Eckhard & Marek

#260

Stöbert man im Netz nach Wesensmerkmalen der Ostfriesen, bekommt man unter anderen zu lesen: „Zuverlässigkeit, Offenheit, Geradheit, Überzeugungstreue und Mut zur eigenen Meinung“. Somit steht fest, der Jemgumer Marek Janssen ist der Prototyp eines Ostfriesen. Und somit in Essen an der Hafenstraße genau richtig, werden diese oder ähnliche Attribute ja auch den Menschen im Ruhrgebiet, speziell aber rund um die Hafenstraße nachgesagt.

Der verkappte Hattrick nach turbulenter Woche definitiv eine dieser vielzitierten Geschichten, wie sie so wohl nur der Fußball schreibt. Dagegen kann aktuell selbst der Pokal mit seinen eigenen Gesetzen einpacken. Wieder ein Thema abgearbeitet, möchte man erleichtert schreiben. Die vier Tore gegen munter aufspielende Havelser auch eine dringend benötigte Auffrischung der eigenen Torbilanz. Man weiß ja nie, wozu die am Ende noch wichtig sein wird. Aber glaubt man dem eigenen Tabellenrechner, wird die Tordifferenz am Ende dieser jetzt schon legendären Saison das Zünglein an der Waage sein: So stehen nach dem kommenden Spieltag laut meinen Tipps die ersten fünf Vereine alle bei 41 Punkten.

Wird so nicht passieren, da sich niemals ein Spieltag an meine Tipps gehalten hat. Aber wenn doch, und wenn das in der Liga so eng weitergeht, dann entscheidet am Ende die Tordifferenz über Wohl und Wehe. Da waren drei Tore auf der Habenseite richtig wohltuend. Ebenso wie das Unentschieden zwischen dem VfL Osnabrück und den Münchner Löwen. Die Hansa Kogge hingegen komplett auf Kurs. Das letzte Spiel des Spieltags hatte dann noch den Erfolg unseres kommenden Gegners aus Wiesbaden gegen den mittlerweile fast übermächtig erscheinenden SC Verl parat. Während ein Drittliga Portal noch vergangene Woche ehrfürchtig die Frage in den Raum gestellt hat, wer den SC Verl überhaupt noch stoppen kann, haben sich die Jungs aus dem Wellblechpalast wohl gedacht: Na wir! Gesagt getan.

Den Sportclub geerdet, bedeutet es nun, dass seinerseits jetzt der SV Wehen von unten drückt und mit breiter Brust an die Hafenstraße anreisen wird. Aber auch der TSV Havelse kam mit einer Erfolgswelle angereist. Das muss also nichts heißen, zudem sollten wir uns immer nur an uns selbst orientieren. Und da kann uns natürlich keiner! Das Hinspiel in Wiesbaden mittlerweile schon ein Klassiker der Drittligahistorie, so dramatisch der Spielverlauf. Zudem eine Blaupause dafür, wie auf Fanebene mit unserer Mannschaft diese Saison gehadert und gejubelt wird. Die erste Halbzeit noch zu zaghaft agierend, wurde in der zweiten Hälfte ein solcher Druck nach vorne ausgeübt, der letztendlich zu den drei Punkten und vier Toren geführt hat. Das war ein wilder Ritt, dieses Spiel.

Nun haben wir kommenden Sonntag auch noch den 1. Februar. Was bedeutet: Unser Verein hat Geburtstag, wird 119 Jahre jung. Ich habe jetzt nicht zur Hand, ob wir schon mal am Geburtstag unseres stets Geschichten schreibenden Familienmitglieds ein Heimspiel hatten. Aber der SV Wehen Wiesbaden kann sich seine breite Brust für die nächsten Spiele aufheben, einen Geburtstag vermiest man als Gast nicht. Selbst wenn es am ungeliebten Sonntag um 19:30 Uhr ist. Da hat uns der selige Georg Melches schon was fürs eigene Leben mitgegeben. Nicht selten fühlt man sich an den Song „With or Without You“ der irischen Kapelle U2 erinnert, geht es mal wieder ganz wild zu, rund um die Hafenstraße. Aber der Kontext des Songs, ob man weder mit oder ohne leben kann, stellt sich bei Rot-Weiss Essen nicht: Ohne RWE geht es einfach nicht!

