Kategorie-Archiv: Rule Britannia

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Dieser Blogpost verfolg ein ehrgeiziges Ziel, nämlich innerhalb drei Abschnitten all das abzuarbeiten, was zur Zeit bewegt. Gelingt das nicht, so ist das kein Beinbruch, dann wird es einen vierten Versuch geben.

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Normalerweise gebührt die Aufmerksamkeit hier grundsätzlich zuerst dem RWE. Da momentan aber die Europameisterschaft auf unserem zwiegespaltenen Kontinent gastiert, sei ihr einige Zeilen gewidmet: Die Aufstockung brachte der UEFA schon vor dem Turnier viel Kritik ein, sicher auch aus den Niederlanden, die es gefühlt als einzige Nation trotzdem nicht nach Frankreich geschafft haben. Aber die UEFA hielt an den Plänen fest und befeuerte die Aufstockung entsprechend. Wir kennen das ja aus den heimischen Fußballsendungen, wo jede Saison mit einer penetranten Inbrunst als die nun aber wirklich Beste aller Zeiten beworben wird. Das schafft vielleicht sonst nur noch ein Vorwerk Vertreter. Es überwog also außerhalb der Verantwortlichen die Skepsis ob der ganzen vermeintlichen „Zwerge“ und besonders dem Modus Operandi, was das (Nicht-) Weiterkommen betraf. Mehrheitlich sollten die Skeptiker Recht behalten: Viele Spiele waren Langeweiler!

Zudem gab es in den ersten Tagen auch auf Fanebene nicht die gewünschten Bilder. Überzogene Berichterstattung komplett fußballbefreiter Sender inklusive. Hauptsache Quote! Die goldene Himbeere im Stuhlweitwurf ging wohl an wenige Engländer, während sich wenige Russen hingegen den Titel der peinlichsten Kameraführung sichern konnten. Danach beruhigte sich die Szenerie langsam wieder; der Fokus richtete sich wieder auf das Spiel als solches. Ich konnte mich des Gefühls aber nicht erwehren, das die komplette EM 2016 teilweise einen Abgesang auf den Fußball unserer Tage darstellt (und der ist oft schon „drüber“). Unendlich viele Fans aus den teilnehmenden Nationen folgten ihrer Mannschaft nach Frankreich. Trotzten auch der latenten Angst vor dem Wahnsinn einiger weniger. Zumeist in den eigenen Trikots, was am TV stets ein beeindruckendes Bild ergab. Fußballfans sind ja nicht blöde (auch wenn die Verbände dass immer glauben) und wissen, was sie in den nächsten Jahren erwartet: Die Weltmeisterschaften in Russland und Katar; zudem eine total bekloppte EM ohne festen Wohnsitz. Da werden hoffentlich nicht mehr viele Fans Bauernopfer der großen Verbände und bleiben zuhause. Aus vielerlei Gründen. Ich hoffe es sogar, denn scheinbar kann nur der gemeine Fan dem ungemein gierigen Funktionär durch Desinteresse die rote Karte zeigen. Natürlich ist auch die EM in Frankreich keine Schnäppchenbude, sicher aber das vorerst letzte Turnier unter einigermaßen normalen Verhältnissen.

Natürlich gab es sie dann doch, die vielen Momente, die den Fußball so lebens- und liebenswert machen. Die alles vergessen lassen und einen in den Bann ziehen. Nein, damit sind nicht Beckmann`s Sportschule oder das Spielniveau zwischen Wales und Nordirland gemeint. Sicher auch nicht „Unentschieden Portugal“ oder der schwarze Block aus Ungarn. Und leider auch nicht das ständige „Will Griggs on Fire“in den sozialen Medien. Ich hätte es Will Grigg wirklich gegönnt, einmal auf dem Platz stehen zu dürfen. So bekamen wir überbordend wackelige Handyfilmchen als etwas angepriesen, was wir nun aber wirklich, wirklich lieben müssen. Ich hätte mir  zum Beispiel gerade bei 11Freunde etwas mehr Qualität denn Quantität gewünscht. Weniger ist mehr. Ich hoffe, die Kritik ist mir als Fan britischer Fußballgesänge trotzdem vergönnt. Die Melodie gibt es übrigens an der Hafenstraße in Essen schon länger zu hören. Wenn es sich aber dann doch zu entscheiden gilt, dann natürlich lieber zum hundertsten Male den „Will Grigg“ als nur einmal das tumbe „Sieg“.

Die Momente, die ich meine liegen erstaunlicherweise wohl auch in dem begründet, was ständiger Bestandteil der (auch eigenen) Kritik an dem erweiterten Teilnehmerfeld ist: Island, Nordirland und Wales zum Beispiel verdanken ihre Teilnahme sicher auch der Aufstockung. Aber sie machten und machen das Beste daraus und feierten/feiern gemeinsam mit ihren zahlreichen Fans ein Fest. Die einen wollten nicht nach Hause, die anderen „Hu“ten sich einen Wolf und die beiden irischen Fanlager hatten den alten und schon besagten neuen Gassenhauer mit im bierseligen Gepäck. Und ihre Jungs auf dem Feld boten die „11 Freunde, die es sein muss“ und bisweilen richtig guten Fußball. Mindestens für diejenigen, die auf Leidenschaft und dreckige Trikots stehen. Sammy Drechsel wird sich vor Freude im Grabe umgedreht haben. Ebenfalls eine Wohltat: Gareth Bale ist für Wales einer von Elf auf dem Platz, während Zlatan Ibrahimović und Cristiano Ronaldo zehn Wasserträger und Statisten um sich wähnen. „Meine“ Engländer haben natürlich auch zu diesen besonderen Momenten eines Turniers beigetragen. Das war sogar ein selten dämlicher Moment, diese zweite Halbzeit gegen Island.

Nun läuft also alles auf ein Finale Wales gegen Deutschland hinaus. Warum das so sein wird? Nun, wer nicht gewinnt, der hat ein Finale einfach nicht verdient. Und unsere Mannschaft ist nicht nur eine Turniermannschaft, sondern der Druck liegt ganz klar auf Seiten der Franzosen. Außerdem wird Jogi Löw das Ding schon richten und die Ausfälle entsprechend kompensieren. Und dann ist sie bald Geschichte, diese längste EM aller Zeiten. Das Turnier, welches nie wirklich ganz befreit aufspielen konnte. Das Turnier, welches aber vielleicht trotzdem der letzte Mohikaner sein dürfte. Das Englische und Deutsche Trikot werden wieder ordentlich in den Schrank gelegt und dort möglicherweise für lange Jahre verstauben. Wenigstens bis zu jenem Tag, an dem gierige Offizielle begreifen, dass eine ausgepresste Zitrone irgendwann keinen Saft mehr gibt und Fußball Sport anstatt Politik ist!

Srivaddhanaprabha

Weit nach Mitternacht noch Udo Lindenberg zu hören, dass geht nur mit einem Pils dabei und hört sich allein von seinen Texten schon nach Kneipe an. Melancholie macht sich breit. Melancholie kann ich gut. Pils habe ich auch noch. Zeit und Muße also, die Dinge der letzten Tage einmal zu sortieren. Gestern haben wir die traurige Nachricht bekommen, dass Fritz Herkenrath bereits am 18. April dieses Jahres im Alter von 87 Jahren verstorben ist. Geboren in Köln, feierte Fritz Herkenrath seine größten sportlichen Erfolge hier an der Hafenstraße in Essen. Ein tadelloser Sportsmann alter Schule; Schultätigkeit nach der Karriere. Die Meistermannschaft von 1955 nun vollzählig versammelt im Himmel; hier unten auf Erden kann jetzt keiner mehr davon erzählen. Wir zehren nunmehr endgültig von den Erinnerungen an längst vergangene, sportlich so erfolgreiche Tage. Niemals jedoch werden wir diese Fußballer vergessen, die unserem Verein so viel Gutes beschert haben. Auf ewig werden wir hoffentlich ihr Andenken bewahren und ihnen Samstag gedenken.

