Von wunderbarer Melancholie

Dieses Spiel und das historische “Vorspiel” in Worte zu fassen fällt mir schwer. Es war wunderbar und melancholisch zugleich. Wie schnell kann die Spezies Fußballfan doch eine gnadenlos verkorkste Saison auf und neben dem Feld vergessen. Da können Vermarkter und private Fernsehanstalten noch so versuchen, den Fußball in der Sommerpause irgendwo zwischen Hüttengaudi und Ballermann zu platzieren, den wahren Fan juckt das nicht. Hier wird die fußballlose Zeit als Keimzelle genutzt, aus der wohlbehütet Hoffnungen und Wünsche für die kommende Saison heranwachsen. Ein langgehegter Wunsch, zwischendurch eher eine Burleske, ging zwei Stunden vor Anpfiff in Erfüllung: Der offizielle Anstoß für den Neubau wurde durchgeführt. Ich fand es sehr erfrischend, dass im Gegensatz zu sonstigen, ähnlich gelagerten Anlässen, nicht nur in Superlativen geschwelgt wurde: So ging Essens Oberbürgermeister sehr dezidiert auf das “warum” in Anbetracht der Haushaltslage ein und ließ auch die schlechten Leistungen auf dem Feld nicht unerwähnt. Der Wunsch nach einem neuen Stadion wird Wirklichkeit und macht nun für einen längeren Zeitraum Platz für verklärende Erinnerungen an das Georg Melches Stadion. Es tut weh, dass Peter diese Momente nicht mehr im hier und jetzt erleben darf, aber wir waren uns sicher: irgendwo nimmt er an dieser “Party” teil und redet gerade jemanden vor lauter Vorfreude schwindelig. Nun aber zu den wirklich wichtigen Dingen, den Protagonisten auf dem Feld, welchen das Stadion wahrscheinlich nicht wirklich wichtig sein dürfte. Aber Hauptsache, die Identifikation mit dem eigenen Verein (=Arbeitgeber) stimmt. Und die stimmte am Samstag schon vor Anpfiff, als sich das ganze Team nebst Trainerstab den 8560 Fans präsentierte. Engagiert dann das Spiel, unübersehbare Abstimmungsprobleme inklusive. Die fielen aber nicht so ins Gewicht, da die Lauterer nach vorne hin zu Beginn sehr unsortiert waren und zum Schluss auch noch vom Pech verfolgt wurden. Und, ganz wichtig: Auf Seiten des RWE wurde gerannt, gegrätscht und auch mal “umgewemmst”. Das kam an und wurde mit “So spielt man Fußball in Essen” dankbar quittiert. Aber es gab auch wieder eine Spieleröffnung mit langen Bällen nach vorn, gefährliche Standards und mit Sebastian Stachnik endlich die erhoffte Entlastung für Sascha Mölders. So wurde denn 2:0 gewonnen in einem Spiel, welches ob der Vorzeichen unbedingt gewonnen werden musste. Diese Nervenprobe wurde bestanden und mit Dauergesang der Fans belohnt. Auf eine Humba wurde zum Glück verzichtet, auch da haben alle Beteiligten dazugelernt. Danke an jawattdenn und den soziokulturellen für die Fotos.

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