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The Things We Do for Love!

Man neigt ja dazu, die britische Rockband „10cc“ auf den Schmachtfetzen „I’m Not in Love“ zu reduzieren. Weit gefehlt, gab es doch mindestens noch „Dreadlock Holiday“. Dann verließen uns leider weitestgehend die Erinnerungen an diese Band aus den 1970er Jahren. Bis wir auf den Song „The Things We Do for Love“ stiessen. Mag nun „I’m Not in Love“ eher dem benachbarten Bundesligisten und der Beziehung zu seinen Fans gewidmet sein, so ist „The Things We Do For Love“ aktuell der ultimative Soundtrack für den RWE und seine Fans. Die Fans in Rot, sie tun weiter so viel Dinge aus Liebe, so dass man fast schon von einer einseitigen Beziehung sprechen könnte.

Schließlich hat unser aller RWE auf dem Feld schon lange nicht mehr für eine stabile Beziehung, oder wenigstens für ein Gleichgewicht in der Partnerschaft gesorgt. Macht aber auch nichts: Fans denken selten rational, handeln zumeist nach kurzer Phase intensiver Enttäuschung wieder voller Inbrunst und Zuneigung. Handeln ihren eigenen Vertrag für die kommende Saison mit sich und der eigenen Fanseele aus. Ist der Vertrag dann erst einmal ausgehandelt, steht unter dem Strich der Vereinbarungen nicht selten erneut doch wieder die Dauerkarte. Und das, obwohl man sich noch vor wenigen Wochen (und alle Jahre wieder) kaum vorstellen konnte, sich erneut auf einen längerfristigen Kontrakt mit dem eigenen Verein einzulassen. Rein monetär betrachtet, spart eine Dauerkarte unter dem Strich natürlich viel Geld. Kostet aber unendlich viel Nerven. Umgekehrt gilt aber auch: Hast Du keine Dauerkarte gekauft, sparst Du natürlich unendlich viele Nerven, aber nicht wirklich viel Geld!

Man stelle sich nun einmal vor, die Saison läuft tatswahrhaftig auch nach dem sechsten Spieltag noch gut für uns, es kribbelt ohne Ende und man muss fast zwanghaft nun doch alle zwei Wochen zur Hafenstraße rennen….ja, dann zahlst halt drauf! Aber, was soll all der Stress um den schnöden Mammon, schließlich ist ein jeder sein eigener „Dauerkartens Schmied“! Für den Verein bedeuten Dauerkarten natürlich immer auch ein Stück Planungssicherheit, weswegen man an der Hafenstraße (recht laut) davon träumt, gleich derer fünftausend noch vor Saisonbeginn an den Fan jeglichen Geschlechts zu bringen. Ein ziemlich feuchter Traum, lässt man noch einmal die vergangenen Jahre Revue passieren. Aber, den Mutigen gehört die Welt, warum also nicht ein solch ambitioniertes Ziel formulieren und den Dauerkartenzähler jeden Tag aktualisieren? Es lässt sich doch sportlich recht gut an gerade, und schlechte Laune können wir irgendwann immer noch früh genug bekommen.

Es ist schön zu verfolgen, wie sich die Fans beinahe gegenseitig doch immer wieder ermuntern, eine Dauerkarte zu kaufen, um erneut zu signalisieren: „Scheiss auf Liga 4, wir stehen zu Dir“. Ich kann mir gut vorstellen, dass der RWE durchaus weiss, diese Treue eigentlich gar nicht mehr verdient zu haben. Aber umso dankbarer dafür ist! Und es wieder und immer weiter versuchen wird. Nicht nur für sich, sondern vor allem auch für uns, für seine Fans. Denn wir sind es doch in letzter Konsequenz  Jahr für Jahr, weswegen anne Hafenstraße überhaupt aufgelaufen wird. Übrigens: Es gibt nicht nur Dauerkarten zu kaufen, sondern auch etwas zu gewinnen: Wer möchte nicht einen rot-weissen Blechfrosch aus den Händen des wunderbaren Happos überreicht bekommen, wird die alljährliche Dauerkartenwette gewonnen? Ein Traum! Also, tippt mit! Der Wünschewagen freut sich!

