Monatsarchive: November 2014

Herbergers Notizbuch

Gestern ist August Gottschalk verstorben. Und wie es hier so treffend beschrieben wurde, war uns August Gottschalk nicht persönlich bekannt. Oder haben wir ihn spielen sehen. Und doch wissen wir ein wenig über ihn: Über seine Art Fußball zu spielen zum Beispiel; Aber auch über Charaktereigenschaften wird in wenigen Sätzen erzählt und geschrieben.

Das wir August Gottschalk nicht so verklärt betrachten wie Helmut Rahn, mag vielleicht damit zusammenhängen, dass er es zwar in das Notizbuch von Sepp Herberger geschafft hat, nicht aber in dessen Kader. Kein Weltmeister, kein Boss. Taktgeber also. Für Essen und Rot-Weiss! August Gottschalk war der Mannschaftsführer jener Erfolgsmannschaften von 1953 und 1955, welche für Rot-Weiss Essen Titel für die Ewigkeit und den Vereinswimpel gewonnen haben.

Die Betroffenheit, die sich gestern vielfach und schnell durch die rot-weisse Lebenslinie in den sozialen Medien verbreitet hatte, war das Gefühl von Trauer, gepaart mit tiefer Dankbarkeit. Dankbarkeit für zwei Titel, die verantwortlich dafür sind, dass es unseren Verein immer noch gibt und immer geben wird. Diese Spielergeneration hat den Mythos RWE begründet. Die Westkurve gab erst später ihr übriges dazu; All die anderen charismatischen Spieler kamen in späteren Dekaden an die Hafenstraße. Oftmals jedoch ohne den gewünschten sportlichen Erfolg.

Nun also wieder ein Abschied. Ein Abschied ohne Wiederkehr. Ein Abschied der das Gefühl gibt, diese Mannschaft nun ganz zu verlieren. Ruhen Sie in Frieden August Gottschalk. Und versammeln Sie Ihre alte Mannschaft an anderer Stelle um sich, geben den Takt an und mal einen aus. Und wenn es da oben was kostet, holen Sie sich das Geld wie früher vom „Alten“ zurück. Aber den Fritz Herkenrath, den behalten wir noch möglichst lange hier bei uns.

Wir danken Ihnen und Ihren Mannschaftskameraden:

Freitag 1. Mai 1953: Stadion Rheinstadion, Düsseldorf

Fritz Herkenrath, Werner Göbel, Willi Köchling, Paul Jahnel, Heinz Wewers, Clemens Wientjes, Helmut Rahn, Franz Islacker, August Gottschalk Kapitän der Mannschaft, Fritz Abromeit, Bernhard Termath
Trainer: Karl Hohmann

26. Juni 1955: Stadion Niedersachsenstadion, Hannover

Fritz Herkenrath; Joachim Jänisch, Willi Köchling; Paul Jahnel, Heinz Wewers, Willi Grewer; Helmut Rahn, Franz Islacker, August Gottschalk, Johannes Röhrig, Bernhard Termath
Trainer: Fritz Szepan

Schon morgen wieder können die fuballerischen Enkel, deren Frisuren sich wieder denen der Meister und Pokalsieger von einst annähern und die nun ein Meistertrikot tragen dürfen, einen weiteren Schritt in die richtige Richtung machen. Keine Deutsche Meisterschaft erringen, aber vielleicht mit der inoffiziellen Herbstmeisterschaft Hoffnung schüren.

Glaubt nicht an Spuk und böse Geister, Rot-Weiss Essen wird Deutscher Meister!

Die Tabellenführung lässt einen nicht los. Vielleicht, weil sie aus dem relativen Nichts heraus zustande kam. Sicher aber auch, weil unser aller Frust diese beinahe nicht zugelassen hätte. Da sportliche Qualität nicht sofort umgesetzt wurde, sich erst finden musste und bisweilen ermüdend wirkte.

