Monatsarchive: März 2013

Rückkehr zur Normalität

Wurde vollzogen: Ein Punkt aus den letzten beiden Spielen. Die Mannschaft war stets bemüht. Der Trainer erreicht diese sicher nicht mehr. Relegationsträume sind ausgeträumt. Geld in die Hand nehmen. Sofort! Lieber schnell aufsteigen. Dann kann man ruhig wieder pleite gehen. Aber der Aufstieg muss her. Gestern! 
Stimmung ist auch Scheiße. Früher war alles besser. Keine Hoffnung mehr in Sicht. Damals gab es noch vier Tore. In jedem Spiel. Traumfußball. Europapokal und Bundesliga. 

„Wir steh`n zu Dir, scheiß auf Liga Vier….“

Aber, und das ist wirklich Fakt: Wir müssen aus dieser Liga raus. Nun hat sich die Mannschaft in zwei ganz schlechten Auftritten selber der kleinen Hoffnung beraubt. Leider aber auch ihren zigtausenden Fans diese genommen. Dem Verein! Und wir haben daran gerade ganz schwer zu knabbern. Leben das aus. Wie früher. Ganz normal. 

Fortuna Kasachstan

Männer kommunizieren ja bekanntermaßen nicht in einem Umfang, wie es das schönere Geschlecht bisweilen zu tun vermag. Ein: „Wie isset?“ als Fragestellung mit „Scheisse isset!“ beantwortet, und die Sache ist klar. Da dieser epochale Dialog zweier RWE Fans allerdings vor dem Fortuna Spiel stattfand, steht zu befürchten, dass es dem antwortenden Fan nach dem Spiel auch nicht gerade besser ging.
Womit auch dem Unwissenden nun klar ist: Das Spiel des RWE gegen die Kölner Fortuna wurde mit 0:1 verloren. Das knappste aller Ergebnisse als Schlag ins Kontor aller sportlichen Träume. Nach  den ersten Minuten vermochte man selbst auf das Spielfeld zu rennen und die schmächtigen Spieler des RWE vor der anrennenden Überzahl der mindestens drei Meter großen Fortunen zu schützen. Sparta reloaded. Natürlich hatten auch die Kölner nur Elf Spieler auf dem Feld, übten aber direkt  mit Anpfiff solch Druck aus, so dass der RWE kaum zu einem geordneten Spielaufbau kam. 
Zudem gab es direkt ordentlich auf die Socken und wusste auch der Gästetrainer mit einer eigenen Auslegung von Coaching und deren Zone gut zur zwischenzeitlichen Hektik und Motivation seiner Mannschaft beizutragen. Die Taktik, dem RWE dadurch die eigene druckvolle Anfangsphase zu nehmen, ging voll auf und wurde absehbar mit der Führung belohnt. 
Kommentiert wie folgt von einem Zuschauer in der Nähe: „Immer wenn ich hier bin, verlieren die“. Super, was machte der dann überhaupt im Stadion, dazu bei dieser Kälte ? Die Spieler des RWE bemühten sich nach Kräften aber erfolglos, in das eigene Spiel zu finden. Eine Anstrengung, welche von den Rängen mit ausdauernder Anfeuerung honoriert wurde. Machten dann beide Tribünen mit, war zudem im Gästeblock Bewegung zu erkennen und Anfeuerung zu hören, dann ist die Liga für einen kurzen Moment wirklich egal. Oder das Kasachstan Spiel in wärmerer Umgebung. 
Die zweite Halbzeit brachte insgesamt keine fußballerische Steigerung mit sich, wohl aber eine leichte Verschiebung in Richtung Kölner Tor. Die Einzelaktion, die es an diesem Abend zu einem Torerfolg bedurfte, kam aber nicht. Höchst unkonventionell bisweilen die Positionsverschiebungen einiger Spieler, ähnlich der schönen Eigenart, wie unser Trainer seine Mützen zu tragen pflegt. Aber auch das alles ohne Erfolg gekrönt und von unglaublich sicher stehenden und agierenden Fortunen verhindert. 
Es blieb also bei einer weiteren knappen Niederlage in der Festung Hafenstraße. Eine Niederlage, die dem erfahrenen Zuseher schon nach wenigen Spieleindrücken schwante, fand kaum ein Spieler an diesem Abend seine Normalform oder den Ball wie gewohnt am Fuß wieder. Und suchen war ja noch verboten, da Fastenzeit. Den Zeitpunkt einer Niederlage sucht sich nun keine Fan oder Spieler freiwillig aus, und die restliche Saison ohne eine solche zu überstehen, daran hat auch wohl keiner geglaubt. 
Der Zeitpunkt ist es also, der so dumm daherkommt. Wir waren dran, sogar drauf und dran. Richtig nah dran geradezu. Hätten einen „Großen“ ärgern können, das nächste Spiel vor Augen, welches als Auswärtsspiel getarnt ist. Da wir aber Rot Weiss Essen sind, sieht die Welt bei einem möglichen Auswärtserfolg in und bei Kray schon wieder ganz anders aus. 
Anders die rot weisse Welt gerade in den Medien. Eine nicht zitierfähige Tapete zieht seine Kreise und schert in den Redaktionsstuben bisweilen alle über einen Kamm. Beeindruckend daher eine schnelle Stellungnahme des Vereins. Beeindruckend neben den klaren Worten der Absage und Entschuldigung aber auch die Botschaft, die uns Fans erreicht: Rot Weiss Essen will kein Klatschpappenpublikum, sondern weiss um seine Anhänger und nimmt sie so wie sie sind. Setzt auf Kommunikation und Fanprojekt. Duldet Kritik und unterstützt Fanangelegenheiten. In Zeiten, wo sogar schon auf St. Pauli Wunderkerzen verboten werden, ein hohes Gut für Fans, die ihre Leidenschaft noch ein wenig selbstbestimmt ausleben wollen. 

