Monatsarchive: April 2011

Wir geben ab zur Werbung

Auf „Güter“ zu verweisen, die Geld kosten, kann einem im allgemeinen als Werbung ausgelegt werden. Vielleicht ist es aber auch schlicht ein persönliches Bedürfnis! Wie in diesem Fall, handelt es sich bei diesen „Gütern“ doch um höchst lesenswerte Bücher, die mir selber viel Freude bereitet haben.
Um es kurz zu machen: Mister Ruhrgebietsfußball Ben Redelings hat zusammen mit dem Werkstatt ein kleines Jubiläum zu feiern: „Das fünfte Buch Ben“ ist erschienen. Anlaß also genug, um alle Veröffentlichungen in einem attraktiven Angebot zu bündeln. Und wer sich darüber hinaus noch über den Autor selbst, beziehungsweise seine Arbeitsmethoden, informieren möchte, dem darf ich mein Kurzinterview mit Ben Redelings empfehlen!

Belastungsprobe

In Siegen den Aufstieg perfekt gemacht, in Düsseldorf nach 120 Minuten + Elfmeterschießen das Pokalfinale erreicht. Und dann kommt mit dem FC Wegberg-Beeck zum nächsten Heimspiel ein Verein, der sich zum Saisonende freiwillig aus der NRW Liga zurückzieht. Allein aus sportpsychologischen Gesichtspunkten dürfte der Gewinner des (Freundschafts-) Spiels schon im Vorfeld feststehen, und so kam es dann auch: Der RWE kassierte die zweite Saison- und die erste Heimniederlage überhaupt. Soweit für mich der Fakt, denn ich habe Familie und Fahrtkosten in Relation zu der Bedeutung dieses Spiels gesetzt. Also nicht vor Ort bot sich nun via Liveticker und Radio Hafenstrasse ein Spiel, welches jawattdenn so auf den Punkt gebracht hat:
„Gegen erstaunlich mutig aufspielende Gäste fand Rot Weiss Essen kaum Mittel und musste sich mit 1:3 geschlagen geben.“
Warum auch nicht? Für die meisten Spieler der Gästemannschaft sicher DAS Spiel ihrer Karriere und mit entsprechendem Engagement geführt. Die junge Truppe des RWE hingegen (Der Begriff Schülermannschaft kommt nicht von ungefähr) durfte nun endlich einmal der anstrengenden Saison (ja und auch den Feierlichkeiten) Tribut zollen und tat dieses demnach auch. Machen wir uns doch nichts vor: Schon in den letzten Spielen bekamen wir nicht mehr den begeisternden, unbekümmerten Fußball der Hinrunde zu sehen; getragen von der Woge des „Tor des Monats“ und der Begeisterung der Fans, diesen Verein weiter existierend zu erleben. Die Gegner waren nun besser eingestellt, zudem machte sich so langsam auch die Option Aufstieg in den Köpfen breit. Um hier aber nicht auszuschweifen: Unter dem Strich erleben wir doch gerade die erfolgreichste Saison für Rot Weiss Essen seit Jahren. Da ist doch die Liga völlig egal.
Und trotzdem stellen die Spiele in Düsseldorf und das Spiel gegen Wegberg-Beeck so etwas wie eine Belastungsprobe dar, wie es wirklich zwischen Fans und Verein bestellt ist. All die ganzen Jahre des Misserfolges, der Abstiege und der „Söldner“…..mehr als gedacht, wirken diese Jahre scheinbar (und wohl auch zurecht) bei vielen Fans nach. Nachzulesen anhand einiger Kommentare im Forum in Bezug auf beide besagten Spiele. Anders kann ich mir diese Kommentare auch nicht erklären, denn ein verlorenes Spiel und eine schlechte Leistung sollte doch einer jeden Mannschaft vergönnt sein. Die Mehrheit der Fans sah das Spiel übrigens recht entspannt und hatte kein Problem mit dieser Niederlage.
Trotzdem sollten diese wenigen Reaktionen allen, die mit dem RWE zu tun haben (und sich ihm verbunden fühlen), Warnung genug sein: Sehr fragil ist sie noch, die neue Beziehung zwischen dem Verein und seinem wichtigsten Kapital, den Fans! Warnung auch in Hinblick auf die kommende Saison. Denn, wer will eigentlich schon Regionalliga ? Erst da, mit Anpfiff der neuen Saison, wird sich zeigen, welchen Grundstein Verein und Fans wirklich in dieser Saison gelegt haben. Daher mein Vorschlag: Locker bleiben, dankbar sein und Vertrauen haben. Endlich einmal. Ja, in den RWE!

