Luxemburg & Rotzige

Der Begriff „Englische Woche“ basiert bekanntermaßen auf dem Rhythmus im englischen Fußball, der durch Ligenstruktur und diverse Pokalwettbewerbe fast durchgängig im Samstag-Mittwoch-Samstag-Rhythmus gespielt wird. Eher nicht bekannt ist der Umstand, dass dieser Rhythmus wiederum einen aus dem Cricket übernommenen Brauch darstellt. Die vergangene, erste englische Woche der Saison war für unseren RWE eine mehr als brauchbare. In Summe sieben Punkte und drei Spiele, die jedes für sich die Faszination Fußball und Rot-Weiss Essen zu erzählen wussten. Zuerst die famose Sause gegen die Würzburger Kickers mit den unnötigen „kardiologischen Minuten“ inklusive zweier Gegentore. Unter der Woche der Auswärtssieg in Mannheim, bei dem der zwischenzeitliche Rückstand durch zwei Tore gedreht werden konnte, die allein schon eine eigene Geschichte wert waren.

Da hat beispielsweise Janne Sietan noch nie in der 3. Liga ein Tor erzielt, nur um dann ausgerechnet bei seinem alten Arbeitgeber Waldhof Mannheim damit anzufangen. Und dann die Bätzner-Telalović-Kür als Krönung. Unser RWE richtig in der Spur, während Hansa Rostock sich noch auf Schlingerkurs befand. Etwas korrigiert durch die Trainerentlassung und den Heimsieg ebenfalls unter der Woche. Das finale, dritte Spiel dieser ersten Saisontrilogie somit das Brause-Tütchen vor dieser unnötig langen Länderspielpause, da es sportlich ordentlich prickelte. Sonst natürlich auch, wenn es gegen Hansa Rostock geht, die Gründe dafür allseits bekannt. Umso schöner dann die Erkenntnis nach dem Spiel, dass beide Fanlager auf den Tribünen alles für die eigenen Farben gegeben haben, ohne auch nur eine negative Schlagzeile zu schreiben. Manchmal reicht es einfach auch zu wissen, dass man sich nicht mag.

Eine Eigenart des Supports der Rostocker Fans, die sich am Sonntag wahrscheinlich allesamt aus Briefwählern zusammengesetzt haben, finde ich interessant: Auswärts wird zumeist auf Schwenkfahnen verzichtet, um allen Anwesenden im Gästeblock den freien Blick auf das Spielfeld zu ermöglichen. Vielleicht mit ein Grund für die konstant hohe Quote an Auswärtsfans bei den Spielen der Kogge in der Fremde. Das Spiel erneut aufregend und ein würdiges Abschlusskapitel dieser Trilogie, wenngleich nicht mit einem Sieg belohnt. Die Balleroberung einmal mehr top, vielleicht den einen Schlenker zu viel, aber immer mit maximalem Einsatz. Eine Führung für den Gegner niemals eine Garantie, diese auch bis zum Abpfiff zu erleben. Und so kam es dann noch zum verdienten Ausgleich, der irgendwie von Spielern wie Fans wie ein Siegtreffer gefeiert wurde.

Drei Spiele, die so intensiv waren, dass man den Downer Länderspielpause jetzt erst einmal verarbeiten muss. Am liebsten möchte man doch, dass es in der Liga sofort weitergeht, weil es einfach so aufregend war. Fast ein Fall für „WWM“ oder jedes andere Quiz übrigens die Frage, was Hansa Rostock und Rot-Weiss Essen verbindet. Hier möchte ich ganz ohne Telefonjoker lösen, denn die Antwort lautet: Luxemburg! Unser Spieler Aiman Dardari und Hansas Florian Bohnert wurden in das Aufgebot der roten Löwen berufen. Das Heimspiel gegen die Kogge fiel zufälligerweise auf den Weltkindertag, wie Walter Ruege wusste und entsprechend in seiner Anmoderation vermerkte. Da die Quote an ganz jungen Fans erfreulicherweise immer höher wird, wäre es im Zuge der eines Tages beginnenden Baumaßnahmen im Stadion an der Hafenstraße sicher keine schlechte Idee, wenigstens ein Pissoir im Sanitärbereich der Herren für die Rotzigen abzusenken.

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