Rucksack? Tonne!

Schon vor der letzten Saison hatte Marcus Uhlig im Rahmen eines kleineren Zusammentreffens seine Meinung kundgetan, dass es, sinngemäß, endlich an der Zeit sei, „Lübeck“ zu vergessen. Dass es sich nicht mehr lohnt, sich daran abzuarbeiten! Sondern nur der Blick nach vorne zählt, um unser aller RWE auch sportlich wieder nach vorne zu bringen. Zugegebenermaßen war ich fast pikiert ob dieser Einstellung, denn es lässt sich weiterhin doch so trefflich leiden, geht es um diese verdammten letzten 90 Minuten an diesem verdammt heißen Tag jener verdammten Saison. Verdammt nochmal, ich bin damit einfach nie fertig geworden. Weil dieser Tag sportlich bis heute nie wieder repariert wurde. Die wundervolle NRW Saison einmal ausgenommen. Aber, irgendwie zählt die nicht im Kontext Lübeck. Wie dem auch sei: Es gab nun scheinbar wenigstens einen Verantwortlichen im Verein, für den Lübeck abgehakt ist; der ausschließlich nach vorne schaut.

Sicher auch ein Muss für ihn, denn er ist nun der Boss. Also nicht der natürlich, der bleibt einmalig, aber eben unser aktueller Chef. Und als solcher musste er natürlich auch durch die letzte Saison. Gemeinsam mit uns allen. Fand diese sportlich wohl genau so suboptimal wie wir alle, konnte trotzdem aber im Hintergrund Sponsoren davon überzeugen, hier und jetzt nicht abzuspringen. Neue gewinnen. Also da sach ich mal: Chapeau Herr Uhlig! Sollte ja auch mal erwähnt werden. Von nix kommt schließlich nix! So, das also der eine „Entscheider“ mit dem Schuss Optimismus, welcher uns schon lange abhanden gekommen ist. Und nun haben wir tatsächlich einen Zweiten hinzubekommen: Den auf sportlicher Ebene. Und auch Christian Titz macht aktuell ganz viel richtig in seiner noch so jungen Amtszeit. Und das, obwohl noch nicht ein Pflichtspiel stattgefunden hat. Gemeinhin werden Trainer ja zuallererst und völlig zurecht an Ergebnissen gemessen.

Bei Christian Titz stellt sich das aktuell ein wenig anders dar. Er überzeugte bisweilen besonders durch seine Interviews. Natürlich muss er sich nicht mehr dem Mediengewitter stellen, wie es in seiner Zeit beim HSV noch der Fall war. Aber, vielleicht ist dieser kleinere Rahmen das Geheimnis, welches die Einstellung des Trainer und Menschen Titz offenbart, die uns gerade erstaunt und für unbekannte (Vor-) Freude sorgt. In angenehmen Sprech erzählt Christian Titz u.a., dass nicht Trainer und Spieler einen Verein ausmachen, sondern all die Menschen, die diesen Verein leben. Nicht, dass wir das nicht wüssten, aber diese Demut vor dem Verein als Institution von einem zu hören, der auch mal wieder gehen wird, während wir immer bleiben: Das tut gut und zeigt das Bestreben, für den RWE und seine Menschen zu arbeiten, nicht nur für den eigenen Lebenslauf.

Dann, ja tatsächlich dann kam ein Statement, welches nun gänzlich überraschte: Aufkeimende Euphorie begrüßt der Titz, kein Witz! Und ich dachte noch hier, lass uns mal nicht euphorisch werden, dass geht wieder nach hinten los. Euphorie sieht Christian Titz also als Motor, nicht als Hemmschuh. Er will den Rucksack abschnallen, von dem gefühlt alle Vorgänger erzählten, lief es auf dem Platz nicht rund. OK, im Pott ist die Bauchtasche eh mehr gefragt als ein sperriger Rucksack. Packen wir also Lübeck in den Rucksack, schnallen diesen endlich ab und kloppen ihn in die Tonne…..

Schickimicki.