Aufgestiegen

Eine Überschrift, an der es nichts zu deuteln gibt: Mit dem 2:1 Erfolg gegen die Sportfreunde aus und in Siegen konnte die Schülermannschaft des RWE den vorzeitigen Aufstieg perfekt machen. Unvorstellbar eigentlich, lässt man noch einmal die Rahmenbedingungen zu Beginn dieser Saison Revue passieren. Dank diesem Internet konnte ich das Spiel live am Rechner verfolgen, mehr saß leider nicht drin.

Wer nun eine RWE Mannschaft erwartet hat, die Nerven zeigte ob der Option Aufstieg, der wurde enttäuscht: Früh in Rückstand geraten, verlor die Mannschaft nicht die vorgegebene Linie und schaffte kurz vor der Pause (Achtung, Fußballweisheit: Zu einem psychologisch günstigem Zeitpunkt also) den Ausgleich. Das große Ziel nun direkt vor Augen und mit den lautstarken Fans im Rücken gelang auch die Führung, welche recht souverän bis zum Abpfiff verteidigt werden konnte.

Dieser letzte Pfiff des Schiedsrichters: Genaues weiß man nicht, aber er hat sich wohl etwas dabei gedacht, auf eine durchaus angezeigte Nachspielzeit zu verzichten. Es waren RWE Fans, die den Unparteiischen zu dieser Aktion mit Fingerspitzengefühl quasi genötigt haben: Einige waren schon zu früh in Versuchung geraten, ihrer Freude auf dem Feld Ausdruck zu verleihen. Verließen aber Dank einer recht deutlichen Ansage durch Wademar Wrobel über das Stadionmikrofon den (Fußball)Platz und kehrten fast vollständig wieder hinter die Zäune zurück. Da von den Rängen aber immer mehr Fans zu der Mannschaft wollten, handelte der Schiedsrichter seinem Ermessen nach völlig korrekt und pfiff das Spiel ab. Alarmstufe Rot im Siegerland, denn völlig losgelöst begann nun eine rot weisse Party.

Verschwiegen werden soll natürlich nicht, das es einige wenige verpeilte „Fans“ in eher in Richtung Gegengerade und den Heimfans zog, denn zur eigenen Mannschaft. Was in diesem Augenblick der Freude in jemanden vorgeht, eher auf Krawall und blinder Pöbelei gebürstet zu sein, als sich einfach nur der Freude hinzugeben, wird wohl auf ewig sein Geheimnis bleiben. Leider nahmen einige wenige Medien, unter anderem auch der WDR, diese Szenen zum Anlass, um alle RWE Fans mal wieder über einen Kamm zu scheren. Wenn der Journalismus nur auf Schlagzeilen aus ist, gerät der wahre Inhalt schon einmal recht schnell zur Nebensache. Die Wahrheit sah nämlich so aus: Es wurde gefeiert, und wie!

Faszinierend und ein Beleg für den Schulterschluß an der Hafenstrasse war die Szene direkt nach Abpfiff: Man kennt das ja: Die Fans rennen auf ein Spielfeld, und die Spieler gefühlt um ihr Leben……in die Katakomben. Aber was machen die Spieler des RWE an diesem Freitag: Geradewegs auf die Fans zu und einfach mal mitten hinein. SiegenTV blieb auch nach dem Spiel noch auf Sendung, übertrug die Feierlichkeiten und kommentierte diese recht neutral. Bestimmten zwar die Abfahrtszeiten der Busse das Ende der Party in Siegen, so wurde diese zu späterer Stunde an der Hafenstrasse weiter fortgesetzt. Rot Weiss Essen ist aufgestiegen. Nicht in die Liga, wo dieser Verein hingehört, sondern in die undankbarste Liga überhaupt, die der Fußball hierzulande zu bieten hat. Aber darum kümmert sich Im Schatten der Tribüne erst, wenn es in der neuen Saison losgeht. Bis dahin wird noch die NRW Liga genossen. Kaum zu glauben eigentlich. Natürlich werden jetzt auch noch Spiele verloren, denn das ist einfach so. Fakt aber: Der RWE ist wieder da!

