Erfolg macht Sexy

Die Mannschaft steht an der Tabellenspitze, der Verein erfindet sich, seine Finanzen und nun vielleicht doch sein Stadion neu, da ist doch eigentlich die Ligazugehörigkeit wurscht. Der RWE dieser Tage handelt nämlich fast nach Jahrzehnten und völlig überraschend seinem inoffiziellen Vereinslied Adiole entsprechend: „….kenn ich nur frohe Stunden…..oooooh RWE“.

Die 260 Kilometer hin- und zurück machen wieder Spaß und Sinn, im Stadion versammeln sich ebensoviele Fans wie zu schlechten Zweitligazeiten und die Frikadelle ist weiterhin das leckerste Stück Fleisch zwischen Vechte und Ruhr. Sogar während der Spiele der rot weissen können momentan nur erfreuliche Kurztexte via Twitter übermittelt werden.

Genau dieses Twitter ist es, welches nun den Puls der Fußballwelt darstellt. Natürlich davon abhängig, wie man dort folgt, oder verfolgt wird. Nun folge ich unter anderem auch „hochrangigen“ Vertretern des Fußballs, und stelle fest: Sportlicher Erfolg ist stets nur eine Momentaufnahme. Während ich also lustig zwitschern kann, ob der Unbekümmertheit dieser jungen Mannschaft, haben sich die Vertreter einiger Bundesligamannschaften die Augen zu reiben oder schwer mit den Vereinsnerven zu kämpfen: Was ist los beim FC Bayern, warum stehen die Stuttgarter auf einem Abstiegsplatz, macht der HSV jetzt schon in der Hinrunde schlapp und nicht wie sonst, erst zum Ende einer jeweiligen Saison? Bleibt Union eisern und der VfL Bochum überhaupt in der Liga? Um nur einige zu nennen.

Da bleibt dann nicht mehr viel von den schönen Erfolgstweets der letzten Saison, sondern es wird heftigst gelitten, kontrovers diskutiert oder einfach in Agonie verfallen. Aus der Sicht des unterklassigen Tabellenführers erscheint es dann oftmals so wie das berühmte Klagen auf hohem Niveau. Aber hey, laß die anderen Klagen, schließlich sind wir doch Tabellenführer. Und dann kommt er doch, der Moment, in dem es gilt ganz,ganz ehrlich zu sein: So sexy Erfolg auch sein mag: So ein wenig (und noch viel mehr) sehnt man sich doch danach, zurückzukommen in den sportlichen Fokus der bundesweiten Öffentlichkeit. Das aber kann, wenn überhaupt, Jahre dauern.

Bis dahin also, erfreuen wir uns weiter am derzeitigen Erfolg. Fühlen uns gut dabei, berichten darüber und leiden mit denen, die sportlich zur Zeit nicht besonders erotisch daherkommen.

2 Kommentare

  • naja – ich bin gerne aufgestiegen, das gebe ich zu. aber twittern und bloggen und fotografieren hat mir auch in der oberligasaison spaß gemacht, weils eine kleine, kuschelige nische war, wo man sich ausprobieren konnte. die abwesenheit professioneller strukturen ist für fußballfans ja nicht nur schlecht 😉

  • Sehr spannendes Thema, das Du da ansprichst.

    Weil es natürlich – natürlich? – in aller Regel mehr Spaß macht, um die Meisterschaft zu spielen als gegen den Abstieg. Einerseits. Und andererseits doch das Bestreben eines jeden – jeden? – Sportlers ist, sich mit den Besten, zumindest aber mit möglichst Guten, zu messen.

    Ich könnte mir vorstellen – und hoffe gleichzeitig, mir selbst schon wieder halb widersprechend – , dass der Zuschauer einer unterklassigen Spitzenmannschaft während der Spiele, wenn ein Fußballspiel einfach ein Fußballspiel ist, 11 gegen 11, Freude am Spiel, technische und taktische Finessen oftmals mehr Spaß hat als wenn er Erstligaspiele wie die des VfB ansieht. Und doch wird sich der gemeine Anhänger des MSV Duisburg spätestens beim Blick in die Zeitung oder das Netz, beim Verfolgen der Sportaschau oder meinetwegen auch von Sky90, vermutlich nichts sehnlicher wünschen, als bald wieder oben dabei zu sein, auch wenn's dort nur zu Platz 15 reichen sollte und man grottig kickt.

    Vielleicht sollten wir mal einen Bochumer, Bielefelder oder Nürnberger fragen, die dürften die Unterschiede zwischen begeisternden Zweit- und frustrierenden Erstligajahren ganz gut beschreiben können.

    Und ich glaube schon, dass die Thematik in der Regional- oder Ober-, Bezirks- oder Kreisliga zwar weniger existenziell ist, sich aber im Grunde ganz ähnlich stellt.

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