Ja nee, geht gar nicht hier. Stand ja auch so vergangenen Sonntag in der „Welt am Sonntag“. RWE goes WamS. Eine solch große Seite als Verein & Viertligist in einer überregionalen Sonntagszeitung zu bekommen ist schon eine schöne Sache. Nennen wir es aktuell den Titzeffekt. Inklusive einiger leider falsch recherchierten Fakten: Natürlich gab es kein 2003er Pokalfinale gegen Bayer Leverkusen. Und das man von der „Rahn“ die Turnhalle des nördlichen Nachbarn sehen soll, also ich weiss nicht. Selbst wenn es so wäre….das interessiert hier definitiv nichts und niemanden.

Was aber interessiert ist die Tatsache, dass nach diversen Leistungstests im Vorfeld heute das richtige Training für die kommende Saison aufgenommen wurde. Von über zweihundert Fans beobachtet übrigens. Das Interesse also schon wieder auf Pegel 97a. Der Kader mittlerweile  fast komplett; einem einem wilden Vorstellungsritt der letzten zwei Tage geschuldet. Somit umfasst der Kader aktuell vierundzwanzig Spieler. Oder auch: Achtundvierzig Beine für ein Halleluja. Möglicherweise können aber noch zwei bis drei Spieler hinzustoßen, so der Trainer an seinem ersten Hüttenabend im so sehr geschätzten Fanprojekt.

Bei so viel neuen Namen doch noch einmal der kurze Blick zurück: Der Baier Benni mittlerweile in seiner Heimat Aschaffenburg bei der dortigen Viktoria unter Vertrag genommen; sehr schön! Ich würde mich ja beispielsweise auch sehr freuen, wüsste ich, dass Timo Brauer gut unterkommt. Ich hoffe, alle Ehemaligen finden ihr sportliches Glück. Woanders ist auch Fußball.

Es fällt nun schwer, eine kompetente Meinung zur neuformierten Mannschaft abzugeben. Dafür habe ich auch zu wenig Ahnung vom Fußball, um hier ein „Urteil“ zu fällen. Also Ahnung im Sinne von Spielerbeurteilungen. Das steht mir nicht zu. Das Gefühl sagt mir aber, dass trotz Trainerwechsel inmitten der Spielerakquise eine Mischung aus jungen und erfahrenen Spieler gefunden wurde, die zusammen passen könnte. Auch wurden die einzelnen Mannschaftsteile auf dem Papier sinnvoll verstärkt und wurde sich um die U23 Regel gekümmert. So stellt es sich mir da, so lesen sich die Kommentare und so drückt es sich in dem zarten Pflänzchen Hoffnung aus, welches aktuell überall zu spüren ist. Sich auch in dem bisherigen Stand der verkauften Dauerkarten widerspiegelt. Manchmal ist schon Euphorie zu spüren. Gut, dass sind dann erfahrungsgemäß aber auch die ersten, die nach zwei Spieltagen schon wieder alles schwarz sehen. So geht Hafenstraße nun mal.

Das wird sicher auch noch der Trainer erfahren, der immer noch die Verpflichtung mit der aktuell größten Aufmerksamkeit ist und wohl auch  bleiben wird. Möglicherweise ein Pluspunkt für die Spieler, nicht so sehr im Fokus zu stehen. Ich bin nun sehr gespannt auf den Fußball, den wir zukünftig zu sehen bekommen. Mit Spieltitz zum Spititzenreiter? Oder doch die selbe Prozedur wie jedes Jahr? Wir werden es sehen.

Wann kommt der Spielplan raus?

Cappeln-Hagelage Ost

Es ist 23:30 Uhr auf dem Rastplatz Cappeln-Hagelage Ost auf der A1, halbe Strecke zwischen Essen und Hamburg gelegen. Sanfte Nebelschwaden ziehen über die angrenzenden Felder, die Trucker sich ihr Schlafshirt an. Die letzte Zigarette ist geraucht, der letzte Smalltalk gehalten. Es gilt die Ruhezeiten einzuhalten, bevor es wieder auf die Bahn gehen darf. Keine außergewöhnlichen Vorkommnisse also. Somit bekommt auch keiner mit, dass ein Wagen mit Essener Kennzeichen leise auf den Rastplatz rollt und die Lichthupe zweimal betätigt (Gut, dass man sich vorher auf zweimal geeinigt hat, denn eintausendneunhundertundsiebenmal wäre für ein Geheimtreffen dann doch des Guten zu viel gewesen). Aus dem Dunkeln heraus blinkt nun ebenfalls zweimal die Lichthupe, und wie von Geisterhand gesteuert rollt aus dem Unterholz ein Fahrzeug der gehobeneren Klasse mit Kennzeichen HH dem Wagen mit Essener Kennzeichen entgegen.

