Weltpokalsieger 2056

Nun gut, wir schreiben aktuell noch das Kalenderjahr 2015 und wir haben das Jahr der Fußballseuche im Zeichen der Liga erlebt. Dieses Jahr beinhaltet aus der Sicht von Rot-Weiss Essen die ziemlich schlimme Rückrunde der Saison 2014/15 und die noch schlimmere Hinrunde der aktuellen Saison 2015/16. Beide Halbserien zusammengenommen ergeben das Auftreten eines Abstiegskandidaten. Und doch ist gerade das doch ein Grund, seinen Verein weiter zu lieben. Oliver Kahn würde sogar fordern, immer weiter zu lieben. Denn, sportlich ist die Talsohle endgültig erreicht, schlimmer geht nimmer. Das heisst, wir haben alsbald schon wieder bessere sportliche Zeiten vor uns. Können uns wieder auf ein Spiel und die Mannschaft freuen. Nur müssen wir aktuell einfach durchhalten. Schreibt sich einfacher als es ist. Aber betrachten wir das Ganze doch einfach wie eine funktionierende und langjährige Beziehung: Auch in einer solchen herrscht nicht immer nur eitel Sonnenschein. Und da der aktuelle Wutfan in seinen Kommentaren laut eigener Aussage im Durchschnitt schon seit über 60 Jahren zu Rot-Weiss geht, reden wir hier doch von einer langjährigen Beziehung.

Warum also alles über das Knie brechen und Shitstorm verbreiten, anstatt sich der Liebe erinnern, und geduldig wieder einander anzunähern. Klingt jetzt wie Love, Peace & Happiness, wirkt albern. Aber, es ist wirklich der einzige Weg. Und dann werden wir Spiel für Spiel wieder mit besseren Leistungen belohnt. Kurzfristig. Langfristig gelingt Rot-Weiss Essen dieser Legende nach somit wieder ein Aufstieg. Die Euphorie steigt in gleichem Maße wie die Ligenzugehörigkeit; der schlafende Riese ist erwacht. Vorwärts Rot-Weiss, kann man da nur noch anerkennend sagen. Verein und Fans stürmen also nun auch die Dritte Bundesliga, steigen nach vielen Jahren wieder in die zweite Bundesliga auf. Und endlich: Da wartet nach fünfzig Jahren wieder das so lang ersehnte Aufeinandertreffen mit dem FC Schalke 04. Der Tag, an dem Clemens Tönnies zum Veganer wurde, bedeutete nicht nur wirtschaftliche Einschnitte in Gelsenkirchen, sondern auch den sportlichen Abstieg. Die ersten Jahre in der zweiten Liga kämpft der RWE andauernd mit dem Rücken gegen die Wand, aber die gemeinsame Leidenschaft von Fans und Mannschaft schaffte stets den Klassenerhalt.

Auswärts durften leider nie viele Fans des RWE den Spielen beiwohnen, hat der DFB das Gästekontingent für die zweite Liga auf 10 Fans beschränkt. Grund dafür natürlich die Sicherheit und Sparmaßnahmen. So sind für die 10 Auswärtsfans nur noch 50 Ordner, 200 Polizisten und ein Drogenspürhund notwendig. Ausser, es kommt der RWE: Dann wird auf 60/250 aufgestockt. Die Vergabe der Auswärtsdauerkarten erfolgt per Losverfahren. Die Jahre ziehen über das Land und der RWE nähert sich verdächtig den Aufstiegsplätzen zur Eliteklasse. Jan Siewert, inzwischen eine Trainerlegende an der Hafenstraße denkt noch nicht an`s Aufhören, sondern sieht seine Mission erst mit der Rückkehr in die Erstklassigkeit beendet. In der Saison 2051/2052 ist es endlich soweit: Im letzten Saisonspiel schafft Rot-Weiss Essen den ersehnten Aufstieg (Jede Rückkehr in eine ehemalige Liga ist natürlich ein lang ersehnter Aufstieg) in die Fußballbundesliga. Ganz Essen feiert seine Helden. Und als wäre ein Fußballmärchen wahr geworden, wird der RWE exakt einhundert Jahre nach seiner ersten und bisher einzigen Meisterschaft sowie drei Jahre nach dem Aufstieg wieder Deutscher Fußballmeister. Meister 2055: Rot-Weiss Essen! Ganz Essen feiert seine Helden noch mehr. Für die Fans bedeutet der Aufstieg in die Eliteliga mit seinen größeren Stadien auch ein erhöhtes Kontingent an Auswärtskarten: Nun dürfen wieder 20 Auswärtsfans ihren Verein begleiten. Allerdings nur Abgabe sämtlicher persönlicher Daten und einem implantierten GPS Sender.  Die große Fangemeinde ist stinksauer und wünscht sich den Abstiegskampf in der vierten Liga zurück, als es noch genug Karten für alle gab.

Das Stadion Essen wurde mittlerweile erneut ausgebaut und erhält seinen dritten Rang. Die im Nachhinein explodierenden Kosten werden ausgesessen, die Verantwortung dafür hin- und hergeschoben. Was die Mannschaft des RWE aber nicht interessiert, denn schon in der kommenden Saison 2055/56 gelingt zwar nicht die Titelverteidigung (Meister wird der SV Eintracht Nordhorn), aber der allererste Erfolg in der Europäischen Königsklasse. In einem furiosen Finale wurde der FC Zürich mit 3:1 bezwungen. Ganz Essen nun in einem kollektiven Freudentaumel. Dr. Michael Welling sieht nun die Zeit gekommen, einen Nachfolger zu suchen, um sich auf seinen Alterssitz im Emsland zurückzuziehen. Doch zuvor steht noch ein Ereignis an, welches der RWE im Dezember 2015 nicht wirklich auf der Agenda hatte: Die FIFA-Klub-Weltmeisterschaft 2056, welche vom 10. Dezember 2056 bis zum 20. Dezember 2056 in Japan ausgetragen wurde. Als gesetzte Mannschaft musste der RWE erst im Halbfinale gegen den Chinesischen Vertreter Guangzhou Evergrande treten, der mit 2:1 nach Verlängerung bezwungen wurde. Im anderen Halbfinale trafen Auckland City FC und der Club Sportivo Barracas aus Buenos Aires aufeinander. Die Argentinier konnten sich hier erfolgreich durchsetzen. Rot-Weiss Essen – Club Sportivo Barracas also das Finale der Klub Weltmeisterschaft. Seinem scheidenden Trainer auch den letzten Wunsch erfüllend, rannten die Rot-Weissen sich die berühmte Lunge aus dem Leib und den Gegner in den vielzitierten Grund und Boden. Mit 3:1 ging auch die höchste Vereinsweihe an Rot-Weiss Essen.

Ganz Essen feierte nun nicht mehr. Viele der älteren Fans wandten sich vom Verein ab, da früher in Amateurzeiten alles besser und familiärer war.

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