An der Hafenstraße dieser Tage ist es momentan relativ ruhig geworden. Die Kommentarspalten schwappen nicht mehr über vor Verzweiflung, Wut und dem Strafbestand der Beleidigung. Sieben Punkte aus den letzten drei Spielen sorgten für eine kaum mehr gekannte Entspannung des rot-weißen Herzmuskel. Wir alle hatten den Rubikon Richtung Abstiegspanik gefühlt längst überschritten; normal war doch keiner in den letzten Wochen und Monaten unterwegs. Wir wussten und wissen alle: Ein Abstieg diese Saison und den Mythos können wir uns definitiv von der Backe putzen. Sieben Tage, vierundzwanzig Stunden Angst. Das zehrt an den Nerven. Das kostet Kraft. Unbezahlter Bluthochdruck vom Feinsten. Fan eines aktuell mäßig begabten Viertligisten zu sein geht an die Substanz, und ist unter dem Strich doch so viel mehr wert, als ein Ausscheiden im Halbfinale der Champions League. Ich möchte nicht tauschen. Nie mehr!

Ziemlich zeitgleich bejubelt gefühlt die ganze Fußballwelt die erste Meisterschaft des bis dato relativ unbekannten Vereins Leicester City aus England. Diese leider nicht auf dem grünen Rasen, sondern erst einen Tag später auf dem Sofa errungen. Chelsea sei Dank. Warum aber dreht die ganze Fußballwelt nun frei und mutiert zu Füchsen, obwohl aus Tradition eher den Reds zugetan? Auch Leicester City ist kein Verein mehr alter Prägung und hat mit Vichai Srivaddhanaprabha einen Milliardär als Eigentümer. Formal also nicht wirklich viel anderes als in den Akten Hopp,Mateschitz oder Abramowitsch zum Beispiel. Im diesjährigen Ranking, die finanzielle Kaderschwere betreffend, rangieren die „Foxes“ in England auf Platz 12 und 127 Millionen Euro in den Beinen. Was übrigens und interessanterweise in Deutschland den monetären Platz 7 einbringen würde. Insgesamt wird der Kader momentan auf 300 Millionen britische Pfund taxiert. In etwa also dem Börsenwert von ISDT.

Ich glaube, die Freude mit und am „Meister Leicester City“ liegt einem ganz anderem Faszinosum zugrunde: Nämlich dem der Meisterschaft und dem Wettkampf, der zur selbigen führen kann. Oder eben auch nicht. Auch in Leicester wird nicht mit Peanuts bezahlt, aber hier hat sich eine Mannschaft gefunden, die fast abgestiegen, ein Miteinander entwickelt hat, welches finanzielle Schwergewichte auszuhebeln verstand und der Basis endlich wieder die Hoffnung zurückgeben konnte, dass Fußball Wettbewerb und nicht nur Scheckheft ist. Der britische Fan war es leid, immer nur die selben Vereine um die Meisterschaft spielen zu sehen. Und man kann es auch nachvollziehen. Was wäre hierzulande wohl los, würden der 1.FC Köln, die SG Eintracht Frankfurt oder unser aller Rot-Weiss Essen in einem Par­force­ritt sondergleichen die Meisterschale holen?  Die Sympathien aller wären für ein Jahr gesichert.

Vielleicht geht es auch noch ein Stück weiter: Karl-Heinz Rummenigge zum Beispiel will Setzlisten und somit die altbewährten Wettbewerbe quasi am Nasenring durch die imaginäre Arena ziehen. Nee, er kann sich seine Setzlisten sonstwo hinstecken! Gewinner wird nur, wer die Wettbewerbe annimmt,  übersteht und nicht plant. Leicester City hat den Wettbewerb angenommen und diesen gewonnen. Das wohl die einmalige Faszination aktuell um einen Meistertitel in England. Rot-Weiss Essen muss noch viel trainieren um eines Tages überhaupt in den Wettbewerb um die deutsche Meisterschaft einsteigen zu können. Aber wir würden dann keine Setzlisten, sondern Gegner wollen.

Samstag nun aber erst einmal Oberhausen der Gegner. RWE gegen RWO. Bis auf weiteres das letzte Spiel in einem Stadion, gilt es ja alsbald den eigenen Wettbewerb anzutreten und natürlich zu gewinnen.

Ich hätte da mal einen Vorschlag..

Es ist ja WM, und abseits der sozialen Probleme Brasiliens erkennen wir Abseits davon unbehelligt am heimischen Fernseher. Erfreuen uns an wirklich guten Spielen; oder daran, dass vermeintliche Außenseiter gut mithalten, derweil England sich spielerisch immer mehr dem Alter ihrer Majestät anpasst. Wir erleben die chemische Verbindung von Rasen und Sprühsahne, und dass die FIFA weiterhin jegliche Fußballkultur mit den Füßen tritt oder mittels Geldscheinen auch dorthin zu bringen gedenkt, wo gemeinhin keine Fußbälle wachsen.

Oh, die meisten Spieler treiben es übrigens! Sie treiben es bunt an den Füßen. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann der erste Fußballstiefel den Markt erobert: Knielang, hauteng, mit integriertem Schienbeinschoner und kabelloser Verbindung zum Mannschaftsarzt. Das aber nur nebenbei. Etwas mehr Angst bereitet mir mittlerweile der Ausrüsterwechsel bei Rot Weiss Essen. Weg von Nike und  hin zu Puma; die aber mächtig in Geldnöten stecken dürften, so wenig Stoff bekommt ein einzelnes Trikot zugesprochen. Bodypainting ist nichts dagegen.

Zurück aber dorthin, wo keine Fußbälle wachsen: Katar zum Beispiel. Dort wachsen zwar Häuser und Stadien in den Himmel, zumeist auf dem Rücken geknechteter Lohnsklaven, aber keine Fußbälle und schon gar keine Tradition. Immerhin: Eine eigene, zehn Mannschaften umfassende, Liga hat es dort. Mit dem klingenden Namen „Qatar Stars League“. Zur WM 2022 sind dann nicht nur die Arbeiter, sondern auch die zwölf erforderlichen Stadien fertig.

Nun tun sich aber möglicherweise Abgründe bei der unmöglichen Vergabe auf; möglicherweise ging es möglicherweise nicht ganz legal zu. Mumpitz, es ging natürlich alles korrekt über die Bühne, Sepp Blatter wäre strikt dagegen. Wo kämen wir denn da auch hin. Dann könnten wir ja gleich eine WM gazprompt in Russland austragen. Nur für den Fall aber, dass eine Neuvergabe doch und hoffentlich notwendig wird, habe ich hier einen Vorschlag für einen alternativen Austragungsort:

Ladies & Gentlemen, lieber Sepp: Die Weltmeisterschaft 2022 findet statt im….Ruhrgebiet!

Es liegt doch auf der Hand: Das Ruhrgebiet lebt im Vergleich zu Katar den Fußball. Katar belegt den Weltranglistenplatz 113, Rot Weiss Essen hingegen den Weltranglistenplatz 36. In Katar müssen noch Stadien gebaut werden, die nicht nur ausgesprochen hässlich sind, sondern Menschen um ihre Gesundheit, bisweilen gar um ihr Leben bringen.