Köln, South Yorkshire

Durch die vielen Spielausfälle der letzten 23 Wintermonate scheint das weitere sportliche Schicksal des RWE direkt mit der Stadt Köln in Verbindung zu stehen. So der Eindruck aufgrund der Nachrichtenlage in diesen Monaten: 
Das Spiel beim 1.FC Köln fällt aus. Das Spiel gegen Fortuna Köln fällt aus. Streit bei Viktoria Köln. Das Spiel beim 1.FC Köln wird nachgeholt. Das Spiel gegen Fortuna Köln wird nachgeholt. Bei Viktoria gibt es Streit. Das Spiel gegen Viktoria findet noch statt. Und natürlich thront über allem noch eine, nicht nur streitbare, sondern weiterhin erfolgreiche Lotte. 
Warum der RWE aber  trotzdem die Saison auf dem Relegationsberechtigungsplatz abschließen wird, hat uns keine Glaskugel, sondern der Tabellenrechner des Kicker verraten. Dem Wunsch entsprechend natürlich mit Ergebnissen versorgt.Die Realität spielt sich zum Glück weiterhin auf dem Platz und nicht per Mausklick ab, womit wir wieder in Köln sind, am Samstag. 
Nicht in Köln, sondern zu Gast in Essen beim Spiel gegen Bergisch Gladbach waren Fans des ältesten noch real existierenden Fußballvereins der Welt, dem Sheffield FC von 1857. Aufmerksame Beobachter dürfen nun zurecht auf den VfL Bochum verweisen, welcher schon 1848 das Licht der sportlichen Welt erblickte. Zwar spielt der VfL dem Alter angemessenen Fußball, wurde aber nicht als reiner Fußballverein gegründet.
Ob es sich nun bei den Besuchern aus dem Mutterland um Fans des SFC im klassischen Sinne handelte (387 Fans besuchen im Schnitt die Heimspiele des Achtligisten, so die Recherche), oder vielleicht um den Betriebsausflug der Insolvenzverwalter aus South Yorkshire, wir werden es so schnell nicht erfahren. 
Die Beinkleider eines der „Lads“ deuteten rein optisch eher auf einen lokalen Junggesellenabschied hin. Dem Vernehmen nach sind aber alle gut nach Hause gekommen und fühlten sich gut unterhalten. 
Und doch hätte man der Reisegruppe für diesen Aufwand den Fußball und die Stimmung aus dem Leverkusen Spiel gegönnt. 
War sonst noch was ? Die Webcam ist noch in Kur, Kampfente Willi eskaliert vor Freude in der Weststadthalle; Der FC Bayern kommt nicht in Freundschaft; Lothar Matthäus hat auch mal wieder Geburtstag; Und, ganz wichtig: Köln. Samstag, 14.00 Uhr.

