral ist. Wir stehen kurz vor der Relegation. Man muss aber auch der Viktoria eine sehr schlechte Leistung attestieren!

Once More: Ja bitte. Gerne! Und nicht nur einmal. Gewonnene Spiele sind schön. Lassen Adiole pfeifen und beschwingter durch den Tag kommen. Treuepunkte, Bonuspunkte, Punkte in Flensburg: Alles Latte gegen drei Punkte auf dem Feld.

Through the Barricades: Montag Rödinghausen. Gelingt dort nun der Turnaround? Fakt ist: Dank der aktiven und mehr als engagierten Fans werden die Spieler auch dort nicht im Stich gelassen. Ob sie wollen oder nicht. Ebenso sind auch sportliche Leitung und Trainer wieder mit von der Partie. Hat also die letzte Stellungnahme nicht gefruchtet. Brauchte sie auch nicht, denn drei Punkte sind allemal besser. Aber, es musste ausgesprochen werden. Vielleicht gibt es ja eine gemeinsame Rückkehr aus Rödinghausen. Fans, Trainer und Sportvorstand in einem Boot, beziehungsweise Bus. „Through the Barricades“ hilft oft, selbige abzubauen.

Ey Mannschaft: Glückwunsch zu diesem Erfolg!

Es ist an der Zeit, Stellung zu beziehen.

Ich war bekenndender „Wrobelaner“, weil sich unser Ex Trainer tausendprozentig mit unserem Verein identifiziert hat. Leider blieb der sportliche Erfolg aus aus, griffen dann die üblichen Mechanismen. Nie aber habe ich „Wrobel raus“ gefordert und gegen die Dinge unterhalb der Gürtellinie angeschrieben, Respekt gefordert.

Nun aber fordere ich zum ersten Mal die Trennung von einem Trainer. Ein Trainer, der sich meiner Meinung nach nicht mit unserem Verein identifiziert, geschweige denn zu ihm passt. Ein Trainer, unter dem keine spielerische Entwicklung zu erkennen ist! Dessen Ruf als Defensivspezialist wohl keinen attraktiven Fußball erwarten ließ, vielleicht aber mal ein dreckiges 1:0. Auch daraus wurde nichts: Es folgte ein abwehrtechnisches Desaster. Aufstellungen, die schlicht nicht nachvollziehbar sind. Ich bin kein Trainer, aber ich bin nicht blöd!

Wenn man „All In“ geht, hat man auch zu akzeptieren, dass man sich verzocken kann. Rot-Weiss Essen hat sich mit Marc Fascher verzockt. Daher fordere ich einen Trainerwechsel. Jetzt!

Für den RWE.

Korrelation

Es hat mich schon lange kein Buch mehr mitgenommen, wollte in einem Rutsch gelesen werden. Mal war es das Leben, mal das Buch. Doch urplötzlich und ohne Vorwarnung  sind da Sätze wie: „Wollte ich einen Sportlerkörper, müsste ich was mit einem Sportler anfangen“ oder „Auswärts ist da, wo die anderen mehr sind“. Das Nichts ist natürlich ein Buch.

Geschrieben von Stefanie Fiebrig, gelesen in wenigen Tagen. Kenne ich nicht, werden die meisten denken. Kenne ich auch nicht wirklich. Aber, ich durfte sie kennenlernen, sie war mir Hilfe zudem. Und noch mehrere der Protagonisten in diesem Buch. Menschen, Fußballfans allesamt, die ich mag. Wenige gemeinsame Momente reichten aus, um dieses Gefühl zu manifestieren. Ermöglicht durch dieses Internet.

Ich durfte sogar in der berühmten Küche zu Gast sein, dort wo die Textilvergeher aktiv sind. Einige in Essen an der Hafenstraße begrüßen. Erfreute mich an wenigen Mails mit Andora, dem ein Kapitel gewidmet ist. Habe einfach mal Andreas Lorenz angerufen, da ich eine Frage hatte. Bekommen habe ich ca. 45 Minuten Leidenschaft für das geschriebene Wort. Einen persönlichen Nachschuss.

Ich fühle mich also wohl „inmitten“ dieser Menschen. Auch heute noch und trotz  der Tatsache, dass weder der 1.FC Union noch die Hertha in naher Zukunft mal wieder an der Hafenstraße auflaufen werden. Stefanie Fiebrig kann fotografieren, so richtig und erlernt. Das alleine macht einen Menschen für mich ja schon interessant. Ich würde das nämlich auch gerne können. Macht „nebenbei“ noch in Garten, Fußball und nicht zu vergessen: Familie.

Das Buch also: Unterteilt, wie das bei Büchern so ist, in Kapiteln. Kapitel, die persönliche Einblicke gewähren. Retroperspektive beruflicher und privater Natur. Stets flüssig erzählt, schmunzelt man ob der Tatsache, dass der ebenso sympathische Herr Fiebrig bei der ersten Begegnung zwar Brille, aber keine Frisur trug. In Nebensätzen klingt nicht selten Kritik durch. Kritik daran, dass der Fußballfan eben nicht mehr überall einfach nur noch Fan sein darf. Das sich Grenzen verschoben haben.

Diebische Freude über einen Tag mal ohne Kinder, ungeplant begangen natürlich an einem unterklassigen Spielfeldrand, lässt verständnisvoll lächeln. Der niedergeschriebene Verlust über einen Freund stimmt traurig. Alles immer stimmig, fröhlich und mit der Lust am Leben und der Liebe zum Fußball erzählt. Das Kapitel über den Stadionumbau der alten Försterei sollte ein Lehrstück für alle zukünftigen Stadionplaner werden. Ein Stadion, geplant für Fans und optimale Arbeitsbedingungen der Waschfrau, anstatt den Vorgabenkatalog abzuarbeiten. Lesenswert. Nein: Nachahmenswert.

Lange Rede, kurzer Sinn: Kauft dieses Buch. Es kommt von Herzen. Und der Chronistenpflicht halber: Frank Goosen war es, der mich zuletzt mitgenommen hatte. „So viel Zeit“. 20140814_Buch_11