Das Ruhrgebiet hingegen hat die wunderschönsten Stadien mit Geschichte und Kultur schon am Start. Vom Westfalenstadion  über das Ruhrstadion, dem Wedaustadion, das Stadion am Uhlenkrug, bis hin zum Stadion Schloss Strünkede und noch viel mehr. Und Essen verfügt gar über ein nagelneues sieben Sterne Deluxe Stadion, welches dem FIFA Vorsitzenden im vollklimatisierten Sitz auf Höhe Mittelinie wahlweise aromatisiertes Machtpuder oder Geldscheine in den selbigen bläst.

Zur Not können auch Arbeitslose oder ehemalige Spieler für die Dauer der Spiele angefordert werden um den Granden frische Luft zuzufächeln. Die Wege zwischen den Spielorten sind auch nicht viel länger als die in Katar, und es gibt jede Menge Dönerbuden. Liebe FIFA, ist das was ?

Ach, und sollte sich auch Russland selbst noch in Gefahr bringen, was die Austragung der nächsten Weltmeisterschaft betrifft, dann möchte ich England vorschlagen. Es steht aktuell zu befürchten, dass sich die „Three Lions“ ansonsten nicht qualifizieren werden…550px-Ruhr_area-map

Update:

Es vermehren sich die Anzeichen, dass nun leider doch in Katar gespielt wird. Vorweihnachtlich dann jedoch. Der Nikolaus im Regal als Viererkette drapiert. Marzipan wird durchgesteckt und Glühwein wärmt auf Fanmeilen den Eventfan. Besinnlich also. Oh Du fröhliche. Engstirnigkeit wirft die SZ via Kommentar in das Feld, schließlich frieren Südamerikaner immer, wenn wir ,gewohnt heiß, im Sommer rudeln. Vielleicht aber gibt es ja doch noch etwas Hoffnung für eine Pott WM. Oder alternativ auf den Nordfriesischen  Inseln. Dann jedoch nur bei Ebbe. Im Grunde genommen ist aber die Jahreszeit nicht wirklich das Problem: Katar ist der Fehler.

Ferry Cross the Mersey

Es gibt Dinge, die verfolgen Dich quasi ein Leben lang und sind bestenfalls immer noch da. In meinem Falle trifft das definitiv auf die Stones zu.  Die WM von 1974; Auf Helmut Schmidt, die WDR Fußballkonferenz und das Ohnsorg Theater.  Auf Helmut Rahn bis zu seinem Tode und U2 seit ihrer Gründung. Dazu gehört aber auch eine Begeisterung für alles britische.

Hier besonders, es mag kaum zu verwundern, den dortigen Fußball. Mit all seinen Facetten. Somit auch negativen Fixpunkten, die da leider noch kommen sollten! Heysel, Bradford oder eben Hillsborough. Die Begeisterung begann recht früh. Eine Schuldzuweisung kann ohne Gewissensbisse in Richtung sonntäglicher Sportschau erfolgen. Aufgesaugte fünf Minuten „First Division“; Woche für Woche. Wogende Menschenmassen hinter den Toren, dessen Traversen unterhalb der Grasnarbe begannen. Vereinsnamen, wunderschöne Embleme und „Nicknames„; Preston North End, Queens Park Rangers, Crystal Palace, Accrington Stanley; „The Quakers, „The Seagulls“, „The Bees“, „Pompey“ seien hier stellvertretend für so viele identifikationsstiftende Maßna[h]men genannt.

Die Neugierde ward geweckt, die Neugierde verlangte nach einem Lieblingsverein. Wie aber diesen unter mehr als 92 Vereinen finden, so weit weg von der Insel ? Die Beatles konnten hier helfen: Den musikalischen Wettstreit zwischen Stones und Beatles hatten die Stones knapp für sich entschieden und konnten auch nicht wirklich einem Fußballstandort zugeordnet werden. Die Beatles hingegen schon. Liverpool also. Und da der Liverpool FC im Gegensatz zu den Evertonians oder Tranmere Rovers den Namen der Stadt, zudem noch aktuelle Meisterehren verkörperte, war dieser Drops gelutscht. Ohne jetzt allerdings in eine Euphorie zu fallen, die nach Fanbettwäsche verlangte. Die Ergebnisse im Kicker reichten da völlig aus.

Der Platz im eigenen Zimmer reichte alsbald jedoch nicht mehr aus, um die große Landkarte auszubreiten, die ich mir erspart hatte. Großbritannien also anderweitig ausgebreitet, begann die Spurensuche nach der Herkunft der Vereine. Farbig mit Stecknadeln auf die einzelnen Ligen abgestimmt. Es war spannend, was die entliehenen Bücher an Informationen preisgaben: Aston Villa kommt also aus Birmingham, ebenso wie Birmingham City; Port Vale FC kommt aus Stoke, ebenso wie Stoke City FC; City und die Rovers kommen beide aus Bristol, und wer alle in London gesteckt werden wollte…Natürlich blieb man in diesen jungen Jahren ziemlich allein mit seinem Wissen,  wen interessierte dieses Mutterland schon. Ich dagegen konnte diese Karte tagelang anschauen.

Eine Sprachreise nach England um 1980 herum brachte leider auch kein Fußballspiel live vor Ort, jedoch die Erkenntnis, dass die Stones auch nicht mehr das sind, was sie mal waren. „Emotional Rescue“, damit kam ich nicht klar. Wie gut, dass es fast zeitgleich noch die „Message in a Bottle“ gab. In London gab es noch etwas anderes, nämlich auf die bebrillten Augen, aber was suchte ich auch wieder auf eigene Faust in Gegenden, in denen man nichts zu suchen hatte. Die Jahre zogen also über das Land, jenes Internet noch in weiter Ferne. Es galt, sich auf anderem Wege Informationen zu beschaffen. Bücher zum Beispiel, die konnten bestellt werden. Das ging natürlich auch seinerzeit schon im Buchhandel des Vertrauens.

Der Preis allein war schon pfundig,  dass aber ein Buch von Simon Inglis bis zu einem halben Jahr über den Kanal nach Nordhorn brauchte, das kam einem menschlichen Drama gleich. Die Stadien im Bilde und Informationen darüber entschädigten. In den Niederlanden gefundene Zeitschriften über den englischen Fußball boten nicht viel Informationsgehalt, zu sehr auf Bravo getrimmt. Trotzdem immer gerne genommen, gab es beim liberalen Nachbarn zudem noch günstigere Zigaretten und lag direkt neben den Sportheften die horizontale Sportgemeinde zur schnellen Ansicht aus. Mal kurz gucken ohne zu kaufen tat ja nicht weh. Die Fußballzeitung aber war wichtiger.

Ab und an kam auch mal ein Brief aus England, ein Aufnäher oder eine Anstecknadel. Das örtliche Sportartikelgeschäft offerierte Aufnäher von Leeds United und Millwall FC [Warum gerade diese beiden Vereine mit nachweislich schlagkräftigem Gefolge von schlechtem Ruf, bleibt wohl auf ewig ein Geheimnis des damaligen Abteilungsleiters].

Es kam Heysel. Die Reds im Finale gegen Juve, live und in Farbe am Empfangsgerät. Was passierte ist hinlänglich bekannt und bis heute unfassbar. Keine Lust mehr an diesem Abend auf Fußball. Ich weiss noch, dass ich wie paralysiert in die Stadt gefahren bin. Ramakers Grillstube. Die mit der großen Kühltruhe und den halben Litern Rolinck Pils darin. Tage zuvor schon die schreckliche Tragödie, welche im „Valley Parade“ von Bradford City 56 Fans das Leben kostete.

