Von einem freundlichen Spiel

Deutschland gegen die Niederlande, die einen sagen so, die anderen so. Auf jeden Fall immer ein besonderes Spiel für alle Beteiligten, sogar eines eigenen Wikipedia Eintrages würdig.
Nachbarschaftsderby, Klassiker… auch die mediale Klaviatur kann zu diesem Spiel nach Belieben rauf und runter gespielt werden. Gab es besonders in den Jahren 1988 und 1990 auch hier einige Unruhen und Provokationen an den Grenzen, so hat dieses Spiel speziell hier in der Grafschaft Bentheim fast den Charakter eines „Friendly Derby“ angenommen. Ein Grund dafür ist, daß hier in der Grafschaft viele Familien grenzüberschreitend „gegründet“ wurden, und das schon lange vor dem dunkelsten Kapitel der Deutschen Geschichte. 
In der Neuzeit dagegen haben die hohen Immobilienpreise jenseits der Grenze viele Niederländer dazu bewogen, diesseits der Grenze, zudem noch doppelt gefördert, heimisch zu werden. Zu erkennen aktuell an Fahrzeugen mit NOH Kennzeichen und orangenem Fähnchen, oder an Wohngebieten, in der sich schwarz rot gold und oranje abwechseln. 
Und was wäre besonders die Stadt Nordhorn ohne unsere niederländischen Nachbarn ? Arm dran, würde ich einmal behaupten. An manchen Tagen wird das Freibad zu 90% bevölkert, manchmal sich auch so benommen und der schöne Tierpark gestaltet sich gleich komplett zweisprachig und erfreut sich zurecht auf beiden Seiten der Grenze großer Beliebtheit.   
Fährt der Grafschafter gerne nach Enschede auf den Markt,  steht besonders gerne an Feiertagen vor einem Blumengroßhandel im Stau, so kommen die Nachbarn ihrerseits am Koniginnendag rüber, um das Bruttosozialprodukt anzutreiben. Wir tanken Diesel nebenan und die Nachbarn kaufen hier Küchen. Eigentlich sind wir hier in der Region schon ein ganz eigenes Völkchen geworden. Die Älteren brauchen nicht einmal Kenntnis der jeweiligen Landessprache, man versteht sich hier Platt .
Und so bestimmt dieses Spiel schon Tage vorher an den neuralgischen Punkten der Region jedes Gespräch, wird sich gefoppt oder der Ton manchmal doch wieder etwas schärfer. Am Spieltag selber nimmt der Grenzverkehr dann erstaunlicherweise ab. Man lässt sich dann weitestgehend in Ruhe. Vielleicht auch noch am Tag nach dem Spiel, muß das Ergebnis doch erst einmal verarbeitet werden.
Aber Barrikaden an den Grenzen, oder ein provozierendes „rübermachen“, das wird es hier in der Region wohl nicht mehr so schnell geben. Freundlich wie wir hier alle sind. Übrigens,  auch Im Schatten der Tribüne ist anteilig niederländischer Abstammung.

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