Kurze Fuffzehn

Die Kurze Fuffzehn. Ein mehr als geläufiger Begriff an der Essener Hafenstraße, vereinen sich darunter doch so einige Besonderheiten rund um Rot-Weiss Essen: Da wäre die Stadionzeitung, die Halbzeitpause aber vor allem der Inbegriff für Maloche, die Statue eines Bergmannes. Schon mehrfach aufgefallen und spätestens seit der Niederlage gegen den SV Wehen Wiesbaden ist die kurze Fuffzehn nun (leider) auch auf dem Feld angekommen: Die ersten fünfzehn Minuten der Begegnung (meinetwegen auch vier oder fünf mehr) ist unser RWE spielbestimmend und macht ordentlich Dampf nach vorne.

Von den Flügeln kam diesmal sogar die erhoffte Dynamik und scharfe Bälle nach innen. Doch leider sprang dabei auch diesmal nichts Zählbares heraus, es fehlte halt immer irgendeine Fußspitze. Und so konnten sich die Hessen aus dem Wellblechpalast finden und zudem quasi aus dem berühmten Nichts heraus in der neunzehnten Minute in Führung gehen. Ja und das war es dann auch mit rot-weißer Herrlichkeit. Unsere Mannschaft hat einfach alle Wünsche, für etwas mehr Emotionen zu sorgen und die Tribünen mitzunehmen, pulverisiert. Das war, so die vielfach geäußerte Meinung, das schlechteste Heimspiel seit dem letzten schlechtesten Heimspiel der Saison. Und dieses liegt definitiv schon einige Jahre zurück.

Es wurden vergangenen Samstag somit wahrscheinlich keine neuen Fans hinzugewonnen. Aber eventuell einige alte Fans vergrault. So kann man sich aber auch nicht seinem Schicksal ergeben. Da muss doch mal einer dabei sein, der seine Mitspieler aufweckt und mitreißt, wenn schon das Publikum bis auf wenige Unermüdliche aus Gründen den fehlenden Mittagschlaf nachholen durfte. Man wurde regelrecht sediert. Egal was nun im weiterem Verlaufe des Spiels seitens RWE in Form von Aus- und Einwechselungen, Umstellungen oder auch immer versucht wurde: Die Tore machte der Gast aus Wiesbaden. Oder aus Wehen. Wie auch immer. Nee, das war echt nicht schön anzuschauen, bis eben auf die kurze fuffzehn zu Beginn. Aber in dieser hat noch keine Mannschaft jemals ein Spiel gewonnen.

Stand aktuell steckt Rot-Weiss Essen somit richtig dicke im Abstiegskampf. Natürlich kann man immer noch auf den frühen Zeitpunkt der Saison verweisen und den Begriff Abstiegskampf oder gar Abstiegsgespenst als verfrüht beiseiteschieben.  Aber ich persönlich möchte mich diesem „Kampf“ lieber jetzt schon stellen, als bis zum, ich sach mal, achtundzwanzigsten Spieltag damit warten zu wollen. Jetzt sind wir in tabellarischer Not, und deshalb muss jetzt etwas passieren, damit wir nicht tatsächlich über Monate hinweg ganz unten in der Tabelle festgetackert werden. Das kann keiner wollen, außer vielleicht die Kirsche auf der Forumstorte. Nach so einem Spiel muss man erstmal mit sich selbst klarkommen, bevor man die Krone und den Blick nach vorne richtet. Müssen wir Fans nun die Mannschaft aufbauen, oder die Mannschaft uns Fans? Oder muss uns der Verein in den Arm nehmen oder wir ihn? Eine mal wieder sehr schwierige Gemengelage rund um die Hafenstraße 97a.

Es heißt immer, wie schwierig die 3. Liga finanziell für alle Vereine ist, und dass alle Vereine abseits der vermaledeiten Zweitvertretungen diese mit mehr oder weniger Risiko am liebsten sofort Richtung 2. Bundesliga verlassen möchten. Ich möchte einfach nur, dass wir diese Saison die 3. Liga halten können. Wir haben so viele Jahre darum gekämpft, endlich ein Teil von ihr zu sein, da müssen wir es auch ertragen, einige Jahre ein Teil von ihr zu bleiben, ehe wir uns höheren Aufgaben stellen können. Zweite Bundesliga, geschlossene Stadionecken, das sind alles legitime Wünsche und berechtigte Hoffnungen. Aber jetzt im September 2024 sind wir sportlich eine graue Maus, atmosphärisch auch auf dem besten Weg dahin und emotional irgendwie untergetaucht. Wir müssen also einmal mehr zu unseren Wurzeln und über das Miteinander zum Erfolg finden. Im Erfolg zum Miteinander kann schließlich jeder!

Neben den positiven Auswirkungen für die Tabelle hätten gewonnene Punkte von Rot-Weiss Essen sicherlich auch Bedeutung für die Berichterstattung rund um unseren Verein. Ich weiß wirklich nicht, warum gerne von anderen Farben behauptet wird, dass der RevierSport unsere Hauspostille ist.  Eigentlich ist es doch genau andersherum. Nur zu genüsslich werden dort Negativerlebnisse aufbereitet und versucht man immer schon mit der Überschrift in eben diese Richtung zu leiten. Um andererseits natürlich mit einem permanenten „Ex-RWE Dingsbums“ Klicks zu generieren. Schwierig, sehr schwierig bisweilen.

Das war aber einfach auch ein Schlag ins Kontor, diese Vorstellung von Rot-Weiss Essen gegen den SV Wehen Wiesbaden. Die Tribünen haben sich nach dem dritten Gegentor schneller geleert als die Girokonten in Gelsenkirchen am Zweiten eines jeden Monats. Man fühlte sich fast hilflos auf der Tribüne in Ermangelung fehlendes Aufbäumen. Da wäre eventuell ein „Motivationsseminar“ bei Ron Berlinski hilfreich gewesen. Vielleicht hätte auch er nicht das Tor gegen die Hessen getroffen. Aber er hätte sich auf jeden Fall mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln gegen diese Niederlage gestemmt, die uns unter dem Strich ziemlich sprachlos gemacht hat.

Hinterlasse einen Kommentar