Ein Fenster öffnet sich langsam und ein leises „Marcus?“ ist zu hören. Gegenüber geht eine Autotür. Ein Mann steigt aus, schüttelt sich vom langen Sitzen vergeblich die vierte Liga aus den Beinen und antwortet ebenso leise „Christian?“….

Natürlich hat sich die erste Kontaktaufnahme zwischen unserem neuen Trainer Christian Titz und Marcus Uhlig so nicht zugetragen. Und nein, es stand auch nicht schon seit fast dreizehn Tagen fest, dass Karsten Neitzel seines Amtes enthoben werden würde. Man schätzte Karsten Neitzel und seine Arbeit an der Hafenstraße, wusste um einen Trainer, der fachlich wie menschlich durchaus zu den besseren der letzten Dekade an der Hafenstraße gehört hat. Dummerweise konnten die Ergebnisse dieses nicht belegen und  rutschte ihm auch der ein oder andere etwas unglückliche Satz heraus. Das emotionale Umfeld an der Hafenstraße leicht verärgernd. Die Punkte, diese untrügliche Kennziffer erfolgreichen Arbeitens, sie stimmten einfach nicht mehr mit den Ansprüchen überein. Zu wenig davon wurden unter Karsten Neitzel erreicht. Und das nach dem so erfolgreichen Saisonbeginn.

Trotzdem hatte man weder einen neuen Trainer auf dem Schirm, noch die Absicht, den alten von seinen Pflichten zu entbinden. Gleichfalls aber sah man schon die Stimmung der letzten Saison; sah die Unzufriedenheit auf den Rängen, die sich immer öfter auch in dem einfachen Reflex „Trainer raus“ Gehör verschaffte. Eine verfahrene Situation für alle im Verein, dreht man doch gerade im Kader alles auf Links, hört dazu die Wünsche und Vorstellungen des Trainers. Und kein Witz: Auf keiner Rechnung stand bislang der Titz!

Es werden schwere Stunden gewesen sein, in welchem die Erkenntnis gereift ist, dass der „Rucksack“ auf Karsten Neitzels Rücken für 2019/20 vielleicht ein doch zu schwerer sein könnte (Wir alle schleppen dieses unförmige Teil seit „Lübeck“ mit uns herum, wissen wie schwer es wiegt).  Wer auch immer jetzt den Namen Christian Titz in das Rot-Weisse Spiel gebracht hat….ich weiss es nicht. Was ich weiss ist, dass es eine Option war, die sich ziemlich plötzlich und unerwartet ergeben hat. Es gab keine Verhandlungen im Vorfeld mit Christian Titz, während fröhlich weiter mit Karsten Neitzel geplant wurde. Es hat sich alles auf eine Schnittstelle zugespitzt, an welcher fast zeitgleich eben jene zwei Entscheidungen getroffen wurden. Manchmal ist das halt so, und hoffentlich endlich zum Wohle von Rot-Weiss Essen (und somit von uns allen, denn wir sind der RWE!)!

Lieber Karsten Neitzel, es hat auch bei Ihnen nicht sein sollen. Wer weiss, bei wem es überhaupt eines Tages passieren wird. Auf jeden Fall danken wir Ihnen für die Zeit an der Hafenstraße.

