„Es ist besser, eine Brücke als eine Mauer zu bauen“ (Sir Elton John)

Das hat man sich wohl auch 1933 in Osnabrück gedacht, und das Stadion an der Bremer Brücke erbaut. Wohl eines der schöneren Ereignisse in diesem ziemlich bescheidenen Jahr. Die vergangenen drei Auswärtsspiele in der ersten und hoffentlich nicht vorerst letzten Saison in der 3. Liga brachten den reisefreudigen RWE-Fans Stadionerlebnisse, wie sie unterschiedlicher nicht sein konnten. Und sie wurden, einmal abseits der sportlichen Ergebnisse betrachtet, von Mal zu Mal schöner. Rein subjektiv betrachtet natürlich. Dem Monumentaltempel Westfalenstadion folgte das Oldschool-Erlebnis „HaWaWi“ in Bayreuth und mündete vergangenen Freitag im Osnabrücker Ortsteil Schinkel. Man hätte aber auch an der Kenilworth Road in Luton sein können, so tief die Tribünen der Brücke, und fast so nah die umgebenden Häuser.

Im Stadion selbst ist jede noch so kleine Ecke für Steh- oder Sitzplätze genutzt, alles was machbar war, wurde mittlerweile verbaut. Und auch „Omas Ecke“ nicht mehr die legendäre Stadionlücke, sondern mittlerweile fester Bestandteil der Gegengeraden, dem Pendant zu unserer „Rahn“. Von außen wurde viel in der Farbe Lila und all ihren Abstufungen gearbeitet, sowie den Vereinslegenden massig Platz zugesprochen. Es mangelt nicht an Gittern drumherum, die manchmal paradox willkürlich ineinander übergehen und die dröftausend Kabelschächte an den Decken der Umläufe dürften jedesmal die Herzen passionierter Hobbyelektriker höher schlagen lassen. Spätestens an den vergitterten Verpflegungsständen, von denen nicht selten der Lack abblättert, wirkt das bargeldlose Bezahlprinzip fast wie aus der Zukunft gekommen. Ein Hauch „Outlander“ in Osnabrück.

Ja und wenn dann auch noch das Flutlicht an, und die Sonne untergeht, beide gut aufgelegten Fanlager das ganze Szenario auch noch in etwas „Herbstnebel“ hüllen, dann weiß man, das man in einem der schönsten Stadien der Republik zu Gast ist. Auf jeden Fall das für mich zweitschönste der Liga. Ganz oben thront natürlich die Hafenstraße. Weil es zuhause immer am schönsten ist! Der Osnabrücker, die Osnabrückerin auf den Sitzplätzen im Spielverlauf übrigens etwas vornehmer unterwegs, als das bei uns der Fall ist. Es wird zwar genau so schnell gemeckert, aber es bedarf seine Zeit, bis man auch mal aus dem Sattel geht und sich an der allgemeinen Stimmung beteiligt. Mag ganz eventuell daran liegen, das definitiv und unwiderruflich viel weniger Bier konsumiert wird, als das an der Hafenstraße der Fall ist. Was sich möglicherweise dadurch erklären lässt, dass in Osnabrück Herforder Pils ausgeschenkt wird. Und man kommt natürlich auch schlecht wieder raus, wenn erstmal der Platz eingenommen wurde.

Eine ähnliche Liebeserklärung wie an die Brücke selbst kann es für das Spiel natürlich nicht geben. Dafür hätten wir mindestens einen Punkt mitnehmen müssen. Aber der leidenschaftliche Kampf auf dem Rasen passte zum Stadion und auch das Wetter reihte sich nahtlos in einen Brückenabend ein, der alle Attribute beinhaltete, warum man nicht aufhören sollte, den Fußball zu lieben. Dringend anfangen hingegen muss unser RWE nun mit ruhiger und konstanter Spielweise. Das war abermals viel zu hektisch und zerfahren auf dem Feld. Jetzt stehen wir hinten viel sicherer als zu Beginn der Saison, dafür wurde dem Spiel nach vorne der Stecker gezogen. Irgendwas ist halt immer, was uns momentan daran hindert, etwas entspannter in die sportliche Zukunft von Rot-Weiss Essen zu schauen. Und meistens ist es das Endergebnis. Nur der RWE!

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