Eine einzige Niederlage nur, diese aber erlebt als städtisches Waterloo. Das war es dann. Die Abwärtsspirale der guten Laune einmal mehr in Gang gesetzt, die Sehnsucht nach Ligaflucht schon wieder in die Tonne statt gegen den Ball getreten. Die Mannschaft zog nach und somit gingen wir mit Status „Alle gegen Alle“ in den Herbst. Es war kompliziert.

Wie aber auch soll ein junger Spieler diese Sehnsucht eines Fans nachvollziehen können, der sich seit Jahr und Tag in der falschen Liga wähnt? Und das zurecht! Wie aber sollte ein alter Fan nachvollziehen können, dass dort eine Mannschaft zusammenwächst, gar zusammenhält, obwohl man so spielt wie man spielt und dann auch noch gegen Kray verliert? Auch das zurecht!

Wie im wirklichen Leben dann das, was anschließend geschah: Beide wendeten sich voneinander ab, wurschtelten vor sich hin. Immer darauf bedacht, dem Partner Fehler aufzuzeigen oder mit Missachtung zu strafen. Wir wissen das alles, waren alle mit dabei. Aber ich finde es wichtig, es nicht zu vergessen. Damit es nicht wieder vorkommt, sollte es mal wieder nicht so laufen, wie wir es uns alle erhoffen.

Wer auch immer dann alle an einen Tisch geholt hat: Danke dafür! Es ist eben nicht doch immer nur wichtig auf dem Rasen. Reden ist Gold, Schweigen dagegen weniger Fans als eine Kartoffel. Nein, wir werden nicht Deutscher Meister, mir gehen nur langsam die Überschriften aus! Aber jetzt an der Tabellenspitze der Regionalliga West zu stehen; Wie man sich zudem als Verein und Fans gemeinsam aus dem Sumpf gezogen hat: Dass macht so glücklich und froh, so dass das Saisonziel für den Moment erreicht scheint.

Und wenn nun noch der Geist jener Meistermannschaft die jetzigen Spieler nicht nur als Trikot, sondern auch im Kopf erreicht, dann ist alles machbar. Eines ist aber sicher: Die Tabellenspitze haben wir alle zusammen erobert, nachdem wir zusammen beinahe alles versaut hätten. Und kein anderer Verein könnte mir jemals dieses Gefühl vermitteln wie Du, unser RWE!

Stunde der Sieger

Im Showbusiness geht es rasend schnell, und meistens den Berg hinunter. Qualitativ betrachtet! Daher findet ein aufstrebendes Format wie Rot-Weiss Essen ruckzuck Beachtung, werden langfristige Planungen über den Haufen geworfen! Noch am 15. Oktober gab es diese Pressemeldung:

„Inspiriert durch „Landauer – Der Präsident“ werden wir ab sofort mit den Planungen zu dem Film „Georg Melches – Der Papa“ beginnen. Finanziert durch Crowdfunding, werden die Stadionszenen in München an der Grünwalder Stadion gedreht. Wir hoffen, Heino Ferch für das Projekt gewinnen zu können“

Nun aber sieht sich die UFA als ausführende Produktionsfirma mit den aktuellen Ereignissen konfrontiert: Seit 21.15 Uhr möchte Heino Ferch Marc Fascher verkörpern und das Georg Melches Projekt zunächst auf Eis legen. Keine Atempause, Geschichte wird gemacht. Tabellenführer also. Wenigstens für eine Nacht.

Eine UFA Miniserie, anbei der Arbeitstitel und die Besetzungscouch:

Spitzenführer & Tabellenreiter

In den Hauptrollen: 

Heino Ferch als Trainer; Veronica Ferres als Sportdirektor; Til Schweiger als Til Schweiger in einer Rolle als Stadionsprecher; Uwe Ochsenknecht als doofer Schalker; Heiner Lauterbach als Oberbürgermeister, sowie Matthias Schweighöfer und Bastian Pastewka als Spieler. Michael Welling als Dr. Michael Welling steht aufgrund seiner ständigen Dreharbeiten für Stauder Inc. nicht sofort zur Verfügung, so dass möglicherweise Sascha Hehn die Rolle des CEO übernehmen wird.

