Monatsarchive: August 2019

Leserbrief, die Frühstückslektüre.

Es gibt ja schon erste Stimmen, denen der aktuelle Zuschauerschnitt an der Hafenstraße Kummer bereitet, da man sich möglicherweise von Erfolgsfans umgeben sieht. Ich denke, es ist noch verfrüht, um von Erfolgsfans zu sprechen. Und wenn doch….ja warum soll sich denn keiner ganz frisch und unverdorben von unserem RWE angezogen fühlen? So viele Jahre wurden die alten Fans aus dem Stadion gespielt, da wäre es doch schön, wenn sich überhaupt noch jemand angespielt fühlt, anstatt reflexartig zur Bayern oder Dortmund Bettwäsche zu greifen. Und bevor die nächste Stufe die ist, dass sich auch noch Rasendosendoof in heimischen Schlafzimmern breit macht, dann doch bitte lieber ehrliches Bier statt ekeliger Brause.

Aber, um direkt wieder zu deeskalieren: Der aktuelle Zuschauerschnitt beinhaltet meiner Meinung nach nicht einen einzigen Erfolgsfan! Die aktuelle Mannschaft hat sich lediglich langjährige Fans zurückerspielt und gibt sie hoffentlich nicht so schnell wieder auf. Erst wenn an der Hafenstraße die Lücken bebaut werden, dann hält auch der Erfolgsfan Einzug in die Selbsthilfegruppe 97a. Und dann sollten wir alle sie sozialisieren. Darauf vorbereiten, dass Erfolg und Freude bei Rot-Weiss Essen im Anschluss auch eine lange Leidensphase bedeuten kann. Und wer dass dann mitträgt, ja Mensch, da freut sich sicher auch der olle Melches einen Pin in die Wolke.

Es gibt aber auch diejenigen, die mit Rot-Weissen ganz alter Schule das Leben teilen und nun endlich aufgehört haben, sich zu wehren. Sind mit an die Hafenstraße und haben einen schönen Abend gehabt, wie diese Mail im Anschluss belegt. Und da diese auch noch so herrlich geschrieben ist, darf ich sie mit Erlaubnis der Verfasserin hier veröffentlichen. Zeit zu schmunzeln. Auch das relativ neu rund um unseren RWE!

Hallo Herr,

heute habe ich in der NRZ ihren Kommentar „Mythos Hafenstraße 97a“ gelesen und was soll ich sagen?

Nur der RWE! Was sonst?

Das muss „Frau“ nur erst mal verstehen.

Vor Jahren hätte mir das mal einer erzählen sollen, dass ich als Essen-Stadtwälderin mal in Borbeck wohne und nen Rot-Weissen heirate. Das ist das eine.

Das andere, dass ich damals auch nie geglaubt hätte, mal mit einer Flasche Stauder in der Hand vor dem Hafenstübchen zu stehen und die Massen zu sehen, die sich Richtung Stadion bewegen. Selbstverständlich auch mit lecker Stauder in der Rechten. Wie der Gang zur heiligen Messe, nur besser besucht.

Vor dem Stadion noch schnell eine kurze fuffzehn ergattern. Der Rentner vor mir sagt lautstark: „Ey Nobby gib ma eine, ich muss noch kacken“. Nee is klar. Hier wird das wichtigste auf den Punkt gebracht. Daran muss ich mich erst noch gewöhnen.

Gegen Wattenscheid am letzten Freitag „musste“ ich mit. Jahrelang habe ich mich widersetzt. Aber jetzt: Unser Sohn im Feriencamp und mein Ehemann hat schon Wochen vorher kleine Stiche gesetzt mich zu überzeugen mitzugehen. Gibt es eigentlich einen größeren Liebesbeweis einer Frau an ihren Angetrauten? Ich habe mich natürlich breitschlagen lassen. Nicht zuletzt, weil auch meine Berufskollegen auf mich eingeredet haben wie auf einen sturen Esel. Das darfst du dir nicht entgehen lassen und wenn du erst mal Stadionluft geschnuppert hast … So könnte ich es jetzt endlos weiterführen.

Und was soll ich sagen? Tolles Spiel, großartige Stimmung, eine grandiose Familie! Alles findet sich da harmonisch zusammen. Der Vater mit den Kindegartenknirpsen vor uns, denen ich eine Fanta mitgebracht habe und er es irgendwie nicht verstanden hat, dass die kids was trinken wollen und ich ihnen das Getränk einfach so mitbringe. Sagt der Mittvierziger neben uns: „Musse nich kapiern, so is dat halt bei Rot Weiss, nimmet einfach“.