Tiki Taka, Taka Tuka, Tick,Trick & Track

Es ging alles sehr ruhig zu, rund um die Hafenstraße, anderthalb Stunden vor Anpfiff. Der Strom der Fans teilt sich in diesen Tagen noch vor der alten Osttribüne auf, anstatt sich wie früher auf dem Platz davor zu versammeln. Auch der sporadisch anwesende Getränkewagen zum Wohle aller Nostalgiker macht bei diesen Temperaturen nicht wirklich Sinn. 
Und so kommt der Fan erst kurz vor dem Anpfiff hinter dem Ofen hervor, um sich von der Mannschaft seines Vertrauens erwärmen zu lassen. Oder hat abgewartet, ob das Spiel denn auch nun wirklich stattfinden wird. Es fand statt, und fragen Sie nicht nach Sonnenschein: Rot Weiss Essen hat das heutige Spiel gegen die Zweitvertretung aus Leverkusen mit 4:0 gewonnen. Zwar wurden auch gegen Bergisch – Gladbach schon Vier Tore erzielt, aber das Spiel hier und heute, also gestern, brachte einen Hauch Fußballglanz in das neue Stadion. 
Mit Anpfiff lief der Ball dermaßen flüssig durch die Reihen der Essener, Magen Darm ist nichts dagegen. Eine frühe Führung nach neun Minuten wurde nicht verwaltet und nachlässig verschenkt, sondern nur zwei Minuten später ausgebaut. Schöne Tore dazu. Kamen dann die Leverkusener vor das Tor des RWE, zeigte sich der eigene Torwart als Souverän, wurde sich ebenso aus der Situation befreit. Kein Langholz nach vorne, abgesehen von einer wüst in den Himmel gedroschenen Kerze in der zweiten Halbzeit, sondern gepflegtes Kurzpassspiel und im Anschluss sofort der intelligente Pass auf die anspielbereiten Spieler auf den Außenbahnen. 
Das sah richtig gut aus und stellte den Fernsehfußball dieser Woche in den Schatten. Mit wohlwollenden Applaus wurden die Spieler in die Kabine verabschiedet und einige neue Kapitäne der Hafenstraße begrüßt. Mit Anpfiff der zweiten Halbzeit begann dann das spielerische Spektakel der rot weissen erst so richtig. Kritiker erwähnen an dieser Stelle gerne auch die Schwächen des Gegners. Gut, konstatieren wir den Spielern aus Leverkusen durchaus einen gebrauchten Abend und heben deren Torwart dafür umso mehr hervor. Trotzdem bedarf es aber auch dann eines Gegners, der daraus Kapital zu schlagen vermag. 
Und das tat der RWE in Form zweier weiterer Tore. Hinzu kamen ein verschossener Elfmeter, nebst einigen weiterer Chancen, vereitelt durch erwähnten Gästekeeper. Das ganze in einer Leichtigkeit, die nicht nur das Publikum derart verzückte, so dass es schon in der 70. Minute den „Schrecken vom Niederrhein“ forderte und bekam, sondern auch sonst lautstark die Deutsche Meisterschaft, den Europapokal, das eigene asoziale Dasein und die Farben der Stadt feierte. 
Das neue Oberhaupt der katholischen Kirche fand übrigens keinerlei Erwähnung. Wir sind eben nicht Mainstream. Vier Tore, zudem ein Auftritt, welcher Hoffnung macht auf weitere spannende Wochen. Ein Auftritt, der gezeigt hat, dass es nicht lohnt, über Rasen und Verletzte zu klagen, sondern dass es eben diejenigen zu spielen haben, die auf dem Platz stehen. Heute wurde Fußball gespielt. Und ein kleines Fünkchen Hoffnung neu erweckt, welches durch Verl schon erloschen schien. Danke für diesen tollen Fußball, das glaubt einem doch wieder keiner.