Christian Titz also nun der amtierende Trainer an der Hafenstraße. Ja, was soll man dazu sagen? Medial als Königstransfer; als Kracher, Transferhammer und Lösung für fast alle Probleme gehandelt, die ein viertklassiger Verein eben so haben kann. Ich musste ihn erst googeln…. fand ihn aber sehr sympathisch in der Pressekonferenz und auch seine berufliche Vita gibt durchaus Anlass zur Hoffnung, mal etwas längerfristig auf der Trainerposition denken zu dürfen. Lieber Herr Titz, herzlich willkommen anne Hafenstraße. Machen Sie sich unsterblich. Keiner kann vorher erahnen, was sportlicher Erfolg mit Rot-Weiss Essen bedeutet. Glauben Sie mir, etwas vergleichbares würden Sie nie wieder erleben. Diese Leidenschaft für diesen Verein. Diese Sehnsucht nach was besseres. Helfen Sie uns dabei und Sie werden erleben, wie wir Fans Ihnen und unserer Mannschaft helfen können und werden. Nur der RWE!

Rettig, Meerrettich, Kommtnich. Doch Scheisse ist der, der kommt.Weil, muss ja! Oder auch nicht!

Prolog:

RWO sagt, wir waren das nicht, das war der RWE. Der RWE sagt, wir waren das aber auch nicht. Gut, es ist wie es ist und es gab scheinbar ein Leck. Dieses Informationsleck kam der Revier Sport natürlich nicht wirklich ungelegen und direkt gab es sie, die Breaking News aller Breaking News, welche vom neuen Sportdirektor bei Rot-Weiss Essen zu berichten wusste. Endlich einmal gab es mehr als den Fußpilz von Spieler XY oder Neuverpflichtungen, die so gar nicht existierten, sondern einfach so und der Klicks halber in den Ring geworfen wurden. Der sportliche Leiter von Rot Weiß Oberhausen, Jörn Nowak, wird Sportdirektor beim Nachbarn und (noch?) Ligakonkurrenten Rot-Weiss Essen.

So what?

Direkt nach Bekanntgabe der eigentlich noch nicht zu bekanntgebenden Personalie gab unser aller RWE dann die entsprechende Pressemitteilung heraus, und bei RWO wurde wütend in das Kissen gebissen. Das Netz reagierte auch wie zu erwarten und haute beiderseits alles raus, was es an Optionen so gab, um einen jungen Menschen in seiner Profession zu diffamieren. Abgesehen davon gab es glücklicherweise auch viele, die die bisherige Arbeit von Jörn Nowak zu schätzen wussten, und ihn an der Hafenstraße willkommen hießen. So sollte es auch sein. Egal, wo jemand  herkommt, und egal, wie er nun für die einen als Verräter und für die anderen als zu jung und  namenlos dasteht: Gucken wir uns einfach an, wo RWO steht und gehen dann einfach mal in uns. Ich glaube, der hat was drauf!

Mal ehrlich: Was haben wir denn erwartet? Sammer? Klopp? Neururer? Effenberg, Basler und Blitzbirnen? Nee, zum Glück nicht! Es kommt ein Mann, der bei einem uns nicht wirklich sympathischen Verein eine Mannschaft mitgeformt hat, wie wir sie doch gerne bei uns sehen würden: Nämlich eine, die bis zum Schluss um den Aufstieg mitspielt. Ein Denkmal würden wir ihm hier bauen! Aber nur, weil er von diesem, einem von uns seit jeher belächelten Verein kommt, kann er auf einmal nix; ist zu jung und überhaupt: Kleeblätter sind eh kacke. Mag sein, aber es ist wie es ist und Jörn Nowak ist nun unser. Also wäre hier und jetzt die Gelegenheit um aufzuhören mit dieser Stimmungsmache, dieser ewigen Hetze gegen alles und jeden. Wir wollen aufsteigen und dazu bedarf es Personal, welches diesen Traum in die Realität umsetzen kann. Heute haben wir einen unter Vertrag genommen, der es umsetzen will. Mir ist egal, woher Sie kommen, Hauptsache ab dem 1.7.2019 sind sie mit ganzer Kraft bei uns. Tach Jörn Nowak. Punkt.

