Hurra, wir leben noch…

Vorab: Dieses wird kein Bericht über das Spiel des RWE gegen den VfB Homberg als solches, keine Analyse der taktischen Ausrichtung oder der Aufstellungen. Hier und jetzt schreibe ich einfach nur auf, was sich rund um ein wohl einzigartiges Fußballspiel der fünften Liga ereignet hat.

Spiel 1 also nach der Insolvenz und dem Gnadenbesuch der NRW Liga. Diesem Umstand geschuldet wird der jüngste Kader der Vereinsgeschichte (21,04 Jahre) für die Saison gemeldet. Und obwohl andere Teams personell viel besser aufgestellt sind, wird der RWE doch von vielen anderen Vereinen als Favorit gehandelt. Schließlich winken der Mannschaft doch fast 34 Heimspiele, so der allgemeine Tenor. Nur, ist dem auch so, oder haben die Fans endgültig genug von den Machenschaften der letzten Jahre? Spannend also und diesen Gedanken folgend habe ich fast etwas verpasst: Die Hafenstraße als solche nämlich: Abhängig von der Anhängerschaft des jeweiligen Gegners zeugen sonst schon kurz hinter Bottrop Einsatzfahrzeuge der Polizei von der Tatsache, sich dem Georg Melches Stadion zu nähern.Und eben diese Hundertschaften fehlten auf einmal: Freier Parkraum für freie Bürger also. Ganz klarer Punkt für die NRW Liga.

Auch entlang der “Köttelbecke” hinter der Nordtribüne konnte gewandert werden, in Richtung des alten Gästezuganges. Hier bot sich dann auch der Blick auf den Bereich, wo noch im letzten Jahr viele Märchenonkel ein neues Stadion für Essen errichten wollten. Das da trotzdem zur Zeit ein Karree aufgeschüttet wird, erstaunt den Betrachter. Zwar gibt es noch einen gültigen Ratsbeschluss, ohne Genehmigung aus Düsseldorf ist der aber wertlos. Vielleicht also nur eine Beschäftigungsmaßnahme, bei der, so wird gemunkelt, anderweitiger Schutt elegant entsorgt wird.

Nebensächlich aber an diesem Freitag. Rund um das Stadion schien es so, als sei den Fans eine jahrelange Last genommen worden. Ich habe selten soviel Vorfreude und Gute Laune vor einem Spiel des RWE gespürt. Ich glaube ein Jeder war froh, dass diese als Verein getarnte, wunderbare Chaostheorie weiterexistieren und endlich wieder bei Null anfangen kann. Konnte man eine Stunde vor Spielbeginn doch noch den Eindruck bekommen, das angestrebte Ziel “3000+” wird nicht erreicht, so bot sich kurze Zeit später ein beeindruckendes Bild vor dem Stadion: Lange Schlangen an den Kassen und jede Menge weitere Fans im Anmarsch. Folgerichtig wurde der Anpfiff verschoben.

Ja und dann gilt es eigentlich nur noch mit Gänsehaut weiter zu berichten: Als die Mannschaften auflaufen, erhebt sich die Haupttribüne und das ganze Stadion singt! “…Immer wieder RWE….” wie wahr. Mit Anpfiff beginnt dann eine Unterstützung, die vielleicht auch Rolf Töpperwien wieder zu seinem legendären Vergleich “Hafenstrasse – Maracana” veranlassen würde. Zwischendurch habe ich gedacht, irgendwo sind Lautsprecher angebracht, so brachial laut die Anfeuerung. Spieler und Fans (und auch die untereinander) bildeten eine Einheit, wie wohl seit Jahren nicht mehr. Und das bei einem Spiel, dessen Ligazugehörigkeit immer wieder aufblitzte, aber durch einen unbändigen Einsatz der rot weissen wieder wettgemacht wurde.

Hier wurde kein Ball freiwillig dem Gegner überlassen. Donnernder Applaus zur Halbzeit, und kurz vor Spielende ein Torjubel, der einer Eruption der Gefühle gleichkam. Ein wunderschönes Tor belohnte den nimmermüden Einsatz diesseits und jenseits der Seitenlinie. Die ersten drei Punkte der “Hurra wir leben noch” Saison waren Fakt und kurzzeitig schrieb der RWE endlich einmal wieder überregional positive Schlagzeilen.

Vielleicht wird das erste Auswärtsspiel in Velbert verloren und dann ist alles direkt wieder Scheiße, aber dieser Abend wird allen RWE Fans unvergesslich bleiben. Hurra, wir leben noch!!

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