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Bon(n)mot

Die zwölfte Frau und ausgewiesene Fußballkennerin war das erste Mal zu Gast an der Hafenstraße. Ihre Sympathien gehören (vielleicht gehörten) dem Bonner SC. Ihre Tweets zu dem Gastspiel hielten sich in Grenzen, was bedeutet, dass sie das Spiel und nicht ihr Smartphone verfolgte. Löblich! Nach Mitternacht aber kam folgender Tweet über den Äther, welcher mich immer noch gefangen hält. Das erste Mal bei Rot-Weiss Essen zu Gast und doch mit einem Satz alles gesagt! Genauer gesagt, sogar exakt das beschrieben, was die Hafenstraße in guten Tagen so ausmachen kann. In schlechten Tagen, das wissen wir ja leider alle auch, spuckt sie schon mal Gift und Galle. Zwar nicht im Chor und auch nicht alle, aber doch unüberhörbar und leider auch im wahrsten Sinne der Worte.

Auch Freitag hat es nach dem Rückstand auf den Tribünen durchaus schon wieder unterschwellig gegrummelt. Dieser so schön beschriebene Moment aber, wenn Fans zum Chor werden; wenn ein irgendwo (zumeist auf der „West“) angestimmter Gesang sich stimmlich vermehrt und immer intensiver gesungen wird; wenn sich sogar auf den Sitzplätzen erhoben und zum Beispiel gemeinsam in das langgezogene „immer wiiiiieder RWE…“ eingestimmt wird; ja dann gilt immer noch und vielleicht endlich wieder: „wo sind wir Zuhause, wo wird man uns immer hören..an der Hafenstraße RWE“.

Der Bonner SC seinerseits war der erwartet schwere Gegner und es war gut, einen Gegner zu haben, den es niederzukämpfen statt an die Wand zu spielen galt. So waren direkt Tugenden gefragt, die der RWE in der jüngeren Vergangenheit einfach nicht aufrufen konnte. Es ging nur über den berühmten Kampf zum Sieg, mit Einsatz und dem unbedingten Siegeswillen. Und es hat erneut zu den drei Punkten der Glückseligkeit gereicht, die in Anbetracht der herausgearbeiteten Chancen auch mehr als verdient waren. Dienstag schon gehts weiter. In das Tal an den Zoo. Nach dem Spiel für eine Mannschaft das Tal der Tränen und die andere froh. Heimspiel in Wuppertal. Nur der RWE!

Erntedank.

Na Toll!. Ich will an anderer Stelle zu Potte kommen, melde mich also erst einmal hier ab. Lasse lediglich das Hintertürchen „Besonderes Ereignis“ offen. Davon ausgehend, dass alles weiter seinen gewohnten, stets etwas unruhigen Gang nehmen wird. Doch dann kam Erndtebrück. Und es wurde ein besonderes Ereignis. Ein Ereignis, von dem zunächst nicht auszugehen war, das es eines werden würde. Der erste Heimerfolg sollte und musste natürlich unbedingt her, um nicht direkt zu Saisonbeginn schon den Anschluss zu verlieren, aber Fußball ist eben nicht planbar.

Um nun nicht auch Gefahr zu laufen, irgendwie höhere Mächte im Nachhinein für ein schlechtes Ergebnis verantwortlich zu sprechen, wurde schon vorher versucht, die Götter des Aberglaubens gnädig zu stimmen. Ergo: Anderes Trikot an. Andere Fahrtroute. Vorher tanken und schon vor dem Spiel das „nach dem Spiel Bier“ für Zuhause kaufen. Aber in Bottrop tanke ich nicht mehr, da wird man andauernd und ungefragt auf sein Gewicht reduziert: „Oh, der ist RWE Fan, der hat es schon schwer genug“.

