Monatsarchive: März 2010

Das Leben des Brian

Die Rede ist hier nicht von demjenigen Brian, der in seiner frühchristlichen Jugend einer Sandale hinterherlief, sondern von Brian Clough, dem langjährigen Erfolgstrainer von Nottingham Forrest.

Das aber der oft benutzte Zusatz „Erfolgs…..“ einen Menschen nur zu Unrecht charakterisiert, beweist der wundervolle Film „The Damned United“. Die hochtrabend anmutende Eigenwerbung „Der Fußballfilm des Jahrzehnts“ darf ruhigen Gewissens und kommentarlos so stehen gelassen werden: Wer sich in dem Film „Das Wunder von Bern“ von Sönke Wortmann nicht sattsehen konnte an der Kulisse, und sich mittendrin fühlte in dem Lebensgefühl der 50ziger Jahre, der ist in „The Damned United“ bestens aufgehoben.

Genauso liebevoll und Bildgewaltig zeigt uns der Regisseur Tom Hooper das England Mitte der 60ziger bis Mitte der 70ziger Jahre. Die Stadien noch eingebettet in Wohnviertel, die Katakomben in „Racing Green“, die Tribünen aus Holz und die Direktoren in Mantel und Hut. Diese Optik bedarf eigentlich keiner Story mehr.

Hat sie aber natürlich und so sind wir wieder bei Brian Clough: Als recht junger Trainer beim Kellerkind der zweiten Division, Derby County in Lohn und Brot, kommt im FA Cup das damalige Nonplusultra im englischen Fußball, nämlich Leeds United nebst Erfolgscoach Don Revie in den Baseball Ground. Aus einem, wie sich später herausstellt, Versehen heraus begrüßt Don Revie aber nicht Brian Clough, der für sein Trainervorbild in liebevoller Kleinarbeit diesen Tag vorbereitet hat. Der Egozentriker Brian Clough (famose Darstellung eines bisweilen an manischer Selbstüberschätzung leidenden Trainers durch Michael Sheen)leidet und baut ab diesem Tage ein Feindbild auf, welches es zu besiegen gilt! (Auch wenn der eigene sportliche Erfolg es nicht mehr nötig hätte).

Und ausgerechnet das sportliche Schicksal will es, dass Brian Clough an der Elland Road bei Leeds United Trainer wird,und zwar als Nachfolger von Don Revie. Gerade einmal 44 Tage dauert sein Engagement bei United und seine Zerissenheit zwischen Talent, Können auf der einen und andauernder Provokation auf der anderen Seite wird noch zusätzlich erschwert durch eine Mannschaft, die zurecht als die wohl härteste Mannschaft apostrophiert wird, die je in einer Liga gespielt hat. Billy Bremner mag hier stellvertretend für all die anderen Raubeine stehen.

Ergo: Es hat nicht sollen sein und ein Auftritt in einem TV Studio rückt ein wenig die Selbstherrlichkeit von Brian Clough gerade. Seine weniger rühmliche Karriere als Alkoholiker wird übrigens recht dezent in Randbemerkungen angedeutet. Ich könnte noch Stunden weiter über diesen Film referieren, seine starken und ausdrucksvollen Bilder und die Menschen in diesem Film wie zum Beispiel der treuen Seele Peter Taylor. Seinen besonderen Reiz bezieht der Film eben dadurch, dass es sich zum einen um eine reale Geschichte handelt und zum anderen durch die Zeitsprünge, in der die Geschichte erzählt wird. Fazit: Einer für das eigene Archiv!

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…und dann gab es noch…

…..“Ultra-Blutiger Sonntag“ Ein italienischer Film, gedreht Anfang der 90ziger Jahre. Schwerpunktmäßig handelt der Film von der Auswärtsfahrt einer Gruppe Ultras der Roma (AS Rom) Richtung Turin zum Spiel bei Juventus.