Vielleicht übernimmt aber morgen auch schon wieder die Alemannia die Tabellenführung und der ganze Showzirkus zieht weiter Richtung Tivoli.

Bis dahin aber geniessen wir diesen Abend, die Tabellenführung und unser Dasein als Fan von Rot-Weiss Essen. Danke Jungs!

Applaus,Applaus.

Seien wir doch ehrlich: Wir alle haben nur auf diesen einen Moment gewartet! Diesen einen Treffer, der uns wenigstens für einige Minuten auf den ersten Tabellenplatz befördert hätte. Das zwingend und logisch folgende „Spitzenreiter,Spitzenreiter…“ wäre unter dem Dach der Gegentribüne einer Verbaleruption gleichgekommen! Die gesperrte Stehtribüne wäre vor Schreck zusammengebrochen, dem Grotifanten der Rüssel abgefallen.

Weltmeister für einen Moment. Dann eben Freitag, so der allgemeine Tenor nach dem Spiel. Allerdings dann nur unter Vorbehalt, da Alemannia nachziehen und vorbeiziehen kann. Ist aber auch nicht wichtig, Freitag kann ja auch verloren werden. Fußball eben. Die Mannschaft wurde trotzdem mit großem und anerkennenden Applaus verabschiedet und gab diesen auch an die Fans zurück. Überall im Netz tauchen nun Meinungen, Fotos und Videos auf, die uns RWE Fans eine grandiose Vorstellung attestieren.

Da aber auch die KFC Fans einen guten Tag hatten, war es ein stimmungsvolles Ambiente. Würdiger Rahmen auf nicht einwandfreiem Geläuf. Alle platt am Ende. Des Spielers Beine und vieler Fans Stimmbänder. Nun sind wir ja mittlerweile gewohnt, dass wir in dieser Saison ohne große Impulse aus dem Mittelfeld heraus agieren, haben uns in Anbetracht der letzten Erfolge auch damit abgefunden. Vielleicht aber gilt es  trotzdem noch einmal zu überdenken, ob eine sogenannte Schaltstelle den ein oder anderen Ball noch gezielter verteilen kann.

Das aber nur am Rande, denn Fußball mit dreckigen Trikots und viel Kampf sind absolut meins. „Dreck fressen seit 1907“ halt. Ein 0:0 der spannenden Art. Kein Langeweiler. Die Grotenburg zudem noch einen Tick kompakter als unser neue Bude und in der Tribünenkonstellation mit der alten Stehkurve einen Hauch von GMS vermittelnd. Man hätte gestern die Vertreter des modernen Fußballs einladen sollen: Die Klatschpappen als Mitbringsel hätten die gesponserte Werbetüte nicht verlassen! Im Anschluss noch durch eine Polizeikette hindurch, gegnerische Fans warteten an der Tankstelle, leichter Verkehrsstau….der fußballerische Sozialromantiker fährt zufrieden nach Haus.

Doch auf der Fahrt spielen sich dann wieder Horrorszenarien im Kopfe ab: Was nun, wenn am Ende der Saison in einem dramatischen Endspurt der Relegationsplatz geschafft wird? Nur, um dann in zwei Spielen an einer zweitplatzierten Zweitvertretung mit Unterstützung aus deren Ersten unglücklich in der Nachspielzeit zu scheitern? Oder, noch viel schlimmer: Es kommt die unerwartete Tabellenführung; Wird ausgebaut! Schon früh steht der Relegationsplatz als gesichert fest. Aber, auch diese Leistung wird nicht gewürdigt: Für die zwei finalen Spiele reicht es dann nicht mehr, die Spannung wieder aufzubauen. Vielleicht kommen noch Verletzungen oder Sperren hinzu.

Gedankenmodelle, die nur eines im Sinn haben: Ein Meister einer Liga hat zwingend aufzusteigen als Lohn für eine meisterliche Saison. Abgesehen von der ersten Bundesliga natürlich. Werden wir da jemals in diesem Leben Meister, bin ich auch mit einem Nichtaufstieg einverstanden…

Aber, Fußball ist und bleibt ein Konjunktiv und es kommt sicher wieder einmal alles ganz anders.

