Heraldik & 1960 #226

Dem aktuellen Ligarhythmus steht am kommenden Wochenende aufgrund der Länderspielpause ein Kontrastprogramm gegenüber, welches schon seit Wochen für hohe Wellen bei vielen Rot-Weißen sorgt: Das Achtelfinale im Niederrheinpokal beim VfB 03 Hilden steht an. Das Spiel darf sogar im Stadion des VfB am Bandsbusch stattfinden. Die eine Seite für Heimfans, die gar einen Fanmarsch zum Stadion planen, die andere Seite für uns RWE-Fans. So einfach geht das manchmal.

Im Gegensatz zu dem Spiel sicherlich, denn der Niederrheinpokal war in den ersten beiden Runden eher schwere Kost als Leichtigkeit des Seins. Was mich beim VfB Hilden triggert, ist das Vereinsemblem. So sehr ich der opulenten Heraldik in den Emblemen einiger britischer Vereine zugetan bin, so ratlos lässt mich das des VfB Hilden zurück. Hier wäre vielleicht weniger mehr gewesen. Aber natürlich geht es um keinen Designwettbewerb, sondern um ein abermals wichtiges Spiel. Ebenso wie die den Alltag beflügelten drei Punkte gegen Viktoria Köln, sollte auch ein Weiterkommen im Pokal dafür sorgen können, dass man am Sonntag milde gestimmt aufwachen wird.

Bevor es vor Ort oder am Endgerät daheim zur diesjährigen Jahreshauptversammlung unseres RWE geht. Eine Jahreshauptversammlung als das höchste Organ eines Vereins ist der Ort für uns Mitglieder, wo Mitbestimmung gelebt werden kann und gelebt werden sollte. Außer man ist in Leipzig bei RB, denn bei gerade einmal 23 stimmberechtigten Mitgliedern, die auch beruflich alle auf Taurin sind, ist man inhaltlich eher bei einem Politbüro des Zentralkomitees. Die JHV von Rot-Weiss Essen hingegen bedarf da schon etwas mehr an Platz, schließlich sind wir nicht nur geduldete Staffage, sondern wichtig. Von daher werden viele Mitglieder und Mitgliederinnen am Sonntag im Saal Europa der Messe Essen erwartet.

Eventuell mag man bisweilen im Verein die letzten Tage und Wochen als durchaus unbequem empfunden haben, in Anbetracht der optischen Proteste im Stadion oder auch verschiedenster kritischer Berichterstattung. Aber das ist dann das Stilmittel der Unzufriedenheit im Vorfeld, die sich hoffentlich und bestenfalls in einen konstruktiven Austausch bei der JHV selbst wandelt. Und wünschenswerterweise dafür sorgt, dass möglichst viele Beteiligten die Veranstaltung am Ende zufrieden verlassen werden. Eine hundertprozentige Zufriedenheitsgarantie kann und wird es definitiv nicht geben, da liegen sicher in manchen Themen die Meinungen zu weit auseinander, als dass man sich auf einen Konsens einigen könnte.

Dank der Fleißarbeit einiger „jawattdenns“, stehen uns mittlerweile viele digitalisierte Ausgaben der „kurze fuffzehn“ zu Verfügung. Interessanterweise finden sich auch schon mal Protokolle über Jahreshauptversammlungen. So auch in Ausgabe 11/1960: Auch dort war der Verein in einem Umbruch, so dass von neuen harten Wegen geschrieben wurde, hart und unbequem für beide Teile. Weiterhin war von nicht stattfindender Einsicht oder von (verbaler Natur hoffentlich) Auseinandersetzungen zu lesen. Aber am Ende gab es immer diesen einen uns verbindenden großen Nenner: Rot-Weiss Essen.

Es ist gut und wichtig, wenn sich neue Menschen finden, die sich verantwortlich in den Verein einbringen möchten. Konstruktive Kritik ist also unglaublich wichtig. Ebenfalls sehr wichtig: Gegenseitiges Zuhören. Ausreden lassen. Abschließend: Es gibt diesen Spruch, dass wir Georg Melches ewig dankbar sein werden. Ich glaube, den Satz können wir um Sascha Peljhans Verdienste ergänzen. Der bessere Fußball ist da.

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