Monatsarchive: Februar 2013

Spielüberbrückung

Als Kuddel seine Kutte trug, ihn keiner nach dem Wege frug. Stand es doch auf seinem Rücken: Kuddels Kutte wird die Hafenstraße schmücken.
Die Kutte zeigt ein Unikum, wölbte sich um manch Bauch herum. Oft getragen, aus der Mode gekommen; Ist Fußballkultur, unbenommen.
Heute trägt die Kurve schwarz, Sonnenbrille, Bauchtasche! Trikot, Schal, die Bierflasche!  Und ist doch eine Gerade. Schade.
Aber eines weiss der Kuddel ganz gewiss: Früher wurd‘ gespielt, gab`s nicht so viel Geschiss. Die Haare voll und heute licht, schon vor dem Spiel annähernd dicht. 
Nach dem Spiel die Kutte in den Schrank, öfter mal am Montag krank. Alles total Latte, wenn er denn die Punkte hatte. 

Die Leichtigkeit des Seins

Wann haben Sie eigentlich das letzte Mal ein Fußballspiel über 90 Minuten verfolgt ? Ja, Sie meine ich. Und mich. Und die Funktionäre. Überhaupt alle, die wir mit einem Telefon moderner Prägung in das Stadion gehen oder mit selbigem vor dem Fernseher sitzen. Laptop auf dem Schoß. 
Vor dem Spiel noch schnell und voller Freude markiert, an der schönsten Hafenstraße der Republik zu sein, folgen noch einige Schnappschüsse. Gelegentlich ein letzter Gruß an die Daheimgebliebenen. Oder auch „Wink einmal“ Aufforderungen an Freunde, Bekannte und Verwandte, welche sich ebenfalls im Stadion befinden. Markiert und geortet. 
Die Mannschaften laufen auf, gewohntes Ritual, nicht mehr zwingend zu dokumentieren. Es sei denn, ein Verein mit großer Fanbase ist zu Gast, vielleicht sogar blau. Dann gilt es natürlich, jegliche Regung im gegnerischen Block einzufangen. Zu sehen spätestens zwei Minuten nach Abpfiff auf bekannten Portalen, versehen in der Regel mit martialischen Überschriften. Aus dem Rauch einer einzelnen Zigarette kann dann schon mal „krasse Rauchaktion der Rotterdamer, bevor sie die Senftuben demolierten“ werden. 
Gut, soweit das Procedere vor dem Anpfiff, natürlich haben auch wir fleissig dokumentiert, getwittert oder noch Mama angerufen: Mama, mach Dir keine Sorgen, die Verler sind nicht schlimm. Definitiv ganz wichtig: Ein Foto der Frikadelle. Wer weiss, wozu man das eines Tages noch benötigt. Alles im Auftrag des Auftrages! Es ist übrigens gar nicht mal so einfach: Die Frikadelle in der einen, das Handy in der anderen Hand, und mitbekommen soll es ja nun auch nicht jeder. Einige gehen ja wirklich noch ohne Handy in ein Stadion, um Fußball zu gucken. 
Endlich der Anpfiff, das Handy kann erleichtert in der Hosentasche versenkt werden. Um es direkt wieder hervorzuholen und reflexartig zu eruieren, ob sich auf den anderen Plätzen schon etwas getan hat. Schließlich wird auch dort schon seit zwei Minuten gespielt. Da aber nun viele Menschen immer wieder zeitgleich auf ihr Display starren, erstarrt bisweilen das Netz und bricht entsetzt zusammen. Zuviel der Belastung. 
Dummerweise führt das aber auch nicht dazu, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren, sondern bewirkt nun das Gegenteil: Panisch wird das Display immer wieder nach denjenigen Balken abgesucht, die den Weg zurück in die Sozialisation bedeuten. Manch einer fühlt sich gar wie Di Caprio auf der Titanic: Erst König der Welt und was ist ? Abgesoffen! 
Das wir nun  das bislang einzige Tor verpasst haben ist aber nicht tragisch: Wir hoffen auf den einen mit Empfang und guter Auflösung.  Der Halbzeitpfiff erlöst uns nun von dem Zwang, ständig im Akkord die Hosentasche zu besuchen. Was bleibt ist momentan die Frage, warum es keinem gefällt, dass ich im Stadion bin. Wofür poste ich das denn dann überhaupt? 
Aber telefonieren lässt es sich nun, stört doch gerade kein Spiel. Ehrlicherweise müsste somit die Antwort auf die Frage nach dem bisherigen Spielverlauf mit „Also was ich gesehen habe….“ beginnen. Ist aber auch nicht so wichtig. Es gibt für alles ein App. 
Zum Glück sind wir modernen und smarten Fußballfans nicht allein: Konzertbesucher können ein Lied davon singen, dass ständig jemand mit einem Handy vor dem eigenen Display herumfuchtelt und  die Sicht auf die Bühne versperrt. 
Der Vorsatz für das nächste Fußballspiel aber steht. Bleibt das eigene Handy dann aber wirklich ausgeschaltet? Man weiss es nicht. Ein Versuch ist es wert, ich möchte mich nicht mehr selbst stressen und dabei das Spiel verpassen. 