Nebenbei geht es noch um eine klassische Liebesgeschichte in Form einer Dreiecksbeziehung und um die Frage, wer Fabio zur Toilette begleiten muss. Grundsätzlich vermag die Bezeichnung „Ultra“ als Titel dieses Films verwirren, steht hier doch nicht nur die Unterstützung der eigenen Mannschaft im Vordergrund, sondern fast ausschließlich die Gewalt und deren “Legendenbildung” während der Zugfahrt. Trotzdem bietet der Film einen guten Eindruck darüber, was Auswärtsfahrten gemeinhin für Strapazen bedeuten und wie Umgangsformen bisweilen außer Kraft gesetzt werden. Die schwülstige Atmosphäre der überfüllten Zugabteile; Die Rauchschwaden von Zigaretten und anderen bewusstseinserweiternden Substanzen; Die Kombination Nahaufnahme mit einer Musik, die jedem Derrick zur Ehre gereicht hätte, ergeben dieses stimmige Szenario. Ein Film, der heute aber einer genauen Beschreibung bedarf, bestünde doch sonst die Gefahr, den Begriff „Ultra“ direkt in die negative Schublade abzulegen, such wenn sich die Ultra Szene heute manche Fragen gefallen lassen muß. Auf soziale Hintergründe verzichtet „Ultra“ komplett. Kein großer Hinweis darauf, warum „Principe“ für zwei Jahre in Haft war, oder auf das soziale Umfeld der anderen Protagonisten. Vielleicht hätte es dem Film aber auch in seiner Konsequenz nicht gut getan. Konsequent auch das offene Ende des Films. Fazit hier: Kein Kuschelfilm, keine schönen Bilder. Keine Figuren, die besondere Sympathien hervorrufen. Ein Film aber, der die Bedeutung des Fußballs als Lebensinhalt darstellt und die Möglichkeit, dadurch sein mangelndes Selbstwertgefühl aufzubauen. Das wird in den seltenen Konfliktfreien Dialogen deutlich.

Sunday, Bloody Sunday

„Ultra-Blutiger Sonntag“ Ein italienischer Film, gedreht Anfang der 90ziger Jahre. Schwerpunktmäßig handelt der Film von der Auswärtsfahrt einer Gruppe Ultras der Roma (AS Rom) Richtung Turin zum Spiel bei Juventus.

Nebenbei geht es noch um eine klassische Liebesgeschichte in Form einer Dreiecksbeziehung und um die Frage, wer Fabio zur Toilette begleiten muss. Grundsätzlich vermag die Bezeichnung „Ultra“ als Titel dieses Films verwirren, steht hier doch nicht nur die Unterstützung der eigenen Mannschaft im Vordergrund, sondern fast ausschließlich die Gewalt und deren “Legendenbildung” während der Zugfahrt.

Trotzdem bietet der Film einen guten Eindruck darüber, was Auswärtsfahrten gemeinhin für Strapazen bedeuten und wie Umgangsformen bisweilen außer Kraft gesetzt werden. Die schwülstige Atmosphäre der überfüllten Zugabteile; Die Rauchschwaden von Zigaretten und anderen bewusstseinserweiternden Substanzen; Die Kombination Nahaufnahme mit einer Musik, die jedem Derrick zur Ehre gereicht hätte, ergeben dieses stimmige Szenario.

Ein Film, der heute aber einer genauen Beschreibung bedarf, bestünde doch sonst die Gefahr, den Begriff „Ultra“ direkt in die negative Schublade abzulegen, auch wenn sich die Ultra Szene gelegentlich hinterfragen sollte. Auf soziale Hintergründe verzichtet „Ultra“ komplett. Kein großer Hinweis darauf, warum „Principe“ für zwei Jahre in Haft war, oder auf das soziale Umfeld der anderen Protagonisten. Vielleicht hätte es dem Film aber auch in seiner Konsequenz nicht gut getan. Konsequent auch das offene Ende des Films.

Fazit hier: Kein Kuschelfilm, keine schönen Bilder. Keine Figuren, die besondere Sympathien hervorrufen. Ein Film aber, der die Bedeutung des Fußballs als Lebensinhalt darstellt und die Möglichkeit, dadurch sein mangelndes Selbstwertgefühl aufzubauen. Das wird in den seltenen Konfliktfreien Dialogen deutlich. Ein Film aber auch, der zeigt, wie wenig Gewalt zur Problemlösung taugt.