#259

Sensationelles hat sich ereignet: Viele Jahre hieß ein gängiges Motto rund um unseren Verein, womöglich aus Sorge geprägt: „Gott schütze Rot-Weiss Essen“. Nun hat der Adressat aktuell wesentlich wichtigeres zu tun, als unseren Verein zu retten, steht doch weltweit ein wenig mehr auf dem Spiel. Aber das ausgerechnet Rot-Weiss Essen vor langer Zeit ein Leben retten konnte, anstatt das seiner vielen Fans durchaus mal wieder zu erschweren, diese schöne Anekdote ist ganz vielen RWE-Koryphäen irgendwie durchgegangen.

Und so war es ein Hannoveraner Hopper, der einen RWE-Kollegen auf einen Artikel aufmerksam gemacht hat, der dieser Tage auf dem Hochamt für Fußballkultur, namentlich 11Freunde zu lesen war. Die Anekdote dreht sich um den gebürtigen Essener Fußballlehrer Eckhard Krautzun, der in seiner langen Karriere jedoch niemals den Verein von der Hafenstraße trainiert hat. Wie auch, wenn man bei Vereinen wie Mazda Hiroshoma, CS Sfaxien, Al-Ahli Dschidda, oder auch vielen Verbänden weltweit an der Seitenlinie unterwegs war. Im Dezember 1988 aber, da gab es tatsächlich einmal ein Gespräch zwischen dem damaligen Vorsitzenden Anton Döbbe und eben Eckhard Krautzun, um in einer Art geheimen Geheimtreffen unter vier Augen auszuloten, ob es nicht doch einmal was werden könnte zwischen dem Verein und dem Trainer aus Essen.

Auf jeden Fall trat Eckhard Krautzun deshalb einen fest geplanten Flug nach New York nicht an. Und rettete so das eigene Leben, denn die gebuchte Maschine wurde über dem schottischen Ort Lockerbie von Terroristen gesprengt. Es schaudert ein wenig bei dem Gedanken daran, was Eckard Krautzun wohl für ein tragisches Schicksal ereilt hätte, wäre er wie geplant mit dem Pan-Am-Flug 103 abgehoben. Aber so durfte er auch dank Rot-Weiss Essen und vor allem dank Anton Döbbe am 13. Januar seinen 85en Geburtstag feiern. Alles Gute dazu!

Weg von der fast unbekannten Anekdote mit Filmpotential hin zur Aktualität im noch relativ jungen neuen Jahr: Den Münchner Löwen fehlen zum Jahresauftakt der 3. Liga viele Spieler aus Verletzungsgründen oder sind gesperrt. Das ist nicht schön und sicherlich ein Schlag ins Kontor der eigenen Ambitionen. Schließlich hat man doch auf Giesings Höhen das Motto ausgegeben, in der Rückrunde nochmal so richtig brüllen zu wollen in Richtung zweite Bundesliga. Allerdings kennt man das bei 1860, da brüllen manchmal so viele durcheinander, so dass das gemeinsame Ziel gerne mal aus den Augen verloren wird. In Anbetracht der extrem verdichteten Tabellenlage darf sich wohl fast jede Mannschaft bis runter zu Viktoria Köln auf Tabellenplatz 12 irgendwie als Aufstiegsaspirant fühlen. Legitime Töne somit aus München, und sie werden trotzdem eine ordentliche Mannschaft gegen RWE auf den Rasen schicken.

All das darf unsere Mannschaft natürlich nicht tangieren, reisen wir doch mit der breiten Brust des Vorjahresbesten an, belegen aktuell den vierten Tabellenplatz und haben bereits in der vorherigen Saison bei den Löwen gewonnen. Wurde ja auch dringend Zeit nach so vielen Jahren. Auch wenn wir noch nicht ganz genau wissen, mit welchem Kader konkret die Reise nach München angetreten wird, eines steht aber wieder fest: Der Auswärtsblock im Grünwalder Stadion ist auch diesmal wieder komplett in Essener Hand und somit ausverkauft. Großartige Unterstützung also erneut garantiert. Die Wetterausichten für München auch moderat, so dass wohl kein Spielausfall den Löwen bei der Personalmisere helfen dürfte. Auf geht`s RWE. Auf ein gemeinsam gutes 2026.

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