Ouvertüre (Mit Wiederholung) #219

Die Teambuilding Maßnahme irgendwo im Nirgendwo als Bestandteil der Sommervorbereitung ist beendet. Unsere Spieler haben wieder Netz und warmes Wasser, können sich daheim bekochen lassen oder beim Imbiss des Vertrauens bestellen. Samstag steht, aber (am) Hallo, dann schon der alljährliche „Essico“ gegen die Lackschuhe vom Uhlenkrug an. Sicherlich auch nur noch Sneakers tragend . Aber ich mag halt solche traditionell behafteten Umschreibungen für Fußballvereine, bei denen man sofort weiß, um wen es sich handelt.

Mit dem Spiel gegen den ETB steigert sich dann langsam, aber sicher die Ligen Zugehörigkeit der Testspielgegner. Mit der Zwoten aus Hoffenheim wartet zudem ein richtig starker Regionalligist, der erst kurz vor Saisonende davon abgehalten werden konnte, sich auch Drittligist nennen zu dürfen. Leider war der Stolperstein zum Aufstieg ebenfalls eine Zweitvertretung. Allerdings liest sich wenigstens der Name VfB Stuttgart ziemlich attraktiver als der der TSG Hoffenheim. Aber nun hat die Südweststaffel der Regionalliga mit Ron Berlinski den Malocher vor dem Herrn bekommen, um endlich die Offenbacher Kickers wieder in unseren erlauchten Kreis zu hieven.

Nach der Wagner-Ouvertüre geht es zwei Tage später über die Brücke von Arnheim ins Trainingslager. Vielleicht müssen dann schon einige Trikots mehr in den Mannschaftskoffer gepackt werden als noch zu Trainingsbeginn. Unsere Kaderplaner sind schließlich weiterhin rund um die Uhr im Einsatz, um unsere Roten entgegen der traditionellen Befürchtung definitiv konkurrenzfähig aufzustellen. Ich würde mir diesen Job tatsächlich gerne einmal im Detail erklären lassen. Da müssen doch so wahnsinnig viele Variable parallel beachtet werden:  Budget eigener Verein. Trainerwünsche. Beratervorgaben. Spielervorstellungen. Mannschaftsgefüge und dann gibt es zum allem Überfluss ja auch noch die ebenso umtriebige Konkurrenz.

Wir als Fans tauchen in keiner dieser Gleichungen auf, was vielleicht manchmal als Erklärung für unsere Ungeduld dienen kann. Wir wollen sicher alle niemals in den Knast, aber am liebsten jeden Tag einen Vollzug erleben. Wie auf Sponsorenebene eben auch. Wenn sich das doch alles immer nur so einfach gestalten würde, wie wir Fans es bisweilen gerne hätten. Und wenn dann, überspitzt formuliert, nicht mal ein täglicher Anruf Punkt 19:07 Uhr erfolgt, um durchzugeben, wie sich der Arbeitstag an Hafenstraße und Welkerhude gestaltet hat, dann gibt es schon mal Kommentarspaltenlack.

Halten wir es doch mit einem Deutschen Sprichwort: „Geduld in allen Dingen, führt sicher zum Gelingen“. Ja gut, nicht nur Sprichwort, sondern definitiv auch schlichter Reim. Aber inhaltlich durchaus zur fürchterlichen Hektik und medialer Unruhe unserer Zeit passend. Man kann einfach als Verein nicht alles und jedes gleich in Echtzeit und zudem sprachlich ausgefeilt auf der Homepage bringen. Das muss es einfach auch nicht. Zurück zur Vorbereitung, denn nach dem Trainingslager ist vor der Generalprobe. Gegner hier kein geringerer als der amtierende deutscher Meister. Also der Verein, der seit ewigen Zeiten kein Spiel mehr hierzulande verloren hat. Außer gegen Rot-Weiss Essen. Und dann geht sie endlich los, die neue Saison.

Schade nur, dass ein Regionalligist aus der Nachbarschaft auf niederländischem Boden gegen die „Hibs“ aus Edinburgh testet. Also da war ich fast knötterig, als ich davon gelesen habe. Vielleicht dann kommendes Jahr, wenn sich unsere einzige Europapokalteilnahme gegen Hibernian zum siebzigsten Male jährt.

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