Monatsarchive: September 2019

Kulinarische Körperintelligenz.

Der Niederrheinpokal und seine zweite Runde: Aus Rot-Weissem Selbstverständnis wohl eher eine Mischung aus Testspiel und Zahnwurzelbehandlung. Schließlich bedeutet die automatische Teilnahme am unterklassigen Pokal stets auch, nicht hochklassig zu spielen. Was ja an sich schon ein Affront ist. Leider jedoch wurde der Niederrheinpokal in der letzten Dekade zu unser täglich Brot. Potentielle Testspiel- oder früher eher belächelte Gegner wurden zu Pflichtspielgegner. Namenhafte Fußballstädte wurden bespielt, statt auf den VfL oder den MSV traf man dort leider „nur“ auf den 1.FC oder den HSC.

Bisweilen hatte man Gefühl, die Auslosungen erfolgten bestimmten Regularien, wie zum Beispiel dem Prinzip, dass sich erst alle Essener Vereine eliminieren, bevor es auswärts geht. Die Zuschauerzahlen hielten sich dabei stets in Grenzen; der „Szene“ war ein aktiver Besuch höchstens ab Halbfinale nebst namenhafter Gegner einen lautstarken Besuch wert. Manchmal aber,  ja manchmal bescherte uns dieser eher ungeliebte Wettbewerb auch epische Spiele. Epische Halbfinals wie gegen den MSV Duisburg und erfolgreiche Finalspiele gegen RWO und den WSV zum Beispiel. Somit auch ab und an ein Ticket für den wirklich wichtigen Pokalwettbewerb, für den wir uns eigentlich und von Haus aus gerne ständig qualifiziert wissen wollen.

Recherchiert man die letzte Dekade an Zweitrundengegnern, so kommt man einerseits zu der Erkenntnis, dass unser aller RWE stets weiterkommen konnte. Andererseits waren die Spiele auch von scheinbar so untergeordneter Bedeutung, so dass lediglich dass Spiel vom 09.10.2009 beim Hamminkelner SV insoweit aktenkundig ist, so dass neben dem Ergebnis von 4:0 für den RWE auch eine Zuschauerzahl von knapp 2.000 Fans ermittelt werden konnte.

Für die weiteren neun Zweitrundenspiele jener Dekade, egal ob in Rellinghausen, Twisteden, Kleve oder am Uhlenkrug zum Beispiel, ließen sich Zuschauerzahlen kaum ermitteln. Dafür bekommt man bei Eingabe der Partien Perlen der Internetrecherche zu lesen, wie zum Beispiel „Bürgerverein spendiert freies Planschen im Freibad Mirke“, „Bundeswahlleiter will Skandalseite stoppen“, „Bestes Schmerzmittel gegen Arthrose“ oder eben auch „Kulinarische Körperintelligenz“. Man ahnt: Suchmaschinen interessieren sich nicht wirklich für einen unterklassigen Pokalwettbewerb.

Heute Abend jedoch, da wird mal wieder alles anders. Da bekommt ein Zweitrundenspiel eines unterklassigen Pokalwettbewerbs eine Aufmerksamkeit, wie sie nicht einmal manch Zweitligaspiel vergönnt ist. Medial vielleicht, aber auf den Rängen sicher nicht. Es wird also doch richtig gelost und nicht zugeordnet, hätte es die Partie RWE – KFC Uerdingen ansonsten kaum zu diesem frühen Zeitpunkt gegeben.

Der Vorverkauf, er ist gut angelaufen und lässt auf eine gute Kulisse hoffen. Ob es wirklich fünfstellig werden wird, dass vermag, kurz nach Mitternacht, noch keiner zu sagen; definitiv jedoch wird es die größte Kulisse sein, die jemals einem Zweitrundenspiel im Niederrheinpokal beiwohnen wird. Und ebenso definitiv bewahrheitet sich aktuell, dass der RWE ein schlafender Zweitrundenriese ist. Aktuell könnte der RWE selbst gegen Eintracht Nordhorn spielen, und die Hafenstraße wäre gut gefüllt. Man hat wieder Lust auf den RWE! Mir doch egal, wer da kommt, aber ich will die Mannschaft sehen. Und heute kommt nicht einmal irgendwer, heute kommt mit dem KFC Uerdingen ein Drittligist.

Numerisch und auf dem Papier daher Außenseiter, kann man im Gegenzug aber mannschaftliche Geschlossenheit, Flutlicht, Hafenstraße und gewiTITZte Einwechselungen in die Pokalwaagschale werfen. Es wird ein spannender Abend anne Hafenstraße 97a. Es kribbelt grad so schön, wir sollten daher jede Minute mit unseren Rot-Weissen genießen.