Und hinten hilft der liebe Gott…

Oder aber ein guter Torwart. Es ist ja nicht so, daß wir in den Jahren zuvor keine guten Torhüter hatten, manchmal gar Torsteher. In diesem Jahr aber, unserer permanenten Neubesetzung sei Dank, hatten wir einen wahren Meister seines Faches zwischen den Pfosten. Den bisweilen unkonventionellen Versuchen der gegnerischen Spieler, ein Tor mit „Gewalt“, List und Pike zu erzielen, begegnete unser „Schnapper“ mit völlig angstfreien Methoden. Anleihen bei den Sportarten Handball und Eishockey inklusive.
Auch die Spieler auf dem Feld hatten einen guten Tag erwischt und so ward die Vorrunde ohne Niederlage überstanden: 0:0, 2:0 und 0:0 lauteten die Ergebnisse. Am Ende sprang das Platzierungsspiel um Platz 7 heraus, welches mit 2:3 abgegeben wurde. So wurde unser Torwart dann doch noch zweimal überwunden. Ein toller Platz 8 also am Ende eines Turniers, welches wieder einmal sehr sympathisch und mit Begeisterung durchgeführt wurde.
Seitens der Turnierleitung selber kamen auch nachdenkliche Zwischentöne bei diesem 9. integrativen Fußballturnier der Lebenshilfe Nordhorn (in Zusammenarbeit mit der Jugendabteilung des VfL WE Nordhorn) nicht zu kurz: Von Jahr zu Jahr ist eine Steigerung des Leistungsniveaus zu beobachten. Grundsätzlich spricht dem ja nichts entgegen, spiegelt es doch eigentlich nur das Ergebnis von Training und Spielpraxis wider. Bedeutet im Umkehrschluss leider, daß immer weniger Spieler mit „klassischen“ Behinderungen, wie dem Down Syndrom auflaufen.
So findet schon im Vorfeld eine „Kaderplanung“ statt, bei der wir gerade den Spielern absagen müssen, die stets alle Termine wahrnehmen und sich schon seit Jahren als Teil dieser Mannschaft fühlen. Und doch auch nur zu ihrem Wohle. Es ist nur sehr, sehr schwer zu transportieren. Aber sind wir doch ehrlich: Sobald der Anpfiff ertönte, waren diese Gedanken verdrängt und natürlich wollten auch wir den maximalen Turniererfolg. Alles andere wäre gelogen. Unter dem Strich überwiegt einmal mehr das Positive, und wir freuen schon sehr auf die 10. Auflage dieses stimmungsvollen Turniers. Vielleicht finden wir bis dahin auch eine Möglichkeit, wieder allen Spielern eine Teilnahme zu ermöglichen.

Neun!

Die beste Mannschaft der Welt, sie ist einfach nicht unterzukriegen: Der Wittekindshofer FC Gronau wird am Samstag einmal mehr das integrative Fußballturnier der Lebenshilfe Nordhorn in Kooperation mit der Jugendabteilung des VfL WE Nordhorn bestreiten. Fast schon traditionell in anderer Besetzung. Ich habe in älteren Posts schon das ein oder andere Mal über die Schwierigkeiten berichtet, aus Spielern mit einer Behinderung eine homogene Mannschaft zu formen.

Umso erstaunlicher, das der „WFCG“ auch im verflixten siebten Jahr überhaupt noch besteht. Lassen wir uns also Samstag überraschen, welche Spieler schlußendlich den Weg nach Nordhorn antreten. Den Spaß und die Begeisterung für das Spiel, welches wir alle so lieben, den haben sie sicher wieder mit dabei. Anbei der Pressetext zu diesem Turnier und herzliche Grüsse.

Geschrieben von Hendrik Hohenberger

Sonntag,10.April 2011

Das Integrative Hallenfußballturnier für Sportler mit Behinderung, das die Jugendabteilung des VfL Weiße Elf Nordhorn gemeinsam mit der ortsansässigen Lebenshilfe Nordhorn ausrichtet, wird am Samstag, den 16. April, zwischen 10 und 17 Uhr in beiden Kreissporthallen zum bereits neunten Mal ausgespielt.

Turnierleiter Thomas Hilberink und sein Team freuen sich, in diesem Jahr 15 Mannschaften aus sieben Einrichtungen aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden in der Kreisstadt begrüßen zu dürfen. Die Lebenshilfe Nordhorn wird drei Teams ins Rennen schicken und versuchen, den Gerd-Treiber-Wanderpokal ein zweites Mal nach 2005 zu gewinnen. Die Turnierausschreibung sieht vor, dass pro Team maximal zwei Kicker ohne Behinderung auflaufen dürfen.