Und ich komme natürlich wieder, keine Frage. Nicht ständig aber dann und wann. Die Jungs müssen ja auch etwas eigenes haben. Meine größte Sorge vorher, der Seuchenvogel zu sein, hat sich zum Glück nicht bestätigt.

Auf ein Neues

Nur der RWE

Mit besten Grüßen

SAABine aus Borbeck

(das ist natürlich mein „Künstlername“)

Möge nun unser RWE Ihr in Zukunft ein ebenso treuer Begleiter sein, wie der geliebte Saab in der Garage.

Heute, also gleich, geht es für viele einmal mehr in das nahegelegene Niederrheinstadion. Die letzten Jahre sportlich und atmosphärisch eher als Nullnummer verbucht, könnte es vielleicht doch mal wieder etwas werden mit dem ersten Dreier seit sieben Jahren. Ganz sicher sollte es etwas mehr werden an Gastfreundschaft und definitiv wenig an Pfeffer. Gesprüht natürlich nur. Das Spiel als solches darf ruhig mit ganz viel Pfeffer aufwarten. Am Ende zusätzlich mit einem richtigen Sahnehäubchen für unsere Rot-Weissen. Alles geben RWE!

„Denn es reist sich besser mit leichtem Gepäck“!

Es sind nicht immer die spannenden und toll anzuschauenden Fotos während der neunzig Minuten, um die aktuelle Gesamtgemengelage einer Mannschaft darzustellen. Hochwertige Einblicke in die Dynamik unseres so geliebten Fußballs allemal; aber sie zeigen das Spiel an sich und nicht das Zwischenmenschliche innerhalb einer Mannschaft. Wie sollten sie das auch können. Dafür gibt es die Fotos zwischen den Zeilen.

Die Fotos, wenn der Ball ruht; das Spiel kurz bevorsteht oder die Minuten danach. Schöne Minuten des gemeinsamen Jubels oder traurige Minuten nach einer Niederlage. Diese Fotos zwischen den Zeilen: Auch sie einer der vielen Kernkompetenzen der Fotografen, die für „Jawattdenn“ Spieltag für Spieltag einfangen. Seit dieser Saison dürften diese ihren ehrenamtlichen und unermüdlichen Einsatz am Auslöser so richtig mit Freude ausüben, durften sie bislang doch nur strahlende Rot-Weisse ablichten. Die Sonne scheint uns direkt aus dem Allerwertesten mitten in das Objektiv und öffnet geradezu das Herz der Hafenstraße.

Dieses „raue Pflaster“, welches nicht wirklich zimperlich mit seinen Helden umzugehen vermag, verrichten diese ihren Job nicht hart und erfolgreich zugleich. Dieses „raue Pflaster“ wird gerade fast zu einem Ort der Gemeinsamkeit, des Miteinanders und aktuell gelebter Herzlichkeit! Kehrt zurück zu den Wurzeln, zu diesem „Ihr für uns und wir für Euch“. Unter den Fans, gerade älteren Datums, platzen gerade reihenweise Knoten, werden Böcke umgestoßen und Kühe vom Eis geholt. Da wird auf den Rängen mindestens genau so malocht wie auf dem Rasen. Die Fußballunterschicht macht sich momentan mal wieder schick und begibt sich auf eine gemeinsame Reise, die in punkto Hoffnung auf was Besseres vielleicht länger anzuhalten vermag als noch vergangene Saison.

Genießen wir also den Augenblick und bleiben optimistisch, auch wenn mal ein Rückschlag kommt. Denn erst dann wird sich der wahre Wert des neuen Miteinanders zeigen. Aber, zurück zu den Fotos zwischen den Zeilen: Mein Lieblingsfoto der aktuellen „Jawattdenn“ Strecke ist jenes, wo ein versonnen dreinblickender Trainer auf dem Rasen inmitten einiger Kinder und Jugendlicher sitzt und lächelnd dem Treiben auf der „West“ zuschaut. Vielleicht auch darüber schmunzelt, wie sich ein Marcel Platzek so auf dem Vorsängerpodest macht. Ein feines Gespür der dort ihren Job verrichtenden übrigens, „Platzo“ hochzubitten. Schöne Geste für einen Spieler, dem aktuell etwas das Fortune fehlt.