Zur Lage der Drainage

Mahnende Worte rieten davon ab, sich noch einmal mit dem verlustreichen Wasserballett zu beschäftigen. Zudem das Problem ja gefunden zu sein scheint. Der Abfluss war wohl verstopft. Dieser sollte aber nun schnellstens befreit werden! Jede weitere Platzproblematik würde zu einer Posse werden, die Schuldfrage sicher fein hin- und hergeschoben. 
Ungemach allenthalben wäre die Folge. Das nun auf einem Rasen mit Hightech Unterbau der Ball steckenbleibt, oder erst gar nicht rollt, darf einfach nicht sein. Dafür war er letztendlich zu teuer. Gutachter, Regressanforderungen, Referenzen…. auch diese Dinge interessieren den emotional agierenden Fan nämlich in keinster Weise wenn das Spiel ausfällt, oder eines dadurch verloren wird. Schnell ist dann wieder alles Scheiße und war im GMS alles besser. 
Auch ohne Fußbodenheizung. Der bange Blick in Richtung kommendes Spiel sollte ausschließlich auf die Tabelle und den Gegner gerichtet sein. Nicht in den Himmel, auf die Wetterprognose oder das Spielfeld. Und dass der RWE vor Wut in die Loge beißt, wenn wieder ein Spiel ausfallen sollte, das dürfte doch hoffentlich einem jeden klar sein. Einmal mehr die dringliche Bitte, hier an einem Strang zu ziehen und alles so zu verifizieren, dass auch der letzte Fan merkt, hier sprechen alle mit einer Sprache und versuchen den Ball am Laufen zu halten. 
Den Ball halten sollen andere. Damit das auch gut klappt, hat der RWE einen weiteren Torhüter verpflichtet. Nun dürfen nicht alle Vier zugleich das Tor hüten, hat der Trainer somit die berühmte Qual der Wahl. Eine brisante und auch wieder für den Fan hochemotionale Wahl zugleich. Feldspieler sind da im wahrsten Sinne des Wortes austauschbarer. Der Torwart steht da hinten im Fokus, mal Held mal Tor. Den muss er haben oder daran konnte er nichts machen. Schwierige Position, die ein starkes Nervenkostüm und entgegengebrachtes Vertrauen voraussetzen. 
Der eine nun ein Elfmeterheld, welcher uns in den Europapokal gebracht hat, im Alltag in seinen Leistungen bisweilen nicht stabil genug. Der andere, als Alternative akzeptiert, da ein Kind der Stadt und mit guten Leistungen aufwartend, verlässt den Verein. Sicher wissend, worauf er sich da einlässt. Der Dritte im Bunde tauchte noch nicht so im Flutlicht auf, sicher auch ein Meister seines Faches. So deutet alles darauf hin, dass zur kommenden Saison hin „der Neue“ zur Nummer 1 aufgebaut werden soll. 
Allen Beteiligten an diesem Prozess kann dabei nur ein glückliches Händchen gewünscht werden. Inklusive der Tatsache, dass wir Fans sowieso zu allem unseren Senf dazugeben! Wobei wir dann auch noch selten zufrieden zu stimmen sind, untereinander natürlich stets chronisch uneins. Aber, das gehört dazu. Denn selbst, wenn wir noch heute aufsteigen, einen Knipser „de luxe“ bekommen, Fortuna Köln 9:0 schlagen sollten. GVE oh je oh je, Rasen ole`ole`…. also wenn alles passt und unsereins zufrieden nach Hause gehen könnte, selbst dann finden wir noch etwas zu meckern. 
Wenigstens hat die Infiltration des aktuellen Trainers bei unseren nördlichen Nachbarn funktioniert. Und wenn er seinen Job gut macht, dann klappt die Spielklassenannäherung in kleinen Schritten. Nun aber weg von Ironie und Unverständnis und den Ausblick auf das kommende Spiel wagen: 
Die Kölner Fortuna ist hier klarer Favorit auf den Relegationsplatz. Um dieses Spiel zu bestehen und mit einem Erfolg doch noch das kleine Fünkchen Hoffnung zu erhalten, bedarf es nicht nur eines guten Rasen, eines haltenden Torwartes und bedingungsloser Unterstützung von den Rängen: Es bedarf vor allem eines: Nur der RWE! Und zwar zusammen. Alle wie und die wir Samstag da sind.