Fanschalknigge

Der Schal, unverzichtbares Accessoire für den Fan. Der Fanartikel schlechthin, geht es darum, seine Vereinsliebe offen zu tragen. Doch während das Trikot immer über den Kopf angezogen und Veränderungen in Form und Sitz höchstens durch selbige der Trägermaterie (=Fan) erfährt, bietet der Schal mehrere modische Optionen und lässt eventuell Rückschlüsse auf den Träger zu. Und so widmen wir uns im 1. ISDT Knigge den fünf häufigsten Trageformen:

Platz 1: Modell “After Work”

die schnellste und einfachste Art, den Schal zu tragen. Gerade noch im Büro, Auto oder bei der Freundin wird der Schal an beiden Enden gefasst und mit Schwung nach hinten über den Kopf geworfen. Passt immer und hinterlässt in höchster Bedrängnis keine Spuren am Hals, sondern kann einfach an einem Ende gezogen den Besitzer wechseln. Das häufigste Stilmittel wird sehr oft ab 40 aufwärts getragen.

After Work

Platz 2: Modell “Emblem”

Ebenfalls eine sehr häufig anzutreffende Variante, verbunden mit einem höheren Zeitaufwand. Desweiteren ist ein Spiegel von Vorteil. Der Schal wird hier wie Modell “After Work” um den Hals gelegt, nun aber mit dem rechten Ende vor dem linken gefasst. Die Hände wechseln die Seite und das rechte Ende wird nun unter dem linken hindurchgeführt und kommt irgendwie wieder oben raus. Ist ja auch egal, wichtig ist nur, dass das Vereinsemblem schön zu sehen ist, und beide Enden pari sind. Häufigste Trageform in kalten Monaten.

Emblem

Platz 3: Modell “Fashion”

Höchste Beliebtheit bei jüngeren Fans erfreut sich diese Variante. Für ein optimales Trageerlebnis eignen sich die sogenannten “Seidenschals” am Besten, da leicht und auch so zu knoten. Wir nehmen die Grundtrageform “After Work” ein und fügen einem Ende einen simplen Knoten zu. Das andere Ende stecken wir einfach durch die Schlaufe des Knotens und straffen das Ganze. Fertig, lässig und luftig leicht. Da aber Embleme und Vereinsnamen recht deformiert werden, empfiehlt sich dieses Stilmittel bei Spielen gegen Mannschaften außerhalb der eigenen Vereinsfarben.

Fashion

Platz 4: Modell “Slim Fit”

Modell Fashion einmal anders definiert. Dem Zeitgeist gewidmet. Dynamisch. Das sind die Attribute für dieses aufstrebende Stilelement. Geknotet wie “Fashion” wird der Schal über den Kopf gelegt und sein Träger schafft es irgendwie, noch einen Arm durchzubekommen. Das Outfit für den schmalen Fan. Getragen oft in Kombination mit einer schwarzen Jogginghose im Winter und Baggy im Sommer. Schick anzusehen und oftmals in den Farben einer eigenen Gruppe.

Slim Fit

Platz 5: Modell “Trash”

Was dem Petry seine Freundschaftsbändchen waren, sind dem Trash Fan seine Schals. Zig davon an jedem Handgelenk. Nicht nur der eigene Verein ist so präsent, sondern auch der größte Gegner, die Lieblingsband, das Lieblingsgetränk etc. Diese modische Sackgasse hat sich zum Glück nicht durchgesetzt, sehr zum Leidwesen der Verkäufer vor den Stadien.
Trash

Quot Erat Demonstrandum

Die Stadt Essen hat rund 580.000 Einwohner und “nur” 0,431% davon haben Samstag Vormittag friedlich für einen Stadionneubau an der Hafenstrasse demonstriert. Eine solche Berechnung ist sicher Wasser auf den Mühlen derer, die von Haus aus gegen den Fußball als Kulturgut, den RWE als Heimat des “kleinen Mannes” und ein neues Stadion sowieso sind.

Bei genauerer Betrachtung erscheint die Teilnehmerzahl dann aber doch nicht mehr so gering, für mich sogar überraschend hoch. Die im Vorfeld erwartete Anzahl von 5.000 Teilnehmern empfand ich etwas unglücklich angesetzt, steckt doch die Faninitiative in Essen noch in den Kinderschuhen und muß die Szene in Essen erst einen gemeinsamen Konsens finden. Aufgrund dieser Tatsachen, und der selten blöden Niederlage gegen die Wormatia aus Worms (selten blöd in Bezug auf den Zeitpunkt), finde ich die Anzahl von ca. 2.500 Teilnehmern durchaus angemessen.