Andere tolle Fotos zeigen, dass dort schon eine Mannschaft inmitten vieler Kindern auf dem Rasen sitzt als lediglich eine Belegschaft, die erst vor kurzem gemeinsam die Arbeit aufgenommen hat. Es scheint zu stimmen. Es wirkt entspannt. Spannend dann aber vor einem Spiel die jeweilige Aufstellung. Christian Titz hatte bislang noch in jedem Spiel eine Überraschung parat und rotiert bisweilen mit einer Verve, so dass man ihn fast für einen Vertreter der Rotarier halten könnte. Aber, der Erfolg gibt ihm Recht und da die frischen Spieler auch noch in schöner Regelmäßigkeit treffen: Das riecht nach Geheimrezept.

Kein Geheimrezept dagegen gab es auf der „West“, als der verdiente Glückwunsch an 15 Jahre „Jawattdenn“ präsentiert wurde. Keiner konnte doch ahnen, dass justament ein Tor für den RWE fiel und die Glückwünsche somit schwer zu halten waren, da alles durcheinander purzelte. Und doch war es das beste Geschenk, was diesem Fanzine zuteil werden konnte: Glückwunsch plus Tor! Danke „Jawattdenn“ für die vielen Jahre! Es gibt wohl kaum einen anderen Verein, der eine solch Konstante als Fanzine vorzuweisen hat. Und wenn man mal ganz ehrlich ist: Ein Erfolgsdingens ist Jawattdenn bei weitem nicht, gab es vorzugsweise schmerzhaftes zu berichten. Dies also auch ein Geburtstag, der Anlass dazu gibt, dass unser aller RWE endlich wieder auf die positive Seite des runden Leders zu kommen scheint. Dass sich aktuell etwas anbahnen könnte, was momentan ja auch diejenigen mitbekommen, die professionell über den Fußball berichten und sich auch den unterklassigen Fußball gerne als eigene Nische auf die Fahne schreiben.

So gab sich am vergangenen Freitag gegen den Nachbarn aus Wattenscheid ein Team von Zeiglers wunderbarer Welt des Fußballs an der Hafenstraße die Ehre. Der Kontakt gestaltete sich sehr nett, das Bekenntnis auch zur Liga 4 wirkte sehr ehrlich. Bleibt allein die Tatsache, dass sich „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“ nach diesem Abend in „Zeiglers waren in der wunderbaren Welt des Fußballs“ umbenennen möchte.

Es ist halt aktuell alles ein wenig verklärt, so rund um die Hafenstraße. Man mag es noch nicht richtig glauben, dass uns eine wirklich gute Saison bevorstehen könnte. Denn trotz aller momentaner Euphorie gilt es noch viele, viele enttäuschte Fans zurückzugewinnen. Eine ganze Dekade lang wurden Fans verloren. Gewinnt man diese nun sukzessive zurück, dann könnte dauerhaftes „fünfstellig“ auf den Tribünen bei anhaltendem sportlichem Erfolg keine Utopie bleiben. Holt der Verein jemals alle zurück und begeistert zudem neue Fans für dieses wundervolle Emblem, das kannste Dir nicht ausdenken. Aber noch ist es lange nicht soweit! Zuvor wartet kommenden Sonntag ein weiterer Nachbar: Einmal mehr geht es nach Oberhausen, in dieses für Gäste eher leider ungastliche Stadion. Was helfen könnte, wären mal wieder wieder drei Punkte dort.

Das wird ein weiteres, spannendes Wochenende. Ein Wochenende, an welchem man sogar Tupperwal die Daumen drückt. Was soll man sagen: Nur der RWE!

Love Will Keep Us Alive!

Während meiner kurzen Karriere als Jugendkicker war ich definitiv ein Unterschiedsspieler: Es machte überhaupt keinen Unterschied, ob ich mitspielte, oder eben nicht. Vielleicht auch das ein Grund für mein recht kurzes Leben als aktiver Fußballer.

