Kosova & Mythos #271

Auch wieder eine Geschichte, die so wohl nur der Fußball schreibt: Der diesjährige Wettbewerb im Niederrheinpokal führt die Erzählstränge der beiden Herrenteams von Rot-Weiss Essen zum zweiten Male zusammen: In der letzten Runde musste die Erste Mannschaft bei den Sportfreunden Broekhuysen ran. Jene Sportfreunde also, die erst in der vergangenen Relegation zur Landesliga Gegner der Zwoten waren. In der aktuellen Runde trifft der RWE unter der Woche auf den FC Kosova Düsseldorf, einen Verein aus der Landesliga Niederrhein. Und man ahnt: Die Kosovaren kicken in der Gruppe 2, dort, wo auch die RWE-Zwote unterwegs ist.

Der Verein selbst ist noch sehr jung und in der Zeitleiste neben dem Mauerfall zu finden, somit also 1989 gegründet. Größere mediale Aufmerksamkeit erreichte der Verein erstmals 2024, als der Verein den kosovarischen Titelträger KF Ballkani einfliegen ließ, um das Spiel um den kosovarischen Supercup auszutragen. Nun war zwar der KF Ballkani tatsächlich amtierender Meister im Kosovo und sogar in der Champions-League-Qualifikation unterwegs, aber der kommende Gegner des RWE natürlich nicht der dortige Pokalgewinner. Der amtierende Titelträger war der FC Prishtina. Den über 4.000 Fans aus vielen Teilen Europas im Stadion war das somit etwas missverständliche Etikett auf dem Spiel egal, sie feierten einfach ein Fußballfest. Und sicher auch sich selbst. Gestartet in der Kreisliga C wurde in der Saison 24/25 knapp der Aufstieg in die Oberliga Nordrhein verpasst. Rot-Weiss Essen darf sich daher mit der Erstvertretung auf einen ambitionierten Gegner aus Düsseldorf einstellen, während die Verantwortlichen der Zwoten keinen besseren Ort als daheim zur Gegnerbeobachtung bekommen könnten.

Und nach dem zweiten NRP-Pokalspiel innerhalb weniger Tage geht es nach zu vielen Tagen ohne Liga-Fußball auch endlich mit der 3. Liga weiter. Es geht nach Münster. Zu den Preußen. Einer dieser Rivalen, bei denen es schon im Vorfeld immer etwas mehr kribbelt als gegen viele andere Vereine. Beide Vereine spielen kein Derby aus, dafür hat man in Münster die Arminia und irgendwie auch den VfL aus Osnabrück, während wir dafür die Blauen und den MSV haben. Beide Fanlager sind sich trotzdem in inniger Rivalität verbunden. Die 3. Liga für den RWE fast schon inflationär, was Spiele mit besonderer Emotionalität vor allem auf Fanebene angeht. Aber genau das macht es ja auch aus. Seit dem allerersten offiziellen Pflichtspiel zwischen Rot-Weiss Essen und Preußen Münster am 19. September 1948 (damals gewannen die Roten mit 1:0) ist einfach auch sehr viel drumherum passiert, was die Rivalität trotz regelmäßiger unterschiedlicher Ligenzugehörigkeit immer am Köcheln gehalten hat. Leider auch viele unschöne Dinge, die mindestens nichts mit Fußball zu tun haben sollten.

Eher dem Bereich Mythos zuzuordnen wäre dann ja noch die allseits bekannte Geschichte aus dem Jahre 2002 rund um das alte Richtschwert aus dem Münsteraner Rathaus. Die Münsteraner Krimi-Granden um Wilsberg, Overbeck, Boerne und Thiel ermitteln in diesem speziellen Falle noch immer. Die Begegnung wird auf jeden Fall ein Novum für alle Fans des RWE, die eine der sehr teuren Karten ergattern konnten, werden sie doch das Spiel im sich im Umbau befindlichen Stadion an der Hammer Straße aus neuer Perspektive zu sehen bekommen. Dieses erste Spiel nach der Pause bringt nicht nur den aufregenden Stoff langer Rivalität mit sich, sondern vor allem die Frage: Wer kommt besser aus der Pause, die gefühlt ein Saisonbeginn ist? Ich hätte da so einen Wunsch…

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