Böller & Befindlichkeiten #264
Die letzten vier Spiele haben uns einmal mehr gelehrt, dass Rot-Weiss Essen niemals der ruhige, lang Fluss sein wird, den man sich vielleicht wünscht. Dafür sind wir einfach zu sehr Achterbahn mit all den schnellen Wendungen, die dieses schienengebundene Fahrgeschäft ebenfalls zu bieten hat. Die Niederlagen in Osnabrück und Rostock waren flankiert von unglaublicher Unruhe im Umfeld. Nicht wenige Fans waren der Meinung, ein eigenes Ultimatum in Richtung Trainer Uwe Koschinat aussprechen zu dürfen. Die Meinung über Aufstellung und System eh schon konträrer behandelt als beispielsweise die Frage ob Lidl oder Aldi.
Nicht nur das, es gab es sogar (glücklicherweise ganz wenige) Stimmen, die lieber eigene Niederlagen befürworteten, nur um endlich den Daumen gesenkt zu wissen. Eine erschreckend krude Definition der Auslegung Fan eines Vereins zu sein. Der Druck also sehr hoch im Heimspiel gegen den Waldhof, und doch wurde der Druckausgleich erfolgreich bewältigt mit dem minimalen Ergebnis aller Erfolgsergebnisse. Inklusive eines zu lauten Nebengeräusches. Warum man jetzt im gesetzten Alter von fünfzig Jahren ein Stadion mit Böller in der Buxe betritt, um mal so richtig ein „No Go“ zu praktizieren, erschließt sich mir auch bis zum heutigen Tage nicht. Lasst diese Böller endlich aus den Stadien. Lasst sie überhaupt nicht mehr hochgehen. Weder im Stadion noch sonst wo! Das ist nicht einmal ansatzweise Fußballkultur. Das ist einfach nur feige.
Rot-Weiss Essen also plötzlich beider Torhüter (Gute Besserung Felix, willkommen zurück auf dem Trainingsplatz, Jakob) beraubt, stand der erst in der Winterpause verpflichtete Schnapper Tino Casali nicht nur im Fokus, sondern plötzlich und unerwartet sogar im Tor. Der Turnaround konnte also unter der Woche im eigenen Stadion vollzogen werden, was der Atmosphäre rund um die Hafenstraße sichtlich guttat. Das Schneckenrennen an der Spitze der 3. Liga fand also weiterhin mit uns statt. Kannste echt keinem erzählen, diese Saison. Nachdem in Mannheim noch versucht wurde, irgendwie den Böller zu verklären, ging es gar nicht weit davon schon weiter. Und zwar in der Hügellandschaft Kraichgau im Örtchen Sinsheim.
Die weitergereisten Fans des RWE konnten nicht nur einen weiteren Stadionpunkt machen, sondern vor und nach dem Spiel auch noch das Gefühl einer alpinen Bergbesteigung nachspielen, so beschwerlich bisweilen der Weg zu Fuß in das Stadion der TSG. Unser Torwart Duo nun besagter Tino Casali und Malte Brüning. Schnapper können wir einfach bei RWE. Das Spiel mit seinen Höhen und Tiefen der Hügellandschaft angepasst. Aber am Ende hat der RWE das Gipfelkreuz erreicht. Die Kommentare im Forum während des Spiels, besonders in der ersten Halbzeit? Besser ignorieren. Die Kommentare nach dem Spiel im Forum? Viel besser. Nicht nur wegen der drei Punkte, sondern einfach, weil die negativen Strömungen der ersten Halbzeit stillgelegt wurden. Es ist schon anstrengend, wie Rot-Weiss Essen in dieser Saison mit einer selten gekannten Negativität im Umfeld zu kämpfen hat.
Wenn man das aber alles mal beiseiteschiebt und eigene Befindlichkeiten hintenanstellt, dann muss man attestieren, dass unsere Mannschaft ohne Ende zusammenhält. Und abseits davon, dass man sich vielleicht je nach Gegner ab und an einen anderen Fußball wünscht, vermittelt uns unsere Mannschaft eben jene Quintessenz des Fußballs, die da lautet: Es geht nur gemeinsam. Nun wären in letzter Konsequenz eigentlich wir Fans gefordert, auch diese Einheit zu leben. Schon gegen Aue.