Hinzu kommt ja noch die Tatsache, dass für einen momentan mittelprächtigen Viertligisten auf die Straße gegangen wurde. Was wir uns hätten sparen können, war die “Diskussion” in den Foren, ob diese Demonstration auch friedlich verlaufen wird und nicht eventuell alkoholisierte Jugendliche aus dem Ruder oder politisch Extreme in eine andere Demonstration reinlaufen. Leider wohl eine Folge unserer Gesellschaft und auch der Anonymität im Zeitalter von Web 2.0! Es ist natürlich nichts passiert, denn jedem Teilnehmer war klar, dass Zuwiderhandlungen medial ausgeschlachtet und durch die Krake youtube in Form von wackeligen Handyfilmchen verbreitet werden würde.

So aber können die Initiatoren stolz auf sich und das Geleistete sein. Aber auch jeder einzelne Teilnehmer kann eines Tages von sich behaupten, etwas zum neuen Stadion beigetragen zu haben. Die anderen, die Erfolgsfans und honorigen Politiker, die kommen dann schon von ganz allein………(Die ganzen Eindrücke des Wochenendes wie immer bei jawattdenn)

Leistungsprinzip

Am vergangenen Samstag hat der WFCG nun schon zum dritten Mal am traditionellen Integrativen Hallenfußballturnier für Sportler mit Behinderungen der Lebenshilfe Nordhorn teilgenommen. Und doch war für uns in diesem Jahr so ziemlich alles anders als in den beiden Jahren zuvor.

So haben wir nur eine Mannschaft gemeldet, während andere Einrichtungen gleich mit zwei oder drei Teams antraten. Zu den Beweggründen später mehr. Und dann liefen wir das erste Mal in den schwarz – gelben Vereinsfarben unseres Vereines DJK Arminia Gronau auf. Kurz vor Turnierbeginn bekamen wir unseren eigenen Mannschaftskoffer überreicht. Dafür recht herzlichen Dank.

Die Metamorphose von “Garten Fußballern” zu einer eigenständigen Sparte in einem Sportverein ist somit beendet. Auf dem Weg dahin haben wir aber auch leider einige Spieler “verloren”, für die Dabeisein wichtiger ist als ein sportlicher Erfolg. Wir sollten es als unsere Aufgabe ansehen, Ihr Engagement vielleicht bald wieder mit einer eigenen Trainingseinheit belohnen zu können.

Am Turnier selber nahmen nun 16 Mannschaften teil, und jede bekam einen Betreuer zur Seite gestellt, der nicht nur für organisatorische Fragen zur Verfügung stand, sondern auch als integrativer Part auf dem Hallenboden zu glänzen wusste. Eine willkommene Unterstützung für unsere Mannschaft, schließlich konnten wir sonst nur einen Spieler aufbieten, der A) mit dem Ball umzugehen wusste und B) für den integrativen Gedanken des Turniers stand.

Zurück zu der Entscheidung, nur mit einer Mannschaft anzutreten: Natürlich spielt dabei auch stets der logistische Aufwand eine Rolle: Es bedarf genügend Fahrzeuge und zusätzliche Mitarbeiter, die vielleicht bereit sind, einen Teil des freien Wochenendes zu opfern. Oder aber für diesen Tag vom Dienst befreit zu werden, was wieder zu Lasten anderer Kollegen geht. Keine einfache Aufgabe und für Außenstehende auch nicht immer zu verstehen.

Zudem hat uns die Leistungsdichte des Turnieres dazu bewogen, nur noch eine Mannschaft ins Rennen zu schicken. Speziell die Teams von Westfalenfleiß Münster spielen zwar einen guten Ball, legen aber auch einen Ehrgeiz und bisweilen eine Aggressivität an den Tag, die völlig konträr zum Grundgedanken dieses wunderbaren Turnieres steht. Während der Siegerehrung ließ der Turnierleiter dann auch gewohnt nonchalant seine Kritik daran durchblicken. Eine zweite Mannschaft von uns gemeldet, wäre also nur ein vielzitiertes “Kanonenfutter” gewesen.

So aber konnten wir in unserer Gruppe wirklich gut mithalten (Es wäre schlichtweg gelogen, zu behaupten, wir würden auch nicht gerne gewinnen) und in der Gruppenphase die komplette Ergebnispalette abdecken: Niederlage, Unentschieden und Sieg bedeuteten aufgrund des Torverhältnisses Platz drei. Somit gab es im Gesamtklassement ein Platzierungsspiel um Platz 9 oder 10. Ein tolles Spiel aller Beteiligten wurde mit 3:1 erfolgreich gestaltet. Ein schöner Erfolg und alle waren zufrieden. Zudem war jeder Spieler im Laufe des Turnieres auf dem Feld.