Die Frikadelle wurde nun an einem anderen Stand erworben und die Tribüne wurde quasi erst mit der Mannschaft betreten. Albern, ich weiss. Nur ist der RWE doch geradezu dazu prädestiniert, gegen eine Mannschaft in den Sack zu hauen, die nicht nur als Außenseiter, sondern überhaupt das erste Mal an der Hafenstraße zu Gast ist. Und dann wäre es direkt und unverzüglich wieder sehr ungemütlich geworden. Die Zuschauer kamen zunächst recht spärlich. Zwar nicht so gekleidet, doch in der Anzahl, Richtung Stadion. Es war Werktag, es waren die bisherigen Heimspiele und es gab auch keine Auswärtsfans. Alles also sehr gediegen. Und doch war der Tenor der kurzen Gespräche eindeutig: Heute muss gewonnen werden. Eine Erwartungshaltung, wie gemacht für eine Niederlage.

Doch dann kam alles anders:

ISDT
1: 0 RWE vor mittlerweile doch 23.456 Fans. Die Erndtebrücker standen noch im Stau. #RWETUS
25.08.15 19:4
ISDT
2:0 RWE nach einer Roncalli würdigen Flugeinlage. Die Erndtebrücker Fans haben enttäuscht das Stadion verlassen. #RWETUS
25.08.15 19:52
ISDT
Eigentor zum 2:1 durch das „Kacktor“ des Jahrhunderts. Unbedrängt köpft der RWE Spieler lässig & elegant neben dem verdutzten Torwart ein.
25.08.15 19:58
ISDT
3:1 in der 30. Spielminuten durch Coca Cola. Präsentiert durch Marvin Studtrucker. Oder andersrum. So, nun wieder Eigentor… #RWETUS
25.08.15 20:04
ISDT
Halbzeit 3:1 RWE. Wir feiern und singen, tanzen und springen. Und haben natürlich noch lange nicht gewonnen… #RWETUS
25.08.15 20:19
ISDT
So selten wie Drillinge auf normalem Wege: Ein Elfmetertor für den RWE: 4:1 #RWETUS
25.08.15 20:39
ISDT
Fünf Baby, gib mir Fünf. 5:1 #RWETUS
25.08.15 20:44
ISDT
6:1
25.08.15 20:49
ISDT
Endlich wieder Sechs an der Hafenstraße. Ist ja nicht mehr auszuhalten.
25.08.15 20:50
ISDT
Die Sieben Tore des RWE. 7:1 #RWETUS
25.08.15 20:59
ISDT
Ach Du grüne Neune: 8:1 #RWETUS
25.08.15 21:07

Viele Tore, viele jubelbedingte Unterbrechungen. Zeit also, zu zwitschern, was die Tore hergeben. Im laufenden Spiel gilt natürlich Handy weg. Für das neunte und letzte Tor fehlten dann allerdings die Worte. Zehn Tore also, die allesamt durch Spieler des RWE erzielt wurden. Inklusive einiger ungenutzter Torchancen. Was aber auch gut so war, denn solch Ergebnis trübt oft die Sinne. Denn es war natürlich ein einseitiges, aber nun nicht unbedingt hochklassiges Spiel. Es war einfach brutal effektiv.

Und Patrick Huckle wird sicher damit rechnen, dass sein Tor unweigerlich das Tor des Abends sein wird. Vielleicht hat er Glück, und es wurde nicht gefilmt; dann bleibt im das „Kacktor der Woche“ auf Arnd Zeiglers wunderbarer Welt des Fußballs erspart. Wenn doch, dann kann er aber für sich in Anspruch nehmen, dass dieser Fauxpas seiner Leistung keinen Abbruch tat und er sich souverän in das Spiel zurückgekämpft hat. Das ist manchmal viel mehr wert. Die Fans hatten ihren Spaß am Spiel, zwischen ungläubig zur Kenntnis nehmend und träumend im Gras liegend. Alte Gassenhauer wurden herausgekramt. Rot-Weiss Essen ole`.

So was hat man lange nicht geseh`n und noch weniger gehört. Es war eine schöne Heimfahrt.