Oguzhan Kefkir indes scheint aktuell einer dieser Unterschiedsspieler zu sein, für den diese relativ neue Fußballbegrifflichkeit erfunden wurde. Eingewechselt zur zweiten Halbzeit im Spiel beim SV Rödinghausen, gelang ihm direkt eine Minute später das so wichtige Tor zum Ausgleich und anschließendem Endstand. Der in der ersten Halbzeit noch fehlende Zug zum Tor war spürbar geworden, sorgte auch im weiteren Verlauf des Spiels noch für Torchancen, die in der ersten Hälfte noch Mangelware waren. Das natürlich ein Verdienst aller auf dem Feld befindlichen Rot-Weissen, ohne Frage. Es ist schön, dass wir eine richtige Mannschaft haben!

Zwar hatte unser aller RWE auch in der ersten Hälfte spielbestimmende Phasen, diese beschränkten sich aber ungefähr auf die ersten Minuten nach Anpfiff und die letzten vor dem Pausenpfiff. In der Zwischenzeit machte der SV Rödinghausen unseren Spielern das Leben auf dem Feld vermehrt richtig schwer und ungemütlich. Versäumte es glücklicherweise seinerseits jedoch, dem Führungstreffer in der 25. Minute ein weiteres Tor folgen zu lassen. Und dann war da ja auch noch ein Unparteiischer, welcher unseren Farben das Spielen bisweilen schwer machte. Gingen die Küchenjungs auf dem Feld doch recht robust zur Sache. Wir können froh sein, dass das Verletzungspech der letzten Jahre nicht direkt wieder zuschlug. Nee, das war schon recht aufreibend und untermauert die These der vergangenen Woche, dass der RWE keinesfalls die alles beherrschende Mannschaft der Liga sein wird.

Aber der RWE unterscheidet sich in dieser Saison trotzdem von dem der Vorjahre: Ein Rückstand ist keine Katastrophe mehr, sondern ein temporärer Zustand, der sich mit Ruhe und Vertrauen im Verlaufe des Spiels noch umwandeln lässt. Das alleine schon ein Mehrwert im Vergleich zu den vergangenen Jahren. Und doch wäre es natürlich erstrebenswert, seinerseits vermehrt in Führung zu gehen, diese auszubauen und gewinnbringend über die Zeit zu bringen. Ich könnte mir vorstellen, dass steht auch ganz oben auf der Agenda von Mannschaft und Trainerstab. Das Unentschieden unter dem Strich ein gerechtes Ergebnis.

Was nun auf der Agenda einer Zeitung stand, die vermehrt über den SV Rödinghausen berichtet, bleibt zumindest bezüglich der Vorberichterstattung ihr Geheimnis. Schlagzeilenträchtig wurde dort von Ausschreitungen geschrieben, die zu befürchten stünden, da möglicherweise der ein oder andere Fan des RWE ohne Karte anzureisen gedenkt. Die Verbindung „ohne Karte gleich Randale“ schon recht abenteuerlich, wurde unser Vereinskürzel wie ein roter Faden mehrfach falsch geschrieben. Ist das dann Nachlässigkeit? Provokation? Man weiss es nicht, aber der Anhang des „EWE“ hat sich allen Vorhersagen zum Trotze auf jeden Fall als guter Gast erwiesen. Im unsäglichen „Gästeblock“ wurde tapfer ausgeharrt und gesungen, auf der Tribüne bunt gemischt gefachsimpelt.

Dass der Sportplatz nun bei weitem nicht ausverkauft war, wurde wohl gerne in Kauf genommen. Schade eigentlich, denn wie sagte doch der Kommentator von Sporttotal: „Essen is everywhere“. Wer kann dem schon Wiedersprechen?

Den Platz an der Sonne hat man zwei Tage später trotzdem an eben jenen SV Rödinghausen abgeben müssen, der die (aufgrund der Teilnahme am DFB Pokal) verlegte Begegnung bei den Bergischen Gladbachern mal eben mit 4:0 für sich entscheiden konnte. Und dann wäre ja auch noch der Wuppertaler SV, der sich bislang komplett schadlos halten und sowohl uns als auch die Küchenjungs überholen könnte. Sofern im vierten Spiel der vierte Sieg gelingt. Also mit Familie Häcker und ihren Angestellten in Stutzen hatte ich definitiv gerechnet. Oberhausen und Aachen werden kommen, die Tante Lotte vielleicht auch noch. Aber dem WSV habe ich einen solch Start nicht zugetraut, nach all den finanziellen und personellen Turbulenzen. Da war doch alles ebenso im Tal, wie die geographische Lage. Die nächstens Wochen werden dermaßen spannend, man sollte ins Stadion gehen.