Beeindruckend gut und vor allem sympathisch organisiert, einmal mehr das Drumherum. Viele Helfer sorgten für einen reibungslosen Ablauf und auch für das leibliche Wohl wurde selbstredend gesorgt. Highlight hier die Frikadellen! Fast so gut wie die an der Hafenstrasse zu Essen, und das soll was heißen! Wir kommen im nächsten Jahr gerne wieder.

A Walk In The Park

Am Dienstagabend hat der RWE im Ludwigspark zu Saarbrücken dem Tabellenführer aus dem Saarland einen Punkt abgetrotzt. Trotz großem Einsatz bis über die Seitenauslinie hinaus und weiteren spielerischen Fortschritten (Kick & Mölders scheint passe`) blieb der große Wurf in Form von drei Punkten aus.

Das komplette Spiel konnte ich via Fanradio des 1.FC Saarbrücken und dem Urgestein dieses Genres, Radio Hafenstrasse verfolgen. Wunderbar, mit welchem Engagement auch die Spiele der unteren Ligen so dem Fan präsentiert werden. Der gelegentliche Vorwurf an die Moderatoren von “RH”, in der Ausdrucksform näher an einer Synchronisierung diverser Horizontalfilmchen denn an der Berichterstattung eines Fußballspiels zu liegen, konnte korrigiert werden. Im direkten Vergleich wusste für mich an diesem Abend aber das Fanradio des FCS zu überzeugen.

Sportlich bleibt die Erkenntnis, mit dem Ligaprimus mithalten zu können, weiterhin unbesiegt zu bleiben und in der Abwehr recht stabil zu stehen. Das lässt hoffen für die nächste Saison, sofern die Mannschaft eine solche bleiben darf. Das kommende Wochenende steht nun ganz im Zeichen der Aktionen rund um ein neues Stadion. Der Dank für das Bild des Ludwigspark geht an diese Adresse.

Fußball ist mehr, als 11 gegen 11

Irgendwann im Verlaufe dieser Tagung fiel dieser Satz. Ein Satz mit Tiefgang. Schließlich ist Fußball nicht nur das Spiel auf dem grünen Rasen, und im Falle unseres Wittekindshofer FC hebeln wir auch oft die klassische Spielvariante, abhängig von der Zahl der anwesenden Spieler/innen aus. Eine Tagung, die da hieß: “Für eine Kultur der Anerkennung – Soziale Integration im Fußball”. Angeboten und durchgeführt durch die Deutsche Akademie für Fußballkultur und der Stadt Hannover. Eine Tagung, die privat und beruflich gleichermaßen von Interesse war und durch das Einschreiben in den Workshop 3: “Behindert – ein Hindernis?!” belegt wurde. Eine Tagung auch, die mich zwei Tage lang ob ihrer Professionalität stets in Erstaunen und Verzückung gleichermaßen versetzte.

Mit der vierten Tagung hat diese Veranstaltung nicht nur die Probephase überstanden, sondern auch die DFL als Partner gewonnen. Nach der offiziellen Begrüßung durch den Hannoveraner Oberbürgermeister Stephan Weil und Willi Hink als Vertreter des DFB gab es Vorträge von Persönlichkeiten, die ob ihres Wirkens von dem ein oder anderen Fußballfan durchaus kritisch beäugt werden. Aber, Martin Kind warb heute nicht für die Abschaffung der 50+1 Regel, sondern präsentierte sich in einer launigen Rede dem Thema angemessen und sehr sympathisch. Auch “Fanprofessor” Gunter Pilz schuf keine neuen Begrifflichkeiten a`la “Hooltras”, sondern bot einen sehr interessanten Rückblick auf die vorangegangenen Tagungen.

Den inhaltlich wertvollsten Vortrag bot für mich aber der Geschäftsführer der von-Laer-Stiftung und Aufsichtsratsmitglied des DSC Arminia, Wilfried Lütkemeier. Kernthese: “Nur ein ganzes Dorf erzieht einen Menschen” oder auch “Die Gesellschaft provoziert Ausgrenzung”. In diesem Zusammenhang auch seine kritische Bemerkung, dass die Vereine selber Aggressionen schüren, wenn sie die Fans in viel zu kleine Blöcke hinter Gitter sperren.