Ode an die Freude

Vor Wochen den Kopf des Trainers gefordert [also im übertragenen Sinne jetzt], hängt der Himmel über diesem Blog plötzlich und unerwartet voller Geigen. Der Fußballgott wirft Tore und Punkte freigiebig in Richtung Hafenstraße, lässt andere Protagonisten an der Tabellenspitze stolpern. Geiler Typ gerade!

Sollten die sechs Punkte sowie zehn Tore unter anderem [trainiert wird ja weiterhin] auch ein Ergebnis der Aussprache zwischen Team und Fanvertretern sein, dann versprecht uns und Euch bitte eines: Keiner, der in Zukunft mit Atmosphäre oder seiner Akzeptanz unzufrieden ist, möge bitte wieder neun Spiele warten, dieses zu äußern! Raus damit, wenn etwas stört oder drückt.

Wir Fans haben uns teilweise doch auch nicht mit Ruhm bekleckert oder perfektes Krisenmanagement an den Tag gelegt. Aber, wir wollten schon vor der Saison reden und hatten es nun ganz dringend nötig. Das nun mit- und nicht übereinander Tacheles geredet wurde: Der Dank gebührt den Initiatoren und allen, die im Stadionbauch miteinander geredet haben. Besonders aber den vielen, welche nicht dabei waren und gegen Wattenscheid die Stunde Null angefeuert haben. Rot-Weiss Essen ist eben doch das gewisse Etwas.

10:0 Tore aus zwei Spielen liest sich zunächst natürlich wie Glanz und Gloria auf dem Feld. Belassen wir es aber noch bei Gloria und erfreuen uns daran. Der Glanz muss weiter im Training erarbeitet werden, spielerisch und individuell ist immer noch Luft nach oben. Ein Fakt, welcher der vor Wochen schon wiehernden Konkurrenz natürlich zu denken geben sollte. Auch zeigt sich langsam aber sicher, dass der RWE in der so oft zitierten Breite so gut besetzt ist, wie der Autor dieser Zeilen.

Erstaunlich, wie schnell es doch im Fußball dieser Tage gehen kann. Ich würde den Post von jenem Tag nicht zurücknehmen, denn es stand wirklich Schlimmes um unseren Verein zu befürchten. Und schon gar nicht war damit zu rechnen, heute kurz vor der Tabellenführung zu stehen. Es wurde also akribisch gearbeitet an der Hafenstraße. Was auch gut ist, denn nun steht etwas ganz anderes zu „befürchten“: Dem Umfeld könnten nun die Euphoriegäule durchgehen, da tut Ruhe und Besonnenheit not.

Die Liga ist zudem dicht beieinander und wenn uns der oben zitierte Fußballgott mal wieder nicht wohlgesonnen ist, dann geht es direkt wieder einige Plätze runter. Möglicherweise schon in Krefeld kommendes Wochenende. Dort jedoch, in einem traditionsreichen Stadion mit Stufen, werden wir nicht selektiert und begrenzt, sondern können einen gewaltigen Auswärtstross auf die Beine stellen und in die Grotenburg bringen. Angst habe ich höchstens vor dem Grotifanten und Herrn Lakis: Beide auf ihre Art etwas überlagert, aber durchaus mit Unterhaltungswert.

Unterhaltungswert beinhaltet Unterhaltung und Wert: Es ist eine weitere Unterhaltung geplant, welche für Fans und Mannschaft von großem Wert sein könnte: Die Ultras Essen bitten zu Tisch und Gedankenaustausch. Wieder eine Gelegenheit, enger zusammenzurücken und  Fans und Verein langsam aber behutsam in eine gute Richtung zu bringen. Ein ganz anderer Ansatz, als bisweilen bei anderen Vereinen und Fanszenen gelebt. Vielleicht sogar der einzig gangbare Weg, um das Stadion Essen mit verbaler Patina zu belegen, die uns allen so fehlt. Ein klein wenig Mythos zurückholen. Gemeinsam.

Und Los…