Monatsarchive: März 2012

„Deutscher Meister wird nur der RWE!“

So schnell kann es gehen: Am gestrigen Freitag abend dröhnte dieser Gesang von der Osttribüne und schallte von den anderen fünf Tribünen zurück, die gerade irgendwo in der Nähe herumstanden. 
Grund für diese berechtigten Hoffnungen war ein erneut erfolgreicher Auftritt derer in kurzen Hosen: Die Zweitvertretung des SV Bayer Leverkusen wurde mit 2:1 bezwungen. Ebenso wie zuvor die TuS Koblenz mit 2:0 und davor die kleinen Teufel wieder mit 2:1. Und davor dann gab es ja das Wuppertal Spiel. Wutbürgerlich hatte ich mich dieses Spieles ja schon angenommen, aber dabei verpasst, die Mannschaft für ihr leidenschaftliches Spiel an diesem Nachmittag gegen einen alten Rivalen zu würdigen. Oder den Zuschauerzuspruch von fast 9.000 Fans. Oder und gerade auch die Tatsache, wieder einem interaktiven Kontakt in echt und Farbe von den Frikadellen vorzuschwärmen. 
Das sportliche gerät also gerade zu einer Konstanten. Der Weg aus dem Tabellenkeller der Regionalliga West ist geschafft, die guten Leistungen wiederholen sich und recht entspannt kann die Saison zu Ende gespielt werden. Augenscheinlich zumindest, geht doch weder nach oben noch nach unten etwas. Ein Schein, der natürlich trügt. Denn jetzt und in den kommenden Spielen wird sicher schon die Elf für die kommende Saison gesucht. Die Spieler, die als erste in das neue Stadion an der Hafenstrasse auflaufen dürfen. Eine Aussicht, die sicher auch beflügeln dürfte und sollte. Bleibt also spannend. 
Spannend derweil auch weiterhin das Geschehen rund um das fußballerische Kerngeschäft: Der RWE und seine Mitarbeiter stellen mögliches und unmögliches auf die Beine. Man möchte am liebsten hingehen und mithelfen dürfen, so sehr suggeriert das Geschehen rund um die Hafenstrasse ein Gefühl von Gemeinsamkeit. Gestern vormittag durften aber alle einmal kurz durchatmen (hoffe ich jedenfalls) und dem Richtfest im stetig wachsenden Neubau an der Hafenstrasse beiwohnen. 
Eigentlich kaum vorstellbar, daß dieser Akt nach all den Querelen wirklich durchgeführt wurde, aber dem war so. Gut zu erkennen an den salbungsvollen Worten der Politiker und strategischen Verantwortlichen. Wohltuend an der Stelle dann ein, zwei Spitzen von Manfred Breuckmann als Moderator des Richtfestes. Ganz so einfach war und ist es lokalpolitisch und in den Haushaltsgremien immer noch nicht bestellt um das Stadion Essen. 
Aber, ein Baustopp droht wohl nicht mehr, so ein salopper Spruch meines allerliebsten Fußballmoderators im Ruhestand. Vereinsvertreter haben übrigens nicht das Mikrofon ergriffen, sicher auch um zu verdeutlichen: Hier bauen wir ein Stadion Essen. Punkt. Und doch kamen gerade die anderen Redner nicht umhin, den Zuschauerschnitt der rot weissen und das Flair an der Hafenstrasse unisono zu loben. Keine Atempause, Geschichte wird gemacht! Es geht voran…. 
Richtfest Stadion Essen 30/3/12

Wutbürger

Wenn nicht ein Verletzter auf einer Trage nebst einer übelst aussehenden Gesichtsverletzung die Realität ausmachen würde, so hätte man die Geschehnisse rund um das Spiel gegen den Wuppertaler SV auch als Übung bezeichnen können. 
Und zwar als eine Übung dafür, wie es so niemals passieren sollte. Ist es aber, und somit war es auch keine Übung. Es war eigentlich nicht einmal groß der Rede wert, denn rustikal geht es nun einmal zu in Essen. Wäre aber ohne den Einsatz von pyrotechnischem Material der Einsatz des Sicherheitsdienstes im Block nicht erfolgt, dazu noch in einem Ungleichgewicht der Kräfte? 
Spekulationen, die zu keinem Ergebnis führen werden. Fakt bleibt: Es wurde gezündelt. Das rief einige private Sicherheitskräfte, eher eskalierend, denn deeskalierend, auf den Plan. Die Situation geriet außer Kontrolle. Irgendwann bequemte sich dann auch die Polizei in den Block. Zu spät für den Verletzten. 
So sahen es auch die Essener Fans auf der anderen Zaunseite und verbalisierten dieses sicher nicht jugendfrei. Und natürlich war manch einer dabei, der es gerne hätte „krachen lassen“. Aber in diesem Block standen auch die oft zitierten „Normalos“. Ergo auch Frauen und Kinder. Fußballfreunde. 
Hier aber war nun die Polizei sehr schnell an Ort und Stelle. Sicher auch um den breiten Puffer, die Fangnetze und Barrieren zu verstärken ( wenn es nach mir gehen würde, bräuchten wir derlei überhaupt nicht)….. und unterstrich dieses Ansinnen mit dem Modegewürz dieser Tage. 
Das Breitbandantibiotikum für die aufbegehrende Masse sozusagen. Einfach mal hinein, es wird auch schon die richtigen treffen. Was dann wieder zu Gesängen aus der Essener Kurve führte. Gesänge, die ich persönlich nicht gutheißen kann, und von denen sich die White Stripes sicher distanzieren würden. 
Also: Ein Beispiel erster Güte, wie sich aus einer relativen Nichtigkeit eine Gewaltspirale entwickeln kann. Ein Beispiel auch dafür, wie unausgegoren sich das Verhältnis zwischen privaten Ordnungsdiensten, szenekundigen Mitarbeitern, Polizei und Fans aktuell gestaltet. Es war doch klar, daß die Gästefans zündeln werden. Die Frage war nur wann. 
So aber war alles Mist: Das Zündeln, der Einsatz einiger Securitys. Die Zeitfenster der Polizei hüben wie drüben usw. Das soll es dazu dann gewesen sein. Viel zuviel Zeilen, die einem nicht helfen werden: Demjenigen, der Angst um sein Augenlicht haben mußte und vielleicht noch hat. Gute Besserung an dieser Stelle!

…ich habe die Texte zu diesem Spiel nun doch getrennt. Der zweite wird viel freundlicher ob der engagierten Mannschaftsleistung.