Herrschaftszeiten

Hätten wir am vergangenen Samstag doch bloß nicht gespielt. Was war es doch wieder alles schlecht. Wieder eine Niederlage. Wieder Klagelieder in den rot weissen Foren der Republik. 
Sind die Besucher einer Loge nur deshalb nach draussen „gestürmt“, weil sie drinnen die Ruhe nicht mehr ertragen konnten; Haben daher die Haupttribüne zu Gegenmaßnahmen in Form alter Gassenhauer animiert? Man weiss es nicht. Und dabei würde es uns doch besser gehen, wenn wir es wüssten.
Schließlich müssen wir Fußballfans dieser Tage schon in der Ungewissheit zu Bett gehen, welchen Weg ein Dortmunder Spieler eines Tages einschlagen wird. Wir haben abzuwägen, was Originalfußball und was Plagiatsgekicke darstellt. Ab wann ein Traditionsverein eben ein Traditionsverein oder doch nur Schalke ist. 
Wäre ja alles zu verkraften, würde doch unser eigener Verein nicht so langsam aber sicher verlieren. An Atmosphäre. Das Spiel gegen Bergisch – Gladbach wurde übrigens mit 4:1 gewonnen. Toll, oder ? Vier Tore, Drei Punkte. Zudem als gefühlter Kaltstart nach den ganzen Spielausfällen der letzten Wochen. Man sollte also mehr als zufrieden sein. 
Aber, es fehlte dem Spiel durchaus irgendetwas. Irgendetwas, was den berühmten Funken auf die Tribüne und die Fans auf selbiger hüpfen lässt. Trotz schöner Tore, eines gar als Bewerbungsschreiben zum Tor des Monats. Trotz einiger Momente, in welchen sich unsere Abwehr höchst instabil präsentierte. Zuzüglich gefühlter Selbstgefälligkeit, mit welcher einige Zeit nach der Führung agiert wurde. 
Unser Glück, dass der Gegner insgesamt zu bieder agierte, um die eigene Nachlässigkeit zu bestrafen. Somit war es einfach auch ein Spiel, das einfach mal keine große Atmosphäre an einem flachen Samstag Nachmittag zuließ. Vielleicht hilft hier Akzeptanz, dass es so ist, wie es ist. Und, so schlecht war es doch gar nicht. Subjektiv betrachtet. Es wurde doch gesungen.
Zumindest nicht so schlecht, dass hier nun wieder Fangruppierungen, Standorte, offene Ecken, Sitzschalen und Stehbeton in den verbalen Ring geworfen werden. Herrschaftszeiten, wir spielen Regionalliga, gegen einen Gegner, der nun nicht zu den Schwergewichten der Fußballwelt zählt (Das bitte nicht als Respektlosigkeit zu verstehen), das Spiel bot trotz des guten Ergebnisses keinerlei Aufreger, und dann ist das einfach auch mal so. 
Auch die Stehtribüne  allein wird mit Sicherheit nicht sofort zu einer Verbesserung der Stimmung beitragen, so dass alle zufrieden sind. Spielt der RWE auch in der nächsten Saison noch Regionalliga, richtet sich der Blick von der neuen alten West dann noch mehr in ein weitestgehend leeres Stadion, kann sich stimmungstechnisch kaum an Auswärtsfans hochgezogen werden. Es wird also weiterhin schwierig bleiben, ein steiniger Weg hin zu Mythos reloaded. 
Wenn wir aber daran selbst etwas ändern wollen, dann geht das nur im Stadion. Egal, ob sitzend oder stehend. Zumal rein rechnerisch sportlich noch alles im Bereich des Möglichen ist. Das nun ausgerechnet Sitzschalen kein Argument mehr gegen Stimmung darstellen, zeigt noch ausgerechneter ein Beispiel aus dem ehemals gelobten Land! 
Bei Crystal Palace FC, einem Londoner Zweitligisten und Bruder im Insolvenzgeiste tut sich seit einiger Zeit etwas, was den Gestrengen im Lande sicher die Augenbrauen zusammenziehen, das Herz vieler Fans aber höher schlagen lässt. Und das in einem reinen Sitzplatzstadion. Ab der 6. Minute wird es atmosphärisch mal ganz dicht. Apropos „Dicht“: In der Loge wurde einfach nur ein rot weisser Geburtstag gefeiert und keine Protestbewegung gegründet. Uns geht es doch gut!