Ein modernes Halbfinalmärchen

1.Halbzeit:

„Das Stadion wurde eröffnet mit einem Eröffnungsspiel“ Der mir bis dato nicht bekannte Kommentator Oliver Forster eröffnete die Berichterstattung mit einem wahren Bonmot. Unbekannt bedeutet andererseits: Jörg Dahlmann hat Urlaub. Ein gutes Zeichen.

Der Platz sieht übrigens aus, als hätten die GVE Mitarbeiter auf Geheiß ihres Chefs hier und dort die Grashalme herausgerupft und mit irgendetwas undefinierbarem aufgefüllt.

Der FC Kray mit dem besseren Start. Aber das war von der aktuellen Nummer Eins der Stadt auch so zu erwarten.

Oliver Forster vermisst nach 7 Minuten noch die Struktur im Spiel des RWE. Die vermissen wir bisweilen über viele Spiele hinweg; er muss sich also gedulden.

Stimmlich erinnert Oliver Forster übrigens an die Light Version von Hansi Küpper.

In der zwölften Minute der erste Eckball für den RWE, der da nichts einbrachte. Aber immerhin.

„Rot-Weiss Essen, ein großer alter Verein“ stöhnt Oliver Forster in sein Mikrofon und muss dabei leicht lachen. Ist aber sonst in die Vereinsgeschichte gut eingearbeitet worden.

In der neunzehnten Minute werden die Presseabteilungen beider Vereine gelobt, und namentlich erwähnt. Der bisherige Höhepunkt im Spiel und definitiv so zu unterstreichen.

Zwanzigste Minute: Das Glas Cola ist leer und Gattin hört meine Rufe nicht. Eine Spielunterbrechung wäre jetzt angebracht.

Benjamin Baier endlich mit dem, was er so gut kann: Distanzschuss! Zur Belohnung erwähnt Oliver Forster die Vita seines Bruders Daniel.

Erste hörbare Anfeuerung für die Krayer. Dermaßen motiviert folgt direkt der erste geordnete Torschuss der Mannen in den textmarkerfarbenen Trikots.

Patrick Huckle mit einem weiteren sehenswerten Schuss aus der Distanz als Auflockerung in einem bislang qualitativ überschaubaren Spiel. Aber Einsatz und unbedingter Wille ist auf beiden Seiten vorhanden.

Und da ist aus dem Nichts die Führung für den RWE. Andreas Ivan nutzt einen Torwartfehler. Ach so, Moment: Emotionen 3,2,1: Jaaaaaaaaaa……

Der erste grobe Patzer von Oliver Forster im Spiel: 9.600 Fans im Schnitt sind es aktuell definitiv nicht in dieser Saison. Das ist der aktuelle Zuschauerschnitt des VfL Wolfsburg bei Spielen der Champions League. Er hat sich einfach vertan, kann passieren.

„Oh immer wieder, RWE..“

Ich verneige mich vor Oliver Forster: Erst in der sechsunddreißigsten Minute fiel der Name Helmut Rahn. Somit ein Kommentator, der sich aktuell mit dem Verein beschäftigt und nicht ständig von der Vergangenheit schwafelt oder jemanden vor das Mikrofon zerrt.

Und wo ich das tippe, markiert Zeiger das 2:0 für unsere wundervollen Farben. Somit ist klar: Kein Liveticker kann live alles verfolgen und zeitgleich in die Tasten hauen. Auch die legendären 11Freunde Texte müssen schon vorformuliert sein, das ist menschlich kaum zu leisten. So schnell tippt keiner! Ich bin hier scheinbar einem ganz großen Skandal auf der Spur. #Tickergate sozusagen.

Gattin guckt zur Tür herein. Leider ohne Getränk. Aber mit dem Verweis, dass ich zeitverzögert gucke, da das Tor bei ihr früher gefallen ist. Während ich noch darüber grüble, warum wir dann nicht zusammen gucken, nimmt sich Stefan Blank am Spielfeldrand einen tiefen Schluck aus der Pulle.

Es können Wetten bei bwin platziert werden und die „West“ sendet lautstark Grüße gen Oberhausen.

Wuppertal hört sich bei Oliver Forster übrigens in etwa so an wie Tupperware. Es sind ja auch Ähnlichkeiten vorhanden: Tupperware wird auch ständig hoch gehandelt und dann fliegt das ganze Zeugs doch nur in Einzelteilen im Schrank herum.

