Partisanen

Der Fall der Mauer ist in diesen Tagen in aller Munde. Aus heutiger Sicht kaum mehr vorstellbar, dass ein solch historisches Ereignis ohne Privatfernsehen, Internet, Handys oder gar Twitter passieren konnte. Und doch, es war so und so wie es war, war es auch gut. Die Historie dieser Tage kennt jeder, aber können wir, die wir nicht in der ehemaligen DDR gelebt haben, uns wirklich ein Bild davon machen, was es bedeutet hat, in diesem Staate zu Leben, wenn man nicht Teil des Systems war? Nach zwanzig Jahren gestehe ich mir ein, dass die DDR damals sehr weit weg war, und eine Vereinigung auch noch nicht in meinem realen Leben stattgefunden hat. Dieses ist vielleicht wirklich auch geographischen Gesichtspunkten geschuldet, denn hier in Nordhorn sind wir sowas von “Wessis”, dass wir fast schon eher “Ostholländer” denn Sachsen sind. “Unsere” Grenze war die in Richtung Niederlande, zwei Kilometer entfernt und ein kleiner Junge hat es damals als sehr spannend empfunden, kontrolliert zu werden. Natürlich haben wir nie mehr als die erlaubten Mengen an Kaffee und Tabak in die BRD eingeführt, davon gehe ich nun mal aus. Aber eine Grenze in einer solch Dimension wie die Zonengrenze, das konnte man sich hier nicht vorstellen. Die Bundesjugendspiele 1986 haben uns dann nach Berlin geführt und auch durch die “Zone”. Aber auch hier die Frage: Was haben wir denn von der DDR seiner Tage mitbekommen? Schon spannend, wie die Grenzer den Bus des Turnverein Nordhorn unter die Lupe genommen haben. Viel wichtiger aber doch der Intershop. Noch spannender der Grenzübergang in Berlin selber: Eine Straße, und doch zwei Welten, zwei Länder gar und unterschiedliche Systeme. Und auch hier unserer Eindruck: Berliner Weisse mit Schuß im Palast der Republik. Ergo: Dieses Land war uns sehr fremd und nun trat unsere Psychologiedozentin am Morgen des 10. November 1989 vor uns und berichtete all denen, die es noch überhaupt nicht mitbekommen hatten, von den Ereignissen der damaligen Nacht. Das alles ist nun zwanzig Jahre her und erst jetzt bekomme ich langsam, aber sicher einen Eindruck, welch perfidem System die Menschen in der ehemaligen DDR unterworfen waren. “Schuld” daran unter anderem die Stasi Akte andoras und sein nicht endendes Engagement, darauf hinzuweisen, dass letztendlich nicht wirklich eine Revolution stattgefunden hat, in der man seine Peiniger aus dem Land jagt. Trotzdem ist es immer ein Grund zu feiern, wenn ein Land seiner Fesseln beraubt wird. Nur, wo sind denn all die Schergen geblieben, die dem System zu seiner Existenz verholfen haben und was ist in den vergangenen zwanzig Jahren im Osten unserer Republik nun letztendlich passiert? Ich denke, dass es noch ein langer Weg sein wird, bis sich Ost und West wirklich angeglichen haben und vorurteilsfrei miteinander umgehen können. Und es ist nicht böse gemeint, wenn mir Denekamp näher als Dresden ist.

Ein Kommentar

  • Ich finde es schön, Leute zu sehen, die sich freuen und glücklich sind. Wieviel Grund zum Feiern es wirklich gibt, darf und kann jeder Einzelne für sich selbst entscheiden.
    Am 9.11.2009 kam jedenfalls niemand bei mir klingeln, um mich dazu aufzufordern zur Feier des Tages ein Fähnchen aus dem Fenster zu hängen oder an einer Kundgebung teilzunehmen. Nunja, das war für mich zwar zeitlebens ein Stück Normalität, aber wenn ich's mir recht überlege, könnte es zugleich auch ein Grund zum Feiern sein.

    Andreas (inselalben@blogspot.com)

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