Herrschaftszeiten

Hätten wir am vergangenen Samstag doch bloß nicht gespielt. Was war es doch wieder alles schlecht. Wieder eine Niederlage. Wieder Klagelieder in den rot weissen Foren der Republik. 
Sind die Besucher einer Loge nur deshalb nach draussen „gestürmt“, weil sie drinnen die Ruhe nicht mehr ertragen konnten; Haben daher die Haupttribüne zu Gegenmaßnahmen in Form alter Gassenhauer animiert? Man weiss es nicht. Und dabei würde es uns doch besser gehen, wenn wir es wüssten.
Schließlich müssen wir Fußballfans dieser Tage schon in der Ungewissheit zu Bett gehen, welchen Weg ein Dortmunder Spieler eines Tages einschlagen wird. Wir haben abzuwägen, was Originalfußball und was Plagiatsgekicke darstellt. Ab wann ein Traditionsverein eben ein Traditionsverein oder doch nur Schalke ist. 
Wäre ja alles zu verkraften, würde doch unser eigener Verein nicht so langsam aber sicher verlieren. An Atmosphäre. Das Spiel gegen Bergisch – Gladbach wurde übrigens mit 4:1 gewonnen. Toll, oder ? Vier Tore, Drei Punkte. Zudem als gefühlter Kaltstart nach den ganzen Spielausfällen der letzten Wochen. Man sollte also mehr als zufrieden sein. 
Aber, es fehlte dem Spiel durchaus irgendetwas. Irgendetwas, was den berühmten Funken auf die Tribüne und die Fans auf selbiger hüpfen lässt. Trotz schöner Tore, eines gar als Bewerbungsschreiben zum Tor des Monats. Trotz einiger Momente, in welchen sich unsere Abwehr höchst instabil präsentierte. Zuzüglich gefühlter Selbstgefälligkeit, mit welcher einige Zeit nach der Führung agiert wurde. 
Unser Glück, dass der Gegner insgesamt zu bieder agierte, um die eigene Nachlässigkeit zu bestrafen. Somit war es einfach auch ein Spiel, das einfach mal keine große Atmosphäre an einem flachen Samstag Nachmittag zuließ. Vielleicht hilft hier Akzeptanz, dass es so ist, wie es ist. Und, so schlecht war es doch gar nicht. Subjektiv betrachtet. Es wurde doch gesungen.
Zumindest nicht so schlecht, dass hier nun wieder Fangruppierungen, Standorte, offene Ecken, Sitzschalen und Stehbeton in den verbalen Ring geworfen werden. Herrschaftszeiten, wir spielen Regionalliga, gegen einen Gegner, der nun nicht zu den Schwergewichten der Fußballwelt zählt (Das bitte nicht als Respektlosigkeit zu verstehen), das Spiel bot trotz des guten Ergebnisses keinerlei Aufreger, und dann ist das einfach auch mal so. 
Auch die Stehtribüne  allein wird mit Sicherheit nicht sofort zu einer Verbesserung der Stimmung beitragen, so dass alle zufrieden sind. Spielt der RWE auch in der nächsten Saison noch Regionalliga, richtet sich der Blick von der neuen alten West dann noch mehr in ein weitestgehend leeres Stadion, kann sich stimmungstechnisch kaum an Auswärtsfans hochgezogen werden. Es wird also weiterhin schwierig bleiben, ein steiniger Weg hin zu Mythos reloaded. 
Wenn wir aber daran selbst etwas ändern wollen, dann geht das nur im Stadion. Egal, ob sitzend oder stehend. Zumal rein rechnerisch sportlich noch alles im Bereich des Möglichen ist. Das nun ausgerechnet Sitzschalen kein Argument mehr gegen Stimmung darstellen, zeigt noch ausgerechneter ein Beispiel aus dem ehemals gelobten Land! 
Bei Crystal Palace FC, einem Londoner Zweitligisten und Bruder im Insolvenzgeiste tut sich seit einiger Zeit etwas, was den Gestrengen im Lande sicher die Augenbrauen zusammenziehen, das Herz vieler Fans aber höher schlagen lässt. Und das in einem reinen Sitzplatzstadion. Ab der 6. Minute wird es atmosphärisch mal ganz dicht. Apropos „Dicht“: In der Loge wurde einfach nur ein rot weisser Geburtstag gefeiert und keine Protestbewegung gegründet. Uns geht es doch gut!

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