Und hinten hilft der liebe Gott…

Oder aber ein guter Torwart. Es ist ja nicht so, daß wir in den Jahren zuvor keine guten Torhüter hatten, manchmal gar Torsteher. In diesem Jahr aber, unserer permanenten Neubesetzung sei Dank, hatten wir einen wahren Meister seines Faches zwischen den Pfosten. Den bisweilen unkonventionellen Versuchen der gegnerischen Spieler, ein Tor mit „Gewalt“, List und Pike zu erzielen, begegnete unser „Schnapper“ mit völlig angstfreien Methoden. Anleihen bei den Sportarten Handball und Eishockey inklusive.
Auch die Spieler auf dem Feld hatten einen guten Tag erwischt und so ward die Vorrunde ohne Niederlage überstanden: 0:0, 2:0 und 0:0 lauteten die Ergebnisse. Am Ende sprang das Platzierungsspiel um Platz 7 heraus, welches mit 2:3 abgegeben wurde. So wurde unser Torwart dann doch noch zweimal überwunden. Ein toller Platz 8 also am Ende eines Turniers, welches wieder einmal sehr sympathisch und mit Begeisterung durchgeführt wurde.
Seitens der Turnierleitung selber kamen auch nachdenkliche Zwischentöne bei diesem 9. integrativen Fußballturnier der Lebenshilfe Nordhorn (in Zusammenarbeit mit der Jugendabteilung des VfL WE Nordhorn) nicht zu kurz: Von Jahr zu Jahr ist eine Steigerung des Leistungsniveaus zu beobachten. Grundsätzlich spricht dem ja nichts entgegen, spiegelt es doch eigentlich nur das Ergebnis von Training und Spielpraxis wider. Bedeutet im Umkehrschluss leider, daß immer weniger Spieler mit „klassischen“ Behinderungen, wie dem Down Syndrom auflaufen.
So findet schon im Vorfeld eine „Kaderplanung“ statt, bei der wir gerade den Spielern absagen müssen, die stets alle Termine wahrnehmen und sich schon seit Jahren als Teil dieser Mannschaft fühlen. Und doch auch nur zu ihrem Wohle. Es ist nur sehr, sehr schwer zu transportieren. Aber sind wir doch ehrlich: Sobald der Anpfiff ertönte, waren diese Gedanken verdrängt und natürlich wollten auch wir den maximalen Turniererfolg. Alles andere wäre gelogen. Unter dem Strich überwiegt einmal mehr das Positive, und wir freuen schon sehr auf die 10. Auflage dieses stimmungsvollen Turniers. Vielleicht finden wir bis dahin auch eine Möglichkeit, wieder allen Spielern eine Teilnahme zu ermöglichen.

3 Kommentare

  • „So findet schon im Vorfeld eine „Kaderplanung“ statt, bei der wir gerade den Spielern absagen müssen, die stets alle Termine wahrnehmen und sich schon seit Jahren als Teil dieser Mannschaft fühlen.“

    Wieso müsst Ihr das? „Nur“ des Leistungsgedankens wegen?

    Ich frage nicht, um das zu kritisieren, sondern um es zu verstehen.

  • @heinzkamke: Ja, leider ist es so. Und das ist ja genau der Punkt, welcher mittlerweile auch der Turnierleitung Bauchschmerzen bereitet. Der ursprüngliche Gedanke, Menschen mit einer geistigen Behinderung ein eigenes Turnier zu ermöglichen, an dem Spaß und Sport im Vordergrund stehen, ist in einem schleichenden Prozess doch zugunsten des Leistungsprinzips verwischt worden. Es stellt sich in der Praxis so dar: Du fährst mit einer Mannschaft zu einem Turnier, verlierst alle Spiele haushoch. Die Spieler, die auch einen wirklich „guten Ball“ spielen können, eher einer psychischen Beeinträchtigung, denn der von mir angesprochenen klassischen Behinderung unterliegen, reagieren gefrustet und lassen sich nie mehr blicken. Im Training haben wir (bzw. in der letzten Zeit mehr meine beiden Kollegen) darauf reagiert und das Training in zwei Gruppen unterteilt.
    Nun kommt aber wieder eine Einladung zu einem Turnier, Du siehst die Teilnehmerliste und denkst: Au weia! (Zum Beispiel wenn ein Teilnehmer der Nationalmannschaft für Menschen mit einer geistigen Behinderung aufläuft) In der Zwischenzeit sind aber auch Spieler ausgezogen, haben sich verselbständigt usw. Es sind aber auch neue Menschen hinzugekommen, und wenn die auch Interesse an Fußball zeigen, und sich zudem noch als Juwel entpuppen: Klar, die sprechen wir an, begeistern sie für das Turnier. Dann kommen die personellen Ressourcen ins Spiel: Wieviele Betreuer, wieviele Fahrzeuge stehen zur Verfügung. Und dann, erst dann kommt der Punkt an dem wir ubns entscheiden müssen. Und haben es immer mehr zugunsten von Leistung, um annähernd mithalten zu können. Gucken aber trotzdem, das wir möglichen Restplätze mit diesen treuen Seelen belegen, um ihnen wenigstens einen Tag als „Ultra Integrativo“ zu ermöglichen.Das hat bei dem Turnier jetzt auch ganz gut geklappt. Es ist in der Summe trotzdem unbefriedigend und es freut mich, das es halt anderen auch so geht. Mal wieder sehr ausführlich, aber ich hoffe doch verständlich. Und, Kritik ist in diesem Falle sicher angebracht. Vielleicht müssen wir Verantwortlichen uns dahingehend stärker vernetzen, um auch schwächeren, aber leidenschaftlichen Spielern ein eigenes Turnier auf einem ureigenen Niveau zu bieten.

    Viele Grüße, Uwe

  • Danke für die ausführliche Antwort, aus der Euer Konflikt sehr deutlich wird.

    Wenn es eine Patentlösung gäbe, hättet Ihr sie sicherlich längst gefunden, aber Dein letzter Satz erscheint mir sehr sinnvoll – aber auch mit viel zusätzlicher Arbeit verbunden.

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