Der Fluß ist unberechenbar, man weiss nie, welche Umwege er sich leistet

Am vergangenen Sonntag waren über 300 Gäste im Stadion Essen zugegen, um nachträglich Willi Lippens zu seinem 70. Geburtstag zu gratulieren. Sie alle standen in irgendeiner Beziehung zum Jubilar, ob auf oder neben dem Feld. Und sie alle sahen sicher vor Ort einen Willi Lippens, so wie ich ihn auf den Fotos gesehen habe: Einen lebenslustigen Mann, dessen Augen vor Freude blitzen und dessen Mundwerk immer noch so lose ist, wie der Schnürsenkel der Fußballschlappen lange vor dem Spiel. Das Leben hat es gut gemeint mit Willi Lippens und umgekehrt auch. Ein Sympathikus vor dem Herrn.

Und so macht auch der Spielerpass für die noch laufende Saison durchaus seinen Sinn. Wenn Willi Lippens in der Kabine zu reden beginnt und kein Ende finden sollte, laufen die jungen Spieler schon freiwillig etwas schneller, nur um mal Ruhe vor ihm zu bekommen. Diese jungen, und somit aktuellen Spieler, wirkten ob der anwesenden Altherrenriege mit sportlich so großer Vita fast ein wenig eingeschüchtert. Dabei müssten sie es nicht. Sie haben den RWE nicht in die Viertklassigkeit versenkt. Sie haben aktuell eher das Problem, diese überhaupt zu halten. Und dann steht da vor ihnen dieser vitale älterer Herr; diese sympathische Vereinslegende, und erzählt mit glänzenden Augen seine immer wieder wundervollen Anekdoten. Die geladenen Gäste hängen ihm an den Lippens; klatschen und lachen. Keiner käme auf die Idee zu spucken oder zu pöbeln. Wie viel schöner ist es doch, Vereinslegende denn aktueller Spieler zu sein.

Eines dürfte die aktuelle Mannschaft somit aber spätestens an diesem Sonntag mitbekommen haben: Sie laufen nicht für irgend einen x- beliebigen Verein auf. Sie sind und stehen für Rot-Weiss Essen. Diesen Traditionsverein aus dem Revier. Und sie können eines Tages selber eine Legende werden. Vielleicht war dieses Erlebnis mehr wert als jede Traineransprache und vielleicht hatten diese Momente sogar ein klein wenig Anteil am Erfolg im Test gegen den VfB Lübeck, seines Zeichens Nord Regionalligist. Der RWE inklusive Gastspieler siegte mit 3:0 und dürfte somit für den kommenden Samstag gegen die Zweitvertretung des „FC“ aus Köln gerüstet sein. Vielleicht schütteln wir zu diesem Zwecke alle einmal dieses selten dämliche 2015 aus den Trikots oder Fanklamotten und fangen alle miteinander ganz von vorne an.

Verein und Medien schwelgten ob der Feierlichkeiten und mussten nur einen Tag später schon feststellen, dass das Schicksal wohl doch nur der miese Verräter ist, wie es ein Film bezeugte: Nur diesen einen Tag später, am 25. Januar 2015 also, galt es Abschied zu nehmen von einer weiteren Vereinslegende: Günter „Nobby“ Fürhoff fand einfach kein Mittel mehr, um in der gegnerischen und so heimtückischen Krankheit eine Lücke zu finden, so wie er sie viele Jahre für den RWE am Ball in des Gegners Spiel fand. Nobby Fürhoff wurde nur achtundsechzig Jahr jung. Wie immer, wenn uns ein Mensch verlässt, können Worte nur deplatziert sein und nicht annähernd Trost spenden. Es haben uns in den letzten Tage und Wochen so viele Menschen verlassen.  Vielleicht haben sie uns sogar in eine bessere Welt verlassen als die, die wir aktuell vorfinden. In unserer Welt gibt es doch nur noch Gegen- statt Miteinander. Alle miteinander jedoch können wir der Familie von Nobby Fürhoff nur viel Kraft für die kommende Zeit wünschen.

Der gebürtige Essener Nobby Fürhoff bestritt zwischen 1968 bis 1978 für die Rot-Weissen 309 Meisterschaftspartien und erzielte dabei 77 Tore. Auch per Kopf. In der Bundesliga kam der technisch beschlagene Mittelfeldspieler auf 153 Einsätze inklusive 20 Toren für unseren RWE. Nach dem Abstieg in die zweite Bundesliga entschied sich Günter Fürhoff für ein Engagement  in Würzburg beim dortigen FV 04. In Würzburg fand er zudem seine neue Heimat. Den verdienten Respekt für seine Leistungen im Trikot des RWE bekam Nobby Fürhoff spätestens einmal mehr durch die Fans, die ihn 2007 in die „Jahrhundertmannschaft“ wählten. Der Respekt durch den Verein sollte noch etwas dauern, da der Verein im Umgang mit seinen Legenden bisweilen etwas unglücklich agierte. Erst seit einigen Jahren besinnt sich Rot-Weiss Essen seiner ehemaligen Spieler und Legenden und würdigt deren Leistung angemessen. Und so erfreute sich auch Günter Fürhoff der neuen Aufmerksamkeit durch den RWE und half sie ihm sicher durch manch schwere Stunde.

Den Spitznamen „Nobby“ bekam Günter Fürhoff übrigens durch Willi Lippens verpasst. Womit sich hier wunderbar ein Kreis zu schließen vermag. Ein Kreis, der Freude und Trauer vereint. Ein Kreis, der aber auch verdeutlicht, dass das Leben eines Menschen nicht ewig dauert, der Verein uns alle aber auf ewig überleben wird. Es ist der Verein der uns verbindet; der uns Halt gibt. In guten natürlich; aber auch in schweren Zeiten. Und wir sollten den Verein loslösen von einer temporären sportlichen Krise. Sondern ihn als Teil von uns akzeptieren und stets mit Respekt behandeln. Geburtstag und Todestag. Selten zeigt das Schicksal in nur zwei Tagen seine Macht. Danke Willi Lippens für alles! Ich hoffe, dass bei Ihnen noch lange Zeit der Schalk im Nacken blühen mag. Danke Günter „Nobby“ Fürhoff für alles! Auch wenn es zwischendurch mal so den Anschein hatte: Ihre Fans und die Hafenstraße haben Sie nie vergessen und werden Ihr Andenken bewahren. Ruhen Sie in Frieden!

„Wenn ein Mensch stirbt,
dann ist das so,
als verschwände ein Schiff hinter dem Horizont.
Es ist immer noch da,
wir sehen es nur nicht mehr“

Unbekannt

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