Leider nicht mehr in das Stadion gehen können diejenigen, die schon von uns gegangen sind. Aber sie können ab sofort unter Gleichgesinnten weiterleben. Das könnten sie sicher auch auf jedem Friedhof dieser Stadt; auf dem evangelischen Matthäusfriedhof in Essen-Borbeck jedoch können sie dies nun als Art postmortaler Fanclub. Im Schatten der Grabstätte der Familie Melches können zunächst bis zu achtzig Rot-Weisse ihre letzte Ruhe im Kreise von Gleichgesinnten finden. Unter Tage in Urnen und Särgen. Über Tage sorgen Devotionalien aus dem Georg Melches Stadion weiter für das  Gefühl, welches die Hinterbliebenen bestenfalls weiterleben. Vielleicht mag es für Außenstehende ein wenig befremdlich wirken. Aber, ich finde es eine wunderschöne Geste der Verquickung zwischen Leben und Tod. Rot-Weiss Essen gehört zu unserem Leben. Also gehört Rot-Weiss Essen auch nach diesem Leben weiter zu den Menschen, die sich für diesen Bereich auf dem Matthäusfriedhof als Ort für das Leben danach entscheiden. Mögen sie sich aufgrund der sportlichen Ergebnisse nicht zu oft im Grabe umdrehen.

Am morgigen Freitag nun das erste Flutlichtspiel in der Liga, zudem noch gegen einen Nachbarn und Sammelbecken ehemaliger Essener Spieler. Die irgendwie doch sympathische SG Wattenscheid stellt sich einmal mehr an der Hafenstraße vor. Die Berichterstattung über die Lohrheidekicker teilt sich in zehn Fällen aktuell wie folgt auf: Eine Prise Sportliches wird umgeben  von acht Anteilen Finanznot mit einem Hauch von Peter. Dennoch sollte man diese Mannschaft niemals unterschätzen. Gerade mit den vielen Ehemaligen. Und selbst nicht bei einer komfortablen Führung in der Schlussphase…..

Aber, auch wir haben morgen unseren aktuellen Spielern etwas besonders zu bieten: Die Hafenstraße unter Flutlicht! „Fußball Hafenstraße Flutlicht“, das ist das FHF für die ganz besonderen Momente. Für das Flair, welches mittels Beleuchtung alles auf das Spielfeld fokussiert. Alles den Tacken intensiver und lauter erscheinen lässt.  Die neunzig Minuten für das schöne Wochenende. Unsere Spieler werden hoffentlich ein Spiel und eine Atmosphäre erleben, welches ihr Gefühl, sich für den richtigen Verein entschieden zu haben, noch einmal bestärken wird. Vielleicht sogar wieder vor fünfstelliger Kulisse, neigen sich die Ferien dem Ende entgegen und gilt doch für die Allermeisten: Hebt die Hände, hisst die Fahnen…Wochenende (Na ja, so ähnlich halt).

Freitag, 23.08.2019, 19:30 Uhr: Rot-Weiss Essen – SG Wattenscheid 09. Hafenstraße! 

 

New York – Rio – Tokyo ? Köln – Rödinghausen!

Alle Achtung. Oder besser: Alle Neune! Unser aller RWE hat aus den ersten drei Saisonspielen das Optimum an Punkten herausgespielt und war in jedem dieser Spiele jeweils um ein Tor besser als der Gegner. Das klingt zunächst erst einmal sehr effizient. Zum anderen aber auch nach richtig harter, schwerer Arbeit, die es tatsächlich auch war. Der RWE dieser Saison vermag aufgrund der personellen Neuausrichtung aktuell sicher zum Favoritenkreis auf den Relegationsplatz (Meister müssen aufsteigen!) gehören, aber er wird definitiv nicht die Liga in Grund und Boden spielen.

Geduld ist angesagt. Geduld und fortwährende Unterstützung, gepaart mit nimmermüden Glauben daran, dass es nach vielen Jahren sportlicher Tristesse wirklich einmal eine Saison werden kann, die das lange vermisste Miteinander zwischen Verein, Fans und Mannschaft wieder aufleben lässt; als Fundament für sportliche Zukunft dienen kann. Von dem bekannten Kinderbuchautor Janosch stammt wohl jener Satz, der vielleicht das Leben der RWE Fans in der letzten Dekade recht trefflich beschreibt: „Das Glück liegt in der Ferne“ sagte der Esel, „und die Ferne ist immer dort, wo man gerade nicht ist“. Wir waren vergangene Saison schon mal kurz davor, uns aufzumachen. Wollten die Ferne heranzoomen. Doch dann wurde aus dem Zoomobjektiv schnell wieder eine Festbrennweite. Wir kamen nicht näher heran!