Unser Workshop wurde dann von zwei Vertretern der DFL und einer Vertreterin der Special Olympics moderiert. Die drei ließen von Beginn an keinen Zweifel daran, dass hier bis zum nächsten Tag Ergebnisse zu erzielen waren. Die gab es dann auch, nicht zuletzt eben Dank dieser engagierten Moderatoren. Explizit hier nun auf die Ergebnisse und Gedanken einzugehen würde den Rahmen sprengen. Wer aber Interesse an Behinderte im Sport, barrierefreie Stadien und sonstige Tagungsinhalte hat, der ist über das “Vereinsheim” herzlich willkommen.

Der Präsentation der Ergebnisse aller Workshops habe ich mich am nächsten Tag zwischendurch entzogen, war mir doch ein Gespräch mit einem Tagungsteilnehmer und Vertreter der Brigade Nord wichtiger. Interessante Einblicke in das Verständnis eines Ultras. Nach den Ergebnissen war vor dem Spiel, und so galt es noch der Einladung von Martin Kind zu folgen, der uns Karten für das Spiel seiner 96ziger gegen Eintracht Frankfurt zur Verfügung stellte. Das erste Mal im Leben ein Stadion mittels VIP Karte zu betreten, durch ein Bändchen einer anderen Kaste zugeteilt zu werden, das waren ganz neue Erfahrungen, lukullische Inklusive. Und doch so abgetrennt, so dass ich vorsichtshalber gefragt habe, ob wir denn nun auch allein ins Stadion dürften. Will sagen: Für einmal war es ein ganz tolle Sache, und die Plätze im Stadion vom Feinsten, aber immer müsste ich das nicht haben, denn hier fehlen einfach Emotionen.

Trotzdem ein überaus gelungener Abschluss einer intensiven Tagung, die den Wunsch der Organisatoren nach Nachhaltigkeit mehr als erreicht hat. Es gibt noch sehr viel zu tun, wollen wir wirklich und nachhaltig unsere behinderten Mitmenschen in unser scheinbar normales Leben einbeziehen. Wenn wir aber nur einiges von dem umsetzen und intensivieren können, was wir an diesem Wochenende erarbeitet haben, so kommt es denjenigen zugute, die genauso und vielleicht noch mit viel mehr Herzblut Fußball- und Sportfans sind.

Scheibchenweise

Was in den oberen Ligen durch das Diktat des Fernsehens erfolgt, erledigt in den unteren Ligen zur Zeit der Winter: Die Spieltage als solches existieren kaum noch, irgendeine Mannschaft hechelt immer hinterher, sofern sie denn überhaupt spielen kann. In der Spitze drei Spiele Unterschied trennen die Teams voneinander, neun mögliche Punkte also, die in den Hochrechnungen der Fans in die Waagschale geworfen werden können.

Morgen Abend ist dann der RWE wieder an der Reihe und es gilt, das ursprünglich für Samstag angesetzte Heimspiel gegen den Bonner SC nachzuholen. Samstag wäre ich vor Ort gewesen, Morgen ist es kaum machbar. Um bei der Salami zu bleiben: “Tolle Wurst”. Ein Erfolg würde den vierten Sieg in Folge bedeuten, und auch die Defensive steht endlich, gab es in den letzten drei Spielen nicht ein einziges Gegentor. Nicht zuletzt ein Verdienst des Mannschaftskapitäns Denny Herzig, der hinten kompromisslos zu Werke geht, lautstark die Mannschaft dirigiert und seit neuestem auch Gefahr vor dem gegnerischen Tor ausstrahlt. Attribute, wie gemacht für einen Publikumsliebling an der Hafenstrasse.

Sollte also Morgen das neu gewonnene Mannschaftsgefüge vielleicht erneut erfolgreich sein, die Teams über dem RWE in den direkten Duellen……vor Wochen habe ich dem 1. FC Saarbrücken schon zur Meisterschaft gratuliert, nun gilt es einfach mal zu gucken, was rein rechnerisch noch gehen könnte. Träumen darf man als Fan immer. Wer übrigens nicht von von den Spielen als solche, sondern auch von der dazugehörigen Wurst träumt, dem sei diese geschmacklich wertvolle Seite empfohlen. Aber bitte mit Senf.