Der Fußball in England hatte sich verloren: Der Mob wütete, die Stadien marode, Vereine und Polizei ohne Plan. Es gipfelte bekanntermaßen Jahre später in Hillsborough. Ob einer der 96 von Hillsborough vielleicht einer der Randalierer von Heysel war ? Darf man das fragen ? Ich gehe nicht davon aus. Wohl kaum zuvor und glücklicherweise bis heute nicht wieder, haben zwei der schlimmsten Momente der Fußballgeschichte so den Ruf einer [Fußball-]Nation geprägt und die Anhänger der Reds in einen emotionalen Ausnahmezustand versetzt, der bis heute andauert.

Fußball wurde natürlich  weiter gespielt, die Stadien nach und nach zu sogenannten „All Seatern“ um- oder direkt auf der Wiese neu gebaut. Im Gepäck auch bisweilen höchst skurrile Auflagen oder gar die Möglichkeit, den Sitznachbarn via sms zu verpetzen. Ein Privatsender brachte jetzt Sonntag kurz vor Mitternacht Ausschnitte, der nun als Premier League firmierenden First Division. Das Internet ward geboren und die Informationsbeschaffung stellte sich nun plötzlich nicht mehr abenteuerlich dar. Was aber nicht unbedingt mehr Freude bedeutete. Der Reiz des Unerreichbaren war plötzlich weg.

Die Spiele der Reds blieben am Rande interessant, in den Ergebnissen und den Tabellen. Live vor dem Fernseher gab es gegen Deportivo Alavés und AC Milan weitere dramatische Erlebnisse, diesmal aber rein sportlicher und umso aufregender Natur. Persönlich habe ich es nun nach all den ganzen Jahren nicht einmal zu einem Stadionbesuch auf der einstmals gelobten Insel gebracht! Nicht gut, eher peinlich! Aber er war dort. An der der Anfield Road. Hatte live sein YNWA Erlebnis und dieses mit auf die andere Seite genommen. Mein kleiner Anteil daran, fast so schön, wie selbst vor Ort gewesen zu sein. Ein großer Dank gebührte in jenen Tagen auch der 11Freunde Redaktion.

Außerdem habe ich doch die Hafenstraße und den Heideweg. Vergangenen Samstag aber, da habe ich nach fast 30 Jahren Sympathie mein erstes komplettes Ligaspiel der Reds live gesehen. Wenn auch nur am Fernseher. Aber im Trikot und es war episch. Wenn nun jemand wissen möchte, wie zum Beispiel das ehemalige Stadion von Rotherham United einst hieß, da kann ich gerne weiterhelfen. Den Traum von einem Fußballspiel in England, gar an der Anfield Road, oder eine Fotosafari zu den  vielen kleinen Vereinen mit einmaligen, urbanen „Grounds“, er ist zunächst geplatzt. Aber was heißt das schon. „Make Us Dream“

Leo

Der Torwart des VfL WE Nordhorn machte seine Mitspieler durch den altbekannten Befehl lautstark darauf aufmerksam, dass er diesen Schuss aus den Reihen des Lokalrivalen SV Vorwärts zu fangen gedenkt. Es gelang ihm auch recht passabel, kurz vor Ende dieser Begegnung der Bezirksliga Weser Ems. Handgezählte 175 Zuschauern aus Stadtflur und der Blumensiedlung wohnten dem Stadtduell bei. Traten auch miteinander in den Dialog, um recht schnell beim SV Eintracht und der Erkenntnis: „Kommste wenigstens mal von der Frau wech“, zu landen. Unser Tipp an dieser Stelle: Einfach mal die Frau mitnehmen!

Um das anschließende Finale der Europa League kümmerte sich jedoch kaum einer. Das Fazit am Würstchenstand: Wer will das sehen ? Der Fokus ist allerorten in diesen Tagen nur auf ein Ereignis ausgerichtet, und das ist nicht der Eurovision Song Contest. Das Finale zwischen dem FC Chelsea und Benfica Lissabon war trotzdem eines von hohem Unterhaltungswert inklusive geradezu brutalem Ausgang. Die Angst der Portugiesen vor dem erfolgreichen Abschluss wurde bestraft durch eine Effizienz, welche auch schon der FC Bayern zu spüren bekam. Der Fußball ist manchmal schon ein rechtes A……..! Die Konfettikanonen rückten dann aber die Bedeutung dieses Pokalwettbewerbes wieder gerade, wurde doch mit dem Ausstoß an Konfetti ziemlich gespart. Und auch ein Schuster sollte vielleicht doch lieber bei seinen Leisten bleiben.

Ein weiterer Programmpunkt auf dem Weg nach Wembley konnte also abgehakt werden. Nun steht noch der allerletzte Bundesligaspieltag an, werden aber spätestens Samstag ab 17.15 Uhr  Tage und Stunden gezählt. Wembley, alleine dieser Name verleiht dem Finale einen zusätzlichen Glanz. Wembley und die Deutschen, auch immer ein ganz besonders spannendes Thema. Was nun etwas störend wirkt sind diejenigen Schlagzeilen, welche von einem Deutsch – Deutschen Finale sprechen. Es gibt keine zwei Deutschen Staaten mehr. Und auch der Fußball unseres Landes wird dadurch nicht direkt in Form der Nationalmannschaft wieder von Erfolg zu Erfolg eilen.

Ganz daneben der Versuch, beide Fanlager zu einer gemeinsamen Choreografie zu überzeugen. Möglicherweise sitzen zudem Besucher im Stadion, welche Choreografie ausschließlich mit Ballett in Verbindung bringen. Man weiss es nicht. Was wir aber wissen ist eine geeignete Unterkunft für die Nacht der Nächte und dürfen hier gerne auf das Hotelangebot von HRS verweisen. Der Fußball in Form der beiden Endspielteilnehmer kommt aber natürlich nicht nach Hause, sondern das Zuhause des Fußballs lädt ein, ein Endspiel bei sich auszutragen. Ein Endspiel, welches zwei verdiente Teilnehmer sieht und nun den neutralen Fan vor große Probleme stellen wird: Wem drückt man denn nun die Daumen ?

Gerechtigkeit!

‎“23 Jahre nach der Hillsborough-Katastrophe mit 96 Toten hat der britische Premierminister David Cameron „im Namen der Regierung und des ganzen Landes“ bei den Familien der Opfer um Verzeihung gebeten. „Unter dem Eindruck der neuen Beweise ist es richtig, dass ich mich heute als Premierminister bei den Familien der 96 Todesopfer für all Ihr Leid, das Sie in den vergangenen Jahren erlitten haben, angemessen entschuldige“, sagte der Regierungschef, nachdem er zuvor einen Bericht mit bislang unveröffentlichten Quellen erhalten hatte.“
Lange hat es gedauert und macht das Geschehene nicht ungeschehen. Aber mit diesem Eingeständnis kann vielleicht ein neues Denken einsetzen. Sowohl bei der Exekutive, als auch bei uns Fans. YNWA

hillsborough – searching for the truth from the96 on Vimeo.

The Homes of Football

Stuart Roy Clarke, Engländer seines Zeichens und Fotograf. Was nicht ganz unwichtig ist, zeichnet Mister Clarke doch für eine ganz besondere Art verantwortlich, den Fußball als Emotion darzustellen. Und das, obwohl in seinen Bildern so gut wie nie der Ball rollt. Stadien, bisweilen verrottet; Fans, bisweilen aus der Mode gekommen, sind seine Hauptprotagonisten. Jedes Bild ein Kunstwerk, eine eigene Geschichte oder auch ein Schicksal. Man vermag gar nicht aufzuhören, darin einzutauchen und sich für einen Moment in das Bild hineinzuversetzen. Der geneigte Eventfan wird hier sicher Bilder a`la „schwarz-rot-geil“ vergeblich suchen. Der Fußballfan aber wird wissen, was ich meine.    