Gegen die hochgehandelten Kölner Zweitprofis gab es wie schon gegen den BVB das entscheidende Tor erst in der Schlussminute. Tore für den RWE in den letzten Zügen eines Fußballspiels….das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen und genießen: Welch ein süßer Abgang. Ganz anders als der bittere Stoff der Gegentore in selbem Zeitraum. Siegtore fast mit dem Abpfiff, das sorgt für turbulente Szenen auf den Tribünen, für Stauderdusche, dem temporären Verlust der angestammten Stehtraverse und manch fremden Fan in den Armen. Das sorgt für Glücksgefühle und ein „Adiole“, welches in punkto Lautstärke das Ordnungsamt auf den Plan hätte rufen müssen.

Auf den Plan gerufen hat de facto unsere Mannschaft auch ihren Trainer. Und zwar in seiner Aufgabe als „Ordnungsamt“ dieser. In der ersten Halbzeit wurde nicht so wirklich die Ordnung eingehalten, jene welche von Trainerseite vorgegeben wurde. Zudem waren die kleinen Geißböcke extrem bockig. Wie dem auch sei: Das Trainerteam hat erkannt, dass da etwas nicht rund lief in der eigenen Mannschaft und hat, wie branchenüblich, nicht bis ca. zur fünfundsiebzigsten Minuten gewartet, um die erste Auswechslung vorzunehmen, sondern tat dieses unter dem Raunen des Publikums bereits nach zweiunddreißig und sechsunddreißig Minuten.

Dass es sogar den Kapitän der Hafenstraße traf (mit Gelb vorbelastet), sollte nicht überbewertet werden, auch wenn es in mancher Mannschaft der Fußballgeschichte sicher einer Majestätsbeleidigung gleichen würde, müsste der Mann mit der Binde noch in der ersten Halbzeit vom Feld. Es zeigt unter dem Strich nichts anderes, als dass Christian Titz als Hauptverantwortlicher im Sinne der Mannschaft/des Erfolgs handelt. Und zu dieser Mannschaft zählen eben mehr als die ersten Elf der Anfangsminute. Es zählt jeder dazu. Jeder! Schöner Gedanke eigentlich, ein Fußballspiel recht früh neu zu gestalten, anstatt erst gegen Ende mit Umstellungen zu beginnen. Spitzenreiter. Ist das schön!

Heute dann wieder nach Rödinghausen. Des Essener weiteste Auswärtsfahrt, welche das Fußballspiel zudem nur unter erschwerten Bedingungen betrachten und erleben lässt. Als wäre der Gegner aus Rödinghausen an sich nicht schon auf dem Feld ein gar Unangenehmer und uns in den direkten Duellen um einige Punkte voraus, so wird zudem von Seiten des Gastgebers auch richtig viel unternommen, um möglichst wenig Fans des RWE an heimischer Stätte zu empfangen. So fühlt es sich auf jeden Fall an.

Der längsseitige Gästebereich für den stehenden Rot-Weissen, welcher es sich auf ca. 100 Metern Länge auf bis zu drei Stufen und hinter armdicken Gitterstäben gemütlich machen darf, ist ausverkauft, so dass es dort vor Ort keine Karten mehr geben wird. Unglaublich, was heutzutage alles von den Verbänden als Zuschauerbereich durchgewunken wird, passt es nur annähernd ins Schema. Auf jeder Eintrittskarte für diesen Verschlag müsste der Vermerk „Sichtbehinderung“ stehen und entsprechenden Nachlass nach sich ziehen.

Dass wir auf der Tribüne nicht erwünscht sind, hat man uns ja zudem online recht perfide spüren lassen: Die Essener Postleitzahlen wurden direkt mal geblockt (Ist das eigentlich rechtens, da es an Diskriminierung grenzt?) und im Nachgang weitere Bereiche mit der Vier vorneweg, als es Bestellungen gab, die der SV Rödinghausen wohl nicht mehr seinen Amigos zuordnen konnte. Als es den Küchenplanern dann wohl zu bunt, beziehungsweise zu Rot-Weiss wurde, stampfte man den Onlineverkauf kurzerhand ein. So geht das heute.