Pause! Rot-Weiss Essen führt völlig plötzlich und unerwartet mit 2:0.  WhattsApp aus dem Stadion sagt: „Läuft“. Twitter fragt: „Sollten sie wirklich gewinnen?“ Millionen Fans vor den Bildschirmen sind vorfreudig erregt ob der zweiten Halbzeit.

Halbzeit:

Thomas Helmer meldet sich aus der 11Freunde Bar in Essen zu Wort. Für den Moment ist der TV Abend mal wieder gelaufen und dabei wollte ich mich gerade mit Sport1 versöhnen. Und überhaupt wird klar, dass ein Spiel der eigenen Mannschaft auf dem Sofa einfach nicht funktioniert. Das funktioniert definitiv nur im Stadion.

2.Halbzeit:

Oliver Forster direkt wieder auf Betriebstemperatur. Jörg Dahlmann würde noch irgendwo zwischen uninteressant oder nicht wichtig schwadronieren. Der Anpfiff erfolgte natürlich auch wieder. Und mit diesem steht Conny Kramer auf dem Liedzettel.

So, die Spieler des FC Kray haben in der Pause gut zugehört und drücken aktuell auf das Essener Tor wie manch Fan draußen am Stand noch auf die Senftube. Und prompt fängt sich der RWE das Tor. Oliver Forster sieht nun ein Pokalspiel aufziehen.

Erneuter Eckball für den RWE: Keine schlechte Nummer, und zudem wurde klar: Auch Frank Löning steht noch auf dem Feld, nahm er den Ball doch direkt an. Das hatte was! Was macht das Nervenkostüm? Es scheint aktuell noch zu halten. Aber ist ja auch noch früh.

Recht gediegene Atmosphäre an der Hafenstraße. Ey das war Foul, der hat geschubst!

Die sechzigste Minute ist um, und gegen die drohende Langeweile wird nun ein Rudel gebildet. Krayer können Schwalbe und selbst des Unparteiischen Hinterteil mischt nun im Spielgeschehen mit. Hier ist doch was los. Also in Essen natürlich.

Den RWE andauernd als großen Favoriten zu bezeichnen wird der bisherigen Seuchensaison aber wirklich nicht gerecht. An dieser Stelle also energischer Einspruch.

„Freunde,Freunde“ Oliver Forster kann sogar Marcel Reif. So langsam mischt sich Angstschweiss mit grippal bedingt erhöhter Temperatur.

Wechsel RWE: Nummer 18 geht, die Hälfte kommt.

Kardiu geht auf Seiten des FC Kray. Das erinnert mich daran, noch einen Termin für ein Belastungs- EKG zu machen. Aktuell lässt sich der RWE  ein für meinen Geschmack ein wenig zu viel einlullen. Oliver Forster muss vorab an mein erst im Mai erscheinendes Buch gekommen  sein: Er nennt Vereinsfakten daraus und zitiert sogar Edson Arantes do Nascimento.

Fünfundsiebzigste Minute: Der erste Pfiff von den Rängen ertönt. Das hat aber sehr lange gedauert. Die West hält mit Stimmung dagegen. Der Löning geht, das hat seinen Grund, denn der kommt. Noch zehn Minuten. Ich flehe schon höhere Mächte an, auch wenn ich mit dem Fußballgott nicht mehr kommuniziere.

Ein Tor würde dem rot-weissen Spiel jetzt gut tun. Völlig zerfahrenes Spiel jetzt. Der RWE verliert mal wieder das, was sich spielerische Linie nennt. Und trifft konsequenterweise zum 3:1. Die machen einfach immer das völlig Unerwartete.

Vierundachtzigste Minute und eine zwei Tore Führung: Bin gerade mit dieser Situation völlig überfordert. Oliver Forster erwähnt ehemalige Größen, die möglicherweise alle vor dem Fernseher sitzen. Die Zuschauerzahl wird durchgegeben und überrascht auch etwas. Negativ. Zur weiteren Beruhigung trägt direkt aber das 4:1 für den RWE bei. Es könnte tatsächlich zum ersten Sieg seit 1978 reichen. Wir fahren nach Berlin.

Der Höhepunkt zum Schluß: Jan Siewert nimmt Zeit von der Uhr! Rot-Weiss Essen steht im Finale des besten Pokalwettbewerbs aller Zeiten. Wir bedanken uns für Ihre Aufmerksamkeit; für einen wirklich guten Kommentator und geben zurück in die angeschlossenen Funkhäuser. Ich bin einfach nur froh. Danke Jungs!

 

 

 

 

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