Pack die Badehose ein….

Strömender Regen von oben, im Stadion unten sattes, durch die Flutlichter geradezu fluoreszierend wirkendes Grün. Am Empfang wurden die Regenschirme abgegeben und die Vorfreude auf das Fußballjahr 2013 mit auf die Plätze genommen. Die alten Bekannten begrüßt und sich gegenseitig zum 106. Geburtstag gratuliert. 
Mit dem Anpfiff aber blieben nicht nur Stauder und Frikadelle vor Schreck im Hals stecken, sondern der Ball im Wasser. Erst jetzt offenbarte der Platz, dass ein vernünftiges Fußballspiel an diesem Abend nicht zustande kommen wird. Während die Spieler nun in den Anfangsminuten darum bemüht waren, den Ball aus den Wasserpfützen rund um den Mittelkreis zu bekommen, konnte eigentlich nur ein Spielabbruch die logische Konsequenz sein. 
Es ging aber weiter und somit sollte an diesem Abend den Spielern das Seepferdchen abgenommen werden. Diese bestanden die Prüfung erstaunlich schnell und gut, wurde doch das Kurzpassspiel weitestgehend eingestellt um sich auf hohe und weite Bälle zu konzentrieren. Die dann, auf dem Rasen gelandet, nicht immer für die Spieler zu erreichen waren, zu schnell dann das Tempo. Sofern man denn nun von einer „Spielhoheit“ sprechen konnte, so hatte der RWE diese durchaus und versuchte so etwas wie eine Art geordnetes Spiel aufzuziehen. 
Die Ballmotorik hatte aber durchaus eigene Vorstellungen, wie nun auf diesem Boden zu verfahren sei. Was somit auch dem SC Verl immer wieder gefährliche Aktionen in Richtung RWE Tor ermöglichte. In der Summe gilt es daher zu konstatieren, dass das Geburtstagskind vielleicht etwas mehr vom Wasserballett hatte, die Gäste aber die wesentlich besseren Chancen und den flüssigeren Zug zum Tor. Nur ein glänzend aufgelegter Hendrick Bonmann im Tor verhinderte schon eine frühzeitigere Gästeführung. 
Je länger also nun das feuchtfröhliche Treiben andauerte, um so klarer wurde dem Fan am Beckenrand der Ausgang dieser Veranstaltung. Das ist die Crux vieler langjähriger Spielbeobachter: Man ahnt nicht nur den Endstand, sondern man kann ihn fast immer nach einigen Minuten voraussagen. Selbst bei einer solch unberechenbaren Veranstaltung. 
Und doch ist den Spielern der rot weissen eigentlich kein Vorwurf zu machen, ausser vielleicht dem, es nicht öfter mit Schüssen aus der zweiten Reihe versucht zu haben. Einsatz und der Versuch, etwas Ordnung in das Spiel zu bringen, passten wie so oft. Auch am Beckenrand wurde dieses honoriert, gab es nach dem Gegentor nicht wirkliche Unmutsäußerungen, sondern weiter Anfeuerung. 
Letztendlich ein Fußballabend, wie ihn keiner braucht. Ein Geburtstag, an dem andere die Kerzen auf dem Kuchen ausgeblasen haben. Sicher aber auch ein Abend, an dem Regen beiden Mannschaften ein wirkliches Spiel verhinderte. Keiner konnte davon ausgehen, dass dieser in dem Maße zunehmen würde, wie noch vor Spielbeginn. 
Für die Euphorie und Vorfreude auf einen spannenden weiteren Saisonverlauf natürlich ein Schlag ins Kontor aller rot weissen. Aber, nach dem Spiel ist vor dem Spiel und nun gilt es, weiter trocken hinter den Ohren zu werden.