Gestern dann entsprechend zum Thema ein Online Artikel der Neuen Westfälischen. Hier werden ohne Karte anreisende Fans direkt mit Randale und Ausschreitungen in Verbindung gebracht. Auf die Idee, dass man vielleicht auch noch guter Hoffnung ist, eine Karte für das Spiel seines RWE zu ergattern, kommt man erst gar nicht. Verkauft sich ja als Schlagzeile auch nicht wirklich gut. Randale macht Quote, man muss sich ja langsam aber sicher den Kommentarspalten anpassen. Wie dem auch sei, jener Artikel  steigert sich in in seiner Dummsinnspirale gegen Ende geradezu ekstatisch, wenn aus unser aller RWE ein uns unbekannter EWE wird. Und das nicht nur einmal. Gnadenlos ziehen die beiden Lokalreporter dieses EWE Dingen durch. Ein Hoch auf das Lektorat!

Das schönste Zitat jener knallharten Recherche: „Die Polizei Herford rechnet am Samstag mit einem hohen Ausschreitungs-Potential auf Seiten der Essener Fans“. Ist das die Begründung, um direkt eine Hundertschaft einzusetzen, oder fusst diese Vermutung auf inhaltlich knallharten Fakten? Gegen wen sollte sich die latent durchaus vorhandene Gewaltbereitschaft des Essener Anhangs heute richten? Herrgott von Bentheim, schafft ordentliche Bedingungen für Auswärtsfans, und solche reisserischen Artikel können uns in Zukunft erspart bleiben. Ich sehe es doch schon kommen: Einem Essener sitzt ein Pups quer, und direkt wird dann ein Böller raus gemacht. Was am besten hilft: Einfach locker durch den Schlüpper atmen. Auf allen Seiten.

Ach klar, gespielt wird ja auch noch. Es wird ein gutes Spiel werden und 1:2 für unseren RWE ausgehen. Wir sind nach dem letzten Gewinn des Zwiebelpokals einfach mal wieder dran. Das entscheidende Tor für unseren RWE in der Nachspielzeit fällt in jener und durch einen unserer Spieler. Da lege ich mich mal fest. Der Rest wird Jubel sein.

 

 

 

 

 

DENN SIE WISSEN, WAS SIE TUN!

Was unterscheidet die aktuelle Mannschaft des RWE von James Dean und Natalie Wood im fast gleichnamigen Hollywood Klassiker von 1955? Dean & Wood wussten als Filmfiguren Jim & Judy laut Drehbuch nicht genau was sie taten, weshalb der großartige Film auch DENN SIE WISSEN NICHT, WAS SIE TUN (Im Original: „Rebel without a Cause“) heißt. Für Liebhaber der Leinwand sicher ein Frevel, eine Legende wie James Dean als Vergleich für unseren notorisch erfolglosen Verein zu benutzen. Aber, das kann wird sich ändern, das mit der sportlichen Erfolglosigkeit. Zumal wir ja durchaus auch schon mal als Legende bezeichnet werden.

Es sind erst zwei Saisonspiele gespielt, die Arbeit zwischen Trainerteam und neuformierter Mannschaft somit immer noch ganz am Anfang einer hoffentlich langen, gemeinsamen Reise. Die Ergebnisse von jeweils 2:1 für unsere Farben lassen auf harte Arbeit und weniger auf Überflieger schließen. Harte Arbeit wird immer gerne genommen an der Hafenstraße, dieser selbsternannten Fußballunterschicht. Somit sind die ersten sechs Punkte schon mal ein anerkennendes Nicken wert. Das sollte als Euphorie erst einmal ausreichen. Was aber zur allgemeinen Zufriedenheit beiträgt ist das Gefühl, dass die da auf dem Platz wirklich wissen, was sie tun. Das sieht alles schon sehr gut aus. Das sieht nach Fußball aus. Wohltuend die Ballsicherheit unserer Spieler, interessant der Spielaufbau. So ganz kommen wir damit noch nicht klar, aber großer Herzklabaster konnte bislang vermieden werden. Auch, weil die Hintermannschaft sehr aufmerksam agiert und die Gefahr für den Schnapper somit weitestgehend minimieren konnte. Man merkt, dass nicht nur der Trainer seine Philosophie konsequent auf die Mannschaft überträgt, sondern dass diese jene welche auch auf den Platz bringt.