The Homes of Football from Northern Stars on Vimeo.

Geschichten, die nur der Pokal schreibt

Samstag, 19.2.20011: 5. Runde im englischen FA Cup: Das fünftklassige Crawley Town trifft im Old Trafford auf Manchester United. Geschichten, wie sie nur einmal im Leben eines Fußballers vorkommen dürften. Den Stellenwert des FA Cups in England einmal zugrunde gelegt, darf von einem vollen Stadion ausgegangen werden. Auch, oder gerade trotz dieser Konstellation. Der Weg in diese fünfte Runde war auch keine leichter, bisweilen geradezu erkämpft, wie die folgenden Minuten zeigen. So richtig spannend wurde es dann bei der Pokalauslosung: Einmal ausrasten bitte. Es gibt sogar eine Verbindung zwischen diesen beiden höchst unterschiedlichen Vereinen: „The Red Devils“ lautet beider Spitzname.

Das Leben des Brian

Die Rede ist hier nicht von demjenigen Brian, der in seiner frühchristlichen Jugend einer Sandale hinterherlief, sondern von Brian Clough, dem langjährigen Erfolgstrainer von Nottingham Forrest.

Das aber der oft benutzte Zusatz „Erfolgs…..“ einen Menschen nur zu Unrecht charakterisiert, beweist der wundervolle Film „The Damned United“. Die hochtrabend anmutende Eigenwerbung „Der Fußballfilm des Jahrzehnts“ darf ruhigen Gewissens und kommentarlos so stehen gelassen werden: Wer sich in dem Film „Das Wunder von Bern“ von Sönke Wortmann nicht sattsehen konnte an der Kulisse, und sich mittendrin fühlte in dem Lebensgefühl der 50ziger Jahre, der ist in „The Damned United“ bestens aufgehoben.

Genauso liebevoll und Bildgewaltig zeigt uns der Regisseur Tom Hooper das England Mitte der 60ziger bis Mitte der 70ziger Jahre. Die Stadien noch eingebettet in Wohnviertel, die Katakomben in „Racing Green“, die Tribünen aus Holz und die Direktoren in Mantel und Hut. Diese Optik bedarf eigentlich keiner Story mehr.

Hat sie aber natürlich und so sind wir wieder bei Brian Clough: Als recht junger Trainer beim Kellerkind der zweiten Division, Derby County in Lohn und Brot, kommt im FA Cup das damalige Nonplusultra im englischen Fußball, nämlich Leeds United nebst Erfolgscoach Don Revie in den Baseball Ground. Aus einem, wie sich später herausstellt, Versehen heraus begrüßt Don Revie aber nicht Brian Clough, der für sein Trainervorbild in liebevoller Kleinarbeit diesen Tag vorbereitet hat. Der Egozentriker Brian Clough (famose Darstellung eines bisweilen an manischer Selbstüberschätzung leidenden Trainers durch Michael Sheen)leidet und baut ab diesem Tage ein Feindbild auf, welches es zu besiegen gilt! (Auch wenn der eigene sportliche Erfolg es nicht mehr nötig hätte).

Und ausgerechnet das sportliche Schicksal will es, dass Brian Clough an der Elland Road bei Leeds United Trainer wird,und zwar als Nachfolger von Don Revie. Gerade einmal 44 Tage dauert sein Engagement bei United und seine Zerissenheit zwischen Talent, Können auf der einen und andauernder Provokation auf der anderen Seite wird noch zusätzlich erschwert durch eine Mannschaft, die zurecht als die wohl härteste Mannschaft apostrophiert wird, die je in einer Liga gespielt hat. Billy Bremner mag hier stellvertretend für all die anderen Raubeine stehen.

Ergo: Es hat nicht sollen sein und ein Auftritt in einem TV Studio rückt ein wenig die Selbstherrlichkeit von Brian Clough gerade. Seine weniger rühmliche Karriere als Alkoholiker wird übrigens recht dezent in Randbemerkungen angedeutet. Ich könnte noch Stunden weiter über diesen Film referieren, seine starken und ausdrucksvollen Bilder und die Menschen in diesem Film wie zum Beispiel der treuen Seele Peter Taylor. Seinen besonderen Reiz bezieht der Film eben dadurch, dass es sich zum einen um eine reale Geschichte handelt und zum anderen durch die Zeitsprünge, in der die Geschichte erzählt wird. Fazit: Einer für das eigene Archiv!

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…und dann gab es noch…

…..“Ultra-Blutiger Sonntag“ Ein italienischer Film, gedreht Anfang der 90ziger Jahre. Schwerpunktmäßig handelt der Film von der Auswärtsfahrt einer Gruppe Ultras der Roma (AS Rom) Richtung Turin zum Spiel bei Juventus.

Nebenbei geht es noch um eine klassische Liebesgeschichte in Form einer Dreiecksbeziehung und um die Frage, wer Fabio zur Toilette begleiten muss. Grundsätzlich vermag die Bezeichnung „Ultra“ als Titel dieses Films verwirren, steht hier doch nicht nur die Unterstützung der eigenen Mannschaft im Vordergrund, sondern fast ausschließlich die Gewalt und deren “Legendenbildung” während der Zugfahrt. Trotzdem bietet der Film einen guten Eindruck darüber, was Auswärtsfahrten gemeinhin für Strapazen bedeuten und wie Umgangsformen bisweilen außer Kraft gesetzt werden. Die schwülstige Atmosphäre der überfüllten Zugabteile; Die Rauchschwaden von Zigaretten und anderen bewusstseinserweiternden Substanzen; Die Kombination Nahaufnahme mit einer Musik, die jedem Derrick zur Ehre gereicht hätte, ergeben dieses stimmige Szenario. Ein Film, der heute aber einer genauen Beschreibung bedarf, bestünde doch sonst die Gefahr, den Begriff „Ultra“ direkt in die negative Schublade abzulegen, such wenn sich die Ultra Szene heute manche Fragen gefallen lassen muß. Auf soziale Hintergründe verzichtet „Ultra“ komplett. Kein großer Hinweis darauf, warum „Principe“ für zwei Jahre in Haft war, oder auf das soziale Umfeld der anderen Protagonisten. Vielleicht hätte es dem Film aber auch in seiner Konsequenz nicht gut getan. Konsequent auch das offene Ende des Films. Fazit hier: Kein Kuschelfilm, keine schönen Bilder. Keine Figuren, die besondere Sympathien hervorrufen. Ein Film aber, der die Bedeutung des Fußballs als Lebensinhalt darstellt und die Möglichkeit, dadurch sein mangelndes Selbstwertgefühl aufzubauen. Das wird in den seltenen Konfliktfreien Dialogen deutlich.