Das Motto „Fußball verbindet“, hat eindrucksvoll Wort gehalten, lobte Lebenshilfe Geschäftsführer Thomas Kolde nach dem Endspiel im vergangenen Jahr, das die Mannschaft aus Rheine knapp mit 2:1 gegen Westfalenfleiß Münster für sich entschied. „Der Sport übernimmt eine herausragende Rolle, wenn es um die Integration von Menschen mit Behinderung geht“, erklärte Kolde.

Die Besucher des Turniers können sich neben sportlichen Vergleichen auf ein buntes Rahmenprogramm freuen. Unter anderem gibt es ein großes Penaltyschießen für die Sportlerinnen und Sportler aller Einrichtungen.

Zahlreichen Jugendfußballern des VfL Weiße Elf, dessen Vereinsgelände in unmittelbarer Nachbarschaft zur Lebenshilfe liegt, kommt am Turniertag eine ganz besondere Aufgabe zu. Sie stehen jeweils einer Einrichtung als Pate zur Seite und übernehmen die Rolle des Team Betreuers. „Alle Spieler waren in der Vergangenheit mit sehr viel Eifer bei der Sache“, sagt Turnierleiter Hilberink. „Und das wird auch in diesem Jahr so sein“. Für das leibliche Wohl wird den ganzen Turniertag über zu familienfreundlichen Preisen gesorgt. Der Eintritt ist frei.