Sonntag kamen sie selbst aus Aurich, um der neuen Mannschaft die Daumen zu drücken und um diese zu unterstützen. Ostfriesen wissen was sie tun und was gut ist. RWE weltweit!  Gut gefüllt dann doch zu Spielbeginn der Bereich der Rot-Weissen Fans. Weniger gut wohl die Tatsache, dass man vom Parkplatz aus gefühlt erst halb Duisburg zu Fuß durchqueren musste, um Einlass zu finden. Das hätte geschickter gelöst werden können. Wie dem auch sei: Es war optisch und stimmungstechnisch das zweite Heimspiel der Saison, hielten es doch knapp Dreieinhalbtausend der Fünftausendzweihundert Fans im Stadion mit dem RWE. Und nicht wenige von ihnen sangen die neunzig Minuten komplett durch. Eine Leistung, die durchaus auch mal gewürdigt werden sollte. Da bedarf es schon eine Menge Schmackes in der Stimme, um das durchzustehen.

Der VfB Homberg seinerseits ein durchaus charmanter Gastgeber, bedenkt man, dass er den Gast nicht in seinem eigenen Wohnzimmer empfangen durfte. Da ist man dann einfach nicht so ungezwungen wie sonst vielleicht zuhause und hapert es dann schon mal organisatorisch an der einen oder anderen Stelle. Die Mannschaft des VfB jedenfalls wird noch manch anderen Gegner vor eine harte Probe stellen und weiter Punkte sammeln. Schön, dass auch ihr bisweilen lautstarke Anfeuerung zuteil wurde.

Auch (fast) schön, dass unsere Mannschaft in den letzten Minuten noch in jenen Schlendrian verfiel, der tragischerweise wie festgetackert in der rot-weissen DNA sein Dasein fristet. Der vielfache Verweis im Anschluss an das Spiel, dass vorherige Mannschaften des RWE das Dingen dann noch verloren hätten, vermag nicht zu beruhigen. Es beruhigt eher, und das ist dann das Schöne daran, dass es dem Trainer missfiel. Wie sicher auch vielen seiner Vorgänger, ohne Zweifel. Aber möglicherweise gelingt es jetzt endlich einmal, den Kollegen Schlendrian aus dem Mannschaftsbus zu werfen. Soll er die letzten Minuten woanders verbringen, aber nicht mehr bei uns.

Ach, und wenn ich mir noch etwas wünschen dürfte: Bei uns könnte die Torgefahr noch etwas gesteigert werden. Es ist schön, wenn die Balldominanz ein gefälliges Spiel Richtung gegnerisches Tor zulässt, ohne dass der Gegner groß mitspielen darf, der finale Schmerz für den Gegner dabei aber ausbleibt. So blieb es zur Halbzeit beim torlosen Unentschieden, trotz eben jener Dominanz unsererseits. Ohne Frage, es war schon schick anzuschauen. Zur Halbzeit also trotzdem zufrieden und der Welt einen Wunsch kundgetan:

Ich konnte in der Halbzeit ja nicht ahnen, dass mein Wunsch in der 55. Minute tatsächlich in Erfüllung gehen würde. Gepaart mit meinem vor Spielbeginn geäußerten Endergebnis von 2:1 für unser aller RWE auf einen Wettschein gebracht, und ich hätte nie mehr bloggen müssen. Mein Fahrer hätte mich in Zukunft zu den Spielen abgeholt. Ich tippe aber nicht, daher nichts mit Quote und Traumgewinn. Scheissendreck! Trotzdem ist ein Tor in einer 55. Minute für Rot-Weiss Essen immer noch ein besonderes Tor und viel wichtiger als alles andere. Besonders auch durch die Art und Weise wie Oguzhan Kefkir dieses Ding gemacht hat. Das 2:0 in der 72. Minute durch erneut Kefkir ebenfalls nicht schlecht, sondern sogar auch wieder richtig gut: Sich selbst per Fuß vorlegen um dann mit dem Kopf zu vollenden, kann man mal machen!

Danach folgte noch jener schon thematisierte Schlendrian und eine weitere, verdiente, Feier mit den eigenen Fans. Diese Mannschaft macht Lust auf das nächste Spiel. Und die Tabellensituation aktuell steigert die Vorfreude durchaus noch ein wenig mehr. Macht  Sonntag  die Hütte voll!