Anbei noch einmal die zwei Teile einer saisonalen Phase, in welcher Namen gehandelt, gewünscht und verteufelt werden:

Teil 1, die Spekulation:

Es gibt neben den neunzig Minuten auf dem Feld (die eigentlich für uns Fans die allerheiligsten der Woche sein sollten) noch etwas ganz anderes; viel intensiveres, was uns mit unserem Verein verbindet. Etwas, was nicht in neunzig Minuten plus/-minus sechzig Minuten davor und danach abgehandelt ist. Etwas, was uns rund um die Uhr beschäftigt und in der eigenen Wahrnehmung doch stets viel zu kurz kommt. Daher wollen wir sie an dieser Stelle einmal gebührend würdigen: Die Rede ist von der Spekulation! Der Duden sagt als Definition zur Begrifflichkeit Spekulation unter anderem: „Auf bloßen Annahmen, Mutmaßungen beruhende Erwartung, Behauptung, dass etwas eintrifft“. Oder auch: „Hypothetische, über die erfahrbare Wirklichkeit hinausgehende Gedankenführung“. 

Ohne Spekulation wäre unser Fandasein ein wohl noch tristeres. Ohne Spekulation würden wir vielleicht Stunden und Tage, möglicherweise ein halbes Rot-Weisses Leben verbal auf das Nötigste reduziert nebeneinander her leben. Man stelle sich einmal vor, man tauscht mit Gleichgesinnten verbal oder in den Foren nur noch das Ergebnis und die Spielbewertung aus; berichtet jenen, die nicht zum Spiel vor Ort waren. Das würde sich dann in etwa so lesen: „Und?“ „Gewonnen!“ „Waren die Roten viel besser?“ „Ging so!“. „War Hotte auch da?“ „ Ja, muss ja, hatte aber Rücken!“. Mit Spekulation allerdings blühen wir auf; reden uns den Mund fusselig, tippen uns die Finger wund und können nicht schlafen vor lauter Gedankenkarussell. Das Spielergebnis und das Spiel als solches wird fast zur Nebensache, zieht einer der Beteiligten auf der Tribüne, an der Theke oder vor der Trinkhalle die Karte Spekulation. Am Rechner natürlich auch. Gerade dort. Da wird Spekulation bisweilen zur Passion.

Jetzt kommen die Dinge ins Rollen, wollen Meinungen über Gehörtes an den anderen Fan gebracht werden. Mit Nachdruck, der besten Quelle und natürlich stets dem oder der einen, der/die von einem gehört hat, der/die/das/wieso/weshalb/warum aus todsicherer Quelle weiss, was eigentlich noch keiner weiss. Aber natürlich schon alle wissen… weil: Spekulationen behält natürlich keiner für sich, das wäre ja langweilig. Die werden wie in der Mathematik stets ordentlich geteilt. Wir wissen also: Spekuliert wird immer. Aber, auch hier gibt es Extremsituationen. Und in einer solchen befinden wir Hobbyspekulanten uns aktuell: 

Unser Verein hat nicht nicht nur das Geheimnis kommender Finanzquellen in den Raum gestellt, sondern fahndet auch nach einem neuen sportlichen Leiter. Und dann, sozusagen als Sahnehäuptchen auf der Spekulationstorte, kommt plötzlich und unerwartet aus dem Nichts eine Personalie in Form des bekennenden RWE Fan und Mitglied Andreas Rettig um die Ecke. Jemand, den man allein schon aufgrund seiner gesunden Einstellung zum Thema Fußball, Fans & Finanzen wohlwollend begleitet. Aber, könnte er für die nötigen Tore sorgen oder im Mittelfeld spielerische Glanzpunkte setzen?

Ach, wie schön sind sie, die wilden Gerüchte und uferlosen Spekulationen. Aber, ist auch wohl schön, wenn dann endlich die Fakten folgen. Weil, dann kann endlich wieder darüber gemeckert werden. Mit dem Thema „meckern“ befassen wir uns dann aber in einer weiteren Folge…

Teil 2, ein Neuer (also nicht der) wird unter Vertrag genommen:

Schon Forrest Gump wusste um die Problematik der Bekanntgabe neuer Spieler für die kommende Saison und sprach auf seiner Bank sitzend diese (leicht auf den RWE abgeänderten) berühmten Worte „Die Neuverpflichtung ist wie eine Schachtel Pralinen – man weiß nie, was man kriegt“. Hätte Forrest Gump sich tatsächlich auf unseren Verein bezogen, so hätte er natürlich Recht: Was ein Spieler bislang in seiner sportlichen Vita vorweisen kann zählt ab jenem Moment nicht mehr, in dem er sich das rote Trikot mit dem schönsten aller Embleme überstreift. Jetzt muss geliefert werden, nichts weniger als der unendlich herbeigesehnte Aufstieg muss her. 

