Ostalgie

Das Spiel des RWE gegen die Eintracht aus Trier fand nicht nur an einem schicksalsträchtigem Datum,sondern auch vor einer für RWE Verhältnisse (auch in Liga Vier), kleinen Kulisse von knapp über 5.000 Fans statt. Der „Rest“ kam mir auf der A31 Richtung Nordsee und Urlaub entgegen. Recht früh vor Ort, sprich an der Hafenstrasse zu sein, bietet immer auch die Gelegenheit einer „Umfeldanalyse“.
Was eigentlich nichts anderes bedeutet, als neben dem ritualisierten Verzehr einer Frikadelle auch Smalltalk zu betreiben oder sich einfach das Treiben vor der Nordtribüne anzuschauen. Durch die oftmals baulichen Ungereimtheiten der letzten Zeit sind viele schöne Winkel verschwunden oder aufgrund der Fantrennung unbegehbar geworden. Und doch war (und ist) es immer ein faszinierender Moment, sich dem Georg-Melches Stadion, vor allem bei Dunkelheit, zu nähern.
Ist die Hafenstrasse nicht gesperrt, führte uns der Weg, fast immer von der Bottroper Straße kommend, direkt am Stadion vorbei. Alles überragend von den Flutlichtmasten, umrahmt von Eisenbahnbrücken; Aus allen Richtungen kommenden RWE Fans, dem Surren der Stimmen, dem Klirren von Altglas, sich positionierender Polizei und anderen Hilfsdiensten. Vom Parkplatz Welkerhude ging es dann zu Fuß wieder zurück. Auch hier wieder eingebettet in die anderen Fans, die Trinkhalle Ecke Sulterkamp/Hafenstrasse im Blick, bei Risikospielen schon mal kritisch von Pferden einer Reiterstaffel beäugt. Von dieser anderen Seite nun ging es bis zur letzten Saison dann einen kleinen Abhang hinunter, der einen dann direkt auf den Stadionvorplatz und die rot weisse Fanseele eintauchen ließ.
Es sind noch nicht die Familien, die das klassische RWE Publikum ausmachen. Dafür ist die Ligazugehörigkeit zu tief und das Umfeld an der Hafenstrasse rein baulich betrachtet, zur Zeit nicht geeignet. Dieses Klientel kehrt vielleicht in einem neuen Stadion zurück. Hier vor dem Stadion findet sich momentan die Spezies Fan Marke „hart aber herzlich“, mitunter vom Leben gebeutelt, bisweilen mit fragwürdiger politischer Einstellung. Fans,die in ihrer Erinnerung noch erfolgreiche Zeiten mit sich tragen; Die Ultras, die einen neuen Typus Fan verkörpern, die sogenannten „Alten“, aber auch „Normalos“. Allen gemein ist wahrscheinlich die Unzufriedenheit über die momentane Situation. Eines Tages jedoch nicht mehr einzutauchen in diese ureigene Welt rund um das Stadion an der Hafenstrasse, das vermag sich wohl keiner dieser Fans vorzustellen. Ein Beleg dafür, dass das Selbstverständnis immer noch einige Ligen höher angesiedelt ist, zeigt sich in folgender Tatsache: Etliche Fans bezahlen Eintritt, nur um das Spiel dann am Bierstand stehend mit den Kumpels zu verfolgen. Vielleicht können sie aber auch nur nicht diesen skandalösen Zustand ertragen.
Ach ja, das Spiel: Durch ein schönes Freistoßtor (Achtung: Ein Tor, erzielt aus einer Standartsituation, sehr wunderlich!) von Mike Wunderlich wurde verdient mit 1:0 gewonnen.Verdient aufgrund der Tatsache, dass der RWE sehr bemüht war, auch wenn sich das Spielniveau in der ersten Hälfte mehr und in der zweiten dann etwas weniger in Grenzen hielt. Bis kurz vor den 16er wurde bisweilen ganz flüssig kombiniert um dann a)zu verstolpern oder b) in der vielbeinigen Trierer Abwehr hängen zu bleiben. Da eine effektive Grätsche aber mehr zählt als brotloses „Hacke, Spitze, 123“, konnte sich die Mannschaft fast durchgängig der Unterstützung der Fans sicher sein.
Ein Novum an dieser Stelle: Das erste Spiel, welches ich von der Ostribüne aus verfolgt habe. Gruselig die Aussicht von hier direkt auf die planierte Ebene, auf der einmal das neue Stadion stehen sollte. Wunderschön allerdings der Sonnenuntergang, man erfreut sich halt an jeder “Kleinigkeit”. Passend zu diesem Mix aus Verfall, Rückbau,Spiel lau auch meine Bilder in Handyqualität.Die sonstigen Eindrücke gibt es hochwertig wie immer bei jawattdenn und bewegte Bilder vom Spiel sogar bei Eintracht Trier. Fazit:Keins, sonst würde ich wieder an der Tabelle „herumschrauben“, hochrechnen und mich über vergangene, teils selten blöde, Punktverluste ärgern.

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