Piratensender

Auch der beginnende Herbst bürgt ja nicht automatisch für eine Verbesserung des allgemein gültigen TV Programmes. Zeit also, sich zur dunklen Jahreszeit verstärkt wieder dem Medium DVD zu widmen. Wohl unbewusst noch dem Motto “Piratengeburtstag” bei der Filmauswahl folgend, bescherte uns der britische Film “Radio Rock Revolution” einen kurzweiligen Abend trotz Überlänge. Kurzfassung: Mitte der 60ziger Jahre trotzen die Piratensender dem konservativen Treiben der BBC und treiben es, im wahrsten Sinne des Wortes, recht bunt und laut. Das ganze in diesem Falle auf einem alten Tanker inmitten der britischen See. Das anarchische Treiben wird gestützt von einem spielfreudigen Ensemble in schriller Optik, welche heute schon fast wieder modern und als tragbar gilt. Der Film steht in verwandtschaftlicher Beziehung zu “Vier Hochzeiten und ein Todesfall”, “Notting Hill” und diversen britischen Komödien. Natürlich trägt die Musik ein übriges zu dem Genuss bei, und die große Sause auf das Festland birgt herzhaften Slapstick, den es aber zu entdecken gilt. Eine weitere Entdeckung ist endlich die Bestätigung, dass wir Männer nicht älter, sondern höchstens attraktiver werden. Veranschaulicht durch Rhys Ifans, der sich seit der wunderbaren Verkörperung des Duschnihilisten “Spike” in “Notting Hill” zu einem Moderatoren- und Lifestyleguru entwickelt hat. Interessanterweise laufen solch “Perlen” bisweilen nur kurz im Kino oder stehen nur als Einzelstück in der Videothek, während sich Horrorstreifen in Kompaniestärke in den Regalen stapeln.

Hillsborough Memorial Day, 15.04.1989

Heute vor 20 Jahren verloren 96 Fans bei einem Fussballspiel ihr Leben. Im Gegensatz zur Heysel Tragödie war keine Gewalt im Spiel, sondern bewirkten menschliche Gewalten, falsche Polizeistrategien und völlige Fehlplanung diesen Alptraum. Nicht mehr nach Hause zurück kamen: John Alfred Anderson (62,Thomas Howard (39),Colin Mark Ashcroft (19),Thomas Anthony Howard (14),James Gary Aspinall (18),Eric George Hughes (42),Kester Roger Marcus Ball (16),Alan Johnston (29),Gerard Bernard Patrick Baron (67),Christine Anne Jones (27),Simon Bell (17),Gary Philip Jones (18),Barry Sidney Bennett (26),Richard Jones (25),David John Benson (22),Nicholas Peter Joynes (27),David William Birtle (22),Anthony Peter Kelly (29),Tony Bland (22),Michael David Kelly (38),Paul David Brady (21),Carl David Lewis (18),Andrew Mark Brookes (26),David William Mather (19),Carl Brown (18),Brian Christopher Mathews (38),David Steven Brown (25),Francis Joseph McAllister (27),Henry Thomas Burke (47),John McBrien (18),Peter Andrew Burkett (24),Marion Hazel McCabe (21),Paul William Carlile (19),Joseph Daniel McCarthy (21),Raymond Thomas Chapman (50),Peter McDonnell (21),Gary Christopher Church (19),Alan McGlone (28),Joseph Clark (29),Keith McGrath (17),Paul Clark (18),Paul Brian Murray (14),Gary Collins (22),Lee Nicol (14),Stephen Paul Copoc (20),Stephen Francis O’Neill (17),Tracey Elizabeth Cox (23),Jonathon Owens (18),James Philip Delaney (19),William Roy Pemberton (23),Christopher Barry Devonside (18),Carl William Rimmer (21),Christopher Edwards (29),David George Rimmer (38),Vincent Michael Fitzsimmons (34),Graham John Roberts (24),Thomas Steven Fox (21),Steven Joseph Robinson (17),Jon-Paul Gilhooley (10),Henry Charles Rogers (17),Barry Glover (27),Colin Andrew Hugh William Sefton (23),Ian Thomas Glover (20),Inger Shah (38),Derrick George Godwin (24),Paula Ann Smith (26),Roy Harry Hamilton (34),Adam Edward Spearritt (14),Philip Hammond (14),Philip John Steele (15),Eric Hankin (33),David Leonard Thomas (23),Gary Harrison (27),Patrik John Thompson (35),Stephen Francis Harrison (31),Peter Reuben Thompson (30),Peter Andrew Harrison (15),Stuart Paul William Thompson (17),David Hawley (39),Peter Francis Tootle (21),James Robert Hennessy (29),Christopher James Traynor (26),Paul Anthony Hewitson (26),Martin Kevin Traynor (16),Carl Darren Hewitt (17),Kevin Tyrrell (15),Nicholas Michael Hewitt (16),Colin Wafer (19),Sarah Louise Hicks (19),Ian David Whelan (19),Victoria Jane Hicks (15),Martin Kenneth Wild (29),Gordon Rodney Horn (20),Kevin Daniel Williams (15),Arthur Horrocks (41),Graham John Wright (17).

Der Anfang vom Ende

Ich bin noch richtig geschockt von dieser kurzen Meldung auf Stadionwelt.: Meines Erachtens werden dort die Grundrechte der Fans vom eigenen Verein im übertragenen Sinne mit Füßen getreten: Worum gehts? Der Verein Middlesborough FC hat sich in einem Schreiben an eigene Fans gewandt, und zwar besonders an diejenigen von ihnen, die im „Stimmungsblock“ des Riverside stadiums zu Hause sind. Leider wurde den Fans nicht für ihre Treue und Unterstützung gedankt, sondern: Der Verein bittet die EIGENEN FANS, nicht ständig zu singen oder sich auch in aufregenden Spielsituationen gemäßigt zu verhalten. Gemäßigtes Verhalten bedeutet in diesem Falle, daß sich Supporter „XY“ wohl kurz spontan von seinem Sitz erheben darf, seinen spieltechnischen Erregungspegel aber sofort wieder herunterfahren soll, um sich umgehend wieder zu setzen. Grundsätzlich sei das Singen und Aufstehen nur noch bei aufregenden Situationen gestattet. Begründet wird die Bitte mit Sicherheitsbedenken. Sicherheitsbedenken bei zu lautem Singen? Besteht etwa die Angst vor fliegendem Zahnersatz oder haben wir schon den 1. April? Der moderne Fußball enrfernt sich gerade im Mutterland immer mehr von denen, die die Seele des Sports ausmachen, ihn lieben und mit ihm leiden. Das Singen verbieten beim Fußball, schlimmer darf es nicht mehr werden.

Entwicklungen

Google Earth hat gerade für Fußballfans viel zu bieten: So kann man ziemlich fix all seine besuchten Stadien nochmal ansteuern, das Stadion seiner Träume (Anfield) eben interaktiv besuchen, die erstaunliche Nähe der konkurrierenden Vereine und deren Stadien in Dundee bewundern, oder auch eine fast klaustrophobische Nähe der Stadien im holländischen Spakenburg feststellen. In der neuen Version kann man auch noch auf Zeitreise gehen. Leider nicht gerade hier in Nordhorn, stammt das Bildmaterial immer noch aus dem Jahre 2005. In Essen ist der Abriß der Westkurve mittlerweile schon wieder so lange her, da lag google noch als Quark im Schaufenster. Aber, in London, da funktioniert die Zeitleiste ganz gut: Zwar auch nicht von „heute“, aber doch so weit auseinander, so daß der Weg von Highbury zum „New Emirate“ Stadion nachvollzogen werden kann. Apropo England: Bei meinen Betrachtungen zur premier league auf DSF stelle ich immer mehr fest, daß vermehrt Plätze in den Stadien frei bleiben. Die Schere driftet doch sehr auseinander. Die Kaufwut der fremden Investoren und die daraus folgenden Eintrittspreise vertreiben nun auch die „Mittelschicht“ aus den Stadien. Leider werden den Vereinen eines Tages ein bis zwei Generationen Fans fehlen.