Everyday is like Sunday

Undankbar! Ich bin einfach undankbar. So kommt es mir jedenfalls vor, lese ich mit einigen Stunden Abstand die Berichte, Kommentare und Beiträge über das gestrige Spiel des RWE gegen Germania Windeck. Ich weiß aber wenigstens, warum ich mir so vorkomme: Nie genau wissend, wann sich der nächste Spielbesuch realisieren lässt, sollte gefälligst gestern der „99,9% Aufstieg“ vollbracht und bejubelt werden. Von mir höchstpersönlich im Stadion. Schließlich war ich ja auch bei den letzten Abstiegen stets live im Stadion dabei. Das Spiel endete nun aber 1:1 und, sofern die Kölner Fortuna das Heimspiel gegen den VfB Hüls Morgen nicht verliert, muß der Aufstieg nun doch auf dem grünen Rasen errungen werden. Darf zudem in „Echtzeit“ von zigtausend Fans bejubelt werden. Und das ist gut so! Ehrlich!
Das Spiel also: Der RWE erwischte Germania auf dem berühmten kalten Fuß und ging schon in der 7. Minute mit 1:0 in Führung. Es gelang aber trotz dieser Führung nicht, Ruhe in das Spiel zu bringen. Germania setzte den rot weissen kräftig zu und drückte in Richtung Ausgleich, der dann auch prompt nach einem Freistoßtreffer fiel. Da indirekt nicht gleich direkt ist, wurde dem Treffer aber die Anerkennung verwehrt. Glück gehabt. Windeck ließ sich dadurch aber nicht irritieren ,und so war es ausgerechnet der Ex RWE`ler Markus Kurth, der den logischen Ausgleich und zugleich das letzte gültige Tor in diesem Spiel erzielte. Den Rest der ersten Halbzeit neutralisierten sich beide Mannschaften. Und auch das Publikum konnte in diesem Zeitraum keine großen Akzente setzen. Zwar bemühte sich der Stimmungskern nach (Sanges-)Kräften, aber leider zu diesem Zeitpunkt mit Liedern, die (noch) nicht von der Masse getragen werden. Ein „Gassenhauer“ wäre vielleicht effektiver gewesen (Ich hoffe, das konstruktive Kritik genauso angenommen wird, wie positive). Halbzeitstand also 1:1.
Spielerisch bis dahin keine große Offenbarung. Spannend sehr wohl und nun doch nicht mehr so ernüchternd, wie ich es mit Halbzeitpfiff empfunden habe. Auffällig im Spiel des RWE neben dem nimmermüden Einsatz einmal mehr die unglaubliche Laufbereitschaft. Eine Stärke des RWE, die sich durch die ganze Saison zieht. Halbzeit zwei begann ohne Veränderungen, außer das ich nun zwei neue Sitznachbarn hatte, aber dazu später mehr. Vorab: In den Kabinen gab es wohl klare Anweisungen, denn das Spiel nahm nun an Fahrt auf und die Zuschauer setzten das in Lautstärke um: Wie fast immer ab der 55. Minute wurde es angestimmt, dieses unvermeidliche, alles auf den Punkt bringende: „Von der Ruhr bis an die Elbe“! Die Windecker Fans, kollektiv mit neuen Schals ausgestattet, erstarrten nun ob der Beschallung. So laut und so intensiv ging es dann fast durchgehend weiter bis zum Schlußpfiff. Was Germania Windeck nun mit der besseren Physis an Feldvorteilen erspielte, glich der RWE durch Kampf und die schon erwähnte Laufarbeit aus. Es gab sogar noch ein Tor für den RWE, welches aber wegen einer Abseitsposition nicht gegeben wurde. Hin und her, manchmal auch quer und oft auf die „Socken“, derart intensiv wurde nun das Spiel bis zu seinem Schlußpfiff weitergeführt.
Nach diesem brauchte es ein paar Minuten, bis sich Mannschaft und Fans wieder gesammelt hatten. Vielleicht auch in der Erkenntnis, die ich oben schon beschrieb: Aufgestiegen wird nun auf dem Platz! Die Fans intonierten „Auswärtssieg“, blieben in imponierender Zahl im Stadion und bedankten sich für den ehrlichen Kampf bei den Spielern, die ja Dank Facebook nun auch unsere Freunde sind. Die Spieler von Germania Windeck haben vielleicht ihrerseits eine historische Chance verpasst: Anstatt sich bei den mitgereisten Fans zu bedanken um so vielleicht eine Bindung zum Verein zu erzeugen, verschwanden die Individualisten grußlos in den Katakomben. Sportlich stehen die Windecker aber auf jeden Fall zurecht auf einem Aufstiegsplatz und besitzen in der Summe vielleicht sogar die besseren Einzelspieler.
Ach ja, meine Sitznachbarn: Eine Fahrt nach Essen bedeutet immer, vor dem Spiel eine elektrisierende Melange an Menschen an sich vorbeiziehen sehen. Sehr schnell kommt man auch mit ihnen in`s Gespräch oder auch nicht: Und zwar wenn man, so wie ich gestern, ein fest geplantes Treffen versemmelt. Wie dem auch sei: Mit wirklich jedem gibt es Gesprächsstoff, natürlich ausschließlich rund um den RWE. Aber mit folgenden Fragen, dazu in einer spannenden Phase des Spiels, gestellt in österreichischem Dialekt hatte ich aber nicht gerechnet und von daher kamen meine Antworten kurz und knapp daher. Es war aber wirklich nicht böse gemeint, eher dem Spiel und einem Stück weit auch Fassungslosigkeit geschuldet: „In welcher Klasse spielt Rot Weiss Essen ?“….“In der fünften“; „Ist Rot Weiss Essen beliebt?“….“Nein“; „Wann wurde das da hinten abgerissen?“….“Von 1993 bis gestern“; „Wieviel Zuschauer hat Schwarz Weiss?“….“Wer? Ach so,äh 500“; und so weiter und so weiter. Die Frage, wie das neue Stadion gebaut wird, konnte ich mit Hilfe des hinter mir sitzenden Fans beantworten: Ich lieh mir seine Stadionzeitung aus und drückte sie den interessierten Nachbarn mit der entsprechenden Seite in die Hand. Wie schon gesagt: Ich hoffe nicht, das ich zu unhöflich war, aber das konnte ich nicht mehr klären. Leider versanken beide nach dem Spiel in der abwandernden Menge. Es hätte mich schon interessiert, wie man sich in ein Stadion begibt, ohne quasi zu wissen, wo man sich gerade befindet.
Nachdenklich gestimmt hat mich im übrigen auch die Kurvennews der Ultras Essen. Dort wurde einmal mehr dazu aufgerufen, während des Spiels auf das Handy zu verzichten, sondern diesem zu folgen. Stimmt, in smarten Zeiten habe auch ich mich bemüßigt gefühlt, jede Besonderheit im Spiel mitzuteilen, auch wenn es keinen interessiert. Die Folge: Viel von einem Spiel verpasst. Gerne leiste ich also diesem Aufruf Folge, auch wenn er etwas anders gemeint war und habe ausschließlich das Spiel verfolgt, und nur zur Pause und danach ein Statement abgegeben. Es war wieder ein schöner Ausflug an die Hafenstrasse. Und ich bin nun dankbar. Für diesen Verein.