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Ode an die Freude

Vor Wochen den Kopf des Trainers gefordert [also im übertragenen Sinne jetzt], hängt der Himmel über diesem Blog plötzlich und unerwartet voller Geigen. Der Fußballgott wirft Tore und Punkte freigiebig in Richtung Hafenstraße, lässt andere Protagonisten an der Tabellenspitze stolpern. Geiler Typ gerade!

Sollten die sechs Punkte sowie zehn Tore unter anderem [trainiert wird ja weiterhin] auch ein Ergebnis der Aussprache zwischen Team und Fanvertretern sein, dann versprecht uns und Euch bitte eines: Keiner, der in Zukunft mit Atmosphäre oder seiner Akzeptanz unzufrieden ist, möge bitte wieder neun Spiele warten, dieses zu äußern! Raus damit, wenn etwas stört oder drückt.

Wir Fans haben uns teilweise doch auch nicht mit Ruhm bekleckert oder perfektes Krisenmanagement an den Tag gelegt. Aber, wir wollten schon vor der Saison reden und hatten es nun ganz dringend nötig. Das nun mit- und nicht übereinander Tacheles geredet wurde: Der Dank gebührt den Initiatoren und allen, die im Stadionbauch miteinander geredet haben. Besonders aber den vielen, welche nicht dabei waren und gegen Wattenscheid die Stunde Null angefeuert haben. Rot-Weiss Essen ist eben doch das gewisse Etwas.

10:0 Tore aus zwei Spielen liest sich zunächst natürlich wie Glanz und Gloria auf dem Feld. Belassen wir es aber noch bei Gloria und erfreuen uns daran. Der Glanz muss weiter im Training erarbeitet werden, spielerisch und individuell ist immer noch Luft nach oben. Ein Fakt, welcher der vor Wochen schon wiehernden Konkurrenz natürlich zu denken geben sollte. Auch zeigt sich langsam aber sicher, dass der RWE in der so oft zitierten Breite so gut besetzt ist, wie der Autor dieser Zeilen.

Erstaunlich, wie schnell es doch im Fußball dieser Tage gehen kann. Ich würde den Post von jenem Tag nicht zurücknehmen, denn es stand wirklich Schlimmes um unseren Verein zu befürchten. Und schon gar nicht war damit zu rechnen, heute kurz vor der Tabellenführung zu stehen. Es wurde also akribisch gearbeitet an der Hafenstraße. Was auch gut ist, denn nun steht etwas ganz anderes zu „befürchten“: Dem Umfeld könnten nun die Euphoriegäule durchgehen, da tut Ruhe und Besonnenheit not.

Die Liga ist zudem dicht beieinander und wenn uns der oben zitierte Fußballgott mal wieder nicht wohlgesonnen ist, dann geht es direkt wieder einige Plätze runter. Möglicherweise schon in Krefeld kommendes Wochenende. Dort jedoch, in einem traditionsreichen Stadion mit Stufen, werden wir nicht selektiert und begrenzt, sondern können einen gewaltigen Auswärtstross auf die Beine stellen und in die Grotenburg bringen. Angst habe ich höchstens vor dem Grotifanten und Herrn Lakis: Beide auf ihre Art etwas überlagert, aber durchaus mit Unterhaltungswert.

Unterhaltungswert beinhaltet Unterhaltung und Wert: Es ist eine weitere Unterhaltung geplant, welche für Fans und Mannschaft von großem Wert sein könnte: Die Ultras Essen bitten zu Tisch und Gedankenaustausch. Wieder eine Gelegenheit, enger zusammenzurücken und  Fans und Verein langsam aber behutsam in eine gute Richtung zu bringen. Ein ganz anderer Ansatz, als bisweilen bei anderen Vereinen und Fanszenen gelebt. Vielleicht sogar der einzig gangbare Weg, um das Stadion Essen mit verbaler Patina zu belegen, die uns allen so fehlt. Ein klein wenig Mythos zurückholen. Gemeinsam.

Und Los…

Ackerbau und die Axt im Walde

Einem Gemäßigten platzt nun der Kragen. Und ich bin so gemäßigt, dass ich mich bei meinen Stadionnachbarn entschuldige, wenn ich mal spielbezogen lauter werde. Schlicht und ergreifend: Ich bin furchtbar normal im Stadion. Trage meine Farben, will meine Mannschaft siegen sehen und ein klein wenig dazu beitragen.

Aber was ist mit Dir oder Euch, die Ihr gestern kurz vor Anpfiff verfügt habt, eine lange im Vorfeld geplante Choreo abzusagen? Was treibt Euch an? Welche Axt im Walde habt Ihr gefunden, um mal eben ein Stück Fußballkultur mit den Füßen zu treten? Glaubt Ihr, weil wir nun alle Weltmeister sind, haben wir uns auch den Dogmen der FIFA zu unterwerfen? Einen Scheiß müssen wir!

Wir sind Essen, wir leben und lieben Fußball. Und nur, weil nicht immer alles rund läuft, nicht alle einer Meinung sind, so wissen wir doch, dass Fußball vor allem eines ist: Emotion! Sicher habt Ihr die Choreos der letzten Jahre gesehen. Gar bewundert. Vielleicht sogar fotografiert und zu Werbezwecken benutzt; Wie toll doch unsere neue Bude ist. Wie stimmungsvoll die Atmosphäre und so weiter. Ihr wisst, was ich meine.

Die Highlights der letzten Jahre im Stadion waren nicht die Spiele, sondern die Choreos der letzten Spieltage. Oder lag es nun daran, dass es sich um den ersten Spieltag gehandelt hat? Urlaubszeit, und der fußballaffine Entscheider vielleicht nicht im Büro zugegen, sondern in der Sonne? Also raus damit, wo genau lag das Problem, dass eine, uns allen nun unbekannte Choreo zu unchristlicher Zeit verboten wurde? Zeigt wenigstens Anstand und lasst uns die Gründe wissen. Vielleicht können wir dann im Ansatz etwas verstehen, was ich aber zu bezweifeln wage.

Übrigens hätte auch dieses Werbeluftschiff mitten in das schöne neue Stadion fallen und platzen können….und dann? Alles kaputt!

Ich wünsche mir, dass der Entschluss, nun keine Choreos mehr durchzuführen, noch einmal überdacht wird. Ein Boykott pudert den Amtsschimmel! Ich weiss, ich habe gut reden: Ich plane weder, noch opfere ich Stunden auf den Knien, um für andere Fans und meinen Verein etwas glanzvolles zuwege zu bringen. Aber wir anderen Fans wissen um die Leidenschaft und Arbeit, die dahintersteckt. Ackert weiter! Isolieren wir friedlich und mit Witz diese fußballfremden Menschen, die eine Kultur mit Füßen treten. Die mir vorschreiben wollen, in welchen Farben ich zum Beispiel in Lotte die Tribüne zu betreten habe oder dergleichen. Voll gemäßigt natürlich.

Danke übrigens dafür, trotzdem die Mannschaft zu unterstützen und nicht den bei Unstimmigkeiten häufiger gewählten Weg des Stimmungsboykottes zu beschreiten! Das war großes Kino!

Ach, um das gestrige Spiel nicht unerwähnt zu lassen: Die Mannschaft hat geackert. Und besonders in der ersten Halbzeit ein gutes Spiel abgeliefert. Ich glaube, wir finden schnell zueinander. Die auf dem Feld und wir auf den Tribünen. Wenigstens das kann uns keiner verbieten.