So  weit so gut, da bin ich völlig dabei! Wo ich nicht mehr dabei bin ist der Moment, in welchem direkt nach Bekanntgabe einer Neuverpflichtung damit begonnen wird, diese in Frage zu stellen. Aber, was heißt denn schon, in Frage zu stellen? Das wäre ja noch einigermaßen zu verstehen, gibt es auf seiner Position vielleicht schon den ein oder anderen guten Spieler im Kader. Diese Diskussionen gab es ja auch schon immer. In Zeiten vor den (bisweilen un-)sozialen Medien halt an der Theke, auf der Tribüne oder im Plausch mit den Nachbarn. Heute jedoch wird  fast jede Neuverpflichtung bei Rot-Weiss Essen direkt vor seinem ersten Training multimedial auseinandergenommen. Wird akribisch seine sportliche Vergangenheit durchleuchtet; die Verletzungsanfälligkeit begutachtet und dann auch noch das Alter: Boh Alter ey, das darf schon mal gar nicht jenseits der dreißig liegen. Das Ganze oftmals im mittlerweile leider üblichen, respektlosen Sprech geschrieben und das Urteil ist gefällt: Der Neue kann nix! Die Saison ist gelaufen, noch bevor sie begonnen hat. 

So kommt es mir vor, und so erlebe ich es. Was der Sache aber leider überhaupt nicht dienlich ist. Bei uns werden mittlerweile viele neue Spieler direkt verbal weggejagt, noch bevor sie überhaupt angekommen sind. Für mich eine „Lose-Lose-Situation“, die unserem Traum nicht dienlich ist. Leider jedoch, und jetzt kommt das „Aber“, leider jedoch kann die Enttäuschung und Skepsis zu großen Teilen auch nachvollzogen werden! Es gab in den letzten Jahren zu viele Neuverpflichtungen, von denen man sich viel versprochen hatte, die das Vertrauen aber nicht in gute Leistungen umwandeln konnten. Es gab das Pech mit den Verletzungen und auch Vorerkrankungen. Und auch sie gab es sehr häufig: Die Spieler, die vor und nach der Hafenstraße zu großartigen Leistungen fähig waren. Wie gesagt: Vor und nach ihrer Zeit an der Hafenstraße. Vielleicht ein Phänomen, welchem wir nur durch die psychologische Brille betrachtet auf die Spur kommen.

Der Frust somit verständlich, die verbale Umsetzung leider zu oft nicht mehr angemessen und respektvoll. Schade eigentlich, denn: Sobald ein Spieler hier unterschreibt, ist er ein Rot-Weisser und hat alles zu geben für unseren Verein. Aber ich kann doch erst nach einigen Spielen wirklich und fair beurteilen, ob es passt oder (leider mal wieder) nicht. Übrigens kann ein neuer Spieler auch nur so viel ausrichten, wie die Etablierten neben ihm auf dem Feld abliefern. Abliefern wollen oder können. Manchmal liegt es auch daran. Also Ihr Neuen: Herzlich willkommen anne Hafenstraße. Haut alles raus und verletzt Euch bitte nicht! 

Epilog:

Ich habe einfach ein Problem damit, Menschen vorab zu diffamieren, zu beleidigen oder ihre Qualitäten direkt in Frage zu stellen. Ich will das nicht. Können wir uns vielleicht einfach auf Unentschieden einigen und denjenigen, die bei uns einen Vertrag unterschreiben, eine Chance geben? Hören wir damit auf und gehen nur nach Leistung. Gucken immer auch danach, ob wir selbst auch über uns lesen möchten, das wir nichts können, noch bevor wir den neuen Job überhaupt angetreten haben.

Sicher nicht.

Gemeinsam voran. Gemeinsam ans Ziel. Nur der RWE!