Kontrastmittel

Meine aktuelle Bettlektüre könnte unterschiedlicher kaum sein: Hier der „elder statesman“ aus Hamburg, dort der „former hooligan“ aus London. Natürlich braucht es keine Rechtfertigung, eine Biographie über einen großen Staatsmann zu lesen. Flüssig geschrieben spart Hans Joachim Noack auch nicht mit Kritik am umtriebigen und bisweilen harschen Politiker. Wie ein roter Faden zieht sich die Ungeduld eines Helmut Schmidts mit seiner jeweiligen Lebenssituation durch das Buch. Langatmige Plenarsitzungen bleiben dem Leser erspart, differenzierte Darstellungen der charismatischen Troika Wehner/Brandt/Schmidt aber leider auch. In Anbetracht der Tatsache, daß so viele Jahre beleuchtet werden müssen, aber zu verkraften. Für mich allein wäre aber auch schon das Titelbild ein Kaufgrund: Welch sympathisches Bild eines brillianten Geistes. Von allen guten Geistern verlassen schien dagegen viele Jahre der Autor des zweiten Buches: Viele „dritte Halbzeiten“ verschafften ihm in seiner Jugend keinen Posten auf politischer Ebene, sondern als Politikum hinter Gittern. Ich lese trotzdem gerne diese Bücher aus England mit ihren autobiographischen Zügen. Blendet man nun alle Gewalttaten rund um den Fußball aus, bietet sich dem Leser ein recht schmissiger Eindruck der Jugendkultur in England über mehrere Jahrzehnte hinweg. Wie auch bei John King geht es abseits des Fußballs um den Style, die Musik und dem Leben in den verschiedensten Regionen der britischen Insel. Die spinnen nicht nur, die Briten, sondern sie haben auch was. Für mich wenigstens. Leider konnte ich nicht ergründen, warum immer wieder auch Fußballgewalttäter (und nichts anderes war Cass Pennant) solchen Kultstatus in England einnehmen. Vielleicht liegt es wirklich in dem Inselstatus der Briten begründet, und ihrer geschichtlich verbrieften Neigung, keinem Ärger aus dem Wege zu gehen und andere Orte erobern zu wollen.

Einbahnstraßenfußball in Halbzeit 1

Live Fußball aus England, und auch das DSF sendet nunmehr in 16:9. Wunderbar. Und, da dieser schöne Sonntag bis kurz vor Anpfiff familientechnisch bestens ausgefüllt wurde, steht der kompletten Spielbeobachtung nichts mehr im Wege. Meine Begeisterung über den FA Cup habe ich nun schon oft erwähnt: Ein Grund mit dafür findet sich in der Kartenverteilung. Die sieht scheinbar anders aus, als in der Liga. So sind jedesmal Fanblöcke „wie früher“ zu erkennen. Das sorgt für Stimmung. Der Moderator des Spieles hat sich heute übrigens auch besonders viel vorgenommen: Da wird zum einen der Versuch unternommen, eine neue Fußballweisheit zu etablieren: „Es dauert nicht mehr lange, bis der FC Liverpool DAS BRETT DURCHGEBOHRT HAT“. Die Folge dieses Spruches war übrigens das 0:1 für Everton und ich fühlte mich eher an Baumarktwerbung erinnert: jippi jaja jippi jippi yeah. Und zum anderen bemüht er sich um einen Slang, der scheinbar direkt den Docks entstammen soll: Das Derby wird zum „Daaaarby“, die Anfield Road zu „Aaaaaanfield“ und der Mersey River zum „Maaaarsey“. Ich finde, wir sollten da bei unserem Schulenglisch bleiben, anstatt falsch zu kopieren. Fakt ist: Zur Halbzeit stehts 0:1, und jetzt gehts weiter auf dem Feld…..

You`ll Never Walk Alone

Der Peter, er hat es doch noch geschafft: Am Samstag geht sein Flieger Richtung Liverpool. Und gleich 2 Träume werden wahr: „Cavern Club“ und Anfield Road. Und dann gleich zum Derby gegen die „Toffees“ am Montag. Sein Chef hat nichts unversucht gelassen, um diesen „Trip“ doch noch zu ermöglichen. Mach Dir keine Gedanken mehr darüber, ob ich mit dabei bin oder nicht, sondern genieße jede Minute in Liverpool. Ich freue mich von ganzem Herzen für Dich und eines Tages stehe ich dann auch unter dem Bill Shankly Gates. So Gott will, sogar mit Dir.

The first and the oldest

Nur die Harten kommen ja bekanntlich in den Garten, oder die Briten auch im tiefsten Winter auf das Feld. Zum Spielen natürlich. Und da steht wieder der berühmteste Wettbewerb der Welt an, der FA Cup. Meine Nummer 3, der FC Liverpool, tritt am Samstag bei Preston North End, dem englischschen Meister von 1889 und somit ersten Titelträger Englands an. Gespielt wird im Stadion „Deepdale“, und zwar ununterbrochen seit 1878, somit dem ältesten Fußballfeld der Welt. Nicht umsonst befindet sich auch das Nationale Fußballmuseum in Preston und trifft der englische Rekordmeister auf geballte Fußballtradtition. Das Tradition ja nicht zwangsläufig sportlichen Erfolg bedeuten muß, widerlegen ja der RWE (Tradition und keinen Erfolg) und die TSG Hoffenheim (keine Tradition und Erfolg). Der am meisten verehrte Spieler der „Lilywhites“ ist Sir Thomas Finney der, 1922 geboren, seine ganze Karriere für PNE gespielt hat und auch heute noch in führender Position im Verein tätig ist. Statue vor dem Stadion und eigene Tribüne inklusive. Daneben nimmt sich das dreimonatige Gastspiel der momentanen Mailänder Kleiderstange in Fußballschuhen, also der „Posh ihr Mann“, recht bescheiden aus: In der Saison 94/95 wurde Beckham an PNE ausgeliehen, um Spielpraxis zu sammeln. Das Spiel wird am 3. Januar um 17.25 Uhr angepfiffen und von DSF zwischen den Werbepausen gezeigt. Übrigens ist der Sensationsgast vom Januar an der Anfield Road, Havant & Waterlooville FC, in der ersten Runde vor 1631 Fans an Brentford FC aus London gescheitert. Der Pokal und seine eigenen Gesetze.

Gut gebrüllt, Tiger

Besondere Leistungen sollen auch eine besondere Erwähnung finden. Kein Problem, kann ich doch wieder meiner britischen Fußballseele freien Lauf lassen. Selbst, wenn es sich um Hull City handelt. Also weder um den FC Liverpool, noch um Leyton Orient, meine Inselfavoriten. Aber, dieser Verein hat etwas geschafft, an dem sich der RWE durchaus orientieren sollte. Wunschdenken halt. Also: Die „Tigers“ waren 2002 noch viertklassig, aber haben ein neues Stadion namens „KC Stadium“ bekommen. 2004 immer noch viertklassig, wenn auch die Namen dieser Spielklasse mitunter wechselten. Und heute? Heute stehen die „Tigers“ sensationell auf Platz drei der……..Premier League, nur drei Punkte hinter Chelsea und den „Reds“. Das nennt man einen Aufstieg, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Eine Art Masterplan der definitiv nicht planbar ist und wie ein kleines Märchen daherkommt. Ja und nun habe ich noch ein Problem: ich war fest der Meinung, dass es sich bei dem Bild unten um einen Eindruck des alten „Boothferry Park“ handelt (Stadion der Tigers bis 2002), einer Bruchbude vor dem Herrn. Und nun habe ich mich so intensiv mit der vorherigen Heimstätte befasst: Das ist ein falscher Eindruck. Nur, ich kenne die Quelle nicht mehr, und habe auch sonst keine Idee mehr, um welches alte Stadion es sich handeln könnte. Wenn jemand mir bei der Aufklärung helfen kann, ich wäre sehr dankbar. Und den „Tiger“ wünsche ich einen langen Verbleib in der Erstklassigkeit.

Brennend heisser Wüstensand.

Oder auch: „Tanken für den lokalen Erzfeind“. Was Noel Gallagher, Frontman von Oasis und bekennender Manchester City Fan mit diesem Ausspruch meinte: Dazu später mehr. Zuerst die lokale Topmeldung: Der SV Eintracht hat gestern abend sein Heimspiel gegen den SV Bad Rothenfelde mit sage und schreibe 7:2 gewonnen. Dumm nur, dass ich dieses Fest nicht live verfolgen konnte, da sich mein Dienst plötzlich und unerwartet noch um eine Nachtbereitschaft verlängert hat. Und den Liveticker habe ich auch erst nach Spielschluß gefunden. Aber, der neue Held der Stehtraversen hat mich regelmäßig per sms informiert. Einmal mehr: Danke dafür. Wenigstens reichte es aber dafür, den Donnerstags Kicker zu überfliegen. Und da werden so langsam die kleinen und grossen Meldungen abseits der Spielberichte immer interessanter. Heuer ging es um den Abschied von Oliver Kahn, der auch in seinem letzten Spiel die Paraden und alle Gesichtzüge im Griff hatte. Und auch der Streit zwischen dem Eventmanager schlechthin, Oliver B. und Capitano Michael B. wurde im Zuge der beginnenden WM Qualifikation wieder hochgeholt. Und siehe da: Die Emotionen nach dem verlorenen Endspiel bei der €uro schienen vielleicht doch nur von sekundärer Bedeutung gewesen zu sein. Auch hier scheinen schon wirtschaftliche Interessen den Sport, sprich die Nationalelf eingeholt zu haben. Stellt sich die Nationalmannschaft also demnächst nach Werbepartner oder Schuhausrüster auf, also elf Pumas gegen elf Adiletten ? Im Kontext wurde eine werbefreie Zone Nationalmannschaft und ein Machtwort von Herrn Zwanziger gefordert. Aber mal ehrlich: Bevor ein Nationalspieler einen hoch dotierten Werbevertrag zu Gunsten der Ehre, für sein Land spielen zu dürfen aufgeben wird, da beendet er doch lieber die Karriere wegen Argument XY. Aber zurück zu den Gallaghers: Ihr Verein hat einen neuen Besitzer, genaugenommen sogar ein ganzes Konsortium davon: Ein Investmentunternehmen aus dem Scheichtum Abu Dhabi am Persischen Golf, die Abu Dhabi United Group for Development and Investment (ADUG), übernahm „ihren“ Club, die „Citizens“ von Manchester City. Der Trainer Mark Hughes ist hocherfreut und sieht neue Spieler nicht mehr nur als Fata Morgana am Fußballhimmel. So wurde sogar dem Ölfreak Roman A. ein neuer Spieler abspenstig gemacht: Robinho werauchimmer wechselt, obwohl sein Herz schon beim FC Chelsea war, nun ganz spontan nach Manchester. Hoffentlich findet er dort das richtige Stadion. Den Fans ist die wüste Übernahme erstaunlicherweise willkommen: Hatten sie doch mit dem bisherigen Besitzer, Thailands früherem Premierminister Thaksin Shinawatra, so ihre Probleme . Dieser wiederum mit seinem eingefrorenen Kapital. Also formal eine „win – win“ Situation für alle. Bis auf die kleine, aber alles entscheidende Tatsache: Den Scheichs ist der Fußball aber sowas von egal, eher gefriert die Wüste ein. Und somit hat sich der Verein Manchester City in eine unbekannte Gleichung eingelassen. Aber, auch die United Fans zahlen jetzt mit jeder Tankladung ihren Anteil für City mit, und das gereicht manch City Fan schon zu einem diebischen Grinsen. Und ich? Ich lobe mir einen Dietmar Hopp.

Die siebziger

Bücher sind auch nicht mehr das, was sie mal waren: „Früher“ fand alles vor dem geistigen Auge statt. Und jetzt reicht ein Klick auf youtube und wir können uns die beschriebenen „guten alten Zeiten“ in bewegten Bildern zurückholen. Natürlich sind Bücher unersetzbar, aber ich finde es trotzdem prickelnd, sich der Atmosphäre, die in einem Buch beschrieben und der bisweilen auch nachgetrauert wird, in kurzen Sequenzen anzunähern. Viel Spaß beim Anblick der völlig überfüllten Stehtraversen (ich bekäme Platzangst), des klassischen britischen Torjubels und euphorischer Kommentatoren:

Die Seele des Spiels

Colin Irwin ist primär ein Musikjournalist aber eben auch ein Fußballfan und als solcher besonders dem Woking FC zugetan. Und wenn sich Beruf und Leidenschaft verknüpfen lassen, dann kommt schon mal ein Buch namens „Sing When You`re Winning“ heraus. Eigentlich als Buch über die Fangesänge im britischen Fußball geplant, wurde es doch eher zu einer Abhandlung über den „Ist-Zustand“ der britischen Fanseele. Und da wir Fußballfans ja eigentlich hemmungslos nostalgisch sind, spannt Colin Irwin aber auch immer wieder den Bogen zurück bis in die 70ziger Jahre und lässt den Leser teilhaben an dem Gefühlsleben mürrischer Fans, den Gesängen und der Stadionwurst für die Briten.Es ist schon faszinierend, wie alle Facetten des englischen Fußballs immer wieder in Buchform veröffentlicht werden. Wer sich selber noch über weitere Bücher zu diesem Thema informieren möchte, der sollte hier fündig werden.

East Marshes

Da ist die olympische Flamme in Peking gerade erloschen und London macht sich schon warm für 2012. Mein spontaner Gedanke war: Na, dann gucke ich vielleicht auch mal wieder Olympia im TV, denn den verordneten und „geknebelten“ olympischen Geist aus Peking habe ich abgelehnt. Zu viele Menschen mussten für dieses Prestigeobjekt leiden. Ein paar Stunden später war ich aber auch schon von London bedient: Die Organisatoren planen gar schreckliches und wollen für 400 Busparkplätze etwas „opfern“, was ich so gar nicht hinnehmen kann: Fußballplätze nämlich! OK, wenn es nur einer gewesen wäre, aber da passen ja keine 400 Busse drauf. Also hat man sich des Areals der sogenannten Sonntagsliga erinnert. Die Sonntagsliga, auch als The Hackney & Leyton Sunday Football League bekannt und sehr gut organisiert, ist eine reine Freizeitliga unterhalb der englischen Ligenpyramide. So manch Profispieler hat hier zuerst auf ein Tor und auch hinein geschossen. In Zahlen bedeutet das 56 Teams auf 150 Hektar und 88 Fußballplätzen verteilt. Weltrekord. Und dann gibt es diese Liga auch schon 61 Jahre. Also wieder Tradition, die für einen kurzen Rausch betoniert werden soll. Zudem dient das komplette Gelände der Hackney Marshes (Sümpfe) auch als Ort des öffentlichen Miteinander und stärkt so den Zusammenhalt einer ganzen Region Londons über alle gesellschaftlichen oder kulturellen Grenzen hinweg. Denn auch viele,viele andere gänzlich unorganisierte Theken,Stadtteil oder sonstige Mannschaften treten hier gegeneinander an. In der Politik gilt es sicherlich viele Sümpfe auszutrocknen, aber Hände weg von den Hackney Marshes, denn